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        <title>Deutscher Geschichtskalender über die wichtigsten politischen und kulturhistorischen Ereignisse für jeden Tag des Jahres von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart.</title>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Wörle</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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          <msIdentifier>
            <idno>woerle_kalender_1891</idno>
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        Deutscher

Geschichtskalender

über  die

wichtigsten  politischen  und  kulturhistorischen  Rreignisse

für  jeden  Tag  des  Jahres

von  den  ältesten  Zeiten  bis  zur  Gegenwart.

 

Nach  den  besten  Geschichtswerken

zusammengestellt

von

Karl  Wörle.

 

Leipzig,
Abel  &amp;amp;  Müller.
1891.
        <pb n="4" />
        Druck  von  Carl  Rembold  in  Heilbronn.
        <pb n="5" />
        Vorwort.

„Sehet  immer  in  den  Kalender,  nicht
„nur  um  an  den  Wechsel  der  Zeit  zu
„denken,  sondern  um  Erinnerung  zu
„haben  an  irgend  einen  Teil  der
„Kirchengeschichte.“

So  sprach  Philipp  Melanchthon,  der  „Praeceptor  Germaniae“
  im  sechzehnten  Jahrhundert  und  es  wird  von  ihm  erzählt,  dass
er  stets  des  morgens  einen  Blick  in  den  historischen  Kalender
gethan  habe,  „um  sich  in  der  Erinnerung  an  die  Gedächtnistage
  bedeutender  Männer  zustärkenundzuerheben‘“.

Auch  ist  gewiss,  dass  die  tagweise  Aufzählung  wichtiger  Ereignisse
das  Interesse  für  die  Geschichte  anregt  und  dadurch  den  Sinn  für
alles  Edle  und  Schöne  weckt  und  kräftigt,  wie  andererseits  auch  die
Kenntnis  der  Geschichte,  die  Lehrmeisterin  und  Heranbilderin  für
die  wahre  Freiheit  mit  ihren  Segnungen,  die  einzige  Kraft  ist,  die
ein  Volk  politisch  reif  zu  machen  und  zu  jener  Selbstständigkeitheranzubilden
  vermag,  diezujedergrossen
patriotischen  That  unumgänglich  notwendig  ist,  soll
sie  durch  bleibenden  Erfolg  gekrönt  werden.  Denn  das
ist  der  grosse  Beruf  der  Geschichte,  diejenigen,  welche  geirrt  haben,
zurechtzuweisen  und  diejenigen,  welche  irren  könnten,  zu  warnen
und  zu  lehren.  Ihr  Hauptzweck  ist  stets,  Belehrung  im  Allgemeinen
zu  erteilen,  zur  Weisheit  zu  ermuntern,  über  den  Ernst  des  Lebens
und  den  tiefen  Zusammenhang  der  Weltverhältnisse  Nachdenken  zu

erregen.
        <pb n="6" />
        IV.

Freiherr  von  Stein  schrieb  im  Jahr  1811  an  Dr.  Eiselen,  den

Erzieher  des  jüngsten  Grafen  Fritz  Arnim  von  Boytzenburg:

„Der  Einfluss  der  Geschichte  ist  wohlthätig  für
„einjungesGemüt,  wenn  sie  gründlich,  treu,  einfältig  studiert
„wird  und  man  nicht  auf  der  Bahn  metaphysischer  Schwätzer  und
„politischer  Sophisten  daherwandelt;  sie  erhebt  uns  ü  ber  das
„Gemeine  der  Zeitgenossen  und  macht  uns  bekannt  mit  dem,
„was  die  edelsten  und  grössten  Menschen  geleistet
„und  was  Trägheit,  Sinnlichkeit,  Gemeinheit  oder  verkehrte  An-„wendung
  grosser  Kräfte  zerstört  haben“.

In  diesen  mahnendem  Gedanken  des  grossen  verdienstvollen
Staatsınannes  und  Patrioten  liegt  der  hohe  Wert  ausgedrückt,
welchen  die  Kenntnis  der  Geschichte  für  Jeden  haben  muss.

Dieselbe  ist  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  wiederholt  von  unserem
  jungen  Kaiser  warm  und  eindringlich  als  die  wahre  Lehrmeisterin

für  das  Verständnis  unserer  Zeit  und  deren  Strömungen  bezeichnet
und  zu  besonderer  Pflege  empfohlen  worden.

Die  tagweise  Aufzählung  der  politischen  und  kulturhistorischen
Ereignisse  vergangener  Zeiten  erweckt  die  Erinnerung  an  die  bedeutsamen
  Gedenktage  der  Geschichte,  an  deren  Bedeutung,
Veranlassung  und  Folgen  und  regt  das  Bestreben  an,  sich  mit  denselben
  noch  weiter  und  eingehender  bekannt  zu  machen.  Das  wirkt
bildend,  veredelnd  und  stählend,  wie  es  schon  vor  fast  vier  Jahrhunderten
  Melanchthon  erkannte  und  wie  es  sich  seither  bei  vielen
grossen  Männern  so  wirksam  bewährt  hat  und  auch  nicht  ohne
Einfluss  bei  der  politischen  Gestaltung  unseres  Vaterlandes  seit
nahezu  40  Jahren  geblieben  ist.

Als  ıch  zu  „Anfang  der  Sechziger  Jahre  im  Verlag  von
J.  Schneider  in  Mannheim  die  „Geschichtsblätter  für  Stadt
und  Land”  herausgab,  fügte  ich  denselben  regelmässig  auch  einen
„@eschichtskalender,“  vorwiegend  die  politischen  Ereignisse
aller  Völker  behandelnd  bei,  und  hatte  die  Genugthuung,  dass  dadurch
  das  Interesse  für  mein  zeitschriftliches  Unternehmen  nicht
nur  gehoben,  sondern  mir  auch  vielfach  eine  anerkennende  Belobung
und  anregende  Aufmunterung  zu  teil  wurde.  Leider  musste  das
Unternehmen  in  den  Kriegsstürmen  von  1866  eingehen,  und  nach
dem  letzten  Bruderkriege  deutscher  Nation  war  eigentlich  auch  der
patriotische  Zweck  der  „Geschichtsblätter“  hinfällig  zeworden,  so
dass  bei  der  teilweise  errungenen  nationalen  Einheit  auf  die
vorige  zahlreiche  Beteiligung  der  patriotischen  Kreise  nicht  wohl
        <pb n="7" />
        V.

mehr  gerechnet  werden  konnte  und  daher  auf  die  Wiederaufnahme
des  mehrere  Jahre  bestandenen  Unternehmens  verzichtet  wurde.
Doch  der  ermunternde  Beifall,  welcher  meinem  damaligen
„Geschichtskalender“  zu  teil  geworden  war,  bestimmte  mich,  bei  meinen
späteren  litterarischen  Arbeiten  auf  historischem  Gebiete  denselben
für  ein  weiteres  Unternehmen  durch  fortgesetzte  Aufzeichnungen  zu
vervollständigen  und  zu  erweitern.  So  entstand  dann  vor  etwa  acht
Jahren  mein  Zeitungs-Manuscript  „Geschichtskalender®,  an
welchem  sich  zuweilen  4—500  Zeitungen  in  allen  Teilen  Deutschlands,
  Oesterreichs  und  der  Schweiz  als  Abonnenten  beteiligten  und
welcher  bis  auf  den  heutigen  Tag  in  seitheriger  Fassung  fortgeführt
wird.  Das  Interesse  für  die  tagweise  Aufzeichnung  wichtiger  Ereignisse
  hat  sich  seither  überall  in  so  erfreulicher  Weise  gezeigt,  dass
sogar  an  vielen  Orten,  wie  mir  mitgeteilt  wurde,  die  Herren  Lehrer
im  Geschichtsunterricht  auf  meinen  in  der  Zeitung  publizierten
„Geschichtskalender“  Bezug  nahmen  und  an  diese  Notizen  anknüpfend,
den  Schülern  eine  nähere  Erläuterung  oder  patriotische  Anregung
gaben,  eine  Thatsache,  welche  dafür  spricht,  wie  sehr  berechtigt
Melanchthons  „Liebhaberei*“  und  empfehlend  sein  Rat  ist.

Ich  habe  nunmehr  das  reichlich  gesammelte  Material  gesichtet
und  es  aufs  Neue  einer  gründlichen  Durcharbeitung,  sowie  einer
abermaligen  genauen  Prüfung  und  Vervollständigung  aus  den  besten
Geschichtswerken  unserer  Zeit  unterzogen,  um  dasselbe  in  dem
vorliegenden  Buche  herauszugeben.  Da  ich  anfänglich  beabsichtigte,
meinem  „Geschichtskalender“  vorwiegend  nur  politisch  wichtige  Ereignisse
  einzuverleiben,  so  sind  die  ersten  Monate  etwas  sparsam
mit  der  Erwähnung  bedeutender  Persönlichkeiten  bedacht,  so  dass
ein  Nachtrag  nötig  wurde,  in  welchem  das  Versäumte  möglichst
nachgeholt  worden  ist.  Ich  habe  hiermit  zugleich  die  Aufzeichnung
der  wichtigsten  Tagesereignisse  der  ersten  3  Monate  des  Jahres  1891
verbunden.

Unter  den  von  mir  benutzten  zahlreichen  Werken  sei  in  erster
Linie  Bolms  Geschichts-Lexikon  (bearbeitet  von  Dr.  H.  Preiss
und  Dr.  H.  Tod)  erwähnt,  doch  ist  in  demselben  mehr  das  biographische,
  als  das  politisch  Wichtige  berücksichtigt,  auch  fand
ich,  wie  bei  allen  von  mir  benutzten  Geschichtswerken,
vielfache  Irrtümer  und  manche  Ereignisse  zu  verschiedener  Zeit  und
dadurch  doppelt  aufgeführt.  Auch  die  von  mir  benutzte  „Geschichte
        <pb n="8" />
        VI.

der  Deutschen“  von  Johann  Georg  August  Wirth  ıst  bei  überaus
  reicher  Quellenangabe  doch  verschiedentlich  in  ihren  Zeitangaben
nicht  übereinstimmend  mit  den  anerkannt  guten  Geschichtswerken
von  Leopold  von  Ranke,  Wolfgang  Menzel,  Wilhelm
Zimmermann  u.  A.,  von  den  Konversations-Lexika  gar
nicht  zu  reden,  die  ich  nur  in  den  seltensten  Fällen  zu  Rat  gezogen
habe,  wobei  ich  aber  häufig  auf  deren  irrige  Angaben  gestossen  bin.

Es  war  daher  für  mich  zuweilen  mit  grosser  Mühe  verknüpft,
das  Richtige  festzustellen  und  doch  kann  ich  mich  der  Befürchtung
nicht  verschliessen,  ob  ich  auch  in  allen  Teilen  das  endgiltig
Richtige  und  durchaus  Zuverlässige  stets  getroffen  habe.  Bei
aller  Mühe  und  Ausdauer,  welche  ich  in  zweifelhaften  Fällen
der  Richtigstellung  eines  Ereignisses  und  seines  Zeitpunktes  widmete,
sind  vielleicht  doch  einige  irrige  Angaben  unterlaufen;  soweit  ich
indessen  dies  bei  einer  prüfenden  Durchsicht  der  „Aushängebogen“
noch  herausfand,  habe  ich  solche  in  dem  Anhanger’richtig  gestellt.

So  glaube  ich  denn  dem  Geschichtsfreund  in  meinem  vorliegenden
  Werke  einen  willkommenen  Schatz  interessanter,  anregender
und  belehrender  Ereignisse,  zunächst  der  vaterländischen  Geschichte
geboten  zu  haben,  der  sich  bescheiden  in  die  Reihe  derjenigen
litterarischen  Erzeugnisse  stellt,  welche  bestimmt  sind  auf  den
patriotischen  Geist  des  Volkes  heilsam  einzuwirken,  denn  in  der
Geschichte  eines  Volkes  entkeimt  seine  Gegenwart
und  zeitigt  seine  Zukunft!

Ludwigshafen  a.  Rhein,  Ende  März  1891.

Karl  Worle.
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        <pb n="10" />
        <pb n="11" />
        1.  Januar.

1081.  (nach  andern  8.  Januar)  Heinrich  V.,  deutscher  Kaiser,
geboren.  Er  war  ein  herrischer,  verschlagener  Fürst,  und  war
der  Letzte  aus  dem  fränkischen  oder  salischen  Herrscherhause.

1308.  Aufstand  der  schweizerischen  Waldstätte  gegen  die  österreichischen
  Vögte  und  Einnahme  ihrer  Burgen.

1349.  Die  Häupter  der  bayrischen  Partei  verpflichten  sich  dem
Gegenkönig  Günther  zuSchwarzburg,  dass  sie  ihn  gegen
den  Luxemburger  Karl  IV.  mit  allen  ihren  Mitteln  unterstützen
  und  ohne  seine  Zustimmung  keinen  Frieden  mit  diesem
schliessen  wollen.

1454.  Ulrich  Zwingli,  der  mit  Luthern  gleichzeitige  Reformator,
  zu  Wildhaus  in  der  schweizerischen  Grafschaft  Toggenburg,

geboren.

Durch  Calwin  erhielt  das  reformierte  Glaubensbekenntnis  die  Gestalt,
  die  es  noch  jetzt  hat,  aber  Zwingli  war  sein  erster  Urheber.  Es
trägt  das  Gepräge  seiner  Eigentümlichkeit,  die  das  Vorherrschen  eines
scharfen  Verstandes  bei  niederer  Fülle  der  Phantasie  von  Luthers  reichem
Gemüte  unterschied.

1689.  Ludwig  XIV.,  König  von  Frankreich,  giebt,  inmitten  des
Friedens,  den  Befehl,  die  Pfalz  auf  beiden  Ufern  des

Rheins  zu  verbrennen.

„Es  sollte  hier  zwischen  Frankreich  und  Deutschland  eine  Wüste  sein,“
und  seine  Mordbrenner  legten  alsbald  Hand  ans  Werk,  legten  hunderte
von  Ortschaften,  darunter  Heidelberg,  Mannheim,  Worms,  Speier,  wo  die
Kaisergräber  hohnlachend  geschändet  wurden,  in  Asche,  und  mitten  im
Winter  irrten  die  Einwohner  als  Bettler  umher.

1748.  Der  Volksdichter  Gottfried  August  Bürger  geboren.

1759.  Die  Preusen  erobern  Dammgarten  in  Vorpommern;
die  Schweden  geben  ihre  Geschütze  und  Magazine  preis.

1806.  Die  Kurfürsten  Maximilian  IV.  Joseph  von  Bayern,
aus  der  Linie  Birkenfeld,  und  Friedrich  II.  Wilhelm  Karl
von  Württemberg  nehmen  den  Königstitel  an  und  treten
aus  dem  deutschen  Reichsverbande  zum  Rheinbunde  über.

1807.  Prinz  Wilhelm  von  Preussen  (späterer  Kaiser  Wilhelm  I.)
tritt  in  die  Armee  ein.

1811.  Hamburg  wird  dem  Napoleonischen  Kaiserreiche  einverleibt
und  die  Hauptstadt  des  „Departements  der  Elbmündungen.“

1814.  Rheinübergang  der  Alliierten  bei  Caub  in  der  Neujahrsnacht,

  unter  persönlicher  Leitung  Blüchers.

Der  Uebergang  ward  zu  einem  wahren  Feste,  nicht  allein  weil  es  wieder
gegen  die  Franzosen  ging,  sondern  auch  weil  der  alte  deutsche  Rhein
nun  wieder  in  deutsche  Hände  fiel.
        <pb n="12" />
        93  —

1834.  Der  preussisch-deutsche  Zollverein,  eine  bedeutungsvolle,

  einheitlich-nationale  Schöpfung,  tritt  in  Kraft.

In  der  Neujahrsnacht  punkt  12  Uhr  werden  unter  dem  Jubel  des
Volks  alle  Schlagbäume  im  Innern  Deutschlands  beseitigt,  nur  Oesterreich,
Hannover,  Oldenburg,  Mecklenburg  und  die  Hansastädte  verweigerten  sich

anzuschliessen.

1859.  Kaiser  Napoleon  III.  spricht  zu  dem  österreichischen
Gesandten,  als  das  diplomatische  Corps  seine  Glückwünsche
darbringt,  das  ernste,  folgenschwere  Wort:  „seine  Beziehungen
zu  Oesterreich  seien  nicht  mehr  so  freundlich  wie  ehedem.”

Man  nahm  diese  herausfordernde  Eröffnung  für  das,  was  sie  im
Grunde  sein  sollte:  für  eine  Kriegserklärung.

1870.  Daspreussische  Ministerium  derauswärtigen  Angelegenheiten
  hört  als  solches  auf  und  geht  auf  den  norddeutschen
Bund  über.

1871.  Ansprache  des  Königs  von  Preussen  im  Schloss  zu
Versailles.  Die  Beschiessung  der  feindlichen  Position  von  der
Nordost-Front  von  Paris  wird  deutscherseits  mit  Erfolg
fortgesetzt.  —  Das  Feuer  der  Forts  Nogent,  Rosny  und  Noisy
wird  zum  Schweigen  gebracht.  Gefecht  bei  Bresigny  gegen
französische  Mobilgarden.  Publikation  der  Verfassung
des  deutschen  Reiches.

1875.  In  Preussen  hört  die  Mahlsteuer  ganz,  die  Schlachtsteuer  als
Staatssteuer  auf.

1876.  Das  Reichsgesetz  über  die  Beurkundung  des  Personenstandes

  und  die  Eheschliessung  vom  25.  Januar  1875
trıtt  für  das  ganze  deutsche  Reich  in  Kraft.

Nach  demselben  sind  Männer  mit  dem  zurückgelegten  zwanzigsten,
Mädchen  mit  dem  achtzehnten  Lebensjahre  heiratsfähig.

1877.  Siebenzigjähriges  Militär-Jubiläum  Kaiser  Wilhelm’s  I.
1887.  Richter,  General  der  Infanterie,  stirbt  zu  Berlin.
1888.  Jubiläum  des  Papstes  Leo  XIII.

 

2.  Januar.

ns.

1080.  Gregor  VII.  verbietet  das  Lesen  der  Bibel.
1529.  Luthers  grosser  Katechismus  erscheint.

1582.  Eröffnung  der  Universität  Würzburg,  welche  aus  der
von  Bischof  Poppo  III.  942  gegründeten  Hochschule  hervorging.

1709.  Die  vereinigten  Preussen  und  Engländer  nehmen  das  belgische
Brügge  ein.
        <pb n="13" />
        —  3  —

1778.  Kurfürst  Karl  Theodor  von  der  Pfalz  hält  als  nunmehriger
Herrscher  des  Gesamt-Bayern  seinen  Einzug  in  München.
An  demselben  Tag  rücken  österreichische  Truppen  in  Niederbayern
  und  der  Oberpfalz  ein,  um  das  Land  für  Oesterreich  in
Besitz  zu  nehmen.  Damit  begann  der  bayerische  Erbfolgekrieg.


1783.  Der  um  die  deutsche  Literatur  verdienstvolle  Johann  Jakob
Bodmer  stirbt.

1798.  Die  französischen  Gesandten  in  Rastatt  erklären
durch  eine  Note,  als  bekannt  geworden  war,  dass  ein  Teil  des
russischen  Hülfsheeres  in  Mähren  eingerückt,  dass  Frankreich
den  Krieg  wieder  als  eröffnet  ansehe,  wenn  sich  Oesterreich  und
das  deutsche  Reich  dem  Marsche  der  Russen  nicht  widersetzen
würden.

Die  Rastatter  Reichsdeputation  sandte  diese  Erklärung  an  die  Reichsversammlung,
  und  letztere  gab  die  Antwort  dem  Kaiser  anheim.  Die
französische  Republik  aber  erklärte  15  Monate  später  den  Krieg  an
Oesterreich.

1801.  Der  edle  Patriot,  Prediger,  Dichter  und  Schriftsteller  Johann
Kaspar  Lavater  stirbt  zu  Zürich,  im  60sten  Lebensjahre.

Er  ragte  unter  den  Männern,  welche  in  der  Kulturgeschichte  des  achtzehnten
  Jahrhunderts  Epoche  machten,  noch  mehr  durch  das,  was  er
war,  als  durch  das,  was  er  leistete,  hervor.

1814.  Treffen  bei  Rheinböllen  in  der  Rheinprovinz.  Die
York’sche  Truppen  siegen  über  die  Franzosen,  welche  sich  eilig
zurückziehen.  An  demselben  Tage  überschreiten  die  Russen
den  Rhein;  —  und  Preussen  und  Russen  ziehen  in  Danzig  ein.

1861.  Friedrich  Wilhelm  IV.,  König  von  Preussen,  stirbt  nach
langen  Leiden,  und  Wilhelm  I.,  nachheriger  Kaiser,  besteigt
als  König  den  Thron  der  preussischen  Staaten.

1864.  Ablehnung  der  Bundesversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.,  den
Herzog  Friedrich  aus  Holstein  zu  entfernen.

1871.  Mezieres  kapituliert.  —  Mittags  12  Uhr  erfolgte  der
Einmarsch  der  preussischen  Truppen.  Ueber  2000  Gefangene
wurden  gemacht,  darunter  98  Offiziere,  106  Geschütze  erbeutet,
und  viele  Vorräte  an  Lebensmittel.  An  demselben  und  am  folgenden
  Tage  siegreiche  Kämpfe  der  ersten  Armee  bei  Bapaume.
Die  offiziellen  Depeschen  melden  hierüber:

„Amiens,  den  4.  Januar.  Am  2.  und  3.  Jan.  blutige,  aber  siegreiche
Kämpfe  der  ersten  Armee  bei  Bapaume.  Am  2.  nämlich  wies  die  ö0.
Brigade  von  Mittag  bis  Abend  alle  Angriffe  überlegener  feindlicher  Massen
ab  und  machte  dabei  260  Gefangene.  Am  3.  behauptete  sich  die  versammelte
  15.  Division  und  1  Detachement  unter  Prinz  Albrecht  Sohn  in
neunstündigem  Kampfe  gegen  zwei  feindliche  Armeecorps,  wobei  unsere
Truppen  am  Abend  zwei  Dörfer  mit  dem  Bajonnet  nahmen  und  wieder
einige  Hundert  Gefangene  machten.  Der  Feind  trat  nach  den  erlittenen
ausserordentlichen  Verlusten  in  der  Nacht  zum  4.  den  Rückzug  nach  Arras
        <pb n="14" />
        4  —

und  Douai  an,  wobei  die  verfolgende  Kavallerie  feindliche  Bataillone
erfolgreich  attakierte  und  dabei  noch  Gefangene  machte.“

„Versailles,  den  5.  Januar.  General  von  Manteuffel  ‚meldet:  Der
Feind  ergriff  am  2.  Mittags  mit  starken  Massen  die  Offensive:  Brigade
Strubberg  bei  Sapignies  wies  mit  geringem  eigenen  und  grossem  feindlichen
  Verluste  alle  Angriffe  bis  zum  Abend  zurück  und  machte  250
Gefangene.  —  Am  3.  behauptete  General  v.  Goeben  mit  der  15.  Division
und  Detachement  Prinz  Albrecht  Sohn  die  Stellung  bei  Bapaume  glorreich
gegen  die  feindliche  Nordarmee  und  machte  260  Gefangene.  Der  Feind
hatte  ausserordentlich  grosse  Verluste  und  trat  in  der  Nacht  den  Rückzug
an,  von  diesseitiger  Kavallerie  verfolgt.“

 

 

3.  Januar.

 

1130.  Die  Stadt  Speyer  ergiebt  sich  dem  Könige  Lothar,  nachdem
  er  sie  zum  zweitenmal  sechs  Monate  lang  umlagert  hatte.

1180.  Kaiser  Friedrich  ].  erteilt  den  Bürgern  von  Worms  das
Privilegium,  von  allen  Züllen  zu  Frankfurt  a.  M.,  Boppard,
Hammerstein  und  Dortmund  frei  zu  sein.

1521.  Dr.  Martin  Luther  wird  durch  eine  zweite  päpstliche  Bulle
mit  dem  Bann  belegt.

1571.  Joachim  II.  Kurfürst  von  Brandenburg,  Sohn  und  Nachfolger
  Joachins  I.  stirbt.

Er  war  ein  verschwenderischer  Fürst,  nach  seinem  Tode  waren  Jie
Finanzen  in  grösster  Unordnung.  |
1741.  Einzug  Friedrichs  II.  in  Breslau,  und  damit  Besitznahme
von  Schlesien.

1752.  Der  berühmte  Geschichtsschreiber  Johannes  von  Müller
zu  Schafhausen  geboren,  wo  sein  Vater  Prediger  an  einer  Filialkirche
  und  Lehrer  an  der  lateinischen  Schule  war.

1788.  Uebereinkunft  Karl  Theodor's  von  Pfalz-Bayern  mit  Oesterreich,
  in  Folge  deren  des  letzteren  Ansprüche  auf  den  Grossteil
  Bayerns  als  österreichische  und  Reichslehen  anerkannt  wurden.
Ende  des  bayerischen  Erbfolgekrieges.

1795.  Wiener  Traktat  über  die  dritte  Teilung  Polens.

1806.  Henriette  Sonntag,  berühmte  Sängerin,  zu  Koblenz  geboren.


1815.  England,  Frankreich  und  Oesterreich,  die  Niederlande  und
Bayern  schliessen  auf  dem  Wiener  Congress  ein  gcheimes  „Ver-.
  .  S  ..  .  Ü
teidigungsbündnis®  gegen  Russland  und  Preussen,  —  da
.  &amp;gt;  ra»  \;  a)  .  »  R)
diese  bestrebt  waren,  Sachsen  mit  Preussen,  und  Polen  an  Russland
  einzuverleiben.

Dieses  Bündnis  war  so  geheim  gehalten  worden,  dass  Preussen  und
Russland  erst  Kunde  davon  erhielten,  als  Napoleon  nach  seiner  Rückkehr
den  Akt  in  einer  Schublade  des  flüchtigen  Königs  von
Frankreich  gefunden  und  ihn  Alexander  zugesandt  hatte.
        <pb n="15" />
        —  5  _

1871.  General  von  Goeben  behauptet  mit  der  15.  Division  die  Stellung
bei  Bapaume  (Pas  de  Calais)  in  9stündigem  Kampf  gegen  2
feindliche  Armeecorps  unter  General  Faidherbe.  Der  Feind  tritt
nach  ausserordentlich  schweren  Verlusten  in  der  Nacht  den  Rückzug
  an,  von  der  Kavallerie  verfolgt.

 

4.  Januar.

 

1428.  Friedrich  I.,  „der  Streitbare,“*  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt.
1707.  Markgraf  Ludwig  I.  von  Baden  stirbt.

1785.  Jak.  L.  K.  Grimm,  ein  hochverdienstvoller  Sprachforscher,
und  Begründer  der  deutschen  Philologie  und  Altertumswissenschaft,
  zu  Hanau  geboren.

1786.  Moses  Mendelssohn,  ein  berühmter  Philosoph  und  Freund
Lessing’s,  stirbt.

Er  vereinigte  Gründlichkeit  und  Popularität,  Feuer  und  Rührung,
Reichtum  und  Eleganz,  auch  der  Auslegekunst  der  heiligen  Schrift  und
dem  Studium  der  alten  Literatur  überhaupt  leistete  er  wichtige  Dienste.

1807.  Minister  v.-Stein,  Preussens  grosser  Staatsmann,  erhält,

da  er  mit  männlichem  Freimut  in  schwerer  Zeit  die  Wahrheit
sagte,  ungnädig  seine  Entlassung.

1814.  Der  Dichter  Johann  Georg  Jakobi,  Professor  der  schönen
  Wissenschaften  in  Freiburg  im  Breisgau,  wohin  er  vom
Kaiser  Joseph  II.  berufen  wurde,  stirbt.

1849.  Gabelsberg,  der  Erfinder  der  Stenographie,  stirbt.

1860.  Der  preusische  Bevollmächtigte  verlangt  am  Bundestag:  Re-‘vision
  der  Kriegsverfassung.

1871.  General  v.  Bentheim  von  der  ersten  Armee  überfällt  die
Franzosen  unter  General  Roye  bei  Amiens  auf  dem  linken  Seine-Ufer
  und  zersprengt  die  feindlichen  Truppen,  wobei  3  Fahnen
und  4  Kanonen  erobert  und  5—600  Gefangene  gemacht  wurden.

Weiteres  berichtet  hierüber  noch  folgende  offizielle  Depesche:

„Amiens,  den  5.  Januar.  Die  Verfolgung  des  am  linken  Seine-Ufer
geschlagenen  Corps  des  Generals  Roye  wurde  gestern  noch  durch  ein
kleines  gemischtes  Detachement  unter  Major  Preinitzer  über  Bourgachard
fortgesetzt;  er  überfiel  den  Feind  von  Neuem,  zersprengte  ihn,  nahm  ihm

noch  ferner  2  Geschütze,  1  Munitionswagen  und  Gefangene  ab  und  trieb
ihn  in  die  Flucht  Graf  Wartensleben.“

Prinz  Friedrich  Karl  geht  von  Orleans  gegen  Chanzys
Armee  vor.  —  Die  Korvette  „Augusta*  nimmt  vor  der  Mündung
der  Gironde  drei  mit  Kriegskontrebande  beladene  französische
Schiffe.

1876.  Beginn  der  Beratungen  der  Kommission  über  die  deutsche

Orthographie.
        <pb n="16" />
        6  —

5.  Januar.

 

1106.  Heinrich  V.  eignet  sich  in  widerrechtlicher  Weise  Krone
und  Scepter,  Kreuz  und  Lanze  von  seinem  Vater,  Heinrich  IV.,
an  und  wird  Tags  darauf  wiederholt  von  den  zu  Mainz  versammelten
  zweiundfünfzig  Fürsten  zum  Könige  der  Deutschen
gewählt,  und  erhält  als  solcher  die  priesterliche  Königsweihe.

1205.  Die  zweite  Krönung  Philipps  von  Schwaben  findet
in  Mainz  statt.

1209.  Richard  von  Kornwall  und  Poitou,  römisch-deutscher
König,  zu  Winchester  in  England  geboren.

1477.  Schlacht  bei  Nancy,  in  welcher  die  mit  den  Elsässern
verbundenen  Schweizer  den  Herzog  Karl  (den  Kühnen)  von  Burgund
  vollständig  schlagen,  und  dieser  auf  der  Wahlstatt  sein
bewegtes  Leben  endet.

Als  Karl  sich  am  Morgen  jenes  Tages  aufs  Pferd  schwang,  fiel  seine
Helmzier,  ein  goldener  Löwe,  auf  den  Sattel  herab;  „das  ist  von  Gott,“
sprach  er  düster  und  gab,  an  seinen  Tod  denkend,  seinen  Dienern  versiegelte
  Befehle.

1531.  Die  Wahl  FerdinandsI.,  des  Bruders  Karls  V.  zum  römıschen
  König  wird  zu  Köln  vollzogen,  was  die  Veranlassung

zu  dem  „Schmalkaldischen  Bündnisse“  der  Protestanten
gab.

1579.  Die  wallonischen  Landschaften  Artois  und  Hennegau  nebst
mehreren  Städten  schliessen  einen  Bund  unter  sich  zur  Aufrechthaltung
  der  katholischen  Religion.

1675.  Schlacht  bei  Türkheim.  Der  französische  Feldherr  Turenne
  schlägt  dıe  verbündeten  Oesterreicher  und  Brandenburger.

1676.  Die  Brandenburger,  400  Mann  unter  Oberst  Hallard,
schlagen  den  von  40  Geschützen  unterstützten  Sturm  des  schwedischen
  Heeres  unter  General  von  Mardefeld,  bei  Wolgast
in  Pommern,  glänzend  zurück.

1797.  General  Vogel  von  Falkenstein  geboren.

1807.  Das  befestigte  Breslau  fällt  nach  vierwöchentlicher  Belagerung
  der  württembergisch-bayerischen  Truppen,  trotzdem  dasselbe
noch  mit  Allem  wohlversehen  ist,  in  deren  Hände.

Zweimal  versuchte  der  Fürst  von  Anhalt-Pless  die  Festung  zu  entsetzen,

  aber  es  misslang,  da  die  Besatzung  nicht  das  Geringste  that,
ihn  zu  unterstützen.

1813.  Die  Russen  unter  Wittgenstein  besetzen  Königsberg.

1831.  Der  Kurfürst  Wilhelm  II.  von  Hessen  unterzeichnet  die  ihm
abgenötigte  neue  Verfassungsurkunde.
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        —  1  —

1849.  Die  Oesterreicher  unter  Windischgrätz  besetzen  Ofen  und  Pest.

1852.  Zollcongress  zu  Wien,  auf  welchem  hauptsächlich  nur
die  süddeutschen  Staaten  vertreten  waren.  Die  Beratungen  gaben
kein  definitives  Resultat.

1858.  Johann  Joseph  Wenzel  Anton  Karl  Radetzky,  Graf  von
Radetz,  berühmter  österreichischer  Feldherr,  stirbt.

1871.  Die  Festung  Rocroi  wird  durch  einen  Handstreich  genommen;
  300  Gefangene,  72  Geschütze,  eine  Fahne,  viele  Waffen.
Scharmützel  bei  Vesoul;  200  Gefangene.  Werder  erfährt,
  dass  er  die  gesammte  Armee  Bourbaki’s  vor  sich  habe.
Beginn  des  Angriffs  auf  die  Südfront  von  Paris,

1884.  Eduard  Lasker,  ein  bedeutender  Parlamentarier  und  Redner,
  stirbt,  fern  der  Heimat,  gelegentlich  einer  Erholungs-  und

Besuchsreise,  zu  New-York,  in  Folge  eines  Schlaganfalls.

Bis  1866  war  Lasker  Mitglied  der  Fortschrittspartei,  dann  wurde
er  Mitbegründer  der  nationalliberalen  Partei,  zu  deren  hervorragendsten
Mitgliedern  er  zählte.

1885.  In  Hanau  findet  eine  Grimmfeier  statt.

1890.  Die  deutsche  Schutztruppe  in  Ostafrika  erobert  das  von
Bana  Heri  stark  befestigte  Mlembula.

 

6.  Januar.

 

1099.  Kaiser  Heinrich  IV.  erlangt  auf  dem  Reichstage  zu
Aachen  von  den  Fürsten  die  Wahl  und  Krönung  seines  zweiten
Sohnes  Heinrich  zum  Nachfolger  im  Reiche,  nachdem  derselbe
—  noch  ein  Jüngling  —  zuvor  geschworen  hatte,  seinem  Vater
stets  gehorchen  und  nie,  so  lang  dieser  lebe,  auf  die  Regierung
oder  die  salischen  Hausgüter  Anspruch  machen  zu  wollen.

Sächsische  und  vorzüglich  bayerische  Grosse,  sowie  der  Papst  Paschalis
  II.  und  seine  Anhänger,  verführten  aber  trotzdem  nur  zu  bald  den
erst  dreiundzwanzigjährigen  Heinrich  zum  ruchlosesten  Verratan
Vater  und  Kaiser.

1103.  Kaiser  Heinrich  IV.  lässt  auf  dem  Reichstag  zu  Mainz  alle
Fürsten  und  Herren  einen  „allgemeinen  Gottesfrieden‘
auf  vier  Jahre  feierlith  beschwören.  Schwere  Strafen  wurden

auf  jede  Uebertretung  desselben  gesetzt.

So  sehr  dieser  Friedenszustand  dem  Landmanne  und  dem  Städtebürger
  nützte,  so  übel  befanden  sich  dabei  die  von  Krieg  und  Raub
lebenden  Edeln,  die  sich  in  den  langjährigen  Kämpfen  nur  zu  sehr  vermehrt

  hatten.
1908.  Die  schweizerischen  Kantone  Schwyz,  Uri  und  Unterwalden
schliessen  ein  Schutz-  und  Trutzbündnis  wider  das  österreichische

  Regiment.
        <pb n="18" />
        8  —

1309.  Heinrich  VII.  von  Luxemburg  wird  zu  Aachen  gekrönt.

1311.  Kaiser  Heinrieh  VII,  auf  seiner  Romfahrt  begriffen,  wird
zu  Mailand,  allwo  er  14  Tage  vorher  feierlichen  Einzug  gehalten
  hatte,  zum  König  der  Lombardei  gekrönt.

1521.  Eröffnung  des  Reichstages  zu  Worms.

1759.  Die  Preussen  unter  dem  Herzog  von  Holstein  schlagen  die
Franzosen  bei  Ebsdorf.

1776.  (nach  andern  1773  und  1775).  Ferdinand  von  Schill,

zu  Wilmsdorf  bei  Dresden  geboren.

Er  ist  berühmt  und  den  deutschen  Patrioten  wert  und  in  ehrendem
Andenken  als  ein  kräftig  aufstrebender  Held,  der  sich  schnell  durch
seinen  Geist  emporschwang,  die  Liebe  seiner  Nation  gewann  und,  hingerissen
  von  gerechtem  Hass  gegen  Preussens  und  Deutschlands  Unterdrücker,
  mit  dem  Schwerte  in  der  Hand  für  sein  Vaterland  starb,  unter
Umständen,  die  ihn  doppelt  merkwürdig  machen.

1793.  Gefecht  bei  Hochheim.  Die  Preussen  unter  Friedrich
Wilhelm  II.  schlagen  die  Franzosen  in  die  Flucht.

1801.  Gefecht  bei  Trient  zwischen  Oesterreichern  und  Franzosen.

1807.  Jeröme  Bonaparte,  Kommandeur  des  X.  Corps,  zieht  in  Breslau
  ein.

1813.  Paulus  Melchers,  Erzbischof  von  Köln,  zu  Münster
geboren.  Er  wurde  Bischof  von  Osnabrük,  dann  Erzbischof
von  Köln  und  wurde  wegen  seines  Widerstandes  gegen  die
Staatsgesetze  abgesetzt.

1814.  Die  Preussen  nehmen,  nach  zweimonatlicher  Belagerung,

das  von  den  Franzosen  besetzte  Erfurt.  —  An  demselben
Tage  nimmt  Graf  Henckel  Trier  ein  und  macht  hierbei  800
Gefangene.

1847.  Aufstand  zu  Murten  in  der  Schweiz;  von  den  Liberalen
  ausgehend,  und  von  der  katholischen  Partei  unterdrückt.

1851.  Ein  österreichischer  und  preussischer  RKommissär  übernehmen
die  Regierung  von  Holstein.

1871.  Vor  Paris  wird  lebhaftes  Feuer  der  deutschen  Belagerungs-Artillerie
  gegen  die  Süd-,  Ost-  und  Nord-Front  mit  gutem  Erfolg
  fortgesetzt.  Beim  General  von  \ferder  finden  an  demselben
Tage  südlich  von  Vesoul  verschiedene  Vorposten-Gefechte  statt,
in  welchen  derselbe  200  Gefangene  machte.  An  demselben
Tage  ist  Rocroy  von  den  Deutschen  besetzt  worden.

Es  sind  300  Gefangene  gemacht.  72  Geschütze,  1  Fahne  und  viele
Waften  erbeutet,  sehr  bedeutende  Vorräte  von  Munition  und  Lebensmitteln
vorgefunden  worden.  In  Rocrov  sind  8  deutsche  Gefangene  befreit
worden,  darunter  2  als  Spione  festgehaltene  Preussen.  Der  Handstreich

wurde  gemacht  mit  5  Bataillonen  Infanterie,  2  Escadrons  Husaren,  6
Feldbatterien  und  1  Pionier-Compagnie.
        <pb n="19" />
        —  9  —_

Die  Deutschen  besetzen  Auxerre.  General  Chancy
wird  über  die  Loire  zurückgedrängt.  Die  offizielle  Depesche
meldet  hierüber:  Der  Königin  Augusta  in  Berlin.

„Versailles,  den  7.  Januar.  Gestern  ist  Prinz  Friedrich  Karl  der  sich
vorbewegenden  Armee  des  General  Chancy  über  Vendome  entgegen
gegangen  und  hat  die  angetroffenen  Vortruppen  siegreich  zurückgeschlagen
  und  verfolgte  sie.  —  Hier  geht  die  Beschiessung  günstig  fort.  Verluste
  gering.  Völliges  Thauwetter.  Wilhelm.“

Bismarck  fordert  von  der  Luxemburger  Regierung
strengere  Neutralität.

 

 

‘.  Januar.

a  ——

785.  Wittekind,  Herzog  der  Sachsen  und  Karl  des  Grossen

langjähriger  Feind,  tritt  zum  Christentum  über  und  erhält  die
Taufe.

1308.  Der  Bund  der  vier  Waldstätte,  —  welcher  fortan  der
Schweizerbund  heisst,  wird  gegründet.

1326.  Vertrag  zwischen  Ludwig  d.  Bayer  und  Friedrich
von  Habsburg,  wonach  ersterer,  begleitet  von  Leopold
von  Habsburg  und  dessen  Kriegsvolk,  mit  Heeresmacht  nach
Italien  ziehen,  dort  die  Kaiserkrone  gewinnen  und  als  Kaiser
in  Italien  regieren,  und  Friedrich  unter  dem  Titel  eines
römischen  Königs  in  Deutschland  walten  sollte.

1328.  Kaiser  Ludwig,  der  Bayer,  hält  in  Rom  seinen  feierlichen
Einzug.

1529.  Peter  Vischer,  ausgezeichneter  Erzgiesser,  stirbt.  Sein  berühmtestes
  Werk  „das  Grab  des  heil.  Sebaldus“  befindet  sich
in  der  Sebalduskirche  zu  Nürnberg.

1626.  Gustav  Adolf  von  Schweden  siegt  bei  Wallhof  über  die
Polen  unter  Sapieha.

1760.  Ueberfall  der  Franzosen  durch  die  Preussen  bei  Dillenburg
  in  Nassau.  General  Pallavicini  und  900  Mann  tot,  700
Gefangene,  2  Geschütze  erobert.

1800.  Das  französische  Direktorium  zu  Aarau  wird  aufgehoben
und  eine  provisorische  Vollziehungskommission  eingesetzt,  der
später  ein  provisorischer  Senat  folgte.

1807.  Breslau  ergiebt  sich  nach  einmonatlicher  Belagerung  den
Franzosen  unter  Vandemme.

1813.  Die  Russen  blockieren  Pıllau.

1814.  Der  gedeckte  Weg  der  Festung  Wittenberg  (Prov.  Sachsen)
wird  von  den  preussischen  Blockadetruppen  erstürmt.
        <pb n="20" />
        1831.  Der  um  das  Reichs-  und  Postwesen  hochverdiente  Reichspostmeister
  Dr.  Stephan  zu  Stolp  in  Pommern  geboren.

1834.  Philipp  Reis,  Erfinder  des  Telephons,  zu  Gelnhausen  geboren.


1852.  Die  deutsche  Bundesversammlung  beschliesst  die  Wiederauflösung
  der  deutschen  Flotte.

1861.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen,  spricht  die  Grundsätze,
nach  denen  er  regieren  will,  in  einem  Manifeste  „An  mein

Volk“  aus.

„Meine  Pflichten  für  Preussen  fallen  mit  meinen
Pflichten  für  Deutschland  zusammen,“  heisst  es  darin.  „Es
ist  Preussens  Bestimmung  nicht,  dem  Genusse  der  erworbenen  Güter  zu
leben.  In  der  Anspannung  seiner  geistigen  und  sittlichen  Kräfte,  in
dem  Ernst  und  der  Aufrichtigkeit  seiner  religiösen  Gesinnung,  in  der
Vereinigung  von  Gehorsam  und  Freiheit,  in  der  Stärkung  seiner  Wehrkraft
  liegen  die  Bedingungen  seiner  Macht.“

1871.  Vor  Paris  wird  das  Feuer  der  Belagerungs-Artillerie  gegen
die  Fortifikation  im  Süden,  Osten  und  Norden  lebhaft  und  mit
guter  Wirkung  fortgesetzt.  Fort  Issy  und  nebenliegende  Batterien,
sowie  Fort  Vanvres  schwiegen  zeitweise.  An  demselben  Tage
erreichen  die  gegen  den  General  Chancy  vordringenden  Deutschen
unter  teilweise  sehr  heftigen  Gefechten  Nognet-le-Rotrou,
Sarge  Savigny  und  La  Chartre.  Ferner  meldet  eine
offizielle  Depesche:

„Bourogne,  den  8.  Januar.  In  der  Nacht  vom  7.  zum  8.  Danjoutin
südlich  Belfort  gestürmt,  Bataillon  Schneidemühl  unter  Hauptmann
Mannstein  besonders  ausgezeichnet.  2  Stabsoffliziere,  16  Offiziere,  über
{00  unverwundete  (Gefangene  gemacht,  ausserdem  bedeutender  Verlust.
Unsererseits  1  Offizier,  13  Mann  tot,  65  verwundet.“

1885.  Grosses  Festbanket  in  Köln  zu  Ehren  des  berühmten  Afrika-Forschers
  Stanley.

1890.  Die  Kaiserin-Grossmutter  Augusta,  die  Witwe  Wilhelms  I.,

stirbt  in  Folge  Influenza-Erkrankung.

Augusta  Marie  Luise  Katharina  war  am  30.  März  1811  als  Tochter
  des  Grossherzogs  Karl  Friedrich  und  der  Grossfürstin  Marie  Paulowna
zu  Weimar  geboren  worden.

Welche  segensreiche  Thätigkeit  Augusta  als  Königin  und  später  als
Kaiserin  entfaltet  hat,  wie  sie  die  Anregung  zur  Ausbildung  der  Pflege
der  im  Kriege  Verwundeten  und  Erkrankten  gab,  wie  sie  der  Mittelpunkt
aller  humanitären  Bestrebungen  zur  Besserung  des  Looses  der  Armen
und  Unglücklichen  wurde,  das  steht  auf  leuchtenden  Blättern  eingezeichnet
ın  dem  Buche  der  Geschichte.

 

8.  Januar.

 

1198.  Kardinal  Lothar  von  Segni  besteigt  als  Innocenz  III.  den
päsptlichen  Stuhl.
        <pb n="21" />
        —  1  —

1422.  Schlacht  bei  Deutschbrod  in  Böhmen.

Der  tapfere  Husittenführer  Ziska  schlägt  den  Kaiser  Siegmund
innerhalb  drei  Stunden  so  gründlich,  dass  ein  grosser  Teil  der  60,000  des
Kaisers,  Ungarn,  Oesterreicher  und  katholisch  gesinnter  Adel,  umkam
und  der  Kaiser  selbst  mit  genauer  Not  durch  die  Flucht  nach  Mähren
entrann.

1642.  Der  berühmte  Naturforscher  Galileo  Galilei  stirbt  im
78.  Lebensjahre  an  einem  langsam  zehrenden  Fieber  in  den
Armen  seines  jüngsten  und  dankbarsten  Schülers,  Vincenzo
Viviani.

Neun  Jahre  vorher,  am  22.  Juni  1633  hatte  er  vor  dem  Inquisitionsgerichte
  zu  Rom  nach  langer  Kerkermarter,  und  um  diese  zu  enden,  die

grossen  Wahrheiten,  die  er  behauptete,  abgeschworen,  und  das  berühmt
gewordene:  „Und  doch  bewegt  sie  sich,“  gesprochen.

1794.  Justus  Möser,  verdienstvoller  Nationalschriftsteller,  geschichts-,
  welt-  und  rechtskundiger  Staatsmann,  stirbt  zu
Osnabrück,  seiner  Vaterstadt,  im  74.  Lebensjahre.

1801.  Die  erste  Aufführung  der  Maria  Stuart  in  Berlin.

1831.  Wegen  übertriebener  Strenge  der  Censur  und  durch  die
Julirevolution  in  Frankreich  angeregt,  entsteht  ein  Aufstand
in  Göttingen,  woran  sich  Studenten  und  Bürger  betheiligen.
Truppen  bedrohen  die  Stadt,  welche  8  Tage  später  kapituliert.

1867.  Stenograph  Stolze  stirbt.

1871.  Die  von  Vendome  aus  vorgerückten  deutschen  Heeresabteilungen
  setzen  ihren  Vormarsch  ohne  wesentliche  Gefechte
bis  über  St.  Calais  fort.
An  demselben  Tage  schlägt  Oberst  von  Dannenberg  bei
Montbard  einen  Angriff  garibaldinischer  Freischaaren  zurück.
Göbel  wird  Kommandeur  der  ersten  Armee.
.  Anfang  der  Beschiessung  der  Stadt  Paris.

1872.  Wiederherstellung  der  regelmässigen  diplomatischen  Beziehungen
  zwischen  Deutschland  und  Frankreich.

 

9,  Januar.

 

1713.  Der  schwedische  General  Steenbook  lässt  Altona  fast  gänzlich
  einäschern.

1742.  Die  Festung  Glatz  ergiebt  sich  den  Preussen.

1803.  Theodor  Döring,  berühmter  Schauspieler,  geboren  zu
Warschau.

1819.  Königin  Katharina  von  Württemberg,  Grossfürstin
von  Russland  und  Gemahlin  König  Wilhelms  von  Württemberg,

stirbt.
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        1871.  Siegreiches  Gefecht  der  Deutschen  unter  General
Werder  bei  Villersexel.  Die  offiziellen  Depeschen  melden
hierüber:

„Der  Königin  Augusta  in  Berlin.  Rn
Versailles,  den  10.  Januar.  Gestern  hatte  General  von  Werder  südlich

von  Vesoul  bei  Vallerois  ein  glückliches  Gefecht  gegen  Truppen  von
Bourbaki  und  machte  800  Gefangene.  Desgleichen  vor  Belfort  stürmten
  einige  Bataillone  das  Dorf  Danjoutin  und  machten  700  Gefangene.
Hier  weder  Nebel  noch  Schnerfall,  daher  schwaches  Feuer.  Wilhelm.“

„Versailles,  den  10.  Januar.  Am  9.  stiess  General  von  Werder  bei
seinem  Vormarsche  auf  Villersexel  auf  die  Flanke  des  20.  französischen
Corps,  nahm  den  Ort,  wobei  2  Stabsofliziere,  14  Offiziere  und  über  500
Mann  nebst  2  Adlern  in  unsere  Hände  fielen.  Alle  Angriffe  des  hierauf
in  bedeutender  Stärke  sich  entwickelnden  Gegners,  bei  dem  auch  das
18.  Corps  eingriff,  wurden  mit  diesseitigem  geringen  Verluste  in  der
Linie  Villersexel  —  Moimay  und  Marat  abgewiesen.“

Ferner:  „Die  Truppen  des  Generals  Chancy  wichen  am  9.  auf
allen  Punkten  vor  unsern  vordringenden  Kolonnen  auf  Le  Mans
zurück.  Der  Abschnitt  von  Ardenay  wurde  von  unsern  leten
überschritten.  Ueber  1000  Gefangene  konstatiert,  welche  bıs
jetzt  in  unsere  Hände  gefallen  sind.”

Die  Festung  Peronne  kapituliert.

1873.  Der  Kultusminister  Falk  legt  dem  preussischen  Landtage

die  Kirchengesetze  vor.

An  demselben  Tage  stirbt  der  Exkaiser  Napoleon  III.  zu
Chislehurst  in  England,  wohin  er  sich,  seines  Thrones  und  Ansehens
  verlustig,  nach  seiner  deutschen  Gefangenschaft  zurückgezogen
  hatte.

1876.  Reichsgesetz  über  das  Urheberrecht  von  Werken  der  bildenden
  Künste.

 

 

10.  Januar.

1016.  Kaiser  Heinrich  II.  auf  der  Synode  zu  Dortmund.

Adela,  die  Mutter  des  Bischofs  Meinwerk.  wegen  des  Mordes  ihres
Sohnes  angeklagt,  erscheint  vor  dem  Kaiser.  Der  Bischof  selbst  trärt
auf  die  Todesstrafe  an;  doch  wird  die  Sache  dahin  „vermittelt,“  dass
sie  dem  Kaiser  einige  ihrer  Güter  zur  Verfügung  stellen  ınuss,  worüber
er  sogleich  verfügt.  So  schenkt  er  der  Paderborner  Kirche  die  Güter:
„Immidishusen,  Walmonthem,  Havurlon  und  Hukelhem.“
1276.  Papst  Gregor  X.  stirbt.  Er  hinterliess  den  Ruf  eines
wohlmeinenden  Mannes,  aber  nachhaltige  Wirkung  hatte  sein
Pontifikat  nicht.

1278.  Schlacht  bei  Frohse  zwischen  dem  Erzbischof  Günther
von  Magdeburg  und  Otto  IV.  von  Brandenburg.  Letzterer  gerät
  in  Gefangenschaft.
        <pb n="23" />
        13  —

1514.  Die  erste  Ausgabe  des  griechischen  Neuen  Testaments
in  Druck  vollendet.

1612.  Kaiser  Rudolph  II.  bekannt  durch  den  den  Böhmen  erteilten
  „Majestätsbrief,“  stirbt.

1723.  In  Württemberg  erfolgt  die  erste  Einführung  der  Konfirmationshandlung.


1733.  Kurfürst  Karl  Albert  von  Bayern,  der  schon  während
eines  Reichskriegs  dem  Reichsfeinde  gedient  hatte,  tritt  in
französischen  Sold.

Am  heutigen  Tage  schreibt  er  u.  A.  dem  Minister  Ludwig  XV.,
Kardinal  Fleury:  „Voll  Vertrauen  auf  die  Freundschaft  Eurer  Excellenz,
dachte  ich  als  an  den  ersten  Schritt,  den  ich  zu  thun  hätte,  daran,
mich  Sr.  Majestät  von  Frankreichin  die  Arme  zu  werfen,
welche  ich  immer  als  meine  einzige  (!!)  Stütze  betrachte.“

1757.  Der  deutsche  Reichstag  beschliesst  mit  99  gegen  60
Stimmen,  auf  des  Kaisers  Andringen  und  durch  französisches
Geld  bestimmt,  den  Reichsexecutionskrieg  gegen  den  „Friedensstörer“
  König  Friedrich  II.  von  Preussen.

1778.  Der  grosse  Botaniker  und  Reformator  der  Naturgeschichte
Karl  von  Linne  zu  Rashult  in  Smalang  gestorben.

1814.  Das  von  Napoleon  I.  befestigte  Torgau  ergiebt  sich  nach
dreimonatlicher  Belagerung  durch  Tauenzien.  An  demselben
Tage  schlägt  Major  von  Colomb  die  Franzosen  bei  Mayl.

1871.  Peronne  kapituliert;  die  Besatzung  von  mehr  als  3000  Mann
wird  kriegsgefangen.  Die  gegen  General  Chancy  operirenden
Colonnen  dringen  unter  fortwährend  siegreichen  Gefechten  mit
ihren  Teten  bis  auf  eine  Meile  an  Le  Mans  heran.  1  Geschütz,
3  Mitrailleusen  und  über  2000  unverwundete  Gefangene  fallen
in  die  Hände  der  Deutschen.

1890.  Der  berühmte  Gelehrte  Ignaz  von  Döllingen  stirbt  zu
München,  Abends  9  Uhr.

1826  erhielt  er  einen  Ruf  an  die  Universität  München,  wo  er  zum
Professor  der  Kirchengeschichte  und  des  Kirchenrechts  befördert  wurde.
Ausserdem  lehrte  er  auch  Religionsphilosophie  und  neuere  Geschichte.

 

 

11.  Januar.

 

887.  Boso,  König  von  Südburgund,  stirbt.

Er  hatte,  um  dem  Andrange  der  Normannen  wirksamer  etgegentreten
  zu  können,  das  Königreich  Provence  gegründet.

1083.  Otto  von  Nordheim,  der  unversöhnliche  Feind  Heinrichs
IV.,  und  eine  Hauptstütze  des  sog.  „Knoblauchkönigs“  Rudolf,
stirbt:  mit  ihm  ging  demselben  der  letzte  Halt  verloren.

1721.  Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig,  preussischer
Feldmarschall  im  Siebenjährigen  Kriege,  geboren.
        <pb n="24" />
        —_-  14  —

1757.  Friedrich  II.  von  Preussen  erneuert  sein  Bündnis  mit
Georg  II.,  welcher  zugleich  König  von  England  und  Kurfürst
von  Hannover  war,  wie  es  in  dem  Vertrage  heisst,  „zur  Handhabung
  der  Freiheit  Europas  und  der  protestantischen  Religion
in  Deutschland.“

England  verpflichtete  sich  zur  Beschützung  Hannovers  daselbst  ein
Heer  von  50,000  Mann  (Hannoveranern,  und  besoldete  Gothaer,  Braunschweiger
  und  Hessen)  aufzustellen,  wozu  einige  preussische  Truppen
zu  stossen  hatten;  ferner  sollte  England  jährlich  eine  Million  Pfund
Sterling  Hilfsgelder  an  Preussen  zahlen.

1783.  Auf  dem  Gute  Bauerbach  bei  Meiningen,  das  Frau  von  Wolzogen
  gehörte,  vollendet  Schiller  seine  Louise  Millerin  (Kabale
und  Liebe.)

1784.  Erste  Aufführung  des  „Fiesko“  von  Schiller  zu  Mannheim.

1807.  Der  französische  General  Vendamme  erscheint  vor  der
starken  Festung  Schweidnitz,  und  fordert  deren  Uebergabe.  In
derselben  befehligten  ein  Herr  von  Haak  und  ein  Herr  von
Humbold,  welche  im  Einverständnisse  mit  der  patriotischen
Bevölkerung  dieses  Ansinnen  energisch  zurückwiesen,
und  erst  am  6.  Februar  der  Not  folgend,  die  Festung  übergaben.

1814.  König  Joachim  von  Neapel  (Murat),  von  Napoleon  abgefallen,
  schliesst  im  Einverständnis  mit  seinem  kaiserlichen  Schwager,
  mit  Oesterreich  ein  Scheinbündnis  und  erklärt  Frankreich

den  Krieg.

An  demselben  Tage  Gefecht  beiHoogstraaten  zwischen
den  Alliierten  und  Franzosen;  General  von  Borstell  erobert  die

Stadt.
1829.  Der  Dichter  Friedrich  Schlegel  stirbt.

1881.  Die  Holsteiner  unterwerfen  sich  den  Forderungen  der  von
Oesterreich  und  Preussen  abgeordneten  Commissäre,  wodurch
der  Holstein-Dänische  Krieg  sein  Ende  erreicht.

1871.  Siegreiche  heftige  Kämpfe  der  Deutschen  gegen
die  Franzosen  bei  La  Chapelle  und  Combron.  Die  sich
auf  den  10.  und  11.  Januar  beziehenden  Depeschen  lauten:

„Der  Königin  Augusta  in  Berlin:

Versailles,  den  12.  Januar.  Den  10.u.  11.  siegreiche  Gefechte  in  Le  Mans,
viele  Gefangene,  Mitrailleusen,  Kanonen  genommen.  Verluste  mässig
beim  3.,  9.  u.  13.  Corps.  Details  fehlen  noch,  Französische  Telegramme
räumen  selbst  zum  ersten  Male  ein,  geschlagen  zu  sein.  —  Bei  Villersexel
  hatte  am  9.  General  von  Werder  ein  glückliches  Gefecht  und  nahın
2  Adler,  2  Geschütze,  S00  Gefangene.

Hier  geht  die  Beschiessung  wegen  Nebels  seit  3  Tagen  nur  langsam
vorwärts,  obgleich  gestern  und  heute  viel  geschossen  wird;  namentlich
aus  der  Stadt-Enceite  wird  das  Feuer  immer  heftiger.  Heute  Sonnen-Wintertag
  mit  2  Grad  Kälte,  dennoch  keine  Fernsicht.  Wilhelm.“

Versailles,  den  11.  Januar.  Beschiessung  der  feindlichen  Werke
und  Geschütz-Emplacements  kräftig  fortgesetzt,  wobei  diesseits  neun
        <pb n="25" />
        -  5  —

weiter  vorgeschobene  Batterien  in  Thätigkeit  traten.  Die  Kasernen  des
Forts  Issy  wurden  in  Brand  geschossen.  Diesseitiger  Verlust  an  Toten
und  Verwundeten:  2  Offiziere,  7  Mann.

Versailles,  den  12.  Januar.  Am  11.  hatten  die  gegen  Le  Mans
in  Bewegung  gesetzten  Corps  bis  zur  Dunkelbeit  heftige  Kämpfe  zu  bestehen.
  Das  Debouche  von  Champagne  wurde  erkämpft,  Arches-chäteau
sowie  7  Geschütze  und  Mitrailleusen  wurden  genommen.  Die  Zahl  der
am  10.  in  unsere  Hände  gefallenen  Gefangenen  beträgt  nicht,  wie  bisher
angegeben,  2000,  sondern  bei  der  im  Centrum  vorgedrungenen  Colonne
5000  Mann  und  4  Mitrailleusen.“

 

12.  Januar.

 

1519.  Kaiser  Maximilian  I.,,  ein  edler,  ritterlicher  Charakter,
stirbt  zu  Wels  in  Oesterreich.

1562.  Karl  Emanuel].  der  Grosse,  Herzog  von  Savoyen,  geboren.
Ehrgeizig  und  kriegerisch  kämpfte  er  bald  für  Spanien,  Frankreich
  und  den  Kaiser.  Er  war  ein  Förderer  der  Wissenschaft
und  Kunst.

1634.  Wallenstein  erhält  zu  Pilsen  das  Treuegelöbnis  seiner
Generale.

1721.  Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig,  preussischer
Feldmarschall  während  des  siebenjährigen  Kriegs,  geboren.

1745.  Fürst  Leopold  von  Dessau  schlägt  die  Franzosen  bei
Neustadt  in  Oberschlesien.

1746.  Johann  Heinrich  Pestalozzi,  der  hochverdiente  Reformator
  auf  dem  Gebiete  des  Unterrichtswesens,  geboren.
1794.  Oberst  von  Blücher  schlägt  die  Franzosen  bei  Morschheim.

1794.  J.  @.  A.  Forster,  ein  berühmter  Reisender  und  Schriftsteller,
  zu  Paris  geboren.

1797.  Die  Oesterreicher  siegen  an  der  Etsch  über  die  Franzosen.


An  demselben  Tage  die  Dichterin  Annette  von  Droste-Hülshof
  auf  dem  väterlichen  Schlosse  zu  Hülshof  bei  Münster  geboren.

1855.  Prinz  August  von  Württemberg  stirbt.

1865.  König  Wilhelm  von  Preussen  tritt  in  der  Thronrede,
womit  er  den  Landtag  erröffnete,  mit  seinen  Reorganisationsgedanken
  in  Bezug  auf  das  preussische  Heerwesen  hervor.

„Der  Vertretung  des  Landes  ist  eine  Massregel  von  solcher  Bedeutung
  für  den  Schutz,  für  die  Grösse  und  die  Macht  des  Vaterlandes
noch  nicht  vorgelegt  worden,“  sprach  er  und  schloss:  „Es  gilt,  die  Geschicke
  des  Vaterlandes  gegen  die  Wechselfälle  der  Zukunft  sicher  zu
stellen.  Das  walte  Gott!“

An  demselben  Tage  setzen  Oesterreicher  und  Preussen
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        -  16  —

emeinschaftlich  eine  Landesregierung  für  die  Elbherzogtümer
in  der  Stadt  Schleswig  ein,  ohne  die  Stände  zusammenzuberufen.

1867.  Königlich  preussisches  Patent  wegen  der  Besitznahme
der  Herzogtümer  Holstein  und  Schleswig,  der  vormals  grossherzoglich
  hessischen  und  königlich  bayerischen  Landesteile.  Gleichzeitig
  erlässt  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  eine  Proklamation
an  die  Einwohner  dieser  Länder.

1871.  Schlacht  und  Einnahme  von  Le  Mans  durch  die
Deutschen.  Die  offizielle  Depesche  meldet  hierüber:  An  die

Königin  Augusta  in  Berlin.

„Versailles,  den  13.  Januar.  Gestern  Nachmittag  nahm  das  3.  und
10.  Corps  noch  Le.Mans,  und  das  9.  und  13.  ging  siegreich  südlich  bei
St.  Corneille  vor.  Grosse  Vorräte  genommen;  andere  Details  fehlen
noch.  Wilhelm.“

An  demselben  Tage  verlangen  die  Konsuln  und  fremden  Gesandten
  in  Paris  von  Bismarck,  dass  ihren  Landesangehörigen
erlaubt  werde,  ihre  Personen  und  Habe  in  Sicherheit  zu  bringen.

1872.  Der  Kultus-  und  Unterrichtsminister  von  Mühler  reicht  sein
Entlassungsgesuch  ein.

1886.  Prinz  Wilhelm,  der  württembergische  Thronfolger,  verlobt
sich  mit  der  21  Jahre  zählenden  Prinzessin  Charlotte  von
Schaumburg-Lippe.

 

 

%

13.  Januar.

De,  na

888.  Der  abgesetzte  deutsche  König  Karl  der  Dicke,  stirbt
auf  einem  der  ihm  überwiesenen  Hofgüter  zu  Neidingen  an  der
Donau,  —  zwei  Monate,  nachdem  er  die  deutsche  Krone  an
seinen  Neffen  Arnulf  verloren  hatte.

1301.  Andreas  IIlL,  ein  Sohn  Wladislaw  II.  von  Ungarn,  stirbt.
Der  Stamm  Arpads  erlosch  in  der  Wannerslinie  mit  ihm.

1330.  (nach  andern  17.  Januar)  Friedrich  von  Oesterreich
stirbt;  —  er  war  der  Gegenkönig  von  Ludwig  dem  Bayer.
1408.  Schlacht  bei  Bregenz;  die  Deutschen  siegen  über  die

Appenzeller.

1673.  Gefecht  bei  Unna  in  Westfalen,  in  welchem  brandenburgische
  Dragoner  zwei  in  {ranzösischem  Solde  stehende  Kavallerie-Regimenter
  zersprengen.

1733.  Privilegien  Kaiser  Karls  VI].  auf  Grund  deren  1734
die  Universität  Göttingen  durch  Georg  (August)  II.  von
Eingland,  Kurfürsten  von  Braunschweig  und  Lüneburg,  errichtet
wird.  Die  eigentliche  Eröffuung  fand  aber  erst  am  17.  Septb.
1737  statt.
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        —  17  —

1745.  Kabinettsbefehl  Friedrichs  des  Grossen  zur  Erbauung  des
Schlosses  Sanssouci  bei  Potsdam.

1814.  Das  von  den  Franzosen  verteidigte  Wittenberg  wird  von  den
Preussen  erstürmt.

An  demselben  Tage  Gefecht  bei  Antwerpen.  Die
Alliierten,  Preussen  und  Engländer,  werfen  die  Franzosen,
welche  grosse  Verluste  erlitten,  zurück.

1864.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  verweigert  mit
grosser  Majorität  die  im  Budget  für  1864  angesetzte  Summe  für
die  Armeereorganisation.

1871.  An  diesem  und  dem  folgenden  Tage  machten  die  Pariser

Ausfälle  gegen  die  Stellungen  der  preussischen  Garde  bei  Le

„  Bourget  und  Drancy,  gegen  das  2.  bayerische  Armee-Corps

bei  Clamart,  welche  überall  siegreich  zurückgeschlagen  wurden.

Der  Rückzug  der  Franzosen  war  an  einzelnen  Stellen  wahrhaft
fluchtartig.

Gefecht  bei  Bourneville  (zwischen  Rouen  und  Haver);
französische  Mobilgarden  werden  in  die  Flucht  geschlagen.

General  von  Manteuffel  übernimmt  den  ÜOberbefehl
über  die  Südarmee.

1879.  Prinz  Heinrich  der  Niederlande  stirbt.
1885.  Polizeirat  Dr.  Rumpff  in  Frankfurt  a.  M.  wird  ermordet.

 

14.  Januar.

 

1131.  Waldemar  I.  der  Grosse,  König  von  Dänemark,  geboren;
tapfer  im  Kriege,  regierte  er  daheim  weise  und  in  Frieden.
1521.  Ueber  Luther  wird  der  Bann  ausgesprochen.

1526.  Friede  zu  Madrid  zwischen  Franz  I.  von  Frankreich  und
Karl  V.  von  Deutschland.

Franz  verzichtet  auf  Mailand,  Genua  und  Neapel  und  tritt  das
Herzogtum  Burgund  an  Karl  ab.

1597.  Lazarus  von  Schwendi,  österreichischer  General,  nimmt  im
Kriege  gegen  die  Türken  Szad  var  ein.

1742.  Die  Preussen  unter  dem  Erbprinzen  von  Dessau  erobern  Glatz
in  Schlesien.

1761.  Treffen  bei  Köslin;  die  Russen  werden  gezwungen,
Pommern  zu  verlassen.

1779.  Die  Preussen  unter  General  Wunsch  erstürmen  das  österreichische
  Zuckmantel.

1797.  Napoleon  Bonaparte  schlägt  die  Oesterreicher  unter  Alvinczy

2
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        auf  dem  Plateau  von  Rivoli,  wobei  diese  12000  Gefangene

verlieren.
1810.  Hannover  wird  dem  Königreich  Westfalen  einverleibt.

1814.  Die  Preussen  erobern  Nancy,  bei  welcher  Gelegenheit  sie
300  spanische  Gefangene  befreien.

An  demselben  Tage  Friede  zu  Kiel,  in  welchem  Dänemark
  an  Schweden  Norwegen  gegen  Schwedisch-Pommern  abtritt.
Dieses  wurde  sodann  gegen  Lauenburg  an  Preussen  vertauscht.
—  Helgoland  kommt  an  England.

1861.  König  Wilhelm  ].  eröffnet  den  preussischen  Landtag
und  erneuert  der  Verfassung  gemäss  den  Eid.

„Bei  der  Uebernahme  der  Regentschaft,“  so  sprach  er  in  der  Thronrede
  „habe  ich  gelobt,  die  Mir  von  Gott  verliehene  Macht  der  Verfassung
und  den  Gesetzen  des  Königreichs  gemäss  üben  zu  wollen.  Indem  Ich
auf  jenes  Gelöbnis  verweise,  fordere  Ich  Sie  auf,  Mir  die  Treue  zu  geloben,
  welche  Sie  meinem  verklärten  Bruder  geschworen  und  gehalten

haben.“

1863.  Der  chinesisch-preussische  Handelsvertrag  zu
Shanghai  wird  auf  10  Jahre  abgeschlossen.

1864.  Preussen  und  Oestereich  vereinigen  sich,  die  Schleswig-Holsteinische
  Angelegenheit  nunmehr  allein,  ohne  den  Bund,  zur
Erledigung  bringen  zu  wollen.

1874.  Philipp  Reis,  der  Erfinder  des  Telephons,  stirbt  zu  Friedrichsdorf
  bei  Homburg  ı.  Taunus.

1880.  Herzog  Friedrich  Christian  August  von  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg,

  Vater  der  Kaiserin  Augusta
  Viktoria,  stirbt.

1887.  Der  Reichstag  wird  in  Folge  seiner  ablehnenden  Haltung
in  der  Septenatfrage  aufgelöst.

1890  Karl  Friedrich  v.  Gerok,  Prälat,  Dichter  und  Kanzelredner,
  stirbt  in  Stuttgart.

 

 

15.  Januar.

 

1180.  Heinrich  der  Löwe  von  Bayern  wird  zu  Würzburg  geächtet,
  da  er  trotz  wiederholter  Aufforderung  auf  keinem  Fürstentage
  erschienen  war.

r  ..  .  .  r  ..  .

1552.  Bündniss  zu  Chambord  zwischen  Kurfürst  Moritz  von
Sachsen  und  dessen  protestantischen  Bundesgenossen  einerseits
und  Heinrich  II.  von  Frankreich  andrerseits,  gegen  Kaiser  Karl  V.

1741.  Feldmarschall  von  Schwerin  nimmt  den  Jablunkaupass,
welcher  die  nach  Ungarn  führende  Karpathenstrasse  vertheidigt.
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        —-  19  _

1763.  Preussen  und  Oesterreich  schliessen  zu  Hubertsburg,
einem  Jagdschlosse  in  der  Mitte  von  Meissen  und  Wurzen,
Frieden.  —  Ende  des  siebenjährigen  Kriegs.

1791.  Franz  Grillparzer,  ein  hochbegabter  dramatischer  Dichter,
in  Wien  geboren.

1862.  Fapst  Pius  der  IX.  ladet  die  Bischöfe  des  katholischen
Erdkreises  auf  Pfingsten  zur  Feier  der  Heiligsprechung  der
japanischen  Märtyrer  ein.

1864.  Mobilmachung  der  preussischen  Occupationstruppen  für
Schleswig-Holstein.

1866.  Eröffnung  des  preussischen  Landtages.

Bismarck  verliest  die  Thronrede,  in  welcher  das  Festhalten  an
der  Armeereorganisation  erklärt  und  keinerlei  Konzession  in  Aussicht
gestellt  wird.

1871.  Beginn  der  dreitägigen  Schlacht  bei  Hericourt  und

Montbelliard  (unweit  der  Festung  Belfort).

Sieg  der  Deutschen  unter  Generalv.  Werder  nach
Istündiger  Schlacht.

An  demselben  Tage  hatte  Major  v.  Köppen  vom  77.  Regıment
  bei  Marac,  nordwestlich  Langres,  ein  und  ein  halbstündiges
Gefecht  gegen  etwa  1000  Mobilgarden,  welche  unter  Verlust
einer  Fahne  in  wilder  Flucht  auf  Langres  geworfen  wurden.

an

 

 

16.  Januar.

 

1556.  Karl  V.  tritt  Spanien  und  Neapel  seinem  Sohne  Philipp  II.  ab.

1613.  Gustav  Adolf  erhält  im  Frieden  zu  Siöröd  gegen  eine
Million  Reichsthaler  die  Ländereien  zurück,  die  im  dänischen
Kriege  verloren  gegangen  waren.

1676.  Die  Brandenburger  unter  General  von  Schwerin  gehen
über  das  zugefrorene  Haff  und  erobern  die  von  den  Schweden
besetzte  Insel  Usedom.

1756.  Neutralitätsvertrag  zu  Westminster.  Preussen  und  England
  schliessen  ein  Bündniss  zu  Westminster  wegen  Bedrohung

Hannovers  durch  Frankreich.

Beide  Mächte  machen  sich  anheischig,  den  Krieg  vom  deutschen
Boden  fern  zu  halten  und  jeden  Angriff,  der  hier  auf  sie  erfolge,  gemeinsam
  abzutreiben.

1797.  Schlacht  bei  la  Favorita.  Die  Franzosen  besiegen  die
Oesterreicher.

1806.  Die  Franzosen  räumen  infolge  des  Pressburger  Friedens  das
seit  dem  13.  November  1805  besetzte  Wien.
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        1807.  Kapitulation  von  Brieg  nach  der  Belagerung  durch  die
Franzosen.

1809.  Schlacht  bei  Corunna,  in  welcher  der  französische  General
  Soult  die  Engländer  und  Spanier  zum  Rückzug  zwingt.

1813.  Das  von  den  Franzosen  besetzte  Danzig  wird  von  den
Russen  blockiert.

1864.  Die  deutschen  Grossmächte  lassen  in  Kopenhagen  erklären,
  dass  die  vertragswidrige  Verfassung  für  Dänemark-'chleswig
  vom  18.  November  1863  binnen  48  Stunden  aufgehoben
werden  müsse,  widrigenfalls  sie  Schleswig  in  Pfand  nehmen
würden.  —  Da  die  dänische  Regierung  diese  Forderung  ablehnte,
  so  begann  unmittelbar  darauf  der  deutsch-dänische
Krieg.

1871.  Die  Deutschen  behaupten  ihre  Stellung  bei  Belfort  siegreich
gegen  dreifache  französische  Uebermacht.

General  Schmidt  dringt  in  der  Verfolgung  des  Feindes,
welcher  auf  Laval  zurückgeht,  bis  über  Vaiges  vor  und  macht
wieder  2000  Gefangene.  Alencon  wird  in  der  Nacht  vom  16.
zum  17.  nach  leichtem  Gefecht  besetzt.

1873.  Im  preussischen  Abgeordnetenhause  beginnen  die
Beratungen  über  die  kirchlichen  Gesetzvorlagen.

1885.  Beginn  der  Sammlungen  zu  einer  Ehrengabe  für  den
Reichskanzler  Fürsten  Bismarck.

 

 

17.  Januar.

en

395.  Der  römische  Kaiser  Theodosius  der  Grosse  stirbt.

1318.  Erwin  von  Steinbach,  der  Baumeister  des  Strassburger
Münsters  stirbt.  Er  war  in  dem  badischen  Städtchen  Steinbach
geboren.

1328.  Kaiser  Ludwig  der  Bayer  in  Rom  von  der  Volkspartei
gekrönt.
Die  Römer  erklärten,  ihrer  Stadt,  dem  Volk  von  Rom,  nicht
dem  päpstlichen  Stuhle,  stehe  das  Recht  der  Kaiserkrönung  zu.
1641.  Der  schwedische  General  Banner  erscheint  vor  Regensburg,
wo  gerade  Kaiser  Ferdinand  III.  Reichstag  hält.

1656.  Vertrag  zu  Königsberg  zwischen  Brandenburg  und
Schweden.  —  Der  „grosse  Kurfürst“  wird  Lehnsherr  über  das
Herzogtum  Preussen.

1676.  General  von  Schwerin  besiegt  das  schwedische  Belagerungscorps

  von  Wolgast  und  verstärkt  die  Garnison.
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        —  9  —

1701.  Stiftung  des  schwarzen  Adlerordens  durch  Kurfürst
Friedrich  III.  von  Brandenburg.

1745.  Treffen  bei  Patschkau  in  Schlesien.  Generallieutenant
von  Lehwald  schlägt  die  Oesterreicher.

1793.  Ludwig  X  VI.  von  Frankreich  wird  zum  Tode  verurteilt.

1812.  Ludwig  Windthorst,  (Staatsminister  a.  D.  in  Hannover,
Mitglied  des  deutschen  Reichstags  für  Meppen  und  des  preussischen
  Abgeordnetenhauses)  geboren.

1813.  Die  Preussen  unter  Kleist  gehen  bei  Koblenz  über  den
Rhein.

1849.  Schlacht  bei  Szökefalva;  die  Ungarn  unter  Bem  besiegen
  die  Oesterreicher.

1871.  General  von  Werder  behauptet  siegreich  seine  Stellung  bei
Belfort  gegen  die  Franzosen.  —

General  von  Keller  besetzt  Frahier  bei  Belfort.  Der
französische  General  Bourbaki  tritt  den  Rückzug  an.

General  von  Goeben  rückt  gegen  Faidherbe  vor.

Eröffnung  der  Pontuskonferenz  zu  London.

Sie  war  auf  Vorschlag  Bismarcks  zusammengetreten,  da  Russland
am  31.  Oktober  1870  einige  Bestimmungen  des  Pariser  Vertrags  als
für  es  nicht  mehr  bindend  erklärt  und  sich  dieserhalb  zu  Unterhandlungen
bereit  gefunden  hatte.

1872.  Rücktritt  des  preussischen  Kultusministers  von  Mühler.

1875.  Eröffnung  des  zweiteninternationalen  Postkongresses
in  Bern.

 

 

v

18.  Januar.

 

1170.  Der  erste  bekannte  Hohenzoller,  der  junge  Konrad,  Burggraf
  von  Nürnberg,  verteidigt  auf  dem  Reichstag  zu
Regensburg  des  Reiches  Einheit  und  Kraft  gegen  die  Uebergriffe

  Heinrichs  des  Löwen.

1422.  Ziska  schlägt  das  Heer  des  Kaisers  Sigismund  bei  Deutschbrod.
  Ä

1556.  Die  lutherische  Religion  wird  in  Baden  eingeführt.

1701.  Des  ersten  Königs  von  Preussen,  Friedrich  I.,  feierliche
Krönung  zu  Königsberg.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  verlässt  Berlin  und  begiebt
sich  nach  Breslau.

1814.  Das  Blüchersche  Corps  feiert  das  Krönungsfest  in  dem

eroberten  Nancy.
1864.  Die  dänische  Regierung  verweigert  dem  verbündeten  Preussen
        <pb n="32" />
        und  Oesterreich,  die  dänisch-schleswigsche  Verfassung
vom  18.  November  1863  aufzuheben.  —  Der  Krieg  mit  Dänemark
  war  dadurch  unvermeidlich  geworden  und  begann  alsbald.

1871.  Kaiserproklamation  Wilhelm  I.  im  Königsschloss
zu  Versailles.  —  König  Wilhelm  von  Preussen  nımmt  für
sich  und  seine  Erben  feierlich  die  ihm  von  den  Fürsten  und
freien  Städten,  sowie  von  den  Volksvertretungen  Deutschlands
angetragene  Würde  des  Deutschen  Kaisers  an.

Die  Franzosen  unter  Bourbaki  treten  den  Rückzug  an.

An  den  drei  vorhergegangenen  Schlachttagen  machten  die  deutschen
Truppen  über  15,000  Gefangene  und  erbeuteten  2  Fahnen,  28  Kanonen
und  Mitrailleusen  und  eine  Menge  von  Wagen  und  Waffen.

General  von  Goeben  wirft  die  französische  Nordarmee
auf  St.  Quentin  zurück,  wobei  2  Geschütze  erobert  und
4000  Gefangene  gemacht  werden.

Prinz  Friedrich  Karl  besetzt  Tours.

 

19.  Januar.

1576.  (Nach  Andern  am  25.  Januar.)  Hans  Sachs,  „Schumacher
und  Poet  dazu“,  Meistersänger,  stirbt.

1745.  Fürst  Leopold  von  Dessau  schlägt  die  Oesterreicher  bei
Troppau.

1795.  Amsterdam  wird  von  den  Franzosen  besetzt.  —  Begründung
einer  batavischen  Republik.

1798.  Der  Rastatter  Kongress  wird  eröffnet.
1814.  Die  Preussen  unter  York  schliessen  Luxemburg  ein.

1846.  Die  freie  evangelische  Gemeinde  in  Königsberg  tritt
aus  der  Landeskirche  aus.

1871.  Hauptausfall  der  Franzosen  vom  Mont-Valerien,  dem
grössten  und  stärksten  Fort  aus,  gegen  das  5.  deutsche  Corps.
Er  misslang  wie  die  vorhergehenden.

Verlust  der  Deutschen  40  Offiziere  und  570  Mann,  der  Franzosen
  189  Offiziere  und  3881  Mann.

Siegreiche  Schlacht  bei  St.  Quentin  der  Deutschen
über  die  französische  Nordarmcee.

General  Goeben  wirft  mit  etwa  30,000  Mann  das  ganze  Faidherbe'-sche
  Corps  (nahezu  60,000  Mann)  nach  siebenstündigem  Kampfe  aus
allen  seinen  Stellungen.  —  Die  Franzosen  hatten  einen  Verlust  von
000  Mann  an  Toten  und  Verwundeten,  9000  Gefangenen  und  6  Geschützen.
  —  Die  Deutschen  von  96  Offizieren  und  2304  Mann.
        <pb n="33" />
        ——  3  —

Die  Beschiessung  von  Longwy  beginnt.

1889.  Vice-Admiral  Graf  Alexander  von  Monts,  Chef  der
deutschen  Admiralıtät,  stirbt.

1890.  Georg  Albert  von  Schwarzburg-Rudolstadt  stirbt  in  Folge
eines  Schlagflusses,  erst  52  Jahre  zählend.

 

 

20.  Januar.

852.  König  Ludwig  11.  stirbt  kinderlos.

1679.  Schlacht  bei  Splitter  in  ÖOstpreussen,  in  welcher  die
Brandenburger  unter  Hennig  die  Schweden  unter  Horn  schlagen.

1743.  Sachsen  und  Oesterreich  verbünden  sich  gegen  Preussen.

1744.  Leopold  von  Dessau  vertreibt  die  Oesterreicher  wieder
aus  Schlesien.

1745.  Karl  VII.  Albrecht,  deutscher  Kaiser,  Sohn  des  Kurfürsten
Max  Emanuel  von  Bayern,  stirbt.
1760.  Gefecht  bei  Anklam-Stolpe  in  Pommern.  —
Die  Preussen  unter  Manteuffel  gehen  über  die  Peene.

1810.  (nach  Einigen  den  27.  und  30.  Januar.)  Gefangennahme
des  Andreas  Hofer.

1813.  Der  Dichter  Christoph  Martin  Wieland  stirbt  auf  dem  Gute
Osmanstädt,  wo  er  neben  seiner  Gattin  ruht.

1814.  Treffen  bei  Champery,  in  welchem  die  Öesterreicher
die  Franzosen  schlagen.

1819.  Die  Gesellschaftfürälteredeutsche  Geschichte
zu  Frankfurt  a.  M.  gegründet.

1860.  Eröffnung  der  Schleswigschen  Stände.

1864.  Prinz  Friedrich  Karl  geht  zur  Armee  nach  Kiel  ab.

1869.  Schluss  der  Pariser  Konferenz.

1871.  Die  Deutschen  erobern  das  Dorf  Perouse  bei  Belfort.

1876.  Die  preussische  Generalsynodalordnung  wird  durch
königlichen  Erlass  sanktioniert  und  als  kirchliche  Ordnung
verkündet.

1888.  Erstes  Eintreffen  Stanley’s  bei  Emin  Pascha  in  Wadelai,  nach
Ueberwindung  der  grössten  Schwierigkeiten.

1890.  Franz  Lachner,  Komponist,  stirbt  zu  München.
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        31.  Januar.

 

1328.  Papst  Johann  XXII.  fordert  die  deutschen  Kurfürsten  in
seinem  Hass  gegen  Kaiser  Ludwig  d.  Bayer,  zur  Wahl
eines  neuen  Reichsoberhaupts  auf.

1530.  Karl  V.  beruft  den  Reichstag  nach  Augsburg.

1720.  Friede  zu  Stockholm  zwischen  Schweden,  Preussen,
Dänemark  und  Polen.  Preussen  erhält  Vorpommern  und  Stettin.

1807.  Die  Franzosen  rücken  in  Schwedisch-Pommern  ein.

1813.  Organisierung  der  Bewaffnung  in  Preussen,  hauptsächlich
  nach  Scharnhorst’s  Plan.

1815.  Mathias  Claudius,  ein  deutscher  Dichter  und  Volksschriftsteller,
  genannt  der  „Wansbecker  Bote“,  stirbt  72  Jahre  alt.

1842.  Stiftung  des  evangelischen  Bisthums  in  Jerusalem.

1867.  Feierliche  Besitzergreifung  von  Hessen-Homburg  von
Seiten  Preussens.

1871.  Abteilungen  der  deutschen  Südarmee  besetzen  nach  leichtem
Gefechte  Döle  und  nehmen  230  mit  Lebensmitteln,  Fourage
und  Bekleidung  beladene  Eisenbahnwagen.

Gefecht  bei  Dijon,  in  welchem  Garibaldi  von  der  Brigade
Kettler  geschlagen  wird.

Die  Belagerungs-Artillerie  eröffnet  das  Feuer  gegen  St.  Denis.
Aufstand  in  Paris.

An  demselben  Tage  nimmt  die  bayerische  Kammer
mit  102  gegen  48  Stimmen  die  Bündnisverträge  zur  Gründung
des  deutschen  Reiches  an.

1872.  Der  Dichter  Franz  Grillparzer  stirbt.

 

 

22.  Januar.

 

1536.  Die  Anführer  der  Wiedertäufer,  Johann  von  Leyden,
Knipperdolling  und  Krechting  werden  am  Jambertsturm  zu
Münster  in  Westfalen  in  eisernen  Käfigen  aufgehängt,  nachdem

sie  vorher  mit  glühenden  Zangen  zu  Tode  gemartert  worden
waren.

1621.  Markgraf  Georg  von  Brandenburg  wird  vom  Kurfürsten
von  der  Pfalz  in  die  Reichsacht  erklärt.
1622.  Die  Spanier  nehmen  Jülich.

1676.  Glänzender  Sieg  des  Feldmarschalls  Derfflinger  über  das
schwedische  Belagerungsheer  vor  Wolgast.
        <pb n="35" />
        —  5  —

1729.  Gotthold  Ephraim  Lessing,  nächst  Göthe  der  grösste
Reformator  der  deutschen  Litteratur,  zu  Kamenz  in  der  Oberlausitz
  geboren.

1757.  Maria  Theresia  verpflichtet  durch  einen  Vertrag  die

Kaiserin  von  Russland,  für  Subsidien  dem  Wiener  Hofe  ein

“  Bundesheer  gegen  Preussen  zu  stellen;  die  Russen  sollten
dann  Ostpreussen  von  der  Beute  erhalten.

1758.  Königsberg  wird  von  den  Russen  unter  Fermor  besetzt.

1807.  Der  wackere  Schill  erhält  die  königliche  Ermächtigung,  mit
einem  ın  Pommern  zu  errichtenden  Freikorps  selbstständig  zur
Deckung  des  Landes  zu  operieren.

1814.  Treffen  zwischen  Ligny  und  St.  Aubry,  in  welchem  die
Russen  die  Franzosen  schlagen.

1820.  Der  Dichter  Hermänn  Lingg  zu  Lindau  geboren.
1863.  Ausbruch  der  Insurrection  in  Polen.

1864.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  verweigert  mit
250  gegen  5l  Stimmen  die  Kriegsanleihe  von  12  Millionen
Thalern  und  spricht  die  entschiedenste  Missbilligung
der  Politik  Bismarcks  aus.

1871.  Franktireurs  sprengen  die  Moselbrücke  bei  Fontenay
(zwischen  Nancy  und  Toul).

Erneuter  Aufstand  der  SozialdemokrateninParis,
welcher  jedoch  alsbald  bewältigt  wird.

1872.  Dr.  Adalbert  Falk  wird  preussischer  Kultusminister.
1882.  Dr.  Völk,  bayer.  Abgeordneter,  stirbt.

1890.  Georg  Arbogast  Freiherr  von  Frankenstein,  ein  hervorragender
  Parlamentarier  und  Centrumsführer  im  Reichstag,
stirbt.

 

93.  Januar.

 

1002.  (nach  Andern  am  21.  Januar.)  Kaiser  Otto  III.  stirbt,

kaum  22  Jahre  alt,  in  Italien.  —  |

Die  Deutschen  trugen  seine  Leiche  aus  Italien  fort;  er  wollte  in
deutscher  Erde  zu  Aachen  ruhen.  Die  Italiener  verfolgten  aber  den  Zug
mit  der  Leiche  des  Kaisers  bis  an  die  Grenze;  so  schlimm  vergalten
sie  ihm  noch  nach  dem  Tode  seine  blinde  Liebe.

1484.  König  Mathias  von  Ungarn  erobert  Wien.

1516.  Ferdinand  V.  von  Spanien,  mit  dem  Zunamen  „der  Katholische“;
  der  Schöpfer  des  furchtbaren  Instituts  der

Inquisition,  stirbt.
        <pb n="36" />
        1546.  Luther  reist  zum  letztenmal  von  Wittenberg  nach  Eisleben.

1579.  Utrechter  Union.  Auf  Oraniens  Betrieb  verbinden  sich
zu  Utrecht  die  nördlichen  Provinzen  der  Niederlande  (Holland,
Seeland,  Utrecht,  Geldern  und  die  Landschaft  Gröningen)  zum
Schutze  der  politischen  Freiheit  und  des  Protestantismus  „auf
ewige  Zeiten”.

1742.  Schlacht  bei  Passau;  S$ögur  ergiebt  sich  den  Oesterreichern
  unter  Khevenhüller.

1761.  Der  Dichter  Friedrich  Matthisson  in  Hohendodeleben
bei  Magdeburg  geboren.

1807.  Das  von  den  Preussen  besetzte  Kosel  wird  durch  den
bayrischen  General  Deroy  erfolglos  blockiert.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  verlegt  seine  Residenz
von  Berlin  nach  Breslau.

1814.  Feldmarschall  Blücher  nimmt  Lygny  mit  Sturm.

1866.  Neunzehn  Mitglieder  der  holsteinischen  Ritterschaft
richten  eine  Adresse  an  den  Grafen  Bismarck,  worin  Sie  um
Personalunion  der  Herzogtümer  mit  Preussen  bitten.

1871.  Die  deutsche  Südarmee  unter  General  Manteuffel  besetzt
die  Strasse  nach  Lyon,  wodurch  dem  in  den  Schlachten
bei  Hericourt  geschlagenen  Bourbaki  schen  Heer  der
Rückzug  abgeschnitten,  und,  von  General  Werder  verfolgt,  nach
der  Schweiz  überzutreten  gezwungen  wird.

Minister  Favre  kommt  Abends  nach  Versailles  und  bietet
dem  Grafen  Bismarck  die  Kapitulation  von  Paris  an,  welche
nach  den  französischen  Vorschlägen  abgelehnt  wurde.

 

 

24.  Januar.

1076.  Kaiser  Heinrich  IV.  hält  in  Worms  eine  von  ihm  durch
„Eilboten“  einberufene  Kirchenversammlung  ab.

1341.  Der  wankelmütige  und  charakterschwache  Kaiser  Ludwig
der  Bayer  schwört  dem  französischen  König  Philipp  VI.

„lebenslängliche  Freund-  und  Bundesgenossenschaft!“


1438.  Das  Baseler  Concil  suspendiert  den  Papst  und  nimmt  die
Verwaltung  der  Kirche  in  eigene  Hand.

1568.  König  Sigismund  II.  schlägt  bei  Pitschen  den  Erzherzog
Maximilian  von  Oesterreich  und  nimmt  ihn  gefangen.

1634.  Kaiser  Ferdinand  II.  verfügt  die  Absetzung  seines  Feldherrn
Wallenstein,  den  er  hasste  und  fürchtete  und  ernennet  den
General  Gallus  zum  Oberbefehlshaber  des  Herres.
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        —  1  —

1712.  Friedrich  II,  der  grosse  König  von  Preussen,  als  Sohn
des  Königs  Friedrich  Wilhelm  I.  und  der  Königin  Sophie  Dorothea,
  zu  Berlin  geboren.

1742.  Kurfürst  Karl  Albert  von  Bayern  wird  zum  Kaiser  gewählt.

1799.  Die  Festung  Ehrenbreitstein  wird  an  die  Franzosen
übergeben.

1814.  Die  Franzosen  werden  im  Gefecht  bei  Bar-sur-Aube
geschlagen;  das  Blücher’sche  Corps  besetzt  Brienne.

Die  Russen  schlagen  die  Franzosen  bei  Lüttich.

1858.  Abschluss  eines  Münzvertrages  zwischen  den  Staaten
des  Zollvereins  einerseits  und  dem  österreichischen  Kaiserstaate
mit  Liechtenstein  anderseits,  wodurch  ein  gemeinsamer  Münzfuss

  (der  30  Thalerfuss)  nicht  aber  ein  gleichartiges  Münzsystem
herbeigeführt  wurde.

1861.  Preussen  schliesst  im  Interesse  des  deutschen  Handels  mit
dem  Taikun  von  Japan  einen  Handelsvertrag  ab,  der  den
Schiffen  unter  preussischer  Flagge  den  Verkehr  mit  jenem
Reiche  eröffnet.

1863.  Bismarck  giebt  dem  Wiener  Hof  den  Rath,  sich  aus
Deutschland  zurückzuziehen  und  den  Schwerpunkt  seiner
Monarchie  nach  Ofen  zu  verlegen,  wenn  er  nicht  erfahren
  wolle,  im  nächsten  europäischen  Streite  Preussen  auf
der  Seite  seiner  Gegner  zu  finden.

Aber  Oesterreich  war  weit  entfernt,  diesem  Rate  folgen  zu  wollen;
—  drei  Jahre  später  sollte  durch  „Blut  und  Eisen*  der  Bimarck'sche
Rat  zur  Wahrheit  werden!

1871.  Jules  Favre  beginnt  im  Namen  der  Regierung  der  Nationalvertheidigung
  die  Unterhandlungen  mit  Bismarck.

 

35.  Januar.

ey

1077.  Das  Reichsoberhaupt  der  Deutschen,  der  mit  dem  Bannfluche
des  Papstes  belegte  Heinrich  IV.  erscheint,  aller  Zeichen
seiner  Würde  entkleidet,  baarfuss,  im  härnen  Gewande,  ohne
Obdach,  ohne  Trank  und  Speise,  in  Canossa  vor  Gregor  VII,
drei  Tage  lang  dessen  Verzeihung  erflehend.

1348.  An  vielen  Orten  in  Deutschland  wird  ein  heftiges  Erdbeben
verspürt.  Man  bezeichnete  es  als  der  Vorbote  der  darauf  folgenden
Pest,  welche  sich  von  Osten  nach  Westen  heranwälzte.

1559.  Christian  II.  von  Dänemark  (der  Böse)  stirbt  auf  Schloss
Kalundsborg  auf  Seeland.
        <pb n="38" />
        _  8  —

1623.  Herzog  Maximilian  von  Bayern  erhält  auf  der  Reichsversammlung
  zu  Regensburg  vom  Kaiser  unter  grosser  Feierlichkeit,
  trotz  des  Widerspruchs  von  Kursachsen  und

Brandenburg,  die  Kurwürde.

1741.  Bei  Grätz  schlägt  Graf  Schwerin  die  Oesterreicher  unter
Browne.

1743.  Friedrich  Heinrich  Jakobi,  bekannter  Philosoph,  geboren.

1792.  Die  französische  Nationalversammlung  erklärt  dem  deutschen
  Reich  den  Krieg,  wenn  nicht  dasselbe  bis  zum
10.  Februar  hinsichtlich  seiner  Rüstungen  beruhigende  Erklärungen
  abgegeben  habe.

Der  Kaiser  gab  sie;  —  doch  war  die  Kriegsgefahr  nur  auf  ganz
kurze  Zeit  abgewandt.

1807.  Treffen  bei  Mohrungen,  in  welchem  die  Franzosen  die
Russen  schlagen.

1814.  Die  Russen  besetzen  St.  Dizier.  —  An  demselben  Tage  erstürmt
  der  preussische  General  von  Hobe  Herzogenbusch.

1858.  Vermählung  des  preussischen  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm
  mit  der  'Thronprinzessin  von  England,  Victoria.

1871.  Die  seit  9  Tagen  beschossene  Festung  Longwy  kapitulicrt;
4000  Gefangene  und  200  Geschütze  gewonnen.

Der  Grossherzog  von  Mecklenburg-Schwerin  besetzt  Rouen.

1875.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  nach  harten  Kämpfen
mit  den  Klerikalen  das  Gesetz  über  Einführung  der  obligatorischen
  Zivilehe  und  Beurkundung  des  Personenstandes
  mit  207  gegen  72  Stimmen  an.

1883.  Silberne  Hochzeit  des  deutschen  Kronprinzen  Friedrich
Wilhelm.

 

 

26.  Januar.

1347.  Kaiser  Karl  IV.  gründet  die  Universität  Prag.

1549.  Die  freie  Reichsstadt  Konstanz  unterzeichnet  eine  Huldigungs-Urkunde
  an  das  Haus  Oesterreich,  damit  sich  König  Ferdinand
bei  seinem  Bruder,  dem  Kaiser  Karl  V.,  für  sie  verwende.

1679.  Der  grosse  Kurfürst  überschreitet  mit  seiner  Armee  das
Frische  Haff,  um  die  Schweden  zurückzuschlagen.

1699.  Fri  ed  enzuCarlowitz  zwischen  Oesterreich  und  der  Türkei;
Diebenbürgen  und  das  Banat  kommen  an  Oesterreich.

1753.  Das  Kloster  St.  Johann  wird  durch  einen  heftigen  Brand
fast  gänzlich  zerstört.
        <pb n="39" />
        —-  9%  —_

1786.  Hans  Joachim  von  Ziethen,  preussischer  Husaren-General,
  stirbt  zu  Berlin.

Ein  sanfter  schneller  Tod  hat  sein  ruhmvolles  Leben  ohne  lange
vorherige  Krankheit  geendet.

1804.  Mantua  ergiebt  sich  den  Franzosen.

1820.  Heinrich  von  Littrow  zu  Wien  geboren.  Er  war  Direktor
  der  Handels-  und  nautischen  Akademie  zu  Triest.

1860.  Beschluss  der  Bundes-Versammlung  zu  Frankfurt,  betreffend
die  Küstenbefestigung.

1866.  Graf  Bismarck  richtet,  durch  eine  am  23.  Januar  zu  Gunsten
des  „Augustenburgers“  zu  Altona  abgehaltene  grosse  Volksversammlung
  veranlasst,  eine  Depesche  nach  Wien,  in
welcher  er  das  ganze  politische  Regierungssystem  Oesterreichs
in  Holstein  angreift,  und  betont,  dass  „revolutionäre  und  jedem
Ihrone  feindselige  Tendenzen  unter  dem  Schutze  des  österreichischen
  Doppeladlers  sich  entfalten“  dürften.  —  Ferner:
„dass  es  ihm  ein  unabweisbares  Bedürfnis  sei,  Klarheit  in  das
ganze  Verhältnis  zu  Oesterreich  zu  bringen,  und,  wenn  eine
gemeinsame  Politik  fernerhin  nicht  zu  erwirklichen  sei,  für
Preussens  ganze  Politik  volle  Freiheit  zu  gewinnen.“

Der  Konflikt  zwischen  Oesterrich  und  Preussen  nahm  nunmehr
einen  ernsteren  Charakter  an.

1871.  Die  sich  nach  Besancon  auf  dem  linken  Ufer  des  Doubs
zurückziehende  Bourbakische  Armee  wird  von  einigen  Corps
der  Südarmee  verfolgt.

Selbstmordversuch  Bourbaki's.

In  der  Nacht  vom  26.  zum  27.,  um  12  Uhr,  wird  in  Folge
der  zwischen  dem  Grafen  von  Bismarck  und  Jules  Favre
stattgefundenen  Vorverhandlungen  das  Feuernbei  Paris  vollständig
eingestellt.

1888.  Im  Reichstag  giebt  Kriegsminister  von  Schellendorf  interessante
Aufschlüsse  über  das  neue  Heeres-Gesetz.

 

 

24.  J  anuar.

nn

1080.  Schlacht  bei  Flarchheim,  in  welcher  Kaiser  Heinrich  IV.
von  seinem  Gegenkönig  Rudolf  von  Schwaben  besiegt  wird.

1186.  Kaiser  Friedrich  I.  vermählt  zu  Mailand  seinen  erstgeborenen
  Sohn,  den  zwanzigjährigen  König  Heinrich,  mit  der
eilf  Jahre  älteren  Erbin  des  sicilianischen  Reiches,  Konstania,
der  Tochter  des  söhnelosen  Normanenkönigs  Rogers  I.,  wodurch
Sicilien  unter  die  deutsche  Kaiserkrone  kam.
        <pb n="40" />
        _  310  —

1756.  Johannes  Chrystostomos  Wolfgang  Amadeus  Mozart,  einer
der  grössten  deutschen  Komponisten,  zu  Salzburg  geboren.

1775.  Friedrich  Wilhelm  Schelling,  ein  bedeutender  Philosoph,
  zu  Leonberg  in  Württemberg  geboren.

1781.  Adalbert  von  Chamisso,  ein  echt  deutscher  Dichter,
wengleich  Franzose,  auf  dem  Schlosse  Boncourt  in  der  Champagne

geboren.

Er  stammte  aus  einem  alten  adeliren  Geschlecht  Frankreichs,  aus
welchem  die  Eltern  Adalberts  ums  Jahr  1790  nach  Deutschland  flüchteten.

1805.  Sophie,  Erzherzogin  von  Oesterreich,  Tochter  König  Maximilians
  I.  von  Bayern  und  Mutter  des  Kaisers  Franz  Joseph,

geboren.
1808.  Der  deutsche  Philosoph  Strauss  zu  Ludwigsburg  geboren.
1812.  Die  Franzosen  besetzen  Schwedisch-Pommern.

1814.  Johann  Gottlieb  Fichte,  ein  hervorragender  Philosoph
und  Patriot  stirbt.
Seine  Reden  und  Schriften  haben  zur  patriotischen  Belebung  des
deutschen  Volks  während  der  Befreiungskriege  wesentlich  beigetragen.

1833.  Der  erste  konstitutionelle  Landtag  in  Sachsen  eröffnet.
1859.  Wilhelm  I.,  deutscher  Kaiser,  geboren.

Er  ist  der  älteste  Sohn  des  damaligen  Kronprinzen  Friedrich
Wilhelm,  des  späteren  Kaisers  Friedrich  IIl.

1861.  Der  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen,  wird
zum  Statthalter  Pommerns  ernannt.

1870.  Zusammentritt  des  norddeutschen  Bundesrats.

1871.  Vor  Paris  wird  beiderseits  das  Geschützfeuer  eingestellt.  —

Beginn  der  Verhandlungen  in  Versailles  über  die  Kapitulation
  von  Paris.

An  demselben  Tage  nimmt  Wilhelm  I.  aus  den  Händen
der  beiden  ersten  Präsidenten  des  preussischen  Abgeordnetenhauses
  eine  Adresse  des  Hauses  entgegen.

1874.  In  England  wird  ein  „Sympathie-Meeting“  veranstaltet
und  auf  demselben  werden  Resolutionen  im  Sinne  der
deutschen  Reichspolitik  abgefasst.

1877.  Publikation  der  Gerichtsverfassung  des  deutschen
Reiches.

1855.  Dreizehnter  deutscher  Handelstag  in  Berlin.
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        —  31  —

28.  Januar.

 

814.  Karl  der  Grosse,  der  erste  römisch-deutsche  Kaiser,  stirbt
zu  Aachen.  —

Am  achten  Tage  seiner  Krankheit  segnete  sich  Karl  mit  dem’Zeichen
des  Kreuzes,  faltete  die  Hände  und  gab  mit  den  Worten  des  Erlösers:
„In  deine  Hände  befehle  ich  meinen  Geist!“  seine  Seele  dem  Schöpfer
zurück,  im  zweiundsiebenzigsten  Jahre  seines  thatenreichen  Lebens.

1256.  Wilhelm  von  Holland,  deutscher  König,  stirbt,  —  bei
einem  Einfall  in  Friesland  von  einigen  Kriegern  erschlagen.

1341.  Der  schwache,  wankelmüthige  Kaiser  Ludwig  der  Bayer
verpflichtet  sich,  den  König  Philipp  VI.  von  Frankreich,
„so  lange  er  lebe,  im  unangefochtenen  Besitz  aller
Länder  und  Rechte,  welche  er  jetzt  inne  habe,  zu
belassen  und  das  dem  Könige  von  England  übertragene
  KReichsvicariat  diesem  wieder  abzunehmen‘.


1487.  Erzherzog  Sigmund  von  Tyrol  giebt  dem  Herzog  Albert
dem  Weisen  mit  der  Hand  seiner  Nichte  Kunigunde  Aussichten
auf  Tyrol  und  die  schwäbischen  Vorlande.

1519.  Herzog  Ulrich  von  Württemberg  erobert  Reutlingen,
dessen  Bürger  seinen  Burgvogt  erschlagen  hatten  und  verleibt
die  Stadt  seinem  Lande  ein.

1521.  Eröffnung  des  bedeutsamen  Reichstags  zu  Worms,  auf
welchem  im  April  Dr.  Martin  Luther  so  männiglich  seine  Lehre
vor  Kaiser  und  Reich  verteidigte.

1676.  Treffen  bei  Tilse  in  Östpreussen;  die  Brandenburger
unter  General  von  Schöning  siegen  über  die  Schweden,  die  über
die  Grenze  zurückgeworfen  werden.

1760.  Gefechtbei  Anklam;  die  Schweden  überfallen  die  Preussen,
werden  aber  von  Belling  wieder  vertrieben.

1773.  Preussisches  Edikt  wegen  Verminderung  der  Buss-  und
Festtage.

1790.  In  Frankreich  dekretiert  die  Nationalversammlung  die  Rechte
der  Juden.

Kaiser  Joseph  II.  ist  durch  die  allgemeine  Unzufriedenheit
  in  Ungarn  gezwungen,  seine  humanen,  wohlgemeinten
Reformen  theilweise  unausgeführt  zu  lassen.

1796.  Friedrich  Wilhelm  Krummacher,  Theolog  und  Kanzelredner,
  zu  Duisburg  geboren.

1807.  Friede  zu  Memel  zwischen  England  und  Preussen,  letzteres
verzichtet  auf  Hannover.
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        _-  992  —

1832.  Bologna  wird  von  den  Oesterreichern  besetzt.

1849.  Die  Russen  rücken  durch  den  Rotenturm-Pass  in  Siebenbürgen
  ein.

1852.  Der  König  von  Dänemark  verheisst  den  Schleswig-Holsteinern,
  der  deutschen  Nationalität  im  Herzogtum  Dänemark
gleichen  Schutz  und  gleiche  Berechtigung  wie  der  dänischen,
und  verpflichtet  sich,  das  Herzogtum  Schleswig  niemals  als  eine
dänische  Provinz,  sundern  als  einen  selbstständigen  Bestandteil
der  dänischen  Monarchie  unter  ständischer  Vertretung  mit  beschliessender
  Befugnis  zu  behandeln,  und  die  beiden  Herzogtümer
in  gemeinschaftlichem  Besitz  aller  nicht  politischen  Einrichtungen
und  Anstalten  zu  belassen.  —

Doch  diese  Versprechungen  wurden  nicht  gehalten.

1864.  ArmeebefehldesPrinzenFriedrichKarlvon  Preussen
an  das  I.  Armee-Üorps.

1867.  Das  Thurn  und  Taxische  Postwesen  kommt  für  9  Mill.
Mark  an  den  Norddeutschen  Bund.

1871.  Der  Bundeskanzler  Graf  von  Bismarck  unterzeichnet  mit
Jules  Favre  die  Kapitulation  aller  Pariser  Forts  und
einen  dreiwöchentlichen  Waffenstillstand  zu  Land  und  zu  Wässer.

DiePariserArmeebleibt  kriegsgefangeninderStadt
und  hat  die  Waffen  abzuliefern:  602  Feldgeschütze,  1362  Festungsgeschütze,
  177000  Gewehre,  eine  Menge  Munition  und  1200  Munitionswagen.
  Die  Stadt  Paris  hatte  200  Mill.  Frank  Kriegsentschädigung  zu
zahlen.  Die  Armeen  im  freien  Felde  behalten  ihre  respektiven  Landstrecken
  besetzt,  mit  Neutralitätszonen  zwischen  sich.  Rücksichtlich
Belforts  und  der  Bourbakischen  Armee  bleibt  die  Entscheidung  über
den  Beginn  des  Waffenstillstandes  noch  vorbehalten

Zahlreiche  aufgelöste  Truppen-Abteilungen  bewegen  sich
längs  der  Schweizer  Grenze,  teilweise  überschreiten  sie  dieselbe

flüchtend.

An  Stelle  des  Generals  Bourbaki,  der  in  Folge  seines  misslungenen
  Selbstmordversuches  dienstunfähig  ist,  wird  General
Clinchant  zum  Höchsteommandierenden  der  I.  Armee  ernannt.

1875.  Der  gesamte  Episkopat  Bayerns  richtet  an  den  König
Ludwig  II.  eine  Vorstellung  gegen  die  obligatorische  Zivilehe.

1876.  Konstituierung  der  ersten  evangelischen  Gemeinde  in  Tirol.

1888.  Die  deutschen  Reichsangehörigen  Haupt  und  von  Ehrenberg
  nebst  Genossen  werden  wegen  sozialistischer  Umtriebe
  aus  der  Schweiz  gewiesen.
        <pb n="43" />
        33  —

29.  Januar.

1499.  Katharina  von  Bora,  Luthers  Ehefrau,  geboren.

1724.  Johann  Andreas  Kramer,  Professor  der  Theologie  und
Kanzler  der  Universität  Kiel,  ein  begabter  christlicher  Liederdichter,
  geboren.

An  demselben  Tage  stirbt  der  tapfere  Generallieutenant
Friedrich  Freiherr  von  Derfflinger.

1740.  Friedrich  Il.  kehrt  auf  einen  Monat  nach  Berlin  zurück,
damit,  wie  er  sagte,  die  Vergnügungen  des  Carnevals  keine
Störung  erlitten,  in  der  That  aber,  um  für  die  Bedürfnisse  des
nächsten  Feldzuges  zu  sorgen.

1742.  Die  Grafschaft  Glatz  huldigt  dem  König  von  Preussen.

1763.  Johann  Gottlieb  Seume,  ein  durch  seine  Schicksale  vielgenannter,
  nicht  unbedeutender  Dichter,  zu  Poserne  bei  Weissenfels
  in  Sachsen  geboren.

1814.  Gefecht  bei  Brienne.  Die  Preussen  und  Russen  unter
Blücher  und  Gneisenau  behaupten  gegen  die  an  Zahl  stärkeren
Franzosen  unter  Napoleon  in  blutigem  Kampfe  das  Feld.

1849.  Einführung  der  allgemeinen  deutschen  Wechselordnung.

1860.  Ernst  Moritz  Arndt,  der  patriotische  Dichter  der  Freiheitskriege,
  stirbt,  an  Jahren  und  Ehren  reich,  zu  Bonn.

1863.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  richtet  mit  255  gegen
68  Stimmen  eine  Adresse  an  den  König  gegen  das  Ministerium
Bismarck.

1866.  Beschluss  des  Obertribunals  in  Berlin,  wegen  der
Redefreiheit  im  preussischen  Abgeordnetenhause.

1871.  Uebergabe  der  25  grösseren  und  kleineren  Forts  bei  Paris
an  die  deutschen  Truppen  und  die  Aufhissung  der  schwarzweiss-roten
  Fahne  auf  denselben.

Die  Avant-Garde  des  Generals  von  Werder  nimmt  die
Dörfer  Sombacourt  und  Chaffois  mit  Sturm;  —  2  Generäle,
46  Offiziere,  4000  Mann  Gefangene;  —  10  Geschütze  und

7  Mitrailleusen  erbeutet.
Die  Franzosen  werden  aus  Pontarlier  zurückgeworfen.

Dekret  der  Pariser  Regierung  über  die  Wahlen  zur
National-Versammlung.

1874.  (Nach  andern  in  der  Nacht  vom  19.  zum  20.  J  anuar).  Der
Dichter  und  Germanist  Hoffman  von  Fallersleben  stirbt
auf  Schloss  Üorvey.

1876.  Franz  Deak,  ungarischer  Staatsmann,  gestorben.

Lieutenant  Anker,  der  tapfere  Verteidiger  der  Düppeler
Schanze  Nr.  2  (18.  April  1864),  zu  Kopenhagen  gestorben.
3
        <pb n="44" />
        1885.  Journalisten-Strike  im  österreichischen  Abgeordneten-Hause.


1887.  August  Wilhelm,  Prinz  von  Preussen,  vierter  Sohn  Kaiser
Wilhelm  II.,  geboren.  |

1888.  Mackenzie,  der  Arzt  des  deutschen  Kronprinzen  Friedrich
Wilhelm,  trifft  in  San  Remo  ein.

 

30.  Januar.

—

1018.  Heinrich  II.  schliesst  nach  vergeblicher  Belagerung  der
festen  Stadt  Nimptsch  mit  den  Polen  den  Frieden  zu  Bautzen.

1245.  Allgemeine  Kirchenversammlung  zu  Lyon,  wozu
Papst  Innocenz  VI.  alle  Könige,  Fürsten  und  Prälaten  der
Christenheit  berufen  hatte.

1349.  Der  tapfere  und  edelgesinnte  Günther  zu  Schwarzburg
  wird  gegen  seinen  Wunsch  und  Willen  zum  deutschen
König  ausgerufen.

1648.  Frieden  zu  Münster  zwischen  Philipp  II.  von  Spanien

und  den  Generalstaaten.

Die  Unabhängigkeit  Hollands  und  seine  Lostrennung  vom  Reich
wurden  anerkannt,  wodurch  Deutschland  ausser  einem  seiner  schönsten
Länder  auch  noch  die  freie  Rheinschiffahrt  verlor.

1679.  Der  grosse  Kurfürst  schlägt  die  Schweden  bei  Splittern.
1741.  Namslau  ergiebt  sich  den  Preussen.

1777.  Der  spätere  bayerische  Generalmajor  Kajetan  Graf  Buttler

geboren;  durch  seine  Teilnahme  an  der  Verteidigung  Danzigs
berühmt.

1799.  Erste  Aufführung  von  Schillers  „Piccolomini“  in  Weimar.
1814.  Die  Preussen  unter  York  nehmen  St.  Dizier.

1815.  Der  Dichter  Karl  Friedrich  von  Gerok  zu  Vaihingen
a.  d.  Enz  geboren.

1833.  Der  zum  König  von  Griechenland  ernannte  Prinz  Otto  von
Bayern  trifft  mit  der  ihm  beigegebenen  Regentschaft  und

bayerischen  Truppen  in  Nauplia  ein;  die  Verwaltung  wird
nach  abendländischem  Muster  eingerichtet.

1859.  Sardinien  schliesst  einen  Bundes-Vertrag  mit  Frankreich

_(Familienpakt);  Erweiterung  des  Zerwürfnisses  mit
Oesterreich.

1864.  Diealliirte  österreichisch-preussische  Armee  unter  dem
Oberbefehl  des  preussischen  Feldmarschalls  Wrangel  ist  in  Holstein
  längs  der  schleswig’schen  Grenze  aufgestellt.
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        —  5  —

1871.  Die  siebente  Brigade  der  deutschen  Südarmee  nimmt
Frasne  bei  Pontarlier.  2000  Gefangene,  2  Adler.

Vormarsch  der  Deutschen.

Die  Regierung  zu  Paris  erklärt  die  Vollmachten  der
Delegirten  zu  Bordeaux  für  erloschen.

Gambetta  befiehlt  den  Präfekten  mit  der  Einübung  der
Mobilgarde  fortzufahren;  der  Krieg  müsse  bis  aufs  Aeusserste
fortgesetzt  werden.

1872.  Rede  des  Fürsten  Bismarck  gegen  die  ultramontanen
Wühlereien.

1873.  Denkschrift  der  katholischen  Bischöfe  Preussens  an  das  Staatsministerium,
  betreffend  die  kirchenpolitischen  Gesetz-Entwürfe.


1877.  Publikation  der  Civilprozessordnung  des  Deutschen

Reiches.

1888.  Der  Entwurfdesneuen  deutschen  Sozialistengesetzes
wird  nach  lebhafter  Debatte  im  Reichstag  an  eine  Uommission
verwiesen.

1889.  Der  Reichstag  verwilligt  zum  Schutze  der  deutschen
Interessen  in  Ostafrika  und  zur  Bekämpfung  des

Sklavenhandels  zwei  Millionen  Mark.  |
Hauptmann  Wissmann  wurde  hierauf  mit  der  Ausführung  der
betr.  Massregeln  beauftragt.
An  demselben  Tage  stirbt  Kronprinz  Rudolph  von
Oesterreich  in  dem  Jagdschloss  Meyerlin  bei  Baden  durch

Selbstmord.

 

 

3l.  Januar.

ee  vB

1606.  Mannheim  gegründet  durch  Kurfürst  Friedrich  IV.
1790.  Friedrich  Wilhelm  II.,  König  von  Preussen,  schliesst  ein
Bündnis  mit  den  Türken.

1794.  Niederbrennung  des  Residenzschlosses  des  Fürsten  von  Leiningen
  zu  Türkheim  in  der  Pfalz  durch  die  Franzosen.

1797.  Franz  Peter  Schubert,  der  Meister  des  deutschen  Liedes,
zu  Wien  geboren.

1809.  Freiherr  Karl  von  Werther,  preussischer  Diplomat,  zu
Königsberg  geboren.  '

1814.  Lierre  in  Belgien  wird  erstürmt.

1823.  Elise  Polko,  bekannte  Schriftstellerin,  geboren  zu  Leipzig.
Sie  ist  eine  Schwester  des  Afrikareisenden  Eduard  Vogel.
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        —  3  —

1850.  Die  auf  Anordnung  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.  von
Preussen  ‚revidierte  Verfassung“  wird  zum  Staatsgrundgesetz
  erhoben.

1852.  Die  schleswig-holsteinische  Reiterei  gerät  mit  den
argentinischen  Vortruppen  in  Raınpf  und  reitet  die  gefürchtete
Gauchosreiterei  im  ersten  Anprall  nieder.

1864.  Wrangel  fordert  den  dänischen  Oberbefehlshaber  Generallieutenant
  de  Meza  auf,  Schleswig  zu  räumen;  de  Meza  lehnt
ab.  „In  Gottes  Namen  drauf!“

1866.  Der  Dichter  Friedrich  Rückert  stirbt.

1868.  Publikation  des  Wehrgesetzes  ın  Bayern.  Inkrafttretung
am  1.  Februar  gleichen  Jahres.

1871.  Die  französische  Ostarmee  unter  General  Clinchant  wird  von
Westen  und  Süden  durch  die  Deutschen  abgeschnitten  und  sucht
sich  durch  Anlehnung  an  die  Schweizer  Grenze  zu  retten.  Im
Gefecht  bei  Vaux  1500  Gefangene.

Der  Waffenstillstand  tritt  auch  für  die  zweite  Armee  und
die  Armee  des  Generals  Chancy  in  Kraft.

1876.  Die  Botschafter  Deutschlands,  Oesterreichs:  und  Russlands
überreichen  der  Pforte  die  Reformvorschläge  der  drei
Mächte,  die  übrigen  Botschafter  unterstützen  dieselben.

1888.  Die  deutschen  Aerzte  des  Kronprinzen  geben
abermals  ihrer  Ansicht  Ausdruck,  dass  dessen
Leiden  krebsartig  sei.
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        1.  Februar.

 

850.  Der  Westgothen-König  Ramiro  von  Asturien  stirbt.

1411.  Friede  zu  Thorn  zwischen  dem  Polenkönig  Wladislaw  II.
und  dem  Hochmeister  des  deutschen  Ordens,  Heinrich

Reuss  von  Plauen.
Der  Orden  tritt  Schamajten  an  Polen  ab  und  zahlt  100000  Schock

breite  Prager  Groschen.
1459.  Konrad  Celtes,  der  erste  gekrönte  Dichter  unter  den
Deutschen,  zu  Wipfelde  bei  Würzburg  geboren.

1558.  Stiftung  der  Universität  Jena  durch  Herzog  Johann
Friedrich  den  Jüngeren  (nach  Kaiserlichem  Privilegium  vom
15.  August  1557).

1702.  Prinz  Eugen  von  Savoyen  überrumpelt  Üremona  und  nimmt
den  französischen  Marschall  Villeroi  gefangen.

1705.  Sophie  Charlotte,  Gemahlin  Friedrichs  I.  von  Preussen,
stirbt.

1720.  Die  Schweden  schliessen  mit  Preussen  und  Hannover  zu
Stockholm  einen  Frieden,  wonach  Schweden  an  Hannover  das
Land  Bremen  und  Verden  abtritt,  an  Preussen  gegen  Zahlung
von  zwei  Millionen  Thalern  Vorpommern  zwischen  Oder  und
Peene,  mit  Stettin,  Usedom  und  Wollin,  Damm  und  Gollnow.

1733.  August  II.,  der  Starke,  Kurfürst  von  Sachsen  und  König
von  Polen,  stirbt.

1800.  Eröffnung  des  ersten  Missions-Seminars  in  Deutschland
durch  Johann  Jänicke  in  Berlin.

1807.  Veberfall  bei  Alt-Küstrinchen  in  der  Mark  durch
Lieutenant  von  Hirschfeld,  der  einen  französischen  Geschütz-Transport
  sprengt  und  30  erbeutete  Kanonen  in  die  Oder  versenkt.

1808.  Prinzessin  Louise  von  Preussen,  Tochter  Friedrich
Wilhelm  III.,  zu  Berlin  geboren.

Sie  wurde  die  Gemahlin  des  Prinzen  Friedrich  der  Niederlande.

1814.  Schlacht  bei  La  Rothiere  (Brienne);  erster  Sieg  der

Verbündeten  über  Napoleon  I.  auf  französischem  Boden,

Bis  tief  in  die  Nacht  hinein  erstreckte  sich  die  Schlacht,  so  furchtbar
  als  eine  vorher.  Besonders  zeichnete  sich  hier  der  Kronprinz  von
Württemberg  aus,  der  das  Dorf  la  Giebrie,  das  Napoleons  Stellung
deckte,  und  gegen  den  heftigsten  Widerstand  unter  grosser  Gefahr

‚behauptete.
Schlacht  bei  Winigsen,  in  welcher  die  verbündete

Nordarmee  unter  Bülow  und  Graham  über  die  Franzosen  siegt.
        <pb n="48" />
        1864.  Das  unter  dem  Oberbefehl  des  preussischen  Feldmarschall
Wrangel  stehende  österreichisch-preussische  Heer  rückt
in  Schleswig  ein.

An  demselben  Tage  Gefecht  bei  Eckernförde.

1865.  Einsetzung  einer  schleswig-holsteinischen  Landesregierung

  auf  Gottorp  bei  Schleswig.

1868.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  nimmt  den  Gesetzentwurf
betr.  die  Entschädigung  der  depossedierten  Fürsten
an.

1871.  Hartnäckige  Gefechte  mit  den  Arrieregarden  der
Bourbakischen  Armee  bei  Pontarlier,  worauf  sich  die
Franzosen  durch  die  Flucht  über  die  Schweizergrenze  retten.
2192  Offiziere  und  88381  Mann  betreten  mit  285  Geschützen
bei  dem  Grenzort  Verrieres  das  Schweizer-Gebiet  und  werden
entwaffnet.  Die  offiziellen  Depeschen  melden  hierüber:

„Pontarlier,  den  2.  Februar.  Die  französische  Armee  wurde
am  30.,  31.  und  1.  in  mitunter  hartnäckigen  Arrieregarden-Gefechten
besonders  bei  La  Cluse  zwischen  Pontarlier  und  der  Grenze  vollständig
ins  Grenzgebirge  zurückgedrängt.  Es  fielen  in  die  Hände  der  Süd-Armee:
  2  Adler,  9  Geschütze  und  Mitrailleusen,  2  Generäle,  gegen  5000
Gefangene,  viele  Hunderte  Proviant-Wagen  und  zahlreiches  Material  an
Waffen.  Eigener  Verlust  etwa  600  Mann  tot  und  verwundet.  General

Hann  von  Weyhern  hat  gestern  nach  leichtem  Gefechte  Dijon  genommen.
Graf  Wartensleben.“

Garibaldi  räumt  in  der  vorhergehenden  Nacht  Dijon
und  wendet  sich  nach  dem  Süden.

1872.  Bogumil  Dawison,  ein  hervorragender  Schauspieler,  stirbt.

1877.  Kundmachung  der  Strafgerichtsordnung  des  deutschen
Reichs.

 

 

2.  Februar.

962.  Otto  I.  wird  zu  Rom  zum  Kaiser  gekrönt.

1074.  Frieden  zu  ferstungen,  in  welchen  Kaiser  Heinrich  IV.
den  Sachsen  ihre  Forderungen  gewähren  musste.

1159.  Kaiser  Friedrich  Barbarossa  hält  einen  Reichsta  g  zu
Antimaco,  auf  welchem  gegen  Mailand  die  Reichsacht  ausgesprochen
  wird.

1160.  Kirchenversammlung  zu  Padua  eröffnet.

Dieselbe  bezweckte  die  Be  seitigung  des  Schismas.

1194.  König  Richard  Löwenherz,  gegen  Lösegeld  seiner  Haft

in  Deutschland  entlassen,  kehrt  nach  England  zurück.

1276.  Erster  Spatenstich  zum  Bau  des  Strassburger
Münsters.  Ä

 

Tu
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        —  39  —

Kaiser  Rudolf,  „ersucht“(!)  den  König  von  Frankreich,
die  Abtei  Orval  im  Luxemburgischen  in  seinen  Schutz  zu
nehmen.

1440.  Die  in  Frankfurt  a.  M.  versammelten  Kurfürsten  wählen  einstimmig
  den  Herzog  Friedrich  von  der  österreichisch-steyermärkischen
  Linie,  einen  vierundzwanzigjährigen  Jüngling,  zum

Reichsoberhaupt.

Ueber  dreiundfünfzig  Jahre  hat  durch  diese  Sünde  der  Wahlfürsten
ein  Schwächling  von  gemeinster  Gesinnung  Oberhaupt  des  deutschen
Reiches  geheissen,  vom  Jahre  1440  bis  149.

1558.  Inauguration  der  Universität  Jena.

1679.  General  Joachim  Ernst  von  Görtzke  schlägt  dieSchweden
unter  Horn  bei  Woinat  in  Littauen.

1711.  Anton  Wenzel  Kaunitz,  Reichsfürst  von  Kaunitz-Rietberg,
  österreichischer  Staatsmann,  geboren  zu  Wien;  war  dem
geistlichen  Stand  gewidmet,  trat  aber  nach  dem  Tod  seiner
Brüder  in  den  Staatsdienst.

1758.  Johann  Michael  Hahn,  Stifter  der  nach  ihm  benannten

vielverbreiteten  Sekte  der  Michelianer,  zu  Altdorf  bei  Böblingen
  geboren;  Bauernsohn.

1783.  Karl  Friedrich,  Grossherzog  von  Sachsen-  Weimar,  geboren.

Er  war  mit  Maria  Paulowna  von  Russland  vermählt.  Ein  edler,
wohlwollender  Fürst.  Seine  Tochter  Augusta  wurde  die  erste  deutsche
Kaiserin.

1797.  Der  österreichische  General  Wurmser  ist  gezwungen,  die
Festung  Mantua  unter  anständigen  '  Bedingungen  an  die
Franzosen  zu  übergeben.

1798.  Verbrüderungsfest  mit  der  französischen  Republik  zu
Neustadt  in  der  Pfalz.

1799.  Die  Brückenschanze  auf  der  „Schusterinsel”  bei
Hüningen  in  Elsass-Lothringen  fällt  durch  Kapitulation  in  die
Hände  der  Oesterreicher.

1814.  Schlacht  bei  Brienne,  wobei  Prinz  Karl  von  Bayern  sich
rühmlichst  auszeichnete.

Erstürmung  von  Merxem  durch  die  Engländer  und
Preussen  ;  die  Franzosen  werden  nach  Antwerpen  hineingeworfen.

1821.  Papst  Gregor  XVI.  gewählt.

1862.  Oesterreich,  Bayern,  Württemberg,  Hannover,  Sachsen,  Hessen-Darmstadt
  und  Nassau  richten  identische  Noten  gegen  das
Vorhaben,  unter  Preussens  Führung  einen  engeren
Bund  deutscher  Staaten  ins  Leben  zu  rufen.

1864.  Angriff  der  Preussen  auf  die  dänische  Verschanzungen  bei

Missunde.  |  .
Prinz  Friedrich  Karl  beschiesst  den  Brückenkopf  mit  64  Geschützen.
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        —-  4  —

1870.  König  Ludwig  II.  verweigert  es,  die  Deputation  der  Reichsräte
  zur  Uebergabe  der  Adresse  zu  empfangen  und  lehnt  durch
ein  Schreiben  des  Oberst-Zermonienmeisters  die  Annahme  derselben
  ab.

1871.  Das  Hauptquartier  des  Prinzen  Friedrich  Karl  wird  nach
Tours  verlegt.

1872.  Ludwig  Simon,  hervorragendes  Mitglied  der  deutschen
Nationalversrammlung  in  Frankfurt  a  M.  und  des  Rumpfparlaments
  in  Stuttgart,  stirbt  zu  Montreux.

 

 

3.  Februar.

1508.  Maximilian  nimmt  den  Titel  „erwählter  deutscher  Kaiser“
an

1608.  Die  Union  von  Schwäbisch-Hall  wird  auf  Betreiben
Heinrichs  IV.  von  Frankreich  durch  die  Evangelischen  gebildet,
und  Kurfürst  Friedrich  IV.  von  der  Pfalz  an  die  Spitze  gestellt.

1681.  Kurfürst  Karl  giebt  den  Wiedertäufern  in  der  Kurpfalz
vollkommene  Religionsfreiheit.

1721.  Friedrich  Wilhelm  von  Seidlitz,  bedeutender  Feldherr
Friedrichs  des  Grossen  im  siebenjährigen  Kriege,  zu  Kalkar  im
Kleveschen  geboren.

1809.  Adolf  von  Harbou  zu  Kopenhagen  geboren.  War  Departementchef
  von  Schleswig-Holstein,  dann  Staatsminister  in
Meiningen,  führte  dann  bis  zu  seinem  Tode  die  Regierung  des
Fürstenthums  Reuss  j.  L.

Der  ausgezeichnete  Komponist  Mendelssohn-Bartholdy
zu  Hamburg  geboren.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  erlässt  von  Breslau
  aus  einen  Aufruf  zur  Bildung  freiwilliger  Jägercorps
  an  alle  Jünglinge  der  höheren  Klasse  vom  17.  bis  zur
Vollendung  des  24.  Jahres,  die  sich  selber  bekleiden  und
beritten  machen  könnten.

1814.  Friedenskongress  zu  Chatillon  eröffnet,  —  auf  Antrag

  des  Herzogs  von  Vicenza  festgesetzt.

Oesterreich  wollte  von  nun  an  um  so  weniger  die  rasche  Fortsetzung
des  Kampfes,  als  glückliche  Erfolge  den  Sturz  Napoleons  I.  herbeizuführen
drohten;  und  seinen  Schwiegersohn  vom  Throne  zu  stürzen,  lag  nicht
in  den  Absichten  des  Kaisers  Franz.

An  demselben  Tage  Gefecht  bei  La  Chaussee,  in
welchem  die  Franzosen  geschlagen  werden.

Die  verbündeten  Preussen  und  Engländer  bombardieren
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        —  4  —

Antwerpen,  und  setzen  dies  bis  zum  5.  Februar  fort,  ohne,
wie  beabsichtigt,  die  Verbrennung  der  feindlichen  Flotte  zu
bewirken.

1843.  Erinnerungsfest  der  preussischen  Veteranen  zu

Berlin.

Eine  erhebende  Gedenkfeier  des  Tages,  an  welchem  König  Friedrich
Wilhelm  III.  im  Jahr  1813  die  Freiwilligen  zum  Kampfe  gegen  die
Franzosen  rief!

1847.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  errichtet  durch
Patent  von  diesem  Datum  „die  ständischen  Einrichtungen  betreffend,“

  den  „vereinigten  Landtag“.

Eine  „grosse  Massregel“‘  nannten  dies  damals  die  Zeitungen;  und
Alex.  von  Humboldt  nannte,  bei  so  wenigem  Geben  des  Königs  unter
diesen  Zeitumständen,  die  Sachlage  eine  „verzweifelte“.  Er  fürchtet
schon  im  Frühling  1847  in  Preussen,  „Heftigkeiten  aller  Art,  Polizeigrimm,
Volkswut,  Truppeneinwirken,  als  Folgen  dieses  kargen  Gebens“.  .Dagegen
  war  der  König  „seelenvergnügt“  im  Glauben,  „sein  Geschenk“
werde  im  ganzen  preussischen  Staate  „mit  freudiger  Begeisterung“  aufgenommen
  werden.  —  Ein  Jahr  später  sollte  er  das  Gegenteil  erkennen.!

1864.  Gefecht  bei  Jagel,  Ober-  und  Niederselk,  in,  welchem
  die  Dänen  von  den  Preussen  und  Oesterreichern  zurückgeworfen
  werden.

1867.  Eröffnung  einer  auf  Betreiben  Bayerns  gehaltenen  Konferenz
zu  Stuttgart.  Bevollmächtigte  von  Bayern,  Württemberg,  Baden
und  Hessen  traten  zur  Beratung  einer  gleichmässigen

Heerverfassung  der  süddeutschen  Staaten  zusammen.
Die  Stimmung  war  eine  sehr  partikularistische.  Man  ging,
ohne  sich  geeinigt  zu  haben,  auseinander.

1868.  Der  volkstümliche  badische  Minister-Präsident  Matlıy  stirbt.

1871.  Der  Kaiser  von  Deutschland  zeigt  den  auswärtigen
Mächten  die  Wiederherstellung  des  Deutschen  Reiches  und  die
Uebernahme  der  Kaiserwürde  an.

Garibaldi  kommt  nach  Chagny,  dem  Hauptquartier  der

Vogesenarmse.

1874.  Erzbischof  von  Ledochowski  von  Posen-Gnesen  verhaftet
  und  nach  Ostrowo  (Posen)  ins  Gefängnis  gebracht.

1888.  Gleichzeitige  Veröffentlichung  der  deutsch-österreichischen
  Bündnisurkunde  durch  die  Regierungsorgane
  zu  Berlin,  Wien  und  Fest.

 

 

4.  Februar.

11ll.  Konkordat  von  Sutri,  welchem  Kaiser  Heinrich  V.  nur
mit  der  ausdrücklichen  Erklärung  und  unter  dem  Vorbehalte
seine  Zustimmung  gab,  dassdasselbedurchden  Beschluss
        <pb n="52" />
        _-  2  —

der  gesamten  Kirche  und  durch  das  Gutheissen
der  Reichsfürsten  bestätigt  werde.

1633.  In  Folge  der  in  der  Schlacht  bei  Lützen  (in  der  am
16.  November  1632  Gustav  Adolf  fiel)  bewiesenen  Feigheit  lässt
Wallenstein  mehrere  Offiziere  zu  Prag  enthaupten.

1695.  Georg  Reichsfreihberr  von  Derftflinger,  Feldmarschall,
ein  tapferer  Feldherr  des  grossen  Kurfürsten,  stirbt.

1813.  Gefecht  bei  Landsberg  a.  d.  Warthe,  in  welchem  eine
1500  Mann  starke  Abteilung  F'ranzusen  vernichtet  wird.

1814.  Treffen  bei  Chälons  sur  Marne.  Die  Preussen  unter
York  schlagen  die  Franzosen.
Gorkum  in  Südholland  ergiebt  sich  den  Verbündeten.

1819.  Erste  Eröffnung  der  Ständeversammlung  des  Königreichs
Bayern  in  beiden  Kammern.

1848.  Der  ungarische  Genera  l  Bem  wird  von  den  Oesterreichern
bei  Vızakna  geschlagen.

1864.  Die  Oesterreicher  unter  General  von  Gablenz  schlagen
die  Dänen  am  Danewerk  in  bhlutigem  Tretfen.  —  Die
preussische  Garde  siegt  bei  Klein-Rheide.

1867.  Feierliche  Besitzergreifung  der  von  Hessen-Darmstadtan
Preussen  abgetretenen  Kreise.

Verkündigung  des  Besitznahme-Patents  und  der  Königl.  Prokloimation
an  die  Einwohner.

1871.  Das  von  Paris  abgerückte  11.  Armeccorps,  welches  ım  fast
beispielloser  Schnelligkeit  bis  an  die  Schweizer  Grenze
vorgedrungen,  hat  in  verschiedenen  Gefechten  10000  Gefangene
  gemacht,  2  Adler,  6  Geschütze  und  viele  Wagen  erbeutet.

Ein  amtliches  Dekret  erklärt  das  \Wahldekret  Gambettas
für  null  und  nichtig;  infolge  dessen  nimmt  Gampbetta  (6.  Februar)
seine  Demission.

1885.  Eröffnung  des  Weltpostkongresses  in  Lissabon.

1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  erlässt  zwei  hochbedeutsame  Entschliessungen
  zur  Arbeiterfrage  an  den  Reichskanzier
Fürsten  Bismarck  und  an  den  Minister  der  öffentlichen  Arbeiten
  und  für  Handel  und  Gewerbe.

Die  gesamte  Presse  begrüsst  diese  Kaiser-Erlasse  als  eine
„politische  That  ersten  Ranges“.
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        —  43  —
».  Februar.

1621.  Kaiser  Ferdinand  II.  erhebt  das  1536  zu  Strassburg
gegründete  Kollegium  St.  Wilhelm  zur  Universität.  WiedereröffnungalsdeutscheReichs-Universität1.Mai1872.


1679.  Friede  zu  Nymwegen,  zwischen  dem  deutschen  Reich,
dem  Kaiser  und  der  Republik  Holland.

Kaiser  Leopold  I.  liess  nunmehr  Lothringen  in  französischen  Händen
und  trat  dazu  noch  Freiburg  im  Breisgau  und  Hüningen  an  Frankreich
ab,  wogegen  dieses  nur  auf  das  Besatzungsrecht  in  Philippsburg  verzichtete.
Und  diesen  für  den  Kaiser  und  das  Deutsche  Reich  ganz  unrühmlichen,
ganz  undeutschen  Frieden  schloss  ohne  Not,  da  die  Deutschen  zur  Zeit
am  Rhein  im  Vorteil  waren,  Leopold  I.  ab  —  vorzugsweise  aus
Eifersucht  (!  auf  den  grossen  Kurfürsten  und  das  Wachstum
  Brandenburgs.

1685.  Johann  Friedrich  Böttger,  Erfinder  des  Meissner  Porzellans,
  in  Schleiz  geboren.

1766.  Feldmarschall  Daun,  Befehlshaber  der  österreichischen
Heere  im  siebenjährigen  Kriege,  stirbt.

1779.  Die  Preussen  erstürmen  den  Pass  von  Böhmisch-Einsiedel
  und  nehmen  die  Oesterreicher  gefangen.

Generallieutenant  Graf  von  Möllendorf  überfällt  und
schlägt  die  Oesterreicher  bei  Brüx  im  ehemaligen  böhmischen
Kreis  Saaz.

1792.  Bund  zwischen  Oesterreich  und  Preussen  zum
Schutz  des  in  Frankreich  gefährdeten  Königthums.

1794.  Publikation  des  preussischen  Landrechts.

1821.  Der  österreichische  General  Frimont  überschreitet  an  der
Spitze  eines  gegen  die  neapolitanische  Revolution  gerichteten
Occupationsheeres  den  Po.

1840.  Der  Dichter  Franz  von  Gaudy,  noch  nicht  volle  40  Jahre,
stirbt  in  Folge  eines  Blutschlags.

1852.  Der  pfälzische  evangelische  Verein  schreibt  einen  Unions-Katechismus
  als  Preisausgabe  aus.

1864.  Die  dänische  Armee  zieht  sich  in  der  Nacht  vom  5.  auf  den
6.  in  die  Düppeler  Verschanzungen  zurück,  und  hinterlässt
  60  schwere  Geschütze.

1875.  Papst  Pius  IX.  erklärt  in  einer  Encyklika  die  neuen
Kirchengesetze  des  deutschen  Reichs  für  ungiltig.
verbietetden  Gehorsam  gegen  dieselben  und  spricht
gegen  sämtliche  altkatholische  Geistliche  die
Exkommunikation  aus.
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        6.  Februar.

 

1191.  Papst  Clemens  III.  erteilt  dem  „Deutschen  Orde  n“  die
Bestätigung  und  stellt  denselben  unter  den  Schutz  des  Römischen

Stuhls.

1488.  Kaiser  Maximilian  I.,  im  Kampf  mit  den  aufrührerischen
Niederländer,  wird  von  den  Bürgern  von  Brügge  in  ihre  Stadt
gelockt  und  mehrere  Monate  gefangen  gehalten.

1703.  Rheinbergen  in  der  Rheinprovinz  wird  nach  vierwöchentlicher
  Belagerung  durch  die  Preussen  unter  General  von  der
Heyden  eingenommen;  die  französische  Besatzung
kapituliert.

1797.  Josef  Maria  von  Radowitz,  preussischer  General  und
Staatsmann,  geboren.

1807.  Die  Franzosen  besetzen  Schweidnitz,  dessen  Aussenwerke
  geschleift  werden.  Gleichzeitig  schlägt  Murat  die  Russen
bei  Hoff.  An  demselben  Tage  beschliesst  das  englische  Parlament
  die  Abschaffung  des  Sklavenhandels.

1850.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  beschwört  die
„revidierte  Verfassung“.

1864.  Die  Dänen  geben  das  Dauewerk  ohne  Kampf  auf,  und
ziehen  sich  heimlich  nach  dem  Nordosten  des  Herzogtums
Schleswig  zurück.  Die  Oesterreicher,  als  sie  das  Danewerk
leer  fanden,  verfolgten  den  Feind,  erreichten  aber  blos  die  Nachhut,
  die  sich  dann  bei  Oeversee  tapfer  verteidigte  und  so  der
Hauptarmee  den  ungehinderten  Rückzug  in  die  Düppelstellung
erstritt.

Uebergang  über  die  Schlei  bei  Cappeln  und
Arnis  unter  Prinz  Friedrich  Karl.  Siegreiches  Gefecht  der
Preussen  bei  Idstädt.

Proklamation  des  Königs  Christian  von  Sonderburg  aus.

1575.  Das  Reichsgesetz  über  die  Beurkundung  des
Personenstandes  und  über  die  Eheschliessung  wird  publiziert.

1888.  Bismarck's  gewaltige  Rede  im  Reichstag  über
die  Militärvorlage  „Wir  Deutsche  fürchten  Gott,
sonst  nichts  in  der  Welt!“

Annahme  der  Landwehrvorlage.

Die  Reichstagskommission  bewilligte  die  Kreditforderung
von  280  Millionen.
Der  österreichische  Kriegsminister  verlangt  ausserordentliche
Kredite  für  die  Landwehr.
        <pb n="55" />
        —  45  —

‘.  Februar.

zz  eu

1114.  Kaiser  Heinrich  V.  feiert  zu  Mainz  mit  höchster  Pracht
seine  Vermählung  mit  Mathilde,  der  Tochter  König  Heinrichs  I.
von  England.

Alle  Sachsenfürsten  waren  zu  der  Feierlichkeit  geladen  und  erschienen,
auch  Landgraf  Ludwig  der  Springer  von  Thüringen  —
Plötzlich  liess  der  Kaiser,  noch  während  des  Landgrafen  Anwesenheit
bei  den  Festen,  denselben  verhaften;  —  warum  ist  nicht  ermittelt.  Aber

dieser  kaiserliche  Gewaltstreich  wurde  die  Losung  zu  einem  neuen  bewaftneten
  Bunde  wider  den  Kaiser.

1249.  Friede  zu  Christburg.  —  Die  Preussen  unterwerfen  sich
dem  deutschen  Orden.

1679.  General  von  Schöning  schlägt  die  Franzosen  bei  Tilse.

1703.  Einschliessung  Bonns  durch  die  Verbündeten  und
Preussen.

1710.  Die  Russen  erstürmen  das  von  den  Schweden  besetzte  Elbing.

1792.  Pıillnitzer  Konvention.  Kaiser  Leopold  II.  schliesst  mit
Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  einen  Schutz-  und  Trutzvertrag
  ab,  worin  unter  Anderm  festgesetzt  wurde,  dass  Oesterreich
  180060,  Preussen  hingegen  60000  Mann  stelle,  um  den
König  von  Frankreich  in  seine  volle  monarchische  Gewalt  wieder
einzusetzen.

1807.  An  diesem  und  dem  folgenden  Tage  furchtbare  Schlacht
Preussisch-Eylau.  Die  Russen  und  Preussen,  geführt  von
Bennigsen  und  Lestocq,  zählten  hier  im  Ganzen  70000  Mann,
die  Franzosen  unter  Napoleon  1.  96000.  —

Aber  diese  zweitägige  Schlacht  war  nicht  entscheidend.  —  Nach
der  Schlacht  sandte  Napoleon  seinen  Vertrauten,  General  Bertrand,  nach
Memel  und  bot  dem  König  einen  Sonderfrieden,  mit  nicht  ungünstigen
Bedingungen  an;  aber  der  preussische  König  lehnte  jedeeinseitige
  Friedensunterhandlung  ab.  —  Anders  handelte  später
Kaiser  Alexander  I.  von  Russland  gegen  seinen  Bundesgenossen!

1813.  Die  Stände  von  Östpreussen  und  Littauen  beschliessen,  im
Einvernehmen  mit  York,  eineLandwehr  undeinen  Landsturm

  zu  bewaffnen.

1821.  Schlacht  bei  Rietı.  -

Die  Oesterreicher  unter  Graf  Wallmoden  besiegen  das  neopolitanische
  Revolutionsheer.

1862.  Handelsvertrag  zwischen  Preussen  und  den  übrigen
Staaten  des  deutschen  Zollvereins.

1864.  Die  Preussen  rücken  in  Flensburg  ein;  die  dänische  Armee
retiriert  nach  Jütland  und  Düppel.
        <pb n="56" />
        1866.  Der  österreichische  Minister-Präsident  Graf  Mansdorff
beantwortet  die  Bismarck’sche  Depesche  vom  26.  Januar  dahin,
dass  er  die  Anklage  der  österreichischen  Politik  in  Holstein
entschieden  zurückweist,  und  erklärt,  dass  der  Kaiser  selbst
auf  die  Gefahr  eines  Bruches  der  Allianz  mit
Preussen  bei  jener  zu  beharren  entschlossen  sei.

1867.  Freiherr  von  Beust,  ein  Antipode  des  Grafen  Bismarck,
wird  österreichischer  Ministerpräsident.

1871.  Vor  Paris  beginnt  die  Ablieferung  der  Geschütze  der  Pariser
Armee.

Der  Präsident  der  Ver.  Staaten  von  Nordamerika  richtet
an  den  Kongress  eine  Botschaft,  worin  er  der  Einigung
Deutschlands  seine  Sympathien  ausdrückt.

1874.  Beschliessung  einer  Dankadresse  für  die  englischen
Sympathie-Meetings  im  Berliner  Rathause  unter  dem  Vorsitz
des  Professor  Gneist.

1878.  Pıus  IX.,  Papst  1846—  1878,  stirbt  zu  Rom.
1888.  Der  Kronprinz  von  Oesterreich  bezeichnet  Bismarcks
grosse  Rede  als  „eminente  Friedensbürgschaft“.

Verschlimmerung  im  Befinden  des  deutschen
Kronprinzen.

 

 

8.  Februar.

1150.  Schlacht  bei  Flochberg,  im  heutigen  württembergischen
Oberamt  Neresheim,  in  welcher  die  \Welfischen  durch  die
Kaiserlichen  entscheidend  geschlagen  werden.

1527.  Georg  Wagner  stirbt  zu  München  auf  dem  Scheiterhaufen,
als  erstes  Brandopfer  der  lutherischen  Lehre.

1744.  Karl  Theodor  Freiherr  von  Dalberg,  Primas  von  Deutschland
  und  Förderer  von  Kunst  und  Wissenschaft,  geboren.

1763.  In  Preussen  wird  die  Staats-Lotterie  eingerichtet.
1814.  Die  Verbündeten  ziehen  Brüssel  ein.

Schlacht  am  Mincio,  in  welcher  Vieekönig  Eugen
von  Oesterreichern  unter  Bellegarde  geschlagen  wird.

1848.  Unruhen  in  München.

1855.  Der  deutsche  Bundestag  beschliesst  auf  Preussens  Antrag

die  Kriegsbereitschaft,  nachdem  Oesterreich  die  Mobil.
machung  beantragt  hatte,
        <pb n="57" />
        —  41  —

1863.  Preussen  schliesst  mit  Russland  einen  geheimen
Vertrag  zur  Unterdrückung  des  polnischen  Aufstandes  ab.

Dieser  Vertrag  fand  sowohl  in  der  preussischen  Kammer,  wie  bei
den  auswärtigen  Kabinetten  energische  Proteste,  so  dass  man  Anstand
nahm,  denselben  zur  Ausführung  zur  bringen.

1871.  Die  Deutschen  nehmen  die  in  Felsen  gebauten  Forts  Hautes-Perches
  und  Basses-Perches  bei  Belfort.

1874.  David  Friedrich  Strauss,  kritischer  Theolog,  gestorben.

1877.  Das  deutscheReichsgesetzblatt  publiziert  dieReichs-Justizgesetze.


1838.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  die  Militärvorlage  „en
bloc“  an.

 

X.

9.  Februar.

1011.  Herzog  Bernhard  I.  „von  Gottes  Gnaden  Herzog  von
Sachsen”,  wie  er  sich  schrieb,,  stirbt.

1542.  Dritter  Reformations-Reichstag  zu  Speyer.
1718.  Einführung  der  Kartoffel  jn  Sachsen  durch  die  Regierung.

1788.  Oesterreich  erklärt  der  Pforte  den  Krieg.

1789.  Franz  Xaver  Gabelsberger,  Erfinder  der  Stenographie,
in  München  geboren.

1801.  Friede  zu  Lüneville,  zwischen  Frankreich,  Oesterreich
und  dem  deutschen  Reiche,  das  im  Süden  wieder  wehrlos  den
Plünderungen  und  dem  Uebermut  der  Franzosen  preisgegeben
war,  abgeschlossen.

Es  war  ein  recht  trauriger  Friede!  Der  Rhein  wurde  darin
alsGrenze  des  deutschen  Reichesangenommen;  Belgien  und
alles  deutsche  Land  am  linken  Ufer  dieses  Stromes  musste  französisch
bleiben.  Die  weltlichen  Fürsten  sollten  für  ihre  dadurch  erlittenen  Verluste
  durch  Einziehung  geistlicher  Stifter  in  Deutschland  Entschädigung
finden.  In  Italien  sollte  nur  das  Land  um  Venedig  bis  zur  Etsch  den
Oesterreichern  gehören;  alles  übrige  kam  unter  Frankreichs  Schutz,  und
zwar  in  Form  von  Tochterrepubliken.  Ebenso  geschah  es  mit  Holland
und  der  Schweiz:  jenes  blieb  die  „batavische“,  dieses  die  „helvetische

Republik.“

1813.  Die  Franzosen  räumen  die  Festung  Pillau,  und  verpflichten
sich,  nach  dem  linken  Rheinufer  zu  gehen.  —  Pillau  wird  von
den  Preussen  besetzt.

1814.  Die  Russen  greifen  Hamburg  an.
An  demselben  Tag  Schlacht  bei  Montmirail.  Napoleon  1.
benutzt  die  Saumseligkeit  der  Oesterreicher,  wirft  sich  auf  Ab-
        <pb n="58" />
        48  —

teilungen  des  Blücherschen  Armee-Corps  bei  Etoges,  0  dass
Er

das  ganze  russische  Jleer  unter  Sacken  in  die  Gefahr  geriet,
vernichtet  zu  werden.

Gefecht  bei  Valeggio;  die  Öesterreicher  siegen  über
die  Franzosen.

1861.  Publikation  des  Allgemeinen  deutschen  Handelsgesetzbuches.

1862.  Der  preussische  Regierungs-kKommıssarıus  Freiherr
  von  Zedlitz  in  Flensburg  verbietet  den  Schleswigern  die

olitischen  Vereine  und  Demonstrationen,  namentlich  in  der
Erbfolgeangelegenheit.

1888.  Der  deutsche  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  unterzieht  sich
der  lebensgefährlichen  Operation  des  Luftröhrenschnittes,  welche
Dr.  Eraman  aus  Berlin  mit  grosser  Meisterschaft  in  wenigen
Minuten  vollzug.

 

 

10.  Februar.

1471.  Friedrich  IL,  Kurfürst  von  Brandenburg,  „Eisenzahn”  oder
„der  Eiserne“  genannt,  stirbt.

1621.  Kaiser  Ferdinand  II.  lässt  plötzlich  alle  Häupter  der
Protestanten  in  Böhmen  gefangen  nehmen  und  eilf  Tage  später
siebenundzwanzig  vom  Adel  hinrichten.

Sie  starben  mit  glaubensfreudiger  Zuversicht,  —  dem  Rektor  der
Universität  liess  er  die  Zunge  ausreissen,  einen  berühmten  Gelehrten
durch  Stockschläge  zu  Tode  mardern,  siebenhundert  und  achtundzwanzig
Edelleute  aller  ihrer  Güter  berauben,  viele  auf  Lebenszeit  in  den  Kerker
werfen.  —  Dies  schauderhafte  Gericht  heisst  der  „blutige  Landtag
zu  Prag“.

1742.  Friedrich  der  Grosse  entsagt  unter  Frankreichs  Vermittlung
  den  wegen  der  Erbfolge  an  Jülich-Berg  erhobenen

Ansprüchen  zu  Gunsten  von  Pfalz-Sulzbach.

1795.  Kaiserliches  Dekret,  durch  welches  zwar  das  Reichsgutachten
  vom  22.  Dezember  1794  bestätigt  wurde,  dagegen
den  Ständen  bemerkt  wird,  dass  sich  ein  ehrenvoller  Friede
nicht  durch  Zaghaftigkeit  und  Kleinmut,  sondern  nur  durch
Standhafligkeit  und  kraftvolle  Rüstungen  auf  alle  Fälle  erreichen
jesse.

Als  wenn  der  Kaiser  die  Auflösung  der  Nation  schon  vorhergesehen
hätte,  beschwor  er  die  Stände,  lieber  alle  Kräfte  aufzubieten,  als  die
Schande  Deutschlands  und  den  Umsturz  der  deutschen
Verfassung  in  einem  Friedensschluss  zu  unterzeichnen.

1814.  Napoleon  überfällt  bei  Champeaubert  den  aus  5000  Russen
bestehenden  Sacken  schen  Vortrab  und  reibt  ihn  fast  gänzlich  auf.
Die  Preussen  nehmen  Terville  an  der  Mosel  ein.
        <pb n="59" />
        —  49  —

1844.  Ein  königliches  Dekret  verbietet  die  Gustav-Adolf-Vereine
in  Bayern.

1848.  Tumultuarische  Auftritte  in  München  infolge  der
Abneigung  der  Studierenden  gegen  die  Mitglieder  der  Verbindung
  „Alemannia“.  Ä

1864.  Gefechte  bei  Nübel  und  Rackebüll,  in  welchen  die
Preussen  die  Dänen  schlagen.

1577.  Publikation  der  Konkursordnung  des  deutschen
Reiches.

 

 

11.  Februar.

nn

1111.  Heinrich  V.,  Kaiser  Heinrichs  IV.  Sohn,  lässt  den  Papst
Paschalis  II.  samt  22  Kardinälen  und  vielen  hohen  Geistlichen
  gefangen  nehmen  und  auf  einem  festen  Schlosse  bei
Rom  in  Gewahrsam  halten,  bis  der  Papst  die  weltliche  Investitur
zugesteht  und  sich  bereit  erklärt,  an  ihm  die  Kaiserkrönung
zu  vollziehen.

1115.  Die  Sachsen  schlagen  am  Welfesholze,  zwischen  Hofstadt
und  Widerstadt  (bei  Eisleben),  den  Kaiser  Heinrich  V.  so,
dass  er  an  den  Rhein  zurückgehen  musste.

Frohlockend  errichteten  die  Sachsen  auf  dem  Schlachtfelde  ein
Siegeszeichen,  eine  Kapelle  mit  einer  Bildsäule,  die  einen  Krieger  in
altsächsischer  Rüstung  vorstellte;  —  „den  heil.  Tyodut“  oder  "Sodut“
nannten  ihn  die  Bauern  mit  dunkler  Erinnerung  an  den  alten  Kriegsgott
  Ziu.

1185.  Kaiser  Friedrich  ].  tritt  an  die  Bürger  Mailands  alle
der  Krone  noch  vorbehaltenen  Hoheits-  und  Herrschaftsrechte,
namentlich  den  gesamten  Blutbann,  sowohl  in  der  Stadt  Mailand
  als  im  ganzen  erzbischöflichen  Sprengel  Mailands,  ab,  —
wodurch  die  Stadt  vollends  von  ihm  zum  Freistaat  gemacht  wurde.

1234.  Kaiser  Friedrich  II.  giebt  den  weltlichen  und  geistlichen
Fürsten  Deutschlands  auf  dem  Reichstag  zu  Frankfurt  a.  M.
neue  Landfriedensgesetze  heraus.

Dieselben  waren  besonders  gegen  die  vom  Papsteingeführten
schrecklichen  Ketzergerichte  gerichtet  und  verboten  die  Predigt
des  Kreuzes  und  das  Aufgebot  bewaffneter  Freischaarenzüge  gegen  angebliche
  Ketzer  bei  schwersten  Strafen.  Ferner  wurde  die  Untersuchung
angeklagter  Ketzer  durch  geistliche  Richter  verboten.  So  wurde  das
geistliche  Ketzergericht  auf  deutschen  Boden  durch  einen  Reichstagsbeschluss

  gesetzlich  tot  gemacht.

1610.  Die  protestantische  Union  wird  zu  Schwäbisch-Hall
  erneuert.
        <pb n="60" />
        _-  50  —

1638.  Bernhard  von  Sachsen-Weimar  schlägt  Tavelli  und
Johann  von  Werth.

1807.  Die  Franzosen  schliessen  Graudenz  ein.

1813.  Der  Schriftsteller  Heribert  Rau  zu  Frankfurt  a.  M.  geboren.

1814.  Gefecht  bei  Nogent.  —
General  Graf  Pahlen  und  General  Hardegg  schlagen

den  Feind  in  die  Flucht,  und  besetzen  Nogent.  |
An  demselben  Tage  erobert  der  Kronprinz  von  Württemberg
  das  von  dem  General  Alix  hartnäckig  verteidigte  Sens.
Bei  Montmirail  siegt  Napoleon  I.  über  die  Russen  und
Preussen.
1842.  Ludwig  Barnay,  bedeutender  Schauspieler,  zu  Pest  geboren.
Urheber  der  Genossenschaft  deutscher  Bühnenangehöriger,  Ehrenmitglied
  des  klassischen  Meininger  Theaters.
1847.  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  eröffnet  den  „Vereinigten
  Landtag“  mit  einer  Thronrede.

Der  König  erklärt  hierin:  „Keiner  Macht  der  Erde  soll  es  je
elingen,  mich  zu  bewegen,  das  natürliche  Verhältnis  zwischen  Fürst
und  Volk  in  ein  konventionelles,  konstitutionelles  umzuwandeln,  und  nun
und  nimmer  werde  ich  es  zugeben,  dass  sich  zwischen  unsern  Herrn
Gott  im  Himmel  und  dieses  Land  ein  beschriebenes  Blatt  (!)  gleichsam
als  eine  zweite  Vorsehung  eindränge,  um  die  alte  heilige  Treue  zu  ersetzen.“
  —  —  „Die  Krone  kann  und  darf  nur  nach  den  Gesetzen  Gottes
und  des  Landes  und  nach  eigener  freier  Bestimmung  herrschen,  nicht
aber  nach  dem  Willen  von  Majoritäten.“
Die  vier  Minister,  Abel,  Gumppenberg,  Seinsheim  und  Schenk
protestiren  in  einer  Denkschrift  gegen  die  Naturalisation  der
spanischen  Tänzerin  Lola  Montez  in  Bayern.

Unruhen  in  München.

1858.  Der  deutsche  Bundesrat  erklärt  die  Rechtsungiltigkeit
der  dänischen  Gesamtverfassung,  sowie  eines  Teils  der  Sonderverfassung
  für  die  Herzogtümer  Holstein  und  Lauenburg.

1871.  Napoleon  erlässt  von  Wilhelmshöhe  aus  eine  Proklamatıion
  an  das  französische  Volk,  datirt  vom  4.  Februar.
Paris  bezahlt  in  Versailles  200  Millionen  Frances  Kriegskontribution.


 

 

12.  Februar.

1242.  Der  ungetreue,  schon  seit  sechs  Jahren  in  Apulien  gefangene
Sohn  Friedrichs  IL,  König  Heinrich  der  Hohenstaufe,
springt  bei  einer  Uebersiedlung  nach  einem  andern  festen  Schlosse,
aus  Ueberdruss  und  Schwermut,  mit  seinem  Rosse  von  der  Zugbrücke
  herab  in  den  Abgrund,  wo  er  seinen  Tod  findet.  Er
wurde  in  Cosenza  begraben.
        <pb n="61" />
        —  5  —

1627  „ehlacht  bei  Strassburg,  die  Schweden  schlagen  die

olen.

1742.  Kurfürst  Karl  Albert  von  Bayern  wird,  nachdem
er  am  24.  Januar  desselben  Jahres  unter  französischem  Einfluss

zum  deutschen  Kaiser  gewählt  worden  war,  zu  Frankfurt  a.  M.
als  Karl  VII.  gekrönt.

Die  Kurfürsten  hatten  ihn  für  französisches  Geld  gewählt;  Frankreich
  bezahlte  auch  den  Pomp  der  Krönung.  Dagegen  überboten  sich
der  neue  Kaiser  und  die  deutschen  Fürsten  in  unterthänigster  Kriecherei
vor  den  Gesandten  und  Generälen  Frankreichs.  —  Das  war  denn  doch
eine  Erniedrigung  des  deutschen  Reiches,  so  tief,  dass  das,  was  ein  halb
Jahrhundert  nachher  „Deutschland  in  seiner  tiefsten  Erniedrigung“*  genannt
  wurde,  noch  ohne  Verhältnis  hoch  stand  gegen  dieses  Damals.

1758.  Prinz  Heinrich  von  Preussen  nimmt  Schloss  Regenstein.
1768.  Franz  Il,  römisch-deutscher  Kaiser,  als  Kaiser  von
Oesterreich  Franz  I.;  zu  Florenz  geboren.

1777.  Friedrich  Heinrich  Karl  Freiherr  de  la  Motte-Fouque,
  ein  patriotischer  Dichter  der  Freiheitskriege,  den  er
als  Leutnant  in  den  Reihen  der  Jäger  mitmachte,  zu  Brandenburg
  geboren.

1804.  Immanuel  Kant,  der  grosse  Königsberger  Philosoph,  der
Schöpfer  eines  neuen  philosophischen  Systems,  gestorben.

1813.  Bedeutsame  Begegnung  des  Kaisers  Alexander  ].  von
Russland  mit  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  unweit
Oels.

Auf  offener  Heerstrasse  fielen  sich  die  beiden  Herrscher  in  die
Arme,  die  alten,  nun  wieder  vereinten  Freunde,  und  unter  dem  „himmelanschlagenden
  Jauchzen“  des  Volks,  das  den  Donner  der  Kanonen  und
das  Geläute  aller  Glocken  unterbrach,  ritten  sie  Abends  in  Breslau  ein.

1834.  Der  edle  Theologe  Friedrich  Ernst  Daniel  Scheiermacher
stirbt  zu  Berlin.

1837.  Ludwig  Börne,  deutscher  Schriftsteller,  stirbt  zu  Paris.

1841.  In  Preussen  wird  eine  katholische  Abteilung  im  Kultusministerium
  errichtet.

1848.  Bassermann  aus  Mannheim  stellt  in  der  badischen  Kammer
einen  Antrag  auf  Berufung  eines  deutschen  Parlaments.

1850.  Das  preussische  Gesetz  zum  Schutze  der  persönlichen
Freiheit  wird  publiziert.

1867.  Wahlen  für  den  ersten  norddeutschen  Reichstag.

1870.  Die  bayerische  zweite  Kammer  beschliesst  in  Form  einer
Adresse  ein  Misstrauensvotum  gegen  den  Minister-Präsidenten
  Fürsten  Hohenlohe.

1871.  Die  französische  Nationalversammlung  tritt  zu
Bordeaux  zusammen,  um  zu  entscheiden,  ob  mit  Deutschland
  der  Krieg  fortgesetzt  oder  der  Frieden  nach  dem  Ent-.

  wurf  der  Friedensbedingungen  angenommen  werden  solle.

1880.  Der  Dichter  Karl  von  Holtei  stirbt  zu  Breslau.
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        13.  Februar.

1419.  Stiftungsbulle  Martins  V.  für  die  im  selben  Jahre  durch
die  Herzöge  Johann  und  Albrecht  von  Mecklenburg  gestiftete

Universität  Rostock.
Die  Kaiserliche  Bestätigung  erfolgte  erst  am  18.  August  1560.

1457.  Die  Erbtochter  Karls  des  Kühnen,  Maria  von  Burgund,
1477  mit  dem  nachmaligen  Kaiser  Maximilian  I.  vermählt,

geboren.
1706.  Die  Schweden  siegen  über  die  Sachsen  bei  Fraustadt  in

Polen.
1736.  Maria  Theresia  vermählt  sich  mit  dem  Grossherzog  von
Toscana,  Franz  Stephan  von  Lothringen.

1742.  Treffen  bei  Trebitsch,  in  welchem  Oberst  von  Ziethen
an  der  Spitze  seiner  Husaren  die  österreichischen  Kürassiere
in  die  Flucht  schlägt.

Die  Oesterreicher  besetzen  München.

1745.  Treffen  bei  Habelschwerdt.  Generallieutenant  von  Lewald
  schlägt  die  Oesterreicher.
1847.  Das  Ministerium  Abel  in  Bayern  gestürzt.  —
„Alle  meine  Minister  habe  ich  fortgejagt“,  sprach  König
Ludwig  I.  Abends  freudig  erregt;  „das  Pfaffenregiment  hat  aufgehört

in  Bayern,  ich  hab’  es  meinem  Bruder,  dem  Prinzen  Karl,  gesagt,  ich
hab’  es  meinem  Sohne,  dem  Kronprinzen,  geschrieben.“

1862.  Leopold  Schäfer,  ein  reichbegabter  Dichter,  stirbt  zu
Moskau  am  Schlaganfall.

Schäfers  „Laienbrevier“  gilt  als  eine  bedeutende  dichterische
Leistung.

1871.  Das  preussische  Haus  der  Abgeordneten  genehmigt
eine  Gresetzvorlage,  durch  welche  die  Regierung  ermächtigt
wird,  dem  deutschen  Reiche  50  Millionen  Thaler  zur  Fortführung
des  Krieges  vorzuschiessen.

Garibaldi  fordert  und  erhält  seine  Entlassung  als  Oberbefehlshaber
  der  Vogesen  -  Armee.

1872.  Das  Schulaufsichtsgesetz  im  preussischen  Abgeordnetenhause
  mit  207  gegen  155  Stimmen  angenommen.

1879.  Zeitweiliges  Versiechen  der  Teplitzer  Quellen  in  Folge
eines  vorhergegangenen  Grubenunglücks.

1883.  Der  bedeutende  Componist  Richard  Wagner  stirbt  zu
Venedig.

1888.  Kaiser  Franz  Joseph  giebt  der  Hoffnung  Ausdruck,  dass
der  Friede  erhalten  bleiben  werde.
‚  ,  Verlängerung  der  Legislaturperioden  im  preussischen
  Landtage  in  dritter  Lesung  angenommen.
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        —  5  —

14.  Februar.

842.  Die  verbündeten  königlichen  Brüder  Ludwig  und  Karl  geloben
sich  zu  Strassburg,  im  Angesicht  ihrer  beiden  Heere,  auf’s
Neue  unverbrüchliche  Bundestreue.

1014.  Kaiser  Heinrich  Il.  und  seine  Gemahlin  Kunigunde
werden  durch  Papst  Benedikt  VIII.  zu  Rom  gekrönt.

1041.  Die  fromme  und  edle  Gisela,  Gemahlin  des  Kaisers  Konrad
Il.,  stirbt.  „Mehr  als  Ein  Schwert  war  durch  ihre  Seele  gegangen.“
  --  Im  Dome  zu  Speier  wurde  sie  neben  Konrad  beigesetzt;
  und  dort  ruht  noch  heute  die  Asche  Beider.

1lll.  Kaiser  Heinrich  V.  führt  den  Papst  Paschalis  II.  gefangen
  aus  Rom.

1368.  Sigismund,  deutscher  Kaiser,  geboren.

1435.  Der  Landtag  zu  Prag  entwirft  in  14  Artikeln  die  Bedingungen
  der  Huldigung  Sigismunds  von  Ungarn,  des
deutschen  Kaisers.

1459.  Tod  des  Pfalzgrafen  Stephan,  des  ersten  Herzogs  von  Zwei-"brücken
  und  ältesten  Stammvaters  des  heutigen  bayerischen
Königshauses.

1546.  Luther  hält  seine  letzte  Predigt  in  Eisleben.
1689.  Deutschland  erklärt  den  Reichskrieg  gegen  Frankreich,

1714.  Christoph  Ritter  von  Gluck,  Operncomponist,  geboren.

1761.  General  von  Syburg  wirft  die  Franzosen  bei  Merxleben
  über  die  Unstrut  zurück.

1813.  Napoleon  besteigt  in  der  ersten  Sitzung  des  von  ihm  zusammenberufenen
  gesetzgebenden  Körpers  selbst  die  Rednerbühne,
um  in  schwülstiger  Rede  das  französische  Volk  noch  mehr  zu
betäuben;  seine  Worte:  „Ich  wünsche  den  Frieden,  er  ist  der
Welt  notwendig,  aber  ich  werde  bloss  einen  ehrenvollen,  dem
Interesse  und  der  Grösse  meines  Reiches  angemessenen  Frieden
schliessen.  Ein  schlechter  Friede  würde  Frankreich  hoffnungslos

  zu  Grunde  richten.“

1814.  Treffenbeilhampeaubert,dasselbe  hatte  für  dieDeutschen
einen  unglücklichen  Ausgang.  Nur  mit  Not  entging  Blücher
mit  seiner  Armee  der  Gefangenschaft.

1828.  Zollvereinigung  mit  Hessen-Darmstadt.

1836.  Matthias  Eugen  Oskar  Liebreich  zu  Königsberg  geboren.
Er  bereiste  Afrika  und  wurde  Professor  der  Medizin.  Seine
Pepsinessenz  hat  sich  als  Magenmittel  bewährt,
        <pb n="64" />
        1845.  Karl  Fürst  zu  Carolath-Beuten,  Reichsgraf  zu  Schönaich,
  Mitglied  des  deutschen  Reichstags  und  des  preussischen

Herrenhauses,  geboren.
1864.  Die  Preussen  unter  Prinz  Friedrich  Karl  schlagen  den  ersten

Ausfall  bei  den  Düppeler  Schanzen  zurück.

1871.  Der  Kommandant  von  Belfort,  Oberst  Denfert,  schliesst  einen

Waffenstillstand  ab,  um  die  Kapitulation  zu  vereinbaren.
Garibaldi  schifft  sich  nach  Caprera  ein.

1872.  Der  deutsch-französische  Postvertrag  im  deutschen
Botschaftshotel  zu  Paris  unterzeichnet.

1888.  Der  deutsche  Reichstag  verlängert  das  Sozialistengesetz
  auf  zwei  Jahre;  die  übrigen  Regierungsanträge  werden
verworfen.

Gefährliche  Erkrankung  König  Karl'’s  von  Württemberg
  in  Florenz.

 

15.  Februar.

1152.  Kaiser  Konrad  II.  stirbt  plötzlich  zu  Bamberg,  nachdem
er  noch  vorher  seinen  Neffen  Friedrich  von  Schwaben  den
deutschen  Fürsten  zu  seinem  Nachfolger  empfohlen  hatte;  denn
sein  älterer  Sohn  war  zuvor  gestorben,  und  sein  jüngerer,
Friedrich,  war  noch  ein  Kind,  und  es  musste  ein  Mann  sein,
der  in  der  vielbewegten  Zeit  die  Herrschaft  üben  sollte.

1432.  Das  Konzil  zu  Basel  bestätigt  in  seiner  zweiten  Sitzung
die  zu  Konstanz  beschlossene  Unterordnung  der
Päpste  unter  die  Konzilien.

1637.  Kaiser  Ferdinand  II.  stirbt,  kaum  59  Jahre  alt.  Sein
so  bedeutender  Einfluss  auf  Deutschland  charakterisiert  sich  am
besten  durch  die  Thatsache,  dass  unter  allen  Priestern  die
Jesuiten  am  höchsten  in  seiner  Achtung  standen.

„Das  grenzenlose  Verderben  des  deutschen  Vaterlandes  war  grösstenteils
  sein  Werk;  denn  es  war  die  Frucht  seiner  Bigotterie,  seiner  blinden
Abhängigkeit  von  jener  jesuitischen  Partei,  welche  ihn  lenkte,  um  ihren
eigenen  Egoismus  zu  befriedigen.  aber  auch  seiner  masslosen  Selbstsucht.
Denn  die  religiöse  Despotie  ging  bei  ihm  Hand  in  Hand  mit  der  politischen;
  er  wollte  nicht  blos  den  protestandischen  Glauben,  sondern  auch
die  Rechte  und  Freiheiten  der  Völker  zertreten.“

1725.  Der  Dichter  Karl  Wilhelm  Ramler  zu  Kolberg  geboren.

1761.  Gefecht  bei  Langensalza.  Sieg  der  Preussen  und
Engländer  über  die  Reichsarmee.

1763.  Der  Hubertusburger  Frieden  wird  unterzeichnet.
Wie  der  vorhergegangene  siebenjährige  Krieg  der  Ovsterreicher
und  Preussen  ganz  eigentümlich  war,  so  war  es  auch  der  Friede,  denn
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        5

kein  Teil  gewann  etwas,  jeder  blieb  vielmehr  im  Besitzstand  wie  vor
Eröffnung  der  Feindseligkeiten.  Friedrich  II.  fand  es  nun  selbst  unbegreiflich,
  wie  er  allein  gegen  Russland,  Frankreich,  Schweden,  Oesterreich
  und  die  deutschen  Reichsstände  sich  behaupten  konnte.

1781.  Der  Dichter  Gotthold  Ephraim  Lessing  stirbt.

1801.  August  Freiherr  von  der  Heydt,  preussischer  Staatsminister,
  zu  Elberfeld  geboren.

1806.  Vertrag  zu  Paris  zwischen  Preussen  und  Frankreich,  in
welchem  ersteres  Ansbach  und  Cleve  an  Frankreich  abtritt,  und
Hannover  dem  Königreich  Preussen  einverleibt  werden  sollte.

1807.  Gefecht  bei  Königswalde;  die  Franzosen  siegen  über
die  preussischen  Truppen.

1813.  Agnese  Schebest,  dramatische  Sängerin  zu  Wien  geboren.
Vermählte  sich  mit  David  Strauss,  liess  sich  aber  von  demselben
scheiden.

1821.  Erlass  der  Verordnung  wegen  den  Ehrengerichten  der
preussischen  Armee.

 

16.  Februar.

 

1486.  Maximilian  lI.,  Sohn  des  Kaisers  Friedrich  III.,  wird  wegen
seines  männlichen  Wesens  noch  zu  Lebzeiten  des  Vaters,  von
den  Kurfürsten  einstimmig  zum  nachmaligen  Kaiser  erwählt.

1497.  Philipp  Melanchthon,  Luthers  berühmter  Mitarbeiter
an  der  Reformation,  zu  Bretten  in  Baden  geboren.

1531.  Die  protestantischen  deutschen  Fürsten  erlassen
ein  Schreiben  an  den  König  Franz  I.  von  Frankreich  und  König
Heinrich  VII.  von  England  zur  Rechtfertigung  der  protestantischen
  Kirche.

1620.  Friedrich  Wilhelm,  der  „grosse  Kurfürst“,  zu  Cölln,
jetzt  Berlin,  geboren.  Er  war  der  einzige  Sohn  des  Kurfürsten
Georg  Wilhelm  von  Brandenburg  und  seiner  hochherzigen
Gemahlin  Charlotte.

1703  General  von  Heyden  nimmt  Rheinbergen.

1755.  General  v.  Bülow,  Graf  von  Dennewitz,  auf  dem  Familiengut
  Falkenberg  (Altmark)  geboren.

1799.  Maximilian  Joseph,  Herzog  von  Zweibrücken,  folgt  dem
Kurfürsten  Karl  Theodor  von  Ba  yern  auf  den  Thron.

1807.  Die  Schill’schen  Reiter  schlagen  die  Franzosen  bei
Starga  rdt.  —  An  demselben  Tage  siegen  die  Franzosen  bei
Ostrolenka  über  die  Russen,
        <pb n="66" />
        _  56  —

1810.  Fulda,  seit  4  Jahren  unter  französischer  "Verwaltung,  wird
mit  dem  Grossherzogtum  Frankfurt  vereinigt.

1814.  Die  Russen  nehmen  Nemours.  Das  gesammte  sc  hlesische
Kriegsheer  vereinigt  sich  auf  dem  rechten  Marneufer  beı
Chälons.

1826.  Joseph  Viktor  von  Scheitel,  Dichter,  zu  Karlsruhe
geboren.

1864.  Die  preussischen  Batterien  von  Eekernsun  d  erbaut.

1871.  Belfort  kapituliert;  in  der  Konvention  wird  der  Garnison
in  Anerkennung  ihrer  tapferen  Verteidigung  freier  Abzug  mit
Waffen  und  Feldgeschütz  unter  kriegerischen  Ehren  und  Mitnahme
  der  Festungsarchive  bewilligt.

Der  Waffenstillstand  wird  bis  zum  24.  Februar  Mittags  12  Uhr
verlängert  und  auf  den  südöstlichen  Kriegsschauplatz  ausgedehnt.

1874.  Die  15  reichsländischen  Abgeordneten  treten  in
Prozession  in  den  deutschen  Reichstag  ein.

Es  waren  dies  10  Klerikale,  darunter  die  Bischöfe  von  Strassburg
und  von  Metz,  und  5  Protestmänner.

1876.  Gustav  Nieritz,  deutscher  Volks-  und  Jugendschriftsteller,
stirbt.

1888.  Durch  eine  Gruben-Explosion  bei  Kaiserslautern  in  der
Rheinpfalz  werden  40  Personen  getötet.

 

17.  Februar.

1247.  Heinrich  Raspe,  im  Volksmund  der  „Pfaffenkönig”  genannt,
  und  Gegenkönig  von  Konrad  IV.  (Sohn  Friedrichs  11.),
stirbt  auf  der  Wartburg,  wohin  er,  in  der  für  ihn  unglücklichen
Schlacht  bei  Ulm  durch  einen  Pfeilschuss  tötlich  verwundet,
auf  der  Flucht  gebracht  worden  war.

Die  deutsche  Nation  sah  „Gottesgericht“  in  diesem  Ausgang!

1448.  Kaiser  Friedrich  III.  schliesst  auf  Anraten  seines  Kanzlers,
  Aneas  Silvius,  mit  dem  Papst  Nikolaus  V.  das  Wiener
Concordat  ab,  wodurch  er  alle  auf  dem  Konzil  zu  Basel  erlangten
  Vorteile  aufgab,  d.  h.  dem  Papste  die  Rechte  der  Bestätigung
  neugewählter  Bischöfe,  der  Annaten,  die  Collatur  der
Stiftspfründen  in  den  Papstmonaten  etc.  wieder  zurückgab.

1500.  Schlacht  bei  Hemmingstedt.  Die  „Dithmarsen“  schlagen
die  Dänen  unter  ihrem  Könige  Johann  so  gründlich,  dass  sie
ihre  Unabhängigkeit  auf  mehr  als  fünfzig  Jahre  sicherten.

1702.  Die  Orleans’schen  Erbansprüche  auf  "die  Kurpfalz
werden  durch  päpslichen  Schiedsspruch  abgewiesen.
        <pb n="67" />
        1752.  Das  erste  preussische  Schiff  der  asiatischen  Compagnie
segelt  nach  Canton.

1772.  Friedrich  II.  unterzeichnet  den  vorläufigen  Teilungsvertrag
Polens.

1807.  Schill  verteitigt  siegreich  Naugardt.

1810.  Errichtung  der  Kriegsschulen  in  Berlin,  Königsberg
und  Breslau.

1814.  Napoleon  schlägt  das  russische  Corps  unter  Wittgenstein  bei
Mormant  und  Nangis,  und  die  Bayern  unter  General
Wrede  bei  Villeneuve  le  Comte.

An  demselben  Tage  war  Napoleon  ein  Entwurf  zum  Frieden  vorgelegt
  worden,  wobei  er  in  übermütiger  Verblendoung  voll  Entrüstung
ausrief:  „Was  denken  die  Verbündeten?  Ich  bin  jetzt  näher  an  Wien,
als  sie  an  Paris!“  —  Er  nahm  hierauf  die  seinem  Gesandten  gegebene
Vollmacht  zurück.

1819.  Max  Schneckenburger,  Dichter  der  „Wacht  am
Rhein”,  zu  Thalheim  in  Württemberg  geboren.

1827.  Johann  Heinrich  Pestalozzi,  „Reformator  der  Erziehungslehre“,
  stirbt.

1848.  Königl.  bayerisches  Reskript  über  Aufhebung  der  Redemptorısten
  in  Bayern.

Mathilde  Mallinger,  vielgefeierte  Opernsängerin,  zu
Graz  geboren.

1856.  Heinrich  Heine,  Dichter  und  Schriftsteller,  stirbt  zu  Paris.

1864.  Gefecht  am  Sandberg;  die  Dänen  brennen  die  Gehöfte
vor  den  Düppeler  Schanzen  nieder.  —  Die  preussischen  Batterieen
  bei  Rinkenis  erbaut.  —  Flensburg  wird  besetzt,  von
wo  aus  Wrangel  den  Einwohnern  Schleswigs  die  Einsetzung
des  Grafen  Revertera  und  des  Freiherrn  v.  Zedlitz  als  österreichisch-preussische
  Civilkommissäre  verkündet.

1871.  Mitglieder  der  Klerkalen  Partei  richten  gemeinschaftlich
eine  Adresse  an  Kaiser  Wilhelm  I.  nach  Versailles,  worin
sie  ihn  bitten,  für  die  Wiederherstellung  der  weltlichen
Macht  des  Papstes  einzutreten.  .

Der  einundsiebenzigjährige  Thiers,  welcher  rechtzeitig
gegen  den  für  Frankreich  so  *verhängnisvollen  Krieg  das  grosse
Wort  geredet  hatte  und  darum  jetzt  der  Mann  des  Vertrauens
war,  wird  von  der  Nationalversammlung  mit  grosser  Mehrheit
zum  „Chef  der  Exekutivgewalt”  gewählt.
        <pb n="68" />
        18.  Februar.

nd

1248.  Kaiser  Friedrich  II.  erleidet  durch  die  Belagerten  von
Parma,  an  deren  Spitze  sich  namentlich  eine  Jüdin,  die  einzige
jener  befestigten  Stadt,  heldenmütig  auszeichnete,  eine  gründliche
  Niederlage.

Ueber  1500  deutsche  Krieger  waren  tot,  dreitausend  gefangen,
rosse  Gelder  und  Vorräte,  sogar  des  Kaisers  Scepter,  Reichsiegel  uud
goldener  Thronsessel  fielen  in  die  Hände  der  siegreichen  Belagerten,
welche  neugestärkt  zu  ihrer  Stadt  zurückkehrten.

1546.  Der  grosse  Reformator  Dr.  Martin  Luther  stirbt  zu
Eisleben,  seiner  Vaterstad.  In  der  Schlosskirche  zu
Wittenberg  wurden  seine  irdischen  Ueberreste  mit  fürstlichem

Gepränge  beigesetzt.

1700.  Einführung  des  Gregorianischen  Kalenders  bei  den
deutschen  Protestanten.

1728.  Maria  Aurora,  Gräfin  von  Königsmark,  stirbt.
Sie  war  die  Geliebte  Augusts  II.  von  Sachsen.  Ihr  Sohn  war
der  berühmte  Marschall  Moritz  Graf  zu  Sachsen.

1779.  Die  Preussen  erobern  Braunau  in  Böhmen  und  machen
die  österreichische  Besatzung  mit  20  Offizieren  kriegsgefangen.

1802.  Florenz  Heinrich  Gottfried  von  Bockum-Dolffs,
preussischer  Politiker  und  Parlamentarier,  zu  Völlinghausen
geboren.

1803.  Der  Dichter  Johann  Wilhelm  Ludwig  Gleim  stirbt,
seit  1801  erblindet.

Allbeliebt  als,VaterGleim“  schwang  er  sich  zu  einem  wohlwollenden
  Mäcen  der  deutschen  Dichterjugend  auf,  zu  deren  Mittelpunkt  er
seinen  „Musen-  und  Freundschaftstempel“  zu  machen  gedachte.

1813.  Lützow  errichtet  seine  Freiwilligen-Schar.

1814.  Napoleon  erzwingt  bei  Montereau  den  Uebergang  über
die  Seine  gegen  den  Kronprinzen  von  Württemberg,  der  jedoch
mit  seinem  tapferen  Corps  die  Seinebrücke  so  lange  verteidigt,
bis  Schwarzenberg  den  Rückzug  nach  Troyes  nehmen  und  dem
Napoleon  ausweichen  konnte.

1853.  Attentat  auf  den  Kaiser  Franz  Josef  von  Oesterreich
  zu  Wien  durch  den  Schneidergesellen  Libenyi.

1864.  Siegreiches  Gefecht  der  Preussen  bei  Wielkoi  und
Alnver.  Kampf  preussischer  Artillerie  mit  der  dänischen
Panzerfregatte  „Rolf-Krake“,  welche  zurückgetrieben  wird.
Oberst  v.  Bentheim  besetzt  Kolding.
        <pb n="69" />
        —  59  —

An  demselben  Tage  Ministerkonferenzen  zu  Würzburg
  über  die  in  der  schleswig-holsteinischen  Frage  weiter  zu
beobachtende  gemeinschaftliche  Haltung,  woran  die  Minister  von
Bayern,  Sachsen,  Württemberg,  Baden,  Hessen-Darmstadt,  Braunschweig,

  Sachsen-Weimar,  Sachsen-Meiningen,  Sachsen-Coburg
und  Nassau  Teil  nahmen.

1867.  Aussöhnung  Ungarns  mit  Oesterreich;  letzteres
(von  Beust)  macht  an  jenes  grosse  Zugeständnisse;  Ungarn  wird
in  seinem  früheren  Umfange  wieder  hergestellt  und  erhält  in
allen  gemeinsamen  Angelegenheiten  gleiches  Stimmrecht;  Andrassy
wird  Ministerpräsident.

1871.  Abzug  der  noch  etwa  12000  Mann  starken  feindlichen  Besatzung
  aus  Belfort;  feierlicher  Einzug  der  deutschen
  Belagerungstruppen  in  die  Festung,  in  der
280  Geschütze  erbeutet  werden.  |

1883.  Richard  Wagners  Beerdigung  im  Garten  der  Villa  Wahnfried
  zu  Bayreuth.

1888.  Enthüllung  des  Denkmals  „Vater  Gleim’s“  in  seiner
Vaterstadt  Ermsleben.

1890.  Graf  Julius  Andrassy,  berühmter  öÖsterreichisch-ungarischer
  Staatsmann  und  Mitbegründer  des  deutsch-österreichischen
Bündnisses,  stirbt  in  Volosca.

 

19.  Februar.

1473.  NikolausCopernikus,  Begründer  der  heutigen  Astronomie,
zu  Thorn  geboren.

1634.  Versammlung  derOÖbersten  aus  Wallensteins  Heer
zu  Pilsen;  Wallenstein  erlangt  nur  unter  Vorbehalt  des
Kaiserlichen  Dienstes  das  erneute  Versprechen  des  Gehorsams.

1649.  Auswechslung  der  Ratifikationen  zum  „Westfälischen

  Frieden‘.

Da  sehon  vor  der  Auswechslung  der  Ratificationen  die  Franzosen
allerlei  verdächtige  Forderungen  gestellt,  z.  B.  verschiedene  Erläuterungen
des  Friedensvertrags,  Gewährschaften  für  den  Besitz  des  Elsasses  begehrt
hatten,  u.  s.  w.;  da  ferner  die  Schweden  mit  ähnlichen  Ansinnen  hervortraten,
  vornehmlich  in  Ansehung  Pommerns,  so  schien  lange  Zeit  die
Vollziehung  des  Friedens  von  den  Fremden  absichtlich  erschwert  zu  werden,
  um  das  deutsche  Reich  vielleicht  noch  mehr  auszubeuten.
        <pb n="70" />
        —  60  —

1761.  Der  Erbprinz  von  Braunschweig  erobert  Hersfeld,  und
erbeutet  die  grossen  französischen  Magazine  daselbst.

1777.  Kirchheimer  A-B-C-Buch-Krieg,  wobei  die  lutherischen
Bauern  aus  der  Umgebung  von  Kirchheimbolanden  gegen  ein
vom  lutherischen  und  vom  reformirten  und  das  Glaubensbekenntnis
  weggelassen  waren,  ernsthaft  revoltierten.

1814.  Danzig  wird  von  den  Preussen  besetzt.
1849.  Sieg  der  Deutschen  über  die  Dänen  bei  den  Düppler

Schanzen.  |
1853.  Abschluss  eines  Handels-  und  Zollvertrags  zwischen
dem  österreichischen  Kaiserstaate  und  dem  Zollverein

zu  Berlin  auf  die  Dauer  von  zwölf  Jahren.

1864.  Die  Preussen  besetzen  im  letzten  deutsch-dänischen  Kriege
Kolding  in  Jütland.

Preussen  hatte  erklärt,  die  volle  Eroberung  Schleswig’s  sei  ohne
Besetzung  der  ganzen  Halbinsel  nicht  thunlich,  —  und  es  war  ihm  gelungen,
  des  stets  zögernden  Oesterreichs  Zustimmung  zu  dieser  Massregel
zu  erhalten.

1871.  Die  französische  Nationalversammlung  wählt  eine
Kommission  von  15  Mitgliedern  (diplomatische  Kommission),
welche  als  Vermittlerin  zwischen  den  Unterhändlern  in  Versailles

und  der  Nationalversammlung  in  Bordeaux  dienen  soll.

1878.  Bismarck  beantwortet  die  Interpellation  Bennigsens

“  wegen  der  orientalischen  Frage  im  deutschen  Reichstag  dahin,
dass  er  nicht  „die  Knochen  eines  einzigen  pommerschen
  Grenadiers  einer  anderen,  als  der  deutschen
Sache  opfern  wolle“.

1885.  Alexander  Graf  von  Schleinitz,  Minister  des  königl.
preuss.  Hauses,  stirbt.

1888.  Die  ernsten  Nachrichten  über  den  Gesundheitszustand
des  Kronprinzen  geben  der  Berliner  Bevölkerung  Veranlassung
  zu  einer  teilnahmsvollen  Ovation  vor  dem  Palais  des
greisen  Kaiserpaares,

 

 

20.  Februar.

a

1440.  Ständetag  zu  Elbing,  auf  welchem  sich  51  vom  Landndel
  „und  21  Städteabgeordneten  zu  dem  „preussischen
und  vereinigten,  —  eine  Notwehr  gegen  das  böse  Regiment

und  Treiben  der  Ordensritter.  er  °
        <pb n="71" />
        —  61  —

1484.  Kaiser  Friedrich  III.  bestätigt  die  1477  von  Eberhard  I.,
Herzog  von  Württemberg,  gegründete  Universität  Tübingen.

1544.  Vierter  Reformations-Reichstag  zu  Speyer.

1546.  Luthers  Leiche  wird  von  Eisleben  nach  Wittenberg
übergeführt.

1569.  Herzog  Wolfgang  von  Zweibrücken  zieht  mit  15000
Mann  von  Bergzabern  aus  den  Hugenotten  zu  Hilfe.

1751.  Der  Dichter  Johann  Heinrich  Voss  zu  Sommersdorf  im
Herzogtum  Mecklenburg-Schwerin  geboren.

1760.  Siegreiches  Gefecht  der  preussischen  Kürassiere  unter
Czetterich  bei  Cassdorf.

1790.  Kaiser  Joseph  II.  stirbt.  Kaum  49  Jahre  alt  sank  der
freisinnigste  und  edelste  Herrscher  seiner  Zeit  ins  Grab.

Er  hatte  freiwillig  seinen  Völkern  geben  wollen,  was  das  französische
  Volk  durch  eine  blutige  Revolution  und  durch  die  Kämpfe  und
Leiden  eines  halben  Jahrhunderts  nicht  ganz  erlangen  konnte,  und
Josephs  Völker  hatten  mit  Undank  aus  Unverstand  das  Dargebotene
verworfen;  —  „Wenn  auch  viel  Samen,  welchen  er  in  Oesterreich  ausstreute,
  zertreten  oder  von  den  Vögeln  hinweggeholt  wurde,  so  ging
doch  viel  auf  in  späterer  Zeit“.

1797.  Frankreich  schliesst  mit  dem  Papste  Frieden,  wodurch
General  Bonaparte  zu  einem  Marsche  nach  Deutschland  freie
Hand  gewann,  seine  Streitkräfte  zusammenzog  und  von  Neuem
wieder  gegen  die  Oesterreicher  aufbrach.

1807.  Die  Preussen  unter  von  Ziethen  vertreiben  die  Franzosen
aus  Bartenstein.

1810.  Andreas  Hofer  wird  zu  Mantua  erschossen.

Man  führte  ihn  auf  eine  Bastei  der  Festung.  —  Wie  er  seine  gefangenen
  Landsleute  sieht,  segnet  und  tröstet  er  sie  mit  den  Worten:
„DasLandTyrolkommtdochnochunterdenKaiserFranz!
Endlich  erreicht  er  den  Platz,  wo  er  sterben  soll.  —  Man  will  ihm  die
Augen  verbinden,  aber  Hofer  leidet  es  nicht;  auch  will  er  nicht  niederknien
  und  ruft  stehend  den  feindlichen  Soldaten  zu,  „gut  zu  schiessen“
und  dann:  „gebt  Feuer!“  —  auf  die  ersten  sechs  Schüsse  sank  er  nur
in  die  Knie,  die  zweiten  sechs  warfen  ihn  blos  zu  Boden,  ohne  ihn  zu
töten;  und  erst  mit  dem  dreizehnten  tötete  der  Korperal  den  Mann  des
Volks,  der  treu  dem  Kaiser,  der  dessen  so  wenig  wert  war,  und  treu
seinem  Land  Tyrol  wie  ein  Held  gekämpft  und  gestorben.  —  Achtzehn
  Tage  später  fand  in  der  Kaiserburg  zu  Wien  die
Trauung  der  Tochter  des  Kaisers  Franz,  Maria  Louise  —
mit  dem  Kaiser  Napoleon  I.  statt.

1813.  Der  kühne  Parteigänger  Tschernitschew  schickt  von
Pankow  aus  einen  Parlamentär  an  den  Gouverneur  von  Berlin,
den  Marschall  Angereau,  um  ihn  zur  Räumung  der  Hauptstadt
Preussens  aufzufordern;  Gefecht  in  und  um  Berlin,  Kosacken-
        <pb n="72" />
        —  62  —

patrouillen  durchschwärmen,  die  Franzosen  höhnend,  die  Hauptstrassen.
  Die  russischen  Geschütze,  auf  dem  Windmühlenberg

vor  Berlin  aufgefahren,  spielen  gegen  die  Stadt.

1814.  Die  Verbündeten  ziehen  in  Gorkum  ein;  die  Besatzung
kriegsgefangen,  bedeutende  Vorräte  erbeutet.

1817.  Einteilung  Bayerns  in  acht  Kreise  mit  acht  Regierungen.

1828.  Karl  Sonntag,  Schauspieler,  geboren.

1849,  Kaiser  Franz  Josef  publiziert  seinen  Wahlspruch:  „Viribus
  unitis.“

1864.  General  von  Göben  wırftdie  Dänen  beiRackebüll.

1868.  Handels-  und  Schiffahrtsvertrag  zwischen  dem  deutschen
  Zollverein  und  Japan.

1871.  Graf  von  Bismarck  ladet  die  Minister  der  süddeutschen
Staaten  zur  Teilnahme  an  den  Friedensverhandlungen  in  Versallles
  ein.

Der  Bundesrat  des  deutschen  Reichs  hält  seine  erste
Sitzung.
1878.  Kardinal  Joachim  Pecci  zum  Papst  (Leo  XIII)  gewählt.
1890.  Reichstagswahlen.

Es  ergiebt  sich  ein  starkes  Anwachsen  der  Sozialdemokratie,
welcher  mehr  als  1,300,000  Stimmen  zufielen,  und  ein  bedeutender  Rückgang
  der  staatserhaltenden  Parteien.

 

21.  Februar.

nen

1113.  Schlacht  bei  Warenstadt  (Warnstädt).  Die  verschworenen
  sächsischen  Fürsten  werden  durch  den  Heerführer

des  Kaisers  Heinrich  V.,  Grafen  Hoyer  von  Mansfeld,  gänzlich
geschlagen.

1484.  JoachimI.Nestor,  Kurfürst  von  Brandenburg,  1499—  1535,
geboren.

1530.  Kaiser  Karl  V.  wird  von  Papst  Clemens  VII.  zu  Bologna
zum  König  von  Italien,  drei  Tage  später  auch  zum
deutschen  Kaiser  gekrönt.  Er  war  der  letzte  deutsche
  Kaiser,  welcher  sich  vom  Papst  krönen  liess,
        <pb n="73" />
        1677.  Der  Philosoph  Baruch  Spinoza  stirbt.

1785.  Karl  August  Varnhagen  van  Ense,  Schriftsteller,  zu
Düsseldorf  geboren.

1801.  Kaiser  Franz  II.  lässt  den  deutschen  Reichsständen  den
Friedensvertrag  von  Lüneville  zur  Genehmiguug  vorlegen,  indem
er  sich  gleichzeitig  entschuldigt,  wegen  der  unvermeidlichen,
  „eigenmächtigen  Abschliessung“  desselben.

1807.  Die  Preussen  werfen  nach  heldenmütigem  Kampfe  die
Franzosen  aus  Bischoffstein  in  Ostpreusen.

1814.  Das  Hauptheer  der  Alliirten  und  die  schlesische
Armee  vereinigen  sich  in  der  Gegend  von  Trojes.

1816.  Stiftung  der  Universität  Breslau  durch  Friedrich
Wilhem  III.

1828.  Johannes  Miquel,  hervorragender  deutscher  Politiker  und
Parlamentarier,  zu  Neuenhaus  in  Hannover  geboren.

Er  war  1864  Mitglied  der  hannoverschen  Kammer,  1865  Bürgermeister
  von  Osnabrück  ;  seit  1866  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,
  des  norddeutschen  und  folgenden  deutschen  Reichstags,  bedeutender
Redner  der  national-liberalen  Partei.  1880  wurde  er  Oberbürgermeister
von  Frankfurt  a.  M.  und  1890  preuss.  Finanzminister.

1843.  F.  v.  Sallet,  Dichter,  stirbt  zu  Reichau.

Sallet  hatte  sich  mit  aller  Entschiedenheit  eines  offenen  vaterländischen
  Sinnes  der  Tagesdichtung  zugewandt,  und  leistete  hierin  Vortreffliches.


1850.  Hannover  tritt  vom  „Dreikönigsbündniss“  zurück.

1861.  Ernst  Rietschel,  berühmter  Bildhauer,  stirbt  zu  Dresden.

1862.  Der  schwäbische  Dichter  Justinus  Kerner,  ein  volkstümlicher
  Dichter,  stirbt,  76  Jahre  alt,  zu  Weinsberg.

Manche  seiner  Erzeugnisse  sind  voll  Seele  und  reinster  Herzensmelodie.
  Mit  Uhland  hat  er  in  Hinsicht  auf  Styl  der  Darstellung  manche
Verwandtschaft,  aber  dessen  gesunde  lebenskräftige  Natürlichkeit  im
Individualisiren  der  Gestalten  erreicht  er  bei  weitem  nicht.

1864.  Gefecht  bei  Sandberg;  preussische  Artillerie  jagt  zwei
dänische  Schiffe  aus  dem  Alsensund  bis  an  die  Düppeler
Schanzen.

1871.  Der  Chef  der  Exekutivgewalt  der  französischen  Republik,
Thiers,  und  die  französischen  Kommissare  treffen  beim  Grafen
von  Bismarck  in  Versailles  behufs  Unterhandlungen  über

den  Frieden  ein.

1887.  Reichtagswahlen  im  deutschen  Reich,  deren  Ausfall
entschieden  regierungsfreundlich.  Das  Ergebnis  war:  80  Konservative
  (3  mehr  als  vorher),  38  Freikonservative  (10  mehr)
103  Nationalliberale  (Verdoppelung),  32  Deutschfreisinnige  (37
weniger  als  vorher),  99  Centrum,  11  Sozialdemokraten  (15
        <pb n="74" />
        —  64  —

weniger  als  vorher),  4  Welfen,  15  Elsässer,  13  Polen  und

1  Däne.  |
1888.  Glänzende  Feierlichkeiten  in  Danzig  zu  Ehren  des

hundertjährigen  Geburtstages  Arthur  Schopenhauer's.

 

 

32.  Februar.

896.  Der  bereits  mit  der  ‚römischen  Kaiserwürde“  bekleidete
deutsche  König  Arnulf  wird  bei  seinem  Einzug  in  Rom  durch
Papst  Formosus  als  Kaiser  begrüsst  und  dann  feierlich  gesalbt
und  gekrönt.

1014.  Kaiser  Heinrich  II.  der  Heilige,  wird  durch  einen  Aufstand
in  Rom  gezwungen,  die  Stadt  mit  den  Deutschen  zu  verlassen.

1076.  Papst  Gregor  VII.  empfängt  in  einer  feierlichen  Fastensynode,
  welche  er  mit  seinen  110  Erzbischöfen,  Bischöfen,
Aebten,  Rittern  etc.  in  der  Laterankirche  zu  Rom  abhält,  seine
Absetzung  durch  Kaiser  Heinrich  IV.  von  dessen  Sendboten
überreicht.

„Jetzt  ist  es  Zeit,“  rief  Gregor,  „das  Schwert  der  Rache  zu  entblössen,
  den  Feind  Gottes  und  der  Kirche  niederzuschlagen,  dass  sein
Haupt  falle,  das  sich  gegen  die  Grundtesten  der  Kirche  erhoben  hat.“

1138.  Die  rheinischen  Fürsten  treten  zu  Koblenz  zusammen,
und  wählen  den  Hohenstaufen  Konrad  III.  Sohn  Friedrichs
von  Schwaben,  bisher  Herzog  von  Franken,  trotz  des  Widerspruches
  der  Bayern  und  Sachsen  und  der  Zustimmung  des
Papstes;  welcher  das  Welfische  Haus  nicht  zu  mächtig  werden
lassen  wollte,  zum  König  der  Deutschen.

1455.  Professor  Johann  Reuchlin  in  Pforzheim  geboren;  bekannt
durch.  seine  Fehden  mit  den  Kölner  Dominikanern,  namentlich
dem  Ketzerrichter  Jakob  von  Hoogstraaten,  verfasste  viele  geistreiche,
  vom  liberale  Geiste  getragene  Schriften.

1741.  Die  österreichische  Besatzung  von  Namslau  ergiebt  sich
den  Preussen  unter  dem  Herzog  von  Holstein.

1758.  Die  Preussen  überfallen  und  schlagen  die  Franzosen  bei
Nord-Drebber.

1760.  Gefecht  bei  Pyritz.  Pommern-preussische  Husaren  zersprengen
  ein  Kosaken-Detachement.

1788.  Der  Philosoph  Arthur  Schopenhauer  zu  Danzig  geboren.

1807.  Die  Preussen  schlagen  die  Franzosen  bei  Heilsberg.

1840.  August  Bebel,  einer  der  ersten  Führer  der  sozialdemokratischen
  Partei  und  hervorragender  Redner  im  deutschen
Reichstag  und  sächsischen  Landtag,  geboren.
        <pb n="75" />
        _  6  —

1850.  Das  Ministerium  Hassenpflug  kommt  in  Kurhessen  ans  Ruder.

Hassenpflug  war  die  Seele  der  gegen  die  preussische  Unionspolitik

gerichteten  kleinstaatlichen  Bestrebungen  und  einer  der  eifrigsten  Sachwalter
  Oesterreichs  und  der  Wiederherstellang  des  Bundestags.

1864.  Rekognoscierung  der  Düppeler  Schanzen.  Erstürmung
  der  Büffel-Koppel;  General  von  Göben  treibt  die
Dänen  in  die  Düppelforts  zurück;  26  Offiziere,  253  Mann  Dänen
kriegsgefangen.

1865.  Preussen  formuliert  in  Wien  seine  Forderungen  in  Betreff
der  Elbherzogthümer.

Bismark,  der  für  Schleswig-Holstein  den  Anschluss  an  Preussen
für  besser  hielt,  als  die  Selbstständigkeit  eines  Kleinstaates  unter  dem
Hause  Augustenburg,  fordert  für  die  Anerkennung  des  Prinzen  von
Augustenburg  als  Herzog  von  Schleswig-Holstein,  das  „Eingehen  eines
ewigen  Schutz-  und  Trutzbündnisses“  mit  Preussen,  die  Einführung  der
preussischen  Militärverfassung,  Preussens  unumschränkte  Gewalt  über
die  Land-  und  Seemacht  der  Herzogtümer,  die  Einräumung  der  Bundesfestung
  Rendsburg,  des  Kieler  Hafens,  die  Abtretung  Sonderburgs.  So
sich  der  Souveranität  entäussern,  wollte  weder  der  Augustenburger,  noch
die  schleswig-holsteiner  Volksvertretung.

1868.  Vertrag  Preussens  mit  Nordamerika  wegen  der

Staatsangehörigkeit.

1869.  Gesetz  wegen  Aufhebung  des  Eheverbots  wegen
Ungleichheit  des  Standes.  |

1871.  Der  Waffenstillstand  mit  Frankreich  wird  bis  zum
26.  Februar  verlängert.

1872.  Dr.  Falk  tritt  sein  Amt  als  Kultusminister  an.

1886.  Der  deutsche  Gouverneur  Soden  erscheint  mit  dem  Kanonenboote
  „Cyelop*  vor  Cimbia,  wo  die  Eingeborenen  sich,  durch
die  Engländer  aufgehetzt,  gegen  die  Deutschen  empört
hatten  und  beschiesst  die  Stadt,  die  er  bis  auf  wenige  Häuser
zerstört.
        <pb n="76" />
        23.  Februar.

———

1685.  Georg  Friedrich  Händel,  bedeutender  Componist,  „Grossmeister
  des  Oratoriums“,  zu  Halle  a.  d.  Saale  geburen,  wo  sein
Vater  Arzt  war.

1761.  General  von  Luckner  nimmt  durch  Ueberfall  Fulda  und
die  französischen  Magazine.

1766.  König  Stanislaus  von  Polen,  später  Herzog  von  Lothringen,
  stirbt.

1781.  Antoinette  Sophie  Schröder,  berühmte  tragische  Schauspielerin,
  als  Tochter  des  Schauspielers  Gottfried  Bürger  zu
Paderborn  geboren.

1799.  Heinrich  Friedrich  August  Graf  von  Itzenplitz,

reussischer  Staatsmann,  von  1862—1873  Minister,  zu  Gross-Behnitz
  bei  Nauen  geboren.
1807.  Die  Franzosen  berennen  Neisse.

Die  Preussen  unter  Major  von  Arnim  nehmen  Seeburg
in  Ostpreussen.  |

1813.  Blücher  protestiert  gegen  den  Rückzug  der
Alliierten.

1814.  Gefecht  bei  Troyes,  in  welchem  General  von  Volkmann
den  von  Napoleon  I.  selber  geleiteten  Sturm  glänzend  abschlägt.

1818.  Ausgabe  des  ersten  Katechismus  der  unirten  Kirche  in
der  Pfalz.

1834.  Gustav  Nachtigall,  berühmter  Afrikareisender,  zu  Eichstätt
  bei  Stendal  geboren.

1855.  Professor  Dr.  Gauss,  berühmter  Mathematiker  und  Astronom,
stirbt  zu  Göttingen.

1861.  Eisenbahn-Vertrag  zwischen  Oesterreich  und  Preussen.

1866.  Der  preussische  Landtag  wird,  nachdem  er  kaum  7
Wochen  getagt  und  alle  Forderungen  der  Regierung  verworfen
und  ihre  Politik  aufs  heftigste  angegriffen  hatte,  geschlossen.

Bismarck  beschuldigt  in  der  Thronrede  das  Abgeordnetenhaus,
dass  es  seine  Thätigkeit  anstatt  den  Gesetzvorlagen  dem  Bestreben  gewidmet
  habe,  zu  Angriffen  gegen  die  Regierung  auf  derartigen  Gebieten
Stoff  zu  suchen,  welche  die  Verfassung  dem  Befugniskreis  der  Volksvertretung
  nicht  überwiesen  habe.

1871.  Menotti  und  Ricciotti  Garibaldi  nehmen  ihre  Entlassung
aus  französischem  Dienste.
        <pb n="77" />
        67  —

1872.  Der  ehemalige  badische  Staatsminister  von  Edelsheim  stirbt.
1873.  Der  bayerische  General  von  Hartmann  stirbt.

1879.  Albrecht  Theodor  Emil  Graf  von  Roon,  preussischer  Feldmarschall,
  stirbt  zu  Berlin.

Er  hat  sich  hohe  Verdienste  um  die  preussische  Heeresreorganisation
erworben.

1885.  Grosses  Brandunglück  in  Danzig;  —  mehrere  Personen
verunglücken.

1888.  Prinz  Ludwig  von  Baden,  ein  Enkel  Kaiser  Wilhelms,
stirbt.
        <pb n="78" />
        24.  Februar.

DT  7

1468.  Johannes  Gutenberg,  der  verdienstvolle  Erfinder  der
Buchdruckerkunst,  stirbt  zu  Mainz.

1473.  Brandenburgisches  Hausgesetz,  Achilleä  dispositio,
in  welchem  Albrecht  Achilles  die  Unteilbarkeit  der  Marken
festsetzt  und  nur  die  Trennung  der  fränkischen  Besitzungen  von
Brandenburg  gestattet.

1496.  Eberhard  im  Bart,  erster  Herzog  von  Württemberg,  stirbt.
1500.  Kaiser  Karl  V.  zu  Gent  geboren.  —  Er  war  der  älteste

Sohn  Philipps,  Erzherzogs  von  Oesterreich,  und  Johannas,  der
Tochter  Ferdinands  und  Isabellas  von  Spanien.

1525.  Schlacht  bei  Pavia,  in  welcher  sich  namentlich  die
deutschen  Landsknechte  unter  ihrem  herrlichen  Feldobersten
Georg  von  Frundsberg  auszeichneten.  König  Franz  I.  von
Frankreich  ward  gefangen.

1530.  Karl  V.  wird  zu  Bologna  durch  Papst  Clemens  VII.  zum
römischen  Kaiser  gekrönt.
Es  war  die  letzte  Kaiserkrönung  durch  den  Papst!

1537.  Unterzeichnung  der  schmalkaldischen  Artikel
durch  die  protestantischen  Theolögen.

1548.  Herzog  Moritz  von  Karl  V.  mit  Kursachsen  belehnt.

1557.  Kaiser  Karl  V.  zieht  sich  in  das  Kloster  San  Yuste  bei
Placencia  in  Estremadura  (Spanien)  zurück  ;  hier  vertauschte  er
die  Hoheit,  Herrschaft  und  Pracht  mit  der  Stille  und  Einsamkeit
  des  Klosterlebens.

Seine  Vergnügungen  beschränkten  sich  auf  kleine  Spazierritte,  auf
die  Bestellung  eines  Gartens  und  auf  mechanische  Arbeiten.  Er  verfertigte
  hölzerne  Uhren,  und  als  er  wahrnahm,  dass  es  unmöglich  sei,  zwei
Uhren  von  ganz  übereinstimmendem  Gange  zu  machen,  soll  er  sich  dabei
  seines  Bestrebens,  eine  Menge  Menschen  zu  einerlei  Gesinnung  zu
bringen,  als  einer  Thorheit  erinnert  haben.

1582.  Einführung  des  verbesserten  Kalenders  durch  Papst
Gregor  XIII.;  die  Protsstanten  nehmen  ihn  nicht  an.

1645.  Torstenson  schlägt  bei  Jankau  das  österreichisch-bayerische
Heer  unter  Götze,  Hatzfeld  und  Jean  de  Weert.

1758.  Treffen  bei  Schladen.

Preussische  Kavallerie  treibt  französische  Abteilungen  in  die  Flucht.
        <pb n="79" />
        —  69  —

1761.  General  von  Luckner  schlägt  die  Franzosen  bei  Gelnhausen.


1786.  Wilhelm  Karl  Grimm,  verdienstvoller  Sprach-  und  Altertumsforscher,
  zu  Hanau  geboren.

1807.  Die  Preussen  unter  v.  Zieten  vertreiben  die  Franzosen  aus
Bartenstein.  —  Die  preussische  Kavallerie  unter  General
von  Plötz  wirft  die  Franzosen  bei  Braunsberg.

1809.  Generalfeldmarschall  Freiherr  von  Manteuffel  zu  Dresden
geboren.

1812.  Preussens  Bevollmächtigter  in  Paris  unterzeichnet
nach  langem  Sträuben,  und  durch  Drohungen  Napoleons  I.  dazu
genötigt,  eine  Konvention,  nach  welcher  im  Falle  eines  Krieges
zwischen  Frankreich  und  Russland  der  König  von  Preussen
gemeinscha‘tliche  Sache  mit  dem  Kaiser  Napoleon  I.  machen  musste.

Preussen  hatte  alsdann  ein  Contingent  von  14,000  Mann  Infanterie,
4000  Mann  Kavallerie  und  200  Mann  Artillerie  mit  60  Stück  Kanonen
zu  stellen.

1814.  General  von  Bülow  stösst,  indem  er  die  Stellung  bei
Laon  besetzt,  zum  schlesischen  Kriegsheer.

1829.  Friedrich  Spielhagen,  Schriftsteller,  zu  Magdeburg  geboren.

1831.  Caprivi-Caprerade  Montecuculi,  Kanzler  des  deutschen

Reichs,  zu  Berlin  geboren.

Er  war  1870  Oberstlieutenant  und  Chef  des  General-Stabes  des  X.
Armee-Corps;  1872  Oberst  und  Abteilungs-Chef  in  Kriegsministerium;
1877  General-  Major  und  Brigade-  Commandeur  in  Stettin;  1381  als  solcher
in  Berlin;  1882  General-Lieutenant  und  Divisions-Commandeur  in  Metz;
1883  Chef  der  Admiralität;  1883  Corpscommandeur  des  X.  Armee-Corps,
und  1890  Reichskanzler.

1833.  Graf  Edmund  Toaaffe,  österreichischer  Staatsmann,  zu
Prag  geboren.
1835.  Marie  Seebach,  berühmte  Schauspielerin,  zu  Riga  geboren.

1867.  Eröffnung  des  constituierenden  Reichstages  zu

Berlin  durch  König  Wilhelm  von  Preussen.

Aus  der  Thronrede  heben  wir  hervor:  „Es  ist  ein  erhebender
Augenblick,  in  welchem  ich  in  Ihre  Mitte  trete,  mächtige  Ereignisse
haben  ihn  herbeigeführt,  grosse  Hoffnungen  knüpfen  sich  an  denselben.
—  Einst  mächtig  und  gross,  sank  das  deutsche  Reich  in  Zerrissenheit
und  Ohnmacht.  Niemals  aber  hat  die  Sehnsucht  des  deutschen  Volks
nach  seinen  verlornen  Gütern  aufgehört.“  .  .  .  .  „Als  Erbe  der

reussischen  Krone  fühle  ich  mich  stark  in  dem  Bewusstsein,  dass  alle
Erfolge  Preussens  zugleich  Stufenzur  Wiederherstellung
und  Erhöhung  der  deutschen  Macht  und  Ehre  geworden

sind.“
1887.  Das  österreichische  Abgeordnetenhaus  nimmt  die
Vorlage  über  Ausrüstung  des  Landsturms  einstimmig  an.

1888.  Furchtbare  Schneestürme  in  vielen  Teilen  Europas.
        <pb n="80" />
        25.  Februar.

 

964.  Ein  römisches  Konzil  spricht  über  den  vertriebenen  Papst

Leo  VIII.  den  Bann  aus.

Derselbe  war  963  von  Kaiser  Otto  III.  an  Stelle  Johanns  XI.
eingesetzt  worden  und  hatte  dem  Kaiser  das  Recht  eingeräumt,  den  Papst
einzusetzen  und  die  Bischöfe  zu  investieren.

1634.  Wallenstein  stirbt  durch  Meuchelmord  zu  Eger.  —

Er  war  schon  zu  Bette  gegangen  in  der  Nacht  vom  25.  zum  26.,
als  er  Lärm  hörte  und  ans  Fenster  eilte,  um  die  Schildwache  unten  zu
fragen,  was  es  gebe.  Da  ahnte  er  das  nahe  \erderben,  gleich  darauf
sprengt  Rittmeister  Devereux  die  Thür  des  Schlafzimmers,  sieht  Wallenstein
  im  Heiınde  und  ruft  ihm  zu:  „Bist  Du  der  Verräter,  der  des  Kaisers
Volk  zum  Feinde  bringen  und  ihm  die  Krone  rauben  will?  Du  musst
sterben!“  Ohne  ein  Wort  zu  erwidern,  streckte  Wallenstein  die  Arme
aus:  da  durchstösst  ihn  Devereux  mit  der  Partisane,  worauf  Wallenstein
tot  zu  Boden  sinkt.

1713.  Friedrich  I.  erster  König  von  Preussen,  stirbt.

1503.  Der  französisch-russische  Teilungsplan  wird  durch
einen  Reichsdeputations-Hauptschluss  in  allen  Stücken
genehmigt  und  zum  Reichsgesetz  erhoben.

Hiernach  erhielt  Preussen  alle  Besitzungen  des  Kurfürstentums
Mainz  in  Thüringen,  die  Bistümer  Paderborn  und  Hildesheim,  die
Reichsstädte  Goslar,  Mühlhausen  und  Nordhausen,  den  dritten  Teil  des
Bistums  Münster  mit  der  Stadt  Münster,  endlich  die  Abteien  Elten,
Essen,  Herford,  Kappenberg,  Quedlinburg  und  Werden.  —  Bayern
verlor  186  Quadratmeilen  mit  ungefähr  600,000  Unterthanen,  während
die  Entschädigung  290  Quadratmeilen  mit  circa  900,000  Einwohner  betrug.
Baden  erhielt  für  8  Quadratmeilen  und  25,000  Unterthanen  60  Geviertmeilen
  mit  einer  Bevölkerung  von  240,000  Seelen.  —  Württemberg
erhielt  das  Zweifuche  seines  Länder-  und  Unterthanenverlustes;  und  an

Hessen-Darmstadt  gab  man  vollends  gar  90  Geviertmeilen  für
dreizehn.

1814.  Versammlung  der  verbündeten  Monarchen,  der
Minister  und  des  Generalstabs  in  den  Zimmern  des  Königs  von

Preussen  behufs  Festsetzung  der  Bewegung  ihrer
Heere,

Treffen  bei  Cond&amp;amp;

Preussen  und  Sachsen  behaupten  sich  gegen  die  französische
Uebermacht.

1564.  Der  kolossale  Löwe  auf  dem  Kirhchofe  zu  Flensburg,
  von  den  Dänen  als  Siegesdenkmal  der  Schlacht  bei
Jdstedt  zum  llohn  der  Deutschen  aufgerichtet,  wird
unter  grossem  Jubel  des  Volks  niedergerissen.

1812.  nlertfünfzigjähriges  Jubiläum  der„Vossischen  Zeitung“
ın  Berlin,
        <pb n="81" />
        26.  Februar.

493.  Theodorich  der  Grosse,  König  der  Ostgothen,  besetzt
Ravenna.

1361.  Wenzel,  deutscher  König,  geboren.
1726.  Maximilian  II.,  Kurfürst  von  Bayern,  stirbt.

1794.  Hans  Daniel  Ludwig  Friedrich  Hassenpflug,  kurhessischer
  Minister,  zu  Hanau  geboren.

1798.  Allgemeiner  Aufstandinder  Schweiz  gegen  die  Franzosen.

1807.  Gefecht  bei  Braunsberg,  in  welchem  General  Bernadotte
schwer  verwundet  wird.

1812.  Gustav  Friedrich  von  Beyer,  preussischer  General,  zu
Berlin  geboren.

1815.  Napoleon  I.  verlässt  mit  900  Mann  heimlich  die  Insel
Elba,  um  Frankreich  zu  erobern;  am  1.  März  landete  er  zu
Cannes  bei  Antibes,  und  am  20.  März  abends  zog  er  in  die
Tuilerien  ein.

1849.  Die  preussische  Kammer  in  Berlin  eröffnet.

Die  Oesterreicher  schlagen  das  ungarische  Heer  unter
dem  Polen  Dembinski  bei  Kapolna.

1861.  Prinz  Ferdinand  vonSachsen-Koburg-Gotha,  nachmaliger
  Fürst  von  Bulgarien,  zu  Wien  geboren.

An  demselben  Tage  erlässt  Kaiser  Franz  von  Oesterreich
  die  Gesamt-Verfassung,  welche  er  jedoch  schon  am

20.  September  aufzuheben  gezwungen  war.

Das  sogenannte  „Februarpatent“  errichtet  in  Oesterreich  neben
dem  allgemeinen  oder  weiteren  Reichsrat  noch  einen  engeren.

1868.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  nimmt  das  Gesetz  wegen
Aufhebung  der  Spielbanken  an.

1871.  Die  Friedensprämliminarien  zwischen  Deutschland  und
Frankreich  mit  Vorbehalt  der  Einwilligung  der  Nationalversammlung
  zu  Bordeux,  werden  in  Versailles  unterzeichnet.

1876.  Reichsgesetz  in  Betreff  des  Strafgesetzbuches.

1885.  Schluss  der  Kongokonferenz  in  Berlin.
Die  Schwenninger-Debatte  im  preussischen  Abgeordnetenhause.
        <pb n="82" />
        27.  Februar.

un)

493.  Verbrüderungs-Vertrag  zwischen  dem  Östgothenkönig
Theodorich  und  dem  deutschen  Heerkönig  Odowakar,  wonach
beide  gemeinschaftlich  Italien  beherrschen  wollten.

1799.  Leberecht  Uhlich,  protestantischer  Theolog  und  Pfarrer
der  Freien  Gemeinde  in  Magdeburg,  geboren.

1813.  Fürst  Hardenberg  unterzeichnet  zu  Breslau  das  Bündniss
Preussens  mit  Russland.

1814.  Das  Hauptheer  der  Verbündeten  besiegt  einen  Teil  des
französischen  Heers  bei  Bar  sur  Aube.

An  demselben  Tage  siegreiches  Gefecht  der  Brigade

Klopfstein  gegen  die  Franzonen  zwischen  St.  Julien  und
Landrecies.

1821.  Wilhelm  I.,  Kurfürst  von  Hessen,  stirbt.

1829.  Friedrich  Spielhagen,  geschätzter  Romanschriftsteller,
zu  Magdeburg  geboren.

1S48.  Grosse  Volksversammlung  in  Mannheim  unter  Itzsteins
  Vorsitz,  die  sich  über  folgende  Anträge  an  den  Landtag
ciniste:  Volksbewaffnung  mit  freier  Wahl  der  Offiziere,
unbedingte  Pressfreiheit,  Einführung  von  Schwurgerichten
  und  Zusammenberufung  eines  deutschen  Parlaments.

1850.  Konvention  zwischen  den  Itegierungen  von  Bayern,  Sachsen
und  Württemberg,  worin  Grundsätze  zu  einer  Revision  der
deutschen  Verfassung  festgesetzt  wurden.

Als  Gegenentwurf  gegen  die  preussischen  Unions-Entwürfe
  wurde  in  München  ein  „Verfassungsentwurf  für  Deutschland“
ausgearbeitet,  das  sogenannte  „Vierkönigsbündnis“,  da  sich  auch  Hannover
daran  beteiligte,  obwohl  nicht  mitunterzeiehnete.

1560.  Königlich  preussischer  Erlass,  betreffend  die  Fortbildung
  der  evangelischen  Kirchenverfassung.

1871.  Kaiser  Wilhelm  I.  telegraphiert  an  Kaiser  Alexander  I.
von  Russland:  „Preussen  wird  niemals  vergessen,  dass  es  Ihnen
zu  verdanken  ist,  wenn  der  Krieg  nicht  die  äussersten  Dimensionen
  angenommen  hat.“

1885.  Anfang  der  Frauen-Bewegung  (Leiterin  Frau  Guillaume
Sack)  in  Berlin.

1888.  Der  Papst  empfängt  die  deutschen  Pilger.
        <pb n="83" />
        —  3  —

28.  Februar.

nennen

1508.  Philipp  der  Aufrichtige,  Kurfürst  von  der  Pfalz,  stirbt.

1714.  Friedensschluss  zu  Rastadt,  zwischen  Oesterreich  und
Frankreich.  "

1741.  Friedrich  der  Grosse  im  Kloster  Kamenz  von  den
Oesterreichern  überfallen.

1759.  Treffen  bei  Posen,  in  welchem  die  Preussen  über  die
Russen  siegen.  —  An  demselben  Tage  nehmen  die  Preussen
Erfurt  ein.

1779.  Blutiger  Kampf  vor  Neustadt  in  Schlesien.

Die  überlegenen  Streitkräfte  der  Oesterreicher  werden  durch  Oberst
von  Winterfeld  aufgehalten,  bis  sie  durch  herbeieilende  Verstärkungen
zum  Rückzug  genötigt  werden.

1780.  Der  deutsche  Reichstag  erklärt  seinen  Beitritt  zum
Frieden  zu  Teschen.

1796.  Freiherr  Johann  Christian  von  Zedlitz,  der  Dichter
der  bekannten  „nächtlichen  Heerschau“,  zu  Johannisberg  in
österreichisch  Schlesien  geboren.

1799.  Joh.  Jos.  Ignatz  v.  Döllinger,  katholischer  Theolog,  zu
Bamberg  geboren.

1812.  Der  Dichter  Berthold  Auerbach  zu  Nordstetten  im
württembergischen  Schwarzwald  von  jüdischen  Eltern  geboren.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen,  der  Vater
Kaiser  Wilhelm  I.,  schliesst  zu  Kalisch  einen  Bund  mit  dem
Kaiser  von  Russland,  Alexander  I.,  zunächst  zur  Wiederherstellung
  Preussens  in  seinem  früheren  Umfange.

1814.  Nach  siegreichem  Gefechte  nehmen  die  Württemberger  unter
ihrem  Kronprinzen  Wilhelm  La  Ferte  sur  Aube  eın.

1823.  FriedrichFranzlI.,  Grossherzog  von  Mecklenburg-Schwerin,
geboren.

1834.  Kabinets-Ordre  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  III.  von
Preussen,  worin  erklärt  wird,  dass  die  lutherische  Kirche  mit
ihrem  Bekenntnis  durch  Agende  und-Union  nicht  aufgehoben  sei,

1848.  Eine  Bürgerversammlungin  Stuttgart  verlangt  Volksbewaffnung
  und  Pressfreiheit.e.  An  demselben  Tage  beantragt
Heinrichvon  Gagernin  der  grossherzogl.-hessischen  Kammer
die  Einberufung  eines  deutschen  Parlaments.

1864.  Grosse  Landesversammlung  zu  Erlangen  wegen  der  schleswigholsteinischen
  Frage.
Ausfall  der  Dänen  aus  Düppel  zurückgeschlagen.
        <pb n="84" />
        —_  14  —

1866.  Ministerberatung  unter  Vorsitz  des  Königs  Wilhelm  von
Preussen  (in  Betreff  der  österreichischen  Angelegenheiten).
1867.  Napoleon  III.  lässt  durch  seinen  Gesandten  im  Haag  den

König  von  Holland  fragen,  ob  er  geneigt  sei,  das  Grossherzogtum
Luxemburg  gegen  eine  entsprechende  Geldentschädigung  an

Frankreich  abzutreten.

1880.  Durchstich  des  St.  Gotthard-Tunnel.  —  Der  vollständige
  Durchbruch  erfolgte  erst  am  folgenden  Tage.

1888.  Professor  Kussınaul  von  Strassburg  schliesst  sich  der  Krebs-Diagnose
  im  Falle  des  Kronprinzen  an.
Neuerliche  verheerende  Schneestürme  in  vielen  Teilen
Europas.

 

 

29.  Februar.

a  n

1528.  Albrecht  V.,  Ilerzog  von  Bayern  1550--1579,  geboren.

Er  war  ein  Förderer  der  Künste  und  Wissenschaften  und  der  Herrschaft
  des  Katholizismus  in  Bayern.

1732.  Friedrich  der  Grosse  avancirt  (als  Kronprinz)  zum  Oberst.

1768.  Konföderation  des  polnischen  Adels  zu  Bar  (im
westpreussischen  Gouvernement  Podolien)  gegen  den  russischen
Einfluss  am  Hofe  des  Königs  Stanislaus  August.

1{34.  Grosse  Rheinübersshwemmung;  wohl  die  grösste  in
der  Geschichte  dieses  Flusses.

1862.  Neues  Religionsedikt  in  Oesterreich,  worin  vollkommene

  Toleranz  und  Gleichberechtigung  der  Konfessionen
befohlen  wird.

1568.  König  Ludwig  I.  von  Bayern  stirbt  in  Nizza.

Seit  März  1843  von  der  Regierung  zurück  rtreten,  hatte  er  während
derselben  für  Kunst  und  Wissenschaft,  Handel  und  Verkehr,  für  Industrie
und  Landwirtschaft  Grosses  geleistet  und  namentlich  München  dadurch
  bedeutent  gehoben  und  zu  einer  wahren  Heimstätte  der  Kunst
gemacht.
        <pb n="85" />
        1.  März.

1198.  Die  Erzbischöfe  von  Köln  und  Trier  schreiben  einen  „feierlichen
  Wahltag“  nach  Köln  aus,  um  dem  noch  nicht  gekrönten
  Kaiser  Friedrich  II.  gegenüber  den  geachteten  Herzog
Berthold  von  Zähringen  zum  Kaiser  zu  wählen.

1415.  Papst  Johann  XXIII.  verliest  in  allgemeiner  Sitzung  in
Konstanz  seine  bestimmt  abgefasste  Abdankungsformel  und
beschwört  dieselbe!  —

Trotzdem  suchte  er  sich  schon  kurze  Zeit  (am  20.  März)  darauf  die
Kirchengewalt  wieder  anzueignen.

1481.  Franz  von  Siekingen  auf  der  Ebernburg  bei  Kreuznach
geboren  (nach  anderen  auf  Schloss  Siekingen  im  badischen
Kreise  Karlsruhe).

1701.  Einführung  des  auf  Befehl  der  protestantischen  Regierungen
durch  Pıofessor  Weigel  in  Jena  verbesserten  julianischen
Kalenders.

Papst  Gregor  XIII.  hatte  den  julianischen  Kalender  schon  vorher
verbessern  lassen,  und  1582  die  Einführung  dieses  „gregorianischen“  in
der  ganzen  Christenheit  befohlen.  Diesem  päpstlichen  Befehle  hatten
sich  aber  die  Protestanten  widersetzt.

1792.  Kaiser  Leopold  II.  stirbt.  Sein  Tod  brachte  der  Kriegspartei
  wider  Frankreich  die  Oberhand.

Frankreich  verlangt  in  einer  an  die  österreichische  Regierung
  gerichteten  Note  Aufschluss  bezüglich  ihrer  Rüstungen
und  der  Coalition  der  Mächte  gegen  Frankreich.

Die  österreichische  Antwort  erfolgte  am  18.  März  in  einem  sehr
energischen  und  entscheidenden  Tone.

1793.  Treffen  bei  Düren,  in  welchem  die  Preussen  und  die
Oesterreicher  die  Franzosen  in  die  Flucht  schlagen.

1799.  Die  französische  Donauarmee  geht  bei  Basel  und  Kehl
über  den  Rhein.
Bernadotte  besetzt  Mannheim  und  Ileidelberg  und  schliesst
Philippsburg  ein.
1800.  Stiftung  des  königl.  bayer.  Militär-Max-Joseph-Ordens.

1809.  Frederie  Francois  Chopin,  berühmter  Klaviervirtuos
und  Komponist,  zu  Zalazowa-Wola  bei  Warschau  geboren.
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        —ı  —

1810.  Napoleon  I.  kreirt  für  den  Fürsten  Primas  als  Ersatz  für  das
an  Bayern  abgetretene  Bistum  Regensburg,  das  Grossherzogtum

Frankfurt.

Es  umfasste  die  Reichsstadt  Frankfurt  a.  M.,  das  Fürstentum
Aschaffenburg,  mehrere  andere,  ehemals  kurmainzischen  Parzellen,  die
Grafschaft  Wetzlar  und  die  Fürstentümer  Fulda  und  Hanau,  —  zusammen
94°4  Qu.-Meil.  (5160  Qu.-Kilom.)  mit  302,000  Einwohnern.

1814.  Allianz-Vertrag  zu  Chaumont.

Die  Verbündeten  —  Oesterreich,  Preussen,  Russland  und  England
—  verständigen  sich  zu  Chaumont,  den  Krieg,  falls  Napoleon  I.  ihre
gemachten  Vorschläge  verwerfen  sollte,  mit  vereinten  Kräften  dahin  zu
führen,  dass  der  allgemeine  Frieden  hergestellt  werde.  Zugleich  verflichteten
  sich  die  drei  erstgenannten  Staaten  auf  20  Jahre  hinaus  zur
Stellung  von  150,000  Mann,  um  Europa  Frieden  zu  sichern;  England
durfte  sich  mit  Geld  abfinden.
Auch  wurde  hier  bereits  der  Plan  zur  späteren  politischen  Gestaltung
  Europas  und  speziell  zur  Umwandlung  Deutschlands  in  einen
Bundesstaat  entworfen.

1815.  Napoleon  landet  mit  einem  kleinen  Häuflein,  das  mit  ihm
von  der  Insel  Elba  heimlich  entwichen  war,  an  Frankreichs
Küste.  |

Am  5.  März  war  die  Nachricht  schon  in  Wien,  zum  nicht  geringen
Schrecken  des  dort  tagenden  Congresses.

1821.  Der  altkatholische  Bischof  Dr.  Johann  Hubert  Reinkens

zu  Burtscheid  geboren.

Er  war  der  Sohn  armer  Eltern,  wirkte  unter  dem  Fürstbischof
Diepenbrock  zu  Breslau  als  Domprediger  und  Professor  der  Theologie,
legte  aber  nach  der  Verkündigung  des  Dogmas  von  der  unbefleckten
Empfängnis  Mariä  die  Dompredigerstelle  nieder,  „weil  er  nach  seinem
Gewissen  nicht  mehr  predigen  wollte,  was  er  sollte“,  verlor  durch  den
Fürstbischof  Förster  die  Professur  und  wurde  exeommunicirt.  Dr.  Reinkens
  wurde  am  4.  Juni  1573  in  Köln  von  altkatholischen  Geistlichen
und  den  Vertretern  der  Gemeinden  als  Missionsbischof  gewählt,  und  am
ll.  August  d.  J.  zn  Rotterdam  durch  den  Bischof  von  Deventer  feierlichst
  consecrirt.

1834.  Charlotte  Wolter  (Gräfin  O'Sullivan)  berühmte  Schauspielerin,
  zu  Köln  am  Rhein  geboren.

1837.  Georg  Moritz  Ebers,  Aegyptolog  und  Romanschriftsteller,
zu  Berlin  geboren.

1848.  Einführung  der  Pressfreiheit  in  Baden  und  Württemberg.


Gegen  1400  bewaffnete  Republikaner  ziehen  am  Abend
in  Neufchatel  ein,  werden  vom  Volke  mit  Jubel  empfangen,
rücken  aufs  Schloss,  zwingen  die  preussische  Regierung
ur  Abdankung  und  setzen  eine  provisorische  republikanische
Regierung  an  deren  Stelle.  Seitdem  ist  das  Fürstentum  Neuenburg
  thatsächlich,  seit  1858  nach  Verzichtleistung  Preussens
auch  formell  ein  freier  schweizerischer  Kanton
        <pb n="87" />
        1871.  Kaiser  Wilhelm  I.  hält  auf  dem  Hippodrom  de  Longchamp
  bei  Paris  Heerschau  über  die  30000  deutschen  Soldaten,
die  zum  Einmarschieren  nach  Paris  bestimmt  sind.  Die
Truppen  halten  ohne  Störung  ihren  Einzug  in  die  Stadt.

Die  Nationalversammlung  in  Bordeaux  genehmigt  in  namentlicher
  Abstimmung  mit  546  gegen  107  Stimmen  den  Friedens-Präliminarvertrag
  und  erklärt  Napoleon  III.  für  abgesetzt.

1875.  Zusammentritt  der  internationalen  Meterkonferenz
zu  Paris.

1888.  Die  kaum  zwei  Jahre  erbaute  Lutherkirche  in  Leipzig
brennt  total  nieder.

 

 

3.  März.

1459.  Papst  Hadrian  geboren.

Durch  Offenheit  und  Treuherzigkeit  suchte  er  die  Uebelstände  des
römischen  Hofes  und  der  katholischen  Kirche  zu  reformieren.

1547.  Markgraf  Albrecht  von  Brandenburg-Kulmbach  wird
bei  Rochlitz  vom  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen
geschlagen  und  gefangen  genommen.

1638.  Schlacht  bei  Rheinfelden,  (Kanton  Aargau,  Schweiz)
in  welcher  Herzog  Bernhard  von  Weimar  die  Kaiserlichen  besiegt
  und  den  General  Johann  von  Werth  gefangen  nimmt.

1689.  Heidelberg  wird  von  den  Franzosen  unter  General
Melac  verwüstet  und  das  stolze  Schloss  in  die  Luft  gesprengt
  und  in  Brand  gesteckt.

1785.  Kurfürst  Karl  Theodor  von  Bayern  hebt  den  Illuminaten-Orden

  auf.
Derselbe  war  am  1.  Mai  1776  durch  Adam  Weishaupt  zu  Ingolstadt

  gestiftet  worden,  und  wolltereligiöseundpolitische  Aufklärung
  verbreiten.  Er  zählte  zur  Zeit  seiner  höchsten  Blüte  an

2000  Mitglieder;  darunter  die  gebildetsten  Männer  aus  den  höchsten
Gesellschaftskreisen.
1787.  Der  Dichter  Salomon  Gessner  stirbt.
Kaum  einem  unter  den  deutschen  Dichtern  seiner  Zeit  wurde  so
viel  Ruhm  zu  Teil,  als  dem  Idillendichter  Gessner.
1791.  John  Wesley,  Gründer  der  Methodistengemeinde,  stirbt.
Das  Bestreben  der  Methodisten  geht  dahin,  dnrch  gemeinsame  Andacht
  und  Entsagung  sich  im  christlichen  Leben  zu  fördern.

1810.  Papst  Leo  XIII.  zu  Carpineto  bei  Anagni;  als  Sohn  eines
wohlhabenden  Landmannes  geboren.
        <pb n="88" />
        _  7,3  —

1814.  General  von  Thümen  wirft  die  Franzosen  in  die  Festung
Soissons;  sodann  Tags  darauf  Uebergabe  derselben  an  General

Bülow  von  Dennewitz.
Oberst  von  Hobe  schlägt  die  französische  Besazung  von
CGourtray.
1817.  General  Julius  von  Hartmann  zu  Hannover  geboren.
1822.  Eduard  Karl  Emanuel  Jachmann,  deutscher  Vize--admiral,
  zu  Danzig  geboren.
1829.  Karl  Schurz,  amerikanischer  Staatsmann,  zu  Liblar  bei
Köln,  geboren.

Im  November  1850  befreite  er  den  wegen  seiner  Beteiligung  am
badischen  Aufstande  zum  Tode  verurteilten,  später  zu  lebenslänrlichem
Kerker  begnadigsten  Dichter  Kinkel  aus  dem  Spandauer  Zuchthause.

1835.  Kaiser  Franz  von  Oesterreich  stirbt,  —  ohne  dass
sein  Tod  den  geringsten  Einfluss  auf  den  Geist  und  die  Ziele
der  österreichischen  Politik  überhaupt  Einfluss  gehabt  hätte.

1848.  Eine  Volksversammlung  in  Wiesbaden  verlangt  Erklärung
  der  Domänen  für  Staatseigentum.  Volksbewaffnung,
Pressfreiheit  und  sofortige  Berufung  einer  einzigen  Kammer  zur
Entwerfung  eines  das  allgemeine  Wahlrecht  bestimmenden
Gesetzes.

1868.  Preussen  beschlagnahmt  das  Vermögen  des  Königs
von  Hannover  (Welfenfonds).

1871.  Kaiser  Wilhelm  I.  unterzeichnet  den  tags  zuvor  von  der
Nationalversammlung  in  Bordeaux  angenommenen  Präliminarvertrag
  mit  Frankreich.

Hiernach  trat  dasselbe  Elsass  und  deutsch-Lothringen  an
das  deutsche  Reich  ab  und  verpflichtete  sich  zur  Zahlung  von  5  Milliarden
  Frank.

Der  Kronprinz  des  deutschen  Reiches  und  von  Preussen
besucht  in  Begleitung  des  Grossherzogs  von  Baden  die  deutschen
Truppen,  welche  am  1.  März  in  Paris  eingezogen  waren.

Tausende  deutsche  Soldaten,  nur  mit  dem  Seitengewehr
  bewaffnet,  werden  von  Offizieren  nach  Paris  geführt
und  ihnen  von  diesen  einige  Sehenswürdigkeiten  gezeigt,  wobei
sich  die  Bevölkerung  ruhig  verhielt.

1876.  König  Ludwig  I.  von  Bayern  ordnet  cine  Neuformation
des  Kriegsministeriums  an.

1885.  Einsturz  des  Domhotels  in  Köln.
1888.  Papst  Leo  XIII.  erklärt  neuerdings  die  „Unabhängigkeit

des  Papsttums“  als  unentbehrliche  Vorbedingung  einer  Versöhnung
  mit  Italien.
        <pb n="89" />
        3.  März.

nu

321.  Kaiser  Konstantin  der  Grosse  ordnet  eine  allgemeine  Feier
des  Sonntags  an.

1476.  Schlacht  bei  Granson.  Die  Schweizer  schlagen  Karl
den  Kühnen,  Herzog  von  Burgund,  und  erbeuten  nahezu  dessen
ganzen  Artillerietrain,  nämlich  420  Geschütze  und  unermessliche

Schätze  und  Vorräte.

Das  erbeutete  Geld  wurde  in  Hüten  verteilt,  alle  andern  Kostbarkeiten,
  sogar  Diamanten,  wurden  um  einen  Spottpreis  verkauft,  —
während  Karl  der  Kühne  vierthalb  Monate  bedurfte,  um  ein  neues  Heer
zu  sammeln,  und  den  Kampf  wieder  aufzunehmen

1522.  Luther  verlässt  die  Wartburg  und  kehrt  nach  Wittenberg
zurück.

1554.  Johann  Friedrich  I.  der  Grossmütige,  Kurfürst  von
Sachsen,  stirbt.

1580.  Das  feste  Groningen  kommt  durch  Verrat  des  Grafen  von
Renneberg  an  die  Spanier,  welche  es  hierauf  vierzehn  Jahre  zu
behaupten  wussten.

1715.  Der  Dichter  Ewald  Christian  von  Kleist,  Held  im
siebenjährigen  Kriege,  zu  .Zeblin,  einem  väterlichen  Gute  bei
Köslin,  geboren.

1793.  Die  Oesterreicher  unter  Prinz  Coburg  zwingen  die  Franzosen
  die  Belagerung  von  Mastricht  aufzugeben  und  eine
rückgängige  Bewegung  anzunehmen.

1806.  Wilhelm  Hartwig  Beseler,  ein  hervorragender  Führer
der  schleswig-holsteinischen  Bewegung  von  1848—51,  auf  Schloss
Marienhausen,  Grafschaft  Jever,  geboren.

Beseler  wurde  Vicepräsident  der  Nationalversammlung  in  Frankfurt
a.  M.  und  später  (1861)  Kurator  der  Universität  Bonn.

1814.  Gefechte  bei  Lauressel  und  Guilloterre,  in  welchen
die  Verbündeten  die  Franzosen  schlagen.

Soissons  wird  an  den  preussischen  General  von  Bülow
übergeben.

1848.  Beginn  der  Revolution  in  München.  Auflösung  der  bayerischen
zweiten  Kammer  und  deren  Berufung  mit  frei  zu  wählenden

Vertretern  auf  den  31.  Maı.
Gleichzeitig  Unruhen  in  Hamburg  und  Köln.

1849.  Volksaufstand  in  Venedig.
1851.  Der  Pfälzer  Aufruhr  vor  dem  Schwurgericht  zu  Zweibrücken.
        <pb n="90" />
        _-  80  —

1870.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  Bewilligung
  von  lebenslänglichen  Pensionen  und  Unterstützungen  an
Militärpersonen  nicderer  Chargen  der  vormalen  schleswigholsteinischen
  Armee,  sowie  an  deren  Witwen  und  Waisen.

1871.  In  Berlin  wird  die  Ratifikation  des  Friedensschlusses

  feierlich  unter  Kanonendonner  verkündet.

Nachmittags  Gottesdienst  in  allen  Kirchen.  Abends  festliche  Beleuchtung
  der  Stadt.  Auch  in  anderen  deutschen  Städten  finden  Friedensfeierlichkeiten

  statt.

Paris  wird  in  Folge  der  Ratifizierung  des  Friedenspräliminarvertrags
  von  den  deutschen  Truppen,  die  am  1.  März  eingezogen
  waren,  wieder  geräumt.  |

Wahlen  zum  ersten  deutschen  Reichstag.

Der  deutsche  Kaiser  hält  auf  den  Longehamps
bei  Paris  eine  Parade  ab.

1878.  Leo  XIU.  in  der  sixtinischen  Kapelle  des  Vatıkans  zum
Papst  gekrönt.
1882.  Ludwig  Kalisch,  humoristischer  Schriftsteller,  gestorben.

 

 

4,  März.

1152.  Friedrich  I.  (Rotbart,  Barbarossa)  in  Frankfurt  a.  M.  zum
Kaiser  gewählt.

1714.  Friede  zu  Rastatt  (nach  Beendigung  des  spanischen  Erbfolgekrieges
  1701—1714)  im  Namen  Kaiser  Karls  VI.  und
König  Ludwigs  XIV.  von  Frankreich  abgeschlossen,  durch
Prinz  Eugen  von  Savoyen  und  Marschall  Villars.

Unterzeichnet  wurde  der  Friedensvertrag  am  7.  März  1714.

1768.  Der  Dichter  Johann  Friedrich  Kind  zu  Leipzig  geboren.

Er  schrieb  die  Texte  zu  den  volkstümlichsten  Opern  „Freischütz“
und  „Nachtlager  von  Granada“.

1813.  Berlin  von  den  Franzosen  geräumt;  worauf  die  Russen
unter  Tschernitschew,  mit  Jubel  empfangen,  in  Berlin  einziehen.

1814.  Die  Verbündeten  schlagen  die  Franzosen  unter  Napoleon  1.
bei  Troyes.
1822.  Karl  Braun  (Wiesbaden),  Mitglied  des  deutschen  Reichstages

  und  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,  zu  Hadamar
in  Nassau  geboren.
        <pb n="91" />
        —  81  —

1848.  Der  Grossherzog  von  Hessen  und  der  Heezog  von  Nassau
bewilligen  alle  Forderungen  des  Volkes,  betreffend
volle  Pressfreiheit,  Geschwornengericht,  Volksbewaffnung  u.  s.  w.

Unruhen  in  Frankfurt  a.  M.,  wo  ein  Beschluss  der
Bundesversammlung  es  jedem  deutschen  Bundesstaate  freistellt,
die  Uensur  aufzuheben  und  Pressfreiheit  einzuführen.

König  Ludwig  I.  von  Bayern  lässt,  den  zeitgemässen
„Forderungen  des  Volks“  gegenüber,  vor  seinem  Schloss  in
München  —  Kanonen  auffahren.  Dies  erbittert  die
Bürger  so,  dass  sie  das  Zeughaus  erstürmen  und
die  Selbstbewaffnung  vollziehen.

1849.  Erlass  der  österreichischen  Reichsverfassung,
durch  welche  alle  zur  österreichischen  Monarchie  gehörigen  Länder,
mit  Ausschluss  der  italienischen  Provinzen,  zu  einem  Ganzen
vereinigt  und  alle  Einzellandtage  und  Einzelverwaltungen  beseitigt
  werden.

1867.  Graf  Bismarck  übergiebt  dem  Reichstage  den
Verfassungsentwurf  des  norddeutschen  Bundes.

1872.  Gründung  einer  Marine-Akademiein  Kiel.

1875.  Kultusminister  Falk  legt  dem  preussischen  Landtag  die
sogenannten  Sperrgesetze  vor.

Nach  denselben  sind  alle  Leistungen  aus  Staatsmitteln  an  Bischöfe
und  sämtliche  katholische  Geistliche  eingestellt,  so  lange  dieselben
nieht  durch  eine  schriftlicheErklärung  sich  zurBefolgung
der  Staatsgesetze  verpflichten.

1885.  Der  deutsche  Reichstag  verwilligt  den  zweiten  Direktor
im  auswärtigen  Amt,

 

5b.  März.

an

493.  König  Odowakerwirddurch  den  Ostgotenkönig  Theodorich
(genannt  der  Grosse)  bei  einem  Gastmahl  in  Ravenna
ermordet.

Beginn  der  Ostgotenherrschaft  in  Italien  (493—568).
1152.  Der  von  den  deutschen  Fürsten  zum  Kaiser  gewählte
Schwabenherzog,  Friedrich  von  Hohenstaufen,  übernimmt
im  „Römer“  zu  Frankfurt  a.  M.,  jener  alten  Kaiserpfalz,  welche
von  nun  an  das  Wahlhaus  für  die  deutschen  Kaiser  wurde,  die
Regierung.  —  Fünf  Tage  darauf  krönte  ihn  der  Erzbischof

Adalbert  von  Köln  in  Aachen.
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        _-  9  —

1179.  Das  dritte  lateranensische  Konzil,  das  zwölfte  ökumenische,
  wird  von  Papst  Alexander  II.  in  Rom  eröffnet.

1353.  Bern  tritt  in  den  Schweizerbund  ein.

1460.  König  Christian  I.  von  Dänemark  wird  von  den  zu
Ripen  versammelten  schleswig-holsteinischen  Ständen
zum  Herzog  von  Schleswig-Holstein  gewählt,  wodurch  Schleswig-Holstein
  an  die  dänische  Krone  kommt.

Nach  dem  Tode  des  Grafen  Adolf  VIII.  war  die  ältere,  die  rendsburgische
  Linie  der  Grafen  von  Schauenburg  ausgestorben,  welche  länger
als  3  Jahrhunderte  Holstein  regiert  hatte;  und  des  verstorbenen  Adolfs
Schwestersohn,  der  Oldenburger  Christian  I.,  welchen  die  Dänen  zu
ihrem  Könige  gewählt  hatten,  und  welcher  zugleich  der  König  von
Norwegen  und  Schweden  war,  hatte  den  meistens  Anspruch  auf  Schleswig-Holstein,
  deren  Landstände  er  durch  Geld  und  Verheissungen  zu
gewinnen  wusste.  —  Dieselben  wählten  ihn  zu  ihrem  Herzog.  Am
heutigen  Tage  wurde  urkundlich  festgestellt:  „auf  ewige  Zeiten
sollen  Schleswig-Holstein  beisammen  und  ungetrennt
bleiben.“

1585.  Johann  Georg  I,  Kurfürst  von  Sachsen  (albertinische
Linie)  geboren.

1689.  Mannheim  jwird  von  den  Franzosen  eingeäschert.

1772.  Vorläufiger  Vertrag  zwischen  Oesterreich  und  Preussen
wegen  Teilung  Polens.

1815.  Friedrich  Anton  Mesmer  stirbt.

Er  war  der  Begründer  der  Lehre  vom  tierischen  Magnetismus
(Mesmerismus).

1816.  Der  Dichter  Wolfgang  Müller  (gen.  von  Königswinter)
zu  Königswinter  a.  Rh.  geboren.

1817.  Moritz  Carriere,  Philosoph  und  Aesthetiker,  zu  Griedel
im  Grossherzogtum  Hessen  geboren.

1531.  Oesterreichische  Truppen  rücken  in  das  Herzogtum

Modena  ein  und  besetzen  am  folgenden  Tage  die  Hauptstadt
des  Landes.

1848.  Heidelberger  Patrioten-Versammlung.  Einundfünfzig
  Männer  aus  den  verschiedenen  deutschen  Staaten,  (Bassermann,
  Gagern,  Hecker,  Itzstein,  Struve,  Welker  ete.  etc.)  beschliessen
  die  Anregung  und  Abhaltung  des  Vorparlaments  in
Frankfurt  .  M.  —  Die  deutsche  Erhebung  von  1848
beginnt.

1888.  Infolge  eines  ernstlichen  Unwohlseins  Kaiser  Wilhelms  I
kehrt  Prinz  Wilhelm  schleunigest  von  San  Remo,  wo  er  bei
seinem  kranken  Vater  weilte,  nach  Berlie  zurück.
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        6.  März.

U)

540.  Fridolin,  Apostel  der  Alemannen,  stirbt  in  dem  von  ihm
gestifteten  Kloster,  aus  welchem  später  das  badische  Städtchen
Säckingen  am  Rhein  hervorging.

1133.  Kaiser  Konrad  Ill.  wird  von  dem  päpstlichen  Gesandten
im  Dom  zu  Aachen  gesalbt.

1162.  Das  durch  Kaiser  Friedrich  I.  über  ein  Jahr  belagerte
Mailand  ergiebt  sich,  durch  Schwert  und  Hunger  gedrängt,
auf  Gnade  und  Ungnade.

Bleich  und  hager  von  furchtbarer  Not,  kamen  die  Einwohner  mit
Stricken  um  den  Hals  und  Kreuzen  in  den  Händen  zum  Kaiser  heraus
und  brachten  ihm  die  Schlüssel  der  Stadt.  —  Die  Bürger  verlassen  sodann

  auf  Befehl  Friedrichs  die  Stadt,  deren  Mauern  geschleift  und  deren
Gebäude,  bis  auf  die  Kirchen,  zerstört  werden.

1198.  Die  Anhänger  der  Hohenstaufen  wählen  Heinrichs  V1.
Bruder,  Philipp,  Herzog  von  Schwaben,  einen  ritterlichen
und  besonnenen  Mann,  reich  an  Gütern  und  Tugenden,  zum
deutschen  Kaiser;  während  die  Welfen  am  1.  Mai  als  Gegenkaiser
  den  Herzog  Otto  von  Braunschweig,  Sohn  Heinrichs  des

Löwen,  wählen.

1629.  Kaiser  FerdinandIl.  erlässt  das  berüchtigte  „Restitutionsedikt“,
  wonach  alle  seit  dem  Passauer  Vertrage  (31.  Juli  1552)
von  den  protestantischen  Fürsten  eingezogenen  geistlichen  Güter
den  Katholiken  zurückgegeben  werden  und  nur  die  Bekenner
derAugsburgischenKonfessionfreieReligionsübung
haben,  alle  anderen  Sekten  aber  aufhören  sollen.

1645.  Der  schwedische  General  Torstenson  schlägt  den  Kaiserlichen
  General  Hatzfeld  bei  Jankau  in  Böhmen  und  bedroht

Wien.

1787.  Joseph  v.  Frauenhofer,  der  Erfinder  der  wichtigsten
optischen  Instrumente,  zu  Straubing  in  Bayern  geboren.

1823.  Karl  I.  Friedrich  Alexander  König  von  Württemberg,  zu
Stuttgart  geboren.

Er  war  der  einzige  Sohn  Wilhelm  I.  und  seiner  dritten  Gemahlin
Pauline,  Herzogin  von  Württemberg.  Er  hat  sich  als  treues  Bundesmitglied
  des  deutschen  Reichs  bewährt.
        <pb n="94" />
        —  u  —

1848.  König  Ludwig  I.  von  Bayern  bewilligt  die  Forderungen

des  Volks  —  wohl  mit  Widerstreben,  denn  sie  waren  ihm  „abgezwungen“
  worden.

Die  ersten  März-Konflikte  zwischen  Militär  und  Bürgerschaft
  zu  Berlin  bei  Gelegenheit  einer  Volksversammlung  vor

den  Zelten.
Unruhen  in  Breslau  und  Bremen.

1852.  Ein  Erlass  der  preussischen  Regierung  stellt  die  Zusammensetzung
  des  Oberkirchenrats  zu  Berlin  aus  lutberischen,
  reformierten  und  unierten  Mitgliedern  fest.

1861.  Nach  wiederholter  dringender  Mahnung  und  Androhung  der
Bundesexekution  seitens  des  deutschen  Bundestages  legt  die
dänische  Regierung  der  holsteinischen  Ständeversammlung
zu  Itzehoe  die  Grundzüge  einer  Gesamtstaatsverfassung
und  einen  Gesetzentwurf  vor,  betreffend  die  provisorische
Stellung  Holsteins  hinsichtlich  der  gemeinsamen  Angelegenheiten
der  dänischen  Monarchie.

1862.  Beginn  des  Konflikts  zwischen  der  preussischen
Regierung  und  dem  Abgeordnetenhaus,  als  solche  die
Mehrkosten  für  die  Armeeorganisation  forderte,  und  der  fortschrittliche
  Abgeordnete  Hagen  den  Antrag  stellte,  der  Entwurf
  des  Staatshaushaltes  solle  zunächst  so  gegliedert  werden,
wie  der  des  Jahres  1856,  und  das  Haus  mit  kleiner  Mehrheit

diesem  Antrag  zustimmte.

Nach  der  Armeeorganisationsverlage  sollte  die  Friedensstärke  von
150,000  auf  213,000  erhöht  werden,  die  Dienstpflicht  in  der  Linie  3,  in
der  Reserve  4,  in  der  Landwehr  9,  die  Gesamtdienstpflicht  also  16  Jahre
dauern,  während  sie  bisher  19  gedauert  hatte.

1870.  Der  Entwurf  des  Unfehlbarkeitsdogmas  wird  an  die
Mitglieder  des  vatikanischen  Konzils  verteilt.

1871.  Napoleon  Ill  erlässt  bei  seiner  Abreise  nach  England  einen
feierlichen  Protest  gegen  seine  von  der  französischen
Nationalversammlung  ausgesprochene  Absetzung.

1876.  Die  von  der  geographischen  Gesellschaft  in  Bremen  ausgerüstete
  Expedition  zur  Erforschung  Westsibiriens

(Dr.  Finsch,  Dr.  Brehm,  Graf  Waldburg-Zeil)  tritt  von  Berlin
aus  ihre  Reise  an.

1880.  Fritz  Harkort,  der  „alte  Fritz  von  Westfalen“,  langjähriger
  Abgeordneter  und  hervorragender  deutscher  Fortschrittsmann,
stirbt  zu  Barop  bei  Dortmund.

1855.  Grubenexplosion  im  Johannschachte  bei  Karwin
(bei  Olmütz).

123  Bergleute  getötet.
        <pb n="95" />
        dt.  März.

1080.  Papst  Gregor  VII.  spricht  zum  zweiten  Mal  in  feierlicher
Synode  zu  Rom  den  Bannfluch  über  Kaiser  Heinrich

IV.  aus.

Dieser  hatte  sich  nämlich  an  Gregor  gewandt,  und  ihn,  unter  der
Drohung  der  Ernennung  eines  andern  Kirchenoberhauptes,  aufgefordert,
seinen  Nebenbuhler  —  König  Rudolf  von  Schwaben  —  mit  dem  Bannfluch
  zu  belegen.  Hierüber  war  der  Papst  so  erzürnt,  dass  er  denselben
gegen  Heinrich  IV.  schleuderte  und  entschieden  Partei  für  den
Gegenkaiser  nahm.

1110.  Papst  Paschalis  II.  erneuert  das  Verbot  der  Laieninvestitur,
  was  zur  unmittelbaren  Folge  hatte,  dass  Kaiser  Heinrich
V.  über  die  Alpen  ging,  um  den  Papst  zu  zwingen,  das  Investiturrecht
  der  deutschen  Krone  anzuerkennen.

1522.  Dr.  Martin  Luthers  Rückkehr  von  der  Wartburg,  wo  er
durch  Friedrich  des  Weisen  Fürsorge  gefangen  gehalten  worden
war,  bald  nachdem  er  auf  dem  Reichstag  zu  Worms  vor  Kaiser
und  Reich  sein  weltberühmtes  „Amen!“  gesprochen  hatte,  nach

Wittenberg.

Weder  die  kaiserliche  Achtserklärung  noch  die  Bannbullen  des
Papstes  konnten  Luther  auf  der  Wartburg  in  der  Musse  stören,  die  er
zur  Verdeutschung  des  neuen  Testaments  anwendete.  Doch  dauerte  sie
nur  10  Monate,  denn  als  er  von  Carlstadts  Bilderstürmerei  hörte,  hielt
ihn  nichts  mehr  zurück,  und  trotz  der  neuen  Achtserklärung,  welche
Kaiser  Karl  V.  zu  Nürnberg  wider  ihn  erliess,  und  auf  die  Gefahr  der
Ungnade  des  Kurfürsten,  eilte  er,  mitten  durch  das  Land  des  gegen  ihn
erzürnten  Herzogs  Georg  von  Sachsen,  nach  Wittenberg.

1714.  Unterzeichnung  des  Rastatter  Friedens,  zwischen  dem
Haus  Oesterreich  und  Frankreich.

Es  war  bei  allen  vorhergegangenen  Verhandlungen  nur  von  den
Angelegenheiten  desKaisers  inBezug  auf  seineErblande
die  Rede  gewesen;  die  reichsständischen  Rechte  zur  Mitwirkung
beim  Friedensschluss  wurden  von  Kaiser  Karl  VI.  gar  nicht  beachtet,
obgleich  dieselben  im  westfälischen  Frieden  gewährleistet  worden  waren.

Oesterreich  erhielt  für  Holland  die  spanischen  Niederlande,  das
schon  von  ihm  besetzte  Neapel,  Sardinien,  Mailand,  Mantua,  Mirandola
und  Comacchio  durfte  es  behalten  und  das  deutsche  Reich  bekam  wieder
Freiburg,  Kehl  und  Altbreisach,  während  den  Franzosen  Landau
verblieb  und  die  in  die  Reichsacht  erklärten  Kurfürsten  von  Bayern
und  Köln,  sowie  mehrere  kleinere  italienische  Fürsten  wurden  vom
Kaiser  wieder  in  ihre  Würden  und  Länder  eingesetzt.

1724.  Papst  Innocenz  XIII.  stirbt.  Er  war  ein  entschiedener
Gegner  der  Jesuiten.
        <pb n="96" />
        86  —

1793.  Die  Franzosen  übergeben  das  Bergschloss  Königstein  im
Taunus  an  die  Preussen.

1801.  DieReichsstände  genehmigen  den  Lüneviller  Vertrag.

1804.  Gründung  der  britischen  und  ausländischen  Bibelgesellschaft
  in  London  behufs  Verbreitung  von  Bibeln
in  allen  Sprachen  der  Erde.

Seit  ihrem  Bestehen  hat  die  Gesellschaft  über  70  Millionen  Bibeln
in  mehr  als  200  Sprachen  und  Dialekten  verbreitet.

1807.  Danzig  wird  von  den  Franzosen  unter  Lefebre  belagert.

1814.  Feldmarschall  Blücher  bringt  vereint  mit  General  Bülow
bei  Craonne  dem  Kaiser  Napoleon  ].,  nach  hartnäckigem
Kampfe,  eine  entschiedene  Niederlage  bei,  welche  sich  am  9.
und  10.  März  bei  Laon  als  ein  Hauptschlag  wiederholt.  Zu
gleicher  Zeit  siegt  Napoleon  I.  über  den  russischen  General
Woronzow.

Die  Festung  Küstrin,  welche  als  Pfand  für  die  von
Preussen  an  Frankreich  zu  zahlende  Geldsumme  auch  nach
dem  Tilsiter  Frieden  (7.  und  9.  Juli  1807)  in  den  Händen  der
Franzosen  geblieben  war,  wird  nach  langer  Belagerung  durch
die  Preussen  endlich  von  den  Franzosen  geräumt.

1829.  Eduard  Vogel,  berühmter  Afrikareisender,  zu  Krefeld
geboren.

1542.  Friedrich  Franz  II.  folgt  seinem  Vater  als  Grossherzog
von  Mecklenburg-Schwerin  in  der  Regierung.

1849.  Der  gewaltsam  von  Wien  nach  der  kleinen  Stadt  Kremsier
in  Mähren  verlegte  österreichische  Reichstag  erfährt
vor  den  Thüren  des  Sitzungssaals  von  den  Wachtposten
  (!),  dass  der  Kaiser  denselben  aufgelöst  habe.

„Die  absolutistische  Zeit  trat  wieder  in  Flor,  und  die  alten  Menschen
traten  wieder  hervor,  nur  den  Metternich,  das  alte  Möbel,  stellte  natürlich

  die  Erzherzogin  Sophie  nicht  wieder  auf“.  Eine  Verfassung  für
Gesammt  Oesterreich  oktroyirt.

1866.  Beginn  der  Marschallrats-Sitzungen  zu  Wien,  unter
dem  Vorsitz  des  Kaisers  Franz  Josef.

Dieselben  dauerten  bis  zum  13.  März  an.  —  Die  Möglichkeit  eines
Kriegs  wurde  scharf  ins  Auge  gefasst,  und  mit  den  Rüstungen  begonnen.

1871.  Die  Forts  von  Paris  auf  dem  linken  Seineufer  werden  von
den  Deutschen  geräumt  und  von  den  Franzosen  wieder  besetzt.

Abreise  Bismarcks  von  Versailles  nach  Berlin.

Die  letzte  oftizielle  deutsche  Kriegsdepesche:

„Ferrieres,  den  7.  März.  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  Köni
nahmen  heute  die  Parade  des  XII.  Königlich  Sächsischen,  sowie  des  T
Bayerischen  Armee-Corps  und  der  Württembergischen  Felddivision  auf
dem  Schlachtfelde  bei  Villiers  ab  und  verlegtendaraufdasHauptquartier
  nach  Ferrieres,  von  Podbielski“.
        <pb n="97" />
        Der  Krieg  hatte  im  Ganzen  180  Tage  angedauert.  —  In  d;
Zeit  haben  die  deutschen  Heere  150  grössore  und  Kleinass
Gefechte  bestanden,  15  grössere  Schlachten  gewonnen
26  feste  Plätze  genommen,  2192  Offiziere  und  88381  Mann  mit  285
Geschützen  zum  Uebertritt  in  die  Schweiz  genötigt,  11860  Offiziere  und
371,981  Mann  zu  Gefangenen  gemacht  und  nach  Deutschland  abgeführt,
  250,000  Mann  in  Paris  gefangen  gehalten,  1915  Feldgeschütze  und
8526  Festungsgeschütze,  107  Adler  und  Fahnen  erbeutet.  —  Der  Verlust
der  Deutschen  bezifferte  sich:  6247  Offiziere,  Aerzte  und  Beamte  und
123,453  Mann,  1  Fahne  und  6  Geschütze.

1885.  Landesverrats-Prozess  vor  dem  Reichsgericht.

Kaufmann  Knipper  freigesprochen;  Kaufmann  Janssen  8  Jahre
Zuchthaus.

1887.  Die  Volksvertretung  zu  Pest  (Ungarn)  verwilligt  25  und
eine  halbe  Million  Gulden  für  Heereszwecke.

1888.  Kaiser  Wilhelm  I.  erkrankt  in  gefährlicher  Weise.

 

 

8.  März.

571.  Alboin,  König  der  Longobarden,  wird  durch  die  Verräterei
seiner  Gemahlin  Rosamunda,  deren  Rache  er  sich  durch  die
abscheuliche  Zumutung,  aus  dem  Schädel  ihres  im  Kriege  erschlagenen
  königlichen  Vaters  zu  trinken,  zugezogen  hatte,  in
Verona  ermordet.

1633.  Bündniss  zu  Heilbronn  zur  Fortsetzung  des  (dreissigjährigen)
  Krieges,  geschlossen  zwischen  Oxenstierna  (für  Schweden),
den  Ständen  des  schwäbischen,  fränkischen,  ober-  und  niederrheinischen
  Kreises  und  den  französchen,  englischen  und

holländischen  Botschaftern.

1701.  Hamburger  Teilungsvertrag.

Adolf  Friedrich  II.,  Stifter  der  Linie  Mecklenburg  -  Strelitz,  erhält
das  Fürstentum  Ratzeburg,  die  Herrschaft  Stargard,  die  Komtureien
Mirow  und  Nemerow,  jährlich  9000  Thaler  aus  dem  Boitzenburger  Zoll  nebst
Sitz  und  Stimme  auf  den  Reichs-  und  Kreistagen.  Friedrich  Wilhelm
von  Mecklenburg-Schwerin  dagegen  als  wirklicher  Nachfolger  der  1695
erloschenen  Linpie  Mecklenburg-  Güstrow  das  übrige  weit  grössere  Gebiet.

1807.  Anfang  der  Blockade  von  Colberg,  verteidigt  durch
Schill  und  Nettelbeck.  (Ende  der  Blockade  nach  Eintreffen
der  Botschaft  von  dem  am  9.  Juli  1807  abgeschlossenen  'Lilsiter

Frieden.)
        <pb n="98" />
        8  —

1809.  Napoleon  I.  wirbt  um  die  Hand  der  schönen  Erzherzogin

Marie  Louise.

Genau  14  Jahre  vorher  hatte  er  sich  an  demselben  Tage  mit
Josephine,  der  Witwe  des  Generals  Beauharnais,  vermählt.

1823.  Gyula  Graf  Andrassy,  verdienstvoller  Minister  des
Aeusseren  und  des  Kaiserlichen  Hauses  mit  dem  Vorsitze  ım
gemeinsamen  (österreich-ungarischen)  Ministerrate,  geboren.

1838.  Adolf  L’Arronge,  hervorragender  Bühnendichter,  zu
Hamburg  geboren.

1841.  Der  Dichter  Ch.  A.  Tiedge  stirbt  zu  Dresden.

Seine  Dichtungen  zeigen  fast  alle  grosse  Sorgfalt  in  der  Wahl  des
Ausdrucks,  Zierlichkeit  und  manchmal  poetische  Würde,  ubgleich  man
im  Ganzen  die  höchste  poetische  Weihe  vermisst.

1848.  In  Hanau,  Weimar  und  im  Odenwald  finden  Unruhen
statt.  —  Volksversammlung  in  Berlin.

1862.  In  Folge  der  Abstimmung  des  preussischen  Abgeordnetenhauses
  am  6.  d.  M.  nimmt  das  gesamte  Ministerium
der  „neuen  Aera®“  —  Schwerin,  Auerswald,  Patow  etc.  —  seine
Entlassung.

1864.  Die  preussischen  Garden  rücken  gegen  Fredericia,  das
österreichische  Armeekorps  gegen  Veile  vor,  wo  Gablenz  die
Dänen  schlägt.

1872.  Das  am  13.  Februar  in  zweiter  Lesung  mit  207  gegen  159
Stimmen  vom  preussischen  Abgeordnetenhause  angenommene
Schulaufsichtsgesetz,  betreffend  die  Beaufsichtigung  aller
öffentlichen  und  Privatschulen  durch  staatliche  Orts-  und  Kreisschul-Inspektoren,
  wird  auch  vom  preussischen  Herrenhause  mit
125  gegen  76  Stimmen  angenommen.

1876.  Der  preussische  Gerichtshof  für  kirchliche  Angelegenheiten
  verurteilt  den  Bischof  Brinkmann  von  Münster
zur  Amtsentsetzung.

1858.  Kaiser  Wilhelm  wird  totgesagt.  Prinz  Wilhelm  zu  seinem
Stellvertreter  ernannt.

1890.  Boma  Heris  vollständige  Niederlage  bei  Palamakaa,

worauf  dieser  seine  Unterwerfung  unter  die  deutsche  Hoheit
anzeigt.
        <pb n="99" />
        —  89  —_

9.  März.

rege:

1152.  Friedrich  I.  Barbarossa  wird  zu  Aachen  mit  grosser  Pracht
sekrünt.

1523.  (Nach  Andern  im  August.)  Ullrich  von  Hutten  stirbt
in  seinem  36sten  Lebensjahre,  bei  einem  gastfreundlichen  aber
armen  Pfarrer  auf  der  kleinen  Insel  Ufnau  im  Züricher  See.

1741.  Friedrich  der  Grosse  erobert  Glaz.

An  demselben  Tage  erstürmen  die  Preussen  unter  dem
Erbprinzen  Leopold  von  Dessau  das  befestete  Glogau.

1758.  Joseph  Gall,  berühmter  Anatomiker  (Schädellehre)  zu
Tiefenbrunn  im  Badischen  geboren.

1814.  Beginn  der  zwei  Tage  andauernden  Schlacht  bei
Laon.  Es  war  früh  morgens  um  3  Uhr  als  Napoleon  am
9.  März  den  Angriff  begann;  aber  den  ganzen  Tag  über  wurde
das  Gefecht  nirgends  ernsthaft.

1848.  Fürst  von  Wallenstein,  bayerischer  Minister,  entfernt
am  frühen  Morgen  die  in  der  vorhergegangenen  Nacht  heimlich
nach  München  zurückgekehrte  Lola  Montez  auf  der  Strasse
nach  Lindau,  „unter  offizieller  Begleitung“  über  die  Grenze,
was  diesem  treuesten  Freunde  des  Königs  Ludwig  I.  dessen  vollste
Ungnade  zuzog.

Der  deutsche  Bundestag  nimmt  in  Folge  der  revolutionären
  Bewegung  den  alten  deutchen  Tteichsadler  mit  der
Aufschrift  „Deutscher  Bund“  als  Bundeswappen  an  und  erklärt
die  Farben  Schwarz-Rot-Gold  als  Farben  des  deutschen
  Bundes.

1864.  Die  Oesterreicher  unter  Generalfeldzeugmeister  Gablenz
schlagen  die  Dänen  bei  Veille  und  werfen  sie  bis  nach
Fredericia  zurück.

1868.  Abschluss  eines  Handelsvertrages  zwischen  dem  Zollverein
und  Oesterreich.

1888.  Kaiser  Wilhelm  I.  der  Siegreiche,  der  Begründer
des  deutschen  Reichs,  stirbt  zu  Berlin.  Die  ganze
zivilisierte  Welt  nimmt  an  der  Trauer  teil.

Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  besteigt  als  Friedrich
III.  den  Thron.

In  der  Nacht  vom  8.  zum  9.  stirbt  der  fruchtbare  Romanschriftsteller
  Ewald  August  König.
        <pb n="100" />
        10.  März.

en   ı

1114.  Kaiser  Heinrich  V.  spricht  dem  Kloster  Einsiedeln  das
Land  Schwyz  zu.

1503.  Ferdinand  I.,  deutscher  Kaiser,  Sohn  Philipps  des  Schönen
von  Oesterreich,  jüngerer  Bruder  Kaiser  Karls  V.,  zu  Alcala
de  Henarez  in  Neukastilien  geboren.

1508.  Schlacht  bei  Cadore  in  Venetien.

Der  venetianische  General  Bartolommeo  d’Alviano  schlägt  den
Kaiserlichen  General  Sixt  von  Trautson  und  nimmt  1000  Mann  gefangen,
welche  später  zu  Venedig  im  Triumph  aufgeführt  werden.

1606.  GeorgReichsfreiherrvonDerfflinger,  hervorragender

Feldherr  des  grossen  Kurfürsten,  in  dem  Dorfe  Neuhofen  in
Oberösterreich  (nach  anderen  in  Böhmen)  geboren.

1619.  Die  böhmischen  Stände  wählen  zu  Prag  den  Kurfürsten
Friedrich  von  der  Pfalz  zum  König  von  Böhmen.

Kaiser  Mathias  stirbt.

1772.  Friedrich  von  Schlegel,  Dichter  und  Schriftsteller,  zu
Hannover  geboren.

1776.  Die  Königin  Luise  von  Preussen,  die  „Blume  der
Frauen“,  Gemahlin  Friedrich  Wilhelms  III.  und  Mutter  Kaiser
Wilhelms  I.,  zu  Hannover  geboren.  Sie  war  eine  Prinzessin
von  Mecklenburg-Strelitz.

Durch  ihre  Schönheit,  Anmut  und  Herzensgüte  gewann  sie  aller
Herzen,  ihrem  Gemahl  war  sie,  insbesondere  nach  dessen  Thronbesteigung
1797,  eine  treue  und  kluge  Ratgeberin,  ihren  Kindern  eine  musterhafte
Mutter.  Sie  war  eine  der  edelsten  deutschen  Frauen!

1788.  Dichter  Joseph  Freiherr  von  Eichendorff  auf  dem
väterlichen  Gute  Lubowitz  bei  Ratibor  geboren.

1800.  Victor  Aime&amp;amp;  Huber,  Litterarhistoriker  und  politischsocialer
  Schriftsteller,  zu  Stuttgart  geboren.

1807.  Gefecht  in  der  Danziger  Niederung.  Die  Franzosen
schliessen  Danzig  ein.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  stiftet  auf  Scharnhorst’s  Rat
für  den  heiligen  Krieg  den  Orden  des  „eisernen  Kreuzes“
zur  Belohnung  jedweden  Verdienstes.
        <pb n="101" />
        —  91  —

1814.  Die  Tags  vorher  begonnene  Schlacht  bei  Laon  (Blücher,
Bülow,  Wintzigerode  gegen  Kaiser  Napoleon  ].)  wird  durch  einen
auf  Yorks  und  Kleist  Rat  ausgeführten  nächtlichen  Ucberfall
zu  Gunsten  der  preussischen  Waffen  entschicilen.

Verlust  der  Franzosen  1500  Mann  tot  und  verwundet,  2500  Mann
gefangen;  ausserdem  erbeuteten  die  Sieger  45  Kanonen,  131  Munitionswagen
  und  fast  das  ganze  feindliche  Kriegsgeräte.

1815.  Napoleon  ].  besetzt  Lyon.
1823.  Der  Sänger  Theodor  Wachtel  zu  Hamburg  geboren.

Er  wahr  der  Sohn  eines  Droschkenbesitzers  daselbst,  nach  dessen
Tod  er  das  Geschäft  noch  einige  Zeit  fortführte.

1848.  Volksversammlung  in  Berlin.

1864.  König  Maximilian  II.  von  Bayern  stirbt;  sein  noch
jugendlicher  Sohn  Ludwig  II.  folgt  ihm  in  der  Regierung.

1866.  Die  Kriegspartei  in  der  Wiener  llofburg  verlangt
ein  sofortiges  Vorgehen  gegen  Preussen.  Kaiser  Joseph
führte  im  grossen  Märschallrate  selbst  den  Vorsitz.

Der  Oberbefehlshaber  Benedeck  riet  vom  Kriege  ab,  weil  die
politischen  Verhältnisse  Oesterreichs  zur  Zeit  ebensowenig  dazu  angethan
seien  als  die  militärischen.

1869.  Der  Patriot  und  Rechtslehrer  Karl  Theodor  v.  Welcker
stirbt.

1874.  Jacobi,  Erfinder  der  Galvanoplastik,  stirbt.
1876.  Feier  des  hundertjährigen  Geburtstags  der  Königin  Luise.

1887.  Die  Regierung  erklärt  im  deutschen  Reichstag,
dass  die  für  Erforschung  von  ÜOentralafrika  bestimmten
150,000  Mark  auf  Kamerun  verwendet  werden  sollen,  was
allseits  mit  Befriedigung  begrüsst  wird.

1888.  Kaiser  Friedrich  verlässt  San  Remo.   Zusammenkunft
  mit  König  Humbert  von  Italien  in  San  Pier  d’Arena.
        <pb n="102" />
        11.  März.

ul

1262.  Die  Strassburger  Bürger  schlagen  auf  den  Feldern
zwischen  Ober-  und  Mittelhausbergen  die  Bischöflichen  so  entschieden,
  dass  Bischof  Walter  um  Frieden  unterhandelt  und
aus  Gram  über  die  demütigenden  Bedingungen  stirbt.

1383.  Der  allgemeine  Landfriede  wird  zu  Nürnberg
zwischen  dem  deutschen  Kaiser  Wenzel  und  mehreren  deutschen
Fürsten  und  Grafen  auf  12  Jahre  geschlossen.

1446.  Albrecht  Achilles  auch  „ÜUlysses“  und  „Deutschlands
Fuchs“  genannt,  Kurfürst  von  Brandenburg,  stirbt.

1450.  Die  Nürnberger  schlagen  bei  Pillenraut  den  Markgrafen
Albrecht  so,  dass  er  fast  selbst  gefangen  wurde.

1635.  Herzog  Bernhard  von  Weimar  erobert  Speier.

1689.  Schlacht  bei  Neuss,  in  welcher  Friedrich  III,  Kurfürst
von  Brandenburg,  über  die  Franzosen  unter  dem  General
Tourdis  siegt.

1742.  Treffen  beı  Skaliıtz.

Die  Preussen  unter  Prinz  Dietrich  von  Anhalt  schlagen  ein  ungarisches
Corps.

1793.  Danzig  ergiebt  sich  den  Franzosen.

1798.  Reichsfriedenskongress  zu  Rastatt.  Das  linke
Rheinufer  wird  an  Frankreich  abgetreten.  Die
Erniedrigung  Deutschlands  beginnt.

1810.  Marie  Louise,  Tochter  des  Kaisers  von  Oesterreich,  wird
in  Wien  durch  Prokuration  mit  Napoleon  getraut.
1812.  Edikt  über  die  bürgerlichen  Verhältnisse  der

Juden  in  Preussen;  dieselben  werden  in  staatlichen  Rechten
und  Pflichten  den  Christen  fast  gleichgestellt.

1813.  General  York  wird  durch  Parole-Befehl  des  Königs  wegen
der  Konvention  von  Tauroggen  von  jedem  Verdachte  gereinigt.

Einzug  des  Gencrals  Grafen  Wittgenstein  mit  18,000  Mann

russischer  [ruppen  in  Berlin.
Gefecht  bei  Belitz.

‚Der  Vizekönig  von  Italien,  der  in  der  Nacht  vom  3.  bis  4.  März
Berlin  geräumt  hatte,  wird  von  Tschernischew  ereilt,  der  französische
Nachtrapp  unter  Grenier  in  ein  Gefecht  verwickelt,  in  welchem  er  162
Gefangene,  348  Mann  an  Toten  und  Verwundeten  verlor.
        <pb n="103" />
        —-  3  —

1848.  Der  bayerische  Minister,  Fürst  von  Wallerstein,
der  treueste  Freund  des  Königs  und  des  Volks,  wird  infolge
seines  Vorgehens  gegen  die  Tänzerin  Lola  Montez  entlassen.

1862.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  wird  in  Folge
seines  Beschlusses  vom  6.  März  d.  J.  aufgelöst.

1866.  Königlich  preussische  Verordnung,  die  Bestrafung  feindlicher
  Handlungen  wider  die  souveräne  Gewalt  in
Schleswig-Holstein  betreffend.

1872.  Königliche  Vollziehung  des  preussischen  Schulaufsichts-Gesetzes.


1885.  Grosser  Brand  in  St.  Andreasberg  im  Harz.  Acht
Personen  kamen  dabei  um.

1888.  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen,  der  wegen
seinem  Kehlkopfleiden  den  Winter  in  San  kemo  zugebracht
hatte,  trifft  in  Charlottenburg  ein  und  übernimmt  die
Regierung.

1887.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  das  Septenat  (Siebenjahr-Vorlage)
  mit  227  gegen  31  Stimmen  an.

 

 

12.  März.

ey

742.  Gründung  des  Klosters  Fulda  durch  Sturm;  Winfried
vollzieht  die  feierliche  Grundsteinlegung.

1074.  Die  Bauern  erscheinen  vor  Goslar,  wohin  Kaiser
Heinrich  IV.  seinen  Sitz  verlegt  hatte.

Ein  grauenhaftes  Zerstörungswerk  beginnt;  die  Königsburgen  und
Herrenburgen  in  Sachsen  sinken  in  Schutt  und  Asche;  und  Heinrich  IV.
flieht  nach  dem  Rhein,  wo  er  zu  Worms  während  der  ganzen  Fastenzeit

bleibt.

1365.  Eröffnung  der  Universität  Wien  durch  Rudolf  IV.;
dieselbe  war  bereits  1237  auf  Grund  kaiserlicher  Privilegien
Friedrichs  II.  angelegt  worden.

1607.  Paul  Gerhardt,  ein  geistlicher  Liederdichter,  im  kursächsischen
  Städtehen  Gräfenhaynichen  geboren.

Seine  tiefreligiösen  Lieder  werden  für  alle  Zeiten  ein  Schatz  des
deutschen  Gesangbuchs  sein  und  bleiben.

1689.  Kavalleriegefecht  bei  Kempen  am  Rhein.  Die  Brandenburger
  siegen  über  die  Franzosen.
        <pb n="104" />
        —  94  —

1736.  Landung  des  westfälischen  Barons  Theodor  von  Neu  hof,
nachmaligen  Königs  von  Corsica,  in  Aleria.

1742.  Treffen  bei  Meseritz,  in  welchem  die  preussischen
Husaren  unter  Ziethen  ein  ungarisches  Jägerkorps  vollständig
aufreiben.

1757.  Gefecht  bei  Busch-Ullarsdorf,  in  welchem  die  Preussen
die  Oesterreicher  schlagen.

1791.  Marie  Luise,  zweite  Gemahlin  Napoleon  I.,  älteste  Tochter
Kaiser  Franz  I.,  geboren.

1799.  Die  französische  Republik  erklärt  an  Oesterreich

wiederholt  den  Krieg.

Frankreich  hatte  an  Oesterreich  das  Verlangen  gestellt,  sich  dem
Marsche  des  russischen  Hülfsheeres,  das  bereits  in  Mähren  stand,
zu  widersetzen,  andernfalls  es  seine  Kriegserklärung  senden  werde.
Der  Kaiser  lehnte  das  Verlangen  der  Franzosen  stillschweigend
  ab.

1813.  Hamburg  wird  von  den  Franzosen  geräumt.

1814.  Die  Preussen  erstürmen  Reims.

General  Corbineau  schlägt  sich  mit  der  Kavallerie  durch;  —  2500
Mann  werden  kriegsgefangen,  sämmtliches  Geschütz  wird  von  den
Preussen  erbeutet.

Generallieutenant  Freiherr  von  Thielemann  stösst  mit
den  sächsischen  und  anhaltischen  Reservetruppen  zum  Hauptkorps
  der  3.  deutschen  Armee  in  den  Niederlanden.

Saint-Quentin  (Dptmt.  Aisne)  kapituliert  an  die  Russen
unter  Geismar.

1821.  Prinz-Regent  Luitpold  von  Bayern,  Sohn  des  Königs
Ludwig  I.,  zu  Würzburg  geboren.

1831.  Der  Dichter  Friedrich  v.  Matthison  stirbt.
1849.  Sardinien  kündigt  Oesterreich  den  am  9.  August

1848  abgeschlossenen  Waffenstillstand.  Die  Feindseligkeiten
sollen  am  20.  März  beginnen.

1850.  Besitznahme  der  1849  cedierten  Hohenzollern’schen
Lande  seitens  Preussens.

1871.  Die  deutschen  Truppen  räumen  Versailles.
Kirchliche  Friedensfeier  in  Bayern.
1879.  In  der  Nacht  vom  11.  zum  12.  März  brechen  die  letzten
Dämme  vor  Szegedin  (75,000  Einwohner);  unter  einem

furchtbaren  Nordsturm  wird  die  Stadt  in  einen  schäumenden
See  verwandelt,  über  dem  einige  Häuser  in  Flammen  aufgehen.

1888.  Kaiser  Friedrich  III.  erlässt  eine  Proklamation
an  das  Volk  und  den  Reichskanzler  Fürsten  Bismarck.

p  |  ——
        <pb n="105" />
        -  13.  März.

&amp;gt;

1077.  Reichsversammlung  zu  Forchheim,  auf  welcher  Kaiser
Heinrich  IV.  auf  Betreiben  des  Papstes  (Gregor  VII.)  seines
Amtes  entsetzt,  und  an  seiner  Stelle  Herzog  Rudolph  in
Schwaben  zum  Kaiser  erwählt  wurde.

1529.  Einzug  des  Kurfürsten  Johann  des  Beständigen  mit  Melanchthon
  und  Agricola  in  Speyer.

1707.  General-Kapitalation  zu  Mailand  zwischem  dem
deutschen  Kaiser  Joseph  I.  und  Ludwig  XIV.  von  Frankreich,
infolge  deren  die  Franzosen  Italien  räumen.

1719.  Johann  Friedrich  Böttger,  Erfinder  des  Porzellans,
stirbt  zu  Dresden.

1741.  Kaiser  Joseph  II.  zu  Wien  geboren.  Seine  Mutter
war  Maria  Theresia,  deren  Gemahl  Franz  von  Lothringen  (seit
1745  deutscher  Kaiser).

1758.  Die  Preussen  unter  General  v.  Manteuffel  nehmen  die  Penamünder
  Schanze.

1781.  Der  Astronom  Herschel  entdeckt  den  Planeten  Uranus.

1802,  Aufhebung  der  Bettelklöster  in  Bayern,  welcher  die
Aufhebung  der  übrigen  Klöster  und  gleichzeitig  mit  der  grossen
Säkularisation  in  Deutschland  auch  jene  der  ständischen  Abteien
in  Bayern  folgte.

1807.  Französischer  Angriff  auf  Kolberg  siegreich  abgeschlagen.


1808.  August  Reichensperger,  hervorragender  Parlamentarier,
Mitglied  der  Centrums-Fraktion,  zu  Coblenz  geboren.

1813.  Der  französische  General  Davoust  erscheint  mit  12000  Mann
vor  Dresden.

1814.  Napoleon  I.  schlägt  die  Verbündeten  unter  dem  russischen
General  St.  Priest  bei  Reims.

1815.  Achtserklärung  der  auswärtigen  Mächte  gegen  Napoleon  1.

1821.  Hermann  Gruson,  Erfinder  der  Hartgussgranaten  und
Panzertürme,  zu  Magdeburg  geboren.

1822.  Der  Dichter  Mauritz  Graf  von  Strachwitz  zu  Peterwitz
in  Schlesien  geboren.

1831.  Die  Oesterreicher  besetzen  Parma.
        <pb n="106" />
        —_  96  —

1848.  Revolution  in  Wien.  Militär  und  Volk  kämpfen;  —
fünf  Tote!  —  Fürst  Metternich  verlässt  unter  fremdem  Namen,
im  tiefsten  Geheimniss,  in  stündlicher  Todesangst  entdeckt,
misshandelt,  vom  Volke  gerichtet  zu  werden,  Wien.

An  demselben  Tag  Strassenkampf  in  Berlin,  von
diesem  Zusammenstoss  zwischen  Civil  und  Militär  gieng  hier  die
Revolution  aus.

Bauernaufstände  gegen  die  Gutsherren  und
Israeliten  in  der  Maingegend  (Franken).

1852.  Oskar  Blumenthal,  Schriftsteller  und  Publizist,  zu  Berlin
geboren.

1863.  Der  dänische  Reichsrat  genehmigt  das  Grundgesetz  für
die  gemeinschaftlichen  Angelegenheiten  Dänemarks  und  Schleswigs,
  welches  die  vollständige  Einverleibung  des
letzteren  bezweckte.

1864.  Gefecht  an  der  Ravenskoppel;  die  Gammelmark-Batterien
  werden  eröffnet.

1866.  Beginn  der  österreichischen  Rüstungen.

1871.  Der  Deutsche  Kaiser  und  Prinz  Friedrich  Karl
treffen  in  Nancy  ein.

Die  Pontus-Konferenz  in  London  unterzeichnet  einen
Vertrag,  welcher  die  Klauseln  bezüglich  der  Neutralität  des
schwarzen  Mceres  abschafft.

1372.  Der  von  den  Tschechen  beherrschte  böhmische  Landtag
wird  aufgelöst.
        <pb n="107" />
        —  97  —

14.  März.

840.  Eginhard  (Einhard)  Biograph  Karls  des  Grossen,  stirbt.

1647.  Ulmer  Waffenstillstand  zwischen  Bayern,  Frankreich
und  Schweden.

1758.  Einnahme  des  von  den  Franzosen  besetzten  Minden  durch
die  verbündeten  Preussen,  Engländer  und  Hannoveraner.

1792.  Friedrich  Stapss,  bekannt  durch  seinen  Mordversuch
gegen  Napoleon  I.,  zu  Naumburg  geboren.

1800.  Papst  Pius  VII.  wird  in  dem  zu  Venedig  gehaltenen
Conclave  gewählt.

1803.  Der  Dichter  Friedrich  Gottlieb  Klopstock  stirbt  zu
Hamburg.

In  ihm  verschmelzen  zuerst  die  drei  Hauptelemente  unserer  Gesittung,
  der  deutsche  Geist,  das  christliche  Gefühl,  der  altklassische
Formensinn  zu  einem  schönen  harmonischen  Ganzen.

1804.  Johann  Strauss,  Tanzkomponist,  „Walzerkönig“,  zu  Wien
geboren.

1814.  Die  sogenannte  „lange  Attaque”  von  Bery  au  Bac.
Das  2.  Leib-  und  brandenburgische  Husarenregiment  wirft  3  französische
  Kavallerie-Regimenter  in  glänzendem  Reitergefecht.

1848.  Der  König  von  Preussen  empfängt  die  Abordnung  des
Magistrats  und  der  Stadtverordneten  von  Berlin.

Die  Berliner  Strassen  und  Plätze  werden  mit
Militär  besetzt;  am  Abend  kommen  abermals  zahlreiche  und
schwere  Verwundungen  vor,  auch  Leichen,  „als  Opfer  unentschuldbarer
  soldatischer  Angriffe.“

An  demselben  Tage  Publikation  des  konstitutionellen  Staatsgrundgesetzes
  im  Kirchenstaate  durch  Pius  IX.

1857.  Vertrag  zu  Kopenhagen,  die  Sund-  und  Beltzölle  betreffend.


1864.  Uebergang  der  Preussen  nach  Fehmarn.

1871.  Der  deutsche  Kaiser  besichtigt  in  Nancy  die  Besatzungstruppen.
  Die  badische  Division  tritt  den  Rückmarsch  in  die
Heimat  an.

Der  Ministerpräsident  Graf  Hohenwart  beantwortet  im
österreichischen  Abgeordnetenhause  die  Interpellation  der  Abgeordneten
  Fux  und  Genossen,  „das  Verbot  der  Feier  der
deutschen  Siege“  betreffend.

Der  König  von  Sachsen  macht  bekannt,  dass  er  zur
Anerkennung  der  Verdienste  von  Frauen  und  Jungfrauen  im
Kriege  den  Sidonien-Orden  gestiftet  habe.

1875.  Bankgesetz  für  das  deutsche  Reich.
        <pb n="108" />
        15.  März.

933.  Kaiser  Heinrich  I.  schlägt  bei  Riade  (Rietheburg),  unweit
  Merseburg,  die  Ungarn  so  gründlich,  dass  sie  in  wilder
Flucht  das  deutsche  Gebiet  verlassen.

1000.  Kaiser  Otto  III.  kommt,  durch  Papst  Sylvester  II.  dazu
veranlasst,  auf  einer  Pilgerfahrt  zum  Grab  des  „heiligen“  Adalbert
  nach  Gnesen.

„Barfuss,  in  schlechtem  Pilgergewand,  warf  er  sich  nieder  am
Grabe  des  Heiligen,  beichtete  unter  vielen  Thränen  und  in  grosser  Zerknirschung
  seine  Sünden,  und  flehte  um  die  Fürbitte  des  Heiligen.“

1077.  Kaiser  Heinrich  IV.  wird  auf  dem  Fürstentage  zu  Forchheim
  des  Thrones  entsetzt  und  Herzog  Rudolf  zum  König
gewählt.

1257.  Frankfurter  Kaiserwahl.

Der  Erzbischof  von  Trier,  ein  Abgeordneter  Böhmens,  der  Herzog
von  Sachsen  für  sich  und  den  Markgrafen  von  Brandenburg  wählen  den
König  Alphons  von  Kastilien  als  Gegenkaiser.  —  „So  machte
man  dann  immer  reissendere  Fortschritte,  die  Schmach  und  das  Unglück
des  Vaterlandes  zu  vollenden!“

1272.  König  Enzius,  Sohn  des  Kaisers  Friedrich  II.  stirbt  nach
23jähriger  Gefangenschaft.

1452.  Der  deutsche  König  Friedrich  Ill.  wird  vom  Papst  Eugen  IV.
zum  deutschen  Kaiser  gekrönt.

1529.  Der  Reichstag  von  Speyer  eröffnet,  in  der  Absicht,
„gegen  die  Lutherische  Partei  Ernst  zu  gebrauchen.“

Sowohl  die  Einleitungen  hierzu,  als  die  Verhandlungen  selbst  verriethen
  feindselige  Absichten  der  katholischen  Partei  gegen  die  evangelische.
  Es  kam  auf  der  Reichsversammlung  durch  Stimmenmehrheit  ein
Beschluss  zu  Stande,  wodurch  der  weitern  Ausbreitung  der
evangelischen  Lehre  ein  Ziel  gesetzt  werdensollte,  hierauf
Vereinigung  der  evangelischenStände  zueinerProtestationsschrift
  (daher  Protestanten).

1548.  Kaiser  Karl  V.  erlässt  auf  dem  Reichstag  zu  Augsburg
ein  Reichsgesetz,  „wie  es  der  Religion  und  der  Kirchengüter
  halb  bis  zum  Austrag  der  allgemeinen  Kirchenversammlung
gehalten  werden  solle.“  Dieses  Reichsgesetz  hiess  das  Interim.
        <pb n="109" />
        —  99  —

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1580.  König  Philipp  II.  von  Spanien  ächtet  den  Patrioten
Wilhelm  von  Öranien  als  Hochverräter  und  Ketzer.

1760.  Gefecht  bei  Neustadt  in  Oberschlesien;  die  Preussen
schlagen  die  Oesterreicher.

1761.  Neustadt  in  Sachsen  wird  von  den  Preussen  erobert.

1804.  Der  Herzog  von  Enghien  auf  Befehl  Napoleons  nachts
in  dem  badischen  Städtchen  Eppenheim  verhaftet,  wird

über  Strassburg  nach  Vincennes  gebracht,  wo  er  standrechtlich
erschossen  wird.

1805.  Napoleon  wird  zum  erblichen  König  von  Italien  ausgerufen.

1811.  Die  Reformierten  erhalten  mit  den  Lutheranern  gleiche
bürgerliche  Rechte.

1813.  Zusammenkunft  des  Königs  von  Preussen  und
des  Kaisers  von  Russland  zu  Breslau  behufs  mündlicher
Besiegelung  des  abgeschlossenen.  Bündnisses.

Gefecht  bei  Eschenburg  in  Lauenburg;  Tettenborns
Kosaken,  zum  Teil  zu  Fuss  als  Scharfschützen  kämpfend,
erobern  das  Dorf.

1814.  Ein  französischer  Bevollmächtigter  überreicht  dem  Friedenskongress
  zu  Chätillon  einen  Friedensentwurf,  vermöge
dessen  Frankreich  die  Rheingrenze  behalten,  das
Königreich  Italien  nebst  den  jonischen  Inseln  an  Eugen  Beauharnais
  fallen,  der  König  von  Sachsen  und  der  Grossherzog  von
Berg  in  den  Besitz  ihrer  Länder  hergestellt  werden,  diejenigen
Fürsten  aber,  welche  durch  diesen  Vertrag  ihre  Länder  verlören,
zu  Entschädigungen  berechtigt  sein  sollten.  Dem  gegenüber
geht  der  Kongress  am  19.  März  zur  grossen  Betroffenheit  des
französischen  Botschafters  auseinander.

1830.  Der  Dichter  Paul  Heyse  zu  Berlin  geboren.

1848.  Beginn  blutiger  Kämpfe  zwischen  Militär  und  Bürgerschaft
  in  Berlin,  wobei  es  viele  Verwundete  und  mehrere  Tote
gibt.  —  Auch  am  folgenden  Tage  wiederholten  sich  die  Kämpfe.
—  Deputationen  des  Magistrats  stellen  dem  König  die  drohende

Lage  dar.

1864.  Die  Preussen  überrumpeln  während  des  dänischen  Feldzugs
die  Insel  Fehmarn,  die  sie  besetzen.

Die  Blokade  der  pommer’schen  Häfen  wird
proklamiert.
        <pb n="110" />
        —  10  —

1871.  Der  Deutsche  Kaiser  verlässt  Naney  und  trifft  in  Naarbrücken
  ein,  wo  ihm  von  Deputierten  der  rheinischen
Städte  ein  Goldener  Lorbeerkranz  überreicht  wird.
Abends  feierlicher  Empfang  in  Frankfurt  a.  M.

Friedensfeier  in  Hannover  und  Linz.

1890.  Eröffnung  der  internationalen  Arbeiterschutzkonferenz
  durch  den  Handelsminister  Berlepsch,  im  Kongresssaale
  des  Kanzlerpalais  zu  Berlin.

 

16.  März.

1072.  Erzbischof  Adalbert  von  Bremen,  der  so  lange  ein
„Unheilbringer  für  König  und  Volk“  gewesen  war,  stirbt  zu
Goslar.

1417.  Die  Prager  Universitäterklärtsich  fürdas  Abendmahl
  unter  beiderlei  Gestalt,  „die  Böhmen  sollen  sich
darin  nicht  irre  machen  lassen,  selbst  wenn  ein  Engel  vom
Himmel  sie  anders  belehren  wollte.“

Die  Konstanzer  Kirchenversammlung  suspendierte  hierauf  alle  Privilegien
  der  Prager  Universität,  und  beschloss  einen  „Kreuzzuggegen
die  böhmischen  Ketzer.“  Kaiser  Siegmund  sprach  ausserdem  noch
die  Reichsacht  über  sie  aus  und  stellte  sich  selbst  an  die  Spitze  des  Kreuzzugs
  gegen  sie.

1425.  Die  Walliser  unterwerfen  den  Bischof  von  Sitten.
1517.  Das  lateranische  Concil  zuRom,  durch  Papst  Julius  Il.

berufen,  wird  nach  mehrjähriger  Dauer  geschlossen.
Die  beabsichtigte  Reform  der  Kirche  war  nicht  erreicht  worden.

1594.  Bündniss  der  protestantischen  Fürsten  zu  Heilbronn.


1656.  Marienburg  ergiebt  sich  an  Schweden.

1742.  Die  Preussen  zersprengen  die  mährischen  Milizen  bei
Ungarisch-Brod  und  nehmen  250  Mann  gefangen.

1793.  Treffen  bei  Tirlemont.

m  Die  Franzosen  unter  Dumouriez  schlagen  die  Oesterreicher  in  die
ucht.

1797.  Hitziges  Treffen  bei  Valvassona,  durch  welches  das
schon  entmutigte  Heer  unter  Erzherzog  Karl  von  dem  dreimal
stärkeren  des  Bonaparte  zurückgedrängt  wird.
        <pb n="111" />
        —  101  —

Dessenungeachtet  zog  sich  Erzherzog  Karl  doch  mit  nur  geringem
Verlust  und  in  guter  Ordnung  zurück.  Die  Franzosen  aber  drangen  nunmehr
  unaufhaltsam  nach  Görz,  Triest  und  Idria  vor.
1799.  Die  französische  Armee  unter  Napoleon  langt  vor  St.  Jean
d’Acre  an.

1813.  Der  preussische  Staatskanzler  von  Hardenberg
übergiebt  dem  französischen  Gesandten  St.  Marsan
eine  Note,  worin  er  erklärt,  „dass  Preussen  bei  sich  selbst,
in  der  Liebe  und  dem  Mut  seiner  Völker,  wie  in  Russlands
grossmütiger  Teilnahme  Rat  finden  müsse,  um  seine  verlorene
Unabhängigkeit  zu  erkämpfen  und  künftigen  Wohlstand  zu
sichern.”  Bosagtesich  Preussen  vonaller  Verbindung
mit  Frankreich  ]os.

Von  Breslau  aus  setzen  sich  an  demselben  Tage  die

Truppen  unter  dem  Befehl  des  Generals  der  Kavallerie  von
Blücher  nach  der  Elbe  hin  in  Marsch.

1814.  Die  neugebildete  Südarmee  vereinigt  sich  unter  dem  General
der  Kavallerie  Erbprinzen  von  Hessen-Homburg  bei  Macon.

1815.  Wilhelm  von  Nassau-Oranien  wird  im  Haag  zum
König  der  Niederlande  ausgerufen  (Wilhelm  1.).

1848.  Der  König  von  Preussen  entbietet  die  Mitglieder  des
Staatsrats  zu  einer  Sitzung.

1861.  Die  württembergische  Kammer  erklärt  das  Konkordat  für
ungiltig.

1862.  Der  Dichter  Joseph  Christian  von  Zedlitz  stirbt  an
Erschöpfung  der  Kräfte.

Seine  Gedichte,  in  denen  sich  das  Leben  meist  von  idealer  Seite
offenbart,  charakterisiert  bei  frischer,  lebendiger  Phantasie  und  gefälliger
Form  eine  vielfach  schöne  poetische  Stimmung  und  Gefühlsweise  und
eine  blühende,  obwohl  nicht  immer  charakteristische  Diktion.

1871.  Der  Kaiser  und  König  begiebt  sich  von  Frankfurta.  M.,
auf  der  Durchreise  in  Gotha  festlich  begrüsst,  nach  Weimar,

wo  ihm  ein  feierlicher  Empfang  bereitet  ist.  —  Fürst  Bismarck
  und  Graf  Moltke  werden  Ehrenbürger  von
Berlin.

1875.  Rede  BismarcksimReichstage  bei  Beratung  des  Gesetzentwurfs,
  betreffend  die  Einstellung  der  Leistungen  aus  Staatsmitteln
  für  die  römisch-katholischen  Bistümer  und
Geistlichen.

1888.  Kaiser  Wilhelm’s  Begräbniss.

Hochfluten  richten  in  ganz  Deutschland  enorme  Verheerungen

  an.
General  Boulanger  wird  seines  Kommandos  enthoben.
        <pb n="112" />
        —  102  —

17.  März.

ses

455.  Der  letzte  römische  Kaiser,  Maximus,  endet  unter  den
Steinwürfen  seines  Volks.

1135.  Reichstag  zu  Bamberg,  auf  welchem  der  Schwabenherzog
  Friedrich,  auf  Zureden  des  heiligen  Bernhard  von
Clairveaux,  nach  langem  Sträuben  vor  Kaiser  Lothar  das
Knie  beugt,  und  sodann  das  Herzogtum  Schwaben,  das
salische  Erbe,  sowie  alle  Güter  und  Lehen  bestätigt  erhält.

1229.  Kaiser  Friedrich  II.  hält  als  Sieger  seinen  feierlichen
  Einzug  in  Jerusalem.

Kein  Priester  der  Kirche  liess  wegen  des  päpstlichen  Interdikts
sich  bewegen,  Messe  vor  ihm  zu  lesen.  Er  aber  ging  in  die  Heiligegrabeskirche,
  dankte  dem  Himmel  für  den  glücklichen  Erfolg  der  Kreuzfahrt,
  trat  unbekümmert  um  Prister-Segen  und  Weihung  zum  Altar,
und  setzt  sich,  als  dem  rechtmässigen  König  von  Jerusalem,
  die  goldene  Krone  aufs  Haupt.

1420.  Kaiser  Siegmund  lässt  in  Breslau  auf  Verlangen  des
päpstlichen  Legaten  den  Prager  Kaufmann  Krasa  in
Ketten  durch  die  Strassen  der  Stadt  schleifen,  und
auf  dem  Scheiterhaufen  verbrennen  —  bloss  darum,
weil  Krasa  die  Verurteilung  des  Huss  in  offener  Herberge  eine
„ungerechte“  genannt  hatte.

1438.  Das  Basler  Concilium  fasst  den  Beschluss,  dass  bis  zur
Entscheidung  des  Streits  zwischen  dem  Papste  und  der  Synode,
die  deutschen  Kirchen  nur  unter  der  Gerichtsbarkeit

  und  Leitung  der  deutschen  Bischöfe  stehen
sollen.

Herzog  Albrecht  von  Oesterreich  wird  zu  Frankfurt
auf  die  Vorstellungen  des  Kurfürsten  von  Mainz  :  hin  zum
deutschen  Kaiser  gewählt.

1503.  Luther  erlangt  das  philosophische  Baccalaureat.

1751.  Papst  Benedikt  XIV.  erlässt  eine  Bulle  gegen  die
Freimaurer.

1783.  Kaiser  Joseph  II.  hebtdurchein  Edikt  die  nniederländischen
  Klöster  auf,  schaffte  die  geistlichen  Brüderschaften
  ab,  errichtete  zur  Erleuchtung  der  Priesterschaft  ein
Generalseminar  zu  Löwen,  und  führt  dadurch  vernichtende
Schläge  gegen  die  römische  Hierarchie.

1793.  Die  Franzosen  unter  Custine  werden  von  den  Preussen  bei
Stromberg  geschlagen.
        <pb n="113" />
        —  13  —

1811.  Der  Dichter  und  Schriftsteller  Karl  Gutzkow  zu  Berlin

geboren.
1813.  Friedrich  Wilhelm  III.  unterzeichnet  die  Kriegserklärun  g
an  Frankreich.  —  Ohne  Grenzen  war  der  Enthusiasmus  im

Volke,  das  ganze  deutsche  Volk  erhob  sich  zum  heiligen  Kriege.
An  demselben  Tage  verfügte  der  König  die  Bildung  der
Landwehr,  hält  der  General  York  unter  unbeschreiblichem
Jubel  der  Einwohnerschaft  seinen  Einzug  in  Berlin  und  der
russische  General  Tettenborn  in  Hamburg.

|  Der  König  von  Preussen  erlässt  von  Breslau  aus  die  Aufrufe
  „An  mein  Volk!*  und  „An  mein  Heer!“

1815.  Ney  tritt  mit  seinen  Truppen  bei  Auxerre  zum  Kaiser
Napeleon  I.  über.

1831.  Revidierte  Städteordnung  in  Preussen.

1848.  Der  Bürgermeister  von  Köln  mit  11  Mitgliedern  des
Gemeinderats  erscheinen  vor  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  in
Berlin,  als  Abordnung  der  Rheinlande,  um  die  Forderung
ihrer  Provinz  zu  überbringen:  Umgestaltung  des  preussischen
Staats  im  Sinne  der  Zeit  und  der  Freiheit;  ein  augenblicklicher
hochherziger  Entschluss  des  Königs  könne  die  Rheinlande  seiner
Krone  erhalten.

Der  König  in  grosser  Bewegung,  aber  huldvoll  wie  nie,  erwiederte:
„diese  Wünsche  stimmen  mit  seinem  eigenen  Vorhaben
überein,  er  werde  sich  an  die  Spitze  Deutschlands  stellen
und  im  Innern  die  nötigen  Freiheiten  gewähren.“  Welche
blutige  Abkühlung  folgte  Tags  darauf!

Der  König  von  Hannover  verwilligt,  durch  den  erregten
Volkswillen  und  die  wachsende  Erbitterung  dazu  gezwungen,
Pressfreiheit,  Oeffentlichkeit  der  Ständeverhandlungen,  freies
Versammlungsrecht,  vollständige  Wiedereinsetzung  aller  politisch
Verfolgten  in  ihre  bürgerlichen  und  politischen  Rechte,  die
Vorlage  volkstümlicher  Gesetze  und  Wiedervereinigung  der
königlichen  Landeskasse.

In  Preussen  wird  die  Censur  aufgehoben.
Aufstand  in  Venedig.

1856.  Johann  Hermann  Detmold,  ein  geistreicher  politischer
Schriftsteller  und  Minister  der  „Deutschen  Uentral-Gewalt“

(1849)  stirbt.

1862.  Das  liberale  Ministerium,  der  „neuen  Aera”  wird  in  Preussen
entlassen.

An  seine  Stelle  trat  das  konservative  Ministerium  Hohenlohe.

1863.  Stiftung  der  Erinnerungskriegsdenkmünze.  Grundsteinlegung

  des  Denkmals  für  Friedrich  Wilhelm  Ill.  in  Berlin.
        <pb n="114" />
        —  104  —

1864.  Siegreiches  Seegefecht  der  preussischen  Flotte
unter  dem  Befehl  des  Contreadmiral  Jachmann  gegen  das
weit  überlegene  dänische  Geschwader  bei  Jasmund.

Die  Dänen  werden  durch  General  von  Röder  aus  Wester-Düppel
  und  Rackebühl  geworfen,  welche  in  dauerndem
Besitz  der  Preussen  verbleiben.

1867.  Ludwig  Häusser,  bedeutender  Geschichtsschreiber,  stirbt
zu  Heidelberg  erst  49  Jahre  alt.

Er  war  einer  der  glänzendsten  und  gesuchtesten  Kathederredner
Deutschlands,  und  hat  grosse  Verdienste  um  die  patriotische  Belebung
  der  deutschen  Einheitsideen.

1871.  Festlicher  Empfang  des  Deutschen  Kaisers  in  Halle,
Magdeburg  und  Potsdam,  Ankunft  in  Berlin.

Der  König  von  Bayern  genehmigt,  dass  Landau  aufhöre,
  Festung  zu  sein.

1873.  Generalvikar  Rapp  in  Strassburg  wird  als  Leiter  eines  die
Regierung  bekämpfenden  Zentralkomitees  aus  Elsass-Lothringen
  ausgewiesen.

1885.  Entsetzliches  Grubenunglück  im  Schachte  Camphausen
  bei  Dudweiler  (Rheinland).
179  Bergleute  tot,  —  141  Witwen  und  416  Kinder  hinterlassend.
        <pb n="115" />
        —  105  —

18.  März.

SL

1112.  Papst  Paschalis  II.  erklärt  auf  einer  Kirchenversammlung
  im  Lateran  in  Rom,  den  mit  Kaiser  Heinrich  V.  abgeschlossenen
  Vertrag,  weil  er  erzwungen  sei,  für  null  und  nichtig,
und  erneuert  das  Verbot  der  Laieninvestitur.

1212.  Friedrich  II,  kaum  18  Jahre  alt,  begiebt  sich  in  Palermo
zu  Schiff,  um,  dem  Rufe  des  deutschen  Volkes  folgend,  dem
Gegenkaiser  Otto  IV.  die  Krone  zu  entreissen.

1227.  Papst  Honorius  IIE,  dessen  ganzer  Sinn  auf  die  Befreiung
  des  heiligen  Landes  gerichtet  war,  stirbt;  ihm  folgte
Gregor  IX.

1508.  Albrecht  IV.,  der  Weise,  Pfalzgraf  bei  Rhein,  Herzog  von
Bayern,  stirbt.

1792.  Der  österreichische  Staatskanzler  Fürst  von  Kaunitz  beantwortet
  die  französische  Note  vom  1.  März  dahin,  dass  die
militärischen  Vorbereitungen  seiner  Regierung  zu  unbedeutend
seien,  um  für  Kriegsrüstungen  zu  gelten,  da  aber,  wo  sie  es
wären,  durch  Frankreich  selbst  hervorgerufen;  das  Bundesverhältniss
  zu  andern  Mächten  könne  dagegen  nicht  eher  aufgehoben
  werden,  als  bis  Frankreich  wieder  eine  geordnete
monarchische  Regierung  herstellen  werde.

Der  französische  Gesandte  in  Wien  erhielt  hierauf  sogleich  Befehl,
von  der  österreichischen  Regierung  eine  entscheidende  Erklärung  zu
fordern,  ob  sie  auf  den  Grundsätzen  ihrer  Note  vom  18.  März  beharre?
—  In  ihrer  Antwort  ging  nunmehr  die  österreichische  sogar  noch  weiter
und  forderte  als  Bedingung  des  Friedens  die  Rückkehr  zur  alten
französischen  Monarchie,  Wiederherstellung  des  Adels  und  der
Geistlichkeit,  Zurückgabe  der  geistlichen  Güter  und  aller  lehensherrlichen
Rechte,  welche  deutsche  Fürsten  im  Elsass  und  Lothringen  besitzen,
sowieendlichdie  WiederabtretungAvignonsandenPapst.
—  Eine  solche  masslose  Forderung  war  so  gut  wie  eine  Kriegserklärung,
  die  dann  auch  am  21.  April  erfolgte.

1793.  Die  Oesterreicher  und  Preussen  unter  Erzherzog  Karl
und  dem  Prinzen  Josias  von  Koburg  schlagen  die  Franzosen
unter  General  Dumouriez  bei  Neerwinden  gänzlich.  Die
Franzosen  mussten  hierauf  Belgien  räumen.

1799.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  schlägt  die  Franzosen
unter  Jourdan  bei  Biberach.
        <pb n="116" />
        —  106  —

1802.  Allerhöchstes  Reskript  wegen  Beförderung  einer  zeitgemässen
Denk-  und  Lehrfreiheit  in  Bayern.

1810.  Aufhebung  des  Zahlenlottos  in  Preussen.

1813.  Friedrich  Hebbel,  Dichter,  zu  Wesselburen  (Dithmarschen)
  geboren.

Tettenborn  rückt  in  Hamburg  ein.  —  Die  Preussen
vor  Stettin.

Vereinigung  Yorks  mit  den  Russen  unter  Wittgenstein.


1814.  Die  Verbündeten  erklären,  die  übermütigen  Forderungen
  Napoleons  I.  abweisend,  dass  die  Fortsetzung
der  Verhandlungen  für  sie  compromittirend  sei,  und  dass  sie
nunmehr  den  Krieg  fortsetzen  würden,  nicht  gegen  Frankreich,
sondern  nur  gegen  die  Ansprüche  Napoleons.

Derselbe  verlangte  damals  u.  A.  nichts  weniger  noch,  als  die
Alpen  und  den  Rhein  zur  Grenze  Frankreichs.

Die  preussisch-russische  Armee  unter  Blücher  erzwingt
  den  Uebergang  über  die  Aisne  und  treibt  den  Feind
bis  Fismes  zurück.

1815.  Vereitelter  Versuch,  den  jungen  Napoleon  aus  Wien
zu  entführen.

1820.  Grossherzog  Ludwig  I.  von  Hessen  giebt  seinem
Lande  eine  ständische  Verfassung  mit  zwei  Kammern;
auf  deren  Vorstellung  er  sie  am  18.  August  d.  J.  dahin  ergänzte,
  dass  er  die  Verantwortlichkeit  der  Minister  zugestand,
und  festsetzte,  dass  alle  constitutionellen  Gesetze  nur  mit  Einwilligung
  beider  Kammern  und  durch  Billigung  von  zwei  Drittel

der  anwesenden  Mitglieder  gegeben  und  abgeändert  werden
könnten.

1848.  Barrikadenkämpfe  in  Berlin.

Um  3  Uhr  griffen  die  Truppen  an  und  räumten  durch  Kartätschenschüsse
  bis  gegen  7  Uhr  Abends  den  grössten  Teil  der  Königsstrasse.
Während  der  ganzen  Nacht  dauerte  der  Kampf  fort,  und  am  folgenden
Tag  zählte  man  216  Leichen  der  Barrikadenkämpfer.

.  Als  am  Morgen  des  19.  um  9  Uhr  der  Minister  von  Bodelschwing
über  die  Erschöpfung  der  Truppen,  die  neuen  Zuzüge  der  Bürger  zu  den
Barrikaden  unter  dem  fortwährenden  Läuten  der  Sturmglocken,  dem
König  Friedrich  Wilhelm  IV.  Bericht  erstattete  und  schreckenbleich  das
Wort  sprach:  „Das  Volk  ist  im  Siege,  wir  sind  geschlagen!“
da  lachten  die  Herren  in  der  Umgebung  des  Königs  nicht  mehr,  welche
am  Abend  vorher  gelacht  hatten:  als  der  Freiherr  v.  Vinke,  von  Westfalen
  herbeigeeilt,  von  der  Gährung  in  Westfalen  und  dem  Rheine
sprach  und  mit  den  Worten  endete;  „Der  König  muss  Frieden
schliessen  mit  dem  Volk!“  —  „Sie  lachen,  meineHerren“,

hatte  Vinke  gerufen;  „aber  nach  Berlin  gekommen,  sah  ich
einen  Thron  wanken!“
        <pb n="117" />
        —  107  —

Beginn  der  Strassenkämpfe  in  Mailand,  welche  bis
zum  22.  März  andauern.

Der  82  jährige  Feldmarschall  Graf  Joseph  Radetzky,  der  ruhıngekrönte
  Veteran  aus  den  Befreiungskriegen,  war  nach  zweitägigem  Strassenkampf
  genötigt,  seine  Truppen  aus  der  Stadt  zu  führen.

Joseph  Mazzini  erklärt  Rom  nach  der  Flucht  des  Papstes
für  eine  Republik,  welche  sich  an  Sardinien  anschliessen  müsse.

1849.  Theodor  Reichmann,  ausgezeichneter  Baritonist,  zu
Rostock  geboren.

1849.  Kongress  der  demokratischen  Vercine  in  Winzingen.

1862.  König  Wilhelm  von  Preussen,  der  das  Ministerium
der  „neuen  Aera“  (von  Auerswald,  von  Patow,  Graf  von  Schwerin,
von  Bermuth  und  Graf  Pückler)  entlassen,  ersetzt  die  Entlassenen
durch  Graf  Itzenblitz,  von  Mühler,  Graf  Lippe  und  von  Jagow,
während  der  bisherige  Handelsminister  von  der  Heydt  die
Leitung  des  Ministeriums  übernimmt.

1867.  Erklärung  des  Grafen  Bismarck  im  keichstage  über  die
Lauenburger  Frage.

1871.  Aufstand  der  Kommune  in  Paris.  Gencral  Vinoy  zieht
sich  mit  dem  Rest  der  Truppen  an  das  linke  Seineufer  zurück.

1876.  Ferd.  Freiligrath,  Volksmann  und  Dichter,  stirbt  ın
Cannstatt  bei  Stuttgart.

1884.  Freiherr  von  Bernus,  Senator  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.,
stirbt  auf  Stift  Neuburg  im  Alter  von  78  Jalıren.

1888.  In  Paris  beginnen  die  Boulanger-Demonstrationen.
1890.  Fürst  Bismarck  reicht  seine  Entlassung  ein.
        <pb n="118" />
        —  198  —

19.  März.

————

1448.  Konkordat  zu  Aschaffenburg  (Wiener  Konkordat),
abgeschlossen  zwischen  Kaiser  Friedrich  Ill.  aus  dem  Hause
Habsburg  und  dem  Papst  Nikolaus  V.

Durch  dies  Konkordat  gingen  Deutschland  alle  Rechte  und  Vorteile,
  welche  der  deutschen  Kirche  durch  die  Baseler  Beschlüsse  zugesichert
  waren,  verloren.

1452.  Kaiser  Friedrich  III.  wird  inRom  durch  Papst  Nikolaus  V.
gekrönt.

1758.  Emden  wird  von  den  Franzosen  geräumt.
1807.  Die  Franzosen  belagern  Kolberg.

1813.  Die  Elbbrücke  bei  Dresden  wird  durch  die  Franzosen  gesprengt
(8  Uhr  morgens).

Vertrag  zu  Breslau  zwischen  dem  russischen  Bevollmächtigten
  v.  Nesselrode,  Baron  Stein,  Hardenberg  und
Scharnhorst.

1814.  Die  schlesische  Armee  besetzt  Reims.

1848.  Die  Leichen  der  am  Tag  vorher  und  während  der  Nacht
in  Berlin  gefallenen  Barrikadenkämpfer  werden  auf  Bahren
oder  offenen  Wägen  in  den  Schlosshof  gebracht,  und  der  König
gezwungen,  in  Begleitung  der  Königin  ihnen  mit  entblösstem
Haupte  seine  Achtung  zu  bezeugen.

Die  sieben  ersten  Leichen  wurden  unmittelbar  unter  dem  Balkon
des  Königs  aufgestellt.  Aus  der  Volksmenge  erschallte  der  Ruf:  „Der
König  soll  kommen!“  Nach  einigen  Augenblicken  furchtbarer  Stille
wiederholt  sich  aus  tausend  Kehlen  der  Ruf:  „König  heraus!“  Endlich
zeigt  sich  der  König,  die  in  tiefste  Trauer  gehüllte  Königin  am  Arme.
Die  blutigen  Leichen  mit  offenen  Wunden  werden  ihm  hoch  hinauf  entgegengehoben.
  Auf  den  Ruf:  „Den  Hut  ab!“  entblösst  der  König  das
Haupt  vor  den  Toten  und  in  diesem  Augenblick  beginnt  von  Tausenden
gesungen  der  von  der  Gemahlin  des  grossen  Kurfürsten  gedichtete
Choral:  „Jesus  meine  Zuversicht“.  Unbedeckten  Hauptes  hört  der  König
den  von  Tausenden  gesungenen  feierlichen  Gesang  bis  zu  Ende  an.
Dann  erst  führt  er  die  Konigin  in  das  Gemach  zurück.

Noch  am  19.  März  gewährte  der  König  die  geforderte
Volksbewaffnung.  „Ich  stelle“,  sprach  er,  „die  Ruhe,  die

Ordnung  und  mich  selbst  fortan  unter  den  Schutz  meines
Volkes.“

An  demselben  Tag  Beginn  der  ersten  Badischen
Revolution.
        <pb n="119" />
        —  109  —

Die  Bürgerschaft  Münchens  greift  zu  den  Waffen,
nicht  gegen  den  König  Ludwig  I,  sondern  für  den
König  Ludwig,  weil  verlautete,  die  verbündete  aristokratischjesuitische
  Partei  wolle  durch  eine  Palastrevolution  den  König
zur  Abdankung  zwingen.

1853.  Paul  von  Schönthan,  Lustspieldichter,  zu  Wien  geboren.

1864.  Die  dänischen  Vorposten  werden  nach  Fredericia
zurückgeworfen.

1867.  Bismarck  lässt  die  Allianzverträge  mit  den  süddeutschen
Staaten  veröffentlichen.

1869.  Gesetz  über  Einführung  der  Geschwornengerichte  für  Pressvergehen
  in  Oesterreich.

1871.  Napoleon  III.  verlässt  Wilhelmshöhe  und  begiebt  sich  nach
Chislehsurst  in  England.

1884.  Professor  Dr.  August  Stöber,  namhafter  Dichter,  Altmeister
  der  elsässischen  Literatur,  stirbt  75  Jahre  alt  zu  Mühlhausen.


 

20.  März.

 

1239.  (Nach  andern  am  19.  März)  Hermann  von  NMalza,
Hochmeister  des  deutschen  Ritterordens,  stirbt  zu  Barletta  in
Apulien.

1415.  Papst  Johann  XXIII.  verlässt  heimlich,  und  als  Stallknecht
  verkleidet,  Konstanz,  wo  dazumal  das  Konzil  tagte,
dem  er  am  1.  März  eine  Abdankungsurkunde  beschworen  hatte,
und  flieht  mit  Hilfe  des  Herzogs  Friedrich  von  Oesterreich-Tirol
  zu  Ross  nach  Ermatingen,  und  von  dort  zu  Schiff  nach
Schaffhausen,  von  wo  aus  er  das  ihm  verhasste  Konzil  durch
einen  Machtspruch  auflösen  wollte.

1438.  Albrecht  IL,  aus  dem  österreichischen  Hause,  wird  zum
deutschen  Reichsoberhaupt  gewählt.

1445.  Räumungstermin  für  die  gräulichen  Horden  der
französischen  Krone  (Karl  VII),  welche  das  westliche
Deutschland  verwüstet  hatten,  —  und  welche,  da  sich  der
Reichstag  zu  Nürnberg,  der  Kaiser  und  die  Fürsten  schwach
zeigten,  von  den  „Bürgern  und  Bauern  wie  die  Hunde
erschlagen“  wurden,  auf  „Streifzügen  und  durch

Ueberfälle  Einzelner.”
1568.  Albrecht  I.,  letzter  Hochmeister  des  deutschen  Ordens  und

erster  Herzog  in  Preussen,  stirbt.
        <pb n="120" />
        —  10  —

1611.  Matthias  besetzt  Prag  und  nötigt  seinen  kaiserlichen
Bruder  gegen  ein  Gehalt  von  400,000  fl.  die  böhmische  Krone

niederzulegen.
1619.  Matthias,  deutscher  Kaiser  (1612—19)  stirbt.

1676.  Kaiser  Ferdinand  III.  lässt  auf  Antrieb  des  holländischen
Gesandten  in  Wien  alle  in  Ungarn  gefangenen  protestantischen
  Pfarrer  und  Lehrer  frei.

1689.  Die  Preussen  besetzen  Geldern.
1758.  Die  Preussen  besiegen  die  Oesterreicher  bei  Habelschwerdt.

1770.  Der  Dichter  Johann  Christian  Friedrich  Hölderlin  zu
Lauffen  am  Neckar  geboren.

1799.  Die  Franzosen  unter  Moreau  schlagen  die  Oesterreicher
  bei  Pastrengo.
An  demselben  Tage  schlagen  die  Desterreicher  unter

Bellegarde  die  Franzosen  unter  Lecourbe  bei  Finstermünz.


1811.  Napoleon  II.,  Herzog  von  Reichstadt,  Sohn  Napoleons  I,
und  der  Maria  Louise  von  Oesterreich,  im  Tuilerienschloss  zu
Paris  geboren.

1813.  General  Reynier  räumt  Dresden-Neustadt.

1814.  Schlacht  bei  Arcis  sur  Aube;  die  Verbündeten  schlagen
Napoleon  I.  —  Der  Verlust  der  Franzosen  betrug  mehr  als
4000  Mann.

An  demselben  Tage  erleiden  die  Franzosen  bei  Croix
eine  Niederlage.

1815.  Napoleon  von  Elba  zurückkehrend,  zieht  in  Paris  ein.

1821.  Gustav  Heinrich  Ganz,  Edler  Herr  von  und  zu
Putlitz,  Dichter,  auf  Retzien  (Westpriegnitz)  geboren.

1828.  Prin:  Friedrich  Karl  von  Preussen,  Feldmarschall
und  bedeutender  Feldherr,  zu  Berlin  geboren.

1835.  Max  Joseph  Oertel,  berühmter  Arzt  zu  Dillingen,  geboren.

1848.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  gewährt  für  alle  politischen
Verbrecher  eine  Amnestie.

Besonders  erhalten  die  1847  wegen  einer  Verschwörung  verurteilten

und  im  Zellengefängnis  zu  Moabit  bei  Berlin  inhaftierten  Polen  die
Freiheit.

Bildung  eines  polnischen  Nationalkomitees  in  Posen.

König  Ludwig  I.  von  Bayern  dankt  zu  Gunsten  seines
Sohnes  Max  ab.

1849.  Der  Krieg  zwischen  Oesterreich  und  Sardinien
beginnt  von  Neuen.
        <pb n="121" />
        —  11  —

1850.  Das  erste  Parlament  der  Union,  „der  Erfurter  Reichstag“,
bestehend  aus  Abgeordneten  der  Regierungen  und  des  Volkes

wird  unter  dem  Vorsitz  des  preussischen  Generals  von  Radowitz
eröffnet.

1871.  Stiftung  der  Kriegsdenkmünze  für  1870—71.

1871.  Ex-Kaiser  Napoleon  III.  trifft  aus  der  Gefangenschaft  auf
Wilhbelmshöhe  bei  Cassel  zu  Chislehurst  in  England  ein,
wo  er  fortan  lebte  und  nicht  ganz  zwei  Jahre  später  daselbst
auch  starb  (am  9.  Januar  1873).

1888.  Grosse  Schneefälle  und  Hochwasser  im  Osten  Deutschlands
  und  in  Ungarn  verursachen  grossen  Schaden  und
Verheerungen.

1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  erteilt  dem  Fürsten  Bismarck  die
gewünschte  Entlassung  .als  Reichskanzler.

Als  Zeichen  des  unauslöschlichen  Dankes  verleiht  der  Kaiser  dem:
Kanzler  die  Würde  eines  Herzogs  von  Lauenburg  und  lässt  ihm
sein  lebensgrosses  Bild  zugehen.  Eine  zweite  Kabinettsordre  spendet
den  Dank  des  obersten  Kriegsherin  für  die  unauslöschlichen  Verdienste
um  die  Armee  zu  Zeiten  seines  Grossvaters  bis  auf  diesen  Tag.  Der
Kaiser  weiss  sich  eins  mit  der  Armee,  wenn  er  Bismarckin  derhöchsten
militärischen  Rangstellung  durch  die  Ernennung  zum  General
Obersten  der  Kavallerie  mit  dem  Rang  eines  Feldmarschalls  der  Armee
erhält.

Der  seitherige  kommandierende  General  des  10.  Armeekorps,
  General  der  Infanterie  von  Caprivi  wird  Reichskanzler.
        <pb n="122" />
        —  112  —

91.  März.

a  ]

1084.  Kaiser  Heinrich  IV.  hält  in  Rom,  das  er  vorher  belagert
hatte,  mit  seiner  Gemahlin  Bertha  und  dem  von  ihm  ernannten
Papst  Wibert  feierlichen  Einzug.

1521.  Moritz,  Herzog,  dann  Kurfürst  von  Sachsen,  zu  Freiberg
geboren.

1530.  Die  Torgauer  Artikel  von  Luther,  Jonas,  Bugenhagen
  und  Melanchthon  überreicht.

1635.  Uebergabe  von  Speyer  an  den  Herzog  Bernhard  von
Weimar.

1685.  Johann  Sebastian  Bach,  der  grösste  Orgelspieler  und  Kontrapunktist
  der  Welt,  zu  Eisenach  geboren.

1689.  Die  Brandenburger  besiegen  den  französischen  General
Sourdis  bei  Neuss,  und  säuberten  hierauf  bis  Mainz  das  Land
von  den  Feinden.

An  demselben  Tag  liefert  der  General  von  Schöning  bei
Land  in  Belgien  den  Franzosen  eine  Niederlage.

1739.  Das  französische  Heer  unter  dem  General  Jourdan  wird
von  den  Desterrcichern,  die  der  wackere  Erzherzog  Karl
führte,  bei  Ostrach  geschlagen.

1763.  Jean  Paul  Friedrich  Richter,  der  grosse  Humorist
und  Dichter,  zu  Wunsiedel  geboren.

1797.  Einverleibung  Speyers  in  die  französische  Republik.
1804.  Publikation  des  „Üode  Napoleon“.

1814.  Napoleon  zieht  sich  vor  Arcis  sur  Aube  zurück.  Das

franz.  Kaiserreich  stürzt;  —  Deutschlands  Macht  wird
wieder  hergestellt.

Lyon  wird  von  den  Oesterreichern  erobert.

Die  Franzosen  erleiden  bei  Oulchy  le  Chätel  eine
empfindliche  Niederlage.

1521.  Die  Oesterreicher  rücken,  in  Bekämpfung  der  neapolitanischen
Revolution,  in  Kapua  ein.
        <pb n="123" />
        —  13  —

1848.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  erlässt  eine  Proklamation  „An
die  deutsche  Nation.“

In  derselben  erklärt  der  König,  dass  er  sich  „zur  Rettun
Deutschlands  an  die  Spitze  des  Gesamtvaterlands“  stellen

werde.

An  demselben  Tage  richtet  der  König  eine  weitere  Proklamation
  „An  mein  Volk  und  an  die  deutsche  Nation“,
und  verkündete:  „Preussen  geht  fortan  in  Deutschland
  auf.“

Maximilian  II.  besteigt,  nach  König  Ludwigs  I.  Abdankung,
Bayerns  Thron.  |

1549.  Die  deutsche  Nationalversammlung  in  Frankfurt
a.M.  verwirft  mit  283  gegen  252  Stimmen  den  Welcker’schen
Antrag,  der  die  erbliche  Kaiserwürde  dem  König  von
Preussen  übertragen  wollte.  —  Das  Reichsministerium  Gagern
nahm  seine  Entlassung.

An  demselben  Tage  Gefecht  bei  Mortara.

Die  Oesterreicher  unter  Erzherzog  Albrecht  besiegen  die  Piemontesen.


1869.  Einweihung  der  protestantischen  Kapelle  in  Madrid.

1871.  Der  erste  allgemeine  deutsche  Reichstag  tritt  in
Berlin  zusammen,  und  wird  von  Kaiser  Wilhelm  I.  persönlich
  eröffnet.

Der  neue  Kaiser  musste  sich  dabei  des  Thronsessels  bedienen,  den
vor  800  Jahren  der  gewaltige  Kaiser  Heinrich  III.  in  seinem  Dom  zu
Goslar  gestiftet  hatte.  „Möge  die  Wiederherstellung  des  deutschen
Reiches  für  die  deutsche  Nation  auch  nach  Innen  das  Wahrzeichen
neuer  Grösse  sein!“  sprach  der  kaiserliche  Heldengreis  bei  dieser  Gelegenheit
  zu  den  Vertretern  seines  Volks  und  schloss:  „Möge  dem
deutschen  Reichskriege  ein  nicht  minder  glorreicher
Reichsfriede  folgen,  und  möge  die  Aufgabe  des  deutschen  Volkes
fortan  darin  beschlossen  sein,  sich  in  dem  Wettkampfe  um  die
Güter  desFriedens  alsSieger  zuerweisen!  Das  walte  Gott!“

Der  Reichskanzler  Graf  von  Bismarck  wird  in  den
Fürstenstand  erhoben.

1876.  Die  Nationalgallerie  in  Berlin  wird  eröffnet.

1885.  Zweihundertjährige  Geburtstagsfeier  des  bekannten  Componisten
  J.  8.  Bach.
        <pb n="124" />
        —  114  —

22,  März.

&amp;gt;

1106.  Schlacht  bei  Wiset,  zwischen  Lüttich  und  Mastricht,  in
welcher  Walram  von  Niederlothringen,  die  Bürger  von  Lüttich
und  andern  Städten  das  Heer  des  gegen  seinen  Vater  (Heinrich
IV.)  empörten  Königs  Heinrich  V.  schlagen,  worauf  Kaiser
Heinrich  IV.  sich  wieder  in  die  Mitte  des  versammelten  Heeres
begiebt.

1131.  Papst  Innocenz  II.  trifft  hülfesuchend  beim  Kaiser
Lothar  ein.

Innocenz  II.  war  aus  Rom  vertrieben  und  flüchtig  geworden;  ein
Gegenpapst  hatte  dasselbe  in  Besitz.  Er  bot  dem  Lothar  daher  die
Kaiserkrönung  an,  wenn  er  ihn  nach  Rom  führen  werde.

1459.  Kaiser  Maximilian  I.  zu  Wiener-Neustadt  geboren.

1663.  A.  H.  Franke,  verdienstvoller  Stifter  des  Waisenhauses
zu  Halle  a.  d.  Saale,  zu  Lübeck  geboren.

1745.  Gefecht  bei  Landshut  -zwischen  Oesterreichern  und
Preussen.

Gleichzeitig  bei  Neustadt,  in  welchem  die  Preussen  ein
Corps  Ungarn  schlagen.

1746.  Die  Kaiserinnen  Maria  Theresia  von  Oesterreich  und
Elisabeth  von  Russland  unterzeichnen  ein  namentlich  gegen
Friedrich  ll.  von  Preussen  gerichtetes  Bündnis.

1771.  Heinrich  Zschokke,  beliebter  Schriftsteller,  zu  Magdeburg
  geboren.

1789.  Ernst  Konrad  Friedrich  Schulze,  Dichter,  zu  Celle
geboren.

1793.  Das  Deutsche  Reich  erklärt  Frankreich  den  Krieg.

An  demselben  Tage:  Schlacht  bei  Löwen,  in  welcher
das  gesamte  französische  Heer  unter  General  Dumouriez
durch  die  Oesterreicher  eine  entscheidende  Niederlage  erlitt.
Der  Verlust  und  die  Bestürzung  war  so  gross,  dass  sich  seine
Armee  grösstenteils  auflöste  und  auf  der  Flucht  zerstreute.

1797.  Wilhelm  I.,  Deutscher  Kaiser  und  König  von  Preussen,
zu  Berlin  geboren.

An  demselben  Tage  erleiden  die  Oesterreicher  unter
Erzherzog  Karl  durch  die  Franzosen  unter  Massena  bei
Tarvis  eine  Niederlage.
        <pb n="125" />
        —  15  —

1739.  Treffen  bei  Feldkirch  (Vorarlberg)  und  Osterach,  in
welchen  beiden  die  Desterreicher  die  Franzosen  besiegen.

1813.  Blücher  nimmt  den  Cottbuser  Kreis  in  Besitz.

1814.  Die  Franzosen,  durch  General  von  Zieten  bedrängt,  räumen
die  Stadt  Chateau  Thierry  und  sprengen  die  daselbst  befindliche
  Brücke.

General  von  Bülow  erstürmt  die  Vorstädte  von
SOI1SSOonS.

Erfolgreiche  Verteidigung  von  Vitrygegen  die  von  Napoleon
selbst  geleiteten  Angriffe  der  Franzosen  durch  den  preussischen
Obersten  von  Schwichow.

1832.  Johann  Wolfgang  Göthe,  der  deutsche  Dichterfürst,
stirbt  zu  Weimar,  beinahe  83  Jahre  alt,  von  Kaisern  und
Königen  hoch  geehrt.

In  der  Fürstengruft  zu  Weimar  ruht  seine  irdische  Hülle  neben
denen  Schillers  und  des  Grossherzogs  Karl  August.

1845.  Das  Leipziger  Concil,  von  20  deutsch-katholischen  Gemeinden
  beschickt,  wird  eröffnet.

1848.  „Grosse  Totenfeier“  in  Berlin;  es  findet  die  feierliche
Beerdigung  der  Gefallenen  aus  dem  Volke  statt.

Gegen  20,000  Menschen,  die  rechts  und  links  aufgestellten  Volksmassen
  nicht  eingerechnet,  folgten  als  'Trauergeleite  der  langen  Reihe
von  Särgen,  in  Gruppen  verteilt  zwischen  den  einzelnen  Särgen.  Fast
drei  Stunden  lang  dauerte  der  Zug.  —  Als  derselbe  beim  Schloss  vorbei
kam,  trat  der  König  selbst  auf  den  Balkon,  umgeben  von  den  Ministern
und  Generalen.  Hier  weilte  er  mit  entblösstem  Haupte,  bis  der  letzte
Sarg  ihm  vorübergekommen  war.  „Es  war“,  schreibt  der  edle  Friedrich
Palzow  als  Augenzeuge,  „die  erschütterndste  Revue,  welche  je  ein  König

abgehalten.“
Eröffnung  der  bayerischen  Ständeversammlung.

1866.  Einweihung  der  ersten  deutschen  evangelischen
Kirche  zu  Alexandrien  in  Egypten.

1867.  Geheimes  Abkommen  zwischen  Napoleon  III.  und  dem
König  von  Holland  wegen  Abtretung  des  Grossherzogtums

  Luxemburg.

Enthüllung  des  Reiterstandbildes  Friedrich
Wilhelms  IV.  in  Köln.

1871.  Den  Kronprinzen  von  Preussen  und  Sachsen,  dem  Prinzen
Friedrich  Karl  und  den  Generälen  Graf  Molkte,  v.  Manteuftel,
v.  Goeben  und  v.  Werder  wird  das  Grosskreuz  des

eisernen  Kreuzes  verliehen.
        <pb n="126" />
        —  116  —

Königlich  preussische  Urkunde  über  die  Stif  tung  des
Verdienstkreuzes  für  Frauen  und  Jungfrauen.

1871.  In  Paris  finden  neue  blutige  Zusammenstösse  statt.

 

 

23.  März.

1193.  Herzog  Leopold  VI.  von  Oesterreich  liefert  den  von  ihm
gefangen  gehaltenen  König  Richard  Löwenherz  von
England,  gegen  die  Zusicherung  von  50,000  Mark  Silbers  an
den  Kaiser  Heinrich  VI.  aus,  welcher  denselben  zuerst  auf  der
Felsenburg  Trifels  bei  Annweiler,  nachher  in  Worms  und
Speier,  in  strenger,  aber  eines  Königs  würdiger  Haft  hält,  bis
er  ihn  gegen  ein  Lösegeld  von  150,000  Mark  Silbers  frei  giebt.

1324.  Papst  Johann  XXIII.  spricht  gegen  den  Kaiser  Ludwig
den  Bayer  den  Bannfluch  aus,  weil  dieser,  durch  die
Stimmung  des  deutschen  Städtebürgertums  und  der  Fürsten  veranlasst,
  einen  „ernsten  Protest  gegenalledie  päpstliche
Anmassungen“  erlassen  hatte  (am  18.  Dezember  1323).

1657.  Kaiser  Ferdinand  III.  stirbt.

Seinem  Tode  folgt  ein  einjähriges  „Zwischenreich“,  da  Frankreich
  und  Schweden  die  Wahl  von  Ferdinands  unmündigem  Suhne  Leopold
  zu  hintertreiben  suchten.

1799.  Schlacht  beı  Stockach  zwischen  Donau  und  dem  Bodensee,

  in  welcher  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  die  Franzosen

so  grürdlich  schlägt,  dass  sich  diese  über  den  Rhein  zurückziehen
  müssen.

1806.  Joachim  Murat,  Schwager  Napoleons,  wird  zum  Grossherzog

  des  neu  geschaffenen  Grossherzogtums  Berg
erhoben.

1813.  Prinzess  Wilhelm  von  Preussen  erlässt  einen  Aufruf  an
die  preussischen  Frauen  für  den  Krieg  mitzuwirken.

1814.  Der  Herzog  von  Weimar  bombardirt  erfolglos  die
Festung  Maubeuge.

Kriegsrat  der  Verbündeten  zu  Pougy.  —  Vormarsch  der
Hauptarmee  auf  Paris.
        <pb n="127" />
        —  117  —

1819.  Der  Jenaer  Student  Karl  Sand  aus  Wunsiedel  ermordet
den  russischen  Staatsrat  v.  Kotzebue  zu  Mannheim.

Diese  Mordthat  des  „unglückselig  verirrten  Jünglings“  wurde  von

der  Partei  der  Freiheits-  und  Vaterlandsfeinde  in  reactionärem  Sinne
ausgebeutet.

1821.  Die  Oesterreicher  besetzen  Neapel.  —  Die  Revolution
ist  unterdrückt.

1848.  Provisorische  Regierung  in  Rendsburg.  Berufung
der  schleswig-holstein’schen  Ständeversammlung.

1849.  Schlacht  bei  Novara.  Die  Oesterreicher  unter  Radetzky
bereiten  den  Sardiniern  nach  8stündigem  Kampfe  eine  vollständige
  Niederlage.

Die  nächste  Folge  war,  dass  König  Karl  Albert  von  Sardinien  zu
Gunsten  seines  Sohnes  Viktor  Emanuel  abdankte.

1867.  Publikation  des  Bündnissvertrages  zwischen  Preussen
und  Württemberg  vom  13.  August  1866.

1872.  Leberecht  Uhlich,  Begründer  der  freien  Gemeinden,
stirbt.

1878.  Ernst  Keil,  Verlagsbuchhändler,  Herausgeber  der  Gartenlaube,
  stirbt.

1885.  Der  Reichstag  bewilligt  die  Dampfersubvention.

1888.  Kronprinz  Wilhelm  wird  zum  teilweisen  Stellvertreter
Kaiser  Friedrichs  berufen,

 

24.  März.

1097.  Der  junge  Herzog  Friedrich  von  Staufen  wird  durch
Kaiser  Heinrich  IV.  für  treugeleistete  Dienste  mit  dem  Herzogtum
  Schwaben  belohnt  und  ihm  an  demselben  Tage  zugleich  .
auch  die  kaiserliche  Tochter  Agnes  verlobt.

1104.  Die  Kreuzfahrer  stürmen  Akka.

1160.  Papst  Alexander  III.  spricht  in  der  Kathedrale  zu  Anagni
den  Bannfluch  über  Friedrich  Il.  aus.

1193.  Richard  Löwenherz  wird  von  Kaiser  Heinrich  VI.  auf
Trifels  in  der  Pfalz  gefangen  gesetz.
        <pb n="128" />
        —  118  —

1225.  Bischof  Heinrich  von  Worms  belehnt  den  Pfalzgrafen
Ludwig  I.  mit  der  Burg  und  Stadt  Heidelberg  und  der  Grafschaft
  Stahlbühl.

1311.  Friede  zwischen  Niederbayern  und  Oesterreich.

1441.  Ernst,  Kurfürst  von  Sachsen,  Stifter  der  ernestinischen  Linie,
geboren.

1803.  Der  sogenannte  Reichsdeputations-Hauptschluss  vom
25.  Februar  1803  wird  zum  Reichsgesetz  erhoben.

1814.  Der  Prinz  Coburg  nimmt  in  einem  lebhaften  Gefechte  St.
Etienne.

Ein  Ausfall  der  Besatzung  von  Maubeuge  wird  von  den
Verbündeten  mit  Erfolg  zurückgeschlagen.

1844.  Der  berühmte  Bildhauer  Albert  Bertel  Thorwaldsen
stirbt  zu  Nysve  in  Dänemark.

1848.  In  Dänemark  wird  das  neue  Programm  „Dänemark  bis
an  die  Eider*  proklamiert,  was  Anlass  zu  einem  dreijährigen
Krieg  und  die  Einsetzung  einer  provisorischen  Regierung
in  Kiel  gab.

Zu  gleicher  Zeit  rückt  der  König  Albert  von  Sardinien
ohne  vorhergegangene  Kriegserklärung  mit  60,000  Mann  ın  die
österreichische  Lombardei  ein.

1849.  König  Albert  von  Sardinien  gelangt  glücklich  unter  angenommenem
  Namen  durch  die  österreichischen  Vorposten  und
geht  nach  Porto  in  Portugal.

1860.  Die  seither  von  Oesterreich  beherrschte  Lombardei
kommt  an  Sardinien,  wogegen  dieses  Savoyen  und  Nizza
an  Frankreich  abtreten  muss.

1866.  Graf  Bismarck  richtet  an  die  deutschen  Regierungen  eine
Cirkulardepesche,  in  welcher  er  an  diese  die  Frage  stellt
„ob  und  in  welchem  Masse  Preussen  auf  ihre  Unterstützung
für  den  Fall  des  Kriegs  mit  Oesterreich  zu  rechnen  habe.“

1867.  Eröffnung  des  ersten  norddeutschen  Reichstags.

1877.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  definitiv  Leipzig  zum
Sitze  des  obersten  Reichsgerichts.

1881.  Friedrich  Hecker,  der  Führer  des  ersten  badischen  Aufstandes
  im  Jahre  1848,  stirbt  in  Amerika.
        <pb n="129" />
        —  119  —

25.  März.

1123.  Die  erste  allgemeine  Kirchenversammlung  wird  vom  Papste
Calixtus  II.  im  Lateran  eröffnet.

1252.  Konradin  von  Schwaben,  der  unglückliche  Hohenstaufe,
geboren.

1409.  Konzil  zu  Pisa,  auf  welchem  22  Kardinäle,  4  Patriarchen,
12  Erzbischöfe,  80  Bischöfe  und  87  Aebte  vertreten  waren.

Die  Christenheit  hatte  damals  zwei  Päpste,  das  Konzil  war  daher
ernstlich  bestrebt,  eine  „Reform  der  Kirche*  durchzuführen.  Beide
Päpste,  über  deren  Rechtmässigkeit  man  sich  bisher  gestritten  hatte,
wurden  hier  ihrer  Würde  entsetzt  als  „Schismatiker,  Meineidige  und
Ketzer“,  und  dagegen  ein  neuer  Papst,  Alexander  V.,  ein  Franziskaner,
  gewählt.

1700.  Christoph  Willibald  Gluck,  berühmter  Komponist,  zu
Neustädt  an  der  Naab  an  der  böhmischen  Grenze  geboren.

1702.  Die  Grafschaft  Moers  wird  mit  der  preussischen  Monarchie
vereinigt.
1793.  Königlich  preussisches  Patent  wegen  Besitznahme  von  Südpreussen,
  Danzig  und  Thorn.
Uebergang  der  Preussen  über  den  Rhein  bei
Bacharach.

1801.  Friedrich  Georg  Freiherr  von  Hardenberg  (Novalis),
Dichter,  gestorben.
1813.  Der  Herzog  von  Mecklenburg  Friedrich  Franz  I.
entsagt  als  erster  der  deutschen  Fürsten  dem  Rheinbund.
Russisch-preussischer  Aufruf  an  die  Deutschen,  von
Kutusow  unterzeichnet.
1814.  Treffen  beiLa  FereChampenoise,  in  welchem  die  Verbündeten

  die  Franzosen  in  die  Flucht  schlagen.

Die  Sieger  machen  zahllose  (10,000)  Gefangene,  darunter  9  Generäle
und  erbeuten  39  Kanonen,  200  Pulverwagen  und  sehr  viel  Bagage.

1815.  Neuer  Bundesvertrag  gegen  Napoleon.
1821.  Der  Verein  der  deutschen  Apotheker  gegründet.
1831.  Die  Oesterreicher  schlagen  die  Italiener  bei  Rimini.
        <pb n="130" />
        —  120  —

1835.  Franz  Nachbauer,  Hof-  und  Kammersänger,  auf  Schloss
Giessen  bei  Friedrichshafen  in  Württemberg  geboren.

1852.  Die  Hohenzollern’sche  Kriegsdenkmünze  wird  gestiftet.

1861.  Die  holstein’schen  Stände  lehnen  die  Grundzüge  einer
Gesamtstaatsverfassung  ab.

1867.  Bismarck.  von  dem  geheimen  Einverständnis  zwischen
Frankreich  und  Holland,  bezüglich  der  Abtretung  Luxemburgs
  an  ersteres,  unterrichtet,  protestirt  aufs  Entschiedenste
  gegen  diese  Abmachung  und  erklärt,  dass
er  hierzu  niemals  seine  Zustimmung  geben  werde!

Der  Protest  Preussens  reizte  Napoleon  auf's  heftigste;  —  es
kam  zu  ernstlichen  Differenzen,  die  damit  endeten,  dass  auf  Russlands
Vorschlag  am  7.  Mai  die  Londoner  Konferenz  zusammen  trat,
und  schliesslich  die  Vereinbarung  traf,  dass  die  Festung  Luxemburg
geschleift  und  von  der  preussischen  Besatzung  geräumt  wurde.

 

 

26.  März.

809.  Liudger  (Ludger),  Apostel  der  Friesen  und  Stifter  des
Klosters  Werden  a.  d.  Ruhr  (796),  stirbt  zu  Billerbeck  ın
Westfalen.

1027.  Konrad  II.  empfängt  aus  den  Händen  des  Papstes  Johann
XIX.  die  Kaiserkrone.

1077.  Heinrichs  IV.  Gegenkönig,  Rudolf  von  Schwaben,  wird
durch  den  Erzbischof  Siegfried  von  Mainz  gesalbt  und  gekrönt.
Zwischen  den  Bürgern  dieser  Bischofsstadt  und  dem  Gefolge  Rudolfs

kam  es  am  Krönungstage  zu  Händeln,  denn  die  Bürgerschaft  hing  dem
Kaiser  Heinrich  IV.  an  und  erscholl  aus  dem  Volkshaufen  das  Geschrei
nach  dem  Blute  Rudolfs.  Der  neue  König,  samt  dem  Erzbischof  und

den  Fürsten,  mussten  aus  Mainz  flüchtig  gehen  und  haben  die  beiden
ersteren  dasselbe  niemals  wiedergesehen.

1162.  Gänzliche  Zerstörung  Mailands  durch  Friedrich  Il.
(Rotbart).
„Mailand  soll,  zur  Wüste  gemacht,  aus  der  Zahl  der  lombardischen

Städte  ausscheiden;  die  Bevölkerung  hingegen  als  Landvolk  fortan  nur
das  Feld  bebauen“,  so  lautete  das  Urteil  des  gestrengen  Kaisers.

1277.  (Charfreitag)  wird  auf  dem  Wege  zur  Frühmette  Albert  v.
Mussbach,  Domdechant  von  Speyer,  meuchlings  ermordet;
der  Mörder  blieb  unentdeckt.
        <pb n="131" />
        —  121  —

1521.  Luther  erhält  von  Kaiser  Karl  V.  das  Einladungsschreiben
zum  Reichstage  nach  Worms.

1606.  Im  nordwestlichen  Deutschland  herrscht  ein  furchtbarer
  Orkan  mit  Gewitter,  welche  grosse  Verwüstungen  anrichten.


1675.  Ernst  I.,  der  Fromme,  Herzog  zu  Sachsen-Gotha  und  Altenburg,
  stirbt  auf  Schloss  Friedenstein  zu  Gotha.

1739.  Der  Volksdichter  und  Komponist  Christian  Friedrich
Daniel  Schubart  zu  Obersontheim  in  der  schwäbischen
Grafschaft  Limburg  geboren.

1753.  Benjamin  Tompson,  Graf  vonRumford,  nachmaliger
bayerischer  Generallieutenant,  zu  Woburn  (Amerika)  geboren.
In  München  führte  er  die  Sparöfen,  die  Kartoffeln  und  die  nach
ihm  benannten  Rumford’schen  Suppen  ein.

1759.  General  von  Knoblauch  schlägt  die  Oesterreicher  beiSaalfeld.

1787.  Kaiser  Josef  Il.  von  Oesterreich  mahnt  den  Kurfürsten  Karl
Theodor  von  Bayern,  den  Religionsbeschwerden  der  Protestanten
  abzuhelfen.

1793.  Die  Preussen  besetzen  Antwerpen.

1799.  Die  ODesterreicher  siegen  bei  Legnago  über  die
Franzosen.

1813.  Aufruf  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  Ill  von  Preussen  und
des  Kaisers  Alexander  I.  von  Russland,  von  Kalısch  aus  erlassen.
Die  Einwohner  von  Lüneburg  vertreiben  heranrückende
französische  Truppen.
General  Reynier  überlässt  die  Altstadt  Dresdens  den  Russen,
nachdem  er  schon  die  Neustadt  geräumt  hatte.
1814.  Gefecht  bei  St.  Dizıers.

Die  Reiterei  Tettenborns  wird  nach  verzweifelter  Gegenwehr
von  der  Uebermacht  Napoleons  geworfen.

Die  französische  Garnison  von  Landau  (Pfalz)  macht  einen
bedeutenden  Ausfall,  wird  vom  Rückzug  abgeschnitten  und
erleidet  eine  vollständige  Niederlage.

1827.  Der  berühmte,  vielgefeierte  Komponist  Ludwig  van  Beethoven
  stirbt  zu  Wien  in  Schwarzspanierhause.,

1849.  Den  Dänen  wird  der  Waffenstillstand  von  Malmöe  gekündigt
und  der  Krieg  beginnt  von  Neuem.

1860.  Papst  Pius  IX.,  unzufrieden  mit  den  staatlichen  Veränderungen
  in  Italien,  schleudert  den  Bann  gegen  alle  diejenigen,
welche  den  Eingriff  in  die  päpstlichen  Staaten  begangen,  veranlasst
  oder  gebilligt  hatten  (wie  Kaiser  Napoleon  1ll.,  Victor

Emanuel  etc.)
        <pb n="132" />
        —  122  —

1867.  Der  König  von  Holland  macht,  entgegen  der  mit
Napoleon  III.  getroffenen  Vereinbarung  behufs  Geheimhaltung,
dem  preussischen  Gesandten  Mitteilung  von  den  Verhandlungen
wegen  der  Abtretung  des  Grossherzogtums  Luxemburg  an
Frankreich.

1871.  Die  Festung  Bitsch  wird  von  der  französischen  Besatzung
geräumt.

Die  Aufständischen  in  Paris  wählen  eine  eigene  Regierung,
  die  Commune  benannt.

An  demselben  Tage  bricht  Henry  M.  Stanley  von  Sansibar
  aus  nach  dem  Innern  von  Afrika  auf.

1885.  Grubenunglück  im  Bettinaschacht  bei  Dombrau  in
Mähren.

100  Menschen  getötet.

1888.  Mehrere  Dammbrüche  überschwemmen  Dömitz,  Marıenburg,
  Elbing  etc.  und  richten  grossen  Schaden  an.

1889.  Der  frühere  württembergische  Minister  Friedrich  Gottlob
Karl  Freiherr  von  Varnbüler,  stirbt  in  Berlin.

 

 

27.  März.

717.  Ruodpert  (Rupert,  Ruprecht,  Hrodbert),  Apostel  der  Bayern
und  Gründer  des  Bistums  Salzburg,  stirbt  daselbst.

1228.  Papst  Gregor  IX.  thut  den  deutschen  Kaiser  Friedrich  Il.
wiederholt  in  Bann.

‚Veranlassung  hierzu  gab  ein  Rundschreiben,  welches  Friedrich  11.
an  die  deutschen  Fürsten,  an  den  König  von  England  und  andere  Grossen
erlassen  hatte,  worin  er  die  Habgier,  sowie  die  Herrschsucht  der  Priester
schilderte  und  aufforderte,  dass  sich  die  Nationen  zur  Abschüttlung
  der  kirchlichen  Tyrannei  vereinigen  sollten.

1329.  Päpstliche  Bannbulle  gegen  Meister  Eckhart,  der
bereits  1328  zu  Köln  gestorben  war.
Er  war  der  geachtetste  Prediger  seiner  Zeit  und  einer  der  Hauptbegründer
  der  deutschen  Philosophie.
1764.  Joseph  II.,  ältester  Sohn  der  Maria  Theresia,  wird  zum
„römischen  König”  gewählt.

In  der  Wahlkapitulation  wurde  dem  erwählten  unter  anderem  die
Verbindlichkeit  auferlegt,  bei  Lebzeiten  seines  Vaters  Franz  I.  der  Mitwirkung
  in  der  Reichsregierung  „ohne  besonderen  Auftrag“  sich  zu  entalten.
        <pb n="133" />
        —  123  —

1793.  Die  Preussen  siegen  über  die  Franzosen  bei  Waldalgesheim
  in  der  Rheinprovinz.

1799.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich,  der  durch  geschickte
Operationen  die  Franzosen  unter  Massena  zum  Rückzug  genötigt
  hat,  vereinigt  sich  mit  Hotze  und  bezieht  eine  verschanzte
Stellung  zu  Zürich.

1809.  Oesterreich  erlässt  gegen  Frankreich  eine  sogenannte
„Deklaration“,  worin  alle  Kränkungen  und  Beschwerden,

die  es  seit  dem  Tilsiter  Frieden  von  Frankreich  erlitten  hatte,
enthalten  waren.

Wohl  wollte  Oesterreich  diese  Deklaration  nicht  als  eine  Kriegserklärung
  angesehen  wissen,  aber  schon  hatte  es  keine  Wahl  mehr  und
kaum  10  Tage  später  war  es  gezwungen,  Napoleon  I.  den  Krieg  zu  erklären.


1813.  Preussen  erklärt  Frankreich  offiziell  den  Krieg.

Die  Lützow’sche  Freischaar  wird  zu  Rogau  in
Schlesien  in  der  Kirche  eingesegnet  und  von  da  gieng  es  in
den  Kampf  gegen  die  Franzosen,  der  nicht  lange  auf  sich
warten  liess.

1814.  Die  Preussen  schlagen  bei  Trilport  die  Franzosen  vollständig.


Napoleon  giebt  auf  die  Nachricht  von  der  Niederlage
der  Marschälle  Marmont  und  Mortier  die  Belagerung  von  Vitry
auf  und  eilt  der  bedrohten  Hauptstadt  zu  Hilie.

1824.  Einführung  der  Provinzialstände  in  Posen,  Westfalen
  und  der  Rheinprovinz.

1849.  Die  deutsche  Nationalversammlung.zu  Frankfurt
a.  M.  beschliesst  mit  267  gegen  263  Stimmen  die  Erblichkeit
der  Kaiserwürde.

1852.  Der  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  hebt  die  liberale
kurhessische  Verfassung  von  1831  —  als  nicht  vereinbar
mit  den  Bundesgesetzen  —  wieder  auf.

1859.  Der  bayerische  Minister  Freiherr  v.  d.  Pfordten  reicht  sein
Entlassungsgesuch  ein.

1868.  Die  bayerische  Abgeordnetenkammer  nimmt  das  Heimatsgesetz
  an.

1870.  Norddeutsches  Bundesgesetz  über  die  Ausgabe  von
Banknoten  publiziert.
        <pb n="134" />
        —  124  —

28.  März.

1249.  Schlacht  bei  Fossalta,  in  welcher  König  Enzio  (italienische
  Form  des  deutschen  Heinz,  Heinrich),  Sohn  des  Kaisers
Friedrich  II.,  von  den  Bolognesen  geschlagen  und  gefangen  wird.

1522.  Markgraf  Albrecht  von  Brandenburg-Kulmbach,
genannt  der  „deutsche  Alcibiades“,  zu  Ansbach  geboren.

1727.  Maximilian  Josef  III.,  Kurfürst  von  Bayern,  geboren.

Er  hob  viele  Klöster  und  den  Jesuitenorden  in  seinem  Lande
auf,  förderte  Wissenschaft  und  Kunst,  Industrie  und  Ackerbau  und
gründete  1759  die  Münchener  Akademie.

1758.  Die  Preussen  werfen  die  Franzosen  aus  Soest  (Westfalen),
erbeuten  eine  Kriegskasse,  viel  Bagage  und  nehmen  100  Mann
gefangen.

1759.  Kurfürst  Maximilian  Josef  III.  in  Bayern  giebt  die  Stiftungsurkunde
  der  Akademie  der  Wissenschaften,  und  bestimmt,
dass  deren  Druckschriften  nicht  der  Censur  der  Jesuiten
unterliegen.

1778.  Friedrich  II.  von  Preussen  richtet  an  Oesterreich  eine  Note,
in  welcher  er  die  sofortige  Räumung  Bayerns  von
Deiten  der  Desterreicher  verlangt,  und  gleichzeitig  die
Erklärung  damit  verbindet,  dass  er  im  Weigerungsfalle  zu
Gunsten  des  Herzogs  von  Zweibrücken  die  Waffen  ergreifen
werde.

1793.  Gefecht  bei  Bingen,  in  welchem  die  Preussen  unter
Hohenlohe  die  Franzosen  in  die  Flucht  schlagen.

1814.  Gefecht  bei  Claye  und  Ville  Parisis.

Die  Preussen  unter  v.  Katzler  und  Zieten  schlagen  die  Franzosen
in  die  Flucht.

1835.  Christian  Günther  GrafvonBerestorff,  erst  dänischer,
dann  (1818)  preussischer  Staatsmann,  stirbt.

Er  war  ein  unversöhnlicher  Gegner  aller  freiheitlichen  Institutionen
und  der  deutschen  Hochschulen.

1840.  Emin  Pascha,  —  Dr.  Eduard  Schnitzer  —  zu  Oppeln
geboren.

1849.  Die  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  beschliesst
mit  290  gegen  248  Stimmen,  dass  die  erbliche  Würde  eines
„Kaisers  der  Deutschen“  dem  König  von  Preussen
        <pb n="135" />
        —  1253  —

übertragen  werden  soll.  —  Unter  Glockengeläute  und  Kanonendonner
  wird  das  Ergebnis  der  Wahl  Friedrich  Wilhelm  IV.
von  Preussen  proklamiert.

Nach  der  Tags  vorher  fertig  gewordenen  Reichsverfassung
sollte  der  Kaiser  durch  ein  verantwortliches  Ministerium  regieren,  das
Recht  über  Krieg  und  Frieden  haben,  die  gesamte  bewaffnete  Macht
befehligen,  —  die  Vertretung  nach  Aussen  übernehmen,  überhaupt  den
grössten  Teil  der  vollziehenden  Macht  besitzen.

1866.  König  Wilhelm  von  Preussen  befiehlt  die  teilweise
Mobilmachung  seines  Heeres.

1871.  Die  Verhandlungen  über  den  definitiven  Friedensschluss
  in  Brüssel  eröffnet,  welche  jedoch  zu  keinem  befriedigenden
  Ende  führten.

Der  Stiftprobst  Döllinger  in  München  erklärt  auf
die  Bann-Drohung  des  Erzbischofs  Scherr  in  einem  an  diesen
gerichteten  Schreiben:  „Als  Christ,  als  Theolog,  als
Geschichtskundiger  und  als  Staatsbürger  könne  er
das  neueDogma  nicht  annehmen,  denn  esseiunverträglich
  mit  dem  Geiste  des  Evangeliums  und  mit
den  klaren  Aussprüchen  Christi  und  der  Apostel“

1885.  Der  militärische  Belagerungszustand  wird  über
Bielefeld  infolge  von  Arbeiter-Unruhen  verhängt.

 

29,  März.

nn.

403.  Schlacht  bei  Pollentia  in  Oberitalien.
Der  Westgotenkönig  Alarich  wird  von  dem  römischen  Feldherrn
Stilicho,  einem  Germanen,  geschlagen.

625.  Eustasius  von  Luxeuil,  Apostel  der  Bayern,  stirbt  als
Abt  eines  vom  heil.  Columben  in  den  Vogesen  gegründeten

Klosters.

1065.  Kaiser  Heinrich  IV.,  fast  noch  ein  Knabe,  tritt  die  Regierung
  des  deutschen  Reiches  an.

1161.  Kaiser  Friedrich  I.  (Barbarossa),  beginnt  die  bis  zum
1.  März  1162  andauernde  Belagerung  von  Mailand.

1190.  Friedrich  I.,  auf  seinem  Kreuzzuge  von  Gallipoli  aus  übersetzend,
  betritt  zuerst  den  Boden  Asiens.
        <pb n="136" />
        —  126  —

1225.  Heinrich  Minke,  Probst  des  Nonnenklosters  Neuwerk  zu
Goslar,  wird  auf  dem  Scheiterhaufen  lebendig  verbrannt.

Minke  hatte  in  Predigten  und  lateinischen  Gedichten  sich  verlauten
lassen,  dass  Gottes  Weisheit  denn  doch  über  die  der  Jungfrau
  Maria  gehe,  in  Folge  dessen  dieser  Mann  der  Wahrheit  und
des  Freimuts  vor  ein  geistliches  Gericht  unter  dem  Vorsitz  des  päpstlichen
  Kardinal-Legaten  Konrad,  aus  dem  Hause  der  schwäbischen
Grafen  von  Urach,  gestellt  und  zum  Feuertod  verurteilt  wurde.

"1316.  Die  Freiheitsbriefe  der  drei  Waldstätte  werden
durch  Kaiser  Ludwig  bestätigt.

1369.  Friedrich  I,  der  Streitbare,  Kurfürst  von  Sachsen,  zu
Altenburg  geboren.  |
Er  gründete  1409  die  Universität  Leipzig.

1531.  Der  Schmalkaldische  Bund  wird  geschlossen.

Der  römisch-katholischen  Kaisergewalt  gegenüber  versuchten  die
protestantischen  Reichslande  in  ihrer  Not  Gewalt  mit  Gewalt  zu  vertreiben,
  denn  „die  Obrigkeit  (der  Kaiser)  habe  nicht  bloss  Rechte,
sondern  auch  Pflichten  gegen  die  Unterthanen  und  verletze  diese  durch
sein  tyrannisches  und  römisches  Gebahren.*“  So  kamen  denn  die  „Lutherischen“
  (ihrer  sieben  Fürsten,  zwei  Grafen  und  die  Abgeordneten  von
11  Städten)  zu  Schmalkalden  zusammen,  und  schlossen  „nach  altem
deutschen  Rechte  der  Einung  oder  Association  einen  Bund“,  um  wechselseits
  sich  selbst  und  ihren  Glauben  mit  starker  Hand  wider  Jedermann
zu  schützen.

1598.  Fürst  Schwarzenberg  und  Nikolaus  Pälffy  nehmen  Raab,

welches  1594  durch  Verrat  in  die  Hände  der  Türken  gefallen
war,  durch  einen  kühnen  Ueberfall.

1633.  Die  Hessen  erobern  Paderborn.

1790.  Preussen  und  Polen  schliessen  einen  Bundesvertrag  ab.

Karl  Theodor  Welcker,  Rechtsgelehrter  und  hervorragender
  Patriot,  zu  OÖberofleiden  in  Hessen  geboren.

1794.  Die  Hartenburg  wird  von  den  Franzosen  unter  Führung
des  Dürkheimers  Richard,  in  Brand  gesteckt.

1798.  Die  Bundesrepublik  der  Schweiz  wird  aufgelöst,  und
an  ihre  Stelle  tritt  eine  einzige  und  unteilbare  helvetische
Republik  mit  5  Direktoren  und  2  gesetzgebenden  Räten.

1810.  Die  erste  Schnellpresse,  von  König  erfunden,  wird  in
London  patentiert.

1813.  Der  Dichter  Theodor  Körner  tritt  in  das  Lützowsche
Freicorps.

Ein  zwischen  Friedrich  Wilhelm  III.  und  Kaiser
Alexander  I.  in  Breslau  abgeschlossener  Vertrag  erklärt
die  Befreiung  Deutschlands  von  französischer  Zwangherrschaft
für  das  Ziel  des  bevorstehenden  Kampfes  und  fordert,  wie  schon
der  von  Kalisch  aus  unterm  26.  März  erlassene  Aufruf,  jeden
        <pb n="137" />
        —  127  —

Deutschen  auf,  sich  der  Erhebung  anzuschliessen;  jeder  Fürst,
der  dieser  doppelt  besiegelten  Aufforderung  nicht  Folge  leistet,
wird  mit  dem  Verlust  seiner  Territorien  bedroht.

1814.  Die  Verbündeten  erscheinen  vor  Paris.

Treffen  bei  Vilette.  Die  Franzosen  werden  in  die
Flucht  geschlagen.

Die  Franzosen  werden  aus  Cleve  vertrieben.

1826.  Der  socialdemokratische  Parteiführer  Wilhelm  Liebknecht
zu  Giessen  geboren.
Seit  1874  Mitglied  des  deutschen  Reichstags.

1848.  Ministerium  Camphausen-Hansemann  in  Preussen.

1862.  Preussen  vereinbart  für  den  Zollverein  einen
Handelsvertrag  mit  Frankreich,  der  die  Einfuhrzölle
des  Zollvereins  beträchtlich  ermässigt  und  dagegen  dessen
Waaren  in  Frankreich  einen  leichteren  und  wohlfeileren  Eingang
verschafft.

Die  beiden  Länder  sicherten  sich  (nach  Artikel  31)  überdies  gegenseitig
  die  Behandlung  auf  den  Fuss  der  meistbegünstigten  Nation  zu,
wodurch  für  die  Zukunft  noch  weitere  Fortschritte  zu  völligem  Freihandel
  gewährleistet  wurden.

1863.  Preussen  schliesst  einen  gleichen  Handelsvertrag  mit  Belgien.

1864.  Prinz  Friedrich  Karl  beginnt  die  regelmässige  Belagerung
  der  Düppeler  Schanzen.

1866.  Rüstungen  in  Preussen.  Vier  preussische  Armeekorps
werden  auf  Kriegsstärke  gesetzt.

1888.  Kaiser  Friedrich  Ill.  räumt  dem  Kronprinzen  selbständiges
Ernennungsrecht  ein.

1890.  Schlusssitzung  der  internationalen  Arbeiterschutz-Konferenz
  zu  Berlin.

Fürst  Bismarck  verlässt  mit  seiner  Familie  Berlin,  um

in  Friedrichsruh  bleibenden  Aufenthalt  zu  nehmen.
        <pb n="138" />
        —  128  —

30.  März.

1282.  „Sizilianische  Vesper“,  —  ein  furchtbares  Strafgericht,
das  sich  über  die  Häupter  aller  Franzosen,  die  Sizilien  unter
Karl  von  Anjous  Grausamkeit  geknechtet  hatten,  entlud.

Fast  alle  Franzosen  wurden  ermordet  oder  verjagt  und  das  Land
völlig  gesäubert.  Johann  von  Pracida  war  die  Seele  dieser  Verschwörung,
die  urplötzlich  ausbrach  und  die  Zwingherren  völlig  überraschte  und
überrumpelte.

1559.  Der  vielgenannte  Rechenmeister  Adam  Riese  (1492  zu
Staffelstein  bei  Bamberg  geboren)  stirbt  zu  Annaberg  ım
sächsischen  Erzgebirge.

1793.  Gefecht  bei  Florsheim,  in  welchem  Prinz  Louis
Ferdinand  von  Preussen  die  Franzosen  schlägt.

1797.  General  Bonaparte  trifft  in  Klagenfurt  ein.

Da  jedoch  der  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  inzwischen  Verstärkungen
  an  sich  gezogen,  und  sein  Heer  dadurch  verdoppelt  hatte,
da  ferner  im  französischen  Hauptquartier  keine  Nachricht  von  dem
General  Joubert  in  Tyrol  eingegangen,  auch  Gerüchte  über  Aufstände
in  Tyrol  sich  verbreiteten  und  das  Volk  selbst  in  Kärnthen  und  Steyermark
  schwierig  wurde,  so  hielt  es  Bonaparte  doch  für  bedenklich,
weiter  in  Deutschland  vorzudringen  und  machte  darum  dem  Erzherzog
Karl  schon  am  folgenden  Tage  Friedensvorschläge.

1806.  Napoleon  erklärt  seinen  Bruder  Joseph  zum  König  von
Neapel  und  Sicilien,  —  und  schenkt  Neuenburg  dem  Marschall
Berthier.

1813.  Blücher  und  mit  ihm  die  Prinzen  Wilhelm  (nachmaliger  Deutscher
Kaiser),  August  und  Friedrich  von  Preussen  nebst  dem  Herzog
Karl  von  Mecklenburg  ziehen  in  Dresden  ein.

1814.  Schlacht  auf  dem  Montmartre  vor  Paris.  Preussen
und  Russen  unter  Blücher's  Oberbefehl  erstürmen  den  Berg,
besiegen  die  Truppen  Marmont’s  und  Mortier's,  die  ihn  vertheidigen,
  und  schliesslich  muss  Paris  sich  ergeben.

Als  Blücher  auf  dem  Montmartre  Paris  zu  seinen  Füssen  liegen

sah,  stiess  er  seinen  Degen  in  die  Scheide,  indem  er  ausrief:  „Nun  ist
Luise  gerächt!“

Ein  Ausfall  aus  Hüningen  fügt  den  bayerischen
Belagerern  grossen  Verlust  zu.
        <pb n="139" />
        —  129  —

1815.  König  Joachim  (Murat)  von  Italien  fällt  in  verräterischer
Absicht  in  österreichisches  Gebiet  ein  und  ruft  die  Italiener
zur  Freiheit  auf:  „Ein  einiges  Reich  Italien!“  zu  gründen.

1821.  Feierliche  Einweihung  des  Denkmals  auf  dem  Kreuzberg
  bei  Berlin.

1830.  Grossherzog  Ludwig  von  Baden  stirbt.

1836.  Karl  Ferdinand  Stumm,  Industrieller,  zu  Saarbrücken
geboren.

‚Er  besitzt  in  Neukirchen  ein  grosses  Eisenhüttenwerk,  war  1867—
70  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,  auch  des  norddeutschen,
und  dann  des  deutschen  Reichstages,  und  vertritt  schutzzöllnerische
Interesse.

1848.  Die  Preussen  unter  Wrangel  schlagen  die  Dänen  bei  Apenrade.


König  Maximilian  Il.  von  Bayern  begnadigt  alle
wegen  politischer  Vergehen  abgeurteilten  Personen.

1854.  Zum  Admiral  der  Flotte  wird  Prinz  Adalbert  vonPreussen
ernannt.

1856.  Der  Pariser  Frieden  wird  geschlossen,  und  von  den  5
Grossmächten,  also  auch  von  Preussen,  dessen  Hinzuziehung
  die  Verbündeten  doch  nötig  gefunden  hatten,  dessgleichen
von  der  Türkei  und  Sardinien  unterzeichnet.

Dem  Kriege  der  Westmächte  gegen  Russland  wurde  ein  Ende  gemacht.
  Neutralisierung  des  schwarzen  Meeres  und  Grenzregelung  an
den  Donaumündungen  zu  Gunsten  der  Türkei.

1863.  Bekanntmachung  des  Kopenhagener  Kabinetts,
in  welcher  die  Vereinigung  Schleswigs  mit  Dänemark
unter  einer  Verfassung  ausgesprochen  wird.  Aussonderung  Holsteins.


1864.  Ein  Landungsversuch  der  Dänen  bei  Steinberghoff
  in  Schleswig  wird  durch  Lieutenant  von  Papen  vereitelt.

1871.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  trotz  der  Angriffe  der
Klerikalen,  den  Adressentwurf  mit  243  gegen  63  Stimmen  an.

Es  heisst  darin:  „Die  Tage  der  Einmischung  in  das  innere  Leben
anderer  Völker  werden,  so  hoffen  wir,  unter  keinem  Vorwande  und  in
keiner  Form  wiederkehren.“

1878.  Feierliche  Eröffnung  der  100.  Berliner  Gemeindeschule  in
Gegenwart  der  Kronprinzessin  Friedrich.
        <pb n="140" />
        —  10  —

31.  März.

1084.  Heinrich  IV.  erhält  zu  Rom  mit  seiner  Gemahlin  Bertha
durch  Papst  Clemens  III.  die  Kaiserweihe  und  Kaiserkrönung.

Clemens  III.  war  durch  Kaiser  Heinrich  IV.  eingesetzt  worden,
während  Gregor  VII.  nur  noch  die  Engelsburg,  wenige  feste  Türme  in
der  Stadt  und  die  Brückenköpfe  der  Tiber  inne  hatte.

1552.  Das  vereinigte  Heer  der  Protestanten  erscheint  vor  den
Thoren  Augsburgs,  welches  sich  demselben  anschliesst.

1567.  Philipp  IL,  der  Grossmütige,  Landgraf  von  Hessen,
ein  eifriger  Vorkämpfer  der  Reformation,  stirbt.

1674.  Deutschland  erklärt  endlich,  und  nachdem  die  Heere  Ludwigs
  XIV.  von  Frankreich  die  empörendsten  Grausamkeiten
  auf  deutschem  Gebiete  verübt  hatten,  den
Reichskrieg  gegen  Frankreich.

1710.  „Hager  Concert“;  Vereinigung  des  Kaisers,  Preussens
und  der  Seemächte  zu  einem  Bündnis,  um  die  Neutralität  Norddeutschlands
  in  dem  nordischen  Kriege  zu  sichern.

1732.  Joseph  Haydn,  bedeutender  Komponist  und  eigentlicher
Schöpfer  der  neueren  Instrumentalmusik,  zu  Rohrau  in  Niederösterreich,
  geboren.

1793.  Einschliesung  der  von  den  Franzosen  besetzten  Festung
Mainz  durch  die  verbündeten  Preussen  und  Oesterreicher.

1797.  Der  französische  General  Bonaparte  macht  dem  österreichischen
  Heerführer,  Erzherzog  Karl,  Friedensvorschläge;  —
worauf  am  7.  April  ein  Waffenstillstand  in  Wirksamkeit  trat.

1813.  Die  Kriegserklärung  Preussens  an  Frankreich  vom
27.  März  trifft  in  Paris  ein.

Leipzig  wird  von  Kosaken  und  anderen  russischen  Truppen
  besetzt.

1814.  Die  Verbündeten,  an  ihrer  Spitze  Kaiser  Alexander  I.
von  Russland  und  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen,
ziehen  als  Sieger  in  Paris  ein.

Die  ruhmbedeckten  Heldenschaaren  York's  und  Kleist’s,  die
immer  das  beste  gethan,  durftennichtnachParishinein:  „Sehen
schlecht  aus,  schmutzige  Leute“,  sagte  Friedrich  Wilhelm  II.
Sie  mussten  in  den  Vorstädten  bleiben;  sie  waren  zu  hager,  durch  zahllose
  Strapazen  und  Gefechte  pulvergeschwärzt,  auch  ihre  Uniform  freilich
  zu  hart  mitgenommen  in  dem  langen  Heldenkampfe!
        <pb n="141" />
        —  131  —

1819.  Fürst  zu  Hohenlohe-Schillingsfürst,  Statthalter  von
Elsass  -  Lothringen,  geboren.

1848.  Das  deutsche  Vorparlament,  aus  etwa  500  Patrioten  aus
allen  Teilen  Deutschlands  bestehend,  versammelt  sich  in  der
Paulskirche  zu  Frankfurt  a.  M.,  welches  bis  zum  3.  April
währt.

Die  konstitutionell-  monarchische  Mehrheit  beschloss,  dass  eine  aus
direkten  Wahlen  hervorgehende  Nationalversammlung  im  Mai  zusammenkommen
  und  über  die  künftige  Reichsverfassung  mit  souveräner  Machtvollkommenheit
  entscheiden  solle.  —  Friedrich  Hecker  und  Struve

waren  gegen  diese  Beschlüsse,  schieden  aus,  und  entzündeten  den
badischen  Aufstand.

1853.  Auflösung  der  deutschen  Marine.

1870.  Die  bayerische  zweite  Kammer  genehmigt  von  den  ausserordentlichen
  Militärvorlagen  nur  die  Kreditforderung  für  Anschaffung
  von  75,000  Werdergewehren  und  reduziert  alle
übrigen  Vorlagen.

1871.  Kaiser  Wilhelm  empfängt  die  Gesandten  Belgiens,  Russlands
  und  Dänemarks,  welche  die  Glückwünsche  ihrer  Herrscher
zur  Annahme  der  Kaiserwürde  überbringen.

1872.  Das  neuepreussische  Unterrichtsgesetz  wird  erlassen.

Dasselbe  hebt  unter  dem  Kultusminister  Dr.  Falk  die  eine  gedeihliche
  Entwickelung  des  Volksschulwesens  hemmende  „Regulative“
von  1854  auf  und  führt  neues  und  frisches  Leben  in  die  Volksschule
ein.  Der  Erlass  enthält  einen  genauen  Lehr-  und  Organisationsplan  für
die  Volksschule,  der  bis  heutigen  Tag  massgebend  geblieben  und  viele
gute  Früchte  gezeitigt  hat.

1875.  Konferenz  der  preussischen  Bischöfe  in  Fulda.

1877.  Unterzeichnung  des  Londoner  Protokolls  über  die
orientalische  Frage  durch  die  Botschafter  der  Grossmächte.

1878.  Nicaragua  gewährtdievonDeutschlandgeforderte
Genugthuung  für  Beleidigung  seines  Konsuls,  30,000  Dollar
Entschädigungsgelder  an  diesen  und  Begrüssung  der  deutschen
Flagge  mit  Kanonendonner.

1885.  Franz  Abt,  bekannter  Lieder  -  Komponist,  stirbt.

1886.  Die  zweijährige  VerlängerungdesSozialistengesetzes
wird  im  Reichstag  mit  173  gegen  146  Stimmen  angenommen.
        <pb n="142" />
        —  132  —

1.  April.

742.  Das  erste  deutsche  Nationalkonzil  wird  eröffnet.

König  Karlmann,  der  Herrscher  Ostfrankens,  hatte  dasselbe  einberufen.
  Weder  bei  dem  Ausschreiben  dieser  Kirchenversammlung  noch
bei  der  Verkündigung  ihrer  Beschlüsse  war  der  römische  Stuhl  öffentlich

thätig.
1282.  Ludwig  IV.,  der  Bayer,  deutscher  Kaiser,  Sohn  Ludwigs
des  Strengen  von  Oberbayern,  geboren.

1572.  Die  „Wassergeussen“,  auch  die  „Bettler  zu  Wasser
genannt,  nehmen  die  Stadt  Briel  ein  und  gewinnen  dadurch
einen  Anhaltspunkt  in  Holland  selbst.

1627.  Papst  Urban  VIII.  erlässt  die  berühmte  Nachtmahlsbulle.

1663.  Friedrich  Freiherr  von  Derfflinger,  Generallieutenant,
zu  Gusow  geboren.

Er  war  der  älteste  Sohn  des  Reichsfreiherrn  Georg  von  Derfflinger,
des  berühmten  Generals.

1730.  Der  Dichter  Salomon  Gessner  zu  Zürich  geboren.

1757.  Der  Reichstag  zu  Regensburg  spricht  über  Friedrich
den  Grossen  die  Reichsacht  aus.

1776.  Errichtung  der  allgemeinen  Witwenkasse  ın  Preussen.

1806.  Das  Kurfürstentum  Hannover  wird  vom  König  Friedrich
Wilhelm  Ill.  von  Preussen  in  Besitz  genommen.

1810.  Kaiser  Napoleon  ]|.  feiert  zu  Paris  seine  Vermählung  mit
der  Kaisertochter  Maria  Louise  von  Oesterreich.  Fünf  Königinnen
  trugen  der  neuen  Kaiserin  von  Frankreich  dabei  die
Schleppe.

1813.  Die  Preussen  belagern  Spandau.

1814.  Treffen  bei  Ottersleben.  Ein  Ausfall  der  französischen
Besatzung  von  Magdeburg  wird  mit  grossen  Verlusten
zurückgeschlagen.

1815.  Otto,  Fürst  von  Bismarck-Schönhausen,  erster
Kanzler  des  neuerstandenen  deutschen  Reichs,  geboren.

1845.  Freischarenzug  nach  Luzern  (Schweiz).

1857.  Das  erste  preussische  Schiff  passiert,  ohne  beizulegen,
den  und.
        <pb n="143" />
        —  13  —  .
1859.  Der  Bundesgesandte  Otto  von  Bismarck-Schönhausen,
nachmaliger  deutscher  Reichskanzler,  wird  preussischer  Gesandter
in  Petersburg.

Seine  offenkundige  Parteinahme  für  Italien  gegenüber  der  österreichischen
  Politik  veranlasste  den  Prinz-Regenten  von  Preussen  ihn
seiner  Funktion  als  Bundestagsgesandter  zu  Frankfurt  a.  M.  zu  entheben.

1867.  Der  versammelte  norddeutsche  Reichstag  erklärt  bezüglich
  der  Luxemburger  Frage:  Deutschland  suche
keinen  Krieg,  wenn  derselbe  aber  von  Frankreich
mit  den  Haaren  herbeigezogen  werde,  so  möge  dies
ihn  verantworten.

1871.  Die  Truppen  der  französischen  Regierung  besetzen  Saint
Cloud  und  das  Seineufer.r.  Kampf  derselben  mit  den
Aufständischen.

1872.  Eröffnung  der  Universität  Strassburg.

1879.  Der  revidirte  Weltpostvereinsvertrag  vom  1.  Juni
1878  tritt  in  Kraft.

1885.  Allgemeine  Feier  des  70.  Geburtstags  des  Reichskanzlers
Bismarck  in  Deutschland.  |

1888.  Amnestie-Erlass  des  Kaisers  Friedrich  III.

Bismarck  feiert  seinen  73.  Geburtstag  ;  Kronprinz  Wilhelm

bringt  bei  dem  Bankett  einen  hochinteressanten  Trinkspruch
auf  den  Reichskanzler  aus.

 

 

2.  April.

742.  Kaiser  Karl  der  Grosse  geboren.
1272.  Richard  von  Kornwall,  römisch-deutscher  König,  stirbt
in  England.
1449.  Der  Erzbischof  Dietrich  II.  von  Köln  wird  durch  den  hartnäckigen

  Widerstand  der  Bürger  von  Soest  gezwungen,
die  Belagerung  dieser  starkbefestigten  westfälischen  Stadt  aufzuheben.


Der  hierauf  geschlossene  Frieden  sicherte  der  Stadt  Soest  ihre
Unabhängigkeit,  alle  ihre  Rechte  und  ihren  Besitz.

1631.  Verbindung  der  protestantischen  Fürsten  zu
Leipzig.
        <pb n="144" />
        ,  —  134  —

1657.  Der  deutsche  Kaiser  Ferdinand  III.  stirbt,  nach  zwanizgjähriger
  Regierung.

1697.  Leopold  von  Oesterreich  wird  zum  deutschen  Kaiser
gewählt.

Auch  diese  Wahl  benützten  die  deutschen  Reichsfürsten  zur  Beschränkung
  der  kaiserlichen  Gewalt  und  zur  Erweiterung  der  kurfürstlichen
  und  landesherrlichen  Rechte.

1719.  Der  Dichter  Johann  Wilhelm  Ludwig  Gleim  zu
Ermsleben,  im  Fürstentum  Halberstadt,  geboren.

1761.  Treffen  bei  Schwarza  (Prov.  Sachsen)  und  Niederlage
einer  Abteilung  der  deutschen  Reichsarmee.

An  demselben  Tage  schlagen  die  Preussen  das  deutsche
Reichsheer  bei  Saalfeld.

1798.  Der  Dichter  und  Sprachforscher  August  Hoffmann  von
Fallersleben  zu  Fallersleben  im  Braunschweigischen  geboren.

1804.  Franz  Lachner,  Komponist,  zu  Rain  in  Oberbayern
geboren.

1806.  Freiherr  von  Münch-Bellinghausen,  Dichter,  pseudonym
  Friedrich  Halm,  zu  Krakau  geboren.

1813.  Treffen  bei  Lüneburg,  in  welchem  die  Franzosen,
welche  einen  Handstreich  gegen  Berlin  beabsichtigten,  geschlagen
werden.

1814.  Absetzung  Napoleons  I.  durch  den  französischen  Senat.
1815.  Sachsen-  Weimar-Eisenach  wird  Grossherzogtum.
1826.  Georg  1l.,  Herzog  zu  Sachsen-Meiningen,  geboren.

Grosses  Verdienst  hat  er  sich  um  das  deutsche  Schauspiel,  besonders
durch  sein  Theater  —  („die  Meininger“  in  weiteren  Kreisen  bekannt)
erworben.

1848.  Der  Vereinigte  Landtag  zu  Berlin  tritt  zusammen,  um
das  vorgelegte  Wahlgesetz  für  eine  konstituierende  Versammlung
zu  prüfen  und  zu  genehmigen.

1852.  Der  deutsche  Bundestag  beschliesst  die  Auflösung
der  deutschen  Flotte.

1866.  Anordnungen  zu  den  ersten  Rüstungen  Bayerns.

1871.  Kampf  vor  Paris,  die  Aufständischen  werden  zurückgeschlagen;
  die  Regierungstruppen  erschiessen  die  gefangenen
Insurgenten.  Mac  Mahon  wird  zum  Oberbefehlshaber  des  Heeres
von  Versailles  ernannt.  Der  Pariser  Gemeinderat  ernennt
Uluseret  zum  Kriegsminister.

1889.  Kabinettsordre  Kaiser  Wilhelms  II  bezüglich  des  Unglücks
  bei  den  Samoa-Inseln.
        <pb n="145" />
        —  135  —

3.  April.

1312.  Papst  Clemens  V.  hebt-auf  Verlangen  Philipps  des  Schönen
von  Frankreich  den  Orden  der  Tempelherren  auf.

1327.  Papst  Johann  XII.  schleudert  aufs  Neue  Bannflüche
gegen  den  in  Italien  erschienenen  deutschen  Kaiser  Ludwig,
erklärt  ihn  nicht  nur  aller  Reichs-  und  kirchlichen  Lehen,
sondern  sogar  seiner  Erblande  verlustig,  und  fordert  die  ganze
Christenheit  zu  einem  Kreuzzuge  gegen  ihn  auf.

1559.  Frieden  zu  Gambresis,  zwischen  dem  deutschen  Kaiser
Ferdinand  I.  und  dem  König  Philipp  II.  von  Frankreich
abgeschlossen.

1631.  Die  Schweden  unter  Gustav  Adolf  erobern  Frankfurt
a.  d.  Oder,  das  sie  bis  1644  besetzt  halten.

1759.  Schlacht  bei  Hirschbach  (Prov.  Sachsen).

Die  Arrieregarde  der  Armee  des  deutschen  Reichs  wird  von  den
Verbündeten  nach  Schleusingen  zurückgeworfen.

1793.  Uebergabe  von  Br&amp;amp;da  und  Gertruydenburg  (Niederlande)
seitens  der  Franzosen  an  den  General  von  Knobelsdorff.

1807.  Die  Schweden  besetzen  Anklam.
1833.  Frankfurter  Attentat.  Der  beabsichtigte  Handstreich

misslang  in  der  kläglichsten  Weise.

Am  Abend  des  3.  Aprils,  um  halb  10  Uhr,  wurden  von  etwa  70
Verschworenen  die  Constabler-  und  die  Hauptwache  in  Frankfurt  a.  M.
angegriffen,  —  aber  die  erwartete  Hülfe  von  Seiten  der  Frankfurter,
Offenbacher  und  des  Landvolks  blieb  aus.  Neun  Personen  hat  der
Putsch  das  Leben  gekostet  und  vierundzwanzig  kamen  mit  schweren
Verwundungen  davon;  viele  Verhaftungen  folgten  und  lebenslängliche
Gefängnisstrafen  wurden  genug  verhängt.  —  Die  guten  Frankfurter,  die
kaum  wussten,  was  der  Streich  zu  bedeuten  habe,  reagierten  nicht  auf
die  Revolte,  wenn  man  von  solcher  überhaupt  reden  kann,  denn  diese
ward  sehr  rasch  bewältigt.  Das  an  sich  lächerliche  Stückchen  gewann
aber  dadurch  eine  sehr  bittere  Bedeutung,  dass  die  Regierungen  nunmehr
  mit  erhöhter  Schärfe  und  mit  jener  Rigorosität  gegen  deutsche
Unterthanen  oppositioneller  Gesinnung  vorgingen,  die  in  der  Geschichte
als  „Reaktionsepoche“  verzeichnet  ist.

1834.  Der  Dichter  Emil  Rittershaus  zu  Barmen  geboren.

1849.  Friedrich  Wilhelm  IV.  empfängt  die  vom  Frankfurter
Parlament  unter  Führung  des  Präsidenten  Simson  abgesandte
Deputation,  welche  ihn  um  Annahme  der  Kaiserkrone  ersuchen
soll,  umgeben  von  sämtlichen  Prinzen  des  Königlichen  Hauses,
        <pb n="146" />
        —  136  —

den  Ministern  und  einem  zahlreichen  Hofstaat,  spricht  ihr  seinen
Dank  für  das  ihm  bewiesene  Vertrauen  aus  und  erklärt,  dass
er  ohne  das  Einverständniss  der  deutschen  Fürsten
und  freien  Städte  die  Wahl  nicht  annehmen  könne.

1871.  Adresse  der  Universität  München  an  Döllinger.

1875.  Enthüllung  des  Denkmals  für  Kaiser  Maximilian
von  Mexiko  zu  Miramare  im  Beisein  des  Kaisers  Franz  Joseph
von  Oesterreich.

 

4.  April.

1266.  Johann  I,  Markgraf  von  Brandenburg,  ein  kriegslustiger,
einsichtsvoller  Fürst,  stirbt.

1460.  Die  sogenannte  „tapfere  Verbesserung  der  Privilegien‘
Schleswig-Holsteins  seitens  der  Stände  zu  Kiel.

Eröffnung  der  Universität  Basel.

1492.  Ambrosius  Blarer,  schwäbischer  Reformator,  zu  Konstanz
geboren.

1521.  Luther  tritt  seine  Reise  nach  Worms  an.

1523.  Katharina  von  Bora,  nachmalige  Gattin  Luthers,  wird
mit  noch  acht  andern  Nonnen  aus  dem  Kloster  Nimptschen
befreit,

1552.  Die  Sachsen  nehmen  Augsburg.
1758.  Friedrich  II.  von  Preussen  schliesst  mit  England  einen
Bund,  wonach  dasselbe  nicht  nur  die  Besoldung  des  hannöverschen

  Bundesheeres  von  50000  Mann  übernimmt,  sondern  auch
an  Preussen  jährlich  fünf  Millionen  Thaler  Hülfsgelder  zahlt.

1793.  Die  Preussen  nehmen  von  Danzig  förmlich  Besitz.

An  demselben  Tage  flieht  der  französische  General  Dumouriez,
  von  seinen  Truppen  verlassen,  zu  den  Oesterreichern.

1794.  Schlacht  bei  Raclawicz,  in  welcher  Kosciusko  mit  Hülfe
der  Sensenmänner  über  die  Russen  siegt.

1799.  Der  österreichische  General  Bellegarde  schlägt  dieFranzosen
bei  Taufers.

1813.  Die  Franzosen  übergeben  Thorn  an  die  Preussen  und
Russen.

1814.  Napoleon  entsagt  zu  Fontainebleau  dem  Thron  zu
Gunsten  seines  Sohnes.
        <pb n="147" />
        —  137  —

1815.  Toulouse  ergiebt  sich  an  Napoleon  I.

1848.  Preussische  Truppen  unter  General  Wrangel  rücken  in
Holstein  ein,  und  vereinigen  sich  mit  den  Schleswig-Holsteinern
  und  andern  deutschen  Bundestruppen,  um  gegen  Dänemark
  zu  kämpfen.

1849.  Note  der  preussischen  Regierung,  welche  die  Bildung
des  neuen  Bundesstaates  von  der  Uebereinstimmung  der  Regierungen
  abhängig  macht.

1853.  Erneuerung  des  Zollvereins-Vertrages  auf  zwölf
Jahre.

Durch  die  Olmützer  Beschlüsse  war  Oesterreich  eine  sehr
gewichtige  Stimme  in  Deutschland  gesichert  worden  und  diesen  Einfluss
suchte  es  u.  A.  dadurch  auszunutzen,  dass  es  den  deutschen  Zollverein
zu  hintertreiben  unternahm.  Preussen  blieb  dem  Intriguenspiel  gegenüber
  kalt  und  abwartend,  und  der  Erfolg  war  denn  auch,  dass  der  Zoll
verein  unter  Anschluss  der  süddeutschen  Staaten  wieder  zu  Stande  kam,
wodurch  Preussens  Einfluss  in  Deutschland  anerkannt  wurde.

1863.  Neue  Regulierung  der  Elbzölle.

1870.  Das  österreichische  Ministerium  Hasner  reicht  seine  Entlassung
  ein;  Graf  Potocky  wird  mit  der  Neubildung  des
Kabinetts  beauftragt.

1884.  Gustav  Richter,  ein  genialer  Porträtistt  und  Historienmaler,
  stirbt  in  Berlin.

Weltberühmt  ist  seine  „Königin  Louse“  in  ganzer  Figur,  eine
Zierde  des  Kölner  Museums.

 

 

5.  April.

ee

1355.  Karl  IV.,  der  Luxemburger,  wird  zu  Rom  von  zwei  Üardıinälen
  im  Namen  des  Papstes  gekrönt.

Nach  einem  Uebereinkommen  mit  dem  Papste,  hatte  er  noch
an  demselben  Tage  die  Stadt  Rom,  wohin  er  nur  ohne  Heeresbegleitung
  kommen  durfte,  wiederzu  verlassen.  Sein  unkaiserliches
Benehmen  trug  ihm  überall  Spott  ein,  den  schärfsten  von  den  italienischen
  Patrioten,  welche  von  ihm  die  Herstellung  der  Ordnung  in  Italien

erwartet  hatten.
1631.  Tilly  erscheint  vor  Magdeburg,  das  er  belagert  und  am
10.  Mai  erstürmt.

1632.  Gustav  Adolf  von  Schweden  erzwingt  den  Lechüberang
  bei  Rain  gegen  die  Bayern,  bei  welcher  Gelegenheit

Tilly  tötlich  verwundet  wird.
        <pb n="148" />
        —  1383  —

1761.  Die  Preussen  siegen  bei  Plauen  über  einen  Teil  der
deutschen  Reichs-Armee.

1784.  Ludwig  Spohr,  Komponist,  zu  Braunschweig  geboren.

1795.  Friede  zu  Basel  zwischen  der  französischen  Republik  und

Preussen.
Frankreich  hatte  die  Forderung  an  Friedrich  Wilhelm  I.

gestellt,  nicht  nur  in  der  Eigenschaft  als  König  von  Preussen,  sondern
auch  als  deutscher  Reichsstand  während  der  ganzen  Dauer  des  Krieges
die  Neutralität  zu  beobachten,  ein  Ansinnen,  welches  offenbar  die  Auflösung
  des  deutschen  Reichs  selbst  in  sich  schloss;  —  nichtsdestoweniger
ging  der  König  von  Preussen  darauf  ein.  Dagegen  versprach  Frankreich
in  diesem  unseligen  Friedensschlusse  nicht  nur  die  Krone  Preussen  für
allenfalsige  Verluste  auf  der  linken  Rheinseite  zu  entschädigen,  sondern
es  war  sogar  in  Aussicht  gestellt,  dass  unter  Umständen  Hannover  von
den  Preussen  in  Besitz  genommen  werden  könne.

1797.  Karl  August  Devrient,  einer  der  genialsten  dramatischen
Künstler,  zu  Berlin  geboren.

1799.  Die  Oesterreicher  unter  ihrem  tapferen  General  Kray
besiegen  die  Franzosen  bei  Magnano  und  treiben  sie  hierauf  bis
über  die  Adda  zurück.

1813.  General  York  schlägt,  unterstützt  von  anderen  preussischen
Truppen  unter  Borstel  und  Bülow,  die  Franzosen  bei
Möckern,  so  dass  diese  trotz  ihrer  Ueberzahl  die  Flucht

ergreifen  mussten.

1814.  Felix  Maria  Vincenz  Andreas  Fürst  von  Lichnowski,
  Mitglied  der  deutschen  Nationalversammlung  zu
Frankfurt  a.  M.  und  Stimmführer  der  Rechten,  geboren.

Er  fiel  am  18.  September  1848  auf  der  Bornheimer  Heide  als
Opfer  des  Frankfurter  Aufstandes.

1815.  Preussisches  Besitznatme-Patent  des  Grossherzogtums
Niederrhein.

1849.  Seegefecht  bei  Eckernförde.

Major  Jungmann  nimmt  die  dänische  Fregatte  „Gefion“;  das
Linienschiff  „Christian  VIII.“  wird  in  die  Luft  gesprengt.

1857.  Alexander,  Prinz  von  Battenberg,  zweiter  Sohn  des  Prinzen
Alexander  von  Hessen-Darmstadt  und  der  Prinzessin  Julie  von
Battenberg,  geboren.

Er  wurde  1879  Fürst  von  Bulgarien,  musste  den  Thron  wieder  aufgeben,
  und  führt  nach  seiner  Verheiratung  mit  der  Sängerin  Loisinger
den  Namen  Graf  von  Hartenau.

1867.  Nach  dem  geheimen  Vertrag  zwischen  Holland  und
Frankreich,  sollte  an  diesem  Tage  Luxemburg  an  das
letztere  fallen,  was  aber  bekanntlich  durch  Bismarck  vereitelt
wurde.

1886.  General  von  Colombier,  Kommandirender  der  preussischen
Artillerie  im  schleswig-holsteinischen  Kriege,  stirbt  in  Berlin.

 

“
        <pb n="149" />
        —  139  —

6.  April.

1415.  Das  Konstanzer  Konzilium  fasst  mit  grosser  Mehrheit
den  Beschluss:  „dass  die  allgemeine  Kirchenversammlung  in
Konstanz  über  dem  Papste  stehe,  also  auch  ohne  die
„egenwart  desselben  rechtsverbindlich  verhandeln  und  entscheiden

Önne.

Unmittelbare  Folge  dieses  Beschlusses  war  das  Recht  des  Konziliums,
Päpste  ab-  und  einzusetzen,  sowie  die  Verpflichtung  der  letztern,
allenAnordnungen  der  Versammlung  Gehorsam  zuleisten.

1490.  Mathias  Corvinus,  der  grosse  Ungarkönig,  stirbt  in  dem
von  ihm  eroberten  Wien.

Er  war  ein  Freund  der  Künste  und  Wissenschaften,  gründete  die
Universität  Ofen,  und  legte  eine  Sternwarte  und  wertvolle  Bibliotheken
  an.

1528.  Albrecht  Dürer,  der  grösste  deutsche  Maler  älterer  Zeit
und  zugleich  einer  der  ächtesten  deutschen  Charaktere,  stirbt
zu  Nürnberg,  wo  er  auf  dem  Johanniskirchhof  begraben  ist.

1622.  Schlacht  bei  Wimpfen,  in  welcher  der  Markgraf  von
Baden  dem  kaiserlichen  Feldherrn  Tilly  nahezu  eine  empfindliche
  Niederlage  bereitet  hätte,  jedoch  der  feindlichen  Uebermacht
  weichen  musste.

1800.  Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  bei  Savona.
Treffen  bei  Genua,  Massena  schlägt  die  Oesterreicher
unter  Ott.
1807.  Die  Schweden  besetzen  Rostock.

1809.  Dieösterreichische  Kriegserklärunggegen  Frankreich,
  obgleich  Erzherzog  Karl  die  Rüstungen  noch  nicht  für
vollendet  erklärt  hatte,  und  die  englischen  Hülfsgelder  auf  sich
warten  liessen.

1813.  Ein  Verwaltungsrat  für  Norddeutschland  unter  dem
Freiherrn  von  Stein  wird  eingesetzt.

Preussen  reklamiert  die  1807  an  Frankreich
abgetretenen  Provinzen.

1815.  Friedrich  August  von  Sachsen  willigt  in  die  Abtretung
eines  Teiles  seiner  Länder  an  Preussen.

1849.  Klapka  und  Görgei  siegen  bei  Isasseg  über  die  Oesterreicher.


An  demselben  Tage  ruft  Oesterreich  seine  Abgeordneten
  vom  Frankfurter  Parlament  ab.
        <pb n="150" />
        —  140  °  —

1850.  Besitznahme  von  Hohenzollern-Sigmaringen  durch
Preussen.

1884.  Emanuel  Geibel,  einer  der  glänzendsten  und  schönsten
Dichtersterne,  stirbt  nach  langer  schwerer  Krankheit  und  jahrelangem
  Leiden  in  seinem  69.  Lebensjahre  in  seiner  Vaterstadt
Lübeck.

Seine  Liederbücher  haben  die  stärkste  Auflage  erreicht,  die  ein
deutscher  Dichter  bisher  erlebt  hat.

1885.  Der  wackere  Feldherr  Vogel  von  Falkenstein,  stirbt,
88  Jahre  alt,  auf  Gut  Dolzig  in  Nieder-Schlesien.

1888.  Der  Liebesroman  des  Fürsten  Alexander  v.  Battenberg
mit  Prinzessin  Viktoria,  Tochter  Kaiser  Friedrichs  IIl.,  veranlasst
  Gerüchte  betreffs  angeblichen  Rücktrittes  Bismarcks.

 

 

7.  April.

nn,

451.  Die  Hunnen  unter  ihrem  Anführer  Attila  zerstören  Mainz.

1348.  Kaiser  Karl  IV.  errichtet  zu  Prag  die  erste  Hochschule
des  deutschen  Reichs  diesseits  der  Alpen.  —  An  demselben
Tage  erklärt  Kaiser  Karl  IV.  auch  Böhmen  für  ein  Erbreich
  seines  Hauses.

1372.  Graf  Eberhard  von  Württemberg  siegt  über  den  Reichsstädtebund
  bei  Altheim.

1415.  Friedrich  von  Oesterreich  wird  von  den  Fürsten,
als  Schöffen  des  obersten  Reichsgerichts,  in  die  Reichsacht
erklärt,  während  von  den  Vätern  des  Konziliums  (Konstanz)
der  Kirchenbann  noch  hinzugefügt  wurde.

Der  heimlich  aus  Konstanz  entflohene  Papst  Johann  XXIII.  hatte
bei  Friedrich  von  Oesterreich  Aufnahme  und  Schutz  gefunden,  infolge
dessen  gegen  Friedrich  die  Reichsacht  ausgesprochen  und  von  den  Vätern
des  Konziliums  der  Kirchenbann  über  ihn  verhängt  wurde.

1521.  Waffenstillstand  zwischen  Polen  und  dem  Hochmeister  des
deutschen  Ordens,  Markgrafen  Albrecht  von  Brandenburg.

1538.  Dänemark  tritt  dem  schmalkaldischen  Bunde  bei.
1747.  Leopold  I.  Fürst  von  Anhalt-Dessau,  der  „alteDessauer“,
Feldmarschall  des  grossen  Kurfürsten,  stirbt.

Im  spanischen  Erbfolgekrieg  erwarb  er  sich  und  den  preussischen
Truppen  glänzenden  Ruhm.  Seine  Gemahlin  Anna  Luise,  war  die
Tochter  des  Apothekers  Föhse  zu  Dessau.
        <pb n="151" />
        —  141  —

1797.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  schliesst  mit  Bonaparte
zu  Klagenfurt  einen  Waffenstillstand  ab,  welchem  am  18.
April  der  Frieden  von  Leoben  folgte.

1799.  Die  „Reichsdeputation“  erklärt  den  französischen  Bevollmächtigten
  zu  Rastatt,  nachdem  der  Vertreter  des  Kaisers
eröffnet  hatte,  dass  er  an  den  Rastatter  Friedensverhandlungen
keinen  weiteren  Anteil  nehmen  könne,  und  ferner  durch  den
Krieg  die  diplomatische  Verbindung  der  französischen  Gesandten
in  Rastatt  mit  ihrer  Regierung  unterbrochen  wurde,  ja  sogar
die  Sicherheit  der  Gesandten  in  Rastatt  selbst  nicht  mehr  verbürgt
  zu  sein  schien,  dass  der  Friedens-Kongress  aufgehoben  sei.

1808.  Udo  von  Tresckow,  preussischer  General,  zu  Jerichow
in  der  Provinz  Sachsen  geboren.

Er  befehligte  1870  die  1.  Reservedivision  vor  Strassburg,  Schlettstadt,
  Pfalzburg  und  Belfort,  wo  er  den  Oberbefehl  über  die  Belagerungstruppen
  erhielt.  —  Ist  1875  in  den  Ruhestand  getreten.

1813.  Kutusow  geht  von  Kalisch  weiter  gegen  Sachsen  vor.

1815.  Oesterreich  bildet  das  Lombardisch-Venetianische
Königreich.
Aufruf  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  Ill  an  sein
Volk,  von  Wien  aus  datiert.

1820.  Georg  Klapka,  ungarischer  General,  zu  Temesvar  geboren.

1848.  Zusammentritt  des  Fünfziger-Ausschusses  Zur
ersten  Sitzung  im  Saale  der  gesetzgebenden  Versammlung  zu

Frankfurt  a.  M.

1849.  Die  Ungarn  unter  Görgei  siegen  bei  Gödöllö  über  die
Oesterreicher  unter  Fürst  Windischgräz.

1859.  Pariser  Konferenz  wegen  der  Donaufürstentümer.

1861.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  gewährt  durch  das
„Protestantenpatent“  seiner  protestantischen  Bevölkerung
völlig  gleiche  Rechte  und  Freiheiten  mit  der  katholischen  Kirche,
ohne  jedoch  das  Concordat  mit  dem  Papste  aufzuheben.

1867.  Militär-Konvention  zwischen  Preussen  und  Hessen.
Hessen  tritt  in  militärischer  Hinsicht  in  dieselbe  Stellung  zu
Preussen  wie  die  Staaten  des  norddeutschen  Bundes.
1868.  Eröffnung  des  Gewer  bemuseums  in  Berlin.

1869.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  bei  Auftreten
  der  Rinderpest  zu  ergreifenden  Massregeln.

1873.  Bürgermeister  Lauth  von  Strassburg,  wird,  da  er  in  amtlicher
  Stellung  seine  Hoffnung  auf  baldige  Rückkehr  der
Franzosen  ausdrückte,  seines  Amtes  entsetzt.

1874.  Wilhelm  von  Kaulbach,  berühmter  Maler,  stirbt  zu  München,
        <pb n="152" />
        —  1422  —

1875.  Georg  Herwegh,  politischer  Lyriker  der  40er  Jahre,
stirbt  zu  Lichtenthal  bei  Baden-Baden.

Er  brachte  die  politischen  radikalen  Bestrebungen  seiner  Zeit  zum
dichterischen  Ausdruck;  —  er  war  Revolutionär,  beteiligte  sich
1848  am  badischen  Aufstand,  wo  er  übrigens  wenig  Mut  an  den  Tag
legte.

 

8.  April.

1525.  Aufhebung  des  deutschen  Ordens  in  seinem  bisherigen
  Bestand.  Albrecht  von  Brandenburg,  erster
Herzog  von  Preussen.  |

1598.  Vergleich  zu  Krakau  zwischen  Polen  und  dem  Hochmeister
  des  deutschen  Ordens,  der  sein  Wahlfürstentum  in  ein
Erbfürstentum  verwandelt  hatte.

Das  neue  Herzogtum  Preussen  wird  polnisches  Lehen.

1655.  Ludwig  I[.,  Markgraf  von  Baden,  bedeutender  Feldherr  und
Sieger  über  die  Türken,  zu  Paris  geboren.

1716.  Die  schwedische  Besatzung  von  Wismar,  durch  Hunger
bezwungen,  ergiebt  sich  den  belagernden  Dänen,  Preussen  und
Hannoveranern.  —  Die  Werke  werden  hierauf  geschleift.

1803.  Justus  Freiherr  von  Liebig,  berühmter  Chemiker,  zu
Darmstadt  geboren.

1820.  Friedrich  Ludwig  Jahn,  der  Turnvater,  wird  als  Revolutionär
  auf  die  Festung  Colberg  gefangen  gesetzt.

1835.  Wilhelm  von  Humboldt,  Sprachforscher  und  Staatsmann,
  stirbt  zu  Tegel  bei  Berlin.

1848.  Die  österreichische  Brigade  Wohlgemut  wird  vom  piemontesischen
  Corps  Bava  bei  Goito  geschlagen.

1866.  Preussen  schliesst  mit  Italien  ein  Offensiv-  und

Defensivbündniss  ab,  und  verpflichtet  sich,  demselben
zu  dem  Besitz  Venetiens  zu  verhelfen.
        <pb n="153" />
        —  143  —

1886.  Dr.  Johann  Baptist  Orbin,  Erzbischof  von  Freiburg,  stirbt.

Prinz  Wilhelm  von  Württemberg  vermählt  sich  zu  Bückeburg
  mit  Charlotte  von  Schaumburg-Lippe,  Tochter  des  Prinzen
Wilhelm  von  Schaumburg-Lippe.  |

1890.  Pöbelexcesse  in  Wien.

Plünderung  einer  Anzahl  von  Läden  jüdischer  Geschäftsleute;
Brandstiftung.

 

9.  April.

1241.  Schlacht  bei  Liegnitz  (Wahlstatt),  in  welcher  30000
Deutsche  und  Polen,  unter  Herzog  Heinrich  dem  Frommen
von  Niederschlesien,  von  den  weit  zahlreicheren  Mongolen
geschlagen  werden,  da  die  feigen  Polen  im  entscheidenden
Augenblick  die  Flucht  ergriffen  hatten.  Herzog  Heinrich  fiel
selber.

Die  Mongolen  hatten  aber  so  grosse  Verluste  erlitten,  dass  sie
ihren  Sieg  nicht  weiter  ausnützten,  sondern  vorzogen,  sich  wieder  nach
Ungarn,  Russland  und  Asien  heimwärts  zu  wenden.  Auf  dem  Schlachtfelde
  ist  später  das  Kloster  Wahlstatt  erbaut  worden.

1258.  Die  heilige  Juliane,  eine  Lütticher  Reclusennonne,  stirbt.

Sie  gab  infolge  einer  ihr  zuteil  gewordenen  Vision  Veranlassung
zur  ersten  Feier  des  Fronleichnamfestes  (1246).

1388.  Schlacht  bei  Näfels,  in  welcher  1300  Schweizer  über
6000  Oesterreicher  siegen.

1609.  Zwölfjähriger  Waffenstillstand  zuAntwerpen  zwischen
Spanien  und  dem  Erzherzog  von  Oesterreich.

1758.  Gefecht  bei  Wesel.

Die  Franzosen  werden  von  der  Avantgarde  der  verbündeten  Armee,
den  Preussen,  Engländer  und  Hannoveraner  zurückgeworfen.

1798.  Eröffnung  der  helvetischen  Nationalversammlung
zu  Aarau.

1813.  Die  Franzosen  unter  Davoust  verlassen  Lüneburg.

1848.  Bei  Valeggio  findet  zwischen  Piemontesen  und  Oesterreicher
ein  Vorpostengefecht  statt.

Niederlage  der  Schleswig-Holsteiner  bei  Bau
(Dorf  in  Schleswig);  die  Dänen  rücken  in  Flensburg  und  tags

darauf  in  Schleswig  ein.
        <pb n="154" />
        —  144  —

An  demselben  Tage  Volksaufstand  in  Kassel.
1849.  Sieg  der  Ungarn  unter  Görgei  über  die  Oesterreicher
bei  Waitzen.
1864.  Der  Kaiser  von  Oesterreich  unterzeichnet  zu  Miramare
die  Staatsverträge  mit  dem  Erzherzog  Maximilian,  dem  erwählten
  Kaiser  von  Mexiko.

1866.  Der  preussische  Ministerpräsident  von  Bismarck
beantragt  beim  deutschen  Bundestage  eine  Reform  des
Bundes,  wonach  ohne  Preussens  und  Oesterreichs  gemeinschaftliche
  Zustimmung  kein  Bundeskrieg  stattfinden,  Preussen  im
Vorsitz  und  in  der  Leitung  des  Bundes  mit  Oesterreich
gleichberechtigt,  eine  Volksvertretung,  hervorgegangen  aus
direkten  Wahlen  und  allgemeinen  Stimmrechts  nach  Massgabe
  der  Bevölkerung  der  einzelnen  Staaten,  mit  beschliessenden
Stimmen  in  Bundesangelegenheiten  mitwirken  und  zu
deren  Berufung  sofort  ein  Termin  festgestellt  werden  sollte.

1869.  Cirkulardepesche  des  bayerischen  Ministerpräsidenten
Fürsten  zu  Hohenlohe-Schillingsfürst,  in  welcher  er
die  europäischen  Kabinette  zu  einem  gemeinsamen  Auftreten
gegen  die  römischen  Pläne  angesichts  der  Einberufung  des
vatikanischen  Konzils  aufforderte.

1871.  Beschiessung  von  Paris  durch  die  Versailler  Truppen.

1877.  Ablehnende  Antwort  des  türkischen  Ministers  Savfet  Pascha
auf  das  Protokoll  der  Londoner  Konferenz.

1886.  Der  volkstümliche  Dichter  Josef  Viktor  von  Scheffel
stirbt  zu  Karlsruhe.

1885.  Fünfter  deutscher  Geographentag  in  Hamburg.

1889.  Ersatz  des  Kriegsministers  Bronsart  von  Schellendorff
durch  General  von  Verdy  du  Vernois.

Der  Generalstabsarzt  Gustav  von  Lauer,  Leibarzt
Kaiser  Wilhelm  I.,  stirbt.
        <pb n="155" />
        —  14)  —

10.  April.

879.  Ludwig  II.,  König  des  westfränkischen  Reichs,  im  Munde
des  Volks  der  „Stammler“  genannt,  stirbt.  Er  war  schwach  an
Leib  und  Seele.

1585.  Papst  Gregor  XII.  stirbt.

Er  hat  sich  als  Verbesserer  des  Julianischen  Kalenders  1582,  welcher
nach  ihm  der  „Gregorianische  Kalender“  heisst,  grosse  Verdienste
erworben.

1645.  DieWestfälischen  Friedensunterhandlungen  werden
eröffnet.

1741.  Schlacht  bei  Mollwitz.

Friedrichs  II.  von  Preussen  erste  Schlacht  und  Sieg  über  die
Oesterreicher,  welche  er  so  gründlich  schlug,  dass  diese  Schlesien  verlassen
  mussten,  und  die  Erbin  Kaiser  Karls  VI.,  die  kaum  24  Jahre
zählende  Maria  Theresia,  sich  damals  in  der  Lage  sah,  ihrer  Schwiegermutter
  zu  schreiben:  „Noch  weiss  ich  nicht,  ob  mir  aus  der  ganzen
väterlichen  Erbschaft  eine  einzige  Stadt  übrig  bleiben  wird,  um  darin
die  unter  meinem  Herzen  keimende  Frucht  ablegen  zu  können.“

1759.  Die  Preussen  nehmen  die  Penamünder  Schanze.

1800.  Der  französische  General  Suchet  wird  von  den  Oesterreichern
bei  Voltri  geschlagen.

1809.  Die  Pusterthaler  beginnen  mit  der  Insurrektion  Tirols.

1813.  Ludwig  von  Berger,  wird,  ein  Opfer  der  französischen
Zwingherrschaft,  mit  seinem  Freunde  Fink  und  Anderen

ın  Bremen  erschossen.

Sie  hatten  sich  einige  Aeusserungen  gegen  die  Gewaltherrschaft
der  Franzosen  erlaubt,  wurden  verhaftet  und  vom  Kriegsgericht  zu
Bremen  zum  Tode  verurteilt.

Blücher  geht  mit  seiner  Armee  über  die  Elbe.
1814.  Schlacht  bei  Toulouse.  Der  englische  General  Wellington
siegt  über  die  Franzosen  unter  General  Soult.
1815.  Napoleon  ruft  alle  Männer  von  20  bis  zu  60  Jahren  zur
Nationalgarde  auf.
Oesterreich  erklärt  dem  König  Murat  von  Neapel
den  Krieg.
1848.  Schluss  des  zweiten  vereinigten  Landtags  in  Berlin.
Die  Preussen  erstürmen  Trzemeszno  in  Posen  nach

hartnäckigem  Widerstand  der  stark  verbarrikadierten  Stadt.
10
        <pb n="156" />
        —  146  —

Die  Dänen  bemächtigen  sich  der  Stadt  Schleswig
wieder.

Kaiser  Ferdinand  von  Oesterreich  schliesst  den  letzten  zu
Pressburg  getagten  Reichstag,  nachdem  dessen  freisinnige
Beschlüsse  bestätigt  worden  waren.

1849.  Gefecht  bei  Waitzen  zwischen  den  Ungarn  und  Oesterreichern
  unter  Csorich.  —  General  Götz  fällt.

1862.  Eine  vom  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  zu  diesem  Behufe
  zusammengesetzte  Commission  von  Generälen  entscheidet
  sich  für  die  dreijährige  Dienstzeit.

Es  soll  nicht  unverwähnt  bleiben,  dass  König  Wilhelm  —  nachmaliger
  deutscher  Kaiser  —  gewillt  war,  sich  für  die  von  der
Volksvertretung  gewünschte  zweijährige  Dienstzeit  zu
entscheiden,  jedoch  in  gewissenhafter  Pilichterfüllung  erst  das  Urteil

  seiner  Generäle  hierüber  hören  wollte,  welches  denn  auch  schliesslich
  für  ihn  massgebend  und  entscheidend  war.

1864.  Erzherzog  Maximilian  von  Oesterreich  nimmt  die  ihm
auf  Betreiben  Napoleon  Ill.  angetragene  Krone  von  Mexiko  an.

1871.  Annahme  der  Verfassung  des  deutschen  Reiches
im  Reichstag.

Damit  war  das  lang  erstrebte  und  mit  Blut  und  Eisen  erkämpfte
Einigungswerk  in  der  Hauptsache  beendet;  denn  auf  dieser  Verfassung
bauten  sich  nun  alle  weiteren  Massnahmen  und  Einrichtungen  auf  und
diese  Verfassung  gılt  selbstverständlich  auch  heute  noch  als  Grundstein
und  Eckpfeiler  des  Reiches.

Deutsches  Siegesfest  in  New-  York.

1878.  Albert  Borsig,  bedeutender  Maschinenfabrikant  zu  Berlin,
gestorben.

 

 

11.  April.

1111.  Papst  Paschalis  II.  schliesst  bei  Tonte  Mamolo  am  Anio
mit  Kaiser  Heinrich  V.  einen  Vertrag  ab,  worin  er  das
Recht  der  deutschen  Krone,  Erzbischöfe,  Bischöfe
und  Acbte  fortan  ungestört  mit  Ring  und  Stab  zu
belehnen,  feierliehst  anerkennt,  und  zwar  als  Zeichen
Ihrer  Abhängigkeit  von  den  königlichen  Oberlehensherrn.

1598.  Wilhelm  l.,  Herzog  von  Suchsen-\Weimar,  Stifter  der  neuen
weimarischen  Linie,  geboren.
        <pb n="157" />
        —  147  —

1713.  Unterzeichnung  des  Utrechter  Separat-Friedens;
von  England,  Savoyen,  Portugal,  Preussen  und  den  Niederlanden
nach  einander  mit  Frankreich  abgeschlossen.  Der  spanische
Erbfolgekrieg  beendet.

Das  deutsche  Reich  stand  sonach  wieder  vereinzelt,  —  setzte
aber  dessenungeachtet  den  Krieg  noch  einige  Zeit  lang  fort,  bis  1714
am  7.  März  der  jämmerliche  Rastatter  Friede  zu  Stande  kam.

1745.  Treffen  bei  Slawentzitz.

Der  preussische  General  von  Winterfeld  schlägt  die  ungarischen
leichten  Truppen  in  die  Flucht.

1757.  Friedrich  der  Grosse  erstürmt  das  österreichische  Lager
bei  Reichenberg.

1796.  Gefecht  bei  Montenotte,  der  erste  Sieg  Bonapartes  über
die  Oesterreicher.

1805.  Dritte  Koalition  der  Grossmächte  England,  Russland
und  Oesterreich  gegen  Frankreich.

‘Der  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von:  Preussen  blieb,  zum  Teil
aus  Unentschlossenheit,  zum  Teil  aus  Missmut  über  Russlands  trotziges
Drängen,  parteilos  und  versäumte  so  eine  gute  Gelegenheit,
  den  gemeinsamen  Feind  zu  übermannen.  Zwei  Jahre
später  rächte  sich  dies  schwer  an  Preussen.

1806.  Anastasius  Grün  (Graf  von  Auersberg),  Dichter  und  Polıtiker,
  zu  Laibach  geboren.

"1809.  Die  Tiroler  zünden  abends  7  Uhr  auf  den  Höhen  des  rechten
Innufers,  beim  Judenstein  gegen  Axams  und  Natters  der  Hochstrasse
  entlang,  die  ersten  Signalfeuer,  als  Aufforderung
zum  allgemeinen  Aufstand  gegen  die  französische  Gewaltherrschaft,
  an.

Zunächst  galt  es  der  Einnahme  der  von  den  Bayern  besetzten
Stadt  Hall  am  Inn,  —  die  noch  in  derselben  Nacht  in  die  Hände  der
Tiroler,  fiel,  welche  von  Speckbacher  geführt  wurden.  Die  Bayern
unter  Oberstlieutenant  Bernklau  überrumpelt,  ergaben  sich;  es  wurde
ihnen  nichts  abgenommen  als  die  Waffen  und  die  Munition.

1812.  Alfred  Krupp,  Grossindustrieller,  zu  Essen  geboren.

1814.  Napoleon  dankt  nach  harten  Kämpfen  und  unter  den  Bitten
seiner  Getreuen  zu  Fontainebleau  für  sich  und  seine
Nachkommen  ab.

1816.  Rudolf  Ferdinand  von  Kummer,  preussischer  General,
zu  Szelejewo  (Posen)  geboren.

1825.  Ferdinand  Lassale,  sozialdemokratischer  Agitator,  zu
Breslau  geboren.

1847.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Freussen  eröffnet
in  Berlin  den  „vereinigten  Landtag“,  eine  Versammlung
aus  allen  Provinzialständen.

Die  Eröffnungsrede  des  Königs  war  eine  Kriegserklärung
gegen  die  Liberalen.  „Es  drängt  mich“,  sagte  er  darin,  „zu
        <pb n="158" />
        —  18  —

der  feierlichen  Erklärung,  dass  es  keiner  Macht  der  Erde
jegelingensoll,  michzubewegen,  dasnatürliche  Verbältnis
  zwischen  Fürst  und  Volk  in  ein  vertragsmässiges,
konstitutionelles,  zu  verwandeln  und  nun  und  nimmermehr
werde  ich  es  zugeben,  dass  sich  zwischen  unserm  Herrn  im  Himmel
und  dieses  Land  ein  beschriebenes  Blatt  gleichsam  als  eine  zweite  Vorsehung
  eindränge,  um  die  alte  heilige  Treue  zu  ersetzen.“  —  „Die  Krone
kann  und  darf  nur  nach  den  Gesetzen  Gottes  und  des  Landes  und  nach
eigener  freier  Bestimmung  herrschen,  nicht  aber  nach  dem
Willen  von  Majoritäten.

1548.  Die  italienischen  Freischaren  werden  bei  Castelnnovo

von  den  Oesterreichern  geschlagen.

1865.  Handels-  und  Zollvertrag  des  Zollvereins  mit  Oesterreich.

1867.  Schutz-  und  Trutzbündnisszwischen  Preussen  und
Hessen,  dessen  zweitem  Artikel  gemäss  der  König  von  Preussen
den  Oberbefehl  über  die  hessischen  Truppen  in  der  Weise  erhält,
wie  es  der  Entwurf  der  norddeutschen  Bundesverfassung  und  die
Militärkonvention  vom  7.  April  ausspricht.

1871.  Die  Angriffe  der  Versailler  auf  die  Südforts  von
Paris  werden  zurückgeschlagen.

1885.  Karl  Stieler,  Dichter  (oberbayerischer  Mundart),  stirbt  zu
München.

 

 

12.  April.

gen

372.  Sabas,  einer  der  bedeutendsten  gotischen  Märtyrer,  stirbt
unter  Athanarich  in  der  Walachei  am  Flusse  Mussova.

1611.  Kaiser  Rudolf  I.  tritt  Böhmen  an  seinen  Bruder
Matthıas  ab.

1621.  Auflösung  der  protestantischen  Union.

1646.  Förmliche  Abtretung  des  Elsasses  an  Frankreich,
nachdem  Kaiser  Ferdinand  III.  den  Kriegsdrohungen  der
Franzosen  gegenüber  keinen  andern  Ausweg  mehr
kannte.

1745.  Sieg  der  Preussen  über  die  Oesterreicher  bei  Gr.  Strehlitz
in  Schlesien.

1796.  Treffen  bei  Monte  Notte.

DieFranzosen  bereiten  den  Oesterreichern  eine  Niederlage.

1798.  Die  revolutionäre  Partei  derschweizerischen  Eidgenossenschaft
  erklärt  dieselbe  nach  französischer  Art  für
eine  einheitliche  und  unteilbare  Republik.
        <pb n="159" />
        —  19  —

1809.  Andreas  Hofer  erstürmt  Innsbruck  und  zwingt  ein
bayerisches  Bataillon  die  Waffen  zu  strecken.

1813.  Treffen  bei  Langensalza,  in  welchem  die  Preussen  die
Bayern  schlagen.  |

1814.  Napoleon  I.  unterzeichnet  die  Abdankungsurkunde.

1815.  Vereinigung  der  Universitäten  Wittenberg  und
Halle.

Bei  Ferrara  wird  Murat  von  den  Oesterreichern  geschlagen.


1827.  Zollverein  zwischen  Bayern  und  Württemberg.

1848.  Badıscher  Aufstand  durch  die  Demokraten  unter  Fr.
Hecker.

15850.  Papst  Pius  IX.  kehrt  von  Gaeta  nach  Rom  zurück.

1863.  Ein  bayerisches  Rundschreiben  legt  Protest  ein  gegen
jede  Beeinträchtigung  der  Rechte  der  bayerischen  Dynastie  auf
den  griechischen  Thron.

1867.  Einhundertfünfzehn  Abgeordnete  der  bayerischen  Kammer
überreichen  dem  Staatsminister,  Fürsten  Ilohenlohe,  eine  Adresse,
in  welcher  sie  sich  dem  Auftreten  des  heichstages  ın  Berlin  in
der  Luxemburger  Frage  anschliessen.

1888.  Im  ungarischen  Komitat  Oedenburg  richtet  ein  Erdbeben
  grossen  Schaden  an.

 

 

13.  April.

1111.  Papst  Paschalis  U.  krönt  den  Kaiser  Heinrich  V.  zu

Rom.

Mit  der  Kaiserkrone  auf  dem  Haupte  gab  dieser  dem  heiligen
Vater  die  am  Tage  vorher  unterzeichnete  Vertragsurkunde  wieder  zurück!
  —  um  den  Einwand  abzuschneiden,  sie  sel  mit  Gewalt  einem
Gefangenen  abgezwungen  worden.  Doch  der  Papst  händigte  das  wichtige
  Dokument  dem  Kaiser  öffentlich  in  der  Kirche  zum  zweitenmal
ein  und  reichte  ihm  zur  Befestigung  des  Friedens  zwischen  Rirche  und
Reich  das  Abendmahl  und  nahm  es  selbst  darauf.

1155.  Tortona,  Bundesstadt  der  Mailänder,  wird  von  den  Deutschen
  zerstört.
1180.  Heinrich  der  Löwe  wird  seiner  Länder  entsetzt.
        <pb n="160" />
        —  150  —

1346.  Papst  Clemens  VI.  schleudert  den  Bannfluch  gegen  den
Kaiser  Ludwig  den  Bayern.

„Schmettere  ihn  zu  Boden,  allmächtiger  Gott!  Schlage  ihn  mit
Blindheit  und  Raserei!  Schleudere  deine  Blitze  auf  seinen  Scheitel,
dass  die  Erde  unter  seinen  Füssen  berste  und  der  Abgrund  ihn  verschlinge!
  verflucht  sei  er  diesseits  und  jenseits,  verflucht  sei  sein  ganzes
Geschlecht!*  —  So  der  Wortlaut.

1408.  Aufruhr  der  Landshuter  Bürger  wider  den  jungen  und

ausschweifenden  Herzog  Heinrich.
1631.  Gustav  Adolf  nimmt  Frankfurt  a.  d.  Oder  im  Sturm.

1633.  Konvent  zu  Heilbronn  zwischen  Oxenstierna,  dem
französischen,  englischen  und  holländischen  Gesandten,  um  über
die  Fortsetzung  des  Krieges  zu  beraten.

1739.  Der  Dichter  Christian  Friedrich  Daniel  Schubart
zu  Sontheim  in  Württemberg  geboren.

1743.  Die  Universität  Erlangen  wird  durch  Kaiser  Karl  VII.
gestiftet  und  noch  in  demselben  Jahr  (4.  Nov.)  eröffnet.

1759.  Schlacht  bei  Bergen  im  7jährigen  Kriege.

Die  Preussen  wurden  dort  geführt  von  Herzog  Ferdinand  von
Braunschweig;  die  Franzosen,  welche  geschlagen  und  in  die
Flucht  getrieben  wurden,  kämpften  unter  dem  General  Broglio.

An  demselben  Tage  stirbt  zu  London  Georg  Friedrie
Händel,  einer  der  berühmtesten  Tondichter  aller  Zeiten,  ein
Deutscher.

Seine  irdischen  Uleberreste  wurden  in  Westminster  beigesetzt  und
ihm  daselbst  ein  prachtvolles  Marmordenkmal  errichtet,  auch  sein  Geburtsstadt
  Halle  setzte  ihm  1859  ein  ehernes  Denkmal.

1784.  Friedrich  Graf  von  Wrangel,  preussischer  Generalfeldmarschall,
  zu  Stettin  geboren.

1796.  Sieg  der  Oesterreicher  über  die  Franzosen  unter  Augereau
bei  Cassaria.

1798.  Bernadotte,  französischer  Gesandter  in  Wien,  lässt  an
seiner  Wohnung  eine  dreifarbige  Fahne  mit  der  Inschrift
„französische  Republik“  aushängen,  was  den  Aerger  der  Bevölkerung
  in  Wien  erweckte,  welche  die  Wegnahme  dieser
Fahne  forderte,  und  bei  der  Weigerung  sogar  in  die  Wohnung
des  Gesandten  gewaltsam  einbrach  und  diesen  beleidigte.

Bernadotte  verliess  hierauf  zwei  Tage  später  Wien;  die  Verhandlungen
  zu  Selz  bei  Rastatt  am  30.  Mai  waren  sodann  die  nächsten
Folgen  dieses  Vorkommnisses.

1799.  Der  kaiserliche  Bevollmächtigte  verlässt  den  resultatlosen
Rastatter  Friedens-Kongress,  während  die  Reichsdeputation
  sich  erst  am  23.  April  für  „aufgelöst“  erklärte.

An  demselben  Tage  setzt  sich  die  österreichische  Armee
unter  Erzherzog  Karl  gegen  Schaffhausen  in  Bewegung.
        <pb n="161" />
        —  11  —

1809.  Napoleon  bricht  gegen  "Oesterreich  auf,  noch  ehe  dies
den  Krieg  erklärt  hat.

Andreas  Hofer  macht  mit  dem  Landsturm  der  Gerichte
Darentheim  und  Passeyr  die  auf  dem  Rückzug  befindlichen
Bayern  bei  Sterzing  zum  grössten  Teil  kriegsgefangen.

1838.  Rudolf  Falb,  Astronom  und  Physiker,  zu  Obdach  in  Steiermark
  geboren.

849.  Erstürmung  der  Düppeler  Schanzen  durch  die
deutschen  Truppen,  welche  die  Dänen  sodann  bis  auf  die
Insel  Alsen  zurück  treiben.

1868.  Deutsches  Zollparlament;  währt  bis  23.  Mai.
1884.  General  von  Schwerin  und  Gouverneur  von  Metz,  hervorragender

  Heerführer  im  deutsch-französischen  Kriege,  stirbt
zu  Metz.

1838.  Bismarck  erringt  in  der  Battenberg’schen  Heiratsgeschichte
einen  vollständigen  Sieg.

 

 

14.  April.

919.  Heinrich  L.,  der  Vogelsteller,  wird  zu  Fritzlar  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.  |

1328.  Kaiser  Ludwig  der  Bayer  erlässt  von  Rom  aus  ein
Gesetz,  wonach  jeder  der  Ketzerei  oder  des  Hochverrats  Schuldige
auch  ohne  Beachtung  der  sonst  üblichen  Rechtsformen
  durch  gesetzmässige  Richter  verurteilt  werden  könne;
und  diesem  Gesetze  gab  er  rückwirkende  Kraft.

So  ein  Reichsgesetz  konnte  der  Kaiser  eigentlich  nicht  für  sich
erlassen;  er  gebrauchte  es  aber  alsbald  gegen  den  Papst  Johann  XXII.,
der  schon  mehrere  Banuflüche  gegen  ihn  geschleudert  hatte.  —  Schon
am  18.  April  sass  Ludwig  über  Papst  Johann  zu  Gericht,  und  erklärte
den  „Priester  Jacob  Cahors,  welcher  sich  Papst  Johann  XXII.  nenne,
als  Ketzer  und  Majestätsverbrecher  seiner  Würde  verlustig,  unter  Vorbehalt
  weiterer  Strafe,  sobald  man  seiner  habhaft  werde.“

1450.  Markgraf  Albrecht  I.  von  Brandenburg-Ansbach,  der  dritte
Sohn  des  Kurfürsten  Friedrich  I.  von  Brandenburg,  schlägt  die
Nürnberger  und  deren  Bundestruppen,  da  diese  ihren  am  11.

März  bei  Pillenreut  errungenen  $ieg  nicht  ausnützten.
1524.  Schlacht  bei  Romagnano.

Sieg  der  Kaiserlichen  über  die  Franzosen.
        <pb n="162" />
        —  12  —

1544.  Schlacht  beı  Cerisoles.
Die  Kaiserlichen  werden  von  den  Franzosen  unter  Franz  von
Enghien  besiegt.
1574.  Schlacht  auf  der  Mooker  Haide  bei  Nymwegen.

Sieg  des  spanischen  Generals  Sancho  de  Avila  über  die  niederländische
  Armee.

1586.  Eröffnung  der  1585  durch  Erzherzog  Karl  II.  von  Oesterreich
gestifteten  Universität  Graz.

1671.  König  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  schliesst  mit  Schweden
eine  einerseits  gegen  Dänemark,  anderseits  gegen  die  Niederlande
  gerichteten  Defensivallıanz.

1745.  Feierliche  Grundsteinlegung  zum  Schlosse  Sanssouci
bei  Potsdam.

1796.  Bonaparte  schlägt  die  Oesterreicher  und  Piemontesen  bei
Dego.

1809.  Die  österreichischen  Truppen,  umgeben  von  den
Schaaren  der  Landesvertheidiger,  ziehen  wieder  in  Innsbruck
ein.

1814.  Der  Senat  von  Paris  überträgt  die  provisorische  Regierung
Frankreichs  dem  Herzog  von  Artois.

1816.  Tauschtraktat  zuMünchen  zwischen  Bayern  und  Oesterreich;
  ersteres  erhält  für  Tirol,  Salzburg  und  das  Innviertel  —
Würzburg,  Aschaffenburg  und  die  Rheinpfalz.

1832.  Gerhard  Rohlfs,  Afrikareisender,  zu  Vegesack  geboren.

1843.  Joseph  Franz  Karl  Lanner,  Walzerkomponist,  stirbt  zu
Wien.

Er  war  am  11.  April  1800  zu  Dölling  bei  Wien  geboren,  und  ist
der  eigentliche  Begründer  der  modernen  Tanzmusik.

1849.  Sämmtliche  28  Kleinstaaten  überreichen  dem  preussischen
Bevollmächtigten  eine  Note,  in  welcher  sie  der  Wahl  des

deutschen  Kaisers  und  der  Reichsverfassung  zustimmen.


An  demselben  Tage  erklären  die  Ungarn  unter  den  Feldherrn
  Görgey,  Bem  und  Dembinsky,  ihr  Land  nebst  Siebenbürgen
und  Zubehör  für  eine  unabhängige  Republik.  Das  Haus
Habsburg  ward  nun  „ewige  Zeiten  von  der  Regierung  ausgeschlossen“,
  und  Kossuth  vorläufig  zum  Präsidenten  ernannt.

1859.  Weigerung  Oesterreichs,  am  Pariser  Kongress  teilzunehmen,
  wenn  nicht  vorher  Entwaffnung  einträte.

1864.  Die  „Grille*  besteht  im  Gefecht  vor  Jasmund  an  der
Küste  von  Rügen  mit  nur  2  Geschützen  einen  zweistündigen
Kampf  mit  einem  dänischen  Linienschiff  und  einer  Fregatte  von
zusammen  108  Geschützen.  —  Bau  der  dritten  Parallele

vor  Düppel.
        <pb n="163" />
        —  15  —

Abfahrt  des  Kaisers  Maximilian  von  Triest  nach
Mexiko.

1879.  Eröffnung  des  zweiten  internationalen  Meteorologenkongresses
  in  Rom.

15.  April.

818.  König  Bernhard,  Enkel  und  Liebling  des  grossen  Karl,
durch  die  List  der  Kaiserin  Irmengard  in  die  Gewalt  Ludwigs
geraten,  wird  durch  deren  Anhang  „wegen  Bruches  der  Lehenstreue“
  zum  Tode  verurteilt.

Der  Kaiser  verwandelt  das  Todesurteil  in  Blendung  und  Gefangenschaft.
  Auf  Irmengards  Betreiben  hin  wurde  aber  die  Blendung  am
heutigen  Tage  in  so  grausamer  Weise,  so  tödlich  vollzogen,  dass  er
zwei  lage  darauf  —  also  am  17.  April  818  starb.

1134.  Albrecht  der  Bär  (von  Baldenstädt)  wird  vom  Kaiser
Lothar  mit  der  Nordmark  belehnt  und  hiermit  der  Grund  für
die  Mark  Brandenburg  und  das  spätere  Königreich  Preussen
gelegt.

Albrecht  der  Bär,  so  wegen  seiner  Tapferkeit  genannt,  war  es,  der
dem  Heidentum  im  Lande  ein  Ende  machte,  Ordnung  schaffte  und  die
rosse  Kunst  verstand,  als  Sieger  die  Besiegten  für  sich  zu  gewinnen.
80  gelang  es  ihm,  die  Wenden  mit  den  Deutschen  zu  verschmelzen  und

bei  seinem  Tode  hinterliess  er  seinem  Sohne  ein  zwar  kleines,  aber  für
damalige  Zeit  mustergiltiges  Reich.

1191.  Papst  Cölestin  III.  vollzieht  zu  Rom  an  Heinrich  VI.  und
an  dessen  Gemahlin  Konstantia  die  Kaiserkrönung.

Cölestin  that  dies  ungern;  denn  er  fürchtete  Heinrichs  Macht,
welehe  durch  Erwerbung  Unteritaliens  ganz  überwältigt  werden  musste.

1567.  Johann  Friedrich  II.,  Herzog  von  Sachsen-Gotha,  kommt
wegen  Teilnahme  an  den  Grumbach’schen  Händeln  in  lebenslängliche
  Gefangenschaft  bei  Kaiser  Maximilian  II.

1632.  Gustav  Adolf.  von  Schweden  erkämpft  sich  bei  Rain  den
Uebergang  über  den  Lech,  wobei  der  kaiserliche  General
Tilly  durch  einen  Schuss  schwer  verwundet  wird,  in  Folge
dessen  er  15  Tage  später  in  Ingolstadt,  wohin  er  sich  zurückgezogen,
  stirbt.  |

1725.  Papst  Benedikt  XIII.  eröffnet  zu  Rom  eine  allgemeine
Kirchenversammlung.
        <pb n="164" />
        —  154  —

1745.  Die  Oesterreicher  unter  Batthiany  siegen  bei  Pfaffenhofen
  über  die  Franzosen  und  Bayern.

1759.  Sieg  der  Preussen  über  die  ÖOesterreicher  bei  Pasberg
in  Böhmen.

1771.  Fürst  Schwarzenberg,  österreichischer  Feldherr,  zu  Wien
geboren.

1788.  Defensivbündniss  im  Haag  zwischen  Preussen,  England
und  Holland.

1809.  Oesterreich  erklärt  an  Frankreich  den  Krieg.

1813.  Napoleons  Abreise  von  St.  Cloud  zum  Kriege  gegen
Deutschland.

1867.  Napoleon  II.  erklärt  in  einer  Zirkulardepesche,  dass
er  auf  die  Abtretung  des  Grossherzogtums  Luxemburg  verzichten
  wolle,  wenn  Preussen  auf  das  Besatzungsrecht
verzichten  werde.

1874.  Wilhelm  von  Grabow,  ehemaliger  Präsident  des  preussischen
  Abgeordnetenhauses  während  der  Confliktzeit,  stirbt  zu
Prenzlau.

1890.  Reichskanzler  von  Caprivi  erscheint  zum  ersten  Malals
Präsident  des  Staatsministeriums  im  preusstschen  Abgeordnetenhaus,
  und  entwickelt  in  einer  längeren  allseits  beifällig
aufgenommenen  Rede  seinen  Standpunkt  zu  den  politischen
Tagesfragen.

 

 

16.  April.

1197.  Petrus  Waldus  (Peter  Valdez),  Gründer  der  reformatorischen
Genossenschaft  der  „Waldenser“,  stirbt.

1521.  Dr.  Martin  Luther  hält  seinen  Einzug  in  Worms,
—  der  fast  grossartiger  als  der  des  Kaisers  gewesen  war.

1525.  Greuelscenen  der  aufständischen  Bauern  in  Weinsberg.


Am  ersten  Ostertag  orstürmen  6000  bis  SO00  Bauern  dasfeste
Weinsberg,  nachdem  Graf  Ludwig  von  Helfenstein  mit  seinen  Rittern
und  einem  Teil  der  Bürger  es  tapfer  verteidigt.  Graf  Ludwig  mit  14
Rittern  und  mehreren  Reisigen  wurden  mittelst  des  Spiesses  getötet.

'  &amp;gt;  ,  .  .

1742.  Die  Preussen  unter  Oberst  de  la  Motte-Fouque  führen  einen
‘  r  I  ’  1  .  +  .
Bagagen-Transport  mitten  durch  den  viel  stärkeren  Feind  von
Kockor  (Mähren)  nach  Wisternitz.
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        —  15  —

1786.  Albert  Adam,  Tier-  und  Schlachtenmaler,  zu  Nördlingen
am  Ries  geboren.

1798.  Mühlhausen  im  Elsass,  Genf  und  das  Bistum  Basel
werden  der  französischen  Republik  einverleibt.

1809.  Schlacht  bei  Saecile.

.  Erzherzog  Johann  von  Oesterreich  bringt  dem  Vizekönig  Eugen
eine  entscheidende  Niederlage  bei.

1813.  Thorn  ergiebt  sich  an  die  Russen.

1817.  Martin  Friedrich  Rudolf  Delbrück,  preussischer  Staatsmann,
  zu  Berlin  geboren.

1848.  Grossbritannien  bietet  dem  dänischen  Kabinett  seine  Dienste
in  der  schleswig-holsteinischen  Frage  an;  dieselben
werden  den  18.  April  angenommen,  bleiben  jedoch  erfolglos,  da
Lord  Palmerston  eine  Erklärung  über  den  Fall  der  Nichtannahme
seiner  Intervention  verweigert.

1861.  Königlich-preussischer  Erlass,  betreffend  die  Bildung
eines  Marineministeriums,  das  dem  Kriegsminister  von
Roon  mit  übertragen  wird.

1862.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  gewährt  auf  Anraten
des  Finanzministers  eine  Ermässigung  der  Steuerlast  und  der
Heereskosten,  indem  er  den  Zuschlag  von  25  pCt.  zur  Einkommen-
  und  Klassensteuer,  sowie  zur  Mahl-  und  Schlachtsteuer
vom  1.  Juli  des  Jahres  ab,  fortfallen  lässt,  und  die  Ausgaben
für  das  Heer  vorläufig  um  nicht  unbedeutende  Beträge  vermindert.


Durch  diese  Zugeständnisse  versuchte  der  König  den  begonnenen
Konflikt  zwischen  seiner  Regierung  und  der  Volksvertretung  zu  lösen.

1867.  Beendigung  der  Schlussberatung  im  norddeutschen
  Reichstag  über  den  Verfassungs-Entwurf.  Annahme
  des  Entwurfs  mit  230  gegen  53  Stimmen.

Der  König  von  Preussen  entliess  hierauf  die  Versammlung  mit
einer  Rede  vollnationalen  Selbstbewusstseins.

1871.  Gesetz,  betreffend  die  Verfassungdesdeutschen  Reiches,
publiziert.

1888.  Bedeutende  Verschlimmerung  im  Befinden  Kaiser
Friedrichs  des  Edlen.
        <pb n="166" />
        —  156  —

17.  April.

1314.  Versöhnung  zwischen  Herzog  Friedrich  dem
Schönen  von  Oesterreich  und  Herzog  Ludwig  dem
Bayer  zu  Salzburg,  wonach  jener  den  Ansprüchen  auf  die
Vormundschaft  in  Bayern  entsagte.

Da  die  Herrschaft  des  deutschen  Reichs  durch  Heinrichs  VII.  Tod
erledigt  war,  so  versprach  ihm  Ludwig  als  Gegendienst,  dass  er  ihm
bei  der  Kaiserwahl  nicht  entgegen  sein  wolle.

1415.  Der  Ritter  Hieronymus,  ein  Freund  des  Johannes  Huss,
der  in  den  polnischen  und  russischen  Landen  für  die  Lehre  des
Huss  thätig,  von  dessen  Schicksal  hörend,  zach  Konstanz  geeilt
war,  macht  durch  öffentlichen  Anschlag  bekannt,  dass  er  gekommen
  sei,  die  Vertheidigung  seines  Freundes  vor
der  Kirchenversammlung  etc.  etc.  zu  führen.

Als  Hieronymus  jedoch  hörte  und  las,  dass  ınan  ihn  verhaften
wolle,  trat  er  die  Rückreise  nach  Böhmen  an,  wurde  jedoch  in  Hirschau
in  der  Oberpfalz,  unweit  des  Bölmerwaldes,  im  Naınen  des  Herzogs  von
Bayern,  am  25.  April  verhaftet.

1521.  Dr.  Martin  Luther  erscheint  zu  Worms  in  feierlicher
  Reichsversammlung  vor  Kaiser  Karl  V.

Am  Morgen  dieses  Tages  erschien  Ullrich  von  Pappenheim,  des
Reiches  Erbmarschall,  im  deutschen  Hof,  allwo  Luther  in  Worms
eingekehrt  war,  und  überbrachte  dem  Reformator  die  schriftliche  Ladung
  „Nachmittags  vier  Uhr  vor  dem  Kaiser,  den  Kurfürsten  und  den
übrigen  Ständen  des  Reiches  zu  erscheinen  und  anzuhören,  warum  und
wozu  er  berufen  sei.“  —  Dr.  Martin  Luther  nalım  den  Befehl  der  Reichsversammlung
  mit  Ehrerbietung  auf  und  erklärte  seine  Bereitwilligkeit
ihm  Gehorsam  zu  leisten.  Zur  bestimmten  Stunde  wurde  er  daher  von  dem
Erbmarschall  Ullrich  von  Pappenheim  und  dem  Ehrenhold  Kaspar  Sturm
in  die  Herberge  des  Pfalzgrafen  bei  Rhein,  und  von  da  in  heimlichen
Gängen  auf  das  Rathaus  geleitet.  Der  Augenblick  war  inhaltschwer;
schon  stieg  das  Volk  in  Worms  auf  die  Dächer  um  den  Reformator  zu
sehen.  In  feierlicher  Stille  empfieng  die  Reichsversammlung  den  vorgeladenen
  Mönch;  Kaiser  Karl  V.  sass  mit  dem  Scepter  in  der  Hand  auf
deın  Kaiserthron,  umgeben  von  seinen  Räten;  die  Kurfürsten  zeigten
sich  im  Schinuck  ihrer  Würde,  die  Fürsten.  Grafen,  Freiherren  und  die
Abgeordneten  der  Reichsstädte  in  der  prachtvollen  Kleidung  ihres  Standes;
  über  200  Fürsten  und  Herren  waren  zugegen.  Nach  der  Anrede
Dr.  Ecks  bat  Dr.  Martin  Luther  bezüslich  einer  zweiten  Frage  bedcenkzeit,
  die  ihm  auf  24  Stunden  gewährt  wurde,  während  er  die  ihm
vorgelegten  Schriften  als  die  seinigen  anerkannte.

1539.  Georg,  der  Reiche  oder  der  Bärtige,  Herzog  von
Sachsen,  stirbt.
        <pb n="167" />
        —  1570  —

1573.  Maximilian  I.,  Kurfürst  von  Bayern,  zu  Landshut  geboren.

1711.  Kaiser  Joseph  I.  stirbt  plötzlich.  —  Der  frühzeitige  Tod

Josephs  I.  änderte  damals  die  ganze  politische  Sachlage.
Er  regierte  von  1705—1711.

1755.  Erbvergleich  Mecklenburgs  zu  Rostock,  dem  unterm
30.  September  auch  Strelitz  beitrat;  Landesgrundgesetz,  auf  dem
die  gegenwärtige  Landesverfassung  beruht.

1759.  Gefecht  bei  Troppau.

Die  Preussen  werfen  die  Oesterreicher  aus  der  Stadt.

1775.  Friedrich  König,  Erfinder  der  Schnellpressen,  zu  Eisleben
  geboren.

1794.  Schlacht  beı  Chäteau-Cambresis.

Der  Prinz  von  Koburg  besiegt  die  Franzosen.

1809.  Napoleon  trifft  in  Donauwörth  ein,  zieht  seine
Truppen  schnell  zusammen  und  eilt,  den  Oesterreichern  im  Angriff
  zuvorzukommen.

Napoleon  I].  richtet  an  die  um  ihn  zu  Donauwörth  versammelten
bayerischen  und  württembergischen  Truppen  eine  Proklamation,  in  der
es  heisst:  „Ich  bin  nicht  als  Kaiser  von  Frankreich,  ich  bin  nur  als  Beschützer
  eures  Landes  und  des  deutschen  Bundes  in  eurer  Mitte.  Kein
Franzose  ist  unter  Euch;  ihr  allein  sollt  die  Oesterreicher  schlagen.“
Dabei  liess  er  sie  fühlen,  welchen  Beweis  des  Zutrauens  er  ihnen  dadurch
  gebe,  dass  er,  Napoleon  selbst,  an  ihrer  Spitze  fechte.

1813.  Gefecht  bei  Langensalza;  die  Preussen  schlagen  die
Bayern  in  die  Flucht.

Vergeblicher  Sturm  Wittgensteins  auf  Wittenberg;  die
Preussen  unter  Kleist  erstürmen  die  Vorstädte  auf  dem  linken
Elbufer.

1814.  Die  Russen  und  Preussen  besetzen  Glogau.
1825.  Handelsvertrag  zwischen  Preussen  und  Russland.
1831.  Aufstand  in  Dresden  durch  preussisches  Militär  unterdrückt.

1867.  Graf  Bismarck  erklärt  im  norddeutschen  Reichstag  die
Verfassung  des  norddeutschen  Bundes  durch  den  Reichstag  und
die  Regierung  für  angenommen.

1871.  Der  Erzbischof  von  München  verhängt  die  Exkommunikation
  über  Döllinger.

1886.  Ein  grosser  Teil  der  Stadt  Stryj  in  Galizien  brennt  ab,  wobei
  40  Personen  umkommen.
        <pb n="168" />
        —  158  —

18.  April.

1328.  Der  deutsche  Kaiser  LudwigIV.  setzt  Papst  Johann  XXII.  ab.

1417.  Friedrich  VI.,  Burggraf  von  Nürnberg,  wird  auf  dem  Konzil
zu  Konstanz  in  feierlichster  Weise  mit  der  Mark  Brandenburg
  belehnt,  und  nennt  sich  von  nun  an  als  Kurfürst  Friedrich  1.

1499.  Die  Eidgenossen  schlagen  das  Reichsheer  im  Schwaderloch.


1521.  Luther  verweigert  auf  dem  Reichstag  zu  Worms
standhaft  den  Widerruf  seiner  Lehre.

Als  man  hierin  von  Luther  eine  „einfache  und  bestimmte  Antwort“
verlangte,  erklärte  er  mit  „funkelnden  Augen  und  glühenden  Wangen‘“

„Weil  denn  Euer  Kaiserliche  Majestät,  Kurfürstlichen  und  fürstlichen
Gnaden  eine  schlechte,  einfeltige,  richtige  Antwort  begeren,  So  wil  ich
die  geben,  so  weder  Hörner  noch  Zehen  haben  sol!  Nemlich
also,  Es  sey  denn,  das  ich  mit  Zeugnissen  der  heiligen  Schrift  oder  mit
öffentlichen,  klaren  und  hellen  Gründen  und  Ursachen  überwunden  und
überweiset  werde,  So  kan  und  wil  ich  nichts  wiederruffen.
Hie  stehe  ich,  ich  kann  nicht  anders,  Gott  helfe  mir
Amen!“  (Wörtlich  nach  der  Berichterstattung  in  den  Werken  Luthers.)

1742.  Die  Oesterreicher  werden  von  preussischen  Dragonern  bei
Fulnek  geschlagen.

1758.  Die  Oesterreicherübergeben  Schweidnitz  an  die  Preussen
unter  Treskow;  die  Besatzung  wird  kriegsgefangen.

1797.  Schlacht  bei  Neuwied.

Die  Franzosen  unter  General  Hoche  schlagen  die  Oesterreicher
  unter  Warneck  in  die  Flucht.

1800.  Die  Schlacht  bei  Voltri.

‚Die  Oesterreicher  unter  General  Melas  erfechten  einen  Sieg  über
die  von  General  Massena  geführten  Franzosen,  worauf  dieser  sich  mit
einem  Teile  seines  Heeres  in  die  Festung  Genua  zurückziehen  musste,

während  der  andere  Teil  den  Rückzug  durch  die  piemontesischen  Alpen
nahın.

1809.  Treffen  bei  Dinzling  und  Hausen.

Durch  eine  falsche  Nachricht  über  die  Bewegungen  der  Franzosen

unter  Napoleon  ].  getäuscht,  konnten  die  Oesterreicher  der  Uebermacht
nicht  Stand  halten,  und  wurden  zum  Rückzug  gezwungen.

1813.  Der  bayerische  General  Zoller  und  der  französische  General

Mauveillon  übergeben  die  Festung  Thorn  nach  standhafter
Gegenwehr  an  die  Russen.

Beschiessung  Wittenbergs  durch  das  Corps  des
Generallieutenants  v.  Kleist.
        <pb n="169" />
        —  159  —

1820.  Franz  von  Suppe,  bedeutender  Operetten-Komponist,  zu
Spalato  in  Dalmatien  geboren.

1864.  Erstürmung  der  Düppeler  Schanzen  und  Einnahme
des  Brückenkopfes  durch  die  Preussen  unter  dem  Prinzen
Friedrich  Karl.

Mit  Verlust  von  5000  Mann  und  118  Kanonen  floh  der  Feind  über
den  Alsensund  hinüber  auf  die  Insel;  den  Preussen  kostete  der  glorreiche
Tag  1200  Mann,  die  tot  oder  verwundet  waren.

1866.  Der  Grundstein  zu  dem  Siegesdenkmal  auf  dem
Königsplatz  in  Berlin,  wird  gelegt.

1873.  Justus  Freiherr  von  Liebig,  berühmter  Chemiker,  stirbt
in  München.

 

19.  April.

1521.  Kaiser  Karl  V.  erlässt  eine  Botschaft  in  französischer
Sprache  (!!)  an  die  Reichsversammlung  in  Worms,  worin  er
sich  als  den  Vertheidiger  des  römisch-katholischen  Glaubens  im
Sinne  seiner  Vorfahren  erklärt.

Es  reue  ihn,  dass  er  Luther  bis  jetzt  geschont  habe,  nach  den
Aeusserungen  der  Hartnäckigkeit,  die  man  gestern  von  Luther  gehört
habe.  Er  werde  gegen  ihn  verfahren,  wie  gegen  einen  offenbaren
Ketzer,  nnd  er  fordere  die  Fürsten  auf,  im  gleichen  Sinne  mit  ihm  zu
handeln.  „Wir  wollen,“  hiess  es  darin,  „Martin  Luther  und  seinen  Anhang
  durch  die  Acht  und  andere  bequemliche  Wege  uns  unterstehen  zu
dämpfen,  wollen  wir  ihm  das  zugesagte  Geleit  nicht  brechen.“

Dieses  Umlaufschreiben  des  Kaisers  an  die  Fürsten,  welches  allen
üblichen  Formen  auf  einem  Reichstag  entgegen  war,  wurde  mitMissfallen
  aufgenommen.

1529.  Speyrer  Protestation  der  evangelischen  Stände
gegen  den  Reichtagsabschied,  durch  welche  für  die  Folge
die  evangelische  Partei  im  Inn-  und  Ausland  den  Namen  der
„Protestanten“  erhielt.

1560.  Philipp  Melanchthon  stirbt,  63  Jahre  alt,  „müde  und
voll  Aengsten  in  der  Seele  um  die  Zukunft  der  Reformirten  und
der  deutschen  Nation.“

1688.  Friedrich  Wilhelm,  der  „grosse  Kurfürst“  stirbt.

1716.  Die  schwedische  Besatzung  in  Wismar  ergiebt  sich  an
die  Belagerungstruppen  der  Preussen,  Dänen  und  Sachsen.
        <pb n="170" />
        —  160  °  —

1742.  Der  französische  Marschall  Moritz  von  Sachsen  schlägt
die  Oesterreicher  bei  Eger  und  besetzt  die  Stadt.
1759.  Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher  bei  Brunnersdorf
  in  Böhmen.
August  Wilhelm  Iffland,  berühmter  Schauspieler  und
Bühnendichter,  zu  Hannover  geboren.

1793.  Ferdinand  I.  Kaiser  von  Oesterreich,  zu  Wien  geboren.
Er  regierte  von  1835—  1848.

Sieg  der  Franzosen  über  die  Oesterreicher  bei  Arlon  in

Belgien.

1794.  Haager  Subsidienvertrag  wird  von  dem  preussischen
Minister  von  Haugwitz  unterzeichnet.  |

1796.  Heftige  Kämpfe  zwischen  den  Franzosen  und  den  Piemontesen
  unter  Colli.

1800.  Der  Dichter  Franz  von  Gaudy  zu  Frankfurt  an  der
Oder  geboren.

1809.  Siegreiches  Gefecht  der  Franzosen  gegen  die  Oesterreicher  bei
Pfaffenhofen.

An  demselben  Tage  schlägt  Poniatowsky  die  Oesterreicher
bei  Raszyn.

1824.  Der  Dichter  Otto  Roquette  zu  Krotoschin  (Posen)  geboren.

1837.  Wilhelm  Hasenklever,  sozialdemokratischer  Agitator,  zu
Arnsberg  in  Westfalen  geboren.

1847.  Staatskonsulta  im  Kirchenstaate  von  Papst  Pius  IX.
eingesetzt.

1848.  Gefecht  bei  Gostyn,  welches  unter  Major  von  Müller
erstürmt  und  dessen  polnische  Besatzung  zerstreut  wird.

1849.  Sieg  der  Oesterreicher  über  die  Piemontesen  beı
Belsiore.

1859.  Oesterreich  überreicht  in  Turin  ein  Ultimatum,  in

welchem  es  die  Entwaffnung  Sardiniens  verlangt,  andernfalls  es
sofort  zum  Angriff  übergehen  werde.

‚Cavou  r  lehnte  ab,  worauf  am  29.  das  österreichische  Heer  die
sardinische  Grenze  überschreitet.

1869.  Entdeckung  einer  Mazzinistischen  Verschwörung  in
Mailand.

1873.  Prinz  Albrecht  von  Preussen  vermählt  sich  mit  Prinzess
Maria,  Tochter  des  Herzogs  Ernst  von  Sachsen-Altenburg,  im
Königlichen  Schlosse  zu  Berlin.

1885.  Demokratischer  Parteitag  in  Düsseldorf.
        <pb n="171" />
        —  161  —

20.  April,

est)

997.  Der  heilige  Adalbert,  Bischof  von  Prag,  von  einem  heidnischen
  Priester  der  Preussen  im  Samland  erschlagen.
“  Adalbert  wurde  als  Märtyrer  des  christlichen  Glaubens  im  Jahr
339  vom  Papst  Sylvester  II.  heilig  gesprochen.
1499.  Sieg  der  kaiserlichen  und  schwäbischen  Heere
im  „Schwabenkriege“  bei  Frastanz  in  Tirol.

1526.  Nächtlicher  Ueberfall  bei  Golling.

n  Die  Bauern  vernichten  das  Söldner-Heer  des  Erzbischofs  von  Salzurg.



1547.  An  diesem  und  den  fünf  folgenden  Tagen  „war  dieSonne
des  Tags  über  rot,  und  des  abends  und  morgens  wie  Blut;
und  ähnlich  gieng  es  dem  Monde,“  —  wie  die  Chroniken  jener
Zeit  zu  erzählen  wissen.  Auch  wäre  „Allen  schreckhaft  zu
Mut  gewesen“.

1632.  Johann  Tserklaes  Graf  von  Tilly,  Feldherr  im
dreissigjährigen  Kriege,  stirbt  zu  Ingolstadt  in  Folge  erhaltener
Verwundung.

Gustav  Adolf  von  Schweden  empfängt  vor  dem  Wertachbruckerthore
  die  Schlüssel  Augsburgs.

1702.  Ein  Ausfall  der  französischen  Besatzung  aus  dem  seit
1689  durchPreussen  und  Oesterreicher  belagerten  Kaiserswerth
  wird  zurückgeschlagen.

1799.  Schlacht  bei  Cassano.

Die  Oesterreicher  unter  Melas  erringen  einen  glänzenden  Sieg
gegen  die  Franzosen  unter  Moreau,  so  dass  sich  diese  bis  Alessandria

zurückziehen  müssen.

1757.  Friedrich  II.  von  Preussen  rückt  im  zweiten  Feldzug  des
siebenjährigen  Krieges  in  Böhmen  ein.

1792.  Ludwig  XVI.  von  Frankreich  erscheint  von  sämtlichen
Ministern  umgeben  in  der  gesetzgebenden  Versammlung  zu
Paris,  und  „verlangt“,  dazu  gedrängt  und  wiederstrebend::
Oesterreich  den  Krieg  zu  erklären;  —  was  denn  mit
grosser  Zustimmung  aufgenommen  wurde  und  auch  sofort  geschah.

1799.  Erste  Aufführung  von  Schillers  ‚Wallensteins  Tod“  in

Weimar.
11
        <pb n="172" />
        —  12  —

1808.  Napoleon  III,  Kaiser  der  Franzosen,  zu  Paris  geboren.
1809.  Schlacht  bei  Abensberg.

Napoleon  schlägt  die  Oesterreicher  und  treibt  den  linken
Flügel  ihres  Heeres  bis  über  die  kleine  Laber.

1812.  Der  Dichter  Fr.  von  Sallet  zu  Neisse  geboren.

1813.  Sturm  auf  Spandau.

1814.  Napoleon  nimmt  zu  Fontainebleau  Abschied  von  seiner
Garde  und  tritt,  von  den  Generälen  Bertrand,  Drouot  und
Cambronne  begleitet,  die  Reise  nach  Elba  an.

1831.  Herzog  Wilhelm  übernimmt  definitiv  an  Stelle  seines  für
regierungsunfähig  erklärten  Bruders  Karl  die  Regierung  in
Braunschweig.

1839.  Karl  I,  König  von  Rumänien,  Sohn  des  Fürsten  Karl  Anton
von  Hohenzollern,  geboren.

1848.  Gefecht  bei  Kandern  im  badischen  Kreise  Lörrach
zwischen  den  Hecker’schen  Freischaaren  und  hessisch-württembergischen
  Truppen  unter  Friedrich  von  Gagern,  welcher  fiel.

1853.  Allianzvertrag  zwischen  Oesterreich  und  Preussen,
  angesichts  des  orientalischen  Krieges.

In  diesem  Vertrage  wurde  die  Garantie  des  Besitzes  gegen  jeden

Angriff,  von  welcher  Seite  er  auch  komme,  und  den  Schutz  der  deutschen

Interessen  stibuliert,  zugleich  aber  auch  der  Hoffnung  auf  eine  friedliche
Ausgleichung  Ausdruck  gegeben.

1866.  Prinz  Karl  von  Hohenzollern  wird  als  regierender  Fürst  von

Rumänien  durch  Plebiscit  erwählt  und  proklamiert.

1873.  Prinz  Leopold  von  Bayern  vermählt  sich  mit  der  Erzherzogin
  Gisela,  Tochtes  des  Kaisers  Franz  Josef  von  Oesterreich,


1876.  General  von  Corel,  der  letzte  Offizier  der  Totenkopfhusaren
  stirbt  in  Schwedt  a.  O.

1885.  General-Konsul  Dr.  Nachtigal  stirbt  in  Afrika.

1888.  ImösterreichischenReichsrat  wird  dem  Grafen  Taaffe
ein  Misstrauensvotum  erteilt.
        <pb n="173" />
        163  —

21.  April.

1246.  Papst  Innocenz  VI.  schickt,  nachdem  er  mit  den  Bettelmönchen
in  Deutschland  vorgearbeitet  hatte,  den  Befehl  (!)  an  die  deutschen

Fürsten  „ohne  allen  Verzug“  Heinrich  Raspe  —  den  „Pfaffenkönig“,
  wie  ihn  das  Volk  nannte  —  zum  Reichsoberhaupt  zu
wählen.

1488.  Ulrich  von  Hutten,  Vorkämpfer  der  Reformation  ‚  auf
dem  fränkischen  Schloss  Steckelberg  bei  Fulda  geboren.

1512.  Die  Kirchenversammlung  zu  Pisa  erklärt  den  Papst
Julius  II.  für  abgesetzt.

1521.  Teilungsvertrag  zu  Worms,  wodurch  Kaiser  Karl  V.
die  österreichischen  Erbländer,  mit  Ausnahme  der  Niederlande,
seinem  Bruder  Ferdinand  überlässt.

1703.  Sieg  Karls  XI.  von  Schweden  über  ein  sächsischpolnisches
  Heer  unter  General  Steinau  bei  Pultusk.

1736.  Prinz  Eugen  von  Savoyen  —  der  „edle  Ritter“,  stirbt.

„Eugen  war  eigentlich  der  Kaiser!“  sagte  Friedrich  der  Grosse  von
ihm.  „Ohne  Eugen  wäre  Karl  VI.  wie  oft!  verloren  gewesen.“

1756.  Treffen  bei  Reichenberg,  in  welchem  die  Preussen
die  Oesterreicher  schlagen.

1782.  Friedrich  Fröbel,  Pädagog,  zu  Oberweissbach  (Schwarzburg-Rudolstadt)
  geboren.

1796.  Schlacht  bei  Mondovi.
Die  Franzosen  unter  Massena  und  Angereau  besiegen  die  Oesterreicher
  unter  Beaulieu.

1805.  Ludwig  Kossuth,  ungarischer  Diktator,  zu  Tapio  Bicske
im  Pester  Komitat,  geboren.
1809.  Aufstand  gegen  das  Königreich  Westfalen  unter
Oberst  v.  Dörnberg  in  Wolfhagen.
Gefecht  bei  Landshut  (Niederbayern);  Napoleon  besiegt

  die  Oesterreicher.  .
1813.  Edikt  zur  Errichtung  des  Landsturms  in

Preussen.  .
1848.  General  Wrangel  überschreitet  als  Bundesfeldherr  mit  seinen

Truppen  die  Eider.
        <pb n="174" />
        —  164  —

1849.  Die  preussische  Kammermehrheit  erkennt  dem  Antrag  Rodbertus
  gemäss  die  Rechtsbeständigkeit  der  deutschen
Verfassung  an.

Die  Deutschen  stürmen  Kolding  in  Jütland.

1864.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen,  der  sich  nach  Schleswig
  begeben  hatte,  um  den  Truppen  persönlich  seinen  Dank
auszudrücken,  hält  bei  Gravenstein  Heerschau  über  die
Düppeler  Sturmkolonnen  und  die  Division  Göben;  —  tags
danach  über  die  übrigen  preussischen  Truppen.

1866.  Oesterreich  stimmt  in  der  Bundesversammlung  gegen  die
preussischen  Anträge.

1870.  Eröffnung  des  letzten  Zollparlaments.

1879.  Konvention  zwischen  Oesterreich  und  der  Pforte
über  Bosnien  und  die  Herzegowina.

In  derselben  wird  die  Souveränität  des  Sultans  über  diese  Länder
gewahrt.  Beide  Länder  werden  vom  1.  Januar  1850  ab  dem  österreichischungarischen
  Zollgebiet  einverleibt.

1888.  Gnadenerlass  des  Kaisers  Friedrich  II.  für
Armee  und  Marine.

1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  zur  Grundsteinlegung  des  Denkmals
Kaiser  Wilhelms  I.  in  Bremen.

Die  drei  Hammerschläge  begleitete  der  Kaiser  mit  den  Worten:
„Dem  Heimgegangenen  zum  Gedächtnis,  den  Lebenden  zur  Erinnerung,
den  kommenden  Geschlechtern  zur  Nacheiferung.“

 

22.  April.

&amp;gt;

1076.  Papst  Gregor  VII,  Kaiser  Heinrich  IV.  grösster  Feind
und  Gegner,  wird  zum  Papst  erwählt.

1418.  Schluss  des  Konstanzer  Konzils.

‚  Fapst  Martin  V.  entlässt  die  Kirchenversammlung  zu  Konstanz.
Sie  war  ohne  Nutzen  gewesen,  wie  sie  in  sich  selbst  nichtsnutzig  war.“
Sie  hatte  vier  Jahre  angedauert.

10n  ne  Eidgenossen  schlagen  das  Reichsheer  auf  der  Malser
aide.

1529.  Dieevangelischen  Stände,  die  „Protestanten“,  richten
eine  feierliche  Berufung  an  den  Kaiser  Karl  V.  um  einall  gemeines
  National-Concilium  Deutschlands.
        <pb n="175" />
        —  165  —

1724.  Emanuel  Kant,  Deutschlands  grösster  Philosoph,  zu
Königsberg  geboren.

Durch  ihn  geschah  auf  dem  Gebiete  der  Philosophie  die  grösste
und  folgenreichste  Umwälzung.  Kant  stellte  die  Moral  als  wesentliche
Grundlage  aller  vernünftigen  Religion  auf  und  gab  der  Rechtslehre  und
Aesthetik  einen  festen  einfachen  Boden.  Namentlich  bekannt  sind  seine
Schriften  „Kritik  der  reinen  Vernunft“  und  „Kritik  der  praktischen  Vernunft.“
  Anfangs  hatte  die  Kant’sche  Philosophie  wenig  Anerkennung,
später  jedoch  fand  sie  mächtigen  Eingang.

1745.  Kurfürst  Maximilian  Joseph  Il.  von  Bayern,
der  Sohn  Karls  VI.  schliesst  mit  Maria  Theresia  den
Frieden  zu  Füssen  ab,  indem  er  auf  die  Erbschaft  Karl  VI.
verzichtet,  dem  Gemahle  der  Königin  von  Ungarn  seine  Stimme
bei  der  Kaiserwahl  zu  geben  und  die  Franzosen  —  seine  bisherigen
  Bundesgenossen  —  aus  dem  Lande  zu  schaffen,  verspricht.
  Dagegen  giebt  ihm  Maria  Theresia  ganz  Bayern,  mit
Ausnahme  einiger  Besitzungen,  zurück.

1809.  Schlacht  bei  Eggmühl.

Napoleon  und  Davoust  werfen  den  Erzherzog  Karl  auf  die  Hauptarmee
  bei  Eglofsheim  zurück  und  treiben  auch  diese  in  die  Flucht.  —
Davoust  wird  von  Napoleon  zum  Fürsten  von  Eggmühl  ernannt.

1815.  Napoleon  erlässt  die  sogenannte  Additionalakte,  durch
welche  die  frühere  Verfassung  des  Kaisertums  in  konstitutionellem
  Sinne  geändert  wird.

1819.  Friedrich  Bodenstedt,  Dichter  und  Schriftsteller,  zu
Peine  (Hannover)  geboren.

1820.  Karl  Twesten,  deutscher  Politiker,  zu  Kiel  geboren.

1848.  Gefecht  bei  Adelnau;  die  polnischen  Insurgenten  von
den  Preussen  geschlagen;  die  Stadt  besetzt.

1849.  Görgei  entsetzt  Komorn.

1860.  von  Bruck,  österreichischer  Finanzminister,  entleibt  sich,
da  in  der  Angelegenheit  des  wegen  Veruntreuungen  in  der  Armeeverwaltung
  verhafteten  Feldmarschall-Lieutenants  v.  Eynatten
ein  Verdacht  auch  auf  ihn  zu  fallen  schien.

1864.  König  Wilhelm  von  Preussen  in  Düppel.
1875.  Zusammenkunft  des  deutschen  Kronprinzen  mit  dem
König  von  Italien  in  Neapel.

1885.  Kulturkampfsdebatte  im  preussischen  Landtage  (Aufhebung
  des  Sperrgesetzes  und  Straflosigkeit  des  Messelesens).
        <pb n="176" />
        —  166  —

23.  April.

ea

1625.  Moritz.  Prinz  von  Oranien,  Graf  von  Nassau,  Statthalter
der  Niederlande,  stirbt.  |

1664.  Die  türkische  Besatzung  übergiebt  die  Festung  Neitra
in  Ungarn  an  das  Belagerungscorps  (Preussen  unter  dem
Herzog  von  Holstein).

1708.  Der  Dichter  Friedrich  von  Hagedorn  zu  Hamburg

geboren.

Er  schrieb  im  Geiste  des  Horaz  heitere,  anmutige  Lieder  der  Geselligkeit
  und  der  Lebensfreude  Auch  sinnige  Fabeln  verdanken  wir
seiner  Feder.

1788.  Sabacz  wird  den  Türken  durch  die  Oesterreicher  entrissen.

1806.  Karl  Heinrich  Wilhelm  Wackerengel,  Dichter  und
Germanist,  zu  Berlin  geboren.

1809.  Die  Oesterreicher  besetzen  Warschau  (bis  2.  Juni).
Die  Franzosen  nehmen  Regensburg  mit  Sturm.

1814.  Vertrag  zu  Paris  zwischen  den  verbündeten  Mächten
und  dem  Statthalter  von  Frankreich,  Grafen  von  Artois.

1828.  Albert,  König  von  Sachsen,  geboren.

Er  war  der  älteste  Sohn  des  Königs  Johann  und  der  Königin
Amalie.  Als  tapferer  Feldherr  zeichnete  er  sich  bei  Gravelotte  und  St.
Privat  aus,  ebenso  bei  Sedan.  Er  ist  von  seinem  Volke  nicht  nur  als
Feldherr,  sondern  auch  als  weiser  und  gerechter  Herrscher  hochverehrt.

1848.  Der  preussischa  General  von  Wrangel  erstürmt  im
Verein  mit  den  schleswig-holsteinischen  Truppen  das  Danewerk,

ein  mächtiger  Wall  gegen  die  Deutschen  zwischen  Eider  und
Schle,  —  schlägt  die  Dänen  und  befreit  Schleswig.

1849.  Schlacht  bei  Kolding.

Die  schleswig  -  holsteinischen  Truppen  unter  Bonin  siegen  über  die
Dänen.
1859.  Uebergabe  der  österreichischen  Sommation  in  Turin.
Oesterreich  fordert  Sardinien  auf,  binnen  3  Tagen  seine  Armee  auf
Friedensfuss  zu  stellen,  widrigenfalls  es  ihm  den  Krieg  erkläre.

1867.  Abschluss  des  italienisch-Ööstereichischen  Handelsvertrages.


1878.  Unterzeichnung  des  Protokolls  eines  zu  vereinbarenden
Handelsvertrageszwischen  Deutschlandund  Hawaii.
        <pb n="177" />
        —  167  —

1885.  Der  Bundesrat  lehnt  die  Berufung  in  Strafsachen  ab.

1888.  Die  Stellvertretungsrechte  des  Kronprinzen  werden
bedeutend  erweitert.  —  Graf  Herbert  Bismarck  wird  zum
Staatsminister  ernannt.

24.  April.

nn

709.  Wilfrid,  Erzbischof  von  York,  Apostel  der  Friesen,  stirbt
im  Kloster  zu  Undalum  (Oundle).

1193.  Albertus,  Bischof  von  Lüttig,  wird  auf  Anordnung  Kaiser
Heinrichs  VI.  ermordet.

1432.  Abwehr  der  Hussiten  von  Bernau.
1547.  Schlacht  bei  Mühlberg  an  der  Elbe.«

Kaiser  Karl  V.  siegt  über  die  protestierenden  Fürsten,  nimmt  den
Kurfürsten  von  Sachsen  und  den  Landgrafen  Philipp  von  Hessen  gefangen
  und  zwingt  schliesslich  die  Protestanten  zur  Annahme  des
Interim  —  einer  Uebereinkunft,  kraft  welcher  ihnen  bis  zur  Entscheidung
  des  Konzils  die  Priesterehe  und  den  Laien  der  Kelch  im  Abendmahle

  gestattet  wird.

1580.  Philippine  Welser,  die  vielgefeierte,  treffliche  Gemahlin
  des  Erzherzogs  Ferdinand  von  Oesterreich,  stirbt  auf
dem  Schloss  Ambras.

Ferdinand  sah  sie  (1547)  bei  Gelegenheit  eines  Reichstags  zu  Augsburg
  und  verliebte  sich  in  sie.  Standhaft  widersetzte  sie  sich  allen  Anträgen
  des  feurigen  erst  19jährigen  Erzherzogs,  und  weigerte  sich,  irgend
eine  andere  Verbindung  als  durch  die  Ehe  mit  ihm  einzugehen.

1632.  Gustav  Adolf  zieht  als  Sieger  in  Augsburg  ein.

1642.  Die  Schweden  erstürmen  Glogau.

1702.  Belagerung  von  Kaiserswerth;  die  Preussen  erstürmen
die  Rheininsel  und  deren  Redouten.

1703.  Vergeblicher  Angriff  der  Franzosen  auf  die  vom  Markgrafen
  von  Baden  besetzten  Verschanzungen  bei  Stollhofen.

1796.  Karl  Immermann,  dramatischer  Dichter  und  Schriftsteller,
zu  Mageburg  geboren.

1809.  Schlacht  bei  Grochow.

Die  Oesterreicher  werden  vom  Fürsten  Poniatowski  geschlagen.

Treffen  bei  Neumark.

Die  Oesterreicher  unter  Hiller  siegen  über  die  Franzosen  und
Bayern.
        <pb n="178" />
        —  168  —

An  demselben  Tage  hebt  Napoleon  I.  zu  Regensburg  den

deutschen  Orden  auf.

Dessen  Güter  wurden  den  Rheinbundfürsten,  und  die  Comthure
mit  kläglichen  Jahrgeldern  abgefunden;  während  die  Kammerballeien  in
Oesterreich  und  Tyrol,  und  die  Commenda  Sachsenhausen  zur  Disposition
  des  Kaisers  von  Oesterreich  gestellt  wurden.

1813.  Alexander  I.  und  Friedrich  Wilhelm  III.  ziehen  in
Dresden  ein.

1819.  Klaus  Groth,  hervorragender  plattdeutscher  Dichter,  zu
Heide  in  Holstein  geboren.

1829.  Benjamin  Vautier,  berühmter  Genremaler,  zu  Morges
bei  Genf  geboren.

1848.  Treffen  bei  Schopfheim  gegen  die  badischen  Republikaner.


Treffen  bei  Oeversen,  in  welchem  das  10.  Armeekorps

  die  Dänen  in  die  Flucht  schlägt.

1849.  Wilhelm  I.  von  Württemberg,  der  zunächst  die  Unterwerfung
  unter  einen  Hohenzoller  mit  Entrüstung  von  sich  gewiesen
  hatte,  lässt  sich  durch  sein  Ministerium  in  Anbetracht
der  bereits  hochgestiegenen  Volkserbitterung  zu  einer  bedingten
Anerkennung  der.  Kaiserwahl  und  Reichverfassung  umstimmen.

Die  Desterreicher  räumen  Pest  und  ziehen  sich  in
Unordnung  auf  Pressburg  zurück.

1852.  Leopold  Karl  Friedrich,  Grossherzog  von  Baden,  stirbt.
—  Friedrich,  Regent  in  Baden.

1864.  Feldmarschall  Wrangel  und  der  Kronprinz  von
Preussen  in  Veile.e  —  Seegefecht  der  „Grille*  (Prinz
Adalbert)  mit  einer  dänischen  Fregatte  bei  Wittow.

1870.  Annahme  der  18  Anathemen  auf  dem  Konzil  zu
Rom.

1871.  Der  norddeutsche  Reichstag  bewilligt  weitere  120
Millionen  für  die  Kriegskosten.

1879.  Unterzeichnung  des  Meistbegünstigungsvertrages  zwischen  dem
deutschen  Reich  und  den  Samoa-Inseln.

1886.  Beim  Einläuten  des  Osterfestes  in  Baisweil  (bei  Kaufbeuren)
stürzt  der  Kirchturm  ein,  und  begräbt  unter  seinen
Trümmern  11  junge  Männer,  von  denen  5  sofort  tot  sind  und
2  des  andern  Tags  sterben.

1888.  Besuch  der  Königin  von  England  in  Berlin.

1889.  Kaiser  Wilhelm  II.  begiebt  sich  nach  Schwedt  a.  O.  zur
Teilnahme  an  der  200jährigen  Jubiläumsfeier  des  Dragonerregiments
  Nr.  2.

 

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        <pb n="179" />
        —  169  —

25.  April.

ne

1155.  Friedrich  I,  Barbarossa,  lässt  sich  zu  Pavia  die’  Krone
des  lombardischen  Reiches  aufsetzen.
1327.  Papst  Benedikt  XII.  stirbt.

Er  war  ein  Schriftgelehrter,  aber  weniger  ein  Staatsmann  ;  —  suchte
den  Frieden,  weil  er  selbst  friedfertig  war.  Doch  hielt  ihn  dies  nicht
ab,  als  ein  geschworener  Feind  Kaiser  Ludwigs  des  Bayers,  des  „Erzketzers“,
  über  denselben  widerholt  den  Bannstrabl  zu  verhängen.

1449.  Die  Baseler  Kirchenversammlung  löst  sich,  von  Kaiser

und  Reich  verlassen,  auf.
Aus  der  beabsichtigten  Kirchenreform  war  nichts  geworden,  nur
dass  das  Papsttum  abermals  triumphierte.

1521.  Dr.  Martin  Luther  erhält  den  kaiserlichen  Befehl:

„Des  andern  Tags  Worms  zu  verlassen,  binnen  zwanzig  Tagen
nach  Wittenberg  zurückzukehren  und  unterwegs  weder  durch  Predigen
noch  durch  Schriften  das  Volk  aufzuregen.  Da  Ermahnungen  vergeblich
  gewesen  seien,  so  sehe  sich  der  Kaiser  veranlasst,  als  Schirmherr
des  katholischen  Glaubens  weiter  zu  verfahren.“

1626.  Wallenstein  schlägt  den  Ernst  von  Mansfeld  bei  Dessau.
1645.  Schlacht  bei  Herbsthausen,  unweit  Mergentheim.

Der  tapfere  General  Mercy  schlägt  die  Franzosen  unter  General
Turenne  vollständig,  so  dass  sich  dieser  eiligst  über  den  Rhein  zurückzieht.

1742.  Belagerung  von  Glatz  (Schlesien)  durch  die  Preussen  ;
die  Oesterreicher  werden  durch  Hunger  zur  Uebergabe  der
Citadelle  gezwungen.

1799.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  schlägt  die  Franzosen
bei  Ligtingten,  worauf  sich  diese  über  den  Rhein  zurückziehen.


1831.  Braunschweig  huldigt  dem  Herzog  Wilhelm  der  die
Regierung  seines  am  7.  September  1830  entflohenen  Bruders
Karl  am  20.  April  angetreten  hatte.

1848.  Die  Preussen  besetzen  Flensburg.

1857.  Konvention  zwischen  Preussen  und  Dänemark,
betreffend  die  Ablösung  der  Sund-  und  Beltzölle.

1864.  Anfang  der  Londoner  Konferenzen  über  die  dänische
Frage.

Dieselben  dauern  bis  zum  25.  Juni.  Aber  schon  am  15.  Mai  sagte
sich  Preussen  offen  und  unumwunden  von  allen  Verpflichtungen,  die
ihm  das  Londoner  Protokoll  auferlegt,  los;  denn  Dänemarks  Vertrags-
        <pb n="180" />
        —  1710  —

bruch  und  nun  der  Krieg  hätten  ihm  die  volle  Freiheit  des  Handelns
wieder  gegeben.  Es  forderte  die  gänzliche  Trennung  der
Herzogtümer  vom  Staate  Dänemark.  Oesterreich  blieb  nun
nichts  übrig,  als  auch  diesen  Schritt  nachzuthun,  und  da  die  Dänen  die
Selbstständigkeit  Schleswig-Holsteins  in  keiner  Form,  weder  in  Personalunion
  mit  Dänemark,  noch  unter  der  Regierung  des  Prinzen  von
Augustenburg,  zugestanden,  auch  für  den  Fall  einer  Teilung  der  Herzogtümer
  nach  den  Nationalitäten  zwischen  Deutschland  und  Dänemark  sich
mit  dem  nördlichen  Schleswig  nicht  begnügen  wollten,  so  ging  der
Kongress  unverrichteter  Dingeauseinander  und  Deutschlands
  Schwert  musste  entscheiden.  Es  durchhieb  rasch  den

Knoten.

1874.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  das  Gesetz  über  Verhinderung
  der  unbefugten  Ausübung  von  Kirchenämtern  an.
1888.  Besuch  der  Königin  Viktoria  von  England  in  Charlottenburg

  und  Berlın.

 

 

26.  April.

 

1220.  Kaiser  Friedrich  Il.  schliesst  mitden  geistlichen  Fürsten
einen  Staatsvertrag  zu  Frankfurt  a.  M.  ab,  worin  er  auf
das  Münz-  und  Zollrecht  des  Kaisers  in  bischöflichen  Ländern,
nicht  minder  auf  die  Gerichtsbarkeit  und  mehrere  andere  Befugnisse
  der  Reichsgewalt  verzichtet.

1506.  Stiftung  der  „Viadrina-Universität“  zu  Frankfurt  a.  O.
durch  Joachim  I.  und  Albrecht  von  Brandenburg.

1521.  Luther  verlässt,  des  kaiseriichen  Befehls  gemäss,  Worms.

Als  Luther  des  Vormittags  von  Worms  abreiste,  gab  viel  Volks

ihm  das  Geleite  und  viele  von  der  fränkischen  Ritterschaft.  —  Der

wackere  Ritter  Ulrich  von  Hutten  hatte  Sorge  getragen,  dass  ıhm
auf  der  Rückreise  kein  Leid  widerfahren  konnte.

1758.  Die  Preussen  besetzen  Bamberg.

1787.  Johann  Ludwig  Uhland,  der  volkstümliche  Liederdichter
  und  Litterarhistoriker,  zu  Tübingen  geboren.

1788.  Sieg  der  Türken  über  die  Oesterreicher  bei  Dubicza.
1794.  Treffen  bei  Montcastel  und  Menin.

Die  Franzosen  unter  Pichegru  schlagen  nach  dreitägiger  Dauer  die
Oesterreicher  unter  dem  Prinzen  Koburg.

1807.  Vertrag  zu  Bartenstein.
König  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  und  Kaiser  Alexander
I.  von  Russland  schliessen  zu  Bartenstein  einen  Vertrag  ab,  worin  es

sich  um  nichts  Geringeres  handelte,  als  ganz  Europa  auf  einer
neuen  politischen  Grundlage  aufzurichten.

1813.  Spandau  ergiebt  sich  nach  kurzer  Blokade  an  den  preussischen
General  von  Thümen.
        <pb n="181" />
        —  11  —

1829.  Theodor  Billroth,  berühmter  Chirurg  und  Kliniker,  auf
Rügen  geboren.

1849.  Schlacht  bei  Komorn;  die  Oesterreicher  werden  von  den
Ungarn  besiegt,  doch  misslingt  der  von  letzteren  angestellte
Versuch,  der  feindlichen  Armee  auf  dem  rechten  Donauufer  den
Rückzug  nach  Oesterreich  abzuschneiden.

1881.  General  v.  d.  Tann  stirbt.
1888.  Abreise  der  Königin  Viktoria  von  Berlin.

1890.  Emin  Pascha  —  nunmehr  in  deutschen  Diensten  —  tritt
von  Bagamoyo  aus  seinen  Marsch  ins  Innere  von  Afrika  an.

 

217.  April.

1522.  Schlacht  bei  Bicoea.

Sieg  der  Kaiserlichen  unter  Prosper  Colonna  über  die  Franzosen
und  Schweizer  unter  Lautrec.

1622.  Schlacht  bei  Wiesloch.
Tilly  wird  von  dem  Markgrafen  Georg  Friedrich  von  Baden  geschlagen.


1738.  Papst  Clemens  XII.  erlässt  eine  Bannbulle  gegendie
Freimaurer.

1742.  Glatz  ergiebt  sich  den  Preussen.

1757.  Jung-Bunzlau  in  Böhmen,  wird  durch  abgesessene  preussische
  Reiter  erstürmt,  und  von  diesen  ein  Magazin  erbeutet.

1785.  Herzog  Leopold  von  Braunschweig  ertrinkt  bei  einem
Rettungsversuche  in  der  Oder  bei  Frankfurt.

1799.  Die  Desterreicher  und  Russen  erringen  bei  Cassano
einen  glänzenden  Sieg  über  die  Franzosen,  die  hierauf  die
Lombardei  räumen  müssen.

1812.  Friedrich  Freiherr  von  Flotow,  Opernkomponist,  auf
dem  Gute  Rentendorf  in  Mecklenburg  geboren.

1814.  Napoleon  schifft  sich  zu  Frejus  (Departement  Var)  nach

Elba  ein.
1844.  Klara  Ziegler,  berühmte  Schauspielerin,  zu  München

geboren.
1848.  Lombardische  Freischaaren  werden  bei  Storo  von  den

Oesterreichern  in  die  Flucht  geschlagen.
        <pb n="182" />
        —  12  —

DieHerweg’schenFreischaaren  werden  bei  Schopfheim
  versprengt.

Erstürmung  von  Gräz  durch  die  Preussen  nach  hartnäckigem
  Widerstand  der  polnischen  Insurgenten.

Otto,  König  von  Bayern,  geboren.
Seit  Jahren  von  unheilbarem  Wahnsinn  befallen,  wird  die  Regierung
  durch  Prinz-Regent  Luitpold  geführt.

1849.  Friedrich  Wilhelm  IV.  löst  die  preussische  Kammer  auf.

Die  Ungarn  unter  Görgei  siegen  bei  Mocsa  über  die
Oesterreicher.
1866.  Preussen  fordert  von  Sachsen  Aufklärung  wegen  der
Rüstungen.

1867.  Der  constituierte  norddeutsche  Reichstag
wird  durch  König  Wilhelm  von  Preussen  geschlossen.

„Die  Zeit  ist  herbeigekommen“  —  sagte  er  —  „wo  unser  deutsches
  Vaterland  durch  seine  Gesamtkraft  seinenFrieden,
sein  Recht  und  seine  Würde  zu  vertreten  im  Stande  ist.“

1868.  Das  erste  deutsche  Zollparlament  wird  zu  Berlin
durch  König  Wilhelm  1.  feierlichst  eröffnet.

Diese  Körperschaft  bildet  gleichsam  die  erste  Etappe  auf  dem  noch
zurückzulegenden  Wege  des  deutschen  Einigungswerkes.  Es
war  bei  den  Wahlen  zu  diesem  Parlament  weniger  von  Zollfragen,  als
von  hochpolitischen  Dingen  die  Rede;  traten  doch  zum  ersten  Male  die
Abgeordneten  Süd-  und  Norddeutschlands  zu  gemeinsamer  Beratung  zusammen
  und  zwar  kurz  nach  dem  66er  Kriege.  König  Wilhelm  betonte
in  der  Eröffnungsrede  den  nationalen  Gedanken,  von  dem  eben
viele  Süddeutsche  nichts  wissen  wollten.  In  diesem  Parlament  war  es,
wo  Bismarck,  als  Antwort  auf  die  Rede  eines  Abgeordneten,  der  verblühmt
  auf  Napoleon  und  dessen  Reizbarkeit  hingewiesen,  die  Worte
sprach:  „DerAppellan  dieFurcht  findet  in  deutschenHerzen
  niemals  ein  Echo!“  Und  dieses  Bismarck’sche  Wort  hat  bis
heute  seine  Giltigkeit  behalten  und  wird  sie  auch  fernerhin  behalten.

1876.  Der  hessische  Ministerpräsident  Hoffmann  wird  nach  Wiesbaden
  zum  Kaiser  berufen,  um  die  Präsidentschaft  des  Reichskanzleramts
  zu  übernehmen.

-  Graf  Harry  von  Arnim,  vorm.  deutscher  Botschafter,
wird  durch  Urteil  des  Disziplinargerichts  aus  dem  Reichsdienst
entfernt.
        <pb n="183" />
        —  13  —

28.  April.

1757.  Einnahme  von  Teschen  in  Böhmen  durch  die
Preussen.
1760.  Schlacht  bei  Montreal.

Sieg  der  Franzosen  unter  General  Haudreuil  über  die  Engländer
unter  Murray.

1799.  Rastatter  Gesandtenmord.

Die  vom  Rastatter  Kongress  zurückkehrenden  französischen  Gesanden
  werden  bei  einbrechender  Nacht  unweit  der  Stadt  von  österreichischen
  Husaren  überfallen,  ihrer  Papiere  beraubt  und  schrecklich
misshandelt;  zwei  Gesandte  wurden  ermordet.

1805.  Heinrich  Kurz,  Litterarhistoriker,  zu  Paris  von  deutschen
Eltern  geboren.

1809.  Schill  verlässt  mit  seinem  Corps  Berlin.
1813.  Der  preussische  General  v.  Kleist  schlägt  die
Franzosen  bei  Halle.

1848.  Treffen  bei  Pastrengo,  in  welchem  die  Oesterreicher
über  die  Piemontesen  siegen.

1849.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  verändert  in  einer  an
die  Zentralgewalt  gerichteten  Note  seine  bedingte  Ablehnung
der  deutschen  Kaiserwürde  in  eine  unbedingte.

1853.  Der  Dichter  Ludwig  Tieck  stirbt  zu  Berlin.

1859.  Die  Oesterreicher  überschreiten  den  Grenzfluss  Ticino
und  rücken  in  Sardinien  ein.

1864.  Die  Dänen  räumen  Fredericia.

1874.  Vertrag  wegen  der  Ausgrabungen  in  Olympia.

1876.  Der  schweizer  Bundesrat  genehmigt  die  Errichtung  eines
altkatholischen  Bistums.
        <pb n="184" />
        —  1714  —

29.  April.

862.  Synode  zu  Aachen,  durch  König  Lothar  Il.  berufen.
1105.  Kaiser  Heinrich  IV.  erhebt  Böhmen  zum  Königreiche.

1402.  Kaiser  Wenzel  wird  von  seinem  Bruder  Sigismund  verhaftet.


1622.  Der  tapfere  Parteigänger,  Ernst  von  Mansfeld,  schlägt
den  ligistischen  Feldherrn  Tilly  bei  Wiesloch  aus  dem
Felde.

1767.  Karl  Philipp  Fürst  Wrede,  bayerischer  Feldmarschall,
zu  Heidelberg  geboren.

1792.  Gefecht  bei  Quievrain.
Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen.
1794.  Die  Oesterreicher  werden  bei  Moescroen  von  den  Franzosen
geschlagen.

1809.  Erzherzog  Johann  von  Oesterreich  bereitet  den  Franzosen
bei  Castel  Franco  in  Italien  eine  Niederlage.

Die  Franzosen  besetzen  Salzburg.

1813.  Vergeblicher  Sturm  der  Franzosen  auf  das  von  nur
2  DBataillionen  des  1.  ostpreussischen  Regiments  verteidigte
Merseburg.

1824.  Albert  Emil  Brachvogel,  Dichter  und  Romanschriftsteller,
  zu  Breslau  geboren.

1842.  Karl  Millöcker,  berühmter  Komponist,  zu  Wien  geboren.
1848.  Die  Preussen  erstürmen  Xıons  in  Posen.

Die  dänische  Regierung  deklariert  die  Blockade
der  deutschen  Häfen.

1849.  Eine  Proklamation  Görgeis  billigt  die  vom  Reichstag
zu  Debreczin  vollzogene  Absetzung  der  habsburgischen
Dynastie.

1850.  Das  Erfurter-Unions-Parlament  wird  vertagt,  ohne
dass  eine  Erklärung  der  Regierungen  über  die  Billigung  der
gefassten  Beschlüsse  abgegeben  worden  wäre.

1859.  Die  Oesterreicher  rücken  unter  dem  OÖberbefehl  des
Gyulay  auf  drei  Punkten  in  Sardinien  ein  und  eröffnen  damit
den  Krieg  gegen  Sardinien  und  Napoleon  III.
        <pb n="185" />
        —  195  —

1876.  König  Ludwig  II.  von  Bayern  genehmigt  die  Errichtung
einer  Bismarck-Statue  in  Kissingen  (29.  April  1877
enthüllt).

1879.  Alexander,  Prinz  von  Battenberg,  wird  unter  Zustimmung
der  Grossmächte  zum  Fürsten  von  Bulgarien  gewählt,

Die  Schicksale  des  tapferen  und  sympathischen  Mannes  sind  bekannt.
  Sein  grösster  Fehler  war,  dass  er  die  Macht  des  russischen  Rubels
  verkannte.

1886.  Der  Papst  richtet  einen  in  herzlichen  Ausdrücken  abgefassten
Brief  an  Kaiser  Wilhelm  I.  worin  er  für  das  zum  Andenken
  an  die  Vermittlung  in  der  Karolinenfrage  erhaltene
Pektoral-Kreuz  dankt.

 

 

30.  April.

1133.  Lothar  II.  wird  vom  Papste  Innocenz  Il,  welchen  er
gegen  seinen  Gegner  Anaclet  Il.  geschützt  hatte,  in  Rom  zum
Kaiser  gekrönt,  und  vergleicht  sich  mit  ihm  wegen  der  zur
Mathildischen  Erbschaft  gehörigen  Länder,  die  er  von  dem
päpstlichen  Stuhl  zu  Lehen  nahm  und  seinem  Eidam  Heinrich

von  Bayern  übergab.

1415.  Der  deutsche  Kaiser  verleiht  dem  Burggrafen
Friedrich  VI  von  Nürnberg  die  Mark  Brandenburg

erb-  und  eigentümlich.
(Vergleiche  18.  April  1417  und  7.  Juni  1411.)

Der  neue  Kurfürst  war  einer  der  wenigen  Männer  der  mittelalterlichen
  Zeit,  die  „das  Reich  deutscher  Nation  als  einen  Staat
begriffen,  die  es  zu  ordnen  und  energisch  zusammenzuhalten
  versuchten.“  Der  Kaiser  Sigismund  machte  ihn  auch  zum
Statthalter  des  deutschen  Reiches,  und  selten  ist  es  wohl  so  zielbewusst
und  vernünftig  im  „römischen  Reiche  in  deutschen  Landen“  zugegangen,

wie  unter  seinem  Regime.  |
1725.  Definitiver  Friedensschluss  zu  Wien,  zwischen

Oesterreich  und  Spanien.  |
Durch  denselben  sollten  alle  Streitigkeiten  über  die  Verträge  von
Utrecht,  Rastatt  und  Baden  beseitigt  werden.

1777.  Johann  Karl  Friedrich  Gauss,  berühmter  Mathematiker,
  zu  Braunschweig  geboren.  |
1799.  Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  bei

Nauders.
        <pb n="186" />
        —  1716  —

1800.  Genua,  von  Massena  besetzt,  zu  Land  durch  die  Oesterreicher
  belagert,  wird  von  der  Seeseite  her  durch  eine  englischneapolitanische
  Flotte  eingeschlossen.

1803.  Albert  Graf  von  Roon,  preussischer  Generalfeldmarschall
und  Reorganisator  des  preussischen  -Heeres,  zu  Pleushagen  bei
Kolberg  geboren.

1835.  Franz  von  Defregger,  berühmter  Maler,  zu  Stronach
bei  Lienz  in  Tirol  geboren.

1847.  Erzherzog  Karl  stirbt  zu  Wien.

1878.  Fünfzigjähriges  Jubiläum  der  Gesellschaft  für  Erdkunde
  in  Berlin,  der  zweitältesten  geographischen  Gesellschaft
  Europas.

1885.  Der  Bundesrat  genehmigt  den  russisch-deutschen  Auslieferungsvertrag.


1889.  Schluss  des  preussischen  Landtages.

Feierliche  Eröffnung  der  Ausstellung  für  Unfallverhütung.


Kaiser  Wilhelm  Il.  sprach  bei  dieser  Gelegenheit:  „Mit  voller
Ueberzeugung  von  der  Notwendigkeit  ihrer  Lösung  bin  Ich  an  die
sozialen  Aufgaben  herangetreten,  deren  Erledigung  noch  vor  uns  liegt.
Ich  rechne  dabei  auf  die  verständnisvolle  und  freudige  Mitarbeit  aller
Kreise  der  Bevölkerung,  insbesondere  der  Arbeiter,  um  deren
Wohlfahrt  es  sich  bei  diesen  Aufgaben  handelt,  und  der
Arbeitgeber,  welche  im  eigenen  Interesse  bereit  sind,  die  daraus  für  sie
erwachsenden  Opfer  zu  bringen.
        <pb n="187" />
        —  INT  —

1.  Mai.

924.  Der  Frankenkönig  Chlodomir  lässt  den  Burgunderkönig
Siegmund  mit  der  Königin  und  ihren  zwei  Kindern  in  einem
tiefen  Brunnen  lebendig  begraben.

1218.  Rudolf  I.  von  Habsburg,  deutscher  Kaiser,  auf  Schloss
Limburg  im  Breisgau  geboren.

1231.  Der  von  seinem  Vater,  Kaiser  Friedrich  II.,  zum  Reichsverweser
  ernannte  König  Heinrich  trifft  in  auflehnender
Gesinnung  gegen  denselben  mit  den  deutschen  Fürsten  zu
Worms  ein  Abkommen,  durch  welches  diese  nicht  nur  ausdrücklich
  zu  Landesherrn  ernannt,  sondern  deren  Vorrechte
  teils  bestätigt,  teils  erweitert  werden.

1308.  Kaiser  Albrecht  I.  wird  durch  seines  verstorbenen  Bruders
Sohn,  Johann,  weil  er  diesem  unter  nichtigem  Vorwande  das
väterliche  Erbe  vorenthielt,  unfern  der  Habsburg  bei  Windisch
an  der  Reuss,  ermordet.

Noch  selten  hatte  ein  Ereignis  grössere  Folgen,  als  jenes  gewaltsame
  Ende  des  zweiten  habsburgischen  Königs.

1351.  Zürich  tritt  in  den  Schweizerbund.

1660.  Frieden  zu  Oliva,  in  welchem  dem  „grossen  Kurfürsten“
die  Souveränität  des  Herzogtums  Preussen  anerkannt
  wird.

1747.  Friedrich  der  Grosse  bezieht  sein  Schloss  Sanssouci,  das
berühmteste  unter  allen  Bauten  und  Anlagen  des  Königs.

Es  wurde  im  April  1745  begonnen,  also  in  2  Jahren  erbaut.

1756.  Frankreich  und  Oesterreich  verbünden  sich  gegen
Preussen.

1757.  Die  Russen  dringen  in  Preussen  ein.

1759.  Friedrich  II.  von  Preussen  schlägt  die  österreichische
Arrieregarde  unter  General  Deville  bei  Zuckmantel.

1776.  Stiftung  des  Illuminaten-ÖOrdens  durch  Adam  Weishaupt
  zu  Ingolstadt.

Der  Orden  sollte  religiöse  und  politische  Aufklärung  verbreiten
und  wurde  1784  und  1785  in  Bayern  aufgehoben.

1793.  Treffen  bei  Vicogne,  in  welchem  Blücher  die  Franzosen

schlägt.
12
        <pb n="188" />
        —  118  —

1803.  Landgraf  Wilhelm  IX.  von  Hessen-Kassel  nimmt  als
Wilhelm  I.  die  Kurfürstenwürde  an.

1805.  Johann  Jacoby,  Arzt  und  Politiker,  zu  Königsberg  in

Preussen  an.

Seit  1848  hervorragender  Führer  der  Demokratie  in  Preussen  gehörte
  er  der  preussischen  Nationalversammlung,  der  2.  Kammer,  der
Frankfurter  Nationalversammlung  und  dem  Stuttgarter  Rumpfparlamete
und  war  von  1863—70  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,
in  welchem  er  zur  Fortschrittspartei  gehörte;  nach  1870  näherte  er
sich  mehr  und  mehr  der  sozialdemokratischen  Partei:  —
Er  starb  am  6.  März  187.

1809.  Gottlieb  Konrad  Pfeffel,  ein  sehr  fruchtbarer  Dichter
in  Fabeln  und  versifizierten  Erzählungen,  stirbt  in  Kolmar,  wo
er  zuletzt  Präsident  des  evangelischen  Konsistoriums  war.

1817.  Karl  Beck,  Dichter,  zu  Baja  in  Ungarn  von  jüdischen
Eltern  geboren.
Er  war  zur  reformierten  christlichen  Kirche  übergetreten.

1824.  Friedrich  Hammacher,  deutscher  Bergwerksbesitzer  und
Abgeordneter,  zu  Essen  geboren.

1848.  Republikanische  Bewegung  in  Mannheim.

1849.  Congress  der  pfälzischen  Bürgerwehren  zu  Kaiserslautern,
  welcher  zwei  Tage  dauerte,  und  auf  dem  Steuerverweigerung,
  Rückberufung  der  Pfälzer  Soldaten,  Organisation
der  Volksbewaffnung  in  2  Aufgeboten,  Aufforderung  an  die
Regierung  und  die  Beamten  zur  Anerkennung  der  Reichsverfassung,
  Beschlagnahme  der  pfälzischen  Staatskassen,  Verbrüderung
mit  den  angrenzenden  deutschen  Volksstämmen  beschlossen
wurde.  Sodann  wurde  ein  „Landverteidigungsausschuss“  niedergesetzt,
  der  sofort  seine  Thätigkeit  begann.

Einführung  der  Klassen-  und  klassificierten
Einkommensteuer  in  Preussen.

1851.  Eröffnung  derersten  Weltausstellung  im  Glaspalast
zu  Liondon.

Dieselbe  dauerte  bis  zum  15.  Oktober  desselben  Jahres.
1861.  Enthüllung  des  Wolfram-Denkmals  in  Eschenbach.

1862.  Eröffnung  der  zweiten  allgemeinen  Industrie-  (Welt-)
Ausstellung  zu  London.

Dieselbe  dauert  bis  zum  1.  November  desselben  Jahres.

1864.  Vereinigung  des  österreichischen  mit  dem  preussischen
Geschwader  bei  Texel.

1867.  Eröffnung  der  zweiten  Pariser  Weltausstellung.

1872.  Feierliche  Eröffnung  der  Kaiser  Wilhelms  Universität
  zu  Strassburg.
        <pb n="189" />
        —  179  —

1873.  Eröffnung  der  Wiener  Weltausstellung.
David  Livingstone,  berühmter  Afrikareisender,  stirbt

in  Itala  am  Bangweolosee,  welchen  er  entdeckt  hatte.

1877.  Der  deutsche  Kaiser  besucht  Strassburg  und  wird
daselbst  festlich  empfangen.

1878.  Eröffnung  der  dritten  Pariser  allgemeinen  Weltausstellung.


1885.  Eröffnung  der  ungarischen  L  andesausstellung  in
Pest.

1888.  Professor  von  Bergmann  tritt  aus  der  Reihe  der  behandelnden
  Aerzte  bei  Kaiser  Friedrich.

1890.  Erster  allgemeiner  Arbeiter-Feierta  8,  beschlossen  auf
der  im  Jahr  1889  zu  Paris  stattgehabten  Arbeiterkonferenz.

Dieser  erste  Arbeiter-Feiertag  wurde  nur  von  einem  sehr  geringen
Teil  von  Arbeitern  gefeiert.  —  Im  deutschen  Reich  kam  es  fast  nirgends
zu  belangreichen  Ausschreitungen,  während  dagegen  in  Oesterreich,
Frankreich,  Italien  und  Spanien  das  Militär  an  verschiedeneen  Orten
einschreiten  musste,  so  dass  es  zu  Blutvergiessen  kam.  —  In  Berlin
feierten  beispielsweise  in  sechzig  Betrieben  von  18818  Beschäftigten  insgesamt
  nur  2995  Arbeiter.

 

2,  Mai.

 

1292,  Graf  Adolf  von  Nassau  wird  zu  Frankfurt  am  Main  zum

deutschen  Kaiser  gewählt.

Schon  bei  den  Beratungen  über  die  Wahl  hatte  es  sich  gezeigt,
dass  dieKurfürsten  ihre  Stimmen  nicht  unentgeldlichabgeben
  wollten.  Herzog  Albrecht  von  Sachsen  und  Markgraf  Otto
von  Brandenburg  forderten  dafür  4500  Mark  Silber  und  die  geistlichen
Kurfürsten  sehr  ansehnliche  Einkünfte  und  Güter  des  Reichs;  und  der
Erzbischof  von  Mainz  schaffte  diese  Krönungskosten.

„Was  soll  das  Gräflein“,  hatte  sein  Nebenbuhler  Herzog  Albrecht
von  Oesterreich  damals  zu  Weinheim  an  der  Bergstrasse  gesagt,  „das
nun  die  Pfaffen  erwählt  haben,  des  Reiches  Frommen  schaffen  ?“

1389.  Kaiser  Wenzel,  der  Jahrs  vorher  mit  dem  Städtebund
zu  Nürnberg  ein  Bündnis  abgeschlossen  und  die  verbündeten
Städte  als  eine  selbständige  Macht,  ihren  Bund  als  gesetzlich
anerkannt  hatte,  trıtt  auf  Seiten  der  Fürsten,  und  gebietet  nunmehr
  auf  dem  Reichstage  zu  Eger  die  Auflösung  des
Städtebundes,  sowie  die  besonderen  Bündnisse  einzelner

Städte  miteinander,  bei  Verlust  aller  ihrer  Freiheiten.

Er  erklärte,  der  Städtebund  sei  „gegen  Gott  (!),  das
Reich  und  das  Recht,“  und  gebot  den  Städten  bei  Verlust  ihrer
Freiheit,  „ihre  Bände  samt  und  sonders  von  Stunde  an  aufzuheben,  abund

  abzusagen.“
mann  die  Städte  am  Bodensee,  Konstanz,  Ueberlingen,  Buchhorn,
Ravensburg,  Lindau,  Issni  und  St.  Gallen  hatten  Mut  und  Kraft  genug
der  Sache  der  Freiheit  treu  zu  bleiben,  und  blieben  bei  dem  Bunde.
        <pb n="190" />
        —  180  —

1418.  Das  Konstanzer  Goncordat  wird  dem  Papste  Martin  V.
von  der  Kirchenversammlung  zu  Konstanz  unter  Kaiser  Sigismund
  abgenötigt.  "

Der  Papst  verspricht  darin  eine  Reformation  an  Haupt  und
Gliedern,  Herabsetzung  der  Taxen,  wo  dieselben  zu  hoch  u.  8.  w.

Martin  V.  gestand  darin  den  Franzosen  noch  das  Meiste  über
Reform  der  Kirche  zu,  weniger  hingegen  den  Deutschen,  und
noch  weit  geringeres  den  Engländern.  —  Uebrigens  war  die  versprochene
Kirchenverbesserung  so  ungenügend,  dass  sie  sich  nachher  im  Wesentlichen
  als  gänzlich  gescheitert  ergab.

1507.  Luther  empfängt  die  Priesterweihe  und  hält  seine  erste
Messe.

1668.  Frieden  zu  Aachen.

Ludwig  XIV.  vonFrankreich  behieltdieEroberungen,
trotzdem  zwischen  seinen  Gegnern,  Holland,  England,  Schweden  etc.  die
sogenannte  Tripel-Allianz  zu  Stande  gekommen  war,  um  sich  den  Vergrösserungen
  Frankreichs  zu  widersetzen.  Nur  an  Spanien  musste
er  die  bereits  eroberte  Freigrafschaft  (Franche  Comte)  den  Spaniern
wieder  zurückgeben.

1707.  (nach  andern  am  13.  Mai)  Karl  von  Linne,  bedeutender
Naturforscher,  der  „Plinius  des  Nordens“  genannt,  zu  Räshult
in  Smaland  geboren.

Seine  Systeme  des  Tier-  und  Pflanzenreichs  sind  noch  heute  in
Gebrauch.  „Er  schuf  eine  wissenschaftliche  Sprache,  welche  in  den  Benennungen
  des  Einzelnen  zugleich  das  Gleichartige  zusammenfasst  und
das  Besondere  unterscheidet.“

1764.  Friedrich  von  Gentz  (nach  den  Angaben  seiner  Familie
am  8.  September)  ein  geistreicher  Politiker  und  Lohnschreiber
der  Metternich’schen  Politik.

Was  Gentz  von  seinem  und  seines  Herrn  (Metternichs)  System  hielt,
wie  er  ihr  „eigenes  bankrottierendes  Treiben  wohl  erkannte,“  beweist
der  Ausspruch,  den  er  kurz  vor  seinem  1832  erfolgten  Tode  that:  „Mich
und  Metternich  hält  es  noch  aus.“

1772.  Der  Dichter  Novalis,  Friedrich  v.  Hardenberg,  in  der
Grafschaft  Mansfeld  geboren.

1794.  Mädler,  berühmter  Astronom,  zu  Berlin  geboren.

1798.  Treffen  bei  der  Schinderlegi.  Die  Schwyzer  schlagen
die  Franzosen.

1813.  Schlacht  bei  Grossgörschen  (Lützen).  80,000  Preussen
und  Russen  unter  dem  ÖOberbefehl  des  Grafen  von  Wittgenstein

stehen  einem  120,000  Mann  starken  Feinde  unter  Napoleons
Kommando  gegenüber.

‚.  „Die  Preussen  fochten  auf  ihr  Verlangen  in  erster  Linie,  unter  ihnen
ihr  jugendlicher  Kronprinz.  Von  Mittag  bis  an  den  späten  Abend  tobte
die  Schlacht  hin  und  her,  und  der  Sieg  blieb  unentschieden.  Auf  Seite
der  Verbündeten  lagen  10,000,  von  feindlicher  15,000  auf  dem  Schlachtfelde
  tot  oder  verwundet.  „Wir  hatten  keine  Kanone,  keine  Fahne
verloren,  aber  unter  den  schwer  Verwundeten  war  der  wackere  Scharnhorst,
  der  acht  Wochen  später  seiner  Wunde  erlag.“
        <pb n="191" />
        —  1531  —

Die  französischen  Streitkräfte  stürmen  vergeblich  aufLeipzig.
General  von  Kleist  zieht  sich  in  voller  Ordnung  langsam  zurück.

1814.  Die  Stadt  Kehl  am  Rhein  kommt  an  Baden.
1815.  Beginn  der  zweitägigen  Schlacht  bei  Tolentino.

Die  Oesterreicher  unter  ihrem  Feldherrn  Bianchi  schlagen  den  verräterischen
  König  Joachim  (Murat)  von  Italien  so  vollständig,  dass  er
Alles  verloren  geben  und  nach  Frankreich  entfliehen  musste.

1848.  Gefecht  hei  Wreschen  zwischen  den  Preussen  und  den
polnischen  Insurgenten.

1864.  Giacomo  Meyerbeer,  berühmter  Komponist,  stirbt  zu
Paris.

1871.  Die  Deutschen  in  London  feiern  die  Beendigung  des
deutsch-französischen  Krieges  durch  ein  Friedensfest.

1872.  Papst  Pius  IX.  weist  den  Kardinal  Hohenlohe  als  deutschen
  Botschafter  im  Vatikan  zurück.

1874.  Erlass  des  deutschen  Reichsmilitärgesetzes.

Nach  demselben  ist  dem  deutschen  Reiche  diejenige  Organisation
dauernd  gesichert,  in  welcher  die  Gewähr  für  den  Schutz
unseres  Vaterlandes  und  für  denFrieden  Europas  beruht.
Ein  Reich,  ein  Heer,  eine  Wehr!  So  ist  es  und  so  möge  es  bleiben
immerdar!

1885.  Eröffnung  der  Antwerpener  Ausstellung  durch  den
König  von  Belgien.

1889.  Fahnenweihe  beim  1.  Garderegiment  in  Potsdam.

 

3.  Mai.

N  nn  y

752.  Pipin  der  Kleine,  Sohn  des  tapfern  Karl  Martell  und
Vater  Karl  des  Grossen,  wird  zum  König  der  Franken  ausgerufen,
  und  der  letzte  Merovinger,  der  Scheinkönig  Childerich  II.
als  „Gefangener“  in  ein  Kloster  geschickt.

Pipin  der  Kleine  war  der  erste  König  „ex  Dei  gratia”,  von  Gottes
Gnaden,  ein  Titel,  mit  welchem  ihn  die  Bischöfe  in  der  Medarduskirche
zu  Soissons  bei  der  feierlichen  Salbung  begrüssten.

1241.  Seeschlacht  bei  Meloria,  in  welcher  die  Schiffe  Kaiser
Friedrichs  II.  über  diejenigen  der  Genuesen,  welche  eine  ansehnliche
  Anzahl  Prälaten  aus  Frankreich,  England  und  der
Lombardei,  von  Genua  aus  als  Schutzwache  bei  der  Ueberfahrt

zur  allgemeinen  Kirchenversammlung  zu  Rom  begleiteten,
siegten.
        <pb n="192" />
        —  132  —

Dieser  Sieg  war  ganz  entscheidend;  denn  von  den  Fahrzeugen  der
Genuesen  wurden  3  versenkt  und  22  genommen.  Einige  Prälaten  und
Abgeordnete  der  lombardischen  Städte  starben  im  Meer;  alle  übrigen
gerieten  dagegen  in  die  Gefangenschaft  des  Kaisers  und  wurden  nach

Apulien  abgeführt.

1374.  Die  Bischöfe  von  Münster  und  Paderborn,  der  Graf
von  der  Mark  und  die  Hansastädte  Münster,  Soest,  Osnabrück
und  Dortmund  vereinbaren  die  Artikel  zur  Verwirklichung  des
vom  Kaiser  Karl  IV.  für  Westfalen  gegebenen  Landfriedens.

1761.  August  Friedrich  Ferdinand  von  Kotzebue,  fruchtbarer
  Schriftsteller,  zu  Weimar  geboren.

1798.  Frankreich  richtet  auf  dem  Rastatter  Friedens-Kongresse
eine  Note  an  das  ohnmächtige  deutsche  Reich,  worin  es  verlangt,
dass  ihm  über  die  Brücke  von  Hüningen  ein  Stück  Land  eingeräumt,
  Kehl  und  das  Fort  Kastell  bei  Mainz  ıhm  überlassen,
alle  Rheininseln  abgetreten,  und  dass  Ehrenbreitstein  (!)  sowie

alle  Brückenköpfe  am  rechten  Rheinufer  geschleift  werden  sollen.

Nie  war  eine  Forderung  massloser  und  übermütiger,  nie  war  deutlicher
  gezeigt  worden,  dass  die  siegestrunkenen  Franzosen  die  Uebertretung
  des  linken  Rheinufers  nur  als  die  Vorbereitung
zu  Eroberungen  im  Innern  Deutschlands  ansahen!  Sie
ängstigte  selbst  den  russischen  Kaiser  Paul  I.,  der  sich  in  dieser  übertriebenen
  Forderung  der  französischen  Gesandten  in  Rastatt  geradezu
für  „verletzt“  glaubte  und  nunmehr  ein  Bündnis  Russlands  mit  England
und  Oesterreich  anstrebte,  welches  auch  am  6b.  Juli  1198  zu  Selz  zu
Stande  kam.

1800.  Treffen  bei  Stockach.

Die  Franzosen  unter  Moreau  schlagen  die  Oesterreicher  unter  Kray.
1807.  Die  Engländer  landen  auf  der  Insel  Rügen.
1809.  Treffen  bei  Ebelsberg.

Die  Oesterreicher  werden  nach  tapferer  Gegenwehr  von  den  Franzosen
  unter  Massena  geschlagen.

An  demselben  Tage  bereitet  Poniatowski  den  Oesterreichern
bei  Gora  eine  Niederlage.

1849.  Beginn  der  Mai-Aufstände  in  Dresden.

Der  König  sollte,  da  er  die  Annahme  der  Reichsverfassung  (mit
der  preussischen  Spitze)  beharrlich  verweigerte,  durch  Waffengewalt  dazu
  gezwungen  werden.  —  —  Der  König  floh  mit  seiner  Familie  und
den  Ministern  auf  die  Festung  Königstein  und  bat  den  König  von
Preussen  um  Hilfe.

An  demselben  Tage  stirbt  Max  Schneckenburger,
der  Dichter  der  „Wacht  am  Rhein“,  zu  Burgdorf  bei  Bern  als
Teilhaber  einer  Eisengiesserei.

1866.  König  Wilhelm  I.  ordnet  durch  Kabinetsordre  die  Kriegsbereitschaft
  an.

1867.  Der  sächsische  Landtag  nimmt  die  Verfassung  des  norddeutschen
  Bundes  an.
        <pb n="193" />
        —  183  —

4.  Mai.

 

1493.  Papst  Alexander  VI.  setzt  durch  zwei  Bullen  (vom  3.
und  4.  Mai)  die  Demarkationslinie  fest,  welche  die  Entdeckungen
  der  Portugiesen  und  Spanien  trennen  soll,
wonach  alle  Länder,  die  in  einem  Abstand  von  100  spanischen
Meilen  (Leguas)  von  Cadiz  entfernt  liegen,  den  Spaniern,
die  östlich  hiervon  gelegenen  dagegen  den  Portugiesen  angehören
  sollen.

1521.  Luther  wird  auf  die  Wartburg  gebracht,  wo  er  bis  zum
März  1522  als  Junker  Jörg  lebt.

1608.  Die  protestantische  Union  wird  zu  Ahausen  im
bayerischen  Schwaben  gestiftet.

Dieselbe  kam  auf  Veranlassung  des  Kurfürsten  Friedrich  von
der  Pfalz  und  Christians  von  Anhalt  zu  Stande,  und  bezweckte  die
gegenseitige  Unterstützung  gegen  Angriffe  und  Gewalt,  und  war  somit
eine  Vorläuferin  des  zehn  Jahr  später  beginnenden  dreissigjährigen
Kriegs.

1632.  Wallenstein  erscheint  an  dem  weissen  Berge  bei  Prag
und  beginnt  alsbald  die  Beschiessung  der  Stadt  mit  schwerem

Geschütz.

Die  schwache  sächsische  Besatzung  konnte  dieselbe  nicht  halten,
und  als  die  Wallenstein’schen  Regimenter  Tags  darauf  stürmten,  zog
sich  die  Besatzung  verteidigend  in  den  Hradschin  zurück,  eine  Art  von
Festung,  und  ergab  sich  bald  darauf  durch  Kapitulation.  —  Wallenstein
hielt  am  5.  Mai  seinen  Einzug  in  Prag.  Sein  Heer  bestand  damals  aus
220  Schwadronen  Reiterei,  120  Fahnen  Fussvolk,  44  Kanonen  und  2000

Wagen.

1653.  Grenzvergleich  zwischen  Brandenburg  und  Schweden
wegen  Pommern.

1702.  Die  Preussen  erstürmen  den  verschanzten  Kirchhof  von
Kalcum  bei  Kaiserswerth.  Ä

1741.  Die  Preussen  nehmen  Brieg.
1745.  Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher  bei  Mocker.

1772.  Friedrich  Arnold  Brockhaus,  Gründer  der  bekannten
Buchhändlerfirma  F.  A.  Brockhaus,  Herausgeber  des  „Konversationslexikons“,
  zu  Dortmund  geboren.

1792.  Oesterreich  richtet  an  das  deutsche  Reich  die  Aufforderung,
ihm  bei  einem  Krieg  mit  Frankreich  Beihilfe  zu
leisten,  „weil  der  Krieg  hauptsächlich  wegen  der  Beeinträchtigung
  mehrerer  Stände“  ausbreche.

Doch  war  damit  der  Reichskrieg  noch  keineswegs  erklärt;  ja  es
bestand  nicht  einmal  die  Aussicht,  dass  solches  sogleich  geschehen  werde.
        <pb n="194" />
        —  154  —

1809.  Treffen  bei  Dodendorf.

Major  v.  Schill  schlägt  einen  mehr  als  doppelt  starken  Feind
so,  dass  dieser  Fahnen,  Waffen  und  Gepäck  im  Stiche  lassen  musste,
trotzdem  er  Kanonen  hatte,  die  damals  Schill  noch  entbehrte.  Sein  Sieg
wirkte  —  wie  ein  Wunder  durch  ganz  Deutschland,  —  aber  der  tapfere
Streiter  hatte  dabei  ein  Vierteil  seines  Corps  verloren.

1813.  Die  Franzosen  unter  Ney  nehmen  Leipzig  ein,  aus  dem
sich  die  Preussen  unter  Kleist  zurückgezogen  hatten.
1814.  Napoleon  I.  landet  auf  einem  englischen  Schiff  auf  der  Insel

Elba,  seinem  „kleinen  Kaisertume“.

Mainz  wird  von  den  Franzosen  geräumt  und  zwar  auf
ausdrückliches  Verlangen  der  neuen  Regierung  in  Frankreich,
Ludwigs  XVIII.

1849.  Das  Frankfurter  Parlament  beschliesst,  die  deutschen  Regierungen,
  die  Ständekammern,  die  Gemeinden,  kurz  das  ganze
deutsche  Volk  aufzufordern,  zur  Anerkennung  der  Reıchsverfassung
  nach  Kräften  beizutragen,  —  und  dass  der
neue  Reichstag  auf  den  15.  August  einzuberufen  sei.

Strassenkampf  in  Dresden.

1851.  Stiftung  der  deutschen  Diakonissen-Anstalt  in  Jerusalem
  durch  Pastor  Fliedner  aus  Kaiserswerth.

1866.  Oesterreich  richtet  eine  Depesche  nach  Berlin,  welche
die  Verhandlungen  über  Zurücknahme  der  Rüstungen  abbricht.

1868.  Preussisches  Gesetz  über  Aufhebung  der  polizeilichen
Beschränkungen  bei  Eheschliessungen.

1874.  Preussisches  Gesetz  über  die  Ausweisung  vonentlassenen
Geistlichen  wegen  unbefugter  Vornahme  kirchlicher  Handlungen.


1875.  Austausch  des  Weltpostvertrages  zu  Bern.
1885.  Cholera-Konferenz  im  Reichsgesundheitsamt  zu  Berlin.

1890.  Reichskommissar  Major  Wissmann  besetzt  Kilwa  Kivindji
ın  Ostafrika.

 

5.  Mai.

 

1525.  Friedrich  III.  der  Weise,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt.

Kurz  vor  seinem  Tode  hatte  er  seinem  Bruder  und  Nachfolger
ein  Geständnis  abgelegt,  wie  es  wohl  selten  aus  dem  Munde  der  Fürsten
kommt,  das  Geständnis  nämlich:  „dass  man  den  Aufruhr  von
oben  herab  vielleicht  veranlasst  habe;  denn  die  Armen

würden  von  der  Kirchen-  und  Staatsgewalt  vielfältig  bedrückt.“
        <pb n="195" />
        —  15  —

1645.  Der  bayerische  General  Mercy  schlägt  die  Franzosen  bei
Mergentheim.

1705.  Kaiser  Leopold  I.  stirbt,  nachdem  er  siebenundvierzig
Jahre  die  deutsche  Kaiserkrone  getragen  hatte.

Er  war  ein  Freund  der  Künste  und  Wissenschaften,  von  bigotter
Frömmigkeit  beseelt,  bei  aller  Gutherzigkeit  ein  fanatischer  Gegner

der  Protestanten;  aber  ein  Fürst  ohne  alle  Energie  und  rechte  Entschlossenheit.


1747.  Kaiser  Leopold  II.  zu  Wien  geboren.

1758.  Die  Preussen  erstürmen  die  Morawabrücke  bei  Prostnıtz
  und  werfen  die  Oesterreicher  bis  Predlitz  zurück.

1762.  Friede  zu  St.  Petersburg  zwischen  König  Friedrich  II.
von  Preussen  und  Kaiser  Peter  III.  von  Russland.

1764.  Die  Kaiserin  Maria  Theresia  von  Oesterreich  stiftet  den  St.
Stephans-Orden.

1789.  Eröffnung  der  Nationalversammlung  in  Versailles.
Beginn  der  französischen  Revolution.

1798.  Christian  Friedrich  Scherenberg,  ein  patriotischer
Dichter,  zu  Stettin  geboren.

1800.  Treffen  bei  Mösskirch,  in  welchem  die  Franzosen  zwar
nur  einen  ganz  unbedeutenden  Sieg  errangen,  die  Oesterreicher
jedoch  zum  schleunigsten  Rückzug  gezwungen  wurden.

1809.  Gefecht  zwischen  den  Öesterreichern  und  Franzosen  bei
Treviso.

An  demselben  Tage  schlägt  das  Schill’sche  Corps
die  westfälischen  Truppen  bei  Dodendorf.

1821.  Kaiser  Napoleon  I.,  der  „als  Gefangener  Europas”  auf  die
Felseninsel  St.  Helena  mitten  im  atlantischen  Ozean  verbannte
Welteroberer,  stirbt  abends  6  Uhr.

1827.  Friedrich  August,  „der  Gerechte“,  König  von  Sachsen,
stirbt  zu  Dresden.

1828.  Robert  Viktor  von  Puttkamer,  von  1879—1888  preussischer
  Kultusminister,  zu  Frankfurt  a.  Oder  geboren.

1842.  Grosser  Brand  in  Hamburg,  welcher  bis  zum  8.  Mai
andauerte,  und  Tausende  von  Wohnungen  und  mehrere  Kirchen

zerstörte.
1849.  Die  Preussen  rücken  in  Dresden  eın.

1866.  Die  gesamte  preussische  Armee  wird  durch  königliche
  Ordre  mobil  gemacht.
        <pb n="196" />
        NG  —  1856  —

1871.  Die  endgiltigen  Friedensunterhandlungen  zwischen
Deutschland  und  Frankreich  beginnen  zu  Frankfurt  a.  M.
zwischen  Bismarck  und  den  französischen  Ministern  Favre

und  Pouyer-Quertier.

1872.  Grundbuch-Ordnung  und  Eigentums-Gesetz  des  deutschen
Reiches.  |

1885.  Der  Bundesrat  nimmt  die  Strafprozessnovelle  (Abänderung
  der  Geschwornengerichte)  an.

 

6.  Mai.

1223.  Graf  Heinrich  von  Schwerin  nimmt  den  Waldemar  I.
von  Dänemark  auf  einer  Jagd  auf  der  Insel  Lyoe  listigerweise
  gefangen  und  lässt  ihn  nach  Mecklenburg  bringen.

1622.  Schlacht  bei  Wimpfen.

Graf  Tilly  besiegt  den  Markgrafen  Georg  Friedrich  von  Baden,
der  der  Gefangenschaft  nur  durch  den  Heldentod  von  400  Pforzheimer
  Bürgern  entgeht.

1635.  Ueberfall  von  Trier.
1689.  Rheinbergen  ergiebt  sich  an  die  Brandenburger.
1757.  Schlacht  bei  Prag.

Friedrich  Il.,  König  von  Preussen,  schlägt  die  wohlverschanzten
Oesterreicher.  Der  blutige  Sieg  war  durch  Graf  Schwerins  Heldentod
  erkauft,  16500  Preussen  sind  teils  getötet,  teils  verwundet.

1786.  Ludwig  Börne,  Dichter  und  freisinniger  publizistischer
Schriftsteller,  zu  Frankfurt  a.  M.  geboren.

1813.  Aufbietung  des  Landsturms  in  Berlin.
Die  Preussen  gehen  bei  Meissen  über  die  Elbe  zurück.

1843.  Eröffnung  des  Ludwigs-  (Donau-Main-)  Kanals  in
Bayern.

1848.  Radetzky  schlägt  die  Piemontesen  bei  Santa  Lucia.

1849.  Beginn  der  drei  Tage  dauernden  Barrikadenkämpfe
  in  Dresden.
Die  vom  König  von  Sachsen  herbeigerufenen  Preussen  fanden

einen  verzweifelten  Widerstand  in  den  demokratischen  Streitern,  welche
erst  am  dritten  Tage  der  Uebermacht  erlagen.
        <pb n="197" />
        —  187°  —

1855.  Alexander  von  Soiron,  deutscher  Staatsmann  und  Parlamentarıier,
  stirbt,  von  einem  Schlagfluss  getroffen,  auf  einem
Spaziergange  mit  seinem  Freunde  Heinrich  von  Gagern,  zu
Heidelberg.

1859.  Alexander  von  Humboldt,  der  tiefste  Kenner  und  wirksamste
  Förderer  der  Naturwissenschaften,  der  „Aristotele
des  19.  Jahrhunderts“,  stirbt  in  Berlin.

 Ausgerüstet  mit  einer  seltenen  Fülle  und  Vielseitigkeit  der  Kenntnisse,

  denen  fast  kein  Gebiet  des  menschlichen  Wissens  fremd  geblieben,
eine  hochangesehene  Persönlichkeit  bei  Hofe,  wusste  Humboldt  durch
persönliches  Wirken  wie  durch  die  Schrift  weiteste  Kreise  der  Bevölkerung
  mit  Interesse  für  die  Naturwissenschaft  zu  erfüllen.  Das
Streben  Humboldt’s,  die  Resultate  der  Naturforschung  nicht  blos  den
Fachgelehrten,  sondern  allen  Gebildeten  zugänglich  zu  machen,  ist  vielfach
  ein  erfolgreiches  gewesen.

1862.  Die  preussische  Regierung  erleidet  bei  den  Landtagswahleneineihrerempfindlichsten
  Niederlagen  während
der  sogenannten  „Confliktszeit“,  denn  die  Mehrheit  des  am  11.
März  aufgelösten  Abgeordnetenhauses  ward  wiedergewählt  und
um  eine  ansehnliche  Zahl  von  entschieden  liberalen  Gesinnungsgenossen
  verstärkt,  so  dass  in  der  neuen  Kammer  die  ministerielle

  Partei  auf  ein  geringes  Häuflein  zusammenschmolz.

1876.  Die  mohammedanische  Bevölkerung  zu  Salonikı  ermordet
  in  einer  Moschee  die  beiden  Konsuln  von  Deutschland
und  Frankreich.

1882.  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm,  ältester  Sohn  Kaiser
Wilhelms  II.,  geboren.
1885.  Interpellation  im  preussischen  Abgeordnetenhaüs,  die  MaSsen-Ausweisungen
  betreffend.
Der  Reichstag  beschliesst  die  Ausdehnung  des  Unfallund
  Krankenkassen-Gesetzes.
1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  eröffnet  persönlich  den  ersten  unter
seiner  Regierung  neugewählten  Reichstag  mit  einer  Ihronrede,
  in  welcher  er  insbesondere  seiner  Fürsorge  für  das  Woh
der  Arbeiter,  seiner  Friedensliebe  und  den  freudigen
Erfolgen  der  Deutschen  in  Ost-Afrika  in  erhebender  Weise
Ausdruck  giebt.
        <pb n="198" />
        —  13  —

7.  Mai.

973.  Kaiser  Otto  I.  der  Grosse,  stirbt  plötzlich  am  Schlagfluss,
nachdem  er  wenige  Monate  zuvor  in  Ingelheim  eine  Reichsversammlung

  gehalten  hatte.

1301.  König  Albrecht  gewährt  den  Rheinstädten,  um  sich  deren
Beistand  gegen  die  Kurfürsten  zu  sichern,  zollfreie  Rheinschifffahrt.



Ein  königlicher  Erlass  verkündet  die  Abschaffung  aller  Rheinzölle,
„sowohl  derer,  welche  von  den  geistlichen  Kurfürsten  und  anderen
Landesherren  unrechtmässig  und  eigenmächtig  eingeführt  worden  seien,
als  auch  derjenigen,  welche  ihnen  seine  Vorgänger  und  er  selbst  verliehen
  haben,  mit  alleiniger  Ausnahme  der  vom  Kaiser  Friedrich  II.  zugelassenen
  Zölle.“  Dieser  königliche  Erlass  ermächtigte  die  Bürgerschaften
der  Rheinstädte  zugleich  zu  bewaffnetem  Widerstand  gegen  die,  welche
fortan  Rheinzölle  erheben  wollten.

1523.  Franz  von  Sickingen,  Beförderer  der  Reformation,  stirbt
in  Folge  einer  tötlichen  Verwundung,  welche  er  bei  der  Belagerung
  seiner  Burg  erhielt.

Die  in  dieselbe  einziehenden  fürstlichen  Belagerer  trafen  ihn  noch
lebend.  Freundlich  zog  er  vor  dem  Kurfürsten  von  der  Pfalz  und  dem
Landgrafen  von  Hessen  die  Mütze  vom  Haupt  und  antwortete  mit  edler
Würde  in  gebfochenen  Worten  auf  ihre  Fragen;  nurdem  Erzbischof
von  Trier  gönnte  er  trotzig  keinen  Gruss.  Das  ganze  feindliche
  Heer  erwies  ihm  die  letzten  Ehren,  und  selbst  ein  Grabmal  errichteten
  ihm  die  Fürsten,  das  noch  heute  sichtbar  ist.  —  Als  Luther
Sickingens  Tod  vernahm,  rief  er:  „Der  Herr  ist  gerecht,  aber
wunderbar!  Er  will  seinem  Evangelium  nicht  mit  dem
Schwerte  helfen!“

1686.  Schutz-  und  Trutzbündnis  zwischen  dem  Kaiser
Leopold  I.  und  dem  „grossen  Kurfürsten“  gegen
Frankreich.

1747.  Die  erste  Realschule  Deutschlands  wird  durch  Julius  Joh.
Hecker  in  Berlin  errichtet.
1793.  Treffen  bei  St.  Amand  in  Belgien.

Die  französischen  Konventstruppen  werden  vonden  Preussen
mit  grossem  Verluste  zurückgeschlagen.

1800.  Gefecht  an  der  Tagsgia.

_Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  unter  Suchet  in
die  Flucht.

1813.  Gefecht  bei  Zerban.

Die  Preussen  schlagen  die  Franzosen.
        <pb n="199" />
        —  189  —

1832.  Otto  1.,  zweiter  Sohn  des  Königs  Ludwig  I.  von  Bayern,
wird  zum  griechischen  Thron  berufen.

1833.  Johannes  Brahms,  vorzüglicher  Klavierkomponist,  zu
Hamburg  geboren.

1861.  Annahme  der  Grundsteuervorlage  im  preussischen  Herrenhause.


1866.  Erstes  Attentat  auf  den  preussischen  Ministerpräsidenten
  Grafen  von  Bismarck  unter  den  Linden  in
Berlin,  indem  der  22jährige  Ferdinand  Cohen  (Blind)  mehrere
Pistolenschüsse  auf  ihn  abfeuerte,  weil  er  ihn,  nach  seiner  Aussage,

  für  den  ärgsten  Feind  der  deutschen  Einheit  und  Freiheit
hielt.

1867.  Auf  Vorschlag  Russlands  treten  zu  London  die  Gesandten
derjenigen  Mächte,  welche  den  Vertrag  von  1839  betr.  Luxemburg
  unterzeichnet  haben,  zusammen,  um  sich  bezüglich  der
„Luxemburger  Frage“  zu  verständigen.

1870.  Schluss  des  (letzten)  Zollparlaments.
1874.  Erlass  des  Reichspressgesetzes.

1880.  Der  vormalige  preussische  J  ustizminister  Leonhardt  stirbt.

Er  machte  sich  um  die  Reform  des  preussischen  Rechtswesens  und
um  die  Vollendung  der  deutschen  Justizgesetze  hoch  verdient.

 

8.  Mai.

ul

1394.  Die  Böhmen  nehmen  den  römisch-deutschen  König  Wenzel
in  Haft  und  halten  ihn  mehrere  Monate  im  Königsschlosse  zu

Prag  gefangen.
Die  Gefangennahme  geschah  auf  Anstiften  des  Markgrafen  Jobst
von  Mähren  und  des  Königs  Sigismund  von  Ungarn.

1521.  Kaiser  Karl  V.  erlässt  ohne  spezielle  Zustimmung  der  Reichsversammlung
  und  ohne  die  sonst  üblichen  Formalitäten  einzuhalten,
  das  Wormser  Edikt,  wodurch:

1.  Dr.  Marthin  Luther  als  Ketzer  und  ausgestossenes  Glied
der  Kirche,  mit  der  Reichsacht  belegt,  2.  bei  Strafe  der  Acht,  die  Aufnahme
  desselben  untersagt,  und  dafür  im  Fall  der  Betretung  die  Verhaftung
  und  Auslieferung  an  den  Kaiser  befohlen  wurde,  3.  bei  derselben
Strafe  die  Verbreitung  seiner  Bücher  verboten,  und  endlich  4.  vorgeschrieben
  wurde,  dass  von  nun  an  weder  ein  Drucker  noch  ein  Anderer
Bücher  theologischen  Inhalts  ohne  Erlaubnis  der  Ordinarien  des  betreffenden
  Orts  oder  deren  Stellvertreter  drucken  dürfe.
        <pb n="200" />
        —  1%  —

An  denselben  Tage  schloss  Karl  V.  auch  noch  einen  geheimen
  Vertrag  mit  dem  Papste  ab,  worin  es  heisst,
„der  Papst  und  der  Kaiser  wollen  dieselben  Freunde  und  ohne
Ausnahme  dieselben  Feinde  haben.“

1743.  Treffen  bei  Braunau.
Die  Bayern  werden  im  österreichischen  Erbfolgekrieg  von  den
Oesterreichern  geschlagen.

1759.  Gefecht  beı  Asch.

Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher  in  die  Flucht.

1761.  Treffen  bei  Freiberg.
Die  Preussen  siegen  über  die  Arrieregarde  des  sächsischen
Generals  von  Zedtwitz.

1793.  Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  unter  Dampierre
  bei  Raismes.

1809.  Schlacht  bei  Bassano,  in  welcher  die  Oesterreicher  unter
Erzherzog  Johann  von  den  Franzosen  geschlagen  wurden.

1813.  Kaiser  Napoleon  I.  rückt  wieder  in  Dresden  ein.

1837.  Albrecht,  Prinz  von  Preussen  und  General-Feldmarschall,
geboren.  |  "

1839.  Das  Schiller-Denkmal  zu  Stuttgart  enthüllt.

1852.  Ein  neues  „Londoner  Protokoll“  bestimmt  den  Prinzen
Christian  von  Glücksburg  und  seine  männliche  Nachkommenschaft
  als  eventuellen  Thronfolger  der  Gesammtmonarchie
  Dänemark.

Das  beklagenswerte  Schicksal  von  Schleswig-Holstein  wurde  nun
auch  von  England  und  Russland  gutgeheissen.  Schleswig  hatte  man
der  Rachsucht  der  Dänen,  die  es  alsbald  wieder  unterjochten,  überlassen;
und  Holstein  musste  sein  Freiheitsgelüste  unter  der  Bedrückung  der
Dänen  schwer  büssen.  —  Das  „Londoner  Protokoll“  äusserte  seine  rückschrittliche
  Bedeutung  auch  noch  dadurch,  dass  nun  die  Reaktion  in
Deutschland  immer  mehr  erstarkte,  und  auch  die  letzten  nationalen  Errungenschaften
  seit  1818  dem  Bundestage  zum  Opfer  fielen.

1855.  Erlass  einer  Konkursordnung  für  den  preussischen
Staat.

1867.  Schlussberatung  über  die  Verfassung  desnorddeutschen
Bundes  und  deren  Annahme  im  Abgeordnetenhause  in  erster
Lesung  mit  226  gegen  91  Stimmen.

1877.  Friedrich  v.  Schiller,  Major  a.  D.,  letzter  Enkel  des
grossen  Dichters,  stirbt.

1885.  Annahme  des  Börsensteuer-Gesetzes  im  deutschen
Reichstage.

An  demselben  Tage  nimmt  der  preussische  Landtag  das
Lehrerpensionsgesetz  an.
        <pb n="201" />
        —  11  —

1886.  Die  Geschäftsträger  der  fünf  Mächte  zeigen  der
griechischen  Regierung  an,  dass  der  Blokadezustand  über  die
Ostküste  -  Griechenlands,  vom  Cap  Malio  bis  zur  griechischtürkischen
  Grenze,  für  griechische  Schiffe  verfügt  worden  ist.

1889.  Der  Reichskommissar  Hauptmann  Wissman  erstürmt  das

Lager  Buschiris  bei  Bagamoyo,  worauf  sich  dieser  in  die
Wälder  des  Innenlandes  flüchtet.

9.  Mai.

1139.  Kaiser  Friedrich  Barbarossa  schifft  sich  mit  dem  Kreuzheer
  zu  Regensburg  auf  der  Donau  ein.

1474.  Peter  von  Hagenbach,  Karls  des  Kühnen  Statthalter  in
den  von  dem  Habsburger  Sigismund  ihm  verpfändeten  Landen
am  Überrhein,  wird  von  den  schwergedrückten  Bürgern  von
Breisach  gefangen  und  nach  erfolgtem  Todesurteil  durch  das
Beil  hingerichtet.

Die  Bürgerschaft  von  Breisach  hatte  sich  einige  Zeit  vorher  an
den  Herzog  gewandt  und  Klage  über  das  sittenlose  und  herrische  Kriegsvolk
  und  über  den  Landvogt  geführt,  worauf  Karl  erwiderte:  „den  verdammten
  Deutschen“  thue  Hagenbach  recht;  scharf  müssten  sie  im

Zaume  gehalten  werden.
1595.  Johann  Friedrich,  der  Mittlere,  Herzog  von  Sachsen,
stirbt  in  österreichischer  Gefangenschaft  auf  Schloss  Steier.
1688.  Friedrich  Wilhelm,  „der  grosse  Kurfürst“  von  Brandenburg,
  stirbt  zu  Potsdam.
1743.  Schlacht  bei  Simpach.
Prinz  Karl  von  Lothringen  siegt  über  die  Bayern.
1757.  Treffen  bei  Böhmisch-Brod.
Die  Preussen  unter  Zieten  schlagen  die  Oesterreicher  unter  Daun.
An  demselben  Tage  belagern  die  Preussen  Prag
und  erstürmen  den  Ziskaberg.
1760.  Graf  Nikolaus  Ludwig  von  Zinzendorf,  der  Gründer
der  Herrnhuter  Gemeinden,  stirbt  auf  seinem  Gute  Herrnhut.

1800.  Treffen  bei  Biberach  in  Württemberg.
Die  Franzosen  unter  Saint-Cyr  bereiten  den  Oesterreichern
unter  Kray  eine  Niederlage.
        <pb n="202" />
        —  12  —

1805.  Friedrich  von  Schiller,  der  beliebteste  und  bekannteste
deutsche  Dichter,  stirbt,  kaum  45  Jahre  alt.

Millionen  von  Deutschen  danken  das  Beste  in  ihrer  Bildung  der
Schiller'schen  Muse,  zumal  die  Frauenwelt  und  der  Mittelstand.

1811.  Kaiser  Napoleon  I.  verlässt  St.  Cloud,  um  mit  der  „grossen
Armee“  nach  Russland  zu  begeben.

1819.  Joseph  Völk,  Rechtsanwalt  und  Parlamentarier,  zu  Mittelstetten
  im  bayr.  Schwaben  geboren.

1821.  Begräbnis  Kaiser  Napoleons  I.  auf  t.  Helena.
1850.  Fürstenkongress  in  Berlin.

Von  Preussen  berufen,  veranlasst  durch  Oesterreichs  Einberufung
zu  einer  „ausserordentlichen  'Plenarv  ersammlung  des  Bundes“  nach  Frankfurt
  a.  M.,  wodurch  dieses  Preussens  Bestrebungen,  bezüglich  einer
Reichsverfassung  ,  zu  durchkreuzen  gedachte.  Der  Fürstenkongress
dauerte  bis  zum  16.  Mai  und  veranlasste  die  Einsetzung  eines  provisorischen
  Fürstenkollegiums.

An  demselben  Tage  wurde  in  Frankfurt  a.  M.  die  von
Oesterreich  im  Gegensatze  zu  Preussen  berufene  ausserordentliche
  Bundesversammlung  eröffnet.

1864.  Glänzender  Seesieg  der  vereinigten  österreichisch-preussischen
  Schiffe  gegen  ein  dänisches  Geschwader  bei  Helgoland.

1566.  Die  deutschen  Mittelstaaten  stellen  beim  Bundestag
den  Antrag  auf  gleichzeitige  Abrüstung  sämtlicher  Bundesglieder,
welcher  Antrag  einstimmig  angenommen,  während  jedoch  Preussen
und  Oesterreich  nur  unter  Vor  behalt  ihre  Zustimmung  hierzu  geben.

Gleichzeitig  forderte  der  deutsche  Bundestag,  Preussen
solle  über  seine  Rüstungen  eine  befriedigende  Erklärung  geben,
worauf  Preussen  entgegnete:  „es  rüste  nur  zur  Abwehr,  und
wenn  der  Bund  nicht  Sachsen  und  Oesterreich  zur  Abrüstung
veranlasse,  so  sei  es  genötigt  und  verpflichtet,  sein  Bundesverhältnis
  der  Selbsterhaltung  unterzuordnen.“

Das  preussische  Abgeordnetenhaus  wird  aufgelöst.
1870.  Unruhen  in  Paris,  wegen  des  Plebiseits.
1871.  Fort  Issy  vor  Paris  von  den  Versaillern  besetzt.

1873.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  genehmigt  die
sogenannten  Maigesetze,  wonach  die  bischöflichen  Seminarıen
  fortan  unter  die  staatliche  Aufsicht  gestellt  sind,
die  künftigen  Geistlichen  nicht  blos  eine  kirchliche,  sondern
auch  eine  allgemeine  wissenschaftliche  Bildung  auf
Universitäten  erlangt  haben  müssen  und  ihre  Anstellung  im
Kirchendienste  erst  nach  bestandener  Prüfung  erhalten  können.
Ferner  sollen  die  Bischöfe  die  von  ihnen  einzustellenden  Geistlichen
  der  Regierung  anzeigen  und  jeder  Bischof  soll  fortan  den
Eid  der  Treue  zu  leisten  haben.
        <pb n="203" />
        —  193  —

Diese  Gesetze,  zusammen  als  Maigesetze  und  Kirchendienergesetze
bekannt,  regten  die  Bischöfe  zum  heftigsten  Widerstande  auf,  als  würde
durch  dieselben  die  katholische  Religion  angegriffen.

1535.  Die  Sonntagsruhe  wird  durch  die  Reichstags-Kommission
auf  die  Tagesordnung  gesetzt.

 

 

10.  Mai.

DT  rn]

1218.  Kaiser  Otto  IV.  stirbt  auf  der  Harzburg.

1291.  Adolf  von  Nassau  wird  durch  die  Bemühungen  seines
Oheims,  des  Erzbischofs  von  Mainz,  Gerhard  von  Eppstein,  zum

Kaiser  gewählt.

Schon  bei  den  Beratungen  über  die  Wahl  hatte  es  sich  gezeigt,
dass  die  Kurfürsten  ihre  Stimme  nicht  unentgeldlich  abgeben
  wollten.  —  Herzog  Albrecht  von  Sachsen  und  Markgraf
Otto  von  Brandenburg  forderten  dafür  geradezu  4,500  Mark  Silber,  und
die  geistlichen  Kurfürsten  sehr  ansehnliche  Einkünfte  und  Güter
des  Reichs.

„Was  soll  das  Gräflein“,  hatte  sein  Nebenbuhler  Herzog  Albrecht
von  Oesterreich  damals  zu  Weinheim  an  der  Bergstrasse  gesagt,  „das
nun  die  Pfaffen  erwählt  haben,  des  Reiches  Frommen  schaffen  ?

1521.  Sebastian  Brant,  Satyriker,  stirbt  zu  Strassburg.

1527.  Johannes  Heuglin,  ein  mutiger  Bekenner  der  evangelischen
Lehre,  stirbt  als  Pfarrer  zu  Sernalingen  im  Badischen  den
Märtyrertod.

1547.  Kaiser  Karl  V.  verurteilt  den  Kurfürsten  Johann  Friedrich.

von  Sachsen  zum  Tode.
Dieses  Urteil  wurde  jedoch  nicht  vollstreckt,  sondern  in  ewige

Gefangenschaft  umgewandelt.
1631.  Eroberung  und  Zerstörung  von  Magdeburg  durch

den  kaiserlichen  General  Tilly.

Alle  Zügel  der  Kriegszucht  entledigt,  durchrasten  dessen  Soldknechte
die  Strassen  der  unglücklichen  Stadt.  erbrachen  Häuser  und  Kirchen,
und  erwürgten  ohne  Unterschied  des  Alters  und  Geschlechts  alles,  was
ihnen  aufsties.  Die  Scenen  nahmen  einen  solchen  Charakter  grasser
Barbarei  an,  dass  Tilly  selbst  von  seinen  eigenen  Oflizieren  beschworen
wurde,  den  Greuelthaten  seiner  Soldknechte  ein  Ziel  zu  setzen,  worauf
er  nur  die  gefühllose  Erklärung  gab:  „Der  Soldat  muss  für  seine  Anstrengungen
  und  Wagnisse  eine  Entschädigung  haben;  —  kommt  in  einer
Stunde  wieder!“  —  So  wurde  denn  das  Rauben  und  Würgen  rücksichtslos
  fortgesetzt,  und  schliesslich  die  Stadt  in  Brand  gesteckt,  so  dass
Magdeburg  in  Zeit  von  zwölf  Stunden  ein  Aschenhaufen  war.  Die
Bürgerschaft  aber  war  der  Mehrzahl  nach  ermordet,  erstickt  oder  verbrannt,
  denn  30,000  Menschen  hatten  in  dieser  Zeit  das  Leben  verloren.

13
        <pb n="204" />
        —  14  —

1693.  Treffen  bei  Sanmango  in  Belgien.

Das  brandenburgische  Leib-Dragoner-Regiment  schlägt
einen  Angriff  der  Franzosen  siegreich  zurück.

1793.  Die  Preussen  erstürmen  die  französischen  Verschanzungen
bei  Bunkewacht  in  Belgien.

1796.  Schlacht  bei  Lodi.

Napoleon  Bonaparte  schlägt  die  Oesterreicher  unter  ihrem
alten  General  Beauline.  Diese  flüchten  nach  Tyrol;  die  ganze  Lombardei
  gehorchte  nun  den  Franzosen,  bis  auf  das  feste  Mantua,  welches
nunmehr  von  diesen  belagert  wird.

1800.  Gefecht  bei  Memmingen.

Die  Franzosen  unter  Moreau  schlagen  die  Oesterreicher
unter  Kray  in  die  Flucht.

1814.  Die  Preussen  nehmen  Wesel  am  Rhein  ın  Besitz.

1816.  Friedrich  Gerstäcker,  berühmter  Reisender  und  Schriftsteller,
  zu  Hamburg  geboren.

1825.  Reinhold  Werner,  deutscher  Seemann,  von  1873  bis
15.  Oktober  1878  Chef  der  Marinestation  in  Kiel,  zu  \Veferlingen
bei  Magdeburg  geboren.

1848.  Annete  Elisabeth  Freiin  von  Droste-Hülfshoff,
Dichterin,  stirbt  zu  Mersburg  anı  Bodensee.

1849.  Das  Frankfurter  Parlament  erklärt  die  preussische  Intervention
in  Dresden  für  einen  schweren  Reichsfriedensbruch.

1850.  Wiedereröffnung  der  deutschen  Bundesversammlung
  zu  Frankfurt  a.  M.,  und  zwar  nur  in  Vertretung  von  10
deutschen  Staaten;  ein  gegen  Preussen  gerichtetes  „Bundesplenum.“


1853.  Der  in  der  Pfalz  gegründete  Friedensverein  wird  zu
Landau  polizeilich  aufgelöst.

1859.  Abreise  Napolcons  III.  zur  italienischen  Armee.
1861.  Brand  von  Glarus.

1871.  DefinitiverFriedensschluss  zwischen  Deutschland
und  Frankreich  in  Frankfurt  a.  M.  unterzeichnet.

Der  Frankfurter  Friedensvertrag  enthielt  eine  die  Nationalität  der
Bewohner  mehr  berücksichtigende  Grenzbestimmung,  eine  Verkürzung
der  Zahlungsfristen  für  die  zwei  ersten  Milliarden  und  eine  Verlängerung
der  Okkupation  in  einzelnen  Gebietsteilen;  —  die  französische  Ostbahn

in  Elsass-  Lothringen  geht  gegen  Bezahlung  von  325  Millionen  Frank  in
deutschen  Besitz  über.

1875.  Tumult  fanatisierter  Weiber  in  Königshütte  in
Folge  der  Ausführung  der  Maigesetze.
        <pb n="205" />
        —  195  —

1882.  Vermählung  des  Kronprinzen  Rudolf  von  Oesterreich
mit  der  Prinzessin  Stefanie  von  Belgien  in  Wien.

1886.  In  Preussen  wird  der  grösste  Teil  der  sogenannten  Maigesetze
  aufgehoben.

1390.  Reichskommissar  Major  Wissmann  besetzt  Lindi  in  Ost-Afrika.


 

11.  Mai.

1131.  Adolf,  Graf  von  Holstein,  Bekehrer  der  Wenden,  stirbt.

1315.  Kaiser  Ludwig  der  Bayer  spricht  über  die  Herzöge  von
Oesterreich  auf  einem  „öffentlichen  Tage“  zu  Nürnberg  die
Reichsacht  aus.

1686.  Otto  von  Guerike,  Bürgermeister  zu  Magdeburg,  einer
der  fleissigsten  und  verdienstvollsten  Physiker  (es  siebzehnten
Jahrhunderts  und  Erfinder  der  Luftpumpe,  stirbt  zu
Hamburg,  wohin  er  sich  zum  Besuch  seines  Sohnes  begeben
hatte.

1745.  Schlacht  bei  Fontenoi.

Der  französische  Marschall  Moritz  von  Sachsen  besiegt  die  vereinigten
  Heere  unter  Herzog  von  Cumberland,  General  von  Königsegg
(Oesterreich)  und  Fürst  von  Waldeck.

1760.  Johann  Peter  Hebel,  Dichter  in  alemannischer  Mundart

und  beliebter  Volkschriftsteller,  zu  Basel  geboren.

1787.  Alfred  Candidus  Ferdinand  Fürst  von  Windischgrätz,
  Österreichischer  Feldmarschall,  zu  Brüssel  geboren.

1800.  Die  Oesterreicher  besetzen  Nizza.

1809.  Am  Himmelfahrtstage,  Aufbruch  der  Tyroler,  um  auf
der  kürzesten  Linie  durch  das  Isarthal  über  Schareitz,  Benediktbeuern
  und  Wohlfahrtshausen  gegen  München  vorzurücken.
Furchtbarer  Kampf  im  Staubpass.

Ein  Häuflein  Tyroler  schlägt  die  mächtigen  Angriffe  des  bayerischen
  Generals  Wrede  wiederholt  zurück,  bis  dieser  es  durch  die
grossen  Verluste  der  österreichischen  Artillerie  ermöglichen  konnte,  den
tapfern  Tyrolern  in  den  Rücken  zu  fallen,  und  nun  die  Bayern
unterdieseneinBlutbadanrichteten,wiekaumeinzweites
dieGeschichte  der  damaligenFreiheitskämpfe  aufzuweisen
  hat.  Was  von  Tyrolern  in  die  feindlichen  Hände  fiel,  ward  in  der
Wut  gemordet.  Der  grosse  Verlust  an  Toten  und  Verwundeten,  die
        <pb n="206" />
        —  1%  —

die  Bayern  durch  die  Kernschüsse  der  Tyroler  Schützen  und  das  Steingerölle
  bei  den  vier  Stürmen  erlitten  hatten,  war  die  Ursache  ihrer
Wut  gegen  diese.  Ueberdies  hatte  Napoleon  gegen  Wrede  noch  die
Absicht  ausgesprochen,  „man  solle  alle  mit  den  Waffen  gefangenen
  Tyroler  über  die  Klinge  springen  lassen.“

1825.  Gustav  v.  Moser,  berühmter  Lustspieldichter,  zu  Hamburg
geboren.
1849.  Die  Besatzung  von  Rastatt  empört  sich.

1859.  Erzherzog  Johann,  während  der  österreichisch-französischen
Kriege  ein  tapferer  Feldherr,  im  Privatleben  der  populärste
Prinz  des  Kaiserhauses  und  im  Jahre  1848  Reichsverweser,  stirbt.

Seine  1827  vollzogene  Vermählung  mit  der  schönen  Posthalterstochter,
Anna  Plochl  zu  Aussee  in  Steiermark  trug  noch  besonders  viel  zu
seiner  Popularität  bei.

1864.  Sachsen  sshliesst  sich  dem  Zollverein  in  Bezug  auf  den
französisch-deutschen  Handelsvertrag  an.

1867.  Londoner  Vertrag.

Die  Londoner  Konferenz  einigt  sich  in  der  Luxemburger  Frage
dahin,  dass  das  Grossherzogtum  als  ein  neutraler  Staat  unter  der  gemeinsamen
  Gewährleistung  der  Mächte  dem  Hause  Oranien  verbleiben,
die  Stadt  Luxemburg  von  den  Preussen  geräumt,  die  Festung  vom  Grossherzog
  geschleift  werden,  und  das  Grossherzogtum  im  deutschen  Zollverein
  verbleiben  solle.

1873.  Gesetz  über  Vorbildung  und  Anstellung  der  Geistlichen
  in  Preussen.

1876.  Beginn  der  Konferenzen  der  Kanzler  der  drei  Kaiserreiche
  in  Berlin.

Welche  bis  zum  14.  Mai  andauern,  und  bezweckten  den  blutigen
Kampf  zu  schlichten,  in  welchem  die  christlichen  Bewohner  der  westlichen
  Türkei  in  Folge  fortdauernder  Bedrückungen  und  Misshandlungen
gegen  die  Türken  begriffen  waren.

1878.  Attentat  des  Klempnergesellen  Hödel  auf  den  Kaiser  Wilhelm  1.

Nichts  ahnend  und  sorglos  fuhr  der  ö1jährige  Kaisen  Wilhelm  mit
seiner  Tochter,  der  Grossherzogin  von  Baden,  die  Linden  zu  Berlin  entlang,
  überall  begrüsst  von  den  Jubelrufen  des  getreuen  Volkes,  das  in
ihm  den  Begründer  deutscher  Einheit  feierte,  da  fielen  plötzlich  zwei
Schüsse  gegen  den  kaiserlichen  Wagen,  zum  Glück  ohne  zu  treffen.  Das
fluchwürdige  Attentat  des  Klempnergesellen  Hödel,  eines  verkommenen
Subjektes,  war  misslungen,  aber  noch  lange  zitterten  die  Wogen  der
Erregung  über  das  Geschehene  im  Volke  nach.  Der  Attentäter  hatte
zwar  keine  direkte  Mitschuldigen,  allein  die  That  wies  auf  gewisse
Strömungen  hin,  gegen  welche  später  Abwehrmittel  in  dem  Sozialistengesetz
  geschaflen  wurden.

1385.  Der  Reichstag  genehmigt  die  Erhöhung  der  Kornzölle.
        <pb n="207" />
        —  117  —

12.  Mai.

1328.  Peter  von  Corvara,  ein  Minorite,  wird  während  der  Abwesenheit
  des  vom  Kaiser  Ludwig  entsetzten  Kirchenoberhauptes
von  Rom,  Johann  XXIL,  von  einer  grossen  Volksversammlung
zum  Gegenpapst  erhoben,  —  Papst  Nikolaus  V.

1515.  Papst  Leo  X.  führt  durch  besondese  Bulle  die  Censur

förmlich  ein.

Diese  legte  den  Bischöfen  und  Inquisitoren  die  Pflicht  auf,  alle  in
ihrem  Sprengel  erscheinenden  Schriften  vor  dem  Drucke  durchzusehen,
und  ketzerische  Meinungen  nicht  zu  dulden.

1525.  Schlacht  bei  Böblingen  während  des  Bauernkriegs.  Die
württembergischen  und  schwarzwälder  Bauern  werden  durch  den
Truchsess  Georg  von  Waldenburg  geschlagen;  wobei  ihrer  8000
tot  auf  dem  Platze  bleiben.

Das  Verlangen  der  empörten  Bauern  war  in  seinen  Hauptpunkten:
Befreiung  von  den  drückenden  Gerechtsamen  geistlicher  und  weltlicher
Herrschaften;  Verwandlung  sämtlicher  geistlicher  Güter  in  weltliche
(Säkularisation),  um  daraus  die  weltlichen  Herrschaften  für  die  Aufhebung
  ihrer  Rechte  zu  entschädigen;  Aufhebung  der  Zölle  und  Geleite,
dagegen  Anerkennung  des  Kaisers  als  alleiniger  Herr,
dem  alle  zehn  Jahre  (!)  eine  Steuer  gezahlt  werden  sollte;  durchaus
volkstümliche  Gerichtsbarkeit,  Freigerichte  mit  Richtern  aus
allen  Ständen  etc.;  Gleichheit  der  Münze,  des  Masses  und  Gewichtes.
—  Viele  dieser  Forderungen  sind  im  Laufe  der  Zeit,  meistens  erst
als  eine  blutige  Errungenschaft  dem  Volk  gewährt  worden,
manche  Wünsche  von  damals  sind  auch  heute  noch  in  einzelnen  Teilen
Deutschlands  unerfüllt  geblieben  und  harren  noch  der  Erfüllung.

1526.  Das  erste  Bündnis  deutscher  Fürsten  zur  Verteidigung
  der  lutherischen  Konfession.

Dasselbe  wurde  zu  Magdeburg  zwischen  dem  Kurfürsten  Johann
von  Sachsen,  dem  Landgrafen  Philipp  von  Hessen  und  den  Herzögen
von  Braunschweig  und  Mecklenburg  geschlossen.

1629.  Kaiser  Ferdinand  II.  schliesst  zu  Lübeck  mit  dem
Könige  von  Dänemark,  Christian  IV.,  einen  Separat-  Vertrag
ab,  worin  er  diesem  alle  seine  Länder  zurückgiebt,  jedoch  bedingt,
dass  dieser  sich  nicht  weiter  mehr  in  die  deutschen  Angelegenheiten
  einmischt,  als  es  ihm  in  der  Eigenschaft  eines  Herzogs

von  Holstein  zusteht.
1658.  Vertrag  von  Kopenhagen.

Das  Haus  Holstein-  Gottorp  erhält  die  volle  Souveränität  über
seinen  Besitzteill  an  Schleswig;  Aufhören  der  Lehenshoheit

Dänemarks.
        <pb n="208" />
        —-—  199  —

1670.  August  II.,  der  Starke,  Kurfürst  von  Sachsen  und  König
von  Polen,  zu  Dresden  geboren.

1743.  Maria  Theresia  empfängt  zu  Prag  die  böhmische
Krone.

1762.  Treffen  bei  Döbeln.

Die  Preussen,  vom  Prinzen  Heinrich  geführt,  schlagen  die  Oesterreicher
  in  die  Flucht.

1797.  Auflösung  der  Republik  Venedig,  durch  einheimische
Demagogen  und  französische  Waffen,  nachdem  diese  Republik
eintausend  dreihundert  und  fünfzig  Jahre  bestanden  hatte.  Im
Frieden  von  Campoformio  (17.  Oktober  1797)  fiel  Venedig,  als
Entschädigung  für  die  verlorenen  Niederlande,  an  Oesterreich.

1803.  Justus  Freiherr  von  Liebig,  berühmter  Chemiker,  der
diese  Wissenschaft  für  Ackerbau,  Industrie,  wie  für  das  gesamte
Fabrik-  und  Gewerbewesen  nutzbar  machte,  zu  Darmstadt
geboren.

1821.  Deklaration  Oesterreichs,  Preussens  und  Russlands
  gegen  revolutionäre  Verbindungen.

1845.  August  Wilhelm  von  Schlegel,  ein  verdienstvoller
Schriftsteller  und  Dichter,  stirbt  zu  Bonn.

Er  zeichnete  sich  insbesondere  in  der  Nachbildung  der  antiken
Versform  aus,  und  bewährte  aufs  schönste  die  Biegsamkeit  der  deutschen
Sprache.  Seine  Shakspeare-Uebersetzung  wird  als  mustergiltig  bezeichnet.

1851.  Das  Pressgesetz  in  Preussen  veröffentlicht.

1862.  General  Willisen  überbringt  im  Auftrage  des  Königs
Wilhelm  von  Preussen  dem  Kurfürsten  von  Hessen  ein
„Abmahnungschreiben“,  wegen  seines  widerrechtlichen  Verfahrens
gegen  Volk  und  Verfassung  und  wird  vom  Kurfürsten  mit  einer
solchen  Geringschätzung  behandelt,  dass  drei  Tage  später  die
Mobilmachungsordre  an  zwei  preussische  Armeekorps  erfolgte.

1864.  Londoner  Konferenz.  Vereinbarung  einer  vierwöchentlichen
  Waffenruhe  zwischen  Preussen-Oesterreich  und

Dänemark,  welche  nach  dem  Ablauf  nochmals  um  15  Tage
verlängert  wurde.

Stiftung  des  Hausordens  der  wendischen  Krone  durch
Friedrich  Franz  Il.  von  Mecklenburg-Schwerin  und  Friedrich
Wilhelm  von  Mecklenburg-Strelitz.

1871.  Staatsminister  Delbrück  wird  Präsident  des  Reichskanzleramfs.


1872.  Der  Volksdichter  Moritz  Hartmann  stirbt.
Er  gehörte  der  Linken  in  der  Nationalversammlung  zu  Frankfurt
a.M.  an  und  machte  von  hier  aus  die  verhängnisvolle  Reise  nach  Wien
in  Gesellschaft  Robert  Blum’s  und  Fröbel's.  Durch  glückliche  Zufälle
entging  er  dem  Schicksale  seiner  Gefährten.  —  Hartmann’'s  Dichtungen
bekunden  Herz  und  Phantasie;  mit  viel  Innerlichkeit  behandeit  er  die
        <pb n="209" />
        —  19  —

kimpfenden  Prinzipien  der  Zeit,  und  weiss  hierbei  auch  dem  religiösen
‚iemente  Rechnung  zu  tragen,  und  verleugnet  nirgends  den  Drang  einer
edlen  idealen  Natur.

1873.  Gesetz  über  die  kirchliche  Disziplinargewalt  und
Errichtung  eines  königlichen  Gerichtshofes  für
kirchliche  Angelegenheiten  in  Preussen.

1877.  Enthüllung  des  Liebig-Denkmals  in  Darmstadt.

 

13.  Mai.

1327.  Kaiser  Ludwig  der  Bayer  hält  in  Mailand  seinen  feierlichen
  Einzug,  wo  er  bei  der  Bürgerschaft  eine  freundliche  Aufnahme
  findet  und  als  lombardischer  König  gekrönt  wird.

1534.  Schlacht  bei  Lauffen  am  Neckar.  Sieg  Herzogs  Ulrich
von  Württemberg  über  den  schwäbischen  Bund.

1618.  Die  böhmischen  Landstände  treten  zusammen,  um  aus
dem  Munde  der  Statthalter  die  Entschliessung  des  Reichsoberhauptes
  auf  ihre  Bittschrift,  wegen  Einhalt  der  Verfolgungen
  der  evangelischen  Religion,  entgegen  zu

nehmen.

Da  Kaiser  Matthias  nämlich  die  „eigenmächtige  Versammlung  der
Landstände“  überhaupt  als  eine  „Missachtung  seiner  Gewalt“  auffasste,
so  war  er  über  deren  Vorgehen  so  gereizt,  dass  er  sich  in  seiner  Person
beleidigt  wähnte,  und  den  Landständen  in  seinem  ablehnenden  Antwortschreiben
  noch  bittere  Verweise  erteilte,  welchen  selbst  versteckte  Drohungen
  beigemischt  waren.  Es  kam  daher  zu  hitzigen  Hrörterungen,
Man  fragte  die  Statthalter,  ob  das  kaiserliche  Schreiben  mit  ihrem  Beirat
  und  Gutheissen  erlassen  worden  sci?  —  und  da  sich  herausstellte,
dass  die  bekanntermassen  heftigsten  Protestantenverfolger,
die  Statthalter  Slawata  und'Martinitz  die  eigentlichen  Urheber  desselben
waren,  und  dies  offen  bekannten,  so  bemächtigte  sich  die  Versammlung
der  Beiden  und  stürzte  sie  mit  dem  Geheimschreiber  Fabricius
  durch  die  Fenster  des  hohen  Schlosssales  in  den
Graben.  Wenngleich  die  drei  kaiserlichen  Diener  mit  dem  Schrecken
davon  kamen,  so  knüpften  sich  doch  an  diesen  Vorfall  welthistorische
Folgen,  da  durch  ihn  der  Religionskrieg  entzündet  wurde,
welcherDeutschlanddreissigJahre  lang  verheeren  sollte.

1634.  Die  Sachsen  erringen  bei  Liegnitz  einen  glänzenden  Sieg
über  die  Kaiserlichen.
        <pb n="210" />
        —  200  —

1717.  Maria  'Üheresia,  Tochter  Kaiser  Karl  VL,  zu  Wien

geboren.

Als  Königin  von  Ungarn  und  Böhmen,  Erzherzogin  in  Oesterreich,
und  gekrönte  Kaiserin,  hat  sie  in  ihrer  Zeit  eine  hervorragende  Rolle
gespielt.

1762.  Die  Preussen  siegen  über  die  Desterreicher  bei  Beckendorf
  in  Schlesien  und  gleichzeitig  auch  bei  Nossen  in  Sachsen.

1779.  Friedensschluss  zu  Teschen,  welcher  der  Politik  des
Königs  Friedrich  1I.  von  Preussen  einen  vollständigen  Sieg,  dem
Kaiser  Joseph  II.  aber  die  bitterste  Niederlage  bereitete.

Preussen  hatte  den  ganzen  Krieg  vorgeblich  zum  Schutze  des  verletzten
  Rechtes  unternommen,  weil  der  Kurfürst  Karl  Theodor  von
Bayern  dem  Herzoge  von  Zweibrücken  die  Erbfolge  in  dem  Mutterlande
einseitig  nicht  entziehen  könne,  daher  zu  der  dahinzielenden  Wiener
Convention  vom  8.  Januar  1778  nicht  berechtigt  gewesen  sei.  Friedrich
Il.  forderte,  trotzdem  ihn  der  nur  kurze  Krieg  20000  SoldatenSund  19
Millionen  Thaler  gekostet  hatte,  weder  Entschädigung  noch  Dank,  aber
er  hatte  die  beabsichtigte  Vergrösserung  Oesterreichs
verhindert,  und  die  allgemeine  Stimme,  der  Fürsten  wie  der  Völker
Deutschlands,  für  sich  und  für  Preussen.

1792.  Papst  Pius  IX.  zu  Sinigaglia  geboren.

1794.  Treffen  bei  Grand-Remy,  in  welchem  die  Österreicher
den  Franzosen  eine  empfindliche  Niederlage  bereiten.

1809.  Erzherzog  Max  übergiebt  das  24  Stunden  lang  von  den
Franzosen  beschossene  Wien  durch  Kapitulation,  um  diese
Kaiserstadt  vor  dem  Ruin  zu  bewahren.

An  demselben  Tage  schlägt  Generel  Hiller  den  Versuch

Napoleons,  über  die  Donau  zu  gehen,  zurück,  nachdem  die
Franzosen  schon  eine  Donauinsel  oberhalb  Wien  besetzt  hatten.

Der  bayerische  General  Wrede  liefert  den  Tyrolern
zwischen  St.  Johann  und  Rattenberg  ein  siegreiches  Treffen.

1848.  Gefecht  bei  Curtatone.

Die  Oesterreicher  unter  Oberst  Benedek  werden  von  den  italienischen
  Aufständischen  geschlagen  und  zum  Rückzug  gezwungen.

1849.  Volkversammlung  zu  Offenburg  in  Baden.

‚  „Es  wurde  die  Auflösung  der  Kammern,  Einberufung  einer  konstituierenden
  Landesversammlung,  Entlassung  des  Ministeriums  Bekk  und
eine  allgemeine  Amnestie  beschlossen.

1850.  Der  deutsche  Bundestag,  durch  Oesterreichs  Bestrebungen
  wieder  zurückberufen,  eröffnet  seine  regelmässigen  Plenarsitzungen
  wieder.

1861.  Enthüllung  des  Beuth-Denkmals  in  Berlin.

1870.  Erlass  des  norddeutschen  Bundesgesetzes  betreffend
die  Beseitigung  der  Doppelbesteuerunse.

Kaiser  Alexander  II.  von  Russland  in  Berlin.
        <pb n="211" />
        —  201  —

1873.  Erlass  des  preussischen  Gesetzes,  welches  bestimmt,  dass  keine
Religionsgesellschaftoder  kirchliche  Obrigkeit  Strafen
oder  Zuchtmittel  verhängen  oder  androhen  darf.

1885.  Die  Zolltarif-Novelle  wird  von  dem  deutschen  Reichstag
in  3.  Lesung  angenommen.

An  demselben  Tage  stirbt  Dr.  F.  v.  Hiller,  Komponist
und  Dirigent  und  erster  Direktor  des  Konservatoriums  in  Köln.

 

 

14.  Mai.

964.  Papst  Johann  XII.,  durch  seine  vielfachen  Liebesabenteuer
berüchtigt,  stirbt  in  Folge  der  Verwundungen,  welche  er  sich
bei  einem  solchen,  im  ehebrecherischen  Bette  betroffen  und
furchbar  geschlagen,  zugezogen.

„Geschlagen  vom  Teufel“,  sagte  und  glaubte  das  Volk;
geschlagen  aber  vom  Ehemann,  welcher  in  Teufelsvermummung  sich  an
ihm  gerächt  hatte.  Johann  XII.  war  einer  der  grausamsten  Päpste,
welche  je  auf  dem  päpstlichen  Stuhle  gesessen  hatten.

1316.  Kaiser  Karl  IV.  aus  dem  Hause  Luxemburg  geboren.  Er
kam  1349  an  die  Regierung.  Ein  späterer  Kaiser  (Maximilian  I.)
sagt  von  ihm,  „dass  das  Vaterland  niemals  ein  schädlicheres

Oberhaupt  gehabt  habe“,  als  diesen  Luxemburger.

1377.  Sieg  der  verbündeten  schwäbischen  Reichsstädte
bei  Reutlingen,  dessen  Bürger  durch  ihre  Tapferkeit  damals
allen  Bundesgenossen  voranleuchteten,  gegen  eine  glänzende
Heerschaar  der  Grafen,  Ritter  und  Herren.

Mit  Ungestüm  stürmten  die  Bürger  auf  das  gegnerische  Heer,
heldenmütig  widerstand  zwar  dieses  und  die  grössten  Waffenthaten
wurden  verrichtet,  doch  der  unbeugsamen  Tapferkeit  der  Bürger  mussten
sie  doch  unterliegen.  Ausser  den  Grafen  von  Zollern,  Schwarzenberg
und  Tübingen,  blieben  noch  57  Ritter  auf  dem  Schlachtfeld,  deren
Wappen  heute  noch  in  Reutlingen  zu  sehen  sind.  Graf  Ulrich  von
Württemberg  selbst,  der  Hauptgegner  des  Bürgertums  wurde  verwundet
und  floh  in  die  Burg  Achalm;  die  Bürger  dagegen  erbeuteten  viele  Rosse
und  Waffen;  selbst  die  Fahne  Ulrichs  fiel  in  die  Hände  der  Sieger.
Dieser  glänzende  Sieg  deutscher  Bürger  bei  Reutlingen  war  nach  der
damaligen  Lage  des  Reichs  ein  Ereignis  von  der  grössten  Wichtigkeit.

1647.  Kaiserliches  Spezialdekret,  durch  welches  die  Stadt
Basel  und  die  sämtlichen  schweizerischen  Eidgenossen  den
Besitz  „vollkommener  Freiheit  und  Exemtion  vom  Reich
und  den  Reichsgerichten”  erhalten.
        <pb n="212" />
        —  202  —

1686.  DanielGabrielFahrenheit,  ein  Naturforscher,  zu  Danzig
geboren,  der  sich  namentlich  durch  Verbesserung  des  Thermometer
  grosses  Verdienst  erwarb.  Statt  des  Weingeistes  bediente
er  sich  (1720)  des  Quecksilbers,  wodurch  dies  Instrument  an
Genauigkeit  ungemein  gewann.

1758.  Minden  ergiebt  sich  den  Preussen.

1781.  Friedrich  von  Raumer,  verdienstvoller  Geschichtsforscher,
zu  Wörlitz  geboren.

1796.  Edward  Jenner  impft  bei  Gelegenheit  einer  Pockenepidemie
zum  ersten  Mal  einem  Knaben  die  Kuhpocken  mit  Erfolg.

1799.  Der  österreichische  General  Hotze  besetzt  den  Pass
Luciensteig  und  verbreitet  sich  nunmehr  über  ganz  Graubündten,
so  dass  sich  die  Franzosen  unter  Massena  genötigt  sehen,  nicht
nur  diesen  Kanton,  sondern  auch  Konstanz  und  Schaffhausen
aufzugeben  und  eine  feste  Stellung  bei  Zürich  zu  suchen,  aus
welcher  sie  später  Erzherzog  Karl  vertreibt.

1807.  Treffen  bei  Canth  in  Schlesien.

Die  Preussen  schlagen  ein  bayerisch-sächsisches  Detachement  und
erobern  mehrere  Trophäen.

1814.  Der  französische  Marschall  Davoust  übergiebtt  Hamburg
den  Russen.  Die  durch  die  Franzosen  in  Hamburg  verursachten
  Verluste  wurden  auf  89  Millionen  Thaler  geschätzt,
ungerechnet  die  aus  der  Bank  geraubte  Summe,
für  welche  Frankreich  eine  halbe  Million  Renten  überliess.

An  demselben  Tage  räumen  die  Franzosen  Magdeburg,
welches  von  den  Preussen  besetzt  wird.

1840  Der  preussische  Kultusminister  Karl  Freiherr  von  Stein  zum
Altenstein,  der  sich  grosse  Verdienste  um  die  Förderung  der
Wissenschaft  und  Künste  erworben,  stirbt.

Seine  Stellung  war  fortgesetzt  von  den  ultramontanen  Anhängern
des  Absolutismus  am  Hofe  unterwühlt,  so  dass  Leute  und  Blätter  dieser
Farbe  sich  nicht  entblödeten,  offen  zu  frohlocken,  als  der  Tod  den
Minister  seiner  Wirksamkeit  entrückte,obwohlerdochsovielGutes
für  denStaat  und  das  Volk  Preussens  und  mittelbarsogar
für  die  ganze  deutsche  Nation  gethan  hatte.

1849.  Der  Advokat  Brentano  hält  mit  dem  „Landesauschuss“
seinen  Einzug  in  Karlsruhe  und  tritt  an  die  Spitze  der
Regierung.

Der  Grossherzog  war  in  der  Nacht  vorher  mit  seiner  Familie  nach

Germersheim,  und  von  da  nach  dem  elsässischen  Städtchen  Lauterburg
entflohen.

An  demselben  Tage  werden  die  preussischen  Abgeordneten
aus  der  Frankfurter  Nationalversammlung  zurückberufen.
        <pb n="213" />
        —  203  —

1860.  Der  Dichter  Ludwig  Bechstein  stirbt.

BE  anchfungen  „grössern  Umfangs  haben  ibm  besonders  einen

nl  unverdienten  Dichternamen  erworben,  die  Bel  -

Sage  und  Luthers  en,  die  Behandlung  der  Faust

1866.  Prinz  Karl  von  Hohenzollern  wird  zum  Fürsten
von  Rumänien  gewählt.

1870.  Die  Verhandlungen  des  vatikanischen  Konzils  über  die
päpstliche  Unfehlbarkeit  beginnen.

1872.  Denkwürdige  Reichstagssitzung  in  welcher  Fürst
Bismarck  gelegentlich  der  Debatte  über  den  Botschafterposten
im  Vatikan  erklärte:  „Dessen  seien  Sie  sicher:  nach
Kanossa  gehen  wir  nicht,  wederinkirchlicher  noch
in  staatlicher  Beziehung!“

1873.  Gesetz  über  den  Austritt  aus  der  Kirche  in  Preussen.

1889.  Audienz  der  Deputation  der  streikenden  Bergleute
aus  Westfalen  beim  Kaiser  Wilhelm  II.

Kaiser  Wilhelm  II.  empfängt  die  japanische  Mission.

1890.  Feldmarschall  Moltke  spricht  unter  atemloser  Spannung
des  Reichstags  zur  Militärvorlage  und  schliesst:  „Deutschland
  habe  seine  Sicherheit  nur  in  sich  selbst!

Die  deutsche  Schutztruppe  in  Ostafrika  besetzt  Mikindani.

15.  Mai.

1525.  Schlacht  bei  Fraukenhausen.  Die  empörten  Bauern
unter  Thomas  Münzer  kämpfen  gegen  das  Heer  der  sächsischen

  Fürsten.

Diese  hatten  nur  1500  Reiter  und  wenig  Fussvolk,  während  die
Bauern  8000  Mann  zählten;  dafür  fehlte  es  den  letzteren  aber  an  Reitereci,
Waffenübung  und  sogar  an  einem  geschickten  Anführer.  Die  Bauern
wurden  von  dem  wohlgerüsteten  und  wohlgeordneten  Heere  der  Fürsten
ohne  viel  Mühe  gesprengt  und  grösstenteils  totgeschlagen.  Der  Hügel,
welcher  damals  das  Schlachtfeld  bildete,  heisst  noch  heutzutage  der
„Schlachtberg“.  —  Thomas  Münzer,  sein  Genosse  Pfeifer
und  24  andere  Anführer  geriethen  in  Gefangenschaft  und  wurden  in
Heldrungen  hingerichtet.  —  Mit  dem  für  die  Bauern  so  sehr  unglücklichen
Ausgang  der  Schlacht  bei  Frankenhausen  endigt  auch  der  Bauernkrieg.

1548.  Publikation  des  „Augsburger  Religions-Interims“

(Interim  Augustanum)  durch  Kaiser  Karl  V.

Derselbe  bezweckte  durch  dasselbe  die  Herstellung  einer  „vorläufigen
  Ordnung  in  der  Kirche“,  welche  von  beiden  Religionsparteien
  beobachtet  werden  sollte  und  hatte  zu  diesem  Behufe  die
        <pb n="214" />
        —  204  —

Theologen  Julius  Pflug,  Michael  Helding  und  Johann  Agricola  mit  der
Ausarbeitung  eines  Entwurfs  für  diese  einstweiligen  Kirchensatzungen
betraut.  Die  beiden  ersteren  Männer  galten  für  gemässigte  Kotholiken
und  der  dritte  war  vollends  Prediger  am  protestantischen  Hof  von
Brandenburg.  Nichtdestoweniger  kam  der  Entwurf,  den  sie  dem  Kaiser
vorlegten,  fast  einer  gänzlichen  Aufhebung  der  lutherischen  Lehre  gleich,
so  dass  derselbe  den  Protestanten  nachteilig,  dem  Papsttum
dagegen  aber  unbedingt  vorteilhaft  war.  Karl  V.  suchte  mit  eiserner
Gewalt  seine  Massregeln  durchzuführen,  und  schreckte  hierbei  selbst  nicht
vor  den  grassesten  Gräuelthaten  zurück.

1618.  Der  grosse  Astronom  Kepler  entdeckt  das  Gesetz  von  der
Umlaufzeit  der  Planeten.

1702.  Die  Preussen  und  Holländer  erstürmen  Kaiserswerth
in  der  Rheinprovinz.

1703.  Bonn  am  Rhein  wird  von  den  Holländern  und  Engländern
erstürmt.

1724.  Kurfürst  Max  Emanuel  von  Bayern  schliesst  mit  den
pfälzischen  Gliedern  des  Hauses  Wittelsbach  den
Hausvertrag  ab,  in  welchem  sich  die  Wittelsbacher  gegenseitigen
Beistand  zusagen  und  das  Recht  der  gegenseitigen  Erbfolge
  aufs  Neue  bestätigen.

1773.  Clemens  Lothar  Nepomuk  Wenzel  Fürst  von
Metternich,  österreichischer  Staatsminister,  zu  Koblenz
geboren.

Er  leitete  fast  40  Jahre  lang  die  Politik  Oesterreichs  mit  verderblichem
  Einfluss  auf  diejenige  der  übrigen  Staaten  Europas.

1800.  General  Bonaparte  (Napoleon)  geht  mit  seiner  Armee
über  den  St.  Bernhard  nach  Italien.

1809.  Verzweifelter  Kampf  der  von  500  Oesterreichern  unterstützten
  Tyroler  bei  Schwatz  gegen  die  Bayern.

Als  die  Bayern  in  den  schönen  Getreidefeldern  von  Schwatz  sich
ausbreiteten,  empfieng  das  österreichische  Militär,  unterstützt  von  den
Landesschützen  auf  den  nahen  Anhöhen,  den  Feind  mit  einem  heftigen
Feuer.  Zweimal  wurde  derselbe  zurückgeworfen,  aber  gegen  eine  ungeheure
  Uebermacht  konnte  von  einem  nur  kleinen  Häuflein  Militär  und
Landesschützen  der  Widerstand  nicht  über  eine  Stunde  verlängert  werden.
Oesterreicher  und  Tyroler  mussten  sich  schliesslich  zurückziehen,  und
die  Bayern  verübten  Mordthaten,  Plünderungen  und  Mordbrennereien.
Der  bayerische  Bericht  selbst  sagt  über  das,  was  die  Bayern  bei  ihrem
Einzug  in  Schwatz  thaten:  „Die  Blut-  und  Mordscenen  in  dieser  Stadt
waren  schrecklich,  die  Wut  der  Soldaten  ohne  Grenzen.“  Dies  geschah,
während  General  Wrede  im  Wirtsbause  des  obern  Dorfes  schwelgte!

1811.  Georg  Ernst  Friedrich  Freiherr  von  Vincke,  hervorragender
  Politiker  und  Parlamentarier,  zu  Busch  in  der
Grafschaft  Mark  geboren.

1815.  Preussen  nimmt  in  Folge  der  Beschlüsse  des  Wiener
Kongresses  vom  Grossherzogtum  Posen  Besitz.
        <pb n="215" />
        —  205  -

1818.  Bogumil  Davison,  berühmter  Schauspieler,  zu  Warschau
geboren.

1820.  Die  „Wiener  Schlussakte“,  das  Produkt  der  am  25.
November  eröffneten  Ministerkonferenzen  in  Wien,  wird  unterzeichnet.


Sie  enthält  65  Artikel,  welche  die  Zwecke  und  Wirksamkeit  des
Bundes  näher  bezeichnen,  die  Unauflösbarkeit  des  Bundes  bestimmen,
den  Austritt  aus  demselben  verbieten  und  über  die  Abstimmung  auf  dem
Bundestage,  über  Krieg-  und  Friedensbestimmungen  des  ganzen  Bundes,
über  neue  Grundgesetze,  über  Entscheidung  von  Streitigkeiten  zwischen
einzelnen  Gliedern  desselben  „Zweckdienliches*  festsetzen.  —  Durch
Artikel  13  der  Bundesakten  werden  die  Befugnisse  der  süddeutschen

Landstände  beschränkt,  eine  allgemeine  Reaktion  wirdin
Deutschland  eingeführt.

1833.  Bayern  tritt  dem  von  Preussen  gestifteten  Zollverein  bei.
1834.  Holstein  erhält  eine  provinzialständische  Verfassung.

1848.  Eine  nach  Tausenden  zählende  Menschenmenge,  welche  die
Hofburg  in  Wien  umlagert  hält,  unterzeichnete  Sturmpetition
nötigt  die  österreichische  Regierung  einen  konstituierenden
  Reichstag  mit  einer  einzigen  Kammer  einzuberufen,
  dessen  Wahl  aus  dem  allgemeinen  Stimmrecht  hervorzugehen
  hat.

1864.  Preussen  sagt  sich  von  allen  Verpflichtungen
los,  welche  ihm  das  Londoner  Protokoll  (1852)  auferlegt
und  rechtfertigt  sich  damit,  dass  Dänemarks  Vertragsbruch  und
der  Krieg  ihm  die  volle  Freiheit  des  Handelns  wiedergegeben

hätten.

Die  preussische  Regierung  fordert  als  Preis  der  dargebrachten  Opfer
einen  grossen  und  dauernden  Vorteil  für  sich  und  die  deutsche
Nation  und  verlangt  nunmehr  die  gänzliche  Trennung  der  HerzogtümervomStaate
  Dänemark;  und  da  dieses  die  Selbstständigkeit
  Schleswig-Holsteins  in  keiner  Form  zugeben  wollte,  so  ging
der  Londoner  Kongress,  welcher  seit  dem  25.  April  tagte,  unvefrichteter
Dinge  auseinander,  und  Deutschlands  Schwert  musste  entscheiden.  Die
Preussen  gingen  über  den  Alsensund,  landeten  auf  Alsen,  warfen
das  dänische  Heer,  —  nnd  bedrohten  Fünen  und  Seeland,  —  so  dass
sich  schliesslich  der  König  Christian  IX.  gezwungen  sah,  um  den  Frieden

zu  bitten.

1865.  Grundsteinlegung  zur  polytechnischen  Schule  zu
Aachen  durch  König  Wilhelm  1.

1881.  Franz  Dingelstedt,  Dichter,  stirbt  zu  Wien.

1889.  Audienz  der  Arbeitgeber  aus  dem  westfälischen  Kohlengebiete
  bei  Kaiser  Wilhelm  II.
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        —  206  —

16.  Mai.

1383.  Johann  von  Nepomuk,  der  Heilige,  stirbt.

Da  er  sich  weigerte,  das  Beichtgebeimnis  der  Königin  ihrem  Gemahl
zu  verraten,  wird  er  auf  Befehl  des  Königs  Wenzel  von  der  Prager
Brücke  in  die  Moldau  gestürzt.

1418.  Der  neugewählte  Papst  Martin  V.  verlässt  das  Konstanzer
Konzilium,  in  Folge  dessen  es  sich  auflöst.

Die  Reformer  trennten  sich  sehr  zufrieden,  als  hätten  sie  wirklich
etwas  erreicht,  was  aber  durchaus  nicht  der  Fall  war.  Die  Erfahrungen
während  des  Konzils  lehrten  zur  Genüge,  wie  scharfsinnig  Johannes  Huss
urteilte  und  wie  hoch  er  an  Weisheit  und  redlichem  Willen  über  denen
stand,  die  mit  seiner  Verurteilung  zugleich  die  von  ihnen  selbst  angestrebte
  Verbesserung  der  Kirche  unmöglich  machten.  Das  Konzil  hatte
fast  vier  Jahre  angedauert.

1759.  Gefecht  bei  Bamberg.

Die  Oesterreicher  werden  von  den  Preussen  besiegt.

1770.  Vermählung  der  Maria  Antoinette  von  Oesterreich,
Tochter  der  Kaiserin  Maria  Theresia,  mit  dem  nachmaligen
König  Ludwig  XVI.  von  Frankreich.

Bei  der  Hochzeitsfeier  war  ein  Gedränge  entstanden,  in  welchem,
da  noch  eine  Feuersbrunst  hinzukam,  einige  Hundert  Menschen  ihr  Leben
verloren,  ein  Ereignis,  welches  vom  Volke,  das  überhaupt  gegen  die
österreichische  Heirat  eingenommen  war,  als  schlimmes  Vorzeichen  betrachtet
  wurde.

1788.  Kriedrich  Rückert,  der  grosse  Lehr-  und  Liederdichter,
zu  Schweinfurt  geboren.
1797.  Die  Franzosen  besetzen  Venedig.

Die  Schiffe  und  Vorräte  des  Zeughauses  werden  von  den  Franzosen

weggeführt,  die  Galerien,  Kirchen  und  Bibliotheken  ihrer  kostbaren
Schätze  beraubt.

1800.  Treffen  bei  Pappelau.
Die  Franzosen  unter  St.  Cyr  besiegen  die  Oesterreicher.

1809.  Kaiser  Napoleon  I].  erlässt  in  Schönbrunn  bei  Wien  ein
Edikt,  durch  welches  die  weltliche  Macht  des  Papstes
aufgehoben  wird.

An  demselben  Tage  wird  die  französische  Division  Durutte
bei  Tarvis  von  den  Öesterreichern  geschlagen.

1812.  Napoleons  I.  Ankunft  in  Dresden.
1814.  Die  Forts  bei  Erfurt  ergeben  sich  an  die  Preussen.
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        —  207.  —

1849.  Bologna  wird,  nach  langen,  blutigen  Kämpfen,  von  den

Oesterreichern  unter.  Feldmarschalllieutenant  Wimpfen
besetzt.

1865.  Grundsteinlegung  zum  Denkmale  Friedrich  Wilhelms
  Ill.  zu  Köln.  |

1871.  Die  Ratifikation  des  Frankfurter  Friedensvertrages
  durch  Kaiser  Wilhelm.

Damit  war  der  Krieg  ganz  und  gar  beendet  und  das  besiegte  Frankreich
  hatte  sich  zunächst  in  die  Lage  der  Dinge  gefunden.  Es  war  auf
dem  Präliminarfrieden  zu  Versailles  festgesetzt,  resp.  nach  langen  und
schwierigen  Verhandlungen  vereinbart  worden:  Abtretung  von  Elsass
und  einen  TeilLothringens  mit  Metz  und  Diedenhofen,  d.h.
Besitzvermehrung  für  den  deutschen  Sieger  von  263  Quadratmeilen  mit
1’/s  Millionen  zu  '!s  deutschredenden  Einwohnern,  5  Milliarden  Franks
Kriegsentschädigung,  Okkupation  eines  Teiles  französischen  Gebietes  bis
nach  erfolgter  Zahlung,  wenigstens  teilweiser  Truppeneinzug  in  Paris.
Ende  März,  als  es  zur  Ausführung  des  Friedensvertrages  kommen  sollte,
erhob  die  französische  Regierung  allerlei  Schwierigkeiten  und  Zögerungen
in  Bezug  auf  die  Einzelheiten;  es  bedurfte  des  entschiedenen
Eingreifens  desReichskanzlersFürsten  Bismarck,  umdie
Unterhandlungen  in  Frankfurt  a.  M.  zu  Ende  zu  bringen.
Das  geschah  am  10.  Mai  1871  und  am  16.  Mai  ratifizierte  Kaiser  Wilhelın
I.  den  Friedensvertrag.

Die  Kommune  in  Paris  lässt  die  Vendomesäule  stürzen.

 

17.  Mai.

1257.  Der  von  den  Erzbischöfen  von  Köln  und  Mainz,  Konrad  und
Gerhard,  für  schweres  Geld  gewählte  Richard,  Graf
von  Cornvall  und  Poitou,  Bruder  Heinrichs  II.  von  England,
wird  zu  Aachen  zum  deutschen  Kaiser  gekrönt.

1482.  Schlacht  bei  Bruck,  in  welcher  die  Deutschen  die
Ungarn  in  die  Flucht  schlagen.

1632.  Gustav  Adolf  von  Schweden  hält  in  München
seinen  Einzug,  dessen  Bürgerschaft  er  mit  grosser  Schonung

behandelt.  |

Nur  140  vergrabene  Kanonen  liess  Gustav  Adolf  zu  Tage  fördern
und  hinwegführen.  „Stehet  auf  von  den  Toten  und  kommet  zu  Gericht!
hatte  der  König  scherzend  gesagt,  als  man  ihm  die  Entdeckung  der
verborgenen  Kanonen  meldete  und  er  den  Befehl  zur  Ausgrabung  erteilte.
  Wenngleich  Gustav  Adolf  die  Münchener  schliesslich  mit  einer
starken  Kriegsbeisteuer  bedachte,  so  gestaltete  sich  doch  das  Verhältnis
zwischen  der  Bürgerschaft  und  den  schwedischen  Kriegsleuten  so  überaus
  freundlich,  dass  Bürger  und  Soldaten  sogar  miteinander  Lustpartien

machten.
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        —  208  —

1648.  Schlacht  bei  Zusmarshausen,  in  welcher  die  vereinigte
Armee  von  Wrangel  und  Türenne  (Schweden  und  Franzosen)
dem  bayrisch-kaiserl.  Heere  unter  Melander  eine  letzte  entscheidende
  Niederlage  beibrachte.

Bayern  wurde  hierauf  von  den  Franzosen  und  Schweden  von
Neuem  gebrandschatzt  und  ausgeplündert.

1659.  Schlacht  bei  Mohrungen.

Die  Brandenburger  unter  dem  Fürsten  Radziwill  siegen  über
die  Schweden.

1662.  Wilhelm  I.,  Herzog  von  Sachsen-Weimar,  Stifter  der  neuen
weimarischen  Linie,  stirbt  zu  Altenburg.

1742.  Schlacht  bei  Chotusitz.

Friedrich  IL.,  König  von  Preussen,  erringt  einen  entscheidenden
Sieg  über  ein  starkes  österreichisches  Heer,  welches  im  Begriff  stand,
von  Böhmen  aus  in  Schlesien  einzubrechen.  Da  der  junge  König  von
Preussen  nun  zum  wiederholten  Male  während  des  Feldzuges  gesiegt
hatte,  so  erkannte  Maria  Theresia  die  Notwendigkeit,  sich  mit  diesem
überlegenen  Gegner  in  Güte  abzufinden  und  die  unmittelbare  Folge  der
heutigen  Schlacht  war,  dass  schon  im  darauffolgenden  Monate  unter
englischer  Vermittlung  der  Friede  zu  Berlin  zu  Stande  kam.

1749.  Dr.  Eduard  Jenner,  Erfinder  der  Kuhpocken-Impfung,
geboren.
1761.  Treffen  bei  Schellenberg  im  sächsischen  Erzgebirge.

Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher  in  die  Flucht.

1795.  Definitive  Festsetzung  der  sogenannten  „Demarcations-Linie“
  desschimpflichen  Baseler  Friedensschlusses,
  nach  welcher  ungefähr  die  Hälfte  des  deutschen
Reiches,  nämlich  ausser  Preussen  auch  Franken,  die  Oberpfalz,
Ober-  und  Niedersachsen,  der  westfälische  Kreis,  beide  Hessen
und  die  Länder  an  beiden  Mainufern  gegen  den  Rhein,  für

neutral  erklärt  wurde.

Der  König  von  Preussen  hatte  die  Verpflichtung  übernommen,  die
Zustimmung  hierzu  bei  den  betreffenden  Regierungen  genannter  Länder
zu  erwirken  und  war  sozusagen  dafür  verantwortlich  gemacht,  „dass
dieNeutralitätinnerhalbder  festgesetztenDemarkations-Linie
  unverbrüchlich  beobachtet  werde.“  Die  kleineren
Regierungen  kamen  dadurch  unter  den  unmittelbaren  Einfluss
der  preussischen  Krone,  so  dass  man  fortan  in  Deutschland  nur
noch  zwei  Reiche  zu  unterscheiden  hatte,  das  österreichischdeutsche,
  und  das  preussisch-deutsche,  —  und  damit  war  die
Einheit  der  Nation  verloren.

1800.  Ernst  von  Bandel,  Bildhauer,  zu  Ansbach  geboren.
Sein  grösstes  Werk,  an  dem  er  von  1834—1875,  zuletzt  durch  Reichsmittel

  unterstützt,  gearbeitet,  ist  sein  Hermannsdenkmal  auf  der
Grotenburg  bei  Detmold.

1809.  Kaiser  Napoleon  erlässt  von  Schönbrunn  aus  eine  Erklärung,
  worin  es  heisst:  „Die  weltliche  Herrschaft  des  Papstes
hat  aufgehört!  Der  Kirchenstaat  ist  von  nunan  vereinigt  mit

an  iranzösischen  Kaiserreich,  Rom  eine  freie  kaiserliche
tadt!
        <pb n="219" />
        —  209  —

Dies  ward  auch  alsbald  darauf  durch  Waffengewalt  ins  Werk  gesetzt,
  Papst  Pius  VII.  gefangen  genommen  und  nach  Frankreich  gebracht.

An  demselben  Tage  Treffen  bei  Linz  an  der  Donau
zwischen  den  Oesterreichern  unter  Kolowrat  und  den  Sachsen
und  Württembergern  unter  Bernadotte,  welcher  das  Feld
behauptet.

1835.  Der  Papst  verdammt  die  „Badener  Konferenz-Artikel“.

Dieselben  waren  durch  Abgeordnete  der  zum  Bistum  Basel  gehörenden
  Kantone,  über  die  Rechte  und  Verhältnisse  des  Staates  in  Kirchensachen,
  im  Januar  1834  auf  einer  Konferenz  von  Baden  im  Aargau
aufgestellt  worden.

1848.  Die  Kamarilla  am  kaiserlichen  Hofe  zu  Wien,
deren  Einfluss  seit  Metternichs  Sturz  allein  noch
massgebend  war,  „entführt“  den  schwachen  Kaiser
Ferdinand  aus  Wien,  nachdem  er  zwei  Tage  zuvor  den
verfassunggebenden  Reichstag  bewilligt  und  darauf  die  Truppen
aus  Wien  entfernt  hatte.

Der  eigentliche  Führer  der  dortigen  Reaktion  war  der  damalige
Kriegsminister  Graf  Latour;  von  ihm  wird  aus  jener  Zeit  erzählt,
dass  er  gesagt  habe,  „er  wolle  die  Märzerzwungenschaften  im
Blut  ersaufen“.  —  Wien,  vom  kaiserlichen  Oberhaupte  heimlich  verlassen
und  seiner  Garnisonen  entzogen,  wurde  von  nun  ab  mit  Heermassen  umschlossen,
  mit  110,000  Mann  und  270  Kanonen.  —  Was  dann  fünf  Monate
später  folgte,  hat  die  Geschichte  mit  blutigen  Buchstaben  in  ihre  Blätter

geschrieben;  „Menschenjagden  bei  Tag,  —  finstere  Standgserichte
  in  Mitternacht,  —  einsame  Hinrichtungen  die
Frühe;  145  standrechtliche  Erschiessungen,  —  die  Jdes  Frankfurter

Parlamentsmitglieds  und  Volksmannes  Robert  Blum  mit  einbegriffen  !“

1853.  Prinz  Karl  von  Preussen  wird  zum  Herrenmeister  des
Johanniterordens  ernannt.

1864.  Oesterreich  und  Preussen  beantragen  auf  der  Londoner
Konferenz  die  Unabhängigkeitserklärung  der  EIbherzogtümer.


1874.  Erlass  einer  Strandungsordnung  für  das  deutsche  Reich.

1889.  Friederike,  Königin  von  Bayern,  Witwe  des  1864  verstorbenen
  Königs  Maximilian  II.,  stirbt,  63  Jahre  alt,  in  Hohenschwangau.


Im  Iahre  1874  war  sie  zum  katholischen  Glauben  übergetreten.

 

14
        <pb n="220" />
        —  210  —

18.  Mai.

————

1552.  Kurfürst  Moritz  von  Sachsen  überfällt  die  Truppen
des  Kaisers  Karl  V.  bei  Reuten,  und  bringt  ihnen  eine  vollkommene
  Niederlage  bei.  Alsbald  ward  nun  die  Klause  bei
Ehrenberg  erstürmt  und  der  Lauf  des  Siegers  sodann  gegen

Innsbruck  gelenkt.

Karl  V.  war  in  Folge  dessen  so  tief  gebeugt,  so  obnmächtig,  dass
er  seine  Vertheidigung  nicht  einmal  wagen  konnte,  sondern  bei  Nacht
und  Nebel  über  die  Gebirge  entfliehen  musste.

1699.  Hans  Joachim  von  Ziethen,  berühmter  Reitergeneral
unter  Friedrich  dem  Grossen,  auf  dem  väterlichen  Gute  Wustrau
in  der  Grafschaft  Neu-Ruppin  geboren.

1741.  Bündniss  zu  Nymphenburg  zwischen  Frankreich,

Bayernund  Sachsen  zurVerteilung  der  österreichischen  Länder.

Im  Vertrag  von  Nymphenburg  verspricht  Frankreich  dem  Kurfürsten
  Karl  Albert  von  Bayern  dessen  Ansprüche  auf  die  österreichische
Erbschaft  mit  seiner  ganzen  Macht  zu  unterstützen.  Ebenso  seine
Bewerbung  um  die  deutsche  Kaiserkrone  zu  fördern,
während  Karl  Albert  den  Franzosen  schon  im  voraus  die  Eroberungen,
die  sieetwa  am  Rhein  machen  würden,  zusprach(!).  Andere
beutegierige  Staaten  schlossen  sich  nachträglich  diesem  Bündnisse  an,
wie  Spanien,  Sardinien  und  Sachsen.

1745.  Zwischen  Sachsen  und  Oesterreich  wird  zu  Leipzig
eine  Uebereinkunft  geschlossen,  wonach  Maria  Theresia  wieder
ganz  Schlesien,  der  Kurfürst  von  Sachsen  das  Herzogtum  Magdeburg
  und  andere  Teile  von  Preussen  erhalten  sollten.

1770.  Johann  Heinrich  Winkler,  bekannter  Physiker,  zu
Leipzig  geboren,  hat  zu  gleicher  Zeit  mit  Franklin,  aber  unabhängig
  von  demselben,  den  Blitzableiter  erfunden.

1782.  Friedrich  Adolf  Wilhelm  von  Lützow,  Major  und
Führer  der  nach  ihm  benannten  Freischaar  während  der  Freıiheitskriege,
  geboren.

1791.  Kaiser  Leopold  II.  richtet  von  Padua  aus  ein  Rundschreiben
  an  sämtliche  europäische  Höfe,  in  welchem
er  dieselben  einladet,  sich  mit  ihm  zu  vereinigen,  um  zu  erklären,
  „dass  sie  die  Sache  des  Königs  von  Frankreich  als  ihre  eigene
betrachten,  die  Wiedereinsetzung  desselben  in  seine  volle  Freiheit
fordern,  und  ım  Falle  der  Verweigerung  oder  weiterer  Anschläge
gegen  den  König,  ihre  volle  Macht  aufbieten  würden,  um  dem

Skandal  der  Usurpation  und  des  Aufruhrs  ein  Ziel  zu  setzen“.
Die  späteren  Jahre  haben  gezeigt,  wie  wenig  diese  „volle  Macht“
vermochte!

1797.  Friedrich  August  Il.,  König  von  Sachsen  1836—1854,
geboren.
        <pb n="221" />
        —  2ll  —

1804.  Napoleon  I.  wird,  seinem  Willen  gemäss,  zum  Kaiser
der  Franzosen  erhoben,  nachdem  im  Jahre  1802  seine
konsularische  Würde  zuerst  auf  zehn  Jahre  verlängert  und
dann  auf  Lebzeit  ihm  verliehen  worden  war.

1815.  Friede  zu  Wien  zwischen  Preussen  und  Sachsen.

August  Freiherr  von  Ende,  Oberpräsident  der  Provinz
Hessen-Nassau  und  Reichstagsmitglied,  zu  Waldau  bei  Kassel
geboren,

Er  gehörte  auch  dem  Frankfurter  Parlament  von  1848  an.

1832.  Karl  Goldmark,  grosser  Musiker  und  Komponist,  zu  Wessthelst
  in  Ungarn  geboren.

1843.  Friedrich  Christoph  Perthes,  bedeutendster  deutscher
Buchhändler,  stirbt  zu  Gotha.

1848.  Die  deutsche  Nationalversammlung  konstituiert  sich

ın  der  Paulskirche  zu  Frankfurt  a.  M.

Abends  4  Uhr  tritt  das  erste  deutsche  Parlament  in  der  Paulskirche
zu  Frankfurt  am  Main  unter  dem  Geläute  aller  Glocken  der  Stadt  zusammen.
  „Die  Kanonen  thaten  Freudenschüsse  zu  diesem
Wiegenfeste,“  schreibt  ein  Zeitgenosse,  „als  das  Parlament
abervierzehn  MonatespätervonStuttgartAbschiednahm,
schwiegen  die  Kanonen,  aber  sie  waren  aufgefahren  und
mit  Kartätschen  geladen;  und  als  es  flüchtig  von  da  auf  badischem
  Boden  verschwand  und  zu  Grabe  getragen  wurde,  da  knallten
überseinemGrabedieGewehrsalvenundKanonendonner,
aber  in  schrecklichem  Bruderkrieg,  in  welchem  die  Reaktion  die
„Rämpfer  für  die  Reichsverfassung“  zugleich  mit  der  Revolution
  und  der  badischen  Duodezrepublik  erdrückte.“

1868.  Graf  Bismarck  erklärt  im  „Zollparlament“  auf  den
Hinweis  des  württembergischen  Abgeordneten  Probst  „auf  die
drohende  französische  Lawine“,  dass  „ein  Appell  an  die
Furcht  in  deutschen  Herzen  .niemalsein  Echo  finden
werde!“

1871.  Die  französische  Nationalversammlung,  welche  am
10.  März  von  Bordeaux  nach  Versailles  übergesiedelt  war,  nimmt
den  zu  Frankfurt  a.  M.  abgeschlossenen  definitiven  Frieden  mit
440  gegen  98  Stimmen  an.

1872.  Hippolyt  August  Schaufert,  Verfasser  des  preisgekrönten
  Lustspiels  „Schach  dem  König“,  stirbt.

Letzteres  Lustspiel  wurde  1868  in  Wien  preisgekrönt,  und  fast  an
allen  bedeutenderen  Bühnen  Deutschlands  und  sogar  an  deutschen
Bühnen  Amerikas  zur  Aufführung  gebracht.

1876.  Karl  Ritter  v.  Kern,  österreichischer  Kontreadmiral,  stirbt.

Er  befehligte  im  Seetreffen  bei  Lissa  1866  die  Panzerfregatte
„Kaiser  Max“.
        <pb n="222" />
        212  —

19.  Mai.

 

804.  Flaceus  Alcuinus,  der  gelehrteste  Kirchenlehrer  zur  Zeit
Karls  des  Grossen,  stirbt  als  Abt  von  Tours.

1291.  Ende  des  Königreichs  Jerusalem  durch  die  Eroberung
von  Ptolemais  durch  die  Mamelucken.

1410.  Der  Gegenkönig  Wenzels,  Rupprecht  von  der  Pfalz,
stirbt  zu  Oppenheim.

1525.  In  Wittenberg  wird  die  erste  deutsche  Messe  gelesen.

1526.  Disputation  von  Baden  in  der  Schweiz  behufs  Beilegung

des  Kirchenstreites.

Doch  vermehrte  dieselbe  nur  noch  den  Hass  der  Parteien,  und
während  die  älteren  Kantone  bemüht  waren  die  Reformation  aufzuhalten,
schritt  dieselbe  nur  um  so  unaufhaltsamer  vorwärts.

1547.  Wittenberger  Kapitulation.
Kurfürst  Friedrich  von  Sachsen  muss  Land  und  Kurwürde  an
Moritz  von  Sachsen  abtreten,  seine  Festungen  dem  Kaiser  übergeben
  und  verbleibt  in  ewiger  Gefangenschaft.

1607.  Kaiser  Rudolf  II.  stiftet  die  Universität  zu  Giessen,
welche  18  Jahre  später,  am  5.  Mai,  nach  Marburg  verlegt,  aber
am  5.  Mai  1650  wiederhergestellt  wurde.

1762.  Johann  Gottlieb  Fichte,  bedeutender  Philosoph  und
Patriot,  zu  Rammenau  bei  Bischofswerda  geboren.

1769.  Johann  Vincenz  Anton  Gangenelli,  einer  der  bedeutendsten
  Päpste,  welche  je  auf  dem  päpstlichen  Stuhl  gesessen,

wird  als  solcher  gewählt  und  nennt  sich  Clemens  XIV.

Er  war  schon  als  Kardinal  ein  Gegner  der  Jesuiten  und
entschiedener  Feind  ihres  antichristlichen  Treibens;  zur  höchsten  Würde
der  Christenheit  gelangt,  verbot  er  deren  Orden.

1802.  Napoleon  stiftet  noch  als  Konsul  den  Orden  der  „Ehrenlegion“
  für  Militär  und  Zivilpersonen,  doch  trat  derselbe  erst
1804  ins  Leben.  Am  14.  Juli  1804  fand  die  erste  Ordensverteilung
  in  dem  Invalidendom  statt.

1808.  König  Maximilian  |.  stiftet  den  Zivilverdienstorden
der  bayerischen  Krone.

1809.  Schill  rückt  mit  seinem  Freikorps  in  Lüneburg  ein.

Die  Bayern  und  Franzosen  rücken  in  Innsbruck
ein  und  wüten  in  unglaublicher  Weise  gegen  das  Volk.

1813.  Treffen  bei  Königswartha.

Die  Verbündeten  treffen  mit  der  unter  General  Lauriston  stehenden
Vorhut  des  Ney’schen  Heeres  zusammen,  und  wenn  jene  auch  eine  ganze
italienische  Division  auseinander  sprengten,  Gefangene  machten  und
Kanonen  erbeuteten,  so  war  es  doch  unmöglich,  der  Uebermacht  Ney’s
erfolgreich  entgegen  zu  treten.
        <pb n="223" />
        —  213  —

1875.  Zweite  Synode  der  deutschen  Altkatholiken  in  Bonn,
welche  bis  zum  21.  Mai  andauert.

1876.  Erlass  des  preussischen  Kultusministers  betreffs  der  Doktorpromotionen.


 

 

20.  Mai.

N  &amp;gt;

965.  Gero,  Markgraf  der  Ostmark,  ein  Mann  von  niederer  Herkunft,
  durch  persönliche  Tapferkeit  und  Tüchtigkeit  zu  den
höchsten  Würden  im  deutschen  Reich  emporgestiegen,  stirbt.

Er  gründete  Gernrode,  wo  er  auch  beigesetzt  wurde.

1332.  Friedrich  IV.,  Burggraf  von  Nürnberg,  stirbt.

1506.  Christoph  Columbus,  der  kühne  Entdecker  von  Amerika,
stirbt  zu  Valladolid.

1798.  Heinrich  August  Wilhelm  Stolze,  Begründer  eines
nach  ihm  benannten  neuen  Systems  der  Stenographie,  zu  Berlin
geboren.  °

1805.  Georg  Gottfried  Gervinus,  bedeutender  Geschichtsschreiber,
  zu  Darmstadt  geboren.

1813.  Beginn  der  zwei  Tage  währenden  Schlacht  bei
Bautzen.  —  170000  Mann  Franzosen  unter  Napoleons  Oberbefehl
  gegen  85000  Mann  Verbündete  (Preussen  und  Russen).

Am  ersten  Tage  behaupteten  diese  hartnäckig  ihre  Stellung  auf
den  Höhen  bei  Bautzen;  als  aber  am  folgenden  Tag  Napoleon  den  Stoss
mit  gesamter  Macht  erneuert,  wurde  der  Schlachtplan  der  Verbündeten
durch  verkehrte  Massregeln  Kaiser  Alexanders,  der  sich  hier  wie  oft
zum  Schaden  des  Ganzen  in  die  Führung  einmischte,  in  Verwirrung
gebracht,  und  nach  abermaligem,  tapferstem  Widerstande  mussten  sich
die  Verbündeten  entschliessen,  die  Schlacht  Nachmittags  3  Uhr  abzubrechen.
  Der  Verlust  der  Sieger  war  grösser  als  der  der  Besiegten.
Die  Verbündeten  verloren  an  Todten  und  Verwundeten  mehr  als  12  000
Mann.  Napoleon  liess  allein  nach  Dresden  18000  Mann  Verwundete

schaffen.
1820.  Karl  Sand,  der  Mörder  v.  Kotzebues,  wird  zu  Mannheim

mit  dem  Schwert  hingerichtet.

1837.  Wilhelm  v.  Wedell-Piesdorf,  Präsident  des  deutschen
Reichstags,  zu  Frankfurt  a.  d.  O.  geboren.

1859.  Gefecht  bei  Montebello.

Die  Oesterreicher  unter  Gyulai  werden  von  der  Vorhut  der  französischsardinischen
  Armee  geschlagen.  —  Schon  bei  diesem  ersten  Gefecht  im
        <pb n="224" />
        —  214  —

italienischen  F@ldzug  von  1859  zeigte  essich,dassderösterreichische
Soldat  nicht  minder  tapfer  war  als  der  französische,
aber  schlechter  geführt  wurde.

1865.  Das  österreichische  Abgeordnetenhaus  nimmt

den  Handelsvertrag  mit  dem  Zollverein  an.

1866.  Abgeordnetentag  in  Frankfurt  a.  M.,  an  welchem
sich  nur  8  preussische  Algeorinete  beteiligten.

Der  preussische  Abgeordnete  Twesten,  ein  Führer  der  Opposition,
erklärte  damals  dem  Abgeordnetentag  in  seinem  sansationellen  Absagebrief:
  „Dass  er  nicht  allein  das  Selbstbestimmungsrecht  des  Volkes  und
seine  Rechte  den  Regierungen  gegenüber,  sondern  auch  die  Machtstellung
  Preussens  ins  Auge  zu  fassen  habe,  und  dass  er  sich  nie
an  Schritten  betheiligen  werde,  welche  darauf  abzielten,  Preussen  eine
Niederlage  beizubringen.  Esgebe  keine  Macht  in  Deutschland,
die  für  Deutschland  etwas  leisten  könne,  ausser
Preussen.“

1871.  Austausch  der  Ratifikations-Urkunde  des  Frankfurter
Friedens  zu  Frankfurt  a.  M.

Im  deutschen  Reichstag  wird  mit  allen  gegen  zweı
Stimmen  der  $  1  des  Gesetzes  über  Elsass-Lothringen  angenommen,
  welcher  die  Vereinigung  mit  Deutschland  ausspricht.

Stiftung  der  deutschen  Kriegsdenkmünze.

1873.  Dem  preussischen  Gesetz  vom  5.  Juli  1872  (Verbannung
der  Jesuiten)  werden  unterworfen:  Redemptoristen,  Lazaristen,
Priester  vom  heil.  Geist,  Gesellschaft  vom  Herzen  Jesu.

1874.  Preussisches  Gesetz,  wonach  niemand  in  einem  katholischen
  Bistum  bischöfliche  Rechte  oder  Verrichtungen  ausüben
darf,  der  nicht  dem  Oberpräsidenten  den  kirchlichen  Auftrag
und  die  gesetzliche  Qualifikation  nachgewiesen  und  den  Eid
der  Treue  gegen  den  König  und  die  Gesetze  des
Staates  geleistet  hat.

1875.  Erwerbung  der  preussischen  Bank  durch  das  Reich.

In  Paris  findet  der  internationale  Vertrag  über  das
Metermass  statt.

Dieses  Dezimalmass,  dessen  Grösse  auf  Grund  genauester  Messungen
eıner  seitens  der  französischen  Republik  eingesetzten  Commission  festgestellt
  ist,  bildet  den  zehnmillionsten  Teil  des  Erdquadranten  zwischen
Aequator  und  Nordpol.  Das  Mass  wurde  als  grundlegend  von  17  Culturstaaten,
  darunter  auch  Deutschland,  angenommen.

1855.  Internationale  Sanitäts-  (Cholera)  Konferenz  zu  Rom.

1889.  König  Umberto  von  Italien  kommt  nach  Berlin,  wo
er  festlich  begrüsst,  eine  so  herzliche  und  begeisterte  Aufnahme
findet,  dass  die  italienischen  Kammern  und  die  Magistrate  vieler
1,“  T  Sa  ..

Städte  Veranlassung  nehmen,  Adressen  voll  Dankgefühls  nach
Berlin  zu  senden.
        <pb n="225" />
        —  215  —

21.  Mai.

996.  Himmelfahrt-Fest.  Kaiser  Otto  II.  wird  von  seinem

kurz  vorher  zum  Papst  gewählten  königlichen  Vetter,  Gregor  V.,
gesalbt  und  gekrönt.

Kaiser  Otto  zählte  damals  fünfzehn,  der  neue  Papst  noch  nicht
vierundzwanzig  Jahre.  Die  Römer  mochten  beide  nicht  leiden.

1081.  Kaiser  Heinrich  IV.  von  den  Römern  selbst  gerufen,

erscheint  vor  Rom,  dessen  Thore  ihm  jedoch  nicht  geöffnet
werden,  da  es  Papst  Gregor  VII.  mit  dem  Gelde  seiner
Freundin  Markgräfin  Mathilde  gelungen  ist,  die  feilen  Römer
unterdessen  für  sich  zu  kaufen.  Heinrich  IV.  musste  daher
unverrichteter  Sache  wieder  abziehen.

1254.  Kaiser  Konrad  IV.,  der  Hohenstaufe,  stirbt  im  Lager  bei

Lavello  in  Capitunata,  kaum  27  Jahre  zählend,  an  einem  hitzigen
Fieber  oder,  wie  er  selbst  und  seine  Zeitgenossen  glaubten,  an
Gift,  welches  ihm  „für  das  Heil  und  die  Rettung  der  heiligen
Kirche“  beigebracht  werden  sei.  Konrad  IV.  war  der  letzte
deutsche  Kaiser  aus  dem  Hause  der  Hohenstaufen.

1377.  Ulrich,  Sohn  Eberhards  des  Greiners,  unterliegt  gegen  die

Reutlinger  in  der  Schlacht  an  der  Achalm.

1471.  Albert  Dürer,  ein  hochgefeierter  Maler,  zu  Nürnberg

geboren.

1796.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich,  vom  saumseligen

Wiener  Hof  endlich  zum  Ober-Feldherrn  der  Rheinarmee  ernannt,
kündigt  den  Franzosen  den  Waffenstillstand  auf,
um  den  Waffen-Unternehmungen  in  Italien,  wo  Bonaparte  so
glänzende  Siege  errungen,  eine  andere  Wendung  zu  geben.

Nun  drangen  die  Franzosen  am  Ober-  und  Niederrhein  in  zwei
Heereszügen  in  Deutschland  ein.

1809.  Pfingstsonntag.  Schlacht  bei  Aspern  und  Esslingen,

welche  zwei  Tage  währte.

Mit  ungeheuerer  Erbitterung  wurde  von  beiden  Seiten  gekämpft;
„jeder  gemeine  Mann  focht  als  ein  Held  und  die  Feldherren  wettciferten
mit  den  Soldaten  an  persönlicher  Tapferkeit“.  Für  die  österreichischen
  Heere  aber  war  der  21.  Mai  ein  neuer  Morgen  des
Ruhms,  desSelbstvertrauensunddesinnernKraftgefühles.
—  Napoleon  war  durch  die  kurz  vorher  rasch  errungenen  Siege  bei
Abensberg,  Landshut,  Eggmühl  und  Regensburg  wahrhaft  berauscht,  und
hatte  in  seinem  Bulletin  vom  30.  April  die  tapfere  österreichische
Landwehr  verspottet,  den  Kaiser  Franz  als  einen  „Schwachkopf“  und
        <pb n="226" />
        —  216  —

als  „falsch“  bezeichnet,  hatte  Oesterreich  mit  dem  „Tiger,  dessen  Klauen
unter  der  Freundschaftsmaske  sichtbar  geworden“,  verglichen,  und  in  demselben
  Aktenstück  wieder  mit  dem  „Esel,  dessen  lange  Ohren  unter  der
erborgten  Löwenhaut  immer  wieder  hervorsehen“.  —  Die  Oestereicher
dienten  ihm  bei  Aspern  für  diese  unwürdige  und  abgeschmackte  Ueberhebung,
  und  lieferten  ihm  eine  Schlacht,  mit  Heldenthaten  des  klassischen
Altertums..  Am  zweiten  Schlachttage  zeigte  sich  das  österreichische
Fussvolk  mit  einem  Male  an  mehreren  Punkten  erschöpft  und  der  Feind
fing  an,  vorzurücken.  Da  ergriff  Erzherzog  Karl  selbst  die  Fahne  des
Regiments  Zach,  stellte  sich  an  die  Spitze  der  wankenden  Colonnen,  und
da  fand  man  ihn,  den  Truppen  voran,  überall  da,  wo  das  Schlachtgetümmel
  am  heftigsten  war.  Nach  fürchterlichem  Kampfe  war  der  Rückzug
  Napoleons  unvermeidlich  geworden.  Die  Oesterreicher  gaben  ihren
Verlust  an  Toten,  Verwundeten  und  Vermissten  auf  24,000  Mann  an;
die  Franzosen  selbst  berechneten  später  den  Verlust  derselben  nur  auf
26,000  Mann,  während  sich  doch  allein  in  Wien  und  dessen  Vorstädten
29,773  verwundete  Franzosen  befanden.  Napoleon  aber  gab  in  seineın
Bulletin  den  Verlust  nur  auf  1100  Tote  und  3000  Verwundete  an,  und
erklärte,  den  Feind  völlig  geschlagen  zu  haben.  —  Die  Pfingsttage
von  Aspern  bleiben  aber  nichts  destoweniger  für  alle
Zeiten  die  höchsten  Ehrentage  des  österreichischen
Heeres!

1816.  Der  Dichter  Adolf  Böttger  zu  Leipzig  geboren.

1833.  Präliminarvertrag  zwischen  England,  Frankreich  und  Holland,
durch  welchen  die  Zwangsmassregeln  gegen  Holland  aufgehoben,
Belgien  für  neutral  und  die  Schelde  für  geöffnet  erklärt,
alle  anderen  noch  schwebenden  Streitpunkte  aber  in  Frage  gelassen
  werden.

1849.  Der  ungarische  General  Görgei  erstürmt  Ofen.
1861.  Preussische  Gesetze  über  die  Grundsteuer.
1871.  Die  Truppen  der  Versailler  Regierung  dringen  in  Paris  ein;

Strassenkampf  gegen  die  Insurgenten.  —  Ende  der  Kommune.
1874.  Gesetz  über  die  Besetzung  erledigter  katholischer
Pfarrstellen.

1882.  Der  St.  Gotthard-Tunnel  wird  eingeweiht  und  damit
ein  neuer,  kürzerer  Weg  nach  Italien  erschlossen,  nachdem  das
Wagniss,  den  St.  Gotthard  zu  durchbohren,  gelungen  war.

Zehn  Jahre  lang  hatte  die  Arbeit  gedauert  und  sie  hatte  hohe  An-Ansprüche
  an  menschliches  Wissen  und  Können,  an  fortge-chrittenste
Technick,  an  körperliche  Ausdauer,  Widerstandsfähigkeit  und  Geschicklichkeit
  gestellt  und  sie  hatte  auch  manche  Opfer  gefordert.  Eine
glänzende  Versammlung,  darunter  fürstliche  Personen  und  ihre  Vertreter,

nahm  an  den  Einweihungsfeierlichkeiten  Teil  und  diese  selbst  verliefen
auf  das  Beste.

18385.  Antrag  Preussens  beim  Bundesrat,  betreffend  die  Erbfol  ge
in  Braunschweig,  eingebracht.
        <pb n="227" />
        —  217  —

33,  Mai.

1246.  Landgraf  Heinrich  Raspe  von  Thüringen,  vom  Volkswitz
„der  Pfaffenkönig“  genannt,  wird  durch  eine  kleine  Zahl
deutscher,  vorzugsweise  geistlicher  Fürsten  und  Herren,  welche
der  Papst  Innocenz  IV.  durch  grosse  Geldsummen  für
seine  Zwecke  gegen  den  Kaiser  Friedrich  II.  gewonnen  hatte,
zu  Veitshöchheim  bei  Würzburg  zum  Gegenkönig  Konrads  IV.,
des  Kaisers  Sohn,  gewählt.

Fünfzehntausend  Mark  Silbers  und  die  Zusicherung  bewaffneter
  Unterstützung  durch  französische  Hülfstruppen  verführten
  den  Thüringer  Landgrafen,  diesen  Heinrich  Raspe,  dass  er  sich
vom  Papste  zum  Gegenkönig  im  deutschen  Reich  aufstellen  liess!

1324.  Kaiser  Ludwig  der  Bayer  erlässt,  vom  Papst  Johann
AXII.  in  Bann  gethan,  von  Frankfurt  a.  M.  aus  einen  Protest
wider  alle  päpstlichen  Anmassungen“,  in  welchem  er
den  Nachweis  der  Sünden  dieses  Papstes  zu  führen  sucht,
welcher  „nur  auf  Deutschlands  Zerrüttung  und  Verderbenausgehe
  und  ein  Wüterich  sei“.  Schliesslich  berief
sich  der  Kaiser  noch  auf  eine  allgemeine  Kirchenversammlung,
vor  welcher  er  beweisen  werde,  „dass  Papst  Johann  XÄXlI.
ein  Irrgläubiger  sei“.

1346.  Der  Gegen-Kaiser  LudwigsIV.(derBayer),  KarlvonLuxemburg,
  schliesst  mit  dem  Papst  Clemens  VI.  einen  schimpflichen
  Vertrag  ab,  um  dessen  Unterstützung  zu  erkaufen.

Diese  „Schmachurkunde“  bestimmt:  „in  allen  und  jedeu  Streitigkeiten,
  politischen  Fragen  und  Klagen,  welche  zwischen  den
deutschep  Kaisern  und  dem  Reich  einerseits  und  dem
Könige  Philipp  von  Frankreich,  seinen  Vorfahrern  und  Nachfolgern
  andrerseits  in  allen  Geschäften,  Sachen,  Rechten  und  Gerichtsbarkeiten
  aller  und  jeder  Art,  aus  welcher  Ursache  sie  bis  daher
stammen  oder  künftig  entstehen  könnten,  sich  zu  unterwerfen,
platterdings  und  in  aller  Weise,  dem  Willen  der  Anordnung  und
der  Verfügung  seines  Herrn  des  Papstes,  und  dessen  Nachfolger
  auf  dessen  päpstlichem  Stuhle.“

1541.  Die  Regensburger  Verhandlungen  wegen  Ausgleichung
  des  Kirchenstreits  werden  mit  der  Erklärung
aufgehoben,  dass  ausser  den  verglichenen  vier  Sätzen  eine
weitere  Vereinigung  nicht  möglich  sei.

Diese  vier  wesentlichsten  Glaubenssätze  betreffen:  die  Folgen  des
Siindenfalles,  den  freien  Willen,  die  Erbsünde,  und  die  Rechtfertigung,
welche  im  Wesen  ganz  nach  der  lutherischen  Vorstellung  angenommen
        <pb n="228" />
        —  218  —

wurden.  Bezüglich  der  äusseren  Einrichtung  der  Kirche  aber  erhoben
sich  grosse  Schwierigkeiten,  da  man  von  katholischer  Seite  der
Kirche  allein  das  Recht  zur  Erläuterung  der  Bibel  beilegen  wollte,
während  die  Protestanten  behaupteten,  dass  auch  die
Konzilienirren  könnten.

1744.  Frankfurter  Union.

Vor  einem  geheimen  Vertrag,  welchen  Maria  Theresia  zu  Worms
mit  England  und  dem  König  von  Sardinien  abgeschlossen,  um  „die  pragmatische
  Sanction,  das  Gleichgewicht  und  die  Freiheit  (!)  Europa’s  aufrecht
  zu  erhalten“,  unterrichtet,  schliesst  Friedrich  Il,  von  Preussen
mit  dem  Kaiser  Karl  VII,  Schweden  und  Hessen  dıe  „Frankfurter
Union“  ab,  welcher  auch  Frankreich  beitritt.  —  Der  zweite  schlesische
  Krieg  nimmt  seinen  Anfang.

1745.  Gleichzeitige  Schlachten  bei  Landshut  und  bei  Neustadt

in  Schlesien.
In  beiden  Schlachten  besiegen  die  Preussen  die  Oestereicher.

1762.  Der  Friede  zu  Hamburg  zwischen  Preussen  und
Schweden  abgeschlossen.

1775.  Der  Netzedistrikt,  bis  dahin  zu  Polen  gehörig,  kommt
an  Preussen.

1794.  Der  französische  General  Pichegry  liefert  den  Oesterreichern
  bei  Tournay  ein  heftiges  Treffen,  dessen  für  die
Franzosen  siegreicher  Ausgang  die  Mosel-Armee  unter  Jourdan
in  den  Stand  setzt,  über  den  Sombre  vorzudringen  und  den
Feldzug  in  Vereinigung  mit  der  Ardennen-  und  Nordarmee
durch  eine  allgemeine  Schlacht  zur  Entscheidung  zu  bringen.

An  demselben  Tage  erfocht  der  preussische  General
Möllendorf  bei  Kaiserslautern  über  die  Franzosen  einen  Sieg,
den  er  aber  nicht  auszunutzen  verstand,  so  dass  diese  Zeit
gewannen  und  sich  nachhaltig  verstärken  konnten.  In  diesem
Treffen  zeichnete  sich  der  tapfere  Reiteroberst  Blücher  durch
Kühnheit  und  Geschick  aus  und  erwarb  den  Generalsrang.

1800.  (bis  zum  97.  Mai.)  Vergebliche  Angriffe  der  Oesterreicher
auf  den  von  den  Franzosen  besetzten  Brückenkopf  am  Var.

1813.  Richard  Wagner,  berühmter  Komponist,  zu  Leipzig
geboren.

Ein  Genie  ersten  Ranges.  —  Die  musikalische  Situations  und  Gefühlsmalerei
  ist  seine  Hauptstärke.  Seine  Opernmusik  hat  fanatische
Anhänger,  aber  auch  viele  Gegner  gefunden.

1815.  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen,  giebt  seinem  Volke
das  feierliche  Versprechen,  ihm  eine  „Repräsentation  des
Volkes“  zu  gewähren,  als  Anerkennung  und  aus  Dankbarkeit
für  die  grossen  Opfer  und  Verdienste  desselben  um  die  Befreiung
  Deutschlands  von  der  Fremdherrschatt.

Doch  dieses  königliche  Versprechen  ward  niemals  gehalten!  und
als  sein  Nachfolger  Friedrich  Wilhelm  IV.  gelegentlich  seiner  Krönung
im  Jahre  1840  zu  Königsberg  von  den  dortigen  Ständen  gebeten  wurde,
        <pb n="229" />
        —  219  —

die  seit  dem  22.  Mai  1815  verheissene  allgemeine  Landesvertretung
endlich  zu  gewähren,  überhaupt  eine  reichsständige  Verfassung  einzuführen,
  erklärte  der  neue  König  alsbald  darauf  aufs  bündigste,  dasser
ihr  Verlangen  nicht  erfüllen  werde!  Das  war  eine  allgemeine
Enttäuschung,  die  grosse  Missstimmung  erweckte.  Kö  nig  und  Volk
kamen  auseinander,  und  ein  revolutionärer  Geist  drang

ein.“

An  demselben  Tage  Besitzergreifung  der  nach  Beschluss
des  Wiener  Kongresses  mit  Preussen  vereinigten  Teile  des
Königreichs  Sachsen.

1828.  Albert  von  Gräfe,  ein  berühmter  deutscher  Augenarzt,
zu  Berlin  geboren.

1842.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  beruft  einen

Ausschuss  sämtlicher  Provinzialstände  zur  „Mitberatung“  nach
Berlin.

1848.  Eröffnung  der  preussischen  Nationalversammlung.

Unter  dem  Einfluss  demokratischer  Bestrebungen  erfolgten  die
Wahlen  zur  preussischen  Nationalversammlung,  welche  vom
Ministerium  Camphausen  einberufen  wurde,  und  ihre  Wirksamkeit  im
entschieden  liberalen  Sinne  auffasste  und  bethätigte,  bis  ihr  das  reaktionäre
  Ministerium  Brandenburg-Manteuffel  Anfangs  Dezember  desselben
Jahres  in  so  drastischer  Weise  den  Garaus  machte.

1850.  Eröffnung  der  letzten  Conferenz  der  Freien  Gemeinden
zu  Leipzig,  welche  später  wegen  einzelner  Ausweisungen  in
Köthen  fortgesetzt  wurde.  Die  Verbindung  mit  den  Deutschkatholiken
  zu  einer  Religiongemeinschaft  freier  Gemeinden
wird  trotz  lebhaften  Widerspruchs  beschlossen.

Attentat  des  Artillerie-Feuerwerkers  Sefeloge  gegen  den
König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen.

1865.  Abschluss  eines  Handelsvertrages  zwischen  dem  deutschen
Zollverein  und  Belgien.

1871.  Allerhöchster  Erlass  des  Kaisers  Wilhelm  I.  betreffs  Ver-_

  leihung  der  Kriegsdenkmünze  an  Nichtkombattanten.

Leopold  IV.,  Herzog  von  Anhalt,  stirbt.

Freiherrvon  Münch-Bellinghausen,  (bekannt  unter
dem  Pseudonym  Friedrich  Halm)  dramatischer  Dichter,  stirbt  zu

Wien.
1872.  Grundsteinlegung  zum  Wagner-Theater  in  Bayreuth.
1882.  Edmund  Höfer,  ein  gern  gelesener  Novellist,  stirbt  zu
Cannstatt.
1888.  Erlass  des  Passzwanges  für  Elsass-Lothringen.
        <pb n="230" />
        —  220  —

353.  Mai.

1125.  Kaiser  Heinrich  V.  stirbt,  erst  vierundvierzig  Jahre  zählend,
kinderlos  zu  Utrecht.

Mit  ihm  erlosch  im  Mannesstamm  das  salisch-waiblingische  Königseschlecht,
  und  das  ungeheure  Erbe  der  salischen  Güter  ging  auf  die
Söhne  seiner  Schwester  Agnes  über,  auf  die  Hohenstaufen  Friedrich  und
Conrad.  Heinrich  V.  war  kalt,  stolz  und  herrschsüchtig,  was  dagegen
Charakter  und  Geist  anlangt,  über  die  meisten  seiner  Zeitgenossen

hervorragend.

1544.  Friede  zu  Speyer  zwischen  dem  Kaiser  Karl  V.  und
Christian  III,  König  von  Dänemark,  Schweden  und  Norwegen.

Das  Haus  Habsburg  leistet  Verzicht  auf  die  Krone  von  Dänemark-Norwegen.



1618.  Aufstand  in  Prag  und  Unruhen  in  Böhmen  wegen
Verletzung  der  vom  Kaiser  Rudolf  verliehenen  Religionsfreiheit
unter  Matthias.

1706.  Schlacht  bei  Ramillies  in  den  Niederlanden.

Der  Herzog  von  Malborough  schlägt  die  Franzosen  so  vollständig,
  dass  sie  ungesäumt  sowohl  ganz  Brabant  als  Flandern  räumen.
Sie  verloren  bei  Ramillies  12,000  Mann.

1733.  Anton  Mesmer,  Entdecker  des  tierischen  Magnetismus,
zu  Iltzmang  am  Bodensee,  geboren.

1793.  Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  in  einem  heftigen
Treffen  bei  Famars  und  belagern  hierauf  Valenciennes,  das
sich  alsbald  schon,  als  sich  ein  englisches  Heer  mit  den  Deutschen
  vereinigte,  ergab.

1794.  Treffen  bei  Schifferstadt,  in  welchem  die  Franzosen
über  die  Oesterreicher  siegen,  während  an  demselben  Tage
in  der

zweiten  Schlacht  bei  Kaiserslautern  die  Franzosen
durch  die  Preussen  unter  Feldmarschall  von  Möllendorf  eine
empfindliche  Niederlage  erleiden.

1802.  Vertrag  Preussens  mit  Frankreich  über  die  Gewährleistung
  der  an  Preussen  fallenden  Länder.

1809.  Hugo  Ewald  von  Kirchbach,  preussischer  General,  zu
Neumarkt  in  Schlesien  geboren.

1812.  Der  Johanniterorden  wird  von  Friedrich  Wilhelm  II.
als  preussischer  Hausorden  eingesetzt.
        <pb n="231" />
        —  221  —

1813.  Gefecht  bei  Görlitz  zwischen  den  Franzosen  und  Russen
diese  verbrannten  die  Brücke  über  die  Neisse.

1851.  Johann  Wilhelm  Jakob  Bornemann,  deutscher  Dichter,
gestorben.

Seine  plattdeutschen  Gedichte  zeugen  von  Talent  und  werden
gern  gelesen.
1865.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  genehmigt  den  Handelsvertrag
  mit  Oesterreich.

1866.  Der  König  von  Württemberg  hält  eine  kriegerische
gegen  Preussen  gerichtete  Thronrede.

1868.  Schluss  des  ersten  deutschen  Zollparlaments.

1871.  Beginn  des  Rückmarsches  der  deutschen  Truppen
aus  Frankreich.

Sie  hatten  alle  tapfer  gegen  den  gemeinsamen  Feind  gekämpft,  die
deutschen  Söhne  des  Südens  und  Nordens,  sie  hatten  alle  ihre  Pflicht
und  Schuldigkeit  gethan  und  waren  guten  Mutes  gewesen  in  den  bösesten
Tagen.  Aber  als  es  nun  hiess  „nach  Hause,  nach  der  Heimat,  zu  Muttern“,
  da  stahl  sich  doch  in  manches  tapferen  Landwehrmannes  Auge
die  Freudenthräne.

1874.  Das  neue  Reichs-Militärgesetz  für  Deutschland  tritt
in  Kraft.

1877.  Eröffnung  der  vierten  altkatholischen  Synode  in
Bonn.

1880.  Heinrich  von  Gagern,  in  der  1848er  Bewegung  eine
vielgefeierte  Persönlichkeit,  als  Präsident  des  ersten  deutschen
Parlaments  und  an  der  Spitze  der  damaligen  Reichsregierung
von  grossem  Einfluss,  stirbt,  ohne  alle  und  jede  Bedeutung  in
seinen  späteren  Jahren,  zu  Darmstadt.

Als  einer  der  Führer  der  Gothaer  Partei  wirkte  er  für  das  Zustandekommen
  des  Erfurter  Unionsparlaments  (März  und  April
1850),  wurde  dann  Major  in  der  schleswig-holsteinischen  Armee,  schloss
sich  aber  1862  der  grossdeutschen  Partei  an  und  war  1864—72  hessischer

Gesandter  in  Wien.
1886.  Der  berühmte  Geschichtsschreiber  Leopold  von  Ranke
stirbt,  91  Jahre  alt,  zu  Berlin.  |
        <pb n="232" />
        —  222  —

94.  Mai.

1543.  Nikolaus  Kopernikus,  der  Begründer  der  modemen
Astronomie,  einer  der  seltensten  und  grössten  Menschen,  welche
je  gelebt  haben,  stirbt  im  71.  Jahre  seines  Lebens.

Sein  herrlicher  Charakter  offenbart  sich  am  schönsten  in  dem  bekannten
  Sendschreiben,  womit  er  dem  Papste  sein  Werk  über  das
Planetensystem  und  die  Bewegung  der  Erde  und  Planeten,  zusandte,
und  welches  der  Philosoph  Lichtenberg  als  ein  Meisterstück  des
Styls  und  männlicher  Bedachtsamkeit,  und  Benzenberg  dasselbe  als

die  „Geschichte  der  Kopernikanischen  Wetterordnung“
bezeichneten.

1642.  Schweidnitz  ergiebt  sich  den  Schweden.

1794.  Johann  Cotta,  Geistlicher  und  Komponist  zu  Ruhla  bei
Eisenach  geboren.  „Was  ist  des  Deutschen  Vaterland“  ist  eine
seiner  bekanntesten  Kompositionen.

1800.  Gefecht  an  der  Güntz  zwischen  Oesterreichern  und
Franzosen.

Ivrea,  von  den  Oesterreichern  besetzt,  wird  nach  zweitägigem
  Kampfe  von  den  Franzosen  eingenommen.

1805.  Jakob  Venedey,  ein  freisinniger  Schriftsteller,  Mitglied
der  Frankfurter  Nationalversammlung  von  1848,  zu  Köln  geboren.

1807.  Danzig,  das  von  seiner  Besatzung,  dem  General  Kalkreuth,
'  51  Tage  lang  gegen  ein  französisches  Heer  unter  Lefebvre
wacker  verteidigt  worden  war,  entschliesst  sich,  durch  das  Ausgehen

  seiner  Vorräte  hierzu  gezwungen,  unter  ehrenvollen  Bedingungen
  zur  Uebergabe.

‚,  Hätten  die  Russen  etwas  Ernstliches  zum  Entsatze  der  Stadt  gethan,
wie  dies  in  ihrer  Macht  war,  so  wäre  Danzig  nicht  verloren  gegangen.

1809.  Gefecht  bei  Damgarten.
Schill  schlägt  die  Mecklenburger.
1814.  Die  Preussen  ziehen  in  Magdeburg  ein.

182.  m,  versammlung  zu  Öberlaudenbach  (bei  Heppeneim).


‚  „Auf  derselben  wurde  der  Kreisrat  Prinz  aus  Bensheim,  welcher  zum
friedlichen  Auseinandergehen  ermahnte,  ermordet.

1862.  Der  deutsche  Bundestag  zu  Frankfurta.  M.  ermannt
sich  endlich,  da  er  sich  hierin  von  Oesterreich  verlassen  sieht,
        <pb n="233" />
        —  223  —

den  widerspenstigen  Kurfürsten  von  Hessen  aufzufordern,  die

von  ihm  missachtete  Verfassung  wiederherzustellen.

Nach  einigem  Sträuben  fügte  er  sich,  gab  Preussen  die  verlangte
  Genugthuung  und  führte  die  Verfassung  von  1831  wieder
ein,  welche  er  aber  keineswegs  in  Kraft  treten  liess,  und
setzte  den  Streit  mit  seinem  Volke  in  der  seitherigen  Weise  fort.  Namentlich
  verweigerte  er,  den  Staatshaushalt  den  Ständen  vorzulegen,  wie
dies  die  Verfassung  ausdrücklich  vorschrieb.

1868.  Die  norddeutsche  Nordpolexpedition  verlässt  Bremen,
wohin  sie  am  30.  Oktober  desselben  Jahres  wieder  zurückkehrt.

1871.  Auf  Befehl  des  Gemeinderats  zu  Paris  werden  der
Erzbischof  Darboy,  Pfarrer  Daguerry  und  andere  im  Gefängniss
erschossen.  |

1872.  Maler  Julius  Schnorr  von  Karolsfeld,  stirbt  zu  Dresden.

1876.  Konferenzen  zu  Pest  zwischen  den  Botschaftern  Deutschlands,
  Russlands  und  der  Türkei  und  dem  Grafen  Andrassy.

1885.  Erster  internationaler  Kongress  für  Binnenschifffahrt
  in  Brüssel.

 

 

95.  Mai.

230.  Unter  Kaiser  Severus  wird  Urban  ].,  römischer  Bischof,  enthauptet.

Die  Firmelung  soll  er  eingeführt  haben.

1277.  Erwin  von  Steinbach  legt  den  Grundstein  zum  Bau  des
Strassburger  Münsters.

1439.  Der  Papst  Eugen  IV.  wird  vom  Konzil  zu  Basel  abgesetzt,
  da  sich  dieser  der  Durchführung  der  Reformation,  wie
sie  die  Kirchenversammlung  mit  Nachdruck  und  Würde  anstrebte,
widersetzt,  und  der  wiederholt  an  ihn  ergangenen  Aufforderung,
vor  derselben  zu  erscheinen,  nicht  Folge  giebt.

1536.  Melanchthon  versucht  zu  Wittenberg  vergeblich  eine  Vereinigung
  der  Lutheraner  und  Zwinglianer  zustande  zu
bringen.

1539.  Herzog  Heinrich  der  Fromme  führt  den  lutherischen
Gottesdienst  in  Leizig  ein.

1577.  Die  von  dem  Tübinger  Kanzler  Andreä  auf  Betreiben  des
Kurfürsten  von  Sachsen  entworfene  Konkordienformel  wird
zu  Kloster  Bergen  bei  Magdeburg  vollendet.
        <pb n="234" />
        —  224  —

1734.  Treffen  bei  Bitonto  in  Italien.

Die  Spanier  unter  Montemar  besiegen  die  Oesterreicher.
1740.  Ostfriesland  wird  von  Preussen  in  Besitz  genommen.

1809.  Schill  besetzt  Stralsund.

Treffen  bei  St.  Micheln,  in  welchem  die  Oesterreicher
durch  die  Franzosen  unter  Vizekönig  Eugen  eine  Niederlage
erleiden.

1814.  Die  Franzosen  beginnen  Hamburg  zu  räumen,  wo  sie  seit
einem  Jahr  unter  dem  General  Davoust  mit  eiserner  Gewalt

schonungslos  gewirtschaftet  hatten.

*  Davoust  plünderte  selbst  die  Bank  gegen  alles  Völkerrecht,  confiscirte
das  Vermögen  der  Patrioten,  trieb  mittenimstrengsten  Winter,
umdieErsparungderLebensmittelwillen,  25000  Familien
aus  der  Stadt,  und  war  hart  und  gefühllos  gegen  alle  Leiden  der  unglücklichen
  schwer  gedrückten  Bürger.

1818.  König  Friedrich  Wilhelm  Ill.  von  Preussen  hebt  innerhalb
  seines  Staates  alle  Binnenzölle  auf.

1846.  Flucht  des  Prinzen  Louis  Napoleon  (Napoleon  Ill.)  aus
dem  Gefängnisse  zu  Ham.

1865.  Friedrich  August,  voraussichtlicher  Thronfolger  und  Herzog
von  Sachsen,  geboren.

1867.  Vereinigung  des  früher  fürstl.  Thurn-  und  Taxis’schen
Postbezirkes  mit  dem  preussischen  Postgebiete.

1868.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  unterzeichnet  die
„drei  konfessionellen  Gesetze“,  welche,  hauptsächlich  gegen  das
Konkordat  gerichtet,  eine  kirchlich-politische  Reform  einführten.

1869.  Zwischen  Baden  und  dem  Norddeutschen  Bund  wird
ein  Vertrag  über  Einführung  militärischer  Freizügigkeit
geschlossen.

Die  Militärpflichtigen  des  einen  Gebietes  konnten  hiernach  ihrer
Dienstpflicht  auch  in  dem  anderen  Gebiete  genügen.

1871.  Die  Aufständischen  stecken  Paris  in  Brand.  Cerisier,
Oberst  der  Nationalgarde,  lässt  die  24  Lehrer  der  Dominikanerschule
  umbringen.  |

1873.  Preussisches  Gesetz  betreffend  die  Aufhebung  der
Schlacht-  und  Mahlsteuer.

1887.  ‚röffnung  des  ersten  deutschen  Reichswaisenhauses  in
ahr.
        <pb n="235" />
        —  225  —

26.  Mai.

1249.  Schlacht  an  der  Fossalta.

König  Enzio,  der  edle  Sohn  Kaiser  Friedrich  II.,  wird  nach  einem
heissen  Kampfe,  den  er  mit  den  Modenesen  und  deutschen  Hilfstruppen
gegen  ein  Heer  der  Bolognesen,  unter  Podesta  Filippo,  bestand,  geschlagen,
  von  den  Gegnern  umzingelt  und  mit  mehreren  Rittern  gefangen
genommen.  Im  Triumph  wird  Enzio  nach  Bologna  geführt,  wo  der  Rat
den  strengen  Ausspruch  fällte,  dass  der  24jährige  Jüngling  bis  an  sein
Lebensende  in  Gefangenschaft  bleiben  solle,  in  der  er  23  Jahre  —  bis
an  sein  Lebensende,  schmachtete.  Die  Bologneser  bestatteten  ihn  mit
königlicher  Pracht  in  der  Kirche  des  heil.  Dominikus  und  setztem  ihm
eine  gekrönte  Bildsäule  mit  Inschrift.

1349.  Der  Gegenkönig  von  Karl  IV.,  Günther  von  Schwarzburg,

tritt  für  20000  Mark  Silber  seine  Ansprüche  an  die  deutsche
Krone  dem  Gegner  ab.

1521.  Dr.  Martin  Luther  wird  durch  ein  kaiserliches  Edikt  in
die  Reichsacht  erklärt,  seine  Lehre  verdammt  und  seine
Schriften  auf  dem  Scheiterhaufen  verbrannt.

1547.  Der  siegreiche  Kaiser  Karl  V.  hält  seinen  Einzug  in
Wittenberg,  der  Hauptstadt  des  Luthertums.

Die  Papisten,  insbesondere  der  finstere  Alba,  rieten  zu  den  härtesten

Strafen,  und  die  irdischen  Reste  Luthers  ausgraben  und  verbrennen  zu

lassen;  worauf  Karl  V.,  edler  gesinnt,  entgegnete:  „Ich  führe  nicht

Krieg  mit  den  Toten“,  —  und  liess  sogar  den  protestantischen
Gottesdienst  bestehen.

1700.  Nikolaus  Ludwig,  Graf  von  Zinzendorf,  der  berühmte

Stifter  der  Herrnhuter-Gemeinden,  zu  Dresden  geboren.
1799.  Der  Dichter  Kopisch  zu  Breslau  geboren.
1800.  Treffen  bei  Romano.

Die  Franzosen  unter  Lannes  schlagen  die  Oesterreicher.

1803.  Die  Franzosen  unter  General  Mortier  rücken  in
Hannover  ein  und  erneuern  somit  wieder  den,  durch  den
Frieden  zu  Amiens  (25.  März  1802)  unterbrochenen  Krieg  mit
England,  denn  dessen  König  war  auch  zugleich  Kurfürst  von

Hannover.  |

Das  Vorgehen  der  Franzosen  war  somit  auch  ein  Angriff  auf  das
deutsche  Reich,  von  welchem  Hannover  ein  Teil  war.  ‚Die  Deutschen
waren  aber  schon  so  sehr  entartet,  dass  sie  ganz  ruhig  zusahen,  als
die  französische  Armee  in  Hannover  einrückte,  und  das  schwächere
hannöversche  Heer  Anstalten  machte,  den  heimatlichen  Herd  zu  verteidigen.
  Doch  die  hannöverschen  Landesbehörden  waren,  wie  die

15
        <pb n="236" />
        —  226  —

übrigen  deutschen  Regierungen,  bereits  von  der  Alterschwäche  des  Kleinmuts
  befallen,  und  hielten  die  Thatkraft  ihrer  Truppen  selbst  darnieder.

1805.  Napoleon  Bonaparte  setzt  sich  in  Mailand  die  eiserne
Krone  der  Lombardei  aufs  Haupt  und  erklärt  sich  zum  König

von  Italıen.

1813.  Siegreiches  Reitergefecht  der  preussischen  Kavallerie
bei  Haynau  an  der  Strasse  nach  Liegnitz.

Blücher  schlägt  hier  die  Franzosen  unter  General  Mason  so  vollkommen
  aufs  Haupt,  dass  sich  die  Verbündeten  ohne  wesentliche  Einbusse
  nach  Schlesien  zurückziehen  können.  Ueber  1500  Franzosen
wurden  bei  Haynau  niedergehauen,  nahezu  400  Mann  gefangen  und  11
Kanonen  erbeutet.  Die  Preussen  verloren  nur  70  Mann,  worunter  16
Offiziere,  und  unter  diesen  der  tapfere  Oberst  Dolfts.

1818.  König  Maximilian  Josef  von  Bayern  giebt  seinem
Lande  eine  Verfassung,  durch  welche  Bayern  ein  constitutioneller
  Staat  wird.

König  Maximilian  Josef  entliess  sein  absolutistisches  Ministerium
und  folgende  Punkte  waren  es  namentlich,  die  bei  der  Neuordnung  der
Dinge  ins  Gewicht  fielen:  alle  Staatsbürger  sind  gleichmässig  den  öffentlichen
  Lasten  unterworfen  und  in  ihrer  persönlichen  Freiheit  gesichert;
Gewissensfreiheit  und  (gesetzlich  beschränkte)  Pressfreiheit  werden  ausgesprochen;
  Gleichheit  vor  dem  Gesetze,  gleiche  Besteuerung,  gleiche
Militärpflicht;  es  bestehen  zwei  Kammern,  die  der  heichräte  und  die  der
155  Abgeordneten;  Kammerbeschlüsse  bedürfen  der  königlichen  Bestätigung.
  Bayern  ist  einer  der  ersten  Staaten  Deutschlands,  die  sich  einer
Verfassung  rühmen  dürften.

1828.  (ı  fingstmontag.)  Kaspar  Hauser  wird  zu  Nürnberg  in
höchst  verwahrlostem  Zustande  aufgefunden.

1831.  Schlacht  bei  Ostrolenka,  Niederlage  der  Polen.

1848.  Neue  Barrikadenkämpfe  in  Wien;  abermalige  Demütigung
  der  Regierung,  welche  zur  Nachgiebigkeit  gezwungen
wird.

Radetzky  siegt  bei  Villafranka  über  Karl  Albert

von  Sardinien.
1849.  Das  „Dreikönigsbündnis“  entsteht.

König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  suchte,  nachdem  die
Errungenschaften  des  „deutschen  Völkerfrühlines“  immer  mehr  und  mehr
der  Reaktion  verfielen,  die  Ordnung  der  deutschen  Diuge  in  die  Hand
zu  bekommen,  und  hatte  erklärt,  das  in  Frankfurt  begonnene  Verfassungs-
  und  Einigungswerk  aufnehmen,  und  im  Verein  mit  andern  Fürsten
zu  einem  befriedigenden  Ausgang  bringen  zu  wollen.  Er  beabsichtigte
einen  deutschen  Bundesstaatunterpreusicher  Leitung,  mit
einem  gemeinschaftlichen  Parlament  zu  errichten,  und  da  ihm  Sachsen
und  Hannover  alsbald  beitraten,  so  erhielt  diese  Vereinigung  den  historischen
  Namen  „Dreikönigsbündnis“,  welchem  sich,  mit  Ausnahme
Bayerns  und  Württembergs,  die  übrigen  deutschen  Staaten  allmählich
anschlossen.

1857.  Preussen  tritt  Neuenburg  an  die  Schweiz  ab,
        <pb n="237" />
        —  227  —

1862.  Otto  von  Bismarck-Schönhausen,  nachmaliger  deutscher
Reichskanzler,  wird  preussischer  Gesandter  in  Paris.

1870.  Schluss  des  norddeutschen  Reichstags.

1885.  1.  gemeine  deutsche  (26.)  Lehrerversammlung  in  Darmstadt.


1890.  Reichskommissar  Major  Wissmann  tritt  einen  längeren
Urlaub  an  und  verlässt  das  ostafrikanische  deutsche  Schutzgebiet.

 

2%.  Mai.

1234.  Schlacht  bei  Altenesch,  unweit  Bremen.

Die  freien  Bauern  des  Stedinger  Landes,  11000  ihrer  Kraft  bewusster
  Männer,  gegen  das  durch  Papst  Gregor  IX.  und  die  Bischöfe
angefeierte  „Kreuzheer“,  dem  Sündenablass  und  reiche  Beute  versprochen
war  und  das  aus  40000  Herren  und  Knechten  bestand.  „Sieg  oder
Tod!“  war,  einem  solchen  Heere  gegenüber,  die  Parole  der  freien
Bauern,  deren  anfänglicher  Sieg  in  eine  blutige  Niederlage  umschlug.
Mehr  als  6000  Stedinger  Bauern  bedeckten  die  Wahlstatt;  aber  wohl  noch
mehr  ihrer  bekreuzten  Feinde.  Ein  grosser  Teil  der  Stedinger  rettete
sich  zu  den  benachbarden  freien  Friesen;  —  Greise,  Weiber  und  Kinder
kämpften  noch  vor  ihren  brennenden  Wohnungen  bis  auf  den  Tod  und
nur  eine  geringe  Anzahl  unterwarf  sich  der  Herrschaft  der  Kirche,  dem

Bremer  Erzbischof.
1564.  Jean  Calvin,  der  zweite  grosse  Reformator  des  sechszehnten
Jahrhunderts,  stirbt  in  seinem  fünfundfünfzigsten  Lebensjahre

zu  Genf.

Wenngleich  Calvin  in  wesentlichen  Punkten  von  Luther  abwich,
so  wurden  doch  seine  Anhänger  von  den  Lutheranern  nicht  unterschieden
und  in  den  Edikten  Franz  I.  und  Heinrich  11I.,  und  selbst  in  dem  Edikt
von  Ecouen  im  Jahr  1559  mit  diesem  Namen  bezeichnet.

1756.  Maximilian  I.  Joseph,  erster  König  von  Bayern,  zu
Schwetzingen  geboren.
1758.  Die  Preussen  beginnen  die  Belagerung  von  Olmütz.

Die  Verbündeten  erobern  Duisburg.
1809.  Treffen  bei  Salzburg.

Sieg  der  Franzosen  über  die  Oesterreicher.
1832.  Hambacher  Fest,  an  welchem  sich  gegen  30000  Menschen
aus  allen  Gegenden  Deutschlands  beteiligten.

Zur  Feier  der  Erteilung  der  bayerischen  Verfassungsurkunde  wird
unter  Leitung  von  Siebenpfeiler,  Wirth  u.  A.  beim  Schloss  Hambach
  unweit  Neustadt  a.  d.  H.  eine  grosse  Volksversammlung  abgehalten,
        <pb n="238" />
        —_  228  —

wobei  die  —  schwarz-rot-goldene  Fahne  aufgepflanzt  und  Reden  ans
Volk  voll  patriotischer  Begeisterung  gehalten  werden,  in  welchen  zur
Einigung  Deutschlands  und  zur  Errichtung  einer  allgemeinen  deutschen
Verfassung  auf  Grund  der  Volkssouveränität  aufgefordert  wird.  Doch
die  Zeit  war  noch  nicht  gekommen,  um  die  deutsche  Nation  für  einen
politischen  Fortschritt  und  eine  deutsch-nationale  Politik  zu  entflammen,
und  so  kam  es  denn,  dass  diese  demokratische  Bewegung  nur  in  Rheinbayern
  Boden  fand,  und  von  der  bayerischen  Regierung  leicht  unterdrückt
  werden  konnte.  Die  Reaction  unternahm  aufs  Neue  Schritte  gegen
alles  Volkstümliche,  die  Pressvereine  wurden  verboten  und  die  kühnsten
Redner  und  Zeitungsschreiber  ohne  Weiteres  verhaftet.

1850.  Warschauer  Konferenz.

Prinz  Wilhelm  von  Preussen,  nachmaliger  deutscher  Kaiser,
trifft  mit  Kaiser  Nicolaus  von  Russland  in  Warschau  zusammen,  wohin
sich  auch  der  österreichische  Ministerpräsident  Schwarzenberg  begeben
hatte.  Kaiser  Nicolaus  erklärte  bei  dieser  Gelegenheit  aufs  Bestimmteste,
für  die  Aufrechthaltung  der  Verträge  von  1815  (!)  einzutreten.

1874.  Erstes  Konzil  der  Altkatholiken  unter  dem  Vorsitz

des  Bischof  Reinkens  in  Bonn  eröffnet.

1888.  Das  Gesetz,  betr.  Verlängerung  der  Legislatur-Periode
in  Preussen  von  König  Friedrich  III.  vollzogen.  —  Schreiben
desselben  an  Minister  Puttkammer  betr.  Schutz  der  Wahlfreiheit.


28,  Mai.

asien

1037.  Kaiser  Konrad  II.  hebt  die  Belagerung  von  Mailand,  der
damals  festesten  Stadt  Europas,  auf,  nachdem  ihm  dessen  Bürger
am  19.  Mai  eine  blutige  Niederlage  bereitet  hatten  und  zieht
sich  nach  Pavia  zurück.

An  demselben  Tage  erlässt  er  für  Italien  jene  hochwichtige
„Lehenskonstitution“,  durch  welche  er  den  Grund  zu  der
freien  bürgerlichen  Lebensentwicklung  legte,  welche  in  den  nun
kommenden  Jahrhunderten  Oberitalien  so  merk  würdig  auszeichnete.

Dieses  Gesetz  bestimmte,  dass  von  nun  an  der  Niessbrauch  eines
Lehens  vom  Vater  auf  den  Sohn,  und  im  Falle  des  früheren  Todes  des
letztern,  auf  den  Enkel  erben  solle;  kein  kleiner  Vasalle  durfte  sein  Gut
anders  als  durch  den  Ausspruch  von  Seinesgleichen  verlieren,  und  kein
Lehensherr  ohne  den  Willen  des  Lehensmannes  ein  Lehen  vertauschen,
verkaufen  oder  sonst  darüber  verfügen.  Von  nun  an  sass  der  Freie
sicher  auf  seinem  Grundeigentum,  der  Vasalle  erblich  auf  seinem  Gute;
ein  neues  selbständiges  Volksleben  erblühte,  welches  dem  Faustrecht  das
Gesetz,  der  Zügellossigkeit  Ordnung,  der  Rohheit  manchfaltige  Bildung
entgegenstellte.
        <pb n="239" />
        —  229  —

1388.  Schlacht  bei  Winsen,  in  welcher  die  Herzöge  Friedrich
und  Heinrich  von  Braunschweig  über  Rudolf  III.,  Kurfürst  von
Sachsen,  siegen.

1674.  Das  deutsche  Reich  erlässt  eine  Kriegserklärung  an
Frankreich,  nachdem  dessen  Heere  unter  Turenne  in  Süddeutschland
  plündernd  und  verwüstend  arg  genug  gehaust  hatten.

Der  „grosse  Kurfürst“  von  Brandenburg,  der,  um  den  französischen
Verheerungen  im  eigenen  Lande  zu  wehren,  am  10.  Juli  1673  mit  Frankreich
  einen  Neutralitätsvertrag  abgeschlossen  hatte,  erschien  nach  dieser
Kriegserklärnng,  von  Holland  und  Spanien  mit  Geld  unterstützt,  sofort
wieder  mit  16000  Mann  kriegstüchtigster  Streiter  auf  dem  Kriegsschauplatz.


1697.  Friedrich  August  I.,  Kurfürst  von  Sachsen,  tritt  um  des
polnischen  Königsthrones  willen  zur  katholischen  Kirche  über.

1794.  Schlacht  bei  Kirchweiler;  die  Preussen  schlagen  die
Franzosen.

1810.  Preussisches  Lotterie-Edikt.

Peter  Franz  Reichensperger,  preussischer  Obertrıbunalrat,
  hervorragender  Parlamentarier,  zu  Koblenz  geboren.

1829.  Paul  Friedrich  August,  Herzog  von  Oldenburg,  nimmt
den  Titel  „Grossherzog“  an.

1838.  Friederike  Gossmann,  berühmte  deutsche  Schauspielerin,  zu
Würzburg  geboren.

1848.  Die  Dänen  greifen  die  Deutschen  bei  Alsen  an  und
drängen  sie  bis  nach  Gravenstein.

Treffen  bei  Bardolini.

Der  österreichische  Oberst  Zobel  schlägt  lombardische  Freischaren
in  die  Flucht.

1864.  Preussen  und  Oesterreich  verlangen  in  der  Londoner  Konferenz
  die  „vollständige  Trennung  der  Herzogtümer  von  Dänemark
  und  ihre  staatliche  Vereinigung  unter  der  Souveränität
des  Erbprinzen  von  Augustenburg.

1866.  Napoleon  III.  ladet  gemeinsam  mit  den  Kabinetten  von
London  und  Petersburg  zu  einer  Friedenskonferenz  in
Paris  ein,  welche  unterbleiben  musste,  da  Desterreich  unannehmbare
  Bedingungen  stellte.

1867.  Graf  Bismarck  ladet  zu  einer  Konferenz  über  die  Zollvereinsangelegenheit
  die  süddeutschen  Minister  ein.

1872.  Sophie,  Erzherzogin  von  Oesterreich,  die  Mutter  Kaiser
Franz  Josephs,  stirbt.

1875.  Kongress  der  beiden  sozialdemokratischen  Parteirichtungen
  zu  Gotha  und  deren  Vereinigung.

Die  Vereinigung  geschah  auf  der  Basis  eines  geschickt  formulierten
Satzes,  aus  dem  sich  für  die  radikalsten  Elemente  alles  Wünschenswerte,
        <pb n="240" />
        —  230  —

für  die  zahmeren  eine  schöne  Phrase  herauslesen  lies.  Jedenfalls  hat
die  Socialdemokratie  seit  jenem  Maitage  des  Jahres  1875  eine  ausserordentlich
  stramme  und  feste  Organisation  gewonnen,  wie  solche  anderen
Parteien  zum  Muster  dienen  könnte.

1883.  Enthüllung  der  Statuen  Wilhelm  und  Alexander  von
Humboldt’s  in  Berlin.

1885.  Deutscher  Protestantentag  in  Hamburg.

 

 

39,  Mai.

1176.  Kaiser  Friedrich  I.  (der  Rotbart)  wird,  von  den  stärkeren
Lombarden  zur  Schlacht  gedrängt,  von  diesen  zwischen  Legnano
und  dem  Flusse  Ticino  vollständig  geschlagen.

Friedrich  I.  war  durch  den  kurz  vorher  erfolgten  Abfall  des
mächtigsten  Reichsfürsten,  Heinrichs  des  Löwen,  derart  geschwächt  worden,
  dass  sich  diesen  Umstand  die  Lombarden  wohlberechnet  zu  Nutzen
machten.

1453.  Die  Türken  erstürmen  unter  Anführung  ihres  kühen  Sultans
Mohammed  II.  Konstantinopel  und  zertrümmern  das  tausendjährige
  griechische  Kaisertum.

Mit  Entsetzen  vernahm  dies  das  Abendland,  und  der  Papst  rief  die
Völker  zum  heiligen  Kampfe  gegen  die  Ungläubigen  auf.  Der  deutsche
Kaiser  hatte  aber  nur  Thränen,  keine  Thatkraft,  und  die  Fürsten  liessen
es  vorläufig  nur  bei  Beratungen,  das  schwer  bedrohte  Ungarn  den  osmanischen
  Eroberungen  preisgebend.

1456.  Stiftungsbulle  Calixtus  III.  für  die  Universität  Greifswald.


1530.  Hans  Luther,  Vater  des  Reformators,  stirbt  zu  Möra  bei
Schmalkalden.

1594.  Graf  Pappenheim,  berühmter  Feldherr  während  des  dreissigjährigen
  Krieges,  geboren.
1796.  Treffen  bei  Voleggio.
Napoleon  Bonaparte  besiegt  die  Oesterreicher.

1809.  Schlacht  am  Berge  Isel.

Die  Tyroler,  unterstützt  von  einer  geringen  Anzahl  österreichischer
  Mannschaften  schlagen  die  Franzosen  und  Bayern.  „Die
Tyroler  thaten  Wunder  der  Tapferkeit  uud  der  Begeisterung,“
  schreibt  Hormayer.  „Die  Verwundeten  verschmähten  alle  Hilfe
und  wollten  nicht  vom  Kampfplatze  weggetragen  sein,  um  nicht  die  Anzahl
  der  Kämpfer  zu  vermindern.“  Das  Militär  focht  tapfer,  spielte  aber
bei  seiner  schwachen  Zahl  nur  eine  Nebenrolle.
        <pb n="241" />
        —  231  —

An  demselben  Tage  stirbt  der  berühmte  Geschichtsschreiber
Johann  von  Müller,  57  Jahre  alt,  zu  Kassel.

Seine  letzten  Worte  waren:  „Alles,  was  ist,  ist  von  Gott,  und  Alles
kommt  von  Gott!“

1813.  Die  Alliierten  ziehen  sich  aus  Hamburg  zurück.
Der  preussische  Rittmeister  Colomb  überfällt  mit  seinen
90  Husaren  an  der  fränkischen  Grenze  einen  Transport  von
18  Kanonen,  6  Haubitzen  und  40  Munitionswagen,  die  unter
bayerischer  Eskorte  zur  französischen  Armee  gehen  sollen.

Die  Geschütze  wurden  zerstört,  die  Munitionswagen  in  die  Luft
gesprengt  und  300  Gefangene  mit  fortgeführt.

1815.  Preussen  tritt  Ostfriesland  gegen  Lauenburg  an
Hannover  ab.

1822.  Vermählung  der  Prinzessin  Alexandrine  von  Preussen,
Schwester  Kaiser  Wilhelms  Il,  mit  dem  Erbgrossherzoge
von  Mecklenburg-Schwerin.

1840.  Hans  Makart,  bedeutender  Historienmaler,  zu  Salzburg
geboren.

1848.  Treffen  bei  Courtatone,  in  welchem  die  Oesterreicher
die  Piemontesen  schlagen.

ErzherzogJohann  von  Oesterreich  wird  zum  Reichsverweser
  ernannt.

1864.  In  Mailand  wird  der  Grundstein  zur  ersten  protestantischen
  Kirche  in  der  Lombardei  gelegt.

1868.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  Aufhebung
der  Schuldhaft.

1885.  Abgang  deutscher  Schiffe  nach  Zanzibar.

Der  Dichter  Alfred  Meissner  stirbt  zu  Prag.
        <pb n="242" />
        —  232  —

30.  Mai.

1416.  Hieronymus  Faulfisch  von  Prag,  ein  Freund  und  Gesinnungsgenosse
  von  Johannes  Huss,  stirbt  zu  Konstanz  den
Feuertod  mit  hochherziger  Standhaftigkeit.

Der  Scharfrichter  wollte  zu  seiner  Schonung  den  Scheiterhaufen
in  seinem  Rücken  anstecken;  doch  der  starke  Märtyrer  wehrte  ihm  dies
mit  der  Erklärung;  „wenn  ich  mich  vor  dem  Feuer  gefürchtet
hätte,  so  würde  ich  wiederrufen  haben“.  —  Laut  betend  und
singend  starb  Hieronymus  hierauf,  wie  sein  Freund  Huss.

1434.  Schlacht  bei  Hrzib,  unweit  Böhmischbrod,  in  der  Nähe
Prags,  zwischen  der  mit  den  Römisch-Katholischen  verbundenen
kalixtinischen  Königspartei  einerseits  und  der  Volks-  und  republikanischen
  Partei  der  Hussiten  anderseits.

Die  letzteren  unterlagen  trotz  heldenmütiger  Tapferkeit.  Die  beiden
Führer  Procope,  Nachfolger  von  Ziska,  fielen  in  der  Schlacht,  und  mit
ihnen  der  Kern  der  Hussiten.  Die  Trümmer  des  Heeres  stellten  sich
hierauf  bei  Lomnitz,  einer  kleinen  Stadt  zwischen  Tabor  und  Budweiss,
wohin  sie  sich  zurückgezogen  hatten,  abermals  zur  Schlacht.  Zwölf
Stunden  währte  hier  alsdann  die  Schlacht,  bis  sich  endlich  die  Hussiten
unterwerfen  mussten.

1509.  Betrügerische  Mönche  werden  zu  Bern  verbrannt.

1525.  Thomas  Münzer,  schwärmerischer  Anführer  der  aufständischen
  Bauern  zur  Zeit  der  Reformation,  wird  nebst

25  Rädelsführern  zu  Mühlhausen  nach  den  martervollsten  Folterqualen
  hingerichtet.

1527.  Eröffnung  der  Universität  Marburg.

1635.  Der  Kurfürst  von  Sachsen,  welcher,  bei  nur  einigem
Mut,  noch  sehr  wohl  im  Stande  gewesen  wäre,  die  Sache  seiner
Glaubensgenossen  aufrecht  zu  halten,  schliesst  mit  dem  Kaiser
den  Frieden  zu  Prag  ab,  wodurch  er  die  Lausitz  und  das
Erzstift  Magdeburg  erhielt.

.  „Kurbrandenburg,  Mecklenburg,  Georg  von  Braunschweig  und  mehrere
Reichsstände  traten,  „aus  Furcht  vor  dem  Kaiser“,  diesem  Frieden  bei,

vorgeblich  um  einen  „allgemeinen  Frieden  und  die  Vertreibung  der
fremden  Kriegsvölker  zu  erreichen“.

1640.  Peter  Paul  Rubens,  einer  der  grössten  Maler  aller  Zeiten,
stirbt  zu  Antwerpen,  wo  er  mit  grösster  Pracht  begraben  wurde.
1759.  Schlacht  bei  Mönchsberg  in  Sachsen.

Prinz  Heinrich  von  Preussen  siegt  über  die  östereichische
Generäle  Palffy  und  Kleefeld.
        <pb n="243" />
        —  233  —

1793.  Gefechte  bei  Bechingen  und  Wahlsheim.
1796.  Schlacht  bei  Borghetto.

Napoleon  Bonaparte  siegt  über  die  Oesterreicher.

1798.  Eröffnung  der  Separat-Unterhandlungen  zu  Selz
bei  Rastatt,  zwischen  französischen  und  kaiserlichen  Bevollmächtigten,
  um  sich  über  die  Beschwerden  Bernadottes  zu  verständigen
  und  dabei  zugleich  über  die  endliche  Vollziehung  des
Vertrags  von  Campo  Formio  zu  vereinigen.

Bernadotte,  französischer  Gesandter  in  Wien,  hatte  am  13.  April
1798  an  seinem  Hötel  eine  dreifarbige  Fahne  mit  der  Inschrift:  „französische
  Republik“  aushängen  lassen,  und  war  dieserhalb  von  den  Wienern

insultiert  worden.  Die  Sache  gütlich  beizulegen,  hatte  der  kaiserliche
Hof  die  Anregung  zu  den  Unterhandlungen  zu  Selz  gegeben.

1807.  Neisse  ergiebt  sich  nach  174tägiger  Belagerung  an  die
Franzosen.

1814.  Erster  Pariser  Frieden.

„Grossmütig,  wie  Befreier,  nicht  wie  Eroberer,  diktierten  die  Verbündeten
  den  Frieden“.  Frankreich  in  welchem  das  Königtum  für  die
bourbonische  Familie  wieder  hergestellt  worden  war,  behielt  seine  Grenzen,
wie  es  solche  vor  dem  Jahre  1792  hatte,  und  war  somit  grösser,
alses  unter  seinen  altenKönigen  gewesen  war.  Darüber
waren  alle  patriotisch  gesinnten  Männer  in  Deutschland,
welche  mit  Recht  gehofft  hatten,  dass  Frankreich  nun
endlich  seinen  alten  Raub,  Elsassund  Lothringen,  an  Deutschland
  werdezurückgeben  müssen,aufshöchsteerzürnt.  Man
sah  sich  hier  in  seinen  Hoffnungen  und  Ansprüchen  auf  Ersatz  und  Vergeltung
  bitter  getäuscht,  und  war  erbittert,  dass,  was  die  Begeisterung
und  das  Schwert  des  Volks  gewonnen  hatte,  durch  die  Politik  der
Diplomaten  „jetzt  wie  sonst  auf  Kosten  Deutschlands“  so
schmählich  wıeder  verloren  gehen  sollte.

1816.  Der  Dichter  Robert  Eduard  Prutz  zu  Stettin  geboren.
1846.  Die  kaiserliche  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Wien
gegründet.

1848.  Prinz  Wilhelm  von  Preussen  kehrt  aus  London  nach
Berlin  zurück,  welches  letztere  er  am  19.  März  zugleich  mit
den  zurückgezogenen  Truppen  verlassen  hatte.

1849.  Das  deutsche  Parlament  hört  auf  in  der  Paulskirche  zu
Frankfurt  am  Main  zu  tagen  und  verlegt  seine  Sitzungen  nach

Stuttgart.  |
Mehr  als  hundert  Abgeordnete  —  unter  ihnen  v.  Gagern,  Dahlmann,
Arndt,  Welker,  —  hatten  bereits  vorher  ihr  Mandat  niedergelegt.  —

Oesterreich  und  Preussen  hatten  ihre  Abgeordneten  von  Frankfurt  zuzückgerufen,
  und  zwar,  wider  Gesetz  und  Recht  des  Parlaments,  welches
im  Frühling  1848  beschlossen  hatte,  dass  es  allein  berechtigt  sein  solle,
Urlaub  zu  erteilen,  und  welchen  Beschluss  damals  sämmtliche  Regierungen
gutgeheissen  und  anerkannt  hatten.  Viele  Abgeordneten,  die  meisten  Beamten
  des  Parlaments  folgten  der  Abberufung,  während  die  Trümmer
des  deutschen  Parlaments  zuerst  nach  Stuttgart  und  wenige  Wochen
        <pb n="244" />
        —  234  °—

später  nach  Freiburg  im  Breisgau  flüchteten,  woselbst  alsdann  dieses
„Rumpfparlament“  Vertagung  notgedrungen  aussprach,  Welche  hohe
patriotische  Hoffnungen  gingen  mitihm  zu  Grabe!

1850.  Eine  neue  Staatsverfassung  wird  dem  preussischen
Volk  aus  eigener  Macht  des  Königs  aufgenötilgt;
gleichermassen  auch  ein  neues  Wahl-System  für  die  zweite

Kammer.

1851.  Der  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  ist  mit  dem  heutigen
Tag  wieder  als  Vertreter  des  deutschen  Fürstenbundes  ganz  ın
der  alten  Weise  wiederhergestellt.

Die  Früchte  des  achtundvierziger  Jahres  waren  somit  verloren
gegangen.

1853.  Städte-Ordnung  für  die  sechs  östlichen  Provinzen  in
Preussen.

1860.  Erlass  einer  Verfassungsurkunde  für  das  Kurfürstentum
Hessen-Kassel.

1865.  Handelsvertrag  zwischen  dem  deutschen  Zollverein
und  England.

1873.  Gesetz  betreffend  die  Erbschaftssteuer  in  Preussen.

1874.  Fischereigesetz  in  Preussen.

 

 

31.  Mai.

1080.  Die  durch  Kaiser  Heinrich  IV.  berufene  Kirchenversammlung
  zu  Mainz  entsetzt  den  Papst  Gregor  VII.  und
wählt  den  Erzbischof  Guibert  von  Ravenna  (Ulemens  III.)
zu  seinem  Nachfolger.

1307.  Schlacht  bei  Lücken,  unweit  Altenburg,  in  welcher
Kaiser  Albrecht  von  den  in  ihren  Rechten  bedrohten  Markgrafen
von  Thüringen  und  Meissen,  Friedrich  mit  der  gebissenen  Wange
und  Diezmann  geschlagen  und  aus  dem  Lande  hinausgetrieben
wird.

Der  Anschlag  Albrechts  war  vereitelt  und  „das  Glück  des  Habsburgers

  hatte  seinen  Wendepunkt  erreicht,  denn  es  traf  ihn  von  jetzt
an  Unfall  auf  Unfall.“

1441.  Mordnacht  von  Brugg  im  Aargau.
        <pb n="245" />
        —  235  —

1609.  Vergleich  zu  Dortmund  zwischen  dem  Kurfürsten  Johann
Sigismund  von  Brandenburg  und  dem  Pfalzgrafen  von  Pfalzneuburg,
  nach  welchem  diese  beiden  Erben  des  kinderlos  verstorbenen
  Herzogs  Johann  Wilhelm  von  Cleve-Berg  dessen  Lande

gemeinsam  regieren  wollen.
1642.  Schlacht  bei  Schweidnitz.

Die  Schweden  unter  Torstenson  schlagen  die  Oesterreicher  in
die  Flucht.

1653.  Fürstentag  zu  Augsburg,  auf  welchem  die  Kurfürsten
den  Sohn  des  Kaiser  Ferdinands  III,  mit  Namen  Ferdinand,
zum  römischen  König  wählten.

Derselbe  starb  schon  ein  Jahr  später.

1689.  Worms  und  Speier  werden  von  den  Franzosen  geplündert
  und  eingeäschert.

Haarsträubende  Gräuelthaten  und  Nichtswürdigkeiten  wurden

von  diesen  verwilderten  Horden  verübt,  und  darin  von  ihren  Offizieren
sogar  noch  bestärkt.

1740.  König  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preussen  stirbt;  sein

Sohn  Friedrich  II.  tritt  die  Regierung  an.

EswareineschöneHinterlassenschaft,  welche  er  antrat;
ein  Land  von  2145  Quadratmeilen  und  2486  000  Einwohnern,  ein  treffliches
  Heer  von  83000  Mann,  Einkünfte  im  Betrage  von  7371000  Thalern,
  einen  Schatz  von  8700  000  Thalern;  unddabeikeinen  Pfennig
Schulden!

1746.  Abschaffung  der  Kirchenbusse  in  Preussen  durch
Friedrich  den  Grossen.

1750.  Karl  August  Fürst  von  Hardenberg,  preussischer
Staatskanzler,  zu  Essenroda  in  Hannover  geboren.

1773.  Der  Dichter  Ludwig  Tieck,  das  Haupt  der  romantischen

Schule,  zu  Berlin  geboren.  |

1809.  Der  wackere  Schill  fällt  an  der  Spitze  seines  FreikorpsimhitzigenStrassenkampf
  zu  Stralsund,  welches
durch  die  elende  Verräterei  eines  Schurken  in  die  Hände  der

Franzosen  gerät.

Als  Schill  die  ganze  Grösse  und  Gefahr  erkennt,  ruft  er  Denen,
welche  den  zur  letzten  Rettung  Ansprengenden  auf  dem  Markte  fragen,
wohin  der  Rückzug  gehe,  die  Worte  zu:  „Wolltundkönntihreuch
retten,  so  rettet  euch;  wollt  ihr  aber  sterben,  so  sterbet
mit  mir.“  Im  gestreckten  Galopp  stürzt  Schill  hierauf  in  den  feindlichen
  Haufen  und  haut  den  französisch-holländischen  General  Carteret
vom  Pferde.  Aus  Schusswunden  und  Säbelhieben  verblutend,  hauchte
Schill  seine  Heldenseele  aus.  |

An  demselben  Tage  stirbt  zu  Wien  der  grosse  Komponist

der  „Jahreszeiten“,  Joseph  Haydn.
Um  die  Inustrumentalmusik  hat  er  sich  durch  Erweiterung  der  Formen,
  Ausbau  des  Orchesters,  die  höchsten  Verdienste  erworben.

1813.  Der  russische  General  Czernitscheff  überfällt  bei  Halberstadt
einen  für  die  französische  Armee  bestimmten  Transport  unter
dem  Befehl  des  westfälischen  Generals  Ochs,  und  erbeutet  nach
heftigem  Widerstand  14  neue  Kanonen,  60  Pulverwagen  und
        <pb n="246" />
        —  236  —

800  Trainpferde,  und  macht  1000  Soldaten,  10  Offiziere  und
selbst  den  General  Ochs  zu  Gefangenen.  Die  Uebrigen  retten
sich  durch  die  Flucht.

Nach  kurzen  Kämpfen  und  Beschiessung  der  Stadt  besetzen
dänische  und  französische  Truppen  unter  Marschall
Davoust  Hamburg.

1817.  Georg  Herwegh,  Dichter,  zu  Stuttgart  geboren.
1834.  Preussen  erwirbt  das  Fürstentum  Lichtenberg.
1848.  Slavenkongress  in  Prag.

Derselbe  wird  durch  den  Strassenkampf  vom  11.  Juni  und  das
Bombardement  vom  15.  Juni  aufgehoben.

1849.  Gefecht  bei  Heppenheim  an  der  Bergstrasse  zwischen
hessendarmstädtischen  Truppen  und  den  Sigelschen  Freischaaren.
An  demselben  Tage  siegen  die  Preussen  über  die
Dänen  bei  Aarhus.
1851.  Enthüllung  des  Reiterstandbildes  Friedrichs  des
Grossen  zu  Berlin.

1859.  Treffen  an  der  Sesia-Brücke.

Die  Franzosen  unter  Marschall  Canrobert  siegen  über  die  Oesterreicher
  unter  Zobel.

1861.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  verwilligt  die
Kosten  der  Heeres-Reorganisation,  jedoch  nur  —  trotzdem
  die  ministeriell  gesinnten  Abgeordneten  die  Majorität  bildeten,

—  „im  Extraordinarıium‘“,  also  bloss  für  das  laufende  Jahr.

Die  Demokratische  Partei  verwarf  überhaupt  jede  Vermehrung
  des  Linienmilitärs  und  sah  in  der  „Reorganisation“  nur  eine  beabsichtigte
  Stärkung  des  absolutistischen  \Vesens,  während  die  meisten
Konstitutionellen  jenes  Werk  des  Königs  gleichsam  als  „Entgelt  für
liberaleReformen  auf  anderemGebiete“verwilligthaben
wollten.

1867.  Die  Verfassung  des  norddeutschen  Bundes  wird  im  preussischen
  Abgeordnetenhause  in  zweiter  Lesung  angenommen.
1868.  Die  Wormser  Protestantenversammlung  weist  die

päpstliche  Einladung  zum  Konzile  zurück.
1869.  Wahlgesetz  für  den  Reichstag  des  norddeutschen  Bundes.
1870.  Strafgesetz  des  norddeutschen  Bundes.
1872.  Friedrich  Gerstäcker,  Reisender  und  Schriftsteller,  stirbt
zu  Braunschweig.

In  seinen  zahlreichen  Romanen  schildert  er  die  Sitten  fremder,
meist  halbwilder  Völker  mit  vieler  Anschanlichkeit.

1875.  Gesetz  wegen  Ausschliessung  der  geistlichen
katholischen  Orden  in  Preussen.

1878.  Untergang  des  preussischen  Kriegsschiffes  „Grosser  Kurfürst”
  bei  Folkestone  an  der  englischen  Küste.
        <pb n="247" />
        _  2370  —

1.  Juni.

gi

1422.  Bürger  von  Speyer  zerstören  das  Kloster  auf  dem  St.
Gremonsberg.

1527.  Eröffnung  der  Universität  Marburg  durch  den  Landgrafen
  Philipp  den  Grossmütigen  von  Hessen,  —  die  erste
protestantische  Stiftung  in  Deutschland.

1659.  Die  Brandenburger  erobern  die  Insel  Fanöe.

1694.  Stiftung  der  Universität  Halle  a.  d.  Saale  durch
Kurfürst  Friedrich  III.

1744.  Ostfriesland  wird  von  Preussen  in  Besitz  genommen.

Christian  Gotthilf  Salzmann,  der  berühmte  Stifter
des  Erziehungsinstituts  zu  Schnepfenthal,  zu  Sömmerda  im  Erfurtschen
  geboren.

1773.  Definitivtraktat  zwischen  Christian  VII.  von  Dänemark
und  dem  Grossfürsten  Paul  von  Russland.  Auf  Schleswig
verzichtet  das  Haus  Holstein-Gottorp,  welches  nunmehr
  als  „deutsche  Lande“  dänische  Provinz  wird.

1796.  Treffen  bei  Siegburg.

Die  Franzosen  unter  Kleber  schlagen  die  Oesterreicher.

1806.  Preussen  giebt  zum  ersten  Mal  Papiergeld,  die  „Tresorscheine‘,
  aus.

1808.  Aufhebung  der  Leibeigenschaft  und  persönlichen
Unterthänigkeit  für  die  Leibeigenen  und  Hörigen  auf  den  Gütern
und  Domänen  der  preussischen  Krone  und  deren  Gleichstellung
  in  allen  bürgerlichen  Rechten  mit  dem  übrigen  Volke.

1815.  Alexander  Berthier,  Fürst  von  Neufchatel  und  Valengin,
Herzog  von  Wagram,  französischer  Marschall,  endet  zu  Bamberg
durch  einen  Sturz  aus  einem  Fenster  im.  dritten  Stock  des
Schlosses  gewaltsam  sein  Leben,  in  dem  Angenblicke,  als  eine
starke  Kolonne  russischer,  gegen  die  französische  Grenze  marschierender
  Truppen  mit  ihrer  Feldmusik  in  die  Stadt  einzogen.

1831.  Der  magnetische  Nordpol  entdeckt.
1840.  Säcularfeier  der  Thronbesteigung  Friedrichs  des

Grossen  und  Grundsteinlegung  zu  seinem  Denkmal  in
Berlin.
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        —  233  —

1846.  Papst  Gregor  XVI.  (1831—1846)  stirbt.
1862.  Militär-Konvention  zwischen  Preussen  und  Koburg-Gotha.


1866.  Bruch  zwischen  Preussen  und  Oesterreich,  welch
letzteres  bereits  seine  militärischen  Rüstungen  gegen  Ende  des
Monats  Mai  soweit  vollendet  glaubte,  um  es  mit  dem  preussischen
Staate  aufnehmen  zu  können.

Mit  Verletzung  des  Gasteiner  Vertrags  vom  14.  August
1865,  in  welchem  Preussen  die  alleinige  Verwaltung  Schleswigs  und  in
Holsteiu  die  Herrschaft  über  den  Kieler  Hafen  etc.  zuerkannt  worden
waren,  überweist  der  Kaiser  von  Oesterreich  heute  die
Entscheidung  über  Schleswig-Holstein  dem  deutschen
Bunde,  und  beruft  vier  Tage  später  sogar  die  holsteinische  Ständeversammlung
  ein.  Solchem  Vorgehen  gegenüber  suchte  Preussen  sein
Mitbesitzrecht  zu  wahren  und  antwortete  schon  am  7.  Juni  mit  dem
Einrücken  seiner  Truppen  in  Holstein,  was  Oesterrich  andererseits  wieder
veranlasste,  bei  dem  ohnmächtigen  Bundestage  den  Antrag  zu  stellen,
gegen  Preussen  das  Bundesheer  mobil  zu  machen.  Dies  geschah  am
11.  Juni  und  schon  am  14.  Juni  wurde  mit  neun  Kurialstimmen  gegen
sechs  die  „Bundesexekution“  gegen  Preussen  beschlossen.

Der  Kronprinz  von  Preussen  wird  zum  Gouverneur

von  Schlesien  ernannt.

1867.  Schlussberatung  über  die  Verfassung  des  norddeutschen
  Bundes  ım  preussischen  Herrenhause.  —  Einstimmige
Annahme  in  erster  Lesung.

Vertagung  beider  Häuser  bis  zum  21.  Juni.
1869.  Der  Postvertrag  Preussens  mit  Rom  tritt  in  Kraft.

1870.  Gesetz  des  norddeutschen  Bundes  über  Jie  Abgaben
von  der  Flösserei;  —  desgleichen  über  die  Erwerbung  und
den  Verlust  der  Bundes-Staatsangehörigkeit.

1871.  Statut  der  Kaiser-  Wilhelm-Stiftung.

1873.  Gesetz  im  deutschen  Reichstag  über  die  Kriegsleistungen
der  Gemeinden  bei  Mobilmachung.

1876.  Rudolf  Delbrück,  Präsident  des  Reichskanzleramts,  erhält
  die  erbetene  Entlassung.

1877.  Der  Magistrat  von  München  verbietet  die  Abhaltung
  einer  Öffentlichen  Prozession  zu  Ehren  des
Papstjubiläums,  wegen  der  feindseligen  Haltung
des  Papstes  gegen  das  deutsche  Reich.

1878.  Kongress  des  Weltpostvereins  in  Paris.
1879.  Karl  Giskra,  österreichischer  Staatsmann,  stirbt.

1882.  Eröffnung  der  Gotthardbahn  für  den  allgemeinen
Verkehr.
        <pb n="249" />
        —  239  —

2,  Juni.

455.  Erstürmung  Roms  durch  die  Vandalen,  unter
ihrem  Heldenkönig  Geiserich.

Neuere  Geschichtsforschungen  haben  ergeben,  dass  das  vielverbreitete
  Wort  „hausen  wie  die  Vandalen“  und  das  andere  in  Bezug
auf  Kunstschätze  „Vandalische  Barbarei  und  Zerstörungswut“,
  ganz  besonders  in  Bezug  auf  Roms  Einnahme  durch  die  Vandalen,
keine  Rechtfertigung  findet.  Thatsächlich  haben  sie  Roms  Kunstgebäude
und  Kunstschätze  geschont  und  nicht  zerstört  oder  verstümmelt.

768.  Waifer,  Herzog  von  Aquitanien,  wird  auf  Anstiften  des
Frankenkönigs  Pipin,  im  Schlaf  überfallen  und  ermordet.

Acht  volle  Jahre  verteidigte  Waifer  seine  und  seines  Volkes  Unabhängigkeit
  gegen  die  ganze  Macht  des  Frankenreichs  und  sein  Volk
erlag  erst,  als.  durch  eine  verräterische  Gräuelthat  es  seines  grossen
Feldherrn  beraubt  worden  war.

1084.  Kaiser  Heinrich  IV.  erstürmt  Rom  und  belagertden
Papst  Gregor  VII.  in  der  Engelsburg.

1467.  Vertrag  zwischen  der  Witwe  des  Landgrafen  Hesso  von
Leiningen  und  Kurfürst  Friedrich  Il.  von  der  Pfalz,
wodurch  Kurpfalz  zwanzig  Ortschaften  gewinnt.

1525.  Schlacht  bei  Königshofen.

Die  aufrührerischen  Bauern  werden  besiegt.

1536.  Papst  Paul  III.  schreibt  eine  Kirchenversammlung,  aber  erst
für  das  folgende  Jahr,  nach  Mantua  aus.

Der  zwischen  Kaiser  Karl  V.  und  seinem  alten  Feinde,  Franz  |.
von  Frankreich,  ausgebrochene  Krieg  rechtfertigte  diese  Verzögerung
dem  Kaiser  gegenüber,  welcher  wiederholt  und  dringend  nach  einer
Synode  verlangte.

1694.  Eröffnung  des  Halle’schen  Waiserhauses.

1758.  Prinz  Ferdinand  von  Braunschweig  setzt  bei  Emmerich
über  den  Rhein  und  schlägt  die  Franzosen  in  offener  Feldschlacht
  bei  Crefeld.

„Ueberall  flohen  die  übermächtigen  Franzosen  vor  den  schwachen
Haufen  des  Braunschweigers,  ja  ihre  Bestürtzung  stieg  so  sehr,  dass
ihnen  schon  das  Innere  von  Frankreich  in  Gefahr  zu  sein  dünkte.“

1794.  Einführung  des  allgemeinen  Landrechts  in  Preussen.
1800.  Napoleon  Bonaparte  besetzt  Mailand.

1806.  Alexander  von  Soiron  in  Mannheim  geboren.

Er  war  ein  gewaltiger  Redner,  nach  Eröffnung  der  Frankfurter
Nationalversammlung  wurde  er  zum  ersten  Vizepräsidenten  gewählt  und
behielt  diese  Stelle  bis  Oktober  1848.
        <pb n="250" />
        —  1109  —

1826.  Einführung  der  Kirchenagende  in  Preussen.

1848.  Allgemeiner  Slavenkongress  zu  Prag.

Während  des  Kongresses  erhob  sich  die  tschechische  Partei  der
Stadt  in  offenem  Aufruhr,  welchen  der  Fürst  Windischgrätz  am  15.  und
16.  Juni  mit  Waffengewalt  unterdrückte.

1849.  Grosses  Gefecht  bei  Bruchsal  zwischen  preussischen
Truppen  und  badischen  Insurgenten.

1850.  Das  sogenannte  „Londoner  Protokoll”  entscheidet  über
das  Scekicksal  der  Herzogtümer  Schleswig-Holstein.

Dank  der  diplomatischen  Intervention  Englands  und  Russlands
wurde  es  im  Interesse  des  europäischen  Gleichgewichts  erachtet,
  die  Herzogtümer  bei  Dänemark  zu  belassen.

1852.  Gesetz  wegen  Besteuerung  der  Presse  in  Preussen.

1853.  Die  diplomatischen  Beziehungen  zwischen  Russland  und
Preussen  werden  abgebrochen.

1864.  Dänemark  verwirft  die  Vorschläge  der  Londoner  Konferenz.


1865.  Karl  Georg  von  Raumer,  Schriftsteller,  stirbt.

1866.  Freiherr  von  der  Heydt  wird  zum  Finanzminister  ernannt,
  nach  vorhergegangener  Entlassung  des  preussischen
Finanzministers  von  Bodelschwingh.

1870.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  begiebt  sich  in  Begleitung
des  Grafen  Bismarck  nach  Bad  Ems,  um  seinem  dort  zur  Kur
weilenden  Neffen,  Kaiser  Alexander  II.  von  Russland,  seinen
ihm  in  Berlin  abgestatteten  Besuch  zu  erwidern.

1878.  Attentat  auf  Kaiser  Wilhelm  I.  durch  Nobiling  aus
dem  Hause  Unter  den  Linden  17  18  zu  Berlin.

1880.  Verlobung  des  Prinzen  Wilhelm  von  Preussen  mit  der
Prinzessin  AugustaViktoria  von  Schleswig-Holstein-Augustenburg
  in  Babelsberg.

1881.  Graf  Ferdinand  von  Eulenburg,  preussischer  Minister,
gestorben.

18585.  Fürst  Karl  Anton  von  Hohenzollern-Sigmaringen
stirbt  74  Jahre  alt.

Bischof  Roos  von  Limburg  wird  zum  Erzbischof  von
Freiburg  (Baden)  gewählt.
        <pb n="251" />
        —  241  —

3.  Juni.

ey

1083.  Kaiser  Heinrich  IV.  erobert  nach  siebenmonatlicher  Belagerung
  Rom.

Dies  ward  durch  die  Klugheit  eines  unternehmenden  Knappen
möglich,  welcher  in  heisser  Mittagsstunde  sich  an  die  Mauer  der  Leostadt
  schliech,  ausspionierte,  dass  alle  Wächter  auf  derselben  im  Mittagschlafe
  lagen  und  die  königlichen  Kriegsmannen  heranwinkte,  dass  sie
die  Mauern  erstiegen  und  die  Leostadt  überrumpelten.  Papst  Gregor  VII.
hielt  aber  noch  immer  die  Engelsburg,  die  Tiberinsel  und  die  Stadt  auf
dem  linken  Tiberufer.  Erst  am  21.  März  1084  kam  das  ganze  Rom  in
Besitz  Heinrich  IV.

1098.  Antiochia  wird  von  den  Kreuzfahrern  unter  Gottfried  von

Bouillon  erobert.
1547.  Vertrag  zu  Heilbronn.

Herzog  Ulrich  von  Württemberg  scheidet  aus  dem  schmalkaldischen
Bunde  aus.

1562.  Auszug  der  niederländischen  Exulanten  aus  Frankfurt
a.  M.  nach  Frankenthal  in  der  Rheinpfalz.

1692.  Die  Deutschen  nehmen  Gross-  Wardein.

1734.  Einschränkung  der  katholischen  Prozessionen  im  Herzogtum
  Zweibrücken.

1740.  Abschaffung  der  Folter  in  Preussen  durch  Friedrich
den  Grossen.

1799.  Erzherzog  Karl  greift,  nachdem  er  sich  mit  dem  General
Hotze  vereinigt  hatte,  die  Franzosen  bei  Zürich  an  und
setzt  die  Angriffe  trotz  des  lebhaftesten  Widerstandes  Massena’s
in  den  folgenden  Tagen  mit  der  grössten  Tapferkeit  fort.

1803.  Vertrag  zu  Suhlingen,  welcher  den  Franzosen  die
hannöverischen  Lande  bis  an  die  Elbe  überliefert.

Dies  war  nur  das  Vorspiel  der  geplanten  Besitznahme  von  ganz
Hannover,  denn  Bonaparte  verweigerte  die  Genehmigung  dieses  Vertrags
und  befahl  seinen  Generälen  weiteres  Vorrücken.  Dieser  Uebermut
bestärkte  jedoch  die  tapfere  hannoveranische  Armee,  welche  sich  in  das
Lauenburgische  zurückgezogen  hatte,  in  dem  Entschlusse  eines  mannhaften
  Widerstandes,  woran  sie  jedoch  durchdiefeige  Landesbehörde
  verhindert  wurde.  M

1805.  Johann  HeinrichPestalozzi,  der  verdienstvolle  Demokrat
und  Wohlthäter  der  Menschheit,  eröffnet  sein  berühmtes
Erziehungs-Institut  zu  Ifferten,  im  Schweizer-Canton
Waadt,  dessen  Regierung  ihm  zu  diesem  Zwecke  das  dortige

alte  Schloss  eingeräumt  hatte.
16
        <pb n="252" />
        —  242  —

1814.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  dankt  von
Paris  aus  seinem  Volke  und  Heer  für  die  grossen  Opfer,  welche
sie  für  die  Befreiung  des  Vaterlandes  von  der  Fremdherrschaft
gebracht  haben.  —  Gleichzeitig  erfolgte  als  Anerkennung  für
die  rühmlichen  Verdienste  des  Gelingens  dieser  Befreiung  die
Standeserhöhung  von  Blücher  (Fürst  von  Wahlstadt),  Hardenberg
  (Fürst),  York  (Graf  von  Wartenburg),  Bülow  (Graf  von
Dennewitz),  Tauenzien  (Graf  von  Wittenberg)  und  Gneisenau
  (Graf).

Eduard  von  Möller,  preussischer  Staatsmann,  von  1871
bis  1879  Oberpräsident  von  Elsass-Lothringen,  zu  Minden  geboren.

1839.  Paul  Lindau,  Schriftsteller  und  Verfasser  mehrerer  Dramen
und  Lustspiele,  zu  Magdeburg  geboren.

1859.  Gefecht  bei  Robechetto.
Die  Franzosen  unter  Mac  Mahon  schlagen  die  Oesterreicher.
1867.  Berliner  Zollkonferenz,  zwischen  Bismarck  und  den
süddeutschen  Ministern,  welche  2  Tage  andauerte  und  die  Einführung
  eines  Zollparlaments  ergab.

Das  „Zollparlament  sollte  neben  den  297  Mitgliedern  des  norddeutschen
  Reichstags  aus  85  Mitgliedern  der  süddeutschen  Staaten
bestehen.

Die  hessische  ll.  Kammer  verlangt  den  Eintritt  des
ganzen  Grossherzogtums  in  den  norddeutschen  Bund.
1871.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  mit  grosser  Mehrheit  das
Gesetz  betr.  Elsass-Lothringen  an.
1875.  Georg  von  Vincke,  deutsches  Parlamentsmitglied  und
Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,  stirbt.
1876.  Gesetz  über  die  evangelische  Kirchenverfassung  in
Preussen.
1885.  Der  deutsche  Kronprinz  und  Prinz  Wilhelm  von
Preussen  treffen  in  Königsberg  ein.
Die  deutsche  Kreuzerkorvette  „Augusta“  im  Cyklon
mit  Mann  und  Maus  zu  Grunde  gegangen.

1887.  Grundsteinlegung  zum  Nord-Östseekanal.
        <pb n="253" />
        —  23  —

4.  Juni.

1039.  Kaiser  Konrad  II.,  der  Salier,  stirbt  mit  vollem  Bewusstsein
zu  Utrecht,  wo  er  sich,  schon  krank  aus  Italien  zurückkehrend,
Erholung  gönnen  wollte.

Seine  Eingeweide  wurden  zu  Utrecht,  seine  Leiche  im  Dom  zu
Speyer,  welchen  er  gegründet  hatte,  beigesetzt.

1133.  Kaiser  Lothar  II.  wird  in  Rom  mit  seiner  Gemahlin  durch
den  von  ihm  mit  Waffengewalt  zurückgeführten  Papst  Innocenz  11.

gekrönt.

Der  Gegenpapst  Anaklet  behauptete  sich  währenddessen  aber
im  Besitz  der  Engelsburg,  sowie  der  Peterskirche  und  die  Lage  Lothars
war  so  unbehaglich,  ja  selbst  gefährlich,  dass  er  nach  der  Krönung
wieder  Rom  und  Italien  eiligst  verliess.

1234.  Niederlage  der  Stedinger  durch  die  Kreuzheere  bei
Altenesch.

1520.  Ulrich  von  Hutten  richtet  von  der  Ebernburg  aus  seinen
ersten  Brief  an  Luther.

1525.  Die  rebellischen  Bauern  erleiden  bei  Ingolstadt  eine
totale  Niederlage.  |

1531.  Zusammenkunft  der  schweizer  u.  sächsischen  Theologen
in  Frankfurt  a.  M.,  um  sich  gegen  die  Papisten  zu  verbinden.

1547.  Moritz  von  Sachsen  erhält  vom  Kaiser  Karl  V.  die  Kurwürde
  und  einen  grossen  Teil  der  Ernestinischen  Erblande
übertragen.

1642.  Der  Barfüssermönch  und  spätere  Hofprediger  zu  Wien,  Ulrich
Megerle,  mit  seinem  Ordensnämen  „Abraham  a  sancta
Clara“  geheissen,  zu  Krähenheimstetten  in  Schwaben  geboren

Jean  Paul  Friedrich  Richter  sagt  von  ihm:  „Megerle’s  Grab
trüge  gewiss  einen  Lorbeerbaum,  wäre  es  in  England  gemacht  worder
und  seine  Wiege  vorher;  ihm  schadete  nichts,  als  das  Jahrhundert  und
ein  dreifacher  Ort,  Deutschland,  Wien  und  Kanzel“.

1680.  Magdeburg  kommt  als  erbliches  Herzogtum  zum  Ersatz

für  Vorpommern  an  das  Haus  Brandenburg.

1745.  König  Friedrich  II.  von  Preussen  schlägt  bei  Hohenfriedberg
  die  österreichisch-sächsische  Armee  vollständig,  obgleich
  sie  in  grosser  Uebermacht  ihm  gegenüber  gestanden.

An  diesem  Tage  war  es,  dass  der  verwegene  General  Gessler  an
der  Spitze  des  Dragonerregiments  „Baireuth“  wie  ein  Sturmwind  auf  die
österreichische  Infanterie  stürzte,  zwanzig  Bataillone  zersprengte,  67
        <pb n="254" />
        —  24  —

Fahnen  erbeutete.  Aber  auch  alle  anderen  Truppenteile  der  Preussen
bedeckten  sich  mit  Ruhm;  der  Sieg  war  eben  so  sehr  ein  Werk  der
Tüchtigkeit  des  Heeres,  als  der  überlegenen  Kriegskunst  des  königlichen
Feldherrn.  Der  Verlust  der  Preussen  betrug  5000  Mann,  der  der  Verbündeten
  16000,  darunter  7000  an  Gefangenen.

1796.  Treffen  bei  Altenkirchen,  in  welchem  die  Franzosen
einige  Vorteile  erfochten  hatten,  und  dadurch  ermutigt,  die

Oesterreicher  bei  Wetzlar  angriffen.

Da  aber  unterdessen  Erzherzog  Karl  von  Mainz  herbeigeeilt  war,
so  wurde  der  Angriff  so  nachhaltig  zurückgeschlagen,  dass  General
Jourdan  sich  genötigt  sah,  über  Düsseldorf  auf  das  linke  Rheinufer

zurückzugehen
1799.  Erzherzog  Karl  schlägt  die  Franzosen  bei  Zürich.
Einschiffung  Alexander  von  Humboldts  nach  Amerika.

1800.  Massena  übergiebt  Genua  nach  langer  Belagerung  an  die
Öesterreicher.

1803.  Die  Franzosen  besetzen  in  Folge  der  tags  vorher  abgegeschlossenen
  Konvention  von  Suhlingen  Hannover.

1807.  Gefecht  bei  Rotwallersdorf.

Die  Preussen  schlagen  die  Franzosen.

1813.  Der  preussische  General  Bülow,  der  mit  ausgezeichnetem
Geschick  in  der  Mark  die  Landwehr  zu  organisieren  verstand
und  Berlin  ruhmvoll  gegen  französische  Angriffe  schützte,  schlägt
bei  Luckau  mit  nur  15000  Mann  den  viel  stärkeren  französischen
Marschall  Oudinot  und  zwingt  ihn  zum  fluchtartigen  Rückzug.

Ueber  500  Gefangene,  viele  Munitionswagen  und  eine  Kanone
blieben  in  der  Gewalt  der  Preussen.  Fast  2000  Mann  an  Toten  und
Verwundeten  büsste  der  französische  Marschall  ein.  Die  Preussen  zählten
  700  Tote  und  Verwundete.

An  demselben  Tage  wird  zwischen  Napoleon  und  den
Verbündeten  ein  Waffenstillstand  zu  Poischwitz  bis  zum
6.  Juli  vereinbart  und  abgeschlossen.

Napoleon,  der  das  gefährliche  des  Krieges  mit  dem  preussischen,
vielleicht  bald  mit  dem  ganzen  deutschen  Volke  erkannt  haben  mochte,
hatte  selbst  den  Waffenstillstandgewünscht  und  angetragen
und  legte  sich  nun  aufs  Unterhandeln.

1814.  Zwischen  Oesterreich  und  Bayern  kommt  behufs  Vollziehung
  des  Rieder  Traktats  (8.  Oktober  1813)  ein  näherer
Vertrag  zu  Stande,  durch  welchen  Bayern  an  Oesterreich  Tyrol
und  Vorarlberg,  das  Inn-  und  Hausruckviertel  abtrat  und  dafür

Würzburg  und  Aschaffenburg  und  das  Amt  Redwitz  erhielt.
1815.  Friede  zwischen  Preussen  und  Dänemark  zu  Wien.
Preussen  tritt  Lauenburg,  jedoch  mit  Beibehaltung  der

Landesrechte  und  Privilegien,  gegen  Pommern  und  Rügen
an  Dänemark  ab.

Der  König  von  Sachsen  kehrt  nach  Dresden  zurück.

1822.  Franz  Gustav  Duncker,  Verlagsbuchhändler  und  Parlamentarier,
  zu  Berlin  geboren.
        <pb n="255" />
        —  245  —

1831.  Leopold,  Prinz  von  Sachsen-Koburg,  wird  trotz  des  Protestes
des  katholischen  Klerus  mit  142  von  196  Stimmen  zum  König
der  Belgier  gewählt.

1849.  Der  österreichische  General  Jellachich  verdrängt  die  Ungarn
unter  Perczel  aus  Titel.

1855.  Auflösung  der  resultatlosen  Wiener  Friedens-Konferenzen.


1859.  Schlacht  bei  Magenta  und  im  Thalgrunde  des
Tieino;  Oesterreich  und  das  mit  Napoleon  III.  verbündete
Sardinien  im  Kampf.

Auf  jeder  Seite  waren  etwa  80000  Mann  im  Gefecht;  der  Kampf
war  äusserst  hartnäckig  und  währte  bis  in  die  Nacht;  die  Oesterreicher
kämpften  mit  einer  Vortrefllichkeit  und  Ausdauer,  welche  ihnen  bei
bessererFührungunzweifelhaftdenSieggebrachthätten,
zuletzt  aber  siegte  die  überlegene  Kriegskunst  der  Franzosen.  Das
österreichische  Heer  zog  sich  mit  beträchtlichem  Verluste,  aber  in
musterhafter  Ordnung  zurück;  es  hatte  6000  Tote  und  Verwundeten
  und  4000  Gefangene  (meistens  Italiener  und  Ungarn)  in  seinen
Verlustlisten  zu  verzeichnen.

1866.  Graf  Bismarck  erklärt  den  auswärtigen  Mächten,  dass
Oesterreich  den  Krieg  provociere.

1873.  Die  Delegierten  der  altkatholischen  Gemeinden
(22  Priester  und  55  Laien-Deputierte),  wählen  zu  Köln  den
Professor  Reinkens  zu  ihrem  Bischof,  der  sodann  auch  vom
Staate  anerkannt  wurde  und  seinen  Sitz  in  Bonn  nimmt.

1875.  Der  schwäbische  Dichter  Eduard  Mörike  stirbt.

Seine  Felder  waren  vorzugsweise:  Lied,  Märchen  und  Idylle;  innerhalb

  dieser  Gebiete  bewegt  sich  auch  sein  Roman  „Maler  Nolten‘“  (1832),
womit  er  den  epischen  Lorbeer  gewann.

1878.  Der  deutsche  Kronprinz  wird  infolge  der  Verwundung

des  Kaisers  durch  das  zweite  Attentat  zum  Stellvertreter

ernannt  und  tritt  diese  Stellung  am  5.  Juni  an.
        <pb n="256" />
        —  246  —

5.  Juni.

755.  Der  heilige  Bonifacius,  Apostel  der  Deutschen,  wird  auf
seiner  apostolischen  Reise  zur  Bekehrung  der  ungläubigen  Friesen
bei  Dockum,  unweit  Leuwarden,  wo  er  auf  offenem  Felde  Zelte
aufschlagen  liess,  von  bewaffneten  Barbaren  überfallen  und  nebst
seinen  Begleitern  erschlagen.

Er  war  ungefähr  75  Jahre  alt  geworden.  Sein  Leichnam  ward
nach  Utrecht,  dann  nach  Mainz  und  zuletzt  nach  Fulda  gebracht.

860.  Friede  zu  Koblenz  zwischen  Karl  dem  Kahlen  und
Ludwig  dem  Deutschen.

1288.  Schlacht  bei  Worringen.

Herzog  Johann  I.,  der  Siegreiche,  von  Brabant  schlägt  den  Grafen
von  Geldern  und  den  Erzbischof  Siegfried  von  Köln;  —  letzterer  wird
gefangen.

1290.  Die  vom  deutschen  König  Rudolf  von  Habsburg  belagerte
Stadt  Besaneon  in  Burgund,  ergiebt  sich  erst,  als  dieser  ıhr
eine  Vertragsurkunde  ausfertigt,  worin  er  sich  verpflichtet,
„den  Bürgern  dieser  Stadt  ohne  ıhre  einhellige  Zustimmung
niemals  eine  Steuer  irgend  welcher  Art  aufzulegen.“

1415.  Johannes  Huss,  dem  Kaiser  Siegmund  volle  Sicherheit  in
Konstanz  und  ungefährdete  Hin-  und  Rückreise  gewährleistet
und  der  nichtsdestoweniger  dorten  seit  dem  28.  November  1414
im  Kerker  zu  schmachten  hatte,  erscheint  zum  ersten  Mal  vor
der  Kirchenversammlung.

Anfangs  wollte  man  den  Reformator  verurteilen,  ohneihn  gehört
zu  haben;  nur  dem  böhmischen  und  polnischen  Adel  hatte  es  Huss
zu  danken,  dass  der  tief  gesunkene  Kaiser  Sigismund  ihm  ein  öffentliches
Verhör  —  sechs  Monate  nach  seiner  Einkerkerung!  —  gewährte.  Doch
war  das  Verfahren  keine  gerichtliche  Verhandlung,  sondern  ein  leidenschaftliches
  Parteigetümmel.  Als  Huss  um  einen  Verteidiger  bat,  schlug
das  Ketzergericht,  das  man  aus  der  Kirchenversammlung  gebildet  hatte
denselben  ihm  „als  einen  Ketzer“  ab,  ebenso  wurde  ihm  die  gewünschte
Bibel,  um  daraus  die  Beweisstellen  für  seine  Lehre  lesen  zu  können
verweigert.  Und  als  er  selbst  zu  seiner  Verteidigung  das  Wort  nehmen
wollte,  erhoben  die  Gegner  ein  solches  Geschrei,  dass  man  seine  Rechtfertigung
  nicht  hören  konnte.  „Es  war  eine  elende  Confusion
und  Betäubung,“  sagt  ein  Augenzeuge.

1546.  EröffnungdesReichstageszu  Regensburg,  an  welchen
Karl  V.  zugleich  die  Aufforderung  richtet,  ihm  Vorschläge  zur

endlichen  entscheidenden  Beilegung  der  Religions-Zwistigkeit  zu
machen.
        <pb n="257" />
        ”  —  249  —

Die  katholischen  Stände  gaben  sogleich  der  kaiserlichen  Aufforderung
  Folge,  indem  sie  erklären,  dass  das  Konzilium  in  Trident  den
Religionsstreit  entscheiden  und  die  Reichsgewalt  die  Protestanten  zur
Unterwerfung  unter  die  Beschlüsse  jener  Synode  zwingen  möge.  Die
Protestanten  erklärten  hiergegen,  dass  sie  sich  den  Beschlüssen  des
Konzils  keineswegs  im  Voraus  unterwerfen  könnten,  dasselbe  überhaupt
auch  in  religiösen  Dingen  nichts  zu  befehlen  habe.  Da  beschloss  Kaiser
Karl  den  Krieg,  verbündete  sich  dazu  mit  dem  Papste,  der  Geld  und
Hülfstruppen  versprach  und  erklärte  die  Weigerung  der  Protestanten,
sich  dem  Konzil  zu  unterwerfen,  für  „frevelhafte  Verachtung  der  kaiserlichen
  Majestät.“

1568.  Graf  Egmond,  Fürst  von  Gavre,  stirbt.

Er  war  Statthalter  der  Provinz  Flandern  und  Artois.  Er  war
streng  katholisch,  ward  von  Alba  verhaftet  und  vom  Blutrate  mit  seinem
Vetter,  Graf  Hooın,  als  Hochverräter  zum  Tode  verurteilt  auf  dem
Marktplatz  zu  Brüssel  enthauptet.

1619.  Graf  Thun  erscheint  vor  Wien,  um  den  österreichischen
Ständen,  welche  dem  Kaiser  Ferdinand  nicht  huldigen  wollten,
bevor  er  nicht  den  Religionsbeschwerden  abgeholfen  habe,  beizustehen.


Es  kommt  zur  Belagerung;  Abgeordnete  der  Protestanten  dringen
gewaltsam  in  das  kaiserliche  Gemach  und  verlangen  die  Unterschrift
des  Kaisers  und  als  dieser  zögert,  fasst  ihn  einer  von  ihnen  an  der  Brust
und  ruft  ihm  drohend  zu:  „Nandl,  willst  Du  bald  unterschreiben?!“
  —  Da  ertönt  plötzlich  Trompetenschall  im  Schlosshof;  der
Kaiser  ist  gerettet.

1757.  Gefecht  bei  Kuttenberg;  die  Preussen  schlagen  die
Oesterreicher.
1783.  Stephan  und  Joseph  Montgolsier  erproben  zum  ersten
Mal  den  Luftballon.
1800.  Hitziges  Treffen  beiIllerreichheim  und  Guttenzell
zwischen  Bayern  und  Franzosen.
Treffen  bei  Kirchberg.

Die  Franzosen  unter  Ney  schlagen  die  Oesterreicher.
1801.  Der  Dichter  Karl  Egon  Ebert  zu  Prag  geboren.

1814.  Adolf  von  Glümer,  preussischer  General,  zu  Lengefeld
im  Eichsfeld  geboren.

1817.  Bayern  schliesst  mit  dem  Papste  ein  Konkordat
ab,  wonach  dem  Könige  dieErnennung  derBischöfe,
Dekane  und  der  Besetzung  der  in  den  Papstmonaten
(Januar,  März,  Mai,  Juli,  September  und  November)  erledigten
Kanonikate  mit  der  Gerichtsbarkeit  über  die  Geistlichen
  in  bürgerlichen  Angelegenheiten  etc.  vorbehalten

  bleibt.
1823.  Ein  königliches  Patent  führt  die  Provinzialstände  ın

Preussen  ein.
Dieselben  hatten  nur  eine  beratende  Stimme  und  durften  nur  das

beraten,  was  ihnen  die  Minister  vorlegten,  nur  die  Verhältnisse  ihrer
        <pb n="258" />
        —  248  —  .

Provinz,  nieht  die  des  ganzen  Reichs  besprechen.  Ueberdies  waren  die
Provinzialstände  so  zusammengesetzt,  dass  das  aristokratische  Element

bei  weitem  überwog.
1826.  Carl  Maria  von  Weber,  berühmter  und  volkstümlichster
Opern-Komponist  der  Deutschen,  stirbt  zu  London.

1849.  Bayerns  Erklärung,  dass  die  deutsche  Nationalversammlung
  rechtlich  und  sachlich  zu  existieren  aufhöre.

1851.  Warschauer  Protokoll.
Russland  entsagt  den  Ansprüchen  auf  die  Herzogtümer  Schleswig-Holstein.

1859.  Die  Oesterreicher  räumen  Mailand  infolge  der  verlorenen
  Schlacht  bei  Magenta.

1861.  Königlicher  Erlass,  betreffend  die  Einrichtung  von  Kreissynoden
  in  der  Provinz  Preussen.

1869.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  Einführung
der  allgemeinen  Wechselordnung,  der  Nürnberger  Wechselnovellen
  und  des  allgemeinen  deutschen  Handelsgesetzbuches  als
Bundesgesetze,  desgleichen  betreffend  die  Portofreiheiten  im  Gebiete
  des  norddeutschen  Bundes.

1878.  Das  Panzerschiff  „Preussen“  mit  der  geretteten  Mannschaft
  vom  „Grosser  Kurfürst“  trifft  in  Wilhelmshafen  ein.

1880.  Karl  Friedrich  Lessing,  berühmter  Maler,  stirbt.

6.  Juni.

174.  Kaiser  Karl  der  Grosse  erobert  Pavia,  wohin  sich
der  Longobardenkönig  Desiderius  mit  einer  Heeres-Abteilung
zurückgezogen  und  sich  einige  Monate  tapfer  verteidigt  hatte.

Desiderius  selbst  wurde  gefangen  genommen,  des  Thrones  entsetzt
und  in  ein  Kloster  nördlich  von  den  Alpen  verwiesen.
1002.  Kaiserwahl  zu  Worms,  allwo  sich  zu  diesem  Behufe
die  fränkischen,  bayerischen  und  oberlothringischen  Grossen  feierlichst
  versammelt  hatten.

Die  Wahl  fiel  auf  Heinrich,  Herzog  von  Bayern,  der  dur
Primas  der  deutschen  Geistlichkeit,  den  Erzbischof  Willigie  von  Mainz
begünstigt  wurde  und  im  Besitze  der  Reichskleinodien  war,  welche  er
sich,  als  man  die  Leiche  Otto’s  III.  aus  Italien  durch  Bayern  trug
Be  waltsam  angeeignet  hatte.  Heinrich  II.  wurde  sodann  durch

rzbischof  Willigis  gesalbt  und  gekrönt.  Heinrich  II.  wurde  120  Jahre
nach  seinem  Tode  heilig  gesprochen.
        <pb n="259" />
        —  249  —

1099.  Das  Kreuzheer  langt  während  des  ersten  Kreuzzuges  vor
Jerusalem  an.
Es  zählte  da  nur  noch  20000  Mann  zu  Fuss  und  1500  Reiter.
1478.  Schlacht  bei  Stocke.

Graf  Eduard  von  Warwick  wird  vom  Heinrich  VII.  geschlagen  und
zum  Küchenjungen  gemacht.

1513.  Die  Eidgenossen  schlagen  die  Franzosen  bei  Novara.
1626.  Christian,  Herzog  von  Braunschweig-Wolfenbüttel,  genannt
der  „tolle  Halberstädter“,  stirbt.

Er  war  lutherischer  Bischof  in  Halberstadt  und  Kriegsoberster  im
dreissigjährigen  Kriege.

1673.  Separatfrieden  zu  Vossen  zwischen  Frankreich
und  dem  Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg,
  der  als  Bundesgenosse  der  Holländer  diesem  sehr
unbequem  geworden  war.

So  kam  es  denn,  dass  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  ziemlich
günstige  Bedingungen  stellte.  Frankreich  gab  im  „Vergleich  zu  Vossen“
dem  Kurfürsten  von  Brandenburg  alle  seine  Ländereien  in  Westfalen
und  im  Cleve’schen  zurück,  nur  die  Besetzung  von  Wesel  und  Rees  bis
zum  Hauptfriedensschluss  sich  vorbehaltend,  endlich  wurde  dem
Kurfürsten  noch  das  Recht  eingeräumt  (!)  bei  einem  AngriffederFranzosengegendasdeutscheReich
  dem  letztern
Hilfe  zu  leisten.  —  Ein  trauriges  Zeichen  der  Zeit,  dass  zur  Verteidigung
  des  Vaterlandes  erst  die  Erlaubnis  der  Franzosen  nötig  war!

1718.  Zu  Meissen  wird  die  Porzellanfabrik  gegründet.

1794.  Schlacht  bei  Sczekoczyn.
Friedrich  Wilhelm  II.  schlägt  die  Polen  unter  Kosciuszko||

1810.  Freiherr  von  Hardenberg  wird  nach  Steins  Rücktritt
zur  Würde  eines  preussischen  Staatskanzlers  berufen.

1813.  Die  preussische  Landwehr  wird  neu  organisiert  zu
70000  Mann.

Oesterreich  rüstet.

1815.  Gerhard  Adolf  Wilhelm  Leonhardt,  preussischer
Justizminister,  zu  Hannover  geboren.

1823.  Leopold,  Erzherzog  von  Oesterreich,  geboren.
Er  machte  mehrere  Schlachten  mit  und  legte  nach  der  Schlacht
bei  Königgrätz  sein  Kommando  nieder.
1849.  Das  deutsche  „Rumpfparlament“  hält  in  Stuttgart
seine  erste  Sitzung.

Eine  Reichsregentschaft  von  5  Mitgliedern  wird  eingesetzt,  die
Absetzung  des  Reichsverwesers  beschlossen,  die  badische  und  pfälzische
Erhebung  gutgeheissen  und  —  von  der  württembergischen  Regierung
Geld  und  Mannschaft  verlangt.

1866.  Generalvon  Manteuffel  droht  in  Holstein  einzurücken,

1867.  Attentat  auf  den  Kaiservon  Russland  in  Paris  durch
den  Polen  Berezowski.
        <pb n="260" />
        —  250  —

1868.  In  Ungarn  wird  eine  Kouponsteuer  beschlossen,  um
den  heruntergekommenen  Finanzen  etwas  aufzuhelfen.

1870.  Das  Gesetz  über  den  Unterstützungswohnsitz  wird
für  den  norddeutschen  Bund  erlassen.  Seit  1871  Reichsgesetz.

1871.  Der  Handelsvertrag  zwischen  Deutschland  und
Frankreich  tritt  wieder  in  Kraft.

1873.  Prinz  Adalbert  von  Preussen,  Admiral  der  deutschen
Flotte,  stirbt.

1877.  Einweihung  des  Börne-Denkmals  in  Frankfurt  a.  M.

1885.  Der  berühmte  Reisende  Robert  von  Schlagintweit
stirbt  zu  Giessen.

1889.  Die  deutschen  Schutztruppen  in  Ostafrika  unter  Hauptmann
Wissmann  besetzen  Saadani,  Sitz  Bana  Herıs.

 

 

T.  Juni.

nen

1047.  Kaiser  Heinrich  III.  eröffnet  zu  Speyer  den  ersten  der
dort  abgehaltenen  22  Reichstage.

1411.  Kaiser  Sigismund  überträgt  dem  Burggrafen  Friedrich  V1.
von  Nürnberg  sein  Kurfürstentum  Brandenburg  zur

Verwaltung.
(Vergl.  30.  April  1415  u.  18.  April  1417.)

1415.  Johannes  Huss  wird  zum  zweiten  Male,  diesmal  in  einer
höchst  feierlichen  und  zahlreich  besuchten  Sitzung  des  Konzils
zu  Konstanz  und  in  Gegenwart  des  Kaisers  Sigismund  und  der
Fürsten  vorgeführt.

Schriftliche  Anklage  und  zwanzig  Zeugen  wurden  vernommen.
Huss  verlangte,  man  solle  seine  Lehren  durch  die  Bibel  widerlegen  und
da  man  dies  nicht  konnte,  so  verdrehte  und  fälschte  man  seine  Sätze
und  da  er  den  gar  zu  tollen  Lügen  widersprechen  wollte,  da  wurde  er
überlärmt  und  verhöhnt.  „Schweig,  schweig,  wir  haben  Dich  genug
gehört!“  rief  man  von  allen  Seiten  und  als  Huss  dennoch  das  Wort
ergriff,  da  drückten  ihm  auf  Befehl  des  ersten  Kardinals  die  Schergen
den  Mund  zu  und  schlugen  ihn.  Dies  geschah  in  Gegenwart  des  Kaisers,
der  schamrot  zu  Boden  sah,  als  Huss  ihn  bei  solcher  Behandlung  starr
anschaute.  Sigismund,  der  sich  nicht  für  die  Ehre  der  deutschen  Krone
und  für  die  Unschuld  des  Gemarterten  rührte,  erklärte  aber,  wenn  Huss
seine  religiösen  Irrtümer  nicht  wiederrufe,  „so  müsse  er  gewärtigen
dass  er  als  Oberhaupt  des  deutschen  Reiches,  ehe  er  frevelhafte  Hartnäckigkeit
  und  das  Umsichgreifen  der  Irrlehren  dulde,  mit  eigenen
Händen  (!)  die  Flammen  des  Scheiterhaufens  anschüren  werde.“  Das
Elendeste  aber,  was  je  durch  den  Mund  eines  deutschen
        <pb n="261" />
        —  251  —

Kaisers  gesprochen  wurde,  ist  seine  Erklärung,  „dass
durch  das  Zugeständnis  eines  öffentlichen  Verhörs  das
kaiserliche  Versprechen  gelöst  und  der  Geleitsbrief  erledigt
  sei“.

1526.  Johannes  Luther  geboren.
Er  war  ein  Sohn  Dr.  Martin  Luthers.  Studierte  die  Rechtswissenschaft,
  stand  in  Diensten  des  Herzogs  Albrecht  von  Preussen.
1527.  Die  Kaiserlichen  nehmen  den  Papst  Clemens  VII.  in  der
Engelsburg  gefangen.

1676.  Paul  Gerhard,  vorzüglicher  Dichter  geistlicher  Lieder,  stirbt
zu  Lübben.  Seine  Kirchenlieder  findet  man  heute  noch  in  jedem
deutschen  Gesangbuche.

1744.  Frankreich  verbündet  sich  mit  Preussen.
1776.  Einführung  des  verbesserten  Reichskalenders.

1795.  Die  Franzosen  unter  Jourdan  erobern  die  Festung  Luxemburg.


1810.  Der  Dichter  Ludwig  Adolf  Stöber  zu  Strassburg  geboren.

Julius  Hammer,  Dichter  und  Schriftsteller,  zu  Dresden
geboren.
1814.  Kaiser  Alexander].  vonRusslandund  König  Friedrich
Wilhelm  Ill.  von  Preussen  besuchen  gemeinsam  England.
Ankunft  in  Dover.

1815.  Vertrag  zwischen  Preussen  und  Schweden,  wegen  Abtretung
  von  Pommern  und  Rügen.

1824.  Dr.  Bernhard  v.  Gudden,  Obermedicinalrat,  Universitätsprofessor,
  Direktor  und  Oberarzt  der  Kreisirrenanstalt  Oberbayern,
zu  Cleve  am  Rhein  geboren.

1826.  Joseph  v.  Frauenhofer,  berühmter  Optiker  und  Erfinder
der  wichtigen  optischen  Instrumente,  stirbt.  |

Seine  Instrumente,  vorzüglich  sein  Heliometer,  sein  Ringmikrometer,
sind  in  ganz  Europa  verbreitet.  In  München  ist  Frauenhofer  ein  Denkmal
  errichtet.

1840.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen,  Vater
Kaiser  Wilhelms,  stirbt,  nachdem  er  als  Herrscher  zwei  und
vierzig  Jahre  lang  den  preussischen  Staat  in  grösstem  Verfall
und  in  glänzendstem  Auftreten  gesehen.

Das  preussische  Volk  betrauerte  ihn  seines  einfach  Bürgerlichen

Wesens  willen,  erwartete  jedoch  bei  seinem  Tode,  dass  nun  mit  ihm

auch  eine  alte  Zeit  dahin  sei  und  eine  neue  voll  höheren  Strebens  anbreche

  und  begrüsste  daher  mit  freudiger  Hoffnung  den  Sohn  des  Verstorbenen,
  Friedrich  Wilhelm  IV.,  als  seinen  Nachfolger.

1843.  Friedrich  Hölderlin,  sehr  begabter  Dichter,  stirbt,  nachdem

  sein  Geist  seit  Jahren  schon  durch  Wahnsinn  umnachtet  ist.

1849.  Die  Oesterreicher  unter  Jellachich  schlagen  die  Ungarn
‘unter  Perezel  und  schliessen  Peterwardein  ein,
        <pb n="262" />
        —  232  —

1859.  Die  Oesterreicher  räumen  Pavıa.

1862.  Garibaldi  fordert  in  Oberitalien  zur  Eroberung  Venedigs
und  Roms  auf.

1866.  In  Folge  der  einseitigen  Einberufung  der  Stände  von
Holstein  durch  Oesterreich,  rückt  der  preussische  Statthalter
von  Schleswig,  der  General  Edwin  von  Manteuffel,  in  Holstein
ein,  um  Preussen  seinen  Mitbesitz  an  diesem  Herzogtum  zu
wahren.

1871.  150  Brandstifter  vonParis  werdenin  Versailles  erschossen.

1876.  Dritte  Synode  der  Altkatholiken  in  Bonn  (bis  zum  8.  Juni).

An  demselben  Tage  wählen  dieschweizer  Altkatholiken
auf  der  Synode  zu  Olten  den  Pfarrer  Herzog  in  Genf  zum
Bischof.

1887.  Grosses  Grubenunglück  in  Folge  schlagender  Wetter
auf  der  Zeche  Hibernia  bei  Gelsenkirchen,  —  wobei  53  Bergleute
  verunglückten.

1888.  PublikationdesLegislaturperioden-Gesetzes  durch

den  „Reichsanzeiger“.
Zweites  Schreiben  des  Kaisers  Friedrichs  III

an  Puttkammer.

 

8.  Juni.

&amp;gt;

632.  Mohammed,  Stifter  des  Islam,  stirbt  während  der  Zurüstung
eines  Zuges  gegen  Byzanz,  dessen  Herrscher  die  Annahme  der
mohammedanischen  Religion  verweigert  hatte.

1201.  Vertrag  von  Neuss.

‚  Der  Welfe  Otto  IV.,  Gegenkaiser  Philipps  von  Schwaben,  erhält
die  Anerkennung  des  Papstes  Innocenz  IH.

1424.  Schlacht  auf  dem  Gebirgsplateau  bei  Malaschau,
unweit  Kollin.

Kampf  der  Hussitten  unter  sich.  Hierauf  Versöhnung  der  getrennten
Parteien.

1439.  Das  Florentinische  Concil  bringt  die  nur  bis  1443  andauernde
  Vereinigung  mit  der  griechischen  Kirche  zu  Stande
wonach  die  Griechen  den  Primat  des  Papstes  über  die  ganze
Kirche  (nach  der  Urkunde:  „über  die  ganze  Welt“)  und  das
Ausgehen  des  heiligen  Geistes  vom  Sohne  anerkennen  sollten.
        <pb n="263" />
        —  253  —

1415.  Johannes  Huss  hat  ein  drittes  Verhör  vor  dem
Concilium  zu  Konstanz  zu  bestehen,  und  wird  39  anderer
vorgeblicher  Ketzereien  geziehen.

Johannes  Huss,  welcher  überhaupt  mit  grosser  Ruhe  und  Mässigung
sich  benahm,  entfernte  bei  mehreren  Artikeln  den  Schein  des  Anstössigen
durch  Erläuterungen  und  bezüglich  der  übrigen  zeigte  er  entweder,  dass
ihr  Sinn  hinterlistig  entstellt  worden  sei,  oder  dass  sie  gar  nicht
von  ihm  herrühren.

1660.  Laurentius  Laurenti,  Dichter  geistlicher  Lieder,  zu
Husum  in  Schleswig-Holstein  geboren.

1695.  Die  Brandenburger  erzwingen  trotz  des  Widerstandes  der
Franzosen  den  Uebergang  über  die  Sambre  bei  Fallers.

1727.  August  Hermann  Francke,  Stifter  des  halleschen
Waisenhauses,  stirbt.

1768.  Johann  Joachim  Winckelmann,  der  um  Kritik  und
Geschichte  der  Kunst,  sowie  um  das  Studium  der  Antike  unsterblich
  verdiente  Gelehrte,  stirbt  durch  die  meuchelmörderischen
Dolchstiche  eines  Diebes  zu  Triest.

Winkelmann  sass  im  Gasthofe  zwischen  ein  und  zwei  Uhr  schreibend
am  Tische,  als  sein  Vertrauter,  der  Italiener  Francesco  Arcangeli,  ins
Zimmer  trat,  um  ihm  seine  plötzliche  Abreise  anzuzeigen  und  Abschied
zu  nehmen.  Er  bat,  ihm  zuvor  noch  einmal  die  von  Winkelmann  besessenen
  goldenen  Medaillen  zu  zeigen;  aber  während  dieser,  vor  dem
Koffer  knieend,  sie  hervorholen  wollte,  warf  jener  ihm  eine  Schlinge
um  den  Hals  und  versetzte  dem  Unglücklichen,  der  sich  vergebens
wehrte,  fünf  tödliche  Stiche  in  den  Unterleib,  worauf  er  entsprang.
Winkelmann  verschied  wenige  Stunden  darauf.

1786.  Karl  Ludwig  Friedrich,  Grossherzog  von  Baden,  geboren.

Seine  Ehe  mit  Stephanie  von  Beauharnais  blieb  kinderlos.

1794.  Gottfried  August  Bürger,  ein  wahrer  und  grosser  Volksdichter,
  stirbt.

Er  hat  mehrere  unvergessliche  Gedichte  verfasst,  die  seinen  Ruhm
begründen;  wer  kennt  nicht  das  „Lied  vom  braven  Mann“,  den  „wilden
Jäger“,  die  „Lenore“,  den  „Kaiser  und  den  Abt“!

1800.  Marschall  Lannes  schlägt  den  östereichischen  General
Ott  bei  Casteggio.

1810.  Robert  Schumann  zu  Zwickau  geboren.

Er  komponierte  schon  in  frühester  Jugend  und  bildete  sich  im
Klavierspiel  aus.  Sollte  nach  Wunsch  seiner  Mutter  Jurisprudenz
studieren,  doch  die  Liebe  zur  Musik  war  mächtiger,  und  so  wurde  er

der  beliebte  Komponist.
1815.  Gründung  des  deutschen  Bundes.  Unterzeichnung
der  deutschen  Bundesakte  auf  dem  Wiener  Üongress.

Die  deutschen  Fürsten,  sowie  die  vier  noch  übrigen  freien  Städte,
Hamburg,  Bremen,  Lübeck  und  Frankfurt  am  Main,  alle  selbstherrlich,
vereinigen  sich  durch  dieselbe  zu  einem  „beständigen,  unauflöslichen,
völkerrechtlichen  Verein,  welcher  in  seinem  Inneren  als  eine  (Gemeinschaft
  selbstständiger,  unter  sich  unabhängiger  Staaten  mit  wechselseitigen,
        <pb n="264" />
        —  254  —

gleichen  Vertragsrechten  und  Vertragsobliegenheiten,  in  seinen  äusseren
Verhältnissen  aber  als  eine  in  politischer  Einheit  verbundene  Gesamtheit
  besteht.“  Die  Bundesmitglieder  verpflichten  sich  ferner,  „zur
Bewahrung  .der  Unabhängigkeit  und  Unverletzbarkeit  der  im  Bunde
begriffenen  Staaten’  und  Erhaltung  der  inneren  und  äusseren  Sicherheit

Deutschlands“.

1820.  Die  sogenannte  Wiener  Schlussakte,  das  Ergebnis  der
Karlsbader  Beschlüsse  und  Wiener  Ministerkonferenzen,  wird  vom
Bundestag  zum  Grundsatz  des  Bundes  erklärt,  wie  die
Bundesakte  selbst.

Diese  Schlussakte  verletzte  das  deutsche  Verfassungswesen  stark
und  engte  es  sehr  ein;  sie  erklärte:  „Der  Bundestag  habe  darüber  zu
wachen,  dass  in  allen  Bundesstaaten  landständische  Verfassungen  eingerichtet
  würden;  jeder  Fürst  möge  diese  innere  Landesangelegenheit  mit
Berücksichtigung  der  früher  gesetzlich  bestandenen  ständischen  Rechte
und  der  gegenwärtig  obwaltenden  Verhältnisse  ordnen,  aber  keiner
dürfedurchdielandständische  Verfassunginder  Erfüllung
seiner  bundesmässigen  Verpflichtungen  je  gehindert
werden“.

1825.  Berliner  Abkommen  im  Bentinck’schen  Erbfolgestreit  unter
Vermittlung  Preussens,  Oesterreichs  und  Russlands.

Der  Grossherzog  von  Oldenburg  setzt  den  Grafen  von  Bentinck
wieder  in  Kniphausen  ein.

1841.  Hans  Blum,  Schrifsteller,  zu  Leipzig  geboren.
1855.  Heinrich  Barth  erreicht,  nach  einem  gefahrvollen  Zug
durch  die  Wüste,  Bilma.

1859.  Unter  dem  Jubel  der  Bevölkerung  ziehen  Napoleon  III.  und
Viktor  Emanuel  in  Mailand  ein.

1866.  Der  preussische  General  Flies  überschreitet  die  Eider;  die
Oesterreicher  unter  General  Gablenz  konzentriern  sich  in  Altona.

1867.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  wird  in  Ofen  zum
König  von  Ungarn  gekrönt.

1888.  Kaiser  Friedrich  III.  bewilligt  das  Abschiedsgesuch  des
Ministers  Puttkammer.
        <pb n="265" />
        —  255  —

9.  Juni.

813.  Synode  zu  Mainz.

Ein  allgemein  fassliches  Predigen  in  der  Volkssprache  wird
auf  derselben  verordnet.

1075.  Schlacht  bei  Hohenburg  an  der  Unstrut.  Kaiser
Heinrich  IV.  schlägt  die  Sachsen  vollständig.

Diese  retten:  sich  durch  wilde  Flucht;  die  Männer  in  unwegsame
Wildnisse  und  die  Frauen  und  Kinder  in  die  Kirchen.  Das  Heer  des
Kaisers  beging  nach  diesem  Siege  in  Sachsen  solche  Grausamkeiten,
dass  die  ganze  Landschaft  fast  einer  Wüste  gleich  gemacht  wurde.

1619.  Schlacht  bei  Budweis.

1640.  Kaiser  Leopold  L.  geboren.
1660.  Schlacht  bei  Klausenburg.

Glänzender  Sieg  der  Türken  über  Georg  Räköczy  II.,  der
tötlich  verwundet  fällt.

1781.  George  Stephenson  zu  Wylam  bei  Newcastle  als  Sohn
eines  Kohlenwerkarbeiters  geboren.  Er  war  Gründer  der
Eisenbahnen.

1800.  Schlacht  bei  Montebello  (oder  Casteggio).
Die  Franzosen  unter  Lannes  besiegen  die  Oesterreicher.

1802.  Aufhebung  der  klösterlichen  Vereine  im  Donnersberger
  Departement  (Pfalz).
1806.  Ludwig  Ill.,  Grossherzog  von  Hessen-Darmstadt,  geboren.
1815.  Abschluss  der  Wiener-Kongressakte  nach  vierwöchentlicher
  Beratung  und  Aufnahme  der  sogenannten
Bundesakte  in  die  Wiener  Gongressakte.
1827.  Ein  türkisches  Ultimatum  lehnt  die  Einmischung  der
Grossmächte  in  die  griechischen  Angelegenheiten  ab.
1832.  Friedrich  von  Gentz,  politischer  Schriftsteller  und  Lohnschreiber
  der  Metternich’schen  Politik,  stirbt  zu  Wien.
1848.  Volkstumult  in  Berlin  gegen  die  konservativen  Abgeordneten.

1859.  Die  Oesterreicher  räumen  in  Folge  der  Schlacht  bei
'  Magenta  Piacenza.
1866.  Zwischen  Oesterreich  und  seinen  Genossen  einerund
  Frankreich  andererseits  wird  ein  Plan  verhandelt,
nach  welchem  Italien  Venedig  erhalten  und  Preussen  geteilt

  werden  sollte.

Nach  dem  vorgelegten  Entwurf  sollte  Schlesien  an  Oesterreich,
Westfalen  an  Hannover,  die  Provinz  Sachsen  mit  Magdeburg
        <pb n="266" />
        —  256  —

und  zur  Verbindung  mit  Polen  ein  Stück  der  preussischen  Lausitz  an
das  Königreich  Sachsen,  das  linke  Rheinufer  zum  Teilan
Frankreich,  zum  Teil  an  Bayern,  und  Hohenzollern  an
Württemberg  fallen.  Ja,  noch  mehr!  Schleswig  wollte  man
wieder  den  Dänen  ausliefern  und  Holsein  nebst  Mecklenburg
könnten,  wenn  England  und  Russland  so  wollten,  preussisch
werden.  (!)  Mansolltediesen  Länder-und  Völker-Schacher
in  unserer  Zeit  kaum  für  möglich  halten!  Doch  der  fragliche
Entwurf  ist  eine  historische  Thatsache,  ebenso  wie  die  damalige  Prophezeiung
  Bismarcks:  „Die  Kabinette  und  die  Völker  unterschätzen
  uns;  die  Welt  wird  mit  Staunen  sehen,  welcher
Kraftentwickelungdiesverspottete  Preussen  fähigist.“  —
Und  so  kam  es  auch.

Die  bayerische  zweite  Kammer  verwirft  den  Adressentwurf
  der  vereinigten  Linken  und  billigt  die  Mobilisirung
  des  Heeres.

1871.  Gesetz,  betreffend  die  Vereinigung  von  Elsass-  und
Lothringen  mit  dem  deutschen  Reich.

1877.  Untersagung  des  Bittganges  des  katholischen  Volksvereins
in  Bayern  für  den  Papst.

1884.  Grundsteinlegung  desneuen  Reichstagsgebäudes.

1886.  Prinz  Luitpold  von  Bayern  lässt  sich,  nachdem  er  sich
überzeugt  hatte,  dass  eine  preussische  Einmischung  nicht  wohl
denkbar  sei,  bereit  finden,  die  Regentschaft  zu  übernehmen.

 

10.  Juni.

1190.  Kaiser  Friedrich  I.  der  Rotbart  ertrinkt  in  dem
Flusse  Seleph  in  Kleinasien,  gelegentlich  seines  Kreuzzuges,
nach  einigen  Angaben  beim  Baden,  nach  anderen  beim  Durchreiten
  des  Wassers,  wahrscheinlich  aber  beim  Baden,  vom
Schlage  getroffen.

Er  war  69  Jahre  alt  geworden;  sein  unerwarteter  Tod  erregte
unter  den  Kreuzfahrern  einen  Schmerz,  der  bis  zur  Verzweiflung  stieg.
Friedrich  I.  war  durch  seine  hohen  Feldherrngaben  Stütze  und  Hort  des
Kreuzzuges,  sein  Verlust  geradezu  unersetzlich;  alsbald  scheiterte  hierauf
auch  das  ganze  Unternehmen.  Lange  Zeit  wollte  man  im  Volke  an
seinen  Tod  nicht  glauben  und  es  entstand  hieraus  die  schöne  Kyfthäuser
Sage.  Friedrich  Barbarossa,  der  bedeutendste  der  Hohenstaufen,  gehörte
zu  den  wenigen  mittelalterlichen  Herrschern,  die  neben  ihren  Kriegen,
oft  sehr  unnützen  Zügen  in  fremde  Länder  und  der  Vergrösserung  oder
Befestigung  ihrer  persönlichen  Macht,  auch  des  Volkes  Wohl  im  Auge
hatten;  daher  auch  die  fast  abgöttische  Verehrung,  die  Barbarossa
gerade  bei  den  „kleinen  Leuten“  genoss.
        <pb n="267" />
        —  257  —

1229.  Kaiser  Friedrich  II,  nun  auch  „König  von  Jerusalem“,
landet  plötzlich  in  Brindisi  in  Unter-Italien,  von  seinem  Kreuzzuge
  aus  Kleinasien  zurückkehrend,  noch  zeitig  genug,  um  die
päpstlichen  „Schlüsselsoldaten“,  spottweise  wegen  der  Abbildung
des  St.  Peters-Schlüssel  auf  ihrer  Montur  so  genannt,  nach  dreimonatlichem
  Kampfe  wieder  aus  dem  durch  Papst  Gregor  IX.
zur  Empörung  verhetzten  sicilianischen  Königreich  hinausjagen
und  den  beabsichtigten  Handstreich  gegen  das  kaiserliche  Erbland
  Sicilien  vereiteln  zu  können.

1538.  Nürnberger  Bündnis  der  Katholiken  gegen  den
Schmalkaldischen  Bund,  den  „heiligen  Bund‘.
|  Nachdem  der  Vizekanzler  Kaiser  Karls  V.,  Mathäus  Held,  auf  der
Protestanten-Versammlung  zu  Schmalkalden  (Februar  1537)  sich  vergeblich
bemüht  hatte,  die  evangelischen  Stände  zur  Beschickung  der  ausgeschriebenen
  Synode  zu  bewegen,  gelingt  es  seinen  Bemühungen,  in
Nürnberg  einenBund  der  ErzbischöfevonMainzundSalzburg
  und  der  Herzöge  von  Bayern,  Georgs  von  Sachsen  und  Erichs,
sowie  Heinrichs  von  Braunschweig  zu  Stande  zu  bringen,  um  allenfallsigen
  Angriffen  der  Protestanten  zu  begegnen.  Dieser
sogenannte  „heilige  Bund“  sollte  den  Zweck  haben,  zwar  nichts  gegen
den  Nürnberger  Religionsfrieden  (1532)  zu  unternehmen,  dagegen  wechselseitig
  sich  beizustehen,  wenn  die  Protetanten  einen  Angriff  versuchen,
oder  die  Unterthanen  der  Bundesglieder  zum  Aufruhr  verleiten,  oder  in
einem  solchen  unterstützen  würden.

1556.  Martin  Agrikola  stirbt  zu  Magdeburg.  Er  führte  zuerst
die  Notenschrift  ein  als  musikalischer  Schriftsteller.

1579.  Magdeburger  Permutationsrezess  zu  Eisleben  zwischen
dem  Kurfürsten  August  von  Sachsen  und  dem  Erzstift  Magdeburg.

Das  Erzstift  tritt  an  Kursachsen  einen  grossen  Teil  der  Grafschaft
Mansfeld  ab,  der  Kurfürst  dagegen  leistete  Verzicht  auf  das  Burggrafentum,
  behält  jedoch  für  sich  und  seine  Nachkommen  den  Titel  und
das  Wappen  desselben  nebst  den  vier  Aemtern  Gommern,  Ranis,
Elbenau  und  Grottau.

1588.  Valentin  Weigel,  Stifter  einer  mystischen  Sekte,  stirbt
zu  Zschopau  (Sachsen).

1609.  Vertrag  von  Dortmund  zwischen  Brandenburg  und  Pfalz-Neuburg
  (Jülichscher  Erbstreit.)

1664.  Die  Brandenburger  unter  dem  Herzog  von  Holstein-Ploen
  erstürmen  im  Türkenkriege  die  Festung  Lewenz.

1752.  Christian  Heinrich  Karl  Graf  von  Haugwitz  auf
Krappitz,  preussischer  Staatsmann,  auf  dem  Familiengut  Peuke
bei  Oels  in  Schlesien  geboren.

1754.  Johann  Freiherr  von  Hiller,  österreichischer  General,
zu  Brody  geboren.
1758.  Die  Preussen  eröffnen  die  Belagerung  von  Olmütz.
17
        <pb n="268" />
        —  2585  —

1769.  Bernhard  August  von  Lindenau  zu  Altenburg  geboren.
Bekannt  als  sächsischer  Staatsmann  und  als  Astronom.
Er  schrieb  verschiedene  Werke,  gab  die  Zeitschrift  für  Astronomie
heraus.

1794.  Gefecht  bei  Raygard;  die  Peussen  schlagen  die  Polen.
1807.  Treffen  bei  Heilsberg.

Die  Verbündeten  —  Preussen  und  Russen  —  gegen  Napoleon.

Der  Kampf  blieb  unentschieden;  beide  Teile  rechnen  sich  den  Sieg  zu,

doch  Napoleon  drang  weiter  vor  und  lieferte  den  Verbündeten  vier
Tage  später  die  überaus  blutige  Schlacht  bei  Friedland.

1809.  Der  Kirhenstaat  wird  Frankreich  einverleibt;  Rom

wird  eine  freie  kaiserliche  Stadt.

1811.  Karl  Friedrich,  Badens  erster  Grossherzog,  und  einst
Europa’s  Fürsten  Nestor,  stirbt,  von  seinem  Volke  hochverehrt,
vom  nahen  und  fernen  Ausland  mit  Ehrfurcht  genannt.

1815.  Unterzeichnung  der  deutschen  Bundesakte  zu
Wien.  (Baden  tritt  erst  am  26.  Juli,  Württemberg  am  1.
September  bei.)

Abtretung  Salzburgs,  des  Inn-  und  Hausruckviertels  an  den  Wiener
Hof  und  dagegen  Garantie  des  Heimfalls  der  Rheinpfalzan  Bayern.

1833.  Albert  Hänel,  Rechtsgelehrter  und  Parlamentarier  fortschrittlicher
  Richtung,  zu  Leipzig  geboren.

1848.  Radetzky  schlägt  die  Piemontesen  bei  Vicenza.

1854.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  und  König  Friedrich
Wilhelm  IV.  von  Preussen  kommen  in  Teschen  zusammen,
um  sich  über  eine  gemeinsame  Haltung  gegenüber  der  Bamberger
Conferenz  (Mai)  zu  verständigen.

1866.  Der  preussische  Ministerpräsident  v.  Bismarck
übergiebt  den  deutschen  Regierungen  die  Grundzüge  einer
neuen  Bundesverfassung.

Nach  derselben  sollte  Oesterreich  mit  seinem  fremdartigen  Völkergenisch
  von  Deutschland  ausgeschlossen  und  die  anderen  deutschen
taaten  mit  Preussen  als  ihrem  Haupte  zu  einem  Bundesstaate  vereinigt
werden.  Ein  aus  unmittelbaren  Wahlen  und  allgemeiner  Abstimmung
des  deutschen  Volks  hervorgegangenes  Parlament  sollte  die  Bundesrverfassung
  beraten  und  gemeinsam  mit  den  Regierungen  zur  Ausführung
bringen.

Der  preussische  General  Manteuffel  löst  die  bisherige
holsteinische  Regierung  auf,  und  ernennt  den  Freiherrn  von

Scheel-Plessen  zum  Oberpräsidenten  beider  Herzogtümer.

1869.  Gesetz  über  die  Wechselstempelsteuer  im  Gebiet  des
Norddeutschen  Bundes.

1870.  Unterzeichnung  des  Vertrags  über  die  Gotthard-Bahn.

1886.  Nach  dem  übereinstimmenden  Gutachten  der  hervorragendsten
ärztlichen  Autoritäten  ist  König  Ludwig  II.  von  Bayern  durch
        <pb n="269" />
        —  259  —

schweres  Leiden  an  der  Ausübung  der  Regierung  dauernd  verhindert.
  Prinz  Luitpold  beruft  den  Landtag  auf  Dienstag
den  15.  Juni  zusammen.

Erlass  der  Proklamation  des  Prinzen  Luitpold  von
Bayern,  laut  welcher  er  für  den  erkrankten  König  Ludwig  II.
-die  Regentschaft  übernimmt.

1888.  Erstes  Auftreten  der  Schlingbeschwerden  bei
Kaiser  Friedrich  III.

 

 

11.  Juni.

1051.  Bardo,  Erzbischof  und  Kurfürst  von  Mainz,  stirbt.

Er  war  der  Erbauer  der  schönen  Domkirche  daselbst.

1522.  Nach  vielen  Chroniken  sollen  an  diesem  Tage  —  einem
Mittwoch  Nachmittag  3  Uhr  —  an  vielen  Orten  Deutschlands
„drei  Sonnenund  in  ihrem  Umkreise  blutige  Kränze
(?)  und  ihnen  gegenüber  vier  Regenbogen“  gesehen
worden  sein.

1546.  Ernst  Herzog  von  Braunschweig,  stirbt.

Er  wurde  von  Karl  V.  geächtet,  weil  er  Franz  I.  unterstützte  für
den  Kaiserthron.  Er  war  ein  eifriger  Anhänger  des  Protestantismus.
1609.  Die  Böhmen  nötigen  dem  Kaiser  RudolflI.  mit  den
Waffen  in  der  Hand,  den  sogenannten  „Majestätsbrief“  ab,
durch  welchen  die  Protestanten  und  Utraquisten  das  Recht  zu
freier  Religionsübung,  ein  unabhängiges  Konsistorium,  eigene

Kirchen  und  Schulen  und  die  Universität  Prag  erhalten.

Dieser  „Majestätsbrief“  sollte  später  noch  in  der  deutschen  Geschichte
eine  so  grosse  Bedeutung  erhalten!

1645.  Eröffnung  der  Friedensunterhandlung  zur  Beendigung
des  dreissigjährigen  Kriegs,  und  zwar  zu  Münster  mit
Frankreich,  und  zu  Osnabrück  mit  Schweden.

Das  erstere  verlangte  und  erreichte  die  volle  Hoheit  und  Herrschaft
über  die  von  ihm  besetzten  Bistümer  und  Städte  Metz,  Toul  und
Verdun,  über  Pignerol  und  Breisach,  sodann  die  Landgrafschaft  Oberund
  Unterelsass,  mit  Ausnahme  Strassburgs,  den  Sundgau,  die
Landvogtei  der  zehn  vereinigten  Reichsstädte  im  Elsass  und  ausserdem
die  mächtige  Festung  Philippsburg.  —  Schweden  stellte  gleich  grosse
Forderungen,  wurde  hierin  aber  durch  den  jungen  Kurfürsten  Friedrich
Wilhelm  von  Brandenburg  (nachmals  der  Grosse  genannt)  behindert,  so
dass  es  sich  mit  Vorpommern  und  der  Insel  Rügen,  Hinterpommern  mit
Stettin,  Garz,  Damm,  Golnau  und  der  Insel  Wollin,  in  Mecklenburg  mit
der  Stadt  Wismar  und  den  Bistümern  Bremen  und  Verden,  begnügen  musste.
        <pb n="270" />
        —  260  —

1659.  General  von  Quast  schlägt  die  Schweden  und  erobert
die  Insel  Fanö.

1699.  Ansinnen  an  die  Protestanten  der  Kurpfalz,  bei  katholischen
  Prozessionen,  Gras  zu  streuen,  Spalier  zu  bilden
und  vor  der  Monstranz  niederzuknien.

1700.  Stiftung  der  Akademie  der  Wissenschaften  in
Berlin  durch  Leibnitz.

1742.  Frieden  zu  Breslau.  Unterzeichnung  der  Friedens-Präliminarium
  zwischen  Maria  Theresia  und  Friedrich  Il.  von

Preussen.
Nach  dem  Siege  des  jungen  genialen  Königs  bei  Chotusitz  hatte
Maria  Theresia  die  Notwendigkeit  erkannt,  sich  mit  diesem  überlegenen
Gegner  in  Güte  abzufinden,  um  so  mehr,  als  gegen  Frankreich  und  Bayern
ihre  Waffen  siegreich  gewesen  waren,  und  sie  diesen  Feinden  gegenüber
alle  Hoffnung  hatte,  durch  den  Frieden  zu  Breslau  im  Ganzen  die  Macht
ihres  Hauses  zu  retten.  Der  Frieden  zu  Breslau  beendete  den  ersten
schlesischen  Krieg.
1759.  Kassel  wird  zum  dritten  mal  währand  des  siebenjährigen

Krieges  von  den  Franzosen  besetzt.
Zuerst  im  Juli  1757,  dann  am  23.  Juni  1758  und  endlich  nochmals
am  31.  Juli  1760.
1806.  England  erklärt  den  Krieg  an  Preussen  wegen  Besetzung
  Hannovers.

1809.  Bannbulle  Pius’  VII.  gegen  Napoleon  l.

1815.  NapoleonI.  verlässt  Paris,  um  sich  nach  dem  Kriegsschauplatz
  zu  begeben.

1829.  Kaiser  Wilhelms].  Vermählung  mit  der  Prinzessin  Augusta
von  Sachsen-Weimar  (geb.  am  30.  September  1811).

1842.  Der  volkstümliche  Minister  Schön,  der  treueste  Freund
und  Berater  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.,  wird  entlassen,
weilerdieEinführung  einer  wahren  Volksvertretung
als  durchaus  zeitgemäss  und  notwendig  erklärt,  und  ohne  deren
Gewährung  seine  Teilnahme  an  der  Leitung  der  Staatsverwaltung
verweigert  hatte.

Der  Rücktritt  dieses  Ministers  brachte  bei  allen  Patrioten  eine
grosse  Bestürzung  hervor,  denn  „Niemand  lebte,  welcher  für  Volk  und
taat  von  Freussen  so  viel  und  so  wohlthätig  gewirkt  hatte,  wie  er.“
Sein  Nachfolger  Graf  Arnim  hat  dem  seit  1838  „geflügelten  Worte“  vom
„beschränkten  Unterthanenverstande“  durch  neue  Anwendung
in  einer  abweisenden  Erklärung  an  den  Königsberger  Handelsvorstand
wieder  eine  weitere  historische  Bedeutung  gegeben,  indem  er  schrieb:
„wasin  der  Eingabe  an  die  Politik  streife,  müsse  die  Regierungzurückweisen,weildergleichenüberdenGesichts-


  der  Unterthanen  hinausliege“

1849.  Die  preussische  Regierung  veröffentlicht  eine  Denkschrift
als  Erläuterung  und  Begründung  des  Berliner  Verfassungsentwurfes,
  um  den  deutschen  Regierungen  Gelegentheit  zu
ihren  Beitrittserklärungen  zum  „Dreikönigbündnis“  zu  geben.
        <pb n="271" />
        —  261  —

An  demselben  Tage  rückt  die  erste  preussische  Divisıon
  zur  Bekämpfung  des  Aufruhrs  in  die  Pfalz  ein.

1859.  Clemens  Lothar  Nepomuk  Wenzel,  Fürst  von  Metternich,
  österreichischer  Staatsmann,  stirbt  zu  Wien.

1861.  Grundsteinlegung  zum  neuen  Rathaus  in  Berlin.

1866.  Oesterreich  stellt  am  Bundestag  einen  Antrag  auf
schleunige  Mobilisierung  des  ganzen  Kontingents,  mit
Ausnahme  des  preussischen.

Als  Grund  führte  es  aus,  weil  Preussen  durch  sein  Einrücken  in
Holstein  einen  Akt  gewaltsamer  Selbsthilfe  begangen  habe.  Der  kriegerisch
gesinnte  Wiener  Hof  hatte  sich  unterdessen  Gewissheit  verschaftt,  dass
man  des  „ganz  entschiedenen  Beistandes  der  meisten  deutschen  Bundesfürsten
  und  ihrer  Staaten  gewiss  war.“

1870.  NorddeutschesBundesgesetz,  betreffend  das  Urheberrecht
  von  Schriftwerken,  Abbildungen,  musikalischen  Kompositionen
  und  dramatischen  Werken,  desgleichen,  betreffend  die
Kommandit-Gesellschaften  auf  Aktien  und  die  Aktien-Gesellschaften.


1874.  Expropriationsgesetz  für  den  preussischen  Staat.

1875.  Der  bayerische  Landtag  wird  aufgelöst;  die  Neuwahlen
werden  auf  den  24.  Juni  anberaumt,

1878.  Kaiserliche  Verordnung,  betreffend  die  Auflösung
des  deutschen  Reichstags.

Die  Auflösung  erfolgte  wegen  Ablehnung  des  Sozialistengesetzes.


1879.  Goldene  Hochzeit  des  deutschen  Kaiserpaares  in
ganz  Deutschland  festlich  begangen.  Stiftung  derKaiser  „Wilhelm-Spende“
  durch  den  Kaiser.
        <pb n="272" />
        —  262  —

12.  Juni.

en  nn

455.  Der  römische  Kaiser  Petronius  Maximus  endet  durch
eine  Verschwörung.

Die  Vandalen  waren  kurz  vorher  von  der  Kaiserin  Eudoxia,
die  genötigt  worden  war,  dem  Maximus,  dem  Mörder  ihres  Gatten
Valentinian  IIl.,  ihre  Hand  zu  reichen,  zu  Hilfe  gerufen  worden.

1288.  Schlacht  unter  den  Mauern  Wöringens.

Die  Kölner,  deren  Handel  und  Kaufleute  durch  die  erzbischöfliche
  Raubveste  Wöringen  unausgesetzt  geschädigt  wurden,  hatten
sich,  da  der  Erzbischof  auf  wiederholtes  Bitten  keine  Abhilfe  gewährte,
an  den  Herzog  Johann  I.  von  Brabant  um  Hilfe  gewandt.  Dieser  brachte
dem  Kurfürsten  und  Erzbischof  Sigfried  und  dessen  Verbündeten,  trotz
deren  Uebermacht,  vor  Wöringen  eine  vollständige  Niederlage  bei.

1376.  Der  noch  nicht  achtzehn  Jahr  zählende  Sohn  Kaiser  Karls  IV.,
Wenzel,  wird  zum  Oberhaupt  des  deutschen  Reichs  gewählt
und  gekrönt.

Der  sonst  sehr  knauserige  Kaiser  Karl  IV.  zahlte  jede  Stimme
der  Kurherren  für  seinen  Sohn  —  mit  100000  Gulden!

1426.  Grosser  Sieg  der  Taboriten  (Husiten)  bei  Aussiıg.

1526.  Vertrag  zu  Torgau,  zwischen  dem  Landgraf  Philipp  von
Hessen  und  dem  Kurfürsten  von  Sachsen,  um  das  Evangelium
bei  allenfallsigen  Angriffen  von  der  gegnerischen  Seite  durch  das
Schwert  zu  vertheidigen.

Die  übrigen  evangelischen  Fürsten,  nämlich  der  Markgraf  Albrecht
von  Preussen,  der  Fürst  von  Anhalt,  die  Herzöge  von  Braunschweig  und

Mecklenburg,  sowie  die  Grafen  von  Mansfeld  traten  diesem  zu  Torgau

geschlossenen  Bunde,  zum  wechselseitigen  Beistand  in  der  Verteidigung
ihres  Glaubens,  bei.

1612.  Die  Heerschaaren  Ludwigs  XIV.  von  Frankreich  überschreiten
  den  Rhein.

1676.  Die  brandenburgische  Flotte  bringt  zwei  eroberte
schwedische  Brander  nach  Kolberg.

1733.  VermählungFriedrichdesGrossenmitderPrinzess
ElisabethChristinevonBraunschweig-Wolfenbüttel.

Da  er  diese  Ehe  gegen  seine  Neigung  auf  Befehl  seines  gestrengen
Vaters,  Friedrich  Wilhelm  I.,  hatte  eingehen  müssen,  so  lebte  er  von

seiner  Gemahlin  getrennt,  obgleich  er  die  äussere  Achtung  gegen  sie
nie  vernachlässigen  liess.

1758.  Die  Verbündeten  schlagen  die  Franzosen  bei  Rheinbergen
  und  CGlostercamp.
        <pb n="273" />
        —  263  —

1773.  Anselm  Mayer  von  Rothschild,  zu  Frankfurt  a.  M.
geboren.

1788.  Johann  Andreas  Cramer,  Gelehrter,  Kanzelredner  und
Dichter,  stirbt  zu  Kiel.

1794.  Schlacht  bei  Schtschekoziny.

Die  vereinigten  Russen  und  Preussen  besiegen  die  Polen.

1798.  Uebergabe  der  Insel  Malta  an  Napoleon.  —  Die
Malteserritter  werden  auf  Pension  gesetzt.

1809.  Bannbulle  Pius’  VII.  gegen  alle,  welche  bei  der  Einverleibung
  des  Kirchenstaats  an  Frankreich  mitwirken  oder  dieser
Bannbulle,  insbesondere  aber  der  gegen  Napoleon  I.  gerichteten
entgegenwirken  würden.

Schlacht  bei  Berneck.

Die  VDesterreicher  unter  Kienmayer  schlagen  die  Franzosen
unter  Junot.

1813.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  macht  die
Landwehr  mobil,  was  vom  Volk  mit  ungeheurem  Jubel
aufgenommen  wird.

1814.  Oesterreich  nimmt  die  Lombardei  in  devinitiven  Besitz.

1815.  Geheimer  Vertrag  zwischen  Oestereich  und  Ferdinandl.,
König  beider  Sicilien.
Nach  demselben  verpflichtete  sich  der  Letztere,  in  seinem  Lande

keine  Verfassung  einzuführen  und  keine  Einrichtungen  zu  treffen,  welche
freisinniger  seien  als  die  lombardisehen.

Stiftung  der  Jenaer  Burschenschaft.

1830.  Albert  Träger,  Rechtsanwalt,  Parlamentarier  und  Dichter,
zu  Augsburg  geboren.

1840.  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  lässt  die  beiden
Dokumente  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  Ill.  „Mein  letzter
Wille“  und  „AnDich,  mein  lieber  Fritz“  veröffentlichen.

Der  nachmalige  Kaiser  Wilhelm  I.  erhält  den  Titel
„Prinz  von  Preussen.“

1848.  Revolutionäre  Volksversammlung  in  Neustadt  a.
H.  und  erstes  pfälzisches  Missionsfest  in  Ingelheim.
Das  Wartburgfest  grossartig  gefeiert.

Ausbruch  des  Aufstandesin  Prag,  bei  welcher  Gelegenheit,
  am  14.,  die  an  einem  Fenster  ihres  Palastes  lauschende
Gemahlin  ‘des  Fürsten  Wind  ischgräz  von  einer  Kugel
tötlich  getroffen  wurde.

1849.  Die  Oesterreicher  erobern  Ofen  zurück.
1850.  Konstituierung  des  provisorischen  Fürsten-Kollegiums
zu  Berlin,
        <pb n="274" />
        —  264  —

1851.  Der  deutsche  Bundestag  von  sämtlichen  deutschen
Staaten  beschickt,  beginnt  in  Frankfurt  a.  M.  wieder  seine
Sitzungen  in  der  alten  Weise,  und  führt  die  Lage  vor  1848  nach
Möglichkeit  zurück.

Preussen  hatte  mit  Widerstreben  im  April  das  alte  Regiment
anerkannt,  und  der  österreichische  Einfluss  beim  Bunde  ward  zum  massgebenden.
  Er  eröffnete  seine  Thätigkeit  mit  der  Veräusserung
  der  deutschen  Flotte,  der  Aufhebung  der  Grundrechte
  und  der  Vermehrung  des  Bundesheeres  und  setzte  einen  Ausschuss
für  die  inneren  Verfassungsangelegenheiten  nieder.

1859.  Die  Oesterreicher  verlassen  Bologna  und  die
Legationen.
Die  Franzosen  und  Sardinier  gehen  bei  Cassano  über
die  Adda.
1866.  Die  Oesterreicher  unter  Gablenz  verlassen  Holstein.
Die  österreichische  Regierung  bricht  die  diplomatischen
Beziehungen  mit  Preussen  ab.
1869.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  ErrichtungeinesoberstenGerichtshofesfürHandelssachen.

1871.  Döllingers  Aufruf  an  die  deutschen  Katholiken.
Der  deutsche  Reichstag  nimmt  das  Gesetz  über  die
Militärpensionen  an.
1878.  Auflösung  des  deutschen  Reichstags.

Georg  V.,  Exkönig  von  Hannover,  stirbt  zu  Paris.

 

15.  Juni.

823.  Karl  IL,  auch  der  Kahle  genannt,  zu  Frankfurt  a.  M.
geboren.

Er  war  der  Lieblingssohn  Ludwigs  I.,  des  Frommen.

1075.  Kaiser  Heinrich  IV.  besiegt  die  Sachsen  bei  Hohenburg
an  der  Unstrut  unweit  Langensalza  und  nimmt  den  sächsischen
und  thüringischen  Fürsten  bei  Nordhausen  gefangen.

1525.  Dr.  Martin  Luther  verheiratet  sich  mit  Katharina  von
Bora,  einer  Nonne,  welche  das  Kloster  verlassen  hatte:  ein
Schritt,  den  der  bereits  42jährige  Mann  erst  nach  schwerem
Kampfe  mit  unzähligen  Bedenklichkeiten,  aber  gewiss  ebensowohl
  aus  Grundsatz,  als  aus  Neigung  that.

Die  Ehe  war  eine  äusserst  glückliche;  sechs  Kinder  waren  derselben
entsprossen;  vier  hatten  ihn  überlebt.
        <pb n="275" />
        —  265  —

1532.  Nürnberger  Religionsfriede.

Den  Protestanten  wird  bis  zu  einem  all&amp;amp;cmeinen  Konzil  freie  Ausübung
  ihrer  Religion  zugestanden.

1554.  Schlacht  bei  dem  Kloster  Schwarzbach.

Die  Böhmen  schlagen  den  Markgrafen  Albrecht  von  Brandenburg-Kulmbach.


1559.  Schlacht  bei  Heide  in  Schleswig-Holstein.

Die  Dithmarschen  kämpfen  zum  letzten  Male  für  ihre  Freiheit,
unterliegen  nach  verzweiflungsvollem  Kampfe  der  Uebermacht  der  gegen
sie  verbündeten  Herzog  Adolf  von  Holstein  und  König  Friedrich  von
Dänemark.  Die  Dithmarschen  erkennen  nunmehr  die  Herzoge  von  Holstein
  als  ihre  Herren  an  und  haben  ihre  Waffen  und  all’  ihr  Kriegsgerät
und  die  Fahnen  auszuliefern,  welche  sie  in  früheren,  glücklicheren  Zeiten
erbeutet  hatten,  auch  wurde  ihr  teuerster  Schatz  vernichtet,  die  alten
Freibriefe,  die  sie  s.  Z.  von  Kaisern  und  Päpsten  erhalten  hatten.

1612.  König  Matthias  von  Böhmen,  Bruder  des  Kaisers
Rudolf  IL,  wird  einstimmig  zum  Reichsoberhaupt  gewählt.

Den  protestantischen  Wahlfürsten  Deutschlands  hatte  er  versprochen,
  in  den  kirchlichen  Fragen  es  ganz  so  halten  zu  wollen,  wie
sein  Vater,  der  geistesfreie  Maximilian  II.  So  kam  es  denn,  dass  diese
keine  ernstlichen  Schwierigkeiten  machten,  um  den  neuen  Kaiser  abermals
  aus  dem  Hause  Oesterreich  zu  nehmen.  —  Die  Jesuiten  beherrschten
zwar  seinen  Hof,  nichtsdestoweniger  wäre  es  den  Protestanten  gelungen,
wichtige  Zugeständnisse  an  ihre  religiösen  Forderungen  der  Wahlkapitulation
  einzufügen,  wenn  nicht  Kursachsen  die  evangelische
Sache  hier  im  Stiche  gelassen  hätte.

1682.  Luxemburger  Bündnis.

1747.  Grundsteinlegung  zur  katholischen  Kirche  in
Berlin.

1807.  Gefecht  bei  Gollau,  in  welchem  die  Preussen  die  Franzosen
  schlagen.

1809.  Avantgardengefecht  bei  Papa.

Die  Oesterreicher  werden  durch  die  Franzosen  geschlagen.

1810.  Der  Dichter  Johann  Gottlieb  Seume  stirbt  zu  Bad
Töplitz,  wohin  er  sich  zur  Herstellung  seiner  Gesundheit  begeben

  hatte.

Seine  Leiden  verschlimmerten  sich  so,  dass  an  seinem  Aufkommen
alsbald  gezweifelt  werden  musste.  Sein  hartherziger  Hauswirt  wollte,
da  er  bereits  in  den  letzten  Zügen  lag,  ihn  noch  aus  dem  Hause  schaffen
lassen,  und  während  die  Polizei  und  einige  angesehene  Männer  mit  den
Wirtsleuten  darüber  zankten,  starb  der  müde  Wanderer,  der  bekanntlich
in  jungen  Jahren  von  den  Häschern  des  Landgrafen  von  Kassel  aufgefangen
  und  ohne  Weiteres  zu  dem  Korps  bestimmt  worden  war,  das  den
Engländern  zum  Kriege  in  Amerika  verkauft  war.  Seumes  Dichtungen
zeigen  mehr  Kraft,  als  praktische  Kunst  und  Schönheit.  Seine  Vaterlandsliebe
  spricht  sich  in  seinem  Liede  „An  das  deutsche  Volk  1810

schmerzlich  aus:

„Warum  traf  mich  nicht  aus  einer  Wolke
Gottes  Feuer,  eh’  in  meinem  Volke
        <pb n="276" />
        —  266  —

Ich  die  Greuel  der  Verwüstung  sah?
Schmerzlich  zuckt  es  mir  durch  die  Gebeine
Bei  der  heissen  Thräne,  die  ich  weine

Auf  des  Vaterlandes  Golgatha!“

1816.  Stiftung  der  vereinigten  Artillerie-  und  Ingenieurschule
  zu  Berlin.

1818.  August,  Prinz  von  Sachsen-Coburg-Kohary,  sächsischer
  General,  geboren.  Vermählt  mit  Prinzessin  Clementine,
Tochter  Louis  Philipps.

1828.  Königlich  preussische  Kabinettsordre  gegen  die
Duelle.

1849.  Abzug  der  provisorischen  Regierung  von  Kaiserslautern.

1861.  Königliches  Reskript  an  die  Württemberger  Kammer  wegen
Aufhebung  des  Konkordats.

1866.  Plötzlicher  Befehl  zur  Mobilmachung  in  Hessen-Kassel.
1873.  Reichsgesetz  über  die  Kriegsleistungen.

1874.  August  Freiherr  von  der  Heydt,  preussischer  Staatsminister,
  stirbt  zu  Berlin.

Am  15.  Februar  1801  zu  Elberfeld  geboren,  war  anfänglich  Associe
des  dortigen  Bankgeschäfts  v.  d.  Heydt;  ward  1858  Minister,  schied  beim
Eintritt  Bismarcks  aus,  übernahm  aber  Jann  18665  zum  zweiten  Mal  das
Ministerium  der  Finanzen  und  erhielt  am  29.  Oktober  1869  die  nachgesuchte
  Entlassung.

1877.  Grossherzog  Ludwig  Ill.  von  Hessen  stirbt  kinderlos;
ihm  folgt  sein  Neffe  Ludwig  IV.  in  der  Regierung.

1878.  Eröffnung  des  Berliner  Kongresses  in  der  orientalischen
Frage.

Fürst  Bismarck  führte  den  Vorsitz.

1886.  (Pfingstmontag.)  Beklagenswertes  Ende  des  kunstsinnigen
Königs  Ludwig  II.  von  Bayern  im  Starnberger  See.  —  Mit
ıım  ertrank  der  berühmte  Irrenarzt  Dr.  Gudden.

1890.  ’ulver-Explosion  zu  Spandau.

Dieselbe  fand  nachmittags  12%,  Uhr  statt,  und  wurden  hierbei
7  Personen  schwer  und  11  leicht  verletzt.
        <pb n="277" />
        267  —

14.  Juni.

1349.  Der  von  den  Kurfürsten  zu  Mainz,  Pfalz,  Brandenburg  und
Sachsen  am  30.  Januar  1349  zu  Frankfurt  a.  M.  zum  deutschen
Kaiser  gewählte  tapfere  Graf  Günther  zu  Schwarzburg,
stirbt  ebendaselbst,  nachdem  er  sich  wenige  Wochen  vorher  mit
seinem  Gegenkaiser  Karl  IV.  dahin  verständigt  hatte,  dass  er
gegen  Zahlung  von  zwanzigtausend  Mark  Silber  und
seiner  Schulden  in  Frankfurt,  welche  sich  auf  tausend
zweihundet  Mark  bezifferten,  der  kaiserlichen  Würde
entsagte.

„Wären  auch“,  so  erklärte  der  mit  den  heftigsten  Schmerzen
kämpfende  Günther,  „alle  Freunde  von  mir  gewichen,  ich  würde  dennoch
den  Gang  mit  meinen  Gegnern  gewagt  haben.  Jetzt  aber,  ein  wehrloser
Mann,  dem  Tode  nah,  gedenke  ich  meiner  Kinder!“

1420.  Kaiser  Sigismund  beginnt  durch  die  Belagerung  von

Prag  den  Krieg  gegen  die  Hussiten.

1703.  Niederlage  Franz  Rakoczis  durch  die  Kaiserlichen  bei
Munkacs  in  Ungarn.

1753.  Ludwig  I.,  Grossherzog  von  Hessen-Darmstadt,  zu  Penzlau
(Untermark)  geboren.
Er  gab  seinem  Lande  am  17.  Dezember  1820  eine  konstitutionelle
Verfassung  und  starb  am  6.  April  1830.
1796.  Wegnahme  der  österreichischen  Verschanzungen  bei
Frankenthal  durch  die  Franzosen.

1799.  Napoleon  Bonaparte  hält  seinen  Einzug  in  Uairo  und
nimmt  die  Geschenke  des  Scheiks  in  Empfang.

1800.  Schlacht  bei  Marengo,  in  deren  Anfang  die  Oesterreicher
siegreich  gegen  Bonaparte  fochten,  als  plötzlich  Desaix,  der  kurz
zuvor  aus  Aegypten  zurückgekommen  war,  mit  einer  Division
von  10,000  Mann  frischer  Truppen  ankam  und  den  Angrifferneuerte.

Während  das  gesamte  siegreich  vordringende  österreichische
Heer  dadurch  und  durch  die  gleichzeitige  Gefangennahme  seines  Führers
mit  dem  ganzen  Stabe  der  Führung  beraubt,  in  Verwirrung  geriet,  benutzte
  Bonaparte  den  günstigen  Augenblick  und  trieb  die  Seinen  von
neuem  zum  Angriff,  so  dass  die  von  den  Oesterreichern  bereits  gewonnene
Schlacht  für  sie  wieder  verloren  ging.  Die  Folgen  der  Schlacht
bei  Marengo  waren  überaus  wichtig;  denn  sie  setzten  die  Franzosen
  in  den  Besitz  des  grössten  Teiles  von  Italien  und  eines  ungeheueren
Kriegs-Materials.

1807.  Schlacht  bei  Friedland,  in  welcher  Napoleon  die  verbündeten
  Russen  und  Preussen  unter  dem  russischen  General
        <pb n="278" />
        —  268  —

Bennigsen  so  vollständig  schlägt,  dass  sich  dieser  nur  mit  Mühe
retten  konnte,  und  ganz  Preussen  in  die  Hände  der  Franzosen  fiel.

Die  Ungunst  der  Verhältnisse  hatte  hiermit  ihren  Höhepunkt  erreicht.
Oesterreich  bewies  sich  als  müssiger  Zuschauer,  England  blieb  unthätig
und  Alexander  I.  von  Russland  wollte  unter  solchen  Umständen  den  Krieg
nicht  in  sein  Land  verpflanzt  sehen.  Er  drang  nunmehr  auf
Waffenstillstand.

1809.  Schlacht  beı  Raab.

Der  rechte  Flügel  der  gegen  Oesterreich  kämpfenden  französischen
  Armee,  unter  dem  Befehl  des  Vizekönigs  von  Italien,  siegt
über  die  vereinigten  Korps  des  Erzherzogs  Johann  und  Erzherzogs  Palatin.
Seit  der  Schlacht  an  Piave  (Mitte  Mai)  hatte  der  Vizekönig  Eugen  den
Erzherzog  Johann  unaufhörlich  verfolgt;  mit  dem  Erzherzog  Palatin
bei  Raab  vereint,  stellten  sich  die  Oesterreicher  den  ihnen  folgenden
Franzosen  entgegen.  Die  Oesterreicher  wurden  in  die  Flucht  geschlagen,
mehr  als  3000  Tote  auf  dem  Schlachtfelde  lassend  ;  die  Franzosen  selbst
hatten  jedoch  so  gelitten,  dass  sie  ihre  Verfolgung  nicht  weiter  fortsetzten.

1813.  Vertrag  zu  Reichenbach,  zwischen  Preussen  und
Russland  mit  England,  in  welchem  ersteres  durch  das  Verschulden
  seines  Ministers  Hardenberg  wieder  recht  stiefmütterlich
bedacht  wurde.  Von  Preussens  Vergrösserung  war  im  Reichenbacher
  Vertrag  nur  leichthin,  von  der  Hannovers  sehr  genau  die
Rede.  „Preussen  musste  immer  am  meisten  leisten,
und  die  anderen  sollten  das  meiste  bekommen‘.

1817.  Georg  Arnold  Karl  von  Kameke,  preussischer  Kriegsminister,
  zu  Pasewalk  geboren.

1828.  Grossherzog  Karl  August  von  Sachsen-Weimar
stirbt  auf  der  Rückreise  von  Berlin  plötzlich  an  einem  Schlagfusse
  auf  Schloss  Graditz.

1735.  Adolf  Stern,  zu  Leipzig  geboren.
Als  Dichter  schrieb  er  verschiedene  Novellen.

1848.  Erstürmung  des  Zeughauses  zu  Berlin.  Gleichzeitig
Aufruhr  in  Prag.

1849.  Treffen  beiKirchheimbollanden,  in  welcher  die  Mainzer
Freischärler  unter  dem  Advokaten  Zitz  von  den  Preussen  in  die
Flucht  geschlagen  werden.

Die  Preussen  besetzen  Kaiserslautern.

1850.  Das  königlich  dänische  Manifest,  die  Unteilbarkeit
Dänemarks  verkündigend,  wird  von  den  Holsteinern  verworfen.

1859.  Der  Prinzregent  von  Preussen,  nachmaliger  Deutscher
Kaiser,  lässt  zwei  Drittel  des  preussischen  Heeres  mobil
machen,  um  —  wenngleich  seine  Regierung  der  österreichischen
abgeraten  hatte,  sich  in  den  Kampf  mit  Louis  Napoleon  einzulassen
  —  die  französische  Uebermacht  zu  brechen.

‚  Schon  bei  dieser  Gelegenheit  zeigte  sich  der  innere  Konflikt
zwischen  Oesterreich  und  Preussen,  das  sich  nicht  unter  die
        <pb n="279" />
        —  269  —

Botmässigkeit  des  Hauses  Habsburg  stellen  wollte.  Der  Prinz-Regent
wollte  selbständig  handeln  und  verlangte,  dass  ihm  die  Oberleitung  des
Krieges  überlassen  werde,  den  Preussen  hauptsächlich  hätte  auszufechten
gehabt.  Darüber  Depeschen  über  Depeschen,  denn  Oesterreich  verlangte
  denBeistand  quasi  als  Pflicht  eines  Vasallen,  und
willigte  lieber  in  einen  schimpflichen  Frieden,  als  den
wohlmeinenden  Vorschlägen  Preussens  nachzugeben.

1862.  AbschlusseinerEtappenkonvention  zwischen  Bayern
und  Preussen.

1866.  Der  Antrag  Oestereichs  beim  deutschen  Bunde,
auf  eine  unverzügliche  Mobilisierung  des  Bundesheeres,
  kommt  trotz  Preussens  Protest  zur  Abstimmung,  und
wird  mit  9  gegen  6  Stimmen  angenommen.

Mit  Oesterreich  stimmten:  Bayern,  Sachsen,  Hannover
Württemberg,  beide  Hessen,  Nassau,  Meiningen,  Frankfurt,  Reuss,  Lippe
und  Lichtenstein.  Gegen  dasselbe:  Baden,  Weimar,  Oldenburg,
Mecklenburg,  Anhalt,  Luxemburg,  Schwarzburg,  Koburg,  Altenburg,
Bremen,  Hamburg  und  Lübeck.  Preussen  enthielt  sich  natürlich  der
Abstimmung,  „daesdieganzeBundesverhandlungfürbundeswidrig
  erklärt  hatte.“  Nachdem  der  Vertreter  Oesterreichs,  als
Vorsitzender,  dies  Ergebnis  verkündigt,  erhob  sich  der  preussische  Gesandte
  und  gab  im  Namen  seiner  Regierung  die  Erklärung  ab,  dass
Preussen  nunmehr  den  bisherigen  Bundesvertrag  für  gelöst
  und  erloschen  betrachte,  worauferdieVersammlung
verliess.  Das  war  der  wichtigste  und  bald  der  letzte  Augenblick  im
Leben  des  deutschen  Bundes!  Nun  galt  es:  Oesterreich  oder
Preussen?  Das  Alte  oder  das  Neue?  —  —  Diese  Abstimmung
sollte  alsbald  schon  für  viele,  die  daran  teilnahmen,  auch  über  Sein  oder
Nichtsein  entscheiden!

Bayern  schliesst  mit  Desterreich  den  Olmützer  Vertrag
ab,  durch  welchen  es  sich  unter  dessen  Oberbefehl  stellte.

1868.  Norddeutsches  Bundesgesetz,  betreffend  die  Bewilligung
vonlebenslänglichen  Pensionenund  Unterstützungen
an  Offiziere  und  obere  Militärbeamte  der  ehemaligen  Schleswig-Holsteinischen
  Armee,  sowie  an  deren  Witwen  und  Waisen.

1873.  Friedrich  Ludwig  Georg  von  Raumer,  berühmter
Historiker,  stirbt  zu  Berlin.

1874.  Stiftung  des  deutschen  Vereins  der  Rheinprovinz  unter
Vorsitz  Heinrich  von  Sybels.

1880.  Grosse  Ueberschwemmung  in  der  Oberlausitz.

1889.  Samoa-Vertrag  abgeschlossen  zwischen  Deutschland,
England  und  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,
        <pb n="280" />
        —  270  —

15.  Juni.

1246.  Friedrich  der  Streitbare,  Herzog  von  Oesterreich,  fällt
in  der  blutigen  Schlacht  bei  Neustadt,  von  dem  Italiener
Frangipani  erstochen.

Im  Felde  tapfer,  hauste  er  daheim  als  Wollüstling.  Sein  Tod
brachte  über  Oesterreich  und  die  angrenzenden  Länder  grosse  Verwırrung.


1415.  Die  Kirchenversammlung  zu  Konstanz  erklärt  ın
ihrer  dreizehnten  allgemeinen  Sitzung  auf  den  Antrag  ihres
französischen  Führers  Gerson,  in  Bezug  auf  die  Abendmahlsfeier:
  zwar  habe  Christus  und  die  erste  Kirche  allerdings,  wie
die  Böhmen  (Hussiten)  sagen,  das  Abendmahl  unter  beiden
Gestalten  (Kelch  und  Brot)  an  Alle  ausgeteilt;  aber  später  habe
die  Kirche  aus  guten  Gründen  notwendig  gefunden,  in  der
äusserlichen  Verwaltung  des  Sakraments  nach  den  Bedürfnissen
der  Umstände  vernünftig  zu  ändern,  und  darum  sei
jeder  als  Ketzer  zu  bestrafen,  welcher  der  Kirche
undderKirchenversammlungsich  hierin  nicht  unterwerfe.“


1426.  Schlacht  bei  Biehani  oder  Aussig.

Die  Hussiten  schlagen  die  Meissner  in  die  Flucht.

1520.  Luther  wird  von  dem  Papst  Leo  X.  in  den  Bann
gethan.

Papst  Leo  X.,  durch  Dr.  Eck  und  die  hierarchische  Partei  dazu
bestimmt,  erlässt  nach  langem  Zögern  die  Verdammungsbulle
gegen  Dr.  Martin  Luther.  Um  schnell  zum  Ziel  zu  gelangen,  hatte
man  den  Todfeind  des  Verurteilten,  Dr.  Eck  in  Ingolstadt,  mit  der  Verbreitung
  der  Bulle  beauftragt,  der  dieselbe  in  den  Kirchen  und  auf  den
Märkten  publizierte  und  durch  seine  Konsorten  zur  allgemeinen  Kenntnis
bringen  lies.  Doch  das  deutsche  Volk  nahm  die  päpstlichen
Befehle  an  verschiedenen  Orten  nur  mit  Unwillen  auf,
und  in  Sachsen  geriet  Dr.  Eck  sogar  bei  Verbreitung  des  Urteils  in
Lebensgefahr  und  musste  sein  Heil  in  eiliger  Flucht  suchen.

1607.  (Nach  andern  am  15.  Juli.)  Paul  Rembrandt  von  Rhyn,
einer  der  berühmtesten  Maler  und  Kupferätzer  der  niederländischen
  Schule,  in  einer  Mühle  unweit  Leyden,  die  seinem

Vater  gehörte,  geboren.

1702.  Kaiserswerth  wird  von  den  Preussen  und  Oesterreichern
genommen  und  so  zerstört,  dass  nur  wenige  Menschen  von  der
Einwohnerschaft  am  Leben  blieben.
        <pb n="281" />
        —  271  —

1749.  Georg  Joseph  Vogler,  Abt,  Komponist,  zu  Würzburg
geboren.

1792.  Die  Kurfürsten  treten  zur  Kaiserwahl  zusammen,
um  für  den  am  1.  März  verstorbenen  Leopold  II.  einen  Nachfolger
  zu  bestimmen.

Angesichts  des  bevorstehenden  Kriegs  mit  Frankreich  wurde  das
Geschäft  besonders  beschleunigt,  da  man  hierauf  den  Einfall  einer  grossen
deutschen  Armee  in  Frankreich  beabsichtigte,  um  den  ‚revolutionären
  Ideen  ein  schnelles  Ende  zu  bereiten“

1794.  Schlacht  bei  Hooglede  (Westflandern).

Die  Franzosen  unter  Moreau  besiegen  die  Oesterreicher
unter  QOlairfeyt.

1796.  Gefecht  bei  Wetzlar.

Sieg  der  Oesterreicher  und  Sachsen  unter  dem  Erzherzog
Karl  über  die  Franzosen  unter  Jourdan,  worauf  diese  bei  Neuwied
über  den  Rhein  zurückgehen.

1799.  Krakau  ergiebt  sich  den  Preussen.
1815.  Treffen  bei  Charleroi.

Erster  Zusammenstoss  der  Franzosen  unter  Napoleon  mit  der  Vorhut
der  Preussen  unter  Ziethen,  welche  sich,  der  Uebermacht  weichend,  in
bester  Ordnung  und  unter  heftigem  Widerstand  bis  nach  Fleurus  zurückzogen,
  wo  sie  das  verstärkte  Korps  unter  Blücher  aufnahm.

1848.  Der  Berliner  Pöbel  erstürmt  und  plündert  das  Zeughaus.
1849.  Gefecht  bei  Hirschhorn  am  Neckar.

Hanauer  Turner  werden  von  einer  Abteilung  Bayern  und
Kurhessen  aus  Hirschhorn  vertrieben.

Die  Preussen  nehmen  Ludwighafen  in  der  Pfalz  ein
und  verjagen  die  Insurgenten.

1859.  Gefecht  zwischen  den  Oesterreichern  und  Garibaldianern
bei  Tre  Ponti.

1860.  Zusammenkunft  des  Prinzregenten  von  Preussen  mit
Napoleon  III.  in  Baden-Baden.  —  Gleichzeitig  bis  zum
21.  d.  M.  der  deutsche  Fürstentag  zu  Baden-Baden,
durch  den  Prinzregenten  Wilhelm  von  Preussen  veranlasst,  als  er
dem  mehrfach  kund  gegebenen  Wunsche  Napoleons,  ihn  in  Baden-Baden
  begrüssen  zu  dürfen,  nicht  länger  ausweichen  konnte  und
dieser  ihm  auf  sein  ausdrückliches  Verlangen  hin,  die  Unverletzlichkeit
  Deutschlands  anerkannt  hatte.

Napoleon  besuchte  den  Prinz-Regenten  in  Baden-Baden,  aber  die
deutschen  Fürsten  waren,  des  Letzteren  Einladung  folgend,
  zugegen.  Man  nannte  dies  den  „ersten  moralischen  Sieg“,  den
seine  ehrliche  Politik  über  eifersüchtige  und  argwöhnische  Bundesgenossen
  und  über  den  gefährlichen  Nachbar  zugleich  errang.

1865.  Konferenz  der  evangelischen  Kirchenbehörden
Deutschlands  zu  Eisenach.
        <pb n="282" />
        —  272  —

1866.  Ausbruch  des  Krieges  Preussens  mit  Oesterreich.
Da  der  preussische  Ministerpräsident  v.  Bismarck  mit  seinen
am  10.  Juni  den  deutschen  Regierungen  unterbreiteten  Grundzügen
  einer  neuen  Bundesverfassung  kein  Gehör  gefunden  hatte,
bietet  er  dieselben  Vorschläge  den  unmittelbaren  Nachbarregierungen
  Preussens,  als  zu  einem  Frieden  auf
deutsch-nationaler  Grundlage  an  und  knüpft  schliessend
die  Aufforderung  zur  Neutralität  mit  dem  Beisatze  daran,  dass
Preussen,  wenn  sie  seine  friedlicheu  Erbietungen  ablehnen,
sie  fortan,  „als  im  Kriege  gegen  sie  betrachten  würde”.

Das  Kabinet  von  Dresden,  wie  das  von  Hannover  lehnte  ab,
ebenso  das  von  Kassel  und  das  von  Wiesbaden;  und  sofort  —  noch
in  der  Nacht  vom  15.  auf  den  16.  Juni  —  rücken  preussische
Heerteile  kriegsmächtig  in  Hannover,  in  Kurhessen  und
in  Sachsen  ein.

1868.  General  Moltke  erklärt  im  norddeutschen  Reichstag,  dass
Deutschland,  wenn  es  geeinigt  sei,  stark  genug  sein
werde,  um  seinen  Nachbarn  den  Krieg  zu  verbieten.

1869.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  besucht  Bremen  und
Bremerhafen.

Abfahrt  der  deutschen  Nordpol-Expedition  von  Bremerhafen.


1871.  Der  erste  deutsche  Reichstag  wird  durch  Kaiser
Wilhelm  I.  geschlossen.

1875.  Beginn  der  Verhandlungen  des  Prozesses  Arnim  in  der
Appellationsinstanz.

1876.  Eröffnung  der  Kunst-  und  Industrieausstellung  in
München.

1885.  Prinz  Friedrich  Karl  von  Preussen,  General-Feldmarschall,
  stirbt  zu  Kleinglienicke  bei  Potsdam.

In  Nürnberg  wird  die  interationale  Ausstellung
für  Edelmetalle  eröffnet.

1888.  Kaiser  Friedrich  III.,  der  Unvergessliche,  stirbt  nach  langen,
schmerzlichem  Leiden  auf  Schloss  Friedrichkron  Vormittags  11!/,
Uhr,  kaum  57  Jahre  alt  und  nachdem  er  nur  99  Tage  regiert  hatte.  —
Ihm  folgt  sein  ältester  Sohn  als  Wilhelm  I.  in  der  Regierung.

Zwar  war  wohl  das  deutsche  Volk  durch  des  Kaisers  schwere  und
langwierige  Krankheit  auf  den  ihm  drohenden  Verlust  vorbereitet,  dennoch
aber  traf  die  Gemüter  der  neue  Schlag  schwer  und  versetzte  Hoch  und
Niedrig,  Vornehm  und  Gering  in  tiefe  Trauer.  Und  diese  Trauer  war
eine  um  so  berechtigtere  und  allgemeinere,  als  man  überall  im  Volke
zu  „unserm  Fritz“,  dein  tapferen  Heerführer  und  liebenswürdigen  Manne
in  Liebe  emporsah.

1890.  Einweihung  des  Denkmals  des  Herzogs  Friedrich
Wilhelm  von  Braunschweig  bei  Quatrebras.

Der  Internationale  Congress  für  Gefängniswesen
tritt  in  Petersburg  zusammen.
        <pb n="283" />
        —  273  —

16.  Juni.

1107.  Bruno,  der  Heilige,  Bischof  von  Meissen,  stirbt  daselbst.

Er  hat  sich  grosse  Verdienste  um  die  Bekehrung  der  Wenden  erworben
  und  zeichnete  sich  als  eine  durch  seine  apostolische  Wirksamkeit
und  sittliche  Grösse  hervorragende  Persönlichkeit  aus.

1465.  Karl  der  Kühne,  Herzog  von  Burgund,  liefert  dem  König
Ludwig  XI.  von  Frankreich  die  unentschiedene  Schlacht  bei
Montlhery.

1546.  Nachdem  auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg  die
evangelischen  Stände  die  katholischen  vergebens  um  ihre
Vermittiung  ersucht  hatten,  fordern  sie  von  Karl  V.  förmlichen
Aufschluss  über  den  Zweck  seiner  Rüstungen.

Solchermassen  bedrängt,  gab  der  Kaiser  die  bisherige  Verstellung
auf  und  erklärte,  zur  Ergreifung  der  Waffen  entschlossen  zu
sein,  doch  bezwecke  seine  bewaffnete  Einschreitung  keinen  Religionskrieg,
  sondern  nur  die  Beschützung  des  kaiserlichen  Ansehens  und  der
Reichsverfassung.  Dies  beteuerte  er  insbesondere  noch  in  einem  Schreiben
an  die  Reichsstädte  Strassburg,  Nürnberg,  Augsburg  und  Ulm.

1673.  Der  grosse  Kurfürst,  durch  Turenne  gedrängt,  schliesst

den  für  Brandenburg  nicht  ungünstigen  Frieden  zu  Vossem  ab.

1674.  Die  Franzosen  unter  Turenne  schlagen  ein  kaiserliches
Heer  unter  dem  Herzog  von  Lothringen  bei  Sinsheim  und
verwüsteten  hierauf  die  Pfalz  furchtbar.

1689.  Kaiserswerth  kapituliert  mit  dem  Kurfürsten  Friedrich  II.
1746.  Schlacht  bei  Piacenza.

Die  Oesterreicher  unter  Liechtenstein  besiegen  die  vereinigten
Franzosen  und  Spanier  unter  Gages  und  Maillebois.

1780.  Ludwig  Freiherr  von  Welden,  österreichischer  Feldzeugmeister,

  zu  Laupheim  in  Württemberg  geboren.
Er  starb  am  7.  August  1853  zu  Graz.

1784.  Benediktus  Gotthelf  Teubner,  hervorragender  Buchdrucker
  und  Buchhändler,  zu  Grosskraussnigk  (Niederlausitz)
geboren.

Er  starb  am  21.  Januar  1856  zu  Leipzig.

1799.  Erzherzog  Karl  schlägt  die  Franzosen  unter  Massena  an

der  Limmat.

1800.  Vertrag  zu  Alessandria.
Oesterreich  schliesst,  veranlasst  durch  seine  Niederlage  bei
Marenco,  mit  Napoleon  Bonaparte  Frieden,  durch  welchen  die
Franzosen  in  Besitz  von  Oberitalien  bis  an  den  Mincio  und  12  Festungen

kommen.
18
        <pb n="284" />
        —  274  —

An  demselben  Tage  geben  die  Oesterreicher  auch  das
am  4.  Juni  besetzte  Genua  wieder  auf.

1807.  Die  Franzosen  unter  Marschall  Soult  ziehen,  in  Folge  der

siegreichen  Schlacht  bei  Friedland,  in  Königsberg  ein.

Schon  einige  Monate  vorher  hatte  der  König  Friedrich  Wilhelm  III.
sich  mit  den  Seinigen  nach  der  nahe  an  der  russischen  Grenze  liegenden
letzten  Stadt  Preussens,  nach  Memel  begeben,  von  wo  aus  die  Leitung
der  Geschäfte,  soweit  sie  noch  von  der  preussischen  Verwaltung  abhing,

besorgt  wurde.

1815.  Mörderische  Schlacht  bei  Ligny,  welche  die  Preussen
unter  Blücher,  auf  die  versprochene  rechtzeitige  Hilfe  der  Engländer
  bauend,  des  Nachmittags  von  Napoleon  angenommen

hatten.

Auf  beiden  Seiten  wird  mit  furchtbarer  Erbitterung  gekämpft;  es
schien,  als  ob  jeder  Einzelne  in  dem  Gegenüberstehenden  seinen  persönlichen
  Todfeind  gefunden  habe  und  sich  der  Gelegenheit  freue,  seine
glühende  Rache  befriedigen  zu  können.  Der  Sieg  muss  dem  zufallen,
der  die  meisten  frischen  Truppen  zur  Verfügung  hat,  und  da  die  Engländer
  durch  Marschall  Ney  an  ihrem  Eintreffen  gehindert  wurden,  80
behauptete  Napoleon  das  Schlachtfeld.  Dem  alten  Helden
Blücher  wird  das  Pferd  unterm  Leib  erschossen;  er  liegt  unter  demselben,
  die  französischen  Kürassiere  sprengen  heran,  die  Preussen  sind
schon  vorüber,  da  springt  Graf  Nostiz,  der  bei  Blücher  ist,  vom  Pferd,
jagt  es  in's  Weite,  dass  die  Feinde  den  Heldengreis  nicht  gewahren  sollen,
hält  treu  bei  ihm  aus  und,  wie  die  Feinde  vorüber  sind,  zieht  er  ihn
unter  dem  Pferde  hervor,  und  Blücher  ist  gerettet.  —  Die  für  die
Preussen  verlorene  Schlacht  hatte  ihnen  12000  Mann  an  Toten  und
Verwundeten  und  21  Kanonen  gekostet;  aber  der  Verlust  der  Franzosen
war  nicht  viel  geringer.  „Wir  haben  Schläge  gekriegt,  aber  wir  müssen
es  wieder  ausbessern  !“  hatte  Blücher  noch  in  der  Nacht  zu  Gneisenau
gesagt,  und  die  Gelegenheit  bierzu  ward  ihm  zwei  Tage  später  geboten.

An  demselben  Tag  wird  Wellington  bei  Quatrebras
durch  Ney  besiegt;  dort  sinkt  ein  teurer  deutscher  Held,  der
Herzog  Wilhelm  von  Braunschweig,  in  sein  Blut  und
wird  sterbend  aus  der  Schlacht  getragen.

1821.  Bulle  des  Papstes  Pius  VII  „Desaluteanimarum“*,
in  Bezug  auf  Feststellung  der  römischen  Kirchein
Preussen.

1846.  Papst  Pıus  IX.  besteigt  den  päpstlichen  Stuhl.

Niemand  ahnte  damals,  welche  gewaltige  Bewegung  von  diesem
Papste  ausgehen  würde,  „als  er,  hochgetragen  in  seinem  Throne  auf  den
Schultern  seiner  Kämmerlinge.  in  der  Mitte  des  in  Purpur  erglänzenden
Hofes,  segnend  das  knieende  Volk  und  die  katholische  Christenheit
zugleich  die  vier  Himmelsgegenden  mit  seinen  ausgebreiteten  Armen
gleichsam  in  Besitz  nahm.  —  Schon  in  den  ersten  Tagen  nach  dem  Antritt
  des  Pontifikats  erwarb  er  sich  die  Gunst  des  Volks  durch  sein
freundliches,  leutseliges  Benehmen;  als  er  aber  gerade  einen  Monat  nach
seiner  Erwählung  eine  allgemeine  Amnestie  erliess,  da  widerhallte  ganz
Rom  und  der  Rirchenstaat,  ja  ganz  Italien  von  Jubel  und  Segenswünschen.

1849.  Schlacht  bei  Käferthal,  Grosssachsen  und  Ladenburg,
  an  welchem  Orten  die  Aufständischen,  reguläre  badische
        <pb n="285" />
        —  25  —

Truppen  und  Freischärler,  gegen  die  Hessen,  Mecklenburger
und  Württemberger  unter  wechselseitigem  Glücke  hartnäckig
kämpften.

An  demselben  Tage  erklärt  das  in  Stuttgart  versammelte

„Rumpfparlament“  den  Reichsverweser,  Erzherzog  Johann,
für  abgesetzt.

Die  Preussen  rücken  in  Speyer  ein.

Niederlage  der  Ungarn  unter  Görgei  bei  Bös  und
Szered.

1864.  Zusammenkunft  der  Kaiser  von  Russland  und  Oesterreich
  in  Kissingen.

1865.  Eröffnung  der  Eisenbahn  von  Tilsit  nach  Jnsterburg.

1866.  Die  preussische  Staatsregierung  erlässt  eine  Proklamation
an  das  deutsche  Volk.

Einmarsch  der  preussischen  Elbarmee  unter  General
Herwarth  von  Bitterfeld  in  das  Königreich  Sachsen,  der  ersten
Armee  unter  Prinz  Friedrich  Karl  in  die  sächsische  Lausitz,
und  die  preussische  Division  des  General  von  Beyer  in  Kurhessen.


1870.  Gesetz  des  Norddeutschen  Bundes  über  die  Ausgabe  von
Papiergeld.

1871.  Festlicher  Einzug  eines  Teiles  des  aus  Frankreich  zurückkehrenden
  Heeres  in  Berlin.

Es  waren  40000  Mann.  —  Einen  glänzenderen  und  stolzeren  Einzug
hatte  Berlin  noch  nie  gesehen.

Feierliche  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrich
Wilhelms  Ill.  in  Berlin.

Kriegsminister  von  Roon  wird  in  den  Grafenstand
erhoben,  —  Moltke  zum  Generalfeldmarschall  ernannt.

1880.  Berliner  Botschafter-Konferenz  wegen  Grenzregulierung
  zwischen  Griechenland  und  der  Türkei,
tritt  in  einem  Saale  des  auswärtigen  Amtes  zusammen.

1885.  Sozialdemokratische  Revolte  in  Brünn;  die  Arbeiter
von  59  Fabriken  stellen  die  Arbeit  ein.

1888.  Sektion  der  Leiche  Kaiser  Friedrich  Ill.  Der
Sektionsbefund  war  Krebs.
        <pb n="286" />
        —  2716  —

17.  Juni.

1405.  Schlacht  am  9toss.

Die  Appenzeller,  im  Kampf  mit  dem  Abt  Kuno  von
St.  Gallen,  schlagen  die  von  diesem  zur  Hilfe  gerufenen  Oesterreicher
  vollständig.  Die  Appenzeller  wurden  durch  den  Grafen  Rudolf
von  Werdenberg,  einen  von  Öesterreich  aus  seinen  Besitzungen  vertriebenen
  Edelmann,  geführt.

1442.  Der  alsbald  nach  dem  Ableben  des  Kaisers  Albrecht  Il.  zum
Reichsoberhaupte  gewählte  Herzog  Friedrich  v.  Oesterreich
wird  zu  Aachen  mit  grosser  Feierlichkeit  gekrönt.

Schon  bei  dieser  Gelegenheit  ergab  sich,  dass  Friedrich  III.  der
Gesetzlosigkeit  im  deutschen  Reiche  weniger  steuern,  als  vielmehr
für  dieFörderung  derhabsburgischenHausmachtbedacht
sein  und  dadurch  das  Reich  in  mancherlei  Verwicklungen
bringen  werde.

1546.  Kaiser  Karl  V.  erklärt  auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg,
  dass  er  die  Waffen  ergreife,  nur  um  einige  Fürsten  zu
strafen,  welche  unter  dem  Vorwand  des  Evangeliums  wider
die  Reichsgewalt  sich  auflehnten,  alle  Gesetze  verhöhnten  und
das  gemeinsame  Vaterland  unterdrückten.

Diese  Erklärung  war  natürlich  gegen  die  Häupter  der  Evangelischen,
gegen  Kurfürst  Johann  Friedrich  von  Sachsen  und  Landgraf  Philipp
von  Hessen  gerichtet,  von  welchen  abzufallen  er  die  evangelischen  Stände
sogar  aufiordertee  Doch  die  Protestanten  wiesen  diese  Zumutungzurückundrüstetensichnunihrerseitsmitäusser-

  Nachdruck.

1696.  Johann  Sobieski,  (Johann  III.)  König  von  Polen  und
Retter  der  Kaiserstadt  Wien  von  den  Drangsalen  der
Türkenbelagerung,  stirbt.

Er  war  vor  Wien  in  Besitz  der  geheiligten  Fahne  Mohameds  gekommen
  und  sandte  solche  mit  einem  Brief  an  den  Papst.  „Ich  bin
gekommen,  ichhabegesehen,  und  Gott  hatgesiegt!“  schrieb
er  diesem.

1703.  Eindringen  des  Kurfürsten  Max  II.  Emanuel  von  Bayern
in  Tyrol.
1799.  Gefecht  am  Tidone.
Sieg  Suwarows  über  die  Franzosen  unter  Macdonald.

1806.  Der  Dichter  Dräxler-Manfred  (Karl  Drexler)  zu  Lemberg
in  Galizien  geboren.

1810.  Ferdinand  Freiligrath,  ein  besonders  wegen  seiner
„Politischen  und  sozialen  Gedichte“  viel  gefeierter  Dichter,  zu
Detmold  geboren.
        <pb n="287" />
        —  27  —

1813.  Auf  Befehl  Napoleons  wird  bei  Kitzen  das  Lützow’sche
Freikorps  verräterisch  überfallen  und  bis  auf  wenige  Mann  aufgerieben.


1815.  Zusammentreffen  der  Regenten  von  Preussen,  Oesterreich
  und  Russland  in  Speyer  auf  ihrem  Zuge  nach  Paris.

Friedrich  Franz  I.,  Herzog  von  Mecklenburg-Schwerin,
nimmt  die  grossherzogliche  Würde  an.

1848.  Auszug  der  Heidelberger  Studenten  nach  Neustadt
a.  d.  H.,  wo  sie  bis  zum  23.  Juli  blieben.

Bombardement  von  Prag  und  Unterdrückung  des
czechischen  Aufstandes  daselbst  durch  den  Fürsten  Windischgrätz.

1849.  Entsetzung  Landau’s  in  der  Pfalz  durch  die  Preussen.

1854.  (Nach  andern  am  17.  Juli.)  Henriette  Sonntag,  Gräfin
Rossi,  berühmte  dramatische  Sängerin,  stirbt  in  Mexiko  an  der
Cholera.

1860.  Beginn  des  ersten  deutschen  Turnerfesteszu  Koburg,
gefeiert  von  63  deutschen  Turnvereinen  und  2000  deutschen
Jünglingen.

1866.  General  Vogel  von  Falkenstein  zieht  an  der  Spitze  eines
preussischen  Armeekorps  in  der  Hauptstadt  Hannover  ein.

Der  blinde  König  Georg  sucht  mit  seinem  18000  Mann  starken
Heer  nach  Süddeutschland  zu  entkommen.

An  demselben  Tage  besetzen  die  Preussen  Bautzen,
Meissen  und  rücken  auf  Dresden  zu.

1869.  Der  Jahdebusen  und  Umgegend  erhalten  den  Namen
Wilhelmshafen.

1885.  General-Feldmarschall  Freiherr  v.  Manteuffel,  der  Statthalter
  von  Elsass-Lothringen,  stirbt,  76  Jahre  alt,  zu  Karlsbad
am  Lungenschlag.

1887.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  die  Branntweinsteuervorlage
  an.

1890.  Verlobung  der  Prinzessin  Viktoria  von  Preussen,  Tochter
des  Kaisers  Friedrich  III.  und  einmal  in  Aussicht  genommene
Braut  des  Prinzen  von  Battenberg,  mit  dem  Prinzen  Adolf
Wilhelm  Victor  zu  Schaumburg-Lippe.

Internationale  Fahrplankonferenz,  an  welcher
Deutschland,  Oesterreich-Ungarn,  Frankreich,  die  Schweiz,  Belgien,
Holland  und  Italien  teilnehmen,  zu  Stuttgart  eröffnet.
        <pb n="288" />
        —  278  —

18.  Juni.

1053.  Schlacht  bei  Civetella,  in  welcher  die  Normannen,
welche  durch  die  vom  Papst  Leo  IX.  von  ihrer  Herrschaft  vertriebenen
  Fürsten  von  Bonivent  zur  Hilfe  gerufen  waren,  über
das  päpstliche  Heer  siegen.

Dieses  löste  sich  in  der  schimpflichsten  Flucht  auf;  Papst  Leo  IX.
selbst  wurde  hierbei  gefangen.  Zum  Glück  für  ihn  waren  die  Normannen
bei  aller  Wildheit  doch  christliche  fromme  Leute,  die  den  Kirchenfluch
des  Papstes  nicht  ertragen  mochten  und  ihn  daher  gegen  Lösung
desselben  wieder  frei  gaben.

1155.  Friedrich  I.  (der  Rotbart)  wird  vom  Papst  Hadrian  IV.
zum  Kaiser  gekrönt.

Die  Römer,  welche  von  ihm  das  Gelöbnis  verlangt  hatten,  dass  er
alle  ihre  alten  und  neuen  Rechte  und  Freiheiten  beschützen  wolle  und
ihnen  ausserdem  nach  5000  Pfund  Silber  zahle,  was  er  aber  zürnend
mit  der  Erklärung  abwies,  dass  er  nicht  nach  Italien  und  Rom  gekommen
sei,  um  Gesetze  zu  empfangen,  sondern  um  solche  zu  geben,
überfielen  noch  am  Krönungstage  das  kaiserliche  Lager  vor  den  Mauern
der  Stadt  und  lieferten  den  Deutschen  eine  blutige  Schlacht.  Bis  in
die  Nacht  dauerte  der  Kampf,  endlich  wichen  die  Römer.  Mehr  als
Tausend  zahlten  da  mit  dem  Leben  den  verräterischen  Ueberfall,
viele  wurden  gefangen  und  mussten  schweres  Lösegeld  zahlen.  „So
kaufen  wir“,  sagte  Kaiser  Friedrich  nach  beendigter  Schlacht,  „nach
dem  Verlangen  der  Römer  auf  deutsche  Weise  das  Kaiseraus.



1525.  Thomas  Münzer,  der  schwärmerische  Anführer  im  Bauernkriege,
  wird  zu  Mühlhausen  in  Thüringen  hingerichtet.

Der  sonst  so  trotzige  Münzer  verlor  auf  dem  Hingange  zum  Richtplatze
  allen  Mut;  er  konnte  die  Glaubensartikel  nicht  selbst  aussprechen,
sondern  der  Herzog  Heinrich  von  Braunschweig  betete  sie  ihm  vor.
Auf  dem  Toteugerüste  soll  Münzer  vor  Aufregung  noch  zwölf  Maass  (?)
Wasser  ausgetrunken  haben.  Sein  Körper  wurde  nach  der  Enthauptung
gespiesst  und  sein  Kopf  auf  einen  Pfahl  gesteckt.

1757.  Schlacht  von  Kollin.  Der  österreichische  Marschall
Daun  siegt  über  Friedrich  II.  von  Preussen,  60000  Mann
Kaiserliche  gegen  34  000  Preussen.

Diese  wurden  zurückgeworfen  und  mussten  mit  grossen  Verlusten
(an  13000  Mann)  das  Schlachtfeld  räumen;  doch  hatten  sie  mit  bewunderungswerter
  Tapferkeit  gefochten;  „in  Reih  und  Glied  lagen
ihre  Toten,  wie  einst  die  römischen  Legionen,  vor  dem
Feind.“  Friedrich  II.  war  zum  erstenmal  besiegt  und  musste  sich  die
alleinige  Schuld  der  Niederlage  beimessen,  weil  er  den  Rat  seiner  Feldherren
  Ziethen  und  Prinz  Moriz  von  Dessau,  welche  sich  bei  einer  Rekognoszierung
  überzeugt  hatten,  dass  die  Stellung  der  Oesterreicher  nicht
        <pb n="289" />
        —  279  —

zu  nehmen  und  eine  Schlacht  an  diesem  Tage  nicht  zu  wagen  war,  unbeachtet
  liess.  —  Zum  Gedächtnis  stiftete  Maria  Theresia  den  „Theresienorden“.


1789.  Erbittert  über  die  fortwährende  Widersetzlichkeit  der  Niederländer
  gegen  sein  Seminarium  in  Löwen  und  über  Versuche
der  Steuerverweigerung,  hebt  Kaiser  Joseph  II.  die  liberale

belgische  Verfassung  durch  besondere  Verordnung  auf.

Dies  war  das  Signal  zum  gewaltsamen  Ausbruch  der  Empörung.
Die  Niederländer  eilten  fast  einmütig  zu  den  Waffen  und  erklärten
Brabant  für  unabhängig.  Der  Kaiser  suchte  nun  einzulenken  und  widerrief
  später  die  Verordnung  vom  heutigen  wieder,  hob  das  Seminarium
in  Löwen  auf  und  versprach  völlige  Verzeihung  des  Aufstandes,  —
allein  man  hörte  ihn  nicht  mehr.

1782.  Der  letzte  Hexen-Justizmord  auf  deutschem  Boden
findet  an  der  Dienstmagd  Anna  Höldi  in  Glarus  statt.

1793.  Wilhelm  Perthes  ‚  berühmter  Buchhändler,  zu  Gotha
geboren.

1796.  Gefecht  bei  Neuwied  zwischen  Oesterreicher  und  Franzosen.
1799.  Beginn  der  dreitägigen  Schlacht  an  der  Trebbia.

Die  verbündeten  Russen  und  Oesterreicher  unter  Suwarow
schlagen  die  Franzosen,  wodurch  ihnen  die  ganze  Lombardei  in  die
Hände  fällt,  selbst  Mantua  ergab  sich.

1815.  Schlacht  bei  Belle-Alliance  oder  Waterloo,  75000
Franzosen  kämpfen  gegen  70000  Engländer,  Niederländer  und

Deutsche.

Um  12  Uhr  begann  Napoleon  die  für  ihn  und  ganz  Europa  so
wichtige  Schlacht.  Der  Kampf  wurde  bald  so  fürchterlich  und  der  Rauch
von  dem  ununterbrochenenen  Feuer  der  Kanonen  und  Gewehre,  der  die
ganze  Gegend  bedeckte,  war  bald  so  gross,  dass  niemand  im  stande  war,
die  Einzelheiten  der  Schlacht  zu  übersehen.  Napoleon  war  anfänglich
im  Vorteil.  Die  englischen  Linien  standen  fest,  aber  die  Gefahr  wuchs
mit  jeder  Minute  für  sie,  von  den  französischen  Kolonnen  erdrückt  zu
werden.  Da,  in  der  grössten  Gefahr,  ertönt  Kanonendonner  im  Rücken
der  französischen  Stellung;diePreussen,unterdemaltenBlücher,
sind  gerade  noch  rechtzeitig  genug  angelangt,  um  die
Schlacht  zu  gunsten  der  Verbündeten  zur  Entscheidung
zu  bringen.  Die  Franzosen  suchten  in  ihr  Heil  in  einer  beispiellosen
Flucht;  Napoleon  selbst  war  nahe  daran,  gefangen  zu  werden;  seinen
Wagen  mit  Hut  und  Degen  liess  er  zurück;  sein  Heer  war  gänzlich  zertrümmert;
  25000  Mann  waren  tot  oder  verwundet  oder  gefangen,  die
übrigen  zersprengt.  300  Kanonen,  alle  Pulverwagen,  der  grösste  Teil
des  Gepäckes,  15000  Gefangene  fielen  in  die  Hände  der  Preussen.
Napoleons  Macht  war  dahin.  Der  glänzende  Sieg  war  aber  mit
schweren  Opfern  errungen  worden.  Die  Preussen  hatten  an  Toten  und
Verwundeten  6700  Mann,  die  Briten  6900,  die  anderen  deutschen  Truppen
4800  und  die  Niederländer  fast  3000  verloren.

Der  bayerische  General  von  der  Tann  zu  Darmstadt
geboren.
1816.  Stiftung  der  Burschenschaft  zu  Jena,  deren  Ziel
„christlich-deutsche  Ausbildung  einer  jeden  geistigen  und  leiblichen
Kraft  zum  Dienste  des  Vaterlandes”  war.
        <pb n="290" />
        —  280  —

1821.  Scharnhorsts  und  Bülows  Standbilder  werden  in  Berlin
enthüllt.

1826.  Blüchers  Standbild  in  Berlin  wird  enthüllt.

1849.  Das  Sitzungslokal  des  „Rumpfparlaments“  zu  Stuttgart
wird  seitens  der  württembergischen  Regierung  gesperrt,  und
die  in  gemeinschaftlichem  Zuge  sich  dahin  begebenden  Abgeordneten
  durch  Fussvolk  und  Reiterei  auseinandergetrieben.

Die  pfälzische  Revolutions-Armee  flüchtet  über  den
Rhein.

1862.  Eröffnung  der  Sonderzollkonferenz  in  München.

1864.  Albert  Knapp,  der  innig  religiöse  Dichter  Schwabens,
stirbt  zu  Stuttgart.

Eine  vaterländische  Gesinnung  offenbart  sich  namentlich  darin,  dass
Knapp’s  Muse  mit  zarter  Vorliebe  den  Hohenstaufen  umschwebt,
  das  schöne  Naturdenkmal  deutscher  Heldengrösse  und  schwäbischer
  Dichtung.
1866.  König  Wilhelm  von  Preussen  richtet  eine  Kundgebung
an  das  preussische  Volk.

Es  heisst  darin:  „Oesterreichs  Losung  ist,  Preussen  müsse  in  allen
seinen  Bestrebungen  bekämpft  werden,  weil,  was  Preussen  fromme,
Oesterreich  schade,  Preussen  soll  geschwächt,  vernichtet,  entehrt  werden.
—  Es  ist  uns  keine  Wahl  mehr  geblieben!  Wir  müssen  fechten
um  unsere  Existenz!  Wir  müssenineinenKampfaufLeben
und  Tod  gehen  gegen  diejenigen,  die  das  Preussen  des
grossen  Kurfürsten,  des  grossen  Friedrich,  dasPreussen,
wie  es  aus  den  Freiheitskriegen  hervorgegangenist,  von
der  Stufe  herabstossen  wollen,  auf  die  seiner  Fürsten
Geist  und  Kraft,  seines  Volkes  Tapferkeit,  Hingebung
und  Gesittung  es  emporgehoben  haben.“

Die  Preussen  ziehen  in  Dresden  ein,  aus  dem  sich  der
König  nach  Böhmen  geflüchtet  hatte,  und  die  hannöversche
Elbfestung  Stade  wird  von  den  Preussen  durch  Ueberrumpelung

genommen.

1871.  Friedensfest  mit  feierlichem  Dankgottesdienst
in  der  preussischen  Monarchie  und  den  meisten  zum  deutschen
Reich  gehörigen  Ländern.

1885.  Geschichtsmaler  Professor  W.  Camphausen  stirbt  zu
Düsseldorf.

1887.  Das  Zuckersteuergesetz  wird  im  deutschen  Reichstag  in
dritter  Lesung  angenommen,  worauf  derselbe  geschlossen  wird.

1890.  Der  „Reichsanzeiger“  veröffentlicht  in  einer  Extra-Ausgabe
dag  Vertrags-Instrument  über  die  zwischen  Deutschland  und
England  getroffenen  Vereinbarung  hinsichtlich  der  beiderseitigen

Interessensphäre  in  Ostafrika  und  Abtretung  der  Insel
Helgoland  an  Deutschland.

Bun
        <pb n="291" />
        —  2831  —

19.  Juni.

325.  Das  erste  allgemeine  Konzil  zu  Nicäa  wird  eröffnet.

Dasselbe  begründete  die  Autorität  der  Metropolitanbischöfe,  welche
regelmässige  Synoden  zu  halten  und  zu  den  Bischofswahlen  ihre  Zustimmung
  zu  geben  hatten.

1546.  Vertrag  von  Regensburg,  zwischen  Kaiser  Karl  V.

und  Herzog  Moritz  von  Sachsen.

Dieser  verpflichtete  sich  darin  in  verräterischer  Weise  gegen  seine
eignen  Anverwandten:  dem  Hause  Oesterreich  treu  anzuhangen,  in  dem
Religionsstreit  den  Entscheidungen  der  Kirchenversammlung  zu  Trident
in  so  weit  sich  zu  unterwerfen,  als  es  andere  deutsche  Fürsten  thun
würden,  und  inzwischen  keine  weiteren  Veränderungen  vorzunehmen,
namentlich  keine  geistlichen  Güter  einzuziehen.  Dagegen  überliess  ihm
der  Kaiser  die  Schirmherrlichkeit  über  die  Bistümer  Magdeburg  und
Halberstadt.

1547.  Landgraf  Philipp  von  Hessen  leistet  zu  Halle  vor  dem

Kaiser  Karl  V.  auf  den  Knieen  Abbitte,  wie  dieser  es
verlangt  hatte,  um  eine  Versöhnung  anzubahnen.

Doch  diese  Erniedrigung  des  Widersachers  genügte  dem  ‚Kaiser
noch  nicht,  sondern  letzterer  behielt  auch  Philipp  von  Hessen  in  Gefangenschaft.
  Mit  dieser  Unterwerfung  des  Landgrafen  Philipp  war
jeder  Widerstand  der  Protestanten  gebrochen,  der  Religionskrieg  selbst
somit  beendet.

1641.  Schlacht  bei  Wolfenbüttel,  zwischen  den  kaiserlichen

Truppen  und  den  Schweden.

Die  Schlacht  dauerte  fünf  Stunden  und  endete  mit  der  Niederlage
der  Kaiserlichen  und  der  gänzlichen  Vernichtung  der  bayerischen  Infanterie.


1679.  Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg,  der  „grosse

Kurfürst“  schliesst  mit  den  Schweden  den  Frieden  von
St.  Germain  ab,  welcher  für  Brandenburg  und  Schweden  den
alten  Besitzstand  herstellte.

Friedrich  Wilhelm  musste  seine  Eroberungen  wieder  an  Schweden
bis  auf  einen  kleinen  Grenzstrich  zurückgeben  und  erhielt  dafür  eine
Entschädigung  an  Geld.  Voll  Schmerz  rief  er,  als  er  die  Friedensurkunde
unterzeichnet:  „Möge  einst  aus  unsern  Gebeinen  ein  Rächer

auferstehen'“

1757.  Uebergabe  von  Erfurt  an  die  Preussen.
1760.  Angriff  Friedrichs  des  Grossen  auf  Dresden.

Mehrere  Gebäude,  darunter  die  Kreuzkirche,  werden  in  Brand  geschossen.
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        —  232  —

1792.  Gustav  Schwab,  nächst  Uhland  der  bedeutendste  Romanzen-
  und  Liederdichter  der  sogenannten  schwäbischen  Schule,

zu  Stuttgart  geboren.
1796.  Treffen  bei  Uckerrath.

Die  Oesterreicher  schlagen  die  Franzosen  unter  General
Kleber.  \

1800.  Siegreiches  Gefecht  der  Franzosen  gegen  die  Oesterreicher
bei  Hochstädt.

1824.  Joachim  Christian  Nettelbeck,  deutscher  Patriot,  der
als  ein  Mann  von  70  Jahren  seine  Vaterstadt  Kolberg  und  ihre
Festung  1807  gegen  die  Franzosen  rüstig  verteidigen  half,  so
wie  er  dieselbe  als  Jüngling  schon  in  den  drei  denkwürdigsten
Belagerungen  des  siebenjährigen  Krieges  verteidigt  hatte,  stirbt.

1866.  Der  preussische  General  Beyer  rückt  in  Kassel  eın,
während  der  Kurfürst  auf  seinem  Lustschloss  Wilhelmshöhe
in  aller  Gemütsruhe  residirte  und  so  überrascht  wurde.

Die  kurhessische  Armee  war  schon  am  16.  Juni  mit  der  Eisenbahn
nach  Fulda  abgefahren.

General  Vogel  von  Falkenstein  übernimmt  die  Verwaltung
  Hannovers.

Die  Preussen  rücken  in  Leipzig  ein,  von  der  Einwohnerschaft
  durchaus  nicht  feindselig  empfangen.

Prinz  Friedrich  Karl  besetzt  am  gleichen  Tag  Zittau.

1872.  Der  deutsche  Reichstag  beschliesst  die  Ausweisung  der

Jesuiten  und  der  diesen  verwandten  Orden  und  Kongregationen.


1885.  Beginn  des  grossen  Maurer-Strikes  in  Berlin.
        <pb n="293" />
        —  283  —

20.  Juni.

840.  Kaiser  Ludwig  I.,  der  Fromme,  stirbt  in  Mainz.

911.  Kaiser  Ludwig  das  Kind,  stirbt,  noch  nicht  18  Jahre  alt,
ohne  Leibeserben.

Mit  ihm  erlosch  Karls  des  Grossen  Geschlecht  in  Deutschland.

981.  Adalbert,  erster  Erzbischof  von  Magdeburg,  stirbt  zu
Merseburg.

1097.  Die  Kreuzfahrer  erobern  Nicäa.

1291.  Der  Tag  zu  Hagenau  im  Elsass,  welcher  die  Lostrennung
  eines  Teiles  der  Grafschaft  Hennegau  vom  deutschen
Reich  zur  Folge  hatten.

Durch  eine  grobe  Formverletzung  in  der  Rechtsprechung  verschuldete
  diese  Lostrennung  Kaiser  Rudolf  von  Habsburg,  der  nur
mit  zwei  Bischöfen  und  einigen  Grafen  zu  Gericht  sass  und  die  gerechten
Ansprüche  der  Bürger  von  Valenciennes,  der  Hauptstadt  der  Grafschaft
  Hennegau,  gegenüber  dem  Ansinnen  des  gewissenlosen  Grafen
von  Avesnes,  geradezu  missachtete  und  verwarf.  Die  Bürger  Valenciennes
  sagten  sich  infolgedessen  vom  deutschen  Reiche  los  und
stellten  ihre  Stadt  unter  den  Schutz  des  französischen  Königs
Philipp  IV.,  der  sich  mit  Freuden  des  Grenzlandes  annahm  und  eine
grosse  Zahl  Franzosen  zu  Hilfe  schickte.

1450.  Schlacht  von  Rednizenbach,  in  welcher  die  verbündeten
fränkischen  und  schwäbischen  Reichsstädte  den  Markgraf  Albrecht
  I.  von  Brandenburg-Ansbach  so  gründlich  schlagen,  dass
es  zwei  Tage  später  zum  Frieden  zu  Bamberg  kam.

1546.  Kaiser  Karl  V.  erlässt  von  Regensburg  aus  eine  Achtserklärung
  gegen  den  Landgrafen  Philipp  von  Hessen  und  gegen
den  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  als  gegen  pflichtund
  eidbrüchige  Vasallen.

1622.  Schlacht  bei  Höchst  am  Main.

Die  Kaiserlichen  unter  Tilly  schlagen  den  Christian  von  Braunschweig
  so  vollständig,  dass  dessen  ganzes  Fussvolk  vernichtet  wurde
und  er  selbst  mit  der  Reiterei  nur  mit  Not  nach  der  Pfalz  entkam.

1672.  Zu  Berlin  wird  die  französische  Kolonie  durch  den
grossen  Kurfürsten  gegründet.

Damit  beginnt  jene  Auswanderung  protestantischer  französischer
Familien  aus  dem  Reiche  Ludwigs  XIV.,  die  von  diesem  ebenso  wortbrüchigen
  als  ränkevollen  Fürsten  in  so  schmachvoller  Weise  in  ihrem
Glauben  wie  in  ihrem  Erwerb  und  bürgerlichen  Leben  bedrängt  wurden.
        <pb n="294" />
        —  2834  —

Obgleich  der  französische  König  die  Auswanderung  später  ausdrücklich
verbot,  namentlich  als  der  grosse  Kurfurst  durch  öffentliche  Bekanntmachung
  sein  Land  als  Freistaat  anbot,  gelang  es  doch  80000  Familien
im  Laufe  der  Jahre  und  Jahrzehnte,  aus  ihrer  Heimat  zu  entkommen
und  sich  in  neuer  Heimat  anzusiedeln.  Es  waren  sämtlich  Leute,  die
im  Ausland  überall  durch  Frömmigkeit  und  durch  regsamen  Fleiss  die
Achtung  ihrer  neuen  Mitbürger  zu  gewinnen  wussten.  Der  grosse  Kurfürst
  war  der  erste  Fürst,  der  ihnen  mit  thätiger  Hilfe  entgegenkam,
indem  er  ihnen  Bauplätze  nebst  Baumaterial,  Geld  und  Unterstützung
zur  Errichtung  von  Fabriken  und  Manufakturen,  freie  Religionsübung,
eigene  Kirchen  und  Schulen  gewährte.

1719.  Sieg  der  Spanier  über  die  Oesterreicher  bei  Francavılla.


1794.  Treffen  bei  Deynse.

Die  Franzosen  unter  Pichegru  schlagen  die  Oesterreicher
unter  Qlairfayt.

1804.  (Nach  andern  am  21.  Juni)  Johann  Gabriel  Seidl,
österreichischer  Dichter,  zu  Wien  geboren.

1815.  Gefecht  bei  Namur.

Die  Preussen  unter  General  Pirch  gegen  die  Franzosen  unter
Vendamme.

Napoleon  trifft  nach  der  Schlacht  bei  Waterloo  in  Paris  ein.

1816.  Kabinettsordre  zur  Justizorganisation  in  Preussen.

Rheinpreussen  behält  das  öffentliche  und  mündliche  Gerichtsverfahren
  und  das  Geschwornen-Gericht.

Mainz  kommt  an  das  Grossherzogtum  Hessen-Darmstadt,
jedoch  mit  der  Bedingung,  dass  es  in  militärischer  Hinsicht  als
deutsche  Bundesfestung  betrachtet  und  als  solche  von
preussischen  und  österreichischen  Truppen  besetzt  wird.

1833.  In  Folge  des  Frankfurter  Attentats  beschliesst  der
deutsche  Bundestag  die  Bestellung  einer  Centralbehörde  zur
Untersuchung  des  gegen  den  Bestand  des  Bundes  und  die
öffentliche  Ordnung  in  Deutschland  gerichteten  Komplots.

1837.  König  Wilhelm  IV.  von  England  stirbt;  Regierungsantritt
  der  Königin  Viktoria.  —  Hannover  erhält,  getrennt  von
England,  der  Herzog  Ernst  von  Cumberland.

1843.  König  Ludwig  I.  von  Bayern  ladet  die  Fürsten  des
deutschen  Bundes  ein,  mit  ihm  ein  Komite  zu  bilden,  welches
sich  die  Vollendung  des  Kölner  Domes  zum  Ziele  setzen  sollte.

1849.  General  Hirschfeld  setzt  mit  einer  preussischen  Heeresabteilung
  bei  Germersheim,  ohne  bedeutenden  Widerstand
seitens  der  Freischaren  zu  finden,  über  den  Rhein.

Prinz  Friedrich  Karl  von  Preussen  wird  im  Gefecht
bei  Wiesenthal  verwundet.

Perczel  wird  von  Jellachich  bei  Perlass  geschlagen.
        <pb n="295" />
        —  2835  —

1850.  (In  der  Nacht  zum  21.  Juni.)  Seegefecht  zwischen
Schleswig-Holsteinern  und  Dänen  bei  Neustadt  in
Holstein.

1855.  In  Mursack  kommt  nach  beschwerlichen  Märschen  der
Afrıkareisende  Barth  an.

1862.  Die  Militärkonvention,  welche  Preussen  den  deutschen
Fürsten  vorgeschlagen  hatte,  die  aber  von  den  meisten  in  engherzigem
  Partıkularısmus  abgelehnt  worden  war,  tritt  nur  für

Koburg-Gotha,  Waldeck  und  Altenburg  in  Kraft.

Es  war  daher  ein  nach  Umfang  und  Inhalt  geringfügiges  Ergebnis,
und  überdies  erhielt  Preussen  noch  nicht  einmal  die  unbedingte  Verfügung
  über  die  Truppen  dieser  Ländchen  und  leistete  mehr,  als
es  empfing.

1866.  Die  Preussen  sind,  mit  Ausnahme  der  Festung  Königsstein
  im  Besitze  des  ganzen  Königreichs  Sachsen,  dessen

23000  Mann  starke  Armee  mit  60  Kanonen  in  Böhmen  Stellung
genommen  hat.

Vorpostengefechte  bei  @urau  und  Klingebeutel.

Die  sächsische  Armee  überschreitet  die  Grenze  von
Böhmen.  |

Italien  erklärt  Oesterreich  den  Krieg.  —  Ein
Schachzug  Bismarck’scher  Politik!

1867.  Jubelfeier  der  vereinigten  Friedrichs-Universität
Halle-Wittenberg.

1868.  Der  Reichstag  des  Norddeutschen  Bundes  wird  von  König
Wilhelm  I.  geschlossen.

1870.  König  Wilhelm  I."von  Preussen  begiebt  sich  zur  Badekur

nach  Ems,  wo  bald  danach  die  Zudringlichkeit  des  französischen
Gesandten,  Graf  Benedetti,  die  bekannte  königliche  Abweisung
erfuhr.

An  demselben  Tage  Abschluss  der  Konvention  zwischen
dem  norddeutschen  Bund  und  der  Schweiz  über  den
Bau  der  St.  Gotthardbahn.

Jener  tritt  dem  mit  Italien  abgeschlossenen  Vertrage  bei.

1875.  Gesetz  über  die  Vermögensverwaltung  in  der  katholischen
  Kirchengemeinde.
1877.  Zusammentritt  des  Afrika-Kongresses  in  Brüssel;

1884.  Grubenunglück  in  der  Deutschland-Grube  in  Ober-Schlesien.
Es  werden  43  Bergleute  verschüttet.
        <pb n="296" />
        —  286  —

21.  Juni.

841.  Schlacht  bei  Fontenay,  unweit  Auxerre  in  Niederburgund.



Die  verbündeten  königlichen  Brüder  Ludwig  und  Karl  schlagen
das  Heer  ihres  Bruders  Lothar.  Es  kämpfte  hier  das  deutsche
Element  gegen  das  welsche.

1208.  Der  bayerische  Pfalzgraf  Otto  von  Wittelsbach  ermordet
den  Kaiser  Philipp  von  Hohenstaufen  zu  Bamberg,  wo
dieser  an  demselben  Tage  die  Vermählung  einer  Tochter  seines
Bruders  Otto  mit  dem  Herzog  von  Meran  feierte.

Der  Oheim  führte  die  Nichte  selbst  zum  Altar,  und  die  Trauung
ging  mit  würdevollem  Glanz  von  Statten,  worauf  sich  der  Kaiser  in
seine  Gemächer  zurückzog,  um  der  Ruhe  zu  pflegen.  Da  lies  sich  Otto
von  Wittelsbach  melden  und  eintretend  erhob  dieser  ein  blankes  Schwert,
was  ihm  Philipp  verwies.  Der  Wittelsbacher  antwortete  in  schäumender
  Wut:  „es  ziemt  sich  allerdings,  deine  Treulosigkeit  zu  züchtigen  !“
—  worauf  er  dem  Kaiser  eine  Wunde  am  Hals  beibrachte,  welche  die
Pulsader  traf  und  tödlich  war.  Aufschreiend  eilte  ihm  der  Truchsess
zu  Hülfe;  doch  der  Pfalzgraf,  wie  rasend,  verwundete  auch  ihn,  während
sich  der  gleichfalls  anwesende  Bischof  verbarg.  Kaiser  Philipp  sank
tot  zur  Erde,  während  der  Mörder  entrann.  —  Ueber  denselben  wurde
die  Reichsacht  ausgesprochen  und  Marschall  von  Kalentin  vollstreckte
sie.  Der  WittelsbacherwardeinigeZeitdaraufbeiRegensburg
  aufgegriffen  und  enthauptet.

1339.  Schlacht  bei  Laupen.

DieBernerbesiegendenhelvetischenundsavoyischen  Adel.

1529.  Schlacht  beı  Landriano.

Ein  französisches  Heer  wird  vollständig  aufgerieben.
1553.  Terouenne  wird  von  den  Deutschen  erstürmt.

1621.  Kaiser  Ferdinand  II.  lässt  siebenundzwanzig  Mitglieder  des
hohen  Adels,  die  Häupter  der  grossen  Volksbewegung  in  Böhmen,
welche  er  am  10.  Februar  1621  plötzlich  hatte  gefangen  nehmen
lassen,  schmählich  hinrichten.

Sie  starben  sämmtlich  mit  glaubensfreudiger  Zuversicht.  Dem
Rektor  der  Universität  liess  der  durch  solche  Schandthaten
  fürewige  Zeiten  gebrandmarkte  Kaiser  die  Zunge
ausreissen,  einen  berühmten  Gelehrten  durch  Stockstreiche
  zu  Tode  schlagen,  siebenhundert  und  acht  und  zwanzig
Edelleute  aller  ihrer  Güter  berauben  und  viele  auf  Lebenszeit  in  Kerker
werfen.  Dies  schauderhafte  Gericht  heisst  der  „blutige  Landtag
zu  Prag.“  Hiermit  geschah  die  Unterdrückung  der  böhmisch
mährischen  Brüderkirche.
        <pb n="297" />
        —  297  0  —

1631.  Brandenburg  wird  zu  einem  neuen  Bündnis  von  Gustay
Adolf  genötigt.

1633.  Feierliche  Bestattung  der  Leiche  Gustav  Adolfs
in  der  Ritterholmskirche  zu  Stockholm.

Ein  Teil  der  Eingeweide  wurde  in  der  Kirche  zu  Mauchen  beerdigt.
  Die  Leiche  selbst  war  zu  Weissenfels  einbalsamiert  worden.
Nach  dem  bei  dieser  Gelegenheit  aufgenommenen  amtlichen  Berichte,
hatten  sich  an  dem  Leichnahm  des  Schwedenkönigs  neun  Wunden  vorgefunden.


1675.  Der  grosse  Kurfürst  erscheint  vom  Main  her  in  Magdeburg.



1749.  Der  mit  550  Zentner  Pulver  gefüllte  Pulverturm  zu  Breslau
wird  durch  einen  Blitzstrahl  in  die  Luft  gesprengt.
An  demselben  Tage  findet  im  Fürstbistum  Würzburg
die  letzte  „feierliche  Einäscherung“  einer  Hexe  im
deutschen  Reiche  statt.

Die  70jährige  Nonne  Maria  Renata  Singer  wird  „wegen  ausgeübter
  Hexerei,  als  wodurch  sie  ihren  Mitnonnenhöllische
Geisterin  den  Leib  gezaubert  hätte,“  zum  Schwert  und  Feuer
verdammt.

1798.  Wolfgan  &amp;amp;  Menzel,  bedeutender  Kritiker  und  Schrifsteller,
zu  Waldenburg  in  Schlesien  geboren.

*1807.  Waffenstillstand  zu  Tilsit  zwischen  Napoleon].  und
Alexander  ].,  von  Russland.

1815.  Königlich  preussische  Besitzergreifung  der  oranischen  Erbländer.


1818.  Herzog  Ernst  Il.  von  Koburg-Gotha,  ein  hervorragender
Förderer  der  patriotischen  Bewegung  vor  1866,  zu  Koburg

geboren.

1849.  Treffen  bei  Waghäusel  in  welchem  die  Preussen  unter
General  Hirschfeld  am  Morgen  durch  die  Aufständischen  unter
Mieroslawski  zurückgeschlagen  wurden,  worauf  diese  erst  durch
die  herbeigezogenen  Verstärkungen  der  Preussen  zum  fluchtartigen
  Rückzuge  gezwungen  wurden.

An  demselben  Tage  überschritt  das  Peucker’sche  Korps
nach  hartnäckigem  Gefechte  bei  Zwingenberg  den  Neckar,
und  würde  bei  etwas  rascherer  Bewegung  Mieroslawskı  den  Weg
verlegt  oder  ihn  zwischen  zwei  Feuer  gebracht  haben.

1852.  Friedrich  Fröbel,  verdienstvoller  Pädagog,  stirbt  zu
Marienthal  in  Thüringen.

1862.  Der  Kurfürst  von  Hessen  giebt  dem  preussischen  Verlangen,
  die  Verfassung  von  1831  wieder  einzuführen,  nach,  und
verwilligt  Preussen  die  verlangte  Genugthuung.
        <pb n="298" />
        —  288  —

1866.  Uebergabe  der  preussischen  Kriegserklärung  an
Oesterreich.
Die  Preussen  besetzen  Emden.
1869.  Gewerbe-Ordnung  für  den  norddeutschen  Bund.
Norddeutsches  Bundesgesetz  betreffend  die  Beschlagnahme
  des  Arbeits-  oder  Dienstlohnes,  desgleichen  betreffend
die  Gewährung  der  Rechtshilfe.

1872.  Robert  Prutz,  Volksmann  und  Dichter,  1848  Führer  der
„demokratisch-konstitutionellen  Partei”  in  Berlin,  ın  späteren
Jahren  als  Geschichtsschreiber  und  Literaturhistoriker  mit  Recht
geschätzt,  stirbt  zu  Stettin,  erst  56  Jahre  zählend.

1875.  Exzesse  der  Ultramontanen  in  Rheine.

1877.  Philipp  Wackernagel,  Literarhistoriker  und  Pädagog,
stirbt.

1885.  In  Görlitz  wird  ein  nationalliberaler  Parteitag  abgehalten.


 

 

22.  Juni.

1177.  Der  Friede  von  Venedig.  Zusammenkunft  des  Kaisers
Friedrich  I.  (des  Rotbarts)  und  des  Papstes  Alexander  III.  mit
den  Bevollmächtigten  des  Lombardenbundes  und  denen  des
Normantenkönigs  von  Sicilien  zu  Venedig.

Zwischen  dem  Kaiser  und  dem  Papst  wird  voller  Friede  geschlossen,
mit  dem  Könige  von  Sizilien  ein  fünfzehnjähriger,  mit  dem  Lombardenbund
  ein  sechsjähriger  Waffenstillstand.  Der  Friede  von  Venedig  machte
einem  zweiundzwanzigjährigen  Kampfe  ein  Ende.  Friedrich  I.  war  aber
durchaus  nicht  besiegt,  die  Gegner  waren  ebenso  friedensbedürftig  wie
er  selbst.  Uebrigens  hatte  der  Friede  mit  dem  Papst  die  hohe  Bedeutung,
  dass  dessen  Partei  in  der  Kirche  die  Oberhand  behauptete,
und  der  Kaiser  den  Anspruch  fahren  liess,  dass  er  die  Angelegenheiten
der  Kirche  allein  zu  regeln  habe.

1450.  Der  Friede  von  Bamberg,  zwischen  den  verbündeten
fränkischen  und  schwäbischen  Reichsstädten  und  den  Fürsten
und  Herren  jener  Gauen,  in  welchem  festgesetzt  wurde,  dass
jeder  Teil  das  in  Besitz  genommene  wieder  zurückgeben  und
das  Vergangene  vergessen  solle.

Als  Friedensvermittler  an  Stelle  des  Kaisers  Friedrich  III.  funktionierte
  Aeneas  Sylvius  Piccolomini,  welcher  dessen  Geheimerat  und  zugleich
  im  Dienste  des  heiligen  Stuhles  war.
        <pb n="299" />
        —  289  —

1476.  Schlacht  bei  Murten  im  Waadtland,  in  welcher  die  Eidgenossen
  und  ihre  Verbündeten,  die  Basler,  Strassburger  und
Vorderösterreicher  den  Herzog  von  Burgund,  Karlden
Kühnen,  so  vollständig  schlagen,  dass  dieser  voll  Wut  in  einem
an  Wahnsinn  grenzendem  Zustand  nach  Südburg  zurückfloh.

Karl  verlor  15000  seiner  besten  Krieger  und  musste  selbst  mit
dreitausend  Reitern  fliehen,  nur  mit  dreissig  kam  er,  totenbleich  und
schweigend,  an  den  Genfersee.  Das  Beinhaus  zu  Murten,  worin
die  Gebeine  der  gefallenen  Burgundischen  gesammelt  wurden,  zeugte
von  der  Tapferkeit  der  Schweizer.  In  der  Kapelle  war  lange  Zeit  zu
esen:

„Dies  Gebein  ist  der  burgundischen  Schaar,
„Im  vierzehnhundert  siebzig  und  sechsten  Jahr
„Vor  Murten  durch  ein  Eidgenossenschaft
„Erlegt  mit  Beistand  Gottes  Kraft.

„Auf  der  zehntausend  Rittern  Tag

„Geschah  dies  grosse  Niederlag!“

1554.  Die  Feste  Plassenburg,  dem  Markgrafen  Albrecht  Alecibıades

  von  Brandenburg-Baireuth  gehörig,  wird  von  Moritz  von
Sachsen  und  seinen  Alliierten  genommen  (und  geschleift).

1633.  Der  grosse  Astronom  Galileo  Galilei  wird  vom  geistlichen
Tribunal  zu  Rom  verurteilt  und  in  den  Kerker  geworfen.

1713.  Sequestrations-Vertrag  über  die  Besetzung  von  Stettin
zwischen  Schweden  und  Preussen.
Die  Festung  wird  von  Preussen  und  Holstein  besetzt.

1741.  Gefecht  bei  Rotschloss.

Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher.
1746.  In  Pommern  werden  die  ersten  Kartoffeln  eingeführt.

1768.  Wilhelm  von  Humboldt,  preussischer  Staatsmann  und
Sprachforscher,  zu  Potsdam  geboren.

1804.  Gregor  von  Scherr,  Erzbischof  von  München-Freising,

geboren.

Er  bewahrheitete,  was  er  selbst  in  einem  Hirtenbrief  hat  drucken
lassen:  „Das  Fleisch  ist  stark,  der  Geist  ist  schwach.“

1805.  Gräfin  Ida  Hahn-Hahn  zu  Tressow  in  Mecklenburg

geboren.

In  weitesten  Kreisen  als  Schriftstellerin  bekannt.  Sie  trat  zur
katholischen  Kirche  über  und  ging,  nachdem  sie  von  ihrem  Mann  geschieden,
  in  ein  Kloster.  Sie  starb  am  12.  Januar  1880  zu  Mainz.

1812.  Napoleon  eröffnet  den  Krieg  gegen  Russland.

Die  französische  Armee  beginnt  den  Niemen,  den  Grenzfluss
Preussens  und  Lithauens,  zu  überschreiten.  Innerhalb  dreier  Tage  stand
dieselbe  vollständig  auf  feindliichem  Grund  und  Boden.  —  Napoleon
erlässt  zugleich  eine  Proklamation  an  seine  Armee,  worin  es  heisst:
„Russland  habe  seinen  zu  Tilsit  geschworenen  Eid  gebrochen  ;  08  werde
vom  Schickal  fortgerissen  und  müsse  sein  Verhängnis  erfüllen.

19
        <pb n="300" />
        —  290  —

1815.  Napoleons  Thronentsagung.

Durch  die  Schläge  des  Schicksals  tief  erschüttert,  von  den  Kammern
bestürmt  und  mit  Absetzung  bedroht,  wenn  er  nicht  augenblicklich  abdanken
  werde,  fügt  er  sich  nach  schwachem  Widerstreben  und  stellt  zu
gunsten  seines  Sohnes  Napoleon  II.  eine  Thronentsagungsurkunde  aus.

An  demselben  Tage  Uebergabe  von  Avesnes  an  die

Preussen  unter  General  von  Jagow.

1832.  Papst  Gregor  XVI.  exkommuniziert  die  Aufständigen
des  Kirchenstaats.

1847.  Das  römische  Volk  zieht  nach  dem  Quirinal,  wo  Papst
Pius  IX.  wohnt  und  verlangt  neue  Reformen,  welche  dieser
zusagt.

1849.  Die  Preussen  besetzen  Mannheim.

1862.  Der  Kurfürst  stellt  in  Hessen-Kassel  die  Verfassung
von  1831  wieder  her,  infolge  dessen  Preussen  den  erlassenen
Befehl  zum  Einmarsch  seiner  Truppen  in  Kurhessen  zurücknimmt,

1864.  Besuch  Kaiser  Franz  Josephs  von  Oesterreich  bei  dem
König  Wilhelm  I.  von  Preussen  in  Karlsbad.

1866.  Die  Preussen  haben  innerhalb  sechs  Tagen  ganz  Hannover
besetzt.  —  Der  König  von  Hannover  verlässt  sein  Land.
Die  Strandbatterien  auf  dem  Knocke  bei  Emden
werden  durch  Mannschaften  eines  preussischen  Kanonenbootes

in  Besitz  genommen.

Der  preussische  General  von  Röder  stellt  dem  vorläufig
suspendierten  und  von  allem  Verkehr  mit  dem  Lande  abgeschlossenen
  Kurfürsten  von  Hessen-Kassel  auf  seinem  Schloss
Wilhelmshöhe  das  Ultimatum,  sich  bedingungslos  dem  preussischen

  Reformprojekt  vom  14.  Juni  anzuschliessen.

Da  spielte  sich  eine  Szene  ab,  die  höchst  charakteristisch  ist  und
recht  bezeichnend  Gesittung  und  Gesinnung  dieses  Fürsten  illustriert.
Da  er  sich  nämlich  jetzt  immer  noch  weigerte,  die  schon  früher  gestellten
Forderungen  Preussens  anzunehmen,  und  „sich  im  Angesicht  des
preussischenGesandtenvonRöder  sogar  durch  eine  Handbewegung
  mit  dem  ihm  überreichten  Schreiben  eine  unanständige
  Insolenz“  erlaubte,  so  wurde  er  auf  unmittelbaren
Befehl  des  Königs  von  Preussen  verhaftet  und  als  Staatsgefangener
  nach  der  Festung  Stettin  gebracht.

1868.  Papst  Pius  IX.  erklärt  in  einer  „Allukution“  dass  er  die
österreichischen  Kirchengesetze  vom  25.  Mai  1868  verwerfe
und  verdamme  und  sie  samt  ihren  Folgerungen  als  durchaus
nichtig  und  immerdar  ungültig  erklären  müsse.

Grosser  Brand  in  Bremen.

1869.  Fünfzigjährige  Jubelfeier  der  Düsseldorfer  Kunstakademie.


1870.  Aufhebung  der  Elbzölle.
        <pb n="301" />
        —  291  —

23.  Juni.

183.  Sieg  Karls  des  Grossen  gegen  die  Sachsen  in  der  Schlacht
an  der  Hase.
964.  Kaiser  Otto  I.  hält  nach  kurzer  Belagerung  seinen  Einzug

in  Rom.

Sofort  versammelt  er  die  Würdenträger  der  Kirche  und  auf  seinen
Befehl  entsetzten  diese  ihren  kaum  gewählten  Papst  Benedikt  V.
seiner  Würde.  Zu  den  Füssen  des  Kaisers  und  des  Papstes  Leo  VIII.,
welcher  von  diesem  eingesetzt  worden  war,  bekannte  sich  Benedikt  V.
der  „Anmassung  schuldig  und  flehte  um  Gnade.  Thränen
entfielen  dem  Kaiser,  als  er  den  entthronten  Papst  also  flehend  zu  seinen

Füssen  sah.“

1298.  Kaiser  Adolf  von  Nassau  wird  von  dem  Kurfürstenkollegium
  abgesetzt  und  statt  seiner  Albrecht  v.  Oesterreich
  gewählt.

1459.  Christoph  Columbus,  der  Entdecker  Amerikas,  zu  Genua
geboren.

1525.  Schlacht  bei  Pfeddersheim,  in  welcher  die  Fürsten
und  Herren  eine  grosse  Heeresmacht  der  Bauern  schlagen  und
in  ihrer  Verfolgungswut  so  weit  gehen,  dass  sie  selbst,  die  Wehrlosen,
  die  sich  ergeben  hatten,  grausam  hinmorden  liessen.

Der  Bauernaufstand  ist  nunmehrin  der  Pfalz  unterdrückt.


1606.  Friede  zu  Wien,  die  ungarische  Empörung  unter  Stephan
Botskai  ist  zu  Ende.  |

1633.  Galileo  Galilei,  der  durch  die  wichtigsten  Entdeckungen
und  Andeutungen  auf  dem  Gebiete  der  Naturlehre  hochverdiente
Gelehrte,  muss  zu  Rom  vor  einer  Congregation  von  Cardinälen
und  Mönchen  die  von  ihm  gefundenen  astronomischen  Wahrheiten
abschwören.

Auf  den  Knieen  liegend,  die  Hand  auf  das  Evangelium  gestützt,
sprach  er  die  ihm  vorgesprochene  Eidesformel  nach;  und  im  Augenblicke,
da  er  wieder  aufstand,  soll  er,  beschämt,  seiner  Ueberzeugung  zum  Trotz

geschworen  zu  haben,  mit  dem  Fusse  gestampft  und  mit  verbissener
Wut  gesagt  haben:  „Und  doch  bewegt  sie  (die  Erde)  sich!“

1636.  Sieg  der  Franzosen  über  die  Kaiserlichen  bei  Buffalora.
1744.  Ostfriesland  huldigt  der  preussischen  Krone.
1758.  Die  Franzosen  besetzen  Kassel  zum  zweiten  Mal.

Schlacht  bei  Krefeld.  Ferdinand  von  Braunschweig
schlägt  den  französischen  Marschall  Grafen  von  Ülermont.
        <pb n="302" />
        —  292  —

17860.  Gefecht  bei  Landshut.

Der  preussische  Feldherr  de  la  Motte-Fouque  hält  mit
seiner  kleinen  Schar  von  10000  Mann  die  viermal  so  starken  Oesterreicher
  unter  General  Laudon  achtzehn  Stunden  im  weiteren  Vorrücken
auf  und  giebt  erst  nach  so  heldenmütiger  Gegenwehr  seine  Stellung  auf.
Die  Sieger  verübten  sodann  die  grässlichsten  Unthaten
und  Grausamkeiten  an  der  wehrlosen  Stadt  Landshut.

1796.  Die  Franzosen  unter  General  Moreau  gehen  bei  Strassburg
über  den  Rhein,  erobern  durch  ihre  Uebermacht  Kehl  und
rücken  sodann  rasch  nach  zwei  Richtungen  vor,  nach  dem
Breisgau  und  gegen  Rastatt.

1800.  Charlotte  Birch-Pfeiffer,  Schauspielerin  und  Schriftstellerin,
  zu  Stuttgart  geboren.

1802.  Alexander  von  Humboldt  ersteigt  den  Ghimborasso  in
Südamerika  bis  zu  5761  Meter  Höhe.

1804.  Johann  Karl  Friedrich  August  Borsig,  Industrieller,
zu  Breslau  geboren.

1815.  Der  Kronprinz  Wilhelm  von  Württemberg  passirt
bei  Germersheim  den  Rhein.

1828.  Johannes  Schilling,  Bildhauer,  zu  Mittweida  geboren,

Er  schuf  mit  künstlicher  Hand  schöne  Werke,  unter  anderem  auch
das  Nationaldenkmal  auf  dem  Niederwald.

1849.  Gefecht  bei  Ubstadt  unter  Befehl  des  Prinzen  von
Preussen  (nachmaligem  Kaiser  Wilhelm  ]1.).
1864.  Oldenburg  meldet  Erbansprüche  an  Schleswig-Holstein  an.

1866.  Die  ‚erste  Armee“  unter  Prinz  Friedrich  Karl,  überschreitet
  auf  den  Strassen,  die  aus  der  Lausitz  nach  Reichenberg
führen,  die  böhmische  Grenze.

An  demselben  Tag  überschreitet  Vietor  Emanuel  mit
seinem  Heere  den  Mincio.

1876.  Der  preussische  Landtag  genehmigt  die  Einverleibung
des  Herzogtums  Lauenburg  in  Preussen.

1882.  Edmund  Höfer,  Schriftsteller,  stirbt.

1890.  Reichskommissar  Major  Wissmann  trifft,  nach  16monatlicher
  Abwesenheit,  aus  Afrika  wieder  in  Berlin  ein  und  wird
Nachmittags  schon  vom  Kaiser  empfangen.
        <pb n="303" />
        —  29  —

24.  Juni.

1076.  Kirchentag  zu  Worms,  durch  Kaiser  Heinrich  IV.  berufen.
  Papst  Gregor  VII.  wird  für  abgesetzt  erklärt.

1180.  Kaiser  Friedrich  I.  (der  Rotbart)  zerstückelt  auf  dem
Reichstag  zu  Regensburg  auch  das  zweite  Herzogtum  des  wider-‚spenstigen
  Welfen,  Heinrich  des  Löwen,  das  damals  Bayern,
Steiermark  und  Tyrol  umfassende  Herzogtum  Bayern.

Während  er  Steiermark  und  Tyrol  reichsunmittelbar  machte,  setzte
er  in  Bayern  selbst  seinen  Feldhauptmann,  den  seitherigen  bayrischen
Pfalzgrafen  Otto  von  Wittelsbach,  als  Herzog  ein.

1243.  Sinibald  Fiesco,  Graf  von  Lavagna,  aus  Genua,  wird
nach  zweijähriger  Vakanz,  als  Innocenz  IV.  zum  Papst  gewählt.

1298.  Drei  Kurfürsten,  nämlich  der  Erzbischof  Gerhard,  der
Herzog  von  Sachsen  und  der  Markgraf  von  Brandenburg  fällen
in  der  Kirche  zu  Mainz  das  Urteil,  dass  Adolf  von  Nassau
der  Kaiserwürde  entsetzt  sei,  nachdem  derselbe  auf  dreimalige
Vorladung  zu  seiner  Rechtfertigung  nicht  erschienen  war.

Die  Anklagen  gingen  dahin:  dass  der  Kaiser  durch  die  Annahme
englischer  Hilfsgelder  die  Würde  des  Reichs  verletzt,  dass  er  den  Rechten
desselben  auch  sonst  nicht  förderlich,  sondern  schädlich  gewesen,  überdies
Kirchen  zerstört  und  Jungfrauen  Gewalt  angethan,  sein  Wort  gebrochen,
der  Bestechlichkeit  sich  schuldig  gemacht  und  nicht  über  die  Sicherheit
der  Strassen  gewacht  habe.

1439.  Vollendung  des  Strassburger  Münster;  der  letzte
Stein  wird  eingefügt.

1440.  Johannes  Gensfleisch,  Gutenberg  genannt,  stellt  die
ersten  Holztypen  her,  bewegliche  Lettern,  die  sich  aneinanderreihen
  und  auseinandernehmen  liessen.

Vor  ihm  hatte  man  auf  Holztafeln  gedruckt,  die  ein  festes  Ganze
bildeten,  also  nur  für  einen  bestimmten  Zweck  benutzt  werden  konnten.
Erst  mit  der  Idee  Gutenbergs,  deren  weitere  praktische  Ausbeutung  sich
noch  um  10  Jahre  verzögerte,  beginnt  die  eigentliche  Buchdruckerkunst.
Niemals  hat  eine  Erfindung  solche  gewaltige  Veränderungen
  hervorgerufen  und  den  Fortschritt  der  Menschheit
so  gefördert,  wie  die  Buchdruckerkunst.

1535.  Fürstbischof  Franz  von  Münster  erstürmt  Münster  und
nimmt  die  Häupter  der  Wiedertäufer,  Johann  von  Layden,

Knipperdolling  und  Krechting,  gefangen.

1440.  Amadeus  VIII.  der  Friedfertige,  Herzog  von  Savoyen,  auf
dem  Baseler  Konzil  zum  Papst  gewählt,  zieht  als  Felix  V,  ın

Basel  ein.
        <pb n="304" />
        —  294  —

1612.  Kaiser  Matthias  wird  als  Reichsoberhaupt  gekrönt.

1630.  Gustav  Adolf,  König  von  Schweden,  landet  mit  ansehnlieher
  Flotte  an  der  deutschen  Küste  und  zwar  bei  der  Insel
Rügen.

Der  König  betrat  zuerst  den  Boden  Deutschlands  und  kniete  sodann
nieder,  „um  den  Segen  des  Himmels  für  seine  heilige  Unternehmung  zu
erflehen.“

1762.  Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig  liefert  den
Franzosen  in  der  Nähe  von  Kassel  ein  siegreiches  Treffen.

1796.  Der  französische  General  Desaix  landet  am  rechten  Rheinufer.

1809.  Treffen  bei  Graz.

Die  Franzosen  unter  Marschall  Marmont  liefern  den  Oesterreichern
  ein  siegreiches  Gefecht.

1815.  Die  Preussen  besetzen  die  Citadelle  von  Guise.

1818.  Karl  Alexander,  Grossherzoeg  von  Sachsen-Weimar-Eisenach,
  geboren.  '

Ein  Freund  und  Förderer  von  Kunst  und  Wissenschaft,  liess  er  die
Wartburg  renovieren.

1840.  (Bis  26.  Juni.)  Vierhundertjährige  Jubelfeier  der
Erfindung  der  Buchdruckerkunst  in  Leipzig.

1849.  Blutiges  Treffen  bei  Bruchsal.

Die  Aufständischen  leisten  den  vorandringenden  Preussen  verzweifelten
  Widerstand.

1859.  Schlacht  beı  Solferino.

Vollständige  Niederlage  der  Oesterreicher;  —  Napoleon  III.  führte
den  ÖOberbefehl  der  französisch-sardinischen  Armee.

Der  Prinzregent  von  Preussen,  der  nachmalige  deutsche
Kaiser,  erklärt,  dass  er  als  bewaffneter  Vermittler  zur  Erhaltung
des  österreichischen  Besitzstandes  zwischen  die  Kriegsführenden
treten  werde.

1861.  Gesetz  wegen  Einführung  des  deutschen  Handelsgesetzbuches.

1864.  Wilhelm  I.  König  von  Württemberg,  stirbt.

1866.  Die  Preussen  besetzen  Reichenberg  in  Böhmen.
Schlacht  bei  Custozza.

Die  Oesterreicher  unter  Erzherzog  Albrecht  erringen  über  die
Italiener  einen  glänzenden  Sieg.

1867.  Königliches  Publikationspatent  über  die  Verfassung
  des  norddeutschen  Bundes.

An  demselben  Tage  wird  die  Session  des  preussischen
Landtages  durch  den  Finanzminister  v.  d.  Heydt  geschlossen,
        <pb n="305" />
        —  295  —

1871.  Fürst  Bismarck,  Kanzler  des  deutschen  Reichs  ,‚  erhält
den  sogenannten  Sachsenwald  in  Lauenburg  als  Dotation.

1875.  Siebenhundertjährige  Jubelfeier  des  Doms  zu
Kammin  in  Pommern,  erbaut  von  Herzog  Kasimir  von
Pommern  1175.

.  „Der  frühere  deutsche  Botschafter  in  Paris,  Graf  Arnim,
wird  in  zweiter  Instanz  wegen  vorsätzlicher  Beiseiteschaffung
amtlicher  Urkunden  zu  neunmonatlicher  Gefängnisstrafe  verurteilt.

1890.  Der  Oberbürgermeister  von  Frankfurt  a.  M.,  Reichstagsabgeordneter
  Miquel,  wird  zum  Finanzminister  ernannt.

 

25.  Juni.

1080.  Kaiser  Heinrich  IV.  eröffnet  das  Konzil  zu

Brixen.

Deutsche  und  lombardische  Bischöfe,  zahlreich  versammelt,  entsetzen
  in  des  Kaisers  Gegenwart  Gregor  VII.  der  päpstlichen  Würde
und  erheben  dessen  Erzfeind  und  ältesten  Nebenbuhler,  den  Erzbischof
Wibert  von  Ravenna,  als  Clemens  III.  auf  den  päpstlichen  Stuhl.

1183.  Kaiser  Friedrich  I.  (der  Rotbart)  verkündet  auf  dem
Reichstag  zu  Konstanz  den  „ewigen“  Frieden,  zwischen

dem  deutschen  Reich  und  den  lombardischen  Städten.

Diese  anerkannten  die  Oberhoheit  des  deutschen  Reiches,  der  Kaiser
gestattete  ihnen  dagegen  das  Recht  Bündnisse  zu  schliessen,  und  garantierte
  ihnen  den  Besitz  aller  bisher  erworbenen  Hoheits-  und  Herrschaftsrechte.



1195.  Albrecht  I.  der  Stolze,  Markgraf  von  Meissen,  aus  dem
Hause  Wettin,  stirbt  zu  Heinrichsdorf  an  Gift,  das  ihm  beigebracht
  worden  war.

1292.  Adolf  von  Nassau  wird  zu  Aachen  zum  deutschen  Kaiser
gekrönt.

Er  war  nur  ein  Edelmann,  aber  aus  einer  erlauchten  Familie  und
von  erprobter  Tapferkeit;  sein  Schwert  war  sein  einziges
Erbteil.

1526.  Eröffnung  des  Reichstags  zu  Speyer.

1530.  Denkwürdige  Sitzung  des  Reichstags  zu  Augsburg,  in
welcher  die  Protestanten  durch  den  sächsischen  Kanzler  Dr.
Bayer  ihre  Verteidigungsschrift  („Augsburger  Konfession‘),
trotz  dem  Widerspruch  des  Kaisers  Karl  V.  und  der  Römlinge,

zur  öffentlichen  Verlesung  bringen.
Voll  Vertrauen  auf  die  überwiegende  Kraft  ihrer  Lehre,  hegten  die
evangelischen  Stände  die  Hoffnung,  dass  der  lebendige  Vortrag
        <pb n="306" />
        —  296  —

derselben  bei  manchem  ihrer  Gegner  nicht  ohne  Wirkung  bleiben  werde.
Doch  es  kam  anders:  Kaiser  Karl  V.  befahl  sogleich  den  Evangelischen,
in  den  Schoss  der  katholischen  Kirche  zurückzukehren.  Für  den  Fall
des  Ungehorsams  kündigte  das  Reichsoberhaupt  verschleiert  sogar  Massregeln

  der  Strenge  an.
1580.  Das  Konkordienbuch,  die  vollständige  Sammlung  der
symbolischen  Bücher  der  lutherischen  Kirche,  erscheint  in

Dresden.
1608.  Vertrag  zu  Lieben.

Matthias  nötigt  seinen  kaiserlichen  Bruder,  ihm  Mähren,  Oesterreich
  und  Ungarn  abzutreten.

1669.  Unter  dem  Jubel  der  Einwohner  trifft  das  erste  Fahrzeug  auf
dem  Friedrich-Wilhelms-Kanal  in  Berlin  ein.

1675.  Ueberfall  bei  Ratenow.

Der  grosse  Kurfürst  reibt  ein  schwedisches  Korps  des
Generals  W.  Wrangel  auf.
1703.  Max  Emanuel  von  Bayern  besetzt  Innsbruck.

1769.  Ferdinand  Friedrich,  Fürst  von  Anhalt,  geboren.  Er
trat  in  Paris  zum  Katholizismus  über.

1807.  Die  Kaiser-Zusammenkunft  Napoleons  und  Alexandersl.
von  Russland  in  der  Mitte  des  Flusses  Memel  beı  Tilsit  auf
einem  Flosse  unter  einem  Zeltdache.

Die  beiden  Herrscher  umarmten  sich  bei  der  Begrüssung  und  überboten
  sich  in  Beweisen  gegenseitiger  Freundschaft.  Napoleon,  der  die
Zusammenkunft  veranlasst  hatte,  versicherte  Alexander,  dass  Frankreich
  den  Osten  Europas  an  Russland  überlassen  werde,
wenn  Russland  den  Westen  an  Frankreich  überlasse,  und
der  junge  russische  Kaiser  zeigte  sich  dem  Plane  geneigt  und  vergass
seinen  unglücklichen  Bundesgenossen,  Friedrich  Wilhelm  III.,
der  erst  am  folgenden  Tag  zu  den  Besprechungen  herangezogen
  wurde.

Waffenstillstand  zwischen  Preussen  und  Frankreich.
1812.  Gefecht  bei  Deweltowo.

Die  Franzosen  schlagen  die  Russen.

1849.  Treffen  bei  Durlach  und  dessen  Einnahme  durch  die

Preussen.
 .  Die  Aufständischen  unter  Mieroslawski  ziehen  sich  hinter  die  Murglinie
  zurück.  —  Die  Preussen  rücken  in  Karlsruhe  ein,  woselbst  in

den  letzten  Tagen  die  vollständigste  Verwirrung  geherrscht  hatte.

1859.  Preussen  beantragt  beim  deutschen  Bunde  die  Mobilmachung
der  zwei  süddeutschen  Armeekorps,  und  verlangt  für  sich
den  Oberbefehl  über  die  sämtlichen  Streitkräfte  Deutschlands
und  die  unbeschränkte  Verfügung  über  dieselben.

Dem  gegenüber  beantragte  Oesterreich,  das  in  Italien  Niederlagen
  erlitten,  dass  der  Oberbefehl  zwar  dem  Prinzregenten  von  Preussen
(nachmaligem  Kaiser  von  Deutschland)  übertragen  werden  solle,  jedoch
mit  der  Massgabe,  dass  dieser  denselben  nicht  in  selbständiger(!)
  Weise  führen  dürfe,  sondern  als  ein  von  den  Instruktionen
        <pb n="307" />
        —  297  —

des  von  Oesterreich  beherrschten  Bundestages.

Dass  ein  solcher  unsinniger  Antrag  für  den  Prinzregenten  und
für  Preussen  unannehmbar  war,  ist  klar.

1864.  Die  Londoner  Konferenz  geht  resultatlos  auseinander.
Der  Krieg  gegen  Dänemark  wird  hierauf  wieder  fortgesetzt.
Regierungsantritt  Karls  I.  von  Württemberg.

1865.  Die  Preussen  besetzen  den  Kieler  Hafen.

1866.  Treffen  bei  Liebenau.

Die  Avantgarde  des  Prinzen  Friedrich  Karl  schlägt  die  Oesterreicher.

Preussen  bietet  dem  König  von  Hannover  aufs  neue
Allianz  an,  welche  abermals  abgelehnt  wird.

Die  Oesterreicher  siegen  bei  Cassano  in  Tirol  über  die
Italiener.

1867.  Verkündigung  der  Verfassung  des  norddeutschen
Bundes.

1868.  Enthüllung  des  Lutherdenkmals  in  Worms.

1872.  Papst  Pius  IX.  erklärt  in  einer  Ansprache  an  eine  Deputation
des  katholischen  deutschen  Lesevereins  in  Rom:
„Deien  Sie  vertrauend  und  einig!  Denn  irgend  ein  Stein
wird  vom  Berge  herabfallen  und  die  Ferse  des  Kolosses
  zertrümmern!

1873.  Durch  Gesetz  wird  die  Einführung  der  deutschen
Reichsverfassung  in  Elsass-Lothringen  auf  den  1.  Januar
1874  angeordnet.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  eröffnet  zum  ersten  male  den  deutschen
Reichstag  mit  einer  Thronrede,  bei  welcher  Gelegenheit  alle
deutschen  Fürsten,  mit  Ausnahme  des  Königs  von  Württemberg
und  des  Fürsten  von  Waldeck,  welche  an  der  Teilnahme  durch
Krankheit  verhindert  waren,  dem  feierlichen  Akte  durch  ihre
Gegenwart  noch  grössere  Bedeutung  geben.
        <pb n="308" />
        —  298  —

26.  Juni.

ne

891.  Die  Normannen  überfallen  am  Geule-Fluss  in  der  Nähe
von  Mastricht  das  deutsche  Heer  und  reiben  es  nahezu  auf.

1546.  Vertrag  zwischen  dem  Kaiser  Karl  V.  und  dem  Fapst
Paul  III.  worin  sich  der  erstere  verpflichtet,  die  Glieder  des
schmalkaldischen  Bundes  und  überhaupt  alle  Protestanten  mit
Waffengewalt  zum  Gehorsam  gegen  den  heiligen
Stuhl  zurückzubringen.

Allen  denen,  welche  diesen  „neuenKreuzzugzurAusrottung
der  Ketzer“  durch  Gebet  und  Geldbeiträge  fördern  würden,  verhiess
der  Papst  „vollkommenen  Ablass.“  —  Paul  III.  verpflichtete  sich
noch,  dem  Kaiser  100000  fl.  zu  bezahlen  und  12000  Mann  Fussvolk,

sowie  500  Reiter  zu  stellen.

1548.  Augsburger  Vertrag.

Kaiser  Karl  V.  erhebt  in  demselben  die  17  niederländischen
Provinzen  zu  einer  staatsrechtlichen  Einheit.

1671.  Nikolaus  Schmitt  stirbt.

Er  war  ein  äusserst  talentvolles  Genie.  Durch  anstrengenden  Fleiss
erwarb  er  sich  grosse  Kenntnisse  in  vier  Sprachen  und  war  selbst
wegen  seiner  ärztlichen  Kunst  überall  gesucht.

1703.  Die  Alliierten  schlagen  die  Franzosen  bei  Stecken  in
Flandern.

1792.  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  erklärt  Frankreich
den  Krieg.

1794.  Schlacht  beı  Fleurus.

Die  Franzosen  unter  Jourdan  siegen  über  die  ODesterreicher
unter  dem  Prinzen  Josias  von  Sachsen-Koburg.

1807.  Zusammenkunft  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen
mit  Napoleon  |.  in  Tilsit.

1810.  J.  M.  Montgolfier,  Erfinder  des  Luftballons,  stirbt.

1815.  Napoleon  begiebt  sich  nach  Malmaison  bietet  sich  abermals
  als  Oberbefehlshaber  der  provisorischen  Regierung  an,
jedoch  vergebens.

Die  Preussen  bombardieren  La  Ferre.

Die  Stadt  Sedan  ergiebt  sich  nach  dreitägigem  Bombardement
  dem  General  von  Engelhard,  während  die  Citadelle
erst  am  15.  September  von  den  Franzosen  geräumt  wird.

1817.  Bernhard  Windscheid,  ausgezeichneter  l’andektenlehrer,
zu  Düsseldorf  geboren.
        <pb n="309" />
        —  299  —

1831.  Julius  Rodenberg,  Dichter,  zu  Rodenberg  in  der  ehemals
kurhessischen  Grafschaft  Schaumburg  geboren.

1847.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  schliesst  den  erst
am  11.  April  eröffneten  „vereinigten  Landtag“  wieder.

Der  „vereinigte  Landtag  hatte  keine  besondere  Ergebnisse;  aber
was  in  den  drei  Monaten  in  der  Versammlung  gesprochen  wurde,  klang
tiefim  Volke  an  und  klang  nach“

1849.  Die  in  Gotha  versammelte  erbkaiserliche  Partei  erklärt  sich
mit  130  von  148  Stimmen  für  den  Verfassungsentwurf  des  am
26.  Mai  geschlossenen  Dreikönigsbündnisses.

1865.  Sieg  der  Partei  des  reinen  Absolutismus  am  Wiener
Hof,  in  Folge  dessen  das  Ministerium  Belcredi,  ein  „Ministerium
  der  rettenden  That“,  wie  es  am  Hofe  genannt
wurde,  die  Zügel  der  Regierung  ergreift.

Seine  erste  ‚„rettende  That“  (?)  war  die  Sistierungder
österreichischen  Reichsverfassung.

1866.  Gefechte  bei  Hühnerwasser  und  Podol  in  Böhmen.
Prinz  Friedrich  Karl  wirft  die  österreichischen  Vortruppen
zurück.

Einmarsch  der  II.  (schlesischen)  Armee  unter  dem
Kronprinzen  von  Preussen  in  Böhmen.
1867.  Eröffnung  der  Zollkonferenzen  in  Berlin.
AllokutiondesPapstes  Pius  IX.  an  die  zur  1000jährigen
Gedächtnisfeier  Petri  und  Pauli  in  Rom  versammelten  Bischöfe.
1877.  Kaiserliche  Verordnung  über  Errichtung  des  deutschen
Patentamts.
1886.  Der  deutsche  Reichstag  verwirft  einstimmig  das
Branntweinmonopol,  worauf  er  geschlossen  wird.
1888.  Dankerlass  des  Kaisers  Wilhelm  II.
Adresse  an  den  Kaiser  wird  im  Reichstag  einstimmig  angenommen.

Encyklika  des  Papstes  Leo  XIII.  über  die  Freiheit.
        <pb n="310" />
        —  30  —

27.  Juni.

1519.  „Leipziger  Disputation“,  zwischen  Dr.  Eck  aus  Ingolstadt,
  dem  hartnäckigstem  Widersacher  der  Reformation,  Dr.
Martin  Luther  und  Andreas  Bodenstein  aus  Karlsstadt,
Professor  in  Wittenberg.

Zuerst  sprach  Bodenstein,  dann  Luther,  und  bei  dieser  Gelegenheit
gab  dieser  die  wichtige  Erklärung  ab,  dass  verschiedene  Lehren
des  Huss  der  heiligen  Schrift  gemäss,  also  mit  Unrecht
verurteilt  worden  seien.  Das  war  der  erste  Schritt  zum  offenen
Bruch  mit  dem  Papsttum  und  von  nun  an  ging  das  Reformationswerk
mit  raschen  Schritten  seinem  Ziele  entgegen.

1552.  Karl  V.  erlässt  den  Restitutionsbrief,  durch  welchen
die  Wiedereinsetzung  Johann  Friedrichs  von  Sachsen
in  den  seinen  Nachkommen  durch  die  Wittenberger  Kapitulation
zugesicherten  Ländern  erfolgt.

1629.  Treffen  bei  Stuhm  in  Preussen.

Die  Schweden  unter  Gustav  Adolf  mit  dem  Kaiserlichen
unter  Arnim  im  Kampf.

1646.  Sieg  der  Schweden  unter  Wrangel  über  die  Bavern
bei  Amöneburg,  im  heutigen  Reg.-Bez.  Kassel.

1684.  Schlacht  beı  Waitzen.

Niederlage  der  Türken  und  Eroberung  der  Stadt  durch  den
Herzog  von  Lothringen.

1697.  Der  Kurfürst  Friedrich  August  I.,  der  Starke,  von  Sachsen,
wird  König  von  Polen  (August  II).

1743.  Schlacht  bei  Dettingen.

Die  Franzosen  unter  Belle-Isle  und  Broglio  erleiden  durch  die
pragmatische  Armee  unter  Georg  II.  von  England,  dem  Verbündeten
Oesterreichs,  eine  empfindliche  Niederlage.

1743.  Abschluss  des  Evakuationsvertrags  zu  Niederschönfeld.


Zwischen  Bayern  und  Oesterreich.  Das  erstere  hat  ganz
Bayern  mit  den  Festungen  an  Oesterreich  zu  übergeben.

1762.  Gefecht  bei  Hartha.
Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher.

1791.  Der  am  11.  April  zu  Darmstadt  geborene  Jugendfreund
Göthes,  Schriftsteller  Johann  Heinrich  Merk,  macht  durch
einen  Pistolenschuss  seinem  Leben  ein  Ende.

1794.  Wenzel  Anton,  Fürst  von  Kaunitz,  österreichischer
Staatsmann,  stirbt.
        <pb n="311" />
        —  301  —

1813.  Allıianztraktat  zu  Reichenbach  zwischen  den
Verbündeten  und  Oesterreich.

Die  Verbündeten  erklärten,  sich  mit  der  Herausgabe  des  Grossherzogtums
  Warschau,  Illyriens  und  Hannovers  begnügen  zu  wollen,
wogegen  Oesterreich  Verspricht,  im  Falle  der  Ablehnung  dieser  Forderungen
  durch  Napoleon  I.  sich  ihnen  anzuschliessen.  (Napoleon  lehnte  ab).

1815.  Treffen  bei  Compiegne.
Die  Preussen  unter  General  von  Jagow  schlagen  die  Franzosen.

1848.  Die  deutsche  Nationalversammlung  in  Frankfurt  a.  M.
beschliesst  die  Einsetzung  eines  unverantwortlichen  Reichsverwesers
  mit  einem  verantwortlichen  Ministerium.

1848.  Heinrich  Zschokke,  ein  auch  heute  noch  gern  gelesener
Schriftsteller,  stirbt.

Seine  volkstümlich  gehaltenen  Schriften,  belehrend  und  anregend,
haben  sich  einen  äusserst  zahlreichen  Leserkreis  verschafft,  während
seine  „Stunden  der  Andacht“  lange  Zeit  das  beste  Erbauungsbuch
christlicher  Familien  war.

1849.  Niederlage  der  Ungarn  bei  Thaszy.

1859.  Preussen  richtet  ein  vertrauliches  Begleitschreiben  zu  seiner
Depesche  vom  24.  Juni  an  Russland  und  England,  behufs
einer  schleunigen  Verständigung  über  die  gemeinschaftliche
Intervention  im  französisch-Österreichischen  Kriege.

1862.  Eine  preussische  Note  deckt  schonungslos  das  unredliche,
trügerische  Verfahren  der  dänischen  Regierung  gegen  die  Elbherzogtümer
  auf.

1866.  Schlacht  bei  Langensalza.

9000  Preussen  unter  General  Flies  kämpfen  heldenmütig  gegen
etwa  19,000  Hannoveraner;  —  1300  Mann  kostete  Preussen  der  Kampf,
der  wohl  nicht  mit  einer  Niederlage  der  Hanoverer  endete,  denselben
aber  die  beabsichtigte  Vereinigung  mit  den  Bayern  unmöglich  machte.

Die  Preussen  unter  General  v.  Steinmetz  erringen  einen
glänzenden  Sieg  über  die  Oesterreicher  bei  Nachod.
Treffen  bei  Podol,  in  der  Nacht  vom  26.  zum

27.  Juni.
Die  Avantgarde  des  Prinzen  Friedrich  Karl  schlägt  die  Oesterreicher
  zurück.

Treffen  bei  Hünerwasser.

Die  Preussen  schlagen  die  Oesterreicher  zurück.  —  Gegen  Abend
erneuern  diese  aber  mit  frischen  Truppen  den  Kampf  und  zwingen  die

Preussen  zum  Rückzug.
Der  preussische  General  v.  Bonin  vertreibt  die  Oesterreicher
aus  Trautenau.
1888.  Eröffnung  des  preussischen  Landtags  durch  König
"Wilhelm  1.
        <pb n="312" />
        —  302  —

38.  Juni.

1245.  Kirchenversammlung  zu  Lyon.

Papst  Innocenz  IV.  beschuldigt  den  deutschen  Kaiser  Friedrich  II.
als  Friedensbrecher,  Kirchenräuber,  Meineidigen,  Ketzer  u.  s.  w.,  worauf
die  von  140  Bischöfen  besuchte  Kirchenversammlung  des  Kaisers  persönliches
  Erscheinen  zu  seiner  Rechtfertigung  fordert.

1490.  Albrecht  Markgraf  von  Brandenburg  geboren.
Er  ward  Erzbischof  von  Magdeburg,  dann  Kurfürst  von  Mainz.
Seinen  Lieblingsplan  eine  Universität  zu  Halle  zu  gründen,  konnte  er
wegen  der  Reformation  nicht  ausführen.

1519.  Karl  I.  von  Spanien  wird  als  Karl  V.  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.

1633.  Schlacht  bei  Oldendorf.

Die  vereinigten  Schweden,  Hessen  und  Braunschweiger
siegen  über  die  Kaiserlichen.

1675.  Glorreicher  Sieg  des  „grossen  Kurfürsten“  von
Brandenburg  gegen  die  Schweden  bei  Fehrbellin,

7  Meilen  von  Berlin.

Friedrich  Wilhelm  war  persönlich  in  der  Schlacht  da  zugegen,  wo
die  Gefahr  am  grössten  war,  unterstützt  von  seinem  ausgezeichneten
„alten  Derfflinger“  und  dem  jugendlich  kühnen  Prinzen  von  Hessen-Homburg.
  .Die  Schweden  unter  General  Wrangel  griffen  die  Stellung
der  Brandenburger  mit  mörderischem  Feuer  an,  diese  widerstanden  heldenhaft.
  Da  erkennen  die  schwedischen  Kanoniere  den  Schimmel  des
„grossen  Kurfürsten“  und  nehmen  diesen  zum  Ziel;  dies  merkend,  bittet
ihn  sein  Stallmeister  Frobenius,  seinen  Rappen  zu  besteigen,  schwingt
sich  auf  des  Kurfürsten  Schimmel  und  stürzt  wenige  Minuten  darauf,
von  einer  Kanonenkugel  getroffen,  zu  Boden.  Mehr  als  4000  Schweden
blieben  tot  auf  dem  Platze  oder  auf  der  Flucht.  Von  diesem  Tage
an  beginnt  die  glänzende  Laufbahndesbrandenburgischpreussischen
  Heeres,  aber  auch  des  Staates  selbst.

1705.  Treffen  bei  Bergamo.

Italiener,  Preussen  und  Oesterreicher  vernichten  das
Corps  des  Generals  Torre  Alba,  der  selbst  gefangen  genommen  wird.

1736.  Gottlieb  Konrad  Pfeffel,  beliebter  Fabeldichter,  zu
Kolmar  geboren.

1742.  Abschluss  des  Friedens-Vertrages  zu  Berlin  zwischen  Maria
Theresia  und  Friedrich  ]D.,  durch  welchen  Oesterreich
Nieder-  und  Oberschlesien  einschliesslich  der  Grafschaft  Glatz,
an  Preussen  abtrat.

Da  diese  Länder  an  Kapitalisten  in  England,  Holland  und  Brabant
verpfändet  waren,  so  wurde  festgesetzt,  dass  Oesterreich  die  Gläubiger
in  Brabant,  und  Preussen  die  übrigen  zu  bezahlen  habe.
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        —  303  —

1757.  Sophie  Dorothea,  Prinzessin  von  Hannover,  stirbt.
Sie  war  vermählt  mit  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preussen  und
Mutter  Friedrichs  des  Grossen.

1758.  Treffen  bei  Gundersdorf  in  Mähren.

Die  Preussen  besiegen  die  Oesterreicher.

1762.  Gefechte  bei  Kauth  und  Wermersdorf.
1797.  Die  Cisalpinische  Republik  proklamiert.'

1810.  Melchior  Meyr,  Dichter  und  philosophischer  Schriftsteller,
zu  Ehingen  unweit  Nördlingen  geboren.

1812.  Napoleon  rückt  in  Wilna  ein  und  erklärt  die  Stadt  zu
einem  festen  Waffenplatz.

Napoleon  bewirkt  eine  Generalkonföderation  in
Warschau  und  die  Proklamation  des  Königreichs  Polen.

1813.  Gebhard  David  von  Scharnhorst,  preussischer  General
und  Militärschriftsteller,  kochverdient  um  die  Befreiung  Deutschlands
  vom  französischen  Joche,  stirbt,  auf  einer  Reise  nach
Wien  begriffen,  an  den  Folgen  der  bei  Grossgörschen  am  2.  Mai
erlittenen  Verwundung,  zu  Prag.

1815.  Schlacht  bei  Strassburg.

Der  Kronprinz  Wilhelm  von  Württemberg  schlägt  die  Frauzosen,
deren  Verlust  3000  Mann,  2  Fahnen  und  6  Kanonen  beträgt.

Treffen  bei  Villers  Cotterets.

General  von  Ziethen  bereitet  der  französischen  Kavallerie
eine  totale  Niederlage.  —  Die  Franzosen  sind  vom  geraden  Weg
auf  Paris  abgeschnitten.

Gefecht  bei  Conflans.

Die  Oesterreicher  unter  General  von  Trenk  werfen  die  Franzosen
  zurück  und  erobern  den  Brückenkopf.

Gefecht  bei  Chavannes.

Die  Oesterreicher  (Kolonne  des  Grafen  Colloredo)  schlagen  die
Franzosen  unter  General  Lecourbe  in  die  Flucht.

1823.  Der  Dichter  Oskar  von  Redwitz  zu  Lichtenau  unweit
Ansbach  geboren.

1831.  Joseph  Joachim,  berühmter  Violinvirtuos,  zu  Kittsee  bei
Pressburg  geboren.  Komponierte  auch  Verschiedenes.

1848.  Gesetz  wegen  Errichtung  der  provisorischen  Gentralgewalt
  in  Deutschland.

Der  deutsche  Bundestag  wird  für  aufgelöst  erklärt.

1849.  Die  Preussen  werfen  die  Aufständischen  bei  Ettlingenweier
  nach  tapferer  Gegenwehr  zurück  und  schreiten  tags
darauf  zur  Einschliessung  der  Festung  Rastatt.

Die  Oesterreicher  unter  Haynau  schlagen  die  Ungarn
unter  Pölterberg  bei  Raab  und  erstürmen  die  Stadt.
        <pb n="314" />
        —  304  —

1859.  Baden  schliesst  mit  dem  päpstlichen  Stuhl  ein  Concordat
ab,  das  aber  bereits  schon  am  7.  April  1860  durch  Grossherzogliche

  Proklamation  zurückgezogen  wurde.

1864.  Abschluss  der  Zollvereinsverträge  zwischen  Preussen,
Sachsen,  Baden,  Kurhessen,  Thüringen,  Braunschweig  und
Frankfurt  a.  M.

1866.  Die  Preussen  erkämpfen  sich  gegen  die  Oesterreicher
den  Uebergang  über  die  Iser  bei  Münchengrätz.

Prinz  Friedrich  Karl  bringt  den  Oesterreichern  unter  General
Clam-Gallas  eine  empfindliche  Niederlage  bei,  ohne  selbst  erhebliche
Verluste  zu  erleiden,  denn  die  Preussen  hatten  kaum  100  Tote,  Verwundete
  und  Vermisste.  Durch  eine  Reihe  strategischer  Bewegungen
hatte  Prinz  Friedrich  Karl  ein  bedeutendes  Terrain  gewonnen,  1000
Gefangene  gemacht,  eine  starke  Position  des  Feindes  umgangen  und
seine  Verbindung  mit  dem  Korps  des  Generals  Herwarth  von  Bitterfeld
gesichert.  —  Dagegen  stand  Clam-Gallas  jetzt  zwischen  ihnen  und  dem
Kronprinzen  von  Preussen,  der  von  Schlesien  aus  in  diesen  Teil  Böhmens
eindringen  sollte.  Es  galt  also  dies  der  Vereinigung  der  beiden  preussischen
  Armeekorps  noch  entgegenstehende  Hindernis  zu  beseitigen,  um
mit  voller  Kraft  dem  Feinde  eine  Entscheidungsschlacht  anzubieten.

Treffen  bei  Skalitz.

General  Steinmetz  schlägt  den  Erzherzog  Leopold  vollständig  und
nimmt  ihm  4000  Gefangene  und  8  Kanonen  ab.

Treffen  bei  Burgersdorf  und  Staudenz.

Die  Preussen  bereiten  den  Oesterreichern  unter  General  Gablenz
eine  vollständige  Niederlage.

Die  Preussen  rücken  in  Nassau  ein.

1875.  Der  preussische  Gerichtshof  für  kirchliche  Angelegenheiten
  verurteilt  den  Erzbischof  Melchers  von  Köln  zur
A  mtsentsetzung.

1880.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  nimmt  in  3.  Lesung  den
Gesetzentwurf  in  Betreff  der  Abänderung  der  kirchenpolitischen
  Gesetze  in  namentlicher  Abstimmung  mit  206
gegen  202  Stimmen  an.

An  demselben  Tage  nimmt  die  Berliner  Botschafter-Konferenz
  einstimmig  das  Schlussprotokoll  an,  welches  die
Entscheidung  der  Konferenz  enthält.
        <pb n="315" />
        —  305  —

29.  Juni.

783.  Letzter  Tag  der  dreitägigen  Schlacht  am  Schlachtvördenberg
  im  heutigen  Vörde.  *

Kaiser  Karl  der  Grosse  siegt  über  die  Sachsen,  die  sich  zum
Teil  in  die  Wieksburg,  eine  Feste  Widukinds,  werfen.  Auch  Karls  Heer
hat  sehr  gelitten,  so  dass  er  sich  nach  dem  Rhein  zurückzieht  und  im
Grimme  droht,  lieber  wolle  er  das  Sachsenvolk  ausrotten,  als  von  seiner
Besiegung  und  seinem  Entschlusse,  aus  diesen  Heiden  Christen  zu  machen,
abstehen.

833.  Die  drei  Söhne  Ludwigs  des  Frommen,  durch  die  List  des
Papstes  Gregor  IV.  unterstützt,  nehmen  ihren  Vater  auf  dem
„Rotfeld“  bei  Kolmar  gefangen.

1193.  Vertrag  zu  Worms,  durch  welchen  der  von  Kaiser
Heinrich  VI.  auf  der  Burg  Trifels  bei  Annweiler  in  der  Pfalz
gefangen  gehaltene  englische  König  Richard  Löwenherz
seine  Freiheit  wieder  erlangt.

Richard  hatte  dem  Kaiser  hiefür  ein  Lösegeld  von  150  000  Mark
Silber  zu  entrichten.

1312.  Heinrich  VII.  wird  endlich  nach  achtwöchentlichem  Kampfe
innerhalb  der  Mauern  Roms  zum  Kaiser  gekrönt;  aber  nicht  in
der  Peterskirche,  die  noch  in  Händen  der  gegnerischen  Partei,
sondern  im  Vatikan,  nicht  durch  den  Papst  ÜUlemens  V.,  den
der  Franzosenkönig  Philipp  nicht  von  Avignon  wegliess,  sondern
durch  Kardinäle,  welche  der  Papst  dazu  abgeordnet  hatte.

1534.  Zwischen  dem  römischen  König  Ferdinand  nnd  dem  Landgrafen
  Philipp  von  Hessen  und  dem  Herzog  Ulrich  von
Württemberg  kommt  zu  Kadan  ein  Vertrag  zu  Stande,
wonach  der  letztere  zwar  noch  Herr  von  Württemberg  bleiben,
das  Herzogtum  aber  als  „After-Verfall”  Oesterreichs  zu
Lehen  erhalten  sollte.

Ferdinand  verpflichtete  sich  sodann  noch,  die  Einstellung  der
Kammergerichts-Prozesse  wider  die  Protestanten  wegen  eingezogener
Kirchengüter  bei  dem  Kaiser  Karl  V.  auszuwirken.  Dagegen  erkannten
Philipp  und  Ulrich  den  Bruder  des  Kaisers  (König  Ferdinand)  nunmehr
als  rechtmässigen  König  der  Deutschen  an.  —  Die  nächste  Folge  dieses
Vertrags  war,  dass  das  gesamte  Herzogtum  Württemberg
zur  lutherischen  Lehre  sich  bekannte.

1577.  Peter  Paul  Rubens,  bedeutender  niederländischer  Maler,
zu  Köln  (oder  zu  Siegen)  geboren.
1608.  Kaiser  Rudolf  [I.  überlässt  seinem  Bruder  Matthias  Oesterreich,
  ob  und  unter  der  Ens,  und  Ungarn.
20
        <pb n="316" />
        —  306  —

1675.  Der  grosse  Kurfürst  erobert  Fehrbellin.
Der  Rückzug  der  Schweden  artet  in  wilde  Flucht  aus.
1796.  Treffen  bei  Renchen.

Die  Franzosen  unter  General  Desaix  bereiten  den  Oesterreichern
  unter  Szatarray  eine  vollständige  Niederlage.

1815.  Napoleon  I.  reist  von  Malmaison  ab  und  begiebt  sich  nach
Rochefort.

Gefecht  beı  Gonesse.

Die  Preussen  unter  dem  Prinzen  Wilhelm  schlagen  die  Franzosen.


Friedrich  Albert  Graf  von  Eulenburg,  preussischer
Staatsmann,  von  1862  bis  1878  Minister  des  Innern,  geboren.

1817.  Ernst  Konrad  Friedrich  Schulze,  Dichter,  stirbt  zu
Celle,  seiner  Vaterstadt.

1831.  Heinrich  Friedrich  Karl  Reichsfreiherr  von  und
zum  Stein,  der  grosse  Patriot  und  seiner  Zeit  der  grösste
preussische  Minister,  stirbt  auf  seinem  Schlosse  Kappenberg  ın
Westfalen.

1848.  Die  deutsche  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  wählt
mit  436  Stimmen  von  546  den  Erzherzog  Jobann  von  Oesterreich
  zum  Reichsverweser.

Dieser  sollte  die  Beschlüsse  des  Parlaments  zur  Ausführung  bringen,

den  Oberbefehl  über  alle  deutschen  Heere  haben  und  Deutschland  nach
aussen  vertreten.

1849.  Treffen  bei  Gernsbach  und  Ettlingenweier;  die
badischen  Aufständischen  werden  nach  tapferer  Gegenwehr  von
den  Preussen  zurückgeworfen;  die  Flucht  derselben  nach  dem
Süden  wird  nun  allgemein.

Die  Gefechte  beiMuggensturmm  setzen  sich  bis  zum  folgenden

Tage  fort.  Hier  kämpft  der  Dichter  Gottfried  Kinkel  in  Jen  Reihen
der  Freischaren,  wird  verwundet  und  gerät  bei  Malsch  in  Gefangenschaft.

1850.  Der  evangelische  Oberkirchenrat  in  Berlin  wird  durch
königliche  Kabinettsordre  als  eine  oberste  geistliche  Centralbehörde
  eingesetzt.

1859.  Unterhandlung  Preussens  mit  England  und  Russland  wegen
der  Intervention  im  österreichisch-italienischen  Kriege.

Preussen  ist  für  Festhalten  der  Mincio-Linie,  während  England
sich  für  die  Aufgabe  Italiens  erklärt.

1861.  Gesetz  über  Besteuerung  der  Zeitungen  in  Preussen.

1864.  Die  Preussen  unter  Prinz  Friedrich  Karl  landen  auf  der
Insel  Alsen.
        <pb n="317" />
        —  307  —

1866.  Die  Hannoveraner  kapitulieren  bei  Langensalza,  von
den  Preussen  und  Koburgern  von  allen  Seiten  eingeschlossen.

Die  hannover’sche  Mannschaft  wurde  entwaffnet  und  in  die  Heimat
entlassen,  die  Offiziere  hatten  ihr  Ehrenwort  zu  geben,  in  diesem  Kriege
nicht  gegen  Preussen  kämpfen  zu  wollen.  —  Ein  reiches  Kriegsmaterial
kam  in  die  Hände  der  Preussen,  und  auch  Hannovers  Hilfsquellen  kamen
nun  gleich  denjenigen  von  Sachsen  und  Hessen  dem  Sieger  zu  statten.

Treffen  bei  Gitschin.

Zwei  Divisionen  des  Prinzen  Friedrich  Karl  von  Preussen  schlagen
die  Oesterreicher  zurück.

Die  preussische  Garde  erstürmt  das  tapfer  verteidigte
Königinhof.
Treffen  bei  Schweinschädel  und  Jaromierz.

Die  Preussen  unter  General  v.  Steinmetz  schlagen  die  Oesterreicher
  in  die  Flucht  bis  unter  die  Kanonen  von  Josefstadt.

1868.  Berufung  des  ökumenischen  Konzils  auf  den  8.  Dezember
  1869.

1873.  Wolf  gang  Müller,  genannt  Müller  von  Königswinter,
Dichter  und  Schriftsteller,  stirbt  zu  Köln.

1875.  Ferdinand  I.,  der  Gütige,  Kaiser  von  Oesterreich,  stirbt
zu  Prag.

Die  Provinzialordnung  für  fünf  östliche  Provinzen
Preussens  wird  verkündigt.

1881.  Blutige  Exzesse  gegen  die  Deutschen  in  Prag.
1885.  Der  Mahdi  oder  falsche  Prophet  stirbt  im  Sudan.

 

 

30.  Juni.

1377.  Grundsteinlegung  zum  Münster  zu  Ulm.

1422.  Schlacht  bei  Arbedo  (Schweiz,  Kanton  Tessin).

3000  Schweizer  erfechten  einen  glänzenden  Sieg  über  24  000
Mailänder  unter  Francesco  da  Carmagnola.

1462.  Schlacht  bei  Seckenheim,  unweit  Mannheim.

Kurfürst  Friedrich  von  der  Rheinpfalz,  der  „böse  Fritz“  genannt,
  besiegt  die  verbündeten  Grafvon  Württemberg,  Markgraf
von  Baden  und  Bischöfe  von  Speier  und  Metz  nach  kurzem
Kampf  und  macht  diese  zu  Gefangenen.  Es  wird  erzählt,  dass  Friedrich
        <pb n="318" />
        —  308  —

den  Grafen  von  Württemberg  als  Gefangenen  auf  dem  Heidelberger
Schloss  zu  einem  stattlichen  Mahle  geladen  habe,  wo  kostbare  Speisen
und  Wein  im  Ueberfluss  aufgetragen  wurden,  nur  kein  Brot.  Als
der  Württemberger  danach  verlangte,  da  habe  ihn  der  Kurfürst  Friedrich
ans  Fenster  geführt  und  auf  die  durch  seine  Krieger  verwüstete  Pfalz
hinabschauen  lassen  und  gesagt:  „Wo  solldas  Brot  herkommen,
da  ihr  dem  Volke  mutwillig  die  Saat  niedergeritten?“

1468.  Johann  der  Beständige,  Kurfürst  von  Sachsen,  geboren.

1503.  Johann  Friedrich  der  Grossmütige,  Kurfürst  von
Sachsen,  zu  Torgau  geboren.

1522.  Johann  Reuchlin,  berühmter  Sprachforscher  und  Gelehrter,
sowie  eifriger  Kämpfer  für  Recht  und  Freiheit  des  Geistes,  stirbt
zu  Stuttgart.

Die  Nachwelt  ehrt  mit  Recht  in  ihm  einen  der  ersten  Gelehrten,
Deutschland  einen  seiner  würdigsten  Söhne.  Seine  für  die
damalige  Zeit  vortreffliche  Bibliothek  schenkte  Reuchlin  seiner  Vaterstadt
  Pforzheim.

1531.  Margaretha  Luther,  geborene  Lindemann,  Mutter  des
Dr.  Martin  Luther,  stirbt.

1807.  Friedrich  Theodor  Vischer,  berühmter  Aesthetiker  und
Literarhistoriker,  zu  Ludwigsburg  geboren.

1812.  Gefecht  beı  Swir.

Die  Franzosen  unter  General  Nansouty  schlagen  die  Russen.

1814.  Franz  Freiherr  von  Dingelstedt,  Dichter  und  Schriftsteller,
  zu  Halsdorf  (Oberhessen)  geboren.

1815.  Gefecht  beı  St.  Denis.

1817.  Abraham  Gottlob  Werner,  Geolog  und  Begründer  der
Geognosie,  stirbt  in  Dresden.

1833.  Richard  Brenner,  Afrikareisender,  zu  Merseburg  geboren.

‚  „An  einer  Expedition  nach  Afrika  beteiligte  er  sich  und  entging  der
Niedermetzelung  durch  die  Somali-Neger.  Nachdem  er  mehrmals  das
Somaliland  besucht  hatte  und  nach  Europa  zurückgekehrt  war,  wurde
er  österreichischer  Konsul  zu  Aden.

1849.  Der  bei  Muggensturm  tags  zuvor  verwundete  und  bei  Malsch
in  preussische  Gefangenschaft  geratene  ıDichter  Gottfried
Kinkel  wird  in  einer  blauen  Blouse  und  auf  einem  Leiterwagen
  nach  Karlsruhe  ins  Gefängnis  gebracht.

Gefecht  bei  Kuppenheim.

Die  Hauptmacht  der  badischen  Insurgenten  wird  von  den
Preussen  unter  dem  Befehl  des  Prinzen  Wilhelm  von  Preussen  auseinandergesprengt.


1861.  Lola  Montez,  Tänzerin  und  vor  der  Revolution  von  1848
einflussreiche  Geliebte  des  König  Ludwig  I.  von  Bayern,  stirbt
in  New-York  in  dürftigen  Verhültnissen.
        <pb n="319" />
        —  309  —

1866.  König  Wilhelm  von  Preussen  verlässt  Berlin,  um  sich
auf  den  Kriegsschauplatz  in  Böhmen  zu  begeben.

1867.  Freiherr  von  Beust  wird  zum  österreichischen  Reichskanzler
  ernannt.

1870.  Der  französische  Minister  Ollivier  erklärt  im  gesetzgebenden
Körper,  dass  niemals  der  europäische  Frieden  weniger  bedroht
gewesen  sei  als  jetzt.

Drei  Wochen  später  standen  sich  schon  Deutsche  und  Franzosen
  an  der  Grenze  feindlich  gegenüber.

1874.  Hauptmann  Schmidt  aus  Hannover  wird  von  den  Karlisten
in  Spanien  erschossen.

1879.  Giskra,  österreichischer  Abgeordneter  in  der  Frankfurter
Nationalversammlung,  stirbt.

1885.  Diebraunschweigische  Landesversammlung  erklärt
sich  mit  dem  Antrage  Preussens  an  den  Bundesrat  einverstanden.

1890.  Münsterfest  ın  Ulm.

Der  Turm  des  Ulmer  Münster  hat  eine  Höhe  von  161  Meter,  womit
er  —  vom  Eiftelturm  in  Paris  abgesehen  —  der  höchste  Turm  der  Welt  ist.

Feierliche  Enthüllung  des  Waldeck-Denkmals  zu  Berlin,
wobei  Professor  Dr.  Virchow  die  Gedenkrede  hält.
        <pb n="320" />
        —  310  —

1.  Juli.

1097.  Schlacht  beı  Nicäa.

Die  Kreuzfahrer  unter  Gottfried  von  Bouillon  siegen  über  die
Türken  unter  dem  Sultan  von  Ikonium.

1518.  Reichstag  zu  Mainz,  um  über  die  Ursachen  des  inneren
Unfriedens  zu  beraten.

1657.  Friedrich  III.  letzter  Kurfürst  von  Brandenburg  (1688  —
1701),  als  Friedrich  I.  erster  König  in  Preussen  (1701—
1713),  in  Königsberg  geboren.

1674.  Allianzvertrag  des  Kürfürsten  Friedrich  Wilhelm  von
Brandenburg  mit  dem  deutschen  Kaiser  und  Spanien  gegen
Ludwig  XIV.  von  Frankreich.

1690.  Treffen  bei  Fleurus.

Sieg  des  Marschalls  von  Luxemburg  über  die  Deutschen  und
Holländer.

1742.  Georg  Christoph  Lichtenberg,  einer  der  grössten
Physiker  und  witzigsten  Schriftsteller  der  Deutschen,  zu  Öberramstadt
  bei  Darmstadt  geboren,  als  das  jüngste  und  zwar
achtzehnte  Kind  seiner  Eltern.

1759.  Die  schwarzen  preussischen  Husaren  siegen  bei
Gütersloh  über  französische  Abteilungen.

1762.  Friedrich  II.  von  Preussen  eröffnet  die  Operationen  gegen
den  Marschall  Daun,  welcher  eine  feste  Stellung  am  Zobtenberg,
  unweit  Breslau  genommen  hatte,  dieselbe  jedoch  in  Folge
dessen  während  der  folgenden  Nacht  verliess  und  ein  Lager
zwischen  Bögendorf,  Kunzendorf  und  Zeiskenberg  bezog,  wohin
ihm  die  preussische  Armee  alsdann  folgte.

1794.  Sieg  der  Franzosen  unter  Jourdan  bei  Mons.
1807.  Bombardement  von  Kolberg.

1815.  Gefecht  der  preussischen  Kavallerie-Brigade  Sohr  mit  den
Franzosen  bei  Versailles.

1819.  Der  junge  Apotheker  Karl  Löhning  in  Schwalbach  macht
einen  erfolglosen  Mordanfall  auf  den  Staatsrat  von  Ibell,
ein  Hauptwerkzeug  der  nassauischen  Reaction.

1844.  Verney  Lovett  Cameron  geboren.

Um  Livingstone  aufzusuehen,  unternahm  er  eine  Expedition
nach  dem  Innern  Afrikas.  Er  hat  ganz  Afrika  bereist.
        <pb n="321" />
        —  3li  —

1846.  Die  königlich  sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften
zu  Dresden  eröffnet.

1861.  Eröffnung  des  Museums  Wallraf-Richarz  zu  Köln.

1866.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  trifft  bei  seiner  Armee  in
Böhmen  ein  und  übernimmt  in  Person  deren  Oberleitung.

An  demselben  Tage  schreibt  der  Feldzeugmeister  Benedek
nochmals  an  den  Kaiser  Franz  Joseph,  ihm  die  kritische  Lage
seiner  Armee  schildernd,  unter  Anderem  die  ausdrücklichen
Worte:  „Eure  Majestät  müssen  Frieden  schliessen“,
worauf  als  Antwort  der  Befehl  kam,  eine  Entscheidungsschlacht
zu  schlagen.

1867.  Die  Verfassung  des  norddeutschen  Bundes  tritt  in
Kraft.
Am  24.  Juni  1867  publiziert.
1868.  Gesetz  des  norddeutschen  Bundes,  die  Schliessung  und
Beschränkung  der  öffentlichen  Spielbanken.
1870.  Gesetz  des  norddeutschen  Bundes  über  die  Grossjährigkeit.
1872.  Deutsches  Münzgesetz  (Reichsgeldmünzen).

1876.  Einverleibung  des  Herzogtums  Lauenburg  als  Kreis  der
Provinz  Schleswig-Holstein  in  den  preussischen  Staat.

.  1877.  Das  deutsche  Reichspatentamt  tritt  in  Wirksamkeit.
1879.  Kultusminister  Falk  demissioniert.
1885.  Der  Mörder  Lieske  wird  zum  Tode  verurteilt.

1890.  Unterzeichnung  des  englisch-deutschen  Abkommens
wegen  Begrenzung  der  ostafrikanischen  Schutzgebiete  und  der
Abtretung  von  Helgoland  an  Deutschland.

Zweite  öffentliche  Hauptversammlung  der  deutschen
Kolonialgesellsehaft  zu  Köln  a.  Rh.

Es  wurden  4  Resolutionen  im  Interesse  der  kolonialen  Bewegung
in  Deutschland  gefasst.

Eröffnung  derinternationalen  Kunstausstellung
in  München.

Es  wurden  1426  Oelgemälde,  135  Aquarelle,  Pastelle  etc.,  182  Skulpturen
  und  135  sonstige  Kunsterzeugnisse  ausgestellt.
        <pb n="322" />
        —  3l2  —

3.  Juli.

936.  Kaiser  Heinrich  IL.,  der  Finkler  oder  Vogelfänger,  stirbt
zu  Memleben,  kaum  sechzig  Jahre  alt  und  nach  einer  sechszehnjährigen
  glücklichen  und  ruhmvollen  Regierung.

Er  wurde  zu  Quedlinburg  in  dem  von  ihm  errichteten  Stifte
feierlich  begraben.  Er  war  ein  an  Geist  und  Körper  vorzüglicher  Regent;
er  war  gross  und  edel;  er  vollbrachte  ein  Werk,  das  zur  Ewigkeit  anstrebte;
  „und  was  sich  die  Deutschen  für  ihre  Nationalität  schon  errungen
haben  und  noch  erringen  werden,  einer  der  wesentlichsten  Grundpfeiler
ihrer  Schöpfung  bleiben  die  Thaten  dieses  ruhmgekrönten
Mannes!

1298.  Entscheidungsschlacht  bei  Göllheim  und  dem  Kloster
Rosenthal  in  der  Pfalz,  südöstlich  vom  Donnersberg.  Der  rechtmässige
  König  Adolf  von  Nassau  im  Kampf  wider  den  acht
Tage  vorher  durch  Fälschungen  jeder  Art  widerrechtlich  zum
Gegenkönig  gewählten  Herzog  Albrecht  von  Oesterreich.

Auf  beiden  Seiten  wurde  am  Morgen  der  Schlachtgesang  angestimmt:
„Sankta  Maria,  Mutter  und  Maid“.  Bei  den  Oesterreichern  sang  der
Bischof  von  Strassburg  vor,  bei  den  Königlichen  der  Erzbischof  von  Trier.
Die  Schlacht  begann  mit  einem  Kampf  der  beiderseitigen  Reiterei,  und
Adolf  sprengte  in  königlicher  Waffenpracht  in  die  feindlichen  Schlachthaufen
  und  kämpfte  ritterlich  um  seine  Krone.  Vom  Rosse  stürzend,
verliert  er  seinen  Helm,  schwingt  sich®  auf  ein  frisches  Ross  und  gewahrt
seines  Feindes,  gegen  den  er  heransprengt.  Seines  Helmes  beraubt,
erhält  er  eine  schwere  Kopfwunde  und  wird  unter  den  Augen  Albrechts
miedergestossen.  Adolfs  Tod  gab  Albrecht  den  Sieg  und  die

Tone.

1447.  Der  Erzbischof  Dietrich  II.  von  Köln  beginnt  mit  26  000
Czechen  die  Belagerung  von  Soest  in  Westfalen,  nacndem  sich
dasselbe  bereits  fünf  Jahre  lang  gegen  denselben  heldenmütig
verteidigt  hatte.

Soest  hatte  sich  mit  den  bischöflichen  Städten  Westfalens  verbunden,
  um  sich  gemeinsam  von  der  Herrschaft  der  geistlichen  Fürsten
frei  zu  machen,  welche  das  Land  wahrhaft  ausplünderten.
Der  Stadtschreiber  von  Soest  sagt  in  seiner  Chronik  von  Dietrich  I.:
„Er  nahm  von  den  Leuten  mehr,  als  sie  vermochten,  und  welche  Dörfer

kein  Geld  zu  geben  hatten,  die  versetzte  er  so  hoch,  dass  sie  noch  in
späterer  Zeit  genug  zu  verzinsen  und  abzuzahlen  hatten.“

1600.  Treffen  bei  Nieuport.

 _Die  Niederländer  unter  Moritz  von  Oranien  besiegen
die  Spanier  unter  dem  Erzherzog  Albrecht  von  Oesterreich.

1695.  Der  Markgraf  Philipp  von  Brandenburg  erobert  die
Stadt  Casale  in  Italien  (Orleanischer  Krieg).
        <pb n="323" />
        —  313  —

1704.  Die  vereinigten  Heere  des  englischen  FeldherrnMarlborough
und  des  Prinzen  Eugen  von  Savoyenschlagen  das  bayrischfranzösische
  Heer  am  Schellenberg  bei  Dillingen  und
Donauwörth.

Die  Franzosen  flüchteten,  von  Prinz  Eugen  verfolgt;  nichtsdestoweniger
  prahlte  ihr  Führer,  Marschall  Tallard,  als  er  das  Heer  des
Kurfürsten  Max  von  Bayern  erreichte:  „Ich  präsentiere  hier  diese
unüberwindliche  Armee!“  —  Echt  französisch!

1724.  Friedrich  Gottlieb  Klopstock,  von  seinen  Zeitgenossen
der  „grosse  Barde  Deutschlands“  genannt,  zu  Quedlinburg
geboren.

1762.  Die  Preussen’  unter  General  von  Kleist  erstürmen  die
österreichischen  Verschanzungen  bei  Böhmisch-Einsiedel
(siebenjährigen  Krieg).

1794.  Blücher  schlägt  die  Franzosen  bei  Fischlingen,  der  österreichische
  General  Hohenlohe  bei  Schweigenheim.

1795.  Der  Jugendschriftsteller  Gustav  Nieritz  zu  Dresden
geboren.

1796.  Der  französische  General  la  Roche  erstürmt  den  wichtigen
Pass  Kniebis,  wodurch  sich  nunmehr  die  Franzosen  ungehindert
  durch  Schwaben  bis  Bayern  verbreiten  konnten.

1804.  Ferdinand  Theodor  Hildebrandt,  Historien-  und
Porträtmaler,  zu  Stettin  geboren.

1807.  Aufhebung  der  Belagerung  von  Kolberg.

1815.  Blücher  geht,  im  Einverständniss  mit  Wellington,  mit  seinem
ganzen  Heere  über  die  Seine,  und  greift  sofort  das  von  drei
Marschällen  mit  70,000  Mann  und  300  Stücken  schwersten  Geschützes
  wohlverteidigte  Paris  von  der  Südseite  an.

Bis  nach  Mitternacht  dauerte  der  mit  verzweifelter  Wut  geführte
Kampf.  Tags  darauf  suchten  die  Franzosen  das  von  den  Preussen
eroberte  Issy  wieder  zu  nehmen,  doch  wurde  deren  heftiger  Angriff
glänzend  zurückgeschlagen.  Damit  endete  auch  zugleich  der  Kampf  vor
Paris.

1843.  Samuel  Christian  Friedrich  Hahnemann,  Gründer

der  homöopathischen  Heilkunst,  stirbt  zu  Parıs.

Zu  Leipzig  wurde  ihm  ein  von  Steinhäuser  gefertigtes  Denkmal
1851,  ebenso  ein  solches,  von  Schmitt  in  Berlin  ausgeführt,  1855  zu
Dessau  errichtet.

1849.  Treffen  bei  Ais.
Sieg  der  Russen  und  Oesterreicher  unter  General  Haynau
über  die  Ungarn  unter  Görgey.
1850.  Friedensschluss  zwischen  Dänemark  und  Preussen,
welches  zugleich  im  Namen  des  deutschen  Bundes  auftrat.

Schleswig  erhielt  eine  besondere  Landesverwaltung,  die  aus  einem
preussischen  und  einem  dänischen  Kommissär  bestand.  —  Die  schleswigholsteinische
  Armee  sollte  sich  hinter  die  Eider  zurückziehen.  —  Die
        <pb n="324" />
        —  314  —

Statthalterschaft  erkannte  diesen  Frieden  nicht  an,  und  die  Schleswig-Holsteiner
  waren  entschlossen,  nunmehr  den  Krieg  allein  weiterzuführen,
zu  welchem  Behufe  sie  den  preussischen  General  von  Willisen  zu  ihrem

Feldherrn  erwählten.
1864.  Ruhmreiches  Gefecht  der  3.  preussischen  Kanonenboot-Division
  gegen  dänische  Kriegsschiffe  bdi  Hiddensee.

1866.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  schlägt  sein  Hauptquartier

in  Gitschin  auf.

Mit  ihm  waren  Graf  Bismarck,  Kriegsminister  Roon  und  General
von  Moltke  in  Böhnien  eingetroffen.  —  Es  werden  bereits  Dispositionen
für  die  am  folgenden  Tage  stattfindende  Entscheidungsschlacht  getroffen,
da  hinter  der  Bisiritz  sehr  beträchtliche  feindliche  Truppenmassen  wahrgenommen
  wurden.  Der  Kronprinz  von  Preussen  wird  angewiesen,
die  Elbe  nunmehr  zu  überschreiten  und  gegen  die  rechte  Flanke  des
Feindes  vorzugehen.

Treffen  bei  Salzungen.

Die  Bayern  versuchen  einen  Angriff  auf  Abteilungen  der  preussischen
  Mainarmee,  werden  aber  zurückgeworfen.

1870.  Der  spanische  Ministerrat  beschliesst,  dem  Prinzen
Leopold  von  Hohenzollern  die  Krone  von  Spanien
offiziell  anzubieten.

Veranlassung  zum  deutsch-französischen  Kricg  von
1870—  11.

1885.  Preussens  Antrag,  die  braunschweigische  Erbfolge  betreffend,
  wird  im  Bundesrat  angenommen.

1887.  Der  berühmte  Afrika-Reisende  Stanley  unternimmt  seine
kühne  Expedition  zur  Rettung  des  Emin  Pascha  in

Wadelaı.

1890.  Die  auf  der  Antisklaverei-Konferenz  zu  Brüssel  vertretenen
  Mächte  unterzeichnen,  mit  Ausnahme  der  Niederlande,
die  Generalakte  und  die  Zusatzerklärung  bezüglich  der  Congozölle.
        <pb n="325" />
        —  315  —

3.  Juli.

U

683.  Papst  Leo  II.  (682—683).

Er  verbesserte  den  Gregorianischen  Gesang.

1098.  Eroberung  Antiochias  durch  die  Kreuzfahrer  während
des  ersten  Kreuzzuges.
Die  Belagerung  hatte  neun  Monate  angedauert.

1620.  Durch  Vermittlung  Frankreichs  kommt  während  des
30.  jährigen  Kriegs  zwischen  der  katholischen  Liga  und
der  evangelischen  Union  zu  Ulm  ein  Vertrag  zu  Stande,
worin  die  Protestanten  die  Nachgiebigkeit  bis  zur
Feigheit  treiben,  indem  sie  „eben  so  unedelmütig,  als
stumpfsinnig”  einwilligen,  dassdieBöhmen  von  dem
Frieden  ausgeschlossen  werden,  und  dassdiekatholische
  Liga  nunmehr  ihre  gesamte  Macht  zur  Unter-Jochung
  jener  Landschaft,  sowie  jener  von  Oesterreich,
dem  Kaiser  Maximilian  II.  zur  Verfügung  stellen  dürfe.

1636.  Magdeburg  ergiebt  sich  im  30jährigen  Krieg  an  die  Sachsen
und  Kaiserlichen.

1676.  Leopold  I.  Fürst  von  Dessau,  berühmter  preussischer  Feldherr,
  und  unter  dem  Namen  des  „alten  Dessauers“  allgemein
bekannt,  geboren.

1741.  Kurfürst  Karl  Albert  von  Bayern  unterzeichnet  jene
denkwürdige,  später  aber  abgeläugnete  Vertragsurkunde
mit  Frankreich,  worin  dieses  ihm  ein  französisches  Hülfsheer
von  26000  Mann  zur  Verfügung  zu  stellen  verspricht,  damit
er  seine  bayrischen  Erbschaftsansprüche  an  Oesterreich  mit  Gewalt
  durchzusetzen  vermöge;  ausserdem  versprach  ihm  Frankreich
mit  einem  Heer  von  60000  Mann  über  den  Rkhein  zu  gehen,
um  seine  Wahl  zum  deutschen  Kaiser  mit  Waffengewalt
  durchzusetzen,  dagegen  versprach  Karl  Albert,
wenn  er  Kaiser  würde,  alle  Eroberungen  anzuerkennen,  welche
Frankreich  in  den  Niederlanden  und  sonst  wo  machen  werde.

Ausserdem  erklärte  er  sich  damit  einverstanden,  dass  Frankreich
für  seine  geleisteten  „Hilfsgelder“  sich  in  Deutschland
bezahlt  machen  und  die  Provinzen  und  Städte,  welche
Frankreich  am  Rhein  besetzen  werde,  behaltendürfe  und
derKurfürst,wenn  erKaisersei,solehe  nichtreklamieren
wolle.  —  Einige  Monate  vorher  hatte  Karl  Albert  an  den  vermittelnden
französischen  Minister  Fleury  unter  Anderem  geschrieben:  „ausNeigung
        <pb n="326" />
        —  316  —

und  Erkenntlichkeit  werde  er  immer  trachten,  die  Interessen
  DeutschlandsmitdenenFrankreichszu  vereinigen.“
_  Schon  am  10.  Januar  1733  hatte  Karl  Albert  in  einem  solchen  Schreiben

eine  gleiche  Schmach  dein  deutschen  Reiche  angethan.

1778.  Beginn  des  bayrischen  Erbfolgekrieges.

Friedrieh  HU.  von  Preussen  erlässt  ein  Manifest,  worin  er  die
Gründe  des  Krieges  entwickelt.  Maria  Theresiawar  gegen  diesen
Krieg;  Kaiser  Joseph  und  Minister  Kaunitz  wollten  denselben.  —  Sie
liess  ihm  sogar  heimlich  durch  ihren  Vertrauten  Thugut  sagen,  „sie  sei
untröstlich,  dass  sie  mit  ihm  auf  dem  Punkte  stehe,  sich  einander  die

voın  Alter  gebleichten  Haare  auszureissen.“
Jean  Jacques  Rousseau,  Frankreichs  berühmtester
Philosoph,  stirbt  66  Jahre  alt.

Schwärmerischer  Enthusiasmus  für  Liebe  und  Freiheit  und  warmer
Eifer  für  Menschenwohl  waren  Hauptzüge  seines  Charakters  und  documentieren
  sich  in  seinen  zahlreichen  Schriften.

1783.  Friedrich  Wilhelm  Karl,  Prinz  von  Preussen,  zu  Berlin

geboren.

Er  vermählte  sich  mit  Prinzessin  Marianne  von  Hessen-Homburg.
Machte  die  Befreiungskämpfe  mit,  wurde  Generalgouverneur  von  der
Rheinprovinz  und  Westphalen,  später  Gouverneur  von  Mainz.

1789.  Der  Historienmaler  Friedrich  Johann  Overbeck  zu
Lübeck  geboren.

1792.  Ferdinand,  Herzog  zu  Braunschweig  und  Lüneburg,  preussischer
  Generalfeldmarschall,  stirbt.

1794.  Treffen  bei  Trippstadt.

Sieg  der  Franzosen  während  des  Revolutionskriegs.

1815.  Paris  kapituliert.

Die  französische  Regierung  liess  durch  einen  Unterhändler  den
Verbündeten  erklären,  dass  sich  Paris  unter  annehmbaren  Bedingungen
ergeben  wolle.  Blücher,  der  sich  vorher  mit  Wellington  verständigt
hatte,  stellte  die  Forderungen  eines  Siegers,  und  als  die  Abgeordneten
  nicht  darauf  eingehen  wollten,  erklärte  er  kurz,  dass  die
Feindseligkeiten  sofort  wieder  los  gehen  sollten.  Das
wirkte,  und  der  Vertrag,  genau  wie  ihn  Blücher  wollte,  wurde  unterzeichnet.


Einnahme  von  Chalons  durch  die  Russen.

General  von  Ziethen  wirft  die  Franzosen  bis  an  die
Barrieren  von  Parıs  zurück.

1821.  Bernhard  Wilhelm  Perthes  zu  Gotha  geboren.

Er  war  Buchhändler  und  Gründer  eines  geographischen  Instituts.

1833.  Joseph  Nicephore  Niepce,  der  Erfinder  der  Photographie,
  stirbt  zu  Gras  bei  Chälon  sur  Saöne.

1837.  König  Ernst  August  von  Hannover  erklärt,  dass  er  die
liberale  Verfassung  von  1833,  welche  ohne  seine  Zustimmung
zu  Stande  gekommen  sei  und  ihm  für  das  Wohl  seiner  Unterthanen
  nicht  zweckmässig  erscheine,  nicht  anerkenne.
        <pb n="327" />
        —  37  —

1861.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  verkündet  seinem  Volke
in  einem  Manifeste,  dass  er-  im  Oktober  dieses  Jahres  zu
KönigsbergfeierlichseineKrönungvollziehen  werde.

Dieselbe  soll  anstatt  der  altherkömmlichen  Erbhuldigung  des  Landes
gelten,  welches  letztere  er  als  ein  unverbrüchliches  Anrecht  seiner  Krone
betrachte  und  als  solches  seinen  Nachfolgern  in  der  Regierung  gewahrt
wissen  wolle.

1866.  Schlacht  bei  Königgrätz.

Glänzender  Sieg  der  preussischen  Armee,  —  Die  Schlacht
endete  zuletzt  mit  einer  wilden  Flucht  der  Oesterreicher,  die  übrigens
heldenmütig  gekämpft  hatten.  Die  Oesterreicher  verloren  40  000  Mann,
darunter  18000  Gefangene,  ferner  174  Kanonen  und  11  Fahnen.  Die
Preussen  zählten  10000  Tote  und  Verwundete.

1869.  Norddeutsches  Bundesgesetz  betreffend  die  Gleichberechtigung
  der  Konfessionen  in  staatlicher  und  bürgerlicher
  Beziehung.

1885.  Die  Dampfersubvention  wird  dem  norddeutchen
Lloyd  in  Bremen  zugesprochen;  Vlissingen  wird  Anlaufestation.

 

4.  Juli.

973.  Udalrich,  Bischof  von  Augsburg,  Freund  Kaiser  Ottos  I.,
stirbt.

1044.  Schlacht  an  der  Raab.

Kaiser  Heinrich  III.  schlägt  die  Ungarn,  welche  zum  dritten
Male  den  Eid  des  Gehorsams  gebrochen  hatten,  an  der  Raab  so  entscheidend,
  d2ss  ihr  König  Samuel  Aba  nicht  nur  seine  vergoldete  Lanze,
sondern  auch  sein  Königreich  auf  dem  Schlachtfelde  lies.  Er  wurde
auf  der  Flucht  eingeholt,  und  sein  durch  Heinrich  III.  auf  den  Thron
erhobener  Nachfolger  liess  ihn  enthaupten.

1097.  Sieg  der  Kreuzfahrer  unter  Gottfried  von  Bouillon  über
die  Türken  bei  Eski  Schehr  in  Keinasien.

1519.  Johann  Tetzel,  eigentlich  Diezel,  Dominikanermönch  und
Ablasskrämer,  stirbt  im  Paulinerkloster  zu  Leipzig.

Er  betrieb  den  Ablasshandel  in  der  unverschämtesten  Weise  in

Kursachsen  und  später  in  Kurbrandenburg.  Luther  bekämpfte  dies  verderbliche

  Treiben  seit  dem  31.  Oktober  1517,  an  welchem  Tage  er  an
der  Schlosskirche  zu  Wittenberg  seine  95  Thesen  dagegen  anheftete,
        <pb n="328" />
        —  318  —

1630.  Gustav  Adolf,  König  von  Schweden,  landet  mit  16  000
Mann  an  der  pommerschen  Küste.

1644.  Abraham  a  Sancta  Clara,  eigentlich  Ulrich  Megerle,
Augustinermönch,  Kanzelredner  und  Humorist,  zu  Krähenheinstetten

  in  Schwaben  geboren.

1715.  Der  Dichter  Christian  Fürchtegott  Gellert  zu  Haynichen,
einem  Städtchen  bei  Freiburg  im  Erzgebirge,  geboren.

1794.  Friedrich  von  Römer,  württembergischer  Minister,  zu
Erchenbrechtsweiler  geboren.

1859.  Der  Prinz-Regent  von  Preussen,  nachmaliger  deutscher
Kaiser,  beantragt  beim  deutschen  Bunde  die  Mobilisierung  der
deutschen  Armee,  und  bereitet  die  Mobilmachung  des  letzten
Drittels  des  preussischen  Heeres  vor.

1866.  Treffen  bei  Dermbach  an  der  Rhön.

Vogel  von  Falkenstein  war  tags  vorher  mit  seinen  drei  Divisionen
aus  der  Gegend  von  Eisenach  in  der  Richtung  nach  Fulda  aufgebrochen
und  war  bei  Dermbach  auf  die  Bayern  gestossen,  liess  seine  Hauptmacht
nach  Fulda  weitermarschieren  und  warf  nur  eine  Division  (von  Göben)
auf  den  Feind,  die  denselben  in  zwei  getrennten  Gefechten  bei  Zella
und  Wiesenthal  zum  eiligen  Rückzug  nach  Süden  nötigte.  —  An
demselben  Tege  war  die  bayerische  Reserve-Kavallerie  vor  der  Avantgarde
  der  Division  Beyer  bei  Hünfeld  nach  leichter  Kanonade  eiligst
abgezogen.

Kaiser  Franz  Joseph  tritt  Venetien  an  Napoleon  II.
ab,  um  dem  Feinde  im  Norden  seine  Südarmee  entgegenstellen
und  Frankreichs  Einfluss  und  Macht  für  sich  gewinnen  zu  können,
und  Napoleon  bietet  alsdann  Venetien  dem  König  Viktor
Emanuel  von  Sardinien  als  Geschenk  an,  der  es  aber  als  treuer
Bundesgenosse  Preussens  anzunehmen  ablehnte,  und  willens  war

trotz  der  Niederlagen  den  Krieg  fortzuführen.

1867.  Norddeutsches  Bundesgesetz  betreffend  die  privatrechtliche
  Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirtschafts-Genossenschaften.


1870.  Die  französische  Regierung  lässt  durch  ihren  Geschäftsträger
  zu  Berlin  wegen  der  spanischen  Thronkandidatur  beim
Grafen  Bismark  interpellieren.

1872.  Gesetz  betreffend  die  Ausweisung  der  Jesuiten  aus
dem  deutschen  Reich.

1885.  Paulus  Melchers,  Erzbischof,  reist  nach  Rom.

An  demselben  Tage  wurde  in  Bingen  am  Rhein  das

grosse  Schützenfest  gefeiert,  von  Amerikanern  zahlreich
  besucht.

1890.  Das  englische  Oberhaus  genehmigt  in  erster  Lesung  die  Abtretung
  Helgolands  an  Deutschland.
        <pb n="329" />
        —  319  —

9.  Juli.

a  .

365.  Papst  Benedikt  V.  stirbt  zu  Hamburg,  seiner  Vaterstadt,
wohin  ıhn  Kaiser  Otto  I.  verwiesen  hatte,  nachdem  Leo  VII.
wıeder  den  päpstlichen  Stuhl  einnahm.

Er  war  964  von  einer  römischen  Partei  statt  Leos  VIII.  gewählt
worden,  den  Otto  I.  unter  dem  ausdrücklichen  Versprechen  der  Römer,
für  dieFolge  ohne  Einwilligung  desKaisers  keinen  Papst
wählen  zu  wollen,  an  Johannes  XII.  Stelle  ernannte.

1051.  Die  Beneventiner,  welche  es  müde  waren,  den  päpstlichen
Kirchenfluch  wegen  ihrer  Fürsten  zu  ertragen,  und  deshalb  dem
Papste  Leo  IX.  die  Herrschaft  über  Benevent  angetragen  hatten,
leisten  demsellben  den  Huldigungsungseid.

Hiermit  wurde  dem  päpstlichen  Stuhl  eine  grössere  weltliche  Unterlage
  gegeben,  da  der  deutsche  Kaiser  Heinrich  III.  überdies  noch  dem
Papste  zuliebe  auf  seine  althergebrachten  oberlehnsherrlichen  Rechte
verzichtete.

1436.  Vertrag  von  Iglau.

Kaiser  Sigismund  wird  als  König  von  Böhmen  anerkannt,  nachdem
  er  alle  Bedingungen  der  Böhmen  angenommen  hatte,  welche  man
an  ihn  stellte,  unter  andern  die  Unverletzlichkeit  ihres  Glaubens.  Jedoch,
wie  Johannes  Huss  gegenüber,  so  benahm  sich  Sigismund  auch  diesmal
wieder  falsch,  indem  er  nach  seiner  Einsetzung  in  Prag  sogleich  den
katholischen  Gottesdienst  einführen  wollte,  welchen  Plan  er  jedoch
aufgab,  als  das  Volk  dieserhalb  zu  den  Waffen  griff.

1707.  DieKaiserlichen  und  Preussen  überschreiten  im  spanischen

Erbfolgekrieg  den  Pass  des  Col  di  Tenda.  (Westalpen.)

1735.  August  Ludwig  von  Schlözer,  der  gründlichste  und
umfassendste  Geschichtsforscher  seiner  Zeit,  zu  Jagstadt  an  der
Jagst  im  Hohenlohe-Kirchbergischen,  geboren.

1758.  Eroberung  von  Leutomyschl  in  Böhmen  von  den
Preussen  im  7jährigen  Kriege.

1778.  Friedrich  1].  von  Preussen  rückt  während  des  bayrischen
Erbfolgekriegs  an  der  Spitze  seines  Herres  in  Böhmen  ein,  und
bezieht  bei  Welsdorf  ein  Lager.

1792.  Der  König  von  Böhmen  und  Ungarn,  aus  dem  Hause
Habsburg,  wird  als  Franz  Il.  zum  deutschen  Kaiser  gewählt.
EswardiesdieletzteKaiserwahldurchdieKurfürsten.
1796.  Treffen  bei  Kuppenheim  an  der  Murg  in  Baden.
Die  Franzosen  unter  Moreau  besiegen  die  Oesterreicher
unter  Latour.
1808.  Die  hochbegabte  Dichterin  Elisabeth  Kulmann  in  St.  Petersburg
  „in  niederer  und  kummervoller  Hütte“  geboren.
        <pb n="330" />
        —  320  —

1809.  Ueberaus  blutige  Schlacht  bei  Wagram.

Erst  am  Abend  begann  dieselbe,  und  Erzherzog  Karl  erwartete
deshalb  auch  keine  entscheidende  Schlacht  mehr;  auch  rechnete  er  für
den  folgenden  Tag  auf  die  Ankunft  des  Erzherzogs  Johann  mit  starker
Heeresmacht.  Napoleon  dagegen  beabsichtigte  eine  möglichst  schnelle
Entscheidung.  Er  stellte  180000  Mann  den  Oesterreichern  gegenüber.
Erzherzog  Karl  verfügte  über  125000  Mann  und  400  Stücke  Feldgeschütz,
während  ihm  Napoleon  584  meist  schwere  Geschütze  entgegensetzte.  —
Der  blutige  Kampf  endete  damit,  dass  der  Erzherzog  bei  der  Ueberlegenheit
  des  Feindes  den  Kampf  abbrach  und  sich  in  bester  Ordnung
nach  Znayn  zurückzog.

1812.  Siegreiches  Gefechi  der  Franzosen  gegen  die  Russen

an  der  Druja.
1816.  Feodor  Löwe,  Dichter  und  Schauspieler,  zu  Kassel  geboren.
Derselbe  war  ein  Sohn  des  bekannten  Tragöden  Ferdinand  Löwe
und  Bruder  der  Gemahlin  des  Fürsten  Lichtenstein.  An  der  Hofbühne
zu  Stuttgart  war  er  ein  beliebtes  Mitglied  und  Regisseur.

1817.  Karl  Vogt,  berühmter  Naturforscher,  und  während  der
Frankfurter  Nationalversammlung  1848  und  1849  einer  der
hervorragendsten  und  freisinnigsten  Redner  der
äussersten  Linken,  zu  Giessen  geboren.

1832.  Deutscher  Bundestagsbeschluss  „zur  Aufrechthaltung

  der  gesetzlichen  Ordnung  und  Ruhe.“

Der  deutsche  Bundestag  verbietet  alleausserordentlichen
Volksversammlungen  und  Volksfeste  ohne  Genehmigung  der
Regierung,  das  Halten  politischerReden  auf  erlaubten  Versammlungen,
  das  Tragen  von  Kokarden  von  anderer  als  der
Landesfarbe  und  Errichtung  von  Freiheitsbäumen,  Fahnen  und
überhaupt  jede  Demonstration.  —  Gleichzeitig  wird  eine  Beschränkung
  des  deutschen  Buchhandels  in  Hinsicht  auf  im  Auslande
gedruckte  Werke  und  Zeitschriften  politischen  Inhalts  beschlossen,  und
dieselben  einer  Nachzensur  unterworfen.

1837.  Der  durch  den  Tod  des  Königs  Wilhelm  IV.  von  England
zur  Regierung  in  Hannover  gekommene  Herzog  von  Cumberland
Ernst  August,  ein  durchaus  absolutistisch  gesinnter  Fürst,  erklärt
durch  ein  Patent,  dass  er  sich  durch  das  Staatsgrundgesetz  von  1833
nicht  für  gebunden  erachte  „weil  es  eine  wesentliche  Verletzung

der  Regierungsrechte  enthalte.“

In  der  That  hob  er  dasselbe  auch  am  1.  November  desselben  Jahres
einseitig  und  eigenmächtig  auf  und  stellte  die  altständische
Verfassung  wieder  her.

1848.  Erzherzog  Stephan  eröffnet  als  souveräner  Stellvertreter  des

Kaisers  den  ersten  in  Pesth  tagenden  Reichstag.

Proklamierung  der  strafferen  Vereinigung  von  Kroatien,  Dalmatien,
  Slavonien  etc.  mit  Ungarn.  Dagegen  Erhebung  der
Serben  und  Kroaten.

1849.  Schlacht  bei  Fridericia.

Die  Dänen  machen  unter  ihrem  General  v.  Bülow  einen  Ausfall
aus  Fridericia  und  zwingen  die  dasselbe  belagernden  Schleswig-Holsteiner
  unter  General  v.  Bonin  nach  langem,  blutigem  Kampfe
zum  Rückzug.
        <pb n="331" />
        —  321  —

1866.  Königgrätz  wird  von  den  Preussen  beschossen.

1870.  Interpellation  Cocherys  im  Gesetzgebenden  Körper  zu  Paris,
die  spanische  Kandidatur  des  Prinzen  Leopold  von
Hohenzollern  betreffend.

Abreise  des  deutschen  Botschafters  zu  Paris,  Freiherr  von
Werther,  nach  Ems.

1873.  Der  Reichshaushalt-Etat  für  1874  wird  durch  Gesetz
auf  148242  775  Thaler  festgesetzt  und  der  Reichskanzler  ermächtigt,
  nach  Bedarf  zu  verübergehenden  Verstärkung  der  Reichshauptkasse
  bis  zu  8  Mill.  Thaler  behufs  Beschaffung  eines
Betriebsfonds  zur  Durchführung  der  Münzreform  bis  zu
50  Mill.  Thalern  Schatzanweisungen  auszugeben.

1875.  Beginn  des  Aufstandes  in  der  Herzegowina.

1878  Der  Schah  von  Persien  kommt  zum  Besuch  des  kaiserlichen
  Hofs  nach  Wien.

1879.  Königl.  Verordnung  betr.  Verteilung  der  Amtsgerichte
in  Preussen.

1885.  Herzog  Alexander  von  Württemberg,  General  der  Kavallerie,
stirbt  zu  Graz.

1887.  Furchtbare  Katastrophe  von  Zug  in  der  Schweiz.  —
38  Häuser  versinken  im  Zuger-See,  wobei  mehr  als  200  Bewohner
ihr  nasses  Grab  finden.

Auch  im  Jahr  1435  wurde  Zug  von  einem  gleichen  Unglück  betroffen,
  wobei  25  Häuser  versanken.

 

 

21
        <pb n="332" />
        —_  32  —

6.  Juli.

1369.  (Nach  Anderen  1373).  Johannes  Huss,  der  grosse  Vorreformator,
  zu  Husinetz  im  Prachatitzer  Kreise  in  Böhmen
geboren.

1376.  Wenzel,  König  von  Böhmen,  wird  zu  Aachen  als  römischer
König  gekrönt.

1415.  Johannes  Huss  wird  zum  letzten  Mal  vor  die  allgemeine
Kirchenversammlung  zu  Konstanz  gestellt.

Diesmal,  wie  früher,  ward  ihm  keine  Gelegenheit  gegeben,  vor  dem
gesamten  grossen  Rate  der  Christenheit  sich  zu  verteidigen.  „Im  Vertrauen
  auf  meine  Unschuld  und  das  freie  Geleite  des  Kaisers
bin  ich  hierher  gekommen,“  rief  der  Verfolgte  und  sah  bei  den  letzteren
Worten  den  Kaiser  Sigismund  bedeutungsvoll  an,  worauf  dieser  im  Bewusstsein
  seines  schnöden  Wortbruchs  verlegen  die  Augen  senkte  und
hohe  Schamröte  sein  Antlitz  bedeckte.  Man  gebot  Huss  Stillschweigen
und  forderte  seinen  unbedingten  Widerruf.  „Kann  ich  widerrufen,  was
‘ich  nicht  gesagt  habe?“  fragte  er  weinend  das  umstehende  Volk.  „Er
ist  ein  Ketzer!“  schrie  hierauf  die  Mehrheit  der  Versammlung.  Der
Justizmord  war  indessen  einmal  beschlossen,  und  das  „Schuldig“  wurde
über  Johannes  Huss  gefällt,  worauf  Kaiser  Sigismund  sofort  den
Befehl  zur  Hinrichtung  desGlaubenshelden  gab.  Johannes
Huss  ging  mit  Standhaftigkeit  in  den  Tod.  Vor  Anzündung  des  Holzstosses
  forderte  man  ihn  nochmals  auf,  doch  zu  widerrufen,  und  als  er
sich  dessen  weigerte,  so  wurde  der  Scheiterhaufen  angesteckt.  Als  die
Flammen  emporschlugen,  sang  Johannes  Huss  mit  fester  Stimme  ein
andächtiges  Lied  und  betete  sodann  laut,  bis  ihm  Rauch  und  Hitze  den
Atem  nahmen.  So  endete  einer  der  grössten  Wohlthäter  des  Menschengeschlechts.



1449.  Kaspar  Schlick,  der  vaterlandsliebende,  echt  deutsch  gesinnte
  Kanzler  unter  der  Regierung  dreier  Kaiser  —  Sigismunds,
Albrechts  II.  und  Friedrichs  IH.  —  stirbt.

Von  Schlick  rührte  der  Entwurf  einer  Landfriedensordnung

her,  welche  ganz  geeignet  war,  die  Ruhe  und  Sicherheit  im  Innern  des
Reichs  dauernd  und  fest  zu  begründen.

1502.  Kurfürst  Friedrich  der  Weise  von  Sachsen  stiftet  die
Universität  Wittenberg.

Die  preussische  Regierung  hat  dieselbe  1815  mit  der  Halleschen
vereinigt  und  dafür  zu  Wittenberg  ein  theologisches  Seminarium  errichtet.

1646.  (Nach  Anderen  am  23.  Juni)  Gottfried  Wilhelm  Freiherr
von  Leibniz,  einer  der  grössten  Denker  aller  Zeiten,  mit  dessen
Namen  eine  neue  Entwickelung  des  menschlichen  Geistes  verknüpft

  ist,  zu  Leipzig  geboren,  wo  sein  Vater  Professor  der  Moral
war,  den  er  aber  schon  im  6.  Jahre  verlor.
        <pb n="333" />
        —  323  —

1706.  Die  Kaiserlichen  und  die  Preussen  erstürmen  im
spanischen  ErbfolgekriegOstende.  —  Die  französische
Besatzung  kapituliert.

1748.  Johann  Jänicke,  Begründer  einer  Missionsanstalt  zu  Berlin,
Begründer  der  Berliner  Bibelgesellschaft  und  des  Vereins  für
christliche  Erbauungsschriften,  geboren.

Er  starb  am  21.  Juli  1827  als  Prediger  der  Bethlehemkirche  zu
Berlin.

1759.  Die  Preussen  unter  Seydlitz  treiben  die  Oesterreicher

unter  Laudon  aus  Hirschberg  und  verdrängen  sie  nach  Böhmen.

1796.  Der  französische  General  Desaix  schlägt  die  Oesterreicher
bei  Rastadt.

1798.  Die  zwischen  den  französischen  Gesandten  und  den  kaiserlichen
  Bevollmächtigten  seit  dem  30.  Mai  schwebenden  Verhandlungen
  zu  Selz  werden  resultatlos  abgebrochen.

Das  Wiener  Kabinet  suchte  hierauf  das  russische  Bündnis,  welches
schon  im  August  abgeschlossen  wurde  und  Oesterreich  ein  russisches
Hilfsheer  von  24  000  bis  30  000  Mann  zuführen  sollte.

1808.  Johann  Gustav  Droysen,  bedeutender  Geschichtsschreiber,

zu  Treptow  an  der  Rega  geboren.

1818.  Adolf  Anderssen,  Gelehrter  und  hervorragender  Schachspieler,

  zu  Breslau  geboren.
Er  starb  am  13.  März  1879  zu  Breslau.

1829.  Friedrich  Christian  August,  Prinz  von  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg,

  geboren.

Er  beteiligte  sich  1848  an  der  Erhebung  der  Schleswig-Holsteiner
gegen  Dänemark  und  erklärte  sich  bei  der  I'hronbesteigung  Christians  IX.
(16.  Novbr.  1863)  als  Friedrich  VIII.  für  den  bestlegitimierten  Thronfolger
  in  den  Herzogtümern,  die  sich  freudig  ihm  anschlossen.  Nach

1866  lebte  er  in  Gotha,  wo  er  im  Januar  1880  starb.
1832.  Kaiser  Max  von  Mexiko,  aus  dem  Hause  Habsburg,  geboren.

1854.  Der  deutsche  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  giebt  in
einem  Bundespressgesetz  den  Regierungen  anheim,  auf
administradivem  Wege  allen  mit  derPressein  Verbindung
stehenden  Gewerben  Concessionen  zu  ertheilen  oder

zu  entziehen.
Johann  KarlFriedrich  August  Borsig,  Industrieller,
stirbt.

Er  eröffnete  1837  mit  wenigen  Arbeitern  eine  eigene  Maschinenanstalt
  und  schon  nach  einigen  Jahren  beschäftigte  er  bereits  über  1200

Arbeiter.
1864.  Die  Insel  Föhr  an  der  schleswigschen  Küste  wird  von  den
Oesterreichern  besetzt.
        <pb n="334" />
        —  324  —

1866.  Die  ganze  preussische  Armee  beginnt  ihren  Vormarsch
gegen  Süden.
Troppau  in  Oesterreich-Schlesien  wird  von  den  Preussen
besetzt.
König  Wilhelm  I.  von  Preussen  verlegt  sein  Hauptquartier
  nach  Pardubitz.

General  von  Beyer  steht  in  Fulda.

1870.  Der  französische  Ministerpräsident,-  Herzog  Gramont,  erklärt
in  der  Abgeordnetenkammer  zu  Paris,  dass  die  französische
Regierung  niemals  dulden  werde,  „dass  eine  fremde  Macht  zum
Nachteile  Frankreichs  das  gegenwärtige  Gleichgewicht  der  Kräfte
in  Europa  stören  und  das  Interesse  und  die  ‚Ehre  Frankreichs
gefährden  dürfte,  indem  sie  einen  ihrer  Prinzen  auf  den  spanischen
Thron  setze.

Bismarck  hatte  auf  diese  unverkennbare  Provokation  sofort  erklärt,
dassdieseAngelegenheit(spanische’IThronfolge)wederPreussen
nochDeutschlandetwasangehe,  sonderneinzigundaallein
nurSpanien  unddessen  Thronkandidaten;  kurz,  die  fragliche
  Angelegenheit  existiere  für  die  preussische  Regierung
  nicht.

1877.  Friedrich  Wilhelm  Hackländer,  bedeutender  Romanund
  Lustspieldichter,  stirbt  zu  Leoni.

Seine  Schriften  zeichnen  sich  durch  harmlosen  Humor,  gesunde
Weltanschauung,  treflliche  Charakteristik  und  reiche  Erfindung  aus  und
sind  in  vielen  Auflagen  erschienen.

1884.  Baron  A.  von  Klessheim,  österreichischer  Dialektdichter,
stirbt  73  Jahre  alt  in  Baden  bei  Wien.

1889.  Hauptmsnn  Wissmann  besetzt  Pangani  in  Ost-Afrika.

1890.  Beginn  des  10.  deutschen  Bundesschiessen  zu
Berlin.
        <pb n="335" />
        —  325  —

‘.  Juli.

786.  Willibald,  Missionar  und  Gehilfe  des  Bonifazius,  stirbt.
Er  verfasste  als  Bischof  von  Eichstädt  eine  Vita  des  Bonifazius.

1207.  Sängerstreit  auf  der  Wartburg  bei  Eisenach.

1439.  Papst  Eugen  IV.,  der  sich  den  Anordnungen  des  Konzils
zu  Basel  nicht  fügen  wollte,  vielmehr  dasselbe  zu  entzweien
suchte,  und  sogar  ein  anderes  Konzil  nach  Ferrara  in  Italien  berufen
  hatte,  wird  von  der  Baseler  Kirchenversammlung
alsein  „hartnäckiger  Ketzer“  abgesetzt  und  statt  seiner
am  5.  November  1439  Papst  Felix  V.  gewählt.

Die  Christenheit  hatte  nun  wieder  zwei  Päpste  und  zwei
Kirchenversammlungen.
1455.  Der  sächsische  Prinzenraub.

Ein  Racheakt  und  Erpressungsversuch  des  Kunz  vonKaufungen
gegen  den  Kurfürsten  Friedrich  den  Sanftmütigen  von  Sachsen,  als  dieser
sich  weigerte  die  grossen  Ansprüche  des  kriegskundigen  Ritters  alle  zu
erfüllen.  Nächtlicherweile  überfiel  Kunz  mit  einigen  Vertrauten  das
Schloss  zu  Altenburg,  während  der  Kurfürst  auf  einer  Reise  nach  Leipzig
begriffen  war,  und  raubte  vor  den  Augen  der  verzweifelten  Mutter  die
beiden  Prinzen  Ernst  und  Albert.  Der  erstere  wurde  schon  folgenden
Tags  durch  die  Geistesgegenwart  eines  Köhlers  namens  Schmidt,  der
letztere  durch  freiwillige  Auslieferung  am  11.  Juli  gerettet.  —  Kunz
von  Kaufungen  aber  wurde  auf  dem  Wege  nach  Böhmen  festgehalten
und  am  14.  Juli  1455  zu  Freiberg  hingerichtet.

1683.  Im  Reitergefecht  bei  Petronell  gegen  die  Türken  besteht

  Prinz  Eugen  die  erste  Probe  seiner  Tapferkeit.

1701.  Prinz  Eugen  schlägt  die  Franzosen  unter  Catinat  bei
Carpi  unweit  Verona.

1734.  Einnahme  von  Danzig,  wohin  sich  Stanislaus  Lesezinsky
vor  seinem  Mitbewerber  um  den  polnischen  Thron,  Friedrich
August  III.  von  Sachsen,  geflüchtet  hatte.

Trotz  der  wiederholten  Entsatzungungsversuche  der  Franzosen
wurde  Danzig  eine  Beute  der  Russen  und  Sachsen,  welche  es  schwer

züchtigten.

1752.  Joseph  Marie  Jacquard,  Erfinder  des  nach  ihm  benannten
Webestuhls  für  gemusterte  und  brochierte  Seidenstoffe  und  einer
Netzstrickmaschine,  zuLyon  geboren,  wo  eram  7.August  1834  starb.

1794.  Die  Franzosen  unter  Jourdan  schlagen  die  Hollän  der  bei
Mont  St.  Jean.
        <pb n="336" />
        —  326  —

1796.  Treffen  bei  Neukirchen.
Die  vereinigte  französische  Maas-  und  Samber-Armee  unter
General  Jourdan  sehlägt  das  nur  35000  Mann  zählende  österreichische
Heer  unter  Wartensleben,  welcher  am  Niederrhein  operieren  sollte,
während  Erzherzog  Karl  den  General  Moreau  am  Oberrhein  aufzuhalten
suchte.
1807.  Friede  von  Tilsit  zwischen  Kaiser  Alexander  I.  von
Russland  und  Napoleon,  der  jenen  ganz  für  sich  eingenommen

und  seinem  Bundesgenossen,  dem  König  Friedrich  Wilhelm  Ill,

abtrünnig  gemacht  hatte.

Was  Wunder  da,  dass  sich  Russland  sogar  einen  Teil
von  Neu-Östpreussen,  den  Bezirk  von  Bialystock,  vom
Eigentum  Preussens  abtreten  liess.  Russland  erkannte  im
Tilsiter  Frieden  den  Rheinbund  und  die  von  Napoleon  neugeschaffenen
Königreiche  an,  nahm  in  seinem  Krieg  gegen  die  Türken  französische
Vermittelung  an  und  versprach  gemeinschaftlich  mit  Frankreich  England
zu  bekriegen,  wenn  dieses  den  ihm  angetragenen  Frieden  verschmähen
sollte.

1810.  Ludwig  Adolf  Stöber,  elsässischer  Dichter  und  Schriftsteller,
  geboren.
Er  hat  sich  hochverdient  um  Pflege  und  Aufrechthaltung  des
Deutschtums  im  Elsass  gemacht.
1815.  Die  siegreichen  Verbündeten  (preussische  und  englische
Truppen)  halten  zum  zweitenmalihrenEinzuginParis.

Ernst  und  finster,  unter  dem  Wirbeln  der  Trommeln,  mit  Kanonen
und  brennenden  Lunten  erfolgte  derselbe.  Blücher  hatte  in  einem
Tagesbefehl  den  Truppen  zwar  Ernst  und  Kälte  gegen  sämtliche  Franzosen,
  aber  auch  ein  menschliches  und  bescheidenes  Betragen  anbefohlen.
Diese  zweite  Einnahme  der  Hauptstadt  hatte  für  die  Franzosen,  die  sich
seit  Jahren  in  einem  Zustande  politischer  Hoffahrt  befanden,  viel  Niederschlagendes
  und  Demütigendes.

An  demselben  Tage  Bundesschwur  der  22  Kantone  der

schweizerischen  Eidgenossenschaft.

1866.  Die  österreichische  Armee  räumt  mit  Ausnahme  der  testen
Plätze,  Venetien,  um  nach  dem  bedrohten  Wien  zu  eilen.

1887.  Ferdinand  vonKoburg  wird  zum  Fürsten  von  Bulgarien
erwählt.
        <pb n="337" />
        —  327  —

8.  Juli.

689.  Kilian,  Heiliger,  Apostel  der  Ostfranken,  von  der  Gattin
des  Thüringer  Herzogs  Gozbert  ermordet.

1192.  Friedrich  I.  von  Zollern,  zuerst  urkundlich  als  Burggraf
von  Nürnberg  genannt.

1343.  Friede  zu  Kalisch  zwischen  dem  deutschen  Orden
und  Polen.

1411.  Kaiser  Sigismund  verleiht,  durch  Patent  an  den  Burggrafen
  Friedrich  VI.  von  Nürnberg  die  oberste  Verweserschaft
  der  Mark  Brandenburg  mit  alleinigem  Vorbehalt  der
Kurwürde.

1506.  Herzog  Albrecht  von  Bayern  verfügt  durch  pragmatisches
Hausgesetz,  dass  die  Gesamtregierung  sich  nur  noch  an  den
ältesten  Prinzen  vererben  soll.

1639.  Herzog  Bernhard  von  Weinmar,  der  Haupt-Heerführer
der  Protestanten  während  des  dreisigjährigen  Krieges,
stirbt  zu  Neuenburg  am  Rhein,  wo  er  fünf  Tage  vorher  plötzlich
schwer  erkrankte.

Die  Sage  ging,  dass  er  infolge  einer  Vergiftung  gestorben  sei,
welche  man  gleichzeitig  dem  kaiserlichen,  spanischen  und  französischen
Kabinet  zur  Last  legte.  Bernhard  von  Weimar  starb  in  der  Blüte  seines
Lebens,  kaum  36  Jahre  zählend.  Er  war  einer  der  kühnsten  und  tapfersten
Männer  seiner  Zeit,  voll  von  Tapferkeit  und  Unternehmungsgeist  und
im  Besitze  so  vorzüglicher  Feldherrngaben,  dass  er  unter  den  Zeitgenossen
nur  dem  König  Gustav  Adolf  allein  nachstand.

1757.  General  von  Lestwitz  schlägt  im  7jähr.  Krieg  die  Oesterreicher
  bei  Reichstadt.

1793.  Gefecht  bei  Kostheim,  in  welchem  die  Franzosen  von
den  Preussen  geschlagen  werden.

1803.  Julius  Mosen,  der  volkstümliche  Dichter  von  „Andreas
Hofer“  und  „Die  letzten  Zehn“,  zu  Marieney  im  sächsischen
Vogtlande,  geboren.

KarlFriedrich  AugustGützlaff  zu  Pyritz  in  Pommern

geboren.

Er  weilte  in  Ostindien,  dann  in  China  als  Missionär  und  war  ein
grosser  Kenner  der  chinesischen  Verhältnisse.  Biblische  Bücher  übersetzte
  er  in  ostasiatische  Sprachen.  —  Er  starb  am  9.  August  1851  zu
Viktoria,  der  Hauptstadt  der  Insel  Hongkong.
        <pb n="338" />
        —  323  —

1808.  August  Stöber,  elsässischer  Dichter  und  Schriftsteller,

geboren.
Wie  sein  Vater  und  Bruder  hochverdient  um  die  Pflege  des  Deutschtums

  im  Elsass,  um  elsässische  Sage,  Geschichte  und  Literatur.
1810.  Robert  Schumann,  ein  beliebter  Liedercomponist,  geboren.

1827.  Peter,  Grossherzog  von  Oldenburg,  geboren.
Er  trat  am  27.  September  1866  seine  Erbansprüche  auf  Schleswig-Holstein
  gegen  1  Million  Thaler  und  das  Amt  Ahrensböck  an

Preussen  ab.
1840.  Der  Maler  Heinrich  von  Angeli  zu  Oedenburg  in  Ungarn
geboren.

1846.  König  Christian  VIII  von  Dänemark  erlässt  einen
„Offenen  Brief“  an  sein  Land,  in  welchem  er  erklärt,  dass
die  weibliche  Erbfolge  in  Schlesswig  und  Lauenburg
gelten  solle,  wie  in  Dänemark,  und  dass  er  auch  in  Holstein
demnächst  ein  ganz  gleiches  Verhältniss  herzustellen  gedächte.

Dieser  „Offene  Brief“  rief  in  ganz  Deutschland  einen  entschiedenen
Protest  hervor.

1853.  Karl  Friedrich,  Grossherzog  von  Sachsen-Weimar,  stirbt.

1859.  Waffenstillstand  von  Villafranka  zwischen  Oesterreich
und  Napoleon  III.

1866.  Die  Preussen  unter  General  von  Rosenberg-Gruszczynski
besetzen  Prag,  wodurch  die  Strasse  vom  Hauptquartier  nach
Berlin  frei  wird.

Dankgottesdienst  im  preussischen  Staat  für  den  Sieg
bei  Königgrätz.

Friedrich  Adolf  Wilhelm  Diesterweg,  berühmter
Pädagog  und  einer  der  Hauptförderer  des  neueren  deutschen
Volksschulwesens,  stirbt  zu  Berlin.

1867.  Der  neue  Zollvertrag  wird  zwischen  dem  norddeutschen

Bundund  densüddeutschen  Staaten  in  Berlin  abgeschlossen.
Die  Verbindung  von  Nord-  und  Süddeutschland  wird  durch

Abschluss  des  neuen  Zollvertrags  und  das  damit  verbundene  Zollparlament
  eine  durchaus  innige.  Das  Zollparlament  bestand  aus  den
Mitgliedern  des  norddeutschen  Bundesrats  und  Reichstags  und  aus  den
von  den  süddeutschen  Staaten  abgesandten  Bundesräten  und  Abgeordneten,
  welche  speziell  für  das  Zollwesen  nach  dem  allgemeinen  geheimen
Stimmrecht  gewählt  wurden.  Das  Zollparlament  hielt  seine  Sitzungen
in  Berlin,  der  nunmehrigen  Hauptstadt  Deutschlands,  ab  und  wurde  vom
König  von  Preussen  einberufen  und  entlassen.

1870.  Benedetti,  der  französische  Gesandte  in  Berlin,  kommt  von
Wildbad  nach  Ems  wo  König  Wilhelm  I.  sich  aufhält.

1871.  Die  preussische  Regierung  verfügt  die  Aufhebung  der
katholischen  Abteilung  im  Kultusministerium.

1879.  Prinz  Alexander  von  Battenberg,  Fürst  von  Bulgarien,

  trifftin  Tirnowa,  der  alten  Hauptstadt  Bulgariens,  ein.
        <pb n="339" />
        —  329  —

9.  Juli.

1386.  Schlacht  bei  Sempach  (Schweiz).

Leopold  von  Oesterreich  wird  von  den  „Bauern“  der
Waldstättegeschlagen.  Die  wenigsten  ihrer  hatten  einen  Harnisch,
nur  Schwerter  und  lange  Spiesse,  zackigte  Keulen  oder  Hellebarden,
während  die  Ritter  des  Oesterreichers  eine  wahre  Eisenmauer  mit  vorgestreckten
  Lanzen  bildeten,  die  zu  durchbrechen  unmöglich  war.  Da
rief  nach  der  Sage  einer  der  Bauern,  Arnold  von  Winkelried,  den
Genossen  zu:  „Eidgenossen,  ich  will  euch  eine  Gasse  machen,  sorget
für  mein  Weib  und  meine  Kinder!“  umschlingt  mit  seinen  Armen  etliche
Ritterlanzen,  drückt  sie  zusammen  und  sich  in  den  Leib  und  macht,
freiwillig  für  sein  Volk  sterbend,  in  die  Eisenmauer  „eine  Gasse“.  Ihm
stürzen  die  Bauern  in  die  gesprengse  Schlachtreihe  nach  und  beginnen
mit  ihren  kurzen  Schwertern,  Keulen  und  Hellebarden  ein  fürchterliches
Blutbad.  Ueber  2000  Fussknechte,  676  Grafen  und  Herren  blieben  tot

auf  der  Wahlstatt,  während  die  Sieger  kaum  200  Tote  zählten.

1553.  Schlacht  bei  Sievershausen  auf  der  Lüneburger  Haide,
in  welcher  der  „wilde  Markgraf“  Albrecht  von  Brandenburg-Kulmbach,
  ein  wilder  tollkühner  Kriegsfürst,  von  den  vereinigten
Fürsten,  unter  ihnen  Kurfürst  Moritz  von  Sachsen,  geschlagen
wird,  und  sich  eilig  nach  Kissingen  zurückziehen  musste,  wo  in
einer  zweiten  Schlacht  sein  Heer  vollständig  vernichtet  wurde;  Albrecht
  selbst  floh  nach  Frankreich.

In  der  Schlacht  bei  Sievershausen  wurde  Moritz  von  Sachsen
durch  die  mörderische  Kugel  seines  Pagen  Karras,  der  erst  nach  Jahren
diese  Blutschuld  sterbend  entdeckte,  tödlich  verwundet.

1578.  Kaiser  Ferdinand  II.  zu  Graz  geboren.

Er  regierte  von  1619—1637.  Er  machte  Böhmen  wieder  völlig
katholisch.

1611.  Entstehung  der  Linie  Mecklenburg-Schwerin  und
Mecklenburg-Güstrow.

1683.  Die  Türken  unter  dem  Grossvezier  Kara  Mustafa  —  270  000
Mann  stark  —  erscheinen  vor  Wien,  dessen  Wälle  und
Mauern  in  schlechtem  Zustande  sind,  und  in  welchem  im  Ganzen
nur  7000  waffenfähige  Bürger  und  6000  Söldner  zur  Verteitigung
liegen,  von  dem  Grafen  Rüdinger  von  Stahremberg  befehligt.

1788.  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  erlässt  auf  den  Rat
Wöllners,  zur  Unterdrückung  der  Aufklärung  in  Kirche  und
Litteratur,  das  berüchtigte  Religionsedikt,  durch  welches  den
Geistlichen  unter  Androhung  der  Absetzung  jede  Abweichung
vom  kirchlichen  Lehrbegriff  verboten  wurde.
        <pb n="340" />
        —  330  —

1796.  Schelaht  bei  Ettlingen  und  Malsch  in  Baden.

Trotz  der  grossen  Feldherrngaben  des  Erzherzogs  Karl  und  der
glänzendsten  Tapferkeit  der  Oesterreicher,  welche  den  Angriff  viermal
zurückschlugen,  blieb  der  Sieg  am  Ende  doch  auf  Seiten  der  Franzosen,
  welche  nunmehr  ganz  Schwaben  überschwemmen.

1807.  Kaiser  Napoleon  schliesst  zu  Tilsit  mit  König

Friedrich  Wilhelm  Ill.  von  Preussen  Frieden.

Der  Sieger  nahm  dem  preussischen  Staate  im  Frieden  zu  Tilsit
die  Hälfte  seiner  Länder  und  fünf  Millionen  Menschen;
Preussen  behielt  ausser  dem  eigentlichen  Lande  dieses  Namens  nur  die
Marken  Pommern  und  Schlesien  und  musste,  obschon  die  Franzosen  alle
Kassen  geleert  hatten,  noch  180  Millionen  Francs  Kriegskosten  bezahlen,
welche  nachher  auf  146,  in  der  Folge  durch  Russlands  Vermittelung  auf
126  Millionen  ermässigt  wurden,  bis  zu  deren  völliger  Abzahlung  drei
französische  Armeekorps  das  auf  Poınmern,  Schlesien  und  Brandenburg

  beschränkte  preussische  Gebiet  besetzt  halten.

1810.  Holland  wird  mit  Frankreich  vereinigt  und  zwar  unter  dem
Vorwand  das  ganze  Land  sei  nur  „aus  Anschwemmungen
französischer  Flüsse“(!)  des  Rheins,  der  Maas  und  Schelde,
entstanden,  somit  sei  Holland  nur  ein  „Ausfluss  von
Frankreich,  und  ohne  jenes  würde  das  Reich  nicht
vollzählig  sein.

1813.  Zusammenkunft  Friedrich  Wilhelms  Ill,  Alexanders
von  Russland  und  des  Kronprinzen  von  Schweden  zu
Trachenberg.

1826.  Charlottte  von  Schiller,  geb.  Lengefeld,  Gattin  des
Dichters,  stirbt  fast  blind  zu  Bonn.

1860.  Blutbad  unter  den  Christen  zu  Damaskus.

1866.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  verlegt  sein  Hauptquartier
von  Pardubitz  nach  Hohenmauth  in  Böhmen.

General  Vogel  von  Falkenstein  wendet  sich  mit  der
Mainarmee  von  Fulda  und  Schlüchtern  nach  Unterfranken.

Die  Befestigungen  bei  Rovigo  werden  von  den  Oesterreichern
  in  die  Luft  gesprengt.

1870.  Erste  Audienz  des  französischen  Botschafters  am  Berliner
Hofe,  Grafen  Benedetti,  beim  König  Wilhelm  I.  von

Preussen  zu  Ems,  in  Betreff  der  spanischen  Thronkanditur.

König  Wilhelm  I.  erklärte,  dasser  dem  Prinzen  Leopold
  von  Hohenzollern  weder  die  Annahme  der  Krone
befohlen  habe,  noch  die  Zurücknahme  seiner  Zusage  befehlen
  könne.

1872.  Enthüllung  des  dem  Freiherrn  von  Stein  errichteten
Denkmals  zu  Nassau  in  Gegenwart  des  Kaisers  Wilhelm.
und  des  Kronprinzen  des  deutschen  Reichs.

1879.  Prinz  Alexander  von  Battenberg  besteigt  den
bulgarischen  Thron.

1885.  Gerhard  Rohlfs  von  Zanzibar  abberufen.
        <pb n="341" />
        —  3  —

10.  Juli.

in

1509.  Jean  Galvin,  der  zweite  grosse  Reformator  des  sechzehnten
Jahrhunderts,  zu  Noyon  in  der  Picardie  geboren,  wo  sein  Vater
Bötticher  war.

1538.  Das  Nürnberger  katholische  Bündniss.

Um  dem  wachsenden  schmalkaldischen  Bunde  ein  wirksames
Gegengewicht  zu  schaffen,  vereinigen  sich  zu  Nürnberg  auf  Betreiben
des  kaiserlichen  Vicekanzlers  Held  die  Herzöge  von  Bayern,  die  Erzbischöfe
  von  Mainz  und  Salzburg,  Herzog  Georg  von  Sachsen  und  Heinrich
von  Braunschweig  zu  dem  sogenannten  „katholischen  Bündnisse“.

1546.  Einnahme  der  Ehrenberger  Klause  am  Lech  durch
Sebastian  Schärtlin  von  Burtenbach,  Feldhauptmann  der  oberdeutschen
  Städte,  während  des  Schmalkaldischen  Kriegs.

1548.  Auf  Anschlag  von  Philipp  II.  von  Spanien  wird
Prinz  von  Oranien  durch  den  gedungenen  Meuchelmörder
  Balthasar  Gerard,  aus  der  Franche-Comte  gebürtig,
zu  Delst  ermordet.

Derselbe  hatte  sich  unter  falschem  Namen  bei  dem  Prinzen  eingeführt
  und  noch  Geld  als  Geschenk  erhalten,  mit  welchem  der  Mörder
zwei  Pistolen  kaufte  und  seinen  Wohlthäter  erschoss,  als  dieser  eben
von  der  Mahlzeit  aufstand.  Der  ergriffene  Mörder  gestand,  dass  er
seinen  Vorsatz  einem  Franziskanermönch  zu  Tourney
und  einem  Jesuiten  in  Trier  mitgeteilt,  und  der  letztere
ihn  darin  ganz  besonders  bestärkt  habe.  (Gerard  wurde  auf
eine  barbarische  Weise  hingerichtet;  König  Philippll.  aber  adelte
vor  den  Augen  der  Welt  den  Meuchelmord,  indem  er  die
Verwandten  des  Mördersin  den  Adelstand  erhob.

1609.  Die  „katolische  oder  heilige  Liga”,  Bündniss  zwischen
‘  Maximilian  von  Bayern,  den  drei  geistlichen  Kurfürsten  und
mehreren  Bischöfen  und  Aebten,  zu  München  geschlossen.

Zweck  des  Bundes  war  die  Verfechtung  der  katholischen  Interessen,
doch  nicht  im  Interesse  Habsburgs,  auf  welches  Maximilian  vielmehr
voll  geheimer  Eifersucht  war;  es  hiess  in  den  Satzungen:  „zu  wachen,
dass  die  alte,  wahre,  alleinseligmachendeReligionnicht
ausgerottes  werde.“  —  Nun  standen  sich  „Union“  (am  4.  Mai  1608
von  den  protestantischen  Fürsten  zu  Ahausen  gestiftet)  und  „Liga“,
protestantischer  und  katholischer  Bund,  einander  gegenüber.

1673.  Der  „grose  Kurfürst“  Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg
schliesst  mit  Frankreich  einen  Neutralitätsvertrag  ab,  „um
den  Verheerungen  seiner  eigenen  Lande  zu  wehren,“  da  ersich
von  dem  Kaiser  Leopold,  anstatt  unterstützt,  nur  mit
Eifersucht  angesehen  und  von  denrheinischen  Fürsten

  sogar  entgegengearbeitet  sieht.
        <pb n="342" />
        —  332  —

1694.  Das  brandenburgishe  Leib-Dragonerregiment  siegt
im  Orleansschen  Krieg  über  weit  zahlreichere  französische

Kavallerie  bei  Lüttich.
1759.  Erstürmung  von  Minden  durch  die  Franzosen.

1760.  Schlacht  bei  Korbach.

Sieg  der  Franzosen  unter  Marschall  Graf  von  St.  Germain  über
Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig.

1793.  Einnahme  von  Conde&amp;amp;  durch  die  Oesterreicher  unter
General  Ulerfayt.

1796.  Treffen  bei  Friedberg  in  der  Wetterau,  in  welchem  die
Oesterreicher  unter  Wartensleben  abermals  durch  die  Franzosen
  geschlagen  werden.

1809.  Die  Franzosen  unter  Marmont  schlagen  die  Oesterreicher
bei  Znaim.

1815.  Einzug  der  verbündeten  Herscher  (Russland,  ÖOesterreich,
  Preussen)  in  Paris.

Joseph  Rank,  Schriftsteller,  zu  Friedrichsthal  im  Böhmerwald
  geboren.

1824.  Rudolf  von  Bennigsen,  hervorragender  Parlamentarier

und  Staatsmann,  zu  Lüneburg  geboren.
Führer  der  nationalliberalen  Partei;  jetzt  Oberpräsident
der  Provinz  Hannover.

1849.  Abschluss  eines  Waffenstillstands  zwischen  Dänemark

und  Preussen.

Als  der  Waffenstillstand  von  Malmoe  vom  26.  August  18418  zu  keinem
Frieden  geführt  hatte,  und  infolgedessen  am  1.  April  1849  der  Krieg
wieder  eröffnet  worden  war,  schliesst  Preussen,  aus  Furcht  vor
einem  europäischen  Kriege,  am  heutigen  Tage  einen  neuen
Waffenstillstand  mit  Dänemark  ab,  auf  Grund  dessen  Schleswig
vorläufig  von  Holstein  getrennt  und  unter  die  Verwaltung  eines
dänischen,  eines  preussischen  und  eines  englischen  Kommissars  gestellt
wird.

1866.  Reitergefecht  bei  Saar.

Die  Erste  preussische  Armee  unter  dem  Prinzen
Friedrich  Karl  überschreitet  die  mährische  Grenze.

Das  königliche  Hauptquartier  wird  nach  Zwittau  in
Mähren  verlegt.

Die  Avantgarde  der  Mainarmee  bei  Hammelburg  und
Kissingen  mit  den  Bayern  im  Kampf,  welche  über  die  Saale
zurückgetrieben  werden.

1884.  Geheimer  Oberregierungsrat  Karl  Richard  Lepsius,
Professor  an  der  Universität  zu  Berlin,  berühmter  Aegyptologe
und  Sprachforscher,  stirbt  74  Jahre  alt  in  Berlin.

1889.  Hauptmann  Wissmann  besetzt  Tanga  in  Ost-Afrika.
        <pb n="343" />
        —  333  —

11.  Juli.

gen

157.  Pius  IL,  der  Heilige,  Bischof  von  Rom  von  142—157
stirbt.

816  Papst  Leo  III.  stirbt.

Er  war  der  Nachfolger  Hadrians  I.,  krönte  Karl  den  Grossen
zum  römischen  Kaiser.

1168.  Sieg  der  Byzantiner  über  König  Stephan  III.  von  Ungarn
bei  Zeugmina.

1324.  Wiederholter  Bannfluch  des  Papstes  Johann  XXI.
gegen  Kaiser  Ludwig  den  Bayer,  in  welchem  dieser  abgesetzt
wird,  und  alle  seine  Lande  und  Alle,  die  ihm  fortan  anhängen
würden,  mit  dem  vollen  Fluche  der  Kirche,  belegt  werden.

1346.  Durch  Gold  bestochen,  wählen  fünf  Kurfürsten  auf
„Gebot  des  Papstes  Clemens  VI.,  der  den  Bannfluch  gegen
Kaiser  Ludwig  den  Bayer  erneuert  und  ihn  für  „ehrlos
und  rechtlos“  erklärt  hatte,  zu  Rense  am  Rhein  den  Luxemburger
  Markgraf  Karl  von  Mähren  zum  Reichsoberhaupt.

Dies  geschah  in  demselben  Rense,  wo  acht  Jahre  vorher  die  Kurfürsten
  die  Aufrechthaltung  der  Wahlfreiheit  gegen  den
Papst  beschworen,  zugleich  aber  auch  dem  Kaiser  Ludwig  erklärt
hatten:  „Unter  Deiner  Leitung,  o  Bayer,  ist  das  Reich  in
der  Weise  erniedrigt  und  geschwächt  worden,  dass  man

sich  sorgfältig  hüten  muss,  die  Kaiserkrone  je  mehr  an
die  Bayern  zu  bringen“

1535.  Joachim  I.  Kurfürst  von  Brandenburg  1499—1535  stirbt
zu  Stendal.
Er  trat  dem  Faustrechte  in  seinem  Lande  energisch  entgegen,
förderte  Kunst  und  Wissenschaft,  begünstigte  die  Städte  und  gründete
1506  die  Universität  Frankfurt  an  der  Oder.

1553.  Moritz,  Herzog  und  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt  an  den  in
der  Schlacht  von  Sievershausen  am  9.  Juli  erhaltenen  Wunden.

1608.  Kaiser  Ferdinand  Ill.  zu  Graz  geboren.

1609.  Kaiser  Rudolf  II.  giebt  in  dem  sogenannten  Majestätsbrief
  den  Protestanten  Böhmens  Religionsfreiheit  und  Gleichstellung
  mit  den  Katholiken.

Die  Verletzung  des  „Majestätsbriefs“  führte  1618  zum  böhmischen
  Aufstand  und  30jährigen  Krieg.
        <pb n="344" />
        —  334  —

1662.  Maria  Emanuel  Maximilian  II.,  Kurfürst  von  Bayern  seit
1679,  geboren.

Sein  Bündnis  mit  den  Franzosen  brachte  ihm  nach  der
Niederlage  von  Höchstädt  (13.  August  1104)  den  Verlust  seines  Landes
und  im  Jahr  1705  die  Reichsacht  ein.  Erst  1714  erbielt  er  im  Frieden
von  Baden  sein  Land  wieder  zurück.  Er  starb  am  26.  Februar  1726.

1694.  Einweihung  der  Universität  Halle  a.  d.  Saale.
1700.  Einweihung  der  Akademie  der  Wissenschaften  zu

Berlin.

Dieselbe  war  auf  Anregung  der  Kurfürstin  Sophie  Charlotte
und  auf  Beschluss  des  Kurfürsten  Friedrich  Ill.  „zur  Beobachtung
der  Natur,  zur  Ausdehnung  des  christlichen  Glaubens  unter  den  Völkern
des  Ostens  und  zur  Erhaltung  der  Reinigkeit  der  deutschen
Hauptsprache“*  begründet  worden.

1708.  Prinz  Eugen  siegt  bei  OQudenarde  an  der  Schelde
über  die  Franzosen.

1745.  Treffen  bei  Neustadt  im  zweiten  schlesischen  Kriege.
General  Graf  Nassau  schlägt  die  ODesterreicher  in  die  Flucht.

1807.  Tichatschek,  Sänger,  1838—67  Heldentenor  der  Dresdener
Hofbühne,  zu  Weckelsdorf  in  Böhmen  geboren.

1815.  Uebergabe  von  Maubeuge  a.  d.  Sambre  an  die  Verbündeten.

Waffenstillstand  zwischen  Oesterreich  und  Frankreich
  im  südöstlichen  Gebiete  des  letzteren  Landes.

1848.  Erzherzog  Johann  von  Oestereich  hält  als  Reichsverweser
  seinen  feierlichen  Einzug  in  Frankfurt  a.  M.

1849.  Das  badische  Insurgentenheer,  circa  10000  Mann,
überschreitet  die  Schweizer  Grenze  und  wird  hier
entwaffnet.

An  demselben  Tage  rücken  die  Hessen  und  Mecklenburger
  in  Konstanz  ein.

Friedrich  Hecker,  der  an  demselben  Tage  aus  Amerika  in
Frankreich  landet,  kehrt,  von  der  Sachlage  unterrichtet,  sofort  wieder
nach  Amerika  zurück.  —  Nun  war  Baden  von  den  Aufständischen  ganz
gereinigt,  nur  Rastatt  hielt  sich  noch  bis  zum  23.  Juli.

1859.  Zusammenkunft  Franz  Josefs  von  Oesterreich  und  Napoleons
  Ill.  ın  Villafranca,  bei  welcher  Gelegenheit  die
Friedenspräliminarien  vereinbart  wurden.

Oesterreich  tritt  an  Napoleon  fast  die  ganze  Lombardei  ab,
der  sie  aber  nicht  für  sich  behalten,  sondern  seinen  Bundesgenossen
(Viktor  Emanuel)  schenken  zu  wollen  erklärte.

1864.  Hannover  und  Oldenburg  treten  den  Zollvereinsverträgen
  vom  28.  Juni  bei.

An  demselben  Tage  Uebergang  der  Preussen  über
den  Lymfjord  bei  Aalborg  in  Jütland.
        <pb n="345" />
        —  335  —

1866.  Die  Preussen  besetzen  Eger.

Treffen  bei  Oertenbach,  in  welchem  die  hessendarmstädtischen
  Truppen  von  der  Main-Armee  geschlagen  werden.

Prinz  Karl  von  Hohenzollern  wird  als  Fürst  von
Rumänien  anerkannt.

1870.  Prinz  Leopold  von  Hohenzollern  verzichtet  auf
den  spanischen  Thron.

1871.  Zweite  israelitische  Synode  in  Augsburg  eröffnet.

1882.  Franz  Hoffmann,  beliebter  Jugendschriftsteller,  stirbt  zu
Dresden.

1884.  Dr.  Julius  Rupp,  freisinniger  Prediger,  Begründer  der
ersten  „ireien  Gemeinde“  in  Deutschland,  stirbt  in  Königsberg.

 

 

12.  Juli.

1030.  Grundsteinlegung  zum  Dom  zu  Speier  durchKaiser
Konrad  II.  in  Gegenwart  seiner  Gemahlin  Gisela.

An  demselben  Tag  vollzog  er  auch  gemeinsam  mit  ihr  die
GrundsteinlegungdesKlostersLimburg  beiDürkheim.

1397.  Gründung  der  Union  der  drei  nordischen  Reiche  zu  Colmar.

1517.  Ulrich  von  Hutten  wird  durch  Kaiser  Maximilian  zu
Augsburg  als  Dichter  mit  dem  Lorbeerkranze  gekrönt.

1536.  Erasmus  von  Rotterdam,  ausgezeichneter  Gelehrter,
stirbt  zu  Basel.

Er  vereinigte  mit  ausgebreiteter  und  gründlicher  Gelehrsamkeit
ebensoviel  geläuterten  Geschmack  und  treffenden  Witz.  Gross  und
dauernd  sind  seine  Verdienste,  die  er  sich  für  alle  Zeiten  um  die  Wiederherstellung
  der  Wissenschaften  erworben  hat.

1742.  Einzug  Friedrich  II.  in  Berlin  nach  der  Eroberung
Schlesiens.

1758.  Gefecht  bei  Holitz  im  siebenjähr.  Krieg.

Die  Preussen  siegen  über  die  VDesterreicher.

1789.  Beginn  der  französischen  Revolution;  allgemeine
Volkserhebung  in  Paris,  veranlasst  durch  die  plötzliche  Entlassung
und  Landesverweisung  des  französischen  Finanzministers  Necker
und  dessen  Ersetzung  durch  den  verhassten  Grafen  von  Artois

(Foulon).
        <pb n="346" />
        —  336  —

1806.  Der  „Rheinbund  wird  gestiftet.

Kaiser  Napoleon  I.  schliesst  mit  den  neuen  Königen  von  Bayern
und  Württemberg,  mit  den  Fürsten  von  Baden  und  Hessen-Darmstadt
  und  mehreren  kleineren  Fürsten  zu  Paris  einen  Vertrag
ab,  durch  welchen  sich  diese  deutschen  Fürsten  von  dem
deutschen  Reiche,  d.h.  von  ihrem  Vaterlande  lossagen  und  unter
sich  einen  Staatenbund  errichten,  für  dessen  Beschützer  der
Kaiser  der  Franzosen  erklärt  wird.  Dafür  übernahm  der
„Rheinbund“  die  „Verpflichtung“,  alle  Kriege  Frankreichs  auf  dem  Festlande
  als  seine  eigenen  anzusehen  und  mitzuschlagen.  —  So  waren
2400  Quadratmeilen  mit  acht  Millionen  Einwohnern  von  Deutschland
abgerissen  und  thatsächlich  der  Fremdherrschaft  und  der
Knechtschaft  überliefert;  denn  durch  die  hierauf  erfolgte  Aufhebung
  der  alten  landständischen  Verfassung  erhielten  die  Fürsten
zugleich  auch  eine  schrankenlose  Gewalt  über  ihre  Völker!  —  —  In
Folge  der  Rheinbundstiftung  entsagte  Kaiser  Franz  II.  am  6.  August  1806
der  deutschen  Kaiserwürde.  Dem  „Rheinbunde“  traten  später  noch
bei:  der  Kurfürst  von  Würzburg  als  Grossherzog,  der  Kurfürst  von
Sachsen  als  König,  die  sächsischen  Herzöge,  die  Fürsten  von
Schwarzburg,  die  Herzöge  von  Anhalt,  die  Fürsten  von  Lippe-Detmold
  und  Schaumburg-Lippe,  von  Reuss  und  Waldeck;
im  Noveınber  1807  auch  der  König  von  Westfalen  und  1S08S  die
Herzöge  von  Mecklenburg-Schwerin  und  Strelitz  und  von
Oldenburg.

1809.  Waffenstillstand  von  Znain  zwischen  Oessterreich
und  Napoleon.

1813.  Der  Kongress  zu  Prag,  ein  Werk  des  Fürsten  Metternich,
wird  eröffnet.

Napoleon  hatte  seine  Gesandten  in  Prag  instruiert,  dass  sie  in

nichts  nachgeben  und  die  Verhandlungen  ın  die  Länge  ziehen

sollten.  —  Oesterreich  schloss  sich  hierauf  im  August  den  Verbündeten
  an.

1833.  Jean  Baptiste  von  Schweitzer,  Dichter,  und  s.  Z.
sozialdemokratischer  Parteiführer,  zu  Frankfurt  a.  M.

geboren.

1835.  Die  Leipziger  Anatomie  feiert  ihr  dreihundertjähriges
Jubiläum.

1848.  Erzherzog  Johann  erscheint  zum  ersten  Mal  in
der  Reichsversammlung,  und  erklärt  nach  Verlesung  des
Gesetzes  über  Einführung  der  provisorischen  Centralgewalt,  er
werde  dasselbe  halten  und  halten  lassen.

Gleichzeitig  legt  der  Bundestag  sein  Amtin  die
Hände  der  Centralgewalt  nieder,  worauf  der  Reichsverweser
  ein  verantwortliches  Reichsministerium  erwählt,  welches
unter  der  Präsidentschaft  des  Fürsten  von  Leiningen,  Schmerling,
Peuker,  Robert  von  Mohl,  Heckscher,  Duckwitz  und  Beckerath

gebildet  ward.
        <pb n="347" />
        —  337  —

1849.  Die  Oesterreicher  nehmen  wieder  Ofen  und  Pest  ein.
Zum  zweitenmal  hatte  Kossuth  die  Hauptstadt  verlassen  müssen.
Regierung  und  Reichstag  wurden  nach  Szegedin  an  der  Theiss  verlegt.
1864.  König  Christian  IX.  von  Dänemark  entschliesst  sich  endlich,
  um  Frieden  zu  bitten.
1866.  Die  Preussen  unter  Prinz  Friedrich  Karl  besetzen  Brünn.

Vorpostengefecht  bei  Diethardt  in  Nassau.

1870.  Graf  Bismark  und  Moltke  treffen  in  Berlin  ein.  —  König
Wilhelm  I.  folgte  drei  Tage  später.

Der  Herzog  von  Gramont  verlangt  von  dem  preussischen
Botschafter  zu  Paris,  König  Wilhelm  I.  solle  wegen  der
Kandidatur  des  Prinzen  von  Hohenzollern  bei  Napoleon  III.  sich
schriftlich  entschuldigen.

Gramont  sagte  unter  anderem  dem  preussischen  Botschafter:
„Die  Entsagung  des  Prinzen  sei  Nebensache;  Frankreich  hätte  dessen
Thronbesteigung  doch  niemals  zugegeben;  die  Hauptsache  sei  nur,  dass
die  durch  diese  Thronkandidatur  entstandene  Verstimmung  beseitigt  und
die  Aufregung  unter  dem  französischen  Volke  beschwichtigt  werde;  zu
diesem  Zwecke  solle  der  König  von  Preussen  an  den  Kaiser  einen  zur
Veröffentlichung  bestimmtenBrief  schreiben,  worin  gesagt
würde,  dass  der  König,  indem  er  den  Prinzen  zur  Annahme  der  spanischen
Krone  ermächtigt  habe,  nicht  habe  glauben  können,  den  Interessen  und
der  Würde  der  französischen  Nation  zu  nahe  zu  treten  und  dass  er  der
Entsagung  des  Prinzen  sich  anschliesse  mit  dem  Wunsche  und  der  Hofnung,
  dass  jeder  Grund  des  Zwiespalts  zwischen  den  beiden  Regierungen
nunmehr  geschwunden  sei.“

Der  preussische  Gesandte,  Freiherr  von  Werther,  stellte  diese
schmachvolle  Zumutung,  entgegen  dem  Wunsche  des  Gramont,  dem
Könige  nicht  direkt  zu,  sondern  berichtete  darüber  an  den  Grafen
Bismarck,  der  ihm  erwiderte,  einen  Bericht  dieses  Inhalts  dem  Könige
nicht  zur  amtlichen  Verhandlung  vorlegen  zu  können  und  gab  dem
Botschafter  sofort  Urlaub.

1872.  Einschiffungder  österreichischenNordpol-Expedition
unter  Weyprecht  und  Payer.

1874.  Fritz  Reuter,  der  volkstümliche  und  patriotische  Dichter
in  plattdeutscher  Mundart,  stirbt  zu  Eisenach.

Wegen  seiner  Teilnahme  an  den  burschenschaftlichen  Bestrebungen
1833  in  Berlin  als  Demagog,  oder,  wie  er  selbst  sagte,  „wegen  offenbaren
heimlichen  Königsmords“  verhaftet,  wurde  er  zum  Tode  verurteilt,  vom
König  zu  30jähriger  Festungshaft  „begnadigt“  und  bis  1840  in  Dömitz
in  Mecklenburg  interniert.  —  Seine  „sämtlichen  Werke“  sind  in  13
Bänden  noch  vor  seinem  Lebensende  .erschienen.

1876.  Der  Erzbischof  von  Köln,  Paulus  Melchers,  wird,  da  er
seine  Diözese  ohne  allen  Grund  heimlich  verlassen,  wegen
Widerstands  gegen  die  Staatsgesetze  für  abgesetzt,
erklärt.

An  demselben  Tage  erfolgt  der  Aufruf  zur  Bildung
einer  deutsch-konservativen  Partei  durch  die  „Kreuzzeitung“
  und  die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung.”

1877.  OttilieWildermuth,  bekannte  Romanschriftstellerin,  stirbt.

 

22
        <pb n="348" />
        —  338  —

13.  Juli.

982.  Schlacht  bei  Catrone  in  Calabrien.

Otto  II.  von  den  Griechen  und  Sarazenen  geschlagen.

1024.  Kaiser  Heinrich  II.,  von  1002—1024  regierend,  stirbt  auf
der  Pfalz  Grone  bei  Göttingen.

Ein  Mann  von  praktischer  Thätigkeit,  suchte  er  während  seiner
Regierung  dem  zeitgemässen  Bedürfnis  zu  genügen  und  stützte  die
Macht  seiner  Herrschaft  auf  sein  Schwert  und  auf  die  geistlichen  Reichsfürsten.


1066.  Kaiser  Heinrichs  IV.  Vermählung  mit  der  ihm  von
seinem  Vater  Heinrich  III.  bestimmten  Braut,  der  holdseligen

Bertha,  Tochter  des  Markgrafen  Otto  von  Susa.

Obgleich  er  die  Vermählung  mit  seiner  Braut  Bertha  dem  gegebenen
Versprechen  gemäss  vollzogen  hatte,  so  ergab  er  sich  doch  einem  ausschweifenden
  Lebenswandel  und  enthielt  sich  sogar  des  ehelichen  Umgangs
  mit  der  Gemahlin.  Dagegen  versammelte  er  an  seinem  Hofe
junge  Wüstlinge  von  Adel,  welche  den  Bürgerstand  verachteten
  und  drückten  und  die  unausbleibliche  Folgen  waren  die
vielen  Missgriffe  seiner  Regierung.

1191.  Eroberung  von  Ptolemais  oder  Akka  durch  die  Kreuzfahrer.


1254.  Gründung  des  rheinischen  Städtebundes,  angeregt
durch  den  Mainzer  Bürger  Watbold  im  Jahre  1247.

Die  erste  grosse  Versammlung  zur  Begründung  und  Befestiung
  des  Bundes  fand  am  13.  Juli  1254  durch  Bevollmächtigte  der
tädte  Mainz,  Köln,  Worms,  Speyer,  Strassburg  und  Basel  statt,  um

denselben  auf  zehn  Jahre  eidlich  zu  bestätigen.

1558.  Schlacht  bei  Gravelingen.

Sieg  der  mit  England  verbündeten  Spanier  unter  dem  Grafen
Egmont,  über  die  Franzosen,  welche  so  vollständig  geschlagen
werden,  dass  sich  ihr  König  Heinrich  II.  gezwungen  sieht,  Friedensunterhandlungen
  anzubieten.

1767.  Joseph  Speckbacher,  Tyroler  Freiheitskämpfer  von
1809,  auf  einem  Hofe  der  Gemeinde  Derfens  zwischen  Innsbruck
und  Hall  geboren.

1768.  Friedrich  Adolf  Krummacher,  Parabeldichter,  zu
Tecklenburg  in  Westfalen  geboren.

1783.  August  Paul  Friedrich,  Grossherzog  von  Oldenburg,  zu
Schloss  Rastede  geboren.

Er  regierte  vom  21.  Mai  1829  bis  zu  seinem  am  27.  Februar  1853

erfolgten  Tode;  gab  seinem  Lande  am  1.  März  1849  eine  freisinnige

Konstitution  (revidiert  1852)  und  erwarb  sich  die  Liebe  seiner  Unterthanen
  in  hohem  Grade.
        <pb n="349" />
        —  339  —

1796.  Die  Franzosen  unter  Jourdan  schlagen  die  Oesterreicher
bei  Friedberg  in  Oberbayern.

1816.  Gustav  Freytag,  vorzüglicher  Dichter  und  Schriftsteller,
zu  Kreuzburg  in  Schlesien  geboren.

1842.  Paul  Meyerheim,  berühmter  Tier-  und  Genremaler,  zu
Berlin  geboren.

1862.  Das  grosse  Schützenfest  in  Frankfurt  a.  M.

Ein  echt  patriotischer  Geist  machte  sich  bei  dieser  Gelegenheit
zwischen  den  Nord-  und  Süddeutschen  geltend  und  der  österreichischen
  „Schmerzenskinder“,  wie  seine  Landsleute  ein  begeisterter
Redner  nannte,  wurde  mit  besonderer  Wärme  gedacht.

1866.  Der  siegreiche  König  Wilhelm  von  Preussen  zieht
in  Brünnein,  im  Begriff,  geraden  Weges  auf  Wien  loszugehen,
um  so  den  Feldzug  in  kürzester  Frist  zu  entscheiden.

Die  Preussen  besezten  Teplitz  in  Böhmen.
Treffen  bei  Laufach.

Die  Hessischen  Truppen  des  Prinzen  Alexander  werden  von  der
Division  Göben  geschlagen.

Erzherzog  Albrecht,  der  Sieger  von  Üustozza,  übernimmt
  den  Öberbefehl  über  alle  österreichischen  Heere.

1870.  Der  französische  Botschafter,  Graf  Benedetti,  stellt  auf
der  Brunnenpromenade  zu  Ems,  im  Auftrage  seiner  Regierung,
an  den  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  das  Ansinnen,  zu  erklären,
  dass  er  niemals  zu  einer  später  wieder  auftauchenden
  Kandidatur  des  Prinzen  von  Hohenzollern
  seine  Einwilligung  geben  werde.

König  Wilhelm  lehnte  ab  und  verwies  auf  den  Geschäftsweg  an
das  Ministerium  des  Auswärtigen;  in  Paris  aber  hiess  es  jetzt:  Frank
reich  sei  beleidigt  worden  und  müsse  für  seine  Ehre,  wie
für  seine  Machtstellung  zu  den  Waffen  greifen.

1874.  Attentat  des  Magdeburger  Böttchergesellen  Kullmann
auf  den  Fürsten  Bismarck  in  dem  Badeort  Kissingen.

Das  Schwurgericht  zu  Würzburg  verurteilte  den  Thäter  zu  14jähriger
Zuchthausstrafe.

1877.  Bischof  von  Ketteler  (Wilhelm  Emanuel)  von  Mainz,

stirbt  in  Burghausen.

Er  unterstützte  in  Kirche  und  Schule  den  jesuitischen  Geist,
schloss  sich  nach  einigem  Sträuben  dem  Unfehlbarkeitsdogma
  an,  war  1871  Mitbegründer  der  Centrumspartei  im  Reichstag,
widersetzte  sich  den  Maigesetzen  und  schliesslich  auch  der  hessischen

Regierung.
1878.  Unterzeichnung  des  Berliner  Friedensvertrags.
Die  Hauptbestimmungen  desselben  sind:

Bulgarien  soll  im  Süden  durch  den  Balkan  begrenzt  und  ein
autonomes,  dem  Sultan  tributpflichtiges  Fürstentum  werden;
        <pb n="350" />
        —  340  °—

Ost-Rumelien  im  Süden  des  Balkans  wird  mit  einem  christlichen
Gouverneur  türkische  Provinz;

Oesterreich  darf  Bosnien  und  Herzegowina  besetzen  und
verwalten;

Anerkennung  der  Unabhängigkeit  Serbiens,  Rumäniens
und  Montenegros  und  Vergrösserung  des  letzteren;

Schleifung  der  Donaufestungen;

Abtretung  von  Ardahan,  Kars  und  Batum  in  Asien  an  Russland.


1884.  Dr.  Hans  Hübner,  ordentl.  Professor  der  Chemie  an  der.
Universität  Bonn,  Sohn  des  bekannten  Historienmalers,  stirbt
47  Jahre  alt,  in  Göttingen.

 

14.  Juli.

937.  Der  tapfere  Herzog  Arnulf  von  Bayern  stirbt.

Da  er  in  seinem  Lande  über  die  Güter  der  Kirche  während  der
langen  und  schweren  Kriege  mit  den  Ungarn  zum  Besten  des  Staates
verfügt  und  Bischöfe  ab-  und  eingesetzt  hatte,  so  hatte  er  sich  den  Hass
der  Geistlichkeit  in  hohem  Grade  zugezogen,  die  im  Volke  verbreitete,
sein  Tod  sei  unter  den  „schrecklichsten  Umständen“  erfolgt.

1760.  Beschiessung  von  Danzig  im  siebenj.  Krieg  durch  die
Preussen.

1774.  Ludwig  Friedrich  Victor  Hans  Graf  von  Bülow,
preussicher  Staatsmann,  zu  Essenroda  bei  Braunschweig  geboren.
Er  starb  am  11.  August  1825.

1789.  Beginn  der  französischen  Revulution  in  Paris.  —
Erstürmung  der  Bastille.

1790.  Ernst  Gideon  von  Laudon,  kaiserlich  österreichischer
Feldmarschall,  während  des  siebenjährigen  Krieges  einer  der
hervorragenden  Heerführer,  stirbt  in  einem  Alter  von  74  Jahren.

1792.  Franz  ll.  wird  zu  Frankfurt  a.  M.  als  Kaiser  gekrönt.

1796.  Eroberung  von  Frankfurta.  M.  durch  den  franz.  General
Jourdan.

1804.  Ludwig  von  Benedeck,  österr.  Feldzeugmeister,  zu  Oedenburg
  in  Ungarn  geboren.

Am  3.  Juli  1866  verlor  er  die  Schlacht  bei  Königgrät  d  b
am  25.  Oktober  1871  zu  Graz.  niggrätz  und  star

1809.  Gefecht  bei  Krakau.

Die  Polen  schlagen  die  Oesterreicher.
        <pb n="351" />
        —  341  —

1815.  König  Friedrich  VI.  von  Dänemark  tritt  für  das  ehemahlige
  Reichsland  Holstein  dem  deutschen  Bunde  bei.

1842.  Paul  Majunke,  ultramontaner  Publizist  und  Mitglied  des

deutschen  Reichstags  seit  1874,  zu  Grossschmograu  in  Schlesien
geboren.

1849.  Die  Oesterreicher  unter  Jellachich  besiegen  die  Ungarn
bei  Hegyes.

1861.  Der  Leipziger  Student  Oskar  Becker  (in  Odessa  von
deutschen  Eltern  geboren)  feuert  zu  Baden-Baden,  wo
König  Wilhelm  von  Preussen  zu  seiner  Erholung
weilt,  auf  denselben  in  grösster  Nähe  zwei  Schüsse
ab,  die  den  hohen  Spaziergänger  nur  leicht  am  Halse  streifen.

Der  verirrte  Jüngling  war  mit  vielen  gleichen  Fanatikern  der
Meinung  gewesen,  dass  König  Wilhelm  dem  „Berufe  eines  Königs  von

Preussen“,  als  dem  ersten  Fürsten  Deutschlands,  „nicht  gewachsen  und
deshalb  aus  dem  Wege  zu  räumen  sei“.  °

1864.  General  Vogel  von  Falkenstein  pflanzt  auf  Jütlands

nordöstlicher  Spitze  auf  Skagens  Horn  die  preussische
und  österreichische  Flagge  auf.

1866.  Der  deutsche  Bundestag,  der  sich  in  Frankfurt  a.  M.
nicht  mehr  sicher  hält,  verlegt  seinen  Sitznach  Augsburg.

Gefecht  bei  Rocketnitz  zwischen  preussischer  und
österreichischer  Kavallerie.

General  Herwarth  von  Bitterfeld  besetzt  Zna  ym  an  der
Thaya  in  Mähren.

Treffen  bei  Aschaffenburg,  in  welchem  die  mit  der
hessischen  Armee  vereinigten  Oesterreicher  unter  General
Neipperg  von  den  Preussen  unter  General  Göben  vollständig
geschlagen  werden.

1867.  Graf  Bismarck-Schönhausen  wird  Kanzler  des  norddeutschen
  Bundes.

1873.  Enthüllung  des  Uhland-Denkmals  in  Tübingen.

1875.  Guillaume  Henri  Dufour,  eidgenössischer  General  und
berühmter  Topograph,  stirbt  zu  Genf.

1884.  Feierliche  Besitzergreifung  des  Kamerungebietes

durch  die  Deutschen.

Das  deutsche  Kanonenboot  „Möve“,  an  dessen  Bord  Dr.  Nachtigall
  sich  befand,  war  schon  zwei  Tage  vorher  dort  gelandet,

1887.  Geh.  Kommerzienrat  Alfred  Krupp  (der  Kanonenkönig)  stirbt
auf  seiner  Villa  Hügel  bei  Essen.
        <pb n="352" />
        —  342  —

15.  Juli.

622.  Beginn  der  Aera  der  Muhamedaner.

1099.  Nach  sechswöchentlicher  Belagerung  fällt  Jerusalem  durch
Sturm  unter  ungeheurem  Blutbad  in  die  Hände  der  christlichen
  Kreuzfahrer  unter  Gottfried  von  Bouillon.

1291.  Kaiser  Rudolfvon  Habsburg  stirbt,  tief  betrübt  darüber,
dass  er  sowohl  auf  dem  Fürstentag  zu  Erfurt,  als  auch  auf  dem
Reichstag  zu  Frankfurt  a.  M.  die  Wahl  seines  Sohnes  Albrecht
zum  Nachfolger  nicht  durchsetzen  konnte.

Vor  Aerger  war  der  73jährige  Kaiser  krank  geworden,  nichtsdestoweniger
  verliess  er  Frankfurt,  um  sich  nach  Strassburg  zu  begeben,  und
als  sich  in  der  Gegend  von  Germersheim  seine  Krankheit  verschlimmerte,
verlangte  er  zu  wissen,  wie  lange  er  noch  zu  leben  habe.  Als  ihm  die
Aerzte  höchstens  noch  fünf  Tage  in  Aussicht  stellten,  da  rief  er:  „Auf
denn,  gen  Speyer,  wo  ein  Teil  meiner  Vorfahren  auf  dem  Throne  ruht!“
—  Er  setzte  sicb  zu  Ross  und  ritt  zu  seinem  Grabe,  der  Ruhestatt  deutscher
Könige,  und  starb  auf  diesem  Ritte  bei  vollem  Bewusstsein.

1338.  Gründung  des  Kurvereins  in  Rense  a.  Rh.  (unweit
Coblenz),  veranlasst  durch  die  Reichsstände,  dass  „das  ungerechte
Interdikt  Johannis  XXII.  ausser  Kraft  sei  und  der  Kaiser  es
aufheben  solle.“

Zu  Rense,  wo  alle  Kurfürsten  bis  auf  den  König  Johann  von  Böhmen
erschienen  waren,  vereinigten  sich  dieselben  in  feierlichem  Eide:  „dass
siedas  heiligerömische  ReichmitallenRechtenundFreiheitengegen
  jedefremdeGewaltund  Anmassungschützen
und  bewahren  wollten,  stets  durch  einmütigen  Beschluss,  oder,
wenn  Zweifel  entstände,  nach  Mehrheit  der  Stimmen,  und  derjenige,
welchen  sie  alle  oder  die  meisten  von  ihnen  zum  König  und  Kaiser
erwählen  würden,  der  sollte  es  bleiben,  kraft  der  Wahl  ohne  päpstliche
  Bestätigung.“  Diesen  Beschluss  des  Kurfürstenvereins  zu  Rense
liess  der  Kaiser  später  öffentlich  als  ein  Grundgesetz  des  Reiches
verkündigen.

1410.  Schlacht  bei  Tannenberg,  unweit  Gilgenburg,  in  welcher
der  Deutschordensstaat  von  dem  vereinigtigten  Polen  und
Litthauen  unter  dem  mächtigen  Polenkönig  Jagello  so  furchtbar

  geschlagen  wurde,  dass  sich  der  priesterliche  Ritterstaat  von
dieser  Niederlage  nie  mehr  erholen  konnte.

1520.  Verdammungsbulle  des  Papstes  gegen  Luther  und
seine  Schriften.
        <pb n="353" />
        —  343  —

1546.  Manifest  der  Protestanten  gegen  die  Absicht  Karls  V.,

den  Protestantismus  gewaltsam  zu  unterdrücken.
Papst  Paul  III.  erliess  eine  Bulle,  worin  Fasten,  Beten  und  Beichten
angeordnet  wurden,  „damit  Gott  den  Krieg  gnädig  wende,
welchen  Papst  und  Kaiser  zur  Vertilgung  der  Ketzer  und
zur  Wiederherstellung  des  Friedens  der  Kirche  unternommen
  haben.“  Beginn  des  Religions-Kriegs  in  Deutschland.

1607.  PaulRembrandt,  berühmter  holländischer  Maler,  zu  Leiden
geboren.

1682.  Einführung  des  Stempelpapiers  in  Kurbrandenburg.


1683.  Der  Herzog  von  Lothringen  zieht,  nachdem  270  000
Türken  unter  dem  Grossvezier  Kara  Mustafa  vor  Wien  erschienen
waren,  mit  seinem  Heere  von  da  ab,  um  sich  mit  den  heranziehenden
  polnischen  und  deutschen  Hülfsvölkern  zu  vereinigen.

1708.  Die  französichen  Verschanzungen  bei  Ypern  in  Belgien
werden  von  den  Preussen  erobert.
1761.  Treffen  bei  Vellinghausen.

Der  HerzogvonBraunschweig  schlägt  die  Franzosen  unter
Broglie  und  Soubise.

1770.  Landschaftlicbes  Kredit-Reglement  Friedrichs  des  Grossen
für  die  Provinz  Schlesien  erlassen.
1800.  Waffenstillstand  zu  Parsdorf.

Derselbe  wurde  zwischen  dem  Feldzeugmeister  Kray  und  dem
französischen  General  Moreau  abgeschlossen,  und  bestimmt,  dass  das
Land  zwischen  dem  Inn  und  der  Isar  neutral,  und  die  Demarcationslinie
für  beide  Armeen  dabin  festgesetzt,  dass  sie  von  Graubündten  bis  an
die  Einmündung  der  Vils  in  die  Donau  und  von  dort,  der  Altmühl  und
Redniz  entlang,  bi»  zur  Einmündung  des  Mains  in  den  Rhein  fortlaufen  soll.

1801.  Frankreich  d.  h.  der  erste  Konsul  Bonaparte,
schliesst  mit  Pius  VII.  ein  Konkordat  ab,  durch  welches  dem
Staatsoberhaupt  das  Recht  gegeben  wird,  die  Bischöfe
und  andere  Geistliche  zu  ernennen,  das  gleichzeitig  verpflichtet
  wird,  zur  Besoldung  des  Klerus,  —  setzt  die  Zahl  der
Bistümer  herab,  enthält  den  ausdrücklichen  Verzicht  von  Seiten
der  Curie  auf  die  eingezogenen  Kirchengüter,  auf  Wiederherstellung
der  geistlichen  Orden  und  der  päpstlichen  Jurisdiction  durch  Legaten

  etc.  |
Dieses  Konkordat  wurde  durch  Ludwig  XVIII.  am  16.  Juli  1817

wieder  aufgehoben.

1813.  Jerome,  König  von  Westfalen,  hebtfdie  Universität
Halle  auf.

1815.  Napoleon  I.  geht  im  Hafen  von  Rochefort  an  Bord  des
englischen  Linienschiffes  „Bellerophon“,  wo  er  mit  kriegerischen

Ehren  empfangen  wird.

Er  hatte  zuvor  an  den  Prinz-Regenten  geschrieben:  „Verfolgt  und
den  Parteien,  die  mein  Vaterland  zerreissen,  und  der  Feindschaft  der
        <pb n="354" />
        —  344  —

grössten  Mächte  Europas  preisgegeben,  habe  ich  meine  politische  Laufbahn
  geendigt  und  komme,  wie  Themistokles,  um  mich  am  Herde  des
britischen  Volkes  niederzulassen.  Ich  begebe  mich  in  den  Schutz
seiner  Gesetze,  den  ich  bei  Ew.  Königl.  Hoheit  als  dem
mächtigsten,  standhaftesten  und  grossmütigsten  meiner
Feinde  in  Anspruch  nehme!!“  —  Er  hatte  sich  hierin  getäuscht.
  Er  durfte  den  englischen  Boden  nicht  betreten  und  ward  als
Staatsgefangener  erklärt  und  danach  behandelt.

1823.  Alexander,  Prinz  von  Hessen  und  bei  Rhein,  österr.  Feldmarschalllieutenant,
  Vater  des  ehemaligen  Fürsten  Alexander
von  Bulgarien,  geboren.

1831.  Reinhold  Begas,  berühmter  Bildhauer,  geboren.

1840.  LondonerQuadrupelallianz  zwischen  Russland,  England,
Preussen  und  Oesterreich,  durch  welche  diese  Mächte  sich
zum  Einschreiten  gegen  den  Pascha  Mehemed  Ali  verpflichteten,
  nach  dessen  Sieg  bei  Nisib  am  Euphrath  (Juni  1839).

1866.  Treffen  bei  Tobitschau  und  Prerau.

Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen  besiegt  die  Oesterreicher
unter  Benedek,  erobert  20  Kanonen  und  macht  1000  Gefangene.  Es
gelang  dem  Feldzeugmeister  Benedek,  nach  Osten  auszubiegen,  wodurch
es  ihm  mit  seinen  entmutigten  Truppen  möglich  wurde,  auf  beschwerlichen

  Wegen  durch  die  kleinen  Karpathen  nach  Ungarn  und  auf  Pressburg
  zu  gelangen.

Räumung  von  Frankfurt  a.  M.  und  Hanau  durch
die  Bundestruppen.
1870.  In  der  Nacht  vom  14.  auf  den  15.  Juli  beschliesst  das  französische
  Ministerium  den  Krieg  gegen  Preussen.

„Das  ist  mein  Krieg!“  rief  die  Kaiserin  Eugenie  triumphierend
aus.  „Mit  Gottes  Hilfe  werden  wir  das  protestantische
Preussen  niederwerfen.“

An  demselben  Tag  beschliessen  der  Senat  einstimmig
und  der  Gesetzgebende  Körper  mit  245  gegen  10  Stimmen  den
Krieg  Frankreichs  gegen  Preussen.

An  demselben  Tage  befahl  der  Grossherzog  Friedrich
von  Baden,  in  treuer  Deutschheit  Allen  voran,  die  Mobilmachung
  seiner  Truppen  und  stellte  sie  dem  Könige  von
Preussen  zur  Verfügung.  —  Ihm  folgte  gleichermassen  alsbald
der  noch  jugendliche  König  Ludwig  II.  von  Bayern.

König  Wilhelm  von  Preussen  reist  von  Ems  ab  und  geht
nach  Berlin,  wo  er  ungesäumt  die  Ordre  zur  Mobilmachung

  der  ganzen  deutschen  Armee  erlässt.
‚  _4Auf  dem  Bahnhof  in  Berlin  erst  erfuhr  der  König,  dass  in  Paris
die  Entscheidung  auf  der  Tribüne  der  beiden  Kammern  bereits  gefallen  war.

1871.  Der  Kronprinz  des  deutschen  Reichs  und  von  Preussen
trifft  festlich  empfangen  in  München  ein.

1875.  Zusammenkunft  des  deutschen  Kaisers  mit  dem  Kaiser
von  Oesterreich  in  Bad  Ischl.
        <pb n="355" />
        —  345  —

16.  Juli.

1212.  Sieg  der  Spanier  über  die  Mauren  bei  Tolosa.
1216.  Papst  Innocenz  III.  stirbt  in  Perugia.

Sein  Nachfolger,  Kardinal  Coneio  Savelli,  wurde  noch  an  demselben
Tage  gewählt.  Innocenz  III.  war  eine  grossartige  glänzende  Persönlichkeit
  gewesen,  die  noch  heute  blendend  wirkt.  —  Er  verglich  das  Papsttum
  mit  der  Sonne,  das  Kaisertum  mit  dem  Mond  und  nahm  das  Recht
in  Anspruch,  Kaiser  und  Könige  ein-  und  absetzen  zu  dürfen.

1338.  Der  Kurverein  zu  Rense  am  Rhein  fasst  eine  Erklärung
an  den  Papst  ab,  in  der  betont  wird,  dass  die  Wahl  des
deutschen  Königs  und  Kaisers  ausschliesslich  den  Kurfürsten

zustehe  und  keiner  Bestätigung  von  seiten  des  Papstes
bedürfe.

1633.  Marquis  von  Feuquieres  überbringt  Wallenstein  einen  eigenhändigen
  Brief  Ludwigs  XIIl.,  um  die  geheimen  Unterhandlungen
mit  dem  Herzog  von  Friedland  zum  endlichen  Abschluss  zu  bringen.

Der  König  nannte  ihn  in  dem  Handschreiben  seinen  „Vetter“  und
versicherte  ihn  seiner  aufrichtigen  Zuneigung,  Dankbarkeit  und  Unterstützung.
  Endlich  wurde  das  Versprechen  wiederholt,  dem  Herzog

zur  Erwerbung  und  Behauptung  der  böhmischen  Krone
behilflich  zu  sein.

1674.  Sieg  der  Franzosen  unter  Turenne  über  die  Kaiserlichen
bei  Sinzheim.

1733.  Geheimer  Vertrag  zwischen  Kaiser  Karl  VI.  und  dem
Kurfürsten  Friedrich  August  II.,  in  welchem  dem  letzteren  die
kaiserliche  Unterstützung  bei  Bewerbung  um  die  polnische  Krone
zugesagt  wird.

1758.  Sieg  Friedrichs  des  Grossen  bei  Reichenau  in
Böhmen  über  den  österreichischen  General  Laudon.

1760.  Sieg  der  Verbündeten  Friedrichs  des  Grossen  bei  Emsdorf
in  Hessen  über  die  deutsche  Reichs-Armee  und  französische
Abteilungen.

1796.  DieFranzosennehmenunterJourdanFrankfurta.M.
ein,  nachdem  sie  am  7.  Juli  bei  Neukirchen  und  am  10.  Juli
bei  Friedberg  den  General  Wartensleben  total  geschlagen  hatten.

Die  Franzosen  brandschatzten  auf  dem  ganzen  Wege
das  Land  auf  das  Aeusserste,  und  „Jammer  und  Elend
herrschte  in  Deutschland.“
        <pb n="356" />
        —  346  —

1809.  Konstantin  Bernhard  von  Voigts-Rhetz,  preussischer

General,  geboren.

Er  kommandierte  im  französischen  Kriege  mit  Auszeichnung  das
10.  Armeekorps,  siegte  am  28.  November  1870  bei  Baune  la  Rolande,
trat  1873  in  den  Ruhestand  und  starb  am  14.  April  1877  in  Wiesbaden.

1815.  Zurückgabe  der  während  der  Napoleonischen  Zeit  von
den  Franzosen  aus  Preussen  weggeführten  Kunstschätze.


1850.  Die  Dänen  rücken  nach  Abzug  der  Preussen  (lt.  Friedensschluss
  vom  2.  Juli  1850)  wieder  in  Schleswig-Holstein  ein.

1866.  General  Vogel  von  Falkenstein  rückt  mit  der  Division
Göben  in  Frankfurt  a.  M.  ein  und  nimmt  von  dieser  Stadt,
von  Oberhessen  und  Nassau  im  Namen  seines  Königs  Besitz.

Der  Stadt  Frankfurt  legte  er  wegen  ihrer  österreichischen  Sympathien
  eine  Kriegssteuer  von  6  Millionen  Gulden  auf.

An  demselben  Tage  tritt  Napoleon  Ill.  als  Vermittler
zwischen  Preussen  und  Oesterreich  mit  Friedensvorschlägen,
auf  deren  Grund  beide  Parteien  sich  bereit  zeigen,  über  den
Frieden  zu  verhandeln;  doch  liess  Preussen  an  den  Verhandlungen
  weder  Frankreich  noch  sein  verbündetes
Italien  teilnehmen.

Prinz  Friedrich  Karl  besetzt  Lundenburg  an  der  Thaya
und  rückt  gegen  Pressburg  vor.

Die  Preussen  besetzen  Hollabrunn.

Die  italienischen  Freischaren  unter  Nicotera  werden
von  dem  österreichischen  Oberst  Montluisant  bei  Condino
in  die  Flucht  geschlagen.

1870.  König  Ludwig  ll.  von  Bayern  giebt  Befehl  zur  Mobilisierung
  der  Armee.

Die  hessische  Division  wird  mobil  gemacht.

In  einer  grossen  Volksversammlung  zu  Stuttgart
wird  eine  einstimmige  Resolution  gefasst,  in  welcher  die  Regierung
  zur  Teilnahme  an  dem  „nationalen  Kriege‘
aufgefordert  wird.

1871.  Feierlicher  Einzug  der  bayrischen  Truppen  in  München
  nach  der  Rückkehr  aus  Frankreich.

1879.  Konrad  Martin,  Bischof  von  Paderborn,  stirbt  im  Exil.

‚  Er  war  einer  der  erbittertsten  und  heftigsten  Gegner  der  preussischen
Regierung  im  sogenannten  Kulturkampfe.
        <pb n="357" />
        —  347°  —

17.  Juli.

711.  Beginn  der  Ttägigen  Schlacht  bei  Xeres  de  la  Frontera
am  Gruadalete.

‚  Furchtbare  Niederlage  der  Westgoten  unter  König  Roderich  durch
die  von  Tarek  geführten  Mauren.  —  Die  Herrschaft  der  Westgoten  beschränkte
  sich  nun  nur  noch  auf  den  äussersten  Nordwesten  in  Spanien.

1054.  Heinrich  IV.,  kaum  3!/,  Jahre  alt,  wird,  nachdem  er  im
November  vorher  von  den  deutschen  Fürsten  einhellig,  unter  der
Voraussetzung,  „dass  er  ein  gerechter  König  werde“,  zum  Nachfolger
  seines  Vaters  gewählt  worden  war,  durch  den  Erzbischof
von  Köln  gekrönt.

1245.  Papst  Innocenz  IV.  erlässt  auf  der  Kirchenversammlung
zu  Lyon  eine  Bulle  gegen  Kaiser  Friedrich  IIL.,  in  welcher
er  erklärt,  dass  dieser,  als  Erzketzer,  und  wegen  seiner  vielen
Frevel  an  der  Kirche  und  anderer  Missethaten,  seiner  Krone
und  Reiche  verlustig  sei,  und  jeder  Unterthan  des  ihm  geleisteten
Eides  für  immer  ledig,  jeder,  der  ihm  noch  ferner  gehorchen
oder  beistehen  würde,  dem  gleichen  Bannfluche,  wie  er  selbst,
verfallen,  Deutschland  zu  neuer  Königswahl  verpflichtet,  Sicilien
aber,  als  ein  Erbe  und  Lehen  des  heiligen  Petrus,
nun  der  Kirche  anheimfalle,  über  das  der  heilige  Vater  demnächst
  verfügen  werde.“  —  Und  schloss,  indem  er  (Innocenz)
eine  bereitgehaltene  Fackel  auslöschte:  „Wie  ich  diese
brennendeFackelauslösche,  sosollFriedrichs  Glück
und  Leben  erlöschen!“

1405.  Schweizer  Hirten,  angeführt  vom  Grafen  Rudolf  von
Werdenberg,  der,  vom  Herzog  Friedrich  von  Oesterreich  (Sohn
des  bei  Sempach  erschlagenen  Leopold)  aus  seinem  Erbe  vertrieben,
  bei  den  Appenzellern  Bauer  geworden  war,  schlagen
eine  grosse  Schar  österreichischen  Adels  auf  der  Höhe  am
Stoss,  welchem  Siege  bald  die  vollständige  Niederlage  des
Herzogs  selbst  am  Hauptlisberg  folgte.

1505.  Luther  geht  als  Mönch  in  das  Klostor  zu  Erfurt.
1531.  Grimma’scher  Vertrag  (Grimma’scher  Machtspruch)
zwischen  Kurfürst  Johann  und  Herzog  Georg  zu  Sachsen.

Ein  40jähriger  Streit  über  das  sächsische  Münz-  und  Bergwesen
kommt  zur  Schlichtung.

I706.  Fürst  Leopold  von  Dessau  siegt  im  spanischen  Erbfolgekrieg
  bei  Polisello  in  Italien.
        <pb n="358" />
        —  348  —

1796.  Der  Herzog  von  Württemberg  schliesst  mit  dem  französischen
  General  Moreau  einen  Waffenstillstand  ab,  nachdem
durch  die  am  9.  Juli  bei  Ettlingen  trotz  der  glänzenden  Tapferkeit
der  Oesterreicher  verloren  gegangene  Schlacht  die  Franzosen  fast
ganz  Württemberg  besetzt  hatten.

1815.  Das  französische  Heer  an  der  Loire,  erkennend,  dass
Napoleons  Sache  hoffnungslos  war  und  er  selbst  alles  verloren
gegeben  hatte,  unterwirft  sich  den  Verbündeten.

1828.  Heinrich  von  Förstel,  einer  der  bedeutendsten  Architekten
der  Gegenwart,  zu  Wien  geboren.

1854.  Die  über  den  Semmering  führende  Eisenbahn  wird  eröffnet.

1859.  Patriotenversammlung  in  Eisenach.

Mehrere  frühere  Parlamentsmitglieder  verschiedener  Parteien  einten
sich  über  ein  gemeinsames  nationales  Programm,  dessen  Ziel  ein  deutscher
  Bundesstaat  unter  Preussens  Führung  mit  parlamentarischer
  Verfassung  war.

1866.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen,  fest  entschlossen  die
grossen  Erfolge,  die  er  bei  Königgrätz  errungen,  gründlich  zu
nützen,  beschliesst  sein  Hauptquartier  zu  Nikolsburg,  neun
Meilen  von  Wien,  aufzuschlagen,  lehnt  Gesuche  um  Waffenstillstand
  ab  und  fordert  Frieden  aufseineBedingungen,
—  während  seine  Vortruppen  ihren  Marsch  auf  den  Strassen
längs  der  March  ohne  Unterbrechung  fortsetzen  und  in  Ungarn
einrücken.

1870.  Napoleon  III.  sendet  die  Kriegserklärung  gegen  Preussen,
unter  dem  Zujauchzen  des  Volks,  an  den  Gesandten  Frankreichs
in  Berlin  ab,  welcher  solche  am  19.  daselbst  überreichte.

Mobilmachung  in  Württemberg.
        <pb n="359" />
        —  349  —

18.  Juli.

099.  Gottfried  von  Bouillon  wird  vom  Kreuzheere  als  König
von  Jerusalem  ausgerufen.

100.  Gottfried  von  Bouillon,  Herzog  von  Niederlothringen,  „Beschützer
  des  heil.  Grabes“,  stirbt.

155.  Friedrich  ]J.  wird  durch  Papst  Hadrian  IV.  in  Rom  gekrönt.

504.  Heinrich  Bullinger,  Reformator  und  Zwinglis  Nachfolger
zu  Bremgarten  im  Aargau  geboren.

952.  Kaiser  Rudolf  II.  von  1576—1612  regierend,  geboren.

608.  Joachim  Friedrich,  Kurfürst  vou  Brandenburg  (1598—  1608),
stirbt.

Durch  den  Geraer  Familienvertrag  ordnete  er  1598  die
Besitzverhältnisse  seines  Hauses,  bahnte  die  Erwerbung  von  Jülich-Kleve
  an,  gewann  1605  die  Regentschaft  in  Preussen  und  gründete
das  Joachimsthalsche  Gymnasium.

630.  Die  Kaiserlichen  Truppen  unter  Aldringer  und  Gallas
erstürmen  das  von  den  Franzosen  besetze  Mantua.

656.  Der  grosse  Kurfürst  schlägt  gemeinsam  mit  den  Sehweden
die  dreitägige  siegreiche  Schlacht  bei  Warschau  gegen

Johann  Kasimir  von  Polen.

Die  Schlacht  kam  erst  am  30.  Juli  zur  Entscheidung  und  hob  das
Ansehen  des  grossen  Kurfürsten  ganz  bedeutend  und  in  dem  bald
hierauf  folgenden  Vertrag  von  Labiau  erkannte  Schweden  die  Souyeranetät
  des  Herzogtums  Preussen  an;  ein  Jahr  später  folgte  auch

olen.

658.  Erzherzog  Leopold  wird,  trotz  den  Intriguen  der  Franzosen,
Oesterreich  vom  Kaiserthron  zu  verdrängen,  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.

Er  regierte  bis  zum  5.  Mai  1705.

775.  Karl  von  Rotteck,  Historiker  und  politischer  Reformator
in  den  politischen  Bewegungen  der  dreissiger  Jahre,  zu  Freiburg
im  Breisgau  geboren.

794.  Treffen  bei  Demnicki.
Die  Preussen  schlagen  die  Polen  in  die  Flucht.
797.  Jmmanuel  Hermann  Fichte,  Philosoph,  zu  Jena  geboren.

Er  war  ein  Sohn  von  Johann  Gottlieb  Fichte  und  starb  am  8.  Aug.  1879
in  Stuttgart.
        <pb n="360" />
        —  350  °  —

1798.  KabinetsordreFriedrichWilhelmsIII.,  durch  welche  die
evangelischen  Konfessionen  durch  eine  gemeinsame  Agenda  zu
verbinden  angestrebt  wird.

1807.  Ein  französisches  Kriegsgericht  zuBraunschweig
spricht  und  vollzieht  an  vierzehn  wackeren  deutschen  Jünglingen
das  Todesurteil,  „weil  sieals  westfälische  Unterthanen,
in  der  Schill’schen  Bande  (!)  gedient  und  die  Waffen
gegen  ihr  Vaterland  (!)  getragen  haben;  neun  davon
zudem,  nachdem  sie  Schill  bei  Todendorf  gefangen  genommen,
in  dessen  Bande  übergetreten  seien.“

Absichtlich  hatte  man  die  Hinrichtungen  auf  drei
Tage  verteilt,  „damit  sie  um  so  mehr  Eindruck  machen‘;
auf  den  18,  20.  und  22.  Juli.  „Wir  werden  als  Soldaten  zu
sterben  wissen“,  erklärten  die  vierzehn  Schill’schen  wie
aus  einem  Munde.

1811.  Karl  Ludwig  von  Littrow,  bedeutender  Astronom,  zu

Kasan  geboren.

Er  wurde  1842  Direktor  der  Sternwarte  zu  Wien  und  Professor  an
der  Universität  und  starb  am  16.  November  1877  zu  Venedig.

1814.  Verleihung  einer  Verfassungsurkunde  an  das  Fürstentum
  Neuenburg  durch  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen.

1815.  Rückgabe  der  Legationen  an  den  Papst.

1864.  Preussische  und  österreichische  Kanonenboote  nehmen
die  Inseln  Sylt,  Föhr  u.  s.  w.,  und  machen  den  gefürchteten
dänischen  Flotillenführer  Hammer  zum  Gefangenen.

Abschluss  der  Konvention  über  die  Waffenruhe  vom  20.
bis  31.  Juli  im  deutsch-dänischen  Krieg.

1866.  Nikolsburg,  10  Meilen  von  Wien  entfernt,  wird  Hauptquartier
  des  König  Wilhelm  von  Preussen.

1867.  Accessionsvertrag  zwischen  Preussen  und  Waldeck
zwecks  Uebernahme  der  Verwaltung  des  letzteren  Landes  durch
Preussen.

1870.  Das  ökumenische  Konzil  in  Rom  erklärt  in  Gegenwart
des  Papst  Pius  IX.  mit  547  gegen  2  Stimmen,  die  Unfehlbarkeit
  des  Papstes  für  ein  Dogma  der  katholischen
Kirche.

Zuvor  verliessen  mehrere,  meist  deutsche  Bischöfe,  Rom  und
erneuerten  vor  ihrem  Abgange  noch  in  einem  Schreiben  an  den  Papst
ihre  Abstimmung  mit  Nein.

Graf  Bismarck  lehnt  im  Auftrag  des  Königs  Wilhelm  I.
von  Preussen  die  englische  Vermittlung  ab.

1876.  Karl  Joseph  Simrock,  ein  volksfreundlicher  Dichter,
stirbt  zu  Bonn.
        <pb n="361" />
        —  351  —

Sein  Dichtertalent  war  wesentlich  plastisch.  gestaltenbildend,  objektiv;
  die  höhere  Lyrik  entsprach  seiner  Eigentümlichkeit  weniger.
Sein  geliebtes  Rheinland  pries  er  in  dem  schönen  Liede:  „Mein  Sohn,
mein  Sohn,  geh’  nicht  an  den  Rhein“,  indem  er  schalkhaft  vor  ihm  warnt.

1884.  Dr.  Ferd.  Hochstätter,  Professor  der  Mineralogie  und
Geologie  an  der  Universität  Wien,  k.  k.  Hofrat,  Intendant  an
ie  k.  k.  naturhistorischen  Hofmuseen,  stirbt  55  Jahre  alt  zu

erlin.

 

19.  Juli.

1463.  Friede  zu  Wienerisch-Neustadt  zwischen  Kaiser
Friedrich  Ill.  und  König  Matthias  I.  von  Ungarn.

1549.  Kaiser  Karl  V.,  der  als  tiefer  Menschenkenner  in  dem
jungen  Herzog  Moritz  von  Sachsen,  Sohn  des  Herzogs  Heinrich
von  der  albertinischen  Linie,  (geb.  1520)  und  Schwiegersohn  des
Landgrafen  Philipp  von  Hessen,  ein  begabtes  Werkzeug
verräterischer  Absichten  gegen  die  Protestanten
erkannte,  weiss  denselben  zu  bestimmen,  mit  ihm  zu  Regensburg
  heimlich  ein  Bündnis  einzugehen,  dessen  Folgen
für  Deutschland  sehr  verderblich  waren.

1664.  Treffen  bei  Lewenz  in  Ungarn.
Die  Kaiserlichen  siegen  über  die  Türken.
1698.  Der  Dichter  Johann  Jakob  Bodmer  zu  Greifensee  bei
Zürich  geboren.

Er  hat  sich  im  achtzehnten  Jahrhundert  grosse  Verdienste  um
besseren  Geschmack  der  deutschen  Poesie  erworben.

1702.  Niederlage  der  Sachsen  bei  Clissow  im  nordischen
Krieg.

1796.  Georg  von  Cotta  geboren,  übernahm  die  Buchhandlung
seines  Vaters  in  Stuttgart,  gründete  daselbst  und  in  München
eine  Bibelanstalt.

Er  starb  am  1.  Februar  1869.

1803.  Der  Dichter  und  Mineraloge  Franz  von  Kobell  in  München
geboren.

1810.  Preussens  grösste  Königin  und  Mutter  Kaiser
Wilhelms  IL,  dieedle  Luise,  stirbt  auf  Hohenzieritz,
wohin  sie  sich  zum  Besuche  ihres  Vaters,  des  Grossherzogs  von
Mecklenburg-Strelitz,  begeben  hatte.
        <pb n="362" />
        —  352  —

Fast  angebetet  im  Leben,  war  ihr  Namen  nach  ihrem  Tode
das  Zauberwort  für  alle  Preussen,  welches  sie  für  ihr
Vaterland  begeisterte  und  zurRache  sporntegegenNapoleon
  und  die  Franzosen,  urteilte  ein  süddeutscher  Zeitgenosse  bald

nach  dem  Tode  der  unvergesslichen  Frau.

1812.  Das  preussische  Hilfskorps  Napoleons  unter  General  Grawert
siegt  bei  Eckau  und  nimmt  Libau  ein.

1814.  Ludwig  Karl  Wilhelm  Freiherr  von  Gablenz,  österreichischer
  Feldmarschall,  zu  Jena  geboren.

1871  nahm  er  seinen  Abschied  und  erschoss  sich  zu  Zürich  am
28.  Januar  1874.

1832.  Julius  von  Verdy  du  Vernois,  bis  Herbst  1890  Kriegsminister,
  zu  Freistadt  (Schlesien)  geboren.

1837.  Grossartiges  patriotisches  Totenfest,  dem  Andenken
  der  1807  durch  die  Franzosen  zu  St.  Leonhard
  bei  Braunschweig  erschossenen  vierzehn  Gemeinen
  aus  dem  Schill’schen  Korps  gewidmet.

Zu  St.  Magnus,  der  ältesten  Kirche  Braunschweigs,  waren  drei
Särge  aufgestellt,  darin  die  Ueberreste  der  damals  Hingemordeten  lagen.
Nachdem  die  Särge  geweiht  worden  waren,  wurden  sie  unter  Trauermusik
nach  St.  Leonhard  zurückgebracht  und  dort  unter  dem  Denkmale  beigesetzt,
  welches  aus  Beiträgen  des  deutschen  Volkes,  vorzüglich  Braunschweigs,
  den  „vierzehn  edeln  Herzen“  errichtet  worden  war,  wie
der  die  Weihe  vollziehende  Geistliche  sich  ausdrückte,  „den  Herzen,
die  hier  im  Todeskampfe  brachen,  den  vierzehn  Heldenkämpfern,
  die  der  herrlicheEntschluss  beseelthatte,  aus
fremdenSklavenkettendasgeliebteVaterland  zuerlösen.“

1849.  Cernierung  von  Rastatt  durch  die  preussischen  Truppen
unter  dem  Öberbefehl  des  Prinzen  Wilhelm  von  Pfeussen,
nachmaligen  Kaisers  von  Deutschland.

1850.  Oesterreich  erlässt  ein  Rundschreiben  an  die
deutschen  Höfe  zur  Wiederherstellung  des  alten
Bundestags.

1861.  Gesetz  betr.  die  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  in
Preussen.

1866.  General  von  Manteuffel,  der  Nachfolger  Falkensteins
bei  der  Main-Armee,  legt  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  noch
weitere  19  Millionen  Kriegssteuer  auf,  welche  später
erlassen  wurden,  als  die  bisherige  freie  Stadt  Frankfurt  eine
preussische  Stadt  geworden  war.

An  demselben  Tage  besetzen  die  Preussen  Gänserndorf
  bei  Wien.

1869.  Victor  Aime  Huber,  Litterarhistoriker  und  politisch-socialer
Schriftsteller,  stirbt.

Er  war  für  Hebung  der  unteren  Klassen,  für  Fernhalten  socialer
Umwälzungen  durch  innere  Mission  und  Association  thätig.
        <pb n="363" />
        —  353  —

1870.  Die  offizielle  Kriegserklärung  Frankreichs  wird

der  preussischen  Regierung  von  dem  französischen  Geschäftsträger
  in  Berlin  übergeben.

König  Wilhelm  von  Preussen  erneuert  den  von  seinem  Vater
gestifteten  Orden  des  Eisernen  Kreuzes  für  das  ganze
deutsche  Heer.

An  demselben  Tage  beginnen  die  Vorposten-  und  Rekognoszierungsgefechte

  an  der  deutsch-französischen
  Grenze.

König  Wilhelm  I.  von  Preussen  eröffnet  den  norddeutschen
  Reichstag.

In  der  Thronrede  heisst  es:  „Hat  Deutschland  derartige  Vergewaltigungen
  seines  Rechts  und  seiner  Ehre  in  früheren  Jahrhunderten
schweigend  getragen,  so  ertrug  es  sie  nur,  weil  es  in  seiner  Zerrissenheit
nicht  wusste,  wie  stark  es  war.  Heute,  wo  das  Band  geistiger  und  rechtlicher
  Finigung,  welches  die  Befreiungskriege  zu  knüpfen  begannen,  die
deutschen  Stämme,  je  länger,  desto  inniger  verbindet;  heute,  wo  Deutschlands
  Rüstung  dem  Feinde  keine  Oeffnung  mehr  bietet,  trägt  Deutschland
  in  sich  selbst  den  Willen  und  die  Kraft  der  Abwehr
erneuter  französischer  Gewaltthat!“

Die  bayerische  Abgeordnetenkammer  verwilligt,  trotz
der  ultramontanen  Gegnerschaft  (Dr.  Jörg  als  Wortführer)
mit  101  gegen  47  Stimmen  18260000  Gulden  zum  Zweck  der

Ausrüstung  und  Unterhaltung  der  Armee.

England  proklamiert  seine  Neutralität  während  des
deutsch-französischen  Krieges,  was  es  jedoch  nicht  abhält,  der
Ausfuhr  von  Waffen  und  Munition  nach  Frankreich
Vorschub  zu  leisten.

1879.  Favre,  Unternehmer  des  Gotthardtunnels,  stirbt.
1885.  Deutsches  Turnfest  in  Dresden.

An  demselben  Tag  nationalliberaler  Parteitag  in  Hagen
ın  Westfalen.

1888.  Kaiser  Wilhelms  II.  Besuch  in  Petersburg,  wo  er  als
Gast  des  Kaisers  Alexander  III.  bis  zum  24.  weilt.

23
        <pb n="364" />
        —  354  —

20.  Juli.

1039.  Konrad  der  Jüngere,  Herzog  von  Kärnthen,  stirbt,  wodurch
  Kaiser  Heinrich  III.  in  Besitz  von  Kärnthen  gelangt.

1235.  Friedrich  If.,  der  Hohenstaufe,  vermählt  sich  zum  dritten
Mal,  —  und  zwar  mit  Isabella,  der  Tochter  Heinrichs  Ill.  von
England.

Die  Trauung  fand  zu  Worms  statt;  bei  derselben  waren  4  Könige,
il  Herzöge,  30  Markgrafen  und  Grafen  und  eine  Menge  von  Rittern
zugegen.
1420.  Johann  Ziska,  Feldherr  der  Hussiten,  schlägt  das  kaiserliche
  Heer  vor  Prag.

1447.  Sturm  auf  Soest,  welches  Kaiser  Friedrich  III.  in  die
Reichsacht  erklärt  hatte  und  das  der  Kurfürst  von  Köln  mit
ca.  60000  Mann,  worunter  26000  Mann  Üzechen  waren,  seit
dem  2.  Juli  belagerte.

Die  Soester  schlagen  diesen  letzten  Hanptsturm  auf  die  Stadt
mit  glänzendem  Erfolg  zurück.  Zum  Sieg  der  Männer  wirkten
ihre  tapferenFrauen  und  Töchter  vorzüglich  mit.  Berthold
in  seiner  Schrift  „Soest,  die  Stadt  der  Engern“  sagt:  „Auf  jeden  Fall
bedacht,  stellten  die  Bürger  längs  der  Mauer  grosse  Kessel,  Braupfannen
mit  kochendem  Wasser  auf,  in  das  man  Mehl  schüttete.  Die  Soesterinnen
hielten  langsam  das  Gebrödel  im  Sieden  und  freuten  sich  ihrer  todbringenden
  Kochkunst.  Sie  brauten  zur  glücklichen  Stunde  einen  „Kraut“,
dergleichen  die  Böhmen  schwerlich  begehrten,  so  hoch  sie  sonst  das
Soester  Bier  schätzten.“  —  Diesen  siedenden  Brei  schütteten  flink  und
geschickt  die  Frauen  und  Töchter  der  Soester  den  Stürmenden  mit
grossem  Erfolg  auf  die  Köpfe;  —  und  der  Stadt  Soest  war  ihre

nabhängigkeit  gerettet.

1546.  Verhängung  der  Reichsacht  über  den  Kurfürsten
Johann  Friedrich  von  Sachsen  und  den  Landgrafen
Philipp  von  Hessen  „wegen  Hochverrats  an  Kaiser  und
Reich“.

1630.  Stettin  ergiebt  sichan  dieSchweden  unter  Gustav
Adolf.

1712.  Schlacht  bei  Aarau  im  sogenannten  Toggenburger  Krieg.

Die  Berner  werden  von  den  Unterwaldenern  geschlagen.

1748.  Ferdinand  Franz  Wallraf,  Begründer  des  Wallraf-Museums
  in  Köln,  geboren.

Er  vermachte  seine  grossen  Samınlungen  der  Stadt  Köln  und  starb
am  18.  März  1824.
        <pb n="365" />
        —  359  —

1778.  Gefecht  bei  Trautenau  im  bayerischen  Erbfolgekrieg.

Die  Oesterreicher  werden  von  den  Preussen  geschlagen.

1822.  Jacques  Offenbach,  Komponist,  zu  Köln  geboren.

1853.  Vertrag  wegen  des  Jahdegebietes  zwischen  Preussen
und  Oldenburg.

Oldenburg  tritt  gegen  "Ja  Million  Thaler  auf  beiden  Seiten  des
Jahdebusens  ein  Gebiet  (incl.  Wasser)  von  !4  Quadratmeile  (etwa  14
Quadratkilometer)  zu  dem  Zweck  an  Preussen  ab,  dass  dieses  dort
auf  eigene  Kosten  einen  Kriegshafen  (seit  1869  Wilhelmshafen
genannt)  gründet.

1859.  Vollendung  der  neuen  Rheinbrücke  in  Köln.
1866.  Die  Preussen  unter  General  v.  Göben  besetzen  Darmstadt.
Scharmützel  bei  Ebertsdorf.

Seetreffen  bei  Lissa.
Die  oesterreichische  Flotte  erringt  einen  glänzenden  Sieg
über  die  italienische.

1869.  Bei  einer  Haussuchung  im  Kloster  der  Karmeliterinnen  zu
Krakau  wird  die  seit  21  Jahren  gefangen  gehaltene  Nonne
Barbara  Ubryk  gefunden.

Sie  starb  am  24.  Februar  1870  im  Spital  zu  Krakau.

1870.  Der  Reichstag  des  norddeutschen  Bundes  beschliesst
und  überreicht  dem  König  seine  Zustimmungsadresse,

und  genehmigt  einstimmig  den  für  den  Krieg  notwendigen
  Kredit  von  150  Mill.  Thaler.

Der  Kronprinz  von  Preussen  übernimmt  den
Oberbefehl  über  die  deutsche  Südarmee.

Der  bayerische  Gesandte.in  Berlin  zeigt  den  Beitritt
Bayerns  zum  Krieg  gegen  Frankreich  an.

Neutralitätserklärung  Oesterreich-Ungarns.

1885.  Fürst  von  Hohenlohe  wird  zum  Statthalter  von
Elsass-Lothringen  ernannt.
        <pb n="366" />
        —  356  —

21.  Juli.

 

985.  Papst  Bonifazius  VII.  stirbt.

Er  hatte  sich  974  und  984—985  in  den  widerrechtlichen  Besitz  des
päpstlichen  Stuhls  gebracht.

1411.  Sigismund,  der  seinen  Bruder  Wenzel  zur  Verziehtleistung
bewogen  hatte,  wird  nunmehr  von  allen  Kurfürsten  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.

1456.  Sturm  der  Türken  auf  Belgrad  unter  Sultan
Mohammed  II.,  der  da  wollte:  „es  solle  nur  ein  Herr  auf  Erden,
wie  nur  ein  Gott  im  Himmel  sein.“

Die  Türken  wurden  durch  die  von  dem  heldenmütigen  Statthalter
Johann  Hunyades  Corvinus  und  einem  greisen  Franziskanermönch,
Johann  Capristanus,  geführten  Ungarn  mit  einem  Verlust  von
mehr  als  24000  Mann  an  Toten  zurückgeschlagen,  wodurch  Deutschland
  vorläufig  vor  den  Türken  gerettet  war.

1495.  Kaiser  Maximilian  I.  erhebt  auf  dem  Reichstage  zu
Wormsden  Grafen  Eberhard  (im  Barte)  von  Württemberg
feierlich  zum  Herzoge.

1525.  Der  Bauernaufstand  in  Oberschwaben  wird  durch
Verräterei  unterdrückt.

Wohlgerüstet  standen  die  Ober-  und  Unterallgäuer  unweit  Kempten
dem  Fürstenheer  unter  dem  Truchsess  von  Waldburg  gegenüber.  Das
Ende  des  Kampfes  war  die  vollständige  Niederlage  der  Bauern.

1535.  Erstürmung  von  Tunis  durch  die  Spanier  und  Deutschen
Karls  V.

1618.  Die  Erzherzöge  Ferdinand  und  Maximilian  veranlassen  die
Gefangennahme  des  Kardinal  Klesl.

1718.  Friede  zu  Passarowitz  zwischen  Oesterreich  und  der
Türkei.

Die  Türkei  tritt  an  Oesterreich  Temesvar,  die  Walachei
bis  zur  Uluta  und  Belgrad  nebst  einem  Stück  von  Bosnien  und
Serbien  ab.

1762.  SchlachtbeiBurkersdorf,unweit  Reichenbach,  in  welcher
die  Oesterreicher  unter  Daun  von  Friedrich  II.  total  geschlagen
werden,  so  dass  sich  diese  mit  einem  Verlust  von  3400  Mann
flüchteten  und  Friedrich  wieder  in  Besitz  des  grössten
Teils  von  Schlesien  kam,

1773.  Papst  Clemens  XIV.  unterzeichnet  das  Breve,  welches  aus
„KNücksichtenfürden  FriedenderKirche,aberfüralle
        <pb n="367" />
        —  357°  —

Zeiten”  die  Aufhebung  des  Jesuitenordens  ausspricht.


Die  näheren  Kenner  des  Jesuitenordens  sagten  damals  gleich:  „Es
ist  dies  so  gut,  als  hätte  er  (der  Papst)  Giftgenommen.“  Und
in  der  That  fing  Clemens  XIV.  bald  darauf  zu  kränkeln  an;  er  selbst
hieltsich  fürvergiftet.  Ein  Jahr  nach  der  Aufhebung  des  Jesuitenordens
  starb  er,  indem  er  das  denkwürdige  Wort  sprach:  „Ich  gehe
in  die  Ewigkeit  ein  und  ich  weiss,  warum!“  —  Sein  Leichnam
wurde  gleich  schwarz  und  zerfiel.

1815.  Die  Festung  Landrecy  ergiebt  sich  an  die  Preussen  unter
Prinz  August  von  Preussen.

1816.  Julius  Sturm,  Iyrischer  Dichter,  zu  Köstritz  im  Fürstentum
Reuss  geboren.

1820.  Der  Elektromagnetismus  wird  durch  Hans  Christian
Oersted  entdeckt.

1862.  Diepreussische  Regierung  kennt  das  neugebildete  Königreich
  Italien,  trotz  Oesterreich  und  der  ganzen  reaktionären
Partei,  an.

1864.  Die  Brigade  von  Göben  besetzt  nach  Abzug  der  Bundestruppen
  wegen  eines  Konflikts  zwischen  Preussen  und  Hannoveranern
  die  Stadt  Rendsburg.

1866.  Oesterreich  entschliesst  sich,  von  den  Preussen  immer
mehr  nach  der  Donau  gedrängt,  derpreussischen  Forderung
nachzukommen,  aus  Deutschland  auszuscheiden,  worauf  die
Nikolsburger  Friedensverhandlungen  beginnen.

Das  in  und  um  Leipzig  zusammengezogene  2.  Reservekorps
unter  dem  Grossherzog  von  Mecklenburg-Schwerin  überschreitet
die  bayerische  Grenze  und  vertreibt  die  bayerische  Besatzung
aus  Hof,  das  es  besetzt.

Sieg  der  Oesterreicher  über  die  Garibaldianer  bei
Bececca.

1870.  Württemberg  erklärt  seinen  Beitritt  zum  Kriege  gegen
Frankreich.  |

1878.  Eröffnung  des  VI.  deutschen  Bundesschützenfestes
in  Düsseldorf.

1890.  Ermordung  des  Präsidenten  Menendez  von  San  Salvador.
        <pb n="368" />
        —  358  —

22.  Juli.

1227.  Schlacht  bei  Börnhöved  in  Holstein.

Die  vereinigten  norddeutschen  Fürsten,  unter  ihnen  Graf
Adolf  IV.  von  Holstein  und  Graf  Heinrich  von  Schwerin,  besiegen  den
König  Waldemar  II.  von  Dänemark  und  befreien  ihre  Gebiete
von  der  dänischen  Herrschaft.  —  Waldemar  II.  gerät  in  Gefangenschaft.


1431.  Eröffnung  der  Kirchenversammlung  zu  Basel.
1443.  Treffen  bei  Zürich.

Die  Eidgenossen  siegen  über  die  habsburgischen  Kriegsscharen.

1489.  FriedezuFrankfurta.M.  zwischen  Kaiser  Maximilanl.
und  Frankreich.

1532.  Erster  Religionsfriede  zu  Nürnberg.

Derselbe  war  zwischen  dem  römischen  König  Ferdinand,  Bruder

Karls  V.,  und  dem  Schmalkaldischen  Bunde  unter  Vermittlung

der  Kurfürsten  von  Mainz  und  von  der  Pfalz  zu  stande  gekommen.  Der

wesentlichste  Teil  seines  Inhaltes  war  das  Zugeständnis  des  Kaisers,  dass

die  Vollziehung  des  Augsburger  Reichstags-Abschieds  vom  Jahre  1530

bis  zu  einem  allgemeinen  National-Konzilium  oder  einem  andern  Reichstage

  verschoben,  inzwischen  also  gegen  die  Protestanten  mit

keinen  gerichtlichen  oder  sonstigen  Zwangsmassregeln
vorgeschritten  werden  solle.

1657.  Friedrich  I.,  erster  König  von  Preussen,  zu  Königsberg

geboren.  |
Er  war  ein  Sohn  Friedrich  Wilhelms,  des  grossen  Kurfürsten,
und  der  Prinzessin  Louise  Henriette  von  Oranien.

1759.  Einnahme  von  Münster  durch  die  Franzosen  im
siebenjährigen  Krieg.

1761.  Treffen  bei  Gross-Nossen  im  siebenjährigen  Krieg.

Friedrich  der  Grosse  schlägt  die  Oesterreicher.

1793.  Die  Preussen  nehmen  nach  längerer  Belagerung  die  von
den  Franzosen  besetzte  Festung  Mainz  ein,  worauf  sich
die  preussische  Armee  zur  Belagerung  von  Landau  und  eine
österreichische  unter  Wurmser  sich  zum  Angriff  auf  die
berühmte  Weissenburger  Linie  anschicken.

1809.  Erfindung  des  elektro-galvanischen  Telegraphen
durch  Samuel  Thomas  von  Sömmerring.

1823.  Ludwig  Bamberger,  politischer  Schriftsteller  und  Parlamentarier,
  zu  Mainz  geboren.
        <pb n="369" />
        —  359  —

1832.  Franz  Joseph  Karl  Napoleon,  Herzog  von  Reichsstadt,
Sohn  Napoleons  I.,  stirbt  zu  Schönbrunn  an  der  Schwindsucht.

1848.  Der  konstituierende  Reichstag  in  Wien  wird  von
Erzherzog  Johann,  dem  Reichsverweser,  eröffnet.

Dieser  Reichstag  war  nach  allgemeinem  Stimmrecht  in  allen  Provinzen
  gewählt  worden,  und  wurde  alsbald  schon,  als  Kaiser  Ferdinand
versuchte,  wieder  in  die  Reaktion  einzulenken,  nach  Kremsier  in  Mähren
verlegt.

1851.  Der  vierte  Friedenskongress  in  London  wird  eröffnet.



Derselbe  war  sehr  zahlreich,  u.  A.  auch  von  15  Ageordneten  der
Pariser  Arbeiter  besucht.  Es  wurde  beschlossen,  den  Dienern  der
Kirche,  Erziehern  und  der  Presse  die  Verbreitung  der  Grundsätze  des
Friedens  ans  Herz  zu  legen  und  die  Regierungen  in  dem  bereits  bekannten
Sinne,  bezüglich  Schlichtung  etwaiger  Streitigkeiten,  zu  ermahnen,  wie
überhaupt  auch  solche  Grundsätze  mehr  und  mehr  im  Volke  zu  verbreiten.

1864.  Eröffnung  der  Verhandlungen  wegen  der  Friedenspräliminarien
  zwischen  den  Grossmächten  und  Dänemark.

1866.  Waffenstillstand  von  Nikolsburg,  welcher  vom  22.
bis  27.  Juli  andauern  sollte,  und  nur  für  die  Heere  galt,  welche
sich  in  Oesterreich  gegenüberstanden;  während  der  Krieg
auf  dem  westdeutschen  Schauplatze  von  diesem  Vertrage  nicht
berührt  wurde.

An  demselben  Tage  das  letzte  Gefecht  des  deutschösterreichischen
  Kriegs  bei  Blumenau,  in  der  Gegend  von
Pressburg.  Die  Preussen  stehen  vor  Florisdorf  bei  Wien.

1870.  Die  württembergische  zweite  Kammer  —  die  erste
Kammer  einstimmig  —  verwilligt  mit  85  gegen  1  Stimme  den
verlangten  Kredit  zu  Kriegszwecken.

Die  Kehler  Rheinbrücke  wird  durch  die  Deutschen
  gesprengt.

1885.  Tumulte  auf  dem  Friedhof  zu  Frankfurt  a.  M.  gelegentlich
  des  Begräbnisses  eines  Sozialdemokraten.
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        —  360  —

23.  Juli.

1177.  Aussöhnung  zwischen  Kaiser  Friedrich  I.  (dem
Rotbart)  und  den  Lombarden.

1541.  Teilungsvertrag  zu  Regensburg.
In  demselben  erhält  Albrecht  Aleibiades  Kulmbach  und  Bayreuth,
  und  sein  Oheim  Georg  Ansbach.
1562.  Götz  von  Berlichingen  mit  der  eisernen  Hand,  ein
tapferer  Ritter  des  Mittelalters,  stirbt  auf  Schloss  Hornberg.

1649.  Papst  Clemens  XI.  geboren.

Er  sass  von  1700—1721  auf  dem  päpstlichen  Stuhl.  Er  erhob
ProtestgegendieAnnahmederpreussischen  Königswürde
dureh  Kurfürst  Friedrich  Ill.  von  Brandenburg.

1721.  Schleswig  kommt  an  Dänemark  und  bildet  nunmehr
einen  integrirenden  Teil  Dänemarks;  steht  jedoch  noch  in  gewisser
  Beziehung  mit  Holstein,  und  wird  mit  demselben  durch
einen  gemeinschaftlichen  königlichen  Statthalter  nach  gleichen
Gesetzen  regiert,  und  die  Streitigkeiten  der  Unterthanen  beider
Lande  werden  nach  einerlei  Rechten  beurteilt  und  geschlichtet.

1758.  Treffen  bei  Sondershausen.

Die  Franzosen  unter  Broglio  schlagen  die  vom  Herzog  Ferdinand
von  Braunschweig  geführten  Preussen.  .

1762.  Glänzender  Sieg  der  Preussen  unter  Prinz  Ferdinand
von  Braunschweig  über  die  Sachsen  bei  Lutterberg  im
Hannöverschen,  nachdem  er  dieselben  schon  bei  Wilhelmsthal
gründlich  geschlagen  hatte.

1783.  Der  erste  Grossherzog  von  Baden,  Markgraf  Karl
Friedrich  von  Baden-Durlach,  hebt  in  seinem  Lande  die  Leibeigenschaft
  auf.

1785.  Deutsche  Fürsten  schliessen,  durch  Friedrich  I.  von
Preussen  dazu  veranlasst,  ein  Bündniss  ab,  in  welchem  sich
dieser,  der  Kurfürst  von  Sachsen  und  der  Kurfürst  von  Braunschweig
  (Hannover)  verpflichten,  die  Reichsverfassung  aufrecht
zu  erhalten,  und  alle  Fürsten  bei  ihrem  dermaligen  Länderbesitz
gegen  ungeziemende  Zumutungen  zu  schützen.

Diesem  Bündnis  traten  noch  der  Kurfürst  von  Mainz,  der  Landgraf
von  Hessen-Kassel,  die  Fürsten  von  Anhalt,  die  Herzöge  von  Braunschweig,
  Weimar,  Gotha  und  Zweibrücken,  sowie  noch  andere  Städte

hinzu.  Nun  war  Deutschland  durch  dieses  Bündnisin  zwei

feindliche  Feldlager  gespalten,  und  es  war  nahe  daran,
dass  ein  neuer  Bürgerkrieg  entflammte.
        <pb n="371" />
        —  361  —

1793.  Die  franz.  Festung  Narcy  ergiebt  sich  den  Preussen.
1812.  Treffen  bei  Mohilew.

Die  Franzosen  unter  Marschall  Davoust  besiegen  die  Russen
unter  Bagration.
1849.  Die  badischen  Insurgenten  übergeben  die  Festung
Rastatt  an  die  preussische  Exekutionsarmee.

Ende  des  pfälzisch-badischen  Aufstands,  welcher
zuerst  ein  Kampf  für  die  Reichsverfassung,  dann  aber,
ebenso  unheilvoll  als  aussichtslos,  ein  tollkühner  Kampf  für
eine  badische  Republik  war,  der  vor  den  preussischen
Truppen  schliesslich  in  Auflösung  und  Gesetzlosigkeit  überging.

1865.  Erste  Versammlung  deutscher  Geographen  und
Hydrographen  zu  Frankfurt  a.  M.

1866.  Die  Preussen  schlagen  die  Badenser  bei  Hundheim  unweit
  Miltenberg.

Die  Badenser  müssen  sich  auf  Würzburg  zurückziehen.

An  demselben  Tage  Scharmützel  bei  Amorbach  und
Walldüren.

1867.  Frankreich  nimmt  in  einer,  im  auswärtigen  Ministerium
zu  Berlin  vorgelesenen  Depesche  Partei  für  Dänemark.

Bismarck  antwortete,  dass  PreussendieEinmischungFrankreichs
  zurückweisen  müsse.

1870.  Kaiserin  Eugenie  wird  als  Regentin  eingesetzt.

Proklamation  Napoleons  Ill.  an  das  franz.  Volk,
den  Krieg  mit  Preussen  betreffend.

1890.  Internationaler  Parlaments-Kongress  zu  London.

Der  Kongress  nimmt  einstimmig  die  im  Sinne  der  deutschen

Anträge  geänderte  erste  Resolution  an,  welche  folgenden  Wortlaut
  hat:

„Die  Mitglieder  der  internationalen  parlamentarischen  Konferenz
empfehlen  dringend  allen  zivilisierten  Regierungen,  alle  internationalen
Streitsachen,  welche  zwischen  ihnen  entstehen  dürften,  einem  Schiedsgericht
  zu  unterbreiten,  während  sie  ihrerseits  sich  verpflichten,  nach
ihren  besten  Kräften  einen  Einfluss  zu  gunsten  dieses  Zweckes  auszuüben,
insbesondere  durch  das  Parlament  und  die  Presse  ihrer  Länder,  damit
die  öffentliche  Meinung  allmählich  für  diese  Anschauung
gewonnen  werde.  Als  ersten  Schritt  zur  Verwirklichung  des  Planes,
internationale  Streitfälle  auf  schiedsgerichtlichem  Wege  zu  begleichen,
empfiehlt  diese  Konferenz,  dass  in  allen  Haudelsverträgen,  literarischen
und  andern  Konventionen  eine  Sonderklausel  eingeschaltet  werden  möge
für  deren  Auslegung  und  Ausführung  auf  schiedsrichterlichem  Wege.“
        <pb n="372" />
        —  362  —

ı

24.  Juli.

1115.  Die  durch  Papst  Gregor  VII.  so  berühmt  gewordene  Markgräfin
  Mathilde  stirbt  in  Italıen.

Da  Kaiser  Heinrich  V.  damals  wegen  der  inneren  Reichskämpfe  in
grosser  Geldverlegenheit  war,  so  folgte  er  alsbald  der  Aufforderung  seiner
Anhänger  in  Italien,  diedurch  Mathildens  Tod  freigewordenen
Lehensgüter  kraft  der  oberherrlichen  Rechte  des  Deutschen
  Reichs  und  das  freie  Eigentum  wegen  Verwandtschaft  mit  der
Abgeschiedenen  als  Erbgut  in  Besitz  zu  nehmen.

1471.  Thomas  a  Kempis  (von  Kempen,  wo  er  1380  geboren)

stirbt.

Er  war  Subprior  des  Augustinerklosters  St.  Agnes  bei  Zwolle  in
den  Niederlanden  und  berühmt  geworden  durch  sein  Buch  „Von  der
Nachfolge  Christi“.

1628.  Wallenstein  zieht  von  Stralsund  ab,  das  die  tapferen
Bürger  mit  äusserstem  Nachdruck  verteidigten.

Voll  von  Aerger  schloss  er  aber  schon  zwei  Monate  später  Stralsund
zum  zweiten  Mal  ein,  musste  aber  auch  diesesmal  besiegt  von  dannen
ziehen,  obgleich  er  geschworen  hatte,  „er  wolle  die  Stadt  nehmen,
und  sei  sieauch  mit  Ketten  an  den  Himmel  gebunden‘.

1698.  Das  berühmte  Hallesche  Waisenhaus  wird  durch  August
Hermann  Franke  gegründet;  ein  erhebendes  Werk  wahrer
Menschenliebe.  (Grundsteinlegung.  )

1704.  Die  Russen  erobern  Dorpat  durch  Kapitulation.

1744.  Friedrich  der  Grosse  verbündet  sich  mit  Frankreich
gegen  Maria  Theresia  von  Oesterreich.

1796.  Georg  Karl  Friedrich  Herzog  von  Sachsen-Altenburg
  zu  Hildburghausen  geboren.
Er  war  ein  guter  Regent  und  Gründer  gemeinnütziger  Anstalten.
Andemselben  Tage  fälltderfranzösische  General
Moreau  verheerend  in  Süddeutschland  ein.

1807.  Johann  Hermann  Detmold,  Staatsmann,  Mitglied  der
Frankfurter  Nationalversammlung  von  1848  und  1849,  Minister
der  Justiz  und  des  Innern,  geboren.

Er  starb  am  17.  März  1856.

1817.  Adolf  Wilhelm  August  Karl  Friedrich,  letzter  Herzog
von  Nassau,  geboren,  verlor  im  deutschen  Krieg  sein  Land,  erhielt

  aber  von  Preussen  8!/,  Mill.  Thaler  Entschädigung.

Seit  dem  Tode  des  Königs  Wilhelm  von  Holland  Grossherzog
von  Luxemburg.
        <pb n="373" />
        —  363  —

1866.  Die  Preussen  besiegen  die  Hessen  bei  Wertheim.

Die  Division  von  Göben  (Main-Armee)  schlägt  die  WürttembergerausTauberbischofsheim
  und  die  oldenburgischhanseatische
  Brigade  entreisst  einen  anderen  Uebergangspunkt,
Werbach,  den  Badensern.

Der  bayr.  Minister  von  der  Pfordten  sucht  in  Nikolsburg
  um  den  Frieden  nach.

1868.  Militärkonvention  zwischen  Preussen  und  Mecklenburg-Schwerin.


1870.  Vorpostengefecht  bei  Saarbrücken;  Ulanen  zerstören
die  Verbindungsbahn  zwischen  Saargemünd  und  Hagenau.

Bildung  einer  freiwilligen  Seewehr  zum  Schutz  der
deutschen  Küste.

Neutralitätserklärung  Russlands  in  Betreff  des
deutsch-französischen  Kriegs.

1873.  Kapitän  Werner  nimmt  das  Insurgentenschiff  „Vigilante“.

1885.  Grosser  Häuser-Einsturz  in  Köln;  —  14  Personen
tot,  —  26  verwundet.

 

25.  Juli.

976.  Thietmar,  Bischof  von  Merseburg  (1009—1019)  und  Chronikenschreiber,
  zu  Hildesheim  geboren.

1001.  Herzog  Heinrich  Ill.  von  Bayern  (der  Sohn  Heinrichs  des
Zänkers  und  ein  Urenkel  Heinrichs  des  Vogelstellers)  wird  auf
einer  Versammlung  des  Adels  in  Merseburg  als  König  der
Deutschen  ausgerufen.

1215.  Kaiser  Friedrich  II,  der  Hohenstaufe,  wird  in  Aachen
feierlich  gekrönt,  nachdem  sein  Gegenkaiser  Otto  IV.,  welcher
vorher  die  Stadt  besetzt  hielt,  sich  vom  Rhein  zurückgezogen
und  ihm  Aachen  hierauf  ergeben  und  gehuldigt  hatte.

1490.  Johann  Cicero,  Kurfürst  von  Brandenburg,  erwirbt  das
Land  Zossen.

1495.  Kaiser  Maximilian  I.  verkündet  auf  dem  Reichstag  zu
Worms  den  ewigen  Landfrieden,  wodurch  allen  Befehdungen
  ein  Ziel  gesetzt  und  den  innern  Unruhen  und  Gewaltthätigkeiten
  ein  Ende  gemacht  werden  sollte.
        <pb n="374" />
        —  364  —

1564.  Kaiser  Ferdinand  I].  stirbt.

Er  regierte  von  1556  bis  1564;  —  wenn  auch  persönlich  ein  eifriger
Katholik,  war  er  doch  von  der  Unmöglichkeit  überzeugt,  den  Protestantismus
  unterdrücken  zu  können,  und  war  daher  kein  Gegner
der  Ausbreitung  der  Reformation  in  seinen  Erbstaaten.

1716.  Die  Schweden  und  Polen  erstürmen  Posen  im  nordischen
Kriege.

1731.  Zwischen  Spanien  und  Toscana  kommt  zu  Florenz  ein
Familienvertrag  zu  Stande,  wodurch  Don  Carlos,  Infant  von
Spanien,  vom  Grossherzog  Johann  Gaston  und  dessen  Schwester,
der  Kurfürstin  von  der  Pfalz,  zum  Erben  und  Nachfolger
in  Toscana  designirt  wurde.

1757.  Hans  Jakob  von  Auerswald,  preussischer  Staatsmann,
geboren.

1758.  Bei  Königgrätz  werden  die  Desterreicher  durch  General
Seydlitz  geschlagen.

1792.  Der  Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig  erlässt  von
seinem  Hauptquartier  in  Koblenz  aus,  wo  er  sich  an  der
Spitze  von  50000  Preussen  mit  den  Oesterreichern  und  einer
hessischen  Hilfstruppe  vereinigt  hatte,  jenes  berüchtigte
Manifest  an  die  Bevölkerung  Frankreichs,  welches
eine  so  grosse  historische  Bedeutung  erlangt  hat  und  womit  der
so  kläglich  zu  Ende  geführte  Feldzug  in  die  Campagne
seinen  so  vielversprechenden  Anfang  genommen  hat.

„Wenn  derKönigvonFrankreich  nicht  sofortin  seine
Rechte  wieder  eingesetzt  würde“,  hiess  es  darin,  „dann  sollte
in  ganz  Paris  kein  Stein  auf  dem  andern  bleiben!“  —  Die
Preussen  sind  damals  bekanntlich  nicht  weiter,  als  bis  Valmy  gekommen
und  mussten  sich  zu  einem  recht  beschämenden  Rückzug
bequemen.

1807.  Bildung  der  Militär-Reorganisations-Kommission

unter  Scharnhorsts  Vorsitz.

1822.  Leopold  Freiherr  von  Hoverbeck,  Parlamentarier  und
Mitglied  der  Fortschrittspartei,  in  Ostpreussen  geboren.
Er  starb  am  12.  August  1875  zu  Gersau  in  der  Schweiz.

1848.  Schlacht  beı  Custozza.

Die  Oesterreicher  unter  Radetzky  erringen  einen  glänzenden  Sieg
über  die  Sardinier.

1850.  Schlacht  bei  Idstedt.

DieSchleswig-Holsteiner  werden  von  den  zahlreicheren  Dänen
geschlagen,  müssen  sich  schliesslich  in  die  Festung  Rendsburg  zurückziehen
  und  ganz  Schleswig  den  Dänen  preisgeben.

1865.  Das  patriotische  Sängerfest  in  Dresden,  —  ein
beredter  Ausdruck  deutsch-einheitlicher  Freiheitsbestrebungen,
  wie  er  bereits  vorher  schon  bei  Turner-,  Schützenund
  Künstlerfesten  in  allen  deutschen  Landen  zu  Tag  getreten  war.
        <pb n="375" />
        —  365  —

1865.  Enthüllung  des  E.  M.  Arndt-Denkmals  in  Bonn.
1866.  Treffen  bei  Gerchsheim.

General  Manteuffel  bereitet  dem  8.  Armeekorps  eine  vollständige
Niederlage.

Gefecht  der  Oesterreicher  im  Val  Sorda  bei  Trient
gegen  die  Italiener.

1870.  Der  Schirmherr  Deutschlands  König  Wilhelm  von
Preussen,  erlässt  einen  offenen  Brief  an  alles  Volk  deutscher
Nation,  welcher  schliesst:

„Die  Liebe  zu  dem  gemeinsamen  Vaterlande,  die  einmütige  Erhebung
der  Stämme  und  ihrer  Fürsten  hat  alle  Unterschiede  und  Gegensätze  in
sich  beschlossen  und  versöhnt,  und  einig,  wie  kaum  jemals  zuvor,  darf
Deutschland  in  seiner  Einmütigkeit  wie  in  seinem  Recht  die  Bürgschaft
finden,  dass  der  Krieg  ihm  den  dauernden  Frieden  bringen
und  dass  aus  der  blutigen  Saat  eine  von  Gott  gesegnete
Ernte  deutscher  Freiheit  und  Einigkeit  spriessen  werde.“

Napoleon  Ill.  hatte  dagegen  den  beginnenden  Krieg  als  einen
Kampf  für  „die  Freiheit  und  die  zivilisatorischen  Ideen“
hingestell.  —  Wie  prophetisch  und  recht  hatte  damals  aber  König
Wilhelm  von  Preussen  gesprochen!

Der  Kronprinz  von  Preussen  gehtzur  Armee  ab.

Ein  Kabinettsbefehl  erklärt  die  Festungen  Köln  und  Deutz
in  Kriegszustand.

1874.  Brüsseler  Konferenz  über  Kriegsgebräuche.

 

26.  Juli.

&amp;amp;

1417.  Das  Konzilzu  Konstanz  entsetzt  dengreisen  Papst
Benedikt  XII.  seiner  päpstlichen  Würde,  nachdem  er
von  Spanien  aus  den  Bannfluch  auf  die  ganze  Welt  geschleudert
  hatte.

1545.  Der  zum  gewaltthätigen  Tyrannen  ausgeartete
Reformator  Calvin  lässt  den  freisinnig  denkenden  Jacob
Gruet  in  Genf  enthaupten,  „weil  er  gottlose  Briefe  und
unsittliche  Verse  geschrieben,  und  die  Kirchenordnungen
  zu  stürzen  gesucht  habe.”

1581.  Die  Staaten  Holland,  Seeland,  Geldern,  Friesland,  Zütphen,

Oberyssel  und  Grönningen,  welche  schon  früher  durch  die
Utrechter  Einigung  zu  einer  freien  Eidgenossenschaft  zu-
        <pb n="376" />
        —  366  —

sammengetreten  waren,  erklärenim  Verein  mit  Brabant,
Flandern,  Mecheln  und  Utrecht  ihre  völlige  Unabhängigkeit
  von  dem  König  von  Spanien  (Philipp  II).

1678.  Kaiser  Joseph  I].  von  1705—1711  regierend,  zu  Wien
geboren.

1760.  Uebergabe  der  Festung  Glatz  an  den  österr.  General
Laudon.

1757.  Treffen  bei  Hastenbeck  unweit  Hameln.

100  000  Franzosen,  welche  unter  Soubise  in  Hannover  eingedrungen
waren,  schlagen  die  englisch-hannöversche  Armee  und  zwingen  sie  zur
Kapitulation.

1844.  Attentat  des  ehemaligen  Bürgermeisters  Tschech
zu  Berlin  auf  den  König  Friedrich  Wilhelm  IV.

1855.  Papst  Pius  IX.  verhängt  den  „grossen  Kirchenbann‘
über  Sardinien,  mit  welchem  alle  belegt  wurden,  welche  dem
Liberalismus  gegen  die  Bestrebungen  der  römischen  Kurie
zur  Herrschaft  verhalfen.

1860.  Zusammenkunft  zwischen  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich
  und  dem  Prinzregenten  Wilhelm  von  Preussen  in
Teplitz,  dem  sodann  Ende  Oktober  eine  Entrevue  dieser  beiden
Herrscher  mit  dem  Kaiser  Alexander  Il.  von  Russland  in
Warschau  folgte  und  gegen  die  Napoleonischen  Anmassungen
gerichtet  war.

1865.  Verhaftung  des  Redacteur  May  in  Altona  auf
Anordnung  Bismarcks,.

1866.  Die  Friedenspräliminarien  von  Nikolsburg  werden
unterzeichnet.

In  denselben  erkannte  Kaiser  Franz  Josef  die  Auflösung  des
bisherigen  deutschen  Bundes  an  und  gab  seine  Zustimmung  zu
einer  Neugestaltung  Deutschlands  ohne  Beteiligung  Oesterreichs.

Eintritt  eines  vierwöchentlichen  Waffenstillstandes.

Treffen  bei  Uettingen  und  Rossbrunn,  in  welchen
die  Bayern  von  den  Preussen  geschlagen  werden.

1870.  Die  am  16.  Juli  angeordnete  Mobilisirung  der
preussischen  Armee  ist  vollendet.

Der  Kronpriuz  von  Preussen  begiebt  sich,  behufs
Uebernahme  des  Befehls  über  die  deutsche  Südarmee  nach
München.

Gefecht  bei  Niederbronn.

Der  württembergische  Major  Graf  Zeppelin  gegen  französische
Heeresteile.

1882.  Erste  Aufführung  des  „Parsifal*  von  Richard  Wagner.
        <pb n="377" />
        —  367  —

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  in  Stockholm.

1890.  Revolution  in  Argentinien.  Strassenkämpfe  in  Buenos-Ayres,
  wobei  über  1000  Getötete  und  Verwundete  gezählt  wurden.

 

2%.  Juli.

1214.  Schlacht  bei  Bouvines  in  Flandern,  in  welcher  Philipp
August  von  Frankreich  den  Gegenkaiser  Friedrichs  II.,  Otto  IV.,
trotz  aller  persönlichen  Tapferkeit  samt  seinen  Bundesgenossen
vollständig  geschlagen,  so  dass  dessen  Sache  unwiderruflich  zu
Grunde  gerichtet  war.

1298.  Albrecht  von  Oesterreich  wird,  nachdem  er  seinen
Gegenkaiser  Adolf  von  Nassau  am  2.  Juli  1298  bei  Göllheim
besiegt  hatte,  durch  die  von  ihm  bestochenen  Kurfürsten
  zu  Frankfurt  a.  M.  zum  zweiten  Male  als  deutschen
Kaiser  gewählt.

Albrecht  hatte  den  Wahlfürsten  die  fast  volle  landesherrliche  Selbständigkeit
  versprochen  und  dem  Erzbischof  Gerhard  von  Mainz  den
Bopparder  Rheinzoll,  dem  Erzbischof  von  Köln  den  Rheinzoll  zu  Kaiserswerth,
  dem  Kurfürsten  und  König  von  Böhmen  die  Befreiung  von  allen
Lehendiensten  und  vom  Besuche  der  Reichstage.

1312.  Kaiser  Heinrich  VII.  empfängt  zu  Rom  in  der  lateranischen
Kirche  die  Kaiserkrone  aus  der  Hand  des  Kardinalbischofs  von
Sabina,  nachdem  er  vorher  das  vom  König  Robert  von  Neapel
besetzte  Kapitol  erstürmt  hatte.

Die  Feierlichkeit  war  nichts  als  ein  hohler  Glanz  und  konnte  dem
Kaiser  im  Wesen  keinen  Vorteil  bringen,  wie  sich  dies  nur  allzubald  zeigte.

1532.  Der  Nürnberger  Religionsfrieden  wird  unterzeichnet,
in  welchem  den  deutschen  Protestanten  zum  ersten  Mal  eine
vertragsmässige  Anerkennung  wenigstens  auf  Zeit  gewährt  wird.

1675.  Treffen  beı  Sassbach.

Die  Franzosen,  von  den  Kaiserlichen  geschlagen,  müssen  das  rechte
Rheinufer  räumen.  Der  französische  General  Turenne  fällt.

1709.  General  von  Grumbkow  erstürmt  im  spanischen  Erbfolgekriege
  die  Aussenwerke  von  Tournay.

1743.  Schlachtbei  Dettingen  (unweit  Aschaffenburg),  in  welcher
während  des  ÖOesterreichischen  Erbfolgekrieges  die  Franzosen
unter  dem  Marschall  Noailles  von  den  Kaiserlichen  und  Engländern
  geschlagen  werden.
        <pb n="378" />
        —  3568  —

1759.  Treffen  bei  Konradswalde  im  siebenjährigen  Krieg.

Die  Preussen  unter  General  de  la  Motte-Fouqu&amp;amp;  schlagen  die
Oesterreicher.

1790.  Abschluss  ‚des  Reichenbacher  Vertrags  zwischen
Oesterreich  und  Preussen  durch  welchen  die  Bedingungen
des  künftigen  Friedens  mit  der  Pforte  geordnet  wurden,  für
Preussen  selbst  aber  kein  Vorteil  daraus  entsprang.

Ausserdem  verpflichtete  es  sich  auch  noch,  Oesterreich  bei  der
Unterwerfung  der  Belgier  zu  unterstützen.  In  Oesterreich  herrschte  seit
dem  Tode  Josephsll.  die  Reaktion,  und  da  Friedrich  Wilhelmll.
mit  derselben  sympathisierte,  so  war  die  nächste  Folge  des  Reichenbacher
Vertrags  für  Preussen,  dass  man  auch  hier  immer  mehr  in  das
reaktionäre  Fahrwasser  einlenkte.

1808.  Die  Domänenbauern  in  Ost-  und  Westpreussen
erhaiten  ihre  Höfe  als  freies  Eigentum.

1812.  Entwaffnung  einer  sächsischen  Brigade  bei  Kobryn
durch  die  Russen.

1816.  August  Lamey,  badischer  Staatsmann,  zu  Karlsruhe
geboren.

1830.  Beginn  der  Julirevolution  in  Paris.

1866.  Grossherzog  Friedrich  Franz  von  Mecklenburg-Schwerin  besetzt
Kulmbach,  trotzdem  bereits  Bayern  in  Nikolsburg  mit  Preussen
ın  Friedensunterhandlungen  gewesen  war.

An  demselben  Tage  beschiessen  die  Preussen  auch  die
Citadelle  von  Würzburg.  Abends  werden  die  eingeleiteten
Friedensverhandlungen  bekannt  und  die  Feindseligkeiten  eingestellt.


1870.  Hermann  Hersch,  dramatischer  Dichter,  stirbt.

Allgemeiner  Bettag  in  Preussen  wegen  des  Krieges
mit  Frankreich.

1872.  Siebenter  deutscher  Journalistentag  in  München.

1878.  Die  Oesterreicher  beginnen  Bosnien  und  die  Herzegowina
  zu  besetzen.
        <pb n="379" />
        —  369  —

28.  Juli.

1057.  Papst  Viktor  Il.,  der  treue  Freund  Heinrichs  III.,  welchem
der  Kaiser  neun  Monate  vorher  sterbend  seine  Witwe  und  den
erst  sechs  Jahre  zählenden  Sohn  in  besonderen  Schutz  empfohlen
hatte,  stirbt.

1410.  Die  Polen  erstürmen  Marienburg.

1634.  Eroberung  von  Regensburg  durch  die  Kaiserlichen  unter
Ferdinand  III.

1741.  Während  des  ersten  schlesischen  Krieges  erobern  die  Preussen
Ramslau  in  Schlesien.

1742.  Friedrich  Il.,  König  von  Preussen,  schliesst  nach  dem
glänzenden  Sieg  bei  Czaslau  in  Mähren,  durch  Vermittlung  von
England,  mit  Maria  Theresia  den  Frieden  von  Breslau.

Im  Breslauer  Frieden,  mit  welchem  Friedrich  Il.  den  ersten  schlesischen
  Krieg  endete,  trat  Oesterreich  nicht  allein  die  Grafschaft  Glatz,
sondern  auch  Ober-  und  Niederschlesien  ganz  an  Preussen  ab,  —  im
Ganzen  650  Quadratmeilen  mit  1200000  Einwohnern,  welche  in  150
grösseren  und  kleineren  Städten  und  in  circa  5000  Dörfern  wohnten.

1750.  Johann  Sebastian  Bach  stirbt  zu  Leipzig.

Er  ist  der  Vater  der  deutsch-protestantischen  Kirchenmusik  und  hat
sich  überhaupt  grosse  Verdienste  um  die  deutsche  Musik  erworben.

1759.  Treffen  bei  Friedland  im  siebenjährigen  Krieg.

Die  Preussen  unter  General  v.  d.  Goltz  schlagen  die  Franzosen’

1793.  Valenciennes  kapituliert  nach  siebenwöchentlicher  Belagerung
  durch  die  Preussen.

1800.  In  Paris  werden  die  Präliminarien  des  Friedens
zwischen  Oesterreich  und  Frankreich  auf  den  Grund
des  Friedensschlusses  von  Campo  Formio  abgeschlossen.

1804.  Ludwig  Andreas  Feuerbach,  berühmter  deutscher  Philosoph
  der  radikalen  Richtung,  zu  Landshut  geboren.

1830.  Beginn  der  Julirevolution  in  Paris.
1832.  In  Baden  wird  die  Pressfreiheit  aufgehoben.

1842.  Clemens  Brentano,  Dichter  der  romantischen  Schule,

stirbt  zu  Aschaffenburg.
Er  gab  die  wertvolle  Volksliedersammlung  „des  Knaben  Wunderhorn“
  gemeinsam  mit  Achim  von  Arnim  heraus.
1847.  Otto  von  Bismarck-Schönhausen,  nachmaliger  Fürst
und  Reichskanzler,  vermählt  sich  mit  Johanna  von  Puttkamer,
der  Tochter  des  Herrn  von  Puttkamer-Rheinfelden  in  Pommern.

24
        <pb n="380" />
        —  370  —

1866.  Der  Grossherzog  Friedrich  Franz  von  Mecklenburg-Schwerin
besetzt  Bayreuth.
Abzug  des  Sachsen-Meiningenschen  Kontingents  aus  der

Festung  Mainz.

Der  bayerische  Ministerpräsident  von  der  Pfordten  schliesst
zu  Nikolsburg  mit  dem  Grafen  Bismarck  eine  Konvention
ab,  wonach  vom  2.  August  an  zwischen  Bayern  und  Preussen
ein  dreiwöchentlicher  Waffenstillstand  eintritt.

1870.  Ankunft  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  von  .  reussen
in  Stuttgart,  mit  patriotischer  Begeisterung  empfangen.

Napoleon  Ill.  reist  mit  seinem  Sohne  nach  Metz,  und
übernimmt  das  Kommando.  —  Ansprache  an  die  Armee.

1875.  Jean  Baptiste  von  Schweitzer,  Sozialdemokrat  und
Dichter,  stirbt  in  Giessbach  am  Brienzer  See.

1879  Herzog  Wilhelm  von  Mecklenburg-Schwerin  stirbt
zu  Heidelberg.

1883.  Furchtbares  Erdbeben  auf  der  am  nordwestlichen  Eingange

  des  Golfes  von  Neapel  liegenden  Insel  Ischia.

Innerhalb  15  Sekunden  wurde  die  ganze  Stadt  Casamicciola,  das
benachbarte  Lacco-Amneno  mit  Ausnahme  weniger  Häuser  am  Strande
und  der  obere  Teil  der  Ortschaft  Forio  d’Ischia  von  Grund  aus  zerstört
und  5000  Menschen  unter  den  Trümmern  der  einstürzenden  Gebäude
begraben.

 

 

29.  Juli.

1546.  Kaiser  Karl  V.  spricht  über  den  Kurfürsten  von  Sachsen
und  den  Landgrafen  von  Hessen  „wegen  Hochverrats  an  Kaiser

und  Reich“  die  Reichsacht  aus.

Diese  beiden  Häupter  des  schmalkaldischen  Bundes  erklärten  hierauf
  das  Verfahren  des  Kaisers  gegen  sie  für  einen  „Missbrauch
kaiserlicher  Gewalt:  auf  Anstiften  des  Antichrists  in
Rom,  zur  Ausrottung  ihrer  wahren  christlichen  Religion
sei  das  so  vorgenommen.“

1638.  Treffen  bei  Friesenheim.

Bernhard  von  Weimar  schlägt  die  kaiserlichen  Generäle  Götz
und  Savellı.

1686.  Augsburger  Bund.

Derselbe  wird  auf  regung,  Wilhelms  Ill.  von  Oranien  zwischen
dem  deutschen  Kaiser,  Holland,  Brandenburg,  Spanien  und  Schweden
gegen  Frankreich  gestiftet.

1796.  Dem  Beispiele  der  Fürsten  von  Württemberg  und  Baden
folgend,  schliesst  de:  ganze  schwäbische  Kreis  mit  Frankreich
Waffenstillstand  und  verpflichtet  sich  zu  unbedingter  Neutralität.
        <pb n="381" />
        —  371  —

1806.  Einverleibung  von  Wesel  ins  französische  Reich.
1807.  Der  Dichter  Gustav  Pfizer  zu  Stuttgart  geboren.

1809.  Der  kühne  Tyroler-Führer  Speckbacher  zerstört  unter  dem
Donner  der  französischen  Geschütze  die  Brücke  von  Brixlegg,
worauf  er  seine  „Compagnien“,  an  dem  glücklichen  Ausgang
  des  Tyroler  Aufstandes  verzweifelnd,  in  die
Heimat  entlässt.

1849.  Die  Festung  Rastatt  ergiebt  sich  auf  Gnade  und  Ungnade.

1852.  Bundesbeschluss  zur  Wahrung  der  Rechte  Deutschlands
  auf  Schleswig-Holstein.

1856.  Der  Komponist  Robert  Schumann  stirbt,  von  Irrsinn  befallen,
in  der  Irrenheilanstalt  zu  Endenich  bei  Bonn.
Er  war  einer  der  genialsten  Tondichter  unseres  Jahrhunderts.

1861.  Dänemarks  Erklärung  betr.  die  Gerechtsame  der
holsteinischen  Stände.

1866.  Bei  Seubottenreut  wird  ein  bayerischer  Truppenteil  durch
Truppen  der  Main-Armee  unter  Grossherzog  Friedrich  Franz
von  Mecklenburg-Schwerin  zersprengt.

In  der  Nacht  vorher  marschierten  die  badischen  Truppen
ab  und  heim  und  die  in  Bayern  stehenden  Oesterreicher
zogen  sich  nach  Böhmen  zurück.

1868.  Aufhebung  der  Bürgermiliz  in  Hamburg.

1870.  Graf  Bismarck  veröffentlicht  verschiedene  französische  Vertragsanerbietungen
  von  1866  und  1867,  wodurch  vor  der  Welt
die  Eroberungspläne  der  Napoleonischen  Regierung
aufgedeckt  werden.

Befehl  zur  Beseitigung  aller  Leuchtfeuer  und  See-‘zeichen
  an  der  deutschen  Seeküste.

Vorpostengefecht  bei  Saarbrücken.

1878.  Oesterreich-Ungarn  besetzt  Bosnien  und  die  HerzegowIna.



Nach  dem  Beschlusse  des  Berliner  Kongresses  behielt  die  Pforte
die  Souveränität  über  die  Provinzen,  Oesterreich-Ungarn  übernahm  die
Verwaltung  derselben.
        <pb n="382" />
        —  312  —

30.  Juli.

 

101  vor  Chr.  Schlacht  auf  den  raudischen  Feldern  bei
Vercellae  (dem  heutigen  Vercellıi).

Die  Römer  unter  Marius  vernichten  die  Kimbern.
1419.  Aufstand  zu  Prag  und  damit  Anfang  des  Hussitenkriegs.

1489.  Johann  Wessel,  Vorläufer  der  Reformation,  stirbt  zu

Gröningen,  seiner  Vaterstadt.

Johann  Reuchlin  und  Rudolf  Agricola  waren  seine  Schüler.  Er
überragte  die  meisten  seiner  deutschen  Zeitgenossen  an  Scharfsinn,  Freimut
  und  Gründlichkeit  des  Wissens.

1638.  Gefecht  bei  Wittenwegen.
Bernhard  von  Weimar  schlägt  die  kaiserlichen  Generäle  Götz  und
Savelli.  ®

1760.  Friedrich  Il.  von  Preussen  hebt  die  Belagerung  von
Dresden,  wo  er  den  heftigsten  Widerstand  gefanden  hatte,  wieder
auf  und  verlässt  den  Plauischen  Grund,  um  tags  darauf  Stellung
bei  Dollwitz  zu  nehmen.

1778.  Die  Oesterreicher  belagern  Breslau.

1784.  Der  Dichter  Leopold  Schefer  zu  Muskau  in  der  Niederlausitz
  geboren.

1809.  Die  Franzosen  unter  Lefebre  besetzen  Innsbruck.

1810.  Leonhard  von  Blumenthal,  Generalfeldmarschall,  zu
Schwedt  an  der  Oder  geboren.

1838.  Münzkonvention  zwischen  den  Zollvereinsstaaten.

Eugen  Richter,  politischer  Schriftsteller  und  Parlamentarier,

  zu  Düsseldorf  geboren.
Haupt-Führer  der  Deutsch-Freisinnigen,  war  er  stets  ein  verbissener
Gegner  des  Fürsten  Bismarck.

1867.  Einzug  König  Wilhelms  in  Wiesbaden.

1870.  Die  deutsche  Infanterie  erhält  Befehl,  sich  im  Falle
eines  überlegenen  Angriffs  aus  Saarbrücken  zurückzuziehen,
während  die  Kavallerie  Fühlung  am  Feinde  behalten  soll.

Oestlich  von  Thionville  concentrieren  sich  die  Franzosen,
welche  Gersweiler  verlassen  hatten,  nachdem  sie  aus  dem
Walde  von  St.  Arnual  vertrieben  worden  waren.

In  Oesterreich  wirddasKonkordat  vom  18.  August
1855  aufgehoben.

1888.  Kriser  Wilhelm  Il.  in  Kopenhagen.
        <pb n="383" />
        —  33  —

sl.  Juli.

 

/

1472.  Stiftung  der  Universität  Ingolstadt  durch  den  ersten
Herzog  in  Ober-  und  Niederbayern,  Ludwig  den  Reichen,  der
überhaupt  sehr  viel  für  die  Pflege  der  Künste  und  Wissenschaften
  that.

1526.  August,  Kurfürst  von  Sachsen,  zu  Freiberg  geboren.

1552.  Frieden  zu  Passau,  in  welchem  Kaiser  Karl  V.,  da  ihm
die  Fortsetzung  des  Kriegs  gegen  den  Kurfürsten  Moritz  von  Sachsen
in  Folge  gänzlicher  Erschöpfung  an  Leibeskräften,  Geld  und
Truppen  unmöglich  war,  dem  Verlangen  des  Gegners  entsprechend,
volle  Religionsfreiheit,  Abstellung  der  Beschwerden  der
Stände  wegen  Verletzung  der  Reichsverfassung  und  Freigebung
des  seit  fünf  Jahren  gefangen  gehaltenen  Landgrafen  Philipp
von  Hessen,  sowie  des  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen

gewähren  musste.

Ja  es  wurde  sogar  festgesetzt,  dass  alle  und  jede  Verfolgung  der
Evangelischen,  sie  möge  gerichtlich  oder  durch  die  Waffen  geschehen,
von  jetzt  an  eingestellt,  sohin  die  ihnen  nachteiligen  Reichstags-Beschlüsse
  samtundsonders  ausser  Wirkung  gesetzt
sein  sollten,und  auch  in  Zukunft  niemalseinandererVersuch,
als  ein  gütlicher,  gemacht  werden  dürfe,  um  den  Zwiespalt
  zu  heben.

1556.  Ignaz  Loyola,  Stifter  des  Jesuitenordens,  stirbt.

1610.  Die  Holländer  nehmen  im  Jülichschen  Erbfolgekrieg
Jülich  ein.

1715.  Die  Preussen  schlagen  die  von  Karl  XII.  angeführten
Schweden  auf  Usedom  zurück  (im  nordischen  Krieg).

1759.  Die  Russen  unter  Soltykoff  besetzen  Frankfurt  a.  d.  O.
1760.  Treffen  bei  Warburg  in  Westfalen.

Der  Erbprinz  von  Braunschweig  schlägt  die  Franzosen.

An  demselben  Tage  werden  die  Franzosen  auch  bei
Marburg  besiegt,  besetzen  jedoch  nichtsdestoweniger  zu  gleicher
Zeit  Kassel.

1778.  Treffen  bei  Rumburg  im  bayerischen  Erbfolgekrieg.

Die  Preussen  besiegen  die  Oesterreicher.

1802.  Benedikt  Franz  Leo  Waldeck,  deutscher  Politiker,
Parlamentarier  und  einer  der  Führer  der  äussersten  Linken

und  der  preussischen  Fortschrittspartei,  zu  Münster  geboren.

Er  starb  am  12.  Mai  1870  zu  Berlin.  —  Bei  aller  politischen  Extravaganz
  ein  konsequenter  und  offener  Charakter,  eine  edle  Natur,  voll
redlichen  Enthusiasmus,  ein  Mann  der  Prinzipien  ohne  alle  Rücksicht

auf  deren  Durchführbarkeit.
        <pb n="384" />
        —  314  —

1812.  Ludwig  Blenker,  Freischaren-Führer  während  des
badischen  Aufstands  1848,  zu  Worms  geboren.

1831.  Botho  Graf  von  Eulenburg,  preuss.  Minister  des  Innern,
geboren.

1849.  Treffen  bei  Schässburg.

Die  Ungarn  unter  Bem  werden  von  den  Russen  unter  General
Lüders  geschlagen.

1863.  Manifest  der  geheimen  polnischen  Nationalregierung,
  worin  dieselbe  als  Endziel  des  Aufstandes  die  Wiederaufbauung
  Polens  in  den  Grenzen  von  1772  erklärt.

Westpreussen  und  Posen  hätten  sonach  vom  preussischen
  Staate  abgerissen  und  polnisch  werden  sollen.

1866.  Revue  der  I.  Armee  durch  König  Wilhelm  vor
Wien.

Die  Preussen  unter  dem  Grossherzog  von  Mecklenburg-Schwerin
  rücken  in  Nürnberg  ein.

1870.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  verlässt,  von  dem  Grafen
Bismarck  und  den  Generälen  Moltke  und  Roon  begleitet,  Berlin
und  begiebt  sich  zum  Kriegsschauplatz.

Gleichzeitig  erlässt  König  Wilhelm  I.  von  Berlin  aus
folgenden  Aufruf:

„An  mein  Volk!

„Indem  Ich  heute  zur  Armee  gehe,  um  mit  ihr  für  Deutschlands  Ehre
und  für  Erhaltung  unserer  höchsten  Güter  zu  kämpfen,  will  Ich,  im  Hinblicke
  auf  die  einmütige  Erhebung  Meines  Volkes,  eine  Amnestie
für  politische  Verbrechen  und  Vergehen  erteilen.  Ich  habe
das  Staats-Ministerium  beauftragt,  Mir  einen  Erlass  in  diesem  Sinne  zu
unterbreiten.

Mein  Volk  weiss  mit  Mir,  dass  Friedensbruch  und
Feindschaft  wahrhaftig  nicht  auf  unserer  Seite  waren.

Aber  herausgefordert,  sind  wir  entschlossen,  gleich
unsernVätern  undinfesterZuversichtauf@Gottden  Kampf
zu  bestehen  zur  Errettung  des  Vaterlandes.“

—  Armeebefehl  des  Kronprinzen  von  Preussen  bei
Uebernahme  des  Kommandos  der  3.  Armee.

1872.  Vierhundertjährige  Jubelfeier  der  Universität  München.
1886.  Franz  Liszt,  Klaviervirtuos  und  Komponist,  stirbt.
        <pb n="385" />
        —  9305  —

1.  August.

in

742.  Karlmann,  König  Ostfrankens,  eröffnet  das  erste  und  von
ihm  berufene  deutsche  National-Konzil.

1034.  Der  deutsche  Kaiser  Konrad  II.  lässt  sich  im  Dom
zu  Genf  zum  König  von  Hoch-  und  Niederourgund
krönen  und  nimmt  die  Huldigung  auch  der  romanischen  Burgunden
  entgegen.

Nunmehr  war  das  vereinigte  Hoch-  und  Niederburgund  dem
deutschen  Reiche  einverleibt,  aber  viel  deutsches  Blut  hatte  vorher  schon
dieser  Zuwachs  gekostet,  doch  war  derselbe  für  die  Verbindung  Deutschlands
  mit  Italien,  da  Burgund  damals  das  wichtigste  europäische  Durchgangsland
  war,  von  grosser  Bedeutung  für  Kaiser  und  Reich.

1167.  Friedrich  I.,  Barbarossa,  lässt  durch  Paschßlis  III.  zu  Rom
seine  Gemahlin  Beatrix  krönen.

1192.  Richard  Löwenherz  von  England  schlägt  die  Türken
auf  dem  dritten  Kreuzzuge  bei  Joppe.

1252.  Die  Stadt  Memel  wird  gegründet.

Sie  sollte  ursprünglich  Neudortmund  heissen,  gehörte  dem  Bischof
von  Kurland  und  den  Schwertrittern  von  Livland.

1291.  Männer  der  drei  Schweizer  Lande  Schwyz,  Uri
und  Unterwalden  treten  zusammen,  um  das  ihnen  aufgezwungene
  habsburgische  Joch  abzuschütteln,  und  schliessen  unter
sich  den  „ewigen  Bund“,  das  erste  Schutz-  und  Trutzbündnis,
wie  es  urkundlich  nachgewiesen  werden  kann.

1425.  Friedrich,  der  Streitbare,  Kurfürst  von  Sachsen,  wird  zu
Ofen  mit  dem  Kurfürstentum  Sachsen  belehnt.

An  demselben  Tage  Friedrich  I.,  der  Siegreiche,  1452—  76,
Pfalzgraf  bei  Rhein,  Herzog  in  Bayern,  geboren.

1492.  Wolfgang,  Fürst  zu  Anhalt,  zu  Köthen  geboren.

Er  war  einer  der  eifrigsten  Förderer  der  Reformation  und  gehörte
zu  den  Reichsfürsten,  welche  die  Augsburgische  Konfession  mit  unterzeichneten.


1518.  Eröffnung  des  Reichstags  zu  Augsburg,  zu  welchem
auch  Dr.  Martin  Luther  berufen  wurde,  um  sich  vor  dem
von  Rom  aus  dahin  gesandten  Kardinal  Kajetan  zu  verantworten.



Zwei  Tage,  ehe  Luther  in  Augsburg  ankam,  ritt'Kaiser  Max  I.
aus  der  Stadt  weg,  un  sich  mit  der  Falkenbeizezuzerstreuen,
—  in  Wahrheit  „um  einem  Gaukelspiel  aus  dem  Wege  zu  gehen“,  denn
        <pb n="386" />
        —  3516  —

Luther  war  ja  schon  bei  seiner  Vorladung  nach  Augsburg  für  einen
„Ketzer“  erklärt  worden,  ehe  er  sich  noch  verantwortet  hatte.  MaxI.
hatte  übrigens  zuvor  Sorge  getragen,  dass  Luther  nichts  zu  Leid  geschah
und  er  unbehelligt  wieder  Augsburg  verlassen  konnte.

1520.  Sigismund  II.  August,  König  von  Polen,  geboren.

Verfolgte  Religionsneuerer  aus  verschiedenen  Ländern  fanden  unter
ihm  eine  Freistätte  in  Polen.  —  Er  regierte  seit  1543  und  starb  1572.
Mit  ihm  erlosch  der  Jagellonische  Mannesstamm.

1527.  Kaiser  Maximilian  II.  zu  Wien  geboren.
Er  war  ein  Sohn  des  Kaisers  Ferdinand  |.

1628.  Aufhebung  der  Belagerung  von  Stralsund  während  des
dreissigjährigen  Kriegs.

1715.  Vertreibung  der  Schweden  von  der  Insel  Usedom  durch  die
Preussen.

1759.  Schlacht  beı  Minden.

Grosser  Sieg  des  Herzogs  Ferdinand  von  Braunschweig
gegen  die  Franzosen  unter  Contades.  Hier  erwarb  sich  insbesondere
das  englische,  hannöversche  und  hessische  Fussvolk  hohen  Ruhm;  dasselbe
durchbrach  drei  Schlachtreihen  feindlicher  Reiterei  und  entschied  innerhalb
  zwei  Stunden  den  Sieg.  —  Die  Franzosen  wären  vernichtet  worden,
erzählt  ein  Zeitgenosse,  wenn  sich  nicht  der  englische  Befehlshaber  der
Reiterei,  Lord  Sackville,  ganz  unfähig  und  feig  bewiesen  hätte.  Die
Franzosen  verloren  aber  nichtsdestoweniger  von  ihren  45  000  Mann
den  sechsten,  das  hannöversche  Heer  von  seinen  374900  Mann  nur
den  zwölften  Teil.  Die  unmittelbare  Folge  dieses  Sieges  war,  dass  die
Franzosen  wieder  über  den  Rhein  und  Main  zurückweichen  mussten.

Sieg  des  Erbprinzen  von  Braunschweig  über  die
Franzosen  bei  Gohfeld  (Westfalen).

1761.  Endliche  Vereinigung  der  Russen  und  Oesterreicher
bei  Schweidnitz,  im  6.  Feldzug  des  siebenjährigen  Krieges,
nachdem  Friedrich  II.  solche  vorher  durch  geschicktes  Manöverieren
  mehrmals  vereitelt  hatte.

Die  Russen  unter  Marschall  Burtulin  zählten  70000,  die  Oesterreicher
  unter  Laudon  hingegen  60000  Mann;  und  dieser  ungeheuren
Macht  hatte  der  Königvon  Preussen  kaum  50000  Mann  entgegenzustellen.


1792.  Herzog  von  Braunschweig  führt  die  verbündeten  Oesterreicher
  und  Preussen  über  den  Rhein.

1798.  Beginn  der  dreitägigen  grossen  Seeschlacht  bei  Abukir,
einem  Dorf  an  der  ägyptischen  Küste,  vier  Stunden  östlich  von
Alexandrien.

Der  englische  Admiral  Nelson  vernichtet  die  französische
Flotte.  Nur  zwei  Linienschiffe  und  zwei  Fregatten  entkamen  nach  Malta
und  Corfu;  neun  Linienschiffe  hatten  die  Engländer  genommen,  eins
war  in  die  Luft  geflogen  und  ein  anderes  nebst  einer  Fregatte  von  den
Franzosen  selbst  verbrannt  und  eine  Fregatte  aber  in  den  Örund  gebohrt
worden.  Frankreichs  Seemacht  im  mittelländischen  Meere  war  vernichtet
und  Bonaparte’s  Verbindung  mit  Frankreich  abgeschnitten.
        <pb n="387" />
        —  370  —

1800.  Ernst  Ortlepp,  Dichter,  zu  Droissig  bei  Zeitz  geboren.

Wenngleich  ein  reiches  Talent,  und  s.  Z.  wegen  seiner  Polenlieder

(1831)  viel  gefeiert,  starb  er  doch  aın  14.  Juni  1864  zu  Stuttgart  in  recht
dürftigen  Verhältnissen.

1806.  Napoleon  I,  Kaiser  von  Frankreich,  lässtaufdem
Reichstage  zu  Regensburg  die  Stiftung  des  Rheinbundes
  verkünden  und  erklären,  dass  das  deutsche  Reich
aufgehört  habe  zu  existieren.

So  waren  2400  Quadratmeilen  mit  8  Millionen  Einwohnern  von
Deutschland  abgerissen  und  thatsächlich  der  Fremdherrschaft  und  Knechtschaft
  überliefert  worden!

1812.  Die  preussische  Abteilung  beim  10.  (Macdonaldschen)  Corps
nımmt  Dünaburg  ein.

1819.  Gründung  eines  evangelischen  Reichs-Generalkonsıstoriums
  zu  St.  Petersburg.

1864.  Festsetzung  der  Friedenspräliminarien  in  Wien,
nach  welchen  Dänemark  die  Bedingungen  annehmen  musste,  welche
ihm  die  deutschen  Mächte  vorschrieben.  König  Christian  IX.
von  Dänemark  hatte  schon  am  12.  Juli  um  Frieden  gebeten.

1866.  Grossherzug  Friedrich  Franz  von  Mecklenburg  zieht
mit  einer  Abteilung  der  Main-Armee  in  Nürnberg  ein,
wo  er  auf  der  alten  Hohenzollernburg  die  preussischen  Fahnen
aufpflanzte.

An  demselben  Tage  schliesst  Preussen  einen  Woaffenstillstand
  mit  Württemberg  und  Hessen-Darmstadt  ab.

1870.  Napoleon  III.  verlässt  Metz,  um  sich  in  das  Lager  des
zweiten  Armeekorps,  dessen  Oberbefehlshaber  Frossard  war,
zu  begeben  und  setzt,  dort  angekommen,  das  in  Scene,  was
seither  unter  dem  bezeichnenden  Namen  „Die  Komödie  von
Daarbrücken”  bekannt  ist.

Rekognoscierungdeutscher  ReitereigegenSturzelbrünn
  bei  Bitsch.

1873.  Die  deutschen  Truppen  räumen  Nancy.
1875.  1100jähriges  Jubiläum  der  Stadt  und  Saline  Salzungen.

An  demselben  Tage  beginnt  das  fünfte  deutsche  Bundesschiessen
  zu  Stuttgart.

1878.  Kardinal-Staatssekretär  Franchi  stirbt  in  Rom.

1884.  Dr.  Heinrich  Laube,  Dichter,  Schriftsteller  und  vielgerühmter
  Bühnenleiter,  s.  Z.  Mitglied  des  ersten  deutschen
Parlaments  in  der  Paulskirche  zu  Frankfurt  a.  M.,  stirbt,  77
Jahre  alt,  zu  Wien.
        <pb n="388" />
        —  378  —

1886.  Beginn  der  achttägigen  glänzenden  Festfeier  des  500jährigen
Bestehens  der  Karl-Rupprechts-Universität  zu  Heidelberg.

An  demselben  Tage  besucht  der  Reichskanzler  Fürst  Bismarck
  den  Prinz-Regenten  in  München.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  kehrt  nach  Potsdam  zurück.

 

 

2.  August.

en

1455.  Johann  Cicero,  Kurfürst  von  Brandenburg,  zu  Onolzbach
geboren.

Er  war  der  erste  Hohenzoller,  der  seinen  Wohnsitz  bleibend
in  der  Mark  nahm.  —  Die  Gründung  der  Universität  Frankfurt
a.  d.  Oder  ist  sein  Werk,  wenngleich  sie  erst  nach  seinem  Tode  (9.  Januar
1499)  im  Jahr  1506  eingeweiht  wurde.

1545.  Stephan  Dolet,  berühmter  Humanist  und  Anhänger  der
Luther’schen  Lehre,  wird  in  Paris  verbrannt.

1702.  Dietrich,  Fürst  von  Anhalt,  geboren.

1759.  Uebergabe  von  Minden  während  des  siebenjährigen
Kriegs  an  den  Herzog  Ferdinand  von  Braunschweig.

1760.  Oberst  von  Kleist  schlägt  im  siebenjährigen  Kriege  die  Russen
bei  Polnisch-Friedland.

1778.  Sieg  der  Preussen  über  die  Oesterreicher  bei  Gabel
in  Böhmen  im  bayerischen  Erbfolgekrieg.

1796.  Erzherzog  Karl  geht  bei  Ingolstadt  über  die  Donau,
um  durch  diese  kühne  und  rasche  Bewegung  die  Vereinigung
der  beiden  französischen  Armeen  unter  den  Generälen  Bernadotte
und  Moreau  zu  vereiteln,  wodurch  ihm  der  glänzende  Sieg  beı
Neumarkt  am  22.  und  23.  August  möglich  wurde.

Am  heutigen  Tage  schlägt  der  österreichische  General
Liplay  Abteilungen  der  französischen  Armee  unter  Massena
am  Mincio  in  Italien.

1799.  Jacques  Etienne  Montgolfier,  Mit-Erfinder  des  Luftballons,
  stirbt  zu  Servieres.

1814.  Die  preussische  Haupt-  und  Bibelgesellschaft  in
Berlin  gegründet,
        <pb n="389" />
        —  9379  0  —

1815.  Die  vier  europäischen  Grossmächte  kommen  überein,
dass  Napoleon  I.  als  Kriegsgefangener  Europas  behandelt  und
die  Bewachung  der  englischen  Itegierung  anvertraut  werden  solle.

Diese  wies  ihm  zu  seinem  künftigen  Aufenthaltsorte  St.  Helena
an,  einen  kahlen,  unwirtlichen  Felsen  auf  der  Westküste  Afrikas.  —
Napoleon  hatte  dagegen  Protest  erhoben,  doch  blieb  derselbe  unbeantwortet.


Adolf  Friedrich  Graf  von  Schack,  Dichter  und
Litterarhistoriker,  zu  Brüsewitz  bei  Schwerin  geboren.

Bernhard  Ernst  von  Bülow,  Staatsmann,  zu  Cismar
in  Holstein  geboren.
Er  starb  am  20.  Oktober  1879  zu  Frankfurt  a.  M.

1866.  Dem  8.  Armeekorps  wird  der  tags  vorher  abgeschlossene
Nikolsburger  Waffenstillstand  als  für  dasselbe  wirksam  mitgeteilt
  und  die  Feindseligkeiten  werden  auch  am  Main  eingestellt.

Jeder  Teil  hielt  sich  innerhalb  der  Trennungslinie,  welche  die
Stillstandsverträge  festgesetzt  hatten.  Es  wurde  damals  behauptet,  die
Absichten  Preussens  auf  die  Einschliessung  des  8.  Armeekorps  und  wohl
auch  des  bayerischen,  sowie  die  Pläne  desselben  auf  Besetzung  Münchens
und  Stuttgarts  hätte  ein  ernstes  Telegramm  Napoleons  III.  durchkreuzt,
—  was  Wahres  daran,  ist  bis  heute  noch  nicht  aufgeklärt.

1870.  König  Wilhelm  von  Preussen  erlässt  in  Mainz  folgenden

Aufruf:
„An  die  Armee!

Ganz  Deutschland  steht  einmütig  in  den  Waffen  gegen  einen  Nachbarstaat,
  der  uns  überraschend  und  ohne  Grund  den  Krieg  erklärt  hat.
Es  gilt  die  Verteidigung  des  bedrohten  Vaterlandes,  unserer  Ehre,  des
eigenen  Herdes.  Ich  übernehme  heute  das  Kommando  über  die  gesamte
Armee  und  ziehe  getrost  in  einen  Kampf,  den  unsere  Väter  einst  ruhmvoll
  bestanden.  Mit  mir  blickt  das  ganze  Vaterland  vertrauensvoll  auf
Euch.  Gott  der  Herr  wird  mit  unserer  gerechten  Sache  sein.“

An  demselben  Tage  war  Frossards  ganzes  Armeekorps
am  frühen  Morgen  auf  den  Spicherer  Höhen  aufinarschıert.
Vier  Rohrbatterien  und  eine  Mitrailleusenbatterie  beschossen
unaufhörlich  unter  den  Augen  des  Kaisers  Napoleon  Ill.  die
drübenstehenden  deutschen  Truppen,  kaum  1000  Mann  stark,
welche  französische  Blätter  damals  auf  100000  Mann  angaben.

Gegen  11  Uhr  vormittags  stiegen  mehrere  Bataillone  von  der  Höhe
herab  und  gaben  Salven  und  Schnellfeuer,  jedoch,  wie  zuvor,  ohne  allen
Erfolg.  Die  deutschen  Kompagnien  zogen  sich  unterdessen  in  voller
Ordnung  aus  Saarbrücken  auf  das  rechte  Saarufer  zurück,  und  um
1  Uhr  nachmittags  trat  das  gesamte  deutsche  Detachement  den  Abmarsch
an.  Der  deutsche  Verlust  war  an  Toten,  Verwundeten  und  Vermissten:
  2  Offiziere  und  73  Mann;  ‚während  die  Franzosen  45  Tote
und  80  Verwundete  zu  ‚verzeichnen  hatten.  Nichtsdestoweniger  telegraphierte
  Kaiser  Napoleon  III.  am  Abend  nach  Paris:  „Grosser  Sieg
der  französischen  Waffen  in  der  Schlacht  (!)  bei  Saarbrücken.
  Die  Division  Frossard  hat  drei  preussische  Divisionen
        <pb n="390" />
        —  380  —

über  den  Haufen  geworfen  und  niederkartätscht.  Der  Kaiser  wohnte
den  Operationen  bei,  und  der  kaiserliche  Prinz  hat  auf  dem
ersten  Schlachtfelde  seine  Feuertaufe  erhalten.“

General  Frossard  fragte  den  deutschen  Bürgermeister  Schmidborn
  zu  Saarbrücken,  wie  viele  Preussen  ihm  im  Gefecht  gegenüber
gestanden,  worauf  dieser  der  Walırheit  gemäss  antwortete:  „Nur  drei
Kompagnien!“  —  „Nun“,  rief  Frossard  erstaunt,  „dann  sind  es
brave  Soldaten  gewesen  nach  den  Verlusten,  die  sie  uns
beigebracht  haben“

Oestlich  von  Saargemünd,  bei  Reinheim  gingen  die
Franzosen  an  demselben  Tage  mit  einer  starken  Kolonne  über
die  Grenze,  eröffneten  auf  die  kleinsten  diesseitigen  Patrouillen
heftiges  Tirailleurfeuer  ganzer  Kompagnien,  wobei  jedoch  nur
ein  Pferd  gestreift  wurde  und  zogen  sich  vor  Anbruch  der  Nacht
wieder  zurück.

1873.  Belfort  wird  von  den  deutschen  Truppen  geräumt.

1880.  Professor  v.  Buhl,  Entdecker  des  Pilzes  bei  der  Diphteritis,
in  München  gestorben.

1885.  Ludwig  Werder,  Erfinder  des  nach  ihm  benannten  Gewehres,
  in  Nürnberg  gestorben.

1888.  Professor  Gerhardt,  einer  der  Aerzte  Kaiser  Friedrichs,
wird  gegen  Virchow  zum  Rektor  der  Berliner  Universität
erwählt.

1889.  Kaiser  Wilhelm  II.  macht  der  Königin  Viktoria  von
England  einen  Besuch  in  Osborne  (auf  der  Insel  Wight).
        <pb n="391" />
        —  331  —

3.  August.

nn,

1492.  Christoph  Columbus  unternimmt  mit  3  kleinen  Schiffen
und  120  Mann  Besatzung  seine  Fahrt  zur  Entdeckung  der  neuen
Welt,  vom  Hafen  Palos  aus.

1513.  Johann,  Markgraf  von  Neumark,  geboren.

Er  war  ein  Sohn  des  Kurfürsten  Joachim  I.  von  Brandenburg.
Für  das  Wohl  seines  Landes  besorgt,  suchte  er  dasselbe  nach  jeder
Richtung  bin  zu  heben.  —  Er  starb  am  13.  Januar  1571.

1530.  Kaiser  Karl  V.  lässt  in  der  Reichsversammlung  zu  Augsburg
die  in  seinem  Auftrage  von  katholischen  Theologen  ausgearbeitete
  Widerlegung  des  protestantischen  Glaubensbekenntnisses,
—  die  Confutation  genannt  —  vorlesen,  worauf  er  sogleich
den  Evangelischen  befahl,  in  den  Schoss  der  katholischen  Kirche
zurückzukehren  und  den  Widerspenstigen  Massregeln  der  Strenge
androhte.

Als  sich  hierauf  der  Landgraf  von  Hessen  eigenmächtig  vom
Reichstag  entfernte,  liess  der  Kaiser  die  Thore  der  Stadt  so  lange
schliessen,  bis  die  übrigen  evangelischen  Stände  erklärten,  ohne  Erlaubnis
  des  Reichsoberhauptes  Augsburg  nicht  verlassen  zu  wollen.

1556.  Kaiser  Karl  V.  verzichtet,  nachdem  er  bereits  schon  im
Januar  desselben  Jahres  die  Krone  von  Spanien  niedergelegt
hatte,  nunmehr  auch  zu  Gunsten  des  Königs  Ferdinand,  auf
die  deutsche  Kaiserwürde.

Bald  darauf  begab  sich  Karl  nach  Spanien  in  das  Kloster  des
heiligen  Justus,  unweit  Plascenzia,  woselbst  er  sich  nur  noch  mit  mechanischen
  Arbeiten  und  mit  Gebet  beschäftigte.

1645.  Schlacht  bei  Allersheim  im  Ries,  in  welcher  die  vereinigten
  französischen  Heere  unter  Türenne  und  Oonde  die

Bayern  schlagen.

Die  Schlacht  hätte  für  diese  einen  glücklichen  Ausgang  genommen,
wenn  nicht  die  Hessen,  welche  den  Franzosen  beistanden,  in  der  letzten
Stunde  den  bereits  weichenden  Reihen  des  Conde&amp;amp;  zur  Hilfe  gekommen
wären  und  dem  Siegeslauf  der  Bayern  ein  Ziel  gesetzt  hätten.  Dazu
kam  noch,  dass  der  Oberbefehlsbaber  des  bayerischen  Heeres,  General
Mercy,  verwundet  wurde  und  dadurch  einige  Störung  in  der  Leitung
der  Schlacht  eintrat,  die  man  französischerseits  mit  Erfolg  zu  benutzen
verstand  und  auf  diese  Weise  noch  siegte.

1686.  Sturm  auf  Ofen.

Prinz  Eugen  von  Savoyen  verwundet.

1734.  Danzig  huldigt  König  August  11.  von  Polen.
        <pb n="392" />
        —  9382  —

1760.  Prinz  Heinrich  von  Preussen  entsetzt  Breslau  im  7jährigen
Krieg.

1770.  Friedrich  Wilhelm  Ill.  von  Preussen,  der  Vater  Kaiser
Wilhelms  I.,  geboren.

Seine  Biedersinn  und  seine  strenge  Rechtlichkeit  sind  ebenso  bekannt,
  wie  die  herben  Schicksale,  welche  er  und  sein  geknechtetes  Land
während  der  französischen  Gewaltherrschaft  zu  erdulden  hatten.  Nach
dem  Tode  seiner  Gemahlin  Luise  vermählte  er  sich  morganatisch  mit  der
Gräfin  Auguste  von  Harrach.

1796.  General  Bonaparte  greift,  nachdem  er  die  Belagerung  von
Mantua  aufgegeben  hatte,  bei  Lonato  die  Oesterreicher  unter
General  Quosdanowich  an  und  schlägt  dieselben  vollständig.

1802.  Prinz  Heinrich  von  Preussen,  der  hervorragende  Bruder
Friedrichs  des  Grossen,  stirbt  zu  Rheinsberg,  wohin  er  sich  im
schmerzlichen  Gefühl  erlittener  Undankbarkeit  von  Seiten  seines
nunmehr  regierenden  Neffen  zurückgezogen  hatte,  um  sich  nur
noch  den  Künsten  nnd  Wissenschaften  zu  widmen.

Prinz  Heinrich  hat  sich  in  vielen  Schlachten  glänzend  ausgezeichnet
und  durch  seine  reichen  Erfahrungen  und  sein  gründliches  Wissen  dem
aufstrebenden  preussischen  Staate  unvergessliche  Dienste  geleistet.

1808.  Abschaffung  der  Prügelstrafe  in  der  preussischen
Armee.

1817.  Albrecht,  Erzherzog  von  Oesterreich,  geboren.

Grosse  Verdienste  erwarb  er  sich  um  die  Reorganisation  der  österreichischen
  Streitkräfte,  auch  schrieb  er  verschiedene  Werke.

1823.  Einführung  der  Provinzialstände  durch  Friedrich
Wilhelm  Ill.  in  Preussen.

1834.  Franz  August  Freiherr  Schenk  von  Stauffenberg,
Politiker  und  hervorragender  Parlamentarier  und  Mitglied  der
Fortschrittspartei,  zu  Würzburg  geboren.

1838.  Erstes  deutsches  Sängerfest  in  Frankfurt  a.  Main.

1846.  Die  holsteinischen  Provinzialstände  protestieren  beim
deutschen  Bund  gegen  den  „Offenen  Brief“  Christians  VID.
(8.  Juli  1846),  welcher  die  Gültigkeit  der  kognatischen  Erbfolge
des  dänischen  Königsgesetzes  für  ganz  Schleswig  und  einen  Teil
Holsteins  verkündigt  hatte.

1849.  Niederlage  der  Ungarn  bei  Uj-Szegedin.
1853.  Georg,  Herzog  von  Sachsen-Altenburg,  stirbt.

‚Er  war  ein  weiser  Regent,  Begründer  wohlthätiger  und  gemeinnütziger
  Anstalten.

1866.  Waffenstillstand  zwischen  Preussen  und  Baden.

Aufruf  des  Kronprinzen  von  Preussen  zur  Bildung
einer  National-Invalidenstiftung.  (Viktoriastiftung.)
        <pb n="393" />
        —  383  0  —

1870.  Aufbruch  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  v.  Preussen
von  Speyer  und  Landau.

1872.  Der  geniale  Schauspieler  Karl  August  Devrient,  Neffe
von  Ludwig  Devrient,  stirbt  zu  Lauterberg  am  Harz.

1877.  General-Feldmarschall  von  Steinmetz  stirbt.

Er  hatte  sich  in  Böhmen  1866  den  Ehrentitel  „der  Löwe  von  Nachod
und  von  Skalitz“  erworben  und  führte  zu  Anfang  des  französischen  Feldzugs
  1870  die  1.  Armee.  Nach  vor  Metz  erfolgter  Neubildung  der  sogenannten
  „Maas-Armee“,  welche  dem  Kronprinzen  von  Sachsen  unterstellt
  worden  war,  ging  das  Oberkommando  der  1.  Armee  ein,  und  Steinmetz
  wurde  Generalgouverneur  von  Posen.

1878.  Unterzeichnung  der  Berliner  Kongressakte  und

Schluss  der  Konferenz.

1888.  Deutschland  annektiert  die  Pleasant-Insel  im  Grossen
Ozean.

In  Schlesien  richten  Hochfluten  enormen  Schaden  an.

 

4.  August.

1306.  Wenzel  IIIl.,  König  von  Böhmen,  Ungarn  und  Polen,  stirbt
auf  seinem  Heereszug  gegen  Polen  durch  Meuchelmord  zu  Olmütz.

1328.  Kaiser  Ludwig  IV.,  der  Bayer,  verlässt  Rom,  durch  die
Unzufriedenheit  der  durch  König  Robert  von  Apulien  bedrängten
  Römer  dazu  gezwungen.

1667.  Karl  Hildebrand  Freiherr  von  Canstein,  Gründer
der  Canstein’schen  Bibelanstalt  (1710)  zu  Halle  a.  d.  Saale,
in  Lindenberg  bei  Storkow  geboren.

Er  starb  am  19.  August  1719.

1730.  Kronprinz  Friedrich  von  Preussen  (nachmals  Friedrich  der
Grosse)  unternimmt  einen  Fluchtversuch.

1758.  Treffen  bei  Nachod.

Die  Preussen  unter  Moritz  von  Dessau  siegen  über  die  Oesterreicher.


1789.  Die  französische  Nationalversammlung  beschliesst
die  Aufhebung  aller  Feudalverhältnisse,  wodurch  sich
die  deutschen  Fürsten  und  Stände,  welche  im  Elsass,  in  der
Franche-Comte,  in  Lothringen  und  Hennegau  Besitzungen  hatten,
in  ihren  standesherrlichen  Rechten  verletzt  sahen  und  dieserhalb
eine  Beschwerde  an  Kaiser  und  Reich  brachten.
        <pb n="394" />
        —  334  —

1791.  Friede  zu  Sistowo  an  der  Donau  zwischen  Oesterreich

und  der  Türkei.
Kaiser  Leopold  II.  giebt  Belgrad  und  die  übrigen  Eroberungen  der
österreichischen  Waffen  an  die  Türken  zurück.  |
1796.  Die  Franzosen  unter  Jourdan  besetzen  Würzburg,  Schweinfurt
  und  Bamberg.

1809.  Blutiger  Kampf  bei  Mauls,  in  welchem  Speckbacher
mit  kaum  70  Tyrolern  dem  Vordringen  des  französischen  Generals

Rouyer  Einhalt  gebot.

Dieser  hatte  trotz  des  Waffenstillstandes  und  eines  energischen
Protestes  von  Andreas  Hofer  sein  Vorrücken  in  Tyrol  fortgesetzt
und  musste  dies,  wie  das  Hauptkorps  der  feindlichen  Division  an  anderer
Stelle,  bei  Mauls  und  an  der  Brücke  bei  Oberau,  der  „Ladritscherbrücke“
  schwer  büssen.  Durch  Steinwürfe  und  Kugelregen  vernichteten
die  Tyroler  Schützen  alles,  was  sich  der  Brücke  nähern  wollte.  Besonders
hatten  die  Sachsen  hier  schwer  zu  leiden.

1813.  Alexander  Grafvon  Mensdorf-Pouilly,  Fürst  Dietrichstein,
  zu  Nikolsburg  geboren.
Er  war  österreichischer  Staatsmann  und  General,  machte  mehrere
Feldzüge  mit  und  wurde  zuletzt  Statthalter  von  Böhmen.
1855.  Octroyierung  einer  reaktionären  Verfassung  durch
König  Georg  V.  von  Hannover.

1863.  Im  Verfolg  der  Verhandlungen  wegen  des  Frankfurter
Fürstenkongresses  richtet  Graf  Bismarck  an  den  preussischen
  Bundestagsgesandten  die  Erklärung,  dass  „die  österreichischen
Refurmpläne  weder  der  berechtigten  Stellung  der  preussischen
Monarchie,  noch  den  berechtigten  Interessen  des
deutschen  Volks  entsprechen“.

König  Wilhelm  von  Preussen  folgte  damals  bekanntlich  der
Einladung  zum  Frankfurter  Fürstentage  nicht,  trotzdem  er  sowohl  vom
Kaiser  von  Oesterreich,  als  auch  durch  den  König  von  Sachsen  persönlich
hiezu  eingeladen  worden  war.

1866.  König  Wilhelm  I.  zieht  nach  Beendigung  des  deutschen
Krieges  in  Berlin  ein.

Mitteilung  des  Entwurfs  zum  norddeutschen  Bundesvertrage
  an  die  beteiligten  deutschen  Regierungen.

1870.  Schlacht  bei  Weissenburg.

Die  Armee  des  Kronprinzen  von  Preussen  war  teils  am  Abend  des
3.  August,  teils  in  der  Frühe  des  4.  gegen  die  Lauter  und  auf  Weissenburg
  vorgedrungen,  während  der  französische  General  Abel  Douay,
unter  dem  Öberbefehl  des  Marschall  Mac  Mahon,  herbeigeeilt  war,
den  deutschen  Angriff  zurückzuschlagen.  Douay  hatte  zwei  Regimenter
in  die  Stadt  geworfen  und  die  Masse  seiner  Leute  auf  dem  Gaisberg,
einer  die  Stadt  beherrschenden  Höhe,  aufgestellt,  —  somit  eine  sehr
feste  Stellung  in  den  Weissenburger  Linien,  eine  befestigte  Stadt,  wenn
auch  keine  Festung  mehr,  für  sich,  dazu  ein  Terrain,  dessen  Hindernisse
schwierig  zu  überwinden  waren.  —  Nichtsdestoweniger  nahmen  die
Bayern  und  Preussen,  wenn  auch  erst  nach  hartnäckigem  Kampf,
        <pb n="395" />
        —  385  —

alsbald  schon  Weissenburg,  während  sich  der  Kampf  um  den  Gaisberg
drei  volle  Stunden  hinzog.  General  Douay  fiel  hierbei,  von  mehreren
Kugeln  getroffen.  —  Die  Franzosen  zogen  sich  zurück,  die  Deutseh  en,
Nord-  und  Süddeutschen,  zum  ersten  Mal  im  nationalen
Kampf  vereinigt,  behaupteten  das  Schlachtfeld.  800  unverwundete
  Gefangene,  darunter  18  Offiziere,  eine  Kanone  und  das  Zeltlager
  der  Franzosen  fielen  in  die  Hände  der  Sieger.

 

d.  August.

304.  Afra,  Heilige,  stirbt  den  Märtyrertod  unter  Diocletian.

Sie  war  in  Augsburg  geboren.  —  Nach  ihr  hat  die  Fürstenschule
St.  Afra  in  Meissen  ihren  Namen.

882.  Ludwig  IIL,  König  der  Westfranken,  stirbt  in  noch  jugendlichem
  Alter.

1246.  Der  Sohn  Friedrichs  IL,  König  Konrad  IV.,  wird  durch
Verrat  des  Grafen  Ulrich  von  Württemberg  und  Hartmann  von
Gröningen  in  der  Schlacht  bei  Frankfurt  a.M.  durch  den
vom  Papst  zum  deutschen  Reichsoberhaupt  ernannten  Heinrich
Raspe,  den  sogenannten  „Pfaffenkönig“,  geschlagen  und  muss
sich  zurückziehen.

1460.  Die  Polen  erobern  Marienburg.
1529.  Friede  zu  Cambray,  einer  stark  befestigten  Stadt  an  der
Schelde  in  Holland.

Franzl.  von  Frankreich  sieht  sich  gezwungen,  mit  Kaiser  KarlV.
Frieden  zu  schliessen.  Franz  behielt  zwar  Burgund,  musste  aber  der
Lehenshoheit  über  Flandern  und  Artois  entsagen;  ausserdem  musste  er
2  Mill.  Thaler  Lösegeld  für  seine  gefangenen  Söhne  bezahlen  und  Mailand
dem  Hause  Sforza  überlassen.

1716.  BedeutungsvolleEntscheidungsschlachtbeiPeterwardein,
  in  welcher  Prinz  Eugen  von  Savoyen  mit  nur  64  000
Mann  über  die  150000  Türken  starke  Armee  des  Grossveziers
Alı  einen  glänzenden  Sieg  errang.

In  fünf  Stunden  war  Eugen  Meister  des  Schlachtfeldes  auf  allen
Seiten;  er  hatte  die  Türken  zuletzt  zwischen  drei  und  vier  Feuer  gebracht.
Die  türkische  Kriegskasse  mit  fünf  Millionen  Gulden,  175  Geschütze  und

ungeheure  andere  Beute  waren  der  Lohn  des  Sieges.

1731.  Die  evangelisch  gesinnten  Bauern  des  Salzburger  Gebirgs
treten  zum  Schutze  ihres  Glaubens  in  einen  grossen  Bund  zusammen,
  den  sie  den  „Salzbund  Gottes“  nannten.

1758.  Sieg  bei  Rees  in  der  Rheinprovinz  über  die  Franzosen.

1760.  Besetzung  Breslaus  durch  die  Preussen.
25
        <pb n="396" />
        —  386  —

1772.  Erste  Teilung  Polens,  bei  welcher  Oesterreich  1500
(Galizien),  Preussen  645  (das  untere  Weichselland)  und  Russland

2000  Quadratmeilen  (Litauen)  erhielt.

Der  Vergrösserungssucht  dieser  Staaten  fiel  ein  Drittel  von  Polen
zum  Opfer.  Friedrich  II.  und  insbesondere  aber  die  edeldenkende  Mutter
Josephs,  Maria  Theresia,  zeigten  anfänglich  das  grösste  Widerstreben

egen  dieses  gewaltthätige  Vorhaben,  welchem  sie  aber  später  „aus
St  aatsklugheit“  bereitwilligst  beipflichteten.
1787.  Karl  Joseph  Anton  Mittermaier,  Kriminalist,  Professor

in  Heidelberg,  zu  München  geboren.

1796.  König  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  schliesst,
während  Bonaparte  von  Italien  aus  nach  den  deutschen  Grenzen
vorzudringen  strebt  und  die  Generäle  Moreau  und  Jourdan  vom
Rheine  aus  Deutschland  überschwemmen,  mit  der  französisischen
  Republik  einen  geheimen  Vertrag  ab,  worin
er  derselben  den  künftigen  Besitz  des  ganzen  linken  Rheinufers
gegen  eine  ansehnliche  Vergrösserung  Preussens  im

Innern  Deutschlands  zugesteht.
Ein  Jahr  später  musste  sich  auch  Oesterreich  zu  einem  ganz  gleichen
Vertrag  herbeilassen.

An  demselben  Tage  schlägt  Bonaparte  bei  Castiglione
in  Italien  die  Oesterreicher  unter  Wurmser,  der  vergeblich
gestrebt  hatte,  seine  Heeresabteilung  mit  der  Quosdanowichs  zu
vereinigen.

1809.  Blutige  Kämpfe  der  Tyroler  auf  der  Strasse  nach  Brixen
und  am  Stilfser  Joch.

1849.  Treffen  bei  Szöreg.

Die  Oesterreicher  unter  Haynau  schlagen  die  Ungarn  unter
dem  Polen  Dembinski  in  die  Flucht.

1866.  Der  französische  Gesandte  am  preussischen  Hofe,  Benedetti,
fordert  von  Preussen  im  Namen  seiner  Regierung  als  Compensation
  zum  Lohn  für  Frankreichs  Neutralität  während  des
Krieges  mit  aller  Entschiedenheit  —  das  linke  Rheinufer
mit  derFestung  Mainz!  —  „Reisen  Sie  sogleich  nach
Parisund  melden  Sie  dort,  dassei  derKrieg!“  erwiderte
Graf  Bismarck  hierauf.

Der  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz  tötlich  verwundete
Prinz  Anton  von  Hohenzollern-Sigmaringen  stirbt,  nicht
ganz  25  Jahre  alt.

1870.  Eröffnung  des  Bundes-Öberhandelsgerichts  in  Leipzig.

Der  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen

setzt  den  Vormarsch  über  Weissenburg  hinaus  fort,  ohne  auf
ernstlichen  Widerstand  zu  stossen.  |

Bei  Saarbrücken  „findetder  Feind  ein  barbarisches

Vergnügen  daran,  die  unbesetzte  Stadt  immer  von
Neuem  mit  Granaten  zu  überschütten.“  —  Vorihrem
        <pb n="397" />
        —  38970  —

Abzuge  hatten  die  Franzosen  Saarbrücken,  diese
offene  und  wohlhabende  Stadt,  in  Brand  gesteckt.

1872.  Dreikaiserzusammenkunft  (Deutschland,  Oesterreich
und  Russland)  in  Berlin.

1885.  Konferenz  der  deutschen  Bischöfe  zu  Fulda.

1889.  Kaiser  Wilhelm  II.  wohnt  der  ihm  zu  Ehren  veranstalteten
grossen  Flottenschau  bei  Spithead  bei.

 

6.  August.

1158.  Kaiser  Friedrich  ].,  der  Rotbart,  erscheint  mit  einem  aus
15000  Rittern  und  100000  Fussgängern  bestehenden  Heere
vor  dem  geächteten  Mailand,  das  sich  weigert,  die  Oberhoheit
des  Kaisers  anzuerkennen  und  eingeschlossen  wird.

1195.  Heinrich  der  Löwe,  Herzog  von  Sachsen  und  Bayern,

stirbt  auf  seiner  Burg  zu  Braunschweig.

Er  befand  sich  fortwährend  in  Opposition  mit  dem  Kaiser,  ward
geächtet,  nach  England  verbannt,  verlor  Sachsen  und  Bayern  und  behielt
schliesslich  nur  noch  seine  Stammbesitzungen  Braunschweig  und
Lüneburg.

1221.  Dominicus  de  Guzmann,  Stifter  des  Bettelordens  der
Dominikaner,  stirbt  zu  Bologna.

1604.  Bernhard  von  Sachsen-  Weimar,  Feldherr  im  30jährigen
Krieg,  geboren.

1623.  Schlacht  bei  Stadt-Lohn  im  Münster’schen,  in  welcher
Tilly  den  Herzog  Christian  von  Braunschweig,  der  sich,  um  sich
mit  Mansfeld  zu  vereinigen,  nach  Westfalen  gewendet  hatte,
vollständig  in  die  Flucht  schlägt.

1697.  Karl  VI.  Albrecht,  deutscher  Kaiser,  1742—45,  zu

Brüssel  geboren.

Er  war  der  Sohn  des  Kurfürsten  Max  Emanuel  von  Bayern.  Er
erkannte  die  pragmatische  Sanktion  des  Kaisers  Karl  VI.  nicht  an  und
bestritt  im  österreichischen  Erbfolgekriege  (1741—1748)  das  Recht  der
Erbfolge  Maria  Theresias.  —  1742  zum  deutschen  Kaiser  gewählt,  wurde
er  in  Frankfurt  als  solcher  gekrönt.

1761.  General  von  Knoblauch  vertreibt  die  Russen  aus  dem  verschanzten
  Lager  bei  Breslau.  .
1762.  Aufhebung  des  Jesuitenordens  als  politische  Gesellschaft

in  Frankreich.
1806.  Kaiser  Franz  II.  erklärt  in  einer  Urkunde,  dass  er  der

rheinischen  Conföderation  gegenüber  seine  Pflichten  als
        <pb n="398" />
        "  —  388  0  —

deutscher  Kaiser  nicht  mehrerfüllen  könne,  dassdas
Reich  durch  die  Ausscheidung  der  Rheinbundfürsten
aufgelöst  sei,  dass  er  daher  die  Krone  als  deutscher
Kaiser  niederlege  und  auch  für  seine  Erbstaaten  sich  von

dem  Reichsverbande  lossage.

Franz  II.  führte  fortan  nur  den  Titel  eines  Kaisers  von  Oesterreich.
—  So  ging  das  römisch-deutsche  Kaisertum  unter,  im  tausend  und  sechsten
Jahre,  nachdem  Karl  der  Grosse  es  gestiftet  hatte.

1819.  Ministerkongress  in  Karlsbad  eröffnet,  wobei  ausser
Oesterreich  und  Preussen  noch  acht  Mittelstaaten  Deutschlands
eingeladen  und  vertreten  waren.

Die  sogenannten  „Karlsbader  Beschlüsse“  betreffen  hauptsächlich
  fünf  Punkte:  1.  Beschränkung  der  Presse  durch  die  Censur;
2.  Aufstellung  einer  Zentralkommission  in  Mainz  zur  Untersuchung  der
demagogischen  Umtriebe;  #3.  Unter  Aufsicht-Stellung  der  Universitäten;
4.  Verbieten  der  allgemeinen  Burschenschaft  und  ihı*r  Turnanstalten  und
5.  Unterwerfung  aller  deutschen  Regierungen  unter  Jdie  Beschlüsse  des

Bundestags.

1831.  Belgische  Revolution  gegen  die  Vereinigung  nııt  Holland.
—  An  demselben  Tag  siegen  die  Holländer  über  die  Belgier
bei  Hasselt  in  der  belgischen  Provinz  Limburg.

1840.  Louis  Bonaparte  (Napoleon  III.)  landet  in  Boulogne.

Verfehlter  Versuch,  sich  des  französischen  Thrones  zu  bemächtigen.

1849.  Friede  zu  Mailand  zwischen  Oesterreich  und  Sardinien,
welches  seine  seitherigen  Grenzen  behält  und  75  Mill.  Fres.
Kriegskosten  zu  zahlen  hat.

An  demselben  Tag  schlägt  der  russische  General  Lüders
die  Ungarn  unter  Bem  bei  Gross-Scheuern.

1870.  Schlacht  bei  Wörth,  in  welcher  das  französische  Heer
unter  Marschall  Mac  Mahon  durch  die  Deutschen  unter  Kronprinz
Friedrich  Wilhelm  von  Preussen  vollständig  geschlagen
wird.

Mae  Mahon  hatte  auf  den  Höhen  westlich  von  Wörth  Stellung
genommen,  und  begann  auf  beiden  Seiten  der  Kampf  schon  bei  Tagesanbruch
  mit  immer  steigender  Heftigkeit.e  Gegen  +  Uhr  nachmittags
  war  die  Schlacht  entschieden,  die  Franzosen
wichen  auf  der  ganzenLinie  zurück.  Der  Rückzug  Mac  Mabons
war,  als  der  Marschall  nach  Nancy  andern  Tags  vorauseilte,  wie  ein
englischer  Kritiker  es  bezeichnet,  „aus  der  anfänglichen  Ordnung
heraus  in  eine  inder  Geschichte  fast  einzig  dastehende
kopflose  Flucht“  umgeschlagen.  Einige  30  Geschütze,  2  Adler,
b  Mitrailleusen  und  4000  Gefangene  wurden  genommen.

An  demselben  Tage  siegreiche  Schlacht  bei  Spichern,
unweit  Saarbrücken.

Das  Armeekorps  des  General  Frossard,  das  auf  den  Höhen  von

Spichern  lagerte,  war  seit  dem  frühen  Morgen  im  Abmarsch  aus  dieser

Stellung  begriffen,  als  um  11  Uhr  vormittags  die  Preussen  das  nahe
Forbach  und  die  Spicherer  Höhen  angritten.  Die  Franzosen  setzten  sich
        <pb n="399" />
        —  389  0  —

heftig  zur  Wehr,  so  dass  sie  erst  abends  8  Uhr  vollständig  überwältigt
wurden,  ihre  befestigte  Stellung  aufgaben  und  ihr  Heil  in  der  Flucht
suchten.  Das  französische  Korps  war  fast  gänzlichaufgelöst
und  demoralisiert.  Das  Lager  einer  Division  und  verschiedene
bedeutende  Magazine  wurden  genoinmen,  ausserdem  eine  grosse  Anzahl
Gefangene  gemacht.  Aber  der  Sieg  war  von  den  Deutschen  teuer  erkauft.
An  Toten,  Verwundeten  und  Vermissten  hatten  die  Deutschen  223
Offiziere  und  4645  Mann,  die  Franzosen  249  Offiziere  und  3829  Mann,
worunter  nahezu  2000  Gefangene.

1885.  Besuch  des  österreichischen  Kaiserpaares  bei
Kaiser  Wilhelm  I.  in  Gastein.

Anthropologen-Kongress  in  Karlsruhe.

 

 

‘.  August.

 ——

1078.  Schlacht  bei  Melrichstadt  an  der  Streu  (nördlich  von
den  Quellen  der  fränkischen  Saale).

Kaiser  Heinrich  IV.  batte  sich,  durch  die  Empörer  gedrängt,
um  Hilfe  an  die  freien  Bauern  (in  Franken)  gewandt,  wohl  erkennend,
dass  die  Königsmacht  nicht  in  der  Gunst  der  Fürsten,
sondern  in  der  Freiheit  des  Volks  die  stärksten  Wurzeln
habe.  Hätte  Heinrich  IV.  hier  nur  nach  einem  Plan  und  mit  Ausdauer
gehandelt,  würde  er  cie  Ueberbleibsel  der  Sklaverei  mit  starker  Hand
vertilgt  und  nun  das  bürgerliche  Element  nachdrücklich
entwickelt  haben,  so  konnte  Deutschland  zu  ungeheurer  Macht
erhoben  werden.  Mit  reinem  Heere  von  zwölftausend  Bauern,  denen
er  ritterliche  Waften  zur  Anerkennung  ihrer  Freiheit  in  die  Hand  gedrückt
hatte,  wagte  er  den  empörten  Fürsten  und  Rittern  gegenüber  die  Schlacht,
welche  jedoch  unentschieden  blieb.

1106.  Kaiser  Heinrich  IV.  stirbt  plötzlich  zu  Lüttich  an  einer
Krankheit,  welche  ihm  tödlich  wurde,  weil  zuvor  ihm  Seele  und
Leib  durch  Gram  über  das  Benehmen  seines  entarteten  Sohnes
(Heinrich  V.)  gebrochen  waren.

Er  starb  wie  ein  Christ,  zwar  nicht  mit  der  Kirche,  aber
mit  Gott  versöhnt,  und  indem  er  in  christlichem  Geiste  dem  gottlosen
  Sohne  verzieh  und  ihm  sein  Schwert  und  seinen  Siegelring  zusandte.
Er  erreichte  nur  ein  Alter  von  56  Jahren.

1212.  Kaiser  Ottos  IV.  Vermählung  mit  der  fünfzehnjährigen
Beatrix,  der  Hohenstaufin,  der  Tochter  des  Königs  Philipp,

zu  Nordhausen.

Doch  schon  am  vierten  Tage  nach  der  Feierlichkeit  „war  diese
Rose  dahin“;  nicht  ohne  Verdacht,  von  einer  der  welschen  Buhlerinnen
des  Kaisers  vergiftet  worden  zu  sein.  Für  Otto  IV.  war  der  plötzliche
Tod  seiner  Gemahlin  verhängnisvoll,  denn  nach  dem  Geiste  der  damaligen
        <pb n="400" />
        —  390  --Zeit

  erblickte  man  in  dem  unerwarteten  Tod  der  Kaiserin  einen  Fingerzeig
  des  Himmels,  da  Otto  IV.  durch  Papst  Innocenz  III.  bereits  im
Jahr  vorher  in  den  Kirchenbann  gethan  worden  war.  Bestürzung  verbreitete
  sich  nun  über  das  eigene  Heer  des  Kaisers,  welches  bei  Weissensee
stand,  und  sowohl  die  Bayern,  als  auch  die  Schwaben  verliessen  das
Lager.  —  Ja,  als  er  von  der  Leichenfeier  in  das  Lager  zurückkam,  fand
er  kaum  noch  die  Hälfte  seines  Heeres  vorhanden.

1479.  Kaiser  Maximilian  I.  besiegt  den  König  Ludwig  XI.  von
Frankreich,  der  sich  das  Herzogtum  Burgund  widerrechtlich  angeeignet
  hatte,  bei  Guinegate.

Was  Ludwig  XI.  jedoch  durch  das  Schwert  hier  verloren  hatte,
das  gewann  er  später  durch  Unterhandlungen  wieder.

1488.  Kaspar  Aquila,  Feldprediger  von  Franz  von  Sickingen,
Freund  Luthers  und  eifriger  Mitarbeiter  an  der  Reformation,
geboren.

Er  starb  am  12.  November  1560  als  Superintendent  zu  Saalfeld.

1495.  Der  Reichstag  zu  Worms  beschliesst  das  Reichsgrundgesetz,
  zur  „Herstellung  des  Friedens  im  Reich,  des
Rechts  und  der  Ordnung“,  zum  „ewigen  Landfrieden‘,
und  setzt  zu  dessen  Handhabung  und  Aufrechterhaltung  das
Reichskammergericht  ein,  mit  dem  Sitze  zunächst  in  Frankfurt,
seit  1497  in  Worms,  dann  in  Speyer,  seit  1689  in  Wetzlar.  —
Damit  sollte  das  Fehderecht  im  Innern  des  deutschen  Reiches  aufgehoben
  werden;  „allgemein  und  unbedingt  für  immer.”

Es  bestand  aus  einem  vom  Kaiser  ernannten  Kammerrichter,  zwei
Präsidenten  und  anfangs  16,  zuletzt  25  Assessoren.  Es  war  zugleich  die
Instanz  für  die  Reichsmittelbaren  bei  Justizverweigerung  vor  den
Landesgerichten  und  in  Reichsfriedenssachen.  Der  Geschäftsgang
desGerichts  war  überaus  schwerfällig  und  daher  sprichwörtlich
  geworden.

1620.  Die  Mutter  des  grossen  Reformators  der  Wissenschaft,  Johann
Keplers,  welche  von  einem  bösartigen  Weibe,  der  Glasersfrau
Reinold  in  Leonberg  schon  1615  aus  heftigem  Hass  als  Hexe
angeklagt  und  verfolgt  worden  war,  wird  auf  Befehl  des  Gerichts
verhaftet.

Da  die  hochbetagte  Katharina  Kepler  alles  leugnete,  so  wurde  auf
die  Anwendung  der  Folter  erkannt;  da  aber  die  Juristenfacultät
in  Tübingen  diese  verwarf,  so  liess  man  es  dabei  bewenden,  die  Angeklagte
  nur  mit  den  Vorbereitungen  der  Tortur  zu  schrecken.  Doch  die
714jährige  Greisin  beteuerte  auch  dann  noch  ihre  Unschuld;  sie  sollte
nämlich  der  Reinold  durch  einen  Trank  eine  unheilbare  Krankheit  „angehext*
  haben.  Den  unausgesetzten  Bemühungen  ihres  Sohnes  gelang
es  endlich,  der  Bedauernswerten  wieder  die  Freiheit  zu  verschaffen.

1635.  Friedrich  Spee,  der  wahrhaft  fromme  und  edle  Bekämpfer

des  furchtbaren  Hexenglaubens  und  katholischer  Liederdichter,
stirbt,  erst  40  Jahre  zählend.

Als  Seelsorger  hatte  er  in  wenigen  Jahren  mehr  als  zweihundert
  vermeintliche  Hexen  zum  Tode  vorbereitet  und  ihnen  auf
        <pb n="401" />
        —  391  —

ihrem  letzten  Gange  zum  Scheiterhaufen  beigestanden  und  Gelegenheit
gehabt,  sich  on  der  Unschuld  der  Schlachtopfer  zu  überzeugen.
  Das  Entsetzen  über  den  ungeheuren  gerichtlichen  Mord,  über
die  Verblendung  seiner  Zeitgenossen  erschütterte  den  wackeren  Menschenfreund
  so  tief,  dass  er,  noch  jung  an  Jahren,  graue  Haare  bekam  und
schliesslich  als  Opfer  seiner  Nächstenliebe  an  einem  ansteckenden  Fieber
erlag.

1712.  Friedensschluss  zu  Aarau  zwischen  den  reformierten

und  katholischen  Ständen.

1762.  Belagerung  von  Schweidnitz  durch  die  Preussen,
nachdem  Friedrich  d.  Gr.  mit  Hülfe  des  bereits  abberufenen
russischen  Generals  Tschernitschew  den  Feldmarschall  Daun  am
21.  Juli  bei  Burkersdorf  geschlagen  hatte.

1796.  Württemberg  schliesst  mit  der  französischen  Republik
  einen  Separatfrieden,  in  welchem  es  sich  verpflichtet,
  gegen  Frankreich  auch  in  seiner  Eigenschaft  als  deutsches
Reichsland  und  selbst,  wenn  es  von  dem  Reich  dazu  aufgefordert
würde,  kein  Truppen-Kontingent  zu  stellen,  wie  überhaupt  keine
Hilfe  zu  leisten.  —  Am  22.  August  desselben  Jahres  gieng  auch
Bayern  einen  ganz  gleichen  Vertrag  ein.

An  demselben  Tage  Treffen  bei  Forchheim.

Die  Franzosen  unter  Jourdan  besiegen  die  Vesterreicher.

1814.  Friedrich  Wilhelm  III.  hält  seinen  Einzug  in  Berlin
durch  das  mit  dem  Siegeswagen  auf's  Neue  geschmückte
Brandenburger  Thor.

Papst  Pius  VII.  erlässt  die  Bulle  „Sollicitudo

omnium“.

Der  am  21.  Juli  1773  durch  Papst  Clemens  XIV.  aufgehobene
Jesuitenorden  wird  wieder  hergestellt.  Derselbe  drang,  trotz  allen
Widerstandes  der  Bevölkerung,  in  Spanien,  in  der  Schweiz  und  in  Deutschland
  aufs  neue  ein.

1815.  Napoleon  I.  schifft  sich  auf  dem  „Northumberland“  ein,
um  als  Gefangener  hinüber  nach  der  Felseninsel  St.  Helena

geführt  zu  werden.

Dort  wurde  er  von  den  Engländern  streng  bewacht  und  bisan
sein  Lebensende  misshandelt.

Annahme  der  neuen  Bundesurkunde,  durch  welche  die
Souveränität  der  einzelnen  Kantone  der  Schweiz  ganz  wieder
hergestellt  wurde.

1850.  Besetzung  von  Friedrichstadt  an  der  Eider  durch  die
Dänen.

1857.  Aussegeln  der  englischen  Flotte  von  der  Valentin-Bay  in
Irland,  um  den  transatlantischen  Telegraphen  zu  legen.

1870.  Die  Franzosen  setzen  auf  der  ganzen  Linie  ihren  fluchtartigen
  Rückzug  fort,  verfolgt  von  dem  siegestrunkenen
deutschen  Heere.
        <pb n="402" />
        —  392  —

1870.  Die  ersten  französischen  Gefangenen  treffen  in
Berlin  ein.
An  demselben  Tage  Besetzung  von  Hagenau  und  Saargemünd
  durch  deutsche  Truppen.

Die  Deutschen  rücken  in  Forbach  ein,  wo  sie  grosse
Proviantvorräte  der  Franzosen  erbeuten.

1871.  Aufrichtung  der  Zolllinie  zwischen  Elsass-Lothringen
  und  Frankreich.

1872.  Emil  Devrient,  der  geniale  Schauspieler,  stirbt.

1873.  Papst  Pius  IX.  richtet  ein  denkwürdiges  Schreiben  an  den
deutschen  Kaiser,  Wilhelm  I.,  in  welchem  es  u.  A.  heisst:

„Ich  rede  mit  Freimut,  denn  mein  Panier  ist  Wahrheit,  und  ich
rede,  um  eine  meiner  Pflichten  zu  erfüllen,  welche  darin  besteht,  allen
die  Wahrheit  zu  sagen,  auch  denen,  die  nicht  Katholiken  sind,  denn
jeder,  welcher  die  Taufe  empfangen  hat,  gehörtinirgend
einer  Weise,  welche  hier  näher  darzulegen  nicht  der  Ort
ist,  gehört,  sage  ich,  dem  Papst  an.“

Kaiser  Wilhelm  I.  antwortete  hierauf  am  3.  September  1873.

1876.  Otto  Ule,  ein  bedeutender  naturwissenschaftlicher  Schriftsteller,
  stirbt.

1878.  Kaiser  Wilhelm  I.  und  Kaiser  Franz  Joseph  kommen
in  Bad  Teplitz  zusammen.

1884.  In  Angra  Pequena  wird  durch  Kapitän  Herbig  auf  Befehl
des  deutschen  Kaisers  die  kaiserliche  Flagge  gehisst
und  damit  das  dem  Herrn  A.  Lüderitz  gehörige  Territorium  an
der  Westküste  Afrikas  unter  den  direkten  Schutz  des
deutschen  Kaisers  gestellt.

1885.  Das  deutsche  Panzergeschwader  unter  dem  Kommodore
Paschen  erscheint  vor  Zanzibar.
        <pb n="403" />
        —  39  —

8.  August.

869.  König  Lothar  II.  stirbt  zy  Piacenza.

870.  Die  Brüder  Ludwig  der  Deutsche  und  KarlderKahle
teilen  sich  nach  längerem  Streit  durch  Vertrag  zu  Mersen
bei  Mastricht  in  die  Verlassenschaft  Lothars  II.

936.  Kaiserwahl  zu  Aachen,  aus  der  Otto  I.,  der  Grosse,  der
Gesalbte,  Sohn  Heinrichs  I.,  hervorgeht.

Die  Wahl  erfolgte  sechs  Wochen  nach  dem  Tode  Heinrichs  I.,  und
hatten  sich  zu  derselben  die  Herzöge,  die  Fürsten  und  Grafen,  die  vornehmsten
  Reichsbeamten  und  Kriegsmannen  aus  den  fünf  deutschen

'  Hauptstämmen  eingefunden.  Nur  die  weltlichen  Herren  waren
bei  der  Wahl  thätig.  Die  Krönung  erfolgte  durch  Erzbischof
Hildebert  von  Mainz.

1661.  Johann  Matthias,  Reichsgraf  von  der  Schulenburg,
  Feldmarschall  der  Republik  Venedig,  in  Emden  bei
Magdeburg  geboren.

Während  des  nordischen  Krieges  General  der  Sachsen,  später
unter  Marlborough  und  Prinz  Eugen  in  den  Niederlanden  kämpfend,
wurde  er  1715  Feldmarschall  der  Republik  Venedig  und  verteidigte
1716  Korfu.  —  Er  starb  am  14.  März  1747  in  Verona.

1759.  Bei  Giesshübel  schlägt  der  General  Itzenplitz  den  österreichischen
  General  Laudon.

1765.  Franz  I.  Stephan,  deutscher  Kaiser,  stirbt  zu  Innsbruck.

Er  war  der  zweite  Sohn  des  Herzogs  Leopold  vonLothringen,
übernahm  die  Regierung  desselben  1729,  wurde  1730  mit  dem  Herzogtum
  Bar.  belehnt,  1731  Statthalter  von  Ungarn  und  vermählte  sich
am  12.  Februar  1736  mit  Maria  Theresia,  Tochter  Kaiser  Karls  VI.
—  Am  11.  April  1756  willigte  er  in  die  Abtretung  seines
Stammlandes  an  Frankreich.  Am  13.  September  1745  zum
deutschen  Kaiser  gewählt,  wurde  er  am  4.  Oktober  als  solcher  gekrönt.

1796.  Treffen  bei  Neresheim.

Die  Oesterreicher  unter  Erzherzog  Karl  kämpfen  mit  den
Franzosen  unter  Moreau,  ohne  zu  einer  Entscheidung  des  Sieges  zu

kommen.
1809.  Blutiges  Treffen  bei  Pruz  in  Tyrol.

Die  Bayern  unter  Oberst  Burscheidt  waren  in  der  Stärke  von
1700  Mann,  um  durch  das  Vietschgau  dem  Andreas  Hofer  bei  Sterzing
in  den  Rücken  zu  kommen,  von  Landeck  gegen  Pruz  vorgerückt  und
        <pb n="404" />
        —  394  —

hatten  schon  die  Pontlazbrücke  erreicht,  als  erst  die  Sturmglocken
ertönten  und  sich  ihnen  ınit  einem  Mal  etwa  20  Tyroler  Schützen  gegenüberstellten,
  welche  sie  auf  offener  Landstrasse  ınit  einem  so  kräftigen
Feuergruss  empfingen,  dass  viele  Bayern  ihr  Leben  dabei  einbüssten.
Diese  waren  hierüber  so  erbittert,  dass  sie  sich  später  an  einem  verwundeten
  Tyroler  wie  wahre  Kannibalen  vergingen.  Sie  schnitten  diesem
Gefangenen  lebend  das  Herz  aus  dem  Leibe,  im  Angesichte  seiner  Brüder,
die  von  der  Waldhöhe  herab  zusahen  und  ihm  nicht  helfen  konnten.
Diese  Greuelthat  entflammte  die  Tyroler  so,  dass  die  Bayern  sie  alsbald
schwer  büssen  mussten.

1813.  Nachdem  Oesterreich  den  zwischen  Napoleon  einerseits
und  den  Preussen  und  Russen  andererseits  am  4.  Juni  1813
zu  Poischwitz  geschlossenen  Waffenstillstand  auf  dem  Kongress
zu  Prag  vergebens  in  einen  Frieden  umzuwandela  versucht
hatte,  stellte  Metternich  am  8.  August  das  Uitimatum  an
Napoleon:  Auflösung  des  Grossherzogtums  Warschau,  Zurückgabe
  Illyriens  an  Oesterreich,  Herstellung  Preussens  bıs
zur  Elbe,  Aufgabe  des  Protektorats  über  den  KRheinbund
u.  8.  w.

Nach  Verwerfung  desselben  erfolgte  Oesterreichs  Anschluss’  an  die
Verbündeten.

1824.  Friedrich  August  Wolf,  der  tief  gelehrte  und  geniale
Kritiker  und  berühmte  Philolog,  stirbt  zu  Marseille.

1832.  Georg,  Herzog  zu.Sachsen,  zweiter  Sohn  des  Königs  Johann
von  Sachsen,  Kommandeur  des  12.  (sächs.)  Armeekorps_  seit
1873,  geboren.

Er  ist  seit  11.  Mai  1859  mit  Donn:a  Maria  Anna,  Infantin  von
Portugal  und  Algarbien,  vermählt.

1833.  Karl  Klaus  Freiherr  von  der  Decken,  Afrikareisender,
auf  Kotzen  in  der  Mark  Brandenburg  geboren.
Im  Frühjahr  1865  den  Dschubafluss  aufwärts  bis  Bardera  vordringend,

  wurde  er  hier  am  3.  Oktober  1865  von  den  Somali  ermordet.
Von  seinem  Gefolge  reiteten  sich  nur  5  Europäer  nach  Sansibar.

1835.  Wilhelm  von  Humboldt,  preussischer  Staatsmann,  epochemachender
  Sprachforscher  und  philosophischer  Kritiker  der  alten
Staatsformen,  stirbt  in  den  Armen  seines  berühmten  Bruders
Alexander.

1850.  Die  Schleswig-Holsteiner  besiegen  die  Dänen  bei
'Borgbrück.

1857.  Württemberg  schliesst  mit  Papst  Pius  IX.  ein  Konkordat
ab,  welehes  dem  Bischof  von  Rottenburg  nicht  nur  vollständig
freie  Hand  über  die  Kleriker  giebt,  sondern  auch  die  Laien
vollständig  den  kirchlichen  Zensuren  blosstellt  ete.

_  Am  14.  Juni  1881  wurde  dies  Konkordat  auf  Drängen  der
Stände  von  der  Regierung  wieder  aufgehoben.
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        —  39  —

1859.  Eröffnung  der  Züricher  Friedenskonferenzen  zwischen
7  .  nu  ®  ®  “
Frankreich,  Sardinien  und  Oesterreich.

1870.  Die  badische  Kavallerie  rückt  bis  vor  die  Thore  von
Strassburg  und  zerstört  die  Eisenbahn-  und  Telegraphenlinie

nach  Lyon.

1873.  Julius  Bayerle,  bedeutender  Bildhauer,  stirbt  zu  Düsseldorf.
1879.  EmmanuelHermannFichte,  Philosoph,  stirbt  zu  Stuttgart.

 

 

9.  August.

378.  Entscheidungsschlacht  bei  Adrianopel.
Die  Westgoten  bereiten  dem  römischen  Heere  unter  Kaiser
Valens,  der  hier  den  Heldentod  stirbt,  eine  vollständige  Niederlage.
955.  Beginn  der  zweitägigen  Schlacht  auf  dem  Lechfelde
bei  Augsburg,  in  welcher  Kaiser  Otto  I.  die  an  Streitkräften
weit  überlegenen  Ungarn  besiegt.

1073.  Kaiser  Heinrich  IV.,  durch  die  zu  einer  „Eidgenossenschaft“
  vereinigten  Sachsenfürsten  auf  der  Harzburg  eingeschlossen,
  entflieht  heimlich  bei  Nacht  aus  derselben  auf  einem
engverwachsenen,  nur  Werigen  bekannten  Pfade  und  gelangt
fünf  Tage  später  nach  Hersfeld,  wo  sich  das  Aufgebot  der
süddeutschen  und  rheinischen  Gaue,  das  angeblich  gegen  Polen
ziehen  sollte,  versammelte.

1695.  Markgraf  Philipp  von  Brandenburg  und  der  Herzog  von
Savoyen  erobern  die  Gitadelle  von  Casale  in  Italien.
1714.  August  Wilhelm,  Bruder  Friedrichs  des  Grossen,  geboren.

Die  beiden  schlesischen  Kriege  machte  er  mit,  überwarf  sich  aber
init  seinem  Bruder  und  nahm  seinen  Abschied.  —  Als  Vater  König
Friedrich  Wilhelms  1I.  ist  er  Urgrossvater  Kaiser  Wilhelms  I.  Er  starb
am  12.  Juni  1758  zu  Oranienburg.

1762.  General  von  Luckner  schlägt  die  Franzosen  bei  Mörshausen.


1794.  Die  Franzosen  besetzen  Lrier.

1805.  Oesterreich  tritt  dem  russisch-englischen  Bündnis  gegen
Frankreich  beı.

1806.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  befiehlt  die  Mobilisierung

der  Armee.
        <pb n="406" />
        —  396  —

1817.  Leopold  III.,  Herzog  von  Anhalt-Dessau,  stirbt.

Er  war  ein  Enkel  des  „alten  Dessauer“.  Gründete  das  Philanthropin
zu  Dessau,  wie  er  sich  überhaupt  grosse  Verdienste  um  die  Förderung
des  Schulwesens  in  seinem  Lande  erwarb.  —  1307  trat  cr  dem  Rheinbunde
  bei  und  erhielt  von  Napoleon  I.  den  herzoglichen  Titel.

1822.  Jacob  Moleschott,  Physiolog,  zu  Herzogenbusch  geboren.

1845  Arzt  in  Utrecht,  1847—54  Privatdocent  in  Heidelberg,  1396—61
Professor  in  Zürich  und  von  1862  an  Professor  in  Turin,  ist  er  einer
der  Hauptvertretor  des  materialistischen  Prinzips,  das  insbesondere
  durch  ihn  systematische  Ausbildung  erfahren  hat.

1830.  Louis  Philippe,  Herzog  von  Orleans,  besteigt  den  französıschen
  Thron.

1849.  Die  ungarischen  Truppen  unter  Dembinski  erleiden  eine
gänzliche  Niederlage  durch  die  Oesterreicher  unter  Haynau
bei  Temesvar.

1854.  Friedrich  August  II.,  König  von  Sachsen  seıt  1836,  stirbt
infolge  eines  Sturzes  seines  Wagens  zu  Brennbühel  ın  Tyrol.

Er  kam  am  6.  Juni  1836  auf  den  Königstlıron,  regierte  anfänglich
in  liberalem  Sinne  und  führte  nach  Niederwerfung  der  Revolution  von
1848  eine  starke  Reaktion  ein.

1865.  Postvertrag  zwischen  Russland  und  Deutschland.

1868.  Laurenz  Hannibal  Fischer,  Staatsmann,  stirbt  in  hödelheim
  bei  Frankfurt  a.  M.

Er  hat  als  unfreiwilliger  Auktionator  der  deutschen  Flotte
eine  traurige  Berühmtheit  erlangt.  —  Er  war  1784  zu  Hildburghausen
geboren.

1870.  Der  Kronprinz  von  Preussen  (Kaiser  Friedrich)  erhält
das  erste  eiserne  Kreuz  nach  Erneuerung  desselben  am  19.  Juli
1870.  Hauptquartier  des  Königs  in  Saarbrücken.

An  demselben  Tag  erhält  Marschall  Bazaine  den  Oberbefehl
  der  bei  Metz  vereinigten  französischen  Truppen.
Sturz  des  Ministeriums  Ollivier-Gramont;  der  Graf
von  Palıkao  wird  Ministerpräsident  und  Kriegsminister.
1875.  Versammlung  der  deutschen  Anthropvlogischen  Gesellschaft
  in  München.
13876.  Auf  den  russischen  Gesandten  Fürsten  Michael  Gortschakoff
wird  ein  Attentat  in  Bern  verübt.
1877.  Die  Universität  Tübingen  feiert  ihr  400jähriges  Stiftungsfest.
1890.  Feierliche  Uebergabe  der  Insel  Helgoland  an  Deutschland.
        <pb n="407" />
        —  397  —

10.  August.

70.  Zerstörung  Jerusalems  durch  Kaiser  Titus  und  Untergang
  des  jüdischen  Reichs.

843.  Abschluss  des  Vertrags  von  Verdun,  durch  welchen  die
Feindseligkeiten  unter  den  drei  Söhnen  Ludwigs  des  Frommen
beigelegt  wurden.

Lothar  erhielt  die  Kaiserwürde,  Italien  und  das  Land  vom  Mittelmeer
  an  längs  der  Rhone  bis  zum  Einfluss  der  Saone,  auch  das  Land
zwischen  dem  Rhein,  der  Maas  und  der  Schelde  bis  zur  Nordsee;  Ludwig
  erhielt  zu  seinem  Königreich  Bayern  alle  Lande  diesseits  des
Rheins;  —  und  Karl  ganz  Westfranken.

955.  Entscheidungstag  der  Schlachtaufdem  Lechfelde.

Die  Ungarn  werden  vollständig  geschlagen.  Der  grösste  Teil
wird  auf  dem  Schlachtfelde  selbst  niedergestossen;  was  aber  entrinnen
  konnte,  stirbt  in  dem  Lech,  welchen  die  Flüchtlinge  überschreiten
wollten,  oder  fanden  sonst  auf  der  Flucht  den  Tod.  —  Von  diesem  Tage
an  haben  die  Ungarn  es  niemals  wieder  gewagt,  in  Deutschland  feindlichı
einzufallen.  Die  Folgen  des  Sieges  waren  für  die  Stellung  Deutschlands

‘nach  aussen  von  der  grössten  Erheblichkeit.

1490.  Durch  den  Gottorper  Vergleich  wird  Schleswig-Holstein
  unter  die  beiden  Söhne  des  1441  verstorbenen  Königs
von  Dänemark  und  Herzogs  von  Schleswig-Holstein,  Christians  1.,
geteilt.

Johann  bekommt  den  sog.  Segeberger  Anteil,  Friedrich  den
Gottorp’schen.

1519.  Ferdinand  Magelhaens  unternimmt  von  Sevilla  aus  die
Auffindung  des  westlichen  Seeweges  nach  Indien,  durchfährt
  im  Oktober  1520  die  nach  ihm  benannte  Meeresstrasse
und  gelangt  im  Frühjahr  1521  bis  in  die  Nähe  der  Marianen.

1536.  Kaspar  Olevianus  zu  Herborn  geboren.

Er  war  Reformator  der  Pfalz  und  verfasste  mit  Ursinus  den
„Heidelberger  Katechismus.“

1557.  Sieg  des  Grafen  Egmont  bei  St.  Quentin  über  die  FranzoSen.


1663.  Die  Kaiserlichen  werden  bei  Gran  durch  die  Türken
besiegt.

1699.  Christoph  Gottlieb  Schröter,  Erfinder  des  Pianoforte,

zu  Magdeburg  geboren.
Er  starb  1782  zu  Nordhausen  als  Organist.
        <pb n="408" />
        —  393  —

1708.  Die  Preussen  erstürmen  das  Fort  St.  Louis  in  Fenestrelles,

1740.  Leopold  Ill.  Friedrich  Franz,  Enkel  des  „alten  Dessauers”,
ceboren.

1741.  Eroberung  von  Breslau  durch  König  Friedrich  II.  von
Preussen.

1744.  Friedrich  II.  von  Preussen  beginnt  den  zweiten  schlesischen
  Krieg.  indem  er  erklärt,  nur  als  Reichsfürst  für  den
von  Oesterreich  verdrängten  Kaiser  Karl  VII.  zu  handeln.

1760.  Die  Franzosen  erobern  während  des  siebenjährigen  Kriegs
Ziegenhain.
An  demselben  Tage  erobern  die  Preussen  Sodaburg
in  Hessen.

1792.  Das  durch  das  Manifest  des  Herzogs  von  Braunschweig
  furchtbar  gereizte  Volk  von  Paris  stürmt  die
Tuilerien  und  versetzt  die  königliche  Familie  in  den  grössten

Schrecken.

König  Ludwig  XVI.  stellt  sich  unter  den  Schutz  der  National-Versammlung.
  Er  kehrte  nicht  ınehr  in  die  Tuilerien  zurück.  Das
Königtum  war  gestürzt.

1793.  Das  preussische  Heer  schliesst  die  französische

Festung  Landau  ein.

1801.  Christian  Hermann  Weisse,  Philosoph,  zu  Leipzig  geboren.



Sich  an  Hegel  anlehnend,  teilweise  von  Schellings  und  Schleiermachers
  Lehren  beeinflusst,  ist  er  einer  der  wichtigsten  Vertreter  des
religions-philosophischen  Standpunkts.

1809.  Stiftung  der  Berliner  Universität  durch  Friedrich
Wilhelm  Ill.;  eröffnet  10.  Oktober  1810.

1810.  Camillo  Benso  Grafvon  Cavour,  Italiens  grösster  Staatsmann,

  zu  Turin  geboren.
Er  starb  am  6.  Juni  1861.

1813.  Preussen  und  Russland  kündigen  auf  dem  Kongress
zu  Prag  Napoleon  I.  den  Waffenstillstand,  wonach  am  17.
erst  wieder  die  Feindseligkeiten  beginnen  durften.

Feuerzeichen  trugen  rasch  die  frohe  Kunde  in  das  Lager  der  Freiheitskämpfer.
  —  Der  tapfere  Blücher  eröffnete  indessen,  noch  ehe  sechs
Tage  verflossen  waren,  den  Krieg  wieder,  um  den  Franzosen  die  Gelegenheit
  zu  nehmen,  das  zwischen  den  beiden  Grenzlinien  liegende  noch  unberührte
  Gebiet  aller  Lebensmittel  zu  berauben,  welche  sein  Heer  so
sehr  bedurfte.  Hierzu  gaben  ihm  die  Franzosen  selbst  eine  willkommene
  Gelegenheit,  da  ihre  Streifscharen  am  13.  sich  erlaubten,
  auf  neutralem  Gebiete  Kriegsforderungen  zu
machen.

1815.  Die  französische  Festung  Laon  ergiebt  sich  den  Preussen.

1827.  Adalbert  Falk,  preussischer  Staatsmann,  zu  Metschkau  in
Schlesien  geboren.
        <pb n="409" />
        —  8399  °  —

Er  war  vom  22.  Januar  1872  bis  Juli  1879  preussischer  Kultusminister.
—  Die  wichtigsten  Ergebnisse  seiner  Amtsführung  sind:  das  Schulaufsichtsgesetz
  (1872),  die  gegen  die  ultramontane  Bestrebungen  gerichteten
Maigesetze  (1873—75)  und  die  Synodalordnung  der  evangelischen
Kirchen  in  den  acht  alten  preussischen  Provinzen.

1349.  Kossuth  legt  notgedrungen  seine  Gouverneurssteile  nieder,
und  General  Görgei  überniinmt  hierauf  die  Diktatur.

1861.  Allgemeines  Turnfest  zum  Gedächtnis  Jahn’s  in
Berlin.

1866.  Eröffnung  der  Friedensverhandlungen  zwischen
Preussen  und  Oesterreich  zu  Prag.

1870.  Die  kleine  Festung  Lützelstein  in  den  Vogesen  wird  vom
Feinde  geräumt,  unter  Zurücklassung  von  Geschützen  und  Vorräten.


Die  Festung  Lichtenberg  in  den  Vogesen  kapituliert.

1871.  Stiftungsfeier  der  kaiserl.  Universitäts-Bibliothek
zu  Strassburg.

Zusammenkunft  des  deutschen  Kaisers  mit  dem  König
von  Bayern  in  Schwandorf.

1874.  Der  französische  Marschall  Bazaine,  wegen  der  Kapitulation
von  Metz  (27.  Oktober  1870)  des  Verrats  angeklagt,  zur  Degradation
  und  zum  Tode  verurteilt,  dann  zu  zwanzigjähriger  Haft
auf  der  Insel  St.  Marguerite  begnadigt,  entflieht  von  hier  und
lebte  seitdem  in  Spanien.

1878.  Beginn  der  internationalen  Münz-Konferenz  ın
Paris.
1885.  Internationale  Telegraphen-Konferenz  in  Berlin.

1887.  Prinz  Ferdinand  von  Koburg  begiebt  sich  als  Fürst
von  Bulgarien  nach  seinem  neuen  Heimatsland.

1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  besucht  die  tags  vorher  in  deutschen
Besitz  gekommene  Insel  Helgoland.
        <pb n="410" />
        —  400  °  —

11.  August.

—

490.  Der  Ostgotenkönig  Theodorich  besiegt  den  König  Odowakar
  an  der  Adda.

1086.  Schlacht  bei  Bleichfeld,  unweit  Würzburg,  in  welcher
Markgraf  Eckbert  von  Meissen,  Wolf  von  Bayern  und  Berthold  Il.
von  Zähringen  dem  Kaiser  Heinrich  IV.  eine  empfindliche  Niederlage
  beibringen.

1228.  Kaiser  Friedrich  Il.,  der  Hohenstafe,  unternimmt  einen
Kreuzzug  und  landet  am  7.  September  in  Accon,  der  damaligen
  Hauptstadt  des  Königre  chs  Jerusalen:.

1258.  Manfred,  Sohn  Kaiser  Friedrichs  II.,  lässt  sich  in  Palermo
zum  König  krönen.

1427.  Schlacht  beı  Tachau.

Die  Hussiten  unter  ihrem  tapferen  Führer  Procop  besiegen  das
deutsche  Reichsheer.

1675.  Der  Herzog  Karl  v.  Lothringen  schlägt  die  Franzosen
unter  Crequi  bei  Saarbrücken  und  Konz.

1762.  Treffen  bei  Reichenbach.

Die  Preussen  unter  Herzog  von  Braunschweig-Bevern  schlagen
die  Vesterreicher.

1778.  Turnvater  Jahn  zu  Lanz  in  der  Priegnitz  geboren.
Treffen  bei  Eckersdorf  in  Böhmen.

Die  Preussen  besiegen  die  Oesterreicher  im  bayrischen
Erbfolgekrieg.
1781.  August  Wilhelm,  Herzog  von  Braunschweig-Bevern,  stirbt
zu  Stettin.

Er  machte  als  preussischer  General  den  1.  und  2.  schlesischen
Krieg  mit,  siegte  im  siebenjährigen  Krieg  1757  bei  Reichenberg  und  am
11.  August  1762  bei  Reichenbach.  Er  starb  als  Kommandant  von  Stettin.

1792.  König  Friedrich  Wilhelm  II.  eröffnet  die  Feindseligkeiten
  gegen  Frankreich  mit  der  Besetzung  von  Sierk.

1801.  Philipp  Eduard  Devrient,  Schauspieler  und  Bühnendichter,
  geboren.

Er  starb,  von  1853—69  technischer  Dirigent  des  Hoftheaters,  zu
Karlsruhe  am  4.  Oktober  1877.

Heinrich  Adolf  von  Zastrow,  preussischer  General,
zu  Danzig  geboren.

Im  Krieg  1870—71  stand  er  an  der  Spitze  des  7.  Armeekorpse.  Er
starb  am  12.  August  1875  in  Schöneberg  bei  Berlin.
        <pb n="411" />
        —  401  —

1804.  Kaiser  Franz  II.  erklärt  sich  durch  Gesetz  zum  erblichen
Kaiser  von  Oesterreich.

1813.  Blücher  übernimmt  in  Reichenbach  den  OÖOberbefehl
  über  die  schlesische  Armee.

1815.  Der  Dichter  Gottfried  Kinkel  zu  Oberkassel  bei  Bonn
geboren.

1848.  Aufstand  in  Venedig  gegen  dieösterreichische
Herrschaft.

1868.  Die  beiden  Mecklenburg  und  Lübeck  treten  dem
deutschen  Zollvereine  bei.

1870.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  überschreitet  mit
seinem  Hauptquartier  die  französische  Grenze.

Die  französische  Armee  beginnt  hinter  die  Mosel  zurückzuweichen,
  trotzdem  sie  ihre  Position  an  der  französichen  Nied
zur  Verteidigung  eingerichtet  hatte.

König  Wilhelm  von  Preussen  richtet  von  seinem  Hauptquartier
  in  St.  Avold  aus,  eine  Proklamation  an  das  französische
  Volk,  worin  er  erklärt,  er  führe  mit  den  französischen
Soldaten  Krieg,  nicht  mit  den  Bürgern  Frankreichs,  deren
Personen  und  Eigentum  Sicherheit  geniessen  würden,  so  lange
sie  nicht  selbst  Feindseligkeiten  gegen  die  deutschen  Truppen
ausübten.

1871.  Zusammenkunft  der  Kaiser  von  Deutschland  und
von  Oesterreich  zu  Ischl.

1885.  Der  Kommodore  Paschen  übergiebt  dem  Sultan
von  Sansibar  die  Forderungen  Deutschlands.

1887.  Furchtbares  Eisenbahnunglück  im  Staatelllinoıs
(Amerika),  das  grösste,  das  jemals  in  Amerika  vorgekommen
ist,  wobei  mehr  als  100  Personen  sofort  ihr  Leben  einbüssten
und  die  Zahl  der  Verletzten  nahezu  500  betragen  hat.

 

 

26
        <pb n="412" />
        —  402  —

12.  August.

N

1009.  Gottfried  von  Bouillon  schlägt  die  Heeresmacht  des
ägyptischen  Sultans  Amyras  bei  Askalon  und  setzt  sich  hiedurch
  in  den  Besitz  von  ganz  Palästina.

1158.  Anselm,  Bischof  von  Havelburg,  stirbt.

Er  war  ein  einflussreicher  Ratgeber  Kaiser  Lothars.

1253.  Clara,  die  Heilige  (1255  kanonisiert),  stirbt.

1224  stiftete  sie  den  weiblichen  Orden  der  Clarissinnen  oder
Damianistinnen  (nach  dem  Kloster  St.  Damian),  welcher  unter  der  Öberaufsicht
  der  Minoriten  stand.

1547.  Derschmalkaldische  Bund  nimmt  sich  der  von  Heinrich
dem  Jüngern  von  Braunschweig  um  der  Religion  willen
geschädigten  Städte  an  und  besetzt  Wolfenbüttel.

1656.  Truppen  desgrossen  Kurfürsten  vonBrandenburg
besiegen  die  Polen  bei  Wiczbolawa.

1687.  Schlacht  bei  Mohacz  in  Ungarn.
Herzog  Karl  von  Lothringen  schlägt  die  Türken.

1689.  Papst  Innocenz  XI.  (1676—1689)  stirbt  zu  Rom.

Er  war,  am  16.  Mai  1611  zu  Como  geboren,  ein  entschiedener
Gegner  der  Jesuiten  und  lebte  in  ununterbrochenem  Konflikte  mit

Ludwig  XIV.  von  Frankreich.
1714.  Georg,  Kurfürst  von  Hannover,  wird  zum  König  von  Grossbritannien
  und  Irland  ausgerufen.
Georg  I.  stirbt  1727.

1720.  Konrad  Eckhof,  der  „Vater  der  deutschen  Schauspielkunst“,
  zu  Hamburg  geboren.

Er  stirbt  am  16.  Juni  1778  als  Direktor  des  Hoftheaters  zu  Gotha.

1759.  Schlacht  bei  Kunersdorf,  unweit  Frankfurt  a.  d.  Oder,
die  anfänglich  für  die  Preussen,  welche  es  hier  im  siebenjährigen
  Kriege  mit  den  weit  überlegenen  Russen  und  Oesterreichern
  zu  thun  hatten,  einen  günstigen  Verlauf  nahm  und
das  russische  Heer  zu  vernichten  schien,  sollte  für  Friedrich  11.
ein  so  niederschmetterndes  Ende  nehmen,  dass  seine  Lage  eine
trostlose  schien.

Doch  die  Gegner  nützten  die  gewonnene  Schlacht  nicht  aus,  so
dass  der  grosse  Preussenkönig  schon  bald  darauf  wieder  schlagfertig
denselben  gegenübertreten  konnte.  —  Den  alten  Oberst  Müller  fragte

der  König  nach  der  Schlacht,  warum  denn  seine  Truppen  nicht  mehr
solche  Thaten  wie  früher  verrichten  können?  „Daran  mag  wohl
        <pb n="413" />
        —  403  —

die  Sünde  des  Heeres  schuld  sein,  weil  in  den  letzten
Jahren  die  Betstunden  eingestellt  worden  sind,“  antwortete
der  gut  christliche  Oberst.  —  Sofort  führte  der  König  denFeldgottesdienst
  wieder  ein;  —  er  mochte  jetzt  wohl  selbst  erkennen,
„welche  Kraft  die  Religion  hat.“

Den  König  selbst  traf  eine  Flintenkugel,  wurde  aber  durch  ein
Etui  in  seiner  Westentasche  aufgehalten.  Fast  mit  Gewalt  musste  man
ihn  aus  dem  Getümmel  reissen,  nachdem  alles  verloren  war.

In  der  Schlacht  von  Kunersdorf  fiel  auch  der  Major  Christian
Ewald  von  Kleist,  der  edle  Dichter  des  „Frühlings“.

1762.  Dr.  Christoph  Wilhelm  von  Hufeland,  preussischer
Staatsrat  und  Leibarzt  Friedrich  Wilhelm  IIL,  zu  Langensalza
geboren.

1801.  Julius  Heinrich  Petermann,  Professor  und  Mitglied
der  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin,  in  Glauchau  geboren.

Stirbt  am  10.  Juni  1876  zu  Bad  Nauheim.

1812.  Das  österreichische  Hülfskorps  schlägt  die  Russen
bei  Horodecznoi.

1813.  Oesterreich  kündigt  Napoleon  I.  die  Wiederaufnahme
  des  Kriegs  an,  da  derselbe  die  ihm  von  seinem
Schwiegervater,  Franz  l..  gemachten  günstigen  Bedingungen  in
seiner  verblendeten  Herrschsucht  abgelehnt  hatte.

Oesterreich  erklärt  sich  in  einem  Manifest  gegen

Napoleon,  worin  es  heisst:

„Allenthalben  eilten  die  ungeduldigen  Wünsche  der  Völker  dem
regelmässigen  Gange  ihrer  Regierungen  zuvor.  Von  allen  Seiten  schlug
der  Drang  nach  Unabhängigkeit  unter  eigenen  Gesetzen,  das  Gefühl
gekränkter  Nationalehre,  die  Erbitterung  gegen  schwer  gemissbrauchte
fremde  Obergewalt  in  hellen  Flammen  auf.  Se.  Majestät  der  Kaiser,  zu
einsichtsvoll,  um  diese  Wendung  der  Dinge  nicht  als  die  natürliche  und
notwendige  Folge  einer  vorhergegangenen  gewaltsamen  Ueberspannung,
und  zn  gerecht,  um  sie  mit  Unwillen  zu  betrachten,  hatten  Ihr  Augenmerk
  einzig  darauf  gerichtet,  wie  sie  durch  reiflich  überdachte  und
glücklich  kombinierte  Massregeln  für  das  wahre  und  bleibende  Interesse
des  europäischen  Gemeinwesens  benützt  werden  könnten.“

1822.  Aufhebung  des  Freimaurerbundes  in  Russland.

1848.  Durch  königlichen  Erlass  werden  in  Bayern  die
demokratischen  Vereine  verboten.

Kaiser  Ferdinand  von  Oesterreich  kehrt  auf  besonderes
Verlangen  des  Reichstags  nach  seiner  Hauptstadt  Wien  zurück,
da  er  sich  nach  der  März-Revolution  nach  Innsbruck  begeben
hatte.

An  demselben  Tag  stirbt  George  Stephenson,  der

Gründer  der  Eisenbahnen,  auf  seinem  Landsitz  in  Derbyshire.

1814  baute  er  für  das  Werk  Killingworth  eine  kleine  Lokomotive,
legte  1825  die  erste  Eisenbahn  zur  Personenbeförderung
zwischen  Stockton  und  Darlington  an  und  erbaute  1929  die  Liverpool-Manchester-Bahn.


1850.  Der  dritte  Friedenskongress  wird  in  Frankfurt

a.  M.  eröffnet.
        <pb n="414" />
        —  404  —

Ein  Indianer-Häuptling  von  dem  Stamme  der  Ogibway  in  Nordamerika
  wohnte  demselben  bei.

1866.  Waffenstillstand  zu  Cormons.

Italien  schliesst  einen  vierwöchigen  Waffenstillstand  mit  Oesterreich.


1867.  Errichtung  des  norddeutschen  Bundeskanzleramts.

1868.  Zusammenkuft  des  Königs  Wilhelm].  von  Preussen
mit  dem  russischen  Kaiser  Alexander  Ill.  zu  Langenschwalbach.


1870.  Preussische  Kavallerie  erscheint  vor  Metz,  Pont-a-Mousson,
  Nancy  und  Lüneville.

Die  französische  Regierung  ordnet  die  Austreibung  aller
Deutschen  aus  Paris  an.

1875.  Unionskonferenz  der  Altkatholiken  mit  Geistlichen
der  englischen  und  griechischen  Kirche  unter  Prof.  Döllingers
Vorsitz  in  Bonn.

An  demselben  Tag  Kongress  der  deutschen  Geologen
in  München.

1889.  Kaiser  Franz  Joseph  kommt  mit  seinem  Neffen,  dem  Erzherzog
  Franz  Ferdinand,  nach  Berlin,  wo  er  mit  ungeheurer
Begeisterung  empfangen  wird.

 

13.  August.

875.  Kaiser  Ludwig  II.,  ältester  Sohn  des  Kaisers  Lothar  L.,
stirbt  ohne  Thronerben.

1614.  August,  Sohn  des  Kurfürsten  Georg  I.  von  Sachsen,  geboren.

Er  war  der  letzte  Erzbischof  von  Magdeburg.  —  Er  starb  am
4.  Juni  1680  zu  Weissenfels.

1655.  Johann  Christoph  Denner,  Erfinder  der  Klarinette,  zu
Leipzig  geboren.
Er  stirbt  am  20.  April  1707  zu  Nürnberg.
1693.  Den  Ausfall  der  Türken  aus  Belgrad  schlägt  General  von
Schlabrendorf  zurück.
1700.  Heinrich  Reichsgraf  von  Brühl,  Minister  August  III,

Königs  von  Polen  und  Kürfürsten  von  Sachsen,  zu  Weissenfels
geboren.
Er  stürzte  das  sächsische  Land  durch  seine  Verschwendung,  seine

Habsucht  (er  veruntreute  5'%  Millionen  Thaler)  durch  seine  abenteuerliche
  auswärtige  Politik  in  das  grösste  Unglück.
        <pb n="415" />
        —  405  —

1704.  Schlacht  bei  Hochstädtund  Blindheim  an  der  Donau
in  Bayern,  in  welcher  die  unter  den  Feldherren  Marlborough
und  Prinzen  Eugen  vereinigten  englisch-österreichischen  Heere

das  bayrısch-französische  Heer  volltständig  schlagen.

Namentlich  erlitten  die  Franzosen  ungeheure  Verluste  (20  000  Mann
an  Toten  und  Verwundeten,  15000  an  Gefangenen.)  Am  tapfersten
hatten  die  Bayern  widerstanden.  Besonders  zeichneten  sich  hier  die
preussischen  Truppen  unter  Leopold  von  Dessau  (dem  alten
Dessauer)  aus  und  gaben  hauptsächlich  den  Ausschlag  zum  glänzenden
Sieg  des  Prinzen  Eugen.  —  Damit  war  der  Krieg  auf  deutschem  Boden
entschieden  und  Kaiser  Leopold  betrachtete  nunmehr  Bayern  als  ein
erobertes  Land  und  liess  dasselbe  nach  seiner  Willkühr  verwalten.

1713.  Hausgesetz  Friedrich  Wilhelms  I.  von  Preussen  wegen

Unveräusserlichkeit  der  Kron-  und  Kurgüter  von  Preussen.

1722.  Nikolaus  Ludwig,  Graf  von  Zinzendorf,  gründet  die
Herrenhuter  Brüdergemeinde.

Dieselbe  wurde  unter  Anschluss  an  die  Augsburger  Konfession,
aber  mit  einer  eigentümlichen  kirchlich-politischen  Verfassung,  die  an
die  ersten  Christengemeinden  erinnert,  gegründet  und  bedingt  eine
strenge  Kirchenzucht.

1744.  König  Friedrich  1].  von  Preussen  erklärt  der  Kaiserin
Maria  Theresia  den  Krieg.  Beginn  deszweiten  schlesischen
  Kriegs.

1793.  Gefechte  bei  Neuenkirchen,  Limbach  und  Altstadt.

Die  Preussen  besiegen  die  Franzosen.

1796.  Dem  Beispiele  der  Fürsten  von  Württemberg  und  Baden
folgend,  schliesst  der  obersächsische  Kreis  mit  Frankreich
einen  Waffenstillstand  ab  und  verspricht  für  die  Folge  die  strengste
Neutralität  zu  beobachten.

1806.  Baden  und  Hessen-Darmstadt  erhalten  als  Mitglieder
des  Rheinbundes  durch  Napoleon  I.  den  grossherzoglichen
Titel.

1809.  Schlacht  am  Berg  Isel  bei  Innsbruck.

Der  Sieg  blieb  den  Tyrolern,  die  Franzosen  und  Bayern  nnter
dem  Marschall  Lefebvre  erlitten  entsetzliche  Verluste.  Die  tapferen
Tyroler  waren  in  den  Waffenstillstand  von  Znaim  (12.  Juli  1809),  den
Oesterreich  nach  der  Schlacht  von  Wagram  mit  Napoleon  eingegangen,
nicht  eingeschlossen  worden.

1814.  Papst  Pius  VII.  erlässt  eine  Verdammungsbulle  gegen
die  Freimaurer.

König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  stiftet  den
Luisenorden  zur  Erinnerung  an  die  Königin  Luise.
Derselbe  wird  für  Bewährung  patriotischer  Gesinnuug  und
Opferwilligkeit  an  in  Preussen  geborene  Frauen  verliehen.
1816.  Rudolf  Gneist,  berühmter  Rechtsgelehrter  und  Parlamentarier,
  zu  Berlin  geboren.

Seit  1859  Mitglied  des  preussischen  Abgeordneten-Hauses,  seit  1867
im  Reichstage,  hat  er  sich  als  Redner  der  Nationalen  hervorgethan,
        <pb n="416" />
        —  406  —

1849.  Die  Ungarn,  welche  unter  ihren  Führern  Görgei,  Bem,
Dembinsky  vier  Monate  vorher  ihr  Land  für  eine  unabhängige
Republik  erklärt  hatten  und  das  österreichische  Heer  der  Art
bedrängten,  dass  Kaiser  Franz  Josef  schliesslich  russische  Hilfe
in  Anspruch  nehmen  musste,  werden  durch  den  Abfall  des
Feldherrn  Görgei  (seit  11.  August  1849  Diktator)  mit  23000
Mann  und  130  Kanonen  bei  Vilägos  genötigt,  sich  der  österreichischen
  Herrschaft  wieder  zu  unterwerfen.

Görgei  ergab  sich,  übrigens  mit  Wissen  und  Willen
Kossuths  und  derRegierung,  demrussischen  General  Rüdiger,
erhielt  für  seine  Person  Begnadigung,  wurde  in  Klagenfurt  interniert
und  kehrte  erst  1867  nach  Ungarn  zurück.

1866.  Dem  Königreich  Württemberg  wird  zu  Berlin
der  nachgesuchte  Frieden  gewährt.

Es  hat  acht  Millionen  Gulden  Kriegskostenentschädigung  an  Preussen
zu  bezahlen  und  tritt  mit  demselben  in  ein  geheimes  Schutz-  und
Trutz-Bündnis  ein.

1870.  Deutsche  Heeresabteilungen  besetzen  Pont-A-Mousson
und  Nancy,  woselbst  die  III.  deutsche  Armee  unter  dem  Kronprinzen
  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen  am  16.  August  eintrifft.
  Kavallerıe-Abteilungen  nehmen  Fourage-Transporte  in
den  Vorposten  der  auf  dem  Glacis  von  Metz  roch  befindlichen
französischen  Truppen.

An  demselben  Tag  siegreiche  Gefechte  bei  Strassburg.

Fourichon,  Vice-Admiral  des  vor  Helgoland  kreuzenden
französischen  Geschwaders,  benachrichtigt  den  englischen
Gouverneur,  sowie  den  britischen  Konsul  in  Cuxhafen,  dass
über  die  deutsche  Nordseeküste  am  15.  August  der
Blokadezustand  verhängt  werde.

1876.  In  Gegenwart  des  deutschen  Kaisers  Wilhelm  I.
wird  zu  Bayreuth  Richard  Wagners  „Der  Ring  der  Nibelungen“
  aufgeführt.
        <pb n="417" />
        —  407  7°  —

14.  August.

U)

1297.  Friedrich  III.,  Burggraf  von  Nürnberg,  stirbt.

Er  war  ein  Freund  Kaiser  Rudolfs  von  Habsburg,  zu  dessen  Thronerhebung
  er  sehr  viel  beitrug.

1431.  Schlacht  bei  Tauss.

Die  Hussiten  unter  ihrem  tapferen  Heerführer  Procop  schlagen
das  von  dem  Kurfürsten  Friedrich  I.  von  Brandenburg  geführte  Reichsheer
  in  wilde  Flucht.  An  10000  Deutsche  gingen  in  der  Schlacht  zu
Grunde.  Das  war  der  letzte  Versuch  eines  gerüsteten  Widerstandes
gegen  die  neue  Religionslehre;  denn  man  versuchte  nun  den  Weg  des

riedens.

1566.  Der  Aufstand  der  Niederlande  gegen  Philipp  II.  von
Spanien  beginnt;  Kirchen  und  Kapellen  (mehr  als  400  an  der
Zahl)  werden  verwüstet.

1627.  Sieg  der  Kaiserlichen  über  Christian  IV.  von  Dänemark
  bei  Rathenow.

1658.  Die  „rheinische  Allianz“  (der  „erste  Rheinbund*)  wird
zu  Frankfurt  a.  M.  von  mehreren  deutschen  Fürsten  (den  Herzögen
  von  Braunschweig,  dem  Landgrafen  von  Hessen-Kassel,
dem  Herzog  von  Pfalz-Neuburg,  den  Kurfürsten  von  Mainz  und
Köln)  und  dem  König  von  Frankreich  gegen  den  Kaiser
und  Brandenburg  geschlossen.

Der  König  von  Frankreich  übernahm  durch  dieselbe  die  Verpflichtung,
  die  verbündeten  deutschen  Fürsten  „nach  Massgabe  des  westfälischen
  Friedens  in  ihren  Rechten  und  Freiheiten  zu  schützen“,  sowie
umgekehrt  diese  Fürsten  sich  anheischig  machten,  die  Krone  Frankreich
  bei  allen  Angriffen,  „ogar  gegen  die  übrigen  deutschen
Reichsstände  mit  Waffenmacht  zu  verteidigen.“  —  Der  Kurfürst
  von  Brandenburg,  Friedrich  Wilhelm,  bot  alle  Kräfte  auf,  diesen,
nur  den  gänzlichen  Umsturz  des  deutschen  Reiches  beabsichtigenden,
schimpflichen  Bund  zu  vereiteln,  aber  vergeblich;  —  er  sollte  gefährlich
und  für  die  Folge  geradezu  verderblich  für  Deutschland  werden.

1685.  Bei  Neuhäusel  a.  Neutra  in  Ungarn  siegen  die  Deutschen

über  die  Türken.

1720.  Friedrich  Il.,  Landgraf  von  Hessen,  Gründer  des  Museums
Friderieianum  zu  Kassel,  geboren.  |

1742.  Papst  Pius  VII.  (1800—1832)  zu  Cesena  geboren.

1777.  Hans  Christian  Oersted,  Physiker  und  Entdecker  des
Elektromagnetismus,  zu  Rudkjöving  auf  der  Insel  Langeland

  geboren.
Er  starb  am  9.  März  1851  zu  Kopenhagen,
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        —  408  —

1799.  Die  Franzosen  unter  Massena  schlagen  den  österreichischen
General  Jellachich  bei  Einsiedeln  (Schweiz).

1815.  Das  von  den  Franzosen  noch  besetzt  gehaltene  Landau
in  der  Pfalz  ergiebt  sich  den  Preussen.

1823.  Gustav  von  Stiehle,  preussischer  General,  zu  Erfurt

geboren.

1864  im  Generalstab  Wrangels  in  Schleswig-Holstein,  machte  1866
den  Krieg  mit,  war  1870  Generalstabschef  der  II.  Armee  und  Generalmajor
  und  wurde  am  4.  November  1375  zum  Generallieutenant  befördert.

1824.  Arthur  Hobrecht,  preussischer  Staatsmann,  zu  Kobierzyn

bei  Danzig  geboren.

Er  war  1863  Oberbürgermeister  von  Breslau,  1572  von  Berlin,  von
1865  bis  78  Mitglied  des  Herrenhauses,  vom  31.  März  1873  bis  Juni  1879

Finanzminister.

1850.  Oesterreich  ladet  durch  eine  Circulardepesche  alle  früheren
Bundestagsglieder  ein,  am  1.  September  den  alten  Bundestag
wieder  zu  beschicken.

1862.  Heinrich,  Prinz  von  Preussen,  Bruder  Kaiser  Wilhelms  II.,

geboren.
Im  Jahre  1878  trat  er  seine  erste  Seereise  an,  die  ihn  an  die  Küsten
von  Amerika,  Asien  und  Afrika  brachte.  —  1882  unternahm  er  eine

Reise  nach  Westindien  u.  s.  w.  Jetzt  Kaiserl.  Kapitän  zur  See.

1862.  Oesterreich  brachte  um  den  Einfluss  Preussens  zu  paralysiren,
  im  Verein  mit  Bayern,  Württemberg,  Sachsen,  Hannover,
Kurhessen,  Hessen-Darmstadt  und  Nassau  beim  Bundestag  in
Frankfurt  a.  M.  einen  Antrag  ein,  wonach  eine  Delegiertenversammlung
  aus  Abgeordneten  der  deutschen  Landtage  gebildet,
nach  Frankfurt  a.  M.  einberufen  werden  sollte,  „um  gewisse,
allgemein  deutsche  Angelegenheiten  zu  beraten.“  —  Preussen,
das  Vorgehen  Oesterreichs  und  seiner  Verbündeten  durchschauend,
lehnt  unterm  heutigen  beim  Bundestage  den  Antrag
ab,  der  übrigens  anch  bei  der  Volkspartei  nicht  den  gerıngsten
  Anklang  gefunden  hatte  und  im  Grunde  nur
eine  Stütze  des  Bundestags  sein  sollte.

1863.  Bismarck  richtet  an  den  preussischen  Gesandten  in  Wien,  zur
Mitteilung  anden  Wiener  Hof  eine  Depesche,  in  welcher  es  heisst:

„Nurin  einer,  nach  Verhältnis  der  Volkszahl  der  einzelnen
  Staaten  aus  direkten  Wahlen  hervorgehenden  Vertretung
  des  deutschen  Volkes,  mitBefugnis  beschliessender
  Mitwirkung  in  Bundesangelegenheiten,  erkenne  ich  die
Grundlage  solcher  Bundesinstitutionen,  zu  deren  Gunsten  die  preussische
Regierung  in  irgend  welchem  erheblichen  Umfang  entsagen  könnte,  ohne
die  Interessen  der  eigenen  Unterthanen  und  die  politische  Stellung  des
preussischen  Staates  wesentlich  zu  benachteiligen.“  .

Mit  diesem,  Preussen  so  sehr  nützenden  „Gegenstoss“  hatte  Bismarck
  der  demokratischen  Strömung  in  Deutschland  Rechnung
  getragen  und  damit  die  öffentliche  Meinung  grösstenteils  für
Preussen  gewonnen.
        <pb n="419" />
        —  409  —

1865.  Gasteiner  Ucbereinkunft  zwischen  Oesterreich  und
Preussen,  kraft  welcher  letzteres  „die  alleinige  Verwaltung
Schleswigs  und  in  Holstein  jedoch  nur  die  Herrschaft  über
den  Kieler  Hafen,  das  Mitbesatzungsrecht  in  Rendsburg,  das
Recht,  den  Nordostscekanal  durch  Holstein  zu  führen  und  zu
beaufsichtigen“,  und  einige  andere  geringere  Befugnisse  erhielt.

Das  Besitzrecht  beider  Mächte  auf  die  Gesamtheit  beider  Herzogtümer
  blieb  jedoch  nebenher  noch  bestehen;  eine  endgiltige  Lösung  dieser
Frage  sollte  weiteren  Verhandlungen  vorbehalten  bleiben.  —  Lauenburg
  dagegen  fiel  jetzt  schon  in  den  alleinigen  Besitz  von  Preussen.
Dasselbe  zahlte  hiefür  eine  Abfindungssumme  von  1875000  Thalern  an
Oesterreich.

1866.  Der  bis  auf  4  Stimmen  zusammen  geschmolzene  und  seit
seiner  Flucht  aus  Frankfurt  a.  M.  zuAugsburg  in  dem  Hötel
zu  den  „drei  Mohren“  tagende  deutsche  Bundestag  wird
durch  den  österreichischen  Gesandten  für  aufgelöst  erklärt.

Garibaldı  überschreitet  an  der  Spitze  eines  Freiwilligenkorps
  die  Demarkationslinie  bei  Oranzo,  wird  aber  von  den
ODesterreichern  zurückgeworfen.

An  demselben  Tage  tritt  Freiherr  von  Patow  an  die  Spitze
der  Verwaltung  von  Frankfurt  a.  M.,  Oberhessen  und
Nassau.

1870.  Erste  Schlacht  bei  Metz,  von  den  Deutschen  Schlacht
bei  Courcelles  oder  Pange,  von  den  Franzosen  die  Schlacht
bei  Borny  genannt.

Die  Franzosen  ziehen  sieh  nach  Metz  zurück.  Der  Verlust  auf
deutscher  Seite  betrug  nahezu  5000  Mann  einschliesslich  222  Offiziere,
auf  französischer  3408  Mann  und  200  Offiziere.

Eine  Depesche  des  Königs  Wilhelm  I.  von  Preussen  an
die  Königin  nach  Berlin  meldet  hierüber:

„Herny,  15.  August,  7  Uhr  30  Min.  abends.  Um  5  Uhr  vom
Schlachtfelde  von  Metz  zurück.  —  Die  Avantgarde  des  7.  Korps
griff  gestern  abend  gegen  5  Uhr  den  abziehenden  Feind  an;  dieser  stellte
und  verstärkte  sich  zuschends  aus  der  Festung.  —  Die  13.  Division  und
Teile  der  14.  unterstützten  die  Avantgarde,  desgleichen  Teile  des  1.  Armeekorps.
  —  Ein  sehr  blutiges  Gefecht  entspann  sich  auf  der  ganzen  Linie;
der  Feind  'ward  auf  allen  Punkten  geworfen  und  die  Verfolgung  ging
bis  vor  das  Glacis  der  Aussenwerke.  —  Die  Nähe  der  Festung  gestattete
dem  Feinde  vielfach,  seine  Blessierten  zu  sichern.  Nachdem  unsere
Blessierten  geborgen  waren,  zogen  die  Truppen  in  ihre  alten  Bivouacs
mit  Tagesanbruch.  —  Die  Truppen  sollen  sich  alle  mit  unglaublicher
  und  bewunderungswürdiger  Energie  und  mit
Lust  geschlagen  haben.  —  Ich  habe  viele  gesehen  und  ihnen  von
Herzen  gedankt.  —  Der  Jubel  war  ergreifend.“

Die  Preussen  stehen  vor  Toul.
        <pb n="420" />
        —  40  —

1870.  Napoleon  III.  begiebt  sich  mit  seinem  Sohne  von  Metz
nach  Verdun.
Die  Belagerung  von  Strassburg  beginnt.

Generalvon  Bonin  wird  General-Gouverneur  von  Lothringen
  und  Graf  von  Bismarck-Bohlen  General-Gouverneur

  von  Elsass.

1876.  Neue  Not-  und  Lotsen-Signal-Ordnung  des  deutschen
Reichs  publiziert.

1880.  Vollendung  des  Kölner  Dombaues.

1885.  Der  Sultan  von  Zanzibar  anerkennt  die  Schutzherrschaft
  des  deutschen  Kaisers  über  die  von  Deutschen
  in  Besitz  genommenen  ÖOstafrikanischen  Gebiete.


An  demselben  Tage  Beginn  des  Internationalen  Eisenbahn-Kongresses
  in  Brüssel.

1888.  Der  Dichter  Friedrich  Hoffmann,  Redakteur  der  „Gartenlaube“,
  vor  Allem  bekannt  als  Kinderschriftsteller,  stirbt  zu
Leipzig.

 

 

15.  August.

1038.  Stephan  der  Heilige,  König  von  Ungarn  (997—  1038)
stirbt.

Er  war  der  Begründer  der  christlichen  Kirche  in  Ungarn,  „Ordner
des  Staats  und  Gesetzgeber  des  Volks“  und  wurde  wegen  seiner  Verdienste
  um  die  katholische  Kirche  kanonisiert.

1195.  Antonius  von  Padua,  Heiliger  der  katholischen  Kirche

seit  1232,  Franziskanermönch,  geboren.
Er  starb  am  13.  Juni  1231  zu  Padua.

1248.  Grundsteinlegung  des  Kölner  Doms,  unter  dem  gewaltigen
  Erzbischof  Konrad  von  Hochstaden.
1320  wurde  der  150  Fuss  hohe  Chor  vollendet  und  1321  eingeweiht.

1373.  Vertrag  von  Fürstenwalde.

Der  letzte  Kurfürst  von  Brandenburg  aus  dem  Hause  Wittelsbach,
Otto  der  Finne,  verzichtet  zu  Gunsten  Karls  IV.  auf  die  Regierung,
infolgedessen  die  Mark  an  das  Haus  Luxemburg  kommt.
        <pb n="421" />
        —  41  —

1464.  Aeneas  SylviusPiccolomini  (seit  1459  Papst  Pius  II.)
stirbt  zu  Rom.

Er  war  einer  der  gelehrtesten  Päpste  (er  schrieb  das  Leben  Kaiser
Friedrichs  III.  und  eine  Geschichte  Böhmens,  er  war  ein  „glücklicher
lateinischer  Dichter“)  und  für  sein  Zeitalter  ein  sehr  wichtiger  Mann,
der  als  Sekretär  auf  dem  Baseler  Konzil  die  Rechte  der
Kirchenversammlungen  gegen  die  Päpste  mit  Nachdruck
verteidigte,  als  Papst  aber  alle  seine  vorher  zur  Schmälerung  des
päpstlichen  Ansehens  gethanen  Aeusserungen  widerrief.

1519.  Herzog  Ulrich  von  Württemberg  überrumpelt  Stuttgart.


1557.  Kaiser  Ferdinand  I.  bestätigt  das  am  19.  März  1548  von
Johann  Friedrich  dem  Grossmütigen  von  Sachsen  errichtete
akademische  Gymnasium  zu  Jena  als  Universität.

Eingeweiht  am  2.  Februar  1558.

1572.  AdelundStädteder  Niederlande  erklären  zuDortrecht
den  Prinzen  von  Oranien  für  den  rechtmässigen  königlichen
Statthalter  von  Holland,  Seeland  und  Utrecht,  undlegten  damit
denersten  Grund  zum  Staate  der  Vereinigten  Niederlande,
  ohne  dies  eigentlich  zu  wollen,  denn  zur  Zeit  dachte
noch  Niemand  an  einen  Abfall  vom  angestammten  Könige.

1684.  Kaiser  Leopold  I].  sieht  sich  durch  den  ausgebrochenen
Krieg  mit  den  Türken  gezwungen,  mit  Ludwig  XIV.  von
Frankreich  zuRegensburg  einen  20jähr.  Waffenstillstand
einzugehen.

1688.  König  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preussen  (1713—40)
geboren.
Er  war  der  Sohn  des  Kurfürsten  Friedrich  III.  von  Brandenburg
und  der  Sophie  Charlotte  von  Hannover.

1702.  Schlacht  bei  Luzzara,  welche  zwischen  zwei  berühmten
Oberfeldherrn,  dem  Prinzen  Eugen  und  dem  Herzog  von  Vendöme
  während  des  spanischen  Erbfolgekriegs  geschlagen  wird,
jedoch  unentschieden  bleibt,  weil  für  Eugen  die  monatelang  zuvor
  verlangten  Verstärkungen  ausgeblieben  waren,  während
Frankreich  unausgesetzt  Hilfstruppen  nach  Italien  entsendet  hatte.

1707.  Einnahme  des  Fort  Marguerite  bei  Toulon  durch  die
Preussen  im  spanischen  Erbfolgekrieg.

1740.  Der  beliebte  Volksdichter  Matthias  Claudius  zu  Reinfeld
im  Holsteinischen  geboren.

1758.  Einäscherung  Küstrins  durch  die  Russen  unter  Fermor,
während  des  7jährigen  Kriegs.

1759.  Uebergabe  Torgaus  an  die  Oesterreicher  im  Tjährigen
Krieg.
        <pb n="422" />
        —  42  —

1760.  Schlacht  an  der  Katzbach  bei  Liegnitz.

Die  Russen  und  Oesterreicher  hatten  verabredet,  ehe  sich
Friedrich  II.  von  Preussen  mit  Prinz  Heinrich  vereinigen  könne,  ihn  zu
vernichten,  wenn  möglich,  den  Hochkircher  Ueberfall  zu  erneuern.
Friedrichs  Wachsamkeit  vereitelte  diesen  Entwurf.  Ehe  die  österreichische
Gesamt-Armee  noch  ganz  hervor  war,  griff  der  König  in  der  frühesten
Moreenstunde  den  30  000  Mann  starken  Vortrab  unter  Laudon  an  und
bereitete  ihm  einen  hirten  Empfang.  Daun,  der  Laudon  zu  Hilfe  kommen
wollte,  wurde  von  Ziethen  zurückgetrieben.  Schon  nach  zwei  Stunden,
ınorgens  um  5  Uhr,  war  die  Schlacht  zuGunsten  Friedrichs  L.
entschieden.

In  dieser  Schlacht  zeichnete  sich  das  Regiment  Bernburg
ganz  besonders  aus,  darum  trat  ein  alter  Unterofhzier  aus  der  Front
hervor  und  forderte  vom  König  die  Zurückrabe  der  Ehrenzeichen,  die
Friedrich  dankbar  und  mit  Herzlichkeit  gewährte.

1768.  Christoph  von  Schmid,  beliebter  Jugendschriftsteller,  zu
Dinkelsbühl  geboren.

1769.  Geburtstag  Napoleons  I.,  wie  dieser  ihn  später  selbst
angab.

Napoleon  Bonaparte  ist  eigentlich  am  5.  Februar  1765  zu  Ajaccıo
geboren,  zu  einer  Zeit,  als  die  Insel  Corsica  noch  nicht  zu
Frankreich  gehörte,  denn  dieses  hatte  erst  im  Juli  1769  davon
Besitz  genommen.  Um  für  einen  geborenen  Franzosen  zu  gelten,  vielleicht
auch,  um  diesen  französischen  Festtag  der  Junsfrau  Maria  in  einen
Ehrentag  für  sich,  den  Wiederhersteller  der  französischen  Macht,  zu
verwandeln,  hatte  Napoleon  seinen  Geburtstag  auf  den  heutigen  Tag
und  in  dieses  Jahr  verlegt.

1771.  Sir  Walter  Scott,  englischer  Itomanschriftsteller,  zu  Edinburg
  geboren.

Auf  dem  Gebiete  des  historischen  Romans  schuf  er  eine  ganz  neue
Epoche.  Er  starb  am  21.  September  1832  auf  seinem  Landgut  Abbotsford
  am  I  weed.

1792.  Edward  Irving,  Stifter  der  Sekte  der  Irvingianer,  zu
Annan  in  der  schottischen  Grafschaft  Dumfries  geboren.

Die  von  ihm  gegründete  Sekte,  deren  Hauptdogma  die  Wiederkunft
Christi  ist,  verbreitete  sich  auch  nach  Deutschland.  —  Er  starb  am
7.  Dezember  1834  zu  Glasgow.

1798.  Philipp  Friedrich  Wilhelm  Oertel,  (Pseudonym
W.  ©.  Horn)  beliebter  Volksschriftsteller,  im  Dorf  Horn  auf  dem
Hundsrücken  geboren.

1799.  Schlacht  bei  Novi  an  der  genuesischen  Küste.

Die  unter  den  (renerälen  Joubert  und  Moreau  vereinirten  französischen
  Heere  in  Oberitalien  suchten  die  Festung  Tortona  zu
entsetzen,  wurden  jedoch  von  dem  russischen  Feldinarschall  Suwarow
bei  Novi  heftig  angegriffen  und  in  eine  allgemeine  Schlacht  verwickelt.
Die  Franzosen  erlitten  eine  allgemeine  Niederlage  und
einen  ungeheuren  Verlust.  Diese  Schlacht  war  die  blutigste,  welche  in
den  Revolutionskriegen  bis  dahin  geschlagen  war;  sie  kostete  die  Franzosen
  über  16  000  Mann.
        <pb n="423" />
        —  43  —

1802.  Nikolaus  Lenau,  eigentl.  Niembsch,  Edler  von  Strehlenau,

hervorragender  yrischer  Dichter,  zu  Czatad,  einem  ungarischen
Dorfe  bei  Temesvar  geboren.

1809.  Napoleon  I].  stiftet  den  Orden  der  drei  goldenen
Vliesse.

1812.  Treffen  bei  Krasnoi  in  Russland.

Joachim  Murat  schlägt  die  Russen.

1814.  Papst  Pius  VII.  erneuert  die  Kongregation  des  heiligen
Offictum  oder  die  Inquisition  für  den  Kirchenstaat,  wo  sie
bis  1859  bestand.

1844.  Eröffnung  der  ersten  Gewerbeaussteltung  in
Berlin.

1853.  Dritte  Säkularfeier  der  Universität  Jena.

1869.  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrichs  des  Grossen
in  Liegnitz.

1870.  Die  lothringische  Festung  Marsal  ergiebt  sich  nach  kurzer
Beschiessung  dem  2.  b.yrischen  Armeekorps.  Erhebliche  Bestände
  und  circa  60  Geschütze  sind  daselbst  vorgefunden  worden.

1875.  Das  restaurierte  Kaiserhaus  in  Goslar  wird  vom  Kaiser
Wilhelm  I.  und  dem  Kronprinzen  besucht.

1884.  Professor  Dr.  Gustav  Pfarrius,  rheinischer  Liederdichter  und
Novellist,  stirbt  zu  Köln  84  Jahre  alt.

1890.  Beginn  des  vierten  allgemeinen  deutschen  Sängerbundfestes
  in  Wien.
        <pb n="424" />
        —  44  —

16  August.

————

1327.  Rochus,  ein  Heiliger  der  katholischen  Kirche,  stirbt.

Er  war  ein  aufopfernder  Pfleger  der  Pestkranken.

1358.  Albrecht  II.,  der  Weise  oder  der  Lahme,  Erzherzog  von
Oesterreich,  Sohn  des  Kaisers  Albrecht  I.,  stirbt.

Er  kämpfte  mit  wenig  Glück  gegen  die  Schweizer  und  traf  Anordnungen
  über  die  Erbfolge  in  den  österreichischen  Erbstaaten.

1419.  Kaiser  Wenzel,  deutscher  König  und  König  von  Böhmen,
stirbt  zu  Prag.

Er  war  ein  in  Trunksucht,  in  Wollust  und  in  Grausamkeit  verfallener
  Despot,  der,  wie  er  gelebt  hatte,  endete.  Als  er  nämlich  im
Zorn  seinen  unschuldigen  Mundschenk  an  den  Haaren  zu  Boden  warf
und  ihn  erdolchen  wollte,  hinderte  ihn  die  Dienerschaft  daran,  was  dieses
Scheusal  von  einem  Regenten  derart  in  Wut  versetzte,  dass  ihn,  erst

'  57  Jahre  alt,  zur  Stelle  der  Schlag  traf.  —  Nach  andern  soll  ihn  vor
Schreck  über  die  Nachricht  von  der  Empörung  der  durch  ihn  aus  Hass
gegen  das  Papsttum  begünstigten  Hussiten  der  Tod  ereilt  haben.  —  Er
war  der  älteste  Sohn  Kaiser  Karls  IV.  und  am  26.  Februar  1361  geboren.
Von  Papst  Bonifacius  IX.  1403  des  Throns  für  verlustig  erklärt,  übertrug
  er  1411  seine  Rechte  auf  das  Kaisertum  seinem  bereits  1410  gewählten
  Bruder  Sigismund.

1527.  Leonhard  Käser,  Märtyrer  des  evangelischen  Glaubens,
wird  auf  Befehl  des  Herzogs  Wilhelm  von  Bayern  auf  einer  Insel
im  Inn  verbrannt.

1532.  Johann  der  Beständige,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt  zu
Schweinitz  bei  Wittenberg.

Er  war  ein  eifriger  Anhänger  Luthers  und  Beförderer  der  Reformation.
  1529  wurde  unter  seinem  Vortritt  zu  Speier  die  feierliche  Protestation
  gegen  das  Todesurteil  der  Reformation  überreicht  und  brachte
den  Schmalkaldischen  Bund  zu  stande.  Luther  liess  ihm  die  Grabschrift
  geben:

„Wer  nur  auf  Gott  vertrauen  kann,
„Der  bleibt  ein  unverdorben  Mann!“

1534.  Ignatius  von  Loyola  stiftet  zu  Paris  mit  sechs  Genossen
den  Jesuiten-Orden.

Dem  Papsttuıa,  gleichviel  an  welchem  Orte  und  mit  welchen  Mitteln,
ohne  Lohn  und  Bedingung  zu  dienen,  ist  der  ausgesprochene  Zweck
dieses  Ordens.  Derselbe  wurde  1540  durch  Papst  Paul  III.  bestätigt,
während  Julius  III.  demselben  die  Rechte  der  Bettelorden  und  zahlreiche
Privilegien  verlieh.  Seine  erste  und  letzte  Aufgabe  war  die  Vernichtung
  desProtestantismus  und  die  eifrigste  Förderung  der  Interessen
des  Papsttums.  Die  verwerfliche  Moral  der  Jesuiten  und  das  grosse
Unheil,  welches  sie  für  Volk  und  Staat  und  selbst  in  der  Kirche  ge-
        <pb n="425" />
        —  45  —

schaffen,  hat  ihnen  in  allen  Jahrhunderten  zahlreiche  Feinde  erweckt
und  Papst  Clemens  XIV.  veranlasst,  in  seiner  Bulle  vom  21.  Juli  1773
den  Jesuitenorden  förmlich  aufzulösen,  den  aber  Papst  Pius  VII.  am
7.  August  1814  wieder  für  „die  ganze  Christenheit“  herstellte  —  Aus
Deutschland  ist  der  Orden  seit  1872  ausgewiesen.

1673.  Kaiser  Leopold  I.  schliesst,  nach  vielen  Verletzungen
des  Reichsgebiets  durch  die  Franzosen,  ein  Bündnis
mit  Holland.

‚  .  Gleichzeitig  suchte  der  Kaiser  die  deutschen  Stände  unter  sich  zu
einigen  und  dieselben,  wenn  möglich,  zur  Erklärung  eines  Reichskrieges
  gegen  Frankreich  zu  bewegen.

1683.  Schlacht  bei  Grau.

Die  Oesterreicher  besiegen  die  Türken.

1696.  Die  Türken  erleiden  bei  Olacz  durch  die  Oesterreicher
eine  Niederlage.

1705.  Schlacht  bei  Cassano.

Prinz  Eugen  von  Savoyen  kämpft  gegen  die  Franzosen
unter  Vendöme  mit  unentschiedenem  Erfolg.

In  der  Schlacht  bei  Cassano  zeichnete  sich  ein  preussisches
Bataillon  so  aus,  dass  ihm  das  Recht  verliehen  wurde,  Kavallerie-FaustriemenamSeitengewehrzutragen.
  Dieses  Zeichen  führen
noch  die  beiden  aus  jenem  Bataillon  später  gebildeten  Kompagnieen  des
Kaiser  Alexander-Garde-Grenadier-Regiments.

1717.  Schlacht  bei  Belgrad,  in  welcher  Prinz  Eugen  von
Savoyen  während  der  Nacht  den  150000  Mann  starken  Grossvezier
  Köprili,  welcher  ihn  durch  eine  Circumvallationslinie  eingeschlossen
  hatte,  mit  40  000  Mann  gänzlich  schlägt,  so  dass  die
Türken  Belgrad  aufgeben  müssen.

1762.  Schlacht  bei  Reichenbach  in  Schlesien  während  des
siebenjährigen  Kriegs.
Die  Preussen  unter  dem  Herzog  von  Braunschweig-Bevern  schlagen
die  Desterreicher  unter  Daun  in  die  Flucht.
1795.  Heinrich  Marschner,  bedeutender  Komponist,  zu  Zittau
geboren.

1807.  Napoleon  I].  spricht  in  übermütigem  Selbstgefühl  öffentlich
in  der  gesetzgebenden  Versammlung  zu  Paris  die
unsDeutschen  stetsin  Erinnerungbleibenden  Worte:

„Ein  französischer  Prinz  wird  an  der  Elbe  herrschen:  er  wird
das  Interesse  seiner  neuen  Unterthanen  mit  seinen  ersten  und  heiligsten
Pflichten  gegen  Frankreich  zu  vereinigen  wissen.  Dass  das  „Haus  Brandenburg“
  noch  regiert,  verdankt  es  der  aufrichtigen  Freundschaft,  welche
mir  der  Kaiser  von  Norden  eingeflösst  hat.  Mit  den  Völkern  von  Deutschland
  ist  Frankreich  durch  die  Gesetze  des  rheinischen  Bundes  vereint.“

Napoleon  konnte  eine  solche  Sprache  führen,  denn  er  beherrschte,
was  ehemals  Deutschland  hiess,  —  und  das  Haus  Brandenburg  war
kaum  ein  Schatten  noch  von  dem  ehemaligen  grossen

Preussen.
        <pb n="426" />
        —  46  —

1824.  Der  deutsche  Bundestag  beschliesst,  dass  in  allen  konstitutionellen
  Staaten  des  deutschen  Bundes  streng  auf  Aufrechterhaltung
  des  monarchischer  Prinzips  gehalten  und
aller  aus  „Oeffentlichkeit  der  Kammerverhandlungen
entspringen  könnende  Nachteil  streng  vermieden
werden  solle“;  dass  eine  Kommission  von  5  Mitgliedern  ernannt
  werden  müsse,  um  die  Gebrechen  des  gesamten
Unterrichts-  und  Erziehungswesens  zu  erforschen  und
geeignete  Massregeln  gegen  diese  Mängel  vorzuschlagen,  und  dass
das  provisorische  Pressgesetz  bis  zur  Annahme  eines
neuen  in  Kraft  bleiben  solle.

1858.  Zwischen  Irland  und  Nordamerika  wird  durch  eine
Depesche  der  Königin  von  England  an  den  Präsidenten  Buchanan
die  telegraphische  Verbindung  eröffnet.  Ä

1863.  Fürstenversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.

Kaiser  Franz  Josef  von  Oesterreich  legt  sein  Reformprojekt
vor.  —  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  hatte  an  der  Fürsteuversammlung
  keinen  Teil  genommen  Dieser  „Fürsten-Kongress“  zu  Frankfurt  a.M.
war  ein  „Geniestreich“  des  österreichischen  Ministers  von  Schmerling,
wie  ein  englisches  Blatt  denselben  damals  nannte,  und  erlitt  an  der
Politik  Bismarcks  und  an  dem  „nicht  auf  friedlichem  Wege  zu  beseitigenden
  Wettstreit  der  Grossmächte  Oesterreich  und  Preussen  um  die
Vorherrschaft  in  Deutschland,  welcher  jede  lebensfähige  Verfassung
Deutschlands  geradezu  zu  einer  Unmöglichkeit  machte“,  Schiffbruch.
Die  von  Schmerling  durch  Kaiser  Franz  Josef  gebotene  Reichsverfassung
entbehrte  aller  und  jeder  Lebensfähigkeit  und  machte
beim  gesamten  deutschen  Volk  ausnahmslos  Fiasko!  —
Die  Fürstenversammlung  dauerte  bis  zum  22.  August.

Zerstörung  der  japanesischen  Stadt  Kagosima  auf  kıusiu
durch  die  Westmächte  England  und  Frankreich,  infolgedessen
Japan  deren  Verlangen  nach  freiem  Handelsverkehr
in  einigen  Städten  zusagte.

1865.  Die  preussische  Regierung  schliesst  mit  England  einen
Handelsvertrag  ab.

1866.  Der  französische  Gesandte  zu  Berlin,  Benedetti,  erhält  von
seiner  Regierung  den  Auftrag,  von  der  preussischen  Regilerung
  „in  freundschaftlicher  und  vertraulicher  Weise“  zuerst  die
Abtretung  von  Landau,  Saarlouis  und  Saarbrücken,
dieEinverleibung  des  Grossherzogtums  Luxemburg,
sowie  die  künftige  Annektierung  Belgiens  mit  Preussens  Hilfe
zu  verlangen  oder  doch  wenigstens  auf  den  beiden  letzten  Punkten
zu  bestehen.  —  „Keinen  Fuss  breit  deutschen  Bodens!“
sagte  Bismarck,  und  in  Bezug  auf  das  Uebrige  gab  er,  um  einen
voreiligen  Bruch  zu  vermeiden,  ausweichende  Antworten.

1870.  Zweiter  Tag  vor  Metz:  Blutige  Schlacht  bei  Mars
la  Tour  oder  Vionville.

Es  war  ein  wahrhaft  mörderischer  Kampf,  welcher  um  9  Uhr  morgens
begann  und  um  9  Uhr  abends  endete.  Beide  Teile  schrieben  sich  den
        <pb n="427" />
        —  417  —

Sieg  zu,  aber  die  Deutschen  hatten  die  Absicht  des  Marschalls
  Bazaine,  nach  Westen  abzumarschieren  und  sich
mit  Mac  Mahon  zu  vereinigen,  vollständig  vereitelt,  und
das  war  ein  grossartiger  Erfolg.  Der  Gesamtverlust  der  Franzosen
wurde  auf  23000  Mann  geschätzt,  der  Verlust  der  Deutschen  auf
17075  Mann  angegeben,  darunter  650  Offiziere.  Auf  beiden  Seiten  waren
nach  und  nach  je  80000  Mann  in's  Gefecht  gekommen.  Die  Franzosen
nannten  diese  Schlacht  von  Rezonville.

Die  Garnison  des  von  den  Deutschen  belagerten  Strassburg
  unternimmt  einen  Ausfall  gegen  Ostwald  und  wird  mit
Verlust  an  Mannschaften  und  drei  Geschützen  siegreich  von  den
Badensern  zurückgeschlagen.

Der  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  (später  Kaiser
Friedrich  III.)  rückt  an  der  Spitze  seines  Armeekorps  in  Nancy
ein,  wo  er  alsdann  einige  Tage  blieb.

1875.  Enthüllung  des  Hermanns-Denkmals  bei  Detmold
im  Teutoburger  Walde,  welcher  Feier  Kaiser  Wilhelm  I.  und
der  Kronprinz  des  deutschen  Reichs  beiwohnen.

1878.  Hinrichtung  Hödels.

 

 

17.  August.

pe

1030.  Kaiser  Konrads  II.  Stiefsohn,  Ernst  II.  von  Schwaben  und
sein  treuer  Freund,  Graf  Wermer  von  Kyburg,  beide  geächtet,
fallen  bei  der  Burg  Falkenstein  im  Schwarzwald  von  der  Hand

des  Grafen  Mangold.
Die  bis  in  den  Tod  treue  Freundschaft  der  beiden  Geächteten  ist

im  deutschen  Volke  viele  hundert  Jahre  lang  ein  Gegenstand  der  Bewunderung
  und  der  Verherrlichung  gewesen  und  vielfach  besungen  worden.
1479.  Kaiser  Maximilian  I.  besiegt  die  Franzosen  zum  ersten
Male  bei  Guinegate.
1513.  Schlacht  bei  Guinegate.

Kaiser  Maximilian  I.  schlägt,  im  Verein  mit  König  Heinrich  VII.
von  England,  die  Franzosen  abermals.
1544.  Einweihung  der  Universität  Königsberg;  durch
Markgraf  Albrecht  I.,  Herzog  von  Preussen,  1541  gestiftet.

1619.  Die  böhmischen  Landstände  sprechen  in  Folge  des
Kirchenstreits  die  Absetzung  des  Kaisers  Ferdinand  II.
als  König  vou  Böhmen  aus,  nachdem  am  Tage  vorher
sämmtliche  Protestanten  in  Böhmen,  Mähren,  Schlesien,  der
Lausitz,  Ober-  und  Unterösterreich  zur  Verteidigung  ihrer
Religion  einen  „feierlichen  Bund“  geschlossen  hatten.

\  27
        <pb n="428" />
        —  418  —

1676.  Hans  Jakob  Christoffelvon  Grimmelshausen,  strassburgischer
  Schultheiss,  stirbt  zu  Renchen  im  Grossh.  Baden.

Er  ist  Verfasser  des  „Simplicissimus“.  Mit  urkräftigem  Humor  und
kühn  realistischer  Feder  hat  er  deutsches  Land  und  Volk  zur  Zeit  des
30jährigen  Kriegs  geschildert  und  als  treuer  Freund  des  Volks  deutsche
Sprache  und  Sitte  gegen  hereinbrechende  Verwelschung  verteidigt.

1759.  Die  Franzosen  werden  während  des  siebenjährigen  Krieges
in  den  Gefechten  bei  Sachsenhausen  und  Naumburg  durch  den
Herzog  von  Holstein  geschlagen.

1761.  Treffen  bei  Jauer  im  7jährigen  Krieg.

Die  Preussen  unter  General  von  Platen  besiegen  die  Oesterreicher.


An  demselben  Tage  beginnen  die  Preussen  bei  Bunzelwitz
  ein  festes  Lager  zu  errichten.

1786.  Friedrich  II.,  Preussens  grosser  König,  stirbt  im  75.  Lebensund
  47.  Regierungsjahre  zu  Sanssouci.

Friedrich  liebte  es,  sich  den  ersten  Diener  des  Staats  zu  nennen.
Strenge  Zucht  in  der  Verwaltung,  strenge  Handhabung  des  Rechts  nach
innen  stellte  er  als  Grundzug  seiner  Regierung  auf;  dagegen  war  er  ın
der  äusseren  Politik  durchaus  nicht  bedenklich,  von  dem  strengen  Rechte
abzugehen,  wenn  er  dadurch  einen  politischen  Vorteil  zu  erlangen  wusste.
—  Firiedrich  der  Grosse,  der  Einzige,  wie  er  oft  auch  genannt  wird,
hinterliess  seinem  Neffen,  Friedrich  Wilhelm  II.,  ein  um  1325  Quadratmeilen
  vermehrtes  Reich,  einen  Staats-Schatz  von  mehr  als  70  Millionen
Thalerın,  ein  Heer  von  200000  Mann,  einen  hohen  Kredit  bei  allen
europäischen  Mächten  und  einen  durch  Bevölkerung,  Industrie,  Wohlstand
und  wissenschaftliche  Kultur  kräftig  emporgehobenen  Staat.

Im  ersten  schlesischen  Krieg  siegte  Friedrich  der  Grosse
am  10.  April  1741  bei  Mollwitz  und  am  17.  Mai  1142  bei  Chotusitz

und  erhielt  im  Berliner  oder  Breslauer  Frieden  (28.  Juni  1742)
Schlesien.  |

Im  zweiten  schlesischen  Krieg  (1744—1745)  war  Friedrich
bei  Hohenfriedberg  am  4.  Juni  1145  und  bei  Sorr  am  30.  Septbr.
siegreich,  und  Oesterreich  musste  im  Frieden  zu  Dresden  (25.  Dezbr.
1745)  abermals  auf  Schlesien  und  Glatz  Verzicht  leisten.

Im  siebenjährigen  Krieg  siegte  Friedrich  bei  Lowositz
am  1.  Oktober  1756,  bei  Prag  am  6.  Mai  1757,  Rossbach  am  5.  Novbr.
1757,  Leuthen  am  5.  Dezbr.  1757,  Liegnitz  am  15.  August  1760,
Torgau  am  3.  Novbr.  1760  und  behauptete  im  Frieden  zu  Hubertsburg
  (15.  Februar  1763)  seinen  Besitzstand  vor  dem  Kriege.

1799.  Robert  von  Mohl,  hervorragender  Staatsrechtslehrer,  zu
Stuttgart  geboren.

1812.  Schlacht  von  Smolensk,  welche  Napoleon  I.  wie  einst
bei  Austerlitz,  mit  „Endlich,  endlich  habe  ich  sie!“  begrüsste.

Aber  er  hatte  sich  verrechnet;  ihm  stand  nur  eine  kleinere  Abteilung
  Russen  unter  Barklay  gegenüber,  welche  in  der  Festung  Smolensk
zurückgeblieben  war,  und  der  grösste  Teil  der  Einwohner  war  längst

schon  geflohen,  und  Barklay  hatte  Zeit  gewonnen,  seinen  Marsch  nach
Dorogobusch  auszuführen.

Sieg  der  Russen  über  die  Franzosen  bei  Poloczk.
        <pb n="429" />
        —  419  —

1813.  Treffen  bei  Lauenburg,  in  welcheg  das  Freikorps  des
Majors  von  Lützow  die  Franzosen  unter  Davoust  schlägt.

1863.  Erste  allgemeine  Sitzung  des  „deutschen  Fürstentags°
  zu  Frankfurt  a.  M.  unter  dem  Vorsitz  des  Kaisers
Franz  Josef  von  Oesterreich.

Derselbe  legt  seinen  Entwurf  vor,  wonach  Deutschland  die  ihm
nötige  Exekutivgewalt  in  einem  „Direktorium“,  bestehend  aus  dem
Kaiser  von  Ocsterreich,  den  Königen  von  Preussen  und  Bayern  und  zwei
anderen  Souveränen,  und  in  einem  „Bundesrate“,  gebildet  aus  den
Bevollmächtigten  der  Regierungen,  erhalten  und  die  genannten  Behörden
die  gesetzgebende  Gewalt  mit  ciner  VersammlungvonDelegierten
der  einzelnen  Landtage  teilen  sollten.  Der  Vorsitz  im  Direktorium
und  Bundesrat  war  Oesterreich  zugedacht  und  die  Frage,  ob  der
Bund  sich  an  dem  Kriege  eines  seiner  Glieder,  das  zugleich  ausserdeutsche
Länder  besitze,  beteiligen  wolle,  der  Entscheidung  einfacher  Stimmenmehrheit
  anheimgegeben.  —  Die  meisten  Fürsten  nahmen  den  Entwurf
im  Wesentlichen  an,  während  der  Grossherzog  Friedrich  von
Baden,  von  seinem  Minister  von  Roggenbach  trefflich
beraten,  das  hohe  Verdienst  hatte,  die  Untauglichkeit
des  österreichischen  Projekts  ins  rechte  Licht  zustellen,

1866.  Graf  Bismarck  verliest  im  preussischen  Abgeordnetenhaus
eine  königliche  Botschaft,  nach  welcher  Hannover,  Kurhessen,
  Nassau  und  Frankfurt  a.  M.  der  preussischen

Monarchie  einverleibt  werden.

Preussen  schliesst  zu  Berlin  mit  Baden  Frieden  und
geht  mit  demselben  ein  vorläufig  noch  geheim  gehaltenes  Schutzund
  Trutzbündnis  für  die  Kriegsfolge  ein.

Baden  hatte  ausserdem  noch  sechs  Millionen  Gulden  Kriegskostenentschädigung
  an  Preussen  zu  zahlen.

1867.  Eröffnung  der  Eisenbahn  über  den  Brenner  in  den
Tyroler  Alpen.
1868.  Publikation  derneuen  Mass-  und  Gewichtsordnung.
1870.  Ein  Seegefecht  zwischen  einer  preussischen  und  französischen
Flottenabteilung  westlich  von  Rügen.
Zum  Gouverneur  von  Paris  wird  General  Trochu  ernannt.

Kaiser  Napoleon  III.  trifft  bei  der  Armee  unter  Mac
Mahon  in  Chalons  ein.
1878.  Theodor  Döring,  ein  ausgezeichneter  Schauspieler  und

Liebling  des  Publikums,  stirbt.
Er  hatte  am  2.  Januar  1875  sein  50jähriges  Künstler-Jubiläum
gefeiert.

1885.  Allgemeiner  deutscher  Handwerkertag  in  Köln.
        <pb n="430" />
        18.  August.

’

849.  Walafrid,  mit  dem  Beinamen  Strabo,  ein  bedeutender
Gelehrter  und  Dichter,  stirbt.

842  erhielt  er  die  schon  839  innegehabte  Abtei  Reichenau  in  Schwaben
zurück.

1308.  Friede  zu  Znaim  in  Mähren.

Derselbe  wird  zwischen  Friedrich  von  Oesterreich  und  Heinrich
von  Kärnten  abgeschlossen  und  enthält  die  Verzichtleistung  des  ersteren
auf  Böhmen.

1503.  Papst  Alexander  VI.  (1491—1503)  stirbt  zu  Rom  an
Gift,  welches  er  für  mehrere  Kardinäle  bestimmt  hatte.

Er  ist  durch  seine  Herrschsucht,  seine  Lasterhaftigkeit  und  Tücke
berüchtigt.  —  In  den  Streitigkeiten  zwischen  Portugal  und  Spanien
wegen  des  Besitzes  der  neuen  Entdeckungen  bestimmte  er  als  Schiedsrichter
  durch  eine  Demarkationslinie,  die  er  3b(Ü  Meilen  westlich
von  den  Azoren  durch  den  Atlantischen  Ozean  zog,  dass  alles  östlich
derselben  gelegene  Land  den  Portugiesen,  das  westlich  gelegene  den
Spaniern  gehören  solle.

1559.  Paul  IV.,  Papst  von  1555  bis  1559,  stirbt.

Er  war  einer  der  hartherzigsten  und  grausamsten  Päpste  Er
protestierte  gegen  den  Augsburger  Religionsfrieden  und  gegen  die
Uebertragung  der  deutschen  Kaiserkrone  auf  Ferdinand  I.  und  handhabte
die  Inquisition  mit  eiserner  Strenge.

1676.  Unter  Führung  ihres  „grossen  Kurfürsten“  erstürmen  die
Brandenburger  Anklam.
1704.  Schlacht  bei  Posen,  während  des  nordischen  Kriegs.

1707.  Die  Preussen  unter  Prinz  Leopold  von  Dessau  erstürmen
das  Fort  St.  Louis  bei  Toulon.  |

1760.  Bombardement  von  Kolberg  durch  die  Russen  während
des  siebenjährigen  Kriegs.

1765.  Kaiser  Franz  I.  stirbt,  und  dessen  Erstgeborener  besteigt
als  Joseph  II.  den  Kaiserthron.

1783.  Andreas  Friedrich  Bauer,  Miterfinder  der  Schnellpressen,
zu  Stuttgart  geboren.

Er  gründete  gemeinsam  mit  Friedrich  König  1818  die  Maschinenbauanstalt
  zu  Oberzell  bei  Würzburg.

1807.  Napoleon  I.  bildet  aus  den  nach  dem  Tilsiter  Frieden  von
Preussen  abgetrennten,  jenseits  der  Elbe  bis  zum  Rhein  gelegenen
preussischen  Landesteilen,  aus  Hannover,  Braunschweig
        <pb n="431" />
        —  421  —

und  Hessen-Kassel  das  neue  Königreich  Westfalen,
welches  er  am  15.  November  1807  seinem  jüngsten  Bruder
Hieronymus  (Jeröme),  einem  leichtfertigen  und  zum  Herrscher
unfähigen  Manne,  überträgt.

Das  Königreich  Westfalen  betrug  nahezu  670  Quadratmeilen  mit
etwa  2  Millionen  Einwohnern.  Verschwendung  und  Liederlichkeit  in  der
Verwaltung  suchte  das  Land  schwer  heim.  Die  Schlacht  bei  Leipzig
(Oktober  1813)  zerschmetterte  auch  den  Thron  des  Jeröme.

1830.  Franz  Joseph  I.,  Kaiser  von  Oesterreich,  zu  Wien  geboren.

Derselbe  folgte  seinem  der  Krone  entsagenden  Onkel,  Kaiser
Ferdinandl.,  am  1.  Dezember  1848  in  der  Regierung.  Er  war  der  älteste
Solın  des  Erzherzogs  Franz  Karl  und  der  Prinzessin  Sophie  von  Bayern,
unter  deren  besonderem  Einfluss  er  erzogen  wurde.  Er  veranlasste  1863
den  resultatlosen  Fürstenkongress  in  Frankfurt  a.  M.  und  leitete
seibst  die  Verhandlungen.  Nach  Beendigung  des  Kriegs  1866  führte  er
Oesterreich  vollständig  in  die  Reihe  moderner  Staaten  ein  durch  grossartige
  Förderung  der  Industrie  und  volkswirtschaftliche  Einrichtungen.
—  Er  ist  seit  24.  April  1854  mit  Elisabeth,  der  Tochter  des  Herzogs
Max  in  Bayern,  vermählt.

1840.  König  Ernst  August  von  Hannover  führt  nach  eigenmächtiger
Aufhebung  des  liberalen  Staatsgrundgesetzes  von  1833  das  „altständische

  Landesverfassungsgesetz“  wieder  ein.

1844.  Bischof  Wilhelm  Arnoldi  von  Trier  stellt  den  „heiligen
  Rock  Jesu  Christi”  als  eine  „Arbeit  der  Maria,  der
heiligen  Gottesgebärerin“,  und  als  eine  „wunderthätige  Reliquie“
im  dortigen  Dome  aus.

In  der  Ausstellungszeit  vom  18.  August.  bis  zum  7.  Oktober  waren
mehr  als  1200000  Wallfahrer  nach  Trier  in  den  Dom  gezogen  und
93931  Thaler  als  Opfer  gefallen.  —  Der  katholische  Priester  Johannes
Ronge  zu  Schneidemühl  sandte  hierauf  am  1.  Oktober  einen  „offenen
Brief“  an  Bischof  Arnoldi  und  stiftete  den  „Deutsch-Katholizismus“.



1849.  Rückkehr  des  Grossherzogs  Karl  Leopold  von
Baden  in  sein  Land,  in  welchem  durch  die  Preussen  die  Revolution
  überwunden  und  ein  „Restaurationsministerium“  eingesetzt
worden  war.

1851.  OttovonBismarck-Schönhausen,  nachmaliger  deutscher
Reichskanzler,  wird  wirklicher  Bundestagsgesandter  zu
Frankfurt  a.  M.

1852.  Versteigerung  der  deutschen  Flotte  auf  Befehl
des  deutschen  Bundestags.

1855.  Oesterreich  schliesst  ein  Konkordat  mit  Rom,  durch
welches  die  katholische  Religion  mit  allen  Prärogativen  aufrecht
erhalten  werden  soll,  ohne  dass  der  Staat  bezüglich  seines  Kirchenhoheitsrechtes
  sich  irgendwie  vorgesehen  oder  die  Rechte
der  nicht-katholischen  Religionsgemeinschaften,  namentlich

der  evangelischen,  gewahrt  hätte.
Den  Bischöfen  wird  der  freie  Verkehr  mit  Rom  gestattet.
        <pb n="432" />
        —  422  —

1866.  Bildung  des  „Norddeutschen  Bundes“.  —  Preussen
hört  auf,  eine  Gross-  und  Weltmacht  zu  seın,  und
überträgt  die  wichtigsten  Stücke  seiner  Souveränetät,  seine  ganze
Kriegsmacht,  Heer  und  Flotte,  seine  Diplomatie,  sein  öffentliches
Verkehrswesen  und  selbst  seine  Oberhoheit  in  Gesetz-  und
Rechtssachen  dem  „nordischen  Bunde‘.

Derselbe  wurde  gebildet  ausser  dem  vergrösserten  Preussen  von
dem  Königreich  Sachsen,  den  beiden  Mecklenburg,  den  Hansestädten,
Oldenburg,  Braunschwelg,  und  sämtlichen  thüringischen  Staaten,  so  dass
der  preussisch-deutsche  Einheitsstaat  für  sich  24  Millionen  Bevölkerung,
mit  den  in  den  Nordbund  getretenen  Staaten  29  Millionen  zählte.  Die
letzteren  stellten  ihre  militärischen  Kräfte  unter  den  Befehl  Preussens,
—  dessen  König  als  Präsident  dem  norddeutschen  Bunde  vorstand  und
den  Oberbefehl  zu  Land  und  zu  Wasser  fuhrte.  Die  Gesetzgebung  vollzogen
  mit  dem  Präsidenten  des  norddeutschen  Bundesratsund  des  norddeutschen
  Reichstags,  eine  Volksvertretung,  welche  nach  allgemeinem
Stimmrecht  gewählt  war.

Die  grossartigen  Erfolge  des  deutsch-französischen
Kriegs  von  1870/71  beseitigten  den  norddeutschen  Bund  und  schufen
das  vereinigte  „deutsche  Reich“  unter  der  Oberhoheit  des  Kaisers
Wilhelm  1.

1867.  Zusammenkunft  der  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich
  und  Napoleon  1lII.  von  Frankreich  zu  Salzburg.
Diese  Zusammenkunft  dauerte  fünf  Tage.

1868.  Totale  Sonnenfinsternis  in  Indien.

1870.  Dritter  Tag  vor  Metz:  Entscheidungsschlacht  von
Gravelotte  oder  St.  Privat.

Sie  war  fast  ebenso  mörderisch,  wie  die  vom  16.  und  hinsichtlich
der  Streiter  noch  gewaltiger,  denn  160000  Deutsche  traten  hier  gegen
etwa  ebensoviel  Franzosen  unmittelbar  ins  Gefecht.  Gegen  12  Uhr
mittags  begann  das  beiderseitige  Geschützfeuer,  zwischen  2  und  3  Uhr
der  Kampf  des  Fussvolks.  Derselbe  bewegte  sich  zwischen  den  Dörfern
Gravelotte,  Rezonville  und  Saint-Privat.  „Majestät,  der  Sieg  ist
unser,  der  Feind  zieht  sich  zurück!“  hatte  Moltke  dem  um  das
Ergebnis  des  heissen  Tags  besorgten  Monarchen  gemeldet;  —  aber  der
Sieg  war  mit  grösseren  Opfern,  als  die  Franzosen  hatten,  erkauft.  Die
Verluste  der  Deutschen  betrugen  899  Offiziere  und  19%60  Mann  (an
Toten  allein  328  Offiziere  und  4909  Mann),  die  der  Franzosen  13000
Mann,  darunter  nahezu  600  Offiziere.

1875.  Deutsche  evangelische  Kirchenkonferenz  zu  Eisenach.

1885.  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrich  Wilhelms  I.  in
Potsdam.

Völkerrechts-Kongress  in  Hamburg.

1890.  Die  erste  deutsche  Schule  in  Deutsch-Ostafrika
wird  von  dem  Missionar  Krämer  in  Tanga  eröffnet.
        <pb n="433" />
        19.  August.

DT  EEE  En]

801.  Sebaldus,  Heiliger,  Schutzpatron  von  Nürnberg,  stirbt.

1153.  Unter  König  Balduin  III.  von  Jerusalem  erobern  die
Christen  Askalon  in  Palästina.

1477.  Maximilian,  der  „männlich-schöne“  Sohn  Kaiser  Friedrichs  III.,
vermählt  sich  zu  Gent  mit  Marie,  der  reizenden  Tochter  des
Herzogs  von  Burgund  (Karl  des  Kühnen).

Das  Haus  Habsburg  erwarb  durch  diese  Heirat  das  reiche  Erbe
Burgunds,  was  ihm  Frankreich  streitig  machte  und  das  Maximilian  durch
seine  Siege  bei  Guinegate  (1479  und  1513)  zu  behaupten  wusste.

1493.  Kaiser  Friedrich  III.  stirbt  nach  53jähriger  Regierung  im
7S.  Jahre  seines  Lebens  an  der  roten  Ruhr,  nachdem  er  eine
der  elendesten  Regierungen  geführt  hatte,  die  von  Deutschland
jemals  waren  erduldet  worden.

Seine  lange  Regierungszeit  war  für  das  deutsche

Reich  geradezu  ein  Unheil!
Er  war  der  letzte  deutsche  König,  der  in  Rom  die  Kaiserkrone

erwarb  (19.  März  1452).  Während  seiner  langen  Regierungszeit  ging
im  deutschen  Reich  alles  drunter  und  drüber,  während  er  jedoch  immerwährend
  bestrebt  war,  die  habsburgische  Hausmacht  zu  vermehren.


1685.  Prinz  Karl  von  Lothringen  erobert  die  Festung  Neuhäusel
(1724  geschleift)  an  der  Neutra  in  Ungarn.

1691.  Schlacht  beı  Salankemen.

Markgraf  Ludwig  von  Baden  besiegt  die  Türken  unter  dem
Grossvezier  Kiuprili  Mustapha,  welcher  getötet  wird.  —  Besonders  zeichneten
  sich  hier  die  Brandenburger  unter  General  von  Barfus  aus,

1759.  Das  Heer  der  Alliierten  unter  dem  Herzog  Ferdinand  von
Braunschweig  besetzt  Kassel.

1792.  Das  vereinigtepreussisch-österreichische  Heer  und  die
Zuzüge  der  französischen  Auswanderer  rücken  in  Lothringen  ein.

Beginn  des  „Feldzugs  in  die  Champagne‘,  der  siegreich  und
vielversprechend  begonnen  hatte,  aber  ein  recht  klägliches  Ende  nahm;
der  Erfolg  war,  beim  Lichte  besehen,  eine  gründliche  Blamage  für  die

Verbündeten.
Treffen  bei  Pontoi,  in  welchem  der  preussische  General
Fürst  Friedrich  Ludwig  von  Hohenlohe-Ingelfingen  die  Franzosen
  in  die  Flucht  schlägt.
1812.  Treffen  an  der  Valutina  bei  Smolensk.
Marschall  Ney  schlägt  die  Russen.
        <pb n="434" />
        —  424  —

1813.  Publikation  des  österreichischen  Kriegsmanifestes,
welches  namentlich  auch  um  desswillen  als  ein  merkwürdiges
Dokument  des  Zeitgeistes  zu  bezeichnen  ist,  als  das  Österreichische
  Kabinet  darin  das  Geständnis  der  Anerkennung
  der  Volksstimme  als  einer  Gottesstimme
ablegte!

An  demselben  Tage  schlägt  Blücher  die  Franzosen  bei
Goldberg.

1824.  Bundesbeschluss,  wonach  in  allen  Bundesstaaten,  in
welchen  landständische  Verfassungen  bestehen,  die  Erhaltung
  des  monarchischen  Prinzips  bundesseitig  überwacht
  werden  sollte.

1846.  Stiftung  der  Evangelischen  Allianz.

Dieselbe  bezweckt  die  Vereinigung  der  protestantischen  Kirchen
und  Sekten,  um  gemeinsam  die  von  der  katholischen  Kirche  drohenden

Gefahren  zu  bekämpfen.

1863.  Karl  Alexander,  letzter  Herzog  von  Anhalt-Bernburg,  stirbt.

Das  Land  fällt  an  Hcrzog  Leopold  von  Anhalt-Dessau.

1868.  Erdbeben  in  Vorder-Bolivien  (Süd-Amerika).

1870.  Die  Beschiessung  Strassburgs  beginnt,  die  Franzosen
schiessen  Kehl  in  Brand.

Der  Kronprinz  Albert  von  Sachsen  übernimmt  den
Oberbefehl  über  die  neu  gebildete  IV.  (Maas-)  Armee.

Die  französische  Haupt-Armee  unter  Bazaine  hat  sich
vollständig  in  die  Befestigung  von  Metz  zurückgezogen.


1873.  Karl  Friedrich  August  Wilhelm,  Herzog  von  Braunschweig,
  stirbt  in  Genf.

Er  vermachte  der  Stadt  Genf  sein  grosses  Vermögen.

1876.  Sozialisten-Kongressin  Gotha  (vom  1!).  bis  24.  August),
auf  welchem  sich  die  „Eisenacher  Partei“  mit  den  „Lassalleanern“
unter  Proklamierung  des  reinkommunistischen  Prinzips,
vereinigt.
        <pb n="435" />
        20.  August.

nenn

861.  Gründung  der  Stadt  Braunschweig  durch  Herzog
Bruno  von  Sachsen.

Im  Jahr  1861  wurde  das  tausendjährige  Gründungsfest  der  Stadt
gefeiert.

1153.  Bernhard  von  Clairvaux,  der  Heilige,  stirbt.

Er  war  durch  kirchliche  Beredsamkeit  ausgezeichnet;  war  ein  entschiedener
  und  begeisterter  Anhänger  des  Papsttums  und  veranlasste
Konrad  III.  zum  zweiten  Kreuzzuge.

1400.  Die  rheinischen  .  Kurfürsten  setzen  den  König
Wenzel,  weil  er  ihrer  Ladung,  ins  Reich  zu  kommen  und
seines  Amtes  als  Reichsoberhaupt  zu  warten,  nicht  Folge  leistete,
ab,  und  wählen  tags  darauf  den  Kurfürsten  Rupprecht  von
der  Pfalz  zum  Reichsoberhaupt.

1528.  Georg  von  Frundsberg,  kaiserlicher  Feldhauptmann,
stirbt  zu  Mindelheim.

Er  kämpfte  gegen  die  Schweizer,  in  Italien,  in  den  Niederlanden,
gegen  Venedig  und  die  Franzosen  und  befehligte  das  Heer  des  schwäbischen
  Bundes  gegen  den  in  die  Reichsacht  erklärten  Ulrich  von  Württemberg
  und  zeichnete  sich  durch  hervorragende  Tapferkeit  aus.

1597.  Die  Deutschen  erobern  Papa  im  ungarischen  Komitat
Veszprim.

1639.  Martin  Opitz,  Dichter,  stirbt  als  polnischer  Sekretär  und
Historiograph  in  Danzig  an  der  Pest.

Sein  grosses  Verdienst  bestand  darin,  dass  er  die  neuere  Prosodie
und  Metrik  schuf  und  die  altklassischen  Dichtungen  als  Vorbilder  empfahl.

1706.  Die  Preussen  unter  Leopold  von  Dessau  erobern  im  spanischen
Erbfolgekrieg  Stradella.

1710.  Schlacht  bei  Saragossa.

Die  Engländer  mit  den  Kaiserlichen  sicgen  im  spanischen
Erbfolgekrieg  über  die  Franzosen.

1759.  Treffen  bei  Sorau  während  des  siebenjährigen  Kriegs.
General  von  Ziethen  schlägt  die  Oesterreicher.
1760.  Der  preussische  General  von  Hülsen  schlägt  die  Oesterrei  cher
und  Reichstruppen  im  siebenjährigen  Krieg  bei  Strehlen.
1799.  Heinrich  von  Gagern,  der  s.  Z.  vielgefeierte  Präsident
der  deutschen  Nationalversammlung  und  Reichsminister  (1848  —
49),  zu  Bayreuth  geboren.
        <pb n="436" />
        —  416  —

1802.  Friedrich  Wilhelm,  letzter  Kurfürst  von  Hessen,  geboren.

Er  lebte  in  stetem  Konflikt  mit  seinem  Volke,  oktroierte  im  April
1°52  eine  reaktionäre  Verfassung,  musste  aber  auf  Grund  eines  Bundestars-Beschlusses
  vom  24.  Mai  1862  die  ständische  Verfassung  von  1831
wieder  herstellen,  verlor  im  Kriege  von  1866  sein  Land  an  Preussen,
wurde  nach  Stettin  abgeführt  und  starb  am  6.  Januar  1875  zu  Prag.

1807.  Die  Franzosen  erobern  das  damals  noch  den  Schweden

gehörende  Stralsund.
1823.  Papst  Pius  VII.  (von  1800  an  auf  dem  päpstlichen  Stuhl)
stirbt.

Er  salbte  Napoleon  I.  1804;  mit  demselben  zerfallen,  wurde  er
verhaftet  und  kehrte  erst  nach  Napoleons  Sturz  am  24.  Mai  1514  nach

Rom  zurück.

FriedrichArnold  Brockhaus,  Buchhändler  und  Herausgeber
  des  Konversationslexikons,  stirbt  zu  Leipzig.

1854.  Der  Philosoph  Friedrich  Wilhelm  Joseph  v.  Schelling
stirbt  zu  Ragatz  in  der  Schweiz.

Von  der  Fichteschen  Ichlehre  ausgehend,  hat  Schelling  dicselbe
durch  Verschmelzung  mit  dem  Spinozismus  zum  Identitätssystem  umgestaltet:
  „Objekt  und  Subjekt,  Reales  und  Ideales,  Natur  und  Geist  sind
identisch  im  Absoluten;  diese  Identität  erkennen  wir  mittelst  intelektueller
  Anschauung,  die  ursprüngliche  ungeschiedene  Einheit  tritt  in  die
polarischen  Gegensätze  des  positiven  oder  idealen  und  des  negativen
oder  realen  Seins  auseinander.“

1863.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  lehnt  in  Baden-Baden  die
ihm  von  König  Johann  von  Sachsen  überbrachte  Kollektiv-Einladung
  der  deutschen  Fürsten  zum  Frankfurter  kKonsresse
  ab.

1864.  Das  Standbild  Ifflands  wird  zu  Mannheim  enthüllt.

1865.  Die  am  14.  August  zwischen  Oesterreich  und  Preussen
wegen  Schleswig-Holstein  getroffene  Uebereinkunft  findet
zu  Salzburg  die  Genehmigung  der  dort  weilenden  beiden  betr.
Monarchen.

1870.  Die  Württemberger  beschiessen  die  französische  Vogesenfestung
  Pfalzburg  (an  der  Strasse  von  Saverne  nach  Nancy),
welche  alsbald  kapitulierte.

Der  Marschall  Mac  Mahon  lässt  das  Lager  von  Chalons
anzünden  und  zieht  nach  Nordwesten  ab.

1876.  Der  deutsche  Journalistentag  zu  Wiesbaden  protestiert
  gegen  eine  amtliche  Reform  der  deutschen
Orthographie.
        <pb n="437" />
        —  41  —

21.  August.

638.  Eroberung  Jerusalems  durch  den  Kalifen  Omar.

1131.  Balduin  IL,  König  von  Jerusalem  von  1118—1131,  stirbt
zu  Jerusalem.

1241.  Papst;Gregor  IX.,  heftiger  Gegner  Kaiser  Friedrichs  II,
stirbt,  fast  hundert  Jahre  alt,  vom  Unglück  ungebeugt  und  voll
des  festen  Vertrauens,  „dass  die  Kirche,  ais  eine  ewige  Macht,
dennoch  siegen  und  triumphieren  werde.“

1400.  Ruprecht  von  der  Pfalz  wird  zum  deutschen  König
gewählt.

1491.  Kaiser  Friedrich  III.  verkündet  einen  fünfzigjährigen
Landfrieden  zu  Wienerisch-Neustadt.

1759.  Wittenberg  ergiebt  sich  den  Oesterreichern.

1761.  Treffen  bei  Neubrandenburg.
Oberst  von  Belling  schlägt  die  Schweden.

1796.  Treffen  bei  Wolfering.
Der  französische  General  Jourdan  schlägt  die  Oesterreicher.
1813.  Die  Russen  unter  General  Fürst  Wittgenstein  schlagen  bei
Berggiesshübel  unweit  Pirna  die  Franzosen  unter  Gouvion

St.  Cyr  in  die  Flucht.  .

An  demselben  Tag  schlägt  Wallmoden  die  Franzosen
unter  Davoust  bei  Vellahn.

1815.  Konvention  zwischen  den  Grossmächten  über  die  Gefangenhaltung
  Napoleons.

1818.  Einführung  der  landständischen  Verfassung  in
Baden.

1838.  Adalbert  von  Chamisso,  Dichter,  stirbt  zu  Berlin.
Er  war  von  1798  bis  1806  preussischer  Offizier,  nahm  unter  Otto
von  Kotzebue  1815—1818  als  Botaniker  teil  an  einer  Entdeckungsreise
um  die  Welt;  zurückgekehrt  erhielt  er  eine  Anstellung  am  botanischen

Garten  zu  Berlin.

1848.  Heftiger  Tumult  in  München,  wobei  es  zu  einem  Zusammenstosse

  mit  dem  Militär  kommt.

Derselbe  war  veranlasst  durch  das  Gerücht,  dass  die  wertvollsten
Stücke  des  Haus-  und  Staatsschatzes  ins  Ausland  gegangen  seien,  und
erst  als  das  Ministerium  hierauf  eine  wenigstens  beruhigende  Antwort
gab,  legten  sich  die  Exzesse.

1858.  Kronprinz  Rudolf  von  Oesterreich,  einziger  Sohn  Kaiser
Franz  Josephs  I.,  geboren.
        <pb n="438" />
        —  438  —

1870.  Gefecht  der  Korvette  „Nymphe“  mit  französischen  Kriegsschiffen
  in  der  Putziger  Bucht.
Gustav  von  Struve,  republikanischer  Agitator  und  Hauptführer
  des  badischen  Aufstandes  von  1848  und  1849,  stirbt
zu  Wien.

1872.  David  Kalisch,  Mitgründer  des  Kladderadatsch,  stirbt.

An  demselben  Tag  Entdeckung  des  Kaiser  Franz-Josephs-Landes
  unter  79°  54”  n.  Br.

 

22.  August.

&amp;gt;

1411.  Friedrich  II.,  der  Sanftmütige,  Kurfürst  von  Sachsen,
geboren.

1463.  Friede  zu  Prag  zwischen  Kaiser  Friedrich  III.  und  dem
Herzog  Ludwig  von  Bayern.

1567.  Ferdinand  Alvarez  von  Toledo,  Herzog  von  Alba,
erscheint  mit  bedeutend  verstärkter  Mannschaft  vor  den  Thuren
von  Brüssel  und  hält  alsbald  seinen  Einzug,  um  eine
Schreckensherrschaft  zu  beginnen,  deren  Einzelheiten
  Einem  noch  heute  Entsetzen  einflössen.

1622.  Treffen  bei  Fleurus.

Christian  von  Braunschweig  und  Ernst  von  Mansfeld  schlagen  Spinola.

1680.  Johann  Georg  II.,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt  zu  Freiberg.

.  Er  war  ein  Fürst  von  durchaus  schwankendem  Charakter  und  deshalb
  oft  den  entgegengesetztesten  Einflüssen  zugängig.  Am  31.  Mai  1613
war  er  geboren.

1707.  Kaiser  Joseph  I.  und  König  Karl  XII.  von.  Schweden
schliessen  den  Frieden  von  Altranstädt,  wonach  den
Schlesiern  freie  Religionsübung  zugestanden  wird.

1717.  Prinz  Eugen  erobert  Belgrad,  das  durch  den  Frieden
von  Passarowitz  (1718)  wieder  an  Oesterreich  kommt.

1721.  Das  Herzogtum  Schleswig  wird  in  die  dänische  Monarchie
widerrechtlich  einverleibt.

1796.  Schlacht  bei  Neumarkt  in  der  Oberpfalz,  in  welcher
Erzherzog  Karl  die  französische  Heeres-Abteilung  des  Bernadotte
vollständig  schlägt,  so  dass  die  Stellung  Jourdans  derartig  bedroht

  wurde,  dass  derselbe  sogleich  seinen  Rückzug  aus  der
Oberpfalz  anordnete,
        <pb n="439" />
        —  4129  —

An  demselben  Tage  schliesst  Baden  mit  den  Franzosen

einen  gleichen  Separatfrieden  ab,  wie  Württemberg  am
7.  August.

1803.  Preussen  nimmt  von  der  Stadt  Erfurt  Besitz.

1828.  Franz  Joseph  Gall,  Phisiolog  und  Begründer  der  Schädellehre,
  stirbt.

1833.  Ewald  August  König,  Romanschriftsteller,  zu  Barmen
geboren.

1849.  Die  Oesterreicher  unter  Radetzky  nehmen  Venedig  ein.

1850.  Der  Dichter  Nikolaus  Lenau  (Nikolaus  Nimbsch  von
Strehlenau)  stirbt.

Seine  Gedichte  haben  meistens  melancholische  Anklänge,  durchwoben
  mit  origineller  Naturanschauung,  oft  voll  dichterischer  Kraft,
Hoheit  und  Fülle  und  tiefempfundener  Vaterlandsbegeisternng,  wenn  er
des  unglücklichen  Polens  gedenkt.  Im  Jahr  1844  verfiel  er  in  Wahnsinn,

der  ihn  bis  zu  seinem  Tode  im  Irrenhause  zu  Oberdöbling  bei  Wien
nicht  wieder  verliess.

1864.  Genfer  Konvention.

Dieselbe  bezweckt  denSchutzdesSanitätswesensimKriege
und  bestimmt,  dass  das  Personal  der  Lazarette,  Verbandplätze  und
Depots  als  neutral  anzusehen  ist,  solange  es  seinen  Funktionen  obliegt.
Alle  Staaten  Europas  haben  sich  dieser  Konvention  angeschlossen,
  auch  Frankreich,  das  aber  nichtsdestowenigerim
  deutsch-französischen  Kriege  von  1870/71  vielfach
  entgegenhandelte.

1866.  Friedensschluss  zwischen  Preussen  und  Bayern.

Letzteres  hat  10  Millionen  Gulden  zu  bezahlen  und  zwei  kleine
Bezirke  im  Spessart  und  Rhöngebirge,  Orb  und  Gersfeld,  an  Preussen
abzutreten.

1870.  Die  französische  Festung  Thionville  von  den  Deutschen
eingeschlossen.

1877.  Der  Afrikareisende  Henry  Stanley  vollendet  seine
kühne  Wanderung  vom  Osten  Afrikas  nach  dem  Westen  desselben
  und  trifft  mit  seiner  Expedition  in  St.  Paul  de  Loanda
am  Atlantischen  Ozean  ein.

1884.  Karl  Freiherr  von  Tinti,  Bundespräsident  der  österreichischen
  Gesellschaft  vom  roten  Kreuz,  Mitglied  des  Herrenhauses,
  stirbt  in  Bad  Kreuth.

1885.  Entdeckung  eines  neuen  Sternes  im  Andromeda-Nebel;
—  ein  Wunder  am  Himmel!
        <pb n="440" />
        —  430  7°  —

23.  August.

&amp;gt;

476.  Der  Schyrenfürst  Odowakar  wird  von  den  vereinigten  deutschen
Soldtruppen  zu  ihrem  König  ausgerufen.

1258.  Schlacht  bei  Skurkola,  unweit  Tagliakozzo,  in  welcher
die  Deutschen  unter  dem  Hohenstaufen  Konradin  gegen  die
Scharen  Karls  von  Anjou  anfangs  siegreich  waren,  dann  aber
dadurch,  dass  im  entscheidenden  Augenblick  der  Ritter  von  Valery
aus  einem  Hinterhalt  hervorstürzte,  in  die  Flucht  geschlagen
wurden.

Konradin  wurde  auf  der  Flucht  durch  die  schändliche  Verräterei
eines  neapolitanischen  Adeligen  gefangen  und  seinem  Todfeinde,  Karl
von  Anjou,  ausgeliefert,  der  ihn  am  29.  Oktober  1268  zu  Neapel  enthaupten
  liess.

1388.  Schlacht  bei  Döffingen.

Der  Schwäbische  Städtebund  würde  an  diesem  Tage  bei
Döffingen  einen  glänzenden  Sieg  wider  die  unumschränkte  Fürstenmacht
  erkämpft  haben,  wenn  nicht  die  Niederträchtigkeit  des  Verrats
die  errungenen  Vorteile  vereitelt  hätte.  Der  schändliche  Verräter  hiess
Graf  von  Henneberg;  er  stand  an  der  Spitze  der  Nürnberger,  mit  welchen
er  in  der  schimpflichsten  Weise  und  im  Einverständnisse  mit  dem  Gegner,
Graf  Eberhard  dem  Greiner,  das  Schlachtfeld  im  entscheidenden
Augenblicke  verliess,  um  so  die  Niederlage  des  Bürgertums  herbeizuführen.
Von  den  Bürgern  fielen  1000,  von  den  adeligen  Kriegern  6000,  und  unter
dieser  Zahl  befanden  sich  60  Ritter.  Auf  der  Flucht  wurden  noch  600
Städter  gefangen.

1436.  Beendigung  der  Hussitenkriege.  —  König  Sigismund
zieht  in  Prag  ein.

1695.  Die  Brandenburger  unter  ihrem  General  von  Heyden
nötigen  die  französische  Besatzung  von  Namur  nach  siebenwöchentlicher

  Belagerung  zur  Kapitulation.

1743.  Die  Universität  Erlangen  wird  durch  den  Markgrafen  Friedrich
  von  Bayreuth  gegründet.

1792.  Einnahme  der  französischen  Festung  Longwy  durch  Abteilungen
  des  preussisch-österreichischen  Heeres.

1805.  Anton  Ritter  von  Schmerling,  österreichischer  Staatsmann,
  zu  Wien  geboren.

1813.  General  Bülow  schlägt,  trotz  des  Gegenbefehls  des  Kronprinzen
  von  Schweden,  Bernadotte,  mit  dem  preussischen
Nordheer  die  Franzosen  bei  Grossbeeren,  zwei  Meilen
von  Berlin.
        <pb n="441" />
        —  431  —

Bernadotte,  der  ehemalige  französische  General,  hatte  zornig  jede
Mitwirkung  versagt  und  blieb  mit  seinen  Schweden,  den  Ausgang  abwartend,
  stehen.  —  Nach  wenigen  Stunden  war  der  Sieg  erfochten;
  die  Franzosen  flohen  mit  Verlust  von  4000  Mann  und  14
Kanonen.  Das  bedrohte  Berlin  war  gerettet  und  der  wackere  Bülow
war  sein  Retter!  „Unsere  Knochen  sollen  vor  Berlin  bleichen,  nicht
rückwärts!“  hatte  er  vor  der  Schlacht  erklärt.

An  demselben  Tage  fanden  Treffen  bei  Blankenfelde
und  Goldberg  statt.

In  dem  ersteren  schlug  der  preussische  General  Tauenzien  das
Bertrand’sche  Korps  in  die  Flucht,  und  bei  Goldberg  siegte  Prinz
Karl  von  Mecklenburg  über  französische  Abteilungen.

1840.  Cornelius  Gabriel  Max,  berühmter  Historienmaler,  zu
Prag  geboren.

1851.  Der  deutsche  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  hebt  die
von  der  Frankfurter  Nationalversammlung  1848  festgesetzten
„arundrechte  des  deutschen  Volks“  auf  und  stellt  die
Uebereinstimmung  der  deutschen  Staatsverfassungen  mit  den
Bundesgesetzen  wieder  her.

1854.  Hessen-Darmstadt  schliesst  mit  Bischof  Ketteler  von
Mainz  ein  Konkordat,  durch  welches  die  katholische  Kirche
und  die  Bestrebungen  der  Jesuiten  von  allen  Beschränkungen
frei  werden.

1866.  Friedensschluss  zu  Prag.

Die  Nikolsburger  Bestimmungen  wurden  hierin  bestätigt.  —
Auf  den  Wunsch  Napoleons  11].  wurde  dem  Verein  der  süddeutschen
Staaten  „eine  internationale,  unabhängige  Existenz“  zugesichert.  —  Bismarcks
  berechnende  Staatskunst  behandelte,  was  den  Geldpunkt  anlangte,
  aber  auch  überhaupt,  Oesterreich  überaus  mild.

Unter  folgenden  Bedingungen  war  der  Friedensschluss  zu  Prag  zu
stande  gekommen:

„Oesterreich  erkennt  die  Auflösung  des  bisherigen  deutschen  Bundes
an  und  giebt  seine  Zustimmung  zu  einer  neuen  Gestaltung  Deutschlands,
an  welcher  es  nicht  teilnimmt.

Es  erklärt  sich  mit  allen  von  Preussen  im  Norden  des  Main  herzustellenden
  neuen  Einrichtungen  und  Gebietsveränderungen  einverstanden,
wogegen  Preussen  sich  verpflichtet,  das  Ländergebiet  Sachsens  in  seinem
bisherigen  Umfange  bestehen  zu  lassen.  Den  deutschen  Staaten  südlich
des  Main  wird  anheimgestellt,  in  welches  Verhältnis  sie  sich  zu  dem
durch  Preussen  geeinten  Norddeutschland  setzen  wollen.

Der  Kaiserstaat  überträgt  ferner  alle  im  Wiener  Frieden  1864  erworbenen
  Rechte  auf  Schleswig  und  Holstein  an  Preussen,  unter  Vorbehalt
einer  in  den  nördlichen  Distrikten  über  etwaigen  Anschluss  an  Dänemark
vorzunehmenden  Abstimmung.

Es  giebt  seine  Zustimmung  zu  einer  Vereinigung  Venetiens  mit
Italien.

Es  zahlt  an  Preussen  eine  Kriegskostenentschädigung  von  zwanzig
Millionen  Thalern.“
        <pb n="442" />
        —  432  —

1870.  Beschiessung  von  Toulund  Bietsch  durch  die  Deutschen.
Strassburg  wird  von  Kehl  aus  mit  Belagerungs-Geschützen
beschossen.

1885.  Blutige  Exzesse  der  Czechen  gegen  deutsche  Turner
in  Königinhof  in  Böhmen.

 

 

24.  August.

Dad

79.  Ausbruch  des  Vesuv.

Die  Städte  Hereulanum,  Pompeji  und  Stabiae  werden  verschüttet.


410.  Die  Westgoten  unter  König  Alarich  erstürmen  Rom.
1125.  Wahltag  zu  Mainz.

Durch  den  „grossen  Ränkemeister“  Adalbert,  Erzbischof  von
Mainz,  berufen,  setzte  dieser  es  durch,  dass  gegen  Friedrich  von  Hobhenstaufen
  Herzog  Lothar  in  Sachsen  zum  deutschen  Kaiser  gewählt
wurde.

1313.  Kaiser  Heinrich  VII.  (der  Luxemburger)  (1308—1313),
stirbt  plötzlich  zu  Buonconvento  bei  Siena  in  Italien,  noch  nicht
51  Jahre  alt,  infolge  einer  Vergiftung.

Für  sein  Haus  gewann  er  durch  glückliche  Fügung  das  Königreich
Böhmen.

1319.  Waldemar,  Markgraf  von  Brandenburg  (1308—  1319),  stirbt.
Er  war  ein  thatenlustiger  Fürst.

1529.  Vertrag  von  Grimnitz,  durch  welchen  Joachim  I.  die  Erbfolge
der  Hohenzollern  in  Pommern  festsetzt.

1617.  Stiftung  des  Palmenordens  zu  Weimar,  zum  Zweck  der  Reinerhaltung
  der  deutschen  Sprache.

Ging  1680  zu  Köthen  wieder  ein.

1645.  Friede  zu  Linz  zwischen  Kaiser  Ferdinand  III.  und  dem
siebenbürgischen  Fürsten  Rakoczi.

1740.  Iwan  IV.  geboren.

Er  war  ein  Sobn  der  russischen  Grossfürstin  Anna  Karlowna  und
des  Herzogs  Anton  Ulrich  von  Braunschweig-Wolfenbüttel.

1759.  Der  Dichter  Ewald  Christian  von  Kleist  stirbt  infolge
schwerer  Verwundung,  welche  er  in  der  Schlacht  bei  Kunersdorf
  am  12.  August  erhalten  hatte,

Kleist  hatte  sich  durch  sein  Talent  und  seinen  vortreflichen
Charakter  die  Freundschaft  der  besten  Köpfe  seiner  Nation  erworben
        <pb n="443" />
        —  43  —

und  jeder  gebildete  Deutsche  zollte  ihm  Bewunderung  und  sein  Name

wird  in  der  deutschen  Litteratur,  welche  er  zuerst  mit  bilden  half,  unvergesslich
  sein.

1761.  Die  Russen  belagern  Kolberg,  das  sie  von  allen  Seiten
einschliessen.

1796.  Erzherzog  Karl  schlägt  die  Franzosen  bei  Amberg,  wodurch
  Bonaparte  seinen  Plan,  seine  Heere  im  Herzen  Deutschlands
  zu  vereinigen,  aufgeben  musste.

1802.  Eröffnung  des  Reichstags-  Ausschusses  zu  Regensburg
  behufs  Beratung  der  ihm  von  Frankreich  und  Russland
aufsedrungenen  Säkularisation.

So  kam  es  denn  zu  der  unseligen  Erklärung  dieser  Reichsdeputation,
wonach  man  den  französisch-russischen  Plan  der  Länder-Verteilung  im
wesentlichen  annahm  und  das  deutsche  Interesse  voll  und  ganz  unter
dem  Einfluss  und  Befehl  der  Fremden  stellte.  —  Es  beginnt  die  Zeit
von  Deutschlands  tiefster  Erniedrigung!

1830.  Aufstand  in  Brüssel,  gegen  die  holländische  Herrschaft
gerichtet.

1831.  General  Gneisenau,  der  grosse  Stratege  der  Freiheitskriege,
stirbt  in  Posen  an  der  Cholera.

Sein  Leichnam  wurde  interimistisch  in  Posen,  1832  aber  in  der
Kirche  zu  Wormsdorf,  einem  Patronate  seines  Sohnes,  beigesetzt.  —
Seit  1841  ruht  er  in  der  Familiengruft  Sommerschenburg,  wo  ihm  ein
Denkmal  errichtet  wurde.

1837.  Adolf  Wilbrandt,  Dichter,  zu  Rostock  geboren.

1866.  Der  in  Folge  des  Kriegs  von  Frankfurt  a.  M.  nach  Augsburg
geflüchtete  Rest  des  Bundestags  beschliesst  die  Einstellung  seiner
Thätigkeit  und  erklärt  selbst  den  bisherigen  Deutschen
Bund  für  aufgelöst.

1870.  Die  Deutschen  besetzen  das  Lager  von  CGhalons  und
Epernay.

Die  Citädelle  in  Strassburg  wird  in  Brand  geschossen,
kleinere  Pulvermasazine  fliegen  in  die  Luft,  Magazine  und  eine
grosse  Anzahl  Gebäude  stehen  in  Flammen.  —  Die  Vorposten
stehen  5  bis  800  Schritt  von  der  Festung.

1885.  Das  deutsche  Kriegsschiff  „Iltis*  hisst  auf  der  Insel  der
Karolinen  im  grossen  Ozean,  mit  Namen  Yap,  die  deutsche
Flagge  auf  und  stellt  sie  u..ter  den  Schutz  Deutschlands.  Beginn
der  Karolinenfrage.

Generalversammlung  des  VereiusdeutscherEisenbahn-Verwaltungen
  in  Budapest.

 

 

28
        <pb n="444" />
        u  434°  —

25.  August.

474.  Untergang  des  weströmischen  Reichs.

Odowakar,  Heerführer  aus  Herulern,  Skiren,  Rugiern  u.  a.  gemischter
  Scharen,  zwingt  den  Kaiser  Romulus  Augustulus  zum  Verzicht
auf  den  Thron  und  nimmt  den  TiteleinesKönigsvonltalienan.

1215.  Papst  Innocenz  1II.  erklärt  auf  Anstiften  des  Königs  Johann
von  England  die  von  diesem  beschworene  Magna  charta  für
ungiltig  und  ihn  des  Eides  ledig.

1248.  Ludwig  IX.  von  Frankreich  schifft  sich  in  Aigues-Mortes
zum  7  Kreuzzuge  ein.

1744.  Johann  Gottfried  v.  Herder,  einer  unserer  originellsten
und  geistreichsten  Schriftsteller,  geboren  zu  Mohrungen,  einer
kleinen  Stadt  in  Östpreussen,  wo  sein  Vater  unterster  Schullehrer
  war.

1758.  Schlacht  bei  Zorndorf,  unweit  Küstrin,  in  welcher  König
Friedrich  Il.  die  Russen,  welche  bereits  Königsberg  eingenommen
  und  ihren  Vormarsch  bis  auf  Küstrin  ausgedehnt  hatten,
gründlich  schlägt.

Die  Russen  verloren  an  Toten  20000  Mann,  welche  fast  einzig
von  der  preussischen  Reiterei  niegergehauen  wurden.  103  russische
Kanonen  wurden  erbeutet.  Die  Preussen  hatten  circa  10000  Mann
verloren.

1769.  Friedrichs  des  Grossen  Zusammenkunft  mit  Kaiser
Joseph  Ill.  zu  Neisse,  in  der  Absicht,  der  wachsenden  Macht
Russlands  durch  ein  gemeinsames  Verhalten  zu  begegnen.

1785.  Die  Emser  Punctation  kommt  auf  dem  Emser
Kongress,  durch  die  deutschen  Erzbischüfe  von  Mainz,  Salzburg,
  Köln  und  Trier,  mit  Hilfe  von  Rechtskundigen  und  gelehrten
  Geistlichen  zu  Stande,  um  den  „verjährten  Eingriffen
  des  Papstesin  Metropolitanrechten,  Dispensations-‚,Appellations-und
  Beneficiensachen,  Exemtionen
  und  dergleichen  abzuwehren.“

1786.  Ludwig  1l.,  König  von  Bayern,  in  Strassburg  geboren.

Er  war  der  älteste  Sohn  des  damals  in  französischen  Diensten  als
Generalmajor  stehenden  Pfalzgrafen,  nachherigen  Königs  Maximilian
Joseph  und  Augusten  Friederikens  von  Hessen-Darnstadt.  Er  war
ein  begeisterter  Freund  der  Künste  und  Wissenschaften,  liess  prachtvolle
Bauten  in  München,  die  Walhalla  bei  Regensburg  aufführen,  rief  den
        <pb n="445" />
        —  435  —

Ludwigskanal  zur  Verbindung  von  Rhein  und  Donau  (1836—45)  ins
Leben  und  gab  drei  Bände  Iyrischer  „Gedichte“  heraus.  In  politischen
Dingen  war  er  Anhänger  der  Reaktion.

1791.  Kaiser  Leopold  II.  und  König  Friedrich  Wilhelm  II.
kommen  in  Pillnitz  zusammen,  um  sich  bezüglich  eines
gemeinschaftlichen  Handelns  wider  Frankreich  zu
verständigen.

Auch  die  Führer  der  französischen  Emigranten,  Graf  d’Artois  und
Calonne,  wohnten  dieser  Zusammenkunft  bei.  Ein  bestimmter  Entschluss
zum  Kriege  ward  bei  dieser  Beratung  von  beiden  Seiten  noch  nicht
gefasst,  sondern  sie  vereinigten  sich  nur  zu  der  Erklärung,  dass  es  im
Interesse  aller  europäischen  Souveräne  liege,  den  König
von  Frankreich  in  seine  volle  Freiheit  und  monarchische
Gewalt  wieder  eingesetzt  zu  sehen;  und  dass  sie  selbst  zur
Wiederherstellung  der  königlichen  Gewalt  in  Frankreich  mit  ihrer  Militärmacht
  beizutragen  entschlossen  seien,  und  deshalb  ihre  Truppen
in  Bereitschaft  setzen  werden.

1814.  Friede  zu  Berlin  zwischen  Dänemärk  und  Preussen.

Versprechen  an  Dänemark  wegen  einer  Entschädigung  für  Norwegen.

1822.  Friedrich  Wilhelm  Herschel,  ein  berühmter  Astronom,
stirbt  auf  seinem  Landsitze  Slough  bei  Windsor  in  England.
Anfänglich  Musiklehrer,  widmete  er  sich  später  ausschliesslich  der
Astronomie,  und  hat  er  in  deren  Dienst  sich  einen  unvergänglichen  Ruhm
und  den  Dank  der  Nachwelt  erworben.  Er  entdeckte  am  13.  März  1781
den  Uranus,  erfand  sein  Lampenmikrometer,  machte  sich  verdient  um
die  Beobachtung  des  Mars,  der  Sternhaufen  und  Nebelflecken,  und  verbesserte
  das  Fernrohr.

1840.  Karl  Immermann,  Dichter,  stirbt  zu  Berlin.

Er  machte  1815  den  Feldzug  mit,  focht  bei  Ligny  und  Waterloo
wurde  als  Offizier  entlassen  und  trat  in  preussischen  Staatsdienst,  leitete
1835—38  das  Düsseldorfer  Theater  und  lebte,  mit  einer  Enkelin  des
Kanzlers  Niemeyer  in  Halle  verheiratet,  bis  an  sein  frühes  Ende  zu
Berlin.

1845.  Ludwig  1l.,  König  von  Bayern,  zu  Nymphenburg  geboren.

Er  war  ein  grosser  Freund  der  Kunst  und  Musik.  Im  deutschfranzösiscken
  Krieg  trat  er  auf  Preussens  Seite  und  beantragte  an
König  Wilhelm  die  Kaiserkrone  zu  übertragen.

1850.  Preussenlehntden  Antrag  Oesterreichsauf  Wiederherstellung
  des  alten  Bundestages  ab.

1868.  Charlotte  Birch-Pfeiffer,  eine  fleissige  dramatische
Schriftstellerin,  stirbt.

1870.  Die  kleine  Festung  Vitry  an  der  Marne  ergiebt  sich  den
Deutschen.  15  Kanonen  wurden  vorgefunden.

Zwei  Bataillone  Garde  mobile,  welche  sich  verirrt
hatten,  werden  von  deutscher  Kavallerie  zersprengt,  17  Offiziere
und  850  Mann  werden  gefangen  genommen.
        <pb n="446" />
        _  436  —

1885.  Zusammenkunft  des  Kaisers  von  Oesterreich  und
des  Kaisers  von  Russland  in  Kremsier.

1886.  Zu  Gunsten  des  Fürsten  Alexander  von  Bulgarien  wird
in  Tirnowa  eine  provisorische  Regierung  gebildet.

An  demselben  Tage  wird  Fürst  Alexander  vom  Revolutionskomitee
  in  Reni  an  Russland  ausgeliefert,  das  ihn  festnahm,
aber  alsbald  ungehindert  seine  Reise  nach  Oesterreich  fortsetzen
  lässt.

 

26.  August.

381.  Ulfilas  oder  Vulfila,  Bischof  der  Westgoten,  stirbt  zu
Konstantinopel.

Er  übersetzte  die  Bibel  mit  Ausnahme  der  Bücher  der  Könige
ins  Gotische,  und  sind  einige  Bruchstücke  von  diesem  ältesten  Schriftdenkmal
  deutscher  Sprache  bis  heute  erhalten  geblieben.

526.  (Nach  andern  am  30.  August.)  Theodorich  der  Grosse,
König  der  Östgoten,  stirbt.

1278.  Schlacht  auf  dem  Marchfeld  bei  Wien,  in  welcher
Kaiser  Rudolf  von  Habsburg  das  Slavenheer  des  Böhmenkönigs
  Ottokar  gänzlich  schlägt.

1444.  Blutige  Schlacht  bei  St.  Jacob  an  der  Birs,  in  der  Nähe
von  Basel.

Die  Schweizer  Eidgenossen  erfochten  gegen  die  französischen  Soldtruppen,
  nach  ihrem  Führer  die  Armagnaken  genannt,  einen  glänzenden
Sieg.  Nach  zehnstündigem  Kampfe  lagen  mehr  als  8000  Armagnaken
erschlagen,  ebenso  aber  auch  alle  Eidgenossen,  bis  auf  zehn,  welche  entrannen
  und  daheim  hierüber  herbe  Schande  empfingen.

1485.  Leipziger  Teilungsvertrag.

Albrecbt  III,  der  Beherzte,  Herzog  von  Sachsen,  vereinigt  sich
mit  seinem  Bruder  Ernst  dahin,  dass  diesem  Meissen,  jenem  Thüringen
  zufiel.  —  Diese  Teilung  erhielt  am  24.  Februar  1486  zu  Frankfurt

  a.  M.  die  kaiserliche  Bestätigung.
1486.  Ernst,  Kurfürst  von  Sachsen,  Stifter  der  ernestinischen
Linie,  stirbt  zu  Kolditz  infolge  eines  Sturzes  mit  dem  Pferde.

1596.  Friedrich  V.,  Kurfürst  von  der  Pfalz,  König  von  Böhmen
(1619—  20),  geboren  zu  Amberg.

Nach  dem  Tode  seines  Vaters  trat  er  die  Regierung  unter  Vormundschaft
  des  Herzogs  Johann  von  Zweibrücken  an.  Er  war  mit  einer
Tochter  Jakobs  I.  von  England  vermählt,  wurde  1621  seines  Landes  verlustig
  und  vom  Kaiser  in  die  Reichsacht  erklärt,  nachdem  er,  zum  böhm-
        <pb n="447" />
        —  437  .—

ischen  König  erhoben,  in  der  Schlacht  von  Prag  am  8.  November  1620
vom  kaiserlichen  Heer  vollständig  geschlagen  worden  war,  und  lebte  anfänglich
  im  Haag  und  starb  am  29.  November  1632  zu  Mainz.

1619.  Die  böhmischen  Stände  wählen  den  Kurfürsten  Friedrich  V.
von  der  Pfalz  zum  König  von  Böhmen,  nachdem  durch  den
am  10.  März  1619  erfolgten  Tod  des  Kaisers  Matthias  die
böhmische  Königskrone  erledigt  worden  war.

1745.  Die  Festung  Kosel  kommt  durch  Ve:rat  in  Besitz  der  sie
erstürmenden  Oesterreicher.

1802.  Ludwig  Michael  Schwanthaler,  berühmter  Bildhauer,
zu  München  geboren.

iS06.  Eine  der  grössten  Schandthaten  während  Deutschlands
  tiefster  Erniedrigung:  Der  Buchhändler  Palm
aus  Nürnberg  wird  auf  Befehl  Napoleons  erschossen,
weil  er  eine  gegen  dessen  Gewaltherrschaft  gerichtete  Flugschrift
„Deutschland  inseiner  tiefsten  Erniedrigung“,  ohne
deren  Inhalt  zu  kennen,  als  Speditionsartikel  an  eine
andere  Buchhandlung  versandt  hatte.
In  Braunau  wurde  ihm  1866  ein  Denkmal  errichtet;  König  Ludwig

  I.  von  Bayern  liess  sein  Haus  in  Nürnberg  mit  einer  Gedenktafel
schmücken.

1813.  Der  Dichter  Theodor  Körner  fällt  ‚  von  einer  feindlichen
Kugel  getroffen,  bei  Gadebusch  im  Mecklenburgischen.

Zu  Wöbbelin  unter  einer  Eiche  wurde  der  Jüngling  begraben.

An  demselben  Tage  geschahen  in  Schlesien  grosse
Thaten,  indem  der  alte  Haudegen  Gebhardt  Lebrecht  von
Blücher  den  Franzosen  au  der  Katzbach  eine  Schlacht
lieferte,  welche  für  sie  von  ungeheurem  Nachteil  war  und
ihnen  grosse  Verluste  brachte.

Blücher  ward  infolge  des  Siegs  vom  König  zum  Feldmarschall  erhoben;
  die  Truppen  nannten  ihn  jetzt  aber  nach  seinem  Wahlspruch  den
„Marschall  Vorwärts!“  Der  König  erhob  ihn  nachmals  zum  Fürsten
von  Wahlstatt;  so  hiess  das  Feld  an  der  Katzbach,  wo  der  herrliche

Sieg  erfochten  ward.

An  demselben  Tage  blutige  Schlacht  bei  Dresden,
in  welcher  die  Verbündeten  gegen  Napoleon  selbst  vorgedrungen
  waren,  aber  ohne  grosse  Vorteile  zu  erzielen.

Nach  Beendigung  des  Gefechts  zogen  sich  die  Verbündeten  wieder
auf  die  Höhen  zurück,  welche  sie  vor  der  Schlacht  innegehabt  hatten.

1815.  Kapitulation  von  Hüningen,  durch  Erzherzog  Johann
von  Oesterreich  veranlasst,  der  die  Festung  sodann  schleifen  liess.

1819.  AlbertFranz  August  KarlEmanuel,  Prinz  von  Sachsen-Koburg-Gotha,
  geboren.

Er  war  Gemahl  der  Königin  Viktoria  von  Grossbritannien.
        <pb n="448" />
        —  4353  —

1848.  Abschluss  des  Waffenstillstands  zu  Malmö  in
Schweden  zwischen  Preussen  und  Dänemark,  angeblich,  weil
England  und  Schweden  mit  einer  Blokade  der  preussischen
Häfen  und  Russland  mit  einem  Einmarsch  ins  preussische  Gebiet
drohten.

Danach  wurden  alle  Beschlüsse  der  provisorischen  Regierung  für
ungiltig  erklärt  und  für  die  Herzogtümer  eine  gemeinschaftliche  Regierung
  (Preussen  und  Dänemark)  ernannt.  Der  Krieg  sollte  vor  dem
1.  April  1849  nicht  wieder  angefangen  werden.  —  Dieser  Friedensschluss
  gab  die  zwei  deutschen  Herzogtümer  ganz  an
Dänemark  preis.  Das  deutsche  Parlament  zu  Frankfurt  a.  M.  sistierte
denselben  anfänglich,  gab  aber  dennoch  später  seine  Zustiminung.

1857.  Adolf  von  Schlagintweit,  Geolog  und  Reisender,  stirbt
in  Bengalen  bei  Arjan,  infolge  von  Verräterei  ermordet.

1862.  Preussens  Antwort  an  Bayern  und  Württemberg
auf  die  Ablehnung  des  Beitrittes  zum  preussisch-französischen
Handelsvertrage.

1866.  Hessen-Darmstadt  tritt  an  Preussen  das  Besatzungsreclit
der  Festung  Mainz  ab,  und  wird  dasselbe  von  preussischen
Truppen  besetzt.

1873.  Karl  Wilhelm,  Komponist  der  „Wacht  am  Rhein“,  stirbt
zu  Schmalkalden,  seiner  Vaterstadt.

Die  „Wacht  am  Rhein“  wurde  zum  ersten  Male  am  11.  Juli  1854
von  100  Sängern  dem  nachherigen  Kaiser  Wilhelm  I.  gelegentlich  seiner
silbernen  Hochzeit  vorgetragen;  seit  1870  Nationalgesang,  brachte
sie  dem  Komponisten  nach  Beendigung  des  deutsch-französischen  Kriegs
eine  Jahrespension  von  :sU00  Mark  ein,  welcher  er  sich  leider  nicht  lange
erfreuen  sollte.  —  Denkınal  in  Schmalkalden.

1885.  Die  Revision  im  Prozess  Lieske  wird  vom  Reichsgericht
verworfen.
        <pb n="449" />
        —  439  —

27.  August.

476.  Der  zum  „König  der  deutschen  Völker  in  Italien“  gewählte
Odowdkar  erstürmt  Pavia.

1431.  Eröffnung  des  Konziliums  zu  Basel  durch  zwei  Bevollmächtigte
  des  päpstlichen  Legaten  Kardinal  Julian,  der
reciıteigentlich  das  Kirchenoberhaupt  repräsentierte.

Die  erste  Sitzung  des  Konzils  fand  erst  am  14.  Dezember  1431  statt.

1471.  Georg,  der  Reiche  oder  der  Bärtige,  Herzog  zu  Sachsen,
albertinischer  Linie,  geboren.

1556.  Karl  V.  legt  die  deutsche  Kaiserkrone  nieder  zu  Gunsten
seines  Bruders  Ferdinand.
1576.  Vecellio  Tizian,  grosser  Meister  der  venetianischen  Malerschule,
  stirbt  zu  Venedig  an  der  Pest.
Seine  Darstellungen  aus  dem  Heidentum  stehen  unerreicht  da.
1618.  Albrecht  Friedrich,  Herzog  von  Preussen,  stirbt,  infolge

vieler  Kränkungen  wahnsinnig  geworden.

Seine  älteste  Tochter  war  mit  dem  Sigismund  von  Brandenburg
  vermählt,  wodurch  nach  Albrechts  Tod  das  Herzogtum  Preussen

an  Sigismund  kam.

1626.  Der  legistische  Feldherr  Tilly  schlägt  während  des  dreissigjährigen
  Kriegs  den  Dänenkönig  bei  Lutter  am  Barenberg
am  Harz,  so  dass  derselbe  nur  mit  Not  der  Gefangenschaft
entging.

1667.  Die  Brandenburger  unter  General  Schlabrendorf  erfechten
bei  Peterwardein  einen  glänzenden  $ieg  über  die  Türken.

1759.  Das  von  den  Oesterreichern  wenige  Tage  vorher  besetzte
Wittenberg  wird  von  den  Preussen  wieder  gewonnen.

1770.  Georg  Wilhelm  Friedrich  Hegel,  ein  berühmter  deutscher
  Philosoph,  zu  Stuttgart  geboren.

1791.  Das  BündnisvonPillnitz,  in  welchem  Kaiser  Leopold  ll.
und  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  gemeinschaftlich
als  Verfechter  des  französischen  Thrones  auftreten  und  sich  vereinigen,
  die  Erhebung  des  französischen  Volkes  zu  unterdrücken
und  Ludwig  XVI.  in  den  Stand  zu  setzen,  die  bedrohte  streng

monarchische  Staatsform  zu  behaupten.

Diese  sogenannte  „Deklaration“  von  Pillnitz  wurde  gegen
den  Willen  der  Monarchen  alsbald  von  dem  Grafen  d’Artois  bekannt

gemacht.
        <pb n="450" />
        —  440  —

1813.  Schlacht  bei  Hagelsberg,  unweit  Belzig,  in  welcher  der
preussische  General  Hirschfeld  vom  Tauentzienschen

Corps  eine  etwa  gleich  zahlreiche  Abteilung  Franzosen  unter
Girard  vollständig  besiegt.

Die  Schlacht  wogte  lange  hin  und  her,  bis  die  Kämpfenden  endlich
in  Hagelsberg  zusammengedrängt  waren,  und  sich  nun  ein  wahrhaft
mörderischer  Kampf  entspann.  Die  preussischen  Landwehrleute
schlugen  in  wortlosem  Grimm  mit  den  Kolben,  gleich  Dreschtiegeln,  auf
die  Franzosen  ein,  so  dass  ilırer  mehr  als  4000  hier  totgeschlagen  wurden.

Zweiter  Tag  der  Schlacht  bei  Dresden.

Die  Hauptarmee  unter  Schwarzenberg  muss  sich  nach  Böhmen
zurückziehen.

1863.  Die  dänische  Regierung,  in  der  Meinung,  Oesterreich
werde  durch  den  Frankfurter  Fürstenkongress  mit  Preussen
vollständig  brechen,  erklärt  dem  Bunde  unverhohlen,  sie  müsse
dabei  verharren,  Holstein  an  den  Gesamtausgaben  der  Monarchie
Teil  nehmen  zu  lassen.

Der  schläfrige  Bundestag  raffte  sich  da  doch  noch  einmal  auf  un
beschloss,  aber  erst  am  10.  Oktober,  die  Exekution  gegen  den
dänischen  König  und  beauftragte  damit  die  Regierungen  von  Sachsen
und  Hannover,  welchen  Ocsterreich  und  Preussen  nötigenfalls  helfen  sollten.

1870.  Siegreiches  Gefecht  des  3.  sächsischen  Reiter-Regiments,
1.  Eskadron  des  Ulanen-Regiments  Nr.  18  und  der  Batterie
Zwinker  gegen  6  Eskadrons  französischer  Uhasseurs  in  der
Gegend  von  Buzancy  im  Departement  Ardennen.  Der  französische
Kommandeur  verwundet  und  gefangen.

Preussische  Trunpen  fordern  die  Festung  Longwy
(an  der  belgischen  Grenz«)  zur  Uebergabe  auf.

1878.  Papst  Leo  XIII.  entwickelt  in  einem  Schreiben  an  seinen
Staatssekretär  Kardinal  Nina  sein  Kegierungsprogramm.

1883.  Furchtbarer  vulkanischer  Ausbruch  in  der  Sundastrasse,
  zwischen  den  Inseln  Sumatra  und  Java,  wobei  nahezu
100000  Menschen  ums  Leben  kommen.

Der  Hauptausbruch  erfole‘c  in  der  Nacht  vom  26.  zum  27.  August
auf  der  Insel  Krakatao,  auf  welcher  der  823  Meter  hohe  Vulkan,  das
Zentrum  der  ganzen  Explosion,  liegt.

1886.  Philiatra,  die  Hauptstadt  von  Me:sinien,  wurde  in  35
Minuten  durch  ein  Erdbeben  zerstört.
        <pb n="451" />
        —  441  —

2S.  August.

430.  Augustinus,  der  Heilise,  bedeutender  Kirchenvater  des
Abendlandes,  stirbt.

876.  König  Ludwig  der  Deutsche  stirbt  zu  Frankfurt  a.  M.
Unter  seiner  Regierung  machten  sich  die  Normannen  den  Küsten

und  Flussgebieten  des  Reiches  furchtbar.
933.  Kaiser  Heinrich  I.,  kaum  von  einer  schweren  Krankheit
genesen,  schlägt  die  Ungarn,  die  mit  ihren  wilden  Horden  das
östliche  Deutschland  schrecklich  heimsuchten,  bei  Merseburg.

1338.  Kaiser  Ludwig,  der  Bayer,  errichtet,  mit  den  gesamten
Reichsständen  in  Frankfurt  a.  M.  zusammen,  ein  Reichsgrundgesetz,
  in  welchem  die  Unabhängigkeit  des  Kaisertums
  und  des  erwählten  römischen  Königs  von  der  Bestätigung
und  Krönung  durch  den  Papst  ausgesprochen  und  die  kaiserliche
Gewalt  als  unmittelbar  von  Gott  und  der  Wahl  der
Kurfürsten  ausgehend  erklärt  wird.

Man  sprach  in  diesem  Staatsgrundgesetz  deutlich  und  unumwunden
aus,  dass  der  Kaiser  durch  die  Wahl  allein  volle  Rechtmässigkeit  erlange
und  zur  Ausübung  seiner  Gewalt  einer  Einwilligung  des
Papstes  durchaus  nicht  bedürfe.

1619.  Ferdinand  II.,  König  von  Ungarn  und  Böhmen,  ein  rücksichtsloser
  Gegner  des  protestantischen  Glaubens  und  entschiedener
Anhänger  der  Jesuiten,  wird  zu  Frankfurt  a.  M.  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.

1680.  Karl  Ludwig,  Kurfürst  von  der  Pfalz,  stirbt.

Er  war  der  Gemahl  der  sogenannten  Raugräfin  Luise  von  Degenfeld.
Im  westfälischen  Frieden  erhielt  er  die  Unterpfalz  mit  der  achten  Kurwürde.


1735.  Andreas  Peter  Bernstorf,  nach  Struensee’s  Sturz
dänischer  Minister,  zu  Garlow  in  Braunschweig-Lüneburg  geboren.

Unter  seiner  Verwaltung  hob  sich  Handel,  Wissenschaft,  Industrie
und  Ackerbau  in  Dänemark.

1749.  Johann  Wolfgang  von  Goethe,  Deutschlands  grösster
Dichter,  zu  Frankfurt  a.  M.  geboren.

1788.  Die  Oesterreicher  unter  Laudon  besiegen  die  Türken
bei  Dubicza.

1789.  Niederlage  der  Türken  bei  Mehadia,  von  den  Oesterreichern
  unter  Clairfayt  geschlagen.
        <pb n="452" />
        —  4422  —

1795.  Der  Landgraf  von  Hessen-Kassel  schliesst  mit  den
Franzosen  einen  Separat-Vertrag  ab,  wonach  er  sich
scgen  Zusicherung  des  l'riedens  verpflichtet,  seine  Truppen  von
der  Reichsarmee  zurückzurufen  und  fortan  keine  Hilfe  mehr
gegen  Frankreich  zu  leisten.

1802.  KarlJosephSimrock,  ein  begabter  rheinländischer  Dichter,

zu  Bonn  geboren.

1809.  Wilhelm  Freiherr  von  Hiller  von  Gärtringen,
preussischer  General,  zu  Pasewalk  geboren.

Er  fiel  an  der  Spitze  der  I.  Gardedivision  beim  Sturm  auf  Clılum

bei  Königgrätz  am  3.  Juli  1566.

1813.  Einnahme  von  Luckau  in  der  Niederlausitz  durch  die
Preussen.

1829.  Louis  Konstanz  Berger,  hervorragender  Parlamentarier,

zu  Witten  geboren.
1862.  Treffen  bei  Aspromonte.

Die  Truppen  des  Königs  Viktor  Emanuel  von  Italien  siegen  über
Garibaldi,  welcher  von  diesen,  schwer  verwundet,  gefangen  geromnicn

wird.
1867.  KarlJoseph  Anton  Mittermaier,  berühmter  Kriminalist
und  Professor  in  Heidelberg,  stirbt  daselbst.

1831  war  er  Mitglied  der  badischen  Ständeversammlung,  1848  Präsident
  des  Vorparlaments  zu  Frankfurt  a.  M.  und  in  der  hierauf  folgen«en
Nationalversammlung  Mitglied  des  Verfassungsausschusses.

1870.  Die  Deutschen  werden  aus  Paris  ausgewiesen.

Zusammenkunft  deutscher  Bischöfe  ın  Fulda,
behufs  Anerkennung  des  Dogmas  der  Unfehlbarkeit
durch  die-katholischen  Geistlichen  und  Gemeinden.

1871.  Der  Juristentag  in  Stuttgart  wird  eröffnet.

1873.  Juristentag  in  Hannover.

1879.  Die  Engländer  unter  Lord  Chelmsford  nehmen  den  Zulukönig
  Cetewayos  gefargen.

1886.  Fürst  Alexander  von  Bulgarien,  von  den  Russen
wieder  freigelassen,  trifft  in  Lemberg  ein.
        <pb n="453" />
        —  4493  —

29.  August.

1095.  Ladislaus,  der  Heilige,  König  von  Ungarn,  stirbt.
Er  vernichtete  das  Heidenfum  und  schuf  Ordnung  und  Sicherheit
im  Innern  seines  Reichs.

1521.  Das  feste  Belgrad,  der  Schlüssel  Ungarns,  fällt  in  die
Hände  der  Türken,  unter  Sultan  Soliman  II.

1523.  Ulrich  von  Hutten,  Vorkämpfer  der  Reformation,  stirbt
auf  der  Insel  Ufnau  im  Zürcher  See.

Seine  revolutionären  Ideen  scheiterten  an  der  Nüchternheit  der
Reformation  und  gingen  mit  ihm  zu  Grabe,  wenn  ihm  auch  immerhin
nicht  das  Verdienst  abgesprochen  werden  kann,  dieselbe  durch  seine
Schriften  wesentlich  gefördert  zu  haben.

1526.  Schlacht  bei  Mohaecz  in  Nieder-Ungarn,  in  welcher  die
Ungarn  von  den  Türken  eine  völlige  Niederlage  erleiden,
und  der  König  von  Ungarn,  Ludwig  II.,  auf  der  Flucht  bei
dem  Dorfe  Czelje  in  einem  Sunmpfe  erstickt.

1622.  Gefecht  bei  Fleurus.

Die  Parteifreunde  des  Kurfürsten  Friedrich  V.  von  der  Pfalz,
Christian  von  Braunschweig  und  Ernst  von  Mansfeld,  siegen  über  die
Spanier  unter  Cordova,  wodurch  es  ihnen  möglich  wird,  nach  Holland
zu  entkommen.

1756.  Friedrich  II.,  König  von  Preussen,  bricht  mit  70000  Mann
in  Sachsen  ein  und  besetzt  binnen  14  Tagen  das  ganze  Land.
Beginn  des  siebenjährigen  Krieges.

1790.  Leopold  Karl  Friedrich,  Grossherzog  von  Baden,  zu
Karlsruhe  geboren.

1796.  Bei  Eberbach  schlägt  der  französische  General  Bernadotte
den  österreichischen  General  Hotze.

1800.  Gefecht  bei  Burgebach  in  Oberfranken,  zwischen  den
Franzosen  und  Oesterreichern.

1808.  Dr.  Hermann  Schulze-Delitzsch,  ein  verdienstvoller
Volksmann  und  Gründer  der  deutschen  Erwerbs-  und
Wirtschafts-Genossenschaften,  zu  Delitzsch  geboren.

1813.  Eine  kleine  Abteilung  des  böhmischen  Heeres,  15000  Russen
unter  Prinz  Eugen  von  Württemberg,  halten,  angefeuert
        <pb n="454" />
        —  444  —

vom  König  von  Preussen,  die  doppelt  zahlreichen  Franzosen
unter  Vendamme  bei  Kulm  und  Nollendorf  durch
heldenmütigen  Widerstand  den  ganzen  Tag  auf,  so  dass,  als  am
folgenden  Morgen  der  französische  Befehlshaber  die  Schlacht
ungestüm  erneuerte,  den  Russen  bereits  durch  österreichische
und  preussische  Truppen  Verstärkungen  zugekommen  waren
und  die  Franzosen  gründlich  geschlagen  wurden.

1866.  Eröffnung  der  Friedensverhandlungen  zwischen
Oesterreich  und  Italien,  welche  am  3.  Oktober  1566  zum

Frieden  von  Wien  führen.

1870.  Erster  Tag  von  Sedan.  Siegreiches  Gefecht  bei  Beaumont
und  Nouart  durch  das  vierte,  zwölfte  (sächsische)  und  erste
bayrische  Korps.

Mac  Mahon  wurde  durch  dasselbe  bis  über  die  Maas  bei  Mousson
zurückgedrängt.  12  Geschütze,  einige  Tausend  Gefangene  und  sehr  viel
Material  fiel  in  die  Hände  der  Sieger.

1876.  Deutscher  Protestantentag  zu  Heidelberg.

1877.  Brigham  Young,  Irophet  der  Mormonen,  stirbt.  Ihn  beweinten
  17  Frauen  und  44  Kinder.  Sein  hinterlassenes  \ermögen
  belief  sich  auf  2  Millionen  Dollar.

1883.  Der  deutsche  Reichstag  genehmigt  den  Handtelsvertrag
mit  Spanien.
        <pb n="455" />
        —  445  —

30.  August.

1181.  Papst  Alexander  III.  (1159—81)  stirbt  zu  Civitia-Castellana.

Er  war  ein  schneidiger  Gegner  des  deutschen  Kaisers  Friedrich  I,
den  er  mit  dem  Bannfluche  belegt  hatte.

1675.  Johann  Sobiesky  besiegt  die  Türken  in  der  Schlacht
bei  Lemberg.

1683.  Der  Polenkönig  Johann  Sobiesky,  der  tapfere  Türkenbesieger
  vom  Uhozim,  vereinigt  sich  bei  Krembs  mit  dem
deutschen  Heere.

„Er  brachte  40000  tapfere  Polen,  grösstenteils  Reiterei  und  eine
zahlreiche  Artillerie,  dazu  sich  selbst.“  —  Der  Polenkönig  führte  sodann
als  Oberbefehlshaber  das  jetzt  hundertsechzigtausend  Mann  starke  Heer
In  Eilmärschen  der  von  den  Türken  schrecklich  bedrängten  Kaiserstadt

ien  zu.

1689.  Schlacht  bei  Patacin.
Der  Markgraf  Ludwig  von  Baden  an  der  Spitze  der  Kaiserlichen
besiegt  die  Türken.

1757.  Schlacht  bei  Grossjägerndorf  unweit  Wehlau,  in
welcher  das  kleine  preussische  Heer  von  28000  Mann,  das  unter
dem  greisen  Feldmarschall  Lehwald  stand,  nach  ‚tapferstem  Widerstande
  von  dem  mit  100000  Mann  Russen  in  Östpreussen  eingebrochenen
  Feldherrn  Apraixin  geschlagen  wird.

1759.  Die  Preussen  erobern  die  Festung  Torgau  wieder  zurück.

1761.  Dorsten  in  Westfalen  wird  von  den  Preussen  und
Hessen  erstürmt.

1762.  Treffen  bei  Friedberg.

Die  Franzosen  unter  dem  Prinzen  Cond&amp;amp;  besiegen  die  Preussen
unter  dem  Erbprinzen  von  Braunschweig.
1792.  Dasösterreichisch-preussische  Invasionsheer  unter  dem
Herzog  von  Braunschweig  besetzt  die  Festung  Verdun.
1813.  Entscheidungsschlacht  bei  Kulm  und  Nollendorf.

Der  französische  General  Vandamme  wird  mit  10000  Mann  gefangen.
—  Der  preussische  General  Kleist  erhält  den  Ehrennamen  „von

Nollendorf“.

1831.  In  Berlin  bricht  die  Cholera  aus.

1849.  Feldmarschall  Radetzky  zieht  in  die  am  24.  August  zur
Uebergabe  gezwungene  Stadt  Venedig  ein.
        <pb n="456" />
        —  446  —

1870.  Grosse  Volksversammlung  in  Berlin,  welche  in  einem
Aufruf  an  das  deutsche  Volk  und  einer  Adresse  an  den
König  von  Preussen  die  Zurückweisung  jeder  Einmischung
  des  Auslandes,  Gründung  eines  deutschen  Reiches
und  Wegnahme  von  klsass-Lothringen  verlangt.

Zweiter  Tag  vor  Sedan:  Schlacht  bei  Beaumont

und  Mousson.

20  Geschütze  wurden  durch  die  Deutschen  erobert;  der  Verlust  der
Franzosen  war  ausserordentlich  gross;  der  deutsche  verhältnjsmässig

gering.

An  demselben  Tag  haben  preussische  Ulanen  und  Husaren,
letztere  zu  Fuss,  zwei  von  stärkerer  feindlicher  Infanterie  besetzte  Dörfer
in  der  Nähe  von  Sedan  genommen.

1873.  Entdeckung  des  Franz-Josephlandes  unter  82°  n.  Br.
durch  Weyprecht  und  Payer.

1886.  Der  in  der  Nacht  vom  20.  auf  21.  August  von  elenden
Empörern  zur  Abdankung  resp.  zum  Verlassen  des  Landes
gezwungene  Fürst  Alexander  von  Bulgarien  (Prinz  von
Battenberg)  kehrt  wieder  dahin  zurück  und  trifft  in  Rustschuck  ein.

 

öl.  August.

1287.  Konrad  von  Würzburg,  Vertreter  epischer  Ritterdichtung,
stirbt.

1710.  Preussische  Grenadiere  erstürmen  Castelet  in  Italien.

1734.  Gründung  der  Universität  zu  Göttingen.
Am  17.  September  1737  wurde  dieselbe  eingeweiht.
1740.  Johann  Friedrich  Oberlin,  protest.  Geistlicher  und  edler
Menschenfreund,  zu  Strassburg  geboren.

In  den  Stürmen  der  Revolution  bewahrte  er  als  Pfarrer  zu  Waldbach
  im  Steinthal  seine  Gemeinde  vor  den  Versuchungen  des  Unglaubens.
—  Er  starb  am  ]1.  Juni  1826.

1798.  Gebhard  Karl  Rudolf  von  Alvensleben,  preussischer
General  und  Kommandant  von  Berlin,  geboren.
Er  starb  am  29.  November  1867.
1807.  Des  Generals  Scharnhorst  Entwurf  zur  Regeneration
  der  preussischen  Armee.
Deren  Grundzüge:

„Wehrhaftmachung  des  ganzen  Volkes  und  Veredlung  des  Kriegsdienstes
  durch  allgemeine  Dienstpflicht  ohne  Stellvertretung,  rasche  und
tüchtige  Ausbildung  der  Massen,  sittliche  und  wissenschaftliche  Hebung
        <pb n="457" />
        der  Offiziere,  Gleichheit  der  Rechte  und  Pflichten  für  Alle  ohne  Rücksicht
  auf  Geburt,  Aufsteigen  vom  Soldaten  bis  zur  höchston  Befehlshaberstelle
  nach  Verdienst,  in  Friedenszeiten  nach  Massgabe  der  Kenntnisse
  und  Bildung,  im  Kriege  durch  ausgezeichnete  Tapferkeit  und
Ueberblick,  Begründung  der  Kriegszucht  auf  das  Vaterlands-  und  Ehrgefühl
  mit  Abschaffung  der  herabwürdigenden  Strafen  der  Stockschläge
und  des  Gassenlaufens,  Einfachheit  und  Leichtigkeit  der  Uebungen  und
der  Bewegungen  des  Einzelnen  wie  des  Heeres  mit  Beschränkung  des
Kamaschendienstes.“

1813.  Abzug  der  letzten  Franzosen  aus  Schlesien.

1821.  Hermann  Helmholtz,  Professor  der  Physik,  zu  Potsdam
geboren.

1823.  Gustav  Karl  Ludwig  Richter,  berühmter  Historien-  und
Porträtmaler,  in  Berlin  geboren.

1864.  Ferdinand  Lassalle,  der  moderne  Arbeiter-  Apostel,  stirbt
infolge  einer  Verwundung,  welche  er  drei  Tage  vorher  in  einem
Duell  mit  dem  wallachischen  Bojaren  Janko  von  Rakowitza
erhalten  hatte.

Seine  Leiche  wurde,  von  zahlreichen  Arbeitern  begleitet,  nach
Breslau  geschafft  und  dort  beerdigt.

1867.  Königliche  Ordre,  die  Vornahme  der  Wahlen  zum  ersten
konstituierenden  Reichstage  des  Norddeutschen
Bundes  am  10.  September  1867  betreffend.

1870.  Der  in  Metz  eingeschlossene  Bazaine  bricht  aus  der  Festung
hervor  und  gegen  halb  zehn  Uhr  abends  waren  Noisseville
und  Nontoy  von  den  Franzosen  genommen,  wodurch  die  deutsche
Hauptstellung  zu  beiden  Seiten  an  der  Strasse  nach  Saarlouis
durchbrochen  worden  war.  Aber  schon  bald  nach  Mitternacht
  hatten  sich  die  Deutschen  die  Orte  Noisseville

und  Montoy  wieder  zurückerobert.
Die  deutschen  Truppen  rücken  gegen  Sedan  heran,
wo  Mac  Mahon  Stellung  genommen.
1871.  Thiers  wird  zum  verantwortlichen  Präsidenten  der  Republik
erhoben.
1850.  Wilhelmine,  Königin  der  Niederlande,  geboren.

Bis  zu  ihrer  Volljährigkeit  führt  die  Königin  Emma  aus  dem  Hause
Waldeck-Pyrmont,  die  zweite  Gemahlin  des  am  23.  November  1890  verstorbenen
  Königs  Wilhelm  III.,  die  Regentschaft.

1883.  Der  bekannte  Romanschriftsteller  Levin  Schücking  stirbt
zu  Pyrmont.
1885.  Deutscher  Katholikentag  in  Münster  in  Westfalen.
        <pb n="458" />
        —  4435  —

1.  September.

ee  nz

1511.  Eröffnung  einer  allgemeinen  Kirchenversammlung
in  Pisa  behufs  einer  Kirchenreformation.

Diese  Kirchenversammlung  war  durch  Kaiser  Maximilian  I.  und
König  Ludwig  XII.  von  Frankreich  veranlasst  worden,  und  zwar  ohne
das  Einverständnis  des  Papstes  Julius  II.,  der  derselben  das  fünfte
ökumenische  Lateran-Konzilium  entgegensetzte.

1547.  Reichstag  von  Augsburg  eröffnet,  auf  welchem  Kaiser
Karl  V.  neben  einer  Verständigung  in  der  Kirchenfrage,  zugleich
auch  eine  Erneuerung  und  Kräftigung  des  schwäbischen  Städtebundes,
  mit  welchem  Projekt  er  kurz  vorher  in  Ulm  kein  Glück

hatte,  anstrebte.

1552.  Johann  Friedrich,  Kurfürst  von  Sachsen,  wird  aus  der
vom  Kaiser  Karl  V.  über  ihn  verhängten  Gefangenschaft,
auf  Grund  des  Passauer  Vertrags  vom  31.  Juli  1552,  befreit.

1701.  Prinz  Eugen  schlägt  den  Marschall  Villeroi  bei  Chiari
in  Italien.

1715.  König  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  stirbt.  Frankreich  stand
unter  ihm  auf  dem  Höhepunkt  seiner  Macht  nach  aussen  und
seiner  Blüte  im  Innern.

1717.  Errichtung  eines  Kadettenkorps  in  Preussen  unter
Friedrich  Wilhelm  1.

1761.  Heinrich  Eberhard  Gottlob  Paulus,  Religionsphilosoph
und  Hauptvertreter  des  deutschen  Rationalismus  auf  evangelischem
Gebiet,  zu  Leonberg  geboren.

Er  starb  am  10.  August  1851  zu  Heidelberg.

1776.  Der  Dichter  Ludwig  Heinrich  Christoph  Hölty,  Mitglied
  des  deutschen  Dichterbundes,  stirbt,  kaum  28  Jahre  alt.

‚  Hölty  übertrifit  als  Lieder-  und  Balladendichter  die  meisten  Poeten
seiner  Zeit  in  ziemlich  hohem  Grade.  Von  seinen  Gedichten  sind  viele
in  den  Volksgesang  übergegangen  und  werden  heute  noch  viel  und  gern
gesungen.

1795.  Rudolf  von  Auerswald,  preussischer  Staatsmann,  zu
Faulen  bei  Rosenberg  in  Westpreussen,  geboren.

1850  Präsident  der  ersten  Kammer  in  Berlin  und  des  Staatenhauses
im  Erfurter  Parlament,  wurde  er  1351  wegen  seiner  liberalen  Ansichten
zur  Disposition  gestellt;  1858  trat  er  in  das  Ministerium  der  neuen  AÄera,
aus  dem  er  zu  Anfang  des  Jahres  1862  trat.

1810.  Pulverexplosion  in  Eisenach  durch  Entzündung
französischer  Pulverwagen.
        <pb n="459" />
        —  449  —

1833.  Eduard  Schmidt-Weissenfels,  Schriftsteller,  zu  Berlin
geboren.

1842.  Julius  Payer,  Nordpolfahrer,  zu  Schönau  bei  Teplitz
geboren.  |

1869—70  machte  er  die  Nordpolexpedition  mit  Koldewey,  1871  eine
zweite  mit  Weyprecht  und  1872  auf  dem  Dampfer  „Tegetthoff“  eine
dritte  mit  demselben,  von  der  er  erst  1874  wieder  zurückkehrte.

1850.  Der  österreichische  Hof  mit  seinem  Anhang  unter  den  deutschen
Fürsten  stellt  ohne  Beteiligung  Preussens  den  Bundestag
  in  Frankfurt  a.  M.  wieder  her,  in  dessen  Namen  hierauf
  die  österreichischen  und  bayerischen  Truppen  in  Kurhessen
eingerückt  waren,  um  die  aufgelöste  Regierung  des  Kurfürsten
und  des  Ministers  Hassenpflug  wieder  einzusetzen.

1859.  Kaiserl.  österreichisches  Patent,  wonach  die  Verhältnisse
  der  Protestanten  in  Ungarn,  Kroatien,  Slavonien,
Serbien  und  Militärgrenze,  denen  eine  Presbyterial-Verfassung
  gegeben  wird,  geordnet  werden.

1863.  Ende  des  „deutschen  Fürstentages“  zu  Frankfurt  a.  M,

Derselbe  hatte,  wie  es  vorherzusehen  war,  nichts  zu  stande  gebracht;
König  Wilhelm  I.  von  Preussen  schlug  die  gewünschte  Zustimmung
rund  ab.
1869.  Eröffnungdergeheimen  Konferenzen  der  deutschen
Bischöfe  in  Fulda,  in  welchen  beschlossen  wurde,  dass  ein
allgemeines  Konzil  über  dem  Papst  stehe.

1870.  Schlacht  bei  Sedan;  morgens  zwischen  4  und  5  Uhr
bei  Bazeilles  beginnend  und  abends  mit  der  vollständigen
Niederlage  der  französischen  Armee  unter  Marschall
Mac  Mahon  endigend.

Der  Verlust  der  Deutschen  an  Toten  und  Verwundeten  betrug
460  Offiziere  und  8500  Mann;  —  der  der  Franzosen:  21000  Gefangene,
14  000  Verwundete  und  3000  Tote.  Nach  Belgien  waren  3000  Mann
entflohen  und  dort  entwaffnet  worden.

König  Wilhelm  I.  richtet  hierüber  an  die  Königin  Augusta

in  Berlin  folgende  Depesche:

„Seit  halb  8  Uhr  siegreich  fortschreitende  Schlacht  rund  um  Sedan.
—  Garde,  viertes,  fünftes,  elftes,  zwölftes  Korps  und  Bayern.  —  Feind
fast  ganz  in  die  Stadt  zurückgeworfen.  Wilhelm.“

Während  der  Schlacht  wurden  allein  30000  Gefangene  gemacht,
mehrere  Adler  und  viele  Geschütze  genommen.

An  demselben  Tage  suchte  Bazaine  von  Metz  aus  durch
Wiederaufnahme  des  Kampfes  die  am  vorhergegangenen  lage
verloren  gegangenen  Stellungen  wieder  zurückzugewinnen,  um
sich  mit  Mac  Mahon  und  dem  Kaiser  zu  vereinigen,  aber
erfolglos.

Von  nun  an  umschloss  das  deutsche  Belagerungsheer  Metz  noch

enger.
29
        <pb n="460" />
        —  450  —

1870.  Eine  Volksversammlung  zu  München  tritt  ın  einer
Resolution  für  die  deutsche  Einheit  en.

1873.  Grundsteinlegung  zu  dem  neuen  allgemeinen  Kadettenhause
  zu  Lichterfelde  bei  Berlın.

1886.  Die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  östlich  vom  Mississippi,
  werden  einem  Erdbeben,  insbesondere  die  Stadt  Charleston
in  Süd-Karolina  schrecklich  heimgesucht.

1888.  Gelegentlich  der  grossen  Parade  des  Gardekorps  bringt  die
Berliner  Bevölkerung  dem  Kaiser  Wilhelm  II.  eine  begeisterte
Ovation  dar.

 

2.  September.

70.  Zerstörung  von  Jerusalem  durch  Titus,  Sohn  des
Vespasianus.

1541.  Die  Türken  erstürmen  Ofen.

1679.  Friedensschluss  zwischen  Frankreich  und  Dänemark,
welcher  die  Herstellung  von  Holstein-Gottorp  festsetzt.

1740.  Der  Dichter  Johann  Georg  Jakobi  zu  Düsseldorf  geboren.

1792.  Um  den  Eingriffen  Frankreichs  in  die  Rechte  der
Nationalität  ein  Ziel  zu  setzen,  beantragt  Kaiser  Franz  ll.
beim  Reichstage  den  Reichskrieg  gegen  die  Franzosen

zu  eröffnen.

Hierauf  erschien  drei  Wochen  später  ein  Reichsgutachten  der
Stände,  welches  die  sämtlichen  Reichstruppen  zu  den  Waffen  rief.  —
Die  wirkliche  Kriegserklärung  des  deutschen  Reichs
gegen  Frankreich  erfolgte  aber  erst  am  22.  März  179%.

In  Paris  veranlasst  die  am  30.  August  erfolgte  Einnahme
von  Verdun  durch  das  deutsche  Heer  die  schrecklichen  sogen.
Septembermorde,  welche  am  2.  beginnend,  bis  zum  7.  September

  andauerten  und  nahezu  6000  Schlachtopfer  forderten.

1830.  Erster  Ausbruch  von  Unruhen  in  Leipzig  gegen  den
bureaukratischen  Rat  der  Stadt.

1850.  Zweite  Auflösung  der  kurhessischen  Ständeversammlung
  durch  das  Ministerium  Hassenpflug  wegen  „Steuerverweigerung”.


1856.  Neuenburger  Putsch.

Graf  Friedrich  von  Pourtal&amp;amp;s  hatte  an  der  Spitze  einer  kleinen
königlichen  Partei  die  republikanische  Regierung,  welche  1848  den  Kanton
von  der  preussischen  Öberhoheit  losgerissen  hatte,  gesprengt.  —  Der
Versuch  missglückte  indessen.
        <pb n="461" />
        —  41  —

1861.  Handelsvertrag  zu  Tientsin  zwischen  Preussen
und  China.

1870.  Kapitulation  von  Sedan.

Erbeutet  wurden  von  den  Deutschen  1  Adler  und  2  Fahnen,
419  Felgeschütze  und  Mitrailleusen,  139  Festungsgeschütze,  1072  Fahrzeuge
  aller  Art,  66  000  Gewehre;  6000  noch  brauchbare  Pferde.  —  Kriegsgefangen
  wurden  von  der  französischen  Armee  83  000  Mann  (darunter
Marschall  Mac  Mahon,  40  Generäle,  230  Stabsofliziere,  2595  Ofäziere).

Kaiser  Napoleon  III.  gefangen.

Napoleon  hatte  schon  um  4  Uhr  morgens  Sedan  verlassen,  „unkenntlich
  in  einen  Mantel  verhüllt“,  nur  von  ein  paar  Stabsoflizieren
begleitet,  und  war  aus  der  Festung  nach  dem  preussischen  Hauptquartier
gefahren.  Bismarck  wurde  noch  im  Bett  mit  der  Nachricht  überrascht,
dass  der  Kaiser  der  Franzosen  mit  ihm  eine  Unterredung  wünsche.  Er
eilt  demselben  entgegen,  und  beide  haben  hierauf  unweit  der  Maas-Brücke
  in  einem  kleinen  Arbeiterhause  eine  längere  Unterredung;  welche
aber  erfolglos  blieb,  da  es  Bismarck  ablehnte,  über  günstigere  Kapitulationsbedingungen
  für  die  Armee  zu  unterhandeln,  und  darauf  hinwies,
dass  rein  militärische  Fragen  zwischen  Moltke  und  Wimpffen  zu  erledigen
seien.  —  So  kam  es  denn,  dass  sich  der  Oberbefehlshaber  Wimpffen
schon  in  frühester  Morgenstunde  dazu  entschliessen  musste,  die  Kapitulation
  genau  so,  wie  solche  durch  Moltke  entworfen  worden  war,  zu
unterzeichnen.

Die  nachfolgenden  denkwürdigen  Depeschen  vergegenwärtigen  das
grosse  historische  Ereignis  am  besten:

„Der  Königin  Augustain  Berlin.
Vor  Sedan,  2.  Sept.,  ';2  Uhr  nachm.
Die  Kapitulation,  wodurch  die  ganze  Armee  in  Sedan  kriegsgefangen,
ist  soeben  mit  dem  General  Wimpffen  geschlossen,  der  an  Stelle  des
verwundeten  Marschalls  Mac  Mahon  das  Kommando  führte.  Der  Kaiser
hat  nur  sich  selbst  Mir  ergeben,  da  er  das  Kommando  nicht
führt  und  alles  der  Regentschaft  in  Paris  überlässt.  Seinen  Aufenthaltsort
werde  Ich  bestimmen,  nachdem  Ich  ihn  gesprochen  habe  in  einem  Rendezvous,
  das  sofort  stattfindet.

Welch  eine  Wendung  durch  Gottes  Führung!  Wilhelm.“
„St.  Menehould,  den  5.  September,  2  Uhr  25  Min.  nachm.
Die  vor  Sedan  vernichtete  Armee  Mac  Mahons  zählte  vor  der
Schlacht  von  Beaumont  am  30.  August  noch  über  120000  Maon.  Der

Transport  der  Gefangenen,  unter  denen  über  50  Generale,  nach  Deutschland
  ist  in  der  Ausführung  begriffen.  Unsere  Armeen  sind  im  Vormarsch

auf  Paris.  von  Podbielsky.

Zusammenkunft  König  Wilhelms].  von  Preussen
und  Kaiser  Napoleons  IH.  im  Schloss  Bellevue  bei
Sedan.  —  Wilhelmshöhe  bei  Kassel  wird  dem  Letzteren
als  Aufenthaltsort  angewiesen.

An  demselben  Tage  eröffneten  die  Franzosen  von  Strassburg
  aus  schon  in  der  frühesten  Morgenstunde  ein  heftiges,
nicht  gut  gezieltes  Feuer  gegen  die  Deutschen.  Um  8  Uhr
Vormittags  war  der  Feind  zum  Schweigen  ge  bracht  worden.
        <pb n="462" />
        —  42  —

1866.  Die  badische  Regierung  richtet  an  den  Grafen  Bismarck
ein  Schreiben,  in  welchem  sie  sich  für  den  Anschluss  Süddeutschlands
  und  für  Verstärkung  der  Zentralgewalt  auf
militärischem  und  diplomatischem  Gebiete  ausspricht.

1872.  Eröffnung  des  5.  Kongresses  der  „Internationalen“
im  Haag  unter  dem  Präsidium  von  Marx.

1873.  In  Gegenwart  des  deutschen  Kaisers  wird  zu  Berlin  das
Siegesdenkmal  enthüllt.

1876.  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrich  Wilhelms  Il.
zu  Berlin.

In  Schmalkalden  wird  das  für  den  Komponisten  der
„Wacht  am  Rhein“,  Karl  Wilhelm,  errichtete  Denkmal
enthüllt.

1884.  Eberhard  Herwarth  von  Bitterfeld  stirbt  zu  Bonn,
wo  er,  nachdem  er  am  4.  April  1871  als  Feldmarschall  seinen

Abschied  genommen,  gelebt  hatte.

Im  Kriege  gegen  Oesterreich  (1866)  war  er  Befehlshaber  der  „Elbarmee“,
  mit  dem  Auftrage,  die  Bewegungen  des  Prinzen  Friedrich  Karl
zu  unterstützen  und  die  linke  Flanke  zu  überflügeln.  —  Während  des
deutsch-französischen  Kriegs  (1870)  fungierte  er  als  Generalgouverneur
in  den  Provinzen  Westfalen,  Rheinland  und  Hessen-Nassau.

Grässliches  Eisenbahnunglück  in  Steglitz  bei
Berlin  wobei  39  Personen  ums  Leben  kamen.

 

3.  September.

569.  Der  Longobarden-König  Alboin  erobert  M.iland  und
gründet  das  Longobardenreich  in  Italien.

1492.  Sturz  der  maurischen  Herrschaft  in  Spanien.

1709.  Eroberung  von  Tournay  durch  Prinz  Eugen  und  Marlborough.


1725.  Allianz  von  Herrenhausen,  zwischen  Preussen,
England  und  Frankreich.

Sie  war  gegen  das  spanisch-österreichische  Bündnis  vom

30.  April  1725  gerichtet,  in  welchem  Spanien  die  pragmatische
Sanktion  anerkannt  hatte.

1746.  Der  Dichter  Friedrich  Wilhelm  Gotter  zu  Gotha
geboren.
        <pb n="463" />
        —  453  —

1757.  Karl  August,  Grossherzog  von  Sachsen-Weimar,  geboren.

Er  war  der  erste  deutsche  Fürst,  der  seinem  Lande
eine  ständische  Verfassung  (5.Mail1816)  mit  dem  Rechte  der
SteuerverweigerungundmitPressfreiheit,gab.—  Sein  grosses
Interesse  für  Kunst  und  Wissenschaft  und  Hebung  allgemeiner  Bildung
hat  ihn  mit  unvergänglichem  Ruhm  bedeckt.

1759.  Ausweisung  der  Jesuiten  durch  den  Minister  Pombal
aus  Portugal.

1760.  General  von  Zieten  schlägt  die  Oesterreicher  bei  Striegau.

1770.  Friedrich  Il.  von  Preussen  besucht  den  Kaiser  Joseph  II.
in  seinem  eigenen  Lager  zu  Mährisch-Neustadt,  nachdem  dieser
wenige  Tage  vorher  dem  grossen  Preussenkönig  in  seinem  Lager
bei  Neisse  einen  Besuch  abgestattet  hatte.

Die  beiden  Monarchen  sah  man  lang  „sehr  eifrig  und  sehr  einverstanden“
  zusammen  sprechen,  und  nach  der  hierbei  aufliegenden  Karte
von  —  Polen  war  man  schon  damals  nicht  im  Zweifel,  worüber  verhandelt
  wurde.

1796.  Treffen  bei  Roveredo,  in  welchem  die  Franzosen
unter  Massena  über  einen  Teil  der  Wurmser’'schen  Truppen
siegen.

An  demselben  Tage  besiegt  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich
  die  Franzosen  unter  Jourdan  bei  Würzburg  und  treibt
sie  durch  die  unwirtlichen  Gegenden  des  Spessart  und  der  hohen
Rhön  über  den  Rhein.

1814.  Preussen  publiziert  die  allgemeine  Wehrpflicht.

Landwehr  und  Landsturm  werden  bleibende  Einrichtungen.

1854.  Der  beliebte  Jugendschriftsteller  Christoph  von  Schmid
stirbt  als  Domherr  zu  Augsburg  an  der  Cholera.

1859.  Karl  von  Abel,  bayerischer  Minister,  stirbt.

Seit  1837  Staatsrat  und  Minister  des  Innern,  war  er  ein  entschiedener
Gcgner  des  Protestantismus  in  Bayern.  Er  überwarf  sich  mit  König
Ludwig  I.,  weil  er  die  Indigenatsverleihung  an  die  spanische  Tänzerin
Lola  Montez  (Geliebte  des  Königs)  missbilligte,  und  erhielt  deshalb
am  17.  Februar  1847  seine  Entlassung.

1866.  Friedensschluss  zwischen  Preussen  und  Hessen-Darmstadt.



Letzteres  hat  3  Millionen  Gulden  Kriegskosten  zu  bezahlen  und
Hessen-Homburg,  Meisenheim  und  einige  Teile  Oberhessens  an  Preussen
abzutreten,  mit  der  Provinz  Oberhessen  in  den  norddeutschen
Bund  einzutreten  und  das  Besatzungsrecht  in  der  Festung  Mainz

an  Preussen  zu  überlassen.
1870.  Eine  Volksversammlung  zu  Stuttgart  fasst  patriotische
Beschlüsse.
Jules  Favre  beantragt  im  gesetzgebenden  Körper  die
Thronentsetzung  Napoleons  und  seiner  Dynastie  und  die
Einsetzung  einer  provisorischen  Regierung.
        <pb n="464" />
        —  454  —

1873.  Kaiser  Wilhelm  richtet  ein  Antwortschreiben  an  Papst
PiusIX.  in  welchemer  die  katholische  Geistlichkeit,
welche  der  weltlichen  Obrigkeit  den  verfassungsgemässen
  Gehorsam  verweigere,  als  Anstifterin  des
Kirchenstreits  bezeichnet,  und  weist  dieZumutung,
dass  er  den  Papst  als  einen  Vermittler  in  seinem
VerhältniszuGottanzusehen  habe,alsunevangelisch
zurück.  |

Wir  heben  aus  der  kaiserlichen  Kundgebung  folgende  Schluss-Stelle
hervor:

„Noch  eine  Aeusserung  in  dem  Schreiben  Ew.  Heiligkeit  kann  ich
nicht  ohne  Widerspruch  übergehen,  wenn  sie  auch  nicht  auf  irrigen
Berichterstattungen,  sondern  auf  Ew.  Heiligkeit  (rlauben  beruht,  die
Aeusserung  nämlich,  dass  jeder,  der  die  Taufe  empfangen  hat,  dem  Papst
angehöre.  Der  evangelische  Glaube,  zu  dem  ich  mich,  wie  Ew.  Heiligkeit
bekannt  sein  wird,  gleich  meinen  Vorfahren  und  ınit  der  Mehrheit  meiner
Unterthanen  bekenne,  gestattet  uns  nicht,  in  dem  Verhältnis.  zu
Gott  einen  andern  Vermittler  als  unsern  Herrn  Jesum
Christum  anzunehm.en.  Diese  Verschiedenheit  des  Glaubens  hält
mich  nicht  ab,  mit  denen,  welche  den  unsern  nicht  teilen,  in  Frieden  zu
leben  und  Ew.  Heiligkeit  den  Ausdruck  meiner  persönlichen  Ergebenheit
und  Verehrung  darzubringen.

1875.  Enthüllung  der  Reiterstatue  des  Grossherzogs  Karl  August
in  Weimar.

1877.  Louis  Adolf  Thiers,  ein  bedeutender  Geschichtsschreiber
und  Staatsmann,  stirbt  als  Expräsident  der  französischen  Republik.

1882.  Das  Hugstetter  Eisenbahnunglück.

Der  Vergnügungszug  aus  Elsass-Lothringen  nach  Freiburg  im  Breisgau
  entgleiste  auf  seiner  Rückfahrt  unweit  Hugstetteu,  wobei  62  Personen
  ihren  Tod  fanden  und  über  100  Personen  verwundet  wurden.

1883.  Iwan  Turgenjew,  der  bedeutendste  Dichter  Russlands,
stirbt  zu  Bougivat  bei  Paris,  noch  nicht  65  Jahre  alt.

1890.  Freiherr  Johann  von  Lutz,  bayerischer  Ministerpräsident
und  Staatsminister  der  Kultus,  stirbt  zu  München.
        <pb n="465" />
        —  45  —

4.  September.

EEE

929.  Schlacht  bei  Lenzen,  auf  dem  rechten  Ufer  der  Elbe,
unweit  Walsleben.

Graf  Bernhard,  Heinrichs  I.  Legat  im  Lande  der  Redarier,  und
Graf  Thietmar  aus  Nordthüringen  erkämpfen  einen  glänzenden  Sieg  über
die  vereinigten  sSlavischen  Völkerschaften.

1024.  Grosse  Wahlversammlung  zwischen  Mainz  und  Worms,
nach  dem  am  13.  Juli  1024  erfolgten  Ableben  Heinrichs  II,
durch  welche  von  zwei  Vettern,  der  „ältere“  Konrad  zum  deutschen
König  gewählt  wurde.

Von  ihm  sagt  ein  altes  Sprichwort:  „An  Konrads  Sattel  hängen  die
Steigbügel  Karls  des  Grossen.“

1546.  Das  vereinigte  Heer  der  Protestanten  vor  Ingolstadt
zieht,  nachdem  es  sich  damit  begnügt  hatte,  das  Lager  des
Kaisers  Karl  V.  erfolglos  zu  beschiessen,  dem  Grafen  Maximilian
  von  Büren  entgegen,  um  die  Vereinigung  desselven
mit  den  Kaiserlichen  zu  verhindern,  was  jedoch,  trotzdem  das
Heer  desselben  bedeutend  geringer  war,  nicht  gelang,  da  er  die
Verbündeten  durch  geschickte  Scheinzüge  zu  täuschen  und  zu
überlisten  wusste.

1631.  Vertrag  zu  Düben  zwischen  Gustav  Adolf  von  Schweden
und  Johann  Georg  I.  von  Sachsen  gegen  den  Kaiser  und  die
Liga.  |

1634.  Das  kaiserlich-spanische  Heer  beschiesst  Nördlingen
und  unternimmt  einen  erfolglosen  Sturm  auf  die  gutbefestigte
Stadt,  ein  Ereignis,  welches  den  Herzog  Bernhard  von  Weimar
bestimmte,  ungesäumt  der  Stadt  zur  Hilfe  zu  eilen,  —  was  die
beiden  für  ihn  unglücklichen  Schlachttage  von  Nördlingen  (am

5.  und  6.  Sept.)  zur  Folge  hatte.
1680.  Seegefecht  am  Kap  St.  Vincent.

Sechs  brandenburgische  Fregatten  unter  Cornelius  von  Beveren
greifen  die  spanische  Silberflotte  an  und  schlagen  sich  sechs  Stunden

lang  gegen  zehn  spanische  Kriegsschiffe.

1759.  Das  seit  dem  9.  September  1759  im  7jährigen  Krieg  von  den
Preussen  besetzte  Dresden  wird  durch  Kapitulation  an  das
Reichsheer  übergeben.

1796.  Eberhard  Herwarth  von  Bitterfeld,  preussischer
Generalfeldmarschall,  zu  Grosswerther  in  Sachsen  geboren.
        <pb n="466" />
        —  456  —

1796.  Schlacht  bei  Roveredo,  in  welcher  der  französische
General  Bonaparte  die  Oesterreicher  unter  Wurmser  schlägt.

1803.  Gustav  Emil  Devrient,  berühmter  Schauspieler,  geboren.
Er  starb  am  6.  August  1872.
1813.  Aus  Möln  werden  die  Franzosen  durch  Tettenborg  und
Lützow  vertrieben.
1820.  Karl  Blind,  Revolutionär,  zu  Mannheim  geboren.

1831.  Der  König  von  Sachsen  beschwört  die  ihm  vom  Volk
abgerungene  Verfassung.

1842.  Grundsteinlegung  zum  Ausbau  des  Kölner  Doms,
bei  welcher  Gelegenheit  der  Erzherzog  Johann  von  Oesterreich
(nachmaliger  Reichsverweser)  den  Trinkspruch  ausbrachte:  „Kein
Preussen  und  kein  Oesterreich  mehr,  sondern  ein
einiges,  freies  Deutschland!”

1857.  Zu  Weimar  wird  das  Schiller-Göthe-Denkmal  enthüllt.

1863.  Das  preussische  Abgeordnetenhaus  wird  aufgelöst.

1870.  Kaiser  und  Kaiserreich  von  Frankreich  haben  aufgehört
  zu  existieren.

Die  Absetzung  des  Kaisers  und  seines  Hauses  wird  in
Paris  ausgesprochen  und  ein  „Regierungsrat  der  Nationalverteidigung“
eingesetzt.  —  Die  Kaiserin  Eugenie  flieht  nach  Belgien.

1885.  Beschimpfung  der  deutschen  Gesandtschaft  In
Madrid.

1890.  Hochwasser-Katastrophe  in  Prag.

In  aer  Nacht  vom  3.  zum  4.  hatten  sich  Tausende  von  Balken,
Bäumen  und  zerrissenen  Flossen  vor  der  Karlsbrücke  aufgetürmt;
dadurch  wurden  die  Pfeiler  der  Brücke  unterwaschen,  und  früh  gegen
16  Uhr  wurde  die  in  der  Nähe  der  Moldau  wohnende  Bevölkerung  durch
ein  furchtbares  Krachen  aufgeschreckt.  Die  alte,  von  Kaiser  Karl  IV.
erbaute  Brücke,  die  Jahrhunderten  getrotzt,  war  endlich  dem  verheerenden
  Elemente  zum  Opfer  gefallen.  Drei  Brückenbogen  stürzten  ein,  und
mit  ihnen  wurden  alle  darauf  befindlichen  Heiligenbilder  und  Statuen
weggerissen.

An  demselben  Tage  grosse  Feuersbrunst  in  Salonichi.

Das  europäische  Viertel,  in  demselben  das  englische  und
griechische  Generalkonsulat,  das  griechische  Hospital,  die  Moschee  Hagia
ofia  und  über  hundert  Häuser  sind  abgebrannt.  Die  Zahl  der  Obdachlosen
  wurde  auf  über  12000  geschätzt.  Das  Elend  war  unbeschreiblich.
        <pb n="467" />
        —  457  0°  —

5.  September.

569.  Der  Longobardenkön’g  Alboin  hält  seinen  feierlichen  Einzug
in  dem  eroberten  Mailand.

590.  Der  Longobardenkönig  Authari  stirbt  in  Folge  einer  Vergiftung.


1325.  Vertrag  von  München,  in  welchem  Köng  Ludwig  der
Bayer  seinem  früheren  Gegenkönig  und  Jugendfreunde,  Friedrich
dem  Schönen  (dem  Habsburger),  zugestanden,  „es  solle  einer  wie
der  andere  ganz  gleichen  Teil  am  hHeiche  haben,  jeder  den
Königstitel  führen,  mit  ganz  gleichen  Rechten  und  Ehren,  und
beide  gemeinschaftlich  die  Regierungsgeschäfte  so  besorgen,  dass
sie  dabei  im  Vorsitz  wechseln,  ganz  als  Brüder.

Diesem  Vertrag  von  München  folgte  am  7.  Januar  1326  der  Ulmer
Vertrag.

1566.  Erstürmung  von  Szigeth  in  Ungarn  durch  die  Türken
nach  heldenmütiger  Verteidigung  durch  (iraf  Niklas  Zrinyı.
Der  Sultan  der  Osmanen,  Soliman  II.,  bleibt  vor  Szigeth.

1634.  Beginn  der  blutigen  zwei  Tage  andauernden  Schlacht  bei
Nördlingen,  am  5.  und  6.  September,  welche  mit  einer

Niederlage  des  schwedisch-deutschen  Heeres  endete.

Dasselbe  wurde  vom  Feldmarschall  Gustav  Horn  und  dem  Herzog
Bernhard  von  Weimar  befehligt  und  kämpfte  anfangs  mit  günstigem
Erfolg  gegen  das  kaiserlich-spanische  Heer;  die  Führer  selbst  zeichneten
sich  durch  persönliche  Tapferkeit  rühmlichst  aus,  aber  das  Kriegsglück
wendete  sich  zuletzt  doch  den  Kaiserlichen  zu.

1701.  Prinz  Leopold  von  Dessau  nimmt  mit  den  preussischen

Grenadieren  die  Citadelle  von  Pianezzo  ın  Sardinien.

1733.  Der  Dichter  Christoph  Martin  Wieland  zu  ÖOberholzheim
  bei  Biberach  in  Oberschwaben  geboren.

Er  ist  einer  unserer  fruchtbarsten  Schriftsteller  und  hat  unstreitbar
ein  grosses  Verdienst  um  die  Verherrlichung  der  deutschen  Sprache.

1741.  Grundsteinlegung  zum  Berliner  Opernhaus.

1745.  Die  österreichische  Besatzung  von  Kosel  ergiebt  sich  den
Preussen.

1759.  Gefechte  bei  Reichenbach  und  Dresden.

1771.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich,  der  Sieger  von  Aspern,

geboren.
Er  war  der  Bruder  des  Kaisers  Franz  und  österreichischer  Feldmarschall.
        <pb n="468" />
        —  458  —

1774.  Eröffnung  des  Bromberger  Kanals.
1791.  Giacomo  Meyerbeer  (eigentl.  Jacob  Meyer  Beer),  berühmter
Operncomponist,  zu  Berlin  geboren.

1799.  Die  Russen  unter  dem  General  Korsakoff  werden  von
den  Franzosen  unter  dem  General  Lorges  überrascht  und

in  die  Flucht  geschlagen.

Zur  gleichen  Zeit  siegten  die  Franzosen  über  den  österreichischen
General  Hotze  bei  Uznach,  so  dass  dessen  Heer  nach  dem  Vorarlberg
zurückgedrängt  wurde,  wodurch  der  russische  OberbefehlshaberSouvaroff

in  Gefahr  kam,  abgeschnitten  zu  werden.
1800.  Die  Engländer  nehmen  Malta  in  Besitz.

1807.  Die  Engländer  besetzen  die  dänische  Insel
Helgoland.
1813.  Treffen  bei  Seyda.

Der  französische  Feldmarschall  Nev  war  früh  morgens  aus  seinem
verschanzten  Lager  bei  Wittenberg  hervorgebrochen  und  hatte  die
preussische  Abteilung  unter  General  Dobschütz  bei  Zahne  bis  auf
Seyda  zurückgeworfen,  wo  der  Kampf  am  stärksten  wütete  Die

preussische  Landwehr  hat  sich  hier  unvergängliche  Lorbeeren
  errungen,  musste  aber  zuletzt  doch  der  Uebermacht  und

dem  französischen  Geschützfeuer  weichen.

1820.  Karl  Wilhelm,  der  Komponist  der  „Wacht  am  Rhein“,
zu  Schmalkalden  geboren.

1848.  Die  deutsche  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.
missbilligt  den  Waffenstillstand  von  Malmö  und
spricht  dessen  vorläufige  Sistirung  aus.

An  demselben  Tage  bestätigt  König  Ernst  August  von
Hannover  das  von  den  Kammern  bis  zum  8.  Juli  beratene  Verfassungsgesetz,
  welches  zu  den  Bestimmungen  des  Staatsgrundgesetzes
  von  1833  zurückkehrte.

1850.  Ein  kurfürstlicher  Erlass  gebietet  die  Forterhebung
  aller  Steuern  in  Hessen-Kassel,  nachdem  der
„bleibende  Ständeausschuss“  eine  Beratung  der  Steuerfrage  mit
dem  missliebigen  Ministerium  abgelehnt  hatte.

1870.  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  hält  seinen  Einzug  in
Rheims.

An  demselben  Tage  kommt  Kaiser  Napoleon  IIl.  als  Gefangener
  auf  der  Wilhelmshöhe  bei  Kassel  an.

1873.  Letzte  Zahlung  der  französischen  Kriegskontribution
  an  das  deutsche  Reich.

1874.  Grosse  Feuersbrunst  in  Meiningen.
        <pb n="469" />
        —  459  —

6.  September.

nn

394.  Schlacht  von  ‚„Aquileja,  im  heutigen  Görger  Kreise
Illyriens  gelegen,  damals  die  erste  Festung  des  römischen  Reichs,
heute  ein  Flecken  von  kaum  1400  Fischern.

Theodosius  der  Grosse  besiegte  hier  mit  Hilfe  der  Westgoten
den  weströmischen  Feldherrn  Arbogast  und  vereinigte  dadurch  das
ganze  römische  Reich  wieder  unter  seinem  alleinigen  Haupt.  Dass  wieder

Ein  römisches  Reich  unter  Einem  Kaiser  war,  dankte  es  den  „Barbaren“,
den  Germanen.

1522.  Der  Portugiese  Ferdinand  Magellan  kehrt  von  seiner
am  20.  September  1519  begonnenen  Reise  um  die  Welt
zurück.

Mit  5  Schiffen  war  er  ausgefahren,  nur  ein  einziges  hatte  er  hiervon
  wieder,  aber  reichbeladen  mit  den  Schätzen  fremder  Weltteile,
zurückgeführt.

1525.  Matthias  Weibel,  Märtyrer  evangelischer  Wahrheit,  stirbt
als  Pfarrer  bei  Kempten  eines  gewaltsamen  Todes.

1634.  Zweiter  Tag  der  Schlacht  bei  Nördlingen.

Der  kaiserliche  Feldherr  Johann  de  Werth  schlägt  die  Schweden
so,  dass  ihr  Feldmarschall  Gustav  Horn  selbst  gefangen  wird,  und
sie  bis  an  die  Ostsee  zurückweichen  müssen.

1729.  Moses  Mendelssohn,  ein  berühmter  jüdischer  Philosoph,
zu  Dessau  geboren.  |

Die  deutsche  Sprache  verdankt  ihm  einen  Teil  ihrer  Bildung  und
Würde,  und  die  philosophischen  Untersuchungen  erhielten  durch  ihn  ein
gefälliges  Gewand,  indem  er  den  Dialog  demjenigen  des  Plato  und  Xenophon
  nachbildete.

1757.  August  Friedrich  Ernst  Langbein,  Humorist  und
Romandichter,  zu  Radeberg  bei  Dresden  geboren.

1759.  Einnahme  von  Friedland  in  Böhmen  durch  die  Preussen
unter  General  von  Stutternheim.

1793.  Die  Preussen  heben  die  Belagerung  von  Warschau  auf.

1795.  Dem  französischen  General  Jourdan  gelingt  es  in  Folge  der
Schwäche  der  pfalzbayrischen  Minister  oberhalb  Düsseldorf
mit  der  Sambre-  und  Maas-Armee  über  den  Rhein  zu  gehen.

Wie  Düsseldorf,  so  wurde  auch  damals  Mannheim  von  den
pfalzbayrischen  Ministern  den  Franzosen  zaghaft  übergeben.
        <pb n="470" />
        —  460  —

1813.  Schlacht  bei  Dennewitz,  „die  glorreichste  preussische
Waffenthat  im  ganzen  Befreiungskriege‘.

„Beidem  Namen  Dennewitz  sollte  nicht  allein  jedes

Preussen,sondernjedesDeutschenBrustsichhöherheben,

wenn  nicht  ihr  Eindruck  dadurch  getrübt  würde,  dass  in
Feindesreihen  zahlreiche  deutsche  Streitkräfte  mitwirkten.“

  .
Die  Trophäen  der  Schlacht  waren  sehr  glänzend,  sie  bestanden  in

4  Fahnen,  80  Kanonen,  über  44)  Munitions-  und  anderen  Wagen  und
circa  15  000  Gefangenen.  Der  Verlust  der  Preussen  an  Toten  und  Verwundeten
  betrug  nahezu  W000  Mann.

DieScehlachtvonDennewitzretteteBerlinzum  zweiten
Mal,  wie  vierzehn  Tage  vorher  die  von  Grossbeeren.  König  Friedrich
  Wilhelm  III.  erhob  infolgedessen  seinen  ebenso  feurigen  als  besonnenen
  Feldherın  Bülow  in  Jen  Grafenstand  und  verlieh  ihm  den
Ehrennamen  „von  Dennewitz“.  —  Napoleon  konnte  diesmal  die  Niederlage
  nicht  verhehlen  und  schob  in  seinen  Aerger  die  Schuld  auf  die
Sachsen,  welche  nicht  gehörig  standgehalten  und  dadurch  die  Fran
zosen  in  Verwirrung  gebracht  hätten.  —  Und  als  sich  die  Württemberger
  beschwerten,  dass  sie  „immer  vorgeschoben  würden”,  da  antwortete
  ilınen  der  Chef  des  Ney’schen  Generalstabes,  Delort,  mit
elendem  Hohn:  „Ja,  darauf  müsst  ihr  gefasst  sein:  es  liegt  in  unserm
Interesse,dassihralletotgeschlagen  werdet,sonstwürdet
ihr  ohnehin  bald  gegen  uns  fechten!

1814.  Levin  Christoph  Bernhard  Schücking,  Dichter  und
Romanschriftsteller,  zu  Clemenswerth  bei  Münster  geboren.

1831.  Sturm  der  Russen  auf  Warschau  und  Uebergabe  der
Stadt  und  Pragas  durch  Krukowincki  nach  tapferer  \  erteidigung.
1862.  Das  Künstlerfest  zu  Salzburg.

Auch  ein  Vorhote  des  patriotischen  Geistes  eines  neuen  politischen
Um-  und  Aufschwunges!

1870.  Ein  Ausfall  der  Franzosen  aus  Metz  wird  zurückgeschlagen.

An  demselben  Tage  wird  die  Festung  Schiettstadt  von
den  Deutschen  beschossen.

Aufruf  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen
zur  Gründung  einer  deutschen  Invalidenstiftung.

Zirkulardepesche  Jules  Favres,  nach  welcher  die
französische  Regierung  entschlossen  sei,  keinen  Fussbreit  Landes,
keinen  Stein  der  französischen  Festungen  abzutreten.

Der  kaiserliche  Prinz  Louis  Napoleon  schifft  sich  von
Ostende  nach  England  ein.

1871.  Zusammenkunft  des  Kaisers  von  Oesterreich  mit  dem
deutschen  Kaiser  zu  Salzburg.

1872.  Dreikaiserzusammenkunft  zu  Berlin,  welche  bis  zum
12.  September  andauerte.
Die  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  und  Alexander  ll.
von  Russland  besuchten  gleichzeitig  Kaiser  Wilhelm  in  seiner  Hauptund
  Residenzstadt.  —  Ein  Triumph  der  Bismarck’schen  Politik!
        <pb n="471" />
        —  41  —

1889.  Furchtbare  Dynamitexplosion  in  der  Patronenfabrik
  Corvillain  bei  Antwerpen.

In  der  Nähe  der  Fabrik  befanden  sich  viele  Petroleumlager,  welche
alsbald  in  Brand  gerieten.  Man  zählte  mehr  als  150  Tote  und  gegen
80  Verwundete.  In  der  Stadt  wurde  bedeutender  Schaden  angerichtet.

Ueber  das  Unglück  wurde  u.  A.  gemeldet:  Heute  nachmittag  3  Uhr
fand  eine  furchtbare  Dynamitexplosion  in  der'Patronenfabrik  am  Hafen
statt.  Sehr  viele  Menschen  sind  tot  oder  verwundet,  besonders  Frauen
und  Kinder.  Die  Trümmer  flogen  in  verschiedene  Stadtteile  am  Hafen
und  selbst  in  die  gerade  von  Menschen  gefüllte  Börse.  Eine  Panik  entstand.
  Mauerteile  stürzten  zusammen.  In  vielen  Häusern  wurden  durch
die  Erschütterung  die  Fensterscheiben  zertrümmert  und  die  Dächer  beschädigt.


Ferner:  Die  Explosion  fand  im  Lager  für  Patronen  und  Pulver,
welche  zur  Ausfuhr  bestimmt  waren,  statt.  Die  Fabrik  beschäftigte
  126  Arbeiter  und  Arbeiterinnen.  Sie  sindalle
tot.  Zwei  benachbarte  grosse  russische  Petroleumlager  gerieten  in
Flammen.  Die  Erschütterung  beschädigte  viele  Häuser.  Andere
Petroleumlager  in  der  Nähe  sind  von  der  immer  noch  wütenden
Feuersbrunst  bedroht.  Die  Hilfeleistung  wird  mit  Aufbietung  aller
Kräfte  geleitet.  Die  Behörden,  Polizei,  Gendarmerie  und  Garnison  sind
zur  Stelle.  Priester  und  barmherzige  Schwestern  sorgen  für  die  sehr
zahlreichen  Verwundeten.  Massenlaft  werden  Tote  in  das  Leichenhaus
gebracht.  Das  Feuer  gewinnt  fortdauernd  an  Ausdehnung.  Uın  die
Unglücksstätte  herum  brennen  zehn  Häuser.

 

 

7.  September.

1158.  Mailand  unterwirft  sich  dem  Kaiser  Friedrich  Barbarossa.

Es  schwört  dem  Kaiser  Treue,  verzichtet  auf  sämtliche  Regalien,
willigt  in  den  Wiederaufbau  von  Como  und  Lodi  und  hat  seine  selbstgewählten
  Konsuln  der  kaiserlichen  Bestätigung  zu  unterwerfen.

1228.  Kaiser  Friedrich  II.  landet  auf  seinem  Kreuzzuge  in  Acre,
der  damaligen  Hauptstadt  des  Königreichs  Jerusalem.

1429.  Kaiser  Sigismund  erkennt  die  Neumark  als  Besitztum  des
deutschen  Ordens  an.

1460.  Gründung  der  Universität  Basel.  |
1464.  Friedrich  der  Sanftmütige,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt.

Unter  ihm  kamen  zuerst  wirkliche  Landtage  in  Sachsen  auf.

1566.  Niklas  Graf  von  Zrinyi,  Feldherr  Kaiser  Ferdinands  1.,
stirbt  den  Heldentod  bei  einem  Ausfalle  des  von  ihm  wider  die
        <pb n="472" />
        —  462  —

ganze  türkische  Heeresmacht,  unter  dem  siegreichen  Grossherrn
  Suleiman  verteidigten  Szigeth  in  Ungarn.
Er  sprengte  sich  mit  der  Festung  in  die  Luft.

1614.  Prinz  Moritz  von  Oranien  erobert  Emmerich  aın  Rhein.

1631.  Schlacht  bei  Leipzig  oder  Breitenfeld,  ın  welcher
Gustav  Adolph  seinen  um  mehrere  tausend  Mann  überlegenen
Gegner,  den  siebzigjährigen  Tilly  vollständig  schlägt.

„Jesus  Maria!“  gab  Tilly  zum  Feldgeschrei;  „Gott  mit  uns!“  gab
Gustav  Adolf  seinem  Heer  zur  liosung.

Der  Kaiserhof  zu  Wien  erzitterte  und  erblasste;  der  zwölfjährige
Bau  der  Uebermacht  war  durch  (den  „Schneekönig*  an  Einem  Tag  in
Trümmer  geschlagen.  „Das  ist  Gottes  Finger“,  sagten  die  Protestanten.
Die  Arme  des  protestantischen  Deutschland  waren  jetzt  offen,  Gustav
Adolf  als  Befreier  zu  empfangen.

1701.  Allianz  in  Haag  zwischen  Kaiser  Leopold  I.,  England  und
Holland  gegen  Ludwig  XIV.  von  Frankreich.

1706.  Herzog  Victor  Amadäus  und  Prinz  Eugen  von  Savoyen  siegen

im  spanischen  Erbfolgekrieg  über  die  Franzosen  bei  Turın.
8000  Preussen  unter  Leopold  von  Dessau  stürmen  die  französischen
  Verschanzungen.

1714.  Friedens-Kongress  zu  Baden  im  Aargau,  auf  welchem
der  Vertrag  von  Rastatt  vom  7.  März  desselben  Jahres  ım
Namen  des  deutschen  Reichs  ‚mit  unbedingten  Abänderungen“
  unterzeichnet  wird.

Die  Reichsfestung  Landau  in  der  Pfalz  kommt  an
Frankreich.  Kaiser  Karl  VI.  gab  später  dem  Reichstag  zu  Regensburg
  von  dem  Rastatter  Friedensschluss  in  einem  merkwürdigen  Hof-Aktenstück
  Kenntnis.

Kurfürst  Max  Emanuel  von  Bayern,  der  während  der
Gewaltherrschaft  der  Oesterreicher  in  Bavern  in  den  Niederlanden  gelebt
hatte,  wird  in  alle  seine  Rechte  wieder  eingesetzt,  die  er  vor  dem  Kriege
besessen.

1757.  Treffen  bei  Moys.

Eine  Abteilung  des  preussischen  Heeres  unter  dem  hochbegabten,
  aber  starrsinnigen  General  Winterfeld  wird  bei  Moys,
unweit  Görlitz,  von  einem  weit  zahlrveicheren  österreichischen  Heere,
welches  Nadasdy  befehligt,  überfallen  und  geschlagen.  Winterfeld
selbst,  Friedrichs  Liebling,  erhielt  eine  tödliche  Wunde.

1796.  Kurfürst  Karl  Theodor  von  Bayern  schliesst  für  seine
bayerischen  und  pfälzischen  Lande  mit  dem  französischen  General
Moreau  einen  Waftenstillstand  ab,  in  welchem  er  sich  verpflichtet,
  den  Franzosen  ausser  ungeheuren  Natural-Lieferungen
  auch  noch  eine  Kontribution  von  zehn  Millionen
Franken  zu  bezahlen  und  20  Gemälde  aus  seinen  Galerien  in
München  und  Düsseldorf  abzutreten.

Die  Natural-Lieferungen  waren:  200  000  Zentner  Getreide,  200  000
Zentner  Heu,  3300  Pferde,  30  000  Ellen  Tuch,  100000  Paar  Schuhe  und
10  000  Paar  Stiefel!
        <pb n="473" />
        —  463  —

1801.  Hans  Freiherr  von  und  zu  Aufsess,  Begründer  des
germanischen  Museums  in  Nürnberg,  geboren.
Er  starb  am  6.  Mai  1872.

1811.  Königlich  preussisches  Edikt,  die  Finanzen  des
Dtaats  betreffend.

Fürst  Karl  Anton  von  Hohenzollern-Sigmaringen  geboren.
Er  war  vom  Dezember  1858  bis  1862  Ministerpräsident  der  „neuen
Aera“  in  Preussen.
1812.  Grässliche  Schlacht  von  Borodino  an  der  Moskwa,
in  welcher  Napoleon  I.,  nach  langem  Schwanken  der  Entscheidung,
über  die  Russen  unter  Kutusoff  siegte.

Am  Abend  lagen  30000  Russen  und  20000  Franzosen  tot  oder  verwundet
  auf  dem  Schlachtfeld.  Es  war  ein  teuer  erkaufter  Sieg,  den  die
Franzosen  errungen,  und  Marschall  Ney,  der  sich  durch  besondere  Tapferkeit
  dabei  ausgezeichnet,  ward  dafür  von  seinem  Kaiser  zum  „Fürsten
von  der  Moskwa“  ernannt.  Die  Russen  zogen  sich  zurück  und  liessen
Napoleon  die  Strasse  nach  Moskau  frei.

1813.  Siegreiches  Gefecht  der  Preussen  gegen  die  Franzosen
bei  Dahme,  Holzdorf  und  Herzberg.

1818.  Emil  Dubois-Reymond,  einer  der  hervorragendsten
Physiologen  der  Gegenwart,  zu  Berlin  geboren.

1830.  Volksaufstand  in  Braunschweig.  Erstürmung  des
herzoglichen  Schlosses,  das  bis  auf  die  äusseren  Mauern  niederbrennt.


In  Braunschweig  hatte  sich  der  Herzog  Karl  in  jeder  Hinsicht  bei

Adel,  Militär,  Bürgern  und  Bauern  schon  seit  lange  verhasst  und  verächtlich

  gemacht;  er  wurde  verjagt  und  sein  Bruder  Wilhelm  zum  llerzog

ausgerufen.  Freiwillige  Bürgerwehren  sicherten  die  Ordnung;  eine
wesentlich  verbesserte  ständische  Verfassung  trat  ins  Leben.

1850.  Das  Ministerium  Hassenpflug  verhängt  über  Kurhessen  den

Kriegszustand.

AlleStaatsbürgerwerden  den  militärischen  Gesetzen
und  Gerichten  unterworfen.

1863.  Internationaler  statistischer  Kongress  in  Berlin.

1867.  Graf  Bismarck  erörtert  in  einer  Depesche  den  Eintritt  der
süddeutschen  Staaten  in  den  norddeutschen  Bund.

Es  heisst  in  derselben:  „Der  Norddeutsche  Bund  wird  jedem  Bedürfnisse

  der  süddeutschen  Regierungen  nach  Erweiterung  und  Befestigung

  der  nationalen  Beziehungen  zwischen  dem  Süden  und  dem  Norden

Deutschlands  auch  in  Zukunft  bereitwillig  entgegenkommen;  aber  wir

werden  die  Bestimmung  des  Masses,  welches  die  gegenwärtige  Annäherung
innezuhalten  hat,  jederzeit  der  freien  Entschliessung  unserer  süddeutschen

Verbündeten  überlassen.

1886.  Fürst  Alexander  von  Bulgarien  verlässt,  nachdem  er
vorher  noch  eine  Regentschaft  eingesetzt  hat,  das  undankbare
Bulgarien  für  immer  und  reist  über  Wien  nach  seiner  friedlichen

Heimat  Darmstadt  ab.
        <pb n="474" />
        —  464  —

1888.  Die  deutsche  ostafrikanische  Gesellschaft  stösst  in
Sansibar  auf  ernste  Schwierigkeiten.
Ex-König  Malietoa  von  Samoa  wird  von  der  deutschen
Regierung  freigegeben.

 

 

8.  September.

N

730.  Corbinian,  erster  Bischof  in  Freising,  stirbt  daselbst.

801.  Ansgar,  Apostel  des  Nordens,  Erzbischof  von  Hamburg-Bremen,
  zu  Amiens  geboren.
Er  starb  am  3.  Februar  865.

1112.  Kirchenversammlung  zu  Mainz,  vom  päpstlicheu  Botschafter,
  Kardinal  Lambert  von  Ostia,  berufen,  auf  welcher,
nachdem  die  Verhandlungen  mehrere  Tage  „mit  Geist  und  Gründlichkeit,
  doch  auch  mit  Mässigurg  und  aufrichtigem  Verlangen
nach  Frieden“  fortgeführt  worden  waren,  ein  „feierlicher  Vertrag
  über  den  Investurstreit‘  zu  Stande  kam,  der  alsbald
sowohl  vom  Kaiser,  als  auch  vom  Papste  die  Bestätigung  erhielt.

1148.  Kaiser  Konrad  IlI.,  durch  Bernhard  von  Clairveaux  zu  einem
Kreuzzug  bewogen,  schifft  sich  nach  dessen  unglücklichem
Ausgang  wieder  zur  Rückkehr  in  die  Heimat  ein.

Mit  70000  Geharnischten  war  er  ausgezogen,  nicht  der  zehnte  Teil
überlebte  die  Entscheidungsschlacht  von  Damascus,  welches  die  Sarazenen
  besetzt  hielten.

1157.  Richard  Löwenherz,  König  von  England,  zu  Oxford
geboren.

Ein  Sohn  König  Heinrichs  II.  und  der  Eleonore  von  Poitou.  Kam
nach  dem  Tod  seines  Vaters  auf  den  Thron,  unternahm  einen  Kreuzsug.
Wanderte  als  Pilger  verkleidet  nach  erlittenem  Schittbruch  durch  Oesterreich,
  wurde  erkannt  und  an  Kaiser  Heinrich  VI.  ausgeliefert  und  später
gegen  ein  Lösegeld  freigegeben.

1745.  Erfolgreiche  Verteidigung  von  Neustadt  in  Schlesien
durch  Major  von  Tauentzien  gegen  die  Üesterreicher  unter

Nadasdy.

1757.  Der  Herzog  von  Cumpberland  schliesst  mit  den  Franzosen
die  Konvention  von  Kloster-Seven  ab,  wonach  sein  Heer
von  weiterem  Kampfe  abstand  und  sich  zu  zerstreuen  begann,
nachdem  vorher  das  hannöver’sche  Ministerium,  aus  selbstsüchtigen
Edellleuten  und  beschränkten  Juristen  bestehend,  durch  eine
Kapitulation  das  ganze  Land  den  Franzosen  überliefert  hatte.
        <pb n="475" />
        —  465  —

1759.  General  von  Wunsch  schlägt  die  Reichstruppen  bei
Zinna  und  entsetzt  Torgau.

1767.  August  Wilhelm  von  Schlegel,  ein  verdienstvoller,
reichbegabter  Schriftsteller,  zu  Hannover  geboren.

1778.  Clemens  Brentano,  Dichter  der  romantischen  Schule,
zu  Ihal-Ehrenbreitstein  geboren.

1793.  Treffen  bei  Dünkirchen.

Der  Herzog  von  York,  welcher  die  Engländer  befehligte,  hatte  sich,
entgegen  dem  Rate  des  Prinzen  von  Sachsen-Coburg,  von  den  ÖOester
reichern  getrennt  und,  nur  von  den  Hannoveranern  unterstützt,  die  Belagerung
  von  Dünkirchen  unternommen.  Diesen  Fehler  wusste  General
Houchard,  Befehlshaber  der  französischen  Nordarmee,  geschickt  zu
benutzen  und  bewirkte  in  dem  Treffen  von  Dünkirchen  die  gänzliche
Niederlage  des  hannoveranischen  Kontingents.

1796.  Schlacht  beı  Bassano.

Der  französische  General  Bonaparte  schlug  die  Oesterreicher
unter  Wurmser,  so  dass  dieser  sich  mit  seinem  Heere  nach  Vicenza
flüchten  musste  und  endlich  zu  dem  Entschluss  kam,  sich  mittelst  seiner
Reiterei  durch  das  französische  Heer  durchzuschlagen,  nm  wieder  Mantua
zu  erreichen,  was  ihm  auch  nach  den  rulınvollen  Gefechten  vom  11.  und
12.  September  glücklich  gelang,  bis  er  denn  nach  der  verlorenen  Schlacht
bei  St.  Georg  gezwungen  war,  sich  hinter  den  Schutz  der  Festung
Mantua  zu  retten.

1804.  Der  Dichter  Eduard  Mörike  zu  Ludwigsburg  geboren.

1809.  Die  Werbung  im  Auslande  für  die  preussische
Armee  wird  abgeschafft.

1813.  Gefechte  bei  Dohna  und  Müglitz.
1838.  Karl  Weyprecht,  Nordpolfahrer,  zu  Darmstadt  geboren.

1855.  Die  Verbündeten  erstürmen  während  des  Krimkrieges  das
Hauptbollwerk  Sebastopols,  den  Malakoff,  nachdem  die  Belagerung
  349  Tage  gedauert  und  beiderseits  unzählige  Menschen
und  Summen  gekostet  hatte.

1859.  Napoleon  III.  verlangt  für  Sardiniens  Erwerbung  von  Toskana,
Modena  und  Parma  Savoyen  und  Nizza.

Oesterreich  protestirt  gegen  das  Prinzip  der  freien
Regentenwahl  durch  das  Volk.

1864.  Vollendung  des  Appenninentunnels  zwischen  Florenz
und  Bologna.

1866.  Schluss  des  internationalen  Arbeiter-Kongresses
zu  Genf.

Das  preussische  Abgeordnetenhaus  nimmt  den  Gesetzentwurf
betr.  Einverleibung  Hannovers,  Hessens,  Nassaus  und
Frankfurts  an.

Annahme  der  Indemnität  durch  das  preussische

Herrenhaus.
30
        <pb n="476" />
        —  46  —

1870.  Die  französischen  Wahlkollegien  zur  Bildung  einer
constituierenden  National-Versammlung  werden  durch  Dekret  der
Regierung  auf  den  16.  Oktober  einberufen.

1871.  Zweite  Kaiserzusammenkunft  in  Salzburg.

Die  vollständige  Aussöhnung  zwischen  Wilhelm  I.  und  Franz
Joseph  eine  hochbedeutungsvolle  Thatsache.

1879.  Das  österreichische  Okkupationskorps  rückt  in  das
Sandschak  von  Novibazar.

1881.  Prinz  Friedrich  der  Niederlande  stirbt.

 

9.  September.

9.  Schlacht  im  Teutoburger  Wald,  welche  bis  zum
1l.  d.  Mts.  andauerte  und  in  der  das  römische  Heer  unter
Quintilius  Varus  ungefähr  50  000  Mann,  durch  die  Grermanen
von  dem  Cherusker-Fürst  Hermann  (Arnim)  geführt,  vollständig
vernichtet  wurde.

1328.  Erzbischof  Balduin  von  Trier,  ein  sehr  verdienstvoller
Mann,  von  echt  patriotischer  Gesinnung  und  edlem  Charakter,
wird  vom  Domkapitel  zu  Mainz  auch  zum  Mainzer  Erzbischof
  gewählt.

Seinem  Einfluss  hatte  es  Kaiser  Ludwig  zu  verdanken,  dass  der
gegen  ihn  durch  Papst  Johannes  XXII.  geschleuderte  Bannfluch
so  gut  wie  wirkungslos  blieb.

1409.  Bestätigung  der  durch  Kurfürst  Friedrich  I.  von  Sachsen
gestifteten  Universität  zu  Leipzig  durch  Papst  Alexander  \.

1567.  Herzog  Alba  verhaftet  zu  Gent  den  Grafen  Lamoral
Egmond  und  den  Grafen  Horn.

1568.  Ludwig  Paschali  wird  nach  langem  Kerkerleiden,  als
mutiger  Bekenner  derevangelischen  Walırheit,  in  Gegenwart
des  Papstes  Pius  IV.  in  Rom  verbrannt.

1619.  Ferdinand  Il.  wird  auf  der  Fürstenversammlung  zu
Frankfurt  a.  M.  zum  deutschen  Kaiser  ernannt.

1666.  Definitivvertrag  zwischen  dem  „grossen  Kurfürsten”
und  dem  Pfalzgrafen  Philipp  Wilhelm  von  Neuburg.
Beide  entsagen  ihrem  Anspruch  auf  die  Gesamtheit  der  jülichkleveschen

  Erblande.  —  Kleve,  Mark  und  Ravensberg  kommen
definitiv  an  Brandenburg.
        <pb n="477" />
        —  41  —

1737.  Aloisio  Galvani  zu  Bologna  geboren.

Entdeckte  den  Galvanismus.  Ihm  wurde  in  seiner  Geburtsstadt  ein
Denkmal  errichtet.

1756.  Friedrich  II.  von  Preussen  besetzt  Dresd  en,  setzt  daselbst
eine  preussische  Landesverwaltung  ein  und  sucht  den  Kurfürst
August,  der  zugleich  auch  König  von  Polen  war,  zu  zwingen,
sich  entweder  mit  ihm  zu  verhünden  oder  seine  Armee  zu
entlassen.

Beides  lehnte  der  Kurfürst  ab.

1760.  Gefecht  bei  Marburg.
Major  von  Bülow  schlägt  die  Franzosen.
1796.  Die  Franzosen  unter  Bonaparte  schlagen  bei  Bassano
die  Desterreich&amp;amp;r  unter  Wurmser.

1806.  Holstein  wird  mit  Altona  in  die  dänische  Monarchie
einverleibt.  |

1813.  Erneuerung  der  Allianz  zwischen  Russland,  Oesterreich
und  Preussen  zu  Teplitz.

Die  Preussen  schliessen  Wittenberg  ein.

1815.  Die  Bundesversammlung  tritt  zum  ersten  Malin
Frankfurt  a.  M.  zusammen.

1826.  Grossherzog  Friedrich  I.  von  Baden,  Kaiser  Wilhelms  I.
Schwiegersohn,  geboren.

Er  gehört  zu  den  beliebtesten  Fürsten  der  Jetztzeit!  Nur  mit
Widerstreben  nahm  er  1866  am  Kriege  gegen  Preussen  Anteil,  aber  mit
Eifer  an  demjenigen  gegen  Frankreich  1870'71  und  wirkte  verdienstvoll
bei  der  Errichtung  des  neuen  Deutschen  Reiches  mit.  Er  hat  sich  um
Kunst  und  Wisseuschaft  und  Hebung  der  Industrie  und  der  Landwirtschaft
  in  seinem  Lande  grosse  Verdienste  erworben.

1830.  Aufstand  in  Dresden,  in  Folge  dessen  der  König  Anton
(ein  Bruder  des  verstorbenen  Friedrich  August)  seinen  Neffen
zum  Mitregenten  ernennen  musste  und  der  dann  eine  zeitgemässe
Verfassung  giebt.

1841.  Grundsteinlegung  zum  Hermannsdenkmal  auf  der
Grotenburg  bei  Detmold.

1848.  Kaiserliche  Bestätigung  des  auf  dem  Wiener  Reichstage
  gefassten  Beschlusse  betr.  Beseitigung  aller  gutsherrlichen
  etc.  Rechte  gegen  teilweise  Entschädigung.

Der  Ban  Jellachich  überschreitet  an  der  Spitze  der  Serben
und  Kroaten  die  ungarisch-kroatische  Grenze,  nachdem  er
in  einem  Manifeste  verkündigt  hatte,  „diss  ihm  vom  Kaiser  der
Auftrag  geworden,  die  gekränkten  Interessen  eines  in  seinen
Tiefen  aufgeregten  Volkes  zu  wahren  und  den  durch  den  mutwilligsten
  Eigensinn  der  herrschenden  Partei  in  Ungarn  nicht
mehr  blos  gefürchteten,  sondern  bereits  drohend  erschütterten
Bestand  und  Verband  der  österreichischen  Monarchie  zu  erhalten.“
        <pb n="478" />
        —  468  —

1867.  Diepreussischen  Besatzungstruppen  räumen  auf  Grund
der  Neutralisierung  durch  die  Londoner  Konferenz  vom  4.  Mai

1867  Luxemburg.
An  demselben  Tage  wird  zu  Genf  der  bis  zum  12.  September
andauernde  Friedenskongress  eröffnet.
1870.  Die  französische  Festung  Laon  kapituliert.

Beim  Einzug  der  Deutschen  sprengen  die  Franzosen  vertragsbrüchig
  die  Citadelle  in  die  Luft,  wobei  95  Mann  der  4.  Kompagnie
des  Jäger-Bataillons  Nr.  4  und  iiber  400  Mobilgarden  tot  oder  verwundet
werden.

1872.  Fürst  Bismarck  wird  Ehrenbürger  von  Berlın.

1873.  Neue  Synodalordnung  der  evangelischen  kirche  für  die
6  östlichen  Provinzen  Preussens.

1887.  Eröffnung  des  Antialkohol-Kongresses  in  Zürich.

1888.  Die  wiederholten  grauenhaften  Mordtbaten  in  Whitechapel,
  London,  erregen  dort  eine  förmliche  Panik.

 

 

10  September.

1419.  Johann,  Herzog  von  Burgund,  der  Unerschrockene  genannt,
wird  bei  Montereau  auf  der  Yonne-Brücke  getötet.

1702.  Prinz  Ludwig  von  Baden  nimmt  Landau.

1721.  Friede  zu  Nystadt  zwischen  Schweden  und  Russland.
Die  Ostseeprovinzen  kommen  an  Letzteres.

1739.  Belgrader  Friede

Oesterreich  verliert  wieder  die  im  Frieden  zu  Passarowitz  (21.
Juli  1718)  gewonnenen  Landesteile.

1757.  Treffen  bei  Gotha,  in  welchem  der  General  von  Seydlitz
die  Franzosen  in  die  Flucht  schlägt.

1785.  König  Friedrich  1I.  von  Preussen  schliesst  mit  den  nordamerikanischen

  Freistaaten  ein  Freundschafts-  und  Handelsbündnis
  ab.

1804.  Erasmus  Robert  Freiherr  von  Patow,  preussischer
Staatsmann,  zu  Mallenchen  bei  Kalau  geboren.
        <pb n="479" />
        —  469  —

1840.  Huldigung  Friedrich  Wilhelm  IV.  in  Königsberg.

Bombardement  des  syrischen  Hafens  Beirut  durch  die
engl.-österr.-türk.  Flotte.

1848.  Das  preussische  Reaktionsministerium  Brandenburg-Manteuffel,
  welches  den  Sitz  der  preuss.  National-Versammlung
  von  Berlin  nach  Brandenburg  verlegt  hatte,  führt
einen  neuen  Gewaltakt  aus,  als  sich  der  Präsident,  Freiherr
von  Unruh,  ehrenvoll  dagegen  verwahrt.  Der  General  v.  Wrangel
umstellt  nämlich  mit  einer  starken  Truppenmacht  den  Sitzungssaal,
  besetzt  denselben  mit  Truppen,  löst  die  Bürgerwehr  auf
und  verkündete  den  Belagerungszustand  für  Berlin.

1867.  Eröffnung  der  ersten  Legislaturperiode  des  Reichstags
  des  norddeutschen  Bundes.

1870.  Die  französischen  Kriegsschiffe  räumen  die  Nordsee.

1871.  21.  Generalversrammlung  der  deutsch-katholischen
Vereine  zu  Mainz.

1873.  Berufung  einer  ausserordentlichen  Generalsynode  für
die  acht  älteren  preussischen  Provinzen.

1877.  Eröffnung  des  sozialistischen  Weltkongresses  zu
Gent.

1885.  Kaiser  Wilhelm  I.  trifft  zum  Besuche  seines  Schwiegersohnes
  in  Karlsruhe  eın.
        <pb n="480" />
        —  40  —

11.  September.

&amp;gt;

813.  Karl  der  Grosse  krönt  seinen  Sohn  Ludwig,  nachdem
derselbe  zuvor  von  der  Reichsversammlung  zum  „Mitkönig‘
Karls  im  Frankenreich  und  zum  Kaiser  gewählt  worden  war,
in  der  Marienkirche  zu  Aachen.

1382.  Ludwig  I.  der  Grosse,  König  von  Ungarn,  stirbt  zu
Tyrnau  (im  Pressburger  Comitat).

Er  förderte  das  Schulwesen  und  die  Verbreitung  des  Christentums,
zog  deutsche  Ansiedler  nach  Ungarn,  hob  Handel  und  Gewerbe  und  gab
manche  gute  Gesetze.

1525.  Johann  Georg,  Kurfürst  von  Brandenburg,  geboren.

Er  war  ein  sparsamer  Fürst,  der  sich  grosses  Verdienst  durch  die
Ordnung  der  Finanzverhältnisse  erwarb,  die  Gewerbthätigkeit  hob  und

die  aus  den  Niederlanden  vertriebenen  Protestanten  aufnahm.  Er  starb
am  8.  Januar  1598.

1683.  Der  tapfere  Polenkönig  Johann  Sobiesky  erscheint,  durch
Heeresabteilungen  der  Sachsen,  Bayern,  Franken  und  österreichischen
  Truppen  verstärkt,  vor  Wien,  allwo  am  folgenden
Tag  der  Sturm  auf  das  türkische  Lager  begann.

1697.  Grosser  Sieg  des  Prinzen  Eugen  von  Savoyen  bei
Zenta  an  der  Theiss,  über  die  Türken  unter  Mustapha,  ın
Folge  dessen  sich  die  Türken  zu  billigen  Friedensanträgen  herbeilassen
  mussten.

Schon  hatte  die  Schlacht  begonnen,  als  Prinz  Eugen  eine  „eilige“
Depesche  vom  Wiener  Hofkriegsrat  erhielt,  welche  er  aber,  —  ihren
Inhalt  abnend  —  erst  nach  erfochtenem  Siege  erbrach.  Er  hatte  sich
nicht  getäuscht,  denn  die  Depesche  enthielt  den  „Befehl“,  sich  mit
den  Türken  in  keine  Schlacht  einzulassen.  Prinz  Eugen  aber

erwarb  sich  gerade  durch  diesen  glänzenden  Siez  bei  Zenta  unvergänglicben
  Ruhm!

1709.  Schlacht  bei  Malplaquet.

Prinz  Eugen  vonSavoyen  und  Marlborough  liefern
den  Franzosen  unter  Villars  eine  vollständige  Niederlage.

In  der  Schlacht  fällt  die  Geisel  der  Pfalz,  der  französische
General  Graf  von  Melac.

Er  verheerte  furchtbar  die  Pfalz  und  sprengte  den
Turm  des  Heidelberger  Schlosses.

1745.  General  von  Lehwaldt  erstürmt  die  Schanzen  bei
Czestowitz.
        <pb n="481" />
        —  41  —

1778.  Gefecht  bei  Burkersdorf  während  des  bayrischen  Erbfolgekriegs.


1796.  Die  österreichischen  Generale  Fröhlich  und  Fürst  von
Fürstenberg  bringen  den  Franzosen  unter  Moreau  bei
München  eine  entscheidende  Niederlage  bei.

Da  zu  gleicher  Zeit  der  österreichische  General  Hoze  die  Franzosen
  bei  Ingolstadt  schlug,  so  war  die  Stellung  Moreau’s  unhaltbar
geworden  und  musste  er  sich  nach  Ulm  zurückziehen.

1800.  Adelheid  von  Stolterforth,  Dichterin,  zu  Eisenach
geboren.

1813.  Kavalleriegefecht  bei  Weissenfels.
1830.  Unruhen  in  Altenburg.

1850.  In  Mecklenburg  wird  durch  das  Schiedsgericht  eines
preussischen,  hannöverschen  und  sächsischen  Beamten  die  liberale
Verfassung  vom  11.  Oktober  1849  aufgehoben.

1850.  Sardinische  Truppen  besetzen  den  Kirchenstaat.
1870.  Die  Deutschen  rücken  in  Meaux  und  Malun  ein.

An  demselben  Tage  besetzen  nach  Abzug  der  Franzosen
italienische  Truppen  päpstliches  Gebiet.

1876.  Anastasius  Grün  (Graf  von  Auersperg)  stirbt  zu  Gratz.

Unter  seinen  Beurteilern  sagt  Gustav  Kühne:  „Er  ist  der  Sohn
einer  Gebirgswelt,  wo  die  Freiheit  von  den  Adlern  die  Sprache  lernt
oder  vom  Sturzbach,  der  in  die  Tiefe  hinunterfährt.  Es  ist  die  Poesie
des  Zornes,  die  in  seinen  Gesängen  tönt.“

1877.  John  Taylor  wird  zum  kirchlichen  Oberhaupt  der  Mormonen
ernannt.

1886.  Nach  allerhöchster  Verordnung  wird  in  der  bayerischen  Armee
für  alle  Waffengattungen  statt  des  Helms  oder  Uzapka
eine  neue  Kopfbedeckung  —  die  Pickelhaube  —
eingeführt,  jedoch  zunächst  nur  für  die  Offiziere.

1890.  Revolution  im  Tessin  (Schweiz).

Die  Liberalen,  seit  Jahren  von  den  Ultramontanen  unterdrückt,
  besetzen  das  Zeughaus  und  das  Regierungsgebäude  in  Bellinzona;
  der  Regierungsrat  Rossi  wird  erschossen,  mehrere  Mitglieder
der  Regierung  werden  verhaftet.
        <pb n="482" />
        —  42  —

12.  September.

1500.  Albert  der  Beherzte,  Herzog  von  Sachsen,  stirbt  an  den
Wunden,  welche  er  im  Kampfe  gegen  die  rebellischen  Friesen
erhalten  hatte.

1504.  Schlacht  bei  Regensburg.

Die  Bürger  siegen  über  die  Pfälzer,  wobei  Kaiser  Maximilian  in
grosse  Lebensgefahr  kommt.

1683.  Schlacht  vor  den  Mauern  Wiens.

Die  Türken  werden  durch  Heeresabteilungen  der  Sachsen,  Bayern,
Franken  und  österreichische  Truppen  und  die  Polen  unter  dem  Öberbefehl
  ihres  tapferen  Königs  Johann  Sobiesky  vollständig  geschlagen;
das  belagerte  Wien  ist  zum  zweiten  Mal  und  damit  Deutschland  gerettet!
—  Nach  sechs  Uhr  abends  ist  die  Schlacht  entschieden;  in  wilder  Flucht
sprengen  und  drängen  die  Türken  zahllos  durcheinander,  ıhr  ganzes
Lager  mit  allen  kostbaren  Schätzen,  Lebensmitteln  und  dreihundertsiebzig
Kanonen  in  den  Händen  der  Sieger  zurücklassend.

1686.  Wiedereroberung  Ofens  durch  Karl  von  Lothringen  und
ein  Brandenburger  Korps  unter  Schöning.

1693.  Johann  Georg  III.,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt  zu  Tübingen
an  einer  im  Heer  ausgebrochenen  Seuche.
Er  war  am  20.  Juni  1647  geboren,  kam  1680  an  die  Regierung  und

errichtete,  voll  kriegerischer  Gesinnung,  das  erste  stehende  Heer
in  Sachsen.

1709.  Die  vereinigten  Heerführer  Prinz  Eugen  von  Savoyen  und
Herzog  Marlborough  schlagen  ın  mörderischer  Schlacht  ein
unter  den  grössten  Anstrengungen  zusammengebrachtes  Heer
der  Franzosen  unter  dem  Marschall  Villars,  bei  dem  Dorfe
Malplaquet  ım  heutigen  französischen  Norddepartement,  so
gründlich,  dass  sich  Ludwig  AIV.,  ganz  niedergedrückt,  erbot,
auch  noch  das  vorher  geraubte  Elsass  samt  Strassburg
wieder  herauszugeben,  neben  der  ganzen  spanischen  Erbschaft
  nnd  sogar  ausserdem  noch  Hülfsgelder  von  monatlich
einer  Million  Livre  zur  Vertreibung  seines  Enkels  aus
Spanien  zu  zahlen,

Die  vereinigten  Höfe  in  Wien  und  London  wiesen  dies  Anerbieten
zurück,  sie  wollten  „Frankreich  —  zerstückeln“  und  erreichten
nichts.
        <pb n="483" />
        —  43  —

1740.  Johann  Heinrich  Jung,  gen.  Stilling,  geboren  im
Dörfehen  Im  Grund  im  Nassauischen.

Er  war  badischer  Geh.  Hofrat,  sonst  Professor  an  der  Kameralschule
  zu  Heidelberg  und  hat  sich  insbesondere  durch  seine  zahlreichen
pietistischen  Schriften  einen  Namen  erworben.  Er  galt  auch  als  geschickter
  Operateur  des  Stars,  und  der  Dichter  Matthisson  schreibt
hierüber:  „Schon  über  2000,  grösstenteils  armen  Blinden  hat  er  das
Gesicht  nicht  nur  unentgeltlich  wiedergegeben,  sondern  viele  von
ihnen  noch  beschenkt  und  auf  seine  Kosten  während  der  Kur  im  Wirtshause
  erhalten.“  Er  starb  als  Geh.  Hofrat  in  Karlsruhe  am  2.  April  1817.

1744.  Die  Preussen  erstürmen  den  Ziskaberg  und  die  Galgenschanz
vor  Prag.

1745.  Treffen  bei  Schonow,  in  welchem  die  Preussen  während
des  zweiten  schlesischen  Kriegs  über  die  Oesterreicher  siegen.

1772.  Stiftung  des  Hainbundes.

1793.  Die  Franzosen  werden  durch  Blücher  bei  Luxemburg
und  durch  General  von  Kalkreuth  bei  Rohrbach  geschlagen.

1794.  Die  Franzosen  unter  General  Pichegrü  erfechten  bei
Herzogenbusch  einen  Sieg  über  die  Engländer  und  Holländer,
in  dessen  Folge  sie  vier  Wochen  später  die  wichtige  Festung
Herzogenbusch  einnahmen.

1808.  General  August  Graf  v.  Werder  zu  Norkitten  in  ÖOstpreussen

  geboren.

1870  Befehlshaber  der  Belagerungstruppen  vor  Strassburg;  später
führte  er  die  Abwehr  des  Eindringens  der  Bourbaki’schen  Armee  nach
Süddeutschland  heldenmütig  aus.

1809.  Julius  von  Bose,  preussischer  General,  geboren.

Er  kämpfte  mit  Auszeichnung  bei  Münchengrätz,  Königgrätz  und
Blumenau.  Wurde  danach  Generallieutenant.  Bei  Weissenburg  und
Wörth  focht  er  mit  und  wurde  in  der  Schlacht  schwer  verwundet.

1810.  Dekret  Napoleons  I.  von  St.  Cloud  gegen  Kolonialprodukte.
1813.  Die  Russen  und  Preussen  nehmen  Weissenfels  ein.

1819.  Generalfeldmarschall  Gebhard  Leberecht  von  Blücher,
Fürst  von  der  Wahlstatt,  der  von  der  Universität  Oxford  bei
seinem  glänzenden  Aufenthalte  in  England  1814  zum  Doktor
der  Rechte  erhobene  „Marschall  Vorwärts“  stirbt  auf  seiner
Herrschaft  Krieblowitz  in  Schlesien,  die  ihm  sein  König  geschenkt
  hatte.

1836.  Christian  Dietrich  Grabbe,  ein  begabter  dramatischer
Dichter,  stirbt  noch  nicht  fünfunddreissig  Jahre  alt,  in  den
Armen  seiner  Mutter.

1837.  Ludwig  IV.,  Grossherzog  von  Hessen,  geboren.
Betehligte  im  deutsch-französischen  Krieg  die  2.  hessische  Infanterie-Brigade
  und  übernahm  am  13.  Juni  1877  die  Regierung.

1850.  Misslungener  Angriff  der  Schleswig-Holsteiner  gegen
die  Dänen  bei  Missaude.
        <pb n="484" />
        —  44  —

Der  Kurfürst  von  Hessen-Kassel  verlässt  mit  seinem
Ministerium  in  der  Nacht  vom  12.—13.  September  heimlich  seine
Hauptstadt  und  nimmt  seinen  Sitz  in  Hanau.

1857.  Auflösung  der  am  15.  August  zusammengetretenen  ausserordentlichen
  schleswig-holsteinischen  Ständeversammlung
zu  Itzehoe.

1870.  Thiers  geht  nach  London  mit  Aufträgen  der  französischen
Regierung.

1887.  General  Werder,  eine  der  populärsten  Heldengestalten  des
Krieges  1870/71  stirbt,  79  Jahre  alt,  an  seinem  80.  Geburtstage
auf  seinem  Gute  Grührow.

1890.  Das  deutsche  Kaiserpaar  hält  unter  nicht  endenwollendem
Jubel  der  von  allen  Seiten  herbeigeströmten  Bevölkerung  seinen
festlichen  Einzug  in  Breslau.

 

13.  September.

 

1351.  Herzog  Albrecht  von  Oesterreich,  empört  über  dıe  Zerstörung
  von  Rapperschwyl  durch  die  Züricher,  erscheint
mit  einem  Heere  von  16000  Mann  vor  den  Mauern  Zürichs,  die
Freilassung  seines  Vetters,  des  Grafen  Johann  v.  Habsburg,
welcher  bei  dem  verräterischen  Ueberfall  der  Züricher  gefangen
genommen  worden  war,  und  die  \Wiederaufbauung  von  Rapperschwyl

  verlangend.

Schliesslich  kam  ein  Vergleich  zu  stande,  infolgedessen  die  Züricher
16  Geisseln  stellten  und  sich  dem  Ausspruche  von  vier  Schiedsrichtern
zur  Beilegung  des  Streites  zu  fügen  versprachen.

1359.  Gründung  des  Kurorts  Karlsbad  in  Böhmen  durch
Kaiser  Karl  IV.

1598.  König  Philipp  II.  von  Spanien  stirbt  nach  längerem  qualvollem
  Leiden.

1678.  Derfflinger  erobert  die  Insel  Rügen  und.  sprengt  die
Schweden  auseinander.

1711.  Die  Kaiserlichen  nehmen  im  Verein  mit  den  Engländern
Bouchain  in  Frankreich  ein.

1754.  Ungeachtet  Friedrich  II.  von  Preussen  und  der  Kurfürst  von
der  Pfalz  widersprechen,  wird  Franz  von  Lothringen,  der
Gemahl  von  Maria  Theresia,  durch  Stimmen-Mehrheit  als  Franz  1.
zum  Reichs-OÖberhaupt  ernannt.

1757.  General  von  Oldenburg  besetzt  im  siebenjährigen  Krieg
Erfurt.
        <pb n="485" />
        —  45  —

1760.  Treffen  bei  Hohenfriedberg.

Niederlage  der  Oesterreicher.

1787.  Ein  preussisches  Truppenkorps  von  24000  Mann  unter
dem  Befehl  des  Herzogs  von  Braunschweig  überschreitet  die

holländische  Grenze,  um  die  Gewalt  des  Erbstatthalters
wiederherzustellen.

1799.  Erzherzog  Karl  von  Oesterreich  schlägt  die  Franzosen  bei
Neckarau,  nachdem  er  Philippsburg  entsetzt  hatte  und  nimmt
infolge  dieses  Sieges  Mannheim  wieder  ein.

An  demselben  Tage  Sieg  der  Russen  über  die  Franzosen
bei  Airolo  (Eriels).

1815.  Die  Preussen  nehmen  die  Redoute  Bourgogne  vor
Longwy.  |

1838.  Allokution  des  Papstes  Gregor  XVI.  wegen  angeblicher
Bedrückung  der  katholischen  Kirche  durch  die  preussische
Regierung.

1850.  Der  Kurfürst  von  Hessen  mit  dem  ganzen  Ministerium
Hassenpflug  entweichen  heimlich  des  Nachts  aus  der  Landeshauptstadt
  Kassel,  nachdem  sie  den  Kriegszustand  über  das  Land
verhängt  hatten  und  das  Militär  seine  Dienste  hierfür  versagte.

1865.  Besitzergreifung  von  Lauenburg  durch  den  König
Wilhelm  I.  von  Preussen,  nachdem  am  23.  Oktober  1864  der
Landtag  sich  für  Anschluss  an  Preussen  ausgesprochen  hatte.

1868.  Päpstliches  Schreiben  an  die  Protestanten,  in  welchem
Pius  IX.  dieselben  zum  Konzil  und  zur  Rückkehr  zum
katholischen  Glauben  einladet.

1870.  In  Strassburg  wird  die  Republik  erklärt.

Das  Detachement  des  Generals  Keller  vertreibt  200  Franc-Tireurs
  bei  Bieschheim  und  Kolmar.

Prinz  Friedrich  Karl  übernimmt  den  Öberbefehl  über
die  Truppen  vor  Metz.

1872.  Ludwig  Andreas  Feuerbach,  bedeutender  Philosoph,
stirbt  auf  dem  Rechenberg  bei  Nürnberg,  im  68.  Lebensjahre.
Seine  wissenschaftlichen  Leistungen  liegen  hauptsächlich  auf  dem

Felde  der  Religionsphilosophie.

An  demselben  Tage  Säkularfeier  der  Wiedervereinigung
  Westpreussens  mit  Ostpreussen,  und
seiner  Einverleibung  in  den  Staat  Friedrichs  des  Grossen
im  alten  Hochmeistersaale  zu  Marienburg.

1877.  Maria,  Königin  von  Sachsen,  stirbt.
Sie  war  die  zweite  Gemahlin  Friedrich  Augusts  II.  von  Sachsen.
        <pb n="486" />
        —  46  —

14.  September.

628.  Fest  der  Kreuzeserhöhung,  welches  zum  Andenken  an
die  Wiedereroberung  und  Aufrichtung  des  Kreuzes  von  Jerusalem
von  der  griechischen  und  römischen  Kirche  gefeiert  wird.

1405.  Die  „Neckarfürsten“  schliessen  mit  siebzehn  schwäbischen
  Reichsstädten  und  dem  elsässischen  Strassburg  den
Marbacher  Bund,  um  sich  dem  energischen  und  gerechten
Vorgehen  des  edlen  Königs  Ruprecht  von  der  Pfalz  zu  widersetzen.


1523.  Papst  Hadrian  VI.,  als  Professor  in  Löwen  Lehrer  Karls  V.,
stirbt.

Er  war  nur  vom  9.  Januar  1522  bis  14.  September  1523  Papst,  in
dieser  kurzen  Zeit  seines  Pontifikats  aber  mit  Eifer  bestrebt,  die  gröbsten
Missbräuche  in  der  Kirche  abzustellen,  die  Simonie  zu  beseitigen,  dem

-  Ablasshandel  zu  steuern  und  auf  die  Beschränkung  der  Pracht  in  der
päpstlichen  Hofhaltung  binzuwirken.

1524.  In  Königsberg  wird  von  Brismann  die  erste  protestantische
  Predigt  gehalten.

1583.  Albrecht  Wenzel  Eusebius  Freiherr  von  Wallenstein,
  Herzog  von  Friedland,  kaiserlicher  Generalissimus  ım
30jährigen  Krieg,  auf  dem  väterlichen  Gute  Hermanie  in  Böhmen
von  protestantischen  Eltern  geboren.  .

1631.  Bei  Düben  vereinigt  sich  die  kursächsische  Armee
mit  dem  Heere  Gustav  Adolfs  von  Schweden.

1764.  Russland  und  Preussen  verlangen  die  Wiederherstellung
der  Rechte  der  polnischen  Dissidenten.

1769.  Friedrich  Heinrich  Alexander  von  Humboldt,  berühmter
  Naturforscher  und  Reisender,  zu  Berlin  geboren.

1783.  Karl  Friedrich  Graf  von  Normann-Ehrentels,
württembergischer  General,  geboren.

Er  wurde  wegen  seines  Uebertritts  bei  Leipzig  zu  den  Verbündeten
kassiert,  wurde  darauf  Chef  des  Generalstabs  des  griechischen  Heeres,
siegte  bei  Combotti  über  die  Türken.

1793.  Schlacht  beı  Pırmasens.

Der  österreichische  General  Wurmser,  unterstützt  durch  preussische
Heeresteile,  besiegt  den  französischen  General  Moreau.
        <pb n="487" />
        —  41  —

1794.  Die  Festung  Herzogenbusch  in  Nordbrabant  ergiebt  sich
den  Franzosen  unter  Pichegru.

1811.  Königl.  preussisches  Edikt,  die  Regulierung  der  gutsherrlichen
  und  bäuerlichen  Besitzungen  und  die  Förderung
der  Landeskultur  betreffend.

1812.  Napoleon  ].  erscheint  mit  der  „grossen  Armee“
vor  Moskau.

Die  Stadt  war  wie  ausgestorben!  Lange  hatte  die  Vorhut  verödete
Strassen  durchzogen  und  noch  kein  menschliches  \Vesen  sich  gezeigt;
alle  Hausthüren,  alle  Zugänge  waren  verrammelt,  alle  Fenster  durch
Läden  dicht  geschlossen,  alle  Gewölbe  und  Buden  gesperrt  und  verriegelt.
—  Die  Franzosen  quartierten  sich  ein,  froh,  wenigstens  unter  Dach  und
Fach  zu  sein.  —  Da  schlugen  plötzlich  an  allen  Ecken  und  Enden  der
Stadt  Flammen  empor  und  „wallen  und  wehren  im  Sturm*.  Mit  Grausen
sieht  Napoleon  I.  von  einer  Terrasse  des  Kremels  das  schauderhafte
Schauspiel;  hochauflodernd  verkündigt  es  der  Welt:  „Das  Gericht  wird
beginnen  über  den  gewaltigsten  Mann  des  Jahrhunderts!“

1813.  Blücher  drängt  die  Franzosen  unter  Macdonald  nach
Dresden  zurück,  während  Wittgenstein  den  französischen  General
Lobau  aus  Nollendorf  vertreibt.

1866.  Indemnitätsgesetz  in  Preussen.

1870.  Eine  Flotille  von  13  französischen  Kriegsschiffen  erscheint  in
der  Nähe  von  Kiel.

1885.  In  Stuttgart  findet  der  13.  Aerztetag  statt.
        <pb n="488" />
        —  48  —

15.  September.

|—————

372.  Nicetas,  Bischof  der  Goten,  stirbt  als  Märtyrer.

534.  Der  oströmische  Feldherr  Belisar  besiegt  den  König  der
Vandalen,  Gelimer,  und  erobert  Karthago.

1448.  Bei  Caravaggio  siegen  die  Mailänder  über  die  Venetianer.
1621.  Eroberung  von  Riga  durch  Gustav  Adolf  von  Schweden.

1697.  Kurfürst  August  I.  von  Sachsen  wird  als  August  II.  zum
König  von  Polen  gekrönt.

1793.  Treffen  bei  Courtray,  in  welchem  die  Franzosen  von
den  Oesterreichern  besiegt  werden.

1796.  Der  Dichter  Wilhelm  Smets,  ein  Sohn  der  berühmten
Sophie  Schröder,  zu  Reval  im  Esthlande  geboren.

1799.  Die  Franzosen  erstürmen  die  Stadt  Fossano.

1812.  Brand  von  Moskau,  welcher  bis  zum  20.  September  unaufhörlich
  wütete  und  zwei  Drittel  der  Stadt  verzehrte.

1813.  General  Graf  Tauenzien  schlägt  die  Franzosen  bei  Mühlberg
  und  Oberst  von  Katzler  bei  Rückersdortf.

Walmoden  und  Tettenborn  gehen  bei  Dömitz  über  die
Elbe.

1820.  Hermann  Heinrich  Becker,  Oberbürgermeister  von  Köln,

zu  Elberfeld  geboren.

Gehörte  während  seiner  parlamentarischen  Thätigkeit  der  entschieden
fortschrittlichen  Richtung  an,  welche  er  aber  als  Oberbürgermeister  von
Dortmund  und  Köln  zum  Aerger  seiner  ehemaligen  politischen  Gesinnungsgenossen
  aufgab.

1822.  Fünfundzwanzigjähriges  Regierungs-Jubiläum

König  Friedrich  Wilhelms  III.  von  Preussen.

1827.  Karl  Rudolf  Friedenthal,  preussischer  Staatsmann,  zu
Breslau  geboren.

1830.  Revolution  ın  Kassel.

Die  ganze  Bürgerschaft  tritt  vor  dem  Schlosse  zusammen  und  fordert
die  Berufung  des  Landtags;  der  „in  Absolutismus  verstockte“  Kurfürst
  bewilligte  in  Schrecken  und  Angst  dieselbe,  und  im  Januar  1831
wurde  eine  sehr  freie  Verfassung,  grösstenteils  das  Werk  Jordan's,  des
Professors  der  Rechte  zu  Marburg,  zwischen  Fürst  und  Volk  „vereinbart“.

1834.  Heinrich  Gotthard  von  Treitschke,  Publizist,  zu
Dresden  geboren.

1840.  Die  Gebeine  Napoleons  I.  werden  in  der  Invalidenkirche
zu  Paris  beigesetzt.
        <pb n="489" />
        —  479  —

1848.  Die  Trümmer  der  preussischen  Nationalversammlung
  —  noch  248  Mitglieder  —  welche,  nachdem  sie  aus  dem
Sitzungsgebäude  mit  militärischer  Gewalt  vertrieben  worden  waren,
zuerst  im  Schützenhause,  dann  im  Saale  der  Stadtverordneten
getagt  hatten,  weichen  dem  mit  gefälltem  Bajonett  anrückenden
  Militär,  so  denn  thatsächlich,  „die  Gewalt  des
Säbels  allein  herrschte  und  weder  die  persönliche,
noch  öffentliche  Freiheit  beachtet  wurde.“

1859.  Gründung  des  deutschenNationalvereinsinFrankfurt
  a.  M.

Derselbe  erstrebte  die  Einheit  Deutschlands  unter
Preussens  Führung.

Brand  des  Domes  zu  Salzburg.

1865.  Die  von  Oesterreich  und  Preussen  gemeinsam  geführte
Regierung  der  Herzogtümer  Schleswig-Holstein  wird
auf  Grund  der  Konvention  von  Gastein  aufgelöst.

Proklamation  des  preussischen  Generals  von  Manteuffel
  und  des  österreichischen  Generals  von  Gablenz
  wegen  ihrer  Uebernahme  der  getrennten  Statthalterei  in
Schleswig,  resp.  in  Holstein.

1870.  Das  deutsche  Hauptquartier  in  Meaux  bei  Paris.
Kolmar  wird  besetzt.

Die  ersten  deutschen  Truppen  vor  Paris.

Die  Franzosen  hatten  auf  den  Chausseen  und  Eisenbahnen  nach
Paris  sämtliche  bedeutende  Kunstbauten  unnötigerweise  gesprengt,  denn
der  Marsch  der  deutschen  Kolonnen  wurde  dadurch  nicht  um  eine  Stunde
aufgehalten.

1890.  Das  Blutbad  in  Witu  (Ost-Afrika).  Niedermetzelung  der
deutschen  Expedition  Küntzel.

Nach  Meldungen  aus  Zanzibar  kamen  Küntzel  und  seine
Leute  am  14.  September  auf  Einladung  des  Sultans  nach
Witu,  wo  sie  entwaffnet  wurden.  Küntzel  geriet  darüber  ın
namenlose  Wut  und  schimpfte  auf  den  Sultan,  den  er  des  Verrats  bezichtigte.
  Nachts  scheinen  die  Deutschen  versucht  zu  haben,  sich  aus
Witu  herauszuschleichen.  Man  liess  sie  aber  nicht  entkommen,
vier  wurden  knapp  vor  dem  Stadtthor  niedergemetzelt,
drei  flohen  und  kamen  einige  Meilen  weit,  dann  wurden  sie  eingeholt
und  von  demselben  Schicksal  erreicht.  Küntzel  fiel  als  der  letzte.
Meuschel  en:kam,  obwohl  verwundet,  wie-durch  ein  Wunder  im  hohen
Gras.  Die  Mörder  zogen  dann  nach  Küntzels  Lager  und  erschlugen
den  dort  zur  Bewachung  verbliebenen  Karl  Horn.  Die  deutschen
Plantagen  im  Umkreis  von  Witu  sind  gänzlich  zerstört;  ein  Pflanzer
Namens  Behnke  ist  ermordet.  Alle  Einwohner  Witus,  der  Sultan  eingeschlossen,
  sind  in  die  Sache  verwickelt.

1890.  Der  erste  deutsche  Bergarbeitertag  wird  zu  Halle
a.  d.  Saale  eröffnet.
        <pb n="490" />
        —  480  —

16.  September.

1443.  Seeschlacht  auf  dem  Haft.
DieDanziger  und  Elbinger  schlagen  die  Flotte  der  deutschen
Ritter.
1482.  Kurfürst  Albrecht  Achilles  erwirbt  durch  den  Vertrag

von  Kamenz  das  Fürstentum  Krossen.
1550.  Kurfürst  Moritz  von  Sachsen  belagert  Magdeburg.

1622.  Tilly  nimmt  Heidelberg  ein  und  verwüstet  dasselbe.


1652.  Johann  von  Werth,  kaiserlicher  General  im  30jährigen
Krieg,  stirbt  zu  Benatek  ın  Böhmen.

1678.  General  von  Schöning  erstürmt  die  Fährschanze  auf
Rügen.

1736.  Daniel  Gabriel  Fahrenheit,  Naturforscher  und  Verbesserer
  des  Thermometers,  stirbt  in  Holland.

1744.  Friedrich  II.  von  Preussen  besetzt  alsbald  nach  Eröffnung  des
zweiten  schlesischen  Krieges  Prag  und  fast  unmittelbar  darauf
auch  Tabor  und  Budweis.

1765.  Gregor  XVI.,  Papst  von  1831  bis  1846,  zu  Belluno  geboren.

Er  war  ein  entschiedener  Anhänger  der  Jesuiten.

1796.  Das  durch  vorhergegangene  Gefechte  fast  gänzlich  aufgeriebene
französische  Heer  unter  Jourdan  wird  bei  Limburg  an  der
Lahn  von  den  Oesterreichern  unter  i.rzherzog  Karl  wiederholt
  geschlagen  und  verliert  dabei  über  6000  Mann.

Bei  Altenkirchen  wird  der  französische  General
Marceau  geschlagen  und  fällt  schwer  verwundet  in  die  Hände
der  Vesterreicher.

1809.  Das  zweite  Blutgericht,  welches  die  Franzosen  zu
Wesel  am  Rhein  über  11  zu  Stralsund  gefangene  Offiziere  des
Schill’schen  Freikorps,  als  zur  „Räuberbande“  Schill’s
gehörend,  auf  einer  Wiese  bei  \Vesel  abhielten.

Sie  starben  sämtlich  den  Heldentod  für  des  Vaterlandes  Freiheit.
Zwei  und  zwei  aneinander  gefesselt,  wie  sie  zum  Richtplatz  auf  die  Wiese
geführt  worden  waren,  boten  sie  stehend,  mit  unverbundenen  Augen,
ihre  Brust  den  mörderischen  Kugeln  dar;  sie  brachten  dem  deutschen
Vaterland  und  ihrem  Könige  noch  ein  Lebehoch,  dann  kommandierten
sie:  Feuer!  —  und  zehn  lagen  tot  am  Boden.  Der  elfte,  Felgentreu
(nach  andern  der  eine  Wedell)  war  nicht  tot,  sondern  nur  am  Arme
verwundet.  „Hieher,  Grenadiere!*  rief  er,  die  Weste  aufreissend  und
auf  sein  Herz  deutend.  Der  nächste  Augenblick  traf  ihn  mitten  ins  Herz.
        <pb n="491" />
        —  41  —

1809.  An  demselben  Tage  schlagen  die  Tyroler  Helden  Speckbacher
  und  Peter  Thalguter  (der  Aeltere)  die  Bayern  bei
Lofers  und  Urkan.

„Zwei  Kanonen  wurden  erobert  und  Speckbachers  gutes  Pferd  wurde
bei  dieser  Gelegenheit  durch  Bajonettstiche  getötet.

1813.  Treffen  bei  Dahlenburg  in  der  Göhrde.

Das  Walmoden-Lützowsche  Korps  bereitet  denFranzosen
eine  gründliche  Niederlage.  Bei  dieser  Gelegenheit  fällt  die  kühne
Eleonore  Prohaska  aus  Potsdam.

1814.  Die  „vorbereitenden  Konferenzen“  des  Wiener  Kongresses
nehmen  ihren  Anfang.  '

1826.  Ernst,  Herzog  von  Sachsen-Altenburg,  geboren.

 _Beit  1853  an  der  Regierung,  schloss  er  1862  eine  Militär-Konvention
mit  Preussen  und  mit  demselben  1866  ein  Bündnis;  1870  stand  er  beim
Grossherzog  von  Mecklenburg  in  der  18.  Division.

1848.  Die  deutsche  Nationalversammlung  in  Frankfurt  a.  M.
genehmigt  nach  den  heftigsten  Debatten  den  Waffenstillstand
von  Malmö,  den  sie  elf  Tage  vorher  vorläufig  sistirt  hatte.

Charakteristisch  sind  die  Mitteilungen  eines  Abgeordneten,  welcher
damals  für  die  Annahme  gesprochen  und  gestimmt  hatte,  wie  damals
englische  Staatsmänner  über  dieses  Ereignis  urteilten:

„Jetzt  ist  es  mit  der  Wiedergeburt  der  deutschen  Nation  vorbei,
dasdeutscheParlamentverstehtnichtsmitderRevolution
anzufangen.  Die  Mehrheit  desselben  hat  sich  schwach,  feig,
erbärmlich  benommen;  von  nun  an  ist  nichts  mehr  von  ihnen  zu  erwarten.“


Die  nächste  Folge  dieses  „Parlaments-Beschlusses*  war  der  blutige
„Frankfurter  Aufstand“.

1857.  Eugen  Friedrich  Karl  Ludwig,  Herzog  von  Württemberg,
  stirbt  zu  Karlsruhe  in  Schlesien.

1867.  Philipp  Friedrich  Wilhelm  Oertel,  Pseudonym
W.  O.  Horn,  Volksschriftsteller,  stirbt  zu  Wiesbaden.

1870.  Die  Preussen  besetzen  Mülhausen  im  Elsass.

Graf  Bismarck  erklärt  in  einem  Itundschreiben  an  die
neutralen  Mächte,  dass  das  deutsche  Volk  von  keiner
Seite  her  eine  Intervention  dulden  werde.

1873.  Die  letzten  deutschen  Truppen  verlassen  den  französischen
Boden.

1884.  Konferenz  der  drei  geschäftsführenden  Minister
Deutschlands  (Fürt  von  Bismarck),  Oesterreichs  (Kalnoky)
und  Russlands  (Giers),  gelegentlich  der  Dreikaiser-Begegnung

zu  Skiernewice.
In  dieser  Konferenz  wurde  ein  Zukunftsprogramm  aufgestellt,

das  zunächst  die  Befestigung  des  europäischen  Friedens  anstrebte.


3l
        <pb n="492" />
        482  —

1886.  Der  deutsche  Reichstag  tritt  zu  einer  kurzen  Tagung
zusammen  und  genehmigt  die  Verlängerung  des  Handelsvertrags
  mit  Spanien  bis  zum  Jahre  1892.

 

 

17.  September.

u

709.  Lambert,  der  Heilige,  Bischof  von  Tondern,  stirbt  als  Opfer
der  Privatrache  eines  fränkischen  Grossen.

1180.  Hildegard,  die  Heilige,  stirbt.

Sie  gründete  1148  ein  Kloster  auf  dem  Rupertsberg  bei  Bingen,  als
dessen  Aebtissin  sie  starb.  —  Sie  galt  in  jener  Zeit  viel  wegen  ihrer
Visionen  und  ÖOffenbarungen,  und  selbst  Papst  Eugen  Ill.  schrieb  ihr
prophetische  Begabung  zu.

1244.  Die  wilden  Horden  der  Choweresmier  erobern  Jerusalem.

1575.  Heinrich  Bullinger,  schweizer.  Reformator  und  Zwinglis
Nachfolger,  stirbt.

Er  arbeitete  unermüdlich  an  der  Vermittelung  der  schweizerischen
Kirche  mit  der  deutschen  lutherischen,  weshalb  er  mit  Luther  in  Streit
geriet.

1601.  Einnahme  von  Stuhlweissenburg  durch  die  Deutschen.
1652.  Erstes  Duellgesetz  für  die  Neumark.

1706.  Prinz  Eugen  v.  Savoyen  entsetzt  das  von  den  Franzosen
unter  dem  Herzog  von  Orleans  belagerte  und  von  dem  österreichischen
  Marschall  Daun  tapfer  verteidigte  Turin,  nachdem
er  sein  24000  Mann  starkes  Heer  mit  den  13000  Mann  des
Herzogs  von  Savoyen  vereinigt  hatte.

Die  Franzosen  werden  in  die  Flucht  geschlagen.

1737.  Einweihung  der  von  König  Georg  II.  bereits  1734  gestifteten
Universität  Göttingen.

1745.  Begründung  der  Dresdener  Gemäldegalerie  durch
Ankauf  der  Modenesischen  Gemäldegalerie.

1782.  Der  jugendliche  Dichter  Friedrich  Schiller  entflieht  aus
Stuttgart  nach  Mannheim.

1787.  Bombardement  und  Uebergabe  von  Gorkum  an  die  Preussen
unter  dem  Herzog  von  Braunschweig.

1788.  Karl  Graf  von  der  Gröben,  preussischer  General  der
Kavallerie  und  Generaladjutant  des  Kaisers  Wilhelm  I.,  zu
Schrengen  bei  Rastenburg  geboren,  wo  cr  am  13.  Juli  1876  starb.

An  demselben  Tag  Karl  von  Abel,  bayerischer  Minister,
zu  Wetzlar  geboren.
        <pb n="493" />
        1814.  Der  Kaiser  von  Oesterreich  verbietet  die  Bekanntmachung
päpstlicher  Breven  ohne  Erlaubnis  der  Regierung.

1846.  Der  deutsche  Bundestag  verwahrt  die  Rechte  des  Bundes,
der  erbberechtigten  Agnaten  und  der  holsteinischen  Stände  gegen

den  „offenen  Brief“  Christians  VIIL.  von  Dänemark  vom
8.  Juli  1846.

1848.  Grosse  Volksversammlung  auf  der  Pfingstweide  zu
Frankfurt  a.  M.,  woran  die  demokratischen  Vereine  aus
der  ganzen  Umgegend  Teil  nehmen.

Dieselbe  war  in  der  heftigsten  Weise  gegen  die  Monarchie  und  die
Nationalversammlung  aufgetreten  und  hatte  eine  Sturmpetition  beschlossen,
  welche  von  der  Masse  des  Volks  am  folgenden  Morgen  der
Nationalversammlung  überreicht  werden  sollte.

1850.  Der  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  gewährt  dem  von  seinem
Volke  bedrängten  Kurfürsten  von  Hessen  Bundeshilfe,  wosegen

  Preussen  Protest  erhebt.

1866.  Vertrag  zwischen  dem  Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm
von  Hessen  und  der  Krone  Preussen  zu  Stettin,  wonach
der  erstere  auf  seine  politischen  Rechte  verzichtet.

1870.  Gefecht  bei  Fort  d’Ivry  bei  Parıs.

Teile  der  17.  Brigade  werfen  feindliche  Bataillone  nördlich  des
Waldes  von  Brevannes  über  den  Haufen,  so  dass  die  Panik  bis  in
das  Innere  der  Stadt  Paris  hineingetragen  wurde.  Pariser  Journale
erheben  bei  dieser  Gelegenheit  die  Mobilgarde,  die  nichts  gethan
hat,  auf  Kosten  der  Linie,  welche  sie  mit  Schmähungen  überhäufen.

1871.  Eröffnung  der  Eisenbahn  durch  den  Mont-Cenis-Tunnel.


1876.  General  Tschernajeff  proklamiert  in  seinem  Hauptquartier  zu
Deligrad  den  Fürsten  Milan  als  König  von  Serbien.
1890.  Zwei  Kaiser-Begegnung  in  preuss.  Schlesien  gelegentlich

des  dortigen  Manövers.

Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  ist  bis  zum  20.  Septbr.
auf  Schloss  Rohnstock  Gast  Kaiser  Wilhelms  II.  von  Deutschland.
        <pb n="494" />
        —  434  —

18.  September.

1309.  Reichstag  zu  Speyer,  durch  Kaiser  Heinrich  VI.  (der

Luxemburger)  eröffnet.
Auf  demselben  wurde  gegen  die  Mürder  des  Kaisers  Albrecht  die

Reichsacht  ausgesprochen.

1322.  Schlacht  bei  Mühldorf.

Der  1314  von  3  Kurfürsten  zum  deutschen  König  gewählte
Friedrich  III.  von  Oesterreich  wird  von  seinem  Gegv  nkönig  Ludwig
dem  Bayer  geschlagen  und  gefangen  genommen.

1544.  Der  Friede  von  Crespy,  zwischen  Kaiser  Karl  V.  und
Franz  I.  von  Frankreich  abgeschlossen.

Dieser  leistet  Verzicht  auf  die  Oberlehnsherrlichkeit  über  Flandern
und  Artois,  wie  auf  Mailand;  dagegen  liess  der  Kais:r  scine  Ansprüche
auf  das  Herzogtum  Burgund  fallen.

1691.  Treffen  beı  Leuse.

Die  Franzosen  unter  dem  Herzog  von  Luxemburg  hesiegen  das
niederländisch-spanische  Heer  unter  dem  Fürsten  von  W  aldeck.

1721.  Johann  Adolf  Schlegel,  Dichter  und  Kanzelredner  zu

Meissen  geboren.
Er  starb  am  16.  September  1795  als  Superintendent  in  Hannover.

1739.  Frieden  zu  Belgrad.

Oesterreich  muss  alle  im  Passarowitzer  Frieden  (141S)
erhaltenen  Gebiete  wieder  an  die  Türken  zurückgeben.

1786.  Justinus  Kerner,  ein  begabter  Iyrischer  Dichter,  zu  Ludwigsburg
  geboren.

1794.  Der  französische  General  Marceau  schlägt  die  Oesterrceicher
bei  Sprimont.

1866.  Der  Dichter  und  Schauspieldirektor  Heinrich  Laube  zu
Sprottau  geboren.

1809.  Andreas  Hofer  proklamiert  die  Insurrektion  ın
Tyrol.

1813.  Einnahme  von  Merseburg  durch  Thielemann.

1822.  Die  erste  deutsche  Naturforscher-Versammlung
tagt  ın  Leipzig.

1846.  Zweiter  „Offener  Brief“  des  Dänenkönigs  Christian  VI,
die  Erbfolge  Schleswig-lIolstein  betreffend.

1848.  Frankfurter  Barrikadenkämpfe,  ein  blutiger  Ausdruck

des  Volksunwillens  wegen  der  Parlaments-Ahstimmung  in  der
Malmöer  Waftenstillstandstrage.
        <pb n="495" />
        —-—  45  —

Das  auf  Anordnung  des  Reichsministeriums  von  Mainz  gekommene
Militär,  Preussen  und  Oesterreicher,  hatte  sich  zwischen  dem
Römer  und  der  Paulskirche  gelagert,  hart  an  den  Eingängen  der  letzteren.
Is  kam  zu  einem  Zusammenstoss  zwischen  Militär  und  Volk,  und  als
sich  die  begründete  Nachricht  von  der  Absperrung  aller  Stadtthore  durch
Militär  verbreitete,  da  errichteten  Arbeiter  und  Turner  unter  den  Augen
der  Soldaten  zahlreiche  Barrikaden  im  Innern  der  Stadt,  ohne  dass
seitens  desReichsministeriums  etwas  dagegen  geschehen
wäre.  —  Unterdessen  hielten  grossh.  hessische  Truppen  ihren
Einzug.  Der  Strassenkampf  begann  und  forderte  seine  vielen  Opfer!
Unter  ihnen  die  beiden  Abgeordneten  v.  Auerswald  und  Fürst  Lichnowsky,
  welche  den  heranziehenden  preussischen  Truppen  entgegen
reiten  wollten  und  vor  den  'Thoren  Frankfurts  von  Aufständischen  überfallen
  und  hingemordet  wurden.

1858.  General  von  Moltke  wird  zum  Chef  des  grossen  Generalstabs

  ernannt.

1866.  Der  Kurfürst  von  Hessen  entbindet  seine  Zivilbeamten
und  Unterthanen  des  Eides.

1867.  Herzog  Adolf  von  Nassau  schliesst  mit  Preussen  einen
Vertrag  ab,  wonach  er  einen  bedeutenden  Grundbesitz  und  die
Summe  von  15  Millionen  Gulden  erhält.

1870.  Das  deutsche  Hauptquartier  in  dem  Rothschild’schen
Schlosse  Ferrieres  bei  Lagny.

Kleines  Gefecht  bei  Bicötre  südlich  von  Paris.

Abteilungen  des  5.  preussischen  und  2.  bayerischen  Korps  werfen
die  Franzosen  aus  ilırer  verschanzren  Stellung  bis  hinter  die  Forts,  wobei
7  Geschütze  abgenommen  werden.

Die  Cernierung  von  Paris  ist  vollständig  ausgeführt.

  |

1871.  Einweihung  der  dem  8.  pummerschen  Infanterieregiment  No.  61
vom  Kaiser  Wilhelm  I.  geschenkten  neuen  Fahne  zu  Belfort.

1872.  Versammlung  der  deutschen  Bischöfe  zu  Fulda
(bis  zum  20.  September).

1877.  Zusammenkunft  des  Fürsten  Bismarck  mit  dem  Graf
Andrassy  zu  Salzburg.

1885.  Der  Papst  wird  von  Deutschland  als  Schiedsrichter  in  der
Karolinenfrage  vorgeschlagen.  Ä

1886  Kaiser  Wilhelm  betraut  den  Staatssekretär  Grafen  Bism  arck
nach  Massgabe  des  Gesetzes  vom  17.  März  1875  mit  der  Stellvertretung
  des  Reichskanzlers  im  Bereich  des  auswärtigen  Amtes.
        <pb n="496" />
        —  46  —

19.  September.

nn

305.  Januarius,  Heiliger,  Bischof  von  Benevent,  stirbt  als  Märtyrer.
Das  Königreich  Neapel  wählte  ihn  zu  seinem  Schutzpatron.  König
Karl  von  Neapel  stiftete  einen  Orden  des  heiligen  Januarius.

1350.  TillEulenspiegel,  Volksnarr,  stirbt  zu  Mölln  in  Lauenburg.
1455.  Vertrag  von  Mewe.

Definitive  Besitznahme  der  bereits  am  22.  Februar  1454  vorbehaltlich
  gegen  40000  Gulden  von  dem  deutschen  Orden  abgetretenen  Neumark
  durch  Kurfürst  Friedrich  II.  von  Brandenburg.

1657.  Vertrag  von  Wehlau.

König  Johann  Kasimir  von  Polen  gesteht  dem  „grossen  Kurfürsten“
von  Brandenburg  die  Souveränität  von  Preussen  zu.  (Vergl.  Vertrag  von
Bromberg  vom  16.  November  1697.)

1666.  Teilungsvertrag  von  Cleve,  durch  welchen  Mark  und
Ravensberg  für  immer  brandenburgisch,  Jülich  und  Berg  pfalzneuburgisch
  werden,  jedoch  mit  der  Massgabe,  dass  alle  diese
Länder  ein  ganzes  bilden  sollen,  deren  Titel  und  Wappen  beiden
Häusern  gemeinsam,  und  diese  durch  eine  beständige  Allianz
und  Erbverbrüderung  verbunden  bleiben.

1689.  Der  älteste  Sohn  des  Kaisers  Leopold  I,  Joseph  I,  wird
auf  dem  Fürstentag  zu  Augsburg  zum  römischen  König  gewählt.

1713.  Die  Russen  nehmen  im  nordischen  Krieg  Stettin  ein.
1734.  Treffen  bei  Guastalla.

Die  vereinigte  französisch-sardinische  Armee  unter  deın
König  von  Sardinien  siegt  über  die  Oesterreicher  unter  Königseck.

1796.  Gefecht  bei  St.  Giorgio.

Bonaparte  schlägt  den  österreichischen  General  Wurmeer.

1800.  Georg  Wilhelm  von  Raumer,  Geschichtsforscher,  zu

Berlin  geboren.
Er  endete  am  11.  März  1856  durch  Selbstmord.

1812.  Mayer  Anselm  Rothschild  stirbt.

Er  gründete  das  bekannte  Bankhaus  zu  Frankfurt  a.  M.,  wurde
1801  Hofagent  des  Kurfürsten  Wilhelm  I.  von  Hessen,  der  ihm  1806  sein
Vermögen  zum  Aufbewahren  anvertraute.  Er  hinterliess  fünf  Söhne.

1813.  Reitergefecht  bei  Mühlbereg.

General  von  Dobschütz  besiegt  eine  Abteilung  französischer
Chasseurs  und  nimmt  deren  Oberst  Talleyrand  mit  500  Mann  gefangen.

1814.  Karl  Friedrich  von  Savigny,  preussischer  Diplomat.

Als  preussischer  Gesandter  beim  Bundestag  in  Frankfurt  a.  M.  erhob
er  gegen  dessen  Beschluss  vom  14.  Juni  1866  Protest  und  starb  —  seit

1867  Mitglied  des  Reichstags  (Centrum)  —  am  11.  Februar  1875  in
Frankfurt  a.  M.
        <pb n="497" />
        —  4397  0  —

1815.  Die  Preussen  nehmen  Besitz  von  Schwedisch-Pommern  und
Rügen.

1818.  Auf  dem  Kreuzberg  bei  Berlin  wird  in  Gegenwart
Kaiser  Alexander  I.  von  Russland  der  Grundstein  zu  dem
Befreiungsdenkmal  gelegt.

1844.  Die  erste  deutsch-katholische  Gemeinde  wird  in
Schneidemühl  gegründet.

1848.  Die  Fügsamkeit  der  Nationalversammlung  zu
Frankfurta.M.  lässt  dieselben  Beschlüsse  fassen,  durch  welche
den  Fürsten  die  Macht  wieder  zurückgegeben  wird,  wie  sie  solche
vor  den  Volkserhebungen  der  Märztage  gehabt  hatten.

Die  Reaktion  im  Schosse  des  Parlaments  selbst  hatte  von  nun  an
die  entschiedenste  Oberhand.

1857.  Vertrag  zwischen  den  deutschen  Zollvereinsstaaten
und  der  argentinischen  Konföderation.

1863.  Der  deutsche  Bund  beschliesst  die  Exekution  gegen
Dänemark.

1866.  Kurhessen  wird  in  den  preussischen  Staat  einverleibi.
1870.  Ausfall  der  Franzosen  mit  etwa  40000  Mann  aus  Paris
gegen  CUhatillon.

Glänzend  zurückgeschlagen  von  preussischen  und  bayrischen  Truppen.

Durch  Vermittelung  der  Regierung  Grossbritanniens  findet
zwischen  Jules  Favre  und  Bismarck  eine  Zusammenkunft
statt,  welche  sich  am  darauffolgenden  Tage  wiederholt.

In  Versailles  werden  2000  Mobilgarden  gefangen  und
Seyres,  das  deutsche  Garnison  verlangt,  besetzt.  —  Gefecht  mit
den  Franzosen  bei  Bourg  la  Reine.

Die  Deutschen  vor  Paris  in  6!/,  Armeekorps  und  drei
Kavalleriedivisionen  mit  122661  Mann  Infanterie,  24  325  Reitern
und  625  Geschützen.

1878.  Einnahme  von  Bihac  und  Mostar  in  Bosnien  durch
die  Oesterreicher.

1881.  Garfield,  Präsident  der  vereinigten  Staaten  von  Amerika,
stirbt.
        <pb n="498" />
        —  418  —

20.  September.

1261.  Aufstand  der  heidnischen  Preussen  gegen  die  Deutschordensritter.
  "

Blutbad  unter  den  Christen.

1410.  König  Sigismund.  von  Ungarn  wird  von  einigen
Kurfürsten,  zu  Mainz  zum  Oberhaupt  des  deutschen  Reiches
gewählt.

Am  21.  Juli  1411  wurde  Sigismund  auch  von  den  übrigen  Kurfürsten
zum  deutschen  Kaiser  gewählt.

1519.  Der  berühmte  Seefahrer  Magelhaens  segelt  mit  5  Schiffen,
welche  ihm  Kaiser  Karl  V.  anvertraut  hatte,  aus  St.  Lucas  ab.

1676.  Demmin  wird  von  den  Brandenburgern  erstürmt.

1697.  Frieden  von  Ryswijk,  einem  Dorf  bei  Haag  in  den
Niederlanden,  zwischen  den  Verbündeten,  Spanien,  Holland  und
England  und  Frankreich.

Dieses  behielt  die  Franche  Comte,  Strassburg  und  alle  reunierten
Gebiete  im  Elsass  und  gab  an  das  deutsche  Reich  nur  zurück
Freiburg,  Breisach  und  Kehl,  Mömpelgard  an  Württemberg,  Lothringen
  und  Nancy  an  seinen  Herzog,  Zweibrücken  an  Schweden;
sämtlich  frühere  französische  Eroberungen.

1703.  Schlacht  bei  Höchstedt.

Kurfürst  Max  Emanuel  von  Bayern  und  Marschall  Villars
schlagen  die  Oesterreicher  unter  Graf  Limburg-Styrum.  Die  mit
diesen  verbündeten  Preussen  unter  Fürst  Leopold  von  Dessau  retten
die  fliehende  Armee  vor  Vernichtung.

1738.  Joachim  Christian  Nettelbeck,  Bürger  von  Kolberg,
geboren;  daselbst  hochverdient  wegen  seiner  aufopfernden  Thätigkeit
  bei  der  Verteidigung  der  Stadt  1807.

Erhielt  nach  dem  Tilsiter  Frieden  die  Admiralsuniform.

1768.  Regierungsantritt  Friedrich  Augusts  des  Gerechten
in  Sachsen.

1787.  Die  Preussen  führen  den  #Erbstatthalter  in
Holland  ein.

1788.  Treffen  bei  Lugasch.

Die  Türken  treiben  die  Oesterreicher,  von  Kaiser  Joseph  Il.
selbst  geführt,  durch  geschickten  Ueberfall  aus  ihrer  Stellung.
        <pb n="499" />
        —  489  —

1792.  Schlacht  bei  Valmy.

Dieselbe  beschränkte  sich  vornehmlich  nur  auf  ein  lebhaftes  Artillericfeuer
  der  verbündeten  Deutschen  gegen  die  von  den  Franzosen
besetzten  Höhen.  Von  beiden  Seiten  fielen  an  diesem  Tage  30  000  Schüsse,
da  aber  die  Deutschen  keinen  Sturm  auf  die  Anhöhen  unternahmen,  so
blieb  die  „Kanonade  von  Valmy“  unentschieden;  führte  jedoch  zu
einem  Vertrag,  der  dem  Herzog  von  Braunschweig  den  ungehinderten
Rückzug  an  den  Rhein  sicherte.

1793.  Treffen  bei  Albarete,  in  welchem  die  Franzosen  unter
Kellermann  über  das  österr.-sardinische  Heer  siegen.

1794.  Schlacht  bei  Kaiserslautern.

Die  Franzosen  müssen,  durch  Fürstvon  Hohenlohe  vollständig
  geschlagen,  Kaiserslautern  räumen.

1797.  Die  französische  Republik  verkündet  durch  Dekret
den  Staatsbankerott.

1813.  Treffen  bei  Kösen.

Die  Russen  unter  General  Thielemann  überfallen  eine  französische
  Reiterkolonne  von  6000  Mann,  von  welchen  400  auf  dem  Platze
bleiben.  200  Wagen  werden  von  den  Russen  erbeutet  und  viele  Gefangene
  gemacht.

1819.  Der  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  sanktioniert  die  Karlsbader
  Beschlüsse  auf  fünf  Jahre;  ein  Termin,  der  später  Immer
wieder  erneuert  wurde.

Eine  Folge  der  sogenannten  „demagogischen  Umtriebe“  waren  die
„Karlsbader  Beschlüsse“,  welche  die  Verpflichtung  der  Bundesstaaten,
  den  13.  Artikel  der  Bundesakte  in  monarchischem  Sinne  zu  erläutern
  und  auszulegen  und  die  Einführung  einer  provisorischen  Exekutionsordnung
  zur  Vollziehung  der  Bundesbeschlüsse  enthielten,  die  Aufstellung
von  Regierungsbevollmächtigten  auf  den  deutschen  Universitäten  anordneten
  zur  genauen  Beaufsichtigung  der  Lehrer  und  Studenten,
  (!)  die  Einführung  einer  strengeren  Zensur  und  die  Errichtung
einer  Zentral-Untersuchungs-Kömmission  in  Mainz  zur  Entdeckung  der
demagogischen  Umtriebe  das  Geeignete  wollte.

1848.  Erster  evangelischer  Kirchentag  zu  Wittenberg.
Kaiser  Ferdinand  erlässt  ein  Manifest  an  das  italienische

Volk.
1856.  Vermählung  der  Prinzessin  Luise  von  Preussen,  Tochter
des  Kaisers  Wilhelm,  mit  dem  Grossherzog  Friedrich  von
Baden.
1863.  Jakob  Ludwig  Grimm,  der  verdienstvolle  deutsche  Sprachforscher,
  stirbt  zu  Berlin.
Er  war  am  4.  Januar  1785  zu  Hanau  geboren.
1865.  Die  ganze  Februarverfassung  (26.  Februar  1861)  wird

in  Oesterreich  suspendirt.

Auf  allen  deutschen  Landtagen  wurde  gegen  diese  „Sistierung“  der
Verfassung  protestiert  und  der  Kaiser  Franz  Josef  um  ihre  Wiederherstellung

  gebeten.
        <pb n="500" />
        —  40  —

1866.  Feierlicher  Einzug  der  preussischen  Truppen  ın
Berlin.

Gesetz,  die  Vereinigung  von  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  Frankfurt  a.  M.  mit  Preussen  betreffend,

publiziert.
Statut  betr.  die  Stiftung  eines  Erinnerungskreuzes  für
den  Feldzug  1866.
1870.  Zweite  Zusammenkunft  zwischen  Julius  Favre  und  Bismarck,
welche  wie  die  Tags  vorher  stattgehabte  erfolglos  blieb.

Vor  Strassburg  eröffnet  der  Feind  ein  äusserst  lebhaftes
Infanteriefeuer,  was  gegen  8  Uhr  abends  zum  Schweigen
gebracht  wird.

St.  Cloud  wird  von  den  Deutschen  besetzt.

Italienische  Truppen  rücken  in  Folge  der  deutschen
Siegesnachrichten  in  Rom  ein.

1878.  Die  Desterreicher  nehmen  Bihatsch.

1885.  Vermählungsfeier  des  Erbgrossherzogs  von  Baden
mit  der  Prinzessin  Hilda  von  Nassau  auf  Schloss  Hohenburg

in  Bayern.
        <pb n="501" />
        —  491  —

21.  September.

1415.  Friedrich  III,  deutscher  Kaiser  von  1440  bis  1493,  geboren.

1440.  Friedrich  VI.,  Burggraf  von  Nürnberg,  später  Friedrich  I.,
Kurfürst  von  Brandenburg  geboren  1371,  stirbt.

Infolge  der  grossen  Dienste,  welche  er  dem  Kaiser  Sigmund  bei
dessen  Wahl  geleistet,  erhielt  er  1411  den  Pfandbesitz  und  1415  die
Kurwürde  in  der  Mark  Brandenburg  „erheblich  und  eigentümlich“  und
wurde  damit  am  18.  April  1417  zu  Konstanz  feierlich  belehnt.

1555.  Der  Augsburger  Religionsfrieden  wird  abgeschlossen,
  in  welchem  sowohl  den  Protestanten  von  der
Augsburger  Konfession,  als  auch  den  Katholiken  die  Gewissens-Freiheit
  feierlich  verbürgt  wird.

1558.  Kaiser  Karl  V.  stirbt  in  dem  Kloster  San  Yuste  bei
Placencia  in  Estramadura,  erst  59  Jahre  alt.

Eine  Totenfeier,  welche  er  sich  kurze  Zeit  vorher  selbst  bereitete,
beschleunigte  das  Ende  seiner  Tage;  ein  Fieber  befiel  ihn  infolge  der
ausgestandenen  Aufregung,  dem  er  schon  nach  wenigen  Tagen  erlag.

1683.  Eroberung  von  Gran  unter  Mitwirkung  eines  brandenburgischen
  Corps  unter  General  Barfus.

1707.  Bei  Susa  siegt  Leopold  von  Dessau  über  die  Franzosen.

1762.  Artilleriegefecht  bei  Amöneburg,  unweit  Kassel,
während  des  siebenjährigen  Kriegs  zwischen  den  Franzosen
und  Alliirten,  das  durch  die  Nachricht  der  abgeschlossenen
Friedenspräliminarien  unterbrochen  wird.

1792.  Johann  Peter  Eckermann  zu  Winsen  geboren.

Er  war  der  Sekretär  von  Göthe.  Schrieb  auch  Gedichte  und  gab
Göthe’s  nachgelassene  Werke  heraus.

1806.  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  begiebt  sich  zu  der
Armee  gegen  die  Franzosen.

1832.  Walter  Scott,  .  englischer  Romanschriftsteller,  stirbt  auf
seinem  Landgut  Abbotsford  am  Tweed.

1837.  Karl  Friedrich  August,  Herzog  von  Mecklenburg-Strelitz,
stirbt.

1838.  Die  erste  preussische  Eisenbahn  wird  zwischen  Berlin
und  Potsdam  eröffnet.

1845.  August  Emil  Daniel  Ferdinand  Wilhelmj,  Violinvirtuos,
  zu  Usingen  in  Nassau  geboren,
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        —  42  —

1848.  Gustav  Struve  fällt  mit  seinen  Freischärlern  (800  Mann)
von  Basel  aus  in  Baden  ein  und  proklamiert  die  Republik.

1850.  Die  deutsche  Bundesversammlung,  an  die  sich  der  kurhessische
  Minister  Hassenpflug  beschwerdeführend  gewandt  hatte,
erklärt  die  Steuerverweigerung  der  hessischen  Stände
für  Aufruhr  auf  Grund  des  Bundesbeschlusses  vom  5.  Juli  1832.

1860.  Arthur  Schopenhauer,  hervorragender  Philosoph,  stirbt

zu  Frankfurt  a.  M.

Die  von  Schopenhauer  ausgebild»te  Lehre  dokumentiert  sich  als
eine  Uebergangsform  von  dem  Kantischen  Idealismus  zu  dem  gegenwärtig
  vorherrschenden  Realismus.

1865.  Enthüllung  des  Uhland-Denkmals  in  Stuttgart.

1866.  Bekanntmachung  des  Amnestie-Erlasses  des  Königs
Wilhelm  von  Preussen.

1870.  Der  preussische  Minister  Delbrück  kommt  auf  seiner  Rückreise
  von  Versailles  nach  München,  um  die  Wünsche  und
Vorschläge  Bayerns  bezüglich  eines  Anschlusses  an  Norddeutschland
  entgegen  zu  nehmen.

1875.  Die  badische  Regierung  erlässt  das  Gesetz  betr.  die
obligatorische  Einführung  gemischter  Schulen.

1879.  Fürst  von  Bismarcks  Besuch  ın  Wien.

Verständigung  zwischen  Oesterreich  und  Deutschland  in
Bezug  auf  das  gegen  die  russischen  Anmassungen  zu  beobachtende
  gemeinsame  Verhalten.

1855.  Fürst  Alexander  von  Bulgarien  proklamiert  sich  als
Fürst  von  Nord-  und  Süd-Bulgarien,  und  trifft  in
Philippopel  ein.
        <pb n="503" />
        —  493  —

22.  September.

1457.  Stiftung  der  Universität  Freiburg  im  Breisgau  durch
Erzherzog  Albrecht  VI.  von  Oesterreich.

1499.  Friede  zu  Basel  zwischen  der  Schweiz  und  dem
deutschen  Reich.

Ende  des  sogen.  „Schwabenkriegs“,  welchen  Kaiser  Maximilian  1.
gegen  die  Schweizer  geführt  hatte.  Er  gestand  denselben  zu,  dass
sie  fortan  von  Reichssteuern  und  vom  Kammergericht  entbunden  sein
sollten.  So  trennte  sich  die  Eidgenossenschaft  der  dreizehn
  Orte,  mit  vielen  schutzverwandten  Orten,  aufimmer
vom  Reichsverbande!

1599.  Gründung  der  englisch-ostindischen  Kompasgnie.

1621.  Kaiser  Ferdinand  Il.,  welcher  die  pfälzische  Kurwürde  an
Herzog  Max  von  Bayern  vergeben  hatte,  belehnt  denselben
auch  mit  den  Landen  der  Oberpfalz.

1756.  Oberst  von  Werner  schlägt  die  Oesterreicher,  während
des  siebenjährigen  Kriegs,  bei  Jossena.

1774.  Papst  Clemens  XIV.  (Ganganelli)  stirbt  an  Gift,  wie  er
selbst  glaubte.

Er  gehörte  zu  den  berühmtesten  Päpsten  und  zu  den  gelehrtesten,
welche  jemals  den  römischen  Stuhl  bestiegen  haben.

1792.  Waffenstillstand  zwischen  den  Preussen  und  Franzosen
bis  zum  28.  September,  in  Folge  der  Schlacht  bei  Valmy
am  20.  September  1792.  ‘

Die  Preussen  fordern  als  Grundbedingung  des  Friedens  die
Befreiung  des  zu  Paris  gefangen  gehaltenen  Königs  Ludwigs  XVI.  und
die  „Wiederherstellung  dessen  rechtmässiger  Gewalt“.  —
General  Dumourier  ging  nicht  darauf  ein,  und  der  Krieg  sollte  fortgesetzt

  werden.
1795.  Mannheim  wird  von  der  französischen  Rhein-  und  Mosel-Armee
  unter  Pichegru  genommen.
An  demselben  Tage  Gründung  der  Londoner  Missionsgesellschaft.


1814.  August  Wilhelm  Iffland,  der  „deutsche  Roseius“,  ein
berühmter  Schauspieler  und  dramatischer  Dichter,  stirbt  zu

Berlin.
Als  Schauspieler  gehört  Iffland  zu  den  merkwürdigsten  Erscheinungen,

  durch  welche  die  neuere  Kunst  verherrlicht  worden  ist;  als
dramatischer  Dichter  ging  ihm  aber  die  poetisch-freie  Produktionsgabe
ab,  und  hat  sich  ausser  „die  Jäger“  keines  seiner  Stücke  bis  auf  unsere
Tage  auf  dein  Repertoire  dauernd  halten  können.
        <pb n="504" />
        —  494  —

1826.  Johann  Peter  Hebel,  ein  berühmter  Dichter  in  „alemann.
ischer*  Mundart,  stirbt  zu  Schwetzingen.

Nicht  allein  als  Dichter  wurde  er  hochberühmt,  sondern  auch  als
Volksschriftsteller  im  wahren  Sinne  des  Wortes,  und  sein  „rheinischer
Hausfreund“  ist  noch  jetzt  eines  der  ergötzlichsten  und  lehrreichsten

Volksbücher.

1834.  Herzog  Ernst  I.  von  Sachsen-Koburg-Gotha  verkauft  das
Fürstentum  Lichtenberg  um  2  Mill.  Thaler  an  Preussen.

1835.  Leopold,  Prinz  von  Hohenzollern,  geboren.

Vermählt  mit  Antonia,  Infantin  von  Portugal,  wurde  er  von  der
spanischen  Regentschaft  als  König  von  Spanien  in  Aussicht  genommen
und  gab  dadurch  NapoleonlIIl.  Veranlassung  zu  demKriege
1870  mit  Preussen  und  Deutschland.

1862.  Proklamation  des  Präsidenten  Lincoln,  wonach
die  Sklaven-Emanzipation  auf  den  1.  Januar  1863
einzutreten  hat.

1863.  König  WilhelmI.  von  Preussen  schlägt  de  Annahme
der  Beschlüsse  des  Frankfurter  Fürstentages  rundweg
  ab,  und  erklärt,  einen  keformentwurf  überhaupt  nur  dann
beraten  zu  können,  wenn  derselbe  Oesterreich  und
Preussen  auf  dem  Fuss  vollständiger  Gleichheit
behandle,  wenn  er  eine  deutsche  Volksvertretung,
die  aus  allgemeinen  unmittelbaren  Wahlen  hervorgegangen
  und  nach  dem  Verhältnis  der  Bevölkerungszahlen
zusammengesestzt  wäre,  herstelle,  mit  einem  Wort:  „wenn  er
der  Macht  und  Bedeutung  des  preussischen  Staates
gebührend  Rechnung  trage.“

Oesterreich  lehnte  seinerseits  solche  Grundlagen  einer  Verständigung
  als  unannehmbar  ab!!

1867.  Die  Provinz  Schleswig-Holstein  wird  in  20  Kreise  geteilt.

1870.  Heftiger  Ausfall  der  Franzosen  aus  Metz  wird  siegreich
  zurückgeschlagen.  |

In  der  Nacht  vom  22.  zum  23.  besetzen  vor  Strassburg
das  34.  Regiment  und  eine  Kompagnie  Garde-Landwehr  unter
heftigem  Feuer  des  Feindes  die  Lünette  52.

1871.  Altkatholikenkongress  in  München  eröffnet.

1873.  König  Viktor  Emanuel  von  Italien  besucht  den  Kaiser
Wilhelm  I.  in  Berlin,  wo  er  bis  zum  26.  verweilt.

1874.  Erste  Leichenverbrennung  in  Breslau.

Rückkehr  der  österreichischen  Nordpolfahrer  Weyprecht
und  Payer.

1875.  Flottenrevue  vor  dem  deutschen  Kaiser  bei  Warnemünde.


General  Stosch  wird  Chef  der  Admiralität.
        <pb n="505" />
        —  495  —

1876.  Eröffnung  des  Altkatholiken-Kongresses  zu  Breslau.

1878.  Wilhelm  Zimmermann,  ein  schwäbischer  Dichter  und

bedeutender  Geschichtsschreiber,  stirbt  zu  Mergentheim.
Er  gehörte  der  deutschen  Nationalversammlung  in  Frankfurt

  a.  M.  (Paulskirche)  an  und  stand  in  derselben  in  der  äussersten
Linken.

1885.  Rundschreiben  des  Fürsten  Alexander  von  Bulgarıen
  an  die  Signatarmächte.

1889.  Der  deutsche  Schriftsteller-Verband  tagt  in  Frankfurt
  a.  M.

 

 

23.  September.

nen

1122.  Das  berühmte  Wormser  Konkordat  wird  zwischen  Papst
Kalixt  II.  und  Kaiser  Heinrich  V.  auf  einer  grossen  Reichsund
  Kirchenversammlung  abgeschlossen.

Kaiser  Heinrich  V.  verzichtete  in  demselben  darauf,  die  Bischöfe
und  Aebte  mit  den  geistlichen  Rechten  durch  Ring  und  Stab  zu  belehnen;
  er  gab  die  Wahl  der  Bischöfe  und  Aebte  im  Reich  den  Domund
  Klosterkapiteln  allein  anheim,  jedoch  sollen  sie  nur  in  Gegenwart
des  Kaisers  oder  seiner  Bevollmächtigten  und  ohne  alle  Simonie  vollzogen
  werden.

1490.  Johannes  Hess,  evangelischer  Liederdichter,  geboren  zu

Nürnberg.
Er  war  Reformator  Breslaus  und  Domprediger  daselbst.  Von  ihm

ist  das  Lied:  „O  Welt,  ich  muss  dich  lassen  !“

1787.  Peter  von  Cornelius,  ein  berühmter  Maler,  zu  Düsseldorf
geboren.

1791.  Theodor  Körner,  ein  feuriger  Dichter  in  den  Freiheitskriegen,
  zu  Dresden  geboren.

1806.  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  trifft  mit  der  Königin
Luise  in  Naumburg  ein,  um  dem  Kriegsschauplatz  nahe  zu  sein.

1813.  Das  sächsische  Bataillon  Bünau  geht  bei  Wörlitz
zu  den  Schweden  über.

1859.  Dänisches  Patent  über  die  Verwaltung  Holsteins.

1861.  Friedrich  Christoph  Schlosser,  ein  bedeutender  Geschichtsforscher,
  stirbt.

1862.  Zurücktritt  des  konservativen  Ministeriums  Hohenlohe  ın
Preussen,  welchem  sodann  Bismark  interimistisch  folgt.

Das  preussische  Abgeordnetenhaus  lehnt  mit
grosser  Mehrheit  die  sämtlichen  Kosten  der  Re-
        <pb n="506" />
        —  46  —

organisation  des  Heerwesensab,  infolgedessen  tags  darau
der  bisherige  Gesandte  am  französischen  Hof,  Herr  von  Bismarck-Schönhausen,
  der  als  geistreicher  und  entschlossener
Staatsmann,  aber  auch  als  ein  „heftiger  Feind  des  parlamentarischen
  Wesens“  bekannt  war,  an  die  Spitze  der
Regierung  berufen  wurde.

1868.  Eröffnung  der  Münchener  Konferenzen  wegen  der
süddeutschen  Bundesfestungen.

1870.  Die  provisorische  Regierung  zu  Paris  weist  die  Waffenstillstandsbedingungen
  Bismarcks  ab.

Eroberung  der  Lünette  53  vor  Strassburg  durch  Mannschaften
  des  Garde-Landwehr-Regiments  Kottbus  unter  Lieutenant

von  Müller.

Die  französische  Festung  Toul  nach  achtstündiger
Beschiessung  durch  die  Deutschen  genommen.

Durch  diese  Kapitulation  sind  109  Offiziere,  2240  Mann,  120  Pferde,
1  Mobilgarden-Adler,  197  Bronce-Geschütze,  darunter  48  gezogene,  3000
Säbel,  500  Kürasse,  sehr  bedeutende  Munitions-  und  Ausrüstungs-Vorräte,
143  025  Tages-Portionen  und  51949  Tages-Rationen  in  die  Hände  der
Deutschen  gefallen.

An  demselben  Tage  erneuter  Ausfall  der  Franzosen

aus  Metz,  abermals  mit  Nachdruck  zurückgewiesen.
1885.  Kaiser  Wilhelm  I.  trifft  in  Baden-Baden  ein.

 

 

24.  September.

768.  Pippin  der  Jüngere  oder  der  Kleine,  fränkischer  König,
Vater  Karls  des  Grossen,  stirbt  bei  Panıs.

911.  Ludwig  das  Kind,  der  letzte  Karolinger  in  Deutschland,  stirbt.

1473.  Georg  von  Frundsberg,  kaiserlicher  Feldhauptmann,  zu
Schloss  Mindelheim  geboren.

1627.  Das  Heer  des  Markgrafen  Georg  Friedrich  von  Baden-Durlach
wird  von  dem  Grafen  Schlick  bei  Heiligenhafen  in  Holstein
geschlagen.

1636.  Schlacht  bei  Wittstock.

Die  Sachsen  werden  von  den  Schweden  geschlagen,  worauf
von  Seite  der  fanatischen  Protestanten  jetzt  noch  mehr  gegen  den  Prager
Frieden  geeifert  und  der  Religionshass  noch  heftiger  als  je  zuvor  angeschürt
  wurde.

1689.  Schlacht  bei  Nissa,  in  welcher  Markgraf  Ludwig  von  Baden
über  die  Türken  siegt.
        <pb n="507" />
        —  41  0  —

1706.  Friedensschluss  zu  Altranstädt  bei  Lützen,  zwischen
Schweden  und  Sachsen.

König  Augustll.  von  Polen  verzichtet  für  sich  und  seine  Nachkommen
  auf  die  polnische  Krone.

An  demselben  Tage  Uebergabe  von  Mailand  an  die.
Kaiserlichen  und  die  Preussen  unter  Leopold  von’  Dessau.

1791.  Friedrich  Förster,  Dichter  und  Historiker,  zu  Münchengosserstedt
  bei  Kamburg  a.  d.  S.  geboren.

1795.  Der  französische  General  Pichegru  forciert  bei  Handschuchsheim
  einen  Angriff  gegen  die  Oestereicher,  wird
aber  mit  grossem  Verlust  zurückgeschlagen,  infolgedessen  General
Wurmser  seine  Verbindung  mit  dem  General  Clairfeit  herstellen
und  letzterer  gegen  die  französische  Sambre-  und  Maas-Armee
unter  Jourdan  zur  Offensive  übergehen  kann.

1813.  Die  Generäle  von  Thümen  und  von  Hirschfeld  erstürmen
die  Vorstadt  von  Wittenberg.

1828.  Abschluss  des  Mitteldeutschen  Handelsvereins
zu  Kassel.

1830.  Die  revoltierenden  Hanauer  zerstören  alle  Mauthen  an  der
Grenze.

1846.  Germanisten-Versammlung  zu  Frankfurt  a.  M.
Schon  beginnt  ein  wahrhaft  deutscher  Geist  die  Schranken  der  fast
fünfzigjährigen  Reaktion  zu  durchbrechen!

1848.  Gefecht  bei  Staufen  in  Baden.

Die  Freischaren  werden  durch  den  badischen  General  Hoffmann
zersprengt.  Struve  wird  hierbei  gefangen  und  nach  Bruchsal  ins  Gefängnis
  gebracht.

1853.  Die  Kaiser  von  Russland  und  Oesterreich  haben  eine
Zusammenkunft  in  Olmütz.

1867.  Erklärung  des  Grafen  Bismarck  im  norddeutschen
Reichstag  über  die  Luxemburger  Angelegenheit.

1870.  Proklamation  der  französischen  Regierung  in
Tours,  dass  Frankreich  auf  Preussens  Waffenstillstandsbedingungen
  durch  Fortsetzung  des  Kampfs  bis  aufs  Aeusserste  antworte.


Die  Kaiserin  Eugenie  trifft  in  Chislehurst  ein.
Gefecht  bei  Verdun.
1872.  Lutherische  Konferenz  in  Leipzig.
|  Internationale  Mass-  und  Gewichts-Kommission  zu
Paris.
1888.  Bismarck  erklärt  die  Auszüge  aus  dem  Tagebuche

Kaiser  Friedrichs  für  apokryph  und  verlangt  die  Bestrafung
  der  bei  der  Veröffentlichung  beteiligten  Personen.

 

 

32
        <pb n="508" />
        —  413  —

25.  September.

79.  Herkulanum,  Pompeji  und  Stabiä,  Städte  nahe  dem
Golf  von  Neapel,  werden  durch  einen  Ausbruch  des  Vesuv
verschüttet.

1529.  Die  Türken  unter  Sultan.  Soliman  II.  erscheinen  zum  ersten
Male  vor  Wien.

1555.  Der  „Augsbnrger  Religionsfriede”  kommt  auf  dem
seit  dem  5.  Februar  1555  tagenden  Reichstag  zu  Augsburg
zu  Stand.

Den  protestantischen  Ständen  Augsburger  Konfession  wird
völlige  Religionsfreiheit  und  politische  Gleichstellung  mit  den  katholischen
gewährt;  doch  wurde  der  Grundsatz  aufgestellt  cujus  regio,  ejus  religio,
d.  h.  welchem  Glauben  der  Fürst  folgt,  demselben  soll  auch  das  Volk
folgen;  wodurch  eine  Quelle  unaufhörlichen  Haders  und  Streits  geöffnet
wurde.

1744.  Friedrich  Wilhelm  II.,  König  von  Preussen  (1786—1797),
der  Grossvater  Kaiser  Wilhelms  I.,  geboren.

1759.  Prinz  Heinrich  von  Preussen  schlägt  die  Oesterreicher
während  des  siebenjährigen  Krieges  bei  Hoyerswerda.
1793.  Zweite  Teilung  Polens  durch  den  Vertrag  zu  Grodno.

Preussen  erhält  ausser  Danzig  und  Thorn  die  Woiwodschaft
Posen,  Gnesen,  Kalisch  und  andere  Landschaften  in  Polen.
1797.  Gaetano  Donizetti,  italienischer  Komponist,  zu  Bergamo
geboren.

1799.  Die  Franzosen  besiegen  in  einer  zweitägigen  Schlacht  ein
russisch-Österreichisches  Heer  bei  Zürich.

In  denselben  Tagen  überschreitet  der  General  Souwaroff  mit
seinen  Russen  den  St.  Gotthard  und  das  Gebirge  nach
Glarus  zu.

1809.  Blutiges  Treffen  an  der  Tuschnerbrücke  in  Tyrol,
durch  deren  Abbrennen  sich  die  Bayern,  nach  verzweiflungsvollem
  Kampf,  einzig  und  allein  vor  gänzlichem  Verderben
retten  konnten.

Die  Tyroler  wurden  von  dem  durch  die  Freiheitskämpfe  berühmt
gewordenen  Kapuziner  Pater  Joachim  Haspinger  angeführt  und
kämpften  mit  ihm  voll  Begeisterung  und  Mut.

1813.  Treffen  bei  Braunschweig.
Die  kurmärkische  Landwehrreiterei  unter  Oberst  von  der
Marwitz  schlägt  die  Franzosen.
1814.  Einzug  Friedrich  Wilhelms  III.  von  Preussen  in
Wien.
        <pb n="509" />
        —  499  —

1819.  Verfassungsurkunde  für  das  Königreich  Württemberg.


1849.  Johann  Strauss,  bekannter  Walzerkomponist,  stirbt  als
kaiserlicher  Hofbalimusikdirektor  zu  Wien.

1853.  Oesterreich  schliesst  ein  Konkordat  mit  dem  Papst
Pius  IX.  ab.

Dasselbe  räumt  der  katholischen  Geistlichkeit  einen  so  unbeschränkten
  Einfluss  auf  das  Unterrichtswesen  und  auf  die  Presse  ein,
dass  der  vormärzliche  Absolutismus  nunmehr  wieder  in  voller  Blüte  stand.

1865.  Allokution  des  Papstes,  in  welcher  die  Freimaurerei
  verdammt  wird.

1870.  Einschliessung  von  Verdun  durch  die  deutschen
Truppen.

1876.  Entlassung  des  badischen  Ministeriums  Jolly.
Sein  Nachfolger  ist  Turban.

Adolf  Glasbrenner,  humoristischer  Schriftsteller,  stirbt.

Ernst  von  Bandel,  Bildhauer  und  Schöpfer  des  Herımnannsdenkmals
  bei  Detmold,  stirbt  zu  Neudegg  bei  Donauwörth.

 

 

26.  September.

1759.  Feldmarschall  York  von  Wartenburg,  ein  ausgezeichneter
  Feldherr  aus  den  Freiheitskriegen,  zu  Potsdam  geboren.

1793.  Die  Generäle  von  Kalkreuth  und  von  Knobbelsdorf
erstürmen  die  französischen  Verschanzungen  vor  Blieskastel.

1802.  Georg  Freiherr  von  Vega,  berühmter  Mathematiker,

ermordet.  |  |
Durch  seine  Logarithmischen  Tafeln  hat  er  sich  bleibenden  Ruhm

erworben.
1813.  Fürst  Schwarzenberg  führt  seinen  „Linksabmarsch“  über
das  Erzgebirge  nach  Sachsen  aus.

1815.  Der  sogenannte  „heilige  Bund“  (heilige  Allianz)  wird  zu  Paris
unter  den  Monarchen  von  Oesterreich,  Preussen  und
Russland  errichtet,  worin  sie  sich  wechselseits  feierlich  verpflichten,
  „zur  Ehre  Gottes  und  zum  Heil  der  Völker,
zur  Erhaltung  des  Friedens  und  zur  Gerechtigkeit

.  &amp;amp;
u  "Was  sie  darunter  verstanden,  wurde  dem  Volke  bald  schwer
genug  fühlbar!
        <pb n="510" />
        —  500  —

1831.  Allgemeiner  deutscher  Burschentäg  zuFrankfurt
  a.  M.

1848.  Republikanischer  Aufstand  in  Köln.

Die  Reichsversammlung  beschliesst  die  ewige  Verbannung
  der  Jesuiten  aus  dem  deutschen  Reich.

1865.  König  Wilhelm  I.  nimmt  die  Erb-Huldigung  der  Lauenburgischen
  Ritter  und  Landschaft  zu  Ratzeburg  entgegen.

1866.  Abschluss  des  Friedens  zwischen  Preussen  und
Reuss  ä.  L.

1873.  Roderich  Benedix,  ein  fruchtbarer  Theaterdichter,  stirbt.
1874.  Grosses  Erdbeben  in  Valparaiso,  Santiago  etc.
1878.  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrich  Wilhelms  Ill.
in  Köln.
Eroberung  von  Liwno  durch  die  Oesterreicher  unter
Herzog  Wilhelm  von  Württemberg.

1888.  Die  Lage  der  Deutschen  in  Sansibar  wird  als  sehr
bedrohlich  geschildert.

 

27.  September.

1209.  König  Otto  IV.  wird  in  Rom  von  Innocenz  III.  zum  Kaiser
gekrönt.

1322.  Einweihung  des  Kölner  Doms  durch  den  Erzbischof  Heinrich
von  Vienenburg.

1331.  Das  Heer  des  deutschen  Ordens  wird  bei  Plowze  von
den  Polen  geschlagen.

1540.  Papst  Paul  III.  bestätigt  den  Jesuiten-Orden  mit  der
Bedingung,  dass  seine  Mitgliederzahl  nicht  über  60  betragen  dürfe.
1605.  Schlacht  bei  Kirchholm.

Karl  IX.  von  Schweden  wird  von  den  Polen  besiegt.

1651.  Maximilian  I.,  Kurfürst  von  Bayern,  stirbt  zu  Ingolstadt.

Er  förderte  das  Wohl  seines  Landes,  war  ein  Freund  der  Jesuiten
und  lebte  in  den  letzten  Lebensjahren  nur  dem  Heile  seiner  Seele.
        <pb n="511" />
        —  501  —

1761.  General  von  Platen  schlägt  die  Russen  bei  Spie.

1781.  Wilhelm  I.  König  von  Württemberg,  zu  Lüben  in  Schlesien
geboren.

1797.  Friedensverhandlungen  in  Udina  zwischen  Frankreich
  und  Oesterreich.

Zu  denselben  hatten  sich  von  seiten  des  österreichischen  Hofes
der  Graf  von  Coblenzl,  der  General  von  Meerfeld  und  der  Baron  von
Segelmann,  von  seiten  der  französischen  Republik  dagegen  General
Bonaparte  eingefunden.  |

1808.  Kongress  zu  Erfurt.

Zusammenkunft  der  Kaiser  Napoleon  I.  und  Alexander  von  Russland
  und  der  Rheinbundfürsten  (bis  zum  14.  Oktober).

1817.  König  Friedrich  Wilhelm  Ill.  von  Preussen  ladet  die
lutherischen  und  die  reformierten  Gemeinden  seines
Staates  zur  Union  ein,  auf  Grund  „des  gemeinsamen  ihrer
reformatorischen  Bekenntnisse,  d.  h.  zur  Anerkennung  ihrer
evangelischen  Blutsverwandtschaft  und  Ebenbürtigkeit  und  zur
Bethätigung  derselben  in  christlicher  Lebens-  und  Abendmahlsgemeinschaft.“


1823.  Wahl  Annibales  della  Genga  zum  Papst  als  Leo  XII.
(bis  1829).

1825.  Der  erste  Dampfeisenbahnzug  wird  in  England
von  dem  Erfinder  der  Lokomotive  Stephenson  abgelassen.


1828  wurde  die  erste  deutsche  Eisenbahn  von  Budweis  bis
Ding  eröffnet,  1835  zwischen  Brüssel  und  Mecheln,  in  demselben  Jahre
die  zwischen  Nürnberg  und  Fürth,  1836  Paris—  St.  Germain,  1838
Berlin—Potsdam  und  Wien—Wagram,  1839  Leipzig—  Dresden
  u.  s.  w.

1827.  Begründung  der  ersten  Mormonengemeinde  durch
Joel  Smith.

1848.  General  GrafLamberg,  der  den  Oberbefehl  über  sämtliche
ungarischen  und  kroatischen  Truppen  übernommen  hatte,  wird
von  der  erregten  Volksmenge  auf  der  Donau-Schiffbrücke
  zu  Ofen  mit  Aexten  und  Knütteln  totgeschlagen.


1849.  Kapitulation  von  Komorn,  welches  der  mutige  Ungarnführer
  Klapka  nicht  länger  mehr  halten  konnte.

Damit  war  Ungarns  Unterwerfung  vollendet;  dasselbe  wurde  hierauf
zu  einer  österreichischen  Provinz  gemacht.

1856.  Dr.  Karl  Peters,  berühmter  Afrikareisender,  zu  Neuhaus
a.  d.  Elbe  geboren.
1870.  Thiers  Ankunft  in  Petersburg.
Kapitulation  von  Strassburg.
1878.  Zwornik  kapituliert  an  die  Oesterreicher,
        <pb n="512" />
        —  502  —

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  wird  in  Stuttgart  enthusiastisch

empfangen.

Veröffentlichung  der  Antwort  Bismarcks  auf  die
Tagebuch-Enthüllungen  in  Form  eines  Berichtes  an
den  Kaiser.

Innere  Unruhen  auf  Samoa.

 

 

38.  September.

 

935.  Wenzel  (Wenzeslaus)  I.,  der  Heilige,  Herzog  von  Böbmen,
wird  von  seinem  Bruder  Boleslaw  in  der  Kirche  zu  Jung-Bunzlau

  ermordet.

1197.  Kaiser  Heinrich  VI.,  erst  32  Jahre  alt,  ein  Wüterich  ın
des  Wortes  schlimmster  Bedeutung,  stirbt  zu  Messina  in  Folge

eines  kalten  Trunks,  den  er  bei  Gelegenheit  einer  Jagd  that.

Heinrich  VI.  hatte  grosse  Pläne  und  strebte  nach  der  unumschränkten
Alleinherrschaft  eines  Tyrannen.  Sehr  treffend  bemerkt  Otto  Abel  über
ihn:  „Dem  deutschen  Volk  blieb  (durch  seinen  Tod)  das  glänzende
  Unglück  einer  Weltherrschaft  erspart.”

1322.  Schlacht  bei  Mühldorf.

Kaiser  Ludwig  der  Bayer  besiegt  seinen  Gegenkaiser  Friedrich
den  Schönen  von  Oesterreich,  der  in  Gefangenschaft  gerät.  In
dieser  blutigen  Schlacht  fielen  23  österreichische  Grafen  von  Trautmannsdorf.
  Den  Sieg  verdankte  Ludwig  vornehmlich  den  weisen  Anordnungen
  des  alten  Nürnberger  Siegfried  Schweppermann.  Als
daher  nach  dem  Siege  für  die  kaiserliche  Tafel  nichts  als  ein  Korb  voll
Eier  aufgefunden  wurde,  verteilte  sie  der  Kaiser  mit  den  Worten:
„Jedem  ein  Ei,  dem  frommen  Schweppermann  zwei!“

1702.  Beitritt  des  deutschen  Reichs  zur  Haager  Allıanz.
1713.  Einnahme  Stettins  durch  die  Russen  unter  Menzikoff.

1803.  Ludwig  Adrian  Richter,  berühmter  Genre-  und  Landschaftsmaler,
  in  Dresden  geboren.

1806.  Wolfgang  Heribert  Reichsfreiherr  von  Dalberg,
badischer  Staatsmann,  Intendant  des  Mannheimer  Hoftheaters,
stirbt.

1811.  Friedrich  Hecker,  aus  der  badischen  Revolution  her
wohl  bekannt,  zu  Eichtersheim  geboren.

1813.  Der  Kosackengeneral  Tschernitscheff  erscheint  vor  Kassel,
und  zwar  so  schnell,  dass  trotz  aller  Wachsamkeit  der  Polizeispione,
  der  König  Hironymus  seine  Ankunft  nur  zwei  Stunden
vorher  erfuhr  und  kaum  Zeit  zur  Flucht  hatte.

An  demselben  Tage  Treffen  bei  Meuselwitz  zwischen
Preussen  und  Franzosen.
        <pb n="513" />
        —  503°  —

1848.  Karl  Anton  Fürst  von  Sigmaringen  flüchtet  aus  seinem
Lande  vor  der  ausbrechenden  Revolution.

1850.  Verschärfung  des  Kriegszustandes  in  Hessen-Kassel  durch
landesherrliche  Verordnung.

Enthüllung  des  Albert  T:haer-Denkmals  in  Leipzig.

1862.  Eine  Versammlung  deutscher  Volksvertreter,  der
erste  „Abgeordnetentag“  zu  Weimar,  verurteilt  das  von
Oesterreich  am  14.  August  beim  Bundestag  eingebrachte  „Delegiertenprojekt”
  aufs  entschiedenste  als  ein  Werk  der  Reaktion,alseine

  Niederhaltung  desdeutschen  Nationalgeistes!


1863.  Einweihung  der  neuen  Börse  in  Berlin.

1870.  Diefranzösische  Besatzung  Strassburgs:  451  Offiziere,
17  000  Mann  incl.  Nationalgarden,  streckt:  die  Waffen.  Um  8
Uhr  morgens  werden  die  Thore  Strassburgs  besetzt.

An  demselben  Tage  schlagen  die  Landwehr-Bataillone  Landsberg,
  Frankfurt,  Woldenberg  des  13.  Armeekorps  wiederholte
Ausfälle  der  Garnison  von  Soissons  zurück,  worauf  diese
Waffenruhe  erbat,  um  ihre  Toten  und  Verwundeten  abholen  zu
können.  |

Die  „Grille“  konstatiert  die  Räumung  der  ÜOstsee  von
französischen  Kriegsschiffen.

Die  päpstliche  Kurie  protestiert  in  einer  Note  an  das
diplomatische  Korps  in  Rom  gegen  die  Okkupation  der
Stadt  durch  italienische  Truppen.

Grosse  Feuersbrunst  in  Antwerpen.
1872.  Grundsteinlegung  der  Neubefestigung  von  Strassburg.
1875.  Erlass  der  deutschen  Wehrordnung.

1878.  Die  Oesterreicher  nehmen  Liver,  sowie  die  Felsenfestung
  Klobuk.

1883.  Einweihung  des  Siegesdenkmals  auf  dem  Niederwald
in  Gegenwart  des  deutschen  Kaisers,  Wilhelm  I,  des  Kronprinzen
  und  vieler  deutschen  Fürsten.

Erhebend  und  denkwürdig  für  alle  Zeiten  war  hier  jener  grosse
Moment,  als  der  greise  Kaiser  Wilhelm  mit  kräftigen,  weithin  vernehmbaren
  Worten  das  Denkmahl  weihte:  „Den  Gefallenen  zum  Gedächtniss,
  denLebendenzurAnerkennung,den  kommenden
Geschlechtern  zur  Nacheiferung.  Das  walte  Gott!“  Mit
diesen  Worten  schloss  Kaiser  Wilhelm  und  feuchten  Auges  drückte  er
den  Kronprinzen  fest  und  innig  an  seine  Brust.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  hat  auf  Schloss  Mainau  in  Baden  eine
Zusammenkunft  mit  dem  Herzog  Adolf  von  Nassau,
        <pb n="514" />
        —  504  —

39.  September.

855.  Kaiser  Lothar  I.  stirbt  im  Kloster  Prüm.

Er  wollte  nach  seines  Vaters  (Ludwig  des  Frommen)  Tod  das  ganze
Reich  in  Besitz  nehmen,  ward  aber  von  seinen  Brüdern  Ludwig  und
Karl  bei  Fontenay  (25.  Juni  841)  geschlagen,  erhielt  im  Vertrag  von
Verdun  die  Kaiserwürde,  Italien  und  Lothringen.

1268.  Papst  Clemens  IV.  stirbt  und  erst  drei  Jahre  nach  seinem
Tode  konnten  die  Kardinäle  sich  in  der  Wahl  eines  Nachfolgers
auf  dem  päpstlichen  Stuhle  einigen.

1273.  Rudolf  von  Habsburg  wird  in  Folge  der  Bemühungen
des  Erzbischof  Werner  von  Mainz,  durch  die  zu  Frankfurt  a.M.
versammelten  Kurfürsten,  einstimmig  bis  auf  die  Stimme  des
Böhmenkönigs,  der  dagegen  protestieren  liess,  zum  deutschen
Kaiser  gewählt.

1473.  Zusammenkunft  Kaiser  Friedrich  IH.  mit  Karl  dem
Kühnen  von  Burgund  in  Trier.

1758.  Die  Preussen  und  Braunschweiger  siegen  über  die
Franzosen  bei  Bork  in  Hessen.

1786.  Joachim  Eduard  Graf  von  Münch-Bellinghausen,

österr.  Diplomat,  von  1823—1848  Bundespräsidialgesandter,  in
Frankfurt  a.  M.  geboren.

Er  starb  am  3.  August  1866.
1792.  Die  Franzosen  unter  General  Cüstine  besetzen  Speier.
1812.  Zwei  Tage  andauernde  Gefechte  bei  Ruhenthal,  in
welchen  sich  die  Preussen  siegreich  gegen  ein  russisches

Corps  schlagen,  und  schliesslich  mit  grosser  Tapferkeit  Riga,
wenn  auch  ohne  Erfolg,  stürmen.

1813.  Treffen  bei  Oranienbaum,  in  welchem  die  Franzosen  in
die  Flucht  geschlagen  werden.

1815.  Andreas  Achenbach,  berühmter  See-  und  Landschaftsmaler,
  zu  Kassel  geboren.

1840.  Friedrich  Adolf  August  Struve,  Erfinder  der  künstlichen
  Mineralwasser,  stirbt.

1853.  Enthüllung  des  Lessing-Denkmals  zu  Braunschweig.

1862.  GeheimerRat  von  Bismarck  erscheint,  zunächst  alsinterimistischer
  Ministerpräsident,  im  preussischen  Abgeordnetenhause
  und  tritt  alsbald  mit  der  Erklärung  hervor,
        <pb n="515" />
        —  505  °  —

dass  „da  keine  Verständigung  zu  erzielen  sei,  die
Regierung  den  Staatshaushalts-Etat  für  1863  zurückziehen,
  und  inder  nächsten  Session  wieder  vorlegen
  werde“.

1867.  Vermögens-Vertrag  Georgs  V.  von  Hannover  mit  der
Krone  von  Preussen.

1878.  In  einer  Volksversammlung  zu  Pest  wird  von  der
Regierung  die  Räumung  Bosniens  und  vom  Reichstage  die
Erhebung  der  Anklage  gegendie  Regierung  gefordert.

1879.  König  Alfons  von  Spanien  vermählt  sich  zum  zweiten
Mal,  diesmal  mit  der  Erzherzogin  Maria  Christina  von
Oesterreich.

1880.  Rückkehr  des  Prinzen  Heinrich  von  Preussen  von  seiner
Weltreise.
1557.  Verurteilung  des  jungen  Schnäbele  zu  dreiwöchentlichem
Gefängnis.
Enthüllung  des  Franz  Deäk-Denkmals  in  Pest.

 

 

80.  September.

1622.  Vertrag  zu  Lindau  zwischen  Oesterreich  und  Graubünden.


Spanischen  und  österreichischen  Truppen  wird  der  freie  Durchzug
durchs  Land  gestattet.

1681.  Die  deutsche  Reichsstadt  Strassburg  kommt  durch  schändlichen
  Verrat  an  Frankreich.

Nachdem  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  in  verräterischer
Absicht  auf  die  Besitznahme  von  Elsass  vorbereitet  hatte,  führte  er
seinen  Anschlag  aus,  indem  plötzlich  ein  französisches  Heer  vor  den
Mauern  Strassburgs  erscheint,  und  unter  Androhung  des  Bombardements  die
Uebergabe  der  Stadt  fordert.  Mehrere  vornehme,  einflussreiche  Männer,
waren  vorher  schon  gewonnen,  die  Bürger  hingegen  entmutigt  und  ohne  Aussicht
  auf  Hilfe  aus  Deutschland,  was  Wunder  da,  wenn  die  Franzosen  leichtes
Spiel  hatten,  und  sich  die  sonst  so  gut  deutsche  Reichsstadt
Strassburg  ohne  Schwertstreich  ergab.  Diese  französische  Gewaltthat
  war  so  anstössig,  dass  sie  allgemeine  Entrüstung  hervorbringen  musste,
allein  die  Art  und  Weise,  in  welcher  Ludwig  XIV.  diesselbe  rechtfertigen
wollte,  war  noch  empörender.  Er  sagte  nämlich  kurz:  „durch  den  Friedensschluss
  von  Münster  sei  ihm  das  Elsass  abgetreten,  und  durch  jenen  von
Nimwegen  der  Besitz  bestätigt  worden,  zu  dem  Elsass  gehöre  aber
Strassburg.“  In  dem  westfälischen  Frieden  war  jedoch  die  Reichsstadt
        <pb n="516" />
        —  506  —

Strassburg  bei  Abtretung  des  Elsasses  an  Frankreich  ausdrücklich
ausgenommen,  und  mit  klaren  Ausdrücken  bestimmt  worden:  „Dass
Strassburg  bei  Deutschland  verbleibe,  und  der  französischen  Landeshoheit
  nicht  unterworfen  werden  dürfe.“

1745.  Schlacht  bei  Soor,  einem  böhmischen  Dorfe  unweit  Trautenau
im  Kreise  Königgrätz.
Glänzender  Sieg  der  Preussen  unter  ihrem  König  Friedrich  Il.

während  des  zweiten  schlesischen  Kriegs,  über  die  österr.-sächsische
Armee.

1790.  Leopold  Il.,  Bruder  des  kinderlos  gestorbenen  Joseph  II.
und  bisher  Grossherzog  von  Toskana,  wird  durch  die  Kurfürsten
zu  Frankfurt  a.  M.  einstimmig  zum  deutschen  Kaiser  gewählt.

Bereitsschon  war  diese  Kaiserwahl  zur  leeren  Förmlichkeit
  geworden;  das  tausendjährige  römische  deutsche  Kaiserreich  ging
in  allen  Stücken  seinem  kläglichen  Ende  entgegen.

1792.  Ende  des  kläglichen  Feldzugs  in  die  Champagne!

Der  Oberfeldherr  der  Verbündeten,  Herzog  von  Braunschweig,  hebt
sein  Lager  bei  la  Lüne  in  der  Nähe  von  Valıny  auf,  und  tritt  den  Rückzug
  an.

1803.  Gustav  von  Alvensleben,  preussischer  General,  geboren.

Im  Kriege  von  1870—71  stand  er  an  der  Spitze  des  4.  Armeekorps.
—  Chef  des  3.  Magdeb.  Infanter.-Regiments  No.  66.

1811.  Augusta,  deutsche  Kaiserin  und  Königin  von  Preussen,
geboren.

1812.  Die  Generale  von  York  und  Kleist  schlagen  die  Russen
bei  Ruhendahl.

1813.  Der  Kosacken-General  Tschernitscheff  beschiesst  Kassel,
welches  noch  immer  von  dem  Kommandanten  Ulix  verteidigt
wurde.  —  Einzug  der  Russen  in  Kassel.

1818.  Aachener  Kongress.

Frankreich  tritt  der  „heiligen  Allianz“  bei.
1823.  Rudolfvon  Gottschall,  Schriftsteller,  zu  Breslau  geboren.

1831.  Friedrich  Wilhelm,  Kurprinz  von  Hessen,  wird  zum
Mitregenten  seines  Vaters,  Kurfürst  Wilhelm,  berufen.

1849.  Wiedererstehen  des  deutschen  Bundestags.

1862.  Denkwürdige  Sitzung  des  preussischen  Abgeordnetenhauses
  zu  Berlin,  in  welcher  der  neue  preussische
Ministerpräsident,  von  Bismarck,  in  der  deutschen  Frage  die
historisch  bedeutsamen  Worte  spricht:  „Nicht  durch  Keden,
sondern  allein  durch  Blut  und  Eisen  kann  man  Deutschlands
Einheit  herstellen.“

1870.  Grosser  Ausfall  aus  Paris  und  von  den  Deutschen  siegreich
  zurückgeschlagen,  welche  über  200  Gefangene  machen.
Der  Kronprinz  von  Preussen  war  während  des  ganzen  Gefechts
zugegen.
        <pb n="517" />
        —  507°  —

1870.  An  demselben  Tag:  Einzug  des  Generals  von  Werder
in  Strassburg  und  sodann  feierlicher  Gottesdienst  in  der
Ihomaskirche.  Eine  damalige  offizielle  Depesche  fügt  dieser
Meldung  bei:

„Ueber  500  französische  Offiziere  unterzeichneten  Ehrenscheine,  50
bis  100  gingen  in  Gefangenschaft.  Zahl  der  Gefangenen  noch  nicht  festgestellt,
  da  noch  fortwährend  deren  eingeliefert  werden.  Die  Beute  in
Strassburg  beträchtlich:  1070  Kanonen  bis  jetzt  gezählt;  2  000  000  Franks
Staatseigentum  in  der  Bank  ermittelt,  8000000  noch  zweifelhaft.  Munition
und  besonders  Tuchvoräte  sehr  bedeutend.“

Am  heutigen  Tage,  gerade  189  Jahren  nachdem  auf  Befehl  Ludwigs
  XIV.  mitten  im  Frieden  die  deutsche  Reichsstadt  Strassburg
plötzlich  von  französischen  Truppen  besetztworden  war:
begann  also  mit  dem  Einzuge  des  Generals  Werderin  dasselbe
  auch  hier  die  deutsche  Verwaltung!

Die  franz.  Regierung  in  Tours  erlässt  ein  Dekret,
nach  welchem  die  Jugend  vom  18.  bis  30.  Jahr  in  die  Mobilsgarde
  eintreten  soll.

1872.  Feierliche  Enthüllung  des  Siegesdenkmals  auf  Düppel
und  Alsen.

1888.  In  Verbindung  mit  der  Veröffentlichung  des  Tagebuches
Kaiser  Friedrichs  wird  der  Hamburger  Professor  Geffken
verhaftet.

1890.  Der  Vertrag  mit  dem  Sultan  von  Zanzibar  über  die
Abtretung  derKüstewirdabgeschlossen.  DerSultan
erhält  vier  Millionen  bar.
        <pb n="518" />
        —  508  —

1.  Oktober.

———

510.  Gründung  derersten  christlichen  Kirche  in  Säckingen.

978.  Kaiser  Otto  II.  straft  die  Frechheit  eines  französischen
Friedensbruches,  indem  er  60000  Mann  deutsches  Nationalheer
um  sich  sammelt,  mit  welchen  er  die  Franzosen  dann  widerstandslos
  aus  Lothringen  verjagt,  in  Frankreich  einbricht  und
bis  Paris  vordringt.

„Der  französische  Ueberinut  war  aber  so  sehr  belehrt,  dass  er  die
deutsche  Nation  zunächst  achten  lernte,  und  ihr  König  Lothar  um
Frieden  nachsucht.“

1324.  Papst  Johann  XXII.  spricht  über  Kaiser  Ludwig  IV.,  aus
dem  Hause  Wittelsbach,  den  Bann  aus,  und  verbietet  ihm  sogleich
  die  Ausübung  des  Gottesdienstes  in  ganz  Deutschland,  da
er  sich  den  päpstlichen  Anordnungen  und  „Befehlen  nicht  fügen
wollte.“

1507.  Johannes  von  Sturm,  Schulmann,  in  Schleiden  geboren.
Er  begründete  1540  das  Gymnasium  zu  Strassburg.

1529.  Religionsgespräch  zu  Marburg  zwischen  den  Reformatoren
Luther  und  Zwingli.
1685.  Franz  Joseph  Karl  VI.,  deutscher  Kaiser,  geboren.

Wurde  als  Karl  III.  zum  König  von  Spanien  in  Aussicht  genommen.
Mit  Hilfe  der  Portugiesen  besetzte  er  kurze  Zeit  Madrid.  Nach  dem
Tode  seines  Bruders  Joseph  I.  erhielt  er  die  österreichische  Krone  und
wurde  Kaiser.  In  seinen  Kriegen  war  er  nicht  glücklich.

1756.  Friedrich  II.,  König  von  Preussen,  eilt  den  unter  dem
Oberfeldherren  Brown  in  Sachsen  einrückenden,  fast  dreimal
stärkeren  Oesterreichern  entgegen,  und  liefert  ihnen  in  der
Nähe  des  böhmischen  Städtchens  Lowositz  eine  blutige  Schlacht,

in  welcher  diese  gründlich  geschlagen  werden.

1761.  Erstürmung  von  Schweidnitz  durch  Laudon  gegen
Jastrow.

1794.  Leopold  IV.  Friedrich,  Herzog  von  Anhalt,  zu  Dessau
geboren.

Er  erwarb  nach  dem  Aussterben  der  köthenschen  (November  1847)
und  bernburgischen  Linie  (August  1863)  die  Länder  beider.

1795.  Einverleibung  Belgiens  in  die  französische  Republik.
1813.  Der  Kosacken-General  Tschernitscheff  erklärt  ın  einer

Proklamation  im  Namen  des  Kaisers  Alexander  I.  das  Königreich
  Westfalen  für  aufgelöst.
        <pb n="519" />
        —  509

1827.  Wilhelm  Müller,  einer  der  vorzüglichsten  Lyriker  seiner
Zeit,  stirbt  kaum  32  Jahre  alt,  wenige  Tage  nach  seiner  Rückkehr
  von  einer  Ferienreise  an  den  Rhein  und  nach  Schwaben.

1844.  Der  römisch-katholische  Priester  Johannes  Ronge  zu
Schneidemühl  richtet  gelegentlich  der  Ausstellung  des  heiligen
Rockes  in  Trier,  an  den  dortigen  Bischof  von  Arnoldi  einen
offenen  Brief,  worin  dieser  zur  „Abstellung  dieses  unchristlichen
  Schauspiels“  aufgefordert  wird.

1850.  Eröffnung  der  Versammlung  bayerischer  Bischöfe
zu  Freising,  welche  bis  zum  20.  d.  M.  währte.

1854.  Erlass  der  preussischen  Regulative  für  die  Seminare  und
Volksschulen.

1863.  Die  Anträge  des  Ausschusses  betreffs  Bundesexekution
gegen  Dänemark  werden  von  der  Bundesversammlung  einstimmig
  angenommen.

Die  Regierungen  von  Sachsen  und  Hannover  werden  mit  der
Ausführung  der  Exekution  beauftragt,  welchen  Oesterreich  und  Preussen
nötigenfalls  helfen  sollten.

1867.  In  den  neuerworbenen  Landesteilen  Hannover,  Hessen,  Nassau,
Frankfurt  und  Homburg  tritt  die  preussische  Verfassung

in  Kraft.

Die  preussische  Marine  zieht  die  norddeutsche  Bundesflagge
  statt  der  preussischen  auf.

1869.  Eröffnung  der  Hochschule  für  ausübende  Tonkunst
zu  Berlin.

Die  erste  und  zweite  badische  Kammer  erklären
sich  für  die  Notwendigkeit  des  Anschlusses  der  süddeutschen
Staaten  an  den  Nordbund.

1870.  Siegreiches  Gefecht  des  94.  Regiments  (Grossherzog  von
Sachsen)  bei  Carrefour-Pompzdour.

Zirkulardepesche  Graf  Bismarcks  an  die  norddeutschen
  Bundesgesandten  betr.  die  Verhandlungnn  mit  Jules
Favre  in  Ferrieres.

Die  deutsche  Oberpostdirektion  für  Elsass  tritt
in  Strassburg  in  Wirksamkeit.

1872.  Das  Militär-Strafgesetzbuch  für  das  deutsche  Reich
tritt  in  Kraft.
Einführung  der  neuen  Hypotheken-Ordnung  in  Preussen.

1879.  Eröffnung  des  Reichsgerichts  zu  Leipzig.

Feldmarschall  von  Manteuffel  übernimmt  das  Amt
eines  Statthalters  von  Elsass-Lothringen.

1885.  Das  Unfallversicherungsgesetz  tritt  in  Kraft.
        <pb n="520" />
        —  510  —

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  wird  in  München  enthusiastisch  empfangen.

1889.  Ende  der  Seeblokade  an  der  Ost-Afrikanischen
Küste.

1890.  Kaiser  Wilhelm  II.  und  König  Albert  von  Sachsen  in
Wien,  von  der  Bevölkerung  mit  Herzlichkeit  und  Begeisterung

begrüsst.

Die  Einfahrt  der  beiden  Kaiser  durch  die  festlich  geschmückten
Strassen  gestaltete  sich  zu  einem  wahren  Triumphzuge.  Von  den  dichtbesetzten
  Fenstern  und  Balkons  der  Häuser  wurden  Blumen  in  den  offenen
Wagen  geworfen.  Bei  der  Fahrt  durch  die  Aspern-Gasse  begrüssten  den
Kaiser  Wilhelm  die  Klänge  der  Kaiser-Fanfare  von  dem  geschmückten
Balkon  des  Hotels  „Kronprinz“  herab  als  sinnige  Huldigung  des  Wiener
Hornistenklubs.  Besonders  festlich  gestaltete  sich  die  Fahrt  auf  dem
Schwarzenberg-Platz,  wo  auf  drei  grossen  Tribünen  der  Wiener  Gemeinderat
  in  corpore  und  die  Elite  der  Wiener  Gesellschaft  die  einziehenden
  Majestäten  erwarteten  und  mit  unbeschreiblichem  Jubel  begrüssten.
  Der  begeisterte  Empfang  wiederholte  sich  vor  dem  Hofopern-Theater
  und  am  äussersten  Burgthor,  wo  von  je  zwei  dichtbesetzten
Tribünen  das  Publikum  den  Monarchen  zujubelte.  Der  ganze  festliche
Einzug  verlief  überall  in  musterhafter  Ordnung.

Die  Blätter  begrüssen  enthusiastisch  die  Ankunft  Kaiser  Wilhelms
  in  Wien  und  weisen  darauf  hin,  dass  der  Monarch  nirgends  so
gefeiert  werde,  wie  in  der  Kaiserstadt  an  der  Donau,  in  der  er  als
mächtiger  Bundesgenosse  erscheine.  Auch  sei  er  seit  dem  Aufenthalt
  im  vorigen  Jahre  der  Bevölkerung  menschlich
näher  getreten.  Der  hohe  Ernst,  mit  der  er  seine  Herrscherpflichten
erfasst,  die  grossen  Ziele,  die  er  sich  gesteckt,  sein  idealer  Sinn  haben
das  Bild  des  Kaisers  sympathisch  verklärt.

Ablauf  des  Sozialistengesetzes,  in  einigen  Städten
zahlreicher  Arbeiterbevölkerung  festlich  begangen.
        <pb n="521" />
        —  5ll  —

2,  Oktober.  |

a

1187.  Das  von  den  Kreuzfahrern  1099  eroberte  J  erusalem  wird
durch  den  Sultan  Saladin  den  Christen  wieder  entrissen.

Der  Eindruck  dieser  Nachricht  war  in  Europa  ein  ausserordentlich
grosser.

1264.  Urban  IV.,  von  1261—1264  Papst,  stirbt.

Er  bestätigte  das  1264  zuerst  in  der  Diözese  Lüttich  entstandene
Fronleichnahmsfest,  zur  Verherrlichung  dieses  Dogmas.

1656.  Treffen  bei  Philippowo.

Die  Brandenburger  unter  Sparr  und  Graf  Waldeck  und  die
Schweden  schlagen  die  Polen.

1694.  Die  Belagerung  von  Peterwardein  durch  die  Türken
unter  Ali  Pascha,  wird  aufgehoben.

1782.  Hugh  Clapperton,  englischer  Afrikareisender,  sı.rbt  zu
Tchangary.
1794.  Bei  Aldenhoven  an  der  Roer  siegt  Jourdan  über  die
Öesterreicher.  |
Treffen  bei  Jülich,  in  Folge  dessen  sich  die  von  den
Franzosen  geschlagenen  Oesterreicher  über  den  Rhein  zurückziehen
  mussten.

1796.  Der  französische  General  Moreau  schlägt  die  Oesterreicher
bei  Biberach.

1799.  Sieg  der  Franzosen  bei  Alkmaar  über  die  Russen  und
Engländer  unter  dem  Herzog  von  York,

1800.  Felix  Ludwig  Johann  Friedrich  Fürstvon  Schwarzenberg,
  österr.  Staatsmann,  zu  Krumau  in  Böhmen  geboren.

Er  war  der  hauptsächlichste  Leiter  der  antipreussischen  Politik
Oesterreichs  in  Deutschland  und  die  Seele  der  deutsch.-österr.  Reaktion,
welche  durch  Bundesexekution  in  Hessen-Kassel  und  Schleswig-Holstein
jenes  Land  vollständig  der  Willkürherrschaft,  dieses  an  Dänemark  überantwortete.



1808.  Goethe  vor  Napoleon  I.  in  Erfurt;  erhält  das  Kreuz
der  Ehrenlegion.

1815.  Friedenspräliminarien  zu  Paris,  wonach  Frankreich
seine  Grenzen  von  1790  erhält.

1845.  Die  deutsche  morgenländische  Gesellschaft  in  Folge
eines  auf  der  Philologenversammlung  zu  Dresden  (3.  Oktober  1844)
gefassten  Beschlusses  zu  Leipzig  gestiftet.
        <pb n="522" />
        —  5l2  —

1850.  Hessen-Kassel  wird  unter  die  Militärdiktatur  des
Generals  von  Haynau  gestellt.
1866.  Amnestie-Erlass  in  Preussen.

1870.  Siegreiches  Vorpostengefecht  der  Division  Kummer  bei  Metz,
desgl.  gegen  die  Mobilgarde  bei  Rambouillet.

Dekret  der  französischen  Regierung  zu  Tours,  die  Wahlen
zur  Constituante  betr.

In  Rom  unter  grossem  Enthusiasmus  zahlreiche  Beteiligung
an  dem  Plebiszit!  133681  Stimmen  für  den  Anschluss
Roms  an  Italien,  1507  Stimmen  dagegen.

1887.  Konferenz  zwischen  Bismarck  und  Crispi  in  Friedrichsruhe.
1888.  Eröffnung  des  amerikanischen  Kongresses  in  Berlin.

 

 

3.  Oktober.

De  nz

695.  Die  beiden  Ewalde,  zwei  Brüder,  Gefährten  des  heiligen
Willibrord,  werden  in  dem  heutigen  Aplerbeck  bei  Dortmund
von  den  heidnischen  Sachsen  erschlagen.

Noch  in  unseren  Tagen  zeigt  man  die  Stelle,  wo  die  grausige  Ihat
geschah.

787.  Der  Bayernherzog  Thassilo  bittet  Kaiser  Karl  den  Grossen
zu  Augsburg  um  Vergebung.

Er  musste  sein  Herzogtum  in  die  Hände  des  Kaisers  übergeben
und  es  als  ein  Lehen  von  demselben  empfangen;  auch  das  Volk  der
Bayern  hatte  jetzt  unmittelbar  dem  Kaiser  Treue  zu
schwören.

1675.  Die  Brandenburger  erstürmen  Wollin  in  Pommern.

1688.  Französische  Kriegserklärung  an  Deutschland,
welche  aber  erst  erfolgte,  als  bereits  schon  zu  Anfang
September  ein  französisches  Heer  in  die  Kheinpfalz
eingerückt  war  und  die  Feindseligkeiten  eröffnet
hatte.

1707.  Die  Citadelle  von  Susa  ergiebt  sich  im  spanischen  Erbfolgekrieg.


1720.  Der  Dichter  Johann  Peter  Uz  zu  Ansbach  geboren,  wo
er  auch  am  12.  Mai  1796  starb.

Im  Schlossgarten  zu  Ansbach  wurde  ihm  ein  Denkmal  errichtet,  das
die  Inschrift  trägt:  „Dem  Weisen,  dem  Dichter,  dem  Menschenfreund“.
        <pb n="523" />
        —  513  —

1735.  Frieden  zu  Wien  im  polnischen  Erbfolgekrieg.

Frankreich  erkennt  Friedrich  August  II.  von  Sachsen  als  König
von  Polen  an.

Lothringen  geht  an  Frankreich  verloren.
1759.  Besetzung  Anklams  durch  die  Preussen.

1760.  Die  Russen  vor  Berlin.
Die  Preussen  schlagen  die  Schweden  bei  Pasewalk.

Sieg  der  Reichsarmee  über  die  Preussen  bei  Wittenberg,
  welches  kapituliert.

1805.  Der  französische  General  Bernadotte  marschiert  durch
das  Ansbachische  und  verletzt  dadurch  die  preussische
Neutralität.

1807.  Das  erste  Fulton’sche  Dampfschiff  wird  von  New-York
  nach  Albany  vom  Stapel  gelassen.

1812.  Die  österreichischen  Hilfstruppen  Napoleons  I.  ziehen
sich  aus  Russland  über  den  Bug  zurück.

1813.  Blüchers  Uebergang  über  die  Elbe  bei  dem  Dorfe
Elster,  unweit  Wartenburg,  wo  er  unbemerkt  von  den  Franzosen
  mehrere  Brücken  über  den  Strom  hatte  schlagen  lassen.
Blücher  selbst  war  einer  der  Ersten,  die  das  jenseitige  Ufer
betraten.  Ihm  folgte  der  preussische  Heerteil  unter  York.
Dieser  warf  den  Feind  aus  seiner  verschanzten  Stellung  in  und

.  um  Wartenburg,  worauf  die  Franzosen  sich  auf  Wittenberg
zurückzogen.

Allianz  zu  Teplitz  zwischen  Oesterreich  und  England
zur  Herstellung  des  europäischen  Gleichgewichts.

Errichtung  der  österreichisch-deutschen  Legion.

1817.  Johannes  Scherr,  Schriftsteller,  zu  Rechberg  in  Schwaben
geboren.

1824.  Harry  KarlKurt  Eduard  Grafvon  Arnim,  preussischer
Staatsmann,  zu  Moitzelsitz  in  Pommern  geboren.

Er  war  Botschafter  des  deutschen  Reichs  in  Paris.  —  Wegen  Veröffentlichung
  von  Depeschen  und  verweigerter  Herausgabe  solcher,  wurde
er  1874  verhaftet  und  am  19.  Dezember  d.  Js.  zu  3  Monaten  Gefängniss
verurtheilt.  Hierauf  ins  Ausland  gehend,  wurde  er  nachträglich  noch
1876  wegen  Landesverat  in  contumaciam  zu  5  Jahren  Zuchthaus

verurteilt.

1831.  Ende  der  polnischen  Revolution.

1839.  Der  renitente  Erzbischof  Dunin  von  Posen,  der  mit  der
preussischen  Regierung  wegen  der  gemischten  Ehe  in  Streit  geraten
  war,  flüchtet  aus  Berlin,  um  sich  der  über  ihn  verhängten
  Strafe  zu  entziehen.

33
        <pb n="524" />
        —  514  —

1848.  Ein  kaiserliches  Manifest  verkündet  die  Auflösung  des
ungarischen  Reichstags,  die  Ungiltigkeit  seiner  vom  Kaiser
nicht  bestätigten  Beschlüsse  und  die  Verhängung  des  Kriegszustandes
  über  ganz  Ungarn.

Der  Ungarische  Reichstag  erklärte  dies  Manifest  für  ungesetzlich.  —
Eine  provisorische  Regiernng  wird  eingesetzt,  und  Kossuth  als  Diktator

ausgerufen.

1851.  Der  deutsche  Bundestag  zu  Frankfurt  a.  M.  beschliesst
auf  Preussens  Antrag,  dass  die  Provinzen  Ost-  und  Westpreussen,
  sowie  näher  bezeichnete  Teile  des  Herzogtums  Posen
nicht  als  zum  Gebiet  des  deutschen  Bundes  zu  betrachten  seien.

1853.  Der  berühmte  Physiker  Dominique  Francois  Juan
Arago  stirbt  zu  Paris.

„Eifrig  nach  Entdeckungen  strebend“,  sagt  Alexander  von  Humboldt
von  ihm,  „und  zugleich  vorsichtig  in  den  Folgerungen,  welche  über  die
Tragweite  vereinzelnter  Resultate  hinausgehen  konnten,  liebte  er  es
vorzüglich,  neue  Wege  anzugeben,  auf  denen  man  dem  Ziele  mehr  und
mehr  nähern  und  so  die  Indentität  der  Ursachen  scheinbar  verschiedenartiger
  Phänomene  erkennen  konnte.“

1855.  Grundsteinlegung  der  Rheinbrücke  bei  Köln.

1866.  Unterzeichnung  des  Friedensvertrags  zwischen  Oesterreich
  und  Italien  zu  Wien.

1870.  Cernierung  von  Belfort  durch  deutsche  Truppen.

Revue  der  deutschen  Truppen  im  Südosten  von  Paris
durch  König  Wilhelm  1.
1876.  Enthüllung  des  Denkmals  für  General  von  Werder  zu
Freiburg  im  Breisgau.
1878.  Max  von  Forckenbeck  nimmt  die  auf  ihn  gefallene  Wahl
als  Bürgermeister  von  Berlin  an.
1884.  Schloss  Christiansborg,  die  eigentliche  Residenz  der
dänischen  Könige,  brennt  vollständig  nieder.
Hans  Mackart,  Maler,  stirbt.
1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  wird  in  Wien,  wo  er  bis  zum  10.  Oktober
als  Gast  des  Kaisers  Franz  Joseph  weilt,  enthusiastisch  empfangen.

Verheerende  Ueberschwemmungen  in  der  Schweiz
und  Vorarlberg.
        <pb n="525" />
        —  55  —

4.  Oktober.

he

1209.  Papst  Innocenz  Ill.  gewährt  dem  Welfenkönig  Otto  IV.
die  Kaiserkrönung,  nachdem  er  am  22.  März  desselben  Jahres
alle  jene  Zusagen,  mit  welchen  er  vor  acht  Jahren  die  päpstliche
Anerkennung  erkaufte,  zu  Speier  feierlich  erneuert  und  noch
auf  weitere  Rechte  der  Krone  in  Kirchensachen  verzichtet  hatte.

1226.  Franciscus  von  Assisi,  Stifter  des  Franziskaner-Ordens,
stirbt  zu  Assisi.

1472.  Lukas  Cranach  (der  Aeltere)  zu  Kronach  in  Franken
geboren.

1478.  Die  Universität  zu  Kopenhagen  gestiftet.
1550.  Karl  IX.,  der  Grosse,  König  von  Schweden,  geboren.

Er  war  der  jüngste  Sohn  Gustav  Wasas.  Sein  Nachfolger  war
Gustav  Adolf,  der  den  polnischen  Krieg  von  seinem  Vater  erbte.

1636.  Die  Schweden  unter  General  Baner  schlagen  die  vereinigten
Kaiserlichen  und  Sachsen  bei  Wittstock,  und  verheeren
hierauf  Brandenburg,  Sachsen,  [hüringen  und  Franken.

1638.  Schlacht  bei  Wittenweiher,  in  welcher  Herzog  Bernhard
von  Weimar  dem  mit  18000  Mann  und  Lebensmitteln  für
Breisach  daherziehenden  kaiserlichen  General  Götz  eine  gründliche
  Niederlage  bereitete,  worauf  eine  förmliche  Belagerung
Breisachs  dursh  Herzog  Bernhard  forciert  wird.

1681.  Die  Bürger  des  völkerrechtswidrig  überfallenen
Strassburgs  im  Elsass  müssen  dem  französischen  König
Ludwig  XIV.  Treue  schwören,  worauf  der  von  Frankreich

‚längst  bestochene  Bischof  Egon  von  Fürstenberg  feierlichst  vom
Münster  Besitz  nimmt.

1745.  Franz  Stephan  von  Toskana,  Gemahl  Maria  Theresias,
wird  zum  deutschen  Kaiser  gekrönt.

1760.  Lehwald,  Seydlitz  und  Knoblauch  verteidigen  Berlin  gegen
die  Oesterreicher  und  Russen.

1776.  Konföderations-  und  Unionsakte  der  nordamerikanischen  Freistaaten.


1795.  Napoleon  Bonaparte  erhält  den  Oberbefehl  über  die
Pariser  Garnison.

1813.  Elbübergang  der  Russen  bei  Aken,  der  Schweden

bei  Rosslau.
        <pb n="526" />
        —  5i6  —

1813.  Aufbruch  der  böhmischen  Armee  unter  Fürst  von  Sch  warzenberg
  von  Teplitz  nach  Chemnitz.

1819.  Francesko  Crispi,  ital.  Staatsmann,  zu  Ribera  auf  Sizilien
geboren.

1824.  Sieg  der  Griechen  über  die  türkische  Flotte  bei  Samos.

1830.  Hans  David  Ludwig  York,  Graf  von  Wartenburg,
preussischer  Feldmarschall,  stirbt  zu  Klein-Oels.

Die  am  20.  September  1830  eingesetzte  provisorische  Regierung
proklamiert  die  Unabhängigkeit  Belgiens  und  die  Berufung
eines  Nationalkongresses.

1837.  Denkmal  für  Johann  Gutenberg  in  Mainz  enthüllt.

1850.  Die  Schleswig-Holsteiner  versuchen  einen  Sturm  auf
Friedrichsstadt,  werden  aber  von  den  Dänen  zurückgeschlagen.

1853.  Zusammenkunft  in  Warschau  (die  Monarchen  von
Oesterreich  und  Preussen  erklären  sich  in  dem  türkisch-russischen
Kriege  neutral).

Kriegsmanifest  der  Pforte  gegen  Russland  wegen
Besetzung  der  Donaufürstentümer.

1858.  Fürst  Karl  Anton  von  Hohenzollern-Sigmaringen
tritt  an  die  Spitze  des  preussischen  Ministeriums.

1864.  Orkanverwüstungen  in  Kalkutta  in  Vorder-Indien.

1870.  Gefecht  badischer  Truppen  unter  General  von  Degenfeld
  bei  Champenay.

Gefecht  der  13.  Kavallerie-Brigade  (Oberst  von
Alvensleben),  sowie  bayerischer  Artillerie  und  Infanterie  im
Walde  von  Hilarion  und  bei  Epernon.

1875.  Anfang  der  Ausgrabungen  in  Olympia.
1887.  Sozialistischer  Parteitag  in  St.  Gallen.

1888.  Bei  dem  Galabanket  in  Wien  wechseln  die  beiden  Kaiser
herzliche  Trinksprüche.

Die  Abwesenheit  desrussischen  Botschafters  beim

Kaiserempfang  in  Wien  erregt  bedeutendes  Aufsehen.
        <pb n="527" />
        —  517  —

8.  Oktober.

a  md

1056.  Kaiser  Heinrich  III,  ein  edler  und  wahrhaft  grosser  Herrscher,
  stirbt,  erst  39  Jahre  alt,  auf  der  alten  kaiserlichen  Pfalz
im  Harz  (bei  Bodfeld),  in  den  Armen  des  Papstes  Viktor  II.

Sein  Tod  war  ein  grosses  Unglück  für  das  deutsche  Reich.

1189.  Der  deutsche  Orden  gegründet,  bei  Gelegenheit  der
Kreuzzüge  im  heiligen  Lande.

Es  wurden  in  demselben  nur  Deutsche  von  gutem  Adel  aufgenommen.
Der  ursprüngliche  Zweck  desselben  war,  die  christliche  Religion  gegen
die  Ungläubigen  zu  verteidigen  und  die  Kranken  im  heiligen  Lande

zu  pflegen.
1446.  Der  Reichstag  zu  Frankfurt  a.  M.  nimmt  den  Entwurf‘
eines  Konkordats  an,  nachmals  Fürsten-Konkordat  genannt,
das  im  Sinne  der  Kurfürsten  abgefasst  war,  und  später  von

Papst  Eugen  IV.  genehmigt  wurde.

1551.  Vertrag  von  Friedewalde  zwischen  Frankreich
und  Moritz  von  Sachsen  und  den  protestantischen
Fürsten  in  Deutschland,  an  welchen  der  französische  Gesandte
  Marillac  so  lange  hetzte,  bis  sie  sich  zu  der  schmählichen
Demütigung  entschlossen,  in  ihrem  Kampfe  gegen  den  Kaiser
Karl  V.  die  Hilfe  des  französischen  Königs  Heinrich  Il.  anzurufen,
  indem  sie  ihm  das  zu  Deutschland  gehörende  Gebiet  von
Metz  bis  Cambrai  einschliesslich  der  Städte  Toul  und  Verdun
zusicherten,  formell  „unter  Vorbehalt  der  Rechte  des  Reichs.“

1638.  Treffen  bei  Thanın.
Herzog  von  Lothringen  wird  durch  Bernhard  von  Weimar  besiegt.
1665.  Stiftung  der  Universität  Kiel  durch  Christian  Albrecht,
Herzog  zu  Holstein.  (daher  Christiano-Albertino).

1733.  Friedrich  August  II.,  Kurfürst  von  Sachsen,  wird  als
August  III.  zum  Könige  von  Polen  gewählt.

1763.  Friedrich  August  II.,  Kurfürst  von  Sachsen,  als  König
von  Polen  August  III,  stirbt  zu  Dresden.

Er  trat,  streng  lutherisch  erzogen,  in  der  Rücksicht  auf  die  Erhaltung
  der  polnischen  Krone  1712  zu  Bologna  heinflich,  und  am  11,
Oktober  1717  öffentlich  zum  Katholizismus  über.  —  Bei  aller  Indolenz
  war  er  jedoch  ein  Freund  der  Wissenschaften  und  Künste,  begünstigte
  vor  allem  Musik  und  Malerei  und  bereicherte  die  grossen
Kunstsammlungen  in  Dresden.  Er  war  Gründer  der  katholischen

Hofkirche  daselbst.
        <pb n="528" />
        —  513  —

1789.  Das  erregte  Pariser  Volk  zieht  nach  Versailles
und  zwingt  den  König  Ludwig  XVI.  mit  Familie,  ihm  in  seiner
Begleitung  —  vierzigtausend  Menschen,  Volk  und  Truppen

untereinander  —  nach  Paris  zu  folgen.

Der  König  begab  sich,  hier  angekommen,  nach  den  Tuilerien,  einem
seit  einem  Jahrhundert  verödeten  Schlosse,  das  ohne  weitere  Vorbereitung
jener  Nacht  bezogen  ward.

1793.  Die  französische  Republik  schafft  die  christliche  Zeitrechnung
  und  den  christlichen  Kalender  ab  und  führt  einen
neuen  republikanischen  Kalender  mit  dem  Neujahrstage,
22.  September  1792,  ala  dem  ersten  der  Republik,  ein.

1795.  Napoleon  Bonaparte  rettet  durch  energisches  Eingreifen
und  zweckmässige  Veranstaltungen  den  vom  Pariser  Pöbel  bedrohten
  National-Konvent.

1805.  Allianz-  Vertrag  zwischen  Württemberg  und  Napoleon  I.

1831.  Rybinski  geht  nach  Beendigung  der  Revolution  mit  24000
Polen  über  die  preussische  Grenze.

1870.  Das  deutsche  Hauptquartier  siedelt  nach  Versailles  über,
wo  es  bis  zur  Beendigung  des  Kriegs  bleibt.

Gefecht  der  badischen  Truppen  unter  General  von
Degenfeld  bei  Raon  l’lktape  im  Vogesen-Departement.
Gefecht  der  4.  Kavallerie-Division  bei  Toury.

1880.  Jean  Jaques  Offenbach,  Operetten-Komponist,  stirbt.

1887.  Verlängerung  des  kleinen  Belagerungszustandes  in
Berlin.

1883.  Kaiser  Wilhelms  persönlicher  Freund,  Graf  Douglas,  hält
zu  Aschersleben  eine  hochinteressante  \Vahlrede.

Das  französische  Fremdengesetz  tritt  in  Kraft.
        <pb n="529" />
        —  519  —

6.  Oktober.

3161  v.  Chr.  Jüdische  Weltära.

Epoche  der  Weltschöpfung,  nach  der  jüdischen  Zeitrechnung  von
Rabbi  Hillel  im  4.  Jahrhundert  erfunden.
877.  Karl  der  Kahle,  König  des  westfränkischen  Reichs,  stirbt,
94  Jahre  alt.

1621.  Maximilian  Heinrich,  Kurfürst  von  Köln,  geboren.

Er  war  ein  Sohn  Albrechts  des  VI.  von  Bayern.  Im  holländischen
Kriege  schloss  er  ein  Bündniss  mit  Ludwig  XIV.  und  liess  seine  und
Frankreichs  Truppen  über  den  Rhein  in  Holland  eindringen.

1702.  Die  deutschen  Reichsstände  erklären  den  Krieg  des
Kaisers  gegen  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  und  den  Kurfürsten
Maximilian  Emanuel  von  Bayern,  welche  beide  Verbündete
waren,  als  einen  Reichskrieg.

Hierzu  gab  besonders  Veranlassung,  das  Maximilian  Emanuel  die
Reichsstadt  Ulm  plötzlich  überrumpelt  und  in  Besitz  genommen  hatte.

An  demselben  Tage  Kapitulation  der  französischen  Besatzung
  zu  Roermonde  mit  dem  preussischen  Belagerungskorps
  unter  General  von  Heyden.

1713.  Vertrag  zuSchwedt  zwischen  Preussen  und  Russland.

Russland  räumte  Stettin  gegen  Erstattung  der  Belagerungskosten
einer  neutralen  Besatzung  preussischer  und  gottorpischer  Bataillone  und
stellte  das  schwedische  Pommern  bis  zur  Peene  unter  preussiches

Sequester.
1805.  Siegreiches  Gefecht  der  Franzosen  gegen  die  Oesterreicher
  bei  Donauwörth.

1821.  Jenny  Lind,  Sängerin,  die  „schwedische  Nachtigall”  genannt,
  zu  Stockholm  geboren.

1839.  Der  Erzbischof  von  Posen  und  Gnesen,  Martin  von  Dunin,
wird  verhaftet  und  nach  Kolberg  gebracht,  weil  er  sich  widersetzte,
  entgegen  der  königlichen  Verordnung,  die  Einsegnung
gemischter  Ehen  zu  vollziehen,  wenn  nicht  vorher  das  Versprechen
  katholischer  Kindererziehung  abgelegt  wurde.

1840.  Louis  Napoleon  II.  von  der  Pairskammer  zu  lebenslänglicher
  Haft  verurteilt.
        <pb n="530" />
        —  520  —

1848.  Abermalige  Revolution  in  Wien.  Barrikadenkämpfe,
durch  das  kaiserliche  Kriegsmanifest  gegen  die  Ungarn  hervorgerufen.


Der  Kriegsminister  Latour  wird  vom  wütenden  Pöbel  mit  Hammerschlägen

  und  Säbelhieben  aufs  grausamste  gemordet,  und,  aus  43  Wunden
blutend,  an  einem  Gaskandelaber  aufgeknüpft.

Flucht  des  Kaisers  nach  Olmütz.
1858.  Entlassung  des  Ministers  Westphalen  in  Preussen.

1861.  Zusammenkunft  König  Wilhelm  I.  von  Preussen  mit
Napoleon  III.  in  Compiegne.

1862.  Der  deutsche  Nationalverein  spricht  sich  im  Gegensatz
zu  dem  österreichischen  Plane  für  die  Reichsverfassung  von

1849  aus.

1866.  Feierliche  Besitzergreifung  vom  Königreich  Hannover
durch  Preussen.

1867.  Zusammenkunft  der  Könige  von  Preussen  und
Bayern  in  Augsburg.

1870.  Gefecht  bei  Etival,  in  welchem  General  von  Werder
französische  Truppen  in  die  Flucht  schlägt.

Gambetta  verlässt  ,  im  Einverständnisse  mit  den  andern
Regierungsmitgliedern  zu  Paris,  diese  von  den  Deutschen  eingeschlossene
  Stadt  vermittelst  eines  Luftballons.

Gambetta  war  nahezu  mit  der  Vollmacht  eines  Diktators
versehen,  um  die  nationale  Verteidigung  von  Tours  aus  in  Fluss  zu
bringen.

1873.  Beginn  des  Prozesses  gegen  den  Marschall  Bazaine.

1876.  Verhandlung  wegen  Landesverrats  gegen  den  Grafen
Harry  von  Arnim  vor  dem  Staatsgerichtshof  zu  Berlin.

Der  preussische  Gerichtshof  für  kirchliche  Angelegenheiten

  spricht  gegen  den  Fürstbischof  von  Breslau,
Dr.  Heinrich  Förster,  de  Amtsentsetzung  aus.

1890.  Der  „Staatsanzeiger“  veröffentlicht,  dass  der  Kaiser  Wilhelm  II.
den  Staats-  und  Kriegsminister,  General  der  Infanterie,  von
Verdy  du  Vernois  auf  sein  ausdrückliches  Ansuchen  von
dem  Amt  als  Staats-  und  Kriegsminister  entbunden  und  den
Kommandeur  der  2.  Garde-Infanteriedivision,  Generallieutenant

von  Kaltenborn-Stachau  zum  Staats-  und  Kriegsminister
ernannt  habe.

Der  Kaiser  hat  in  der  Ordre  dem  General  den  Abschied  auf  das
„ganz  bestimmt“  ausgesprochene  Gesuch  bewilligt  und  ihmt  für  seine
treuen  und  erprobten  Dienste  auf  das  herzlichste  gedankt,  den  General
auch  in  Ansehung  seiner  hohen  militärischen  Verdienste  zum  Chef  des  in
        <pb n="531" />
        —  521  —

Graudenz  und  Strassburg  i.  Pr.  garnisonierenden  Infanterie-Regiments
Nr.  14  ernannt.

Der  zum  preussischen  Kriegsminister  für  Gencral  von  Verdy  ernannte
Gardedivisionär  Generalleutnant  von  Kaltenborn-  Stachau  gilt  als
hochbegabter  und  sehr  energischer  Offizier.  Ausserdienstlich  ist  er  nicht

bekannt  geworden,  besonders  den  politischen  Parteien  hat  er  völlig  fern
gestanden.

Inkrafttreten  der  sogenannten  Mac  Kinley-Bill  in  ‚Nordamerika.


 

 

‘.  Oktober.

nn

929.  Karl  der  Einfältige,  der  letzte  männliche  Spross  vom
Stamme  Karl  des  Grossen  in  der  romanischen  Hälfte  des  ehemaligen
  Frankenreichs,  stirbt.

939.  Schlacht  bei  Andernach  am  Rhein.

Kaiser  Otto  1.  siegt  über  die  Herzöge  von  Franken  und
Lothringen.

1370.  Der  sogenannte  Pfaffenbrief  ordnet  die  Verhältnisse
zwischen  Kirche  und  Staat  in  der  Schweiz.

1513.  Glänzende  Weaffenthat  des  Feldhauptmanns  Georg  von
Frundsberg  bei  Creazzo,  westlich  von  Vicenza.

1571.  Seeschlacht  bei  Lepanto,  in  welcher  der  spanische
Heerführer  Don  Juan  d’Austria,  Sohn  Karls  V.,  an  der  Spitze
der  heiligen  Liga,  die  türkische  Flotte  vernichtet.

1634.  Die  Festung  Philippsburg  fällt  in  die  Hände  der  Franzosen,
deren  König  den  zu  ihm  übergetretenen  Herzog  von  Württemberg
  zum  Gouverneur  von  Philippsburg  macht.

1696  Friedrich  August  II.,  Kurfürst  von  Sachsen,  als  König
von  Polen  August  IIlI.,  geboren.

1787.  Amsterdam  ergiebt  sich  an  die  Preussen.

1789.  Ludwig  XVI.  kommt  unter  Begleitung  von  Pöbelscharen
mit  seiner  Familie  aus  Versailles  nach  Paris  um  seinen  Wohnsitz

  ın  den  Tuilerien  zu  nehmen.

1794.  Der  Dichter  Wilhelm  Müller  in  Dessau  geboren,  wo  sein
Vater  Schuhmacher  war.
        <pb n="532" />
        —  592  —

1806.  Das  Ultimatum  Friedrich  Wilhelms  Ill.  gelangt  ın
die  Hände  Napoleons].

1813.  Nach  der  Räumung  Kassels  durch  Tschernitschew  am  3.
und  4.  Oktober  rückt  der  General  Jerömes,  Alix,  wieder  in
die  Hauptstadt  Westfalens  ein.

Napoleon  verlässt  Dresden  und  beginnt  seine  Armee
bei  Leipzig  zu  konzentrieren.

1848.  Der  unter  starker  Bedeckung  aus  Wien  geflüchtete  Kaiser
Ferdinand  von  Oesterreich  trifft  in  Olmütz  ein.

1851.  Hannover  tritt  in  den  deutschen  Zollverein  ein,

1858.  Königlicher  Erlass,  betr.  die  Aufforderung  an  den  Prinzen
Wilhelm  von  Preussen  (nachmaligen  Kaiser  von  Deutschland)
  zur  Uebernahme  der  Regentschaft  an  Stelle  des  erkrankten
  Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.

1860.  Die  Franzosen  nehmen  Jun-ming-jun,  den  Sommerpalast
des  Kaisers  von  China  ein,  und  plündern  dessen  daselbst  aufgehäufte
  unermesslichen  Schätze  in  der  schamlosesten
Weise.

1870.  Die  Landwehrdivision  Kummer  schlägt  einen  heftigen  Ausfall
  der  Franzosen  aus  Metz  zurück.
Die  diesbezügliche  offizielle  Depesche  lautete:

„Feind  griff  nachmittags  2  Uhr  über  Woippy  Division  Kummer
an.  Heftiger  Kampf  bis  in  die  Nacht.  Der  Feind  überall  mit  grossem
Verluste  und  Nachtkampf  zurückgeschlagen.  Die  9.  Infanterie-Brigade
und  Teile  des  10.  Corps  griffen  kräftig  ein.  Vom  Feinde  fochten  auch
Garde-Truppen.  Gleichzeitig  entwickelte  der  Feind  auf  rechtem  Moselufer
mehrere  Divisionen  gegen  1.  und  10.  Corps.  Es  war  dort  lebhafte
Kanonade.  Verluste  namentlich  der  Division  Kummer  und  des  10.  Corps,
sind  auf  500  Mann,  die  des  3.  Corps  auf  130  Mann  zu  schätzen“  —
Von  nun  an  versuchte  Bazaine  keinen  weiteren  Angriff  mehr.

An  demselben  Tage  macht  auch  die  Pariser  Garnison
gegen  Malmaison  hin  einen  Ausfall,  und  wird  auch  da  zurückgeschlagen.


1872.  Eröffnung  der  Marine-Akademie  zu  Kiel.

1873.  Bischof  der  Altkatholiken,  Reinkens,  leistet  den  Eid  in
die  Hände  des  Ministers  Falk.

1874.  Protestanten-Meeting  in  Glasgow  in  England.

1879.  Defensivbündnis  zwischen  dem  deutschen  Reich  und
Desterreich-Ungarn.

Die  Regierungen  Deutschlands  und  Oesterreich-Ungarns  verpflichten
sich,  falls  eines  der  beiden  Reiche  von  Russland  angegriffen  werde,
einander  mit  ihrer  gesamten  Kriegsmacht  beizustehen;  falls  eines  der
beiden  Reiche  von  einer  anderen  Macht  (Frankreich)  angegriffen  werde,
        <pb n="533" />
        —  9523  —

sollte  das  andere  Reich  eine  neutrale  Haltung  gegen  jenes  beobachten;
falls  aber  die  angreifende  Macht  von  Russland  irgendwie  unterstützt
werden  sollte,  so  hat  die  Verpflichtung  des  gegenseitigen  Beistandes  mit
voller  Heeresmacht  in  Kraft  zu  treten.

1887.  Deutschfeindliche  Aeusserungen  des  Grossfürsten  Nikolaus
ın  Dünkirchen.

Zahlung  von  62500  Franken  Entschädigung  deutscherseits
an  die  Witwe  des  erschossenen  Wildhüters  Brignon.

 

 

8.  Oktober.

876.  Die  Söhne  Ludwigs  des  Deutschen  liefern  ihrem  räuberischen
Oheim,  Karl  dem  Kahlen,  bei  Andernach,  am  linken  Rheinufer,
  unweit  der  Einmündung  der  Stette,  eine  Entscheidungsschlacht,
  in  welcher  dieser  eine  gründliche  Niederlage  erleidet.

Es  war  dies  der  erste  entscheidende  Sieg,  den  die  Ostfranken  über
die  Westfranken,  d.  h.  die  Deutschen  über  die  Franzosen,
_  errangen.

1323.  Papst  Johann  XXII.,  bestrebt  den  deutschen  Kaiser  Ludwig
  (den  Bayern)  zu  stürzen  und  an  seine  Stelle  den  König
Karl  von  Frankreich  zu  erheben,  lässt  an  den  Kirchthüren
zu  Avignon  eine  Erklärung  anschlagen,  dass  bei  einer  zwicespältigen
  Kaiserwahl  den  Päpsten  die  Entscheidung
zustehe,  welcher  der  Gegenkönige  der  rechtmässige  sei,  und
dass  ihnen  bis  zur  Fällung  des  Urteils,  sowie  bei  Erledigung
der  Krone  überhaupt,  die  Reichsverwesung  gebühre.

1512.  Erlass  einer  Reichs-Notariats-Ordnung.

1641  Belehnung  Friedrich  Wilhelms,  Kurfürst  von  Brandenburg,
  zu  Krakau  mit  dem  Herzogtum  Preussen.

1656.  Johann  Georg  I.,  Kurfürst  von  Sachsen,  stirbt.

Im  westfälischen  Frieden  wurde  ihm  der  Besitz  der  Lausitz,  die
Bistümer  Meissen,  Naumburg  und  Merseburg  bestätigt.  Er  war  prunkliebend,
  -dem  Trunk  und  der  Jagd  zugethan,  doch  nicht  ohne  eine  gewisse

  Biederkeit.
1669.  Paul  Rembrandt  Harmensz  van  Rijn,  berühmter
Maler  und  Kupferstecher,  stirbt.
        <pb n="534" />
        —  524  —

1708.  Albrecht  von  Haller,  schweizerischer  Dichter  und  Naturforscher,
  in  Bern  geboren.  j

1711.  England  tritt  vom  Bunde  gegen  Frankreich
zurück.

1809.  Fürst  Metternich  wird  Minister  des  österreichischen  Kaiserreichs
  und  begleitete  dies  Amt  bis  zum  13.  März  1848.

Ein  März-Minister  in  Süddeutschland  bezeichnete  in  diesem  denkwürdigen
  Jahre  das  Metternichsche  System  sehr  treffend  mit  den
Worten:  „die  ganze  Schmach  der  letzten  Jahrzehnte  fasse
ichin  dem  einen  Namen  „Metternich*  zusammen.

1813.  Der  König  von  Bayern  schliesst  mit  Oesterreich  den
Vertrag  von  Ried  ab,  durch  welchen  er  das  ganze  bayerische
Heer  zur  Verfügung  der  Verbündeten  stellt.

Bayern  trat  durch  diesen  Vertrag  mit  Oesterreich  in  die  engste  Verbindung
  gegen  Napoleon  und  erhielt  die  völlige  Souveränität  und  den
Besitzstand  seines  Staatenumfanges  gesichert.

Bei  Leipzig  wirft  Major  v.  Hellwig  mit  dem  2.  Husarenregiment
  drei  französische  Kavallerieregimenter  zurück.

1848.  Vorlage  des  Entwurfs  über  die  deutsche  Reichsgewalt
  in  der  National-Versammlung  zu  Frankfurt  a.  M.

Der  ungarische  Reichstag  ernennt  Kossuth  zum
Präsidenten  des  Verteidigungsausschusses  mit  diktatorischer
Gewalt.

1858.  Der  Bruder  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen,
Prinz  Wilhelm,  übernimmt  als  „Prinz-Regent“  die  Regierung,
  welche  er  bereits  seit  dem  24.  Oktober  1857  als  Stellvertreter
  des  Königs  geführt  hatte.

Freudig  begrüsste  ihn  das  preussische  Volk,  denn  sein  fester
Charakter,  sein  biederer,  mannhafter  Sinn  waren  allbekannt.

1862.  Otto  von  Bismarck-Schönhausen  übernimmt  definitiv
das  Auswärtige  und  die  Ministerpräsidentschaft.

1866.  Feierliche  Besitzergreifung  vom  Kurfürstentum
Hessen-Kassel,  vom  Herzogtum  Nassau  und  von  der  freien
Stadt  Frankfurt  am  Main  durch  Preussen.

1870.  Die  Bayern  werfen  im  Gefecht  bei  Etampes  die  Vortruppen
der  französischen  Loire-Armee  zurück.

Bombardement  von  Neu-Breisach.

An  demselben  Tage  Einverleibung  desKirchenstaats
ın  das  Königreich  Italien.

Aufstandsversuche  ın  Paris.

1872.  Frauenkongress  zu  Eisenach.
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        —  525  —

1879.  Graf  Andrassy,  der  Reichskanzler  der  österr.-ungarischen

Monarchie,  nimmt  seine  Entlassung.  Sein  N  achfolger  wird  Baron
Haymerle.

1887.  Ausweisung  von  fünf  deutschen  Familien  aus
‚  Russland.

1888.  Der  Zar  und  seine  Gemahlin  treffen  in  Batum  ein.

 

 

9.  Oktober.

754.  Karlund  Karlmann,  die  Söhne  Pippins,  werden  zu  Königen
gesalbt.

768.  Teilung  des  Reichs  durch  den  Reichstag  in  althergebrachter
  Form,  elf  Tage  nach  Pipins  Tod,  unter  seine  zwei
Söhne  Karl  (den  Grossen)  und  Karlmann.

1477.  Die  Universität  Tübingen  wird  durch  Graf  Eberhard
im  Bart,  den  nachmaligen  ersten  Herzog  von  Württemberg,  gestiftet.


Eberhards  Freiheitsbrief  erklärt:  „so  haben  Wir  der  guten  Meinung
halber,  zu  graben  einen  Brunnen  des  Lebens,  daraus  von  allen  Enden
der  ohnersichtlich  geschöpft  mag  werden  tröstliche  und  heilsame  Weisheit
  zur  Erlöschung  des  verderblichen  Feuers  menschlicher  Unvernunft
und  Blindheit  —  uns  ausgewählt  und.fürgenommen,  eine  hohe  gemeine
(allgemeine)  Schul  in  unserer  Stadt  T.  zu  stiften  und  aufzurichten.“

1651.  Das  englische  Parlament  erlässt  die  berühmte  Navigationsakte,
  nach  welcher  nur  britische  Schiffe  Waren  nach  England
bringen  dürfen.

1735.  KarlWilhelm  Ferdinand,  Herzog  von  Braunschweig,
zu  Wolfenbüttel  geboren.

1741.  Vertrag  zu  Klein-Schnellendorf  zwischen  Friedrich

dem  Grossen  und  Oesterreich.
Oesterreich  erhält  durch  denselben  freie  Hand  gegen  Frankreich
und  Bayern.

1744.  Berühmtes  Rückzugsgefecht  Ziethens  bei  Teyn.

1760.  Uebergabe  Berlins  an  die  Russen  und  Oesterreicher
unter  Totleben  und  Lasecy.

1762.  Die  Festung  Schweidnitz,  welche  sich  mit  der  grössten

Ausdauer  gegen  die  preussische  Belagerung  verteidigte,  ergiebt  sich.

Die  aus  9000  Mann  bestehende  österreichische  Besatzung  wurde  zu
Kriegsgefangenen  gemacht  und  nach  Preussen  gesendet.  —  Nunmehr
war  wieder  ganz  Schlesien  im  Besitze  Friedrichs  11.
        <pb n="536" />
        —  9126  —

1771.  Friedrich  Wilhelm,  Herzog  von  Braunschweig-Lüneburg-Oels,

  geboren.
Er  starb  an  der  Spitze  seiner  Braunschweiger  am  16.  Juni  1815  bei

Quatrebras  den  Heldentod.

1799.  Bonaparte  kehrt  aus  Aegypten  zurück  und  landet  in
Frejus.

1805.  Der  französische  General  Ney  schlägt  die  Desterreicher
bei  Günzburg.

1806.  Der  König  von  Preussen,  Friedrich  Wilhelm  IIl.,  erlässt
von  seinem  Hauptquartiere  zu  Erfurt  aus  die  Kriegserklärung
gegen  Frankreich.

Napoleon  I.  hatte  drei  Tage  vorher  aus  dem  Hauptquartier  Bamberg
einen  Aufruf  an  seine  Heere  erlassen,  worin  es  am  Schlusse  heisst:
„weil  die  Mässigung  die  unbegreifliche  Aufgeblasenheit  der  am  preussischen
Hofe  herrschenden  Partei  nicht  habe  besänftigen  können,  so  solle  Heer
und  Volk  der  Preussen  erfahren,  dass  es  leicht  sei,  Land  und  Macht
durch  die  Freundschaft  der  grossen  Nation  —  so  nannte  Napoleon  die
Franzosen  immer  —  zu  vergrössern,  dass  aber  die  Feindschaft  mit  der
Nation,  welche  man  nur  durch  Hinwegwerfuug  aller  Weisheit  und  Vorsicht
  herausfordern  könne,  schrecklicher  sei,  als  die  Stürme  des
Ozeans“

1807.  Der  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  und  sein
grosser  Minister,  Freiherr  von  Stein,  heben  die  Erbunterthänigkeit
  der  Bauern  auf.

Von  nun  an  hörte  der  Dienstzwang  auf,  der  Bauer  durfte  ohne
gutsherrliche  Genehmigung  kaufen  und  verkaufen,  heiraten  und  fortziehen:
  er  wurde  frei;  das  bisher  bestandene  ausschliessliche  Vorrecht
des  Adels  auf  den  Besitz  von  Rittergütern  fiel  fort;  auch  Bürger  und
Bauern  durften  solche  erwerben;  andererseits  durfte  der  Edelmann  auch
bürgerliche  Gewerbe  treiben.  Damit  wareinfreierBauernstand
geschaffen,  der  kastenartige  Unterschied  der  Stände
gebrochen.

1814.  Giuseppe  Verdi,  italienischer  Komponist,  zu  Roncole  bei

Parma  geboren.

1850.  Das  gesamte  kurhessische  Offizierkorps  fordert
seinen  Abschied,  „angesichts  des  Konflikts  von  Pflichten,
welcher  ihnen  einerseits  durch  die  Pflicht  des  Gehorsaıns,  andererseits
  durch  die  eidlich  übernommene  Verpflichtung  auf  die  Beobachtung
  der  Verfassung  bevorstehe“.

1870.  Preussische  und  bayerische  Truppen  zersprengen  franzüsische
  Abteilungen  bei  Etampes.

Gambetta  trıfft  mit  dem  Luftballon  in  Tours  ein.

Garibaldi  kommt  nach  Tours  und  wird  von  Gambetta
zum  Oberbefehlshaber  der  Vogesen-Freischaren  ernannt.

Der  Graf  von  Chambord  erlässt  unter  dem  Namen
Heinrich  ein  Manifest  an  die  Franzosen,  in  dem  er  sich  für  den
französischen  Thron  empfiehlt.
        <pb n="537" />
        —  527  —

1870.  Proklamation  des  Präsidenten  der  Vereini  gten  Staaten
von  Nordamerika,  die  Neutralität  derselben  in  dem
deutsch-französischen  Kriege  betreffend.

an  Enthüllung  des  Denkmals  Friedrichs  des  Grossen  in  Marien-Urg.



1888.  Zum  Schutze  der  Deutschen  in  Ostafrika  wird  ein
Geschwader  abgesandt.

10.  Oktober.

1047.  Papst  Clemens  1l.,  vorher  Bischof  von  Bamberg  und  von
Kaiser  Heinrich  III.  i046  auf  den  Stuhl  Petri  erhoben,  stirbt.

1573.  Gründung  von  Insterburg  durch  Albert  II.  Friedrich,
Herzog  von  Preussen.

1676.  Einnahme  von  Demmin  durch  den  grossen  Kurfürsten.

1716.  Gideon  Ernst  Freiherr  von  Laudon,  österreichischer
Feldherr,  zu  Trotzen  in  Livland  geboren.

1752.  Julius  Leopold  Maximilian,  Prinz  von  Braunschweig,
preussischer  Militär,  geboren.
Er  ertrank  am  27.  April  1765  beim  Eisgang  auf  der  Oder,  indem  der
Kahn,  mit  dem  er  sich  am  allgemeinen  Rettungswerk  beteiligte,
  umschlug.  —  Von  der  Stadt  Frankfurt  a.  d.  Oder  wurde
sein  Andenken  durch  ein  Denkmal  geehrt.

1761.  Treffen  bei  Anklam.
Oberst  von  Belling  schlägt  die  Schweden.

1776.  Der  Dichter  Heinrich  von  Kleist,  zu  Frankfurt  an  der

Oder  geboren.

1791.  Christian  Friedrich  Daniel  Schubert,  ausgezeichneter
Klavierspieler,  Dichter  und  Komponist,  stirbt  in  Stuttgart,  wo
er  Direktor  der  Hofmusik  und  des  Theaters  war.

Voll  patriotischer  Gesinnung  hatte  er  sich  die  Ungnade  des  Herzogs
Karl  von  Württemberg  zugezogen,  der  ihn  1777  auf  dem  Hohenasperg
gefangen  setzen  liess,  um  „seinen  Unverschämtheiten  gegen  fast  alle
gekrönten  Häupter  der  Erde”  ein  Ende  zu  machen.  —  Erst  1787  erlangte

er  wieder  die  Gnade  seines  Fürsten.
1794.  Polens  Ende  (,„Finis  Poloniae!”).  |
|  Die  Polen  erleiden  bei  Macziejowieze  durch  die  Russen  eine  volltändige

  Niederlage.
stän  E  efange  2  ahme  des  heldenmütigen  Kosziusko.
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        —  5283  —

1795.  Die  Oesterreicher  unter  Clairfait  gehen  bei  Offenbach
über  den  Main,  um  bei  Nidda  die  Franzosen  unter  (General

Jourdan  anzugreifen.

Diese,  schon  in  den  ersten  Gefechten  bei  dem  Dorfe  Nidda  geschlagen,
hielten  es  nicht  für  gut,  auf  eine  Hauptschlacht  sich  einzulassen;  sie
verliessen  daher  in  der  Nacht  ihre  Stellungen  und  zogen  sich  gegen
Mainz,  welches  noch  im  Besitz  der  Deutschen  und  von  den  Franzosen

belagert  war,  zurück.

1806.  Treffen  bei  Saalfeld  zwischen  FranzosenundPreussen,
in  welehem  Prinz  Louis  Ferdinand  von  Preussen  den  Heldentod
  findet.

1808.  Gustav  von  Lauer,  Excellenz,  langjähriger  Leibarzt  und
treuer  Begleiter  des  Kaisers  Wilhelm  I.,  geboren.

1813.  Friedens-Unterhandlungen  der  Alliirten  mit  Napoleon
zu  Frankfurt  a.  M.

Blücher  und  Bülow  stehen  bei  Zörbig,  Merseburg  ete.
mit  dem  Kronprinzen  von  Schweden;  Schwarzenberg  bei
Weissenfels;  Franzosen  bei  Leipzig.

1829.  Ludwig  Knaus,  berühmter  Genremaler,  zu  Wiesbaden
geboren.

1847.  Zusammenkunft  der  liberalen  Oppositionin  den  deutschen
Kammem  zu  Heppenheim  an  der  Bergstrasse.

Einweihung  des  Diakonissen-Öentralhauses  Bethanien  in
Berlin.

1858.  KarlAugust  Ludwig  Philipp  Varnhagen  vonEnse,
Schriftsteller,  stirbt  zu  Berlin.
Er  war  am  21.  Febr.  1785  zu  Düsseldorf  geboren.

1867.  Julius  Mosen,  Dichter,  stirbt  nach  langwierigen  Leiden
in  Oldenburg.

1868.  Rückkehr  der  „Germania®”  von  der  Nordpolexpedition.

1870.  Siegreiches  Gefecht  des  Generals  von  der  Tann  bei
Artenay  unweit  Orleans  gegen  die  französische  Loirearmee.
Die  diesbezügliche  offizielle  Depesche  sagt:  Versailles,  den  11.  Okt.
1870.  Bayrisches  Corps  von  der  'Iann,  Cavallerie-Divisionen  Prinz  Albrecht
und  Graf  Stolberg  schlugen  am  10.  eine  feindliche  Division  beiArtenay,
nahmen  3  Geschütze  und  machten  2000  Gefangene.  Diesseitiger  Verlust
circa  110  Mann.  Feind  floh  in  voller  Auflösung.  Verfolgung  wird  fortgesetzt.
  Die  Einnahme  von  Orleans  steht  bevor.  Kavallerie  -  Division
Rheinbaden  trieb  am  10.  4000  Mobilgarden  bei  Cherisy  über  die  Eure
zurück,  wobei  letztere  erhebliche  Verluste  erlitten.

Der  preussische  Staatsanzeiger  veröffentlicht  eine  mehreren
Cabinetten  mitgeteilte  Denkschrift  der  preussischen
Regierung,  betr.  die  in  Paris  durch  Schuld  der  dortigen
Machthaber,  welche  den  Waffenstillstand  abgelehnt  haben,  bevorstehende
  Hungersnot.
        <pb n="539" />
        —  529  —

1872.  Eröffnung  der  evangelischen  Versammlung  zu

Berlin.

1876.  Auflösung  des  katholischen  Kongresses  zu  Bologna.

1887.  Erneuerung  der  Allianz  zwischen  Deutschland,

Oesterreich  und  Italien  auf  weitere  fünf  Jahre.

Verurteilung  des  Anarchisten  Neve  zu  l5jähriger  Zuchthausstrafe.


1888.  Kaiser  Wilhelm  reist  von  Wien  nach  Rom  ab.

Der  Zar  und  Gefolge  treffen  in  Tiflis  ein.

Aus  Dr.  Mackenzie’s  Rechtfertigungsschrift  werden  Auszüge
  veröffentlicht.

 

11.  Oktober.

490.  Schlacht  an  der  Adda.
Die  Ostgothen,  unter  Theodorich  der  Grosse  besiegt  Odowaker
König  von  Italien.

1347.  Kaiser  Ludwig  IV.,  der  Bayer,  stirbt  unweit  München.

Es  war  ihm  an  diesem  Tage  ein  Kind  geboren  worden,  dem
63jährigen  Kaiser.  „Fröhlich  sass  er  an  der  Mittagstafel,  als  ihn  plötzlich
ein  Uebelbefinden  ankam.  Um  sich  davon  durch  Bewegung  zu  befreien,
stellte  er  rasch  eine  Bärenjagd  zwischen  dem  Kloster  Fürstenfeld  und
dem  Dorfe  Puch  nahe  bei  München  an;  er  sank  tot  vom  Pferde  —  ein
Schlagfluss  hatte  dieses  ganz  eigentümliche  Leben  geendet.“

Da  er  im  Bann  verschieden  war,  wollten  die  Augustiner  zu  München
seine  Leiche  nicht  aufnehmen;  er  ward  in  der  dortigen  Liebfrauenkirche

  bestattet.

1531.  Schlacht  bei  Kappeln  zwischen  Zug  und  Zürich,  in

welcher  Katholiken  und  Reformierte  gegen  einander
kämpfen,  die  letzteren  aber  der  Uebermacht  unterliegen

mussten.

Hier  starb  Zwingli,  seinem  Volk  und  seinem  Glauben  getreu,
mit  sechshundert  Züricher.  Sein  Leichnam  wurde  von  den  Siegern  auf
einem  Scheiterhaufen  verbrannt,  die  Asche  in  den  Wind  gestreut.

Mit  den  deutschen  Reformatoren  in  der  Grundanschauung  in  lJebereinstimmung,
  wich  er  von  ihnen  in  der  Lehre  vom  Abendmahl  ab,  indem
er  dasselbe  nur  für  eine  symbolische  Erinnerung  an  Jesu  Leiden  und

34
        <pb n="540" />
        —  530  °  —

Sterben  erklärte  und  die  wahre  Gegenwart  des  Leibes  und  Blutes  Christ
im  Sakrament  verwarf,  daher  Luthers  Abschiedsworte  auf  dem  Colloquium
  zu  Marburg  im  Oktober  1829:  „Ihr  habt  einen  andern  Geist

denn  wir.“

1634.  Ein  furehtbarer  Seesturm  verheert  die  Küste  von
Schleswig.

1746.  Schlacht  bei  Raucoux  während  des  österreichischen  Erbfolgekriegs.


Der  Marschall  von  Sachsen  besiegt  die  vereinigten  Oesterreicher,
Holländer  und  Bayern.

1795.  Treffen  bei  Höchst  a.  Main.
Sieg  der  Oesterreicher  über  die  Franzosen  unter  Jourdan.
1805.  Gustav  von  Struve,  republ.  Agitator,  geboren.

Als  Advokat  liess  er  sich  in  Mannheim  nieder.  Unternahm  mit
Hecker  1848  bewaffnete  Einfälle  in  badisches  Gebiet,  floh  nach  Amerika,
nahm  dort  am  nordamerikanischen  Bürgerkriege  teil.  Brachte  seine
letzten  Tage  in  Stuttgart,  Coburg  und  Wien  zu.
1853.  Königlicher  preussischer  Erlass,  diekonfessionellen  Verhältnisse
  innerhalb  der  evangelischen  Landeskirche
betreftend.

1860.  Enthüllung  des  Karl  Maria  von  Weber-Denkmals
in  Dresden.

1868.  Czechische  Unruhen  in  Prag.

1870.  General  von  der  Tann  siegt  in  der  Schlacht  bei  Orleans
nach  neunstündigem  Kampfe  über  die  Franzosen  —  Orleans
erstürmt.  —  Mehrere  1000  Gefangene  gemacht.

General  von  der  Tann  zieht  an  der  Spitze  der  Bayern  in
Orleans  ein,  das  er  besezt.

An  demselben  Tage:  Gefecht  der  badischen  Division
gegen  Mobılgarden  bei  Bruyeres.

Beginn  der  zwei  Tage  andauernden  Schlacht  bei
Artenay.

1878.  Vertrag  zwischen  Oesterreich  und  Preussen,  die  Aufhebung
  des  Artikels  V.  des  Prager  Friedens  betreffend.

1881.  Prof.  Dr.  med.  Hermann  Klencke  stirbt.
1888.  Enthusiastischer  Empfang  Kaiser  Wilhelms  in
Rom.

Veröffentlichung  eines  Briefes  der  Kaiserin  Friedrich  an
Dr.  Mackenzie.

Die  Untersuchung  gegen  Prof.  Geffken  wird  eifrigst
betrieben.
        <pb n="541" />
        —  531  —

1889.  Kaiser  Alexander  III.  von  Russland  macht  dem  Kaiser
Wilhelm  II.  einen  Gegenbesuch  in  Berlin.

Die  Boten  Stanleys,  welche  dessen  und  Emin  Paschas
bevorstehende  Ankunft  melden,  treffen  in  Mpuapua  ein,  wohin
  tags  danach  auch  Hauptmann  Wissmann  kommt.

 

12.  Oktober.

1424.  Ziska,  der  furchtbare  Feldherr  der  Hussiten,  stirbt.

Er,  der  Sieger  in  elf  Schlachten,  —  „er  der  Blinde,  Sieger  über
die  Sehenden‘“  erlag  einer  pestartigen  Krankheit,  als  er  eben  Przibislaw
im  Czaslauer  Kreise  belagerte.

1435.  Agnes  Bernauer,  die  bildschöne  Tochter  eines  Baders  zu
Augsburg,  die  heimlich  angetraute  Gemahlin  des  Herzogs
Albrecht  III.  von  Bayern-München,  wird  während  einer  Abwesenheit
  ihres  Gemahls  auf  Befehl  des  Herzogs  Ernst  gebunden
von  der  Donaubrücke  zu  Straubing  durch  Henkersknechte
herabgestürzt  und  ersäufet.

Herzog  Albrecht  widmete  der  Verstorbenen  eine  Messstiftung  zu
München,  und  Herzog  Ernst,  mit  dem  ersteren  wieder  ausgesöhnt,  stiftete
zu  ihrem  Andenken  einen  Jahrtag  und  liess  über  ihrem  Grabe  eine
Kapelle  errichten.

1492.  Kolumbus  entdeckt  die  Insel  Guanahani  (Watlingsinsel)
  und  somit  Amerika.

1520.  Bannbulle  des  Papstes  gegen  Luther.
1576.  Maximilian  II.,  deutscher  Kaiser,  stirbt.

Er  war  ein  Sohn  Ferdinands  I.  und  stand  im  Herzen  auf  Seite
der  Protestanten.  Seine  Söhne  Kaiser  Rudolf  II.  und  Matthias

liess  er  am  spanischen  Hofe  erziehen.

1689.  Kurfürst  Friedrich  III.  von  Brandenburg  erobert  Bonn
durch  Kapitulation.

1703.  Preussen  kommt  in  den  Besitz  des  Elbinger  Stadtgebiets.

1760.  Räumung  Berlins  durch  die  Russen  und  Oesterreicher.

1813.  Gefechte  bei  Rosslau  und  Coswig;  1400  Mann  Preussen
unter  General  von  Thümen  kämpfen  ruhmvoll  gegen  15000
Franzosen.

1832.  In  Braunschweig  wird  die  verbesserte  Verfassung  als
neues  Grundgesetz  des  Landes  proklamiert.
        <pb n="542" />
        —  592  —

1841.  Luxemburg  erhält  durch  Wilhelm  I.,  König  der  Niederlande,
  eine  ständische  Verfassung.

1842.  Adolf,  Freiherr  von  Marschall  von  Biberstein,
Staatssekretär  des  Inneren,  zu  Neuershausen  bei  Freiburg  i.  Br.
geboren.

1850.  Konferenz  zu  Bregenz,  ein  Schutz-  und  Trutz-Bündnis
  zwischen  Oesterreich,  Bayern  und  Württemberg,
wider  die  durch  Preussen  ins  Leben  gerufene  „Union“.  Die
Spannung  zwischen  Preussen  und  Oesterreich  nebst  ihrem

Anhange  wird  nun  täglich  grösser.

Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  und  die  Könige  von
Bayern  und  Württemberg  beschliessen  den  Einmarsch  eines  aus
Oesterreichern  und  Bayern  bestehenden  Bundesexekutionsheeres
in  Kurhbessen.

1854.  Königl.  preuss.  Verordnung  betr.  die  Bildung  der  Ersten
Kammer  (des  Herrenhauses).

1857.  Eröffnung  der  grossen  Weichselbrücke  bei  Dirschau.

1864.  Preussisch-deutscher  Zollvereinsvertrag  zu  Berlin
mit  Bayern,  Württemberg,  Hessen-Darmstadt  und  Nassau.

1867.  Gesetz,  das  Passwesen  des  norddeutschen  Bundes
betreffend.

1870.  Beginn  der  Belagerung  von  Soissons.
General  Senfft  von  Pilsach  vertreibt  3000  Mobilgarden  aus
Breteuil.
Gefecht  des  30.  Infanterie-Regiments  bei  Epinal.
Garibaldi  Oberbefehlshaber  aller  französischen  irregulären
Truppen.

1874.  Die  Königin-Witwe  Maria  von  Bayern  tritt  zum  Katholizismus
  über.

1875.  Enthüllung  des  Maximilian-Denkmals  in  München.
1879.  Einzug  der  Engländer  in  Kabul.

1887.  Ungünstiger  Bericht  Dr.  Mackenzie’s  über  des  Kronprinzen
Zustand.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  begiebt  sich  im  eigenen  (preussischen)

Hofwagen  zum  Besuch  des  Papstes  Leo  AIII.  nach  dem  \Vatıkan.

Kaiser  Wilhelm  Il.  und  König  Humbert  von  Italien
tauschen  in  Rom  interessante  Toaste  aus.

1889.  Der  Reichskommissär  Wissmann  besetzt  Mpwapwa,  an  der
ostafrıkanischen  Karawanenstrasse.

1890.  Unglückliche  Affaire  bei  Tiede  in  Ost-Afrika.

Die  unter  den  Lieutenants  Sigl  und  Langheld  stehenden  Abteilungen
  der  ostafrikanischen  Schutztruppen  haben  einen  hartnäckigen
Kampf  mit  den  Wangonis  zu  bestehen  und  müssen  sich,  wenn  auch
durchaus  geordnet,  zum  Rückzuge  bequemen.
        <pb n="543" />
        —  5933  —

13.  Oktober.

nn

1501.  Friede  zu  Trient  zwischen  Kaiser  Maximilian  I.  und
König  Ludwig  XII.  von  Frankreich.

1601.  Tycho  de  Brahe,  Astronom,  stirbt.

Nach  seinem  System  steht  die  Erde  unbewegt  im  Mittel;  um  sie
bewegen  sich  Mond  und  Sonne  und  um  diese  die  fünf,  ihm  erst  bekannten
Planeten.  —  Er  war  am  4.  Dezember  1546  zu  Kaudstrop  in  dem  damals
dänischen  Schonen  geboren.

1687.  Reichstag  zu  Pressburg.

Die  ungarische  Krone  wird  im  Hause  Oesterreich
erblich.

1691.  Die  Brandenburger  unter  General  von  Barfus  eröffnen
die  Trancheen  von  Grosswardein.

1781.  Kaiser  Joseph  II.  erlässt  ein  Toleranzedikt,  durch
welches  die  Protestanten  in  den  österreichischen  Staaten
volles  Staatsbürgerrecht  und  die  Erlaubnis  erhalten,  einen  stillen
Gottesdienst  in  Bethäusern  ohne  Turm  und  Glocken
abhalten  zu  dürfen.

1793.  Die  Oesterreicher  unter  General  Wurmser  unternehmen
einen  allgemeinen  Sturm  auf  die  Weissenburger  Linie,
und  wenngleich  diese  Stellung  überaus  fest  war,  so  wurde  sie
dennoch  genommen,  und  die  französische  Besatzung  nach  Strassburg

  zurückgedrängt.

1809.  Friedrich  Staps,  eines  Predigers  Sohn  aus  Naumburg,
macht  im  Schlosshofe  zu  Schönbrunn  bei  Wien  auf  Napoleon  1.

einen  Mordversuch.

Er  wurde  festgenommen  und  man  fand  ein  grosses  Messer  in  seinem
Gewande.  Er  hatte  die  weite  Reise  blos  zu  dem  Zweck  unternommen,
um  Napoleon  zu  ermorden  und  Deutschland  dadurch  von  dessen  Gewaltherrschaft
  zu  befreien.  Napoleon  fragte  ibn,  was  er  thun  würde,  wenn
er  ihn  begnadige?  —  „Sie  dennoch  ermorden“,  sprach  der  kühne  Staps.
Da  liess  ihn  Napoleon  erschiessen.  Aber  voll  inneren  Grauens  eilte  er
dann,  den  Frieden  abzuschliessen  und  nach  Frankreich  zurückzureisen.

1813.  Die  Lützower  und  Kosaken  unter  Tettenborn  nehmen  die

Vorstadt  von  Bremen.
1815.  König  Joachim  (Murat)  von  Italien,  Schwager  Napoleons,

wird  standrechtlich  erschossen.

Er  wollte  noch  einen  verzweifelten  Versuch  wagen,  sich  des  durch
eigene  Veräteri  verlorenen  Thrones  von  Neapel  wieder  zu  bemächtigen,
landete  in  Calabrien,  ward  vom  Volk  ergriffen  und  erlitt  den  Tod  eines

Verbrechers.
        <pb n="544" />
        —  534  —

1821.  Rudolf  Virchow,  berühmter  Anatom,  Anthropolog  und
bekannter  Parlamentarier,  zu  Schwelbein  (Pommern)  geboren.
Seit  1862  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses  und  später
des  deutschen  Reichstages;  einer  der  Führer  der  Deutsch-Freisinnigen.
1822.  Antonio  Canova,  berühmter  italienischer  Bildhauer,  stirbt
zu  Venedig.
Er  ist  der  Wiederhersteller  der  italienischen  Bildhauerkunst,  und
besonders  ausgezeichnet  in  der  Darstellung  weiblicher  Schönheit.
1825.  König  Maximilian  I.,  König  von  Bayern,  stirbt,  im  ganzen
Lande  aufrichtig  betrauert.  Ihm  folgte  sein  Sohn  Ludwig  Il.

1862.  Nachdem  das  preussische  Herrenhaus  die  vom  Abgeordnetenhaus
  gestrichenen  Reorganisationskosten  des  Heerwesens
  wiederaufgenommen,  und  das  Budget  nach  der  Regierungsvorlage
  genehmigt  hatte,  erklärt  das  Abgeordnetenhaus  diesen
Beschluss  für  verfassungswidrig,  für  null  und  nichtig,  worauf
die  Regierung  den  Landtag  schliesst.  —  Der  seit  dem
8.  Oktober  definitiver  Ministerpräsident  Otto  von  Bismarck
hatte  mit  einer  Offenheit  die  nichts  zu  wünschen  übrig  liess,
dem  Abgeordnetenhaus  erklärt,  dass  sich  „die  Regierung  nun
in  die  Notwendigkeit  versetzt  sehe,  einstweilenden
Staatshaushalt  auch  ohne  die  verfassungsmässige
Unterlage  zu  führen‘,  und  er  (Bismarck)  in  diesem  Falle
„die  Mittel,  welche  er  bedürfe,  nehme,  wo  ersie
bekomme.“  Es  folgt  die  budgetlose  Zeit.

1866.  Einführung  der  allgemeinen  Wehrpflicht  in  den  neuen
preussischen  Provinzen.

1868.  Der  Jesuitenorden  wird  in  Spanien  aufgehoben.

1870.  Die  Bayern  schlagen  einen  Ausfall  der  Franzosen  aus  Paris
zurück;  letztere  schiessen  St.  Cloud  in  Brand.

Belagerung  von  Verdun  beginnt.

Verhandlungen  im  Kgl.  Hauptquartier  zu  Versailles  mit
dem  von  Bazaine  aus  Metz  entsandten  General  Boyer.

1890.  Sozialistenkongress  in  Halle  a.  d.  S.  beginnt.

Derselbe  dauert  bis  zum  18.  Oktober  und  verlief  ohne  öffentliche
Ruhestörung,  während  die  Verhandlungen  oft  recht  hitzig  und  gerade
nicht  sehr  verträglicher  Natur  waren.  Die  Zahl  der  angemeldeten  Delegirten
  betrug  380.  Dieselben  vertraten  159  Wahlkreise.  Dazu  kommen
ca.  20  Zeitungsberichterstatter,  welche  zugelassen  und  von  einem  Lokalkomitee
  kontroliert  wurden.  An  die  blosen  Besucher  wurden
Karten  ausgegeben.  Der  Congress  dauerte  7  Tage.  Von  den  sozialdemokratischen
  Reichtagsabgeordneten  war  die  grössere  Hälfte
bereits  Mittags  anwesend,  ebenso  Deligierte  aus  London  und  Italien.
Unter  den  auf  dem  Sozialistenkongress  gestellten  Anträgen  sind  hervorzuheben:


1.  Antrag  Dr.  Ruedts  von  Heidelberg.  „Die  sozialistische  Arbeiterpartei
  Deutschlands  greift  zwar  in  die  religiöse  Ueberzeugung  einzelner

arteigenossen  nicht  ein,  sie  steht  aber  als  revolutionäre  Partei  auch  in
        <pb n="545" />
        —  535  —

religiösen  Beziehungen  auf  dem  Boden  der  freien  wissenschaftlichen
Forschung.  In  Folge  dessen  verwirft  sie  prinzipiell  jeden  Dogmenglauben
als  eine  Quelle  geistiger  Knechtschaft  und  als  gewaltiges  Hinderniss  des
Emanzipationskampfes  des  Proletariats  und  bekämpft  jede  Kirche,  die
auf  Grund  der  Glaubensdogmen  den  sozialen  und  politischen  Befreiungsbestrebungen
  der  Arbeiterklasse  entgegentritt.“

2.  Antrag  Liebknechts  der  Maifeier:  „Der  erste  Mai  ist
dauernd  ein  Feiertag  der  Arbeiter,  der,  entsprechend  dem  Beschluss  des
internationalen  Pariser  Arbeiterkongresses,  den  Einrichtungen  und  Verhältnissen
  des  Landes  gemäss  zu  begehen  ist.  Wenn  sich  der  Arbeitsruhe
  an  diesem  'Tage  Hindernisse  in  den  Weg  stellen,  so  haben  die  Umzüge,
  Feste  im  Freien  u.  s.  w,  am  ersten  Sonntage  im  Mai  stattzufinden.“

 

14.  Oktober.

1529.  Sultan  Soliman,  der  gewaltige  Osmanenherrscher,  hebt  die
Belagerung  Wiens  auf  und  zieht  im  Grimme  hierüber  mit  seinen
asiatischen  Horden  unter  Mord  und  Brand  durch  Städte  und
Dörfer  nach  Ungarn  zurück,  das  er  als  türkische  Provinz  behauptet.


1702.  Die  Franzosen  siegen  unter  Villars  über  die  Kaiserlichen
unter  dem  Markgrafen  Ludwig  von  Baden  bei  Friedlingen.

1751.  Der  deutsche  Kaiser  beantragt  bei  den  Reichsständen  die
Achtserklärung  Friedrichs  Il.  von  Preussen,  welche
jedoch  wegen  ihrer  „Uneinigkeit“  zu  keiner  Beschlussfassung
hierüber  kommen  konnten,  nichtsdestoweniger  aber  doch  die
Aufstellung  eines  Reichsexekutionsheers  verfügten.

1756.  Die  sächsische  Armee  kapituliert  bei  Pirna.

1758.  Schlacht  bei  Hochkirchen,  in  welcher  Friedrich  Il.
von  Preussen,.  während  des  siebenjährigen  Kriegs,  von  den

Oesterreichern  nächtlicherweile  überrascht  und  geschlagen
wird.

Deren  Marschall  Daun  wusste  durch  eine  geschickte  Bewegung  den
König  von  Preussen  zu  täuschen,  indem  er  gleichzeitig  in  die  verlassenen
Lager  die  Wachtfeuer  sorgfältig  unterhalten  liess.  Als  das  Schlachtfeld
trotz  aller  Tapferkeit  nicht  zu  halten  war,  ordnete  Friedrich  den  Rückzug
  an.  Die  Preussen  zogen  in  grösster  Ordnung,  ab,  wie  auf  dem
Uebungsplatze;  sie  nahmen  sogar  1000  Gefangene  mit  sich  und  stellten
sich  dann  eine  Meile  weiter  in  Schlachtordnung  auf;  aber  Daun  wagte
nicht  zu  verfolgen;  denn  er  verlor  selbst  bei  Hochkirchen  8000  Mann.  —
Friedrich  aber  hatte  9000  Mann,  viele  der  tapfersten  Offiziere  und  über

hundert  Geschütze  verloren.
        <pb n="546" />
        —  556  —

1772.  Gründung  der  königl.  preussischen  Seehandlung,

1805.  Treffen  bei  Elchingen,  in  welchem  Ney  die  Oesterreicher
besiegt.

1806.  Furchtbare  Schlacht  bei  Jena  und  Auerstädt,  in
welcher  das  preussische  Heer  unter  dem  Prinzen  Hohenlohe
und  dem  Herzog  Karl  Wilhelm  Ferdinand  von  Braunschweig
vollständig  geschlagen  wird.

In  weniger  als  einer  Stunde  war  Alles  im  Kampfe,  und  Napoleon
selbst  sagt  davon:  „Gegen  300000  Mann,  mit  800  Kanonen  auf  beiden
Seiten,  verbreiteten  überall  den  Tod,  und  boten  ein  in  der  Geschichte
seltenes  Schauspiel  dar.  Auf  beiden  Seiten  manöverierte  man  fortdauernd
wie  bei  einer  Parade.“  Bald  war  der  Sieg  nicht  mehr  zweifelhaft,
Napoleon  war  an  Zahl  überlegen,  und  sobald  er  seine  Streitkräfte  alle
ins  Treffen  bringen  konnte,  musste  es  sich  entscheiden.  —  Mehr  als
20000  Tote  oder  Verwundete  liessen  die  Preussen  auf  dem  Schlachtfelde.
  Von  beiden  Seiten  war  der  Verlust  ungewöhnlich  gross.  Die  Verwirrung
  der  geschlageuen  Armee  war  grenzenlos.  Napoleon  verfolgte
seinen  Sieg  mit  der  grössten  Gewandtheit.

1809.  Friedensschluss  zu  Schönbrunn.

Es  waren  harte  Bedingungen,  welche  der  Sieger  Oesterreich
vorschrieb.  Oesterreich  verlor  durch  diesen  Schönbrunner  Vertrag  2058
Geviertmeilen  Landes  und  vierthalb  Millionen  Seelen,  und  hatte  ausserdem
  noch  eine  starke  Kriegssteuer  an  Napoleon  zu  zahlen.

1812.  Treffen  bei  Medyn,  in  welchem  die  Russen  die  Avantgarde
  der  Franzosen  in  die  Flucht  schlagen.

1813.  Hitziges  Reitergefecht  bei  Liebertwolk  witz,  unweit
Leipzig.

Der  berühmte  Reitergeneral  König  Murat  selbst  hatte  sich  an  die

Spitze  seiner  eben  aus  Spanien  gekommenen  Reiterregimenter  gestellt,

aber  seine  Angriffe  scheiterten  an  der  Tapferkeit  und  der  Schnelligkeit
  der  verbündeten  Reiterei.

1817.  Theodor  Storm,  Dichter  und  Novellist,  zu  Husum  geboren.

1829.  Eduard  Lasker,  ein  hervorragender  Parlamentarier  liberaler
Richtung  und  bedeutender  Jurist,  zu  Jarotschin  in  Posen  geboren.

Franz  von  Holtzendorff,  hervorragender  Jurist,  zu
Vietmannsdorf  in  der  Uckermark  geboren.

1848.  Der  Dichter  Wilhelm  Smets  stirbt.

1815  trat  er  in  die  Freiwillige  Jägerschaar  des  Niederrheins.  Smets
hat  seinen  Dichterberuf  als  Lyriker  und  Epiker  nicht  selten  mit  begeisterndem
  Aufblitzen  des  Genius  beurkundet.

1870.  Bazaine  knüpft  mit  dem  Prinzen  Friedrich  Karl  Verhandlungen
  an  wegen  der  Uebergabe  von  Metz.

1871.  Der  bayerische  Minister  von  Lutz  erklärt  im  Namen  der
Regierung  vor  versammeltem  Landtage:  „sie  werde  allen  katholischen
  Staatsangehörigen  geistlichen  und  weltlichen  Standes,
welche  die  Lehre  von  der  Unfehlbarkeit  des  Papstes
nicht  anerkennen,  den  vollen  in  den  Gesetzen  des  Landes
        <pb n="547" />
        —  537  —

begründeten  Schutz  gegen  den  Missbrauch  geistlicher

Gewalt  gewähren  und  sie  in  ihren  wohlerworbenen  Rechten
und  Stellungen  schützen“.

1885.  Ueberreichungder  Botschafter-Deklaration  andie
Pforte.

 

15.  Oktober.

 

879.  Die  Südburgunden  wählen  den  Grafen  Boso  von  Vienne
zu  ihrem  Könige.

1080.  Schlacht  an  der  Elster,  bei  Mölsen,  unweit  Zeitz,  in
welcher  Kaiser  Heinrich  IV.  zwar  von  Otto  von  Nordheim

mit  den  sächsischen  Bauern  geschlagen  wurde,  sein  Gegenkönig
Rudolf  von  Schwaben  aber  fiel.

Gottfried  von  Bouillon,  damals  Markgraf  von  Antwerpen,  hatte  demselben
  im  Gefecht  mit  dem  Schwerte  die  rechte  Hand  abgebauen.  Sterbend
betrachtete  Rudolf,  so  wird  erzählt,  seine  blutige  Rechte  und  sprach
dabei,  dass  alle  Bischöfe,  die  um  ihn  standen,  ein  Grauen  ankam:  „Das
ist  die  Hand,  die  ich  aufhob,  als  ich  Heinrich  IV.  Treue  schwor!  Nun
muss  ich  fort  von  Reich  und  Leben.  Auf  Euch,  die  ihr  mich  so  weit
gebracht,  falle  die  Verantwortung!“

1609.  Paul  Flemming,  Dichter  der  schlesischen  Schule,  zu
Hartenstein  a.  d.  Mulde  geboren.

1678.  Stralsund  wird  von  dem  grossen  Kurfürsten  erobert.

1748.  Christian  Graf  zu  Stolberg,  Dichter,  zu  Hamburg  geboren.

1756.  Friedrich  II.  von  Preussen  macht  zu  Anfang  des  7jährigen
Kriegs  14  000  Sachsen  zu  Kriegsgefangenen.

Schloss  Sonnenstein  bei  Pirna  ergiebt  sich  an  die

Preussen.

1758.  Johann  Heinrich  von  Dannecker,  berühmter  Bildhauer,
zu  Stuttgart  geboren.

1793.  Die  Franzosen  schlagen  die  Oesterreicher  bei  Wattignies.


1795.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  geboren.

1805.  Wilhelm  von  Kaulbach,  berühmter  Maler,  zu  Arolsen
geboren.

1810.  Eröffnung  der  Universität  zu  Berlin.

1813.  Napoleon  beginnt  die  Aufstellung  seines  noch  170  000  Mann
starken  Heeres  rings  um  Leipzig,  um  den  Angriff  der  Verbündeten
  zu  erwarten.
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        —-—  533  —

1813.  General  Tettenborn  erobert  Bremen.  Die  Franzosen
kapitulieren.
1815.  Napoleon  I.  landet  als  „Gefangener  Europas”  auf  St.  Helena.

1819.  Edmund  Höfer,  Schriftsteller,  zu  Greifswald  geboren.

1821.  Der  Dichter  Moritz  Hartmann  in  dem  böhmischen  Dorfe
 Duschnik  geboren.
1822.  Alfred  Meissner,  ein  patriotischer  Dichter  des  sogenannten
Jungen  Oesterreich,  zu  Töplitz  in  Bölımen  geboren.

1840.  Huldigung  Friedrich  Wilhelms  IV.  zu  Berlin.

1850.  Zweite  Warschauer  Konferenz,  auf  welcher  die  beiden
Ministerpräsidenten  von  Oesterreich  und  Preussen,  Fürst
Schwarzenberg  und  Graf  Brandenburg,  persönlich  ın  der  deutschen
Sache  mit  einander  verhandeln,  jedoch  zukeinem  Resultat
kommen.

1852.  Der  Turnvater  Jahn  stirbt  zu  Freiburg  a.  U.

Er  wirkte  1813  durch  Wort  und  That  zur  Erhebung  des  Volks,
machte  die  Befreiungskriege  mit,  wurde  aber  1819  als  Demagoge  verhaftet,
  1824  zu  2jähriger  Festungsstrafe  verurteilt,  aber  1825  freigesprochen.
1843  gehörte  er  der  Nationalversammlung  in  Frankfurt  a.  M.  an.

1860.  Fünfzigjähriges  Jubiläum  der  Universität  Berlin.

1866.  Wahlgesetz  für  den  Reichstag  des  Norddeutschen
Bundes.

1879.  Der  Kaiser  von  Deutschland  und  der  Kaiser  von
Öesverreich  unterzeichnen  ein  Protokoll,  worin  bestimmt  wird,
„dass  jedem  Angriff  auf  den  gegenwärtigen  Besitzstand  eines  der
beiden  Staaten  solidarisch  begegnet  und  dass  alle  orientalischen
Angelegenheiten  dem  Berliner  Vertrage  gemäss  entschieden  werden
sollen“.

1880.  Einweihung  des  Kölner  Doms  in  Gegenwart  des
deutschen  Kaisers  Wilhelm  I.
        <pb n="549" />
        —  539  —

16.  Oktober.

a

955.  Schlacht  bei  Raxa  (Reckenitz)  in  Mecklenburg.

König  Otto  I.  und  Markgraf  Gero  demiüti  di  .
Wenden  unter  Stainef.  u  ütigen  die  verbündeten

1076.  Fürstenversammlung  zu  Tribur,  welchedemHeinrichIV.
aufgeben,  binnen  Jahresfrist  sich  mit  dem  Papste  zu  versöhnen
und  sich  vom  Bann  zu  lösen,  falls  er  König  bleiben  wolle.

1456.  Gründung  der  Universität  Greifswald.

1519.  Luther  appelliert  „an  den  besser  zu  unterrichtenden
Papst“.
1553.  Lukas  Cranach  (der  Aeltere),  berühmter  Maler,  stirbt

zu  Weimar.
Seine  Bilder  sind  sehr  zahlreich,  viele  mit  Hilfe  seiner  Schüler
angefertigt  und  deshalb  von  verschiedenem  Wert.

1675.  General  von  Grumbkow  erstürmt  die  schwedischen  Verschanzungen
  an  der  Peene.

1691.  Die  Kaiserlichen  und  die  Brandenburger  erstürmen
die  Vorstadt  von  Peterwardein.

1757.  Brandschatzung  Berlins  durch  die  Oesterreicher  unter
Haddick,  während  des  siebenjährigen  Kriegs.

1793.  Marie  Antoinette,  Königin  von  Frankreich,  Tochter  der
Kaiserin  Maria  Theresia  von  Oesterreich,  stirbt  auf  dem  Schaffot.

1801.  Joseph  Graf  Jellachich  von  Buszim,  österr.  Feldzeugmeister
  und  Banus  von  Kratien,  zu  Peterwardein  geboren.
Er  starb  am  20.  Mai  1859  in  Agram.
1806.  Gefecht  bei  Weissensee.
Die  Preussen  unter  Kalkreuth  werden  von  Soult  geschlagen.
Erfurt,  wohin  sich  ein  Teil  der  Trümmer  des  preussischen
Heeres  nach  der  Schlacht  bei  Jena  und  Auerstädt  geflüchtet

hatte,  ergiebt  sich  den  Franzosen.

14  000  Mann,  —  8000  Verwundete  und  6000  Gesunde,  —  darunter  6
Generäle  vom  höchsten  Rang,  wurden  zu  Kriegsgefangenen  gemacht;
ebenso  fiel  ein  wohlversehener  Artillerie-Park  von  120  Kanonen  in  die

Hände  der  Franzosen.

1813.  Beginn  der  Völkerschlacht  von  Leipzig,  um  9  Uhr
Sonnabends,  indem  das  böhmische  Heer  die  Dörfer  im  Süden
von  Leipzig  angriff,  woselbst.  Napoleon  selbst  auf  den  Höhen

bei  Wachau  eine  starke  Stellung  genommen  hatte.
Der  Schlüssel  der  feindlichen  Stellung  war  das  Dorf  Möckern,
welches  die  Preussen  erstürmten,  und  mit  löwenkühner  Tapferkeit
        <pb n="550" />
        —  540  °  —

behaupteten.  Sie  errangen  einen  glänzenden  Sieg,  der  sie  aber
8000  Mann  kostete,  —  während  die  Franzosen  fast  eben  so  viel  an  Toten
und  Verwundeten  und  ausserdem  2000  Gefangene  nebst  53  Kanonen  verloren

  hatten.
König  Joachim  von  Westfalen  kehrt  von  Koblenz  nach

Kassel  zurück,  das  er  aber  schon  am  26.  Oktober  beim
Herannahen  der  Russen  wieder  eilends  verlässt.

Johannes  Ronge,  Stifter  des  Deutsch-Katholızismus,  zu
Bischofswalde  bei  Neisse  geboren.

1827.  Arnold  Böcklin,  einer  der  hervorragendsten  Maler  seiner
Zeit,  zu  Basel  geboren.

1848.  Beginn  des  drei  Tage  andauernden  Münchener  Bier-Krawalls,
  veranlasst  wegen  eines  Bieraufschlages.

1860.  Aufhebung  des  Konkordats  zwischen  Baden  und
Rom.

1870.  Die  Festung  Soissons  kapituliert  nach  viertägiger
hartnäckiger  Artillerie-Verteidigung:  4000  Gefangene  und  132
Geschütze.

An  demselben  Tage  siegt  General  Werder  bei  Chateaux-Thierry
  über  Franctireurs.

1871.  Auf  Anregung  bayerischer  Abgeordneter  beschliesst
der  Reichstag  den  sogenanten  Kanzelparagraphen,  wonach
fortan  der  Missbrauch  des  geistlichen  Amts  und  der  Kanzel  zu
politischen  den  Frieden  gefährdenden  \Wühlereien  nicht  ungestraft
bleiben  soll.

1878.  Feierlicher  Einzug  der  Oesterreicher  in  Mostar,  der
Hauptstadt  der  Herzegowina.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.,  begleitet  von  König  Humbert,  be
sucht  Neapel,  wo  er  mit  endlosem  Jubel  begrüsst  und  ge
feiert  wird.  ”
        <pb n="551" />
        —  541  —

17.  Oktober.

nn

1448.  Schlacht  bei  Kassowa  auf  dem  Amselfeld.

Die  Türken  schlagen  Johann.  Hunyades.

1530.  Sechzehn  freie  Städte  des  deutschen  Reiches  geben  die  Erklärung
  ab,  dass  sie  dem  Kaiser  die  Türkensteuer  verweigern,
  wenn  sie  nicht  des  allgemeinen  Friedens  im
Lande  versichert  würden.

1631.  Gustav  Adolf,  König  von  Schweden,  bietet  Württemberg
seinen  Schutz  an.

1638.  Schlacht  bei  Vlotho  (Reg.-Bez.  Minden).

Der  kaiserliche  General  Hatzfeld  besiegt  die  Söhne  des  Böhmenkönigs
  Friedrich  von  der  Pfalz.

1681.  Ludwig  XIV.  von  Frankreich  zieht  in  Strassburg  ein
und  lässt  sich  huldigen.

1709.  Die  Preussen  erstürmen  die  Lünette  von  Mons.

1757.  Rene  Antoine  Ferchault  Reaumur,  Physiker  und
Erfinder  des  'Thermometers,  stirbt  auf  seinem  Landgute  Bermondiere
  (Maine).

1797.  Der  Friede  von  Campo  Formio  abgeschlossen,  in  welchem
Oesterreich  an  die  französische  Republik  den  ganzen
Rest  seiner  spanischen  Erbschaft,  also  die  österreichischen  Niederlande
  und  die  Lombardei,  abtreten  und  in  einem  geheimen
Artikelindie  Abtretung  deslinkenRheinufers  willigen
‚muss.  Es  erhält  dagegen  Venedig,  Istrien  und  Dalmatien.

Frankreich  erhält  das  Uebergewicht  in  Europa.

1805.  Der  von  den  Franzosen  in  Ulm  eingeschlossene  österreichische
Marschall  Mack  kapituliert  und  ergiebt  sich  mit  seiner  ganzen
Armee  von  ungefähr  60  000  Mann  schmachvoller  Weise  kriegsgefangen.


An  demselben  Tage  Treffen  bei  Neresheim  in  Württemberg,
  in  welchem  die  Franzosen  über  die  Oesterreicher
siegen.

Napoleon  konnte  kaum  Leute  genug  erübrigen,  die  ungeheure
Menge  Gefangener  nach  Frankreich  zu  schicken.

1806.  Der  Lieutenant  Hellwig  befreit  bei  Eisenach  (Fischbach
  mit  50  Husaren  9000  in  Erfurt  gefangene

Preussen.
        <pb n="552" />
        —  512  —

Bernadotte  schlägt  bei  Halle  a.  d.  $.  ein  preussisches  Korps
des  He:zogs  Eugen  von  Württemberg.
1809.  Friedrich  Staps,  welcher  am  13.  ds.  Mts.  den  Kaiser
Napoleon  I.  in  Schönbronn  ermorden  wollte,  wird  erschossen.

Von  dem  Tage  seiner  Verhaftung  an  bis  zu  seinem  Tode  verschmähte
er  jede  Nahrung,  er  sagte,  er  habe  Kraft  genug,  um  zum  Tode  zu  gehen,
Auf  dem  Richtplatze  angekommen,  erfuhr  er,  dass  der  Friede  unter
zeichnet  sei,  und  rief  aus:  „Eslebe  die  Freiheit!eslebe  Deutsch
land!“  Dies  waren  seine  letzten  Worte.  "

1813.  Blücher  wirft  die  Franzosen  bis  an  die  Thore  Leipzigs  zurück.

Napoleon  I.  bietet  seinem  Schwiegervater,  Kaiser  Franz,
den  Frieden  an.

Georg  Büchner,  dramatischer  Dichter,  zu  Goddelau  bei
Darmstadt  geboren.

Ein  bedeutendes  Talent,  das  nur  zu  früh,  am  19.  Februar  1837,
der  Tod  ereilte.

1816.  Moritz  Wiggers,  mecklenburgischer  Volksvertreter  fortschrittlicher
  Richtung,  zu  Rostock  geboren.

1849.  Frederic  Francois  Chopin,  Komponist,  stirbt.

1868.  Antiquarischer  Fund  von  römischen  Silbergeräten  bei
Hildesheim.

1869.  Bei  Herdecke  (Westfalen)  wird  das  Stein-Denkmal  eingeweiht.


1870.  Besetzung  von  Montditier  durch  ein  Detachement  der
Maasarmee.

1885.  Adressdebatte  im  österreichischen  Abgeordnetenhaus.


1887.  Zu  Berlin  stirbt  der  Erfinder  der  Spektralanalyse,  Geheimrat
  Professor  Dr.  Robert  Kirchhoff.

1888.  Der  Papst  trägt  sämtlichen  Bischöfen  eine  allgemeine
Agitation  zur  Wiederherstellung  seiner  weltlichen
Herrschaft  auf.
        <pb n="553" />
        —  543  °  —

18.  Oktober.

439.  Die  Vandalen,  unter  ihrem  tapferen  König  Genserich,

erstürmen  Karthago,  welches  dieser  dann  zu  seiner  Hauptstadt
  macht.

615.  Die  geistlichen  und  weltlichen  Lehensträger  des  Gesamt-Frankenreich
  zwingen  den  König  Chlotar  ihnen  grosse
Freiheiten  ihres  Standes  urkundlich  auszustellen.

732.  Sieg  Karl  Martells  über  die  Sarazenen  zwischen

Tours  und  Poiteurs,  auf  dem  weitgedehnten  Blachfeld.

Der  Oberfeldherr  des  Sarazenenheers,  Abderrahman,  fiel,  als  er  sich
abmühte,  die  zurückgeschlagenen  Seinen  wieder  vorwärts  in  den  Kampt
zu  führen.  Der  glänzende  Sieg  von  Poiteurs  gab  Karl  den  Beinamen
„der  Schlachthammer“.

1502.  Stiftung  der  Universität  Wittenberg  durch  Kurfürst
Friedrich  III.  von  Sachsen.

1558.  Maria,  Königin  von  Böhmen  und  Ungarn  geboren,  Tochter
Philipp  I.  von  Spanien  und  Gemahlin  Ludwig  II.

Sie  trat  zu  der  evangelischen  Kirche  über,  weshalb  sie
sehr  angefeindet  wurde.  Luther  widmete  ihr  4  Trostpsalmen.

1633.  Bei  Steinau  in  Schlesien  nimmt  Wallenstein  8000  Schweden
gefangen.

1663.  Franz  Eugen,  Prinz  von  Savoyen,  „der  edle  Ritter“,
geboren.

Der  „grosse  Kurfürst‘  lässt  sich  in  Königsberg  als
souveräner  Herzog  huldigen.

1675.  General  von  Schwerin  erstürmt  Wollin.

1757.  Seydlitz  und  Prinz  Moritz  von  Anhalt  entsetzen
Berlin.

1758.  Der  Erbprinz  von  Braunschweig,  schlägt  die  Franzosen
bei  Soest.

1776.  Heinrich  von  Kleist,  Dichter,  zu  Frankfurt  a.  d.  Oder
geboren.

1795.  General  Wurmser  greift  die  vor  und  in  Mannheim
stehende  französische  Rhein-  und  Mosel-Armee  unter
Pichegrü  an,  schlägt  dieselbe  empfindlich  und  wirft  sie  in  die
Stadt  zurück,  so  dass  sich  der  französische  General  genötigt
sieht,  seine  Hauptarmee  auf  das  linke  Rheinufer  zurückzuziehen
und  nur  eine  Besatzung  von  10000  Mann  in  Mannheim  zurückzulassen.
        <pb n="554" />
        —  544  —

1812.  Die  Russefi  unter  Bennigsen  schlagen  die  Franzosen  bei
Tarutina  in  die  Flucht.

1813.  Entscheidungsschlacht  bei  Leipzig.

Nahezu  300  000  Verbündete  (Preussen,  Russen  und  Oesterreicher)
standen  Napoleon  I.,  der  fast  über  200000  Mann,  Franzosen  und
einige  Rheinbundtruppen,  gebot,  gegenüber.  Die  Schlacht  begann  von
allen  Seiten  mit  dem  wüthendsten  Kampf.  Napoleon  zeigte  sich  seiner
Feldherrngrösse  würdig,  und  schien  Anfangs  dem  stürmischen  Andrang
der  begeisterten  Alliirten  gewachsen,  doch  konnte  er  ihrem  Heldenmute
und  ihrer  Uebermacht  nicht  dauernd  widerstehen.  Mitten  in  der  Schlacht
gingen  die  Sachsen,  trotz  dem  Befehl  des  Königs,  zu  den  Alliirten
über,  und  kehrten  die  Waffen  sogleich  gegen  die  Franzosen.  Diesem
Beispiel  folgten  auch  die  Württemberger  unter  Normann.

Diese  Tage  von  Leipzig  hatten  Napoleons  Streitkräfte  völlig  gebrochen;
  sie  kosteten  ihn  300  Kanonen  und  70000  Mann,  nämlich  30  000
Tote  oder  Verwundete,  20  000  Gefangene,  20  000  krank  zurückgebliebene.
Mit  den  übrigen  flüchtete  er  dem  Rhein  zu.  Deutschland  war
befreit.

1815.  Der  Dichter  Emanuel  Geibel  zu  Lübeck  geboren,  wo  sein
Vater  Pastor  war.

1816.  Die  freie  Stadt  Frankfurt  a.  M.  erhält  ihre  sogenannte
Constitutions-Ergänzungsakte.

1817.  Wartburgfest.

Von  der  „allgemeinen  Burschenschaft“,  an  deren  Spitze
die  Universitäten  von  Jena  und  Berlin  standen,  waren  die  Zweigburschenschaften
  aller  deutschen  Hochschulen  eingeladen  worden,  „zum  Gedächtnis
der  Reformation  und  zugleich  zur  Erinnerung  an  die  Leipziger  Schlacht.“
Die  deutschen  Hochschulen  sandten  500  Abgeordnete  zu  diesem  Wartburgfest.
  Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  zum  erstenmale  die  schwarzrotgoldne
  Fahne  aufgepflanzt,  und  von  da  an  verbreitete  sich  die
Burschenschaft  —  eine  Studentenverbindung,  die  sich  Vaterlandsliebe
und  Sittlichkeit  zum  Zwecke  setzte  —  auf  allen  deutschen  Universitäten
aus

1818.  Vereinigung  der  Studierenden  von  14  deutschen  Universitäten
  zur  „Allgemeinen  Burschenschaft.“

Stiftung  der  Universität  Bonn  durch  Friedrich
Wilhelm  III.

1825.  Ludwig  I.  von  Bayern  besteigt  den  Königsthron  und  leistet
den  Verfassungseid.

1831.  Kaiser  Friedrich  IIl.,  der  Edle,  geboren.

1854.  Enthüllung  des  National-Kriegerdenkmals  im  Invalidenpark
  zu  Berlin.

1861.  Krönungsfest  zu  Königsberg.  Wilhelm  I.  von
Preussen  nimmt  als  ein  König  „von  Gottes  Gnaden“  die  Krone
„vom  Tisch  des  Herrn“,  und  schmückt  sein  und  seiner  Gemahlin
Augusta  Haupt  damit.

1864.  Einweihung  des  Kant-Denkmals  in  Königsberg.
Stiftung  des  Düppel-  und  Alsenkreuzes,
        <pb n="555" />
        —  545  —

1865.  Jubelfeier  der  Vereinigung  der  westfälischen  Lande
mit  Preussen  in  Münster.

Unter  dem  Zusammenströmen  vieler  betagten  Jubilare  wird

zu  Jena  das  Jubiläum  der  Stiftung  der  Burschenschaft
  gefeiert.

Enthüllung  der  Reiterstatue  des  Prinzen  Eugen
zu  Wien.

Der  Allgemeine  deutsche  Frauenverein  wird  in
Leipzig  gegründet.
1870.  Die  22.  Division  von  der  Armee  des  Kronprinzen  von  Preussen
erstürmt  Ohateaudun.
General  von  Werder  nimmt  Vesoul.

1875.  Kaiser  Wilhelm  ]J.  erwidert  den  Besuch  des  Königs  von
Italien  zu  Berlin  1873  ın  Mailand,  wo  er  bis  zum  23.  verweilt
  und  von  der  Bevölkerung  mit  Herzlichkeit  und  Begeisterung
aufgenommen  wurde.

1878.  Annahme  des  Sozialisten-Gesetzes  im  deutschen  Reichstage.


1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  reist  von  Rom  nach  Berlin  zurück.

Sieben  grossen  Pariser  Zeitungen  wird  das  Postdebit  in  den
Reichslanden  entzogen.

1890.  Feierder  Einweihung  des  Mausoleums  desKaisersFriedrich  Ill.
zu  Potsdam.
        <pb n="556" />
        —  546  —

19.  Oktober.

1314.  Wahltag  zu  Frankfurt  a.  M.  Herzog  Friedrich  von
Oesterreich  (der  Schöne)  wird  mit  4  Stimmen  zum  Kaiser
gewählt.  Die  Gegenpartei  wählt  am  folgenden  lage  mit  5
Stimmen  den  Herzog  Ludwig  von  Bayern.

Diesem  öffnete  die  Stadt  Frankfurt  freudig  die  Thore  und  huldigte
ihm  als  rechtem  Herrn  des  Reiches,  während  sie  Friedrich  den  Schönen
abwies.

1448.  Entscheidungstag  der  dreitägigen  Schlacht  auf  dem

Amselfeld,  zwischen  Prischtina  und  Wuczitin  in  Altserbien.

Niederlage  der  Ungarn  unter  Johann  Hunyades  gegen  die  Türken

unter  Murad  II.  17000  Ungarn  decken  das  Schlachtfeld,  und  der  Rest
rettet  sich  nur  durch  einen  eiligen  Rückzug.

1466.  Zweiter  Frieden  zu  Thorn,  geschlossen  durch  Vermittelung

  des  päpstlichen  Legaten.

In  diesem  Friedensschluss  musste  der  Deutschorden  ganz  Westpreussen
  zu  beiden  Seiten  der  Weichsel  mit  seinem  bisherigen  Hochmeistersitz
  und  Hauptwaffenplatz  Marienburg,  mit  den  wichtigen
Städten  Thorn,  Kulm,  Danzig  und  Elbing  auf  immer  an  die  Krone
Polen  abtreten;  dem  Deutschorden  wurde  zwar  Ostpreussen  belassen,
  aber  als  Lehen  der  polnischen  Krone;  sein  Hochmeister
war  fortan  Vasall  des  Polenkönigs.

1537.  Erbverbrüderung  des  Kurfürsten  Joachim  II.  mit  dem
Herzog  Friedrich  Il.  von  Liegnitz.

Späterer  Grund  zu  den  schlesischen  Kriegen.

1693.  Gründung  der  Universität  Halle  durch  Kaiser

Leopold].
Eröffnet  am  1.  Juli  1694;  aufgehoben  auf  Napoleons  I.  Befehl  am
19.  Oktober  1806;  wieder  eröffnet  am  20.  Oktober  1814.  —  Die  Universität
Wittenberg  wurde  am  12.  April  1815  mit  ihr  vereinigt.
1792.  Hans  Adolf  Erdmann  von  Auerswald,  preussischer

General,  geboren.
Wurde  am  18.  September  1848  vor  dem  Friedberger  Thor  bei

Frankfurt  a.  M.  von  einem  aufgeregten  Pöbelhaufen  ermordet.
1796.  Erzherzog  Karl  schlägt  die  Franzosen  unter  Moreau  bei
Emmendingen.

1812.  Napoleon  I.  verlässt  das  in  einen  Schutthaufen  verwandelte
Moskau,  um  mit  seiner  „grossen  Armee“  den  Rückzug  aus
Russland  anzutreten,  immerwährend  verfolgt  und  umdrängt  von

den  jetzt  an  Zahl  weit  überlegenen  Russen.

Wider  Willen  und  mit  schwerem  Herzen  entschloss  sich  Napoleon
endlich  zu  diesem  schimpflichen,  aber  notwendigen  Schritt.
        <pb n="557" />
        —  54  —

1813.  Die  Preussen  unter  ihrem  General  von  Borstell  dringen  in
Leipzig  ein.  Die  Franzosen  räumen  in  wilder  Flucht  das
Feld  ihrer  Niederlage.

Friccius,  Major  bei  der  ostpreussischen  Landwehr,  erstürmt  zuerst
  das  Grimmaische  Thor.  Zur  Verherrlichung  dieser  Heldenthat
wurde  daselbst  später  ein  Denkstein  mit  dem  Brustbild  des  Friceius
errichtet.

Der  tapfere  Polenfürst  Poniatowsky  findet  auf  der  Flucht
in  der  Elster  seinen  Tod.

1815.  Rückkehr  Friedrich  Wilhelms  III.  nach  Berlin.

1844.  Schneidemühler  Glaubensbekenntnis  der  Deutsch-Katholıken.


Dasselbe  hat  das  Nicänische  Symbol  zur  Grundlage;  ausserdem
wird  in  demselben  die  heilige  Schrift  als  die  einzig  sichere  Quelle  anerkannt,
  die  sieben  Sakramente  mit  dem  Abendmahl  unter  beiderlei
Gestalten,  und  die  Messe,  jedoch  in  der  Landessprache,  beibehalten.

1848.  Fürst  Windischgrätz  vor  Wien.
1877.  Kaiserfest  in  Frankfurt  a.  M.
1887.  Inthronisation  Dr.  Kopp’s  als  Fürstbischof  von  Breslau.

1889.  Die  deutsche  Schutztruppe  in  Ostafrika  erstürmt
unter  der  Führung  des  Freiherrn  von  Grevenreuth  das  Lager
Buschiris  bei  Yombo.

1890.  Emin  Pascha  verlässt  auf  seiner  Expedition  nach  dem  Viktoria
Nyanza  im  deutschen  ostafrikanischen  Gebiete  Bukumbi  am  Südende
  des  Sees  und  landet  nach  zwölftägiger  Fahrt  über  denselben  am
31.  Oktober  in  Bukoba  am  westlichen  Ende.

Hier  kaufte  Emin  Pascha  voın  Häuptling  des  Landes  sofort  das  zur
Anlage  einer  Station  erforderliche  Terrain  und  begann  mit  der  Errichtung

von  Bauten.

 

20.  Oktober.

u?

1139.  Heinrich  der  Stolze,  Herzog  von  Bayern,  stirbt  im
37.  Jahre  seines  Lebens.
Er  hinterliess  einen  10jährigen  Sohn,  nachher  Heinrich  der  Löwe

genannt.

1668.  Sophie  Charlotte,  erste  Königin  von  Preussen,  auf  Schloss
Iburg  geboren.

Sie  war  die  Tochter  des  Herzogs  Ernst  August  von  Hannover  und
der  Prinzessin  Sophie  von  der  Pfalz.  Vermählt  mit  Friedrich  1.,  König

von  Preussen,  am  28.  September  1684.  |  |  |
1683.  Die  Brandenburger,  Polen  und  Kaiserlichen  siegen
bei  Gran  über  die  Türken  unter  Kara  Mustapha.
        <pb n="558" />
        —  548  —

1740.  Kaiser  Karl  VI.  stirbt.

Er  hinterliess  seine  Erblande  seiner  Tochter  Marie  Theresia,
seit  1736  an  den  Herzog  Franz  von  Lothringen,  Herzog  von  Toskana,
vermählt,  den  sie  am  21.  November  d.  Js.  als  Königin  von  Ungarn  und
Böhmen  zum  Mitregenten  erhob.

1745.  Die  Oesterreicher  werden  bei  Hultschin  und  Ratibor
geschlagen.

1812.  Wittgenstein  und  Steinheil  siegen  bei  Poloze  über  St.  Cyr
und  Wrede.

1813.  Siegreiche  Gefechte  bei  Lützen,  Reinhardswerben  und
Naumburg.

1814.  Wieder-Eröffnung  der  vom  König  von  Westfalen  aufgehobenen
  Universität  Halle.

1820.  Monarchen-Kongress  zu  Troppau  wegen  der  in  Portugal,
  Spanien  und  Neapel  ausgebrochenen  Revolutionen.

1822.  Kongress  zu  Verona  gegen  die  europäischen  Revolutionen.

1848.  Die  in  München  gebildete  deutsch-katholische  Gemeinde
  erhält  die  königliche  Bestätigung.

1860.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  giebt  das  sogenannte
„Oktoberdiplom“.

Nach  demselben  wurde  den  zur  ungarischen  Krone  gehörigen  Ländern
eine  modernisierte  Verfassung  und  den  übrigen  Ländern  besondere  Landtage
  gegeben.

1868.  Eröffnung  des  vierten  deutschen  Handelstages  in
Berlın.

1870.  Süddeutsche  Minister  (von  Bayern,  Württemberg  und
Baden)  treffen  in  Versailles  ein,  um  wegen  Anschluss  an  den
norddeutschen  Bund  zu  einem  einzigen  deutschen  Reich
mit  Bismarck  zu  verhandeln  und  durch  Verträge  festzustellen,
in  welchem  Verhältnisse  ihre  Staaten  zum  deutschen  Reiche
stehen  würden.

England  schlägt  in  einer  nach  Berlin  gerichteten  Depesche
einen  Waffenstillstand  im  deutsch-französischen  Kriege  vor.  Die
Deutschen  möchten  nicht  eher  zum  Bombardement  von  Paris
schreiten,  als  bis  alle  Mittel  zum  Frieden  erschöpft  seien.

Päpstlicher  Erlass  wegen  Suspension  des  vatikanischen
Konzils  auf  unbestimmte  Zeit.

1888.  In  Havre  wird  von  dem  dortigen  deutschen  Konsulat
von  Fanatikern  das  Wappen  heruntergerissen.
        <pb n="559" />
        —  549  —

21.  Oktober.

741.  Karl  Martel  (der  „Hammer“),  Majordomus  des  fränkischen
Reichs,  stirbt.

Die  Geistlichkeit  verbreitete  nach  seinem  Tode,  er  sei  zur  Hölle
gefahren,  das  Gericht  Gottes  und  der  Heiligen  habe  ihn  zu  ewiger  Qual
und  Pein  verdammt,  „weil  er  am  Gute  der  Kirche  sich  vergriffen
  habe“.

1147.  Niederlage  Konrads  IH.  bei  Iconium  durch  die  Seld-=schucken.


1401.  Schlacht  bei  Brescia,  in  welcher  der  deutsche  Kaiser
Ruprecht  von  der  Pfalz,  ein  Urenkel  Rudolfs  I.  von  Habsburg,
durch  den  erst  wenige  Jahre  vorher  zum  Herzog  von  Mailand
erhobenen  Johann  Galeazzo  Visconti  geschlagen  wird,  nicht  blos
deshalb,  weil  Viscontis  Heer  an  Zahl,  Ausrüstung  und  taktischer
Ausbildung  überlegen  war,  sondern  hauptsächlich  durch  den
Verrat  des  Herzogs  Leopold  IV.von  Oesterreich,  welcher
Regent  Tyrols  und  der  habsburgischen  Vorlande  war,  und  entgegen
  Ruprechts  ausdrücklichem  Befehl,  und  im  Einverständnis
mit  dem  Herzog  von  Mailand,  mit  seinem  ganzen  Kriegsheer  die
Rückkehr  in  seine  Heimat  antrat.

1545.  Schlacht  bei  Nordheim.

Herzog  Heinfrich  d.  Jüngere  von  Braunschweig  wird  durch
Philipp  von  Hessen  gefangen  genommen.

1622.  Frieden  von  Montpellier.
Den  Reformierten  in  Frankreich  wird  das  Edikt  des  Staates  bestätigt,
  aber  das  Recht,  allgemeine  Versammlungen  über  politische  Angelegenheiten
  zu  halten,  von  einer  ausdrücklichen  königlichen  Bewilligung

abhängig  gemacht.

1674.  Sieg  Derfflingers  über  die  Franzosen  bei  Zabern.

1762.  General  von  Kleist  schlägt  die  Franzosen  bei  Kleinwaltersdorf.


1792.  Uebergabe  von  Mainz  durch  den  mutlosen  Oberstlieutenant
Eickemeyer  an  die  Franzosen  unter  Custine.

1805.  Vernichtung  der  französischen  Flotte  bei  Trafalgar
  durch  Nelson,  welcher  fällt.

1812.  Otto  Camphausen,  preussischer  Finanzminister  zu  Hünshoven
  geboren.

1813.  York  schlägt  die  Franzosen  bei  Freiburg  a.  d.  Unstrut.

Konvention  zu  Leipzig.  Der  Freiherr  von  Stein  tritt

an  die  Spitze  der  Zentral-Kommission  zur  einstweiligen  Verwaltung
  der  den  Franzosen  wieder  entrissenen  Gebiete,
        <pb n="560" />
        —  50  °—

1821.  Max  von  Forckenbeck,  seit  1878  Oberbürgermeister  von

Berlin,  geboren.

Ausgesprochener  Gegner  der  Bismarkschen  Schutzzoll-Politik,  war
er  1867  Mitglied  des  norddeutschen,  1371  des  deutschen  Reichstags  und
von  1874—79  dessen  Präsident.  1861  Begründer  der  Fortschritts-  und
1866  der  national-liberalen  Partei  und  1880  der  sogenannten  liberalen
Vereinigung.

1825.  Burghard  Freiherr  Schorlemer-Alst,  ultramontaner
Politiker,  zu  Heringhausen  bei  Lippstadt  geboren.

1839.  Schluss  der  letzten  deutschen  Meistersinger-Schule
zu  Ulm.

1860.  Zusammenkunft  des  Prinzregenten  von  Preussen  mit  den
Kaisern  von  Russland  und  Oesterreich  zu  Warschau,
wegen  der  italienischen  Angelegenheiten.

Volksabstimmung  in  Neapel  und  Sizilien  über  den  Anschluss
  an  Sardinien.

1866.  Friedensschluss  zwischen  Preussen  und  Sachsen.

Letzteres  muss  den  nordeutschen  Bunde  beitreten:  sein  ganzes
Militärwesen  kommt  unter  die  Leitung  und  den  Oberbefehl  des  Königs
von  Preussen.

1870.  Heftiger  Ausfall  der  Franzosen  aus  Paris  von  der  Garde-Landwehr
  zurückgeworfen.
General  von  Wittich  besetzt  Chartres.

1872.  Schiedsspruch  des  deutschen  Kaisers  über  die  Auslegung
  des  Vertrags  vom  15.  Juni  1846,  betr.  die  Wassergrenze
zwischen  Grossbritannien  und  den  Vereinigten  Staaten  (die  sogenannte
  San-Juan-Frage).

Festsetzung  der  Grenzlinie  des  Haro-Kanals.

1878.  Erlass  des  Gesetzes  gegen  die  Sozialdemokratie
(Sozialistengesetz).

1885.  Die  Braunschweigische  Landesversammlung  wählt
den  Prinzen  Albrecht  von  Preussen,  Neffen  des  Kaisers,  zum
Regenten.  -

1887.  Verbot  von  Anarchistenversammlungen  in  der  Schweiz.
1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  trifft  in  Potsdam  ein.

Bei  einer  Eisenbahnkatastrophe  in  Italien  werden
100  Menschen  getötet.
        <pb n="561" />
        —  51  —

22.  Oktober.

a

1678.  Kapitulation  von  Stralsund  an  die  Brandenburger.

1756.  Feldmarschall  von  Schwerin  schägt  die  österreichische  Avantgarde
  bei  Skalitz,  im  7jährigen  Kriege.

1792.  Der  französische  General  Custine,  durch  die  schnellen  Erfolge
  in  Mainz  ermutigt,  wendet  sich  nach  Frankfurt  a.  M.,
welches  er  einnimmt.

Auch  hier,  wie  in  allen  eroberten  Städten  und  Ländern,  verkündeten
die  Franzosen  Freiheit  und  Gleichheit;  da  indessen  diese  Güter  mehr  in
starken  Erpressungen  und  Brandschatzungen  der  Eroberer  bestanden,  so
fanden  die  Frankfurter  wenig  Geschmack  daran,  und  waren  froh,  als  sie
zu  Anfang  Dezember  durch  die  Preussen  und  Hessen  von  ihnen  befreit
wurden.

1798.  Jodocus  Donatus  Hubertus  Temme,  Rechtsgelehrter
und  Romanschriftsteller,  zu  Lette  in  Westfalen  geboren.

1802.  Einrichtung  des  Schutzpocken-Instituts  zu  Berlin.

1811.  Franz  von  Liszt,  Pianist  und  Komponist,  zu  Raidina  bei
Oldenburg  geboren.

1813.  Dänemark  erklärt  Preussen  und  Russland  den  Krieg.

An  demselben  Tage  wird  der  König  von  Sachsen  gefangen
  nach-Berlin  gebracht.

1815.  400jährige  Jubelfeier  der  Regierung  des  Hohenzollern-Hauses
  in  Berlin.

1848.  Der  österreichische  Reichstag  wird,  anstatt  wieder
nach  Wien,  nach  dem  mährischen  Städtchen  Kremsier  berufen.

In  Schleswig-Holstein  tritt  eine  „gemeinsame“  Reierung
  unter  dem  Vorsitz  des  Grafen  Ih.  Reventlow-Jersbeck
an  die  Stelle  der  „provisorischen“.

1859.  Ludwig  -Spohr,  berühmter  Komponist,  stirbt  zu  Kassel.

Er  erwarb  sich  grosse  Verdienste  um  die  Hebung  des  Orchesters
wie  des  Gesanges  in  Kassel,  wo  er  seit  1847  Generalmusikdirektor  war.
Er  schrieb  8  Opern,  5  Oratorien,  9  Symphonien,  43  Quartette,  5  Quintette,
5  Doppelquartette,  15  Violinkonzerte  und  zahlreiche  Lieder.

1861.  Einzug  König  Wilhelms  I.  und  der  Königin  Augusta
nach  der  Krönung  zu  Königsberg  in  Berlin,
        <pb n="562" />
        —  552  —

1859.  Kaiserin  Augusta  Viktoria  geboren.
Sie  ist  seit  2.  Juni  1880  mit  Kaiser  Wilhelm  II.  vermählt.

1863.  Jubelfeier  der  Gründung  des  Magdeburger  Doms.

1867.  Die  bayerische  zweite  Kammer  genehmigt  den  Zollvereinsvertrag
  mit  dem  norddeutschen  Bund  vom  9.  Juli  1867.

Einfall  Garibaldi’s  in  den  Kirchenstaat.  Aufstands-Versuch
  in  Rom.

1870.  General  von  Werder  schlägt  die  Franzosen  unter  Combriels
bei  Etus  und  Riez  unweit  Basel,  worauf  sich  dieser  nach
Besancon  zurückziehen  muss.  Die  offizielle  Depesche  meldete
hierüber:

„Versailles,  den  25.  Oktober  1870.  General  von  Werder  warf  den
22.  die  aus  2  Divisionen  bestehende  sogenannte  Ost-Armee  unter  General
Cambriels,  welche  sich  bei  Riez  und  Eitus  stellte,  in  hitzigem  Gefechte
über  den  Oignon  und  aus  Auxor-Dessus  gegen  Besancon  zurück.  Diesseits
  im  Gefechte:  Brigade  Degenfeld,  Truppen  der  Brigade  Prinz
Wilhelm  und  Keller,  und  2  Bataillone  Regiments  Nro  30.  Unser  Verlust

3  Offiziere,  etwa  hundert  Mann.  Der  Feind  hatte  bedeutendere  Verluste,

dabei  2  Stabsoffiziere,  13  Offiziere,  180  Mann  Gefangene  und  zog  sich
in  grösster  Unordnung  zurück.“

1888.  König  Karlvon  Württemberg  wird  bei  seinem  Eintreffen
in  Nizza  von  dem  Janhagel  insultiert.

23.  Oktober.  .

1385.  Bulle  Urbans  VI.,  auf  Grund  deren  1386  die  Universität
Heidelberg  durch  Kurfürst  Ruprecht  I.  von  der  Pfalz
gestiftet  wird.

1520.  Karl  V.  wird  in  Aachen  gekrönt.

1642.  Torstenson  besiegt  die  Kaiserlichen  bei  Breitenfeld
in  der  Nähe  von  Leipzig.

1702.  Die  Verbündeten  unter  Marlborough  erstürmen  Lüttich.

1803.  Gustav  Albert  Lortzing,  bekannter  Komponist,  zu  Berlin
geboren.  |

Er  starb  am  21.  Januar  1851,
        <pb n="563" />
        —  5593  —

1813.  Friedrich  Wilhelm  Ludwig  Leichhardt  zu  Trebatsch
bei  Breskow  geboren.

Er  erforschte  die  Küsten  und  das  Jnnere  Australiens,  kehrte
aber  von  der  dritten  Reise  nicht  zurück.

1848.  Erster  Angriff  des  Fürsten  Windischgrätz  auf
Wien  nach  voraufgegangener  Proklamation  an  die  Stadt,  sich
unbedingt  dem  Kaiser  zu  unterwerfen.

Eröffnung  des  Kongresses  deutscher  Bischöfe  in
Würzburg.

1857.  Prinz  Wilhelm  von  Preussen  wird  zunächst  auf  drei
Monate  Stellvertreter  des  erkrankten  Königs  Friedrich  Wilhelm  [V.

1864.  Der  Landtag  von  Lauenburg  erklärt  sich  für  den
Anschluss  an  Preussen.

1866.  Der  preussische  Staatsanzeiger  veröffentlicht  das  Wahlgesetz
für  den  Reichstag  des  norddeutschen  Bundes  und  die
Bündnisverträge.

1870.  Ein  württembergisches  Detachement  unter  Oberstlicutenant
  von  Schröder  entwaffnet  in  Montereau  300  Nationalgarden
  und  nimmt  1  Geschütz  und  1  Mitrailleuse.

1874.  Abraham  Geiger,  einer  der  bedeutendsten  jüdischen
Theologen  und  Gelehrten  der  Neuzeit,  stirbt  zu  Berlin.

In  seinen  zahlreichen  Schriften  vertritt  er  einen  freisinnig-religiösen
Standpunkt.

1877.  Abbruch  der  Verhandlungen  über  den  deutschösterr.
  Handelsvertrag.
        <pb n="564" />
        —  554  —

24.  Oktober.

1273.  Rudolf  von  Habsburg  wird  zu  Aachen  zum  deutschen
König  gekrönt.

1579.  Albrecht  V.,  Herzog  von  Bayern,  stirbt.

Er  war  ein  eifriger  Förderer  der  Künste  und  Wissenschaften  und
der  Herrschaft  des  Katholieismus  in  Bavern.

1596.  Sieg  der  Türken  über  die  Ungarn  bei  Keresstes.

1648.  Der  „westfälische  Frieden“  kommt  zum  Abschluss
und  wird  unterzeichnet.  —  Ende  des  30jährigen  Kriegs.

Kraft  dieses  Friedens  erhielt  die  Krone  Schweden  Vorpommern
und  Rügen,  einen  Teil  von  Hinterpommern,  Wismar  und  die  Bistümer
Bremen  und  Verden  als  weltliche  Herzogtümer,  jedoch  unter  der  Hoheit
des  deutschen  Reiches.  Durch  diesen  Ländererwerb  wurde  Schweden
ein  deutscher  Reichsstand.  Ausserdem  wurden  Schweden  fünf  Millionen
Thaler  als  Entschädigung  für  die  Kriegskosten  zuerkannt.

Frankreich,  welches  nach  dem  Tode  Ricbelieu’s  Kardinal  Mazarin
leitete,  hatte  nach  den  übermütigsten  und  eigennützigsten  Forderungen  und
Intriguen  für  sich  weit  mehr,  als  das  ganz  anders  berechtigte  Schweden,
herausgeschlageü.  Frankreich  erhielt  die  volle  Hoheit  über  die  Bistümer
und  Städte  Metz,  Toul  und  Verdun,  welche  es  schon  seit  dem  schmalkaldischen
  Krieg  in  seinem  Besitz  hatte,  den  österreichischen  Teil  des
Elsasses,  den  Sundgau,  die  Landvogtei  über  die  zehn  elsässischen  Reichsstädte
  und  die  Grundherrlichkeit  über  zweiundvierzig  elsässische  dazu
gehörige  Dörfer,  die  Festung  Breisach  nehst  ihrem  Zugehör,  mit  der

andeshoheit  darüber  „auf  ewig.“

1691.  Einnahme  von  Grosswardein.

1793.  Karl  Eugen,  Herzog  von  Württemberg,  stirbt  auf  dem
Lustschloss  Hohenheim.

Bekannt  als  Verfolger  von  J.  J.  Moser  und  des  Dichters  Schubart,
führte  er  durch  Prachtliebe,  Verschwendung  und  Genusssucht  das  Land
zum  sittlichen  und  finanziellen  Ruin;  —  doch  bat  er  sich  auch  grosse  Verdienste
  um  die  Förderung  von  Wein-  und  Strassenbau  erworben.

1795.  Dritte  Teilung  Polens  im  Teilungsvertrag  von
Petersburg.

1796.  August  Graf  von  Platen-Hallermünde,  ein  deutscher

Dichter,  zu  Ansbach  geboren,  gerade  in  dem  Jahre,  da  Ansbach’s
Dichter  Uz  starb.

An  demselben  Tage:  Gefecht  bei  Zehlingen.  Eızherzog
  Karl  schlägt  den  französischen  General  Moreau.
        <pb n="565" />
        —  555  —

1806.  Das  französische  Heer  besetzt,  zehn  Tage  nach  der  Schlacht
bei  Jena  und  Auerstädt,  Berlin,  die  Hauptstadt  der
preussischen  Monarchie.

Die  Demor  alisation  der  Berliner  hatte  einen  unglaublichen
Grad  erreicht  :  Eine  Menge  Leute  zeigten  den  Franzosen  alle  etwa  noch
versteckten  öffentlichen  Gelder  und  Vorräte  an.  Einem,  der  einen  grossen
Holzvorrat  entdeckt  hatte,  antwortete  der  französische  General:  „Lasst
das  Holz  liegen,  euer  König  muss  etwas  übrig  behalten,
um  die  Schurken  daran  zu  hängen,  die  ihn  verraten!“

An  demselben  Tage  fiel  die  nur  drei  Stunden  von  Berlin
entfernte  Citadelle  von  Spandau  in  die  Hände  der
Franzosen.

Die  Besatzung,  1200  Mann  stark,  verteidigte  die  Festung  nicht
und  gab  sich  auf  die  erste  Aufforderung  kriegsgefangen.  KeinFlintenschuss
  geschah!

1808.  Aufhebung  der  Zunft  in  Preussen.

1811.  Ferdinand  Hiller,  Komponist  und  Pianist,  zu  Frankfurt
a.  M.  geboren.

Seine  ÖOratorien,  Opern,  Lieder  und  Kompositionen  u.  s.  w.  sind
bekannt.  Auch  als  musikalischer  Schriftsteller  und  Kritiker  ist  er  bedeutend.


1812.  Die  Russen  bereiten  den  aus  Russland  fiehenden  Franzosen

bei  Malo  Jaroslawetz  eine  gründliche  Niederlage.

1813.  Siegesdankfest  in  Berlin.

Der  russische  General  Tschernitscheff  überfällt  das  von  den
Franzosen  besetzte  Gotha,  hebt  den  französischen  Gesandten
und  einen  Artilleriepark  auf  und  macht  die  Besatzung  zu
Gefangenen.

1844.  Frankreich  schliesst,  als  Schutzmacht  der  Christen
in  China  auftretend,  mit  diesem  einen  Handelsvertrag  ab,
in  welchem  sowohl  die  Straflosigkeit  der  zum  Christentum  übersetretenen
  Chinesen,  als  auch  überhaupt  Duldung  des  Uhristentums
  und  Gestattung  der  Erbauung  von  Kirchen  ausbedungen
wird.

1856.  Der  englische  Admiral  Seymour  bombardiert  Kanton,  wodurch
  die  chinesischen  Regierungsgebäude  zerstört  und  entsetzliche
  Verwüstungen  angerichtet  werden.

Am  27.  und  29.  Oktober  wiederholte  Seymour  das  Bombardement.

1860.  Friede  zu  Pecking,  in  welchem  sich  die  chinesische
Regierung,  durch  die  Engländer  und  Franzosen  dazu  gedrängt,
zu  einer  doppelten  Kriegsentschädigung  und  der  Eröffnung
Tientsins  für  den  europäischen  Handel  verstand.  |

1866.  Uebergabe  des  Königsteins  in  Sachsen  an  die  preussische

Garnison.  .
1870.  Die  Festung  Schlettstadt  kapituliert.

Es  wurden  2400  Gefangene  gemacht  und  120  Geschütze  genommen.

1871.  Baden  hebt  alle  seine  Gesandschaftsposten  auf.
        <pb n="566" />
        —  556  —

1886.  Graf  Beust,  ehemalig  österreichischer  Reichskanzler  und  Botschafter
  und  ein  neiderfüllter  Feind  Deutschlands,  stirbt.

1888.  Der  Papst  spricht  sich  in  herausfordernder  Weise  über
Italien  aus.
Der  Metropolit  von  Serbien  erklärt  die  Ehe  des  serbischen
Königspaares  für  gelöst.

Verbrecherisches  Attentat  gegen  den  Zaren-Bahnzug,
  bei  Borki,  bei  dem  21  Personen  den  Tod  finden.

 

35.  Oktober.

N  U  i

1555.  Der  tiefsinnig  gewordene  Kaiser  Karl  V.  legt  die  Regierung
seiner  vielen  Reiche  nieder  und  übergiebt  seinem  Sohne  Philipp  II.
die  Regierung  der  Niederlande,  ein  Jahr  später  noch  die  Kronen
von  Spanien,  Neapel,  Westindien  und  seinem  Bruder  Ferdinandl.
die  deutsche  Kaiserkrone.

1679.  Allianzvertrag  zwischen  Ludwig  XIV.  und  dem  Grossen
Kurfürsten.

1805.  Traktat  zu  Schwerin  zwischen  Preussen  und  Russland,
den  Durchmarsch  der  russ.  Truppen  unter  Tolstoi  betreffend.

1806.  Napoleon  I.  in  Potsdam  am  Sarge  Friedrichs  des

Grossen.

An  der  Spitze  seines  Generalstabs  und  in  grosser  Uniform  betrat
er  —  alle  mit  entblössten  Häuptern  —  das  Grabgewölbe  Friedrichs  des
Grossen.

Die  Franzosen  berauben  die  Gruft  Friedrichs  des

Grossen.
Friedrichs  Degen  nahm  Napoleon  an  sich  und  liess  in  das  Armeebulletin
  rücken:
„Dieser  Degen  ist  mir  lieber  als  20  Millionen.“
1816.  Johann  Georg  Fischer,  schwäbischer  Dichter,  zu  Gross-Süssen
  im  württemb.  Filsthal  geboren.

1817.  Lothar  Bucher,  preussischer  Staatsmann,  zu  Neustettin

geboren.

„Bismarks  rechte  Hand“,  hat  er  an  diplomatischen  Verhandlungen
der  letzten  Zeit  teilgenommen.

1825.  Johann  Strauss,  berühmter  Walzerkomponist,  zu  Wien
geboren.
        <pb n="567" />
        _  557  —

1853.  Enthüllung  des  Kopernikus-Denkmals  in  Thorn.
1858.  Der  preuss.  Landtag  erkennt  die  Notwendigkeit  der
Regentschaft  einstimmig  an.

1867.  Norddeutsches  Bundesgesetz  betr.  die  Nationalität  der

Kauffahrteischiffe  und  ihre  Befugnis  zur  Führung  der
Bundesflagge.

1870.  Ein  württembergisches  Bataillon  erstürmt  Nogent  nach
heftigem  Strassenkampf.

Es  wurden  bei  dieser  Gelegenheit  5  Offiziere,  297  Mobilgarden  unverwundet
  gefangen;  ausserdem  in  Montereau  300  Nationalgarden  entwaffnet.
  Diesseitiger  Verlust:  1  Fähnrich,  9  Mann  tot,  1  Stabsoffhizier,
1  Lieutenant,  40  Mann  verwundet.

Marschall  Bazaine  eröffnete  die  Kapitulationsverhandlungen
  mit  dem  Prinzen  Friedrich  Karl  von
Preussen.

General  von  Schmexliing  zieht  in  Schlettstadt  ein.
Die  Preussen  besetzen  Dreux.
1876.  Einweihung  des  neuen  Universitäisgebäudes  zu

Kiel.

1878.  Der  Böttchergeselle  Moncasie  schiesst  beim  Einzug  des  Königs
Alfons  XII.  in  Madrid  auf  denselben,  ohne  ihn  jedoch  zu

treffen.

1885.  Allgemeiner  deutscher  Schriftstellertag  in
Berlin.

1888.  Das  Verkaufsverbot  des  Mackenzie’schen  Buches
wird  aufgehoben.  |
        <pb n="568" />
        —  558  —

26.  Oktober.

1075.  Die  Sachsenfürsten  unterwerfen  sich  dem  Kaiser
Heinrich  IV.  auf  der  Ebene  von  Spiar.

1530.  Malta  wird  von  den  Johannitern  besetzt.
1576.  Friedrich  III.,  der  Fromme,  Kurfürst  von  der  Pfalz,  stirbt.

Er  war  ein  eifriger  Anhänger  der  Reformation.  Für  seine  Universität
  Heidelberg  und  das  gesamte  Urterrichtswesen  seines  Landes
war  er  unablässig  bemüht.

1684.  Kurt  Christoph  Graf  von  Schwerin,  preuss.  Generalfeldmarschall,
  geboren.

Er  fiel  am  6.  Mai  1757  beim  Sturm  auf  die  österreichischen  Stellungen
vor  Prag.

1742.  Einnahme  Prags  durch  die  Franzosen  und  Bayern
im  österreich.  Erbfolgekrieg.

1744.  Treffen  bei  Kammerburg.  -

General  Graf  Nassau  schlägt  die  Oesterreicher.

1757.  Heinrich  Friedrich  Karl  Reichsfreiherr  von  und
zum  Stein,  preuss.  Staatsmann,  auf  der  Burg  zum  Stein  bei
Nassau  an  der  Lahn  geboren.

1796.  Rückzug  Moreaus  über  den  Rhein.

1800.  Hellmuth  Karl  Bernhard  Graf  von  Moltke,  preuss.
Generalfeldmarschall,  der  grösste  Strategiker  unserer  Zeit  und
Bewältiger  der  Oesterreicher  (1866)  und  Franzosen  (1870),  auf
dem  Gute  Gnewitz  bei  Parchim  ın  Mecklenburg  geboren.

1805.  Heinrich  Simon,  Rechtsgelehrter  und  Politiker,  zu  Breslau
geboren.

An  der  Spitze  einer  Breslauer  Deputation  hat  er  1S48  Friedrich
Wilhelm  die  harten  Worte  zugerufen:  „Ihr  Volk  wird  Ihnen  vielleicht
verzeihen!“  —  Von  Magdeburg  in  die  Nationalversammlung  zu  Frankfurt
  a.  M.  gewählt,  gehörte  er  zu  den  schneidigsten  Rednern  der  Linken.  —
Er  ertrank  am  1.  August  1860  beim  Baden  im  Wallensee.

1807.  Aufhebung  der  Erbunterthänigkeit  auf  allen  preuss.

Domänen.

1813.  König  Jeröme  lässt  durch  Ministerialerlass  verkündigen,
dass  er  durch  Umstände  sich  genötigt  sehe,  einstweilen  \WVestfalen
  zu  verlassen.

General  York  schlägt  die  Franzosen  am  Hörselberg
und  erstürmt  Eisenach.
        <pb n="569" />
        —  559  —

1818.  Ludwig  Häusser,  bedeutender  Geschichtsschreiber,  zu
Kleeburg  im  Elsass  geboren.

Er  starb,  erst  48  Jahre  alt,  am  19.  März  1867.

1858.  Der  Prinzregent  von  Preussen  legt  den  Eid  auf  die
Verfassung  ab.

1867.  Garibaldi  erstürmt  Monterotondo.

Napoleon  III.  giebt  Befehl,  Truppen  nach  dem  Kirchenstaat
  einzuschiffen.

1859.  Entlassung  des  preussischen  Finanzministers  v.  d.  Heydt.
Sein  Nachfolger  war  Otto  Camphausen.

1872.  Ottilie  von  Göthe,  Witwe  des  einzigen  Sohnes  des
Dichters,  stirbt.

1875.  Enthüllung  des  Stein-Denkmals  zu  Berlin.
1887.  Hochpolitische  Rede  Crispi’s  zu  Turin.

1888.  König  Milan  von  Serbien  betont  in  einer  Proklamation
an  sein  Volk  die  Notwendigkeit  einer  Verfassungs-Revision.

1890.  Der  englische  Admiral  Freemantle  lässt  mehrere  Küstendörfer
  des  Sultans  von  Witu  in  Ostafrika  niederbrennen,  da
derselbe  sich  weigert,  die  an  der  Ermordung  der  Deutschen
schuldigen  Personen  auszuliefern.

Grossartige  Feier  des  90.  Geburtstages  des  Feldmarschall
Moltke  in  Berlin  und  allen  Teilen  Deutschlands.

Wohl  noch  kein  Sterblicher  ist  bei  seiner  Geburtstagfeier  in
gleicher  Weise  und  glänzender  geehrt  worden,  als  Feldmarschall  Moltke
am  heutigen  Tage.  |

Insbesondere  liess  es  sich  Kaiser  Wilhelm  II.  angelegen  sein,  den
Jubilar  zu  ehren,  aber  auch  die  Herrscher  der  Nachbarstaaten  blieben
nicht  zurück,  durch  Glückwunschtelegramme  und  reiche  Geschenke  dem
„grossen  Schlachtenlenker“  ihre  Verehrung  zu  bekunden.

Viele  deutsche  Städte  haben  sich  zu  einer  Moltke-Stiftung
vereinigt,  und  aus  allen  Teilen  Deutschlands  gelangten  Adressen  und
Telegramme  an  den  gefeierten  greisen  Feldherr.
        <pb n="570" />
        —  560  —

97.  Oktober.

ey

1439.  Kaiser  Albrecht  II.  stirbt,  erst  42  Jahre  alt,  auf  der  Reise
an  einem  Ruhranfall.
Ihm  folgte  Friedrich  Ill.

1553.  Michael  Servet,  der  philosoph.  Antitrinitarier  der  Reformationszeit,
  wird  in  Genf  auf  Andringen  Calvins  zum  Feuertode
verurteilt  und  als  Ketzer  verbrannt.

1674.  Einnahme  von  Grave  durch  die  Brandenburger  und
Holländer.

1683.  Erstürmung  des  Schlosses  Gran  durch  die  Brandenburger
unter  General  Truchsess.

1758.  General  v.  Wobeser  schlägt  die  Russen  bei  Greiffenberg.


1760.  August  Graf  Neithart  von  Gneisenau,  der  Moltke
der  Freiheitskriege,  zu  Schildas  bei  Torgau  geboren.

Er  war  der  Sohn  eines  österreichischen  Offiziers,  der  später  nach
Erfurt  übersiedelte;  ein  feingebildeter  und  geistvoller  Kriegskenner,
unerschöpflich  an  fruchtbaren  Gedanken,  eben  so  tüchtig  im  Felde  wie
im  Rate.

1806.  Napoleon  ].  hält  als  Sieger  von  Jena  und  Auerstädt  seinen
Einzug  in  Berlin.

„Ruhe  ist  die  erste  Bürgerpflicht*  hatten  die  Behörden  vorher
publizieren  lassen,  und  nach  allen  Vorbereitungen  war  es  natürlich,  dass
Napoleon  bei  seinem  Einritt  in  Berlin  nicht,  wie  später  in  Wien,  mit
grollenden  Augen  und  stummer  Wut,  sondern  mit  lautem  Jubelgeschrei
  von  den  Berlinern  empfangen  wurde.  Napoleon
selbst  war  hierüber  so  erstaunt,  dass  er  äusserte:  „Ich  weiss  nicht,
ob  ich  mich  freuen  oder  schämen  soll.“

General  Tauentzien  erstürmt  Boitzenburg.

1810.  Der  König  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen  hebt
auf  Hardenbergs  Antrag  alle  Steuerbefreiungen  auf  und
verordnet  „zum  grossen  Missvergnügen  der  Junker  eine  gleichmässige
  Grundsteuer“,  schafft  sodann  die  noch  bestehenden
feudalen  Pflichten  der  Bauern  gegen  die  Gutsherrschaft  ab  und
verkündet  Gewerbefreiheit.

1833.  Robert  von  Schlagintweit,  berühmter  Reisender,  in
München  geboren.
        <pb n="571" />
        —  561  —

1870.  Kapitulation  von  Metz.

Die  offiziellen  Depeschen  sagen  hierrüber:

Der  Königin  Augusta  in  Homburg.

Den  27.  Oktober.  Diesen  Morgen  hat  die  Armee  Bazaine  und
Festung  Metz  kapituliert.  150000  Gefangene  inkl.  20  000  Blessierte  und
Kranke.  Heute  Nachmittag  wird  die  Armee  und  Garnison  das  Gewehr

strecken.
Das  ist  eines  der  wichtigsten  Ereignisse  in  diesem  Monat.  Dank
der  Vorsehung.  Wilhelm.

Versailles,  den  28.  Oktober.
Gestern  Abend  ist  die  Kapitulation  unterzeichnet,  und  das  Viktoriaschiessen
  direkt  in  Berlin  befohlen.  Am  29.,  also  nicht  am  27..  werden
die  Stadt  und  die  Forts  besetzt.  —  Gefangen  sind  173000  Mann,  3
Marschälle,  über  6000  Offiziere.  Wilhelm.

Der  Königin  Augusta,  Homburg.

29.  Oktober.  Das  grosse  Ereignis,  dass  nun  die  beiden  feindlichen
Armeen,  welche  im  Juli  uns  gegenüber  traten,  in  Gefangenschaft  sich
befinden,  veranlasste  Mich,  die  beiden  Kommandierenden  Unserer  Armee,
Fritz  und  Friedrich  Carl,  gestern  zu  Feldmarschällen  zu  ernennen.  Der
erste  Fall  der  Art  in  Unserem  Hause.  Wilhelm.

u  Versailles,  den  31.  Oktober.
Prinz  Friedrich  Carl  meldet,  dass  bei  Metz  53  Adler  mit  Fahnen
abgeliefert  worden  sind.
Truppenteile  des  deutschen  14.  Armeekorps  bestehen  ein

siegreiches  Gefecht  bei  Gray.
1887.  Centenarfeier  von  Mozart’s  „Don  Juan“.

1888.  Kaiser  Wilhelm  II.  hält  der  ihn  zu  seiner  glücklichen
Heimkehr  beglückwünschenden  Stadtratsdeputation  eine  „Standrede“.


1889.  Vermählung  der  Prinzessin  Sophie  von  Preussen,  Schwester

des  Kaiser  Wilhelm  II.,  mit  dem  griechischen  Kronprinzen
in  Athen,  welcher  der  kaiserliche  Bruder  beiwohnt.

1890.  Der  ehemalige  Bulgarenfürst  Prinz  Alexandervon  Battenberg,
  der  unter  dem  Namen  eines  Grafen  von  Hartenau
nach  Oesterreich  übergesiedelt  ist  und  dort  das  eingezogene
Leben  eines  Privatmannes  führte,  ist  von  Kaiser  Franz  Joseph
zum  zweiten  Oberst  des  Infanterie-Regiments  „König  der  Belgier“
ernannt  worden  und  in  den  aktiven  Dienst  der  österreichischen

Armee  getreten.

 

 

36
        <pb n="572" />
        —  562  —

28.  Oktober.

1017.  Heinrich  III.,  der  Schwarze,  deutscher  Kaiser,  zu  Osterbeck
in  Geldern  geboren.

1056.  Feierliche  Beisetzung  der  Leiche  Heinrichs  Ill.  im  Dom  zu
Speier,  neben  seinen  Eltern  Konrad  und  Gesela.

1414.  Papt  Johann  XXII.  hält  seinen  feierlichen  Einzug
zu  Konstanz.

Einige  Tage  später  erschien  auch  Johann  Huss  mit  drei  Begleitern,
  während  Kaiser  Sigismund  erst  an  Weihnachten  des  nämlichen
Jahres  zur  Kirchenversammlung  eintraf.

1467  (nach  andern  1469).  Desiderius  Erasmus,  Humanist,  zu
Rotterdam  geboren.

1485.  Rudolf  Agricola,  Humanist,  stirbt.

1696.  Moritz  Graf  von  Sachsen,  franz.  Marschall,  zu  Goslar
geboren.

Er  war  ein  natürlicher  Sohn  des  Kurfürsten  August  III.  von  Sachsen
und  der  Gräfin  Aurora  von  Königsmark  und  hätte,  wenn  alle  am  Leben
geblieben  wären,  351  Geschwister  zählen  können,  denn  August  „der  Starke“
konnte  sich  dieser  Anzahl  Kinder  in  der  That  rühmen.

1754.  Der  Dichter  Friedrich  von  Hagedorn,  der  im  Geiste

des  Horaz  liebliche  Lieder  der  Geselligkeit  und  der  Lebensfreude
dichtete,  stirbt  in  seinem  47.  Jahre  zu  Homburg.

1768.  Johannes  Daniel  Falk,  Schriftsteller  und  Gründer  einer

Rettungsanstalt  für  verwahrloste  Kinder,  zu  Danzig  geboren.
Er  starb  am  14.  Februar  1826.

1806.  Der  bei  Jena  geschlagene  preussische  General,  Fürst  von
Hohenlohe,  ergiebt  sich  bei  Prenzlau  mit  seinen  Truppen
(17  000  Preussen)  ganz  ohne  Not,  aber  in  der  Einbildung,  alles
sei  verloren  an  die  Franzosen  unter  Murat.

1813.  Kassel  wird  durch  General  von  Woronzow  besetzt.

1820.  Königlich  preussisches  Edikt,  die  Aufhebung  der  Zwangsund
  Bannrechte  betr.

1848.  Bombardement  von  Wien.  Einnahme  der  Leopoldstadt
durch  Windischgrätz.

1862.  Gründung  eines  grossdeutschen  Reformvereins  zu
Frankfurt  a.  M.
        <pb n="573" />
        —  9635  —

1870.  Ernennung  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm,  nachmaligen
  Kaisers  Friedrich,  und  des  Prinzen  Friedrich  Karl
zu  Generalfeldmarschällen.

1870.  Antwort  Bismarck’s  auf  die  englische  Depesche  betr.  die
französische  Wahl  einer  Konstituante  vom  20.  Oktober  1870.

Die  Franzosen  erobern  bei  einem  Ausfall  aus  Paris  das
nördlich  gelegene,  schwach  besetzte  Dorf  Le  Bourget.

Die  deutschen  Truppen  nehmen  von  der  Festung  Metz
Besitz.

3  Marschälle  (Bazaine,  Canrobert,  Leboeuf),  6000  Offiziere,  etwa
173  000  Mann  kamen  in  Kriegsgefangenschaft,  56  Adler  und  Fahnen,
622  Feldgeschütze,  72  Mitraillceusen,  876  Festungsgeschütze,  137000  Chassepots,
  123  000  andere  Gewehre  und  sonstige  Kriegsvorräte  wurden  erbeutet.

1871.  Unterzeichnung  des  Gotthardbahn-Vertrags  zu  Berlin.
Reichspostgesetz  publiziert.
1886.  Die  französische  Volksvertretung  beschliesst  das  neue

Schulgesetz,  wonach  der  Unterricht  in  den  Volksschulen  nur
von  Laien  erteilt  werden  soll.

1887.  Eine  Explosion  in  einem  Tunnel  bei  Langerfeld,  Reg.-Bez.
Arnsberg,  kostet  15  Personen  das  Leben.

1888.  Der  Papst  betont  die  Notwendigkeit  eines  guten  Einvernehmens
  zwischen  dem  Vatikan  und  Frankreich.
Ein  neues  Attentat  auf  das  Leben  des  Zaren  wird  rechtzeitig
  vereitelt.

1890.  König  Leopold  II.  von  Belgien  kommt  nach  Potsdam
als  Gast  des  Kaisers  Wilhelm  II.  und  wird  aufs  feierlichste
empfangen.
        <pb n="574" />
        —  564  —

29.  Oktober.

1189.  Heinrich  der  Löwe  erstürmt  Bardewiek.

1268.  Konradin  von  Schwaben,  der  letzte  Staufe,  wird  mit
seinem  Freunde  Friedrich,  auf  Befehl  des  Karl  von  Anjou,  zu
Neapel  enthauptet.

1516.  „Ewiger  Friede  zu  Freiburg“  zwischen  Frankreich  und
der  Schweiz.

1685.  Der  grosse  Kurfürst  ladet  die  verfolgten  Hugenotten
in  sein  Land.

1706.  Sieg  August  des  Starken  von  Polen  über  den  schwed.
General  Mardefeld.

1758.  Graf  Dohna  vertreibt  die  Russen  von  der  Belagerung  von
Kolberg.

1759.  Die  Generale  von  Wunsch  und  von  Rebentisch  schlagen
die  Osterreicher  und  Reichstruppen  bei  Pretsch  und  Dommitsch.
1762.  Schlacht  bei  Freiberg.

Prinz  Heinrich  von  Preussen  schlägt  die  Oesterreicher  unter
Haddick  und  die  Reichstruppen  unter  dem  Prinzen  Stolberg.

1790.  Friedrich  Adolf  Wilhelm  Diesterweg,  berühmter
Pädagog,  und  einer  der  Hauptförderer  des  neueren  deutschen
Volksschulwesens,  zu  Siegen  geboren.

1795.  Der  österreichische  General  Ulairfait  erstürmt  die  von  den
Franzosen  zwischen  Laubenheim  und  Mombach  bei  Mainz  stark
befestigten  Verschanzungen,  wobei  die  Oesterreicher  eine  solche
heldenmütige  Tapferkeit  entwickeln,  dass  den  Franzosen  eine
allgemeine  Niederlage  bereitet  wird.

Mainz  war  nun  gänzlich  entsetzt  und  die  Franzosen  wichen  in
Unordnung  bis  an  die  Mosel  zurück.

1806.  Schmachvolle  Uebergabe  der  Festung  Stettin  an  die  Franzosen

durch  den  alten  General  von  Romberg.

1831.  Leopold  Sonnemann,  Kaufmann  und  Parlamentarier,  zu
Höchberg  bei  Würzburg  geboren.  ”

1836.  Vereiteltes  Attentat  Louis  Napoleons  auf  die  Regierung
Louis  Philipps  in  Strassburg.

1848.  Heftiger  Kampf  um  Wien.

1851.  Gründung  der  ersten  protestantischen  Kirche  in  Italien,
zu  Turin.
        <pb n="575" />
        —  565  —

1860.  Dekret  Garibaldis,  betr.  den  Bau  einer  evangelischen
Kirche  zu  Neapel.

1864.  Prinz  Karl  von  Preussen  wird  Gouverneur  von  Mainz.

1866.  Allokutionen  des  Papstes  Pius  IX.  über  die  Angelegenheiten

Roms  und  Italiens  und  über  die  kirchlichen  Verhältnisse  in
Russland.

1867.  Die  antillischen  Inseln  St.  Thomas  und  Tortola  werden
durch  einen  Organ  verheert.

1874.  Eine  kaiserliche  Verordnung  setzt  für  Elsass-Lothringen  einen
Landesausschuss  mit  beschränkter  beratender  Vollmacht  ein.

1876.  Excesse  in  Breslau  bei  Ueberweisung  der  Marienkirche
an  die  Altkatholiken.  |

1888.  Kaiser  Wilhelm  I.  nimmt  an  den  gelegentlich  des  Zollanschlusses
  Hamburgs  veranstalteten  Feierlichkeiten  Teil  und
besucht  alsdann  Bismarck  in  Friedrichsruh.

Bei  dem  ehemaligen  badischen  Staatsminister  von  Roggenbach
  findet  in  Verbindung  mit  der  Tagebuch-Affaire  eine  Haussuchung
  statt.

 

30.  Oktober.

526.  Theodorich,  König  der  Ostgoten,  ein  bedeutender  staatskluger

  Fürst  und  human  denkender  Herrscher,  stirbt  zu  Ravenna.

1611.  Regierungsantritt  Gustav  Adolfs  in  Schweden,

1656.  Vertrag  von  Labiau  zwischen  König  Karl  Gustav  von
Schweden  und  dem  Kurfürsten  von  Brandenburg.

1697.  Abschluss  des  Ryswicker  Friedens  zwischen  Frankreich,
dem  Kaiser  und  dem  Reich.

1704.  Die  Preussen  erstürmen  im  spanischen  Erbfolgekrieg  den
gedeckten  Weg  vor  Landau  (Pfalz).

1760.  General  von  der  Golz  entsetzt  Kosel.

1806.  Wilhelm  Hoffmann,  Theolog,  zu  Leonberg  in  Württemberg
  geboren.

Er  wurde  bei  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  eine  höchst  ein-Alussreiche
  Person  und  starb  am  28,  August  1873,
        <pb n="576" />
        —  566°  —

1813.  Schlacht  beı  Hanau.

Der  bayerische  General  Wrede  stellt  die  bei  Leipzig  geschlagene
französische  Armee  in  ihrem  Rückzuge  nach  dem  Rhein,  im  Verein  mit
den  Oesterreichern  unter  General  Fresnel  bei  Gelnhausen,  von
wo  aus  sich  die  Schlacht  vier  Tage  lang  bis  nach  Hanau  hinzieht,  woselbst
  am  30.  und  31.  Oktober  am  heftigsten  gekämpft  wurde;  zuerst
mit  den  Vortruppen,  dann  mit  Napoleon  und  seiner  Nachhut.  —  10  000
Gefangene,  unter  ihnen  fünf  Generale,  280  andere  Befehlshaber  und  zwei
Kanonen  waren  der  Gewinn.  Aber  wohlfeil  war  er  nicht  erkauft!  Der
Verlust  des  verbündeten  Heeres  betrug  an  Toten,  Verwundeten  und  Vermissten
  9063  Gemeine  und  174  Offiziere.  Der  Verlust  der  Franzosen  an
Toten  und  Verwundeten  wurde  auf  15000  Mann  angegeben.  —  Kaum
noch  70000  Mann  brachte  Napoleon  an  den  Rhein.

1816.  Friedrich  I,  Wilhelm  Karl,  König  von  Württemberg,
stirbt.
Als  treuer  Alliierter  Napoleons  I.  näherte  er  sich  erst  nach  der
Schlacht  bei  Leipzig  den  Verbündeten,  die  ihm  im  Vertrag  von  Fulda,  6.
November  1813,  Anerkennung  seiner  Unabhängigkeit  und  den  Besitz

seiner  sämtlichen  Lande  garantierten.  Ein  Verfassungsgesetz,  das  er
dem  Lande  aufzwingen  wollte,  verwarfen  die  Stände.

1817.  Union  der  evangelischen  Gemeinden  in  Berlin.

1834.  Der  deutsche  Bundestag  beschliesst  die  Einsetzung
eines  Schiedsgerichtes  (Bundesschiedsgerichts),  welches
Streitigkeiten  zwischen  den  deutschen  Regierungen  und  ihren
Ständen,  die  auf  konstitutionelem  Wege  nicht  zu  lösen  seien,
zu  schlichten  habe.

Ferner  wurden  die  ständischen  Rechte  neuerdings  beschränkt,  die
Beeidigung  des  Heeres  auf  die  Verfassung  verboten,  in  Betreff  der  Presse

und  der  Universitäten  die  früheren  strengen  Bundesbeschlüsse  erneuert,
zum  Teil  noch  verschärft.

1848.  Niederlage  der  Ungarn  bei  Schwechat  unweit  Wien.

1849.  250jährige  Jubelfeier  der  Vereinigung  der  Grafschaft
Ravensburg  mit  Preussen.

1863.  Prinz  Wilhelm  von  Dänemark  wird  als  Georg  I.  zum  König
von  Griechenland  gewählt.

1864.  Friedensschluss  zu  Wien.

Der  König  von  Dänemark  verzichtet  auf  alle  seine  Rechte  an  Schleswig,
  Holstein  und  Lauenburg  zu  Gunsten  des  Kaisers  von  Oesterreich
und  des  Königs  von  Preussen,  und  verpflichtete  sich,  die  weiteren  Verfügungen
  der  Verbündeten  über  das  Schicksal  der  Herzogtümer  anzuerkennen.


Dänemark  hatte  also  seine  Rechte  nicht  an  den  deutschen  Bund,
welchem  rechtlich  allein  die  Verfügung  über  die  Herzogtümer
  zustand,  abgetreten,  sondern  an  Preussen  und  Oesterreich.

1866.  Der  frühere  sächsische  Minister  Freiherr  von  Beust  wird
österreichischer  Minister  des  Auswärtigen.
        <pb n="577" />
        —  567  —

1870.  Die  preussischen  Garden  siegen  bei  Le  Bour  get  nach  heftigem
und  glänzendem  Gefecht.

30  Offiziere  und  1200  Gefangene  fielen  in  die  Hände  der  Sieger,

deren  Verlust  an  Toten  und  Verwundeten  sich  auf  34  Offiziere  und  449
Mann  bezifferte.

An  demselben  Tage  besetzen  badische  Tru  ppen  nach
heissem  Kampf  Dijon.

Prinz  Wilhelm  von  Baden  nahm  die  Höhen  von  St.  Apollinari  und
die  Vorstädte,  worauf  sich  die  Franzosen  zurückzogen.

Thiers  wegen  eines  Waffenstillstandesim  Hauptquart!'er
  zu  Versailles,

1888.  Unterzeichnungder  Suezkanal-Konventiondurchdie
betheiligten  Mächte.

Durch  einen  Brand  in  dem  kurhessischen  Städtchen  Hünfeld
  werden  über  400  Häuser  eingeäschert.

 

31.  Oktober.

1495.  Das  vom  Kaiser  Maximilian  I.  eingeführte  Reichskammergericht
  wird  in  Frankfurt  a.  Main  eröffnet.

1517.  Dr.  Martin  Luther  schlägt  an  die  Schlosskirchenthür  in
Wittenberg  seine  95  Sätze  wider  die  Ablass-Krämerei  an.

Der  Hauptinhalt  dieser  „Theses“  war,  dass  nur  wahre  Reue,  nicht
aber  Geld  die  Vergebung  der  Sünden  bewirken  könne,  und  dass  der
Papst  nicht  das  Recht  habe,  Gottes  Strafen  für  Geld  zu  erlassen.

1675.  Wolgast  ergiebt  sich  dem  grossen  Kurfürsten.

1687.  Der  Reicstag  zu  Pressburg  beschliesst  die  Aufhebung
des  Wahlkönigtums,  und  kennt  Ungarn  als  Erbreich  des  österreichischen
  Mannsstammes  an.  |  |

1705.  Papst  Clemens  XIV.  (1769—74)  —  entschiedener  Feind
des  antichristlichen  Treibens  der  Jesuiten  —  zu  Arcangelo  bei
Rimini  geboren.

1731.  Auswanderungsedikt  des  Erzbischofs  von  Salzburg.

Es  war  voll  der  beleidigendsten  Schmähungen  wider  die  Evangelischen,
  und  enthielt  viel  Härte  und  Unbilligkeit  gegen  die  Auswandernden.

1741.  Eroberung  von  Neisse  im  ersten  schlesischen  Kriege.
1757.  Friedrich  der  Grosse  verjagt  die  Reichstruppen  aus
Weissenfels.
        <pb n="578" />
        —  568  —

1806.  Kapitulation  der  Festung  Küstrin.

In  Küstrin,  einem  der  festesten  Plätze  Preussens,  kommandierte
der  Herr  von  Ingersleben.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  besuchte  ihn
auf  seiner  Flucht  und  legte  ihm  die  Verteidigung  dieser  Feste,  die  sich
im  siebenjährigen  Kriege  von  den  Russen  hatte  zusammenschiessen,  aber
nicht  einnehmen  lassen,  dringend  ans  Herz,  aber  kaum  war  der  König  fort
und  die  ersten  französischen  Husaren  sprengten  vor  die  Festung,  so
gieng  derHerrvonIngerslebeninPersonhinaus,  umihnen
Küstrin  zu  übergeben.

Besetzung  von  Hessen-Kassel  durch  die  Franzosen.
Der  Kurfürst  Wilhelm  I.  flieht  nach  Dänemark.

1810.  König  Friedrich  Wilhelm  III.  von  Preussen  erlässt  ein
Edikt,  durch  welches  er,  um  die  ohnehin  sehr  grossen  Anforderungen
  an  das  Privatvermögen  der  Unterthanen  zu  ermässigen,
sämmtliche  geistlichen  Güter  in  der  Monarchie  einziehen  lässt
und  verspricht,  solche  wieder  zu  ersetzen,  sobald  der  Staat  ın
der  Lage  sei,  dies  zu  thun.

1817.  König  Friedrich  Wilhelm  II.  feiert  mit  seiner  ganzen
Familie  zu  Wittenberg  das  Säcularfest  der  Reformation  und  beteiligt
  sich  dort  an  der  Grundsteinlegung  zu  einem  Denkmal
Dr.  Martin  Luthers.

1821.  Errichtung  des  Luther-Denkmals  in  Wittenberg.

1848.  Fürst  Windischgrätz  erstürmt  das  revolutionäre  Wien.

Mord,  Plünderung,  Feuersbrünste  wüteten,  und  über  die  Stadt
wurde  der  Belagerungszustand  verhängt.  —  Nun  herrschte  der  grasseste
Militärdespotismus.  145  standrechtliche  Urteile  wurden  vollzogen.
Unter  den  Standrechtskugeln  fielen  selbst  solche,  welche  nicht  fechtend
am  Kampfe  Teil  genommen,  wie  der  geistvolle  Jellinek,  ein  Jüngling
von  zweiundzwanzig  Jahren,  blos  weil  er  Redakteur  der  freisinnigen
Zeitung  Wiens  gewesen  war,  und  andere  Schriftsteller,  wie  der  harmlose
Becher  als  Redakteur  des  „Radikalen“.  „Die  in  Windischgrätz
arbeitende  Brutalitätder  Reaktion,“  sagte  man  in  Deutschland,
„hates  aufden  Geistabgesehen,  denwillmanvernichten“

Konstituierende  Versammlung  zu  Schwerin.
Der  Grossherzog  erklärt  die  Notwendigkeit,  dass  Mecklenburg  in
die  Reihe  der  konstitutionellen  Staaten  trete.

Der  Berliner  Pöbel  vernagelt  das  Sitzungs-Lokal  der
preussischen  Nationalversammlung.

1863.  Ludwig  Blenker,  Freischarenführer  in  der  badischen
Revolution,  dann  nordamerikanischer  General,  stirbt.

1870.  Dijon  kapituliert  nach  heftigem  Kampf.
Aufstand  der  Kommunisten  in  Paris.

1874.  Die  Spenersche  Zeitung  geht  nach  134jährigem  Bestehen
  ein.

1875.  Königlicher  Erlass,  betr.  die  Genehmigung  des  Entwurfs  der
General-Synodal-Ordnung  für  Preussen.
        <pb n="579" />
        —  569  —

1.  November.

891.  König  Arnulf,  an  der  Spitze  eines  deutschen  Heeres,  bringt
den  Normannen  an  der  Dyle  und  den  angrenzenden  Morästen
eine  vollständige  Niederlage  bei.

1458.  Kurfürst  Friedrich  der  Sanftmütige  stiftet  die  Leipziger
Neujahrsmesse.

1539.  Kurfürst  Joachim  II.  von  Brandenburg  empfängt  in  der
Nikolaikirche  in  Spandau  mit  seiner  Mutter,  dem  Hofe,  einer
zahlreichen  Ritterschaft  und  vielen  Geistlichen  aus  den  Händen
des  Bischofs  von  Brandenburg  das  heilige  Abendmahl  unter
beider  Gestalt.

Seinem  Beispiele  folgend,  war  alsbald  das  ganze  Land
lutherisch.

1543.  Einweihung  der  Schulpforta,  der  bedeutendsten  der
von  Kurfürst  Moritz  von  Sachsen  aus  Gütern  eingezogener  Klöster
gestifteten  Fürstenschulen.

1634.  Heilbronner  Vertrag.

Nach  langen  Verhandlungen  wird  zwischen  der  Heilbronner
Bundesversammlungund  Frankreichein  Schutz-und  Trutz-Vertrag
  abgeschlossen,  in  welchem  sich  Frankreich  verpflichtet,  bei
dem  Bundesheer  am  rechten  Rheinufer  12000  Söldner  aus  irgend  einer
Nation  zu  unterhalten,  an  Geld  500  000  Franken  zu  bezahlen,  und  noch
ausserdem  am  linken  Rheinufer  ein  starkes  französisches  Heer,  als  Reserve
  für  den  Bund  in  Notfällen,  aufzustellen.  Als  Gegenleistung  wurde
den-  Franzosen  nicht  nur  Sitz  und  Stimme  im  Bundesrate  eingeräumt,
sondern  für  den  Fall  eines  ernstlichen  Bruchs  mit  Oesterreich,  ausser
Breisach  und  deın  Rheinpass  bei  Strassburg,  sogar  die  Besitznahme  von
Konstanz  zugesagt.  Zugleich  sollte  Frankreich  berechtigt  sein,  dem  Oberbefehlshaber
  des  Heeres  von  12000  Mann  am  rechten  Rheinufer,  der
vertragsmässig  ein  deutscher  Fürst  sein  sollte,  einen  französischen  Generallieutenant,
  mit  entscheidender  Stimme  im  Kriegsrat,  an  die  Seite  zu

eben.  Als  dieser  unglückliche  Vertrag  zu  Stande  gekommen  war,  liess
auch  die  bewaffnete  Entscheidung  Frankreichs  in  den  deutschen  Angelegenheiten
  nicht  länger  auf  sich  warten.

1635.  Treffen  bei  Dömitz  in  Mecklenburg-Schwerin.
Banner  besiegt  die  Sachsen.

1637.  Die  Kaiserlichen  unter  Johann  von  Werth  erstürmen  das
durch  die  Rheinauer  Schanzen  stark  befestigte  Lager
        <pb n="580" />
        —  570  —

Bernhards  von  Weimar  auf  der  Rheininsel  bei  dem  Dorf
Wittenweiher.

Herzor  Bernhard  von  Weimar  rettet  sich  durch  Schwimmen  und
bezieht  im  Mömbelgard’schen  seine  Winterquartiere.

1685.  Die  französischen  Refugies,  nach  Aufhebung  des  Edikts
von  Nantes  aus  ihrer  Heimat  vertrieben,  wandern  in  Berlin  ein.

1700.  König  Karl  II.  von  Spanien  stirbt,  und  mit  ihm  der  letzte
vom  Mannesstamm  der  spanischen  Linie  des  Hauses  Habsburg.
Sein  Tod  war  Veranlassung  zum  sogenannten  „spanischen  Erbfolgekrieg“.

1755.  Grosses  Erdbeben  in  Lissabon,  bei  welchem  nur  der

östliche,  am  Monte  do  Castello  gelegene,  seitdem  aber  auch
schöner  uud  regelmässiger  aufgebaute  Stadtteil  verschont  blieb.

1757.  Antonio  Canova,  berühmter  italienischer  Bildhauer,  zu
Possagno  geboren.

1762.  Prinz  Ferdinand  von  Braunschweig  zwingt  die  französische
Besatzung  in  Kassel  zur  Ergebung.

1794.  Die  Preussen  siegen  unter  dem  Herzog  von  Holstein  über
die  Polen  bei  Demniki.

Die  Preussen  nahmen  3  Generäle,  84  Offiziere  und  1600  Mann  gefangen,
  und  erbeuteten  6  Geschütze.

1806.  Schimpfliche  Uebergabe  der  Festung  Küstrin  an  die  Franzosen
durch  Oberst  von  Ingersleben.

Mortier  besetzt  das  Kurfürstentum  Hessen.

1809.  Letztes  Gefecht  am  Isel-Berg,  in  welchem  die  Tyroler  zurückgedrängt
  werden  und  der  Tyroler-Aufstand  endigt.

Erzherzog  Johann  schrieb  den  Tvrolern  und  forderte  sie  dringend
zur  Unterwerfung  auf.  Schmerzlich  schrieb  der  wackere  Andreas  Hofer
an  Speckbacher:  „Alles  ist  aus,  Desterreich  hat  unsimFrieden
vergessen!  |

1813.  Preussen  und  Russen  erstürmen  die  von  dem  Divisionsgeneral
  Rapp  tapfer  verteidigten  Vorstädte  von  Danzig.

An  demselben  Tage  bemächtigt  sich  Tauenzien  der
Dörfer  Zinna  und  Wölsen  vor  Torgau,  und

die  Franzosen  beginnen  in  der  Nacht  zum  2.  November
bei  Mainz  ihren  Rückzug  über  den  Rhein.

Wiedereröffnung  der  Vorlesungen  an  der  Universität
Leipzig.
1814.  Eröffnung  des  Wiener  Kongresses.

Derselbe  dauerte  bis  zum  25.  Mai  1815,  und  war  durch  die  unerwartete
  Rückkehr  Kaiser  Napoleons  I.  von  der  Insel  Elba  die  vorläufige
        <pb n="581" />
        —  571  —

Aufhebung  veranlasst  worden.  Der  edle  Prinzde  Ligne  sagte  treffend
darüber:  „Der  Kongress  geht  schlecht,  aber  er  tanzt  gut.  Da  schlug  der
Blitz  aus  blauem  Himmel  in  diesen  Festrauch,  worin  die  Völker  und

ihreOpfer  vergessen  wurden,  durch  die  Kunde  hinein:  Napoleon
hat  Elba  verlassen  !“

Bei  diesem  Kongress  waren  persönlich  gegenwärtig  die  Kaiser  von
Oesterreich  und  Russland,  die  Könige  von  Preussen,  Dänemark,  Bayern,
Württemberg,  und  die  meisten  kleinen  deutschen  Fürsten,  von  allen
übrigen  Mächten  aber  ausserordentliche  Gesandte.  —  Um  Preussen,  das
sich  damals  mit  Recht  auf  seine  grosse  Popularität  stützte,  zu  neutralisieren,
  erregte  der  diabolische,  französische  Staatsmann  Talleyrand  neue
Besorgnisse  vor  den  Völkern,  und  erfand  das  Stichwort  Legitimität,
welches  die  Parole  des  Jahrhunderts  wurde,  und  Preussen  um  die  Früchte
seiner  grossen  Opfer  und  Siege  bringen  sollte.  Preussen  wollte  das  ihm
stets  feindliche  Sachsen,  aber  dieses  hatte  schon  einen  Herrn.  Preussen
berief  sich  auf  seine  Verdienste  um  Deutschland,  auf  seine  grossen
Opfer,  auf  seine  grosse  Macht  in  der  Meinung,  aber  diese  Meinung  wurde
verdächtigt.  Was  Wunder  da,  dass  schon  im  Januar  ein  geheimes  Bündnis
  gegen  Preussen  zu  Stand  kam,  um  dasselbe  zu  demütigen.

1816.  Friedrich  Wilhelm  Hackländer,  Schriftsteller,  zu  Burtscheid
  geboren.

1823.  Hans  Wilhelm  von  Gerstenberg,  Dichter  und  Kritiker,
stirbt  als  Direktor  des  Lottos  zu  Altona.

1826.  Friedrich  Haase,  berühmter  Schauspieler,  zu  Berlin
geboren.  |

1837.  König  Ernst  August  von  Hannover  hebt  die  von
Wilhelm  IV.  verliehene  Konstitution  wieder  auf.

1847.  Preussische  Feldpolizei-OÖrdnung.
1853.  Kriegsmanifest  Russlands  an  die  Türkei  (Krimkrieg).

1858.  Ostindien,  seither  unter  der  Herrschaft  der  ostindischen
Handelskompagnie,  wird  ein  Teil  des  brittischen  Reichs  unter
der  Regierung  der  Königin  Viktoria.

1867.  Das  Gesetz  über  die  Freizügigkeit  wird  für  den  norddeutsshen
  Bund  erlassen.  —  Seit  1871  Reichsgesetz.

1870.  Thiers  erscheint  im  deutschen  Hauptquartier  zu  Versailles
als  Unterhänder  der  französischen  Regierung.

Thiers  musste  unyerrichteter  Sache  abziehen,  da  die  Deutschen  auf
seine  Vorschläge  nicht  eingehen  konnten.

General  von  Manteuffel  erhält  den  Oberbefehl  der  I.  Armee.
Unterdrückung  des  Aufstands  in  Paris.

1876.  Freundschaftsvertrag  zwischen  dem  deutschen  Reich  und
den  Tonga-Inseln.

Eröffnung  des  nordholländischen  Schiffahrtskanals
von  Amsterdam  in  die  Nordsee.
        <pb n="582" />
        —  512  —

1877.  Friedrich  Heinrich  Ernst  Graf  von  Wrangel,  preussischer
  General-Feldmarschall,  stirbt  zu  Berlin  93  Jahre  alt.

Am  15.  August  1866  feierte  er  sein  70jähriges  Dienstjubiläum;  gelegentlich
  seines  60  jährigen  Dienstjubiläums  wurde  er  zum  Generalfeldmarschall,
  und  1864  in  den  Grafenstand  erhoben.

1888.  Grundsteinlegung  zum  Reichsgerichtsgebäude  in
Leipzig,  welchem  feierlichen  Akte  Kaiser  Wilhelm  II.  beiwohnt.

Eine  deutsche  Gesellschaft  erhält  vom  Sultan  die
Konzession  zum  Bau  der  anatolischen  Bahn.

 

 

3.  November.

963.  Kaiser  Otto  I.  hält  seinen  feierlichen  Einzug  in  Rom,  nachdem
  der  ihm  feindlich  gesinnte  Papst  Johann  XII.  aus  der  Stadt
geflohen  war  und  ihm  das  römische  Volk  die  Thore  der  Stadt
geöffnet  hatte.

1539.  Einführung  der  Reformation  in  Berlin.

1565.  Stiftung  eines  Bundes  niederländischer  Edelleute
zur  Abwehr  spanischer  Gewaltherrschaft.

Später  —  vom  8.  April  1566  an  —  nahmen  diesselben  den  Namen
„Geusen“an,  da  die  niederländische  Stadthalterin  Margarete  sie  spöttisch
als  ein  Haufen  von  Bettlern  (gueux)  bezeichnet  hatte.  Sie  trugen  als
Erkennungszeichen  Bettelsack  und  Geusenpfennig.

1642.  Schlacht  bei  Breitenfeld,  einem  Dorfe  unweit  Leipzig
gelegen.

Da  wo  Gustav  Adolf  vorher  schon  durch  den  Sieg  über  Tilly  die
Bahn  seines  Ruhmes  eröffnete,  sollen  die  Kaiserlichen  unter  Piccolomini
  eine  neue  Niederlage  erleben.

1707.  Johann  Julius  Hecker,  Pädagog,  zu  Werden  a.  d.  Ruhr
geboren.

Er  gründete  1747  nach  dem  Muster  der  1738  von  Christoph  Semler  zu
Halle  a.  d.  S.  ins  Leben  gerufene  Realschule  die  erste  derartige  Anstalt
  in  Berlin,  und  bearbeitete  1762  das  im  folgenden  Jahre  erlassene
Generallandschulreglement  als  gesetzliche  Norm  des  preussischen  Volksschulwesens.


1721.  Der  Zar  Peter  der  Grosse  wird  in  Petersburg  feierlich  als
Kaiser  von  Russland  ausgerufen.

1755.  Maria  Antoinette,  Erzherzogin  von  Oesterreich,  die  unglückliche
  Königin  von  Frankreich,  jüngste  Tochter  des  Kaisers
Franz  I,  und  der  Maria  Theresia,  geboren.
        <pb n="583" />
        —  573  —

1766.  Der  österreichische  Feldmarschall  Graf  v.  Radetzky  auf
dem  Gute  Trzebnitz  in  Böhmen  geboren.

1796.  Gefecht  bei  Trient  zwischen  Oesterreichern  und
Franzosen.  .

1805.  Treffen  bei  Montebello  zwischen  den  Oesterreichern
unter  Erzherzog  Karl  und  den  Franzosen  unter  Massena.

An  demselben  Tage  siegt  Erzherzog  Johann  über  die
Bayern  unter  Duroy  am  Strubpass.

Der  Kampf  wird  am  folgenden  Tage  mit  gleichgünstigem  Erfolg  für
die  Oesterreicher  fortgesetzt.

1806.  Besitzergreifung  von  Hannover  seitens  der  Franzosen.

1810.  Einführung  der  allgemeinen  Gewerbefreiheit  in
Preussen.

1813.  Württemberg,  Hessen-Darmstadtund  diethüringischen
  Herzogtümer  treten  den  Alliierten  bei.
Napoleon  geht  bei  Mainz  über  den  Rhein.
1867.  Gesetz  über  das  Postwesen  des  norddeutschen  Bundes.

1870.  Beschiessung  von  Neu-Breisach  aus  3  Batterien  bei
Biesheim  resp.  Wolfgantzen  auf  Fort  Mortier.

An  demselben  Tage  finden  Gefechte  gegen  Mobilgarde  bei
Les  Errues,  bei  Rougemont  und  Petit-Magny  statt;  ın
letzteren  liess  der  Feind  allein  5  Offiziere  und  103  Mann
tot  zurück.

Belfort  cerniert.  j

1879.  Einweihung  der  ersten  protestantischen  Kirche  Tyrols
in  Innsbruck.

1885.  Prinz  Albrecht  von  Preussen,  Neffe  Kaiser  Wilhelms  I,
hält  als  Regent  von  Braunschweig  feierlichen  Einzug  in  der
Hauptstadt  des  Landes.

1888.  Einbringung  des  neuen  Heeresgesetzes  im  österreichischen
Reichsrate.
        <pb n="584" />
        —  5A  —

&amp;gt;.  November.

753.  Pirminius,  Apostel  der  Alemannen,  stirbt  als  Abt  in  Hornbach
  bei  Zweibrücken.

Er  wirkte  besonders  in  der  Schweiz  und  im  Süden  Deutschlands
für  Ausbreitung  des  Christentums.

1414.  Johann  Huss  aus  Prag  trifft  in  Konstanz  ein,  um  seine
Lehre  vor  dem  Konzil  zu  verteidigen.

Kaiser  Sigismund  hatte  ihm  freilich  freies  Geleit  hin  und  zurück
versprochen  und  auch  der  Papst  gelobte  ihm,  er  solle  in  Konstanz  auf
keine  Weise  gekränkt  werden.

1443.  Johann  von  Hunyad  siegt  über  die  Türken  bei  Nissa
in  Bulgarien.

1527.  Kaiser  Ferdinand  I.  wird  durch  Stephan  Bathori  zum
König  von  Ungarn  berufen,  von  welcher  Zeit  an  dasselbe  bleibend
unter  der  Herrschaft  der  Habsburger,  also  bei  Österreich  war.

1707.  Die  Trois-Etats  erklären  den  König  von  Preussen  für  den
souveränen  Herrn  von  Neuchatel  und  Valengın;  „un  prince
de  droix  et  de  choix“.

1744.  Friedrich  Ludwig  Schröder,  Schauspieler  und  Dramaturg,
zu  Schwerin  geboren.

1760.  Glänzender  Sieg  der  Preussen  unter  Friedrich  II.  bei  Torgau,
durch  welchen  der  österreichische  General  Daun,  nach  heftigem
Widerstand  geschlagen,  Sachsen  räumen  musste.

Der  Verlust  der  Preussen  betrug  über  10000  Mann,  während  Daun
das  Doppelte  an  Mannschaften  verlor  und  noch  überdies  27  Fahnen  und
90  Kanonen.

1762.  Frankreich  schliesst  mit  England  den  Frieden  zu
Versailles  ab.

Das  englische  Ministerium  Butte  benahm  sich  hierbei  so  ungrossmütig,
  dass  es  den  König  von  Preussen  nicht  mit  in  den  Frieden  einschloss,
  obgleich  vertragsmässig  kein  Separatfriede  erlaubt  sein  sollte
und  Friedrich  II.  mit  herangezogen  werden  musste.  Gleichwohl  hatte
das  Ergebnis  für  ihn  keineswegs  die  unglücklichen  Folgen,  welche  man
anfangs  davon  erwartete.

1812.  Schlacht  bei  Wjasma  und  bei  Dorogobinsch.

Die  Russen  schlagen  die  Franzosen  unter  Davoust,  wobei  das  1.
und  IV.  französische  Corps  völlig  aufgerieben  wird.

1815.  Eröffnung  des  polytechnischen  Instituts  in  Wien.
        <pb n="585" />
        v  —  575  —

1817.  Verordnung  über  die  veränderte  Einrichtung  der  Ministerien
in  Preussen.

1847.  Die  Anhalt-Köthen’sche  Linie  stirbt  mit  dem  Tode
Herzog  Heinrichs  aus  und  Köthen  wird  mit  Dessau
vereinigt.

1856.  Allgemeine  Kirchenkonferenz  in  Berlin.

1860.  Capua  ergiebt  sich  nach  langem  Kampf  an  Garibaldi  und
teilt  seitdem  die  Schicksale  des  Königreichs  Neapel.

An  demselben  Tage  Gefecht  am  Garigliano,  in  welchem
die  Piemontesen  die  Neapolitaner  besiegen.

1867.  Die  österreichische  Regierung  erteilt  die  Erlaubnis  zur
Gründung  einer  konfessionslosen  Lehrerbildungsanstalt
  ın  Wien.

Schlacht  boi  Mentana.

Garibaldi  wird  von  den  päpstlichen  Truppen,  denen  die  französische
Brigade  Pohle’s  als  Reserve  nachfolgte,  geschlagen.

1870.  Die  Festung  Belfort  von  den  Deutschen  nach  mehreren
kleinen  siegreichen  Gefechten  vollständig  eingeschlossen.

An  demselben  Tage  bietet  Graf  Bismarck  dem  Bevollmächtigten
  der  französischen  Regierung  in  Paris  behufs  Vor:
nahme  allgemeiner  Wahlen  in  Frankreich,  einen  Z2ötägigen
Waffenstillstand  auf  der  Basis  des  am  Tage  der  Unterzeichnung
bestehenden  militärischen  Status  quo  an.

1871.  Henry  Stanley,  der  berühmte  Afrikareisende,  langt  in
Udschidschi  an,  wo  er  Livingstone  auffindet.

1878.  Einweihung  der  ersten  protestantischen  Kirche  in
Rom.

1879.  Generalgouverneur  Aleko  Pascha  eröffnet  die  erste  Provinzial-Versammlung
  Ostrumeliens  unter  grossen  Feierlichkeiten.

1888.  Durch  eine  Explosion  in  einer  Kohlengrube  im  Departement
  Aveyron,  Frankreich,  werden  42  Personen  .getötet.

1889.  Kaiser  Wilhelm  II.  in  Konstantinopel  als  Gast  des  Sultan
Hamid.
        <pb n="586" />
        —  56  —

4.  November.

1419.  Die  Hussiten  unter  Ziska  erstürmen  Prag.

1552.  Albrecht  von  Kulmbach  siegt  über  die  Franzosen  unter
dem  Herzog  von  Aumale  bei  Nicolas;  letzte’er  wird  gefangen.

1576.  Antwerpen  wird  durch  die  spanische  Besatzung  von  der
Citadelle  aus  geplündert.

Das  Rathaus  und  600  Bürgerwohnungen  gehen  in  Flammen  auf,
über  10000  Bürger  werden  ersäuft  oder  erstochen.

1619.  Pfalzgraf  Friedrich  V.  wird  zu  Prag  als  König  von
Böhmen  gekrönt.

1743.  Eröffnung  der  Universität  Erlangen.

1794.  Die  Russen  unter  Suworow  erstürmen  mit  grosser  Kühnheit
Praga,  die  Vorstadt  von  Warschau.

1799.  Schlacht  beı  Cassano.

Die  Oesterreicher  erringen  einen  glänzenden  Sieg  über  die
Franzosen.

1805.  In  der  Nacht  vom  4.  zum  5.  November  Friedrich  Wilhelm  III.
Kaiser  Alexander  I.  und  Königin  Louise  am  Grabe  Friedrichs
des  Grossen.

1812.  Heinrich  von  Mühler,  preussischer  Staatsmann,  zu  Brieg
geboren.

Er  wurde  am  18.  März  1862  zum  Minister  des  Kultus  und  öffentlichen
  Unterrichts  ernannt.  Seine  strenge  Orthodoxie  brachte  ihn  unausgesetzt
  in  Konflikt  mit  der  liberalen  Richtung  und  musste  schliesslich
im  Januar  1872  seine  Entlassung  nehmen.  —  Er  starb  am  2.  April  1874
in  Potsdam.

1813.  Ernst  August,  Herzog  von  Cumberland,  kehrt  nach
Hannover  zurück,  ohne  die  beabsichtigte  Herrschaft  daselbst
zu  erlangen.

Dagegen  tritt  der  Herzog  von  Cambridge  als  Feldmarschall
und  Generalmilitärgouverneur  an  die  Spitze  der  von  dem  wieder  einberufenen
  alten  Ministerium  geleiteten  Regierung.

1814.  Der  König  Friedrich  August  von  Sachsen  protestiert
gegen  die  Abtretung  Sachsens  an  Preussen  und  jede  Vertauschung.

An  demselben  Tage  Vereinigung  Norwegens  mit
Schweden.

1827.  Karl  Hofmann,  Staatsmann,  seit  dem  2.  August  1880
Staatssekretär  für  Elsass  und  Lothringen,  zu  Darmstadt  geboren.
        <pb n="587" />
        —  57  —

1547.  Jakob  Ludwig  Felix  Mendelssohn-Bartholdy,
Komponist,  stirbt  zu  Leipzig.

Geboren  am  3.  Februar  1809  zu  Hamburg,  war  er  ein  Enkel  von
Moses  Mendelssohn,  ward  1836  Ehrendoktor  der  Leipziger  Universität,
1841  Königl.  preussischer  Musikdirektor  in  Berlin,  erhielt  1842  den  Orden
pour  le  merite  und  wurde  sodann  zum  Königl.  preussischen  Generalmusikdirektor
  ernannt.  —  Er  war  ein  bedeutender  Örgelspieler  und  einer
der  grössten,  begabtesten  Komponisten.

1848.  Windischgrätz  erstürmt  Wien.

1850.  GustavSchwab,  Dichter  und  Schriftsteller  der  „schwäbischen
Schule“,  stirbt  als  Oberstudien-  und  Oberkonsistorialrat  zu
Stuttgart.

Dem  Vaterländischen  zugewandt,  hat  er,  wie  Justinus  Kerner,  die
dichterischen  Klänge  der  Legende  uns  wieder  nahe  gebracht.  Seine
Dichtungen  zeichnen  sich  durch  die  Wahrheit  der  Gesinnung  und  die
Einfacheit  der  Darstellung  vorteilhaft  aus.

1852.  Cavour  wird  Ministerpräsident  in  Sardinien.

1867.  Gesetz  über  das  Posttaxwesen  im  Gebiet  des  norddeutschen
  Bundes.

Garibaldi  wird  von  den  TruppenViktor  Emanuels  bei  Figlini
gefangen  und  in  das  Fort  Varignano  bei  Spezzia  gebracht.

1870.  Badische  Dragoner  besetzen  Nuits.

1874.  Postvertrag  des  deutschen  Reiches  mit  Peru  und
Chile.

1875.  Robert  von  Mohl,  berühmter  Staatsrechtslehrer,  stirbt  zu
Berlin  als  Mitglied  des  deutschen  Reichstags.

1848  Mitglied  der  deutschen  Nationalversammlung,  wurde  er  im
August  1848  Reichsjustizminister,  trat  aber  am  17.  Mai  1849  von  dieser
Stellung  zurück  und  war  1861—66  badischer  Gesandter  beim  Bundestag.

1890.  Der  Reiehskanzler  von  Caprivi  verlässt  Berlin,  um  sich
nach  München  und  Mailand  zu  begeben.

Lieutenant  Langheld  gelangt  auf  einer  Abteilung  der  ostafrikanischen
  Schutztruppen  nach  Bukumbi  am  Südufer  des
Viktoria  Nyanza  und  trifft  dort  den  von  Emin  Pascha  zurückgelassenen
  Feldwebel  Hoffmann.  j

Der  Grossfürst-Thronfolger  von  Russland  trifft  in  Wien
ein  und  wird  vom  kaiserlichen  Hof  feierlich  empfangen  und
ausgezeichnet.

 

37
        <pb n="588" />
        —  578  —

5.  November.

859.  Einweihung  des  Domes  zu  Halberstadt.

1414.  Anfang  der  Kirchenversammlung  zu  Konstanz.

Das  war  eine  der  glänzendsten  und  zahlreichsten  Versammlungen,
die  je  stattgefunden,  denn  aus  allen  Christenländern  kamen  Fürsten,
Bischöfe,  Aebte  und  Theologen  und  wetteiferten  in  Pracht  und  Gelehrsamkeit.
  Von  weltlicher  Seite  waren  der  Kaiser,  alle  Kurfürsten,  die
meisten  Reichsfürsten,  ein  zahlreicher  Adel,  die  Gesandtschaften  aller
katholischen  Könige  und  selbst  der  Griechen  und  Russen  in  allerlei
fremden  Trachten  gegenwärtig.  Von  geistlicher  Seite  erschienen  3  Patriarchen,
  22  Kardinäle,  20  Erzbischöfe,  92  Bischöfe,  124  Aebte,  1800  Priester,
300  Doktoren,  sehr  viele  Mönche.  Ausser  den  handelnden  Personen
kamen  auch  viele  Zuschauer  und  anderes  Volk  nach  Konstanz,  so  dass
bis  auf  150000  Menschen  zusammenströmten.  Darunter  waren  700  fahrende
  Frauen  oder  liederliche  Dirnen,  deren  Gesellschaft’  weder  geistliche
noch  weltliche  Herren  entbehren  konnten,  und  346  Schauspieler,  Gaukler
und  Narren.

1439.  Das  Konzil  zu  Basel,  welches  den  Papst  Eugen  IV.  seines
Amts  entsetzt  hatte,  ernennt  Amadäus,  Herzog  von  Savoyen,  zu
seinem  Nachfolger,  der  die  Wahl  annahm  und  sich  Felix  V.
nannte.

1494.  Hans  Sachs,  deutscher  Dichter,  Meistersinger,  zu  Nürnberg
geboren.

Er  besuchte  dort  die  lateinische  Schule,  wurde  1508  Schuhmacher,
wanderte  5  Jahre,  ward  1516  Meister  in  Nürnberg  und  starb  daselbst
in  der  Nacht  vom  19.  bis  20.  Januar  1576.

1580.  Francis  Drake  läuft  nach  Beendigung  seiner  dreijährigen
Erdumsegelung  in  Plymouth  ein.

1632.  Treften  bei  Rippach.
Gustav  Adolf  besiegt  die  Kaiserlichen.

1688.  Prinz  Wilhelm  von  Oranien,  Erbstatthalter  der  Niederlande,
  landet  mit  15000  Mann  zu  Torbay  in  England.

1757.  Schlacht  beı  Rossbach.

.  Glänzender  Sieg  der  Preussen  unter  Friedrichs  II.  persönlicher
Leitung,  gegen  die  Franzosen  und  ihre  Verbündeten,  das  deutsche
„Reichsheer*,  unter  dem  Öberbefehl  des  Herzogs  von  Soubise.

Die  dreimal  zahlreicheren  Feinde  bildeten  einen  Halbzirkel,  um
Friedrichs  kleines  Lager  einzuschliessen  und  waren  des  Siegs  so  gewiss,
dasssie  Weiber,  Perükiers,  Friseurs  und  Putzhändlerinnen
von  Paris  in  Menge  bei  sich  hatten  und  aufs  fröhlichste  schwelgten
        <pb n="589" />
        —  579  —

Soubise  rekognoszierte  am  frühen  Morgen  das  Lager  der  bei  Rossbach
gegenüberstehenden  Preussen  und  als  er  deren  kleine  Zahl  gewahrte,
sagte  er  zu  seinen  Offizieren:  „Meine  Herren,  das  ist  ein  blosses
Frühstück“.  Doch  dieses  „Frühstück“  sollte  für  ihn  diese  schmähliche
  Niederlage  werden.  Der  preussische  General  Seidlitz  trieb  die
Feinde  mit  seiner  Reiterei  zur  wilden  Flucht.  „Es  war  mehr  eine  Jagd,
als  eine  Schlacht“.  Die  Reichsarmee  erhielt  davon  den  Namen  „Reissausarmee“.
  Friedrich  scherzte:  „Welcher  deutsche  Fürst  hat  die  meiste
Pracht?“  —  Antwort:  „Der  von  Hildburghausen,  denn  er  hat  50000
Läufer“.  —  Ludwig  XV.  von  Frankreich  sagte:  „Ja,  ja,  der  König  von
Preussen  versteht  sich  auf  Schlachten,  aber  kann  er  auch  Pastetchen
  backen?“  —  10000  Franzosen  wurden  bei  Rossbach  gefangen  ;
der  Verlust  der  Preussen  betrug  nur  160  Mann.

1805.  Die  Franzosen  unter  Murat  besiegen  die  Russen  bei
Amstetten  in  Niederösterreich.

1806.  Blücher  besetzt  Lübeck.

1810.  Der  französische  Genezal  Bernadotte  wird  von  Karl  XIII.
von  Schweden  adoptiert.

1815.  Vertrag  zu  Paris:  Die  sieben  jonischen  Inseln  als  unabhängiger
  Staat  unter  grossbritannischer  Schutzherrschaft  anerkennt.

1816.  Die  Bundesversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  wird  von
dem  Grafen  von  Buol-Schauenstein  eröffnet.

1850.  Gottfried  Kinkel’s  Flucht  aus  dem  Zuchthause  zu
Spandau.

1854.  Patent  wegen  Besitznahme  des  Jahdegebietes.

1858.  Prinz-Regent  Wilhelm  von  Preussen  setzt  an  die  Stelle
des  gerade  zehnjährigen  Ministeriums  Manteuffel  ein  liber  ales
Ministerium  des  Grafen  Schwerin  und  des  Herrn  von  Auerswald
  ein.  Der  Fürst  Anton  von  Hohenzollern-Nigmaringen
  übernimmt  den  Vorsitz.

1859.  Adresse  der  II.  Kammer  in  Kurhessen  zur  Herstellung  der
liberalen  Verfassung  von  1831.

In  Halberstadt  wird  das  1000jährige  Jubiläum  der  Einweihung
  des  dortigen  Domes  feierlich  begangen.  _

1863.  Napoleons  Thronrede  in  der  Legislative.

Er  will  einen  Monarchen-Kongress  behufs  Nengestallung
Europas  und  Aufhebung  der  Wiener  Verträge  von  1815.  Einladung
aller  grösseren  Monarchen  nach  Paris.

1885.  Fürst  Hohenlohe,  seither  Botschafter  in  Paris,  tritt  die
Statthalterschaft  in  Elsass-Lothringen  an  und  hält  feierlichen
Einzug  in  Strassburg.

Der  Bundesrat  lehnt  die  Aufhebung  des  Expatriierungsgesetzes
  ab.

Streichung  des  Fürsten  Alexander  von  Battenberg  aus  der
russischen  Offiziersliste.
        <pb n="590" />
        —  580  —

1888.  In  Russisch-Polen  wird  eine  revolutionäre  Verschwörung
entdeckt.

Die  Forderung  des  französischen  Kriegsministers  von
1065  Millionen  für  Armeezwecke  wird  für  dringlich  erklärt.

1890.  Der  Reichskanzler  von  Caprivi  trifft  in  München  eın,
um  sich  dem  Prinz-Regenten  vorzustellen.

Um  1  Uhr  traf  der  Reichskanzler  an  der  Residenz  ein  und  wurde
von  Oberstkämmerer  und  Ceremonienmeister  Frhr.  v.  Perglar  empfangen
und  vor  Se.  Kgl.  Hoh.  den  Prinz-Regenten  geleitet,  der  ihn  in  Anwesenheit
  der  Herren  des  kleinen  Dienstes  empfieng.  Während  der  etwa
'!«stündigen  Aufwartung  überreichte  der  Prinz-Regent  dem
Reichskanzler  als  Zeichen  besonderen  Vertrauens  dielnsignien
  des  Hubertus-Ordens.

An  demselben  Tage  begiebt  sich  der  Herzog  Adolf  von
Nassau  mit  dem  Erbprinzen  Wilhelm  nach  Luxemburg.

Die  luxemburgische  Kammersession  war  bereits  am  Tag  vorher  vom
Staatsminister  v.  Eyschen  durch  Verlesen  einer  Botschaft  des  Herzogs
Adolf  von  Nassau  eröffnet  worden.

 

6.  November.

1550.  Ulrich,  Herzog  von  Württemberg  1498—1550,  stirbt.

Zu  wiederholten  Malen  geächtet,  ward  er,  der  Mörder  des  Ritters
Hans  von  Hutten,  im  April  1519  vom  Schwäbischen  Städtebund  unter
Wilhelm  von  Bayern  und  Georg  von  Frundsberg  aus  dem  Land  vertrieben,
flüchtete  nach  Mömpelgard  und  ward  erst  1534  in  seine  Rechte  teilweise
wieder  eingesetzt,  nachdem  er  sich  der  reformatorischen  Bewegung  angeschlossen
  hatte.

1632.  Schlacht  bei  Lützen.  Gustav  Adolfs  Tod,  Pappenheim
  tötlich  verwundet.

Neun  Stunden  hatte  die  Schlacht  gedauert;  sie  kostete  beiden

Teilen  an  9000  Tote!  —  Der  Sieg  war  aber  auf  Seiten  der

Schweden.  —  —  Die  Folge  der  Schlacht  war,  dass  Wallenstein  nach

Böhmen  entwich,  der  tapfere  Herzog  Bernhard  aber  vor  des  Jahres
Ausgang  noch  Sachsen  von  den  Feinden  befreien  konnte.

1633.  Bernhard  von  Weimar  erobert  das  von  den  Kaiserlichen

hesetzte  Regensburg.

1730.  Hans  Hermann  von  Katte,  Freund  Friedrichs  des  Grossen
als  Kronprinzen,  wird  zu  Küstrin  enthauptet,  da  er  Friedrichs
Fluchtplan  gefördert  hatte.

1754.  Friedrich  I.  Wilhelm  Karl,  König  von  Württemberg,
1797—1816,  zu  Treptow  in  Hinterpommern  geboren.
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        —  5831  —

1771.  Aloys  Senefelden,  Erfinder  der  Lithographie,  zu  Prag
geboren.

1792.  Schlacht  bei  Jemappes  in  der  belgischen  Provinz
Hennegau.

General  Dumouriez  bringt  mit  der  französischen  Hauptarmee
den  Oe  sterreichern  unter  dem  Herzog  von  Sachsen-Teschen  eine
empfindliche  Niederlage  bei,  worauf  die  Franzosen  ganz  Belgien  überzogen.


1796.  Leopold  Paul  Alexander,  Fürst  zur  Lippe,  zu
Detmold  geboren.  |

Er  hat  sich  hochverdient  um  das  Wohl  seines  Ländchens,  dem  er

1836  eine  landständische  Verfassung  gab,  gemacht  und  starb  am
1.  Januar  1851.

An  demselben  Tage  siegreiches  Gefecht  der  Franzosen
unter  Napoleon,  Massena  und  Augerau  gegen  die  Oesterreicher
  bei  Carmignano.

1806.  Das  preussische  Korps  Blüchers  in  Lübeck  von  den
Franzosen  unter  Soult  und  Bernadotte  eingeschlossen  und
geschlagen.  Oberst  von  York,  schwer  verwundet,  gerät  in
französische  Gefangenschaft.

1809.  Edikt  und  Hausgesetz  über  die  Veräusserung  der  königlichen
  Domänen  in  Preussen.

1812.  Eintritt  des  verhängnisvollen  Frostes  in  Russland.

Die  Franzosen  auf  dem  Rückzug  aus  Russland.  Die  Pferde
fallen  zu  Tausenden  nieder  und  bald  auch  die  Menschen,  die  bei  schlechter
Nahrung  und  Kleidung  und  unter  beständigen  Märschen  und  Gefechten
der  fürchterlichen  Strenge  des  nordischen  Winters  erliegen.

1813.  Kaiser  Franz  ın  Frankfurt  a.  M.

Vertrag  von  Fulda.
König  Friedrich  I.  von  Württemberg  erhält  von  den  Alliierten  die
Garantie  seines  Länderkomplexes  und  seiner  Unabhängikeit.
1817.  Milosch  Obrenowitsch  wird  zum  erblichen  Fürsten  von
Serbien  erhoben.  |
1846.  Einverleibung  Krakaus  in  Oesterreich  gegen  die
Protestation  von  Frankreich  und  England.

1850.  Der  preussische  Minister  Friedrich  Wilhelm  Graf  von
Brandenburg  stirbt  —  wie  man  allen  Grund  hat  anzunehmen
  —  in  Folge  der  Aufregung,  welche  er  in  Warschau
während  einer  Konferenz  mit  dem  österreichischen  Minister
Schwarzenberg  und  dem  Kaiser  Nikolaus  von  Russland
hatte,  in  welcher  man  an  Preussen  die  übermütige  Forderung
stellte,  seine  Schritte,  die  es  zu  Deutschlands  Heil  gethan,  wieder
rückgängig  zu  machen:

König  Friedrich  Wilhelm  IV.  war  damals  sogar  entschlossen,

für  diese  Errungenschaften  mit  bewaffneter  Macht  einzutreten.  (!)  Doch
die  reactionäre  Strömung  hatte  schon  allzusehr  überhand  genommen,  80
        <pb n="592" />
        —  582  —

dass  dieser  vom  Volk  und  Kammer  so  freudig  begrüsste
Entschluss  des  Königs  nicht  zur  Ausführung  kam.  —  Graf
von  Brandenburg  war  ein  Sohn  des  Königs  Friedrich  Wilhelm  Il.  und

der  Gräfin  von  Dönhoff.

1858.  Königlich  dänisches  Patent,  welches  die  gemeinschaftliche
  Verfassung  von  1855  für  Holstein-Lauenburg  aufhebt  und
in  gemeinschaftlichen  Angelegenheiten  für  beide  die  absolute
Königsgewalt  wiederherstellt.

1860.  Lincoln  wird  zum  Präsidenten  der  Vereinigten  Staaten
von  Nordamerika  gewählt.

1864.  Wiederwahl  Lincolns.
1869.  Handelskongressin  Kairo  eröffnet  (bis  zum  11.November).

1870.  Siegreiches  Gefecht  zwischen  Kolmar  und  Belfort  unter
General  von  Treskow.

1871.  Entlassung  des  österreichischen  Reichskanzlers  Grafen  Beust.

1875.  Bern  hebt  sein  Dekret  gegen  die  ausgewiesenen  Jura-Geistlichen
  auf.

1876.  Giacomo  Antonelli,  Kardinal,  Staatssekretär  Pius  IX.,
stirbt  in  Rom.

Seit  1850  Staatssekretär  und  Chef  des  politischen  Staatswesens,
verfolgte  er  seine  Gegner  auf  eine  ans  Unsinnige  streifende  Weise  und
führte  die  Reaktion  im  Kirchenstaat  bis  zu  dessen  Annexion  durch  das
Königreich  Italien  mit  Konsequenz  durch.

1877.  Enthüllung  des  Denkmals  für  Aloys  Senefelder,  den  Erfinder
  der  Lithographie,  in  München.

1880.  Beginn  des  grossen  Nihilistenprozesses  in  St.  Petersburg.
  Von  16  Angeklagten  werden  5  zum  Tode  verurteilt,  jedoch
nur  zwei  durch  den  Strang  hingerichtet,  die  drei  übrigen  zu
lebenslänglicher  Zwangsarbeit  begnadigt.

1888.  Die  Wahlen  in  den  preussischen  Landtag  bringen
den  Nationalliberalen  auf  Kosten  der  Freisinnigen  15  neue
Mandate.

1890.  Zusammenkunft  des  deutschen  Reichskanzlers  von  Caprivi
mit  dem  italienischen  Minister-Präsidenten  Crispi  in  Mailand.
        <pb n="593" />
        —  553  —

t.  November.

739.  Clemens  Willibrord,  Apostel  der  Friesen,  stirbt  in  der
von  ihm  begründeten  Abtei  Echternach.

921.  Zusammenkunft  des  deutschen  Kaisers  Heinrich  I.  mit  dem
französischen  König  Karl  dem  Einfältigen  bei  Bonn.

In  der  Mitte  des  Rheins  traten  die  beiden  Herrscher  auf  einem
Schiffe  zusammen  und  verständigten  sich  zu  einem  Vertrag,  dessen  Hauptpunkt
  der  Verzicht  Karls,  des  letzten  französischen  Karolingers,  auf
jedenErb-Anspruchanirgend  einStück  Land  in  Deutschland
  war.

1225.  Engelbert,  Erzbischof  von  Köln,  wird  auf  einer  Reise
von  Soest  nach  Schwelm  unweit  der  letzteren  Stadt,  von  verschworenen
  Adeligen,  angeführt  von  seinem  eigenen  Blutsverwandten,
  dem  Grafen  Friedrich  von  Alten-Isenburg,:.  aus
Rachsucht  überfallen,  und  im  eigentlichen  Sinn  des  Wortes
zerfetzt  und  ermordet.

Isenburg  erlitt  die  Strafe  des  Rades.

1490.  Der  Frieden  zu  Pressburg  zwischen  Kaiser  Friedrich  III.
und  den  Ungarn,  welche  in  Oesterreich  eingefallen  waren.

1632.  Gottfried  Heinrich  Graf  von  Pappenheim,  kaiserlicher
  Feldherr  im  dreissigjährigen  Kriege,  stirbt  zu  Pleissenburg
bei  Leipzig,  infolge  der  tags  vorher  in  der  Schlacht  bei  Lützen
erhaltenen  tötlichen  Verwundung.

Der  Sterbende  erfuhr  noch  den  Fall  Gustav  Adolfs  und  rief  noch
vor  dem  Verscheiden  wie  beunruhigt  aus:  „Ich  sterbe  nun  gerne,  da
auch  der  unversöhnliche  Feind  meines  Glaubens  nicht  mehr  am  Leben  ist!“

1704.  Karl  XII.  von  Schweden  siegt  bei  Punitz  über  die
Sachsen  unter  Schulenburg.

1736.  August  III,  König  von  Polen  und  Kurfürst  von  Sachsen,
stiftet  in  Hubertusburg  den  Heinrichsorden,  zur  Belohnung
für  Offiziere,  welche  sich  im  Krieg  auszeichneten.

1741.  Erbhuldigung  Schlesiens  an  Friedrich  den  Grossen.

1750.  Friedrich  Leopold,  Graf  zu  Stollberg,  Dichter  und
Schriftsteller,  in  dem  holsteinischen  Flecken  Bramstadt  geboren.

1763.  Friedrich  August  von  Stägemann,  preussischer  Staatsmann
  und  Dichter,  zu  Vierraden  in  der  Uckermark  geboren.

Er  war  auch  langjähriger  Redakteur  der  Staatszeitung  und  starb
am  17.  Dezember  1840  zu  Berlin,
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        —  5854  —

1773.  Der  kühne  Reitergeneral  Friedrich  Wilhelm  vonSeydlitz
stirbt  zu  Minkowski  bei  Namslau,  erst  51  Jahre  alt.

Er  that  sich  bei  Zorndorf,  Hochkirch  und  Kunersdorf
rühmlich  hervor.  In  letzterer  Schlacht  wurde  er  schwer  verwundet.

1775.  Göthe  kommt  nach  Weimar.

1803.  Luise  von  Ploennins,  Dichterin,  zu  Hanau  als  einzige
Tochter  des  dortigen  Obermedizinalrats  Leisler  geboren.

Sie  starb  am  21.  Januar  1872  zu  Darmstadt.

1806.  General  von  Blücher  kapituliert  bei  Ratkau  in  Holstein
  mit  Bernadotte,  weil  er  nur  noch  7800  Mann,  kein  Pulver
und  keine  Fourage  mehr  hat.

1810.  Fritz  Reuter,  ein  beliebter  plattdeutscher  Dichter  und
eifriger  Patriot,  zu  Stavenhagen  im  Meklenburgischen  geboren.

1812.  Die  Russen  unter  Wittgenstein  erobern  Witebsk.

1813.  Treffen  bei  Hochheim  a.  Rh.,  in  welchem  die  Oesterreicher
  den  Franzosen  eine  Niederlage  bereiten.
An  demselben  Tage  reist  Napoleon  1  von  Mainz  nach
Paris  ab.

1820.  Monarchen-Kongress  in  Troppau.
1826.  Die  Universität  Landshut  wird  nach  München  verlegt.

1852.  Der  französische  Senat  erklärt  die  Wiederherstellung
des  Kaisertums  für  den  Willen  der  Nation.

1866.  Viktor  Emanuel  zieht  in  Venedig  ein.

1869.  Einzug  des  Kronprinzen  von  Preussen  in  Jerusalem;  Besitznahme
  des  dortigen  Johannitenplatzes.

1870.  Prinz  Friedrich  Karl  verlässt  das  nunmehr  von  den
Deutschen  besetzte  Metz  mit  nicht  ganz  zwei  Korps  und  wendet
sich  nach  der  Loire.

1870.  Fort  Mortier  bei  Neu-Breisach  kapituliert.

Es  wurden  hierbei  220  Gefangene  gemacht  und  5  Geschütze  genommen.


An  demselben  Tage  stiessen  Abteilungen  der  9.  Infanterie-Brigade
  auf  Mobilgarden:  'hitziges  Gefecht.

Verluste  des  Feindes  70  Mann  tot  und  verwundet,  40  Gefangene,
deutscherseits  2  Verwundete.

1879.  Eröffnung  der  protestantischen  Fakultät  der  Pariser
Universität.

1887.  Besorgniserregende  Berichte  über  den  Zustand  des  Kronprinzen
Friedrich  Wilhelm;  Prinz  Wilhelm  reist  mit  mehreren
Spezialisten  nach  San  Remo.

Grosser  Sozialistenprozess  zu  Breslau.
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        —  585  —

8.  November.

392.  Verbot  des  Götzendienstes  im  ganzen  römischen  Reich.
1307.  Schweizerbund  auf  dem  Rütli  geschlossen.

Um  Mittwoch  vor  Martinstag  kamen  die  drei  Schweizer  Werner
Stauffacher,  Walter  Fürst  und  Alnold  aus  dem  Melchthal  mit  einer  Anzahl
  gesinnungsgleicher  Landsleute,  in  stiller  Nacht  auf  einer  einsamen
Wiese  auf  einer  Höhe  am  Waldstättersee,  das  „Rüttli“  genannt,  zusammen,
  wo  nicht  weit  davon  die  Grenzen  von  Uri  und  Unterwalden
zusammenstossen.  Hier  leisteten  sich  die  Vaterlandsfreunde  den  heiligen
Schwur,  dass  keiner  in  gemeinsamer  Sache  nach  eigenen  Gutdünken
handeln,  sondern  alle  treu  für  einander  und  für  ihre  Landsleute  leben
und  sterben  und  alles  daransetzen  wollten,  auf  dass  die  Freiheit,  die  sie
von  ihren  Vätern  überkommen  hatten,  als  theuerstes  Gut  ihren  Kindern
und  Kindeskindern  verbliebe.

1412.  Sigismund  von  Ungarn  verpfändet  den  Polen  die  Zipser
Städte.

1414.  Sigismund  von  Ungarn,  bereits  schon  am  21.  Juli  1411
zum  deutschen  König  gewählt,  wird  in  Aachen  gekrönt.

1519.  Der  spanische  Heerführer  Ferdinand  Cortes  erscheint
mit  seinen  Truppen  vor  Mexiko,  der  Hauptstadt  des  Montezuma
  II.  und  hält,  nach  einer  kurzen  Begegnung  mit  diesem,
seinen  Einzug.

1572.  Johann  Sigismund,  Kurfürst  von  Brandenburg  1608  -1619,

geboren.

Obgleich  er  seinem  Vater  eidlich  gelobt  hatte,  bei  der  lutherischen
Kirche  zu  bleiben,  trat  er  doch  am  Weihnachtstage  1613  zur  reformierten
Kirche  über,  diesen  Schritt  mit  der  Erklärung  beschönigend:  „dass  in
Gottes  Sachen  kein  Revers  gelte.“  —  Er  starb  am  23.  Dezember  1619.

1576.  Genter  Pacifikation  zwischen  den  sieben  nördlichen
rotestantischen  Provinzen  der  Niederlande  mit  dem  katholischen
  Süden  behufs  gemeinschaftlicher  Abwehr  der  spanischen
Gewaltherrschaft.
1620.  Schlacht  am  „weissen  Berge“  bei  Prag;  es  kämpften
20000  Böhmen  gegen  30  000  Kaiserliche.

Während  der  kaum  eine  Stunde  andauernden  und  für  die  Böhmen
so  verhängnisvoll  endenden  Schlacht,  sassen  deren  Wahlkönig  Friedrich  V.,
Kurfürst  von  der  Pfalz,  die  junge  Königin  und  die  Hofleute  fröhlich
plaudernd  bei  der  Mittagstafel  zu  Prag,  bis  mit  einem  Mal,
wie  ein  Blitzetrahl  aus  heiterem  Himmel,  die  Schreckensnachricht  von
der  verlorenen  Schlacht,  die  Situation  änderte.  Alles  floh,  —  so  feige
und  kopflos,  dass  man  nicht  nur  Krone  und  Scepter,  welche  schon
        <pb n="596" />
        —  5856  —

epackt  waren,  sondern  auch  die  geheimsten  Papiere,  die  ganze  geheime
Korrespondenz  des  Hofes,  zurückliess.  König  und  Königin  flohen  über
Schlesien  und  Berlin  nach  Holland,  wo  sie  fürder  als  bescheidene  Frivatleute

  lebten.

1685.  Das  Potsdamer  Edikt.

Der  „grosse  Kurfürst“  ladet  die  aus  Frankreich  flüchtenden  Protestanten
  zur  Ansiedelung  in  seinen  Staaten  ein.

1710.  Die  Festung  Aire  in  Frankreich  ergiebt  sich  nach  64tägiger
Belagerung  den  Preussen  unter  Leopold  von  Dessau.

1806.  Schmachvolle  Kapitulation  von  Magdeburg.
General  von  Kleist  übergiebt  die  Festung  mit  23800  Mann  den
Franzosen  unter  Ney.

An  demselben  Tage  Theodor  Mügge,  Novellist  und

und  Romanschiftsteller,  zu  Berlin  geboren.  .
Er  starb  am  18.  Februar  1861  zu  Berlin.

1809.  Andreas  Hofer  macht  in  einem  offenen  Schreiben  allen

Tyrolern  bekannt,  dass  er  jeden  Widerstand  nunmehr  aufgebe.

Von  Oesterreich  verlassen,  blieb  den  armen  Tyrolern  kein  anderer
Ausweg;  aber  Andreas  Hofer  liess  sich  über  die  wahre  Sachlage  täuschen
und  fing  trotz  seiner  heutigen  Erklärung  den  Kampf  nochmals  von  neuem
an  und  zu  seinem  Verderben.  Er  musste  fliehen  und  fiel  durch  Verrat
in  die  Hände  der  Franzosen,  die  ihn  zu  Mantua  erschossen.

An  demselben  Tage  Eduard  Duller,  Dichter  und  Geschichtschreiber,

  zu  Wien  geboren.
Er  starb  am  24.  Juli  1853.

1812.  Schlacht  bei  Dorogobusch  (russ.  Gouvernement  Smolensk).
Die  Russen  unter  General  Platow  schlagen  die  Franzosen  unter
Eugen.

1813.  Napoleon  kommt,  aus  Deutschland  flüchtig,  in  St.  Cloud  an.

1814.  Die  Verwaltung  Sachsens  geht  von  Russland  (Repnin)
an  Preussen  (v.  d.  Reck)  über.

1850.  Vorpostengefecht  bei  Bronzell,  zwischen  den  unterm
25.  Oktober  vom  Bundestag  gegen  Kur-Hessen  beorderten

und  nicht  beorderten  Exekutionstruppen.

Am  1.  November  war  nämlich  das  bayrisch-österreichische
Exekutionscorps  (25000  Mann)  unter  dem  bayerischen  General  Fürsten
Thurn  und  Taxis  mit  dem  Grafen  Rechberg  als  Zivilkommissär  in  Kurhessen
  eingerückt  und  hatte  Hanau  besetzt;  wogegen  Tags  darauf  auch
ein  preussisches  Korps  unter  Generallieutenant  v.  d.  Gröben  die
kurhessische  Grenze  überschritten  und  in  Eilmärschen  nach  Fulda  rückte,
während  gleichzeitig  ein  anderes  in  Kassel  eintraf.  Die  kurhessische
Regierung  legte  sofort  hiergegen  Verwahrung  ein  und  rief  ihren  Gesandten
  von  Berlin  ab.  Die  Bundestruppen  gingen  von  Hanau  nach
Fulda  vor,  während  sich  die  Preussen  bier  festsetzten  und  einige  Truppenteile
  gegen  Hanau  vorschoben,  wobei  es  am  8.  November  bei  Bronzell,
unweit  Fulda,  zu  einem  kleinen,  später  vielfach  bespöttelten  Vorpostengefechte,beiwelchemeinSchimmelangeschossenwurde,
  kam.

1858.  Der  Prinz  von  Preussen  (nachmaliger  Kaiser  Wilhelm  ].),
der  am  7.  Oktober  1858  die  Regentschaft  für  seinen  Bruder
Friedrich  Wilhelm  IV.  übernommen  und  am  5,  November  das
        <pb n="597" />
        —  587°  —

liberale  Ministerium  Hohenzollern  („neue  Aera“)  berufen  hatte,

legt  in  einem  Erlass  an  dasselbe  seine  Regierungsgrundsätze
und  Ziele  dar.  |

1867.  Gesetz  des  norddeutschen  Bundes,  betreffend  die

Organisation  der  Bundes-Konsulate,  sowie  die  Amtsrechte  und
Pflichten  der  Bundes-Konsuln.

1870.  Verdun  kapituliert.  Die  betr.  offizielle  Depesche  sagt
noch  hierüber:

„Verdun,  den  11.  November.  Bei  Kapitulation  von  Verdun  zu  Gefangenen
  gemacht:  2  Generäle,  11  Stabsofliziere,  150  Ofüiziere  und  etwa
4000  Mann.  An  Geschützen  vorgefunden  136  verschiedenen  Kalibers,
ausserdem  etwa  23000  Infanterie-Gewehre,  sowie  bedeutende  Bestände
an  verschiedenem  Kriegsmaterial.

General  v.  d.  Tann  räumt  Orleans.

Der  russische  General  Annenkoff  überreicht  dem  Kronprinzen
  Friedrich  Wilhelm  von  Preussen  in  Versailles
das  Diplom  als  russischer  Feldmarschall.

Dem  Prinzen  Friedrich  Karl  wird  die  gleiche  Ernennung
von  Versailles  aus  telegraphisch  nach  Cornez  gemeldet.
1887.  Neue  Bodensenkungen  am  Zuger  See.

1888.  Bei  Freiherrn  von  Roggenbach  werden  denselben  kompromittierende
  Schriftstücke  vorgefunden.

 

9.  November.

1925.  Kaiser  Friedrich  II.,  dem  drei  Jahre  vorher  seine  erste
Frau,  die  Arragonierin  Konstantine,  verstorben  war,  -vermählt
sich  mit  Jolontha,  der  Tochter  des  Titularkönigs  von  Jerusalem,
  des  Grafen  Johann  von  Vrienen.  Ä

1313.  Schlacht  bei  Gammelsdorf  in  der  Nähe  von  Moosburg
in  Ober-Bayern,  in  welcher  Herzog  Ludwig  von  Oberbayern
mit  Hilfe  der  Städter  und  auf  die  Kraft  des  Volkes,  die  in  den
Bürgern  lag,  vertrauend,  die  Ritterschaft  Oesterreichs  und
Bayerns  schlägt.

Ludwig  setzte  den  streitbaren  Bürgern  von  Landshut  drei
Ritterhelme  in  ihr  Stadtwappen,  aus  Dankbarkeit  und  Anerkennung  für
die  ihm  bethätigte  Tapferkeit  und  Treue.
        <pb n="598" />
        —_—  588  —

1551.  Magdeburg  ergiebt  sich  nach  einjähriger  Belagerung  dem
Kurfürsten  Moritz  von  Sachsen,  als  dieser  der  Stadt  Gnade  und

"Religionsfreiheit  anbietet.

1620.  Englische  Pilgerväter  entdecken  wieder  das  schon  1001
von  Leif-Erikson  entdeckte  Kap  Cod  in  Nordamerika.

1630.  Johann  Kepler  langt  zu  Fuss  in  Regensburg  an,  um  vor
Kaiser  und  Reich  die  Forderungen  auf  sein  Gehalt  geltend  zu
machen,  das  er  in  Rostock  von  der  Universität  nicht  erlangen

konnte.

1794.  Ende  der  polnischen  Revolution  nach  dem  Fall  von
Warschau.

1812.  Napoleons  Ankunft  in  Smolensk.

Seine  „grosse  Armee“  zählte  hier  nur  noch  40000  Mann  nit  geringem
  Geschütz,  da  er  seit  Moskau  350  Kanonen  verloren  hatte.

1813.  Gefecht  bei  Hochheim,  in  welchem  die  Oesterreicher
die  Franzosen  in  die  Flucht  schlagen.

Die  Franzosen  hatten  hierbei  einen  Verlust  von  25  Offizieren,  800
Mann  Gefangene,  4  Geschütze  und  1  Fahne  zu  verzeichnen!  —  Nunmehr
  hatten  die  Franzosen  auf  dem  rechten  Rheinufer  nur  noch  die
Brückenköpfe  von  Kehl  und  von  Kastel  besetzt.

1843.  Preussisches  Gesetz  über  Aktiengesellschaften.

1846.  Papst  Pius  IX.  spricht  sich  in  einer  Encyklica  entschieden

missbilligend  gegen  die  Gesellschaften  zur  Verbreitung  der
Bibel  aus.

1848.  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  entlässt  das
freisinnige,  doch  nachgiebige  Ministerium  und  nimmt  ein  „thatkräftiges“
  an,  unter  Vorsitz  des  Grafen  von  Brandenburg,
—  das  Reaktionsministerium  Brandenburg-Manteufel,  das
Ministerium  der  „rettenden  That”,  wie  es  sich  selbst  nannte.

Dasselbe  führt  sich  mit  einer  königlichen  Botschaft  ein,
worin  der  konstituierenden  Versammlung  eröffnet  wird,  dass  sie  „um
ihre  Beratungen  vor  dem  Scheine  der  Einschüchterung
zn  bewahren“,  von  Berlin  nach  Brandenburg  verlegt  werde.

Die  Linke  derselben  protestiert  hiergegen  und  tagtin  Berlin
weiter.

Robert  Blum,  am  4.  November  in  Wien  verhaftet,  am
8.  von  einem  Kriegsgericht  zum  Strang  verurteilt,  wird  in  der
Brigittenau  bei  Wien  standrechtlich  erschossen.

Robert  Blum  hatte  sich  schon  in  den  vormärzlichen  Tagen  von
1848  als  politischer  Agitator  und  Schriftsteller  bemerklich  gemacht,  ward
1845  Vorstand  der  neugestifteten  deutsch-katholischen  Gemeinde  zu
Leipzig,  gründete  1847  eine  Verlagsbuchhandlung,  wurde  1848  im  Frankfurter
  Vorparlement  Vizepräsident,  dann  Mitglied  des  Fünfzigeraus-Schusses
  und  der  Nationalversammlung,  in  der  er  sich  als  bedeutender
Redner  der  Linken  hervorthat  und  beantragte  auf  die  Kunde  von  den
Wiener  Oktoberereignissen  eine  Beifallsadresse,  welche  er  mit  Fröbel
        <pb n="599" />
        —  589  —

den  Wienern  im  Namen  der  Linken  überbrachte.  Am  17.  Oktober  ehrenvoll
  empfangen,  trat  er  am  26.  als  Führer  eiuenElitekompagnie
  selbst  in  die  Reihen  der  Kämpfer  und  ward,  da  er  die
Waffen  gegen  kaiserliche  Truppen  geführt,  zum  Strange

verurteilt,  welches  Urteil  dann  in  Tod  durch  Pulver  und  Blei  verwandelt
wurde.

Seine  Hinrichtung  erregte  einen  wahren  Sturm  in  den  Gemütern
von  fast  ganz  Deutschland,  dem  auch  die  Nationalversammlung  am
14.  November  1843  Ausdruck  gab.

1859.  Patent,  betreffend  einen  von  3  zu  3  Jahren  zu  erteilenden
Preis  für  das  beste  Werk  der  deutschen  dramatischen  Dichtkunst.
1864.  Der  dänische  Volksthing  stimmt  dem  Friedensvertrage  bei.
1867.  Gesetz  des  norddeutschen  Bundes,  betreffend  die  Verpflichtung
  zum  Kriegsdienste.
1870.  Die  Deutschen  besetzen  die  französische  Hafenstadt  Dieppe.
Hartnäckiges  Rückzugsgefecht  der  Bayern  bei  Coulmiers.

General  von  der  Tann  zieht  sich  vor  feindlicher  Uebermacht
aus  Orleans  zurück.

1873.  Graf  Roon,  preussischer  Kriegsminister,  scheidet  aus  dem
Staatsdienst.

1882.  Der  Dichter  Franz  von  Kobell  stirbt  in  München  im  Alter
von  79  Jahren.

Seinen  namentlich  im  Dialekt  geschriebenen  Dichtungen  wird  in
Baden  und  der  Pfalz  ein  treues  Andenken  bewahrt  bleiben.

An  demselben  Tage  fürchterliches  Erdbeben  zu
Agram.
1887.  Mackenzie  erklärt  dem  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  von
Preussen,  die  neu  aufgetauchte  Geschwulst  sehe  krebsartig  aus.
1888.  Die  württembergische  Ministerkrisis  wird  durch  Entlassung
  der  beiden  amerikanischen  Günstlinge  König  Karls

beendigt.
        <pb n="600" />
        —  590  —

10.  November.

en

723.  Bonifacius  (Winfrid)  wird  in  Rom  vom  Papste  zum  Bischof
der  zu  gründenden  deutschen  Kirche  geweiht.

1417.  Auf  Drängen  des  Konstanzer  Konzils  wird  ein  neuer
Papst  gewählt.

Die  reformierte  Partei  wusste  die  Wahl  nach  ihrem  Willen  zu
lenken  und  es  durchzusetzen,  dass  dieselbe  auf  einen  Kardinal  Italiens
fiel,  der  ganz  ihren  Ansichten  angehörte.  —  Er  nannte  sich  MartinV.

Sofort  suchte  der  neue  Papst  nicht  nur  jede  Reform  zu  hintertreiben,
sondern  auch  das  Konzil  selbst  aufzulösen  und  dem  päpstlichen  Stuhle
seine  ganze  frühere  Gewalt  wieder  zu  erobern,  was  er  dadurch  erreichte,
dass  er  mit  jeder  Nation  einzeln  unterhandelte  und  besondere  Konkordate
  abschloss.

1433.  Karl  der  Kühne,  Herzog  von  Burgund,  zu  Dijon  geboren.
1444.  Schlacht  bei  Varna.

Die  Türken  unter  Murad  II.  schlagen  das  Christenheer  unter
Wladislaw  III.  von  Polen,  welcher  hier  den  Heldentod  stirbt.
1483.  Dr.  Martin  Luther,  der  grosse  Kirchenreformator  Deutschlands,
  als  Sohn  eines  Bauern  und  Bergmannes  zu  Möbra  ım
Mansfeldischen,  in  Eisleben  geboren.

1656.  Vertrag  zu  Labian  zwischen  dem  grossen  Kurfürsten
Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg  und  dem  König  Karl
Gustav  von  Schweden.

In  diesem  Vertrage  werden  dem  Kurfürsten  die  ostpreussischen
Zölle  und  die  Souveränität  über  Ostpreussen  und  Ermeland  zugesprochen.

1683.  Die  Türken  übergeben  Szesseny  in  Ungarn  den  belagernden

  Polen  und  Brandenburgern  unter  Oberst  Graf  Truchsess,.

1751.  Erste  Sitzung  der  Göttinger  Sozietät  der  Wissenschaften.

1756.  Gerhard  Johann  David  von  Scharnhorst,  preussischer
General  und  Schöpfer  der  Volksbewaffnung  im  Frühjahr  1813,  die
nach  seinem  Plane  ausgeführt  wurde,  zu  Hamelse  im  hannöverschen
von  bürgerlichen  Eltern,  die  daselbst  und  nachher  zu  Bothmar
ein  Gut  gepachtet  hatten,  geboren.

1759.  Friedrich  Schiller,  Deutschlands  Lieblingsdichter,  zu
Marbach  in  Schwaben  geboren.

Wie  Göthe  ein  Dichterfürst  durch  Gottes  Gnaden,  so  wurde  es
Schiller  durch  Mühe  und  Arbeit!

1794.  Sieg  der  Oesterreicher  unter  Ott  über  die  Franzosen
bei  Borgo  di  Val  Sugana  in  Südtyrol.
        <pb n="601" />
        —  591  —

1795.  Treffen  an  der  Pfrimm.

Die  Oesterreicher  und  die  Reichsarmee  unter  Clairfayt
schlagen  die  Franzosen.  |

1806.  Der  Herzog  von  Braunschweig,  in  der  Schlacht  von
Jena  und  Auerstädt  schwer  verwundet  und  des  Augenlichts  beraubt,
  stirbt  zu  Ottensen  bei  Altona,  wohin  er  sich,  von
Napoleons  I.  Hass  verfolgt,  flüchten  musste.

Dort  ward  er  auf  demselben  Friedhofe  begraben,  wo  Kloppstock,
der  deutsche  Freiheitssänger  unter  der  „kühlen  Linde  liegt.“

1807.  Robert  Blum,  Schriftsteller  und  politischer  Agitator,  zu
Köln  in  ärmlichen  Verhältnissen  geboren.

1810.  Martin  Eduard  Simson,  erster  Präsident  des  Reichsgerıchts
  in  Leipzig,  in  Königsberg  geboren.

Sein  Name  ist  mit  der  parlamentarischen  Geschichte  Deutschlands
eng  verwachsen.  1848  war  er  Mitglied  der  Frankfurter  Nationalversamm-Inng,
  im  Dezember  dieses  Jahres  ward  er  Präsident  derselben  ;  1849—  1852
Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses  und  von  1867  —  1874  Präsident
des  norddeutschen  und  des  deutschen  Reichstags.  1877  zog  er  sich  von
dem  parlamentarischen  Leben  ganz  zurück.  Seit  dem  Oktober  1879,
d.  h.  seit  der  Begründung  des  deutschen  Reichsgerichts,  wirkte
Simson  als  dessen  erster  Präsident.  Gleich  nach  seinem  Regierungsantritt
  verfügte  Kaiser  Friedrich  III.  drei  Verleihungen  des  höchsten
preussischen  Ordens  vom  Schwarzen  Adler.  Mit  der  Kaiserin  Viktoria
erhielten  diesen  Orden  der  preussische  Justizminister  Dr.  Heinrich  Friedberg
  und  der  erste  Präsident  desReichsgerichts  Dr.  Eduard
Simson.  —  Mit  Anfang  1891  ist  er  in  den  Ruhestand  getreten  und  hat
seinen  Wohnsitz  nach  Berlin  verlegt.

Aufhebung  der  Erbunterthänigkeit  der  Bauern
in  Preussen.

1848.  Das  preussische  Reaktionsministerium  Brandenburg-Manteuffel,
  welches  den  Sitz  der  preussischen  National-Versammlung
  von  Berlin  nach  Brandenburg  verlegt  hatte,  führt  einen
neuen  Gewaltakt  aus,  als  sich  der  Präsident,  Freiherr  von
Unruh,  ehrenvoll  dagegen  verwahrt,  indem  General  von  Wrangel
mit  einer  starken  Truppenmacht  den  Sitzungssaal  umstellt,  denselben
  mit  Truppen  besetzt,  die  Bürgerwehr  auflöst  und  den
Belagerungszustand  für  Berlin  verkündet,

1858.  Gründung  des  Künstler-Vereins  in  Leipzig.
1859.  Züricher  Friede.

Die  Präliminarien  von  Villafranca  werden  bestätigt  und  damit  der
österreichische  Einfluss  in  Italien  beseitigt.

Das  „Schillerfest“  zur  Erinnerung  an  die  100.  Wiederkehr
  des  Geburtstages  Schillers,  in  ganz  Deutschland  und  in
vielen  Teilen  des  Auslandes  gefeiert.

1870.  Kapitulation  der  Festung  Neu-Breisach.

Etwa  100  Offiziere  und  5000  Mann  werden  kriegsgefangen,  100  Geschütze

  erobert.
        <pb n="602" />
        —  959  —

1871.  Enthüllung  des  Schiller-Denkmals  (von  Reinhold
Begas)  auf  dem  Gensdarmenmarkt  zu  Berlin.

1873.  Fürst  Bismarck  übernimmt  wieder  den  Vorsitz  im  preussischen
Ministerium.

1876.  Enthüllung  des  Schillerdenkmals  auf  dem  vor  der  neuen
Akademie  gelegenen  Schillerplatz  zu  Wien.

1887.  Die  Aerzte  Mackenzie,  Schrötter,  Schrader,  Krause,

Schmidt  und  Hovell  erklären  die  Krankheit  des  Kronprinzen
(Kaiser  Friedrichs)  für  Krebs  des  Kehlkopfes.

 

 

11.  November.

a

1037.  Kaiser  Konrad  II.  soll  in  Italien  durch  eine  Verschwörung,
bei  welcher  dortige  Kirchenfürsten  beteiligt  sind,  meuchlings
ermordet  werden.

Kurz  vor  der  Ausführung  wurde  der  Mordplan  entdeckt  und  wurden
die  Haupträdelsführer,  die  Bischöfe  von  Cremona,  Vercelli  und  Piacenza
ergriffen  und  nach  Deutschland  zur  Haft  abgeführt.

1050.  Kaiser  Heinrich  IV.  geboren.

Er  zählte  bei  seines  Vaters,  Heinrichs  III.,  Tod  nicht  ganz  6  Jahre;
seine  Mutter,  die  Kaiserin  Witwe  Agnes,  wurde  nach  der  Verfügung  des
sterbenden  Kaisers  und  nach  dem  Gesetz  Reichsverweserin.  —  Merkwürdige
  Schicksale,  grosse  Ereignisse  und  Folgen  kennzeichnen  die  Regierung
  des  unglückseligen  Kaisers  Heinrich  IV.,  der  durch  seinen  „Gang
nach  Kanossa“  auch  in  unsern  Tagen  viel  genannt  wird.

1158.  Reichstag  zu  Mailand,  wozu  die  geistlichen  und  weltlichen
Grossen  Italiens  und  achtundzwanzig  Abgeordnete  aus  vierzehn
lombardischen  Städten  eingeladen  worden  waren.

Friedrich  I.  erklärte  ihnen,  als  Kaiser  stehe  er  zwar  über  den  Gesetzen,
  da  er  als  solcher  ja  die  Quelle  aller  Gesetze  sei;  aber  weil  er
den  Despotismus  nicht  liebe,  ziehe  er  vor,  bei  dem  Reichstage  zu  beantragen,
  nach  Massgabe  der  Gesetze  der  alten  römischen  Kaiser,  deren
Nachfolger  er  ja  sei,  den  öffentlichen  Rechtszustand  neu  zu  ordnen.

1208.  Reichstag  zu  Frankfurt  a.  M.,  auf  welchem  Otto  IV.

strenges  Gericht  gegen  den  Meuchelmörder,  Pfalzgrafen  Otto
von  Wittelsbach,  übt.

Dieser  hatte  am  21.  Juni  desselben  Jahres  den  König  Philipp  zu
Bamberg,  woselbst  dieser  die  Hochzeit  seiner  Nichte  Beatrix  mit  dem
Herzog  von  Meran  feierte,  ermordet  und  war  entflohen.  —  Zu  Frankfurt
nun  führte  der  Bischof  von  Speyer,  der  jener  Mordscene  beigewohnt
hatte,  die  zwölfjährige  Tochter  des  ermordeten  Philipps,  die  liebliche
        <pb n="603" />
        —  593  —

Beatrix,  in  die  Reichsversammlung  vor  den  Thron  des  Kaisers.  Weinend
rief  das  Kind  den  Kaiser  um  Rache  für  den  Vater  an.  Da  sprach  Otto

IV.  die  Reichsacht  über  den  Mörder  und  über  alle,  die  um  die  blutige
That  gewusst,  aus.

1417.  Martin  V.  zu  Konstanz  zum  Papst  gewählt.

1606.  Friede  zu  Sitwa  Torok  zwischen  Oesterreich  und  der
Türkeı.

Die  Türken  erkennen  Rudolf  II.  als  Kaiser  an.  —  Aufhören  des
Jäbrlichen  Tributs;  —  diplomatischer  Verkehr  zwischen  beiden  Ländern.

1673.  Schlacht  am  Dnjestr  bei  Chotschim.

Die  Polen  unter  Johann  Sobieski  besiegen  die  Türken.

1688.  General  Monclas,  welcher  kurze  Zeit  vorher  mit  einer  französischen
  Heeresmacht  vor  Mannheim  erschienen  war
und  durch  ein  heftiges  Bombardement  einen  Teil  der  Stadt  in
Brand  gesteckt  hatte,  nötigt  deren  Besatzung  zur  Uebergabe.

Dies  zwang  das  gleichzeitig  überfallene  Frankenthal  zur  Kapitulation,
  so  dass  nunmehr  sich  die  ganze  Pfalz  in  Händen  der  Franzosen
befand,  da  schon  vor  Mannheim  sich  auch  Heidelberg  ergeben  hatte.

1731.  Vertreibung  der  Protestanten  aus  Salzburg.

Seit  1729  versuchte  der  brutale  Erzbischof  Graf  Firmian  eine  gewaltsame
  Bekebrung  der  Evangelischen  im  Salzburgischen,  die  als  stille
und  fleissige  Unterthanen  bis  dahin  geduldet  waren.  Aber  das  biedere
Bergvolk  blieb  seinem  Glauben  getreu  trotz  aller  Quälerei.  Als  der
Erzbischof  selbst  mit  körperlichen  Martern  nichts  ausrichten  konnte,
glaubte  er  die  Bauern  beim  Beutel  fassen  zu  müssen  und  legte  ihnen
ungeheure  Geldstrafen  auf.  Aber  auch  dies  half  nichte.  Da  schickte
er  endlich  eine  Commission,  um  zu  erforschen,  wie  viel  der  Ketzer  vorhanden
  seien  und  siehe  da,  es  hatten  sich  über  20  000  gemeldet.  „Thut
nichts“,  sagte  der  Erzbischof,  „ich  will  die  Ketzer  aus  dem  Lande  haben
und  sollten  künftig  nur  Dornen  und  Disteln  darin  wachsen!“  —  Die
Evangelischen  wandten  sich  flehend  an  den  Kaiser  Karl  VI.  um  Schutz
gegen  solche  Gewaltthat.  Derselbe  erliess  aber  ein  Fatent,  worin  er
den  Salzburgern  unbedingte  Unterwerfung  befahl  und  liess
6000  Mann  in  die  Gebirge  schicken,  um  den  Befehl  mit  Gewalt  zu  vollziehen.
  —  Der  edle  König  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preussen  bot
ihnen  Schutz  und  Land  an.

1757.  Schweidnitz  ergiebt  sich  den  Oesterreichern  unter
Nädasdy.

1803.  Adolf  von  Bonin,  preussischer  General  und  von  August
1870  bis  März  1871  Generalgouverneur  von  Lothringen,
geboren.

Er  starb  als  dienstthuender  Generaladjutant  des  Königs  am  16.
April  1872  zu  Berlin.

1805.  Gefecht  bei  Dürrenstein  in  Oesterreich  unter  der  Ens.

Die  Franzosen  unter  Mortier  werden  von  den  vereinigten
Russen  und  Oesterreichern  unter  Kutusow  und  Schmidt  total

geschlagen.
38
        <pb n="604" />
        —  594  —

1813.  Kapitulation  von  Dresden.

Da  Fürst  von  Schwarzenberg  die  von  dem  österreichischen  General
Klenau  der  französischen  Besatzung  verwilligten  Bedingungen  verwarf,
wurden  32  Generäle,  1759  Offiziere  und  33  744  Mann  kriegsgefangen  und
noch  Mähren  und  Ungarn  abgeführt.  —  Erbeutet  wurden  25  Haubitzen
und  69  Kanonen  französisches  Feldgeschütz,  8  Mörser,  26  Haubitzen  und
und  117  Knnonen  zur  Festung  gehörig;  ausserdem  noch  Kriegsbedürfnisse
  im  Wert  von  5  Millionen  Thaler.

1817.  Grenzvertrag  zwischen  Preussen  und  Russland.

1848.  Denkschrift  der  zu  Würzburg  versammelten  Bischöfe  zur
Erweiterung  ihrer  Gewalt.

1866.  Friedensdanktest  in  Preussen.

1867.  Die  Auflösung  des  deutschen  Nationalvereins  wird
bei  einer  Zusammenkunft  des  Vereins  zu  Frankfurt  a.  M.  beschlossen.
  —  Die  gesammelten  Flottengelder  wurden  dem  Verein
für  Rettung  Schiffbrüchiger  überwiesen.

1870.  Siegreiches  Gefecht  der  Deutschen  ber  Mömpelgard.

1875.  Erlass  des  preussischen  Oberkirchenrats,  betreffend  die  “
Zusammenberufung  der  Generalsynode.

Die  Aufständischen  in  der  Herzegowina  siegen  bei
Goransko.

1879.  Im  preussischen  Abgeordnetenhause  Generaldebatte  über  die
Regierungsvorlage,  den  Ankauf  der  Eisenbahnen  Berlin—
Stettin,  Magdeburg—  Halberstadt,  Hannover—  Altenbecken,  Köln
—  Minden  (zusammen  eine  Länge  von  3124  Kilom.)  durch  den
Staat  betreffend.

Minister  Maybach  bezeichnet  bei  dieser  Gelegenheit  die  Börse  als
„einen  Giftbaum,  der  auf  das  Leben  der  Nation  seinen
verderblichen  Schatten  wirft“.

1885.  Erlass  einer  neuen  päpstlichen  Encyelica.

1888.  Deutschland  und  England  vereinigen  sich  zur  Unterdrückung
des  Sklavenhandels  in  Ostafrika.
        <pb n="605" />
        —  595°  —

12.  November.

1419.  Einweihung  der  Universität  Rostock.

1614.  Vertrag  von  Xanten,  nach  welchem  Oleve,  Mark,  Ravensberg
  und  Ravenstein  unter  Brandenburg  und  Jülich  und
Berg  unter  Neuburg  kominen.

1673.  Johann  Sobiesky  oder  Johann  III.,  König  von  Polen,
und  einer  der  grössten  Krieger  des  17.  Jahshunderts,  erstürmt
das  befestigte  Lager  der  Türken  bei  Choczim.

Die  Türken  verloren  hierbei  mehr  als  28000  Mann.

1712.  August  IIL,  Kurfürst  von  Sachsen,  tritt  in  Bologna  zum
Katholizismus  über.

1789.  Philipp  Jakob  Siebenpfeiffer,  ein  noch  heute  viel
gefeierter  politischer  Schriftsteller  und  Volksmann  von  echt
deutscher  und  freiheitlicher  Gesinnung,  zu  Lahr  im  Breisgau
geboren.

Sein  Name  lebt  namentlich  bei  den  freisinnigen  Pfälzern  in  nie  erlöschendem
  Andenken!

1791.  Entgegen  der  wieder  Frankreich  gerichteten  „Demonstration
von  Pilnitz”  richtet  Kaiser  Leopold  II.  ein  Rundschreiben
an  die  deutschen  Höfe,  in  welchem  er  erklärt,  dass  durch  die
Annahme  der  Konstitution  von  Seiten  des  Königs  von  Frankreich
  die  Lage  der  Dinge  als  wesentlich  verändert  erscheine,
und  dass  vor  der  Hand  keine  Gefahr  für  das  monarchische
Prinzip  vorhanden  sei.

1795.  Mannheim,  durch  eine  Besatzung  von  10000  Mann,  welche
der  französische  General  Pichegru  bei  seinem  Abzug  auf  das
linke  Rheinufer  zurückgelassen,  verteidigt,  wird  von  den  Oesterreichern
  unter  General  Wurmser  heftig  beschossen,  worauf  es
sich  am  22.  Nov.  ergiebt.

1796.  Gefecht  bei  Caldiero.

Die  Oesterreicher  unter  Alvinczy,  von  Napoleon  auf  den  Höhen
von  Caldiero  bei  Verona  angegriffen,  schlagen  denselben  siegreich  zurück.

1805.  Napoleon  I,  der  nach  seinen  Erfolgen  in  Bayern  durch
Eilmärschen  in  Oesterreich  einzudringen  suchte,  lässt  durch  eine
vorgeschobene  Heeresabteilung  unter  Murat  Wien  besetzen.

1806.  Hannover  von  den  Franzosen  unter  Mortier  besetzt.
        <pb n="606" />
        —  596  —

1813.  Russen  und  Preussen  in  Düsseldorf.
Anschluss  Nassaus  an  die  Alliierten.
Die  Festung  Sonnenstein  kapituliert  nach  dem  Fall  von

Dresden.
Die  aus  500  Mann  bestehende  Garnison  wird  kriegsgefangen  nach
Dresden  transportiert.

1826.  Sachsen-Gothaischer  Successions-Vergleich.

1847.  Kaiser  Ferdinand  von  Oesterreich  eröffnet  den  letzten  Reichstag
  in  Pressburg.
Seit  der  Februarrevolution  wurde  die  Sprache  des  Reichstags  immer

kühner  und  die  Wiener  Regierung  immerwährend  zu  neuen  Zugeständnissen
  genötigt.

1869.  Johann  Friedrich  Overbeck,  ein  berühmter  Maler,
stirbt  in  Rom.

1870.  L’Islesur  Dous  und  Clerval  nach  zwei  kleinen  Gefechten
durch  die  Deutschen  besetzt.

Die  französischen  Mobilgarden  ziehen  nach  Süden  ab.  Eine  unterminierte
  Brücke  wird  entladen.

An  demselben  Tage  nach  der  offiziellen  Depesche:  „siegreiches
  Gefecht  zwischen  8.  M.  Kanonenboot  „Meteor“
Kapitän-Lieutenant  Knorr  und  dem  französischen  Aviso  „Bouvet“
in  den  Gewässern  von  Havanna.

Letzterer  stark  beschädigt,  flüchtete  nach  Havanna,  wohin  er  von
dem  „Meteor“  verfolgt  wird,  Verluste  des  „Meteor“  zwei  Tote,  ein  Verwundeter.


1878.  Fürst  Bismarck  beantragt  durch  ein  Schreiben  an  den
Bundesrat  Revision  des  deutschen  Zolltarifs  und  Einsetzung
einer  Tarifkommission  aus  Bevollmächtigten  der  deutschen
Bundesstaaten.

1887.  Ausweisung  von  6000  Israeliten  aus  Tiflis.

Kündigung  des  schweizerischen  Handelsvertrages  mit
Oesterreich.
        <pb n="607" />
        —  51  0  —

13.  November.

354.  Aurelius  Augustinus,  der  wichtigste  aller  Lehrer  der
katholischen  Kirche,  zu  Tagaste  in  Numidien  geboren.  °

Die  römische  Kirche  verehrt  ihn  als  Heiligen  und  feiert  den  3.  Mai
als  den  Tag  seiner  Bekehrung.  Seine  Lehre  war  von  ungeheurem  Einfluss
  auf  die  Begründung  des  Protestantismus,  so  dass  man  wohl  sagen
kann:  „ohne  ihn  wären  weder  Luther,  noch  Calwin“.

833.  Kaiserschändung  Ludwigs  des  Frommen  in  der  Medarduskirche
  zu  Soissons,  angesichts  seines  Sohnes,  des  König  Lothar
und  auf  Anregung  und  unter  Leitung  der  katholischen

Geistlichkeit.
867.  Papst  Nikolaus  I.  stirbt,  kaum  50  Jahre  alt.

1475.  Die  Eidgenossen  unter  Jakob  von  Savoyen  schlagen  den
Herzog  Karl  von  Burgund  bei  Hericourt,  das  er  belagert.

Es  dürfte  hier  der  Hinweis  am  Platze  sein,  Hericourt  im  französischen
  Departement  Haute  Saone  gelegen,  während  der  dreitägigen
Schlacht  bei  Belfort  vom  15.—17.  Januar  1870  den  Mittelpunkt  der
deutschen  Stellung  bildete.

An  demselben  Tage  (1475)  schlagen  die  Walliser  die
Savoyen  bei  La  Planta,  machen  sich  unabhängig  und  treten
mit  dem  Kanton  Bern  in  einen  Bund.

1486.  Johann  Mayer  von  Eck,  Gegner  Luthers  und  der  reformatorischen
  Bestrebungen  zu  Eck  in  Schwaben  geboren.

1504.  Philipp  der  Grossmütige,  Landgraf  von  Hessen,  ein
Hauptbeförderer  der  Reformation,  geboren.

Er  war  erst  5  Jahre  alt,  als  sein  Vater  starb  und  wurde  das  Land
daher  durch  eine  Vormundschaft  verwaltet.  Als  er  Landgraf  geworden,
nahm  Philipp  anfangs  keinen  Teil  an  dem  entbrannten  Kirchenstreite
nnd  begnügte  sich  auf  dem  Reichstage  zu  Worms,  wo  Luther  vor  Kaiser
und  Reich  sich  verantworten  musste,  ihn  zu  besuchen  und  ihm  Beweise
seiner  Achtung  zu  geben.  „Habt  Ihr  Recht,  Herr  Doktor,
sagte  er  zu  ihm,  „go  helfe  Euch  Gottt!“  Auf  seiner  Rückreise  gab
er  ihm  das  Geleit  durch  sein  Land  und  bestärkte  den  Kaiser  im  Halten

seines  dem  Luther  gegebenen  Wortes.
1567.  Moritz  von  Nassau,  Prinz  von  Oranien,  zu  Dillenburg

geboren.  |
Bald  nachdem  sein  Vater,  Prinz  Wilhelm  I  von  Oranien,  meuchelmörderisch
  erschossen  worden  war,  wählten  ihn,  den  kaum  achtzehn
        <pb n="608" />
        —  598  —

Jahre  zählenden  Jüngling,  die  Provinzen  Holland  und  Seeland,  nachher
auch  Utrecht,  zu  ihrem  Statthalter.  Mit  ausserordentlichen  Talenten
ausgerüstet,  übertraf  er  als  Feldherr  bald  alle  Erwartungen  und  verlieh
durch  seine  Siege  und  Eroberungen  der  neu  gegründeten  Republik  der
vereinigten  Niederlande  Festigkeit.  Er  starb  am  23.  April  1625  im  Haag.

1618.  Eröffnung  der  Dortrechter  Synode.  .
Dieselbe  währte  bis  zum  19.  Mai  1619  und  erklärte  die  Lehre  der
Arminianer  als  ketzerisch,  den  strengen  Prädestiatianismus  als  die  wahre
Lehre  ınd  die  sogenannte  beligische  Konfession  neben  dem  „Heidelberger
  Katechismus“  als  Symbol  annehmbar.

1771.  Konrad  Ernst  Ackermann,  Schauspieler  und  Schöpfer
der  deutschen  Schaubühne,  stirbt.

1801.  Elisabeth,  Königin  von  Preussen,  Tochter  Max  I.  von
Bayern,  geboren.

Sie  war  Gemahlin  Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  und
auf  dessen  Politik  sie  grossen  Einfluss  ausübte,  um  ihre  Ziele:  „Friede
mit  der  Kirche,  selbst  auf  Kosten  des  Staats,  Fortbestand  des  deutschen
Bundestags,  Erhaltung  des  Status  quo  und  engste  Freundschaft  mit
Oesterreich  realisiert  zu  sehen.  —  Sie  starb  in  der  Nacht  vom  13.  zum
14.  Dezember  1873  zu  Dresden.

1805.  Einzug  der  französischen  Truppen  in  Wien.
1813.  Die  Franzosen  unter  Davoust  verlassen  Ratzeburg.

1848.  Niederlage  der  Ungarn  bei  Szamos-Ujvar  durch  die
Oesterreicher.

1851.  Der  unterseeische  Telegraph  zwischen  Dover  und
Calais  wird  dem  Verkehr  übergeben.

1862.  Ludwig  Uhland,  ein  Volksdichter  von  echt  deutscher  und
freiheitlicher  Gesinnung,  stirbt  in  Tübingen,  seiner  Geburtsstadt.

„Kaum  ein  Dichter  hat  so,  wie  er,  von  den  obersten  bis  zu  den
untersten  Stufen  der  Bildung  alle  Herzen  erfreut,  alle  Gemüte  erfrischt*.

1870.  Gambetta  geht  nach  Orleans  und  erlässt  dort  eine  Proklamation.


1872.  Adele  Spitzeder  wird  in  München  verhaftet.
An  demselben  Tage  grosse  Sturmflut  in  der  Ostsee.

1880.  General  August  Karl  von  Goeben  stirbt  zu  Koblenz-Er

  führte  1866  die  13.  Division  erst  in  Hannover,  dann  in  Süddeutschland,
  wo  er  die  Bayern  bei  Dermbach  und  Kissingen  (7.  bezw.
10.  Juli),  die  Hessen  bei  Laufach  (13.  Juli)  und  die  Oesterreicher  bei
Aschaffenburg  (14.  Juli)  schlug  und  am  1.  August  Würzburg  besetzte.  —
1870  kommandierte  er  das  8.  Armeecorps  bei  der  l.  Armee  und  übernahm
  1871  an  Manteuffels  Stelle  den  Öberbefehl  über  die  I.  Armee,
siegte  bei  Bapaume  (5.  Januar)  und  bei  St.  Quentin  (9.  Januar).

An  demselben  Tage  stirbt  zu  Boston  Karl  Peter
Heinzen,  ein  vielgenannter  „deutscher  Revolutionär“  und
politischer  Schriftsteller,
        <pb n="609" />
        -—  59  —

1882.  Gottfried  Kinkel,  ein  vielgefeierter,  durch  sein  Schicksal
sowohl  als  seine  freiheitliche  Gesinnung,  sehr  bekannt  gewordener
Dichter  Deutschlands,  stirbt  zu  Zürich.

Kinkel  beteiligte  sich  1849  am  badischen  Aufstand,  wurde  von  den
Preussen  gefangen  genommen  und  vor  das  Kriegsgericht  zu  Rastatt  gestellt,
  zum  Tode  verurteilt  und  dann  zu  lebenslänglicher  Zuchthausstrafe

nbegnadigt“,  die  er  in  Spandau  verbüssen  sollte.  In  der  Nacht  vom
7.  Novemher  1850  fand  er  endlich  die  Freiheit  wieder.

1887.  Der  Reichtagabgeordnete  Hasenclever  wird  irrsinnig.

1888.  Veröffentlichung  der  amtlichen  Korrespondenz  zwischen  Deutschland
  und  England  bezüglich  der  ostafrikanischen  Blokade.

 

14.  November.

1333.  Der  mit  dem  Banne  des  Papstes  Johann  XXII.  behaftete
Kaiser  Ludwig  der  Bayer  willigt  in  seiner  Gewissensangst
in  das  päpstliche  Verlangen  und  verzichtete,  hinter  dem
Rücken  seiner  helldenkenden  Berater,  auf  die  deutsche  Krone.

1633.  Bernhard  von  Weimar,  Regensburg  immer  nachdrücklicher
  berennend,  erobert  diesen  wichtigen  Platz  und  befleckte
  sodann  seinen  Ruf  durch  harte  Gelderpressungen  gegen
die  katholische  Geistlichkeit  und  durch  willkürliches  Verfahren

überhaupt.
1659.  Schlacht  bei  Nyborg  an  der  Ostküste  der  Insel  Fünen.
Die  Brandenburger,  Holländer  und  Dänen  besiegen-  die  Schweden,
welche  2000  Mann  verlieren.
1716.  Gottfried  Wilhelm  Freiherrvon  Leibnitz,  einer  der
bedeutendsten  Philosophen  aller  Zeiten,  stirbt,  im  70.  Jahre

seines  Alters  zu  Hannover.

Die  dankbare  Nachwelt  hat  dem  verehrten  Weisen  in  den  schönen
Umgebungen  Hannovers  ein  Denkmal  errichtet,  welches  bloss  aus  einem
am  Ende  der  grossen  Allee  errichteten  Tempel  besteht,  der  Leibnitz’s
Büste  beschirmt,  und  nur  die  Worte:  „Ossa  Leibnitii  bezeichnen  den
Stein,  unter  welchem  die  Hülle  des  Mannes  ruht,  den  noch  in  späten
Zeiten  die  deutsche  Nation  ihren  Stolz  nennen  wird.

1812.  Napoleon  verlässt  auf  der  Retirade  Smolensk.  |
Eugen  Beauharnais  schlägt  die  Russen  unter  Wittgenstein

bei  Smoliantsy.  .
1814.  Wilhelm  Löwe  (-Kalbe),  Arzt  und  Politiker,  zu  Olvenstedt

bei  Magdeburg  geboren.
        <pb n="610" />
        —  60  °  —

1825.  Jean  Paul  Friedrich  Richter,  berühmter  humanistischer
Schriftsteller  voll  jugendlicher  Gefühlsschwärmerei,  voll  herzlicher
Innigkeit  und  reicher  Phantasie,  stirbt  zu  Baireuth.

In  ihm  waren  die  Kontraste  der  Zeit  auf  die  seltsamste  Weise  versöhnt.
  Er  teilte  die  Schwächen  des  Jahrhunderts  und  war  in  sie  verliebt
wie  Goethe,  aber  er  verspottete  sie  zugleich  und  gieng  in  jedem  Augenblick
  aus  dem  Weinen  der  innigsten  Rührung  in  das  Lachen  des
schneidensten  Sarkasmus  über.

1826.  Eröffnung  der  Universität  München.

1831.  Georg  Wilhelm  Friedrich  Hegel,  berühmter  deutscher
Philosoph,  stirbt  an  der  Cholera  zu  Berlin.

Die  Hegel’sche  Philosophie  beruht  auf  der  Voraussetzung,  dass  die
endlichen  Dinge  nicht  als  Erscheinungen  für  uns  gelten,  die  nur  in
unserem  Bewusstsein  wären,  sondern  als  Erscheinungen  an  sich,  ihrer
eigenen  Natur  nach,  d.  h.  als  solches,  was  den  Grund  seines  Seins  nicht
in  sich,  sondern  in  der  allgemeinen  göttlichen  Idee  hat.  Dem  Subjekt
  gab  er  das  Uebergewicht  und  behauptete  einen  sich  selbst  in  der
Geschichte  fortdenkenden  Gott,  der  zwar  auf  jeder  Stufe  seiner  eignen
Ausbildung  vollkommen  Gott,  aber  auf  jeder  weitern  Stufe  ein  immer
vollkommnerer  sei,  so  dass  wir  Menschen  der  heutigen  Zeit,  in  denen
Gott  sich  denkt,  uns  unbedenklich  für  die  höchsten  \Vesen  halten  dürfen,
die  je  existiert.  Von  diesem  Standpunkt  aus  bewies  Hegel,  —  „dassder

yigdgenwärtigeZustandPreussens  (also  in  den  zwanziger  Jahren!!)
4rr  une:  ‚eigentlich  ideale  sei.

ob,  oıPie  Hegel'sche  Philisophie  beförderte  Orthodoxie  auf  dem  Gebiet
arelösen,  loyale  Gesinnung  auf  dem  des  politischen

En  A
1898.  N  Reli  preussischer  Erlass  wegen  Errichtung  der  Adlität.

  in  Berlin.
ann  tn  Gr

18shBu.Der  ‚dänische  Reichstag  nimmt  die  neue  Verfassung  an,  wodurch
  Schleswig  Dänemark  inkorporiert  werden  soll.

1867.  INbrddeutsehes  Bundesgesetz,  betreffend  die  vertragsmässigen
‚aahfade  en,  IHmatZ

Gioachimo  Antonio  Rossini,  berühmter  italienischer
(fi  .
&amp;gt;   komnponit,  stirbt  zu  Passy  bei  Paris.

il
1870.  Abteilungen  der  I.  Infanterie-Division  weisen  einen  von
use  FARLE  a8,  gerichteten  Angriff  zurück.

utattlo  :

Fell,  Diedenhofen  (Thionville)  von  General  von  Kameke  mit
oh  ABK:  1A,  ‚preussischen  Infanterie-Division  cerniert.

tosiqe  fl  Yo
4  Pre  ussisk  che,  Ulanen  bei  Nemours  von  Franctireurs

überfallen”  lan.

BA.  Andrang  wird,  zum  österreichischen  Minister  des  Auswärtigen

  ernannt.

1BA6.  Abm  ‚Rundschreiben  des  Fürsten  Gortschakoff  kündigt  die
Mobilmachung  eines  Teiles  der  russischen  Armee  an.
        <pb n="611" />
        —  601  —

1880.  Allgemeiner  deutsch-österreichischer  Parteitag
in  Wien.

‚,  ,  Ueber  3000  Deutsche  aus  allen  Provinzen  Cisleithaniens  beteiligen
sich  daran.  Es  wird  die  einstimmige  Resolution  gefasst,  „Angesichts
der  Gefahr,  die  die  Hegemonie  der  Deutschen  im  Kaiserstaat  zu  vernichten
  und  sie  nur  zu  einer  geduldeten  Bevölkerung  herabzudrücken

uroht,  einmütig  zusammenzuhalten  und  alle  Parteiunterschiede  fallen  zu
assen.

1885.  Kriegserklärung  Serbiens  an  Bulgarien.

1887.  Russlands  Protest  gegen  die  englisch-französische  Suez-Konvention.


1890.  Eröffnung  des  preussischen  Landtags  durch  König
Wilhelm  II.

In  der  Thronrede  wird  darauf  hingewiesen,  das  die  freundlichen
Beziehungen  des  Reichs  zu  allen  auswärtigen  Staaten  sich  im  Laufe
dieses  Jahres  noch  mehr  befestigt  haben  und  er  mit  Vertrauen  die
fernere  Erhaltung  des  Friedens  erwarte.  —  Mit  knappen  und  kurzen
Worten,  wie  es  in  dem  Wesen  des  Kaisers  liegt,  wird  die  Notwendigkeit
einer  vollen  Hingabe  an  die  ernsten  Arbeiten  und  die  Hoffnung  eines
vertrauensvollen  Zusammenwirkensbetont.  "Trotz  der  nüchternen  Geschäftsmässigkeit
  der  Thronrede  zieht  sich  doch  ein  Grundgedanke  als  dominierender
  Gesichtspunkt  für  das  ganze  Reformwerk  hindurch:  Die
Entlastung  des  minder  begüterten  Teiles  des  Volkes  und
die  gerechtere  VerteilungderLasten.  Die  Ihronrede  verkündet
mit  Motivierungen  den  Gesetzentwurf  betr.  die  Einkommensteuer,
die  Abänderung  des  Erbschaftssteuergesetzes,  den  Entwurf  zum
Volksschulgesetz,  den  Entwurf  zur  Abänderung  des  Gesetzes  betr.
die  Ueberweisung  von  Beträgen  aus  den  landwirtschaftlichen
Zöllen  an  die  Kommunalverbände  und  schliesslich  den  Entwurf  einer
Landgemeindeordnung  für  die  7  östlichen  Provinzen.  Auf  diese
Entwürfe  bezüglich  sagt  die  Thronrede:  „Das  Ziel  dieser  Gesetzentwürfe
ist  eine  gerechtere  und  gleichmässigere  Voranlagung  der  direkten  Steuern
und  im  Zusammenhange  damit  eine  verhältnismässige  Entlastung  der
kleineren  und  mittleren  Einkommen  und  gewerblichen  Betriebe.“
        <pb n="612" />
        —  602  —

15.  November.

&amp;gt;

1136.  Leopold  der  Heilige,  Markgraf  von  Oesterreich,  stirbt.
Er  baute  das  Kloster  Neuburg  und  die  Kirche  Maria  Zell.

1271.  David  von  Augsburg,  mytischer  Schriftsteller,  stirbt  zu
Augsburg.
Er  wird  für  den  Verfasser  des  „Schwabenspiegels“  gehalten.

1280.  Albertus  Magnus,  Graf  von  Bollstädt,  der  grösste  unter
den  Scholastikern  des  13.  Jahrhunderts,  stirbt  zu  Köln.

Er  ist  der  erste  Scholastiker,  der  die  gesamte  Philosophie  des  Aristoteles
  in  systematischer  Ordnung  unter  durchgängiger  Mitberücksichtigung
  arabischer  Kommentatoren  reproduziert  und  im  Sinne  des  kirchlichen
  Dogmas  umgebildet  hat.

1315.  Herzog  Leopold  von  Oesterreich  wird  von  den  Schweizern
in  der  berühmten  Schlacht  bei  Morgarten  gründlich  geschlagen.


1533.  Franz  Pizarro  hält  an  der  Spitze  seiner  Spanier  in  Cuzco,
der  Hauptstadt  von  Peru,  seinen  Einzug,  und  erklärt  dieses
für  eine  spanische  Provinz.

1627.  Wallenstein  trifft  n  Berlin  ein.

Mehrere  kaiserliche  Regimenter  werden  in  der  Stadt  einquartiert.

1630.  Johann  Kepler,  ein  berühmter  Mathematiker  nnd  Astronom,
stirbt  im  59.  Lebensjahre  zu  Regensburg,  wo  ihm  1808  von
Karl  Theodor  v.  Dalberg  ein  Denkmal  errichtet  wurde.

Dem  Kepler  verdankt  die  Astronomie  den  Grund  der  Höhe,  zu
welcher  sie  in  den  neueren  Zeiten  gelangt  ist.  Er  ist  Entdecker  der
Fundamentalgesetze  der  Planetenbewegung:

1.  Die  Bahnen  aller  Planeten  sind  Elipsen,  in  deren  einem  Brennpunkte
  die  Sonne  steht;

2.  die  von  der  Sonne  nach  dem  Planeten  gezogene  Gerade,  der
„Radius  vector“  beschreibt  in  der  Bahnebene  des  Planeten  Flächenräume,
  die  sich  wie  die  durchlaufenen  Zciten  verhalten;

2.  die  Quadrate  der  Umlaufzeiten  zweier  beliebiger  Planeten  ver-Daten
  sich  zu  einander  wie  die  Kurben  der  halben  grossen  Achsen  ihrer

ahnen.

Er  schrieb  eine  „Weltharmonie,“  worin  er  die  Zahlen,  Töne
und  Formen  auf  ein  allgemeines  (jesetz  zurückführte.

Die  Mitwelt  wusste  diesen  ausserordentlichen  Mann  nicht  gehörig
zu  schätzen.  Er  lebte  arm  und  in  Kummer,  oft  hintergangen  und  vernachlässigt.


Die  von  Kepler  entdeckten  Gesetze  des  Planetenlaufs  (die  oben
angeführten  sogenannten  drei  Kepler'schen  Regeln)  gaben  dem  engglichen
  Astronomen  Newton  die  nähere  Veranlassung  zu  seinen  Ent-
        <pb n="613" />
        —  603  °  —

deckungen.  Keplers  unsterbliche  Verdienste  um  die  Astronomie  haben

in  unseren  aufgeklärten  Zeiten  bei  einer  dankbaren  Nachwelt  ihre  gerechte
  Verehrung  gefunden.

1659.  Nyborg  auf  Fühnen  wird  den  Brandenburgern  unter
General  von  Quost  übergeben.

Die  schwedische  Besatzung:  3  Generäle  und  4000  Mann  werden
kriegsgefangen.

1680.  Waffenstillstand  von  Yolara  zwischen  dem  ungarischen

Insurgentenführer  Tököli  und  dem  deutschen  Kaiser  L  eo  poldl.

1702.  Stiftung  der  Leopoldinischen  Universität  in  Breslau
durch  Leopold  1.

1703.  Schlacht  bei  Speyer  (am  Speyerbach).

Sieg  der  Franzosen  unter  Tallard  über  die  Kaiserlichen  unter
dem  Prinzen  von  Hessen,  der  zum  Ersatz  von  Landau  heranzieht.

1715.  Rügen  wird  von  den  Brandenburgern  eingenommen.

1738.  Wilhelm  Herschel,  ein  berühmter  Astronom,  zu  Hannover
geboren.

Sein  Hauptverdienst  besteht  darin,  dass  es  seinem  unermüdeten
Fleisse  gelungen  ist,  die  astronomischen  Instrumente  ganz  ausserordentlich
  zu  verbessern.  Herschel  entdeckte  (1783)  einen  Vulkan  im  Monde
und  1787  noch  zwei  andere;  am  Urbanus  entdeckte  er,  dass  er  mit  einem
Ring  umgeben  sei  und  sechs  Trabanten  habe,

1741.  Johann  Kaspar  Lavater,  Patriot,  Prediger,  Dichter  und

Schriftsteller  der  deutschen  „Sturm-  und  Drangperiode*,  zu
Zürich  geboren.

1748.  Eröffnung  des  Berliner  Invalidenhauses.

1774.  Gasparo  Spontini,  Opernkomponist  und  als  solcher  Hauptrepräsentant
  der  grossen  Pompoper,  zu  Majolatı  bei  Jesi  im  ehemaligen
  Kirchenstaat  geboren.

Er  starb  am  24.  Januar  1851  in  seiner  Heimat.

1787.  Ritter  Christoph  Willibald  Gluck,  berühmter  Componist,
  stirbt  zu  Wien  an  einem  Schlagfluss,  mit  Hinterlassung
eines  sehr  bedeutenden  Vermögens.

Mit  Recht  wird  er  der  „Reformator  der  Oper“  genannt.  Seine  Oper
„Iphigenie  in  Aulis“  erlebte  in  2  Jahren  170  Aufführungen.

1796.  Schlacht  von  Arcole  während  des  französischen  Revolutionskrieges.

  |

Drei  Tag  (15.—17.  Nov.)  dauerten  hier  die  Kämpfe  zwischen  den
Oesterreichern  und  Franzosen,  unter  ihrem  kaum  siebenundzwanzigjährigen
  Obergeneral  Napoleon  Bonaparte,  in  welchen  die  ersteren
zwar  die  grösste  Tapferkeit  entwickelten,  doch  am  Ende  umgangen  und

vollständig  geschlagen  wurden.

1805.  Gefecht  bei  Schöngrabern  in  Niederösterreich.

Die  Franzosen  schlagen  die  Russen  in  die  Flucht.
        <pb n="614" />
        —  604  —

1807.  Napoleon  I.  gründet  das  Königreich  Westfalen  und
macht  seinen  Bruder  Jeröme  zum  König.

1813.  Napoleon  I.  nimmt  den  ihm  angebotenen  Frieden  nicht  an,
giebt  vielmehr  Befehl  von  neuem  300000  Mann  auszuheben.

An  demselben  Tage  empören  sich  die  Holländer  unter
dem  Beistand  der  preussischen  Nordarmee,  die  General
Bülow  befehligt,  gegen  die  französische  Gewaltherrschaft.

1850.  Der  preussische  Minister  v.  Manteuffel  löst  die  von  dem
vorhergegangenen  Ministerium  in  liberaler  Anwandlung  gestiftete
„Union“,  wieder  auf.

Eine  Folge  hiervon  war,  dass  Preussen  einige  Monate  später  den
Bundestag  in  Frankfurt  a.  M.  wieder  anerkannte,  ihn  beschickte  und  so
seine  Bemühungen  für  die  Reform  der  deutschen  Dinge  aufgab.  Oesterreich
  hat  erreicht,  wonach  es  nach  seinen  Erfolgen  in  Wien  und  Ungarn
gestrebt  hatte;  das  deutsche  Staatschiff  segelte  wieder  ın

dem  Fahrwasser  der  Reaktion  und  Preussen  musste  mitmachen!


1863.  König  Friedrich  VII.  von  Dänemark  stirbt.

Mit  ihm  erlosch  die  jüngere  Linie  des  Hauses  Schleswig-Holstein-Gottorp
  und  kraft  des  Londoner  Protokolls  vom  8.  Mai  1852  folgte  ihm
in  der  Regierung  das  Haupt  der  Linie  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
  als  König  Christian  IX.

Die  Schleswig-Holsteiner  Frage  rückt  nunmehr  ihrer  endgültigen
  Lösung  rasch  entgegen,  was  durch  das  gewaltthätige  und  einseitige
  Vorgehen  der  Dänen  nur  noch  beschleunigt  wird.

Lauenburg  wird  von  Bundesexekutionstruppen
besetzt.

1869.  Enthüllung  des  Schinkel-Denkmals  in  Berlin.

1870.  Im  grossen  Hauptquartier  zu  Versailles  wird  der  Verfassungsvertrag
  mit  Baden  und  Hessen-Darmstadt
abgeschlossen.

1878.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  empfängt  in  Pest
eine  Deputation  aus  der  Herzogowina,  die  um  Annexion
ihres  Landes  bittet.

Hundertjähriges  Jubiläum  des  Lessing’schen  „Nathan“.

1884.  Die  Kongokonferenz  wird  unter  dem  Vorsitz  des  Fürsten
Bismarck  in  Berlin  eröffnet.

Sie  ordnete  die  internationalen  Handelsverhältnisse  im  Stromgebiete
des  Kongo  und  des  Niger  und  stellte  für  die  Besitznahme  weiterer
Gebiete  des  afrikanischen  Festlandes  feste  Regeln  auf.

1888.  Der  Papst  richtet  an  die  irischen  Bischöfe  ein  zweites
Rescript  zu  Gunsten  der  englischen  Regierung.
Die  italienische  Regierung  spricht  sich  energisch  gegen
die  Agitationen  des  italienischen  Klerus  aus,
        <pb n="615" />
        —  605°  —

1890.  Lieutenant  Dr.  Stuhlmann  von  der  ostafrikanischen  Schutztruppe
  trifft  mit  der  Landkolonne  in  Bukoba  ein,  wo  bereits
Emin  Pascha  am  31.  Oktober  eingetroffen  war.

Dr.  Stuhlmann  hatte  126  Träger  und  43  Soldaten  unter  Sergenant
Kühne  bei  sich.

Auf  seinem  Marsche  hatte  eine  Abteilung  seiner  Truppe  unter
Sergenant  Kühne  einen  heftigen,  aber  siegreichen  Kampf  mit  dem
Häuptling  Kilimina  zu  bestehen,  wobei  der  Feind  im  Ganzen  163  Tote
und  Verwundete  zählte  und  145  Weiber  und  Kinder  in  Gefangenschaft

geriethen,  während  die  Schutztruppen  nur  2  Tote  und  5  Verwundete  zu
verzeichnen  hatten.

 

16.  November.

813.  Ludwig  der  Fromme  wird  zu  Aachen  von  seinem  Vater
zum  Kaiser  gekrönt  und  zum  Mitregenten  der  Monarchie  erhoben.

1281.  KaiserRudolfvonHabsburg  bittet(!)  den  französischen
König,  den  Bischof  von  Toul,  also  einen  deutschen  Reichsfürsten,
  „mit  seinem  Schutz  zu  begnadigen,“  daer,  der
deutsche  Kaiser  nicht  im  Stande  sei(!!),  dem  entfernten
  Reichsfürsten  den  nötigen  Schutz  zukommen  zu
lassen!“  |

Dass  ein  solehes  Benehmen,  eine  solche  Ohnmacht  des  Reichsoberhauptes,
  dem  Könige  von  Frankreich,  Philipp  IV.,  eine  erwünschte
Anregung  war,  diese  Grenzländer  von  Deutschland  an  Frankreich  zu
bringen,  ist  ganz  natürlich  und  schon  1288  begann  er  dies  mit  Stadt
und  Bistum  Verdun,  ohne  dass  der  deutsche  Kaiser  etwas  mehr  hätte
dagegen  thun  können,  als  den  französischen  König  mit  ohnmächtigen,
wirkungslosen  Protesten  zu  bestürmen.

1524.  Brief  Zwinglis  über  die  Abendmahlslehre.  Entstehung
  der  reformierten  Kirche.

1531.  Friede  zu  Dietikon  zwischen  den  katholischen  und
evangelischen  Schweizern.  |

1611.  Sigismund,  Kurfürst  von  Brandenburg,  wird  von  Folen
mit  dem  Herzogtum  Preussen  belehnt.

1617.  Friedrich  VI.,  Markgraf  von  Baden,  geboren.

Er  zeichnete  sich  unter  Bernhard  von  Weimar  und  Karl  X.  von
Schweden  rühmlich  aus  und  starb  am  31.  Januar  1677.

1635.  Vergleich  von  St.  Germain  en  Laya  zwischen  Richelieu
und  Bernhard  von  Weimar.
        <pb n="616" />
        —  606  —

1676.  Bromberger  Vertrag.

Polen  tritt  die  Souveränität  über  Preussen  an  Brandenburg  ab.

1713.  Freiburg  i.  B.  ergiebt  sich  durch  Kapitulation  an  die
Franzosen.

1797.  König  Friedrich  Wilhelm  II.  von  Preussen,  der  Grossvater
  Kaiser  Wilhelm  I.,  stirbt.

Er  kam  am  17.  August  1786  an  die  Regierung  und  wirkte  anfänglich
  wohlthätig  zu  Gunsten  deutscher  Wissenschaft  und  Bildung,  die
Berliner  Akademie  wurde  dentschen  Schriftstellern  zugänglich  u.  s.  w.,
bald  aber  gewannen  Minister  und  Günstlinge  massgebenden  Einfluss  und

alsbald  stand  die  Reaktion  in  voller  Blüte.  Die  Finanzen  des  Staats
wurden  durch  schlechte  Verwaltung  erschüttert.

1805.  Kutusow  wird  bei  Hollabrunn  von  Lannes  und  Murat
geschlagen.

1806.  Manifest  des  Kaisers  Alexander  von  Russland
wegen  seiner  Verbindung  mit  Preussen  gegen  Napoleon  I.

1807.  Eduard  Friedrich  von  Fransecky,  preussischer  General,
  zu  Goldern  in  Hessen  geboren.

Er  zeichnete  sich  am  28.  Juni  1866  bei  Münchengrätz  rühmlich
aus,  kämpfte  bei  Gravelotte  am  18.  August  1870,  war  bei  der  Belagerung
von  Metz  beteiligt  und  rückte  später  in  die  Cernierungslinie  vor  Paris
ein,  warf  am  2.  Dezember  die  Franzosen  aus  Champigny  und  Brie  und

vernichtete  am  1.  Februar  1871  den  Feind  bei  Pontarlier.  Am  3.  November
  1879  ward  er  Gouverneur  von  Berlin.

1810.  Friedrich  Wilhelm  Kücken,  bekannter  Komponist,  zu
Bleckede  (Lünneburg)  geboren.

Er  starb  am  3.  April  1882.

1812.  Das  russische  Heer,  von  Jelna  aus  an  Smolensk  vorbeimarschierend,
  eilt  den  Franzosen  voraus,  und  liefert  denselben
  eine  Schlacht,  in  der  die  Garden  kaum  standhalten  und
gänzlich  aufgelöst  wurden.

1846.  Aufhebung  der  Republik  Krakau.  Einverleibung
ihres  Gebiets  in  die  österreichische  Monarchie.

1863.  Prinz  Friedrich  Christian  August  von  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg,
  dessen  Vater  gegen  Entschädigung
  auf  die  dänische  Thronfolge  verzichtet  hatte,  eilt
nach  Holstein,  empfängt  die  Huldigungen  seiner  „getreuen
Unterthanen”  und  protestiert  gegen  die  Usurpation  der
Herzogtümer  Schleswig-Holstein  durch  König  Christian
  IX.  von  Dänemark,  und  dass  er  nach  der  Verzichtleistung
seines  Vaters  als  der  allein  rechtmässige  Erbe  die  Regierung
antrete.

1869.  Feierliche  Eröffnung  des  Suez-Kanals  in  Port  Said.
        <pb n="617" />
        —  607  —

1870.  Ausfall  der  Franzosen  (3  Bataillone  mit  6  Geschützen)
aus  Belfort  gegen  Bessoncourt.

Der  Feind  wurde  mit  Verlust  von  200  Toten  und  Verwundeten  und
98  Gefangenen  zurückgewiesen.

An  demselben  Tage  Cernierung  von  Montmedy  durch
ein  Detachement  unter  Oberst  von  Pannewitz,  wobei  siegreiche
kleine  Gefechte  des  ersten  und  zweiten  Bataillons  74.  deutschen
Regiments  bei  Chauvency  und  Thonelle  gegen  die  Besatzung
  Montmedy  stattfanden,  bei  welcher  Gelegenheit  47  unverwundete
  Gefangene  gemacht  wurden.

Herzog  von  Aosta  wird  durch  die  Cortes  mit  191  gegen

115  Stimmen  zum  König  von  Spanien  gewählt,  und  führt  als
solcher  den  Titel  Amadeus  1.

1888.  Feier  des  25jährigen  Regierungs-  Jubiläums  des  Königs
Christian  von  Dänemark.

„Königstreue*  Arbeiter  bereiten  Kaiser  Wilhelm  II.  zu
Breslau  eine  Ovation.

 

17.  November.

1520.  Luther  appelliert  nochmals  an  den  Papst  um  eine  allgemeine
  Kirchenversammlung.

1627.  Luise  Henriette,  die  hochherzige  Gemahlin  des  grossen
Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg,  zu  Grafenhaag
-in  Holland  geboren.
Sie  starb  am  18.  Juni  1667.

1776.  Friedrich  Christoph  Schlosser,  bedeutender  Geschichtsschreiber,
  zu  Jever  geboren.
1812.  Die  Franzosen  erleiden  bei  Krasnoy  durch  die  Russen
eine  schreckliche  Niederlage.
1813.  Aufstand  gegen  die  Franzosen  in  Haag.
An  demselben  Tage  wird  Dresden  Sitz  der  russischen
Landesverwaltung  unter  dem  Fürsten  Repnie.

1869.  Einsturz  des  Belvedere  in  Breslau.
        <pb n="618" />
        —  608  —

1870.  Sieg  der  Deutschen  über  die  Loire-Armee  bei  Dreux.

Die  Sieger  hatten  einen  Verlust  von  3  Toten  und  35  Verwundeten

zu  verzeichnen.  —  Die  oflizielle  Depesche  sagt  hierüber:
Versailles,  den  18.  November.

Der  Königin  Augusta  in  Koblenz.

Der  Grossherzog  von  Mecklenburg  hat  gestern  den  Feind  auf  seiner
ganzen  Linie  bei  Dreux  zurückgeworfen  ;  General-Adjutant  von  Ireskow,
  der  momentan  die  17.  Division  kommandiert,  mit  geringem  Verlust
Dreux  genommen.  Viele  Gefangene  gemacht.  Verfolgung  in  der  Richtung
  von  Le  Mans.  Wilhelm.

1875.  Valentin  von  Reissmann,  Bischof  von  Würzburg,  stirbt.

1878.  (Nachmittags  21/,  Uhr)  Attentat  auf  König  Humbert  von
Italien  in  Neapel.  Attentäter  war  der  Koch  Giovannı  Passanante,
der,  später  zum  Tode  verurteilt,  am  28.  März  1879  von  König
Humbert  zu  lebenslänglicher  Strafarbeit  begnadigt  wurde.

1881.  Kaiserliche  Botschaft,  in  welcher  der  deutsche  Reichstag
  zur  Eröffnung  der  Sozialgesetzgebung  aufgefordert  wird.

1883.  Savfet  Pascha,  der  einst  so  mächtige  türkische  Staatsmann,
stirbt  vergessen  und  verschollen  in  Konstantinopel.

1887.  Bischof  Andreas  Räss  zu  Strassburg  stirbt  im  Alter  von
94  Jahren.

1888.  Die  Ernennung  des  bisherigen  Vice-Präsidenten  der  Statthalterei
  für  Galizien,  Loebl,  zum  Statthalter  von  Mähren  erregt
grosses  Aufsehen.

1890.  Lieutenant  Dr.  Stuhlmann  wird  von  Emin  Pascha  mit
40  Mann  ostafrik.  Schutztruppe  dem  bei  Tinde  geschlagenen
Lieutenant  Langheld  nach  Bukumbi  am  Südufer  des  Viktoria
Nyanza  entgegen  gesandt.
        <pb n="619" />
        —  609  —

18.  November.

1170.  Albrecht  I.  der  Bär  oder  der  Schöne,  Markgraf  von
Brandenburg,  Begründer  des  Hauses  Anhalt  oder  Askanien,
stirbt  zu  Ballenstedt.

1210.  Papst  Innocenz  III.  spricht  den  Bannfluch  über  den  deutschen
  Kaiser  Otto  IV.  aus  und  stellt  seinen  Mündel,  Friedrich  II].,

den  König  Neapels  und  Siziliens,  als  Gegenkönig  für  das  deutsche
Reich  auf.

Kaiser  Otto  IV.,  der  sich  anfangs  dem  Papste  so  sehr  unterwürfig
und  demütig  gezeigt  hatte,  reizte  ihn  nun  durch  die  bündige  Erklärung:
„Das  Geistliche,  was  Eures  Amtesist,  nehmen  wir  Euch
nicht,  in  weltlichen  Dingen  aber  haben  Wir,  wie  Euch
wohl  bekanntist,  volleGewalt  und  es  steht  Euch  darüber
keine  Entscheidung  zu;  denn  die,  welche  die  kirchlichen
Sakramente  verwalten,  sollen  sich  nicht  mit  dem  Blutgericht
  befassen!“

1302.  Bulle  des  Papstes  Bonifacius  VII.  „Unam  sanctam“,
worin  er  die  gregorianischen  Grundsätze  von  der  päpstlichen
Universalmonarchie  wieder  geltend  macht.

1307.  Der  Schweizer  Wilhelm  Tell  erschiesst  nach  der  Sage
den  Landvogt  Gessler  im  hohlen  Felsenwege  nach  Küssnacht.

Sein  Tod  war  das  Zeichen  zum  allgemeinen  Aufstand,  zum  hartnäckigsten
  Kriege  zwischen  allen  Schweizern  und  Oesterreich,  der  erst
1499  gänzlich  beendet  wurde.

1518.  Ferdinand  Cortez  segelt  nach  Mexiko  ab.

1626.  Einweihung  der  Peterskirche  in.  Rom  durch  Papst
Urban  VIII

1738.  Wiener  Friede.
Derselbe  wurde  zwischen  Kaiser  Karl  VI.  und  dem  französischen
König  Ludwig  XV.  nebst  dessen  Alliierten  abgeschlossen  und  beendet
den  polnischen  Erbfolgekrieg.

1768.  Friedrich  Ludwig  Zacharius  Werner,  ein  begabter
Dichter,  zu  Königsberg  i.  Pr.  geboren.

Seine  Dramen  sind  reich  an  echt  poetischem  Leben,  an  tiefen
Blicken  ins  menschliche  Herz,  ausgezeichnet  durch  Sprache  und  Darstellung
  und  erreichten  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  die  Aufmerksamkeit
  der  ganzen  gebildeten  Welt  Deutschlands.

39
        <pb n="620" />
        —  610  —

1812.  Die  Franzosen  werden  in  einem  zweiten  Treffen  beiKrasnoy

von  den  Russen  vollständig  geschlagen.

11000  Mann  geraten  in  Kriegsgefangenschaft;  20  Kanonen  und
der  grösste  Teil  des  in  Moskau  geraubten  Gutes  fallen  den  Siegern  in
die  Hände.

1813.  Auflösung  des  Rheinbundes.

1824.  Franz  Sigel,  amerikanischer  General  und  vorher  1848  beim
Hecker’schen  Freischarenzug,  zu  Sinsheim  in  Baden  geboren.

1827.  Wilhelm  Hauff,  ein  namhafter  deutscher  Romanschriftsteller,
  stirbt  zu  Stuttgart.

Seine  Schriften  werden  noch  heute  gern  gelesen,  obgleich  ein  Teil
davon  in  ihrem  sarkastischen  Charakter,  speziell  nur  für  jene  Zeit  geschrieben
  waren  und  bezweckten  den  durch  die  Clauren’schen  Romane
verdorbenen  Geschmack  wieder  zu  verbessern.  —  Hauff  war  ein  Volksmann
  edelster  Gesinnung  und  hatte  seinen  Freimut  mit  9  Monate  Gefängnis
  auf  dem  Hohen-Asperg  zu  büssen.  Er  erreichte  nur  ein  Alter
von  nicht  ganz  25  Jahren.

Mehemed  Ali  Pascha,  türkischer  Feldherr,  von  deutscher
Abkunft  und  Karl  Detroit  mit  Namen,  zu  Brandenburg  a.  H.
geboren.

1828.  Der  Liederkomponist  Franz  Peter  Schubert  stirbt  zu
Wien.

Er  ist  eine  der  bedeutendsten  Erscheinungen  der  Musikgeschichte.

Seine  Originalität  und  Meisterschaft  besonders  im  Liede  ist  ohne
Gleichen.

1830.  Unabhängigkeitserklärung  von  Belgien.
Adam  Weishaupt,  Stifter  des  Illuminatenordens,  stirbt.

1836.  Stiftung  des  anhaltischen  Hausordens  Albrechts  des
Bären  (in  3  Klassen).

1838.  Sieben  berühmte  Göttinger  Professoren  (Dahlmanı,
Wilhelm  und  Jakob  Grimm,  Gervinus,  Ewald,  Weber  und
Albrecht)  verweigern  dem  König  von  Hannover  den  von
ihnen  verlangten  Huldigungseid,  da  sie  eidlich  an  das  Staatsgrundgesetz
  gebunden  seien.

Sofort  wurden  diese  7  Professoren  entlassen.

1848.  Das  preussische  Ministerium  beschliesst  gegen  die  Steuerverweigerer
  mit  militärischen  Massregeln  vorzugehen.

1851.  Georg  V.  tritt  die  Regierung  des  Königsreich  Hannover
durch  ein  Patent  an,  in  welchem  er  die  unverbrüchliche  Festhaltung
  der  Landesverfassung  gelobt.

1563.  König  Christian  IX.  von  Dänemark,  der  Nachfolger  des
am  15.  d.  M.  gestorbenen  König  Friedrich  VII.,  vollzieht,  auf
Andringen  der  dänischen  Demokratie  und  entgegen  dem  Londoner
        <pb n="621" />
        —  611  —

Protokoll,  durch  ein  neues  Verfassungsgesetz  die  Einverleibung
Schleswigs  in  den  dänischen  Staat.

Durch  diese  Gewaltthat  wurden  die  Grossmächte  ihrer  Verpflichtungen
  hinsichtlich  des  Londoner  Protokolls  Dänemark  gegenüber  enthoben

  und  in  Schleswig-Holstein  wurde  der  Ruf:  „Los  von  Dänemark“
allgemein.

1867.  Baden  giebt  in  Berlin  den  Wunsch  kund,  in  den  norddeutschen
  Bund  einzutreten.

Graf  Bismark  gab  vorerst  eine  ablehnende  Antwort.

1870.  Siegreiches  Gefecht  der  deutschen  22.  Division  bei
Chäteauneuf.

Diesseitiger  Verlust  1  Offizier  und  circa  100  Mann,  der  des  Feindes
über  300  Tote  und  Verwundete  und  200  Gefangene.  —  Die  bei  Dreux

(tags  vorher)  und  Chateauneuf  geschlagenen  Mobilgarden  flüchten  nach
Westen  und  Nordwesten.  |

Die  Armee  des  Prinzen  Friedrich  Karl  rückt  nach  der
Loire  vor.

1871.  Kaiserlicher  Erlass  betr.  die  kirchliche  Feier  zum  Gedächtnis
  der  Gebliebenen.

1878.  In  Florenz  wird  bei  der  Dankfeier  für  die  tags  zuvor  in
Neapel  geschehene  Errettung  des  Königs  Humbert  aus  mörderischen
  Händen  unter  das  jubelnde  Volk  eine  Orsinibombe
geworfen.

1881.  Temme,  Kriminal-Novellist,  stirbt.
Er  ist  am  22.  Oktober  1799  geboren.
1887.  Eintreffen  der  Zarenfamilie  in  Berlin.
Entrevue  des  Zaren  mit  Bismarck.
1888.  Kaiserin  Friedrich  und  ihre  Töchter  reisen  nach  England  ab.
        <pb n="622" />
        _  612  —

19.  November.

1231.  Elisabeth,  die  Heilige,  Landgräfin  von  Thüringen,
Tochter  des  Königs  Andreas  II.  von  Ungarn,  stirbt  zu  Marburg.

In  Marburg,  wohin  sie  sich  zurückzog,  stiftete  sie  ein  Hospital.  —
1235  ward  sie  von  Papst  Gregor  IX.  kanonisiert.

1413.  Friedrich  Il,  der  Eiserne  oder  Eisenzahn,  Kurfürst
von  Brandenburg,  geboren.

1421.  Grosse  Sturmfluth  inHolland,  die  72  Dörfer  verschlingt.

1530.  Bekanntmachung  des  Augsburger  Reichstags-Abschiedes.


1770.  Albert  Bertel,  Thorwaldsen,  dänischer  Bildhauer,
geboren.

Er  starb  am  24.  März  1844.

1805.  Ferdinand  Vicomte  de  Lesseps,  französischer  Ingenieur
und  Diplomat,  zu  Versailles  geboren.

1854  berief  ihn  Said  Pascha  nach  Egypten,  wo  er  seit  1855  für
den  Suezkanalbau  rastlos  thätig  war.

1806.  Der  General  Savary  erscheint  mit  einem  einzigen  leichten
französischen  Regiment  und  zwei  holländischen  Regimentern
vor  der  aufs  sorgfältigste  gerüsteten  Festung  Hameln.

In  derselbeu  lagen  sechs  Generale,  9000  Mann  zu  Fuss,  eine  Compagnie
  reitender  Artillerie  und  3000  Mann  Kavallerie,  und  den  Öberbefehl
  über  diese  ansehnliche  Truppenmacht  führte  der  General  von  Schöler.
Die  Festung  war  auf  sechs  Monate  (!!)  lang  für  10000  Mann  mit  Allem
versehen,  —undtrotzallem  demübergabdieserFeiglingvon
einem  Befehlshaber  schon  tags  nachdem  eine  Handvoll
Feinde  vor  der  sicheren,  gutbefestigten  Festung  erschienen
waren,  (am  20.  November)  dieselbe  mit  Allem  den  Franzosen,  ohne
auch  nur  einen  Augenblick  an  Verteidigung  und  militärische  Ehre  und
seine  Pflicht  gedacht  zu  haben.

Hamburg  und  Bremen  werden  von  den  Franzosen
besetzt.

1808.  Einführung  der  Städteordnung  in  Preussen,  durch
den  neuernannten  Minister,  Freiherrn  von  Stein.

Diese  Städteordnung  machte  jede  Stadt  in  Hinsicht  der  Verwaltun
ihres  gemeinschaftlichen  Vermögens  selbständiger  und  unabhängiger,  und
der  Bürgerschaft  selbst  wurde  das  alte  Recht  zurückgegeben,  die  städtische
  Verwaltungsbeamten  zu  wählen.  Eine  ganz  neuc  Stellung  erhielt
die  Bürgerschaft  zu  der  städtischen  Behörde  durch  Einführung  der  Stadtverordneten,
  welche  die  Bürgerschaft  in  allen  Angelegenheiten  bei  dem
        <pb n="623" />
        —  613  —

Magistrate  zu  vertreten,  namentlich  die  Finanzen  der  Stadt  zu  kontrollieren
  hatten,  wie  überhaupt  alle  städtischen  Ausgaben  fortan  von  der
Bewilligung  der  Stadtverordneten  abhängig  waren.  Damit  war  das  bisherige

  absolutistische  Regierungssystem  auf  einem  sehr  wichtigen
Gebiete  verlassen  !

1813.  Der  Kurfürst  von  Hessen  kehrt  nach  Kassel  zurück.

Alsbald  setzte  der  durch  Napoleons  Gnade  1803  Kurfürst  gewordene
und  1806  aus  dem  Land  geflüchtete  ehemalige  Landgraf  Wilhelm  alles
wieder  auf  den  alten  Fuss.  „Ich  habe  nur  7  Jahre  geschlafen,“
sagte  er,  degradierte  die  Räte,  die  erst  unter  Jerome  avanciert  waren,
wieder  zu  Schreibern,  die  Kapitäns  zu  Lieutenants  etc.  etc.,  was  sie
vorher  gewesen  waren,  führte  sogar  Puder  und  Zöpfe  wieder  in  der
Armee  ein,  untersagte  alle  die,  weche  keinen  amtlichen  Titel  hatten,
„Herr“  zu  nennen  und  stellte  die  unter  dem  König  von  Westfalen  abgeschafften
  Frohnen  wieder  her.

1824.  Grosse  Sturmflut  in  St.  Petersburg.

1825.  Die  hochbegabte  Dichterin  Elisabeth  Kulmann  stirbt  in
Petersburg.

1866.  Wiedereröffnung  der  Sitzungen  der  Konferenz  für  die  allgemeine
  deutsche  Handelsgesellschaft  in  Nürnberg.

1870.  Gefecht  bei  Trie&amp;amp;res-Foilloul.

Die  Franzosen  ziehen  sich  zurück.

Das  Landwehr-Bataillon  Unna  und  zwei  Escadrons
des  5.  Reserve-Husaren-Regiments  werden  in  Chatillon  von
Mobilgarden  unter  Riceiotti  Garibaldi  angegriffen,  worauf  sie
sich  mit  einem  Verlust  von  120  Mann  und  70  Pferden  auf
Chäteau-Vilain  zurückziehen.

1875.  Der  Olympia-Vertrag  mit  Deutschland  wird  von  der
griechischen  Abgeordneten-Kammer  gebilligt.

1888.  Beilegung  des  „Zwischenfalles“  zwischen  dem  Sultan  von
Sansibar  und  Italıen.

1890.  Vermählung  der  Prinzessin  Victoria  von  Preussen
(Schwester  des  Kaisers  Wilhelm  II.)  mit  dem  Prinzen  Adolf

zu  Schaumburg-Lippe  zu  Berlin.

Bei  dieser  Gelegenheit  sprach  Kaiser  Wilhelm  während  der  Galatafel
  folgenden  Trinkspruch  aus:  „Ich  hätte  gewünscht,  es  wäre  unserem
verklärten  Vater  beschieden  gewesen,  Zeuge  dieses  festlichen  Ereignisses
zu  sein.  Die  Vorsehung  hat  es  anders  beschlossen.  An  seiner  Stelle
und  als  Chef  des  Hauses  spreche  ich  jetzt  zu  Euch.  Möge  der  Segen
unseres  verklärten  Vaters,  möge  der  Segen  unserer  hier  anwesenden  vielgeliebten
  Mutter,  möge  (sich  zu  dem  Bräutigam  neigend)  der  Degen
deiner  Eltern  auf  euren  Häuptern  ruhen,  möge  der  Segen  unseres  Herrn
euch  geleiten.  Bauet  stets  auf  mich,  rechnet  stets  auf  meinen  väter
lichen  Schirm  und  Schutz.  Möget  ihr  euch  einfügen  als  feste  Glie  er
unserer  Familie.  Ich  trinke  auf  das  Wohl  des  hohen  Brautpaares  un

wünsche  ihm  Gottes  Segen  und  glückliche  Fahrt.“
        <pb n="624" />
        —  614  —

20.  November.

1022!  Bernward,  Bischof  von  Hildesheim,  Sohn  des  Pfalzgrafen
Dietrich,  Erzieher  Ottos  IIL.,  stirbt.

Er  gründete  1019  das  Michaeliskloster  zu  Hildersheim,  begann  den
Bau  der  Michaeliskirche  und  befestigte  die  Stadt.  Ausgezeichnet  durch
Kunstsinn,  Gelehrsamkeit  und  Förderung  des  Gewerbfleisses,  übte  er
selbst  die  Bildhauerkunst  und  Malerei.

1497.  Vasco  de  Gama  umschifft  das  Kap  der  guten  Hoffnung.

1714.  Karl  XIL,  König  von  Schweden,  erneuert  zu  Stralsund,
trotz  der  bei  Pulkawa  erlittenen  Niederlage,  den  Krieg  mit
Deutschland.

1719.  Hannover  behält  im  Frieden  mit  Schweden  Bremen  und
Verden.

1812.  Die  Franzosen  langen  an  der  Berezina  an.

Das  französische  Heer,  vom  Feinde  verfolgt,  von  Kälte  und  Hunger
gepeinigt,  erleidet  hier  furchtbare  Verluste.

1815.  Abschluss  des  zweiten  Pariser  Friedens,  welcher
Frankreich  eine  im  Umfang  von  zwei  Dritteilen  der  im  ersten
Pariser  Frieden  noch  gelassenen  Vergrösserung  gleichkommende
Gebietsabtretung  auferlegte,  ihm  das  verjagte  Bourbonengeschlecht
wieder  aufdrang,  und  mit  150  000  Mann  Verbündeter  als  Besatzung
  bedachte,  „jedoch  nicht  über  fünf  Jahre“  ....  „zur
Sicherheit  (!)  Europas  und  König  Ludwigs  XVIII.  von  Frankreich.“

Immerwährende  Neutralität  der  Schweiz  auf  Grund
eines  Vertrags  der  Grossmächte.

1824.  Bethel  Henry  Strousberg,  Industrieller,  zu  Neidenburg
in  Ostpreussen  geboren.

1837.  Der  Erzbischof  von  Köln,  Droste  von  Vischering,  wird
verhaftet  und  nach  der  Festung  Minden  abgeführt,  da  er  die
königliche  Verordnung,  wonach  bei  gemischter  Ehen  die  konfessionelle
  Erziehung  der  Kinder  von  dem  Willen  des  Vaters
abhängen  sollte,  nicht  anerkannte.

1847.  Wilhelm  II.,  Kurfürst  von  Hessen,  stirbt.

Er  war  ein  entschiedener  Gegner  konstitutioneller  Verfassung.

Die  Hirten  von  Uri  siegen  über  die  Tessiner.
        <pb n="625" />
        —  615  —

1870.  Die  Franzosen  suchen  mit  sechs  Compagnien  und  vier
Geschütze  La  Fere  zu  entsetzen,  werden  jedoch  am  rechten
Oise-Ufer  durch  ein  Bataillon  des  Infanterie-Regiments  Nr.  5
mit  bedeutendem  Verluste  zurückgeschlagen,  worauf  alsbald  ein
Ausfall  aus  der  Festung  erfolgte.

Die  Vereinigung  der  Armeen  des  Grossherzogs  ‚,  von

Mecklenburg,  v.  d.  Tanns  und  des  Prinzen  Friedrich  Karl
wiederhergestellt.

Vorpostengefecht  badischer  Infanterie  bei  Nuits.

1880.  Hocherregte  Debatte  im  deutschen  Reichstage  wegen  der
Judenhetze  und  sogen.  A  ntisemitenpetition.

 

21.  November.

615.  Columbanus,  Heiliger,  Apostel  der  Alemannen,  stirbt  im
Kloster  Bobbio  bei  Pavia.

1276.  Rudolf  von  Habsburg  macht  Böhmen  zum  Reichslehen.
1740.  Franz  I.  wird  Mitregent  der  Kaiserin  Maria  Thesesia.

1759.  Der  preussische  General  Fink  wird,  durch  eigne  Schuld
in  Vernachlässigung  der  ihm  von  Friedrich  II.  erteilten  Befehle,
  bei  Maxen  mit  12000  Mann  und  allem  Geschütz  von

40  000  Oesterreichern  eingeschlossen  und  gefangen.

Hierbei  wurden  4  Generäle  und  550  Ofliziere  gefangen  und  71
Kanonen,  24  Standarten  und  96  Fahnen  von  den  Oesterreichern  erbeutet.

Das  nannte  man  in  voreiliger  Freude  im  Kriegsrat  zu  Wien,  ganz
besonders  aber  beim  Hof,  den  „Finkenfangim  Winter.“  Doch  trotz
dieses  wohlfeilen  Witzes  hielt  es  der  österreichische  General  Daun  für
klüger,  diesen  errungenen  Vorteil  nicht  weiter  auszunützen,  denn  der
geniale  Preussenkönig  hatte  die  Schlappe  von  Kunersdorf  (12.  Aug.)
schon  längst  wieder  ausgeglichen  und  stand  kampfbereit  in  Sachsen,  das

er  wieder  besetzt  hatte.
1768.  Friedrich  Daniel  Ernst  Schleiermacher,  einer  der

gelehrtesten  und  geistreichsten  Theologen,  zu  Breslau  geboren.

Als  wahrer  Patriot  nahm  Schleiermacher  den  lebhaftesten  Anteil
an  den  politischen  Verhältnissen,  unter  welchen  sein  Vaterland  zur  Zeit
„Deutschlands  tiefster  Erniedrigung“  schmachtete  und  sprach  unaufhörlich
  von  der  Kanzel  in  dem  herrlichsten  Sinne  für  König  und  Vaterland,
mit  einem  Mute  und  Trotze,  der  selbst  inmitten  der  Bajonnete  Davousts

unerschütterlich  blieb.  |
1792.  Der  französische  General  Dumourier  schlägt  die  O  esterreicher
  bei  Tirlemont  und  dringt  hierauf  über  Lüttich  bis

Aachen  vor.
        <pb n="626" />
        —  616  —

1800.  August  Friedrich  Christian  Vilmar,  Litterarhistoriker
und  Theolog,  zu  Solz  (Kurhessen)  geboren.

1806.  Kaiser  Napoleon  I.  verordnet  von  Berlin  aus,  wo  er  am
27.  Oktober  eingezogen  war,  das  sogenannte  „Kontinentalsystem“,
  durch  welches  die  britischen  Inseln  zu  Wasser  und
zu  Land  in  Blokadezustand  gesetzt,  aller  Handel  und  Verkehr
und  alle  Korrespondenz  mit  ihnen  verboten,  jeder  Engländer
ohne  Ausnahme,  der  sich  in  einem  von  französischen  Truppen
oder  deren  Verbündeten  besetzten  Lande  betreffen  lasse,  für
kriegsgefangen,  jedes  Magazin,  aller  Waren  und  alles  Eigentum
von  jeder  Art,  die  einem  Engländer  zugehörten  für  gute  Prise
erklärt;  aller  Handel  mit  englischen  Waren  aber  durchaus
verboten  wurde.

1807.  Einzug  des  Königs  von  Sachsen  in  Warschau.

1808.  Zur  Hebung  der  Finanzen  Preussens  wird  eine  neue  Verwaltungs-Organisation
  geschaffen.

1811.  Heinrich  von  Kleist,  bedeutender  Dichter  der  romantischen
Schule  stirbt.

Seit  1809  von  Schwermut  befallen,  unbefriedigt  über  sein  eignes
Dasein  und  über  die  Lage  des  Vaterlands,  erschoss  er  zuerst  seine
Freundin  Henriette  Vogel  und  dann  sich  selbst  am  Wansee  bei  Potsdam.

1813.  Stettin,  von  den  Franzosen  besetzt,  kapituliert.
1815.  Publikation  der  preussischen  Landwehrordnung.

1818.  Schluss  des  Aachener  Kongresses.
Frankreich  tritt  der  heiligen  Allianz  bei.
1840.  Viktoria  Adelheid  Maria  Luise,  Prinzess  Royal  von
Grossbrittannien  und  Irland,  nachmalige  Kaiserin  Friedrich,
geboren.

1847.  Zug  kapituliert  gegenüber  der  bedeutenden  Heeresmacht
des  Obersten  Dufour,  des  Oberbefehlshabers  der  Exekutionsarmee.

1848.  Maximilian  II.  Joseph  besteigt  nach  seines  Vaters  (Ludwigs
  I.)  Abdankung  den  bayrıschen  Thron.

1852.  Wiederherstellung  des  Kaisertums  in  Frankreich  durch
Volksabstimmung  für  Louis  Napoleon.

1870.  Verschiedene  kleine  siegreiche  Gefechte  südlich  La  Loupe,
wobei  das  Infanterieregiment  Nr.  83  ein  Geschütz  nimmt.

An  demselben  Tage  ist  im  Fort  Plappeville  bei  Metz
vormittags  9'/,  Uhr  ein  Munitionsmagazin  aus  unaufgeklärt
gebliebener  Ursache  in  die  Luft  geflogen,  wobei  einige  Tote
und  40  Verwundete  geblieben.

Bordeaux  zum  Sitz  der  französischen  Regierung  ausersehen.

1873.  Papst  Pius  IX.  verdammt  in  einer  Encyklika  die  antiklerikalen

  Beschlüsse  der  schweizer  Kantonsregierungen  und
droht  mit  Exkommunikation.

!
        <pb n="627" />
        —  617  —

1886.  Johannes  Scherr  ,  Schriftsteller,  stirbt  in  Zürich.

1887.  Untergang  des  holländischen  Postdampfers  „W.  A.  Scholten“
bei  Dover,  132  Personen  ertrunken.

1888.  Eröffnung  des  deutschen  Reichstages.
Kaiser  Wilhelm  II.  hält  eine  friedliche  Thronrede.

 

22.  November.

644.  Der  Longobardenkönig  Rothari  verkündet  ein  Gesetzbuch
über  die  Volksrechte  der  Longobarden.

912.  Kaiser  Otto  I.,  mit  dem  Beinamen  „der  Grosse“,  Heinrichs  1.
und  der  Mathilde  Sohn,  geboren.

Gross  und  gewaltig  als  Krieger  und  Eroberer,  war  er  zugleich  unbändig,
  stolz  und  eigennützig.  Diese  Eigenschaften  verwickelten  ihn
vielfach  nnd  machten  ihm  selbst  seine  Brüder  zu  Feinde.  —  Die  Geistlichkeit,
  deren  Freund  er  war,  verdankt  ihm  in  Deutschland  ihre  Macht
und  Reichtümer;  er  verlieh  ihr  ganze  Herzogtümer  und  Grafschaften
mit  fürstlicher  Gewalt.

(189.  Adrianopel  wird  von  den  Kreuzfahrern  eingenommen

1220.  Friedrich  Il.,  der  Hohenstaufe,  wird  in  der  Peterskirche
zu  Rom  nebst  seiner  Gemahlin  Konstanze  vom  Papst
Honorius  1l1lI.  feierlich  gekrönt.

Friedrich  II.  hatte  vorher  versprechen  müssen,  im  Laufe  des  nächsten
  Jahres  zwei  Kreuzheere  zur  Unterstützung  der  Christen  im  Morgenlande
  auszurüsten,  das  eine  den  Bedrängten  vorauszuschicken  und  das

andere  in  Person  anzuführen.

1443.  Luxemburg  durch  den  Herzog  Philipp  von  Burgund
erobert.

1574.  Stiftung  des  Berliner  Gymnasiums  zum  grauen  Kloster.

1714.  Karl  XII.  von  Schweden  kommt  in  Stralsund  an.
1728.  Karl  Friedrich,  Badens  erster  Grossherzog,  geboren.

Einst  Europa’s  Fürsten  Nestor,  war  er  ein  von  seinen  Unterthanen
viel  geliebter,  von  dem  nahen  und  fernen  Auslande  mit  Ehrfurcht  genannter

  Regent.

1757.  Eine  preussische  Heeresabteilung  unter  dem  Herzog  von
Bevern  wird  von  den  Oesterreichern  bei  Breslau  geschlagen,
in  Folge  dessen  die  Hauptstadt  Schlesiens  kapituliert.
        <pb n="628" />
        —  618  —

1767.  Andreas  Hofer,  Sandwirt  im  Passeyr,  Oberanführer
der  Tyroler  in  ihrer  Insurrektion  1809,  im  Kriege  zwischen
Oesterreich  und  Frankreich,  im  Gasthaus  am  Sand  in  St.  Leonhard
  geboren.

Seinen  Landsleuten  ist  das  Andenken  seiner  hohen  Begeisterung
fürs  Vaterland  und  für  Oesterreich,  seiner  Milde  und  frommen  Treue,
endlich  seines  Opfertodes  heilig  und  ewig  bleibt  dieser  Landmann  und
seine  Hütte  das  Symbol  der  unerschütterlichen  Anhänglichkeit  der  Tyroler
an  Oesterreich  und  ihrer  kühnen  Wagnisse  „für  dieses  uralte,  unaussprechlich

  treue  Land  !*
1780.  Konradin  Kreutzer,  ein  melodiereicher  Komponist,  zu
Mösskirch  in  Baden  geboren.

Seine  liebliche  Oper:  „Das  Nachtlager  zu  Granada“  wird  sich  für
alle  Zeiten  auf  dem  Theater-Repertoir  halten.

1784.  Erste  Aufführung  von  Schillers  „Kabale  und  Liebe”  in
Berlin.

1795.  Mannheim,  das  seit  dem  12.  November  heftig  beschossen
worden  war,  ergiebt  sich  den  Oesterreichern  unter  General
Wurmser.

.  Es  werden  bei  dieser  Gelegenheit  10  000  Franzosen  kriegsgefangen.

1813.  Ernstlicher  Beginn  der  Belagerung  von  Torgau;  die
Franzosen  müssen  ihre  Geschütze  vor  dem  Feuer  der  Preussen
zurückziehen.

1848.  Der  österreichische  Reiehstag  wird  in  Kremsier  eröffnet.

1860.  König  Victor  Emanuel  nimmt  Umbrien  und  Neapel  in
das  Königreich  Italien  auf.

1870.  Nogent  le  Rutrou  wird  von  den  Deutschen  ohne  Widerstand
  besetzt.

An  demselben  Tage  beginnt  die  Beschiessung  von
Thionville.

Bourbaki  wird  Oberkommandant  des  18.  Armeekorps  in
Nevers.

1880.  Deutsch-konservativer  Parteitag  in  Linz.

Tausende  von  Bauern,  unter  Führung  ihrer  Geistlichen,  in  musterhafter
  Haltung,  erklären  sich  bereit,  für  diedeutsche  Nationalität
ım  Österreichischen  Kaiserstaat  eintreten  zu  wollen.

1883.  Der  Kronprinz  des  deutschen  Reiches,  Friedrich  Wilhelm,
landet  in  Spanien  (in  Valencia)  vom  spanischen  Volk  mit  Jubel
begrüsst,  um  dem  König  Alfons  XII.  im  Namen  seines  Vaters
den  Besuch  am  kaiserlichen  Hof  zu  Berlin  zu  erwiedern.
        <pb n="629" />
        —  619  —

23.  November.

nn

1500.  Columbus  landet  nach  Vollendung  seiner  dritten  Entdeckungsreise
  in  Cadix.

1644.  Schlacht  bei  Jüterbogk.

Die  Schweden  unter  Torstenson  bringen  den  Kaiserlichen
unter  Gallas  eine  empfindliche  Niederlage  bei.

1704.  Die  Alliierten  (die  Preussen  unter  Leopold  von  Dessau)
treiben  die  Franzosen  aus  Landau  in  der  Pfalz.

1745.  Gefecht  bei  Hennersdorf.

General  Winterfeld  wirft  die  sächsischen  Regimenter  Gotha,
Vitzthum,  Obyr  und  Dellwitz  über  den  Haufen  und  macht  zu  Gefangenen:
1  General,  1  Oberst,  130  Offiziere.

1792.  Die  deutschen  Stände  zu  Regensburg  erlassen  ein
„Reichsgutachten“,  welches  die  sämtlichen  Reichstruppen
zu  den  Waffen  gegen  Frankreich  ruft.

Es  geschah  dies  auf  Antrag  des  Kaiser  Franz  II.  vom  2.  September
1792.  Da  aber  die  deutsche  Reichsregierung  zu  damaliger  Zeit  zu  Allem
viel  Zeit  brauchte,  so  erfolgte  die  wirkliche  Kriegserklärung  derselben
gegen  Frankreich  erst  am  22.  März  1792.

1795.  Beginn  der  zweitägigen  Schlacht  bei  Loano  (ital.  Provinz
Genua).

Die  Oesterreicher  und  Piemontesen  werden  von  den  Franzosen
geschlagen.

1801.  Erste  Aufführung  der  „Jungfrau  von  Orleans“  in
Berlin.

1805.  Schlacht  bei  Castelfranco  in  Italien,  in  welcher  die
Franzosen  über  die  Oesterreicher  unter  Prinz  Rohan
siegen.

1829.  Heinrich  Achenbach,  preussischer  Staatsmann,  vom
13.  Mai  1873  bis  30.  März  1878  Handelsminister,  zu  Saarbrücken
geboren.

1838.  Alfred  Karl  Graefe,  hochverdienter  deutscher  Augenarzt,
zu  Martinskirchen  geboren.

Kaspar  Clemens  Zumbusch,  berühmter  Bildhauer,
zu  Herzebrock  in  Westfalen  geboren.
        <pb n="630" />
        —  620°  —

1847.  Gefecht  bei  Gislikon  und  Rothkreuz  unweit  Luzern.
Niederlage  der  Sonderbundtruppen  durch  Dufour.  —  Luzern  ergiebt
  sich.
1848.  Revolution  in  Rom.  Papst  Pius  IX.  flieht  aus  Rom.

1854.  Besetzung  von  Heppens  an  der  Jahde  behufs  Anlegung
eines  preussischen  Nordseehafens.

1859.  Eröffnung  der  Würzburger  Konferenzen  der  Minister
und  Bevollmächtigten  der  deutschen  Mittel-  und  Kleinstaaten
behufs  eines  engeren  Zusammenhaltens  in  Bundesangelegenheiten.

1867.  Abschluss  des  Postvertrages  zwischen  Preussen  einerseits
  und  den  süddeutschen  Staaten  und  Oesterreich
andrerseits.

1870.  Der  Verfassungsvertrag  mit  Bayern  kommt  in  Versailles
  zu  Stande,  wohin  sich  dessen  Minister  von  Bray,  v.  Lutz
und  v.  Praackh  dieserhalb  begeben  hatten.

Das  Königreich  Bayern  tritt  dem  deutschen  Reiche  bei.

An  demselben  Tage  fortgesetzte  Beschiessung  von  Thionville,
  gegen  welches  76  Geschütze  gerichtet  sind.  Die  Stadt
brennt.

Der  Grossherzog  von  Mecklenburg  setzt  seinen  Vormarsch
  fort.  Rekognoszierungs-Gefechte  finden  bei  Neuville,
Bois  Commun  und  Naizieres  statt.

N  General  von  Tresckow  wirft  den  Feind  aus  seinen
Positionen  vor  Belfort  und  schlägt  einen  Ausfall  zurück.

1872.  Protest  des  päpstlichen  Nuntius  gegen  die  Beschlüsse  der  am
18.  November  abgehaltenen  Diöcesan-Konferenz  inSolothurn.


1875.  Brand  des  Stadttheaters  in  Barmen.
        <pb n="631" />
        —  621  —

24.  November.

800.  König  Karl  der  Grosse  hält  seinen  feierlichen  Einzug
in  Rom.  |

‚Am  folgenden  Christfeste  setzte  ihm  Papst  Leo  in  der  Peterskirche
eine  bereit  gehaltene  goldene  Krone  aufs  Haupt  und  das  Volk  rief  ihn
jubelnd  zum  „Kaiser  der  Römer“  aus.

1524.  Friedrich  der  Gebissene,  auch  der  Freidige  genannt,
Markgraf  zu  Meissen  und  Landgraf  in  Thüringen,  stirbt  zu
Eisenach.

1414.  (Nach  andern  am  9.  Nov.)  Albrecht  III.  von  Hohenzollern,
Kurfürst  von  Brandenburg  1470—1486,  zu  Tangermünde
geboren.

Er  wurde  wegen  seiner  Stärke  und  Ritterlichkeit  „Achilles“,
wegen  seiner  Klugheit  „Ulysses“  und  wegen  seiner  Schlauheit  auch
wohl  „Deutschlands  Fuchs“  genannt.

1632.  Baruch  Spinoza,  Philosoph,  zu  Amsterdam  von  jüdischen

Eltern  geboren.

Er  bildete  den  cartestianischen  Dualismus  zu  einem  Pantheismus
um,  dessen  Grundgedanken  die  Einheit  der  Substanz  bildet,  d.  h.  dessen,
was  in  sich  ist  und  aus  sich  zu  begreifen  ist.  Es  giebt  nur  eine  unendliche
  Substanz,  und  diese  ist  Gott;  ihre  beiden  uns  erkennbaren  Attribute
sind  Denken  und  Ausdehnung.  Gott  ist  die  immanente  Ursache  alles
dessen  was  ist  und  geschieht,  d.  h.  der  Gesamtheit  der  endlichen  Dinge
und  der  Welt,  welche  Selbstdarstellung  Gottes  ist;  Gott  wirkt  nach  der
inneren  Notwendigkeit  seines  Wesens,  und  darin  liegt  seine  Freiheit.
An  die  intellektuelle  Erkenntnis,  d.  h.  die  adäquale  Erkenntnis  des
Intellekts,  der  das  Einzelne  aus  dem  Ganzen,  die  Einzeldinge  nicht  als
zufällig,  sondern  als  notwendig  unter  der  Form  der  Ewigkeit  auffasst,
knüpft  sich  die  intellektuelle  Liebe  Gottes,  in  der  unser  Glück  und  unsre
Freiheit  beruht;  die  Tugend  an  sich  ist  Seligkeit.

Er  starb  am  21.  Februar  1677.
1643.  Schlacht  bei  Tuttlingen.

In  Folge  geschickter  Operationen  wurde  das  französische  Heer
hier  durch  ein  kaiserlich-bayrisches  Heer  unter  Hatzfeld,  Mercy,
Johann  von  Werth  und  dem  Herzog  von  Lothringen  von  allen  Seiten
eingeschlossen,  mit  Nachdruck  angegriffen  und  gänzlich  geschlagen.  Ausser
vielen  Toten  verloren  die  Franzosen  auch  7000‘  Gefangene,  und  ihre
Niederlage  war  überhaupt  so  gross,  dass  sich  nur  geringe  Ueberbleibsel
des  beträchtlichen  Heeres  über  den  Rhein  flüchteten.  —  Ein  allgemeiner
Jubel,  begleitet  von  vielen  Volksscherzen,  verbreitete  sieh  wegen  dieser
Niederlage  der  Franzosen  über  den  grössten  Teil  von  Deutschland!
        <pb n="632" />
        —  622  —

1734.  Die  Spanier  erhalten  das  am  3.  Juli  1707  vom  kaiserlichen
General  Daun  besetzte  Capua  durch  Kapitulation  des  Kommandanten
  Grafen  von  Traun  zurück.

1762.  Die  Kaiserin  Maria  Theresia  sieht  sich  in  der  bedrängtesten
Lage,  von  Russland  und  Frankreich  verlassen,  gezwungen,  mit
Friedrich  II.  von  Preussen  einen  Waffenstillstand  abzuschliessen,
in  welchem  sie  alle  ihre  Verbündeten  im  deutschen  Reiche  völlig
unbeachtet  liess  und  preisgab.

Und  der  habsburgische  deutsche  Kaiser  that  nichts,  die  deutschen
Reichslande  für  das,  was  sie  bis  jetzt  im  erklärten  Reichskriege  gethan
und  gelitten  hatten,  gegen  Angriffe  von  Preussen  sicher  zu  stellen.  Das
deutscheReich  war  in  den  Waffenstillstand  nichtmiteineschlossen;

  gerade  die  hergebrachte  österreichische  Politik,  wie  im
Jahre  1866  der  Wiener  Hof  auch  mit  dem  siegreichen  Preussen  einen
Waffenstillstand  schloss  für  sich  selbst,  ohne  seine  zum  Kampf  von  ihm
aufgerufenen  Bundestags-Fürsten  und  Völker  in  den  Waffenstillstand
einzuschliessen.

1800.  Heinrich  Förster,  Fürstbischof  von  Breslau,  zu  Grossglogau
  geboren.

Er  trat  1870  gegen  das  Unfehlbarkeits-Dogma  in  Opposition,
stimmte  auch  am  13.  Juli  gegen  dasselbe  und  unterzeichnete  den
Fuldaer  Hirtenbrief  vom  31.  August  nicht,  unterwarf  sich  dann
aber,  geriet  mehrfach  mit  der  preussischen  Regierung  in  Konflikt,  und
entzog  sich  im  Mai  1875  der  bereits  angeordneten  Verhaftung  durch  die
Flucht.  Er  ward  1876  abgesetzt.

1801.  Ludwig  Bechstein,  Dichter  und  Schriftsteller,  zu  Weimar
geboren.

1806.  Rundschreiben  des  Freiherrn  von  Stein  an  die
obersten  Behörden  Preussens  von  Königsberg  aus,  auffordernd
zur  Befreiung  Deutschlands  von  den  Franzosen.

1848.  Aufstand  in  Erfurt  bei  Gelegenheit  der  Einberufung  der
Landwehr;  über  die  Stadt  wird  der  Belagerungszustand
verhängt.

1862.  Da  der  Kurfürstvon  Hessen,  trotz  gegebenen  Versprechens
(!!),  den  Bestimmungen  der  Verfassung  von  1831  zuwider,  den
Staatshaushalt  den  Ständen  nicht  vorlegte  und  den  Streit  mit
seinem  Volke  fortführte,  so  droht  ihm  die  preussische
Regierung,  dass  sie  mit  Gewalt  gegen  ihn  vorgehen  und
Kurhessen  durch  preussische  Truppen  besetzen  werde.

1870.  Der  Vertrag  zwischen  dem  norddeutschen  Bunde  und
Bayern  wird  in  Versailles  unterzeichnet.

Eröffnung  des  Reichstags  des  norddeutschen  Bundes
in  Berlin  durch  Staatsminister  Delbrück.

Die  Festung  Thionville  kapituliert.
800  Geschütze  genommen  und  4000  Gefangene  wurden  gemacht.
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        —  623  —

1870.  Oberst  von  Lüderitz  vertreibt  halbwegs  zwischen  Roye  und
A  miens  Mobilgarden,  welche  mit  Zurücklassung  ihres  Gepäckes
gegen  Bray  entfliehen.  Eine  spätere  Rekognoszierung  desselben
mit  2  Kompagnien,  4  Eskadrons  und  2  Geschützen  stiess  bei
Mezieres  auf  6  feindliche  Bataillone  mit  Artillerie  und  brachte
denselben  nicht  unbeträchtlichen  Verlust  bei.

Voigts-Rhetz  schlägt  einen  grossen  Teil  der  französischen

Loire-Armee  unter  Aurelle  de  Paladines  bei  Beaume-la-Rolande.


Pfalzburg  wird  bombardiert.
1875.  Schliessung  des  Priester-Seminars  in  Köln.

1880.  Der  Bundesrat  des  deutschen  Reichs  baschliesst  die  Verlängerung
  des  sogenannten  kleinen  Belagerungszustandes
  für  Berlin,  Potsdam,  Charlottenburg  u.  s.  w.  auf
ein  weiteres  Jahr.

1888.  In  China  wird  die  erste  Eisenbahn  dem  Verkehr
übergeben.

1890.  König  Wilhelm  III.  der  Niederlande  stirbt,  morgens
53%,  Uhr,  nach  langem  Leiden,  fast  74  Jahre  alt.

Königin  Emma  übernimmt  für  ihre  minderjährige  Tochter
Wilhelmine  die  Regentschaft.
        <pb n="634" />
        —  624  —

25.  November.

U  2

1177.  Die  Christen  unter  dem  König  Balduin  IV.  von  Jerusalem
schlagen  den  Sultan  Saladin  bei  Ramla  unweit  Askalon.

1276.  Der  Böhmenkönig  Ottokar  unterwirft  sich  auf  einer  Haide
an  der  Donau  dem  deutschen  Kaiser  Rudolf  I.

Ottokar  verzichtete  auf  die  Länder  Oesterreich,  Kärnten,  Krain,
Steiermark,  auf  die  windische  Mark  und  Portenau  und  schwört  dem
deutschen  König  Lehenstreue  für  den  Besitz  von  Böhmen  und  Mähren,
welcher  ihm  blieb.

1314.  Das  deutsche  Reich  giebt  das  beschämende  Schauspiel,
dass  zu  gleicher  Zeit  zwei  Kaiser,  Ludwig  der  Bayer  zu
Aachen,  Friedrich  der  Habsburger  zu  Bonn,  gekrönt  werden.

Von  beiden  Kronbewerbern  hatten  sich  die  Kurfürsten,  jeder  von
seinem  Manne,  die  Wahlstimmen  abkaufen  lassen  mit  abenteuerlichenGeldsummen,
  mit  Hausgut  und  mit  Reichsgut.

1355.  Eröffnung  des  Reichstags  zu  Nürnberg.

1431.  Karl  IV.  empfängt  in  Mailand  die  lombardische  Krone.
1677.  Freiburg  i.  Brsg.  wird  durch  Verrat  an  Crequi  überliefert.
1716.  Prinz  Eugen  erobert  Temeswar.

1795.  Stanislaus  II.  August,  der  letzte  König  von  Polen,  entsagt
  der  Regierung.

Polen  wird  durch  eine  dritte  Teilung  vollständig
aufgelöst.

1812.  Verhängnisvoller  Uebergang  der  Franzosen  über  die
Beresina  beginnt  und  währte  bis  zum  28.  November.
Um  dies  zu  hindern  griffen  die  Russen  die  Franzosen  mit  Macht
an.  Diese  wehren  sich  aber  mit  der  Kraft  der  Verzweiflung.
1819.  Die  bundesstaatlichen  Ministerkonferenzen  in  Wien
werden  eröffnet,  deren  Resultat  die  sogenannte  „Wiener  Schlussakte”“
  ergab.

Diese  Ministerkonferenzen  waren  hauptsächlich  durch  die  freiheitliche
  Bewegung  der  Zeit  veranlasst  worden.
1830.  Lina  Morgenstern,  geborene  Bauer,  Schriftstellerin,  Gründerin

  der  Berliner  Volksküchen  und  des  Hausfrauenvereins,  zu
Breslau  geboren.

1848.  Papst  Pius  IX.  macht  Gaöta  zu  seiner  Residenz  (bis  zum
4.  September  1849).
        <pb n="635" />
        —  625  —

1858.  Bekanntmachung  des  Regierungs-Programms  des  Prinz-Regenten
  von  Preussen.

1870.  Diedenhofen  (Thionville)  wird  von  den  Preussen  besetzt.
Militär-Konvention  Preussens  mit  Baden.
Vertrag  und  Militär-Konvention  mit  Württemberg.

1871.  Bildung  eines  cisleithanischen  Ministeriums  in  Oesterreich

  durch  Fürst  Adolf  Auersperg.

1878.  Zusammenstoss  des  deutschen  Schiffes  „Pommerania“  mit
der  englischen  Barke  „Moel  Eilian“,  wodurch  der  Untergang
des  ersteren  herbeigeführt  wird.

1885.  Alfonso  XIl.,  König  von  Spanien,  stirbt  auf  seinem  Lustschloss
  Pardo  bei  Madrid,  kaum  28  Jahre  alt.

1888.  Boulanger  erklärt  in  einer  sensationellen  Rede  vor  der  Patriotenlıga
  den  Charakter  des  Friedens,  dessen  Frankreich  bedürfe.

 

26.  November.

51l.  Chlodowig,  König  der  Franken,  stirbt  zu  Paris.

Er  räumte  mit  nichtswürdiger  Treulosigkeit  und  Grausamkeit  die
übrigen  fränkischen  Dynastien,  soweit  er  sie  nur  zu  erreichen  vermochte,
aus  dem  Wege  und  vereinigte  den  ganzen  Volksstamm  unter  seinem

Scepter.
976.  Konrad,  Bischof  von  Konstanz,  stirbt  daselbst.

Er  war  ein  sehr  frommer  Mann  und  ausgezeichnet  durch  humanes
Wesen.

1282.  Bildung  des  Zuyder  Sees  in  Holland  durch  Orkan
und  Flut.  |
1626.  Graf  Ernst  von  Mansfeld,  Feldherr  im  dreissigjährigen

Krieg,  stirbt  in  dem  bosnischen  Dorfe  Wrakowiez.

Er  war  mehrfach  siegreich  gegen  die  kaiserlichen  Truppen  unter
Tilly,  and  ward  am  29.  April  1626  an  der  Dessauer  Brücke  von  Wallenstein

  total  geschlagen.
1741.  Eroberung  Prags  durch  Bayern,  Franzosen  und  besonders
Sachsen  unter  Rutowski.  |
1754.  Johann  Georg  Adam  Forster,  Reisender  und  Schriftsteller,
  zu  Nassenhuben  unweit  Danzig  geboren.
40
        <pb n="636" />
        —_  626  —

1808.  Der  Minister  von  Stein  nimmt  seine  Entlassung.

1822.  Karl  August  Fürst  von  Hardenberg,  preussischer
Staatsmann,  stirbt.

Seine  Verdienste  um  die  Hebung  des  preussischen  Staats  und  Volkswohlstandes
  haben  ihm  bei  der  Nachwelt  einen  bleibenden  Rulım  gesichert.
  In  der  äusseren  Politik  wusste  er  mit  Geschicklichkeit  alle  Umstände
  zu  benutzen,  in  d"r  innern  die  freiheitlichen  Institutionen,  die
Stein  begonnen,  weiter  zu  entwickeln.

1828.  Stiftung  der  polytechnischen  Gesellschaft  zu
Leipzig.

1836.  Gründung  des  Leipziger  Kunstvereins.

1840.  Karl  v.  Rotteck,  bedeutender  Geschichtsschreiber,  stirbt
zu  Freiburg  ım  Breisgau.

Er  that  sich  als  politischer  Reformator  in  den  politischen  Bewegungen
  der  dreissiger  Jahre  rühmlich  hervor.

1857.  Joseph  v.  Eichendorf,  ein  freiheitsbegeisterter  Dichter,
stirbt  zu  Neisse.

1867.  Die  Leiche  des  Kaisers  Maximilian  wird  in  Vera  Cruz
dem  österreichischen  Admiral  Tegethoff  ausgeliefert.

Garibaldi  wird  freigelassen  und  zieht  sich  nach  Caprera
zurück.

1869.  Das  bayerische  Ministerium  Hohenlohe  reicht  seine
Entlassung  ein.

1870.  Gefechte  bei  Pasques,  zwischen  dem  Werder’schen  Korps
und  demjenigen  Garibaldis,  welche  am  27.  fortgesetzt  wurden
und  mit  einem  Sieg  der  Deutschen  endigten.

Die  offizielle  Depesche  meldet  hierüber:
Dijon,  27.  November.

Eine  Recognoscierung  am  26.  ergab,  dass  Garibaldi  mit  seinem
Corps  von  Pasques  in  Anmarsch  sei.  Bei  anbrechender  Nacht  wurden
die  Vorposten  Füsilier-Bataillons  3  Regiments  heftig  angegitfen  und  vom
Bataillon  Unger  aufgenommen.  Dieses  wies  3  Angriffe  aut  fünfzig  Schritt
zurück,  der  Feind  tHloh  in  Unordnung,  warf  Gepäck  und  Wafien  fort.
Heute,  am  27.,  ging  ich  mit  2  Brigaden  vor  und  erreichte  die  feindliche
Arrieregarde  bei  Pasques  durch  Umgehung  von  Plombieres.  Der  Feind
verlor  3—400  Mann  an  Toten  und  Verwundeten.  Diesseitiger  Verlust
an  beiden  Tagen  etwa  50  Mann.  Menotti  Garibaldi  soll  am  26.  kommandiert
  haben.  von  Werder.

An  demselben  Tage  gingen  mehrere  feindliche  Kompagnien
gegen  das  10.  Korps  vor,  wurden  abgewiesen,  wobei  sie  allein
40  Tote  liegen  liessen.

Unter  den  Gefangenen  befindet  sich  ein  General.  Diesseitiger  Verlust
  3  Offiziere  13  Mann.

Vorschlag  des  Grafen  Bismarck  an  die  Mächte,  die
Pontusfrage  auf  einer  Konferenz  in  London  zu  regeln.
        <pb n="637" />
        —  627  —

1878,  Interpellation  des  Abgeordneten  Freiherr  von  Schorlemer-Alst
  im  preussischen  Abgeordnetenhause  in  betreff  des  überhandnehmenden

  Wuchers,  der  eine  allgemeines  Interesse
erregende  Debatte  folgt.

Schorlemer-Alst  versichert,  dass  der  niedere  Beamtenstand
in  Berlin  eine  Schuldenlast  von  circa  1Million  Mark  habe

und  so  in  die  Hände  der  Wucherer  geraten  sei,  dass  er  für  Darlehen  60
bis  200  Prozent  zahle.

1880.  Grosse  Debatte  im  preussischen  Abgeordnetenhause  über  die
Einsetzung  eines  Volkswirtschaftsrates,

 

2%.  November.

oll.  Chlodwig  I.,  der  Grosse,  fränkischer  König,  stirbt  zu  Paris.
1181.  Heinrich  der  Löwe  unterwirft  sich,  nach  dem  Falle  des
vom  Kaiser  belagerten  Lübecks,  auf  dem  Hoftage  zu  Erfurt  und
flieht  knieend  um  die  Gnade  des  Kaisers  Friedrich  I.  (des
Hohenstaufen).
Tief  erschüttert  hob  ihn  der  Kaiser  auf,  aber  da  die  Feinde  des
Löwen  dem  Kaiser  den  Schwur  abgenötigt  hatten,  ihn  nie  mehr  in  seine
alten  Rechte  einzusetzen,  konnte  der  Kaiser  nicht  mehr  thun,  als  ihm
seine  väterlichen  Stammbesitzungen,  die  Lande  Braunschweig  und  Lüneburg
  zu  lassen,  und  dagegen  musste  er  auf  alle  Reichslehen  verzichten,
ja  nach  dem  Spruche  des  Fürstengerichts  sieben  Jahre  den  Boden  des
deutschen  Reiches  meiden.  Diese  Verbannungszeit  setzte  nachher  der
Kaiser  auf  drei  Jahre  herab.

1226.  Auf  Antrag  des  Erzbischofs  Siegfried  von  Mainz  löst  König
Heinrich  (Sohn  Friedrichs  II.)  von  Würzburg  aus  das  gegenseitige
  Schutzbündnis  der  Städte  Mainz,  Bingen,  Worms,
Speier,  Frankfurt,  Gelnhausen  und  Friedberg  als  nichtig  auf.

1237.  Schlacht  bei  Corte-Nuova,  in  welcher  der  Bayern-Fürst
Ezelin  IV.  mit  den  vereinigten  ghibellinischen  Streitkräften,  das

Heer  der  Mailänder  und  ihrer  Verbündeten  gänzlich  schlägt.

Der  Rückzug  der  Städtebürger  am  Abend  des  Tages  wurde  zu
solcher  Flucht,  dass  die  Kaiserlichen  am  andern  Tage  den  Fahnenwagen
erbeuteten,  welchen  die  Mailänder  nicht  mehr  hatten  fortbringen  können
und  ihn  darum  aller  Zierathen  entblösst  hatten.

1308.  Heinrich  VII.  von  Luxemburg  wird  zu  Frankfurt  am
Main  einmütig  zum  deutschen  Kaiser  ernannt  und  bald  darauf

zu  Aachen  gekrönt.  |
Die  Erzbischöfe  Peter  Aichspalter  von  Mainz  und  Balduin  von

Trier,  Heinrichs  Bruder,  hatten  zuerst  die  Blicke  auf  den  edlen  und  thatkräftigen

  Mann  gelenkt,  der  in  seiner  kleinen  Grafschaft  Luxemburg  den
        <pb n="638" />
        —  62383  —

Landfrieden  musterhaft  aufrecht  erhielt.  Seine  Regierung  als  Kaiser
war  zu  kurz,  um  grössere  Erfolge  zu  erzielen.  Er  regierte  von  1308

bis  1319.
1631.  Einzug  Gustav  Adolfs  in  Frankfurt  a.  M.

1701.  Anders  Celsius,  Astronom,  zu  Upsala  geboren.
Er  starb  am  25.  April  1744.  Er  empfahl  zur  Wärmemessung  die
hundertheilige  Thermometer-Skala.

1708.  Die  Preussen  und  Kaiserlichen  gehen  bei  Gavre  über
die  Schelde  und  schlagen  die  Franzosen  unter  dem  Herzog

von  Burgund.

1741.  Karl  VIL,  Albrecht  von  Bayern,  überrumpelt  Prag
und  lässt  sich  als  König  von  Böhmen  huldigen.

1813.  Der  Herzog  Peter  von  Oldenburg  kehrt  in  sein  Land
zurück.

Der  Divisions-General  Rapp  in  Danzig  muss  nach  harten
Verlusten  mit  Herzog  Alexander  von  Württemberg  einen  Waffenstillstand

  eingehen.

1814.  Die  Schnellpresse,  von  Bauer  erfunden,  wird  zuerst  beim
Druck  der  „Times“  angewandt.

1848.  Erste  Sitzung  der  konstituierenden  Versammlung  in  Brandenburg,
  zu  der  sich  nur  die  Mitglieder  der  Rechten  einfanden.

Allgemeine  deutsche  Wechselordnung.

1850.  Olmützer  Zusammenkunft,  zwischen  dem  österreichischen
  Ministerpräsidenten  Fürsten  Schwarzenberg  und  dem
preussischen  Ministerpräsidenten  von  Manteuftel,  unter  Assistenz
des  russischen  Gesandten  von  Meyendorf.

Das  Resultat  war  eine  Aussöhnung  der  Unionisten  und  der
Bundestags-Getreuen.

1864.  (Vom  27.  u.  28.  Nov.)  Aufhebung  von  104  Klöstern  im
Königreich  Polen.

1870.  Treffen  beı  Amiens.  —  Einnahme  von  Amiens  durch
Prinz  Friedrich  Karl.

Garibaldi  wird  bei  Autun  durch  Werder  geschlagen.
Alencon  ergiebt  sich  ohne  Schwertstreich.
La  Fere  kapituliert  nach  zweitägiger  Beschiessung.

Sieg  derDeutschen  unter  Mantcuffel  über  die  französische
Nordarmee  bei  Aımmiens.
        <pb n="639" />
        —  629  —

1878.  Albert  Emil  Brachvogel,  dramatischer  Dichter  und
Romanschriftsteller,  stirbt  zu  Berlin.

Durch  sein  Trauerspiel  „Nareiss“  hat  er  grosse  Erfolge  erzielt.

1880.  Der  Bundesrat  des  deutschen  Reichs  beschliesst  über
Hamburg  den  ‚kleinen  Belagerungszustand“  zu  verhängen.

1885.  Herzog  Friedrich  von  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
  stirbt,  71  Jahre  alt,  zu  Kopenhagen.

1888.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  die  ostafrikanische
Frage  unter  Beratung.

28.  November.

1414.  Johannes  Huss  wird,  kaum  vier  Wochen  nach  seiner  Ankunft
  zu  Konstanz  und  ohne  dass  er  durch  irgend  ein  öffentliches
  Auftreten  oder  durch  sonst  etwas  einen  Vorwand  dazu
gegeben  hätte,  auf  Befehl  des  Papstes  Johann  XXIII.  und  der

Kardinale,  verhaftet.

1518.  Luther  appelliert  an  eine  allgemeine  Kirchenversammlung.


1520.  Fernando  de  Magelhaens  dringt  durch  die  später
Magelhaensstrasse  genannte  Meerenge  in  die  Südsee,  den  „stillen

Ocean“  vor.
1561.  Traktat  von  Wilna.

Livland  wird  an  Polen  abgetreten;  der  Deutschordensmeister
  Gotthard  Ketteler  behält  nur  Kurland  und  Semgallen
als  Lehen  der  polnischen  Krone,  während  Esthland  schwedische  Provinz

wird.

1793.  Dreitägige  Schlacht  bei  Kaiserslautern  beginnt;
der  30.  Nov.  war  der  Entscheidungstag  und  die  Preussen

Sieger  über  die  Franzosen.

Am  28.  November  1793  griff  der  französische  General  Hoche  die
Preussen  unter  dem  Herzog  Karl  Wilhelm  Ferdinand  von  Braunschweig
mit  Heftigkeit  an;  allein  trotz  eines  wahrhaft  verzweifelnten  Mutes  der
Franzosen,  wobei  vorzugsweise  die  Einflüsse  der  republikanischen  Begeisterung
  und  zum  Teil  auch  des  Terrorismus  sich  geäussert  hatten,
war  es  doch  nicht  möglich,  die  preussischen  Linien  zu  durchbrechen.
        <pb n="640" />
        —  630  —

Die  Franzosen  erlitten  einen  grossen  Verlust,  erneuerten  aber  dessenungeachtet
  sowohl  am  29.,  als  am  30.  November  ihre  Angriffe  mit  äusserster
Energie  Am  letztern  Tag  ward  endlich  bei  Kaiserslautern  die  Hauptschlacht
  geliefert,  und  auch  in  dieser  das  französische  Heer,  trotz  aller
Tapferkeit  und  Begeisterung,  von  den  Preussen  entschieden  geschlagen.

Und  was  war  der  sonstige  Gewinn  dieser  blutigen  Schlachten?  —
Die  allzu  grosse  Vorsicht  des  preussischen  und  die  Unbesonnenheit  des
österreichischen  Feldherrn  brachten  es  weiter  zu  keinem  Ergebniss.

1803.  Erste  Aufführung  von  „Wallensteins  Lager“  in  Berlin.
1806.  Einmarsch  der  Franzosen  in  Warschau.
Russland  erklärt  den  Krieg  an  Frankreich.

1811.  Maximilian  Il.  Joseph,  König  von  Bayern,  Vater
Ludwigs  1I.,  geboren.

1812.  Beendigung  des  Rückzuges  der  Franzosen  über  die
Beresina.

An  der  Beresina  hätte  Napoleon  mit  dem  ganzen  Rest  seines
Heeres  leicht  gefangen  werden  können,  doch  gelang  es  ihm,  nach  zwei
schrecklichen  Tagen,  über  den  Fluss  zu  kommen,  und  die  Russen  liessen
ihm  ungeschickter  Weise  den  einzigen  Rettungsweg  offen.  Er  entkam,
wenngleich  mit  ungeheurem  Verlust.  Sein  Heer  war  so  geschlagen  und
zerüttet,  dass  er  sich  anch  in  Litthauen  nicht  mehr  halten  konnte.

Partonneaux  kapituliert  mit  8000  Mann.

1823.  Einzug  der  Kronprinzessin  Elisabeth,  späteren  Königin,
in  Berlin.

1830.  Feier  des  tausendjährigen  Jubiläums  der  Einführung  des
Christentums  in  Schweden.

1848.  Ludwig  Michael  Schwanthaler,  berühmter  Bildhauer,
stirbt  zu  München,  wo  er  seit  1835  als  Professor  an  der
Akademie  wirkte.

Er  verbindet  klassische  Reinheit  des  Stils  mit  Porträtähnlichkeit
und  bildete  aus  der  Antike  einen  nationaldeutschen  Stil  der  Skulptur.

1860.  Christian  Karl  Josias  Freiherr  von  Bunsen,  Diplomat
und  Gelehrter,  stirbt  zu  Bonn.

Von  1827—1838  Ministerpräsident  zu  Rom  bewährte  er  sich  in  der
Streitfrage  der  gemischten  Ehen  als  eifriger  Vertreter  des  protestantischen
Kirchentums.  —  Seit  1841  in  London,  vertrat  er  sehr  entschieden  die
Rechte  Deutschlands  und  Schleswig-Holsteins  Dänemark  gegenüber.  —

1857  wurde  er  ins  Herrenhaus  berufen  und  in  den  Freiherrnstand
erhoben.

1870.  Treffen  bei  Beaume  la  Rolande.

Die  Deutschen  unter  Voigts-Rhetz  besiegen  die  Franzo
unter  Aurille  de  Paladines.  5  nzosen

VollständigeNiederlagederfranzösischen  Loire-Armee,

Versailles,  29.  November.
Der  Königin  Augusta  in  Berlin.  Prinz  Friedrich  Karl  meldet:  Das
gestrige  Gefecht  eine  wahre  Niederlage  des  grössten  Teiles  der  Loirermee,
  von  der  das  ganze  20.  Corps  und  wahrscheinlich  auch  18.,  und
        <pb n="641" />
        —  631  —

Teile  des  15.  und  16.  da  waren.  Nach  französischen  Angaben  70.000
Mann.  Das  20.  focht  ganz,  die  andern  teilweise.  Der  Feind  liess  1000
Tote  auf  dem  Schlachtfelde  und  soll  über  4000  Blessierte  haben,  1600
gesunde  Gefangene,  die  sich  stündlich  mehren.  Gesamt-Verlust  wohl

000  Mann.  General  d’Aurelles  soll  blessiert  sein.  Unser  Verlust  1000
Mann,  wenig  Öfhziere.

Wilhelm.
Die  Deutschen  besetzen  St.  Calais  und  St.  Comes.
General  von  Goeben  besetzt  Amiens.

1871.  Der  deutsche  Reichstag  genehmigt  den  sogenannten
„Kanzelparagraphen“,  wodurch  der  Regierung  eine  Waffe

gegen  die  Aufreizungen  der  ultramontanen  Geistlichen  gegeben
wird.

1872.  Bildung  einer  preussischen  Partei  der  Nationalkonservatıven.


1878.  Ueber  die  Stadt  Berlin,  die  Stadtkreise  Charlottenburg
und  Potsdam  und  die  Kreise  Teltow,  Niederbarnim  und
Östhavelland  wird  mit  Genehmigung  des  Bundesrats  vom
29.  November  1878  auf  ein  Jahr  der  „kleine  Belagerungszustand“
  verhängt.

1879.  Der  König  und  die  Königin  von  Dänemarkin
Berlin.

Der  Besuch  wird  als  Zeichen  der  Versöhnung  gedeutet.

1888.  Zwischen  den  deutschen  und  österreichischen  Officiösen
bricht  eine  bittere  Polemik  aus.

Im  deutschen  Reichstag  verlangt  Bennigsen  strammes
Festhalten  an  der  Kolonialpolitik  und  Liebknecht  Abrüstung.
        <pb n="642" />
        —  632  —

29.  November.

1318.  HeinrichvonMeissen(Frauenlob),  ein  vielgefeierter  Meistersänger,
  stirbt  zu  Mainz,  wo  er  unter  grosser  Trauer  und  Klage
der  Frauen  begraben  wurde.

Im  Dom  zu  Mainz  befindet  sich  sein  Grab.

1378.  Kaiser  Karl  IV.  stirbt  zu  Prag.

Ein  Hauptverdienst  von  seiner  Regierung  ist  die  Stiftung  der
ersten  Universitätin  Deutschland  (zu  Prag),  und  die  Einführung
deutscher  Sitten  und  Sprache  in  seinen  slavischen  Erblanden.  —  Er  erliess
  1356  die  „goldene  Bulle“,  durch  welche  die  Berechtigung  zur
Kaiserwahl  gesetzlich  geregelt  wurde.

1516.  Ewiger  Friede  zu  Freiburg.

Geschlossen  zwischen  König  FrarzI.  vonFrankreich  und  den
Schweizerkantonen,  die  sich  der  Besitznahme  Mailands  widersetzt
hatten.

1632.  Friedrich  V.,  Kurfürst  von  der  Pfalz,  König  von  Böhmen
von  1619—20,  stirbt  zu  Mainz.

Er  war  1620  nach  der  unglücklichen  Schlacht  bei  Prag  (am  8.  Nov.
1620)  von  Kaiser  Ferdinand  mit  der  Reichsacht  belegt  worden  und  lebte
hierauf  im  Haag.  Seine  Kurwürde  hatte  der  Herzog  von  Bayern  erhalten,
ebenso  die  Oberpfalz.

1761.  Baron  Warkotschs  Verräterei  gegen  Friedrich  Il.
entdeckt.

1762.  Die  Preussen  unter  Kleist  besetzen  Nürnberg.

1780.  Maria  Theresia,  Oesterreichs  grosse  Kaiserin,  stirbt.

Sie  hatte  64  Jahre  gelebt  und  40  regiert.  Bei  manchen  Schwächen
und  Schatten  vereinigte  sie  schöne  menschliche  Eigenschaften.  Dass  sie
absolute  Selbstherrscherin  sein  wollte,  und  über  die  uralten  Verfassungen
und  Rechte  ihrer  Völker  und  Lande  hochmütig  sich  hinwegsetzte,  war
schuld,  dass  sie  Oesterreich  bei  ihrem  Tode  in  den  traurigsten  finanziellen
Verhältnissen  hinterliess,  und  nicht,  wie  ihre  interessierten  Lobredner  ihr
andichten,  in  Wohlstand.

1802.  Wilhelm  Hauff,  Novellist,  zu  Stuttgart  geboren.

1822.  Albert  Maybach,  preussischer  Staatsminister,  zu  Werne
in  Westfalen  geboren.

1823.  Vermählungsfeier  des  Kronprinzen,  nachmaligen
Königs  Friedrich  Wilhelm  IV.  von  Preussen  mit  der  Prinzessin
Elisabeth,  der  Tochter  des  Königs  Max  I.  von  Bayern.

1830.  Revolution  in  Warschau.
        <pb n="643" />
        —  633  —

1839.  Ludwig  Anzengruber,  bedeutender  dramatischer  Dichter,
zu  Wien  geboren.

1850.  Olmützer  Vertrag  zwischen  Preussen,  Oesterreich  und
Russland.

 _  Derselbe  bestimmte,  dass  Preussen  sich  der  Besetzung  Kurhessens
nicht  widersetzen  dürfe,  dass  in  Schlesswig-Holstein  von  Oesterreich
und  Preussen  der  Friede  im  Sinne  desdänischen@Gesamtstaates
diktiert  werde  und  dass  zur  Erledigung  der  deutschen  Bundesverhältnisse
  Konferenzen  sämtlicher  Regierungen  stattfinden  sollen.

1867.  Gebhard  Karl  Rudolf  von  Alvensleben,  preussischer
General  der  Kavallerie,  stirbt  zu  Berlin.

1868.  Das  Nationalitätengesetz  wird  im  ungarischen  Reichstage
  angenommen.
Eine  einheitliche,  unteilbare,  ungarische  Nation  proklamiert;  die
ungarische  Sprache  wird  Staatssprache.
1870.  Ausfälle  der  in  Paris  eingeschlossenen  Streitkräfte.

Die  offizielle  Depesche  meldet  hierüber:

Versailles,  den  30.  November.

Der  Königin  Augusta  in  Berlin.  Gestern  schlug  das  6.  Corps  einen
Ausfall  südlich  bei  L’Hay  siegreich  zurück,  über  hundert  Gefangene,
viele  Hundert  Blessierte  und  Tote.  Wir  100  Mann  Verlust.  Heute  bedeutender
  Ausfall  nach  Osten  gegen  Württemberger  und
Sachsen  bei  Bonneuil  sur  Marne,  Champigny,  Villiers,  die  genommen
  und  bis  zur  Dunkelheit  mit  Hilfe  unserer  7.  Brigade  wiedergenommen
  wurden.

Gleichzeitig  nach  Nordost  bei  St.  Denis  gegen  Garde  und  4.  Corps
nur  leichte  Ausfälle.  Ich  konnte  Versailles  nicht  verlassen  um  im  Centrum
zu  bleiben.  Es  scheint  der  Feind  auf  einen  Sieg  bei  Orleans  gerechnet
zu  halıen,  um  dem  Sieger  entgegen  zu  gehen,  was  missglückte.

Wilhelm.
1878.  Infolge  des  kleinen  Belagerungszustandes  werden  an
diesem  und  dem  folgenden  Tage  42  der  Sozialdemokratie
verdächtige  Personen  aus  Berlin  ausgewiesen.

1879.  Trauung  des  Königs  von  Spanien  mit  der  Erzherzogin
Christina.

1880.  Grosse  Gedenkfeier  der  hundertjährigen  Wiederkehr  des
Tages,  an  dem  Kaiser  Joseph  II.  den  Thron  bestieg  in  Deutschösterreich.


Nur  der  obere  Klerus  und  die  Ultramontanen  hatten  sich  hierbei
ausgeschlossen.

1888.  Tisza’s  Leiborgan  „Nemzet“  rügt  in  scharfer  Sprache  Deutschlands
  angebliche  Gleichgültigkeit  in  Bezug  auf  Üesterreichs
Balkaninteressen.  |

Die  deutschen  Sozialistenführer  erlassen  ein  Manifest

an  ihre  Partei.
        <pb n="644" />
        —  654  —

30.  November.

1215.  Papst  Innocenz  III.,  „bestätigt“,  als  Vorsitzender  des  Konzils
zu  Rom  und  als  „Herr  über  Könige  und  Völker“,  die  Absetzung
Kaiser  Otto  IV.

1363.  Albrecht  II.  (IlI.),  Prinz  von  Mecklenburg,  Sohn  des  Herzogs
Albrecht  I.  (IL)  von  Mecklenburg,  wird  zum  König  von
Schweden  gewählt.

Er  musste  im  Kampfe  gegen  König  Magnus  II.  Erikson  und  dessen
Sohn  Hakon  1371  auf  die  Regierung  verzichten.

1433.  Die  sogenannte  „Kompaktaten“  (Vergleichsbeschlüsse)
werden  zwischen  den  Hussiten  und  dem  Baseler  Konzil

abgeschlossen.
In  diesen  Kompakten  werden  die  vier  Prager  Artikel  vom  Jahr
1421  in  der  Art  motifiziert,  dass
1.  das  Abendmahl  unter  beiderleiÄ,  aber  auch  unter  einerlei  Gestalt
gebildet  werden  solle,  dass

2.  zwar  frei,  aber  nur  von  verordneten  Priestern  gepredigt  werden
dürfe,  dass

3.  die  Geistlichkeit  zwar  keine  Güter  besitzen,  aber  doch  verwalten
dürfe,  und  dass

4.  die  Sünden  zwar  ausgerottet  werden  sollten,  aber  nur  von  der  gesetzlichen
  Obrigkeit.

Aus  diesen  Kompakten  machte  die  priesterliehe  Auslegungskunst
später  Alles  was  den  ganzen  Vertrag  „ausbeinen“,  ihm  Alles  entziehen
konnte,  was  zu  Gunsten  der  Hussiten  darin  zu  liegen  schien.

1700.  Stiftung  der  Akademie  der  Wissenschaften  zu
Berlin.

1750.  Moritz,  Graf  von  Sachsen,  französischer  Marschall,  stirbt
auf  Schloss  Chambord.

Er  war  ein  natürlicher  Sohn  des  Kurfürsten  August  II.  von  Sachsen
und  der  Gräfin  Aurora  von  Königsmark;  that  sich  während  des  österreichischen
  Erbfolgekriegs  hervor,  und  ist  in  der  Thomaskirche  zu  Strassburg
  i.  E.  beigesetzt.

1785.  Karl  Friedrich  August,  Herzog  von  Mecklenburg-Strelitz,
Bruder  der  Königin  Luise,  zu  Hannover  geboren.

Er  starb  am  21.  September  1837.  Er  hat  unter  dem  Pfeudonym
J.E.  Maud  und  Weishaupt  mehrere  Lustspiele  und  Trauerspiele  geschrieben.
        <pb n="645" />
        —  635  °  —

1793.  Nach  dreitägiger  Schlacht  bei  Kaiserslautern  glänzender

Sieg  der  Verbündeten  unter  Herzog  Karl  Wilhelm  Ferdinand
von  Braunschweig  über  die  Franzosen  unter  Hoche.

1796.  Die  Desterreicher  müssen  die  Brückenschanze  auf  der
Schusterinsel  bei  Hüningen  wieder  räumen.

1813.  Divisionsgeneral  Rapp,  französischer  Gouverneur  von  Danzig,
kapituliert  mit  dem  Herzog  Alexander  von  Württemberg.

Generallieutenant  v.  Bülow  erstürınen  Arnheim  ın  Holland.

An  demselben  Tage  kehrt  Wilhelm  I.,  König  der  Niederlande,

  nach  Vertreibung  der  Franzosen  in  Holland  zurück  und
landet  in  Scheveningen.

Hermann  Kurz,  Dichter  und  Novellist,  zu  Reutlingen
geboren.

1817.  Theodor  Mommsen,  berühniter  Historiker  und  Archäolog,
zu  Garding  in  Schleswig  geboren.

1829.  Anton  Rubinstein,  Klaviervirtuos  und  Komponist,  zu
Wechwotynetz  unweit  Jassy  geboren.

1840.  Johann  Josef  von  Littrow,  berühmter  Astronom,  stirbv
zu  Wien.

1843.  Feier  des  600jährigen  Jubiläums  der  Stiftung  des  Bistums
Ermeland.

1854.  Ferman  des  Vizekönigs  von  Egypten  an  Herrn  von  Lesseps
wegen  Durchstechung  der  Landenge  von  Buez.

1861.  Theodor  Mundt,  Schriftsteller,  stirbt  zu  Berlin.

1870.  König  Ludwig  II.  von  Bayern  erlässt  ein  Schreiben,  den
Vorschlag  zur  deutschen  Kaiserernennung  betreffend.

Siegreiches  Gefecht  des  bayer  ischen  Korps  von  der
Tann  westlich  von  Orleans.

Die  Franzosen  nehmen  die  Dörfer  Champigny  und  Brie
(werden  am  2.  Dezember  von  Fransecky  über  die  Marne  zu-,

rückgetrieben).
1870.  Die  Citadelle  von  Amiens  kapituliert.

Ein  grosser  Ausfall  der  Pariser  Besatzung  wird  von
den  Sachsen  und  Württembergern  siegreich  zurückgeschlagen.
  Eine  offizielle  Depesche  berichtet  hierüber:

!  den  30.  November.  Nachdem  gestern  das  6.  Armeecorps
ch  he  Angriffe  des  1.  Corps  der  2.  Armee  von  Paris  siegreich  zuähr

  ht  von  den  Forts  ein  unü
  esen,  wurde  während  der  ganzen  Nac  \
"ewähnlich  heftiges  Feuer  unterhalten.  —  Heute  Morgen  entwickelte  der
        <pb n="646" />
        —  636  —

Feind,  unter  gleichzeitiger  Demonstration  auf  verschiedenen  Punkten  der
Enceinte  von  Paris,  sehr  bedeutende  Streitkräfte  zwischen  Seine  und
Marne,  und  griff  mit  denselben  um  11  Uhr  unsere  dortigen  Positionen
an.  Es  entspann  sich  ein  sehr  heftiger  Kampf,  von  unserer  Seite  hauptsächlich
  geführt  durch  die  Württembergische  Division  und  den  grössten
Teil  des  12.  (königlich  sächsischen),  sowie  durch  Teile  des  2.  und  6.
Armee-Corps.  Der  Kampf  dauerte  bis  6  Uhr  Abends,  zu  welcher  Stunde
unsere  siegreichen  Truppen  den  Feind  auf  der  ganzen  Linie  zurückgeworfen
  hatten.  Weitere  Details  noch  nicht  bekannt.

1878.  Graf  Andrassy  rechtfertigt  vor  der  österreichischen  Delegation
die  Okkupation  Bosniens  durch  Oesterreich.

1888.  Der  aus  dem  Kriegjahr  von  1870  bekannte  Oberst  Stoffel
wird  aus  den  Reichslanden  ausgewiesen.
        <pb n="647" />
        —  637°  —

1.  Dezember.

DT

659.  Eligius,  Bischof  von  Noyen,  stirbt  daselbst.

Er  bekehrte  Brabant  und  Flandern,  war  am  Hofe  des  Königs
Dagobert  von  grossem  Einfluss.

1018  (oder  1019).  Thietmar,  Bischof  von  Merseburg,  Chronist
unter  Kaiser  Heinrich  II.,  stirbt.

1452.  Kaiser  Friedrich  III.  gebietet  dem  preussischen  Bunde  sich
sofort  aufzulösen.

Gegen  ein  Geschenk  von  5400  Gulden  gab  jedoch  der  Kaiser  am
22.  Dezember  desselben  Jahres  dem  preussischen  Bunde  seine  Anerkennung
und  Bestätigung!!  —  „Geschenk  und  seine  Wirkung  sind  urkundlich  erweisbar“,
  fügt  ein  Geschichtsschreiber  dieser  Mitteilung  bei.  —  Der
„preussische  Bund“  war  auf  dem  Ständetag  zu  Elbing  am  20.  Febr.
1440  von  51  von  Landadel  und  21  Städteabgeordnete  geschlossen  worden,
und  war  gegen  das  böse  Regiment  und  Treiben  der  Ritter
des  Deutschordens  gerichtet,  welche  diese  ständische  Vereinigung
  um  jeden  Preis  zu  vernichten  suchten.  —  Sie  setzten  es  durch,  dass
Kaiser  Friedrich  III.  genau  ein  Jahr  später  (!);  am  1.  Dezember.
1453.  Gegen  Zahlung  von  achtzigtausend  Gulden  die  Auflösung
des  Bundes  der  preussischen  Stände  befahl.

So  trieb  Kaiser  Friedrich  III.  Schacher  mit  der  Rechtspflege;  —
so  verkaufte  und  verriet  er  die  wichtigsten  Interessen  des  deutschen
Reiches  in  der  Preisgabe  der  preussischen  Stände  unter  die  alte  T'yrannei

der  Deutschordensritter!
1482.  Johann  Oekolamxadius,  berühmter  Reformator,  geboren.
Er  war  für  Zwingli  das,  was  Luther  für  Melanchton  war.

1503.  Herzog  Georg  von  Bayern-Landshut  stirbt.

Mit  ihm  erlischt  der  Mannesstamm  der  Herzoge  von  Bayern-Landshut,
  und  damit  der  Beginn  des  bayrisch-landshuter  Erbfolgekriegs.


1521.  Papst  Leo  X.  stirbt.
Er  hatte  1520  den  Bann  über  Luther  verhängt-1640.
  Kurfürst  Georg  Wilhelm  von  Brandenburg  stirbt  zu
Königsberg,  wohin  er  sich  vor  den  Schweden  geflüchtet  hatte.
Ihm  folgt  sein  Sohn  Friedrich  Wilhelm,  der  „Grosse  Kurfürst“
in  der  Regierung.
1742.  Eröffnung  des  Opernhauses  in  Berlin.

1800.  Treffen  bei  Ampfing,  in  welchem  die  Oesterreicher
°  unter  Erzherzog  Johann  (1848  Reichsverweser)  über,  die

Franzosen  siegen.
        <pb n="648" />
        —  633°  —

1802.  Napoleon  I.  erklärt  Italien,  Holland  und  die  Schweiz  „a  la
disposition  de  la  France.”

1806.  Kraftvolle  Proklamation  des  Königs  Friedrich
Wilhelm  IIl.  von  Preussen  von  Königsberg  aus,  in  welcher
er  alle  Festungskommandanten,  die  sich  nicht  gewehrt  hatten,
und  alle  Offiziere,  die  davon  gelaufen  waren,  für  infam
kassıert.

Die  langen  Namenlisten  bewiesen,  in  wiegrossem  Maasesich
der  preussische  Adel  compromittiert  hatte.

Königliche  preussische  Kabinettsordre,  nach  welcher

nur  Auszeichnung  im  Dienst  zum  Öffiziersrang  befördern
soll  (nicht  Adel).

1814.  Die  Russen  verlassen  Holstein,  worauf  dasselbe  von  den
Dänen  wieder  besetzt  wird.

1819.  Philipp  Krementz,  Bischof  von  Ermeland,  zu  Koblenz
geboren.

Er  erklärte  sich  1870  auf  dem  vatikanischen  Konzil  gegen  die
Infallibilität,  geriet  1872  mit  dem  preussischen  Staate  in  Konflikt,  verweigerte
  den  Maigesetzen  die  Anerkennung  und  wurde  daher  mit  der
Temporaliensperre  bestraft.

1825.  Alexander  I.,  Kaiser  von  Russland  stirbt.

1832.  Die  Franzosen  unter  General  Gerard  beginnen  die  Citadelle
von  Antwerpen  zu  beschiessen.

1848.  Nahezu  100  Abgeordnete  von  der  Opposition  erscheinen
in  der  von  Berlin  nach  Brandenburg  verlegten  konstituierenden
Versammlung,  um  ihren  Protest  gegen  die  \erlegung
zu  wiederholen.

1851.  Der  dänische  General  Bardenfleth  übernimmt  das  holsteinische
  Bundeskontingent.

1853.  Stiftung  des  Vereins  zur  Erforschung  der  Geschichte
der  Mark  Brandenburg  zu  Berlın.

1866.  Josef  Strauss,  berühmter  Komponist  und  Violinvirtuos,
stirbt.  |

1869.  Eduard  Vieweg,  verdienstvoller  Verlagsbuchhändler,  stirbt.

Er  war  am  15.  Juli  1797  geboren,  und  Mitglied  des  Erfurter
Parlaments.

1870.  Schlacht  bei  Champigny,  Bareches-les-Hautes,  in
welchen  die  Franzosen  von  den  Deutschen  geschlagen  werden.
Die  ofhizielle  Depesche  meldet  hierüber:

Versailles,  2.  Dezember,  Nachts  12  Uhr.  Die  feindliche  Armee  vor
Paris  hatte  nach  der  vorgestrigen  Schlacht  die  am  Ufer  der  Marne  und
unter  dem  Feuer  der  Forts  liegenden  Dörfer  Brie  und  Champigny
besetzt  gehalten.  Bei  Tages-Anbruch  wurden  diese  Dörfer  heute  von
unseren  Truppen  genommen.  Gegen  10  Uhr  einge  der  Feind  aufs  Neue
init  überlegenen  Kräften  gegen  unsere  Vertheidigungs-Stellung  zwischen
        <pb n="649" />
        -  639  —

Seine  Marne  vor,  wurde  jedoch  abermals  in  achtstündigem  Kampfe  durch
Truppen  des  12.  und  2.  Armee-Corps,  sowie  der  württembergischen
Ivısıon  siegreich  zurückgeschlagen.

Ein  von  der  Armee-Abteilung  des  Grossherzogs  von  Mecklenburg-Schwerin
  abgesandes  bayerisches  Recognoscierungs-Detachement  stiess
gestern  zwischen  ÖrgeresundPatay  auf  avancierende  sehr  überlegene
feindliche  Kräfte,  und  ging  in  seine  Stellung  zurück.  Als  in  Folge  dessen
die  Armee-Abteilung  sich  heute  früh  9  Uhr  zum  Vorgehen  formierte,
wurde  sie  auf  der  Linie  Orgeres-Baigneaux  heftig  angegriffen.  Der
Feind  bestehend  aus  dem  15.  und  16.  Corps,  wurde  durch  die  4.  Cavallerie-Division
  und  gefolgt  vom  1.  bayerischen  Armee-Corps  über  Loigny  geworfen,
  während  die  22.  Infanterie-Division,  unterstützt  durch  die  2.
Cavallerie-Division,  Poupry  mit  Sturm  nahm,  und  bis  dicht  vor  Artenay
avancierte.  Der  Feind  verlor  viele  hundert  Gefangene,  11  Geschütze
wurden  im  Feuer  genommen.  Verlust  auf  unserer  Seite  nicht  unbedeutend
der  des  Feindes  sehr  beträchtlich.

1871.  Erste  allgemeine  deutsche  Volkszählung  (41058  139).

1879.  Attentat  auf  den  Kaiser  Alexander  II.  von  Russland,
welchem  derselbe  durch  Zufall  glücklich  entkam.

Der  Hauptschuldige  der  Attentäter,  Hartmann,  entkam  nach
Frankreich.

1890.  Papst  Leo  XIII.  erlässt  ein  Schreiben  an  sämtliche  Bischöfe
in  dem  er  diese  daran  erinnert,  dass  die  Kirche  sich  zu  Gunsten
der  Sklavenbefreiung  verwendete  und  die  bezüglichen  Thaten
früherer  Päpste,  sowie  sein  Schreiben  an  die  Bischöfe  Brasiliens
anführt.

Der  Papst  sei  von  den  Erzählungen  über  die  Leiden  der  Sklaven
in  Central-Afrika  so  ergriffen  worden,  dass  er  den  Kardinal  Lavigerie
beauftragt  habe,  die  grössten  Städte  Europas  zu  besuchen  und  die
Souveräne  und  Völker  aufzufordern,  für  die  Abschaffung  der  Sklaverei
einzutreten.  Der  Papst  spendet  den  Souveränen  Europas  Lob  und  Dank
für  die  Abhaltung  des  Antisklaverei-Kongresses  in  Brüssel  und  für  die
Abhaltung  des  Kongresses  in  Paris  und  empfiehlt,  mit  der  Verkündigung
des  Evangeliums  in  Afrika  fortzufahren.  Zu  dieseın  Behufe  werde  er
eine  jährlich  am  Dreikönigstage  zu  veranstaltende  Kollekte  veranlassen.

,
        <pb n="650" />
        —  640  —

9,  Dezember.

450.  Petrus  Chrysologus,  ein  treuer  Zeuge  des  Evangeliums,
stirbt  als  Bischof  von  Ravenna.

1254.  Der  bei  den  Siciliern  sehr  beliebte  HohenstaufeManfred  schlägt
an  der  Spitze  deutscher  Ritter  und  der  einheimischen  ghibellinischen
  Partei,  vornehmlich  aber  der  treuen  Saracenen  Apuliens,
das  Heer  des  Papstes  bei  Foggia  so  entscheidend  und  aus
dem  Lande  hinaus,  dass  dem  Papst  Innocenz  IV.  das  Herz  darüber
  brach,  und  er  neunzehn  Tage  nach  dieser  Schlacht  starb,

1547.  Fernando  Cortez,  der  kühne  Eroberer  Mexikos,  stirbt  ım
Dorfe  Castilleja  de  la  Cuesta,  unweit  Sevilla  in  Spanien.

Wie  Columbus  hatte  er  zuletzt  auch  nur  Undank  seitens  der  spanisehen
  Regierung  erfahren.  Sein  Leichnam  wurde  im  Kloster  des  heil.
Franeiskus  zu  Tezcuco  in  Neu-Spanien  beigesetzt.

1719.  Paschasius  Quesnel  gestorben,  bekannt  durch  seine  Kämpfe
mit  den  Jesuiten.

1769.  Dietrich  Fürst  von  Anhalt-Dessau  stirbt  zu  Dessau.

Er  war  der  dritte  Sohn  Fürst  Leopolds  und  der  Fürstin  Anna  Luise.
An  der  Schlacht  bei  Mollwitz  nahm  er  Anteil  und  zeichnete  sich  ans.
Nach  dem  Krieg  nahm  er  wegen  seinem  körperlichen  Leiden  als  Feldmarschall
  seinen  Abschied.
1791.  Vertrag  von  Bordeaux.  |
Die  Fürstentümer  Ansbach  und  Baireuth  werden  von  dem
kinderlosen  letzten  Margrafen  Alexander  an  Preussen  abgetreten.
1792.  Das  seit  dem  22.  Oktober  von  den  Franzosen  besetzte
Frankfurt  a.  M.  wird  von  den  aus  der  Champagne  zurückkehrenden
  Preussen  und  Hessen  mit  Sturm  genommen,  und
wird  die  ganze  französische  Besatzung  gefangen.

1799.  Sieg  des  Erzherzogs  Karl  über  die  Franzosen  bei  Neckarau
in  Baden.

1804.  Kaiserkrönung  Napoleon  I.  unter  Aufwand  aller  nur
denkbarer  Pracht  in  der  reichgeschmückten  Notre-Dame-Kirche
zu  Paris.  —  Feierliche  Salbung  durch  Papst  Pius  VII.

1805.  Drei-Kaiserschlacht  bei  Austerlitz  unfern  von  Brünn,

welche  den  Hoffnungen  der  verbündeten  Mächte  (Oesterreich
und  Russland)  mit  Einem  Schlag  ein  Ende  macht.

Diese  hatten  an  diesem  Tage,  obgleich  an  Zahl  überlegen,  15  000
Tote  und  Verwundete,  20000  Gefangene  und  200  Geschütze  verloren.  —
        <pb n="651" />
        =  641  —

Napoleon  I.  erlangte  bei  Austeritz  einen  vollständigen,  ganz  entscheidenden
  Sieg,  welcher  die  Lage  Europa’s  vom  Grunde  aus  veränderte.  In
Preussen  befestigte  der  Minister  Haugwitz  den  französisch-preussischen
Bund  aufs  neue  durch  einen  Vertrag,  in  welchem  dieses  Cleve,  Anspach
und  Neuschatel  an  Frankreich  abtrat,  und  dagegen  Hannover  erhielt.

1813.  Wilhelm  VI.  Prinz  von  Oranien,  zieht  als  souveräner  König
der  Niederlande  in  Amsterdam  ein.

1817.  Heinrich  von  Sybel,  berühmter  Historiker,  zu  Düsseldorf
geboren.

Er  war  1847  Mitglied  der  kurhessischen  Ständeversammlung,  1850
des  Reichstags  in  Erfurt,  1867  Mitglied  der  nationalliberalen  Fraktion
des  nordeutschen,  später  deutschen  Reichstags.  Im  Jahre  1848  nahm  er
am  Frankfurter  Vorparlament  teil  und  einige  Jahre  später  berief

  ihn  König  Max  I1I.  von  Bayern  als  ord.  Professor  nach  München.
Von  da  an  kam  er  als  Direktor  der  Staatsarchive  nach  Berlin.

1844.  Friedrich  Ludwig  Freiherr  von  Vincke,  der  grosse
Oberpräsident  von  Westfalen,  stirbt.

Er  hat  sich  grosse  Verdienste  um  die  Provinz  Westfalen  erworben,
und  noch  heute  gedenkt  man  dort  seiner  mit  Verehrung  und  Dankbarkeit.
  Er  legte  in  der  ganzen  Provinz  Kunststrassen  an,  war  für  die
Schiffbarmachung  der  Flüsse  thätig,  führte  Gemeinbeits-  und  Heideteilungen
  herbei,  gründete  Schullehrerseminare  und  Schulen.

1848.  Kaiser  Ferdinand  I.  von  Oesterreich  legt  die  Krone
nieder.
Ihm  folgt  seines  Bruders  Sohn,  Franz  Josef,  in  der  Regierung.

1851.  Louis  Napoleon  Bonaparte,  Präsident  der  französischen
Republik,  entledigt  sich  durch  schnöden  meineidigen  Staatsstreich
  seiner  Feinde,  die  ihn  hassten,  weil  sie  ihn  nach  der

Alleinherrschaft  streben  sahen.

Er  sprengt  die  Nationalversammlung  und  bemächtigt  sich  mit  Hilfe
des  Heers  der  Herrschaft.  Bald  darauf  machte  er  sich  vermittelst  Volkswahl
  zum  Präsidenten  mit  diktatorischer  Gewalt  auf  10  Jahre.

1852.  Louis  Napoleon  Bonaparte,  im  Monat  vorher  durch
Volkswahl  zum  Kaiser  der  Franzosen  erhoben,  lässt  sich  als
Napoleon  III.  feierlichst  krönen.

Mit  der  Versicherung:  „Das  Kaiserreich  ist  der  Friede!“
hatte  er  damals  die  Welt  zu  bethören  gesucht.

1854.  Allianzvertrag  Oesterreichs  mit  den  Westmächten
zur  Verteidigung  der  Donaufürstentümer  gegen  Russland.

1867.  Grundsteinlegung  zur  Nationalgallerie  in  Berlin.

1870.  Schlacht  bei  Champigny,  welche  sich  bis  zum  4.  fortsetzte
  und  mit  gänzlicher  Niederlage  der  Franzosen,  welche
sich  auf  das  rechte  Marneufer  zurückziehen  mussten,  endigte.

tschen  verloren  an  diesen  Schlachttagen  etwa  6200  Mann;
Der  Verlust  der  F  ranzosen  betrug  über  12  000  Mann,  worunter  1600

Gefangene.
41
        <pb n="652" />
        —  642  —

1870.  Die  französische  Loire-Armee  wird  vom  Grossherzog  von
Mecklenburg  auf  Artenay  zurrückgeworfen.
Das  I.  bayr.  Corps  schlägt  die  Loire-Armee  bei  Beauvilliars-Fame
  und  Coury-Chäteau  und  rückt  bis  Loigny
und  Lumeau  vor.

1873.  Das  fünfundzwanzigjährige  Regierungs-Jubiläum
des  Kaisers  Franz  Joseph  von  Oesterreich  im  ganzen  Reiche

festlich  begangen.
1888.  Kaiser  Franz  Joseph  von  Oesterreich  feiert  sein  40jähriges
  Regierungsjubiläum.
EröffnungderSeeblockadean  der  ost-afrikanischen
Küste.

 

3.  Dezember.

1137.  Kaiser  Lothar  II.  (der  Sachse)  stirbt,  von  seinem  Römerzug
  zurückkehrend,  in  einer  Bauernhütte  zu  Brüstenwang  bei
Hohenschwangau  in  Tyrol  und  wurde  in  Königslutter  bei  Braunschweig

  beigesetzt.

1638.  Bernhard  von  Weimar  erobert  Breisach.

1709.  Abraham  a  Sankta  Clara  (Ulrich  Mengerle)  stirbt  als
Hofprediger  zu  Wien.

Er  war  Augustinermönch,  Kanzelredner  und  Humorist.

1753.  Samuel  Crompton  zu  Firwood  in  England  geboren.

Er  war  Mechaniker  und  machte  sich  hochverdient  um  die  Vervollkommnung
  der  Spinnmaschine.  —  Er  starb  am  26.  Januar  1827.

1759.  Eine  kleinere  preussische  Abteilung  von  1400  Mann
unter  dem  General  Diericke  hat  das  Unglück,  von  der  österreichischen
  Uebermacht  bei  Meissen  umzingelt  und  trotz
aller  Tapferkeit  überwältigt  zu  werden.

1790.  Die  Oesterreicher  ziehen  in  Brüssel  ein.

1800.  Schlacht  bei  Hohenlinden  (unweit  München),  in  welcher
die  Oesterreicher  unter  dem  Öberbefehl  des  Jungen  Erzherzogs
  Johann,  von  den  Franzosen  unter  General  Moreau
entschieden  geschlagen  werden.

1813.  Gefechte  bei  Bergedorf  und  Düsseldorf.

An  demselben  Tage  besetzt  der  preussische  General  von
Bülow  Utrecht  und  belagert  Gorkum.
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        —_—  643  —

1831.  Neufchatel  schwört  dem  König  von  Preussen  aufs  Neue
den  Treueid.

1838.  Grossherzogin  Louise  von  Baden,  Tochter  des  Kaiser
Wilhelm  I.,  geboren.

1839.  Friedrich  VI,  König  von  Dänemark,  stirbt.

Zum  Mitregenten  seines  schwachen  Vaters  ernannt,  wusste  er  sich
die  Liebe  des  Volkes  zu  eringen.  Wurde  1815  gekrönt  und  Mitglied
des  deutschen  Bundes  als  Herr  von  Schleswig-Holstein.

1850.  Otto  von  Bismark-Schönhausen,  nachmaliger  Kanzler
des  deutschen  Reichs,  tritt  im  Erfurter  Parlament  in  einer
längeren  Rede  für  das  Olmützer  Abkommen  zwischen  Preussen
und  Oesterreich  ein,  da  nur  im  Einverständnis  mit  Oesterreich
Preussen  erfolgreich  gegen  die  demokratischen  Bestrebungen
auftreten  könne.

1857.  Christian  Daniel  Rauch,  berühmter  Bildhauer,  stirbt
als  Professor  der  Bildhauerkunst  in  Berlin.

Er  war  am  2.  Januar  1777  zu  Arolsen  im  Waldeckschen  geboren,
der  bedeutenste  unter  den  neueren  Meistern  der  Skulptur,  wusste  er
treueste  Naturwabrheit  mit  grösster  Schönheit  zu  verbinden.

1870.  Prinz  Friedrich  Karl  schlägt  die  Franzosen  bei  Chevilly
und  Chilleurs.

Die  ofüziellen  Depeschen  lauten  über  diesen  Sieg:

Versailles,  4  Dezember.
Der  Königin  Augusta  in  Berlin.  Gestern  hat  Prinz  Friedrich  Karl
mit  drittem  und  neuntem  Corps  den  Feind  bei  Chevilly  und  Chilleurs
in  den  Orleans-Wald  geworfen  und  2  Kanonen  genommen.  Wilhel
ilhelm.

Versailles,  4.  Dezember,  10  Uhr  Abends.

Am  3.  warfen  die  Colonnen  des  General-Feldmarschalls  Prinz  Friedrich
Karl  den  Feind  über  Chilleuers  aus  Bois  und  Chevilly  hinaus  in  der
Richtung  auf  Orleans  zurück.  3.  und  9.  Armeecorps  nahmen  dabei  1  Geschütz.
  Diesseitiger  Verlust  nicht  bedeutend.  Vor  Paris  brach  der  Feind
die  dem  Gefechtsfelde  vom  2.  d.  M.  gegenüber  geschlagenen  Brücken  bei
Brie  am  4.  ab  und  zog  sich  hinter  die  Marne  zurück.

Bei  Aufräumung  des  Schlachtfeldes  von  Amiens  fanden  sich  noch
9  feindliche  Feldgeschütze  und  ein  bedeutendes  Kriegsmaterial  vor.

Der  König  von  Bayern  teilt  dem  König  von  Preussen
mit,  dass  er  sich  an  die  deutschen  Fürsten  gewendet  habe,  mit
ihnen  König  Wilhelm  um  die  Annahme  der  Würde

eines  deutschen  Kaisers  zu  ersuchen.

1880.  Kaiser  Alexander  von  Russland  kehrt  aus  Livadıa
nach  St.  Petersburg  zurück,  das  er  nicht  wieder  verlassen  hat.

1887.  SadiCarnot  wird  zu  Präsidenten  der  französischen
Republik  auf  sieben  Jahre  gewählt
        <pb n="654" />
        —  64  —

4.  Dezember.

771.  König  Karlmann,  Bruder  Karls  des  Grossen,  stirbt  zu  Samoucy
unweit  Lyon.

1075.  Der  berühmte  Erzbischof  Hanno  II.  von-Köln  stirbt.

Er  hatte  in  den  letzten  Jahren  in  unausgesetzter  Fehde  mit  den
Kölnern  gestanden,  so  dass  sich  viele  der  angesehensten  und  reichsten
Familien  aus  der  Stadt  flüchten  mussten.  Nach  seinem  Tode  erkannten
die  Kölner  dankbar  es  an,  dass  Hanno  ihre  Stadt  zum  höchsten  Glanze
gebracht  hat;  und  108  Jahre  später  versetzte  ihn  die  römische  Kirche
unter  die  „Heiligen“.

1334.  Papst  Johann  XXlII.  stirbt.

Von  einer  Versammlung  Klerus  und  Volk  in  Rom  entsetzt,  behauptete
er  sich  gegen  den  von  Kaiser  Ludwig  dem  Bayer  eingesetzten  Gegenpapst
  Nickolaus  V.  und  liess  denselben  1330  gefangen  nehmen.  —
Ludwig  wurde  von  ihm  1323  in  den  Bann  gethan.

1409.  Die  Universität  Leipzig  wird  gestiftet,  als  die  von  Prag
ausgezogenen  Lehrer  und  Studierenden  einwanderten.

1546.  Tycho  de  Brahe,  berühmter  Astronom  des  Mittelalters,  zu
Knudstrop  in  dem  damals  dänischen  Schonen,  geboren.

1563.  Das  Tridentiner  Konzil  wird  unter  grosser  Rührung  geschlossen.


In  achtzehn  Jahren,  bei  vielen  Unterbrechungen,  hatte  es  fünfundzwanzig
  Sitzungen  gehalten.  Wunderbare  reformatorische  Stimmen  liessen
sich  auf  dieser  Kirchenversammlung  hören;  aber  sie  drangen  nicht  durch.
Durch  ein  besonderes  Glaubensbekenntnis,  das  sie  unterschrieben  und
beschworen,  verpflichteten  sich  die  Bischöfe  zur  Unterwerfung  unter  alle
Beschlüsse  des  Konzils.  Die  Auslegung  derselben  stellten  sie  dem
Papst  anheim.

1626.  Johann  Ernst  I.,  Herzog  von  Sachsen  Weimar,  stirbt  im
Lager  von  St.  Martin  in  Ungarn.

Er  war  ein  heldenmütiger  Streiter  für  die  Sache  der  evangelischen
Kirche  und  hat  sich  hohe  Verdienste  um  die  Litteratur  erworben.

1703.  Errichtung  des  Oberappellationsgerichts  zu  Berlin.

1774.  Die  Kaiserin  Maria  Theresia  stiftet  in  allen  ihren  Erblanden
deutsche  Schulen.

1798.  Macdonald  siegt  bei  Civita  Castellana  über  die  Oesterreicher
  unter  Mack.
An  demselben  Tage  stirbt  der  ital.  Anatom  Alvoisio
Galvani.

Er  ist  der  Entdecker  des  Galvanismus,  durch  die  Muskelbewegung
  eines  Frosches  darauf  gebracht.
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        —  645  —

1804.  Andreas  Zöllner,  Liederkomponist,  zu  Arnstadt  geboren.
In  Meiningen  war  er  Musikdirektor.  Ueber  300  Kompositionen
gab  er  heraus.
1805.  Die  Oesterreicher  siegen  über  die  Bayern  unter  Wrede
bei  Iglau.

1808.  Maximilian  Joseph,  Herzog  von  Bayern,  zu  Bamberg
geboren.

Vermählt  mit  Ludovika,  von  Bayern.  Seine  Ehe  war  mit  8  Kindern
gesegnet.  Seine  zweite  Tochter  ist  die  Gemahlin  Kaiser  Franz
Joseph  von  Oesterreich.  Er  machte  eine  Reise  in  den  Orient,
schrieb  verschiedene  Werke,  war  allen  Etiguette  feind,  ein  eifriger
Gemsjäger  und  trefllicher  Zitherspieler.

1826.  Johann  von  Lutz,  bayr.  Minister,  als  Sohn  eines  katholischen
  Volksschullehrers  zu  Münnerstadt  am  Fusse  der  Rhön,
geboren.

Gegner  der  Ultramontanen  und  von  diesen  sehr  gehasst,  1870  eifriger
Förderer  der  Verträge  über  die  Errichtung  des  deutschen  Reichs.

1831.  Grundsteinlegung  zum  Augusteum  in  Leipzig.

1861.  Moldau  und  Walachei  mit  Zustimmung  der  Pforte  zum
rumänischen  Staat  vereinigt.

1870  Prinz  Friedrich  Karl  erstürmt  mit  seinen  Truppen  den
Bahnhof  und  Vorstädte  von  Orleans,  worauf  Nachts  12  Uhr
der  Grossherzog  von  Mecklenburg  in  die  von  den  Franzosen
verlassene  Stadt  einzieht.

Die  offiziellen  Depeschen  sagen  hierüber:  Der  Königin  Augusta
in  Berlin.  Versailles.  den  4.  Dezember,  12  Uhr  Nachts.  Nach  zweitägiger
  Schlacht  der  2.  und  Mecklenburgischen  Armee,  das  Corps  Manstein
  die  Vorstadt  St.  Jean,  den  Bahnhof  von  Orleans,  heute  Abend

enommen.  Die  andern  Corps  stehen  bereit,  morgen  die  Stadt  zu  nehmen.
30  Geschütze  und  über  1000  Gefangene.  Verlust  mässig.  Division  Wrangel
verlor  am  meisten.

Hier  heute  Alles  ruhig.  Wilhelm.
Der  Königin  Augusta  in  Berlin.

Versailles,  den  5.  Dezember.  Orleans  ist  noch  in  dieser  Nacht  besetzt
  worden,  also  ohne  Sturm.  Gott  sei  gedankt!  Wilhelm.

Der  Herzog  von  Aosta  von  Sardinien  empfängt  in
Florenz  die  Deputation  der  spanischen  Cortes  und  nimmt  die
spanische  Krone  an.

1874.  Fürst  Bismark  macht  in  der  Sitzung  des  deutschen  Reichstags
  die  klerikale  Partei  für  das  Kullmann’sche  Attentat
verantwortlich,  indem  er  der  Zentrumsfraktion  erklärt:
„Verstossen  Sie  den  Mann  (Kullmann),  wie  Sie  wollen!
Er  hängt  sich  doch  an  [hre  Rockschösse!“

1888.  Die  Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  Spanien
nehmen  eine  sehr  unfreundliche  Gestalt  an.  —  Die  Panama-Schwierigkeiten
  verursachen  der  französischen  Regierung

schwere  Besorgnisse.
        <pb n="656" />
        —  646  —

1890.  Die  Konferenz  zur  Reform  des  höheren  Schulwesens
  wird  in  Gegenwart  des  Kaisers  Wilhelm  II.
im  Kultusministerium  zu  Berlin  eröffnet.

Der  Kultusminister  stellte  dem  Kaiser  die  Konferenzmitglieder
einzeln  vor  und  skizzierte  dann  in  einer  Ansprache  die  geschichtliche
Entwicklung  des  preussischens  höheren  Schulwesens.  Der  Kaiser  dankte
dem  Kultusminister  in  huldvollster  Weise  für  Das,  was  er  als  Minister
geleistet  und  entwickelte  dann  in  längerer  Ansprache  seine  Anschauung
über  die  Reform  des  höheren  Schulwesens.  Er  ging  dabei  von  seiner
persönlichen  Erfahrung  auf  dem  Gymnasium  in  Kassel  aus  und  betonte
die  Notwendigkeit  einer  nationalen  Erziehung.  Der  Kaiser
will  die  Berechtigung  zum  Einjährig-Freiwilligendienst  an  ein  eigenes,
nach  vollendentem  6.  Schuljahre  abzuleistendes  Examen  geknüpft  sehen.
Dem  Realgymnasium  sprach  der  Kaiser  die  Existenzberechtigung
  ab.

Der  Kaiser  legte  der  Konferenz  seinerseits  eine  Anzahl  Fragen  vor,
in  denen  er  die  Hoffnung  aussprach,  dass  auch  sie  Berücksichtigung  finden
werden.  Er  sagte:  Zunächst  Schul-Hygiene  ausser  Turnen  —  eine
Sache,  die  sehr  genau  erwogen  werden  muss,  sodann  Verminderungdes
Lehrstoffes,  (Erwägung  des  Auszuscheidenden),  ferner  die  Lehrpläne  für
die  einzelnen  Fächer,  sodann  die  Lehrmethode  für  die  Organisation.  Ist
der  Hauptballast  aus  dem  Examen  beseitigt  und  die  Ueberbürdung
  in  Zukunft  vermieden?  Wie  denkt  man  sich  die  Kontrole,  wenn
das  Werk  zu  Stande  gekommen?  Regelmässige  und  ausserordentliche
Revisionen  durch  verschiedene  Oberbehörden?  Dann  fuhr  der  Kaiser
u.  A.  fort:  „Wenn  die  Schule  gethan  hätte,  was  vonihr  zu
verlangen  ist,  so  hätte  sie  von  vornherein  das  Gefecht
gegen  die  Sozialdemokratie  unternehmen  müssen.  Die
Lehrerkollegien  hätten  alle  miteinander  die  Sache  fest  ergreifen  und  die
heranwachsende  Generation  so  instruieren  müssen,  dass  diejenigen  jungen
Leute,  die  mit  mir  etwa  gleichalterig  sind,  also  von  etwa  30  Jahren,  von
selbst  bereits  das  Material  bilden  würden,  mit  dem  ichim
Staate  arbeiten  könnte,  um  der  Bewegung  schnell  Herr
zu  werden.  Dasist  aber  nicht  der  Fallgewesen“
        <pb n="657" />
        —  641  °  —

d.  Dezember.

1757.  Schlacht  bei  Leuthen  während  des  7jährigen  Kriegs.

Glänzender  Sieg  der  Preussen  unter  Friedrich  II.  über  die
Oesterreicher,  unter  dem  Oberbefehl  des  Herzogs  Karl  von  Lothringen,
  der  Daun’s  Rath,  hinter  den  Verschanzungen  stehen  zu  bleiben,
verachtete  und  den  Preussen  entgegen  zu  gehen  beschloss.  Das  viel  geringere
  Heer  der  Preussen  schlug  die  Oesterreicher  vollständig  und  lieferte
bei  Leuthen  eine  der  grössten  Waffenthaten  des  Jahrhunderts.  Die
Kaiserlichen  verloren  21  000  Soldaten  und  59  Fahnen;  in  Breslau  ergaben
sich  noch  13  Generale,  687  Offiziere  und  17635  Soldaten.  Der  Verlust
der  Oesterreicher  betrug  im  Ganzen  also  über  40000  Mann.

Von  diesem  siegreichen  Tage  erzählt  man  auch  die  heitere  Geschichte,
dass  Friedrich  der  Grosse,  in  der  Naclıt  recognoscierend,  nur  von  einem
Reitsknecht  bekleidet,  den  ganzen  oesterreichischen  Generals'tab
auf  einem  Schlosse  versammelt  traf,  und,  die  Thüre  öffnend,  unter  sie
trat  indem  er  sagte:  „Kann  man  auch  noch  mit  unterkommen!“  Sie
gaben  sich  ihm  alle  gefangen,  obgleich  seine  Soldaten  erst  eine  halbe
Stunde  nachher  eintrafen.

1791.  Johann  Chrysostomus  Wolfgang  Amadeus  Mozart,
der  grösste  deutsche  Komponist,  stirbt,  im  sechsunddreissigsten

Jahre  seines  Alters.

Seine  Werke  ziehen,  ungeachtet  ihres  ganz  neuerschaffenen,  alle
bis  dahin  betretenen  Bahnen  verlassenden  Charakters,  durch  ihre  innere,
reiche,  alle  Mittel  der  Kunst  erschöpfende  und  doch  zugleich  himmlisch
klare  Vollendung  den  Kunstfreund,  wie  den  eigentlichen  Musiker,  gleich

mächtig  an.
1812.  Napoleon  I.  übergiebt  die  Trümmer  seiner  Armee  an  König
Joachim  von  Neapel  in  Smorgonie,  und  eilt  dem  Rheine  zu,  um

in  Frankreich  ein  neues  Heer  zu  sammeln.

Die  Trümmer  der  „grossen  Armee“  flohen  durch  Polen,  und  wurden
durch  Frost,  Hunger  und  Feindesschwert  beinahe  vollends  aufgerieben,
so  dass  von  denen,  die  Moskau  gesehen  hatten,  kaum  noch  20  000  Mann

davon  kamen.
1813.  In  Stettin  rücken  die  Preussen  ein.
An  demselben  Tage  wird  Lübeck  von  den  Franzosen

geräumt.
1819.  Der  Dichter  Friedrich  Leopold  Graf  zu  Stollberg

stirbt  auf  seinem  Gute  Sondermühlen  im  ÖOsnabrückschen.
Er  gehörte  dem  Göttinger  Dichterbund  an.  1800  trat  er  mit  seiner
ganzen  Familie  zur  katholischen  Kirche  über,
        <pb n="658" />
        —  648  —

1825.  Eugenie  John,  unter  dem  Namen  „E.  Marlitt“  berühmte

Schriftstellerin,  zu  Arnstadt  geboren.

Einige  Zeit  trat  sie  als  Opernsängerin  auf,  verlor  aber  ihre  Stimme.
Erst  in  ihrem  40  Jahre  wagte  sie  sich  mit  einer  Novelle  an  die  Oeffentlichkeit.
  Der  Verleger  ihrer  Romanen  erbaute  ihr  bei  Arnstadt  eine  Villa.

1835.  August  Graf  Platen-Hallermünde,  Dichter,  stirbt  zu
Syrakus.

Er  machte  1815  als  bayerischer  Lieutenant  den  Feldzug  gegen
Napoleon  mit,  studierte  dann  in  Würzburg  und  Erlangen  Philologie  und
Philosophie,  und  ging  1826  nach  Italien.  Seine  Dichtungen  sind  durch
Schönheit  der  Form  und  ideale  Gesinnung  ausgezeichnet.

1841.  Stiftung  des  Hohenzollernschen  Hausordens  durch
den  Hohenzollerschen  Fürsten  Friedrich  Wilhelm  von  Hechingen
und  Karl  Anton  Friedrich  von  Sigmaringen,  für  Civil  und  Militär-Verdienst
  mit  der  Devise:  „Vom  Fels  zum  Meer.”

Mit  Uebernahme  der  hohenzollerschen  Lande  von  der  Krone  Preussen
wurde  der  Orden  zu  einem  königlich  preussischen  Hausorden.

1848.  Die  preussischeNationalversammlungzuBrandenburg
  wird  aufgelöst.

An  demselben  Tage  giebt  Friedrich  Wilhelm  IV.  von
Preussen  von  selbst  aus  freien  Stücken  („octroyiert‘)  seinem
Volke  eine  Verfassung  in  112  Artikeln,  die  für  die  damaligen
politischen  und  sozialen  Zustände  liberal  und  zeitgemäss  war,
zum  Teil  der  englischen  nachgebildet  und  welche  durch  eine  neue,
aus  zwei  Kammern  bestehende  Versammlung  revidiert  werden
sollte.

1853.  Unterzeichnung  des  Wiener  Konferenzprotokols
in  welchem  die  Westmächte  die  Integrität  der  Türkei
garantieren.

1859.  Generallieutenant  von  Roon  wird  preussischer  Kriegsminister.


1860.  Friedrich  Christoph  Dahlmann,  Staatsmann  und  bedeutender
  Geschichtsschreiber,  stirbt  zu  Bonn.

1848  Mitglied  der  Frankfurter  Nationalversammlung,  strebte  er  für
ein  einiges  Deutschland  unter  der  erblichen  Kaiserwürde  des  preussischen
Königshauses.  Als  Mitglied  der  preussischen  ersten  Kammer  trat  er  mit
aller  Entschiedenheit,  wenn  auch  erfolglos,  den  reaktionären  Bestrebungen
entgegen.

1861.  Preussen  erklärt  in  einer  Note  an  die  Grossmächte
Dänemark  gegenüber,  dass  es  Schleswig’s  Schicksal  als  eine
deutsche  Frage  betrachte  und  Deutschlands  Ansprüche
nicht  blos  auf  Holstein  sondern  auch  auf  Schleswig
wahren  werde.

.  Es  heisst  in  dieser  Note:  „Die  Zusage,  dass  weder  eine  Inkorporation
  des  Herzogtums  Schleswig  in  das  Königreich  stattfinde,  noch
        <pb n="659" />
        —  649  —

irgend  dieselbe  bezweckende  Schritte  vorgenommen  werden  sollten,  bildet

eine  der  Bedingungen,  unter  welchen  die  deutschen  Mächte  Verpflichtungen

(zur  Haltung  des  Lodoner  Protokolls  von  1852)  übernommen  und  erfüllt
  haben.“

1864.  Annahme  des  österreichisch-preussischen  Antrages

auf  Zurückziehung  der  Bundestruppen  aus  Holstein  durch  die
Bundesversammlung.

1870.  Siegreiches  Gefecht  des  rechten  Flügels  der  Deutschen
in  Frankreich,  wobei  wiederum  ein  Geschütz  genommen  wurde.

In  Folge  dessen  verliess  das  zum  Schutze  von  Rouen  zusammengezogene
  feindliche  Corps  die  Stadt,  welche  General  Goeben  noch  im

Laufe  des  Nachmittags  besetzte.  In  den  verlassenen  Verschanzungen
wurden  acht  schwere  Geschütze  vorgefunden.

1874.  Bischof  Konrad  Martin  von  Paderborn  wird  vom  preuss.

Gerichtshof  für  kirchliche  Angelegenheiten,  zur  Amtsentsetzung
verurteilt.

1878.  Feierlicher  Einzug  Kaisers  Wilhelms  I.  nach  dem
Attentat  in  Berlin.

1879.  Fürst  Alexander  von  Bulgarien  löst  die  von  ihm  einberufene
  Nationalversammlung  auf  und  beauftragt  den  Bischof
von  Tirnowa  mit  der  Bildung  eines  Ministeriums.

1888.  Die  Verhältnisse  zwischen  Vatikan  und  Quirinal  spitzen
sich  immer  mehr  zu.

Deutsch-Offiziise  Angriffe  auf  den  österreichischen
Kronprinzen  werden  angeblich  diplomatisch  auseinandergesetzt.
        <pb n="660" />
        —  650  7°  —

6.  Dezember.

Li

1352.  Clemens  VI.,  Papst  zu  Avignon  von  1342—52,  stirbt.
Den  Kaiser  Ludwig  den  Bayer  that  er  1346  in  den  Bann  und
bot  seinen  ganzen  Einfluss  zur  Wahl  Karls  IV.  zum  Gegenkönig  auf.  —
Er  setzte  die  periodische  Wiederkehr  des  Jubeljahres  auf  je  50

Jahre  fest.
1492.  Kolumbus  entdeckt  Haiti  (St.  Domingo).
1564.  Abrosius  Blarer,  schwäbischer  Reformator,  stirbt  in

Winterthur.
Er  führte  von  1534—38  die  Reformation  in  Württemberg  durch.
1724.  Proklamation  der  pragmatischem  Sanktion  als  Grundgesetz

  für  die  österreich-ungarische  Monarchie.

Karl  VI.  war  der  letzte  Habsburger,  denn  er  hatte  keinen  Sohn
und  die  spanische  Nebenlinie  des  Hauses  war  ausgestorben.  Er  suchte
nun  sein  reiches  Erbe  an  seine  Tochter  Maria  Theresia  und  deren
Gemahl,  den  Herzog  Franz  von  Toskana  zu  bringen  und  durch  diese
pragmatische  Sanktion  sollten  alle  Mächte  seine  Verfügung  anerkennen.
  Es  geschah  dies  wohl  auch  bei  seiner  Lebzeit,  doch  wurde  dieser
  heilig  beschworne  Vertrag  nach  Karls  Tod  von  allen  den  Fürsten
gebrochen,  die  ein  Interesse  dabei  hatten.

1786.  Aufstand  in  Belgien  wider  die  freisinnigen  Anordnungen

und  Gesetze  des  Kaisers  Joseph  II.

Derselbe  hatte  nämlich,  wie  in  seinen  übrigen  Staaten,  bei  Reorganisation
  der  Universität  Löwen,  dem  Hauptsitze  der  Orthodoxie,  ein
Seminarium  errichtet,  in  welchem  fortan  die  künftigen  Geistlichen  unter
Aufsicht  des  Staates  von  freisinnigen  Lehrern  im  aufgeklärten  Sinn  gebildet
  werden  sollten.

1798.  Schmähliche  Demütigung  des  deutschen  Reichs,
indem  die  französischen  Bevollmächtigten  der  Reichsdeputation
während  den  Friedensunterhandlungen,  eine  Note  überreichen,
worin  die  Abtretung  deslinken  Rheinufers  nebst  anderen
Zugeständnissen  für  das  Ultimatum  der  französischen  Regierung,
und  die  Unterhandlung  für  abgebrochen  erklärt  wird,  wenn  die
unbedingte  Annahme  des  Ultimatums  nicht  binnen  sechs  Tagen
erfolgen  sollte.

Am  11.  Dezember  erfolgte  dann  die  Annahme.

1806.  Uebergang  der  Franzosen  über  die  Weichsel.
Besetzung  von  Thorn  durch  Ney.
1813.  Uebergabe  von  Zara  an  die  Oesterreicher.

An  demselben  Tage  Tage  Treffen  bei  Bornhövend  in
Holstein  zwischen  den  Holsteinern  und  Schweden.
        <pb n="661" />
        —  651  —

1815.  Dänisches  Patent,  betr.  die  Besitzergreifung  von  Lauenburg
  als  „Dänisches  Kronland‘“.

1816.  Ernst  Keil,  Verlagsbuchhändler,  zu  Langensalza  geboren.

Er  ist  der  Gründer  der  „Gartenlaube“,  die  zum  Weltblatt  wurde.

1834.  Generalmajor  von  Lützo  w,  bekannter  Führer  des  „Lützowschen

  Freicorps“  in  den  Befreiungskriegen,  stirbt  zu  Berlin.

1867.  Der  preussische  Justizminister  Graf  zur  Lippe  erhält  seine
Entlassung;  Dr.  Leonhardt  tritt  an  seine  Stelle.

1870.  König  Wilhelm  von  Preussen  dankt  in  einem  Armeebefehl
  den  Truppen  fur  ihre  Tapferkeit.  .

1873.  Verordnung  der  preussischen  Regierung,  wonach  der  Eid  der
katholischen  Bischöfe  neu  formuliert  wird.

Die  staatliche  Anerkennung  derselben  wird  von  der  Ableistung
eines  Eides  abhängig  gemacht,  in  welchem  jene  ausser  der  Treue  gegen
den  Landesherrn  gleichzeitig  geloben,  die  Gesetze  des  Landes  zu  beobachten

  und  keine  der  öffentlichen  Sicherheit  gefährliche  Gemeinschaft
zu  unterhalten.

 

t.  Dezember.

983.  Kaiser  Otto  II.  stirbt,  in  Folge  einer  heftigen  Krankheit,
plötzlich  zu  Rom.

Gerade  hatten  die  Erzbischöfe  von  Mainz  und  Ravenna  das  Kind
Otto  Ill.  zu  Aachen  zum  deutschen  König  gekrönt,  als  dort  die  Todesbotschaft
  ankam.

1638.  Das  von  Herzog  Bernhard  von  Weimar  belagerte  Breisa  ch
fällt,  nachdem  der  tapfere  Kommandant  Reinach  dasselbe  in
höchster  Hungersnot  zwei  volle  Monate  mutvoll  verteidigt  hatte.

1658.  Der  „grosse  Kurfürst“  nimmt  den  Schweden  Sonderburg
auf  Alsen  mit  Sturm.

1700.  Geldern  ergiebt  sich  den  Brandenburgern.

1758.  Subsudienvertrag  zu  London  zwischen  Preussen  und
England.  |  |

1784.  Karl  Adolf  Menzel,  hervorragender  Geschichtsschreiber,

zu  Grünberg  in  Schlesien  geboren.

irchli  itische  Zustände  ei-Ueberzeugung,
  „dass  kirchliche  und  politisc

nander  bedingen,  und  dass  sein  Zeitalter  ‚ein  durchaus  unfertiges  Entwieklungsstadium

  repräsentiere  und  damit  seinen  Glauben  an  eine
        <pb n="662" />
        —  652  —

zukünftige  deutsche  Nationaleinheit  im  Bunde  mit  einer  zukünftigen
  deutschen  Kirche“  erhielt  er  sich  bis  ans  Ende.  Er  starb

am  19.  August  1859.

1797.  Der  österreichische  Bevollmächtigte  eröffnet  den  kurmainzischen
Präsidialgesandten,  dass  der  Kaiser  in  dem  Frieden  von
Campo  Formio  zur  Zurückziehung  seiner  Heere  in  die  österreichischen
  Erbstaaten  sich  verpflichtet  habe,  worauf  drei  Tage
später  die  kaiserlichen  Truppen  Mainz  und  das  gesamte
  linke  Rheinufer  verliessen.

1802.  Johann  Nepomuk  Nestroy,  Possendichter  und  Komiker,
zu  Wien  geboren.

1807.  Jerome  Bonaparte  trifft  als  König  von  Westfalen  ın
Wilhelmshöhe  bei  Kassel  ein.

An  demselben  Tage  Publikation  der  am  5.  November  1807
von  Napoleon  in  Fontainebleau  unterzeichneten  Konstitution
des  Königreichs  Westfalen.

1830.  Der  zum  Mitregenten  ernannte  Kurprinz  von  Hessen-Kassel
lässt  die  das  Theater  zu  Kassel  nach  der  Vorstellung  ruhig  verlassende
  Menschen  durch  vorher  herbeigeholte  Kavallerie  ohne
Unterschied  des  Geschlechts  zusammenhauen.

Umsonst  klagten  die  Stände,  der  Professor  Jordan  an  der  Spitze,
über  diese  nächtlichen  Gräuel;  nur  der  Polizeidirektor  Giesler
wurde  als  Schuldiger  bezeichnet,  aber  die  Untersuchung  zog  sich  in  die
Länge  und  hatte  kein  anderes  Resultat,  —  —  als  dass  Giesler  vom
Kurprinzen  mit  einem  Orden  beschenkt  wurde!

1834,  Eduard  Irving,  der  Stifter  der  nach  ihm  benannten  neuen
englischen  Religionspartei,  stirbt.

1835.  Erste  Eisenbahn  in  Deutschland  —  die  Strecke  Fürth-Nürnberg
  —  wird  eröffnet.

1848.  Derrevolutionäre  Reichstag  zu  Pest  erklärt  die  Thronbesteigung
  des  Kaisers  Franz  Josef  von  Oesterreich  als  für  Ungarn
ungiltig.

1849.  Das  Fürstentum  Hohenzollern  (Sigmaringen  und  Hechingen)
fällt  an  die  preussische  Krone.

1850.  General  von  Willisen,  Kommandant  der  schleswig-holsteinischen
  Truppen,  legt  infolge  der  Olmützer  Punktation,
nach  welcher  die  schleswig-holsteinische  Armee  sich  hinter  die
Eider  zurückzuziehen  hat  und  auf  ein  Drittel  ihres  augenblicklichen
  Bestandes  beschränkt  werden  soll,  sein  Kommando

nieder.
1863.  Der  ohnmächtige  Deutsche  Bundestag  beschliesst  unter
dem  Druck  von  Preussen  und  Oesterreich,  —  die  übrigens  ganz

entgegengesetzte  Bestrebungen  hatten,  und  nur  darin  einig  waren,
sich  in  der  schleswig-holstein'schen  Frage  weder  vom  Bundestag,
        <pb n="663" />
        —  653  —

noch  von  der  Volkspartei  zu  eiwas  nötigen  zu  lassen,  dem  Wunsche
der  meisten  Mittel-  und  Kleinstaaten,  welche  Holstein  für  den
Prinzen  von  Augustenburg  in  Besitz  genommen  haben
wollten,  daselbst  nur  die  Exekution  gegen  die  dänische  Regierung
zu  vollstrecken.

Die  Ausführung  wurde  Hannover  und  Sachsen  übertragen,
welche  mit  je  6000  Mann  in  Holstein  einrücken  sollten  —  und  Oesterreich
  und  Preussen  mit  je  5000  Mann  als  Reserven  an  der  Grenze
Stellung  nehmen.

1864.  Die  Bundeskomissäre  übergeben  den  österreichisch-preussischen
  Oivilkommissären  Holstein  und  Lauenburg,  worauf
der  Rückmarsch  der  Hannoveraner  und  Sachsen
erfolgt.

Die  aus  Schleswig-Holstein  zurrückkehrenden  Truppen,  ziehen
in  Berlin  ein.

1868.  Turm-Einsturz  am  Dom  zu  Fritzlar.

1870.  Gefecht  beı  Blois.

Die  ofüzielle  Depesche  meldet  hierüber:

Der  Königin  Augusta  in  Berlin.

Versailles,  8.  Dez’  Gestern  Abend  ein  heftiges  glückliches  Gefecht
der  17.  Division  auf  dem  Marsche  nach  Blois,  halbwegs  bei  Meung;
wir  erwarten  dort  noch  mehr  Widerstand;  ein  Geschütz  und  eine  Mitrailleuse
  genommen,  150  Gefangene.  Wilhelm.

An  demselben  Tage  beginnt  bei  Beaugency  die  viertägige
  Schlacht  zwischen  den  siegreichen  Deutschen  und  den
Franzosen  („Westloirearmee“)  unter  General  Chanzy.

Die  ofüzielle  Depesche  meldet:

Versailles,  8  Dez.  Im  Vormarsch  auf  Beaugency  stiess  die  17.
Division  gestern  westlich  von  Meung  auf  ein  frisches  feindliches  Corps
von  15—17  Bataillons  mit  etwa  26  Geschützen  und  vertrieb  dasselbe  in
lebhaftem  Gefechte,  in  welches  auch  die  1.  bayerische  Division  noch
erfolgreich  eingriff  aus  allen  Positionen.  Der  Feind  verlor  260  Gefangene,
1  Kanone  und  1  Mitrailleuse.

An  demselben  Tage  hatte  die  6.  Kavallerie-Division  bei
Salbris  und  die  Avantgarde  des  3.  Armee-Corps  bei  Nevoy  nordwestlich
  von  Gien,  glückliche  Verfolgungs-Gefechte  gegen  die
Arrierregarden  der  den  Rückzug  fortsetzenden  Loire-Armee.
        <pb n="664" />
        —  654  —

8.  Dezember.

899.  Arnulf  von  Kärnthen,  König  des  ostfränkischen  Reichs
und  römischer  Kaiser,  stirbt  zu  Regensburg.

1708.  Franz  I.,  deutscher  Kaiser,  geboren.

Er  war  der  zweite  Sohn  Leopolds  von  Lothringen,  vermählt  mit
Maria  Theresia,  Tochter  Karls  VI.  Beteiligte  sich  am  österreichischen
Erbfolgekrieg,  wurde  zum  Kaiser  gewählt  und  gekrönt.

1756.  Maximilian,  Erzherzog  von  Oesterreich,  letzter  Kurfürst
von  Köln,  geboren.

Seit  1784  gleichzeitig  auch  Bischof  von  Münster.  Er  starb  am
27.  Juli  1801  zu  Hetzendorf  bei  Wien.

1791.  Peter  Joseph  von  Lintpaintner,  ein  bedeutender  Componist
  und  ÖOperndirigent,  zu  Koblenz  geboren.

1794.  Eröffnung  der  Friedensverhandlungen  zwischen  Preussen
  und  Frankreich.

Eine  ebenso  seltsame  als  überraschende  Erscheinung  der  damaligen
Zeit!  Friedrich  Wilhelm  II.,  der  zuerst  mit  so  lebhaftem  Eifer  die
Sache  der  Könige  verteidigt  hatte,  verlässt  diesselbe,  um  mit  demselben
revolutionären  Volke  Freundschaft  zu  schliessen,  gegen  das  er
kurze  Zeit  vorher  erst  ein  so  heftiges  Manifest  geschleudert.  Aber  auch
die  Franzosen  verliessen  die  Sache  der  Völker  und  reichten  einem
fremden  Könige  die  Hand,  nachdem  sie  eben  erst  den  eigenen
König  (Ludwig  XVL)  gemordet,  und  allen  Königen  Verderben  gedroht
  hatten.

1798.  Die  Franzosen  zwingen  dem  König  Karl  Emanuel  IV.
von  Sardinien  die  Unterzeichnung  der  Entsagungsakte  ab,
worauf  er  mit  seiner  Familie  den  Palast  seiner  Väter  verliess,
um  ihn  nicht  wieder  zu  sehen.

Vergebens  protestierte  Karl  Emanuel  von  der  Insel  Sardinien  aus,
wohin  er  sich  zurückgezogen,  gegen  die  erzwungene  Abdankung.

1811.  Elihu  Burritt,  Philanthrop,  zu  New-Britain  in  Massachusetts
geboren.

Er  hat  sich,  der  „gelehrte  Grobschmied“  der  amerikanischen  Union,
als  Friedensapostel  der  neueren  Zeit  bemerklich  gemacht,  hielt  in
Amerika  und  England  Vorträge  über  den  Widerspruch  des  Kriegs  mit
den  Grundsätzen  des  Evangeliums  und  der  wahren  Humanität,  nahm  an
den  Friedenskongressen  zu  Brüssel,  Paris,  Frankfurt  a.  M.  und  London
Anteil  und  starb  am  7.  März  1879  in  New-York.
        <pb n="665" />
        _—  65  —

1812.  Die  Trümmer  der  grossen  französischen  Armee  gelangen
ın  Wilna  an.

1818.  Grossherzog  Karl  Ludwig  Friedrich  von  Baden  stirbt
ım  33sten  Lebensjahre  zu  Rastatt.
Er  hatte  dem  Lande  noch  in  demselben  Jahre  die  ständige  Verfassung
  gegeben.
1841.  Der  berühmte  Bildhauer  Johann  Heinrichvon  Dannecker
stirbt  zu  Stuttgart.

1854.  Verkündigung  des  Dogmas  über  die  unbefleckte
Empfängniss  Mariä  durch  Papst  Pius  IX.

1856.  Attentat  gegen  das  Leben  des  Königs  Ferdinand  II.  von
Neapel  durch  den  Soldaten  Milano.

1864.  Päpstliche  Encyklika,  die  Verdammung  der  hauptsächlichsten
  Irrtümer  der  Gegenwart  auf  dem  Gebiete  der  Religion,
der  Philosophie  und  des  bürgerlichen  Lebens  betreffend.

1869.  Eröffnungstag  des  „Vatikanischen  Koncils“  zu  Rom.

Seit  drei  Jahrhunderten  hatte  die  Welt  dies  Schauspiel  nicht  mehr
gesehen.  Als  das  Konzil  am  10.  Dezember  eröffnet  wurde,  zählte  man
150  Versammelte.  Der  Kirchenstaat  allein  war  durch  143  Bischöfe  vertreten.
  Aus  Deutschland  waren  14  Teilnehmer  erschienen.

1870.  Fortsetzung  der  siegreichen  Schlacht  bei  Beaugency,
über  welche  offizielle  Depeschen  noch  weiter  melden:

Meung,  den  8.  Dez.  Bei  Beaugency  heute  heftige,  aber  siegreiche
Schlacht  der  Armee-Abteilung  des  Grossherzogs  von  Mecklenburg  gegen
drei  französische  Armee-Korps.  Verluste  nicht  unbedeutend,  die  des
Gegners  weit  grösser.  6  Geschütze  und  ungefähr  1000  Gefangene  in
unseren  Händen.

Der  Königin  Augusta  in  Berlin:

Versailles,  den  9.  Dez.  Grossherzog  von  Mecklenburg  gestern  und
vorgerstern  vor  Beaugency  ernste  Gefechte  mit  den  verstärkten  Resten
der  Loire-Armee  aus  Tours,  die  siegreich  bekämpft  und  die  Stadt  besetzt
wurden,  dabei  1500  Gefangene,  6  Geschütze.  Eben  dergleichen  Reste
verfolgt  die  2.  Armee  in  geringerer  Stärke  auf  der  Strasse  nach  Bourges.
  Wilhelm.

Versailles,  den  9.  Dezember.  Nach  dem  siegreichen  Gefechte  am
7.  Dezember  setzten  die  17.  und  22.  Divison  mit  dem  1.  Bayerischen
Korps  am  8.  den  Vormarsch  gegen  Beaugency  fort.  Der  Feind  entwickelte
  zwischen  diesem  Orte  und  dem  Walde  von  Marchoir,  ausser
den  am  Tag  vorher  engagiert  gewesenen  Truppen,  mindestens  noch  2
Armee-Corps  der  nach  divergierenden  Richtungen  von  Orleans.  zurückgewichenen
  Loire-Armee  und  suchte  mit  allen  Kräften  das  Vordringen
unserer  Truppen  aufzuhalten.  Nichtsdestoweniger  gewannen  diese  stetig
Terrain  und  nahmen  successive  die  Orte  Cravant,  Beaumont,  Messas  und
demnächst  auch  Beaugeney.  6  Geschütze  und  über  1000  Gefangene

fielen  dabei  in  unsere  Hände.  |  |
1881.  Furchtbarer  Brand  des  Ringtheaters  in  Wien,  wobei
  ca.  400  Menschen  ums  Leben  kommen.
        <pb n="666" />
        —  656  —

9.  Dezember.

1212.  Der  junge  Hohenstaufe  Friedrich  II.  wird  zum  König  der

Deutschen  gekrönt.

Am  25.  Juli  1215  empfing  er  die  deutsche  Krone  zum  zweiten
Male  in  Aachen.

1315.  Bündnis  der  Kantone  Schwyz,  Uri  und  Unterwalden,
  auf  der  Versammlung  zu  Brunnen  urkundlich  „auf
ewige  Zeiten  errichtet  und  beschworen.“

Die  betr.  Schriftstücke  sind  noch  im  Archiv  zu  Schwyz  aufbewahrt.

1437.  Kaiser  Siegmund  stirbt  zu  Znaim  in  Mähren,  im
siebzigsten  Jahre  seines  Alters.

Er  liess  sich  kurz  vor  seinem  Ende  mit  dem  kaiserlichen  Ornat
bekleiden  und  starb  sitzend  „als  Herr  der  Welt“,  wie  er  selbstgefällig
sagte.

Da  er  mehr  in  Ungarn  als  in  Deutschland  war,  hat  er  auf  letzteres
nur  wenig  eingewirkt.  Siegmund  bhinterliess  Deutschland  in  tiefer  Zerrüttung.
  Wie  während  seiner  28jährigen  Regierungszeit  im  Innern  das
Ansehen  der  Krone  abnahm,  so  rissen  sich  nach  Aussen  viele  und  schöne
Provinzen  vom  Reiche  ab.  Mit  ihm  erlosch  das  Haus  der  Luxemburger.

1594.  Gustav  Adolf,  König  von  Schweden  und  Vertreter  der
protestantischen  Sache  in  Deutschland,  geboren.

1641.  Anthonie  van  Dyck,  Porträt  und-  Historienmaler,  stirbt.

1708.  Prinz  Eugen  erobert  die  Citadelle  der  Stadt  Lille,  nachdem
  diese  selbst  bereits  am  22.  Oktober  kapituliert  hatte.

1710.  Schlacht  bei  Vılla  Vıiciosa.

Die  Franzosen  und  Spanier  unter  Vendome  siegen  über  das  vereinigte
  Heer  der  Oesterreicher  und  Engländer.

1717.  Johann  Joachim  Winkelmann,  ein  berühmter  Kunstkenner,
  zu  Stendal  als  Sohn  eines  Schuhmachers  geboren.

1797.  Kongress  zu  Rastatt.  (Er  währte  bis  zum  23.  April  1799.)
Deutschlands  Demütigung.

Ohne  im  Felde  besiegt  zu  sein,  erlag  es  den  Franzosen  durch
die  elende  Politik  seiner  Fürsten  und  dem  jämmerlichen  Zustand  seiner
Verfassung,  in  der  das  Volk  gar  nichts  mitzureden  hatte.  In  Rastatt
kamen  die  deutschen  Diplomaten  mit  den  französischen  zusammen,  „um
den  Frieden  für  das  deutsche  Reich  festzustellen.“  Mit  frechem  Uebermute
  behandelten  da  die  französischen  Gesandten  die  unglücklichen
kleinen  Reichsstände,  von  denen  manche  durch  die  französische  Besitzergreifung
  plötzlich  zu  Bettler  geworden  waren.
        <pb n="667" />
        —  657  —

Die  Dinge,  die  in  Rastatt  vorfielen,  sind  überhaupt  von  der  Art,
dass  die  Feder  eines  Deutschen  sich  sträubt,  sie  wieder
zu  erzählen.  Wer  Geld  auftreiben  konnte,  erkaufte  sich  die  Zustimmung
  der  Franzosen  zu  kleinen  oder  grössern  Entschädigungen.
Die  einflussreichsten  Franzosen,  namentlich  Talleyrand,  nahmen  gewisse
Prozente  von  jedem  deutschen  Kloster,  das  sie  irgend  einem  deutschen
Fürsten  überliessen.  Die  Habgier  der  Franzosen  bei  allen  diesen  Unterhandlungen
  wurde  nur  noch  durch  die  Brutalität  ihrer  Sprache  und  ihres
Benehmens  übertroffen.

1813.  Russische  Truppen  unter  Tettenborn  rücken  über  die
Eider  in  Friedrichstadt,  Tönning  und  Husum  ein.

1830.  Heinrich  Geffken,  Rechtslehrer  und  Diplomat,  zu  Hamburg
  geboren.

1849.  Papst  Pius  IX.  fordert  in  einer  Encyklica  die  Erzbischöfe
und  Bischöfe  Italiens  auf,  gegen  das  Umsichgreifen  des
Communismus  kräftig  einzuschreiten.

1854.  Antrag  Preussens  beim  Bundestag  wegen  Aufhebung
der  Spielbanken.

1859.  Cabinetsordre,  betr.  die  Schleifung  der  Festungswerke
zu  Jülich.

1867.  Johann  Nikolaus  von  Dreyse,  der  Erfinder  des  Zündnadelgewehrs,
  stirbt  zu  Sommerda,  80  Jahre  alt.
1829  konstruierte  v.  Dreyse  das  Zündnadelgewehr  mit  Einheitspatrone,
d.  h.  Patrone,  wo  Zünder  und  Ladung  drin  ist,  und  präsentierte  es  dem
preussischen  Kriegsministerium.  Das  Ganze  war  aber  noch  Vorderlader,
man  liess  die  Patrone  von  der  Mündung  aus  hinunter  rutschen.  1836
erfand  von  Dreyse  Hinterlader,  Zündnadelgewehr  und  vollkommene  Zündmasse!
  1840  erhielt  von  Dreyse  Auftrag  auf  60  000  Gewehre  für  die  preussische
  Armee.  1849  bewährten  sich  diese  Gewehre  in  Baden  etc.  und  1650
erhielt  er  Auftrag  für  die  ganze  Armee.  1864  wurde  Dreyse  geadelt.

1870.  Besetzung  von  Dieppe  durch  die  I.  Armee,  von  Vierzau
durch  die  II.  Armee.

Sturm  von  2  Bataillonen  des  grossh.  Hess.  4.  Regiments
auf  Schloss  Chambord.

Siegreiches  Gefecht  des  IX.  deutschen  Armeecorps  bei
Montlivault  in  der  Nähe  von  Bloıs.

Der  norddeutsche  Reichstag  genehmigt  die  Verträge
  mit  den  süddeutschen  Staaten.

eussische  Abgeordnetenhaus  genehmigt  die

ae  Rise  nbahnvorlage,  den  Ankauf  der  Bahnen,  Berlin-Stettin,
  Magdeburg-Halberstadt,  Hannover-Altenbecken  ;  Köln-Minden
  betr.  (Centrum,  Fortschritt,  Polen,  auch  einige  Nationalliberale

  stimmen  dagegen.)  in
        <pb n="668" />
        —-—  6598  —:-1880.

  Die  französische  Kammer  nimmt  den  Antrag  Brisson,  den
Immobiliarbesitz  der  religiösen  Orden  künftig  zu  besteuern,

  mit  356  gegen  1li3  Stimmen  an.

1885.  Dr.  Hermann  Becker,  während  der  „preussischen  Confliktzeit“
  vielfach  der  „rote  Becker“  genannt,  stirbt  als  freikonservativer
  Oberbürgermeister  von  Köln.

1887.  Besuch  des  Prinzregenten  von  Bayern  in  Berlin.

 

 

10.  Dezember.

536.  Eroberung  Roms  durch  den  oströmischen  Feldherrn  Belisar.
1402.  Stiftung  der  Universität  Würzburg.

1508.  „Ligue  zu  Cambray“  zwischen  Kaiser  Maximilian  I.  und
Ludwig  XII.  von  Frankreich  gegen  Venedig.

1520.  Luther  verbrennt  die  päpstliche  Bannbulle.

Dr.  Martin  Luther  zieht  Morgens  9  Uhr,  an  der  Spitze  der
Doktoren  und  Studenten  vor  das  Elsterthor  zu  Wittenberg,  um  die
Antwort  auf  die  Verbrennung  seiner  Schriften  durch  die  Römlinge  zu
geben.  Die  Studenten  hatten  ein  Feuer  angezündet,  und  Luther  schleuderte
mit  eigener  Hand  das  kanonische  Rechtsbuch  Roms  und  die  gegen  ihn
unterm  15.  Juni  gerichtete  päpstliche  Bannbulle  ins  Feuer.

1757.  Friedrich  II.  von  Preussen  beginnt  die  Belagerug  von
Breslau,  welches  sich  10  Tage  später  ergab,  wobei  20000

Oesterreicher  kriegsgefangen  wurden.

1791.  Mariane  von  Heidenreich  geborene  Heiland  zu  Heiligenstadt
  geboren.

Sie  studierte  in  Giessen  die  Medizin  und  lebte  zu  Darmstadt  als
Doktor  der  Medizin,  woscelbst  sie  sich  mit  Doktor  Heidenreich  vermählte.
Sie  starb  am  8.  Juli  1859.

1797.  Die  kaiserlichen  Truppen  räumen  in  Folge  des  Friedenschlusses
von  Campo  Formio  Mainz  und  das  ganze  linke  Rheinufer,
  welche  Jiandesteile  fortan  bis  1815  zu  Frankreich  gehören.


1806.  Die  Franzosen  belagern  Breslau.

1807.  König  Jeröme  von  Westfalen,  jüngster  Bruder  Napoleon  1.,
zieht  in  Kassel  ein.

Verschwendung  und  Liederlichkeit  in  der  Verwaltung,  suchten  von
nun  an  das  Land  schwer  heim.  Jerome  war  übrigens  nur  seines  Bruders
Statthalter,  und  da  er  dies  fühlte,  so  tröstete  er  sich  über  seine  Unselbstständigkeit
  durch  ein  lustiges  Hofleben  in  Kassel.
        <pb n="669" />
        —  659  —

1808.  Das  unter  die  Kerntruppen  eingereihte  Freikorps  Schills
hält  seinen  feierlichen  Einzug  in  Berlin.
Die  ersten  unter  den  vaterländischen  Kriegern,  welche  in  das

ihnen  seither  entfremdete  Berlin  zurrückkehrten  und  dann  einen  Teil
der  Besatzung  bildeten.

1809.  Die  Universitäten  Helmstedt  und  Rieteln  werden  mit
Göttingen  vereinigt.

1813.  Treffen  bei  Sechestedt  (Holstein)  zwischen  Bernadotte
und  den  Dänen.

1815.  Hermann  Alexander  Kasimir  Botho  von  Hülsen,
seit  1851  Generalintendant  der  Königl.  Schauspiele  zu  Berlin,
ebendaselbst  geboren.

1816.  August  von  Göben,  preussischer  General,  zu  Stade  geboren.

1848.  Prinz  Louis  Napoleon  Bonaparte,  Neffe  des  grossen
Kaisers  und  Sohn  des  ehemaligen  Königs  von  Holland,  wird
durch  allgemeine  Wahlen  auf  die  Dauer  von  4  Jahren  zum
Präsidenten  der  französischen  Republik  erwählt.

1865.  König  Leopold  I.  von  Belgien  stirbt  auf  seinem  Schlosse
Laeken;  ihm  fogt  sein  Sohn  Leopold  II.  in  der  Regierung.

1870.  Der  Reichstag  des  norddeutschen  Bundes  nimmt  in
dritter  Beratung  die  Vorlage  des  Bundesrates  an,  nach  welcher
der  deutsche  Bund  den  Namen  „Deutsches  Reich”,  der
König  von  Preussen  den  Titel  „Deutscher  Kaiser“
führen  soll.

Am  Abend  dieses  Tages:  Ende  der  viertägigen
Schlacht  von  Beaugency.  —  Hierüber  besagt  die  offizielle

Depesche:
‘Der  Königin  Augusta  in  Berlin:

Versailles,  den  12.  Dezember.  Nach  den  viertägigen  Gefechten  um
Beaugency  herum,  die  jedesmal  siegreich  für  uns  endigten,  wenn  auch
bei  der  Uebermacht  des  Feindes  kein  besonderes  Terrain  gewonnen
wurde,  ist  der  Feind  heute  unerwartet  gegen  Blois  und  Tours  abgezogen,
wahrscheinlich  in  Folge  der  bedeutenden  Verluste,  die  er  erlitten,  während
die  Unsrigen  gering  waren.  Sehr  viel  Ueberläufer  melden  sich  dort,  und
ebenso  bei  Rouen.  Die  Mobilgarden  warfen  vielfach  Waffen  und  Ausrüstungsgegenstände
  fort  und  gehen  nach  Hause,  aber  es  bleiben  immer
noch  genug  übrig.  Heute  völliges  Thauwetter.  Wilhelm.

Die  Delegationsregierung  zu  Tours  verlegt  ihren  Sitz
nach  Bordeaux.
1873.  Beendigung  des  Prozesses  Bazaine.

ine’  |  20jähriger  Ein-Verurteilung
  Bazaine’s  zum  Tode,  Begnadigung  zu  -UJjährig
schliessung  auf  der  Insel  Marquerite  bei  Antibes,  von  wo  er  am  9.  Aug.

1874  entflieht.
        <pb n="670" />
        —  660  °  —

1879.  Lord  Beaconsfield  verkündet  beim  Lordmayors-Bankett
das  Programm  der  neuen  englischen  Kaiserpolitik:  „Imperium
et  libertas!“

An  demselben  Tage  erklären  die  unter  seinem  Ministerium
annektierten  holländischen  Boerenin  Transvaalin  Südafrıka,
  dass  sie  sich  der  englischen  Regierung  nicht  unterwerfen
und  ihre  Unabhängigkeit  verteidigen  würden,  und  wählen  Krüger
zu  ihrem  Präsidenten.

18587.  Studentenunruhen  in  Moskau.
Attentat  auf  Jules  Ferry.

1888.  Die  Ministerkrise  .a  Spanien  wird  durch  die  Bildung  eines
neuen  Ministeriums  Sagasta  vorläufig  beendigt.

England  schickt  Verstärkungen  nach  Suakim.
1889.  Der  Dichter  Ludwig  Anzengruber  stirbt.

 

 

11.  Dezember.

1445.  Graf  Eberhard  im  Bart,  seit  1495  erster  Herzog  von
Württemberg,  zu  Urach  geboren.
Ein  Freund  der  Wissenschaften,  gründete  er  im  Jahre  1477  die

Universität  Tübingen  nach  dem  Vorbilde  von  Paris.  Er  starb  am
24.  Februar  14%.

1524.  Heinrich  von  Zütphen  (eigentlich  Heinrich  Möller  aus
Zütphen  ın  Holland),  Augustinermönch  in  Antwerpen,  stirbt

als  Märtyrer  des  evangelischen  Glaubens  auf  dem
Scheiterhaufen  zu  Heide  in  Holstein.

1724.  Karl  Theodor,  letzter  Kurfürst  von  der  Pfalz,  geboren.

Er  war  ein  eifriger  Anhänger  der  Jesuiten,  liess  sich  von  sinnlichen
Gelüsten  leiten  und  führte  in  Mannheim  und  Schwetzingen  ein  üppiges
Leben.

1783.  Max  von  Schenkendorf,  ein  Held  und  Dichter  der  Freiheitskriege,
  zu  Tilsit  geboren.
_  Er  brachte  dem  Vaterlande  das  Höchste  zum  Opfer  und  trat  in  die
Reihen  seiner  Krieger.  —  Schenkendorf’s  Gedichte  sind  ein  treuer  Aus-
        <pb n="671" />
        —  661  —

druck  seiner  vaterländischen  und  christlichen  Gesinnung  und  wenn  sie

auch  nicht  zum  Höchsten  gehören,  so  stehen  sie  doch  weit  über  dem
Mittelmässigen.

1798.  Die  bestürzte  und  entmutigte  Reichsdeputation  zeigt  den
französischen  Gesandten  zu  Rastadt  an,  dass  sie  das  Ultimatum
der  französischen  Regierung,  welches  ihr  am  6.  überreicht
  worden  war,  annehme.,

‚  _  Unterdessen  waren  aber  schon  Ereignisse  eingetreten,  welche  einen
wirklichen  Abschluss  des  Friedens  unmöglich  machen  mussten.

1806.  Der  Friede  zu  Posen  wird  zwischen  Napoleon  I,  und  dem
Kurfürsten  von  Sachsen,  welcher  dem  rheinischen  Bund  beitrıtt,
  abgeschlossen.

Der  letztere  erhält  dann  durch  Napoleon  die  königliche  Würde,
der  ihm  gleichzeitig  die  Zusicherung  giebt,  ihm,  sobald  mit  Preussen
Frieden  geschlossen  sein  werde,  den  Kottbusser  Kreis  abtreten
zu  lassen.

1817.  Max  von  Schenkendorf,  Dichter,  stirbt  als  Rat  bei  der
Regierung  zu  Koblenz.

Neben  Körner  und  Arndt  der  gefeiertste  Sänger  der  Freiheitskrioge.

1835.  AdolfStöcker,  protestandischer  Theolog  und  Parlamentarier,
zu  Halberstadt  geboren.

Gründer  der  christlich-sozialen  Partei,  wirkt  er  vielseitig  auch  auf
dem  Gebiete  der  inneren  Mission.  —  Bekannt  als  antisemitischer
Agitator.

1837.  Amtsentsetzung  der  sieben  Göttinger  Professoren.

1843.  Professor  Dr.  Robert  Koch,  der  Entdecker  der  Tuberkel-Bacillen,
  zu  Klausthal  geboren.

Er  studierte  1862  bis  1866  in  Göttingen  Medizin,  wurde  dann  Assistent
  am  Allgemeinen  Krankenhaus  in  Hamburg,  liess  sich  dann  als
Arzt  in  Langenhagen  bei  Hannover,  bald  darauf  zu  Rackwitz  in  der
Provinz  Posen  nieder  und  wurde  1872  Physikus  in  Wollstein,  im  Kreise
Bomst.  Hier  stellte  er  bakterioskopische  Untersuchungen  über  Wund-Infektion,
  Septichämie  und  Milzbrand  an,  welche  1880  seine  Berufung
als  ordentliches  Mitglied  in  das  Reichsgesundheitsamt  zur  Folge  hatten.
Er  gab  sehr  schartsinnige  Verbesserungen  der  mikroskopischen  Technik
und  der  Färbemethoden  mikroskopischer  Objekte  an  und  gelangte  mit
diesen  neuen  Hilfsmitteln  1882  zur  Entdeckung  der  Tuberkel-Bacillen.
  Im  Jahre  1883  zum  Geheimen  Regierungsrat  ernannt,  wurde
er  als  Leiter  der  deutschen  Cholera-Expedition  nach  Egypten  und  Indien
entsandt  und  entdeckte  hier  den  Cholerabacillus.  Das  deutsche
Reich  ehrte  diese  Entdeckung  mit  einer  Dotation  von  100  000  M.  Nachdem
  Koch  als  Cholerakommisär  auch  nach  Frankreich  geschickt  worden
war,  wurde  er  1885  zum  Professor  an  der  Universität  und  zum  Direktor
des  neu  gegründeten  hygienischen  Instituts  in  Berlin  ernannt.

1847.  Moriz  Graf  von  Strachwitz,  ein  berühmter  Dichter,
stirbt,  keine  25  Jahre  alt,  an  einem  Nervenfieber  zu  \Vien.
        <pb n="672" />
        —  662  —

1859.  Abgang  der  deutschen  Expedition  nach  Japan
(Korvette  Arkona).

1864.  Florenz  wird  die  Haupstadt  Italiens.

1870.  Die  um  Beaugency  geschlagenen  Franzosen  ziehen  sich,

von  den  deutschen  Truppen  verfolgt,  in  vollständiger  Flucht
zurück.

Abteilungen  des  deutschen  Heeres  besetzen  an  demselben
Tage,  nach  kurzem  Gefechte,  Beaumant,  westlich  von  Evreux.

1875.  Explosion  des  Dampfers  „Mosel“  in  Bremerhafen,  veranlasst
  durch  den  Massenmörder  Thomas.

 

 

12.  Dezember.

884.  Der  westfränkische  König  Karlmann  stirbt,  noch  jung  an
Jahren.

1154.  Vicelin,  Apostel  der  Wenden,  stirbt  im  Kloster  zu  Faldera.

1476.  Friedrich  I.  der  Siegreiche,  Pfalzgraf  bei  Rhein,  Herzog  in
Bayern,  auch  der  „böse  Fritz“  genannt,  stirbt  zu  Heidelberg.

Er  erwarb  sich  grosse  Verdienste  um  die  Hebung  des  Gerichtswesens,
  des  Handels  und  der  Gewerbe  in  seinem  Lande,  beförderte  und
beschenkte  die  Universität  Heidelberg  durch  ein  neues  Statut  (29.  Mai
1452.  Der  „böse  Fritz“  hatte  zwar  bei  seiner  Thronbesteigung  zu
Gunsten  seines  Neffen  Philipp  versprochen,  nicht  zu  heiraten,  nahm  aber
trotzdem  den  Geburtsvorurteilen  zum  Trotz  die  wunderschöne  Klara
Dettin,  ein  bürgerliches  Mädchen  von  Augsburg,  die  zugleich  eine  berühmte
  Sängerin  war,  zur  Ehe.  Ihre  Kinder  mussten  zwar  die  Rheinpfalz
  an  Bayern  verlieren,  wurden  aber  Grafen  von  Löwenstein,
von  denen  die  heutigen  Fürsten  dieses  Namens  stammen.

1740.  Friedrich  der  Grosse  geht  zur  schlessischen  Armee  ab.

1766.  Johann  Christoph  Gottsched,  Dichter  und  Aesthetiker,
stirbt  zu  Leipzig  als  Decemvir  der  Universität  und  als  Senior
der  philosophischen  Fakultät  und  des  grossen  Fürstenkollegiums.

Er  hat  sich  hochverdient  um  die  Reinheit  der  deutschen  Sprache
und  durch  sein  Auftreten  gegen  den  Hanswurst  auf  der  Bühne  und  das
tändelnde  Opernunwesen,  um  das  deutsche  Theater  gemacht,  wenngleich
er  durch  sein  französisches  Muster  demselben  eine  Richtung  gab,  die

von  Klopstock  und  ins  besondere  von  Lessing  hart  angegriffen  und  verworfen
  wurde,
        <pb n="673" />
        —  665°  —

1777.  Der  Naturforscher  Albrecht  von  Haller  stirbt  in  Göttingen.

Auch  als  Dichter  galt  er  in  seiner  Zeit  viel.

1802.  Die  kaiserliche  Universität  Dorpat  wird  durch  Kaiser
Alexander  I.  neubegründet.

1803.  Die  Preussen  erobern  die  Festung  Geldern  nach  achtmonatlicher
  Belagerung.

1824.  Rudolf  Genee,  Schriftsteller,  zu  Berlin  geboren.
1843.  Wilhelm  I.,  König  der  Niederlande,  stirbt.
1848.  Die  Russen  besetzen  Kronstadt  in  Siebenbürgen.

1870.  Die  Festung  Pfalzburg  ergiebt  sich  den  Deutschen  auf
Gnade  und  Ungnade.

Es  werden  52  Ofiiziere  und  1839  Mann  gefangen  genommen  und
25  Geschütze  erbeutet.

Die  Beschiessung  von  Mondmedy  beginnt.
Besetzung  von  Havre.

1877.  Die  Pforte  sucht  um  Vermittelung  des  Friedens
nach.

1878.  Der  deutsche  Bundesrat  beschliesst  die  Einberufung
einer  aus  Bevollmächtigten  der  Bundesstaaten  bestehenden  Tarıfkommission.
        <pb n="674" />
        —  664  °  —

13.  Dezember.

1250.  Kaiser  Friedrich  II.  stirbt  gebrochenen  Herzens  zu  Fiorentino
  in  Apulien,  erst  56  Jahre  alt,  in  den  Armen  seines
jüngsten  Sohnes  Manfred,  nachdem  ihm  der  wackre  Erzbischof
von  Palermo  schon  vom  Banne  losgesprochen  und  ihm  das  Abendmahl
  gespendet  hatte.

Für  das  deutsche  Volk  war  er  trotz  seiner  geringen  Teilnahme  an
den  Schieksalen  Deutschlands  und  obgleich  er  die  Herrschbegierde  der
deutschen  Fürste  sehr  begünstigte,  derletzte  glänzende  Vertreter
des  Kaisertums,  von  dem  die  Sage  „die  Wiederaufrichtung  des  von
den  Pfaffen  zerstörten  Reiches“  erwartete.

1521.  Emanuel  I.,  der  Grosse,  König  von  Portugal,  stirbt.

Ein  eifriger  Förderer  der  Volkswissenschaft  und  Künste  war  er
seinem  Lande.  Viele  Entdeckungsreisen,  die  er  unternehmen  liess,
brachten  ihm  den  Besitz  des  indischen  Archipels  und  der  südafrikanischen
Küsten  ein.

1545.  Feierliche  Eröffnung  des  Tridentinischen  Konzils.

Dasselbe  dauerte  bis  zum  4.  Dezember  1563.  Zum  Ausgleich  der
Kirchenspaltung  und  zur  Beseitigung  von  Missbräuchen  in  der  katholischen
  Kirche  berufen,  nahm  es  zwar  eine  eingehende  Revision  des
katholischen  Lehrsystems  und  eine  Säuberung  der  kirchlichen  Zucht  und
Ordnung  vor,  aber  an  der  streng  hierarchischen  Verfassung  der  Kirche
wurde  nicht  gerührt,  die  Macht  des  Papstuns  vielmehr  erhöht.

1570.  Friede  zu  Alt-Stettin.

Dänemark  entsagt  seinen  Ansprüchen  auf  Schweden.

1577.  Franzis  Drake  tritt  in  Plymouth  mit  5  Schiffen  die  Erdumseglung
  an.

1604.  Geheim-Rats-Ordnung  des  Kurfürsten  Johann  Friedrich
von  Brandenburg.

1621.  Kaiser  Ferdinand  II.  erlässt  eine  Verordnung  zu  Unterdrückung
  der  evangelischen  Religion  in  Böhmen.

Alle  protestantischen  Geistlichen,  böhmischen  Stammes,  wurden  aus
Prag  verbannt  und  nur  den  deutschen  aus  Rücksicht  auf  den  sächsischen
Hof  noch  der  Aufenthalt  gestattet.  —  Anfangs  wollte  Maximilian,  wollten
  selbst  die  Spanier  und  der  Papst  sogar  die  Lutheraner  geschont
  wissen,  um  desto  sicherer  Kursachsen  auf  ihrer  Seite  zu  behalten
aber  der  blutdürstige  Kaiser  Ferdinand  Il.  erklärte,  sein  Gewissen  verbinde
  ihn,  alle  Ketzer  auszurötten.  Alle  und  jede  Freiheit  in  religiöser
Hinsicht  sollte  für  immer  und  radikal  ausgerottet  werden.  „Die  Zucht
        <pb n="675" />
        —  665  °  —

schlug  auch  so  trefflich  an,  dassnannach  einem  Menschenalter
das  kühne,  geistreiche  Volk  der  Böhmen  nicht  mehr  wieder

  erkannte,  und  dass  sie  bis  auf  den  heutigen  T:
ass  s  €  gen  lag  bedeutungslos
ın  der  Geschichte  fortvegetieren“.  ®  e

1675.  Eroberung  von  Wismar  durch  die  Dänen  und  Brandenburger.


1769.  Christian  Fürchtegott  Gellert,  ein  von  seinen  Zeitgenossen
  hochverehrter,  und  seiner  religiösen  Lieder  wegen  noch
heute  geschätzter  Dichter,  stirbt  in  Folge  einer  schmerzhaften
Operation,  als  Professor  in  Leipzig.

1775.  Auf  Antrag  Friedrichs  II.  von  Preussen  wird  der  nach  der

cyklischen  Rechnung  geordncte,  verbesserte  Reichskalender
in  Deutschland  eingeführt.

1799.  (Nach  eigener  Angabe  übrigens  in  der  Neujahrsmitternacht

1800).  Heinrich  Heine  einer  unserer  besten  Iyrischen  Dichter,
zu  Düsseldorf  geboren.

1810.  Napoleon  I.,  vereinigt  durch  Staatsbeschluss  die  Hafenstädte
Hamburg,  Lübeck  und  Bremen,  das  Herzogtum  Oldenburg,
  die  Hälfte  des  nördlichen  Hannover,  das  Land  Osnabrück
  und  fast  das  ganze  Land  Minden  mit  Frankreich.

1816.  Werner  Siemens,  bedeutender  Physiker  und  Ingenieur,  zu
Lenthe  in  Hannover  geboren.

Er  hat  sich  auf  den  Gebieten  der  angewandten  Elektrizität  wahrhaft
  grossartige  Verdienste  erworben.

1836.  Franz  von  Lenbach,  berühmter  Porträt-Maler,  zu  Schrobenhausen
  geboren.

1863.  Friedrich  Hebbel,  ein  he.vorragender  Dichter,  stirbt  zu
Wien  an  der  Knochenerweichung.

Im  Anfang  1848  nahm  er  lebhaften  Anteil  an  der  revolutionären
Bewegung,  bald  aber  trat  er  zur  gemässigt  liberalen  Partei  zurück.

1870.  Blois  wird  von  den  deutschen  Truppen  besetzt.
Die  Festung  Montmedy  kapituliert.

In  der  Verfolgung  des  Feindes  bis  Quiques  und  Maves
hat  die  Armee-Abteilung  des  Grossherzogs  von  Mecklenburg
2000  feindliche  Marodeurs  gesammelt.

1878.  Beginn  des  englisch-afghanischen  Kriegs.
        <pb n="676" />
        —  666  —

14.  Dezember.

1431.  Erste  Sitzung  des  Basceler  Konzils,  welches  schon  am  27.
August  1431  zusammen  getreten  war.

Man  hatte  die  Böhmen  in  einem  sehr  ehrerbietigen  Schreiben
nach  Basel  eingeladen  und  war  auf  ihre  stolzen  Bedingungen  sogar  um
des  Friedens  willen  äusserlich  eingegangen  und  da  deren  Eintreten  sich
verzögerte,  da  wurden  ihretwegen  die  Verhandlungen  ausgrsetzt.  Am
9.  Januar  1433  ritten  die  Böhmen  auf  300  Rossen  in  Basel  ein.

1482.  Vertrag  zu  Münsingen,  in  welchem  die  Grafen  Eberhard:
V.  und  Eberhard  VI.  das  vorher  geteilte  Württemberg  wieder
vereinigen.

1586.  Georg  Kalixtus,  der  Urheber  der  sogenannten  Syncretisten,
zu  Medelbye  bei  Tondern  in  Schleswig  geboren.
Er  starb  am  19.  März  1656.

1720.  Der  Geschichtsschreiber  Justus  Möser  zu  Osnabrück  geboren.

Er  schrieb  im  Volkston  eine  vortreflliche  „OÖsnabrückische  Geschichte“
und  meisterhafte  Aufsätze  geschichtlichen  und  politischen  Inhalts,  die
„patriotischen  Phantasieen“.

1752.  Der  Dichter  Christoph  August  Tiedge  zu  Gardelegen
geboren.

1792.  Die  Preussen  besetzen  Hochheim.

1799.  George  Washington,  der  erste  Präsident  der  vereinigten
Staaten  von  Nordamerika,  stirbt.

1800.  Schlacht  bei  Salzburg  in  welcher  der  französische  General
Moreau  die  Oesterreicher  unter  Erzherzog  Johann  schlägt.

1801.  Christian  Dietrich  Grabbe,  hochbegabter  dramatischer
Dichter,  zu  Detmold  geboren.

1810.  Napoleon  besetzt  Oldenburg,  trotzdem  Russland  dagegen
  protestiert.

1813.  Wiederherstellung  der  „freien  Stadt“  Frankfurt  a.  M.

1814.  Viktor  Emanuel  I.  von  Sardinien  erhält  im  Wiener  Kongress
  Genua  und  die  Schutzherrschaft  über  Monako.

1821.  Gustav  Gräf,  Historien-  und  Porträtmaler,  zu  Königsberg
geboren.
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        —  6617  —

1822.  Schluss  des  Kongresses  zu  Verone,  (seit  20.  Oktober
tagend.)

Auf  demselben  wurde  dic  gewaltsame  Unterdrückung  der  spanischen
Revolution  beschlossen  und  durch  französisches  Heer  ausgeführt.  Auch
die  griechische  Sache  sah  man  nicht  als  den  verzweifelten  Rettungskampf
  eines  gewaltsam  unterdrückten  christlichen  Volks  gegen  seine
türkische  Tyrannen,  sondern  als  eine  unrechtmässige  Revolution  gegen

den  legitimen  Herrscher  an  undentzogden  Griechenjede  Unterstützung.


1833.  Der  rätselhafte  Findling  Kaspar  Hauser  wird  von  einem
Unbekannten  im  Schlossgarten  zu  Ansbach  meuchlings  überfallen
  und  tötlich  verwundet.

Am  17.  d.  M.  starb  er  in  Folge  dessen.  —  Kaspar  Hauser  war  aın
26.  Mai  1828  nachmittags  auf  dem  Unschlittmarkt  in  Nürnberg,  in  hülflosem
  und  verwahrlostem  Zustande  erschienen  und  zeigte  sich  in  Sprache
und  Benehmen  gänzlich  unwissend.  Den  Ort  seiner  Herkunft  wusste
er  nicht  anzugeben.  Er  war  wohl  gewachsen,  von  zartem  Gliederbau,
hatte  weiche  Hände  und  Füsse,  die  neue  Blutblasen  zeigten  und  sah
gesund  aus.  Sein  Alter  schätzte  man  auf  16  Jahre,  nach  einem  bei
ihm  vorgefundenen  Zettel  sollte  er  am  30.  April  1812  geboren  sein.
Trotzdem  der  König  von  Bayern  eine  bis  auf  10  000  Gulden  gesteigerte

Prämie  auf  die  Entdeckung  der  wahren  Verhältnisse  Hausers  aussetzte,
blieb  seine  Herkunft  doch  ein  undurchdringliches  Geheimnis.

1849.  Der  geniale  Musikdichter  Konradin  Kreuzer  stirbt  in
Riga.

Seine  Oper,  „das  Nachtlager  in  Granada“,  hat  sich  bis  heute  auf
dem  Reportar  erhalten.

1856.  Die  Chinesen  brennen  sämmtliche  europäische  Gebäude
°  ın  Canton  nieder,  so  dass  die  Europäer  sich  zu  Schiff  nach
Makao  und  Hongkong  zurückziehen  mussten.

1861.  Prinz  Albert  von  Sachsen-Koburg,  Gemahl  der
Königin  Viktoria  von  England,  stirbt.

Heinrich  Marschner,  bedeutender  Komponist,  stirbt  als
Generalmusikdirektor  in  Hannover.

1870.  Bismarks  Depesche  an  Oesterreich,  durch  welche
freundschaftlichere  Beziehungen  zwischen  den  beiden  Staaten  angebahnt
  werden.

Einzug  der  preussischen  Truppen  in  Montmedy.

65  Geschütze  genommen,  3000  Gefangene  gemacht,  237  deutsche
Gefangene  befreit,  darunter  4  Ofliziere.

1871.  Die  preussische  Regierung  legt  dem  Abgeordnetenhause
  das  Schulaufsichtsgesetz  vor,  wonach  die  Aufsicht
über  alle  öffentlichen  und  privaten  Unterrichts-  und  Erziehungsanstalten

  dem  Staate  zustehen  soll.
1873.  Königin  Wittwe  Elisabeth  von  Freussen  stirbt.
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        —  668°  —

1878.  Die  Grossherzogin  Alice  von  Ilessen  stirbt.

1880.  Attentatt  auf  den  rumänischen  Minister  Brafiono,  durch
Petraru,  einem  Werkzeug  der  revolutisrären  Partei  des  Landes.

An  demselben  Tage  Unabhängigkeitserklärung  der
neuen  Transvaalregierung.

 

 

15.  Dezember.

1447.  Albrecht  IV.,  der  Weise,  Pfalzgraf  bei  Ithein,  Herzog  von
Bayern,  zu  München  geboren.

1650.  Bei  Rethel  wird  Turrene  durch  Marschall  du  Plessis  ge:
schlagen.

1745.  Schlacht  bei  Kesselsdorf,  in  welcher  der  „alte  Dessauer“

das  sächsische  Heer  schlägt,  worauf  ganz  Sachse:  mit  der  Hauptstadt
  Dresden  in  die  Hand  der  Preussen  fällt.

1757.  Gefecht  bei  Landshut  während  des  siebenjährigen  Kriegs.

1784.  Ludwig  Devrient,  genialer  Schauspieler,  zu  Berlin  geboren.


1792.  Die  Souveränität  des  Volkes  wird  vom  Pariser  Nationalkonvent
  proklamiert.

Er  erklärt,  dass  die  Nation  der  Franzosen  jedem  grossen  oder
kleinen  Volk,  das  seinen  bisherigen  König,  Fürsten  oder  Grafen  nicht
ınehr  gehorchen,  sondern  sich  in  Freiheit  setzen  wolle,  eine  Armee  zu
Hülfe  senden  und  nicht  eher  nachlassen  werde,  als  bis  sie  dasselbe  von
seinem  Despoten  befreit  haben  werde.

ä  Heinrich  Dittmar,  verdienstvoller  Schulmann,  zu  Ansbach
geboren.

Obgleich  er  kein  Philolog  war,  so  hat  sich  doch  seine  gymnasialpädagogische
  Thätigkeit  in  der  Pfalz  während  den  Revolutionsjahren
so  sehr  bewährt,  dass  ihm  1852  das  Rektorat  des  Gymnasiums  in  Zweihrücken
  übertragen  wurde.  Er  starb  am  24.  Juli  1866.

1796.  Johann  Franz  Ahn,  Schulmann,  zu  Aachen  geboren.

Er  war  Verfasser  zahlreicher  Lehrbücher  für  die  modernen  Sprachen
nach  eigner  Methode.  Er  starb  am  21.  August  1865  zu  Neuss.
        <pb n="679" />
        —  669  —

1804.  Ernst  Rietschel,  berühmter  Bildhauer,  zu  Pulsnitz  in  der
Oberlausitz  geboren.

Er  starb  am  21.  Oktober  1861.

1305.  Der  preussische  Minister  von  Haugwitz  schlies
Vollmacht  Friedrich  Wilhelms  III.,  mit  Napoleon  den  v.  Hra  5
zu  Schönbrunn,  nach  welchem  Preussen  ein  Schutz-  und
Trutzbündnis  mit  Napoleon  eingeht,  Ansbach  an  Bayern,  Neufchatel
  und  Cleve  an  Frankreich  abtritt,  dafür  ohne  Einwilligung
  Englands  Hannover  erhält,  während  Bayern  das
Herzogtum  Berg  an  Frankreich  giebt.

Dieser  übereilte  Vertrag  wurde  auch  so  schnell  bekannt:  gemacht
dass  700  preussische  Schiffe,  die  nichts  davon  wusten,  in  englischen
Häfen  oder  auf  dem  Meere  von  den  erbitterten  Engländern  weggegenommen
  wurden.

1813.  Gefecht  bei  Wesel.

1840.  Napoleons  ].  Asche,  von  St.  Helena  nach  Frankreich  gebracht,
  wird  im  Hotel  der  Invaliden  zu  Paris  beigesetzt.

1866.  Die  Bevollmächtigten  des  „norddeutschen  Bundes“  treten
in  Berlin  zusammen,  um  den  von  der  preussischen  Regierung
ausgearbeiteten  Verfassungsentwurf  zu  beraten  und  festzustellen.


1570.  Gefecht  von  Vendöme,  wobei  von  den  Deutschen  6  Geschütze
  und  1  Mitralleuse  erbeutet  wurden.

Die  französische  Regierung  erklärt  die  Häfen  von  Dieppe,
Havre  und  Fecamps  in  Belagerungszustand.

Elf  Tage  werden  den  Neutralen  zum  Verlassen  der  Häfen  eingeräumt.


1878.  Schreiben  des  Reichskanzlers  Fürsten  Bismarck  an  den  Bundesrat
  über  die  Grundzüge  der  Zollreform.

1879.  Der  deutsche  Bundesrat  genehmigt  die  Vorlage  des  Reichskanzlers
  über  vierjährige  Legislaturperioden.

1885.  Ferdinand,  Herzog  von  Sachsen-Coburg,  Titularkönig
von  Portugal,  stirbt,  69,  Jahre  alt,  zu  Lissabon.

1888.  Grosse  Debatte  im  Deutschen  Reichstag  über  die
Kolonialpolitik.

Das  Gesuch  Professor  Geffken’s  um  Entlassung  aus

der  Untersuchungshaft  gegen  Bürgschaft  wird  abschläglich  beschieden.


1889.  Der  Rebellenführer  Buschiri  in  Ost-Afrika  wird  standrechtlich

  mit  dem  Tode  bestraft.
        <pb n="680" />
        —  60  —

16.  Dezember.

533.  Publikation  der  Pandekten  mit  gesetzlicher  Kraft  durch
Kaiser  Justinian.

999.  Adelheid,  deutsche  Kaiserin,  stirbt  zu  Selz  im  Elsass,  wo  sie
begraben  Jlıegt.

Mit  König  Lothar  von  Italien  in  erster  Ehe  vermählt,  heirathete
sie  nach  dessen  am  22.  November  950  erfolgten  Tode  im  folgenden  Jahre
den  deutschen  Kaiser  Otto  d.  Grossen,  dem  dadurch  die  Krone  von
Italien  zufiel.  —  In  den  letzten  Lebensjahren  ergab  sie  sich  streng  asketischer
  Frömmigkeit  und  stiftete  zahlreiche  Kirchen  und  Klöster.

1700.  Manifest  Friedrichs  III.,  Kurfürsten  von  Brandenburg,
die  Annahme  der  Würde  eines  Königs  in  Preussen  betreffend.

1740.  Beginn  des  ersten  schlesischen  Kriegs.
Die  preussischen  Truppen  überschreiten  die  schlesische  Grenze.
1742.  Gebhard  Lebrecht  von  Blücher,  Preussens  grosser
Feldherr,  zu  Rostock  geboren.
Er  stammte  aus  einer  alten  pommerischen  Familie.
1761.  Die  preussische  Festung  Kolberg  ergiebt  sich,  durch
Hunger  und  Krankheit  gezwungen,  an  die  Russen.

Der  Fall  dieses  Platzes  zog  die  Besetzung  des  halben  Pommerns
durch  die  Russen  nach  sich.

1770.  Wahrscheinlicher  Geburtstag  des  grossen  Komponisten
Ludwig  von  Beethoven.

1793.  Die  Weissenburger  Linien,  welche  der  österreichische
General  Wurmser  am  13.  Oktober  erobert  hatte,  werden  von  den
Franzosen  unter  Pichegru  wieder  besetzt.

1797.  Alfred  von  Auerswald,  Staatsmann  und  Abgeordneter,
zu  Marienwerder  geboren.
Er  starb  am  3.  Juli  1870.
1803.  Robert  Stephenson,  der  grosse  Ingenieur  und  Baumeister,

der  Sohn  Georg  Stephensons,  des  Vaters  des  Eisenbahnbaues,
zu  Wilmington  geboren.

Er  starb  am  12.  Oktober  1859.
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        —  61  —

15804.  Christian  Felix  Weisse,  Dichter  und  Schriftsteller,  stirbt
zu  Leipzig.

‚Er  war  am  8.  Januar  1726  zu  Annaberg  geboren,  befreundet  mit
Lessing  und  Mendelsohn,  Begründer  der  komischen  Oper  in  Deutschland
und  als  Jugendschriftsteller  hochverdient.

1805.  Friede  zu  Schönbrunn  zwischen  Preussen  und  Frankreich
  auf  Grund  des  Tags  vorher  abgeschlossenen  Vertrags.
(Allianz  zwischen  beiden  Staaten).

Hannover  kommt  an  Preussen,  das  Herzogtum  Kleve  und  die  Fürstentümer
  Ansbach  und  Neufchatal  an  Frankreich.

1808.  Napoleon  ].  ächtet  von  Madrid  aus  den  grossen  Patrioten
und  Preussens  hervorragenden  Staatsmann,  Freiherrn  von
Stein,  als  „Feind  Frankreichs  und  des  Rheinbundes“,  so  dass
er  nach  Oesterreich  und  dann  nach  Russland  fliehen  musste.

1812.  Napoleon  I.  kommt  flüchtig  aus  Russland  in  Dresden  an.

1830.  Koloman  Tisza  von  Borosjenö,  ungarischer  Staats--mann,
  zu  Geszt  im  Bilharer  Komitat  geboren.

1836.  Ernst  von  Bergmann,  berühmter  Chirurg,  zu  Riga  geboren.


Seine  Schrifteu  behandeln  vorzugsweise  die  Lehre  vom  putriden
Gift  in  faulenden  Stoffen  und  dessen  Wirkung  auf  den  tierischen
Organismus.
6  .  e  .  ©
1848.  Heinrich  von  Gagern  tritt  an  die  Spitze  des  Reichsministeriums.


1859.  Wilhelm  Grimm,  ein  verdienstvoller  deutscher  Sprachforscher,
  stirbt.

1865.  Handelsvertrag  zwischen  Oesterreich  und  England.

1870.  Siegreiches  Treffen  bei  Langres  und  Longeau,
wobei  die  Franzosen  200  Mann,  darunter  64  verwundete  Gefangene,
  2  Geschütze  und  2  Munitionswagen,  an  die  Deutschen

verloren  haben.

An  demselben  Tage  räumen  die  Franzosen  von  stärkeren
diesseitigen  Avantgarden  angegriffen,  Ven  döme,  und  verlieren
hierbei  sechs  Geschütze  und  elf  Mitrailleusen.

i878.  Abschluss  des  Handelsvertrags  zwischen  Deutschland
  und  Oesterreich.

An  demselben  Tage  stirbt  der  geistreiche  Schriftsteller

Karl  Gutzkow.

Viele  seiner  Theaterstücke,  wie  „Das  Urbild  des  Tartüffe“,  „Uriel
Aecosta.“  „Der  Königslieutenant“  u.  a.  haben  sich  grossen  Erfolg  errungen.
)  ”
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        —  672  —

1880.  Nach  der  Entlassung  des  Kardinal-Staatssekretärs  Nina  ernennt
Papst  Leo  XIII.  den  Pronuatius  Jakobini  in  Wien  zum  Kardinal
Staatssekretär.

1884.  Weltausstellung  in  New-ÖOrleans.

1888.  Enthüllungen  im  Geffken-Prozess  stellen  den  britischen
  Gesandten  in  St.  Petersburg,  Sir  Morier,  blos.

 

 

17.  Dezember.

rn

546.  Plünderung  Roms  durch  die  Ostgoten  unter  ihrem  Heerkönige
  Totilas.

779.  Sturm,  Heiliger,  Apostel  der  Sachsen,  Schüler  des  Bonifacius
und  erster  Abt  zu  Fulda,  stirbt.

1187.  Papst  Gregor  VIII.,  stirbt,  er  war  der  Nachfolger  Urbans  IIl.,
und  nur  27  Tage  in  seiner  Würde.

1638.  Anna  Sophia,  Landgräfin  von  Hessen-Darmstadt  geboren.

Sie  war  eine  Tochter  des  Landgrafen  Georg  II.  und  der  Sophie
Eleonore  von  Sachsen,  widmete  sich  dem  Kloster,  wurde  Aebtissin  und
später  Pröbstin  in  Quedlinburg  als  geistliche  Liederdichterin  bekannt.

1711.  Der  Türkei  erklärt  Russland  den  Krieg.

1715.  Erstürmung  des  Hornwerks  von  Stralsund  durch  die
vereinigten  Preussen,  Sachsen  und  Dänen,  während  des  Nordischen
  Kriegs.

1752.  Ernst  Gottlieb  Waltersdorf  geboren.

Er  war  Prediger  in  Bunzlau  und  errichtete  daselbst  ein  Waisenhaus.

1770.  Ludwig  van  Beethoven,  grösster  Komponist  des  19.  Jahrhunderts,
  zu  Bonn  getauft  (geboren  wahrscheinlich  am  15.  oder
16.  Dezember).

1800.  Bernhard  Erich  Freund,  Herzog  von  Sachsen-Meiningen,
geboren.

Er  regierte  seit  1821,  erteilte  am  4.  September  1824  seinem  Lande
eine  landständische  Verfassung  und  dankte  am  20.  September  1866  zu
Gunsten  seines  Sohnes,  Greorg  ab.

1811.  Julius  Wiggers,  Professor  der  Theologie  in  Rostock,  ein
freiheitsbegeisteter  Parlamentarier,  geboren.

1813.  Die  Alliierten  gehen  bei  Hüningen  über  den  Rhein.
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        —  63  —

1852  Besuch  des  Kaisers  Franz  Josef  von  Oesterreich  in  Berlin.

1857.  Kaiser  Alexander  II.  von  Russland  gestattet  dem  Petersburger
  Gouvernements,  die  Bauern  zu  emanzipieren.

1860.  Neapel  und  Sicilien  werden  in  das  Königreich  Italien
einverleibt.

1865.  Eröffnung  des  Rauch-Museums  in  Berlin.

1868.  Friedrich  Gottlieb  Welker,  Philolog  und  Altertumsforscher,
  stirbt.

Mehrfach  politisch  verdächtigt,  seiner  amtlichen  Thätigkeit  enthoben
und  wieder  in  dieselbe  eingesetzt,  legte  er  1861  augenleidend  sein  Lehramt
  nieder.

1870.  Nach  leichtem  Gefechte  wird  Epuisay  von  den  Teten  des
den  Feind  verfolgenden  deutschen  Corps  besetzt,  wobei  236  Gefangene
  gemacht  werden.

An  demselben  Tage  hatten  die  von  Chartres  aus  gegen
die  Franzosen  dirigierten  Colonnen  bei  Droue  ein  siegreiches
Gefecht  gegen  6  Bataillone.

Die  Franzosen  verloren  hierbei  über  100  Tote,  mehrere  Proviantwagen
  und  einen  Viehtransport.

Andere  Abteilungen  hatten  bei  Le  Porslay  und  La
Fontonelle  Gefechte  gegen  etwa  10000  Franzosen,  welche  ın
der  Richtung  von  Le  Mans  verfolgt  wurden.

1871.  Konstituierung  des  Genfer  Schiedsgerichts  in  der  Alabama-Angelegenheit.


1883.  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Deutschland  Besuch  in
Rom,  wo  er  vom  König  Humbert,  wie  von  dem  römischen  Volke
mit  den  höchsten  Ehren  und  unter  den  lebhaftesten  Huldigungen
und  Freudenbezeigungen  empfangen  wird.

Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  der  deutsche  Kronprinz  auch  im
Vatikan  mit  allem  Pomp  und  den  höchsten  Feierlichkeiten  vom  Papste
Leo  XIII.  empfangen,  der  mit  demselben  drei  Viertelstunden  lang  in
seinem  Kabinete,  allein  und  ohne  Zeugen,  im  Gespräche  blieb.

 

43
        <pb n="684" />
        —  6714  —

18.  Dezember.

1323.  Reichstag  zu  Nürnberg,  auf  welchem,  trotzdem  die
Schwäche  Kaiser  Kudwigs  (des  Bayern)  noch  gütliche  Verständigung
  mit  dem  Papste  versuchte,  ein  ernster  Protest  gegen
alle  päpstlichen  Anmassungen  erlassen  wurde,  worauf  der  Papst
dann  im  folgenden  Frühjahr  den  Bannfluch  gegen  das
deutsche  Reichsoberhaupt  ausprach.

1626.  Christine,  Königin  von  Schweden,  geboren.

Sie  war  eine  Tochter  Gustav  Adolfs.  Künste  und  Wissenschaften
beförderte  sie,  entsagte  aber  der  Krone  und  trat  zum  Katholizismus  über.
Sie  führte  dann  ein  etwas  abenteuerliches  Leben  und  starb  am  19.  April
1689  zu  Rom.

1705.  Eröffnung  der  Wiener-Kunst-Akademie.

1745.  Leopold  von  Dessau  nimmt  im  zweiten  schlessischen  Krieg
Dresden  ein.

1760.  Friedrichs  des  Grossen  Unterredung  mit  dem  Dichter
Gellert  in  Leipzig  über  die  deutsche  Litteratur.

1773.  Anfang  desnordamerikanischenFreiheitskampfes.

1786.  Karl  Maria  von  Weber,  berühmter  Opernkomponist,  zu
Gellert  Eutin  im  Holsteinischen  geboren.

Mehrere  seiner  Opern  werden  für  alle  Zeiten  auf  dem  Repertoir
der  deutschen  Bühnen  bleiben  und  sein  „Freischütz“  ist  das  vorzüglichste
deutsche  Volksstück,  welches  jemals  geschaffen  worden  ist.

1803.  Johann  Gottfried  von  Herder,  bedeutender  Dichter  und
Schriftsteller,  stirbt  zu  Weimar.

Mit  der  Bewunderung  für  Naturpoesie,  der  Liebe  zum  Orient,  der
poetischen  Auffassung  der  christlichen  Lehren  und  Sagen,  verband  er
ein  wunderbares  Verständnis  für  alle  Zeiten  und  Völker,  erfasste  mit
empfänglichen  Sinn  alles  Grosse  und  Poetische  der  fremden  Nationen
und  wusste  es  nach  dem  eigenen  Geist  dichterisch  umzugestalten.

1812.  Napoleon  I].  trifft  von  seiner  fluchtartigen  Rückreise  aus
Russland  in  Paris  ein.

1813.  Vertreibung  aller  nicht  auf  8  Monate  verproviantierten
Hamburger  durch  Davoust.

1814.  Talleyrands  Note  an  den  Wiener  Kongress  wegen  Polens
und  Sachsens.
        <pb n="685" />
        —  65  —

1820.  Karl  Ludwig  Friedrich  Becker,  Maler,  zu  Berlin
geboren.

Er  entfaltet  neben  grossartiger  Auffassung  und  schwungvoller  Technik
  vorzugsweise  die  Pracht  der  Stoffe.

1822.  Unabhängigkeits-Erklärung  Brasiliens.

1830.  Der  polnische  Reichstag  in  Warschau  kündigt  dem
Kaiser  von  Russland  den  Gehorsam  auf.

1847.  Marie  Luise,  zweite  Gemahlin  Napoleons  I.,  Herzogin  von
Parma,  Piacenza  und  Guastalla,  stirbt  zu  Wien.

1870.  Blutiges  aber  für  die  Deutschen  siegreiches  Gefecht
bei  Nuits.
Die  oflizielle  Depesche  sagt  hierüber:
Versailles,  den  19.  Dezember.

General  v.  Werder  griff  am  18.  den  Feind  an,  welcher  in  beträchtlicher
  Stärke  bei  Nuits  und  Pes’ne  stand.  Am  Abend  war  Nuits
genommen,  etwa  600  Gefangene  gemacht.  Am  19.  wurde  in  südlicher
und  westlicher  Richtung  verfolgt.  Diesseits  Prinz  Wilhelm  von  Baden
und  General  von  Glümer  leicht  verwundet.

Von  Seiten  des  10.  Corps  wurde  am  18.  die  Verfolgung  über  Epuisay
  fortgesetzt.  Traineure  gefangen  genommen  und  1  Fahne  erbeutet.

An  demselben  Tage  empfängt  König  Wilhelm  von  Preussen
in  Versailles  eine  Deputation  des  Deutschen  Reichstags.


1876.  Der  deutsche  Reichstag  nimmt  in  dritter  Lesung  die
Justizgesetze  an.
        <pb n="686" />
        —  616  —

19.  Dezember.

1109.  Sidon  wird  von  den  Kreuzfahrern  erobert.

1498.  Andreas  Osiander,  Theolog,  zu  Gunzenhausen  geboren.

Er  war  in  vielem  Streit  mit  den  Lutherischen  verwickelt,  wegen

seinen  abweichenden  Ansichten.  Seit  1522  erster  Prediger  der  evangelischen

  Gemeinde  in  Nürnberg,  musste  er  wegen  seiner  Opposition  gegen

das  Interim  1548  diese  Stadt  verlassen  und  wurde  dann  vom  Herzog

Albrecht  von  Preussen  an  die  Universität  Königsberg  berufen,  wo  cr
am  17.  Oktober  1552  starb.

1741.  Karl  Albert,  Kurfürst  von  Bayern,  welcher  die  pragmatische
Sanktion  Karls  VI.  nicht  anerkannte,  suchte  nach  dem  Tode
des  Kaisers,  mit  Hilfe  der  ihm  verbündeten  Franzosen,  einen
Teil  der  österreichischen  Lande  zu  erwerben,  und  lässt  sich
zu  Prag  als  König  von  Böhmen  krönen.

1787.  Otto  von  Kotzebue,  berühmter  Reisender,  zu  Neval
geboren.

Er  war  ein  Sohn  des  Dichters  August  von  Kotzebue.  Dreimal  umsegelte
  er  die  Erde,  entdeckte  die  Kotzebue-Bucht  an  der  Belhringstrasse
und  verschiedene  Inselgruppen.

1789.  Einführung  des  Papiergeldes,  der  Assıgnaten,  in  Frankreich.

1792.  Kaiser  Franz  ll.  bestätigt  das  Reichsgutachten  der  Stände,
welches  die  sämmtlichen  Reichstruppen  gegenFrankreich
zu  den  Waffen  ruft.

1802.  Freiherr  von  Dalwigk,  grossh.  hessischer  Staatsmann,
zu  Darmstadt  geboren.
Ein  entschiedener  Gegner  Preussens,  wirkte  er  für  österreichische
nnd  mittelstaatliche  Interessen.

1806.  Napoleons  Einzug  in  Warschau.

1810.  Alexander].  von  Russland  erlaubt  die  Einfuhr  englischer
Waren  unter  fremder  Flagge.

1853.  Adolf,  Heinrich  Schletter,  Begründer  der  neuen  Bildergallerie
  in  Leipzig,  stirbt.
1870.  General  Werder  nimmt  Nuits  nach  fünfstündigem  Gefecht.

Die  offizielle  Depesche  meldet  hierüber:

„Dijon,  den  20  Dezember.  Am  19.  sehr  hartnäckiges,  fünfstündiges
siegreiches  Gefecht  der  Badischen  1.  und  2.  Brigade  bei  Nuits.
Feind  hatte  2  Marseh-Legionen  aus  Lyon,  das  32.  und  57.  Marsch-Regiınent,
  Mobilgarden  und  Franktireurs  und  13  Geschütze,  etwa  20  000  Mann
        <pb n="687" />
        —  617  —

unter  General  Cramer  im  Gefechte,  verteidigte  sich  in  starken  Positionen
sehr  energisch  und  zog  sich  nach  Wegnahine  von  Nuits  bei  eintretender
Dunkelheit  südlich  zurück.  Bravour  der  diesseitigen  Truppen  wahrhaft
ausgezeichnet.  —  Diesseitiger  Verlust  leider  bedeutend;  13  Ofliziere  tot,
29  verwundet,  darunter  General  von  Glümer,  Prinz  Wilhelm  von  Baden
leicht,  etwa  700  Mann  tot  und  verwundet.  Der  Feind  verlor  viele  Ofiziere
  und  über  1000  Mann;  16  Offiziere,  700  Unverwundete  gefangen.
Ein  grosses  Gewehr-  und  Munitionsdepot,  4  Lafetten,  3  Munitionswagen,
zahlreiche  Waffen  wurden  erbeutet.  von  Werder.“

Der  König  von  Württemberg  eröffnet  den  Landtag,  im
Eindruck  der  grossen  Siege,  mit  einer  schwungvollen  Thronrcede:

„Die  Waftfengemeinschaft,  in  welcher  Deutschlands  Stämme  verbunden
  sind,  hat  in  der  Nation  auch  den  Drang  nach  politischer  Einigung
angefacht.  Wird  dieses  Ziel,  um  welches  Deutschland  so
lange  gerungen,  jetzt  nicht  erreicht,  so  fehlt  den  weltgeschichtliehenEreignissen
  diesesJahresdiehöchste  Weihe.“

1874.  Graf  Arnim,  Vertreter  des  deutschen  Reiches  in  Paris,  wird
zu  dreimonatlicher  Gefängnisshaft  verurteilt,  weil  er  wichtige
diplomatische  Aktenstücke  aus  dem  Pariser  Gesandtschaftsarchiv
sich  angeeignet  hatte.

 

 

20.  Dezember.

1192.  Richard  Löwenherz,  König  von  England,  wird  bei  seiner
tückkehr  von  dem  Kreuzzug  aus  Palästina  durch  Sturm  an.  die
Küste  von  Dalmatien  verschlagen,  von  seinem  persönlichen  Feinde,
dem  Herzog  Leopold  von  Oesterreich,  gefangen  genommen
und  dann  an  Kaiser  Heinrich  VI.  ausgeliefert,  der  Richard  auf
der  Burg  Trifels  bei  Annweiler  so  lange  fest  hielt,  bis  er  sich
mit  100000  Mark  Silber  löste.

Das  Auffinden  des  Königs  durch  den  ihn  suchenden  Sänger  Blondel
ist  bekannt  und  ist  vielfäch  besungen  und  dramatisiert  worden.

1552.  Katharina,  Luthers  Wittwe,  stirbt  zu  Torgau,  wohin
sie  sich  aus  Wittenberg  vor  der  Pest  geflüchtet  hatte.

Sie  verbrachte  ihre  letzten  Jahre  in  den  allerdrückendsten  Verhältnissen,
  so  dass  sie  gezwungen  war,  Kostgänger  an  den  Tisch  zu  nehmen,

um  leben  zu  können.

1674.  Schlacht  beı  Mühlhausen.

Der  französische  General  Turenne  schlägt  die  Kaiserlichen.
        <pb n="688" />
        —  6185  —

1712.  Der  schwedische  General  Stenbock  siegt  bei  Gadebusch
(Mecklenburg)  über  die  Dänen.

1743.  Maria  Therisia  schliesst  mit  Sachsen  ein  Bündnis
gegen  Friedrich  II.

1757.  Friedrich  II.  von  Preussen  erobert  Breslau,  das  er
vom  10.  Dezember  an  belagert  hatte.

Die  ganze  Besatzung  von  20  000  Oesterreichern  wird  hierbei  kriegsgefangen.


1783.  Allgemeine  Hypotheken-Ordnung.

1814.  Note  Hardenbergsan  Metternich  wegen  Einverleibung
von  ganz  Sachsen  in  Preussen.

1830.  Londoner  Protokoll,  die  Selbständigkeit  Belgiens  betreffend.

1835.  Robert  Lucius,  preussischer  Minister  für  Landwirtschaft,
zu  Erfurt  geboren.

1841.  Londoner  Vertrag  über  die  Abschaffung  des  Sklavenhandels.


1849.  Erzherzog  Johann  von  Oesterreich,  der  als  deutscher
Reichsverweser  überhaupt  eine  höchst  traurige  Rolle  gespielt
hatte,  legt  sein  ohnmächtiges  „allerhöchstes  Amt  (??)  deutscher
Nation  nieder,  ohne  dass  man  sagen  konnte,  andere
bessere  Verhältnissewärendamitgeschaffen  worden.

1859.  Allgemeine  Gewerbefreiheit  in  Oesterreich.

1861.  Preussen  regt  die  Bildung  eines  „engeren  Bundes"
deutscher  Staaten  an,  gegen  welchen  Oesterreich,  Bayern,
Württemberg,  Hannover,  Sachsen,  Hessen-Darmstadt  und  Nassau
in  intendischen  Noten  (2.  Febr.  1862)  protestierten,  und  in  Hannover
  erklärte  sich  sogar  vorher  schon  die  Mehrheit  beider
Kammern  gegen  jede  Bundesreform  „kleindeutscher
Tendenz,”  wie  man  —  dem  „Grossstaat“  Oesterreich  gegenüber
  —  die  Bestrebungen  des  preussenfreundlichen
National-Vereins  bezeichnete.

1870.  Die  Colonnen  des  linken  Flügels  der  deutschen  Truppen  an

der  Loire  setzen  ihren  Marsch  auf  Tours,  die  des  rechten  auf
Le  Mans  fort.  \

Auf  der  Strasse  von  Orleans  bis  Blois  befinden  sich  zu  dieser  Zeit
mehr  als  6000  französische  Verwundete,  welche  von  ihrer  Armee
ohne  jeden  ärztlichen  Beistand  zurückgelassen  worden
waren.

An  demselben  Tag  hat  General  Voigts-Rhetz  etwa  6000
Mobilgarden  mit  Kavallerie  und  Artillerie  von  Monnaie  über
Notredame  d  O6  in  Unordnung  auf  Tours  zurückgeworfen.
        <pb n="689" />
        —  69  —

1870.  General  Glotz  überrascht  die  Franzosen  in  4  Cantonnements
bei  Langres  und  zersprengte  sie  nordwärts.

Sie  hinterliessen  hierbei  Hunderte  von  Gewehren,  Gepäck  und  Ba
gage,  sowie  50  Gefangene.

1880.  Im  Interesse  Griechenlands,  dem  die  Türkei  fortwährend
  die  Stipulationen  des  Berliner  Kongresses  zu  erfüllen
verweigert,  beantragt  der  französische  Minister  Barthelemy
St.  Hilare  in  emem  Rundschreiben  an  die  Grossmächte,
  die  griechische  Frage  einem  Schiedsgericht  der  Grossmächte
  zu  unterbreiten.

1888.  Die  alliierten  Engländer  und  Aegypter  bringen  den
Sudanesen  vor  Suakim  eine  schwere  Niederlage  bei.

Aus  Warschau  werden  1000  Deutsche  und  Oesterreicher
  ausgewiesen.

 

31.  Dezember.

1140.  Schlacht  bei  Weinsberg  in  Schwaben,  in  welcher  Kaiser
Konrad  III.,  den  Grafen  Welf  von  Altdorf,  Oheim  des  minderjährigen
  Heinrich  des  Löwen,  schlägt.

Das  Schlachtgeschrei  der  letzteren  war:  „Hie  Welf!“,  das  der
Kaiserlichen:  „Hie  Waiblingen!“  (so  hiess  eine  Burg  der  Hohenstaufen
  an  der  Rems  bei  Stuttgart).  Diese  beide  Losungen  erschollen
seit  jenem  Tage  Jahrhunderte  hindurch  zum  grimmigen  Parteikampfe  in

Deutschland  und  Italien.
Der  Sage  von  der  Weibertreu  sei  hier  Erwährung  gethan.

1375.  Giovanni  Boccaccio  (Johann  von  Certaldo),  itali.  Dichter
und  Humanist,  stirbt  zu  Certaldo.
1530.  Versammlung  der  Kurfürsten  zu  Köln,  welche  sich

auf  Wunsch  des  Kaisers  Karl  V.  dort  versammelt  hatten,  um
dessen  Bruder  Ferdinand,  den  König  von  Böhmen  und  Ungarn,

zum  deutchen  König  zu  wählen.
Die  Wahl  erfolgte  in  der  That  am  9.  Januar  1531.

1748.  Der  Lieder  und  Balladendicher  Ludwig  Heinrich  Hölty
in  Mariensee  bei  Hannover  geboren.
        <pb n="690" />
        —  680  7°  —

1755.  Alois  Blumauer,  Dichter  und  Schrifsteller,  geboren.

Berühmt  dureh  sein  oft  cynische,  aber  durch  ihre  schalkhaften  Anspielungen
  auf  kirchliche  und  politische  Verhältnisse  spannende  Travestie
Virgils  Aeneis  (Abenteuer  des  froınmen  heiligen  Aeneas).  Er  starb  am
16.  März  1798.

1795.  Der  grosse  Geschichtsschreiber  Leopold  von  Ranke  zu
Wiehe  unweit  der  Unstrut  geboren.

1805.  DieFriedensunterhandlungeninPressburg  werden
eröffnet.

Der  Friedensschluss  selbst  wird  am  26.  Dezember  dort  unterzeichnet.
Kaiser  Franz  II.  und  Napoleon  I.  sehliessen  Frieden;  der  letztere  sinnt
bereits  schon,  nunmehr  Preussen  zu  demütigen.

1813.  Eine  Heeresabteilung  der  Verbündeten  (20  000  Mann
stark)  überschreiten  unter  Fürst  Schwarzenberg  den  Ithein  zwischen
Schaffhausen  und  Basel.

An  demselben  Tage  Daniel  Schenkel,  einer  der  vielgenanntesten
  Theologen  seiner  Zeit,  zu  Dägerlen  im  Kanton
Zürich  geboren.

1818.  Amalie,  Königin  von  Griechenland,  geboren.

Sie  war  eine  Tochter  des  Grossherzogs  von  Oldenburg,  vermählt
mit  Otto  I.  von  Griechenland,  teilte  sie  dessen  Schicksal  und  kehrte
später  mit  ihm  nach  Deutschland  zurück.

1834.  AdolfRitter  von  Sonnenthal,  vorzüglicher  Schauspieler,
„  zu  Pest  geboren.

1847.  Abd-el-Kader,  der  Kabylenfürst,  ergiebt  sich  den  Franzosen
unter  Lamoriciere.

1850.  Oesterreichische  und  bayerische  Bundestruppen  ziehen
in  Kassel  ein.

1864.  Ludwig  Joseph  Anton,  Erzherzog  von  Oesterreich,  stirbt.

Er  war  Generalinspektor  der  Artillerie  und  Vorsitzender  der  geheimen
  Staatskonferenz.

1865.  Breve  des  Papstes  Pius  IX.  über  die  Ernennung  des  Bischofs
Melchers  von  Osnabrück  zum  Erzbischof  von  Köln.

1867.  Erlass  der  österreichischen  sechs  Staatsgrundgesetze.


1869.  Wilhelm  Wackernagel,  Dichter  und  Germanist,  stirbt
zu  Basel.

Er  war  am  23.  April  1806  zu  Berlin  geboren  und  wurde  1833  Professor
  der  deutschen  Sprache  und  Litteratur  am  Pädagogium  zu  Basel.

1870.  G  rösserer  Ausfallaus  Paris,  welcher  von  den  Deutschen
siegreich  bei  Le  Bourget  zurückgewiesen  wird.

Die  ofliziellen  Depeschen  melden  hierüber:
„Versailles,  den  21.  Dezember.  Nachdem  die  Forts  in  der  Nacht
vom  20.  zum  21  wiederum  ein  heftiges  Feuer  unterhalten  hatten,  gingen
        <pb n="691" />
        —  681  —

am  Vormittag  des  21.  etwa  3  Divisionen  der  Besatzung  von  Paris  zum
Angriffe  gegen  die  Fronten  des  Garde-Corps  und  des  12,  Arınoe-Corps
vor.  Der  Angriff  wurde  nach  mehrstündigem,  hauptsächlich  von  der
Artillerie  geführten  Gefechte  in  unserer  Vorpostenstellung  zurückgewiesen.
Unsere  Verluste  nicht  bedeutend.“

„Der  Königin  Augusta  in  Berlin:

Versailles,  den  22.  Dezember.  Warscheinlich  in  falscher  Annahme
dass  eine  französische  Nordarmee  nahe  sei,  gestern  grösserer  Ausfall
gegen  Stains,  was  vom  zweiten  und  Füsilier-Bataillon  ersten  Garde-Regiments
  wieder  genommen  wurde;  gegen  Le  Bourget,  das  von  2  Bataillonen
  Elisabeth  und  1  Bataillon  Augusta  wieder  genommen  ward.

Bedeutender  Artilleriekampf,  viele  Hundert  Gefangene,  geringer  Verlust
diesseits.

Vorstoss  gegen  die  Sachsen  von  Bobigny  auf  Sevran,  von  Rosny
auf  Neuilly  an  der  Marne  gegen  Chelles.  überall  zurückgeworfen.  Heute
Erwartung  eines  neuen  Angriffs  daselbst.  Heiterer  Frosttag,  Nachts
&amp;gt;  Grad  Kälte.  Wilhelm.“

An  demselben  Tage  rückte  die  19.  Division  der  Deutschen
bis  zur  Brücke  von  Tours  vor,  fand  Widerstand  durch  die  Bevölkerung,
  weshalb  sie  30  Granaten  in  die  Stadt  warf.  Diese
zog  darauf  die  weisse  Fahne  auf  und  bat  um  preussische  Besatzung.
Die  Division  begnügte  sich  jedoch,  ihrer  Instruktion  gemäss  mit
Zerstörung  der  Eisenbahn  und  bezog  die  ihr  angewiesenen  Cantonnements.


1872.  Kaiser  Wilhelm  I].  entbindet  den  Fürsten  Bismarck
vom  Präsidium  im  preussischen  Ministerium.

1880.  Die  erste  Post  fährt  durch  den  $St.  Gotthard-Tunnel.

1888.  Aus  Afrika  wird  gerüchtweise  gemeldet,  dass  Emın  Bey
und  Henry  Stanley  im  Kongostaate  eingetroffen  seien.

DerCzarernennteinenBotschafterbeim  Vatıkan.
        <pb n="692" />
        —  682  —

22.  Dezember.

1216.  Papst  Honorius  III.  bestätigt  den  Mönchsorden  der  Dominikaner.


1481.  Stanzer  Vertrag  zwischen  den  Eidgenossen.

Freiburg  und  Soloturn  treten  in  den  Schweizerbund.

1530,  Vorberatungen  des  Kurfürsten  Johann  des  Beständigen
von  Sachsen,  des  Landgrafen  Philipp  von  Hessen  und  andren
protestantischen  Fürsten  zu  Schmalkalden,  behufs  Gründung
eines  Schutz-  und  Trutzbündnisses  gegen  die  Angriffe  Karls  V.
auf  ihren  Glauben  und  ihre  politische  Selbständigkeit.

1548.  Verkündigung  des  Leipziger  Interims  für  das  Kurfürstentum
  Sachsen,  welches  die  katholischen  Gebräuche  und  Üeremonien
  des  Friedens  halber  als  Adiaphora  hinstellte,  nur  Hass
bei  Geistlichen  und  Laien  erregte  und  Melanchthon  persönlich
masslose  Angriffe  von  dem  strengen  Anhänger  Luthers,  dem
Professor  Flacius  in  Leipzig  zuzog.

Dieses  sogenannte  Leipziger  Interim,  dem  Augsburger  nachgebildet,
  verriet  so  viel  Schwäche  und  eine  solche  Niederlage  des
lutherischen  Geistes,  dass  der  kraftvolle  Flacius  in  Leipzig  die  Schande
nicht  mehr  aushalten  konnte  und  sich  nach  Magdeburg  flüchtete,

dessen  kühne  Bürger  in  ganz  Deutschland  allein  noch  dem  Papst  und
Kaiser  trotzten  und  ihre  Mauern  zum  Asyl  der  Freiheit  machten.

1674.  Die  Schweden  durch  König  Ludwig  XVI.  von  Frankreich
zu  einem  Feldzug  gegen  Kur-Brandenburg  gewonnen  und
durch  Geld  hierin  unterstützt,  fallen  ohne  vorhergegangene  Kriegserklärung
  in  die  Uckermark  ein,  aus  welcher  sie  erst  nach
der  für  sie  verhängnisvollen  Schlacnt  bei  Fehrbellin  vertrieben
wurden.

1711.  Kaiser  Karl  VI.  wird  gekrönt.

1793.  Beginn  der  viertägigen  Schlacht  um  die  Weissenburger
  Linie.

Der  französische  General  Hoche,  griff  hier  mit  seiner  eigenen  und
mit  der  Armee  Pichegrus,  die  nunmehr  vereinigt  und  unter  ein  Kommando,
  jenes  von  Hoche,  gestellt  waren,  sohin  mit  der  gesammten  französischen
  Macht,  sowohl  die  VQesterreicher  als  die  Preussen  an  und
        <pb n="693" />
        '-  6893  °  —

zwang  Wurmser  schliesslich  die  Weissenhurger  Linie  zu  verlassen  und
gegen  Mannheim  sich  zurückzuziehen,  während  die  Preussen  sich  in  der
Richtung  auf  Worms  zurückzogen.

1819.  Franz  Abt,  ein  beliebter  Lieder-Komponist,  zu  Eilenburg
geboren.

1840.  Isidor  Lotto,  Violinvirtuos  zu  Warschau  geboren.

Zu  Paris  bildete  er  sich  aus,  dann  zog  er  nach  Weimar,  wurde
später  Professor  am  Konservatorium  zu  Strassburg.

1845.  Schlacht  am  Sudledsch  in  ÖOstindien,  an  welcher  Prinz
Waldemar  von  Preussen  Teil  nimmt,  und  dessen  Leibarzt
Dr.  Hoffmeister  fällt.

1870.  Die  pariser  Besatzung  macht  einen  Ausfall  in  der  Richtung
  nach  Le  Bourget.

Zwei  Brigaden  der  Pariser  Garnison  gehen  längs  der  Marne
gegen  den  linken  Flügel  der  Position  des  Sächsischen  Armee-Corps
vor,  werden  aber  durch  flankierte  Feuer  zweier  Württembergischer
Batterien  zum  eiligen  Rückzug  veranlasst.

Die  Regierung  zu  Paris  ermächtigt  die  Bank  von
Frankreich  zur  ausserordentlichen  Ausgabe  von  Banknoten
im  Betrage  von  2!/;  Milliarden.

1873.  Der  altkatholische  Bischof  Reinkens  wird  als  solcher
in  Hessen-Darmstadt  anerkannt.
        <pb n="694" />
        —  64  —

93.  Dezember

918.  Konrad  I.,  deutscher  König,  stirbt.

Er  wurde  nach  dem  Tode  Ludvwie  des  Kindes  von  den  Grroössen
und  freien  Männern  der  Franken  nnd  Sachsen  zu  Forchheim  am  8.  November
  911  zum  deutschen  König  gewählt  und  war  bemüht  init  starker
Hand  das  königliche  Ansehen  bei  den  selbständig  aufstrebenden  deutschen
  Stämmen  Iıerzustellen.

1588.  Heinrich  I.  von  Lothringen,  Herzog  von  Gulse,
wird  auf  Anstiften  des  Königs  von  Frankreich  nach  dessen
Thron  er  strebte,  ermordet.

1597.  Martin  Opitz,  die  grösste  poetische  Berühmtheit  des  siebenzehnten
  Jahrhunderts,  zu  Bunzlau  anı  Bober  in  Schlesien  geboren.


1619.  Johann  Sigismund,  Kürfürst  von  Brandenburg,  stirbt.

Er  hatte  seinem  Vater  eidlich  gelobt,  bei  lutherischen  Kirche
zu  bleiben,  trat  aber  trotzdem  später  der  reformierten  Kirche  bei,
„weil  in  Gottes  Sachen  kein  Revers  gelte.“

1631.  Die  wichtige  Stadt  Mainz  ergiebt  sich  dein  schwedischen
König  Gustav  Adolf.

Die  letzten  Tage  des  Jahres  wurden  von  ihm  mit  Umsicht  und
Energie  benützt,  um  seinen  Waffen  durch  einen  mächtirren  Stützpunkt
am  Rhein  und  in  Franken  bleibend  das  Uebergewicht  zu  sichern.

1654.  Eine  französische  Heeres-Abteilung  überrumpelt  und  vertreibt
die  kaiserliche  Besatzung  in  lleidelberg.
Von  jetzt  an  nehmen  die  Franzosen  auch  durch  Watfenmacht  den
lebhaftesten  Anteil  am  dreissigjährigen  Bürgerkrieg.
1715.  Eroberung  Stralsunds  durch  den  sächsischen  General
Wackerbarth.

1750.  Friedrich  August  I.,  „der  Gerechte,*  König  vun  Sachsen,
geboren.

1774.  Friedrich  Ludwig  Freiherr  von  Vincke,  der  grosse
Oberpräsident  von  Westfalen,  zu  Minden  geboren.

1809.  König  F  riedrich  Wilhelm  III.  und  seine  Gemahlin,  die
unvergleichliche  Königin  Luise,  ziehen  nachdem  sie  3  Jahre
von  Berlin  entfernt  gewesen,  in  die  jubelnde  Haupstadt  ein.

Aber  schon  sieben  Monate  später  —  am  19.  Juli  1810  —  brach
das  edle  Herz  der  schönen,  vielbewunderten  Königin  Luise  im  Tode.
        <pb n="695" />
        —  685  °  —
1810.  Feicrliche  Ueberführung  der  Leiche  der  Königin  Luise
vom  Dom  zu  Berlin  nach  Charlottenburg.

1813.  Rückkehr  des  Herzogs  Friedrich  Wilhelm  nach  Braunschweig.


1520.  Georg  Herbert  Reichsgraf  zu  Münster,  deutscher
Staatsmann,  zu  London  geboren.

1322.  Stiftung  des  böhmischen  National-Museums.

1527.  Wilhelm  von  Tegetthoff,  österreichischer  Deeheld,  zu
Marburg  in  Steiermark  geboren.

Er  besiegte  die  italienische  Flotte  am  20  Juli  1866  bei  Lissa
und  starb  am  7.  April  1571  zu  Wien.

1832.  Die  Citadelle  von  Antwerpen,  in  welche  sich  der
Gouverneur  Chasse  zurückgezogen  hatte,  als  die  Belgier  sich  gegen
die  Regierung  cmpörten,  kapituliert,  nachdem  er  sich  fast  drei
Wochen  lang  gegen  die  Franzosen  heldenmütig  verteidigt
hatte.

1850.  Eröffnung  der  Ministerialkonferenzen  im  Brühlschen
Palais  zu  Dresden  durch  den  Fürsten  Schwarzenberg,  welche,
trotzdem  sie  bis  zum  15.  Mai  1851  währten,  vollständig  resultatlos
  blieben.

Unter  den  vielen  gemachten  Vorschlägen  sei  hervorgehoben,  dass
Oesterreich  und  Preussen  ein  Direktorium  mit  der  unumschränkten
Entscheidung  über  Krieg  und  Frieden  bilden  wollten;  Oesterreich  wollte
mit  seinen  siörmtlichen  Ländern  in  den  deutschen  Bund  eintreten;
Bayern  wollte  zu  dein  Direktorium  gehören  und  Württemberg  beantragte
sogar  ein  deutsches  Parlament.

1858.  Die  Bundesversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  beschliesst  in  der
schleswig-holsteinischen  Sache  das  Exekutionsverfahren.



1859.  Kaiserlich  österreichisches  Patent  betr.  die  Regelung
und  Tilgung  der  Staatsschulden.

1863.  Zwölftausend  Sachsen  und  Hanoveraner  besetzen  auf
Grund  des  Bundestagsbeschlusses  vom  7.  Dezbr.,  Holstein,
welches  die  Dänen,  da  ihnen  das  Ausland  hier  keineswegs  half,

ohne  Widerstand  räumten.

Die  Bundeskommissare  von  Könneritz  und  Nieper  übernehmen
die  Regierung  der  Herzogtümer  Schleswig-Holstein  und
erlassen  eine  Proklamation,  in  der  sie  „Die  Wahrung  der
Landesrechte“  als  ihre  Aufgabe  bezeichnen.

1865.  Münzkonvention  zwischen  Frankreich,  Belgien,  Italien,
der  Schweiz  und  Griechenland.
        <pb n="696" />
        —  686  —

1870.  Siegreiche  Schlacht  gegen  60000  Franzosen  an  der

l’Hallue  bei  Amiens.

Eine  offizielle  Depesche  meldet  hierüber:
„Amiens,  den  24.  Dezember.  Gestern  siegreiche  Schlacht  der  ersten

Armee  an  der  1l’Hallue,  1";  Meile  nordöstlich  von  Amiens,  gegen  die
60000  Mann  starke  feindliche  Nord-  Armee.  Dieselbe  wurde  nach  Erstürmung
  mehrerer  Dörfer  mit  sehr  bedeutenden  Verlusten  über  den
Abschnitt  der  l’Hallue  zurückgeworfen.  Bis  jetzt  1000  unverwundete
Gefangene  eingebracht.  von  Sperling.“

General  Manteuffel  zwingt  die  Franzosen  zum  hückzug
nach  Douai.

1872.  Allokution  des  Papstes  Pius  IX.  in  welcher  er  von  den
grausamen  Kirchenverfolgungen  im  deutschen  Reiche  und
von  der  „Anmassung  und  Unverschämtheit”  der  Reichsregierung
  spricht.

Der  deutsche  Geschäftsträger  bei  der  Kurie,
Legationssekretär  Stumm,  verlässt  Rom.

1876.  Schluss  des  deutschen  Reichstages  nach  Annahme  der  drei
grossen  Justizgesetze.

1880.  Vanutelli  überreicht  als  päpstlicher  Nuntius  in  Wien  sein
Beglaubigungsschreiben.

1888.  Angeblich  offizielle  Meldungen  bestätigen  die  Ankunft  Emin’'s
und  Stanley’s  am  Aruwimi-Flusse.

Die  italienische  Deputiertenkammer  bewilligt  145  Millionen
Lire  für  Landesverteidigungs-Zwecke.

Ueber  die  Vorgänge  auf  Samoa  treffen  interessante  Meldungen
  ein.
        <pb n="697" />
        —  687°  —

14.  Dezember.

1294.  Bonifacius  VIll.  (Benedikt  von  Cajeta),  bekannt  durch
seine  berüchtigte  Bulle  „Unam  Sanctam®  vom  18.  November
1502  und  durch  seinen  Streit  mit  König  Philipp  IV.  von  Frankreich,
  wird  Papst.

_  In  seiner  Bulle  Unam  sanctam  suchte  er  die  gregorianischen  Grundsätze
  von  der  päpstlichen  Universalmonarchie  wieder  geltend  zu  machen.
Die  deutscheKrone  erklärte  er  fürein  päpstlichesLehen.
Philipp  IV.  von  Frankreich  liess  ihn  aber,  als  er  den  Bann  über  ihn
und  das  Interdikt  über  Frankreich  verhängte,  zu  Anagni  gefangen

nehmen  (am  7.  September  1303).  Vom  Volk  zu  Anagni  wieder  befreit,
floh  Bonifacius  nach  Rom,  wo  er  am  11.  Oktober  1303  starb.

Er  veranstaltete  das  erste  römische  Jubeljahr  1300  mit  vollkommenem
Ablass  für  das  ganze  Leben,  für  alle  Besucher  Roms.

1475.  Thomas  Murner,  Satiriker,  zu  Oberehnheim  im  Elsass

geboren.

Er  war  Franziskanermönch,  schloss  sich  anfangs  der  lutherischen
Richtung  an,  wurde  aber  später  ihr  entschiedenster  Gegner,  was  bei
seinem  höchst  unstäten  Charakter  nicht  weiter  auffällt,  wurde,  wie  Ulrich
von  Hutten  1506  von  Kaiser  Maximilian  I.  zum  Dichter  gekrönt  und

starb  1536  zu  Heidelberg.
1522.  Die  Johanniter  unter  ihrem  Grossmeister  de  l’Isle  Adam
müssen  Rhodus  an  den  Sultan  Soliman  II.  übergeben.

1524.  Vasco  da  Gama,  portugiesischer  Entdecker,  stirbt.

1541.  Andreas  Rudolf  Bodenstein  oder  Karlstadt,  Reformator,
  stirbt  als  Professor  in  Basel  an  der  Pest.
Während  Luther  sich  auf  der  Wartburg  befand,  war  Bodenstein

der  Mittelpunkt  aller  reformatorischen  Bestrebungen  in  Wittenberg  und
bald  schritt  er  hier  zu  ungestümen  Neuerungen,  denen  nur  durch  Luthers

Rückkehr  Einhalt  gethan  wurde.

1793.  Vermählung  des  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  (späteren
Königs  von  Preussen)  mit  der  Prinzessin  Luise  von  Mecklenburg-Strelitz.



1794.  Die  Rheinschanze,  wo  später  das  heutige  Ludwigshafen
entstand,  wird  durch  Kapitulation  den  Franzosen  übergeben.

Sie  war  zur  Zeit  nebst  Mainz  noch  der  einzige  feste  Platz  des
linken  Rheinufers,  welcher  in  Besitz  der  Deutschen  war.
        <pb n="698" />
        —  688  —

1797.  KarlGeorg  von  Wächter,  einer  der  grössten  Rechtslehrer
des  Jahrhunderts,  zu  Marbach  in  Schwaben  geboren.

Er  gehörte  dem  Frankfurter  Vorparlamente  an  und  starb  am
15.  Januar  1880.

1814.  Friede  zu  Gent  zwischen  England  und  Nordamerika.
Abschaffung  des  Sklavenhandels.
1815.  Kaiser  Alexander.  giebt  den  Polen  eine  Konstitution.

1832.  Antwerpen,  das  von  den  Franzosen  erobert  war,  wird
von  den  Belgiern  besetzt.

1857.  Die  englische  Flotte  unter  Admiral  Seymor  und  die
französische  unter  Rigauld  de  Genouilly  bombardieren  Kanton,
welches  sich,  stark  mitgenommen,  am  5.  Januar  des  folgenden
Jahres  ergab.

1866.  Gesetz,  betreffend  die  Vereinigung  bisher  bayerischer
und  grossherzoglich  hessischer  Gebietsteile  mit  Preussen.

Schleswig-Holstein  wird  durch  Gesetz  mit  Preussen
vereinigt.

1867.  Oesterreich-ungarischer  Ausgleich,  durch  welchen
die  finanziellen  Verhältnisse  beider  Reichsteile  geregelt  werden.
28.  Juni  1878  auf  10  Jahre  erneuert.

1870.  Die  bei  Amiens  geschlagenen  Franzosen  versuchen  zur
Deckurg  ihres  Rückzuges  verschiedene  Offensivstösse  gegen
General  von  Manteuffel,  werden  aber  zurückgeworfen.

1875.  Einweihung  der  ersten  evangelischen  Kirche  in  Rom.

1878.  Papst  Leo’s  XIII.  Schreiben  an  den  (staatlicherseits  entsetzten)
  Erzbischof  Melchers  von  Köln  über  die  Herstellung
des  kirchlichen  Friedens.

1887.  Ist  das  erste  deutsche  Haus  für  die  Missionsanstalt
in  dar-es-Salaam  in  Ostafrika  abgegangen.

Es  enthält  7  Wohnräume,  ist  20  Meter  lang,  10  Meter  tief,  rundum

von  einer  Veranda  umgeben.  Die  Erbauer  sind  Katz  und  Klumpp  in

Gernsbach  (Baden).  Das  Holz  sorgfältig  imprägniert  um  den  schädlichen
Einflüssen  der  Iusekten  Widerstand  leisten  zu  können.

1888.  Der  Papst  Leo  Xlll.  bringt  aufs  Neue  und  in  unrersöhnlicher
  Weise  seine  Ansprüche  auf  die  weltliche  Herrschaft
  zum  Ausdruck.

Kardinal  Lavigerie  empfiehlt  eine  italienische  Okkupation
  von  Tunis  als  Mittel  zur  Beseitivung  der  Eifersüchteleien
zwischen  Italien  und  Frankreich.
        <pb n="699" />
        —_  689  —

25.  Dezember.

496.  Der  Frankenkönig  Chlodwi  g  bekennt  sich  zum  Christentum
und  wird  in  der  Marienkirche  zu  Rheims  getauft.
Mit  ihm  lassen  sich  gleichzeitig  3000  Franken  taufen.

800.  Papst  Leo  III.  setzt  Karldem  Grossen  die  Kaiserkrone
auf  sHaupt,  —  ein  für  die  deutsche  Nation  bedeutungsvolles
Ereignis.  |

Karl  der  Grosse  war  damals  in  Rom  und  besuchte  am  ersten  Weihnachtstage
  den  Gottesdienst  in  der  Peterskirche.  Er  kniete  im  Betstuhle,
„versunken  in  Andacht  und  in  Gedanken  an  die  Herrlichkeit  des  nächsten
  Augenblicks.“  Und  wie  er  sich  wieder  erhob,  siehe,  da  schritt  vom
Altare  der  Papst,  die  Kaiserkrone  in  den  Händen  tragend,  auf  ihn  zu,
salbte  ihn  und  setzte  ihm  die  Krone  aufs  Haupt.

875.  Kaiserkrönung  Karls  des  Kahlen  durch  Papst  Johann  VIII.

Karl  der  Kahle  hatte  dies  durch  wichtige  Zugeständnisse  an  die
Kirche  und  einen  Meineid,  den  er  dem  eignen  Neffen  schwur,  unberechtigter

  Weise  erlangt.

1194.  Kaiser  Heinrich  VI.  wird  zu  Palermo  zum  König  von
Neapel  und  Sicilien  gekrönt.

Das  dem  englischen  König  Richard  Löwenherz  durch  seine  Gefangennahme
  und  Auslösung  abgepresste  Geld  diente  dem  entarteten
Hohenstaufen  dazu,  eine  furchtbare  Heeresmacht  auszurüsten  und  sich  in
wenigen  Monaten  zum  Herrn  von  Sicilien  zu  machen,  wo  er  haarstreubende
  Grausamkeiten  verübte.

1601.  Ernst  I,  der  Fromme,  Herzog  von  Sachsen-Gotha  und  Altenburg,
  1640—74,  auf  Schloss  Altenburg  geboren.

1613.  Kurfürst  Johann  Sigismund  von  Brandenburg  bekennt
sich  zur  reformierten  Kirche.

1641.  Abschluss  der  Friedenspräliminarien  zu  Hamburg,
worin  die  Städte  Osnabrück  und  Münster  von  Neuem  zu
dem  Sitz  des  Friedens-Congresses  bestimmt,  und  beide
deshalb  für  neutral  erklärt  werden.

1642.  Sir  Isaac  Newton,  Mathematiker,  Physiker  und  Astronom,
zu  Woolsthorpe  in  der  Grafschaft  Lincoln  geboren.

Er  ist  der  Entdecker  eines  allgemeinen  Prinzips  der  Methode  der
Fluzxionen,  des  Gravitationsgesetzes,  der  Zerlegung  des  Sonnenlichts  in
die  verschiedenfarbigen  Strahlen  durch  das  Prisma,  auch  verbesserte  er  die
Spiegelteleskope.  Er  starb  am  20.  März  1727  zu  Kecisington.

44
        <pb n="700" />
        —  690  —

1705.  Blutbad  bei  Sendling.

Missglücken  des  Oberbayrischen  Aufstandes  um  die  in  München
von  den  ÖOesterreichern  festgehaltenen  kurfürstlichen  Prinzen  zu  befreien.

1745.  Friedensschluss  von  Dresden,  welcher  zwischen  Oesterreich
  und  Sachsen  einerseits,  und  Preussen  andrerseits  abgeschlossen
  wird.

Oesterreich  verbürgt  darin  dem  Könige  Friedrich  1I.  von  Preussen
den  ruhigen  Besitz  von  Schlesien,  wogegen  dieser  den  Kaiser  Franz  1.
in  dieser  Würde  anerkennt.  Sachsen  musste  eine  Million  Thaler  an

Preussen  zahlen  und  seine  Landessöhne  mussten  unter  preussischer
Fahne  dienen.

Ende  des  zweiten  schlesischen  Kriegs.

1800.  Waffenstillstand  zu  Steyr  zwischen  dem  Erzherzog
Karl  und  Moreau.

Durch  ihn  übernahm  der  Kaiser  von  Oesterreich  die  Verpflichtung,
den  Frieden  mit  Frankreich  sofort  ohne  Beiziehung  Englands  zu
unterhandeln.  Zugleich  musste  er  den  Franzosen  Würzburg  mit  der
Citadelle,  dann  Braunau,  Kufstein,  Scharnitz  und  alle  Pässe  Tyrols  überliefern.
  —  Die  eigentlichen  Friedens-Unterhandlungen  wurden  sodann

am  1.  Januar  1801  zu  Lüneville  eröfinet;  der  Friede  selbst  aın
9.  Februar  d.  J.  geschlossen.

Der  französische  General  Brune  schlägt  die  Oesterreicher
unter  Bellegarde  am  Mincio.

1811.  Wilhelm  Emanuel  Freiherr  von  Ketteler,  Bischof
von  Mainz,  zu  Münster  geboren.

1847.  Abd-el-Kader,  ergiebt  sich  am  Engpass  von  Kerbens  mit
dem  Reste  seines  Heeres,  woraufihn  dieFranzosen,  entgegen
ihrem  Versprechen,  gefangen  nach  Frankreich  brachten.

1853.  Joseph  Maria  von  Radowitz,  preussischer  General  und
Staatsmann,  stirbt.

Er  war  in  der  Frankfurter  National-Versammlung  Führer  der  äussersten
  Rechte,  wirkte  später  zum  Dreikönigsbündnis  wesentlich  mit,  trat
iin  Herbst  1849  an  die  Spitze  der  provisorischen  Bundesverwaltung,  verfocht
  die  preussische  Union  vor  den  Kammern,  wie  vor  dem  Erfurter
Parlament,  war  wenige  Wochen  (vom  27.  September  bis  2.  November  1850)
Minister  des  Aeusseren  und  gegen  die  Olmützer  Konvention.  |

1870.  General  von  Manteuffel  erreicht  in  der  Verfolgung  der

französischen  Nordarmee  Albert,  wobei  Gefangene  eingebracht
  werden.

1875.  Eröffnung  einer  italienischen  evangelischen  Kirche
in  Rom.

1877.  Wegnahme  des  türkischen  Packetbootes  „Messina“  durch  den
russischen  Dampfer  „Itossija.“
        <pb n="701" />
        s

=  691  —

1880.  Der  schweizerische  Bundespräsident  Anderwert  erschiesst
sich  in  Bern  aus  nervöser  Gereiztheit  über  die  Verleumdungen
der  Presse.  Das  Ende  des  hochverdienten  Mannes  erregt  in  wie
ausser  der  Schweiz  allgemeine  Teilnahme.

18584.  Grosses  Erdbeben  in  Spanien  ‚  welches  grosse  Verheerungen
  anrichteie.

1887.  Otto  Volkmar,  einer  der  ersten  Buchhändler  in  Leipzig,
stirbt  plötzlich  an  einem  Schlage.

 

26.  Dezember.

36.  Stephanus,  Heiliger,  einer  der  7  ersten  Diakonen  der
Christengemeinde  in  Jerusalem,  von  den  Juden  gesteinigt.

1194.  Kaiser  Friedrich  II.  (von  Hohenstaufen)  zu  Jesi  in  der

Mark  Ancona  geboren.

Er  war  der  Sohn  Kaiser  Heinrichs  VI.  und  Konstantias  von  Sicilien
und  ein  Enkel  Friedrichs  I.  (Rothbarts).  —  Noch  nicht  3  Jahre  alt  (1196)
wurde  Friedrich  II.  Römischer  König,  folgte  jedoch  seinem  1197  verstorbenen
  Vater  wohl  in  Sicilien,  aber  nicht  im  deutschen  Reiche,  da
sein  väterlicher  Oheim,  Philipp  von  Schwaben,  und  nach  dessen  Ermordung
  durch  Otto  von  Wittelsbach,  Otto  IV.  von  Braunschweig  die  deutsche
Königskrone  erhielt.  Im  Jahr  1212  kam  Friedrich  nach  Deutschland
  und  ward  (als  Gegenkaiser)  in  Mainz  am  9.  Dezember  1212  gekrönt.
Nach  Otto’s  Tod  (1218)  ward  er  erst  Alleinherrscher  im  deutschen  Reich.

1677.  Der  grosse  Kurfürst  erobert  Stettin,  das  seit  Ende  August

belagert  war.

1741.  Die  österreichische  Besatzung  von  Olmütz  kapituliert  mit
den  Preussen  unter  Schwerin.

1769.  Ernst  Moritz  Arndt,  einer  der  bedeutendsten  patriotischen
Dichter  deutscher  Nation,  auf  dem  Landgute  Schoritz  auf  der

Insel  Rügen  geboren.

Arndt’s  Gedichte  sind  grösstenteils  eigentliche  Lieder,  die  „älteren“
derselben  besingen  vorzugsweise  die  Freuden  der  Jugend,  das  Glück  der
Freundschaft  und  Liebe.  Die  „späteren“  Gedichte  sind  vorherrschend
patriotischer  und  religiöser  Art;  es  offenbart  sich  in  denselben  glühende
Vaterlandsliebe,  Schmerz  und  Klage  über  Deutschlands  Unterjochung,
Hass,  mitunter  grimmiger,  gegen  die  Unterdrücker,  namentlich  gegen
Napoleon  und  feuriger  Trieb  zum  Befreiungskampfe.  Die  religiösen
Lieder  gehören  zu  den  besten,  welche  deutsche  Foesie  hervorgebracht
hat  und  müssen  auf  jedes  wahrhaft  christliche  Gemüt  segenreich  ein
        <pb n="702" />
        —  692  —

wirken.  Auch  von  seinen  erzählenden  Dichtungen  verdienen  einige
beachtet  zu  werden.

1848  in  die  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  gewäblt,  war
er  Mitglied  der  Deputation,  welche  Friedrich  Wilhelm  IV.  die  Kaiserkrone
  anbot.  Am  30.  Mai  1849  schied  er  aus  dem  Parlamente  aus.

1792.  Karl  Töpfer,  dramatischer  Dichter,  zu  Berlin  geboren.
Er  starb  am  22.  August  1871  zu  Hamburg.

1793.  Pichegru  schlägt  die  Oesterreicher  und  Preussen  bei
Weissenburg

1797.  Johann  Gustav  Heckscher,  Jurist,  Abgeordneter  und
Diplomat,  zu  Hamburg  geboren.

Er  war  ein  Mann  von  grosser  Geistesschärfe  uud  mächtiger  Beredsamkeit;
  1848  Mitglied  der  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.,
gehörte  er  zur  gemässigten  Linken;  war  Mitglied  der  Deputation,  die
den  zum  Reichsverweser  erwählten  Erzherzog  Johann  aus  Wien  abbolte,
der  ihn  sofort  zum  Reichsjustizminister  ernannte.  Die  Verteidigung  des
von  der  preussischen  Regierung  mit  Dänemark  abgeschlossenen  Waffenstillstandes
  von  Malmö  vor  der  Nationalversammlung,  als  nunmehrigen
Reichsminister  der  auswärtigen  Angelegenheiten,  kosteten  ihn  seine  Fopularität
  und  brachten  ihn  beinahe  zum  Opfer  der  Volkswut  am  1%.
September  1848.  Er  starb  in  der  Nacht  vom  6.  zum  7.  April  1865  zu
Wien.  Er  war,  wie  ihn  ein  Zeitgenosse  schildert:  „ein  blasser  italienisch
aussehender  Krauskopf  mit  trockener  Bassstimme  und  einem  in  sich  so
begründeten  eigensinnig  logischen  Wesen,  dass  seine  Worte  nach  rechts
und  links  hin  jeden  Einwand  hart  und  kurz  abzuweisen  schienen.“

1805.  Friede  zu  Pressburg.

Derselbe  wurde  zwischen  Oesterreich  und  Frankrcich  abgeschlossen
  und  von  ersteren  mit  ungeheuren  Verlusten  erkauft.  \onnun
an  ging  Napoleon  I.  rasch  seinem  Hauptziele  entgegen,  nämlich  der
Vernichtung  der  deutschen  Nationalität.  —  Um  seine  Verbündeten,
  die  Kurfürsten  Karl  Friedrich  von  Baden,  Friedrich  von
Württemberg  und  Maximilian  Joseph  von  Bayern,  in  ihrer  Treue
zu  ihm  zu  bestärken  und  sie  durch  Dankbarkeit  zu  verpflichten,  gab
ihnen  jetzt  Napoleon  den  besten  Teil  der  Siegesbeute.

Bayern  wurde  zu  einem  Königreich,  erhielt  von  Preussen  Ansbach
  und  Bayreuth,  von  Oesterreich  ganz  Tyrol,  Voralberg,  die
Markgrafschaft  Burgau,  die  Bistümer  Passau,  Trient  und  Brixen  und
ausserdem  viele  kleine  Herrschaften  abgetreten.  —  Württemberg
erhielt  ebenfalls  die  Königskrone  und  die  vorderösterreichischen  Herrschaften
  in  Schwaben.  —  Baden  wurde  mit  dem  Breisgau  und  der
grossherzoglichen  Würde  beschenkt.

Für  sich  selbst  nahm  Napoleon  den  Oesterreichern  Venedig  ab
und  schlug  es  zum  Königreich  Italien,  und  gegen  all  diese  Verluste  bekam
  Oesterreich  nichts  als  Salzburg.  —  Der  Kurfürst  von  Salzburg,
sonst  Grossherzog  von  Toscana,  bekam  dagegen  Würzburg  als  Kurfürstentum.
  Oesterreichs  Verlust  betrug  1140  Quadratmeilen  mit

°»',  Millionen  Einwohnern.  Oesterreich  war  aus  Deutschland
fast  hinausgedrängt  und  hatte  Italien  ganz  verloren.

1806.  Treffen  beı  Pultusk.

Die  Franzosen  unter  Lannes  besiegen  die  Russen  unter  Bennigsen.
        <pb n="703" />
        —  693  —

1813.  Torgau  ergiebt  sich  an  die  Preussen  (Tauentzin  gegen
Dutaillis).

Napoleon  I.  ordnet  ein  Aufgebot  in  Massen  an.

1814.  Preussisches  Organisations-Edikt  für  die  Landstände
  in  Neufchatel.

1870.  Die  erste  Armee  der  Deutschen  erreicht  in  der  Verfolgung

der  Franzosen  die  Gegend  von  Bapaume  und  macht  unausgesetzt
  Gefangene.

St.  Quentin  wird  von  den  Preussen  wieder  besetzt.

1878.  Eueyclica  Papst  Leo’s  XIII.  gegen  den  Sozialismus,
den  er  aus  der  Reformation  ableitet.

Die  Fürsten  werden  ermahnt,  um  den  Sozialismus  überwältigen  zu
können,  der  Kirche  ihre  Rechte  zurückgeben  und  mit  der  Reformatıon
  zu  brechen.

„Der  wahnsinnige  Krieg,  welcher  seit  dem  16.  Jahrhundert  von  den
Neuerern  gegen  die  katbolische  Kirche  angestellt  ist  und  von  Tag  zu
Tage  bis  heute  immer  heftiger  entbrannte,  strebt  dahin  nach  Beseitigung
jeder  Offenbarung  und  nach  dem  Umsturz  jeder  übernatürlichen  Ordnung
nur  noch  die  Entdeckungen  oder  vielmehr  die  Fieberträume  der  Vernunft
allein  zuzulassen.“

1887.  Oberst  Freiherr  von  Lindmann  a.D.  stirbt  zu  Dresden
im  Alter  von  67  Jahren.
Bis  1873  war  er  Kommandeur  des  Infanterieregiments  Nr.  107.
        <pb n="704" />
        —  694  —

27.  Dezember.

1087.  Kaiserin  Bertha,  die  Gemahlin  Heinrichs  IV.,  stirbt.

Sie  war  der  Engel  seines  Lebens.  Vielfach  von  ıhm  verkannt
  und  schmählich  behandelt,  war  ihm  die  edle  Dulderin  doch  stets
eine  treue  tröstende  und  aufrichtende  Freundin,  die  mit  ihm  duldete  und
litt  und  den  berühmten  Gang  nach  Kanossa  mitten  im  Winter  an  der
Seite  ihres  geächteten  Gatten  machte.

1146.  Kaiser  Konrad  III.  entschliesst  sich  zu  einem  Kreuzzuge.

1537.  Die  Sophienkirche  zu  Konstantinopel  wird  einweiht.


1543.  Georg  Brandenburg-Anspach,  mit  dem  Beinamen  der
Fromme  oder  der  Bekenner,  stirbt.

1524  wandte  er  sich  der  lutherischen  Lehre  zu  und  wirkte  fortan
mit  Eifer  für  die  Verbreitung  derselben  in  seinem  Gebiete.

1571.  Johann  Keppler,  ein  berühmter  Mathematiker  und  Astronom
  des  16.  Jahrhunderts,  zu  Magstadt  bei  Weil  iin  Württembergischen
  geboren.

Ihm  verdankt  die  Astronomie  den  Grund  der  Höhe,  zu  welcher  sie
in  der  neueren  Zeit  gelangt  ist.

1717.  Papst  Pius  VI,  Giovanni  Angelo  Graf  Braschi  zu  Cesena
geboren.

Das  Museum  des  Vatikans  verdankt  demselben  seine  reichsten
Schätze,  die  er  durch  Nachgrabungen  fand.

1755.  Klemens  Theodor  Anton,  König  von  Sachsen,  geboren.

Er  erregte  durch  die  Begünstigung  der  katholichen  Hofgeistlichkeit
und  scheinheiligen  Orthodoxie  in  der  protestantischen  Kirche  Aergernis,
so  dass  es  1830  zu  den  Unruhen  in  Leipzig  und  Dresden  kam,  infolge

deren  Prinz  Friedrich  August  zum  Mitregenten  ernannt  wurde.  —  Er
starb  am  6.  Juni  1836.

1780.  August  Ferdinand  Ludwig  Graf  von  Nostitz,  preussischer
  General,  zu  Zessel  bei  Oels  geboren.

Bekannt  ist  seine  Heldentat  in  der  Schlacht  bei  Lieny,  in  der  er

als  Adjutant  Blüchers  dessen  Leben  und  Freiheit  rettete.  —  Er  starb
am  28.  Mai  1866.

1796.  Karl  Friedrich  von  Steinmetz,  preussischer  Feldmarschall
  zu  Eisenach  geboren.

Er  war  der  Sohn  eines  preussischen  Ofhziers,  machte  die  Befreiungskriege
  im  York’schen  Corps  mit,  führte  1866  eine  Heeresabteilung  gegen
Oesterreich  in  Böhmen  und  zu  Anfang  des  deutsch-französischen  Kriegs
(1870)  das  erste  Armee-Corps.  —  Er  starb  am  4.  August  1877  zu  Landeck.
        <pb n="705" />
        —  69  —

1799.  Die  „neue  Verfassung“  tritt  für  Frankreich  ins  Leben,
und  mit  ihr  wird  Napoleon  Bonaparte  erster  Consul,
der  als  solcher  die  Tuilerien  bezieht.

AugustHeinrich  Riedel,  berühmter  Maler,  zu  Bayreuth
geboren.

1805.  Napoleon  I.  unterzeichnet  zu  Schönbrunn  die  Absetzung
der  bourbonischen  Dynastie  in  Neapel.

1813.  Belagerung  von  Magdeburg  durch  Tauentzien.

Aargau  und  Waadt  protestieren  vergeblich  gegen  ihre
Wiedervereinigung  mit  Bern.

1833.  Heinrich  Rickert,  hervorragender  Parlamentarier  ,„  u

Danzig  geboren.

Seit  1870  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses  und  1871
des  deutschen  Reichstags,  war  er  ein  bedeutender  Redner  der  nationalliberalen,
  wie  jetzt  der  deutsch-freisinnigen  Partei.

1848.  Publikation  der  deutschen  „Grundrechte“,  die
einzige  wertvolleundhistorischdenkwürdige  Schöpfung
  des  ersten  deutschen  Parlaments  in  der  Paulskirche
zu  Frankfurt  a.  M.

Unter  heftigen  Parteikämpfen  waren  die  Grundrechte  zu  Stande
gekommen,  die  gemässigte  Partei  ging,  bei  deren  Beratung  und  Beschlussfassung
  in  vielen  wesentlichen  Punkten  mit  der  Linken,  den  Demokraten,
  um  die  Bestrebungen  der  Ultramontanen,  Oesterreicher
  und  Preussenfeinde  zu  durchkreuzen;  —  so  kam  es
denn,  dass  viele  demokratischen  Elemente  den  deutschen  Grundrechten

  beigemischt  sind.
1850.  Rückkehr  des  Kurfürsten  von  Hessen  nach  Kassel.

1863.  Grosse  Landesversammlung  zu  Elmshorn  (Holstein

unter  freiem  Himmel.
Dieselbe  erklärte  den  Herzog  Friedrich  VIll.  von  Holstein  für
ihren  rechtmässigen  Landesberrn.
1870.  Die  deutsche  Belagerungsartillerie  von  Paris  beschiesst
den  Mont  Avron  mit  76  Geschützen,  welche  die  feindlichen
Geschütze  zum  Schweigen  bringen,  und  den  Franzosen  grosse

Verluste.

An  demselben  Tage  hatte  der  Oberstlieutenant  von  Boltenstein
  mit  6  Compagnien,  1  Escadron  und  2  Geschützen  ein
lebhaftes  Gefecht  zwischen  Montoire  und  La  Chartre.

Die  Franzosen  umfassten  schliesslich  das  Detachement.  Oberstlieutenant

  v.  Boltenstein  schlug  sich  jedoch  durch  und  brachte,
bei  einem  eigenen  Verlust  von  etwa  100  Mann,  noch  10  Öfliziere  und

230  Mann  des  Feindes  als  Gefangene  zurück.

Die  Nord-Armee  der  Deutschen  hat  an  demselben  Tage  die
Festung  Perronne  nach  mehreren  Gefechten  cerniert.

Der  Durchstich  des  Mont-Cenis  für  die  Eisenbahn
von  Lyon  nach  Turin,  seit  1862  gebohrt,  wird  vollendet.
        <pb n="706" />
        —  69%  —

1875.  Die  Statue  Napoleons  I.  wird  auf  der  Vendöme-Bäule
wieder  aufgestellt.

1884.  Grosses  Erdbeben  in  Spanien,  welches  sich  in  den
beiden  folgenden  Tagen  wiederholt.

1890.  Professor  Schliemann  stirbt  in  Folge  eines  Schlaganfalls
zu  Neapel,  wo  er  sich  seit  8  Tagen  aufgehalten  hatte.

 

28.  Dezember.

1146.  Bernhard  von  Clairvaux  predigt  im  Dom  zu  Speier  das
Kreuz.  Kaiser  Konrad  III.  beschliesst  den  Kreuzzug.

1250.  Die  Geistlichen  zu  Regensburg  beabsichtigen  den  Kaiser
Konrad  IV.  —  ein  Hohenstaufe  —,  den  sie  zur  Aussöhnung
nach  ihrer  Stadt  geladen  hatten,  meuchlings  während  der
Nacht  in  seinem  Bette  zu  ermorden.

Aber  der  schändliche  Anschlag  missglückte;  ein  treuer  Mann,
Friedrich  v.  Evesheim,  opferte  sein  Leben  für  den  Kaiser,  indem  er,
als  die  Päpstlichen  in  der  Nacht  vom  28.  zum  29.  Dezember  eindrangen,
sich  in  dessen  Bett  legte,  während  Konrad  entwich.

1524.  Johann  von  Staupitz,  Gönner  und  Freund  Luthers,  stirbt
zu  Salzburg.

Seit  1503  Generalvikar  des  Augustinerordens  in  Deutschland,  veranlasste
  er  Luthers  Berufung  nach  Wittenberg.

1745.  Friedrich  II.  hält  seinen  Einzug  in  seine  siegestrunkene
Hauptstadt  Berlin  nach  dem  Ende  des  2.  schlessischen  Krieges.

Er  wird  zum  ersten  Male  mit  dem  Beinamen  der  Grosse
begrüsst.

1757.  Kapitulation  der  österreichischen  Besatzung  von  Liegnitz.

1797.  Napoleon  Bonaparte  wird  Mitglied  des  Instituts  von
Frankreich.

1813.  Tauentzien  beginnt  die  Belagerung  von  Wittenberg,
welches  am  14.  Januar  des  folgenden  Jahres  fallt.

1835.  Daniel  Ehrenfried  Stöber,  elsässischer  Dichter  und
Schriftsteller,  stirbt  als  Advokat  zu  Strassburg.

1836.  Gründung  der  australischen  Stadt  Adelaide.
        <pb n="707" />
        —  697  0  —

1544.  Dekret  des  Kaisers  von  China,dieDuldung  desChristentums
  betreffend.

1849.  Herbert  Graf  von  Bismark,  Sohn  des  grossen  Kanzlers,
geboren.

‚Er  war  bis  zum  Rücktritt  seines  Vaters  Staatssekretär  des  deutschen
Reichs,  wirklicher  Geheimer  Rat  und  Bevollmächtigter  Preussens  beim
Bundesrat;  ist  jetzt  ganz  aus  dem  Staatsdienst  getreten.

1866.  Gesetz,  die  Dotationen  preussischer  Feldherrn  aus
dem  Kriege  von  1866  betreffend.

1868.  Richard  Lauchert,  bekannter  Portraitmaler,  stirbt  zu
Berlin.

Er  war  der  Gemahl  der  Prinzessin  Amalie  von  Hohenlohe  —  Schillingsfürst.
  Seine  Portraits  zeichnen  sich  durch  Geschick  und  Geschmack  aus.

1870.  Der  Belagerungs-Artillerie  auf  der  Ostfront  von  Paris
gelingt  es,  nachdem  der  Mont  Avron  am  Tag  vorher  zum
Schweigen  gebracht  war,  den  Bahnhof  von  Noissy  le  sec
wirksam  zu  beschiessen  und  die  in  Bondy  contonnierende  französische
  Artillerie  zu  vertreiben.

An  demselben  Tag  hat  Oberstlieutenant  Pestel  von  den
Ulanen  mit  einer  fliegenden  Colonne  von  3  Compagnien  und  3
Escadrons  bei  Longpre  3  Bataillone  Mobilgarden  geschlagen
und  ihnen  3  Fahnen,  10  Offiziere  und  230  Mann  abgenommen.

1879.  Einsturz  der  Taybrücke  bei  Dunden  in  Schottland  mit
einem  Passagierzuge.

1880.  In  Dublin  Beginn  des  Prozesses  gegen  die  irische
Landliga,  in  dessen  Verlauf  die  Angeschuldigten  freigesprochen
werden.
        <pb n="708" />
        —  6983  —

29.  Dezember.

1384.  John  Wicliffe,  englischer  Reformator,  stirbt.

1606.  Stephan  Botschkai,  Haupt  der  aufständischen  Ungarn
1604—  1606.

Er  stellte  sich  an  die  Spitze  der  protestantischen  Ungarn,  deren
Religionsfreiheit  Rudolf  IT.  beschränken  wollte,  erbielt  im  Wiener  Frieden
1605  seine  Anerkennung  von  seiten  des  Kaisers  als  Fürst  von  Siebenbürgen
  und  für  seine  Länder  die  freie  Religionsübung  nach  der  Augsburger
  und  Helvetischer  Konfession.

1674.  Schlacht  bei  Mühlhausen  und  Colmar.  Turenne  schlägt
die  Oestereicher  unter  Bournoernille.

1721.  Johann  Heinrich  Kasimir,  Graf  von  Carmer,  der
Schöpfer  des  preussischen  Landrechts,  zu  Krenznach  geboren.
Er  starb  am  23.  März  1801  zu  Rützen  bei  Guhrau.

1774.  Stiftung  des  Herzogtums  Holstein-OÖldenburg.

1807.  Alexander  Graf  von  Schleinitz,  preussischer  Staatsmann,
  zu  Blankenburg  am  Harz  geboren.
Zur  goldenen  Hochzeit  des  Kaiserpaars  am  15.  Juni  1879  wurde
Freiherr  von  Schleinitz  in  den  Grafenstand  erhoben.
1809.  William  Ewart  Gladstone,  englischer  Staatsmann,  zu
Liverpool  geboren.

1813.  Danzig  kapituliert.

Dasselbe  war  von  den  Franzosen  besetzt  und  wurde  11  Monate
lang  durch  ein  preussisch-russisches  Corps  unter  Herzog  Al-xander  von
Württemberg  belagert.

Die  Schweizer  heben  das  mit  Napoleon  als  Mediateur
geschlossene  Bündnis  auf.
Konvention  der  eidgenössischen  Stände  (14  Kantons)
  in  Zürich.
1816.  Karl  Friedrich  Wilhelm  Ludwig,  einer  der  grössten
Physivlogen,  zu  Witzenhausen  ın  Hesser-I\assel  geboren.
1836.  G.  Schweinfurth,  berühmter  Afrikareisender  und  Botaniker,
zu  Riga  geboren.

1857,  Der  König  von  Dänemark  genehmigt  die  vom  Reichstage  angenommene
  Gewerbefreiheit.
        <pb n="709" />
        —  699  —

1870.  Die  Franzosen  räumen  nach  zweitägiger  Beschiessung  den  mit
schweren  Geschützen  versehenen  Mont  Avron,  der  sodann
von  den  Sachsen  besetzt  wird.

Es  werden  auf  demselben  grosse  Massen  Artillerie-Munition
vorgefunden  und  zwei  Vierundzwanzigpfünder  vernagelt.  Zwei
Compagnien  dringen  bis  zum  Dorf  Rosny  vor.

Das  Bombardement  der  französichen  Hauptstadt
durch  die  Deutschen  auf  der  Ostseite  beginnt.

General  Werder  konzentriert  seine  Truppen  bei  Vesoul.

1874.  General  Martinez  Campos  proklamiert  den  Jugendlichen  (17
Jahre  alt)  Sohn  der  Isabella,  Prinz  Alfons,  zum  König  von
Spanien  als  Alfons  XII.

Er  war  eben  noch  Schüler  des  Wiener  Theresianums  gewesen.

1890.  Das  deutsche  Reich  bezahlt  dem  Sultan  von  Sansibar  für  die

Abtretung  eines  10  Meilen  breiten  Küstenstrichs  an  der  Ostseite
Afrikas  4  Millionen  Mark.

 

 

30.  Dezember.

1105.  Kaiser  Heinrichs  IV.  Abdankung  zu  Ingelheim,
welche  ihm  gewaltsam  abgezwungen  wurde.

1762.  Beginn  des  Friedenskongresses  zu  Hubertusburg.
(Schluss  15.  Februar,  1763).

1777.  Kurfürst  Maximilian  Illl.,  von  Bayern  stirbt,  ohne  einen
Sohn  als  Thronerben  zu  hinterlassen.

Veranlassung  zum  sogenannten  Bayerischen  Erbfolgekrieg,
der  mit  dem  Frieden  von  Teschen  endete.

1792.  Sylvester  Jordan,  Rechtslehrer  und  Abgeordneter  liberaler
Richtung  in  dem  Weiler  Omes  bei  Innsbruck  geboren.

iı  1839,  —  seit  1821,  Professor  der  Rechte  an  der  Universität
  Marburg,  =  wurde  auf  die  schmachvolle  Denunciation  seines  Hauswirts,
  des  Apothekers  Döring,  eine  Untersuchung  wegen  hochverräterischen
Verbindungen  gegen  ihn  eingeleitet  und  er  im  August  in  das  Sefängnis
eworfen,  wo  er  die  nichtswürdigste  Behandlung  erfuhr.  Nachdem  eı
Prozess  einer  der  sensationellsten  damaliger  Zeit,  nahezu  4  Jahre  anedauert
  hatte,  wurde  Jordan  am  15.  Juli  1343  zu  fünfjähriger  Festungs‘
haft  und  Bezahlung  der  Kosten  verurteilt.  Nach  zwei  Jahren  spräc
ihn  das  Oberappellationsgericht  in  Kassel  (5.  November  1845)  vö  ig
frei.  —  1848  wurde  er  Mitglied  der  Frankfurter  Nationalversamm  ung.
Er  starb  nach  fast  zehnjährigem  Siegtum  am  15.  April  1861  in  Kassel.
        <pb n="710" />
        —  700  —

1804.  Maximilian  Graf  von  Schwerin-Putzar,  preussischer
  Staatsmann,  zu  Boldekow  bei  Anklam  geboren.

In  den  Märztagen  von  1848  wurde  er  zum  Kultusminister  im  neugebildeten
  Ministerium  Camphausen  ernannt,  nach  dessen  Sturz  im  Juni
Schwerin  als  Abgeordneter  zur  Nationalversainmlung  nach  Frankfurt  a.M.
ging,  aus  der  er  am  3.  Mai  1849  ausschied.  —  Das  Scheitern  der  nationalen
Hottnungen  im  Spätherbst  1850  erregte  ihn  gewaltig.  „Lieber  hätte
ich  mich  in  Stückereissenlassen,  als  dassichnach  Olmütz
gegangen  wäre!“  hat  er  damals  geäussert.  —  Er  wurde  verschiedentlich
  ins  Ahgeordnetenhaus  gewählt  und  im  Juli  1859  zum  Minister  des
Innern  ernannt.  Er  war  damals  der  populärste  Mann  in  Preussen,  doch
unterlag  er  schliesslich  der  oppositionellen  Melırheit  des  Ahgeordnetenhauses,
  am  17.  März  1861  nahm  er  mit  den  übrigen  Ministern  seine
Entlassung.  Er  starb  am  3.  Mai  1872.

„Graf  Schwerin  war  kein  Mann  von  be.leutender  Begabung,  aber
einer  der  reinsten  deutschen  Männer,  die  in  der  politischen  Geschichte
der  vier  letzten  Jahrzehnte  aufgetreten  sind,  mit  der  sein  Andenken
unauslöschlich  verknüpft  ist,“  urteilt  ein  Zeitgenosse  über  ihn.

1809.  Wilhelm  von  Tümpling,  preussischer  General,  geboren.

Er  machte  den  österreichischen  Feldzug  mit,  wurde  bei  Gitschin

schwer  verwundet;  zum  General  der  Kavallerie  ernannt,  führte  er  1510
das  sechste  Armeecorps  in  den  Krieg.

1812.  Vertrag  von  Tauroggen  (an  der  russischen  Greuze),  ın
der  Mühle  zu  Poscherun  abgeschlossen  zwischen  dem  preussischen
General  York  und  dem  russischen  Heerführer  Wittgenstein,
wonach  sich  jener  von  den  Franzosen  trennte  und  die  unter  seinem
Befehl  stehenden  Truppen  vorläufig  für  neutral  erklärt  wurden.

Mit  Jubel  vernahmen  dies  die  preussischen  Regimenter,  —  mit
Jubel  die  deutsche  Nation!

1819.  Theodor  Fontane,  Dichter  und  Schriftsteller,  zu  Neuruppin
geboren.

1832.  Ludwig  Devrient,  genialer  Schauspieler,  stirbt  zu  Berlin.

1845.  Konvention  zwischen  Frankreich  und  England  über
gänzliche  Abschaffung  des  Sklavenhandels.

1852.  Dänemark  bewegt  den  Herzog  Christian  von  Augustenburg
  durch  eine  beträchtliche  Abfindungssumme  zum  Verzicht
auf  seine  Ansprüche  auf  Schleswig-Holstein.

1863.  Herzog  Friedrich  von  Holstein-Augustenburg  trifft
unerwartet  zu  Kiel  ein,  vom  Volk  mit  Jubel  als  Landesfürst
begrüsst.

1870.  Die  bayerische  Reichsratskammer  genehmigt  mit  37
gegen  3  Stimmen  die  Versailler  Verträge.

Oberst  Wittich  nimmt  mit  einer  fliegenden  Colonne  bei
Souchez,  zwischen  Arras  und  Bethune,  5  Offiziere  und  170
Mann  Franzosen  gefangen.

An  demselben  Tage  stirbt  der  spanische  General  Prim  an
den  infolge  eines  Attentats  am  28.  Dezember  erhaltenen  Wunden,
        <pb n="711" />
        —  01  —

1875.  Verhaftung  des  Weihbischofs  Janiszew  sky  in  Posen.
1879.  Attentat  Oteros  auf  das  spanische  Königspaar.

1880.  Die  Boern  in  Transvaal  nehmen  Pretoria  ein  und

zwingen  die  englische  Besatzung,  sich  in  das  Fort  daselbst  zurückzuziehen.


 

 

»l.  Dezember.

1530.  Der  Schmalkaldische  Bund  von  neun  protestantischen
Fürsten  und  Grafen,  sowie  elf  Reichsstädten  zum  Schutz  ihres
Glaubens  und  ihrer  politischen  Selbstständigkeit  gegen  den  Kaiser
und  die  katholischen  Stände  geschlossen.

1550.  Heinrich  I.  von  Lothringen,  Herzog  von  Guise,  geboren.

Zur  Zeit  der  Religionskriege  in  Frankreich  war  er  einer  der  Anstifter
  der  Bluthochzeit.

1600.  Königin  Ehsabeth  von  England  erteilt  einer  Gesellschaft
Londoner  Kaufleute,  Ostindische  Compagnie,  einen  ausschliesslichen
  Freibrief  für  den  Handel  jenseits  des  Kaps  und
und  der  Magelhaensstrasse.

1740.  Heinrich  Dietrichvon  Grolmann,  einer  der  ruhmvollsten
praktischen  Juristen  des  preussischen  Staats,  zu  Bochum

geboren.
Er  starb  —  beinahe  100  Jahre  alt,  am  21.  Oktober  1840.

1762.  Eröffnung  der  Friedens-Unterhandlungen  im  Schloss
Hubertsburg  bei  Leipzig  zwischen  der  Kaiserin  Maria  Theresia
und  Friedrich  ll.  von  Preusssen.

Die  erstere  wollte  die  eroberten  Länder  Friedrichs  II.  im  Ganzen
zwar  zurückgeben,  auch  auf  Schlesien  wiederholt  verzichten,  dagegen
den  Besitz  der  Grafschaft  Glatz  sich  ausbedingen.  Ausserdem  forderte
sie  noch  verschiedene  andern  Zugeständnisse  des  Königs  von  Preussen,
welehe  die  wirkliche  Vereinigung  über  einen  Friedensschluss  vereiteln
oder  wenigstens  erschweren  konnten.  —  Friedrich  II.  erklärte  dem  gegenüber,
  dass  er  nur  in  ruhmvoller  Weise  Frieden  schliessen,  zwar  keine
Vergrösserung  fordern,  doch  auch  keinen  Fuss  Land  abtreten  werde.

Erst  am  15.  Februar  1763  kam  der  Hubertsburger  Frieden
zu  Stande.

1800.  Der  Dichter  Gustav  Pfarrıius  zu  Heddesheim  bei  Kreuznach
  geboren.
        <pb n="712" />
        —  102  —

1812.  Das  preussische  Corps  unter  Massenbach  schliesst  sich
der  Konvention  von  Tauroggen  an.

1827.  Hans  Wachenhusen,  Schriftsteller  und  Tourist,  zu  Trier
geboren.

1837.  Schliessung  der  Spielhäuser  in  Frankreich.

1851.  Oesterreich  beseitigt  die  am  4.  März  1849  verliehene
liberale  Constitution,  mit  der  es  ihm  eigentlich  nie  ernst  gegewesen
  war.

1859.  Rat  des  Kaisers  Napoleon  Ill.  an  den  Papst,  auf  die
Romagna  zu  verzichten.

1867.  Das  neue  österreichische  Staatsgrundgesetz  wird
veröffentlicht.

1870.  Die  Beschiessung  von  Mezieres  beginnt.

An  demselben  Tage  siegreiches  Gefecht  des  ersten  Armee-Corps,
  worüber  eine  offizielle  Depesche  meldete:
Versailles,  den  31.  Dezember.

General  Manteuffel  meldet:  5  Bataillone  der  1.  Division  machten
heute  von  Rouen  einen  Vorstoss  auf  das  linke  Seineufer  gegen  stärkere,
aus  der  Gegend  von  Briare  bis  Monlineaux  und  Grand  Couronne  vorgegangene
  feindliche  Streitkräfte.  Diese  wurden  teils  zersprengt,  teils  in
das  feste  Schloss  Robert  le  Diable  geworfen,  welches  von  unsern
up  en  erstürmt  wurde.  Der  Feind  verlor  zahlreiche  Tote  und  etwa

00  Gefangene,  darunter  angeblich  den  Chef  der  dortigen  Franctireurs.

Gefecht  bei  Vendöme.
1871.  General  v.  Stosch  wird  Marineminister.

1880.  Arnold  Ruge,  Philosoph,  Politiker  und  Journalist,  stirbt
zu  Brighton  in  England.

1882.  Leon  Gambetta  stirbt.

1887.  Präsidend  Pape  überreicht  dem  Fürsten  Bismarck  den  in
erster  Lesung  festgestellten  Entwurf  des  bürgerlichen
Gesetzbuches.
        <pb n="713" />
        —  103  —

Nachträge  und  Berichtigungen.

 

 

1.  Januar.

1399.  (Nach  anderen  am  10.  August  1397).  Albrecht  II,  deutscher
Kaiser  geboren.

1891.  In  den  deutschen  Stationen  Afrika’s  findet  unter
Kanonendonner  die  feierliche  Uebernahme  der  Verwaltung
durch  das  deutsche  Reich  statt.

Ueberall  waren  die  Truppen  in  Parade  ausgerückt.  In  das  Hoch
auf  den  deutschen  Kaiser  stimmten  auch  die  Eingeborenen  kräftig
mit  ein.

2.  Januar.
1777.  Christian  Daniel  Rauch,  einer  der  bedeutendsten  Meister
der  Sculptur,  zu  Arolsen  im  Waldeckschen  geboren.
1784.  Ernst  IIL,  (I)  Herzog  von  Sachsen-Koburg-Gotha,  geboren.

Nach  dem  Aussterben  des  gothaischen  Stammhauses  kam  er  durch
Staatsvertrag  vom  12.  November  1826  in  den  Besitz  des  Herzogtums
Gotha,  wofür  er  das  Fürstentum  Saafeld  an  Meiningen  abtrat.  —  Er
starb  am  29.  Januar  1844.

1807.  Balthasar  Friedrich  Wilhelm  Zimmermann,  Dichter
und  bedeutender  Geschichtsschreiber,  zu  Stuttgart  geboren.

1814.  Luise  Mühlbach,  (Clara  Mundt),  Verfasserin  zahlreicher,
besonders  historischer  Romane,  zu  Neubrandenburg  geboren.
Sie  starb  am  26.  September  1873  zu  Berlin.

1831.  Der  grosse  Historiker  und  Staatsmann  Niebuhr  stirbt.

3.  Januar.

1789.  Karl  Gustav  Carus,  Physiolog  und  Psycholog,  zu  Leipzig

  geboren.
Er  starb  am  28.  Juli  1869  ın  Dresden.

1832.  Theodor  von  Bunsen,  preussischer  Staatsmann  und  Mitglied
  des  Reichstags,  geboren.

4.  Januar.

1813.  Alexander  Anton  Stephan  Freiherr  von  Bach,
österreichischer  Staatsmann  ,  zu  Loosdorf  in  Niederösterreich

geboren.
5.  Januar.
1511.  Albrecht,  Markgraf  von  Brandenburg,  wird  Hochmeister
  des  deutschen  Ordens.
        <pb n="714" />
        —  0  —

6:  Januar.
1106.  Heinrich  V.  wird  in  Mainz  zum  König  erklärt.
1821.  Jakob  Frohschammer,  Philosoph,  in  Illkofen  bei  Regensburg
  geboren.

‘.  Janaur.
1891.  Staatssekretär  Dr.  von  Stephan  feiert  seinen  60.  Geburtstag
  und  erhält  zu  demselben  von  Nah  und  Fern  zahlreiche

Glückwünsche  und  Angebinde.

Kaiser  Wilhelm  II.  hatte  dem  verdienten  Lenker  der  Reichspost
sein  eigenes  Bild  als  Geschenk  übersandt.  Der  gekrönte  Namenszug
des  Monarchen,  in  blauem  Email  ausgeführt,  krönt  den  kunstvoll  aus
Metall  gefertigten  Rahmen.  Die  eigenhändige  Unterschrift  des  Kaisers
unter  der  Photographie  würdigt  die  kulturgeschichtliche  Bedeutung  des
Verkehrswesens,  das  in  dem  Staatssekretär  einen  so  mächtigen  Förderer
gefunden  hat;  sie  lautet:  „Die  Welt  am  Ende  des  19.  Jahrhunderts
  steht  unter  dem  Zeichen  des  Verkehrs;  er  durchbricht
die  Schranken,  welche  die  Völker  trennen  und  knüpft  zwischen  den
Nationen  neue  Beziehungen  an.“

8.  Januar.

1438.  Eröffnung  des  Konzils  zu  Ferrara.

Dasselbe  bezweckte  die  Wiedervereinigung  der  römischen  Kirche
mit  der  griechischen  und  armenischen.

1509.  Katharina,  Gräfin  von  Schwarzburg,  geboren.
Sie  war  eine  eifrige  Anhängerin  Luthers  und  Förderin  der  Reformation
  und  hat  sich  durch  ihr  heldenmütiges  Auftreten  gegen  Herzog
von  Alba  den  wohlverdienten  Namen:  „dieHeldenmütige“  verdient,

1529.  Johann  Friedrich  II.,  der  Mittlere,  Herzog  von  Sachsen,

geboren.

Von  Kaiser  Karl  V.  geächtet,  musste  er  sich  demselben  in  Gotha
auf  Gnade  und  Ungnade  ergeben,  wurde  sodann  in  strenger  Haft  gehalten,
  welche  seine  Gemahlin  Elisabeth  von  der  Pfalz  von  15172  bis
zu  ihrem  Tode  1594  und  längere  Zeit  sein  Sohn  Johann  Ernst  freiwillig
mit  ihm  teilten.  —  Er  starb  am  9.  Mai  1595  im  Gefängnis.

1741.  Das  von  den  Oesterreichern  besetzte  Ohlau  in  Schlesien

ergiebt  sich  den  Preussen.

9.  Januar.
1860.  Konferenz  der  norddeutschen  Küstenstaaten.

10.  Januar.
1573.  Georg  Friedrich,  Markgraf  von  Baden-Durlach,  geboren.

1604  an  die  Regierung  gelangt,  war  er  ein  Förderer  und  Beschützer
des  Protestantismus  und  schloss  sich  1608  der  protestantischen  Union
an.  —  Er  starb  am  14.  September  1638  zu  Strassburg.

1748.  Franziska  Therese,  Reichsgräfin  von  Hohenheim,

geb.  v.  Bernardin,  zu  Adelmannsfelden  geboren.
Mit  dem  Freiherrn  von  Leutrum  vermählt,  entführte  sie  Herzo

Karl  Eugen  von  Württemberg  und  heiratete  sie  1776.  Sie  starb  1811
in  Kirchheim  unter  Teck.
        <pb n="715" />
        —  705  —

11.  Januar.
1793.  Franz  von  Duesberg,  preussischer  Staatsmann,  zu  Borken
ın  Westfalen  geboren.

1846  Finanzminister,  nahm  1848  seine  Entlassung,  wurde  1849
Kommissär  der  preussischen  Krone  und  Vorsitzender  des  provisorischen
Bundes-Schiedsgerichts  auf  dem  Erfurter  Parlament  und  1850  Oberpräsident

  von  Westfalen.  Er  trat  1871  in  den  Ruhestand  und  starb  am
11.  Dezember  1872.

1807.  Georg  Ferdinand  von  Bentheim,  preussischer  General,
geboren.

1810.  Johann  Ludwig  Krapf,  Missionar  und  Afrikareisender,
zu  Derondingen  bei  Tübingen  geboren.

Er  entdeckte  auf  seiner  Reise  ins  Innerafrika  (1848—1852)  den
Nyassa-See.

12.  Januar.
1547.  Kaiser  Karl  V.  spricht  über  den  Herzog  Wolfgang  von
Anhalt  die  Reichsacht  aus.

1871.  Eröffnung  der  ersten  protestantischen  Kirche  in
Rom.

1877.  Rudolf  Ludwig  von  Decker,  Geh.  Oberhofbuchdrucker

und  Besitzer  der  Deckerschen  Druckerei,  stirbt.
Er  war  am  8.  Januar  1804  geboren.

13.  Januar.

1750.  Friedrich  Müller,  genannt  Maler-Müller,  Dichter  und

Maler,  zu  Kreuznach  geboren.
Er  starb  am  23.  April  1825  zu  Rom.

1802.  Eduard  von  Bauernfeld,  Lustspieldichter,  zu  Wien  geboren.


1809.  Friedrich  Ferdinand  Graf  von  Beust,  Staatsmann,
zu  Dresden  geboren.

14.  Januar.

1751.  Corona  Schröter,  berühmte  dramatische  Sängerin,  geboren.
Sie  starb  1802  in  Ilmenau.
1872.  Schluss  der  internationalen  Telegraphenkonferenz
in  Rom.
Verkündung  des  Schiedsspruches  in  der  Alabamafrage.

15.  Januar.
1505.  Joachim  IL,  Kurfürst  von  Brandenburg  1535—1571,

geboren.  _  |
1810.  Nikolaus  Becker,  der  Dichter  des  ‚Rheinlieds:  „Sie  sollen

‘'hn  nicht  haben“,  zu  Geilenkirchen  in  der  Rheinprovinz  geboren.
Er  starb  am  28.  August  184%  zu  Hunshoven-Geilenkirchen,
45
        <pb n="716" />
        —  706  —

1831.  Albert  Niemann,  berühmter  Tenorsänger,  zu  Erxleben  bei
Magdeburg  geboren.
1866.  Eröffnung  des  preussischen  Landtages.
In  der  von  Herrn  von  Bismarck  verlesenen  Thronrede  wird  das

Festhalten  an  der  Armeereorganisation  betont  und  erklärt,  dass  keinerlei
  Konzession  in  Aussicht  gestellt  werden  könne.

16.  Januar.

1549.  Johannes  Pappus,  Verfasser  geistlicher  Lieder,  zu  Lindau
am  Bodensee  geboren.
Er  starb  am  13.  Juli  1610  als  Professor  der  Theologie  und  Pfarrer
am  Münster  zu  Strassburg.
1794.  Maximilian  Joseph  Chelius,  berühmter  Chirurg,  zu
Mannheim  geboren.
Er  starb  als  Professor  der  Chirurgie  in  Heidelberg  am  17.  Aug.  1876.
1813.  Philipp  FriedrichHermannKlenke,  'Arzt  und  Schriftsteller,
  zu  Hannover  geboren.
Seine  belletristischen  Arbeiten  umfassen  117  Bände.

1814.  Murat,  König  von  Neapel,  tritt  zu  den  Verbündeten  über.

17.  Januar.

1463.  Friedrich  III,  der  Weise,  Kurfürst  von  Sachsen,  zu

Torgau  geboren.

Er  beschützte  Luther,  ohne  sich  öffentlich  zu  dessen  Lehren  zu
bekennen,  und  erst  kurz  vor  seinem  am  5.  Mai  1525  erfolgten  'Tode
nahm  er  das  Abendmahl  unter  beiderlei  Gestalt.

1484.  Georg  Spalatin,  Theolog  und  treuer  Freund  Luthers,  zu
Spalt  bei  Eichstädt  geboren.
Er  starb  am  16.  Januar  1545  zu  Altenburg.
1757.  Gegen  Friedrich  den  Grossen  wird  wegen  seines  Einfalls
in  Sachsen  zu  Regensburg  der  Reichsexekutionskrieg  beschlossen;
  während  der  Kaiser  die  Reichsacht  über  ihn  verhängte.

18.  Januar.

1701.  Johann  Jakob  Moser,  einer  der  fruchtbarsten  Publizisten
Deutschlands,  zu  Stuttgart  geboren.

Herzog  Karl  Eugen  von  Württemberg  liess  ihn,  angeblich  „weil  er
respektwidrige  und  ehrenrührige  Schriften  der  Landschaft  kuneipieret
hat“,  auf  der  Festung  Hohentwiel  gefangen  setzen.  Erst  nach  fünf  Jahre
harter  Gefangenschaft  erlangte  er  durch  die  Verwendung  Friedrichs  des
Grossen  die  Freiheit  wieder.  Er  starb  am  30.  November  1755  in  seiner
Vaterstadt.

1868.  Beisetzung  der  Leiche  Kaiser  Maximilians  von
Mexiko  in  der  Kaisergruft  der  Kapuzinerkirche  zu  Wien.

19.  Januar.

1417.  LudwigIX.,der  Reiche,  HerzogvonBayern-Landshut,  geboren.

Er  gründete  1472  die  Universität  Ingolstadt  und  starb  am  18.
Januar  1479.
        <pb n="717" />
        —  107  —

om  ‚ebergang  des  „grossen  Kurfürsten  über  daskurische
aff.

Die  Brandenburger  unter  Derflinger  besetzen  Uekermünde
  in  Pommern.

Niederlage  der  Schweden.
1810.  Ferdinand  David,  Violinvirtuos  und  Komponist,  zu
Hamburg  geboren.
Er  starb  am  19.  Juli  1873  zu  Klosters  in  Graubünden.

20.  Januar.

882.  Ludwig  Il,  der  Jüngere,  ost-fränkisch-deutscher  König,
stirbt  kinderlos  zu  Frankfurt  a.  M.,  und  wurde  in  Lorsch  beigesetzt.


1612.  Rudolf  II.,  deutscher  Kaiser  von  1576—1612,  stirbt.

Er  gab  den  Böhmen  den  sogenannten  Majestätsbrief  (11.  Juli
1609),  verlor  aber  nichtsdestoweniger  die  Krone  dieses  Landes  (1611)  an
Matthias,  als  er  durch  jden  Bischof  Leopold  von  Strassburg  die  protestantische
  Freiheit  Böhmens  bedrohen  liess.

1773.  Heinrich  Theodor  von  Schön,  peeussischer  Staatsmann,
.  .  7.
zu  Löbegallen  in  Littauen  geboren.

Er  hat  grosse  Verdienste  um  die  Reorganisation  des  preussischen
Staats  zur  Zeit  der  höchsten  Not  und  starb  am  23.  Juli  1856  auf  seinem
Gute  Arnau  bei  Königsberg.

1782.  Johann  Baptist  Joseph  Fabrian  Sebastian,  Erzherzog
  von  Oesterreich,  deutscher  Reichsverweser,  zu
Florenz  geboren.

1819.  Die  Gesellschaft  für  ältere  deutsche  Geschichtskunde
  zu  Frankfurt  a.  M.  begründet.

1874.  Die  „siamesischen  Zwillinge“  sterben  in  Amerika.

21.  Januar.

1398.  Friedrich  V.,  Burggraf  von  Nürnberg,  Begründer  der
Macht  und  Würde  der  Hohenzollern,  stirbt.

1804.  Moritz  von  Schwind,  Maler,  zu  Wien  geboren.
Er  starb  am  8.  Februar  1871.

22.  Januar.
1820.  Hermann  Lingg,  Dichter,  zu  Lindau  geboren.
Otto  Eduard  Vincenz  Ule,  Naturforscher,  zu  Lossow
'  kfurt  a.  O.  geboren.
bei  Ir  starb  am  T.  August  1876  zu  Halle  a.  d.  8.
23.  Januar.

'  ich  :  ider
36,  JohannvonLeyden,  eigentlich  Jan  Bockelson,  eın  Schnei
na  Schenkwirt  aus  Leyden  ‚  feurigster  Apostel  des  Wieder-
        <pb n="718" />
        —  78  —

täuferpropheten  Jan  Mathys,  wird  mit  glühenden  Zangen  zu
Tode  gezwickt.

Sein  Leichnam  ward  in  einem  eisernen  Käfig  am  St.  Lambertusturme
  aufgehängt.

1679.  Treffen  bei  Woinut  in  Östpreussen.

DieBrandenburger  unter  General  von  Treffenfeld  schlagen  die
Arrieregarde  Horns  in  die  Flucht.

1843.  Der  Dichter  Friedrich  Heinrich  Karl  Freiherr  de
la  Motte-Fouque  stirbt  zu  Berlin.

Er  kämpfte  als  Freiwilliger  im  Freiheitskriege  von  1813-1815.
Er  war  am  12.  Februar  1777  zu  Brandenburg  geboren.

1868.  Heinrich  von  Brandt,  preussischer  General,  stirbt.

1871.  Friedrich  Wilhelm  Schwenk,  berühmter  Bildhauer,
stirbt  zu  Dresden.

1891.  Grosses  Grubenunglück  auf  der  Zeche  „Hibernia”  bei  Gelsenkirchen.


57  Bergleute  haben  hierbei  ihren  Tod  gefunden.

24.  Januar.
477.  Genserich  (Geiserich),  König  der  Vandalen,  stirbt.
1798.  Karl  von  Holtei,  Dichter,  zu  Breslau  geboren.

1813  August,  Prinz  von  Württemberg,  preussischer  General,
geboren.

%

26.  Januar.

1781.  Ludwig  Joachim  von  Arnim,  phantasiereicher  Dichter
der  romantischen  Schule,  zu  Berlin  geboren.

Er  starb  am  21.  Januar  1831  auf  Wiepersdorf  bei  Dahme.

27.  Januar.
1165.  Heinrich  VI.,  deutscher  Kaiser  1190—97,  geboren.

1443.  Albrecht  Ill.,  der  Beherzte,  Herzog  von  Sachsen,

Stifter  der  albertinisch  (Königl.)  sächsischen  Linie,  zu  Grimma
geboren.

1546.  Joachim  Friedrich,  Kurfürst  von  Brandenburg
von  1598—1608,  geboren.

1806.  Rudolf  Julius  Benno  Hübner,  Historienmaler,  zu  Oels
geboren.

1850.  Johann  Gottfried  Schadow,  berühmter  Bildhauer,  stirbt
zu  Berlin.

Er  war  am  20.  Mai  1764  zu  Berlin  geboren.

1891.  Der  32.  Geburtstag  Kaiser  Wilhelms  II.  wird  in  Berlin  mit
einer  Teilnahme  der  Bevölkerung  begangen,  welche  der,  die  sich
        <pb n="719" />
        —  709  —

am  90.  Geburtstage  seines  Grossvaters  zeigte,  nicht  viel  nachsteht.


Mittags  wurden  bei  der  Parole-Ausgabe  101  Salutschüsse  abgefeuert.
Am  Nachmittage  unternahm  der  Kaiser  mit  der  Kaiserin  eine  Ausfahrt
und  wurde  auf  derselben  mit  nicht  endenwollendem  Jubelrufen  begrüsst.
Der  Monarch  strahlte  vor  Freude.  Wer  noch  nicht  gewusst  hat,  wie

Kaiser  Wilhelm  II.  und  Berlin  zu  einander  stehen,  der  hat  es  an  diesem
Tage  erkannt.

28.  Januar.

1816.  Richard  Joachim  Heinrich  Graf  von  Möllendorf,

preussischer  Generalfeldmarschall,  stirbt.
Er  war  1725  zu  Liedenberg  in  der  Priegnitz  geboren.

1858.  Eröffnung  der  Panama-EBisenbahn.

29,  Januar.

1688.  Johann  Emanuel  von  Swedenborg,  Theosoph  und
Schwärmer,  zu  Stockholm  geboren.
1806.  Karl  August  Görner,  Schauspieler  und  Bühnendichter,
zu  Berlin  geboren.
50.  Januar.

1879.  Demission  des  Marschalls  Mac  Mahon  alr  dent

der  französischen  Republick.
Ihm  folgte  Jules  Grevy.

sl.  Januar.
1615.  Entdeckung  der  Hudsonsbay  du

1891.  Jean  Louis  Ernest  Meissonier.

Maler  stirbt  zu  Paris  78  Jahre  alt.

Kaiser  Wilhelm  II.  drückte  dr
Wedel  an  den  französischen  Botschaf
nahme  über  das  Hinscheiden  des  be’
nier  aus,  was  in  Paris  ganz  ausse

m

f

1841.  Die  französische  ”
ihr  unterbreiteten

1865.  Die  indise
über  Italien

1827.  Der
geb’
1829
        <pb n="720" />
        —  70  —

1891.  Aus  Zansibar  wird  berichtet,  dass  Major  von  Wissmann  auf
seinem  Zuge  zum  Kilimandscharo-  Gebirge  die  unruhigen
Wasindistämme  angegriffen  und  völlig  geschlagen.  Die
Eingeborenen  haben  sich  nunmehr  unterworfen.

3.  Februar.

1805.  Otto  Theodor  Freiherr  von  Manteuffel,  preussischer
Staatsmann,  zu  Lübben  geboren.

1810.  Ludwig  August  Frankl,  deutsch-österreichischer  Dichter,
zu  Choust  in  Böhmen  von  israelitischen  Elten  geboren.

1871.  Rom  wird  Hauptstadt  Italiens.

1891.  Kaiser  Wilhelm  genehmigt  das  Rücktrittsgesuch  des
Grafen  Waldersee  von  seinem  Posten  als  Chef  des  Grossen
Generalstabes  der  Armee  in  einer  ausserordentlich  huldvollen

Kabinetsordre.

Dem  General  wird  darin  der  Dank  des  Monarchen  für  seine  Dienste
ausgesprochen  und  ihm  zugleich  angekündigt,  dass  er  im  Kriegsfalle
Höchstkommandierender  einer  Armee  sein  soll.  Weiter  wird  Graf
Waldersee  zum  kommandierenden  General  des  9.  Armeekorps  (Schleswi-Holstein)
  ernannt.

Oberquartiermeister  Generallieutenant  Graf  Schlieffen  11.

wird  als  Nachfolger  des  Grafen  Waldersee  ausersehen.

Graf  Schlieffen  ist  der  älteste  Oberquartiermeister  der  Armee,  ist
1833  geboren  und  seit  1854  Offizier.  Sein  älterer  Bruder  ist  als  Generallieutenant
  Graf  von  Schlieffen  I.  Kommandant  von  Berlin  und  General
a  la  suite  des  Kaisers.

4.  Februar.

856.  Rabanus  Maurus,  Gelehrter  und  Schöpfer  des  deutschen
Schulwesens,  stirbt  zu  Winkel  ım  Rheingau.

1738.  Joseph  Süss-Oppenheimer,  württembergischer  Finanzminister
  während  der  Regierung  des  Herzog  Karl  Alexander  1.
'  wird  in  seinem  Staatsgewand  als  Staatsverbrecher  gehenkt.

1815.  Joseph  Georg  Strossmeyer,  Bischof  von  Diakova  und
Führer  der  Opposition  gegen  das  Unfehlbarkeitsdogma  auf  dem

vatikanischen  Konzil  (1870),  zu  Essek  in  Slawonien  geboren.
1874  unterwarf  er  sich  dem  Papste  und  dessen  Unfchlbarkeit.

5b.  Februar.

1821.  Das  1536  zu  Strassburg  gegründete  Kollegium  St.
"N  ilhelm  wird  durch  Kaiser  Ferdinand  II.  zur  Universität
ben.

1796.  Ton  in  nesvon  Geissel,  Kardinal  und  Erzbischof  von  Köln;
zu  Greg  ieen  in  der  Rheinpfalz  geboren.
18

ride  und  erldasten  die  unter  seiner  Leitung  in  Würzburg
versammelt  Bu  r  en  Bist  ya:  äncigkeit  der  Kirche  vom  Staat:
1854  verkündtäg  &amp;amp;  ger  gros  zerlichkeit  das  Dogma  von  der  un-
        <pb n="721" />
        —  11  —

befleckten  Empfängnis  und  erklärte  schon  1860  auf  einem  Provinzialkonzil

  die  Unfehlbarkeit  des  Papstes  fü  kirchl;
Er  starb  am  8.  September  1864.  pstes  für  kirchliche  Lehre.  —

1818  .  Arthur  Gör  geil,  ungarischer  Heerführer,  zu  Toporez  im
Zipser  Komitat  geboren.

1821.  Hermann  von  Mallinckrodt,  ultramontaner  Politiker

und  Parlamentarier,  zu  Minden  geboren
Er  starb  am  21.  Mai  1374.

1.  Februar.

1824.  Richard  Gen&amp;amp;e,  Kapellmeister  und  Komponist,  zu  Danzig
geboren.

1891.  Die  Afrikanische  Schutztruppe  unter  Major  von  Wissmann
  langt  in  Moschi  am  Kilimandscharo  an.

8.  Februar.

1644.  Karl  Theodor  Anton  Maria  Freiherr  von  Dalberg,
Kämmerer  von  Worms,  letzter  Kurfürst  von  Mainz  und  Fürst-Primas
  des  rheinischen  Bundes  und  Grossherzog  von  Frankfurt,
auf  dem  Stammschloss  Hernsheim  bei  Worms  geboren.

1763.  In  Preussen  wird  die  Staats-Lotterie  eingerichtet.

1795.  Moritz  Gottlieb  Saphir,  humoristischer  Schriftsteller  und
Journalist,  in  dem  ungarischen  Flecken  Lovas-Bereny  bei  Pest

von  jüdischen  Eltern  geboren.
Er  starb  am  4.  September  1858  zu  Wien.

1819.  Wilhelm  Jourdan,  Dichter,  zu  Insterburg  geboren.
Er  gehörte  1848  der  Nationalversammlug  in  Frankfurt  a.  M.  an
und  ward  dort  Ministerialrat  in  der  Marineabteilung  und  1849  als  solcher

pensioniert.

9.  Februar.

1745.  Erstürmung  Ratiborsdurch  den  Generallieutenant  Nassau;
worauf  die  Oesterreicher  über  die  Oder  zurückgehen  mussten.

1834.  Felix  Julius  Sophus  Dahn,  Gelehrter  und  Dichter,  zu
Hamburg  geboren.
11.  Februar.

1813.  Otto  Ludwig,  Dichter,  zu  Eisfeld  bei  Coburg  geboren.
Er  starb  am  25.  Februar  1865.

An  demselben  Tage  der  Schriftsteller  Heribert  Rau  zu
Frankfurt  a.  M.  geboren.  oo
Er  starb  am  26.  September  1876  in  seiner  Vaterstadt.

12.  Februar.
1848.  Bassermann  stellt  in  der  zweiten  badischen  Kammer  den
Antrag,  dass  künftighin  die  deutschen  Ständeversammlungen
beim  Bundestage  vertreten  sein  sollen.
        <pb n="722" />
        —  72  —

1891.  Die  Ostafrikanische  Schutztruppe  unter  Major  von
Wissmann  übernimmt  den  Sturm  auf  die  Boma  des  Häuptlings
Sina  von  Kibosho,  von  welchem  Unternehmen  sie  jedoch
aus  Mangel  genügender  Munitionsvorräte  und  weil  Major  von
von  Wissmanr  nicht  unnötig  seine  Leute  opfern  wollte,  nach

hartem  Kampfe  Abstand  nehmen  musste.
Es  waren  etwa  1000  Ochsen  und  600  Ziegen  bei  dieser  Gelegenheit
der  Schutztruppe  in  die  Hände  gefallen.

13.  Februar.
1820.  Albert  von  Keler-Bela,  Tanzkomponist  und  tüchtiger
Orchesterdirigent,  zu  Bartfeld  in  Ungarn  geboren.
1827.  Der  Schriftsteller  Ludwig  Börne  stirbt  in  Paris.
1891.  Erfolgreicher  Sturm  der  Ostafrikanischen  Schutztruppe  auf

die  stark  befestigte  Boma  des  Häuptlings  Sina  von  Kıbosho.
Sinas  Macht  ist  gebrochen;  seine  Boma  ist  zerstört;  er  selbst  mit

seinen  Leuten  geflohen.  —  Ueber  6000  Ochsen  und  nahezu  10  000  Ziegen

kommen  bei  dieser  Gelegenheit  in  die  Hände  der  Schutztruppe.

14.  Februar.

1009.  Bruno,  der  Heilige,  Apostel  der  Preussen,  wird  mit  18
Begleitern  von  den  wilden  Preussen  erschlagen.
1368.  Sigismund,  deutscher  Kaiser,  geboren.

15.  Februar.
1798.  HeirichLudwigBeitzke,  bedeutender  Geschichtsschreiber,

zu  Muttrin  in  Pommern  geboren.
Seit  1858  Mitglied  des  preussischen  Abgeordnetenhauses,  gehörte  er
der  Fortschrittspartei  an  und  starb  am  10.  Mai  1867  zu  Köslin.

1808.  Karl  Friedrich  Lessing,  Landschafts--  und  Historienmaler,
  zu  Breslau  geboren.

16.  Februar.
1821.  Heinrich  Barth,  berühmter  Reisender,  zu  Hamburg

geboren.
Er  starb  am  25.  November  1865  zu  Berlin.

17.  Februar.

1717.  Friede  im  Haag  zwischen  Spanien,  Savoyen  und  Oesterreich.
1796.  Philipp:Franz  von  Siebold,  Naturforscher  und  berühmter
Reisender,  zu  Würzburg  geboren.
Er  starb  am  18.  Oktober  1866  zu  München.
1891.  Der  Kongress  deutscher  Landwirte  tritt  in  Berlin  zusammen
  und  verhandelt  eingehend  über  die  Frage  „Landwirtschaft
  und  Sozialdemokratie“.

Es  wird  empfohlen,  nach  Möglichkeit  für  die  Aufbesserung  der
Lage  der  landwirtschaftlichen  Arbeiter  Sorge  zu  tragen,  wofür  Vorausbedingung
  Leistungsfähl  keit  der  ganzen  Landwirschaft  sei.  Dann  sollen
aber  die  Leute  auch  in  Versammlungen  belehrt,  durch  Wort  und  Schrift
Ihnen  Klar  gemacht  werden,  wie  wertlos  die  Lehren  der  Sozialdemoratie

  sind.
        <pb n="723" />
        —  713  —

18.  Februar.

1802.  Florenz  Heinrich  Gottfried  von  Bockum-Dolffs
preussischer  Politiker  und  Parlamentarier  ‚  ist  nicht  am  18.
sondern  am  19.  Februar  zu  Völlinghausen  geboren.

19.  Februar.

1778.  Friedrich  Karl  Freiherr  von  Tettenborn,  Parteigänger

  im  deutschen  Befreiungskriege,  zu  Tettenborn  in  Baden
geboren.
Er  starb  am  9.  Dezember  1845  als  Gesandter  in  Wien.

1780.  Friedrich  Heinrich  von  der  Hagen,  Germanist,  zu
Schmiedeberg  in  der  Ukermark  geboren.

1821.  Feodor  Wehl,  Schriftsteller  zu  Waldenburg  in  Schlesien
geboren.

1891.  Die  Kaiserin  Friedrich  kommt  mit  ihrer  Tochter,  der
Prinzessin  Margarethe,  auf  der  Reise  nach  England  nach  Paris,
wo  sıe  einige  Tage  verweilt  und  ihr  mit  Aufmerksamkeit  begegnet

  wird.
20.  Februar.

1891.  Kaiser  Wilhelm  II.  richtet  bei  Gelegenheit  eines  Diners
des  brandenburgischen  Provinzlandtages  zu  Berlin
einen  „Appell  an  sein  Volk“,  indem  er  in  seiner  Tischrede
folgendes  hervorhob:

Er  wisse,  dass  er  mit  allen  Brandenburgern  übereinstimme  und
fühle  sich  deshalb  hier  wohl.  Wir  ständen  noch  im  Schatten  des  Tages
der  Gedenkfeier  des  Grossen  Kurfürsten,  des  Herrschers,  der  so
recht  mit  allen  Fasern  an  Brandenburg  hing,  der  es  aus  Elend  herausgehoben
  habe.  Er  leuchte  ihm,  dem  Kaiser,  besonders  voran,  er  sei  sein
vornehmliches  Vorbild.  Er  wisse  genau,  dass  in  der  letzten  Zeit  so
Mancher  dahingegangen,  dass  so  Manches  anders  geworden,  und
dass  das  nicht  Jedem  so  recht  einleuchten  wolle,  dassesnichtJedem
leicht  würde,  ihm  zu  folgen.  Man  sollihm  vertrauen,  wenn
wir  helfen,  arbeiten  wollten,  müssten  wir  allein  das  Ganze  im  Auge
haben.  Hierbei  sei  ihm  ein  Rückblick  gestattet.  Es  sei  im  letzten
Sommer  in  Memel  gewesen,  an  der  Stelle,  in  dem  Hause,  wo  seine  Urgrosseltern
  geweilt,  als  Preussen  darniedergelegen.  Dort  lägen  die  Anfänge
  der  jetzigen  Grösse.  Im  Vertrauen  hätte  sich  damals  Alles
um  den  König  geschaart  und  sei  ihm  gefolgt.  So  müsse  es  heute  auch
sein,  wenn’s  auch  gottlob  nicht  so  wie  damals  stände.  In  der  Zeit,  wo
Ungehorsam  und  andere  Untugenden  durch  die  Welt  schlichen,  wo
ganze  Ozeane  von  Druckschwärze  und  Papier  verschwendet
  würden,  um  Alles  das  zu  verwirren  und  zu  verdunkeln,  wasdoch
so  klar  vor  Aller  Augen  liege,  müsse  man  zu  ihm  halten.
Er  lasse  sich  nicht  beirren  und  hege  die  bestimmte  Hoffnung,
dass  man  ihm  folgen  würde,  dass  er  treue  Männer  genug  üinden  würde.
So  reehne  er  besonders  auf  seine  Brandenburger,  zu  denen  ihr
Markgraf  spreche,  der  sich  seiner  Verantwortung  voll  und  ganz  bewusst
sei  und  Morgens  und  Abends  die  Hilfe  und  Gnade  Gottes  auf  sein  Werk
herabflehe.  In  diesem  Sinne  trinke  er  auf  das  Wohl  seiner  getreuen

Provinz  Brandenburg!
        <pb n="724" />
        —-  714  —

Ausgabe  der  neuen  dreiprozentigen  Reichs-  und  preussischen
  Anleihe  mit  einer  sehr  bedeutenden  Ueberzeichnung.

Die  Anleihen,  450  Millionen  Mark,  werden  ausgefertigt  in
Stücken  zu  200,  500,  1000,  2000  und  5000  M.  mit  halbjährigen,
am  1.  April  und  1.  Oktober  fälligen  Zinsscheinen.  Der  Zeichnungspreis
  beträgt  8440  Prozent.  —  Von  den  450  Millionen  Mark
entfallen  250  Millionen  auf  das  Reich  und  200  Millionen  auf

Preussen.

21.  Februar.
1785.  Karl  August  Varnhagen  van  Ense,  Schriftsteller,  zu

Düsseldorf  geboren.
1823.  Julius  Jolly,  badischer  Staatsmann,  zu  Mannheim  geboren.
Seit  1861  im  badischen  Ministerium  war  er  mit  Bluntschly,  Roggenbach
  und  Mathy  ein  eifriger  Förderer  der  Einigung  Deutschlands
unter  Preussens  Vortritt.

22.  Februar.
1817.  Ottilie  Wildermuth,  Schriftstellerin,  zu  Rottenburg  am

Neckar  geboren.
24.  Februar.

1530.  Karl  V.  wird  zuBologna  durch  Clemens  VII.  zum  römischen

  Kaiser  gekrönt.
Es  war  die  letzte  Kaiserkrönung  durch  den  Papst.

1811.  Friedrich  Daniel  Bassermann,  deutscher  Politiker,

freiheitsbegeisteter  Patriot,  zu  Mannheim  geboren.

Durch  anhaltende  Nerven-  und  Augenleiden  zum  Selbstmord  getrieben,
  erschoss  er  sich  am  29.  Juli  1855.  —

Sprichwörtlich  geworden  sind  die  „Bassermannschen  Gestalten“,
  womit  man  Leute  bezeichnet,  welche  so  ausschen  würden,  wie
Bassermann  nach  seiner  Rückkehr  aus  Berlin  in  der  Nationalversammlung
  zu  Frankfurt  a.  M.  die  Berliner  Revolutionäre

schilderte.

1529.  Friedrich  Spielhagen,  Schriftsteller,  zu  Magdeburg
geboren.

1833.  Graf  Eduard  Taaffe,  österreichischer  Staatsmann  zu  Prag
geboren.

1835.  Maria  Seebach,  berühmte  Schauspielerin,  zu  Riga  geboren.

26.  Februar.

1794.  Hans  Daniel  Ludwig  Friedrich  Hassenpfug,  kurhessischer

  Minister,  zu  Hanau  geboren.
Er  starb  am  10.  Oktober  1862;  ein  Feind  aller  freiheitlichen

Bestrebungen.
27.  Februar.

1824.  Robert  von  Keudell,  preussischer  Staatsmann,  zu  Königsberg
  geboren.
        <pb n="725" />
        —  75  —

28.  Februar.

1683.  Rene  Antoine  Ferchault  de  Reaumur,  zu  La  Rochelle
geboren.

Er  erfand  das  nach  ihm  benannte  „Reaumursche  Porzellan“  und

ein  Weingeistthermometer  mit  einer  neuen,  von  ihm  hinzugefügten
  Skala.

1823.  Friedrich  Franz  II.,  Grossherzog  von  Mecklenburg-Schwerin,

geboren.
29.  Februar.

1791.  Gioachimo  Antonio  Rossini,  italienischer  Opernkomponist,
  zu  Pesaro  im  Kirchenstaat  geboren.

 

 

3.  März.

1805.  Emil  Adolf  Rossmässler,  Naturforscher,  zu  Leipzig
geboren.
Er  starb  am  8.  April  1867  in  seiner  Vaterstadt.

4.  März.
1833.  Antoine  Alphonse  Chassepot,  Erfinder  des  nach  ihm
benannten  Gewehres,  geboren.

5.  März.

1838.  Gustav  Theodor  Fritsch,  Anatom  und  Forschungsreisender,
zu  Kottbus  geboren.

6.  März.
1475.  Michelangelo,  berühmter  italienischer  Maler,  Bildhauer
und  Baumeister,  geboren.

1.  März.
1745.  Ernst  Ludwig  von  Gerlach,  preussischer  Jurist  und

Parlamentarier,  zu  Berlin  geboren.

Ein  scharfer  Gegner  der  Bismarcksehen  Politik,  schloss  er  sich  1873
der  Zentrumspartei  an.  Er  starb  aın  18.  Februar  1877  zu  Berlin,  infolge
eines  Unglücksfalles.

1808.  Johann  Kaspar  Bluntschli,  ausgezeichneter  Rechtsgelehrter
  und  Staatsmann,  zu  Zürich  geboren.

1818.  Heinrich  Julian  Schmidt,  Kritiker  un  Litterarhistoriker,
in  Marienwerder  geboren.

1891.  Schlussabstimmungim  preussischen  Abgeordnetenhause

  über  die  Einkommensteuervorlage.  |
Mit  einer  Mehrheit,  die  in  der  parlamentarischen  Thätigkeit  dieses
Hauses  eine  Seltenheit  ist,  ist  dieses  Gesetz  nach  monatlanger  Beratung
in  den  Kommissionen  und  in  dem  Plenum  angenommen  worden.  Dagegen
  erhoben  sich  nur  36  Stimmen.  Es  waren  dies  die  aller  Freisinnigen,
  10  Zentrumsmitglieder,  2  Nationalliberale  und  der  widerspruchsvolle

Däne  Johannsen.
        <pb n="726" />
        —  7116  —

9.  März.
1697.  Friederike  Karoline  Neuber,  berühmte  Schauspielerin,

zu  Reichenbach  im  Vogtlande  geboren.
Sie  erwarb  sich  um  die  deutsche  Bühne  grosse  Verdienste  und  starb
am  30.  Dezember  1760  in  Laubegast  bei  Dresden,  wo  ihr  auch  ein  Denkmal

  errichtet  wurde.
10.  März.

1856.  Karl  Ludwig  Friedrich  von  Hinckeldei,  Polizeipräsident
  von  Berlin,  ein  entschiedener  Gegner  des  Liberalismus,

stirbt  im  Duell.

Er  hat  in  Berlin  zahlreiche  gemeinnützige  Institute  ins  Leben

gerufen.
11.  März.

1867.  Ende  der  mexikanischer  Expedition  Frankreichs.
Die  französischen  Truppen  unter  Bazaine  verlassen  Mexiko.

1878.  Die  Ural-Eisenbahn  eröffnet.
1891.  Der  70.  Geburtstag  des  Prinz-Regenten  von  Bayern  wird  am
ll.  und  12.  März  in  ganz  Bayern  festlich  begangen.

12.  März.
1848.  Petition  der  Wiener  Studenten  um  eine  constitutionelle
Verfassung.
1891.  Der  „Reichs-Anzeiger*  meldet  den  Rücktritt  des  Kultus-Ministers
  von  Gossler  und  die  Ernennung  des  Oberpräsidenten
der  Provinz  Posen  Graf  von  Zedlitz-  Trützschler  zu  seinem

Nachfolger.
15.  März.

1865.  Eduard  von  Bonin,  preussischer  General,  stirbt  zu  Koblenz,
Er  war  am  7.  März  1793  zu  Stolpe  in  Hinterpoiinern  geboren.

14.  März.
1805.  Eduard  Grafvon  Clam-Gallas,  österreichischer  General,
zu  Prag  geboren.
1891.  Dr.  Windhorst,  Exellenz,  Minister  a.  D.  und  hervorragender
Abgeordneter,  stirbt  morgens  8  Uhr  15  M.  in  Berlin.

Er  war  ein  schwer  zu  ersetzender,  ebenso  geistreicher  als  schneidiger
Führer  des  ultramontanen  Centrums  im  Reichstag  wie  im  preussischen

Abgeordnetenhaus.
17.  März.

1788.  Hermann  Joseph  Freiherr  von  Hess,  österreichischer

Feldherr,  zu  Wien  geboren.
Er  starb  am  13.  April  1870  zu  Wien.

1306.  Karl  Mathy,  badischer  Staatsmann,  zu  Mannheim  geboren.
1545  Mitglied  des  Vorparlaments  und  der  deutschen  Nationalversammlung
  zu  Frankfurt  a.  M.,  —  1850  Abgeordneter  für  das  Erfurter
Volkshaus,  trat  er  für  die  preussische  Unionspolitik  ein  und  wirkte
später  als  Chef  des  badischen  Gesamtministeriums  im  Geiste  des  National-Vereins.
  Er  starb  in  der  Nacht  vom  2.  zum  3.  Februar  1868  zu
Karlsruhe.
        <pb n="727" />
        —  1  —

1825.  Hermann  von  Mittnacht,  württembergischer  Minister,
zu  Stuttgart  geboren.

Er  leitete  1870  die  Verhandlungen  über  Württembergs  Anschluss

an  das  deutsche  Reich  und  hat  um  Schaffung  eines  einheitlichen  Reiches
grosse  Verdienste.

1579.  Adolf  Strodtmann,  Dichter  und  Schriftsteller,  stirbt  in
Steglitz  bei  Berlin.

1891.  Urtergang  des  Auswanderungsschiffs  „Utopia“  -in  der  Meerenge
  von  Gibraltar,  wobei  von  830  Passagieren  und  50  Mann
Besatzung  nur  24  Mann  der  Besatzung  und  292  Passagiere  gerettet
  werden.

Prinz  Jerome  Napoleon,  Sohn  des  ersten  und  letzten  Königs
von  Westfalen,  stirbt  im  Alter  von  69  Jahren  zu  Rom  nach
kurzer  Krankheit.

19.  März.

1815.  Graf  Leopold  zur  Lippe,  preussischer  Minister,  in  See

bei  Görlitz  geboren.

Am  5.  Dezember  1867  als.  Minister  entlassen,  ward  er  ein  eifriger
Gegner  der  Bismarckschen  Politik.

1891.  Der  kaiserliche  Gouverneur  von  Ost-Afrika,  Freiherr  von
Soden,  schifft  sich  in  Neapel  auf  dem  Reichsdampfer  „Reichstag“
nach  Dar-es-Salaam  ein.

20.  März.
1801.  Bogumil  Goltz,  Schriftsteller,  Denker  und  Weiser,  zu

Warschau  geboren.
Er  starb  am  12.  November  1870  zu  Thorn.

1824.  Theodor  von  Heuglin,  berühmter  Afrikareisender,  zu

Hirschlanden  in  Württemberg  geboren.
Er  starb  am  5.  November  1816  zu  Stuttgart.

&amp;gt;24.  März.

1811.  Fanny  Lewald,  Schriftstellerin,  zu  Königsberg  i.  P.  von
israelitischen  Eltern  geboren.

1819.  Julius  von  Hölder,  württembergischer  Politiker  entschieden
liberaler  Richtung,  zu  Stuttgart  geboren.

1830.  Robert  Hamerling,  Dichter,  zu  Kirchberg  am  Wald  in
Niederöstereich,  geboren.

25.  März.

1891.  Georg  Friedrich  Alfred  von  Fabrice,  sächsischer

Kriegsminister  und  General,  stirbt  zu  Dresden.  |

Er  entstammte  einer  mecklenburgischen  Adelsfamilie;  sein  Vater
stand  als  General  in  sächsischen  Diensten,  Im  Kriege  von  1866  wurde
er  zum  Generalmajor,  nach  dem  Frieden  zum  Generallieutenannt  befördert
und  erhielt  nach  Rabenhorst’s  Rücktritt  die  Leitung  des  Kriegsministeriums.
  die  er  nahezu  25  Jahre  inne  gehabt  hat.  Im  Kriege  von  130
elcn  ihm  wiederholt  wichtige  Missionen  zu,  bald  als  Vertreter  des
Reiehskanzlers,  bald  an  dessen  Seite  als  Gehilfe,  namentlich  beim  Ab-
        <pb n="728" />
        —  718  —

schluss  des  Friedensvertrags.  v.  Fabrice  hat  ein  Alter  von  73  Jahren
erreicht.  Er  war  am  23.  Mai  1818  zu  Quesnoy  sur  Deule  in  Frankreich
  geboren,  wo  sein  Vater  als  Husarenmajor  damals  bei  den  Okkupationstruppen
  stand.

36.  März.

1873.  Albrecht  Graf  von  Bernstorff,  preussischer  Diplomat,
stirbt  ala  Botschafter  des  deutschen  Reichs  zu  London.

27.  März.
1810.  AdolfGlassbrenner,  humoristischer  und  satirischer  Schriftsteller,
  zu  Berlin  geboren.
1828  Georg  Bleibtreu,  bedeutender  Schlachtenmaler,  zu  Xanten
geboren.

2S.  März.
1483.  Raffael  Santi  (Sanzio)  berühmter  Maler,  zu  Urbino  geboren.

1806.  Georg  Viktor  von  Unruh,  Techniker  und  Politiker,  zu
Tilsit  geboren.

Er  gehörte  zum  Ausschuss  des  National-Vereins,  war  als  Mitglied
des  preussischen  Abgeordnetenhauses  Mitbegründer  der  Fortschrittspartei,
aus  der  er  1867  schied  und  von  da  an  der  Nationalliberalen-Partei  auch
im  norddeutschen  und  im  deutschen  Reichstage  angehörte.

1891.  Friedrich  Stoltze,  hochbegabter  Dichter  und  Humorist,
der  „populärste  Mann  Frankfurts  a.  M.“,  stirbt  daselbst.

sl.  März.  \
1580.  Bogislaw  AIV.,  der  letzte  Herzog  in  Pommern  (von
1620—  1637),  geboren.
1891.  Eröffnung  des  Pariser  Bergarbeiter-Kongresses,
zu  welchem  sich  Vertreter  aus  England,  Belgien,  Oesterreich

und  Deutschland  eingefunden  haben.

Es  kommt  mehrmals  zu  sehr  hitzigen  Auseinandersetzungen;  wobei
sich  namentlihh  die  Engländer  durch  rubige  Haltung  und  zweckentsprechende
  Vorschläge  aus.  —  Schliesslich  neigte  man  sich  doch  zu  der  Ansicht,
  dass  ein  allgemeiner  Ausstand  zur  Zeit  unpraktisch,  Ja  sogar  für
die  Sache  selbst  höchst  nachteilig  sein  könne.  —  Die  Belgier  liessen
sich  jedoch  nicht  belehren.  —  Die  deutschen  Vertreter  Bunte,
Schröder  und  Siegel  machten  sich  bei  dieser  Gelegenheit  durch  ein
recht  unpatriotisches  Hervortreten  bemerklich,  was  ihnen  durch
andersdenkender  Bergleute  später  in  Erinnerung  gebracht  wird.

 

 

1.  April.

1817.  Marcus  Karsten  Nikolaus  von  Niebuhr,  preussischer
Staatsmann  und  hochverdient  um  die  politische  Entwicklung

des  preussischen  Staats,  zu  Kom  geboren.
sr  starb  am  1.  August  1860.
        <pb n="729" />
        —  719  —

5b.  April.
1891.  Eine  zahlreich  besuchte  Bergarbeiter-Versammlung

zu  Dortmund  protestiert  gegen  das  Verhalten  der  deutschen

Abgeordneten  auf  dem  Pariser  Bergarbeiter-Kongress.

Es  wurde  folgende  Resolution  angenommen:  „Die  Versammlung  erklärt:
  1.  dass  die  Herren  Bunte,  Schröder  und  Siegel  nicht  berechtigt
  waren,  im  Namen  und  im  Auftrag  der  deutschen  Bergleute  zu
sprechen,  2.  dass  das  Auftreten  dieser  Herren  die  berechtigten  Bestrebungen
in  schwerster  Weise  schädigt,  3.  dass  die  Pariser  Kongressbebeschlüsse
  für  uns  null  und  nichtig  sind  und  4.  dass  der  Anschluss  an
den  Bergarbeiterverband  Glückauf  wünschenswert  ist.*

6.  April.
1832.  Emil  von  Riedel,  bayerischer  Staatsminister  der  Finanzen,
zu  Kurzenaltheim  geboren.

Ss.  April.

1795.  Moritz  August  von  Bethmann-Hollweg,  Staatsmann
und  Rechtsgelehrter,  in  Frankfurt  a.  M.  geboren.

9.  April.
1767.  Christian  Graf  von  Bentzel-Sternau,  Schriftsteller,

zu  Mainz  geboren.  |
Er  starb  am  13.  August  1849  zu  Mariahalden.

10.  April.
1492.  Johann  Agricola  (Johann  Schnitter),  Theolog  und  Mitarbeiter

  an  der  Reformation,  zu  Eisleben  geboren.  |
1825.  Ludwig  Karl  Aegidi,  Rechtsgelehrter  und  Parlamentarier,

zu  Tilsit  geboren.
11.  April.

1741.  Johann  Heinrich  Merck,  Schriftsteller  der  „Sturm-  und

eriode“,  zu  Darmstadt  geboren.
Drangp  war  ein  Jugendfreund  Göthes  und  machte  aus  Schwermut  und
häuslichen  Sorgen  am  27.  Juni  1791  seinem  Leben  durch  Selbstmord

ein  Ende.
13.  April.
1810.  Gotthard  Oswald  Marbach,  Dichter  und  Schriftsteller,

zu  Jauer  in  Schlesien  geboren.

14.  April.

1800.  Anton  Baumstark  (Pseudonym  Hermann  vom  Busche),
Philolog,  zu  Sinsheim  in  Baden  geboren.

15.  April.
1814.  Karl  Gödeke,  bedeutender  Litterar-Historiker,  zu  elle
geboren.
        <pb n="730" />
        —  720  —

18.  April.

1822.  Augustus  Petermann,  Georgraph  und  Karthograph,  zu

Bleicherode  bei  Nordhausen  geboren.
Er  starb  am  25.  September  1878  zu  Gotha  als  Vorstand  des  geo
graphischen  Instituts  von  Justus  Perthes  daselbst.

20.  April.

1818.  Albrecht  von  Stosch,  Staatsminster  und  Chef  der  deutschen
  Admiralität,  zu  Koblenz  geboren.

23.  April.
1564.  William  Shakespeare,  englischer  Dramatiker,  zu  Stratford

  on  Avon  (Warwickshire)  geboren.
Sein  Geburtstag  ist  1616  auch  sein  Todestag.

24.  April.
1795.  Karl  Seydelmann,  Schauspieler,  zu  Glatz  in  Schlesien

geboren.
Er  starb  am  17.  März  1843  zu  Berlin.

25.  April.

1842.  Pauline  Lucca,  berühmte  Sängerin,  zu  Wien  geboren.

 

 

2.  Mai.
1482.  Das  sächische  Vogtland  kommt  in  die  Herrschaft  des  Hauses
Wettin.
d.  Mai.

1038.  Gotthard,  der  Heilige,  Bischof  von  Hildesheim,  stirbt.
Nach  ihm  sind  das  Gotthardskloster  in  Hildesheim  (1135)  und  der
St.  Gotthard  in  der  Schweiz  benannt.

6.  Mai.

1855.  Alexander  von  Soiron,  deutscher  Staatsmann  und  Parlamentsredner
  (Paulskirche),  stırbt  von  einem  Schlagfluss  getroffen,
auf  einem  Spaziergange  mit  seinem  Freunde  Heinrich  von
Gagern,  zu  Heidelberg.

9.  Mai.

1891.  Projektirte  Eröffnung  der  Ausstellung  der  deutschen

Kunst-  und  Industrie-Erzeugnisse  in  London.
Dieselbe  dauert  bis  zum  Oktober  1891.

10.  Mai.

1754.  Asmus  Jakob  Carstens,  bedeutender  Historienmaler,  in
der  Sankt  Jürgener  (jetzt  Gallberger)  Mühle  bei  Schleswig  geboren.

Er  starb  am  9.  Mai  1708  in  Rom.
        <pb n="731" />
        —  21  —

15.  Mai.

1816.  Alfred  Rethel,  Historienmaler,  in  Diepenband  bei  Aachen
geboren.
Er  starb  am  1.  Dezember  1859  zu  Düsseldorf.

21.  Mai.

1784.  Ernst  Benjamin  Salomon  Rauppach,  dramatischer

Dichter,  zu  Straupitz  bei  Liegnitz  geboren.

Er  starb  am  18.  März  1852.  Seine  Dramen  waren  seiner  Zeit  beim
deutschen  Publikum  sehr  beliebt,  obgleich  solche  keinen  dauernden
poetischen  Wert  haben.

22.  Mai.

1802.  Leopold  Feldmann,  Lustspieldichter  und  Journalist,  zu
zu  München  geboren.

29.  Mai.

1794.  Johann  Heinrich  von  Mädler,  berühmter  Astronom  und

populärer  ‚Schriftsteller,  zu  Berlin  geboren.
Er  starb  am  14.  März  1874  zu  Hannover.

 

 

l.  Juni.
1790.  Ferdinand  Raimund,  Schauspieler  und  Bühnendichter,  zu

Wien  geboren.
Er  starb  am  5.  September  1836  durch  Selbstmord.

1818.  Otto  Müller,  Romanschriftsteller,  zu  Oberschotten  am  Vogelsberg
  geboren.

Unter  seinen  vielen  Romanen  hatten  seiner  Zeit  besonders  „Bürger.
Ein  Dichterleben“,  „Charlotte  Ackermann“  und  „der  Majoratsherr“  guten

Erfolg.
5.  Juni.
1493.  Justus  Jonas,  Reformator,  Freund  und  Gehilfe  Luthers,

zu  Nordhausen  geboren.
Er  starb  am  9.  Oktober  1555  als  Superintendent  in  Eisfeld.

6.  Juni.

1134.  Norbert,  der  Heilige,  Stifter  des  Prämonstratenser-Ordens,

stirbt  zu  Magdeburg  als  Erzbischof  daselbst.  |
1436.  Regiomontanus  (Johannes  Müller)  berühmter  Mathematiker

und  Astronom  des  15.  Jahrhunderts,  zu  Königsberg  ın  Franken
geboren.
9.  Juni.
1876.  Oskar  von  Wydenbrugk,  Staatsmann,  stirbt  auf  seinem

Landsitz  Schöffau  in  Oberbayern.
46
        <pb n="732" />
        —  122  —

10.  Juni.
1844.  Karl  Hagenbeck,  Inhaber  der  grössten  Handelsmenagerie
der  Welt,  zu  Hamburg  geboren.

Ä  12.  Juni.
1775.  Friedrich  Ferdinand  Karl  Freiherr  von  Möffling  (Familienname

Weiss),  preussischer  Generalfeldmarschall,  zu  Halle  a.  3.  geboren.
Er  starb  am  16.  Januar  1851  zu  Erfurt.

17.  Juni.
1784.  Friedrich  von  Thiersch,  berühmter  Philolog,  zu  Kirchscheidungen

  unweit  der  Unstrut  geboren.
Er  starb  am  25.  Februar  1860  zu  München.

21.  Januar.
1809.  Heinrich  Hoffmann,  Arzt  und  Dichter,  zu  Frankfurt  a.

M.  geboren.
Sein  allbekannter  „Struwelpeter“  ist  das  beliebteste  Buch  der
Kinderwelt,  das  unzählige  Auflagen  erlebt  hat  und  auch  künftighin  noch

erleben  wird.

22.  Januar.
1823.  Adolf  Hilgenfeld,  bedeutender  Theolog  und  seit  1873
Kirchenrat  in  Jena,  zu  Stoppenbeck  bei  Salzwedel  geboren.

28.  Juni.
1890.  Furchtbares  Erdbeben  in  der  Gegend  von  Astrabad

  in  Persien.

Kolossale  Felsmassen  sprangen  wie  trockener  Lehm  auseinander
und  verschlangen  in  bodenloser  Tiefe  Weiden  mit  Herden  und  Hirten,
furchtbare  Felsblöcke  stürzten  nach  und  bedeckten  die  Gräber.  Ganze

Berge  wankten.
29.  Juni.

1721.  Johann  Baron  von  Kalb,  nordamerikanischer  General,

zu  Hüttendorf  bei  Erlangen  als  Sohn  eines  Landmanns  geboren.
Er  starb  in  der  Schlacht  bei  Camden  (Süd-Carolina)  (16.  August
1790),  elfmal  verwundet  am  19.  August  1790.

30.  Juni.

1881.  Gustav  von  Alvensleben,  preussischer  General,  stirbt.

 

1.  Juli.
1877.  Die  Deckersche  Hofbuch-Druckerei  in  Berlin  geht  in
die  Verwaltung  des  deutschen  Reichs  über.

14.  Juli.

1852.  Guido  Görres,  ein  schneidiger  ultramontaner  Dichter  und

Schriftsteller,  stirbt  zu  München.
Er  war  1805  zu  Koblenz  geboren.
        <pb n="733" />
        —  723  —

1506.  Martin  Behaim,  Verfertiger  des  ersten  Erdglobus,  stirbt

zu  Lissabon.
19.  Juli.

1462.  Schlacht  bei  Giengen  a.  d.  Br.

Ludwig  IX.,  der  Reiche,  Herzog  von  Ba  -Landsh
den  Albrecht  Achilles  von  Brandenburg.  yern-andshut,  besiegt

28.  Juli.

1875.  Jean  Baptiste  von  Schweitzer,  Sozialdemokrat  und
Dichter,  stirbt  zu  Giesbach  am  Bodensee.

1879.  Publikation  des  kriegsgerichtlichen  Erkenntnisses
in  Betreff  des  Unterganges  des  deutschen  Panzerschiffes

  „Grosser  Kurfürst“  (31.  Mai  1878).

Der  Kontre-Admiral  Batsch  wurde  zu  6  Monat  Festungshaft  und
der  Kapitän-Lieutenant  Klausa  zu  1  Monat  Festungshaft  verurteilt,
während  der  Kapitän  zur  See  Kühne  freigesprochen  wurde.  |

 

24.  August.
1411.  Friedrich  der  Sanftmüthige,  Kurfürst  von  Sachsen,

geboren.
24.  August.

1776.  Barthold  Georg  Niebuhr,  scharfsinniger  Geschichtsforscher

  und  Kritiker,  zu  Kopenhagen  geboren.
Er  starb  am  2.  Januar  1831.

28.  August.

1867.  KarlJoseph  Anton  Mittermaier,  berühmter  Kriminalist

und  Politiker,  stirbt  als  Professor  in  Heidelberg.
1848  war  er  Präsident  des  Vorparlaments  zu  Frankfurt  a.  M.  und
in  der  Nationalversammlung  Mitglied  des  Verfassungsausschu:ses.

 

9.  September.

1822.  Napoleon,  Prinz  von  Montfort,  („Plon-Plon“),  jüngster

Sohn  Jerömes  Napoleon,  geboren.
1830.  Dresden  wird  in  der  Nacht  des  9.  Septembers  von  zwei

rossen  Volkshaufen  von  aussen  her  erstürmt,  und  das  Polizeigebäude
  und  das  Rathaus  dasselbst  verheert  und  in  Brand  gesteckt.

11.  September.

1709.  Die  Schlacht  bei  Malplaquet  ist  irrtümlich  unterm  12.
September  aufgeführt,  während  dieselbe  am  heutigen  Tage
stattfand.

1811.  Karl  Ludwig  Freiherr  von  der  Pfordten,  bayrischer

Staatsmann,  zu  Ried  im  Innviertel  geboren.
Nie  ein  Freund  Preussens  starb  er  am  18.  August  1880,
        <pb n="734" />
        —  71724  —

13.  September.

1802.  Arnold  Ruge,  Schriftsteller,  zu  Bergen  auf  Rügen  geboren.
Als  Mitglied  der  deutschen  Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.M.
gehörte  er  zur  äussersten  Linken.

24.  September.

1705.  Leopold  Joseph  Graf  von  Dhaun,  österreichischer

General,  zu  Wien  geboren.

Er  besiegte  bei  Kolin  Friedrich  den  Grossen  und  bei  Breslau  den
Herzog  von  Braunschweig-Bevern  und  führte  in  der  Nacht  vom  13.  zum
14.  Oktober  1758  den  berühmten  Handstreich  gegen  den  preussischen
König  bei  Hochkirch  aus.  Er  starb  am  5.  Februar  1766.

25.  September.

1812.  Friedrich  Karl  Biedermann,  Philosoph,  Publizist  und

Kulturhistoriker,  zu  Leipzig  geboren.
Gehörte  1848  zur  Nationversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  und  von
1871—74  war  er  Mitglied  des  deutschen  Reichstags.

27.  September.
1703.  Treffen  bei  Limburg.

Marlborough  besiegt  die  Franzosen.

 

13.  Oktober.

1832.  Eduard  Tempelty,  dramatischer  Dichter  und  Kabinetsrat
  des  Herzogs  Ernst  II.  von  Koburg-Gotha,  geboren.

14.  Oktober.

1786.  Julius  Jakob  Freiherr  von  Haynau,  österreichischer
General,  zu  Kassel  geboren.

Er  war  ein  Sohn  des  Kurfürsten  Wilbelms  I.  von  Hessen  und  der
Frau  von  Lindenheim  und  starb  am  14.  März  1553  zu  Wien.

1870.  Karl  Twesten,  Politiker  und  Parlamentarier,  stirbt.

Er  war  Mitbegründer  der  nationalliberalen  Partei  und  zeichnete
sich  sowohl  im  preussischen  Abgeordnetenhause,  als  auch  im  Reichstag
des  norddeutschen  Bundes  als  hervorragender  Redner  aus.

18.  Oktober.

1798.  Karl  Ludwig  Freiherr  von  Bruck,  österreichischer
Minister,  zu  Elberfeld  geboren.

Er  hat  sich  als  Handelsminister  grosse  bleibende  Verdienste  erworben,
  als  späterem  Finanzminister  hatte  man  ihm  mit  Unreel:t  die  schlechte
Finanzlage  Oesterreichs  zum  Vorwurf  gemacht  und  da  ihm  die  nachgesuchte
  Entlassung  am  22.  April  1860  in  ungnädiger  Weise  vom  Kaiser
erteilt  worden  war,  so  nahm  er  sich  folgenden  Tags  selbst  das  Leben.
        <pb n="735" />
        —  125  —

26.  Oktober.

1798.  Beda  Weber,  Dichter  und  Schriftsteller,  in  Lienz  im  tyroler
Pusterthale,  geboren.

1848  Mitglied  der  deutschen  Nationalversammlung  zu  Frankfurt
a.  M..  war  er  ein  entschiedener  Gegner  Preussens  und  der  Gagern’schen
Partei,  die  er  mit  Witz  zu  geisseln  wusste.  Dahlmann  nannte  ihn  den
„wieder  aus  dem  Grabe  auferstandenen  Abraham  a.  Sta.  Clara.“  —  Er
starb  am  28.  Februar  1858  zu  Frankfurt  a.  M.

29.  Oktober.

1822.  Mieczyslav  Graf  von  Ledöchowski,  seit  1866  Erzbischof
  von  Posen  und  „Primas  von  Polen“,  zu  Gorki  bei

Sandomir  geboren.

Bis  1870  ein  Freund  der  Bismarckschen  Politik,  ward  er  dann  ein
Hauptgegner  derselben,  wurde  am  3.  Mai  1874  verhaftet  und  hatte  in
Ostrowo  eine  zweijährige  Gefängnisstrafe  zu  verbüssen.  —  Seit  1876
lebt  er  in  Rom,  immerwährend  gegen  Preussen  hetzend.

80.  Oktober.
1806.  Wilhelm  Hoffmann,  Theologe,  zu  Leonberg  in  Würrttemberg

  geboren.

Er  starb  am  28.  August  1873.  Von  ihm  wird  erzählt,  dass  er  auf  König
Friedrich  Wilhem  IV.  von  Preussen  einen  Einfluss  gehabt  habe,  wie  noch
nie  zuvor  ein  Geistlicher  der  preussischen  Monarchie.

15.  Oktober.
1879.  Eugen  Anton  Theophil  von  Podbielski,  preussischer

General,  stirbt.  |
Im  deutsch-französischen  Kriege  von  1870  war  er  Generalquartiermeister
  der  ganzen  deutschen  Armee.

 

9.  November.

1810.  Bernhard  von  Langenbeck,  erste  Autorität  auf  dem
Gebiete  der  Chirurgie,  zu  Hannover  geboren.

18.  November.  |
1772.  Ludwig  Friedrich  Christian  (Louis  Ferdinand),  Prinz

von  Preussen,  geboren.  |
Er  starb  Rn  Heldentod  am  10.  Oktober  1806  bei  Saalfeld.

 

6.  Dezember.
1827.  Karl  Frenzel,  Schriftsteller,  zu  Berlin  geboren.

8.  Dezember.
1815.  Adolf  Friedrich  Erdmann  Menzel,  berühmter  Maler,

zu  Breslau  geboren.
        <pb n="736" />
        —  726  —

1837.  Robert  Grafvon  Zedlitz-Trütschler,  seit  Anfang  März
1891  preussischer  Kultusminister,  geboren.

12.  Dezember.

1804.  Christian  Bernhard  Watzdorf,  weimarischer  Staatsmann,

zu  Schloss-Berga  a.  d.  Elster  geboren.

Er  starb  am  15.  September  1870  zu  Weimar.  Mit  Unrecht  nannte
man  ihn  den  „freisinnigsten  Staatsmann  seiner  Zeit.“

13.  Dezember.

1801.  Hermann  von  Beckerath,  Banquier  und  Staatsmann,
zu  Krefeld  geboren,

Ein  hervorragrnder  Patriot  und  freisinniger  Parlamentarier,  starb
am  12.  Mai  1870.  —  Von  ihm  rührt  das  geflügelte  Wort:  „Das  Warten
auf  Oesterreich  ist  das  Sterben  der  deutschen  Einheit!“

17.  Dezember.
1825.  Theodor  Keim,  protestantischer  Teolog,  zu  Stuttgart  geboren.

20.  Dezember.

1877.  Johann  Christian  Konrad  Hofmann,  hervorragender
Theologe  der  lutherischen  lkirche,  stirbt.

21.  Dezember.
1826.  Ernst  Pauer,  Komponist,  zu  Wien  geboren.

23.  Dezember.

1810.  Richard  Lepsius,  berühmter  Aegyptolog,  zu  Naumburg
geboren.

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