Aus  Washington  wird  telegraphiert,  daß  Staatssekretär  Bryon  gemeldet  habe,  die  amerikanische
Regierung  habe  gegen  die  Beschlagnahme  des  amerikanischen  Petroleumdampfers  D.  Rockfeller,  die  von  einem
englischen  Kriegsschiffe  vorgenommen  wurde,  Protest  eingelegt.

In  der  Wiener  Zeitung  wird  eine  kaiserliche  Verordnung,  betreffend  Vergeltungsmaßregeln  auf
rechtlichem  und  wirtschaftlichem  Gebiete,  anläßlich  der  kriegerischen  Ereignisse  eine  Verordnung  des  Gesamtministeriums
  über  Vergeltungsmaßregeln  bei  Guthaben,  Forderungen,  die  den  Angehörigen  feindlicher  Staaten
zustehen,  eine  Verordnung  des  Gesamtministeriums  über  die  Erlassung  eines  Zahlungsverbots  gegen  Großbritannien
  und  Frankreich  und  eine  Verordnung  des  Gesamtministeriums  betreffend  die  Überwachung  ausländischer
  Unternehmungen  veröffentlicht.  Ausnahmsweise  Maßnahmen  werden  veröffentlicht.

Ein  der  deutschen  Sprache  mächtiger  Spanier  schreibt  laut  Hamb.  Fremdenblatt:  Die  Folgen  des  Krieges
spürt  die  ganze  Welt.  Hier  sind  viele  Arbeiter  der  Tabakindustrie  und  andere  arbeitslos.  Was  den  Krieg  anlangt,
  so  wissen  wir  bloß,  was  von  Paris  und  London  uns  gegeben  wird,  doch  durchlesen  kann  man  schon
die  englische  Lüge.  Ich  glaube  ganz  gern,  daß  Deutschland  und  der  Deutsche  Kaiser  keine  Schule  an
dem  Kriege  haben;  es  ist  ja  schauderhaft,  wie  die  ganze  Welt  gegen  eine  Nation,  die  jetzt  unzivilisiert  genannt
wird,  und  von  der  doch  alle  gelernt  haben  und  wohin  sie  gar  zu  lernen  die  Söhne  geschickt  haben,  kämpft.  Es
ist  bitter  für  jeden  aufrichtigen  unparteiischen  Menschen,  zu  sehen,  wie  ohne  jeden  anderen  Grund  als  Neid,
Deutschland  angegriffen  wird.  Die  deutschen  industriellen,  kaufmännischen  und  wissenschaftlichen  Fortschritte,
die  Militär=  und  Seemacht  Deutschlands  konnten  die  Gentlemen's  genannten  Engländer  nicht  vertragen.
Ich  glaube,  daß  es  Deutschland  an  Diplomaten  gefehlt  hat,  sonst  hätte  es  mehr  Nationen  gehabt,  die  ihm  geholfen
  hätten.  Wenn  ich  auch  Spanier  bin,  und  trotz  meiner  sozialistischen  Ideen,  ich  weiß  nicht,  ob  ich  mich  hätte
halten  können,  wenn  ich  in  Deutschland  wäre,  ich  hätte  vielleicht  meine  Neutralität  gegen  die  gesamte  Kanaille
aufgegeben.  —  Ein  anderer  schreibt  aus  Malaga  u.  a.:  Es  ist  wirklich  ein  Verbrechen,  was  man  mit  Deutschland
  verüben  will.  Sein  einziger  Fehler  ist  der  gewesen,  für  die  Kultur  und  die  Menschheit  stets  gearbeitet
und  den  Gipfel  der  Vollkommenheit  erreicht  zu  haben.  Das  können  seine  Feinde  nicht  ertragen.  (Der  Mann
hat  recht.  Hans....  ).

Aus  Rotterdam  wird  unterm  heutigen  gemeldet:  Die  Deutschen  konzentrieren  im  Südwesten  Belgiens
eine  gewaltige  Macht,  um  die  Überreste  der  belgischen  Armee  in  der  Nähe  des  Flusses  Yser  zu  überrennen
und  den  Äußersten  linken  Flügel  der  Verbündeten  zu  durchbrechen.  Daß  die  Truppen  bei  ihrem  Transport
die  Bahn  benutzen  konnten,  war  ein  schöner  Erfolg  der  Tätigkeit  des  Eisenbahnpersonals.

Der  Kreuzer  Emden  hat  außer  den  mitgeteilten  Schiffen  noch  den  neuen  Dampfer  Siegbert  versenkt.
Die  Tapferkeit  und  Unerschrockenheit  der  Besatzung  und  des  Kommandanten  der  Emden  erregt  bei  den  Engländern,
  auch  wenn  es  sehr  ärgerlich  für  die  Engländer  ist,  eine  kolossale  Begeisterung  und  Vewunderung.


Die  Russen,  die  ursprünglich  ihre  Truppen  bis  auf  eine  kleine  Besatzung  aus  Lemberg  zurückgezogen  haben,
warfen  nach  dem  Entsatz  von  Przemysl  außerordentliche  Verstärkungen  nach  Lemberg.  Tag  und  Nacht
arbeiten  sie  an  der  Befestigung  der  Stadt.  Die  Bewölkerung  wird  zum  Schanzengraben  gezwungen.  Es  fehlt
an  Nahrungsmitteln.  Raubanfälle  mehren  sich.  Die  Russen  wollen  Lemberg  um  jeden  Preis  halten.

Ein  Bulletin  des  russischen  Generalstabes  meldet:  Der  Rückzug  von  Czernowiz  sei  wegen  schlechten
Wetters  und  Schneefalls  erfolgt.

Der  bekannte  Schlachtenmaler  Rocholl  geriet  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  in  französische
Gefangenschaft.

Nach  diplomatischen  Informatienen  aus  Lissabon  setzen  sich  dort  einflußreiche  Politiker  für  Aufrechterhaltung
  der  Neutralitat  Portugals  ein  und  es  soll  Aussicht  vorhanden  sein,  daß  ihre  Bemühungen  von
Erfolg  sind.

Die  Höchstpreise  wurden  folgendermaßen  festgesetzt:

Weizenmehl.....  Pfund  25 Pfennig
Roggenfeinmehl.....  〃 20  〃

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