Gang  der  Produktion  eine  bedeutende  Unterbrechung  erlitten.
Allein  das  hätte  schon  genügt,  nach  seiner  Beendigung  eine  starke
Nachfrage  nach  Waren  aller  Art  hervorzurufen,  der  ein  weitaus
schwächeres  Angebot  gegenüberstand,  so  dass  Löhne  und  Warenpreise
  in  die  Höhe  gingen.  Zur  Zeit  der  schwächeren  Produktion
hatte  ausserdem  eine  bedeutend  stärkere  Konsumtion  stattgefunden;
  denn  ın  den  Kriegsjahren  waren  grosse  Mengen  von
Materialien,  in  der  Hauptsache  natürlich  Kriegsmaterialien,  verbraucht
  worden.  Diese  sollten  möglichst  rasch  wiederersetzt  werden;
  ferner  sollten  Festungen  neu  ausgebaut,  neue  Eisenbahnen
angelegt  werden  usw.

Der  hierdurch  hervorgerufene  lebhafte  geschäftliche  Verkehr
wirkte  auch  auf  die  Preussische  Bank  zurück.  Sie  erweiterte
ıhren  Wirkungskreis,  indem  sie  auf  Wunsch  des  Reiches  ın  Elsass-Lothringen
  Filialen  (Mühlhausen,  Metz  und  Strassburg)  errichtete,
denen  im  Jahre  1872  eine  solche  in  Bremen  folgte.  Ihre  Gesamtumsätze
  stiegen  um  645  Mill.  Thlr.  Trotzdem  war  der  in  der  Höhe
der  Dividende  zum  Ausdruck  kommende  Gewinn  wegen  des  erheblich
  niedrigeren  Zinsfusses  und  der  nur  schwachen  Steigerung
ın  der  durchschnittlichen  Wechsel-  und  Lombardanlage  nur  1,  %
höher  als  im  Vorjahre  (1870).  Wäre  nicht  ım  Effektengeschäfte
ein  grösserer  Gewinn  (1,06  Mill.  Thlr.)  zu  verzeichnen  gewesen,
von  dem  nach  Wiederherstellung  des  im  Vorjahre  geschwächten
Reservefonds  555  806  Thlr.  dem  zu  verteilenden  Gewinne  zugeschlagen
  wurden,  so  wäre  die  Dividende  nicht  gestiegen,  sondern
sogar  gesunken.

Neben  dem  günstigen  Aufschwunge  von  Handel  und  Industrie
waren  noch  zwei  andere  Ereignisse  für  die  Finanzwirtschaft  des
Landes  von  grosser  Bedeutung,  nämlich  1)  der  Beginn  der  Auszahlung
  der  französischen  Kriegskontribution  ım  Juni  1871  und
2)  das  Gesetz  betreffend  die  Ausprägung  von  Reichsgoldmünzen
vom  4.  Dezember  1871  (Münzreform).

Zur  Vornahme  dieser  beiden  grossen  Finanzoperationen,  der
Einziehung  der  französischen  Kriegskontribution  und  der  Beschaffung
  des  Goldes  für  die  Ausprägung  der  Reichsgoldmünzen,
wäre  eine  grosse  Zentralbank  für  das  Deutsche  Reich  von  nicht  zu
unterschätzendem  Werte  gewesen.  Sehr  nahe  lag  es,  dass  sich
das  Reichskanzleramt  zur  Erledigung  dieser  Geschäfte  der
Preussischen  Bank  bedient  hätte.  Dieses  geschah  aber  nicht,  sondern
  es  wurde  die  Hilfe  zweier  Privatinstitute,  der  Deutschen
Bank  für  die  Silberverkäufe  und  der  London  Joint  Stock  Bank
für  die  Goldbeschaffung,  in  Anspruch  genommen.  Später  (1872)
wurde  noch  die  Sechandlung  zum  Aufkaufen  von  Gold  in  Deutschland
  herangezogen.

Auf  den  geschäftlichen  Aufschwung  der  Jahre  1871/72  war
die  Zablung  der  französischen  Kriegskontribution  von  grossem
Binflusse.  Da  sie  verhältnismässig  rasch  erfolgte  —  bis  zum