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6.  März  1872  waren  die  beiden  ersten  Milliarden  gezahlt  —  wurde
die  Reichsregierung  in  den  Stand  gesetzt,  die  Erneuerung  des
Kriegsmateriales  ohne  Zögern  vornehmen  und  die  geforderten
hohen  Preise  zahlen  zu  können.  Daneben  wurde  auch  die  Ende
des  Jahres  1871  220  Mill.  Thlr.  betragende  Kriegsschuld  des
Norddeutschen  Bundes  bis  zum  Ende  des  nächsten  Jahres  bis  auf
12  Mill.  Thlr.  getilgt.  Die  unerwartete  Tilgung  der  Kriegsschuld
verringerte  auf  einmal  bedeutend  die  Zahl  der  solidesten  Anlagepapiere
  und  vermehrte  ın  demselben  Masse  den  Betrag  der  Zirkulationsmittel,
  für  die  nunmehr  Verwendung  gesucht  wurde.  An
neuen  Effekten  hierfür  war  kein  Mangel;  denn  nach  dem  Kriege
hatte  dıe  Unternehmungslust  einen  Umfang  angenommen,  wie  nie
zuvor.  Begünstigt  wurde  diese  Entwicklung  durch  die  im  Jahre
1870  erfolgte  Abänderung  des  Aktiengesetzes,  durch  die  die  Bildung
  von  Aktiengesellschaften  bedeutend  erleichtert  wurde.
Lediglich  in  Preussen  fanden  ım  Jahre  1872  494  Neugründungen
von  Aktiengesellschaften  mit  einem  Gesamtkapital  von  507  Mill.
Thlrn.  statt.  Diese  Gründungen,  die  zum  grössten  Teile
industrieller  Art  waren,  wurden  vorgenommen  trotz  der  starken
Preissteigerungen,  die  einige  Rohmaterialien  wie  Kohle  und  Eisen
erlıtten  hatten.

In  dieser  Gründungsperiode  wurde  die  Hilfe  der  Preussischen
Bank  stärker  als  je  in  Anspruch  genommen.  Ihre  Gesamtumsätze
waren  infolgedessen  um  2013  Mill.  Thlr.  höher  als  im  Vorjahre.
Allein  die  Wechselanlage  stieg  um  446  Mill.  Thlr.  Hierzu  trugen
zum  grössten  Teil  die  Wechselremessen  auf  das  Inland  bei,  während
  dıe  Wechselremessen  auf  das  Ausland  sogar  eine  Verminderung
  um  21%  Mill.  Thlr.  erlitten.  Auch  die  Summe  der  erteilten
Darlehen  wuchs  um  851%  Mill.  Thlr.  Mehr  als  alles  andere  nahm
aber  verhältnismässig  der  bis  zum  Jahre  1869  zurückgegangene
Giroverkehr  zu.  Die  durchschnittlich  im  Bestande  befindlichen
Girogelder  stiegen  von  2,3  Mill.  auf  23,3  Mill.  Thlr.,  verzehntfachten
  sich  also  innerhalb  eines  Jahres.  Ein  günstiger  Wandel
vollzog  sıch  ferner  hinsichtlich  der  Effektenanlage.  Im  Anfange
des  Jahres  1872  verkaufte  die  Bank,  die  schon  1871  den
grössten  Teil  ıhres  Effektenbestandes  veräussert  hatte,  den
letzten  Rest,  so  dass  sie  nunmehr  ihre  sämtlichen  Fonds  zu  den
ihr  eigentümlichen  und  vorgeschriebenen  Geschäften  verwenden
konnte.  Die  Bankverwaltung  sah  sıch  hierzu  genötigt,  da  die  Geschäfte
  der  Bank  in  den  letzten  Jahren  teilweise  wegen  ihrer
örtlichen  Ausdehnung,  teilweise  wegen  des  allgemeinen  Aufschwunges
  einen  bedeutend  grösseren  Umfang  als  früher  angenommen
  hatten.

Wie  das  Wechsel-,  Lombard-  und  Girogeschäft  hatte  auch
die  Banknotenausgabe  eine  bedeutende  Vermehrung  erfahren;  die
Steigerung  des  durchschnittlichen  Banknotenumlaufes  betrug
50  Mill.  Thlr.,  was  um  so  bemerkenswerter  ıst,  als  sıch  ım  Laufe

Adolf  Witt.  6