Herren  gehen  in  einem  Lande,  das  von  ihrem  Heimatslande  in  seiner  Lebensexistenz  nicht  nur  bedroht,  sondern
direkt  vernichtet  werden  soll,  ungehindert  und  mit  einem  Nationalstolzdünkel  behaftet,  ihren  Geschäften  und
täglichen  Gewohnheiten  nach.  Sie  machen  sich  nach  wie  vor  in  den  Cafees  und  sonstigen  Lokalen  breitspurig
und  großschnauzig  wie  immer.  Oft  kommt  es  einem  vor,  als  wollten  sie  sagen:  Was  wollt  ihr  dummen
Deutschen  denn,  wir  kommen  bald  und  stecken  auch  euch  in  die  Tasche.

Was  tut  denn  die  deutsche  Regierung  solchen  Elementen  gegenüber?!  Beinahe  gar  nichts.  Die  Herren
geben  ihren  Ausweis  jede  Woche,  daß  sie  noch  da  sind  und  daß  es  ihnen  bei  uns  ganz  gut  geht  und  gefällt.  Das
ist  alles.  Wie  werden  unsere  Landsleute  in  England  behandelt?  Die  Berichte  der  letzten  Wochen  geben  uns
wieder  ein  schreckliches  Bild.  Sie  werden  in  Massenlagern  interniert,  ungenügende  Kost,  ja  nicht  einmal  genügend
frische  Luft  wird  ihnen  gegönnt.  Geschäfte  dürfen  sie  nicht  mehr  machen.  Angestellte  werden  auf  die  Straße
geworfen  wie  Hunde.  Püffe  und  Schläge  setzte  es  auch  ab.  Das  sind  für  unsere  Landsleute  schwere  und  zum
Himmel  schreiende  Zustände.

Und  was  tut  die  Regierung  dagegen?  Proteste  helfen  bei  den  abgefeimten  Verbrechern  von  Engländern
nichts,  wenn  sie  etwas  versprechen,  das  halten  sie  nicht.  —  Verträge  mit  den  Völkern  der  ganzen  Welt  brechen
sie,  sobald  es  gilt,  ihre  Vorteile  zu  wahren.  Und  Anhänger  eines  solchen  Verbrechervolkes  laufen  bei  uns  unbebindert
  ihren  Geschäften  nach.  Also  in  unserem  lieben  deutschen  Vaterlande  machen  diese  Herren  Geschäfte
und  drüben  in  ihrem  Lande  bluten  und  stöhnen  unsere  Landeskinder.  Wir  wollen  gewiß  nicht,    daß  Gleiches
mit  Gleichem  vergolten  werde.  Aber  Geschäfte  sollen  diese  Herren  bei  uns  nicht  mehr  machen.  Jeder  gut  deutsch
Gesinnte  muß  sagen:  Unsere  Regierung  muß  diesen  Herren  gegenüber  schärfere  Maßregeln  ergreifen.

Bereits  haben  deutsche  Firmen  und  kaufmännische  Vereine  diesen  Herren  den  Krieg  erklärt  und  die  Parole
ausgegeben:  Mit  englischen  in  Deutschland  arbeitenden  Firmen  keine  Geschäfte  mehr  zu
machen.

Der  Vorstand  der  Kaffeemaklervereinigung  hat  durch  Anschlag  an  seine  Mitglicher  folgendes  Ersuchen
  gerichtet:  Der  Vorstand  unserer  Vereinigung  bittet  die  Mitglieder,  aus  Patriotismus  während  des
Krieges  mit  englischen  Firmen  nicht  zu  handeln.

Infolge  des  gegen  Deutschland  gerichteten  Zahlungsverbots  Englands  hat  nun  auch  der  deutsche  Bundesrat
  unterm  30.  September  1914  bis  auf  weiteres  verboten,  Zahlungen  nach  Großbritannien  und  Irland
oder  den  britischen  Kolonien  und  auswärtigen  Besitzungen,  mittelbar  oder  unmittelbar  zu  leisten.  Zuwiderhandlungen
  werden  mit  Gefängnis  bis  zu  drei  Jahren  und  mit  Geldstrafe  bis  zu  50000    Mark  bestraft.  Da
nun  der  einzelne  deutsche  Kaufmann  nicht  in  der  Lage  ist,  festzustellen,  ob  die  betreffenden  Firmen  in  Deutschland
  Niederlassungen  englischer  Firmen  sind,  und  ob  die  Gelder  nicht  nach  England  gehen,  so  wäre  es  eine  dankenswerte
  Aufgabe  der  Handelskammern,  wie  der  Verband  Deutscher  Waren=  und  Kaufhäuser  E.  V.  schreibt,
für  ihre  Bezirke  Verzeichnisse  der  englischen  Firmen  aufzustellen,  an  die  Zahlungen  geleistet,  bezw.  nicht  geleistet
  werden  dürfen.  Dasselbe  wäre  auch  erforderlich  für  Frankreich  und  Rußland.

21.  Oktober.

Amtlich  wird  verlautbart:  Die  Schlacht  in  Mittel-Galizien  hat  namentlich  nördlich  des  Strwiazflusses
  noch  an  Hefeigkeit  zugenommen.  Unser  Angriff  gewinnt  stetig  Raum  nach  Osten.  Um  einzelne  besonders
  wichtige  Höhen  wurde  von  beiden  Seiten  mir  Erbitterung  gekämpft.  Alle  Versuche  des  Feindes,  uns
die  Magiera  wieder  zu  entreißen,  scheiterten.  Dagegen  eroberten  unsere  Truppen  die  vielumstrittenen  Baumhöhen
  nordöstlich  Tyszkowice.  Südlich  der  Magiera  wurde  der  Gegner  in  mehreren  Ortschaften  geworfen.
In  diesen  Kämpfen  wurden  viele  Russen,  darunter  ein  General,  gefangen  genommen  und  auch  Maschinengewehre
  erbeutet.  Die  Gefangenen  berichteten  von  der  furchtbaren  Wirkung  unseres  Artilleriefeuers.  Südlich
des  Strziaz,  wo  unsere  Front  über  Stary-Sambor  verläuft,  steht  die  Schlacht.  Stryj,  Koervesmezve
und  Sereth  wurden  von  unseren  Truppen  nach  Verteidigung  durch  den  Feind  in  Besitz  genommen.

über  die  Ereignisse  an  der  Adria  wurde  dem  Oberkommando  berichtet:  Am  17.  Oktober  morgene  fand  seewärts
  von  der  Spitze  von  Ostro  ein  Scharmützel  zwischen  einzelnen  Torpedo=  und  Unterseebooten  nebst  einem
Luftfahrzeug  und  dem  französischen  Kreuzer  Waldeck  Rousseau  statt.  Trotzdem  der  Kreuzer  unsere  Ein-142

