Über  die  panikartige  Flucht  in  Ostende  berichtet  Daily  News,  es  habe  den  Anschein,  als  ob  die  ganze  Bevölkerung
  von  Ostende  bald  in  Holland  sein  würde.  —  Nachmittags  wurde  bekanntgegeben,  baß  keine  Schiffe
mehr  nach  England  abgehen  werden.  Die  Ursache  letzter  Maßnahme  war,  daß  alle  Fahrzeuge  für  den  Transport
der  zurückziehenden  Truppen  bereit  gehalten  werden  müßten.  Jetzt  begann  eine  große  Auswanderung
zu  Fuß,  mit  Rädern  und  Wagen  nach  Holland.  Flüchtlinge,  die  später  Ostende  verlassen  haben,  erzählen,  daß
gestern  abend  bereits  der  größte  Teil  der  Überreste  der  belgischen  Armee  eingeschifft  gewesen  sei.  —  In  Folkestone
  sind  wieder  mehrere  Tausend  Flüchtlinge  aus  Antwerpen  gelandet,  wovon  viele  halb  verhungert  und
ärmlich  gekleidet  waren.

Das  Namensfest  des  obersten  Kriegsherrn  wurde  von  den  in  Serbien  stehenden  österreichischen  Truppen,
die  den  Feind  in  hartem  Kampfe  Schritt  um  Schritt  zurückdrängen,  in  aller  Stille  aber  würdig  gefeiert.

Das  Persische  Parlament  forderte  die  Regierung  auf,  gegen  Rußland  die  schärfsten  Maßnahmen  zu
ergreifen.  Die  Erregung  in  den  unabhängigen  persischen  Nomadenstämmen  ist  allgemein  geworben.  Der
heilige  Krieg  wird  in  allen  Ortschaften  gepredigt.  Die  russischen  Niederlagen  sind  groß,  die  Aufständischen
sind  im  Vormarsch.

Zur  Beisetzung  des  verstorbenen  König  Karol  ist  Fürst  Wedel,  alo  Delegierter  des  Deutschen  Kaisers
nach  Bukarest  gefahren.  Er  wurde  vom  König  und  der  Königin  in  Privataudienz  empfangen.  Später  hatte
er  eine  Unterredung  mit  dem  Premierminister  Bratianu.  Die  anderen  Höfe  sind  nur  durch  die  in  Bukarest
weilenden  Gesandten  vertreten.

Gegen  die  Brüder  Bixton,  die  vom  Londoner  Balkankomitee  zur  Beeinflussung  der  öffentlichen  Meinung
für  Rußland  nach  den  Balkanstaaten  entsandt  worden  sind,  wurde  ein  Mordanschlag  verübt.  Als  die
Brüder  mit  dem  Sohne  Geschow's  im  Automobil  zur  Teilnahme  an  dem  Leichenzuge  für  den  König  ausfuhren,
feuerte  ein  junger  Türke,  Namene  Pashilhassan,  der  von  Saloniki  gekommen  war  und  einen  in  Konstantinopel
  am  2.  September  visierten  Paß  besaß,  vier  Revolverschüsse  auf  sie  ab.

Nieuwes  van  den  Dag  melden:  Deutsche  Truppen  rückten  durch  Selzacte  nach  Westen  vor.  Assenede
wurde  besetzt.  Ypern  ist  von  den  Deutschen  völlig  umzingelt.  Der  Strom  der  Flüchtlinge,  der  sich  auf  dem
Wege  nach  Calais  befindet,  weist  auf  den  allgemeinen  Vormarsch  der  Deutschen  nach  der  Küste  hin.

Das  Vaz-Dias-Telegraphenbureau  meldet,  daß  Brügge  gestern  von  den  Deutschen  besetzt  worden  sei.

16.  Oktober.

Der  Kommandant  der  Verteidigungswerke  an  der  Themse,  Medway,  ließ  in  London  eine  Bekanntmachung
  anschlagen,  in  der  die  Bevölkerung  vor  feindlichen  Luftschiffen  und  Flugzeugen  gewarnt  wird.  Man
müsse,  sobald  man  schießen  höre,  Deckung  suchen,  möglichst  in  Kellern  und  Bodenvertiefungen.

Amtlich  wird  verlautbart:  Gestern  eroberten  unsere  Truppen  die  befesiigten  Höhen  von  Starasol.  Auch
gegen  Stary  und  Sambow  gewann  unser  Angriff  Raum.  Nördlich  Striviaz  haben  wir  eine  Reihe  von  Höhen
bis  zur  Südfront  von  Przemysl  im  Besitz.  Am  San,  flußabwärte  der  Festung,  wird  gleichfalls  gekämpft.
Unsere  Verfolgung  des  Feindes  über  die  Karpathen  erreichte  Wyszkow  und  Skole.  v.  Höfer.

Aus  dem  Kriegspressequartier  wird  amtlich  gemeldet:  Am  2.  Oktober,  3  Uhr  nachmittags,  wurde  dem  Festungskommandanten
  in  Przemysl  folgender  an  den  Kommandanten  der  Festung  gerichteter  und  durch  einen
Parlamantär  überbrachter  Brief  präsentiert:

Herr  Kommandant!

Das  Glück  hat  die  k.  und  k.  Armee  verlassen.  Die  letzten  erfolgreichen  Kämpfe  unserer  Truppen
haben  mir  die  Möglichkeit  gegeben,  die  Euerer  Exzellenz  anvertraute  Festung  Przemysl  zu  umringen.
Irgend  welche  Hilfe  für  Sie  von  außen  halte  ich  für  unmöglich.  Um  das  unnütze  Blutvergießen  zu
vermeiden,  finde  ich  es  jetzt  zur  richtigen  Zeit  Euerer  Exzellenz  die  Unterhandlungen  über  die  Übergabe
der  Festung  vorzuschlagen,  da  es  in  diesem  Falle  möglich  wäre,  für  Sie  und  die  Garnison  ehrenvolle
Bedingungen  vom  allerhöchsten  Oberkommando  zu  erbitten.  Falls  Euere  Exzellenz  die  Unterhandlungen

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