Abschnitt  5.

Die  Periode  von  1866—-1875.

Der  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  1865  eingetretene  Geldmangel,
  der  schon  im  Oktober  eine  Erhöhung  des  Diskontsatzes
auf  7  %  veranlasst  hatte,  griff  auch  auf  das  Jahr  1866  über.
Wenn  auch  die  politische  Lage  zu  Beginn  des  Jahres  ernst  war,
so  hoffte  doch  der  Handelsstand,  umsomehr  als  die  Preussische
Bank  im  Februar  1866  den  Diskontsatz  wieder  auf  6  %  ermässigt
hatte,  dass  eine  Besserung  der  Verhältnisse  eintreten  würde.  Diese
Hoffnung  erwies  sich  aber  als  eine  trügerische.

Als  sich  ernstere  politische  Verwicklungen  einstellten,  nahm
der  Silberabfluss  so  zu,  dass  die  Bank  den  Kredit  wieder  beschränken
  musste  und  den  Diskontsatz  am  4.  Mai  auf  7%  und
schon  8  Tage  später  auf  9  %  erhöhte.  In  den  ersten  14  Tagen
des  Mai  war  der  Ansturm  auf  die  Bank  am  grössten.  Ihre
Wechselanlage  vermehrte  sich  in  dieser  verhältnismässig  kurzen
Zeit  trotz  des  erhöhten  Diskontsatzes  um  10  Mill.  Thlr.  und  der
Betrag  der  umlaufenden  Noten  um  13,7  Mill.  Thlr.  Um  dem  lebhaften
  Kreditbedürfnis  weiter  abzuhelfen,  wurde  durch  Königliche
  Verordnung  vom  18.  Mai  1866  die  Errichtung  von  Darlehenskassen
  verfügt.  Vornehmlich  sollten  auf  kleinere  Beträge
(1,5  und  10  Thlr.)  lautende  Darlehenskassenscheine  gegen  genügende
  Sicherheit  ausgegeben  werden.  Der  Gesamtbetrag  der
auszugebenden  Darlehenskassenscheine  sollte  25  Mill.  Thlr.  nicht
überschreiten.  Die  Ausgabe  einer  so  grossen  Summe  kleiner
Papierwertzeichen  war  aber  nicht  unbedenklich,  da  das  schlechtere
Zirkulationsmittel  immer  das  bessere  verdrängt  und  so  die  Gefahr
einer  Verdrängung  des  kleinen  Metallgeldes  aus  dem  Verkehr  vorlag.
  Mit  der  Verwaltung  der  Darlehenskassen  wurde,  mit  strenger
Absonderung  von  ihren  übrigen  Geschäften,  die  Preussische  Bank
beauftragt.  Nach  Erfüllung  ihres  Zweckes,  spätestens  jedoch  nach
3  Jahren,  sollten  die  Darlehenskassenscheine  wieder  eingezogen
werden.

Mit  dem  Ausbruche  des  Krieges  am  14.  Juni  1866  trat  ein
allgemeiner  Misskredit  ein,  der  stärker  als  je  empfunden  wurde,
fand  doch  der  Krieg  nicht  zwischen  Völkern  verschiedener
Nationalität,  sondern  zwischen  Völkern  statt,  die  durch  den
Deutschen  Bund  und  zum  grössten  Teil  durch  den  Zollverein  miteinander
  verbunden  waren.  Die  zwischen  Preussen  und  den
anderen  Zollvereinsstaaten  herrschenden  wirtschaftlichen  Beziehungen
  wurden  auf  einmal  unterbrochen.  Gross  waren  die
Ansprüche,  die  in  jener  ernsten  Zeit  an  die  Preussische  Bank  ge-