Eine  große  englische  Firma  in  London,  die  sich  mit  dem  Verkauf  von  Uhren  befaßt,  schrieb  einem  schweizerischen
  Uhrenfabrikanten,  sie  könne  aus  der  Schweiz  nur  noch  Uhren  beziehen,  wenn  eidlich  bezeugt  werde,  daß
kein  Deutscher  in  der  schweizerischen  Uhrenfabrik  beschäftigt  werde  und  kein  deutsches  Geld  in  der  Fabrik  engagiert
  sei.

19.  Oktober.

Amtlich  meldet  das  große  Hauptquartier,  daß  die  Angriffsversuche  des  Feindes  in  der  Gegend  westlich
und  nordwestlich  von  Lille  von  unseren  Truppen  unter  starken  Verlusten  für  den  Gegner  abgewiesen  wurden.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatze  ist  die  Lage  unverändert.

Aus  Konstantinopel  wird  glaubwürdig  gemeldet,  daß  die  Muselmanen  des  Somalilandes  sich  erhoben
  und  die  Stodt  Berbera  den  Hauptort  der  Kolonie  unter  dem  Oberbefehl  von  Scheichs  angegriffen
haben.  Sämtliche  englischen  Offiziere  der  Garnison  wurden  gefangen  genommen  und  die  Stadt  wurde  von
den  Muselmanen  besetzt.  —  Ein  deutscher  Kreuzer  habe  die  im  Bau  befindliche  Eisenbahnlinie  von  Dschibuti
  nach  Adis  Abeda,  die  von  den  Franzosen  gebaut  wird,  bombardiert  und  die  Strecke  zerstört.

Die  Blätter  geben  eine  dem  halbamtlichen  afghanischen  Organ  Saradiuldhbar  entnommene  Meldung
wieder,  wonach  infolge  der  Verhaftung  des  muselmanischen  Offiziers  Mehmed  Hafiz,  des  Bruders  der  Fürstin
von  Bhopal,  einer  der  bedeutendsten  muselmanischen  Fürsten  Indiens,  sich  Stämme,  deren  Chef  Mehmed
Hafiz  ist,  erboben  haben.  Der  aufständische  Stamm  Djibbour  drängt  die  Inder  zur  Erhebung  gegen  die
Engländer.

Wie  aus  London  gemeldet  wird,  hat  die  britische  Regierung  den  Schutz  von  Belgisch  Kongo  übernommen
und  die  Besetzung  des  Kongolandes  angeordnet.

Aus  Tokio  wird  gemeldet,  daß  der  Befehlshaber  des  japanischen  Expeditionskorps  in  Kiautschau  der
Besatzung  eine  ehrenvolle  Kapitulation  angeboten  habe.  Er  bot  der  Besatzung  an,  daß  er  die  Garnison  nicht
als  Kriegsgefangene  behandeln  wolle,  sondern  sie  auf  japanischen  Schiffen  durch  den  Suezkanal  nach  einem  neutralen
  Hafen  im  mittelländischen  Meere  überführen  wolle.  Der  Deutsche  Kommandant  lehnte  dieses  Anerbieten
  mit  aller  Bestimmtheit  ab.  Gleichzeitig  wurde  der  eingeborenen  Bevölkerung  freier  Abzug  aus  der
belagerten  Stadt  zugestanden.

20.  Oktober.

Amtlich  wird  gemeldet:  Das  englische  Unterseeboot  E.  3  ist  am  18.  Oktober  nachmittage  in  der  deutschen
  Bucht  der  Nordsee  vernichtet  worden.  Der  stellv.  Chef  des  Admiralstabes.  gez.  von  Behncke.

Aus  Rotterdam  wird  gemeldet:  Das  deutsche  Heer,  das  Antwerpen  belagerte,  marschiert  auf  verschiedenen
Straßen  in  der  Richtung  Dünkirchen,  das  von  den  Franzosen  besetzt  und  befestigt  ist.  Südlich  Dünkirchens
befindet  sich  eine  belgische  Armee,  deren  Überbleibsel  am  Donnerstag  angekommen  sind  und  deren  Abzug  in
Flucht  ausartete.  Sie  war  ohne  jede  Verbindung  mit  dem  Teil  der  Armee,  die  vor  der  Besetzung  Antwerpens
nach  Ostende  entkam  und  nach  Boulogne  verschifft  wurde.  Dieser  Teil  sollte  dort  reorganisiert  werden,
um  an  den  Kämpfen  auf  dem  französischen  linken  Flügel  teilzunehmen.

Dirmuiden,  wo  sich  französische  Soldaten  zur  Deckung  des  belgischen  Abzuges  befanden,  ist  wahrscheinlich
  gestern  geräumt  worden.  Südlich  Dünkirchen  und  Boulogne  stehen  starke  französische  Truppenabteilungen.
Die  Engländer  vernichteten  den  in  Antwerpen  gewesenen  Vorrat  an  Benzin.

Der  Hamburgische  Senator  Strandes  ist  zum  Zivilgouverneur  von  Antwerpen  ernannt.

Aus  Kairo  wird  gemeldet,  daß  England  versucht  habe,  die  ägyptischen  Truppen  zu  entwaffnen.  Die
Eingeborenen  widersetzten  sich  und  es  kam  zu  einem  rergelrechten  Kampf  zwischen  Engländern  und  Ägyptern,
in  dessen  Verlauf  auf  beiden  Seiten  150  Mann  fielen.  —  In  Alexandrien  haben  sich  ähnliche  Kämpfe  abgespielt,
  und  England  entschloß  sich,  den  Truppen  vorerst  die  Waffen  zu  lassen.  Unter  den  indischen  Soldaten
greift  die  Massenflucht  um  sich.  An  einem  einzigen  Tage  wurden  30  Mann  gehängt.

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