4  Einleitung.

Auch  in  seiner  Chronik,  so  zurückhaltend  er  hier  im  allgemeinen  mit
persönlichen  Bekenntnissen  zu  sein  pflegt,  leyt  er  gleichwohl  manchmal
  unwillkürlich  ein  Zeugnis  ab  von  dem,  was  ihm  das  Wesentliche
war  an  der  Reformation,  und  von  dem  Wege,  auf  welchem  er  zu
ihr  hingeführt  wurde.  Das  grosse  neu  geschenkte  Kleinod  ist  „das  heilige
krangelium“.  „Gott  der  Herr  woll  Gnad  verleihen,  dass  die  (  Hällische  )
Kirch  reformiert  werde  nach  seinem  heiligen  krangelio.“  „Das  heilig
Lrangelium,  das  unser  Herr  Gott  neulich  wieder  hat  leuchten  lassen“
u.  a.  Stellen.  Der  grosse  Schaden  aber,  der  glücklich  abgethan  worden,
ist  die  Messe.  „Also  ist  die  papistische  Mess  zu  Hall  ganz  abgethan.
  Gott  wöll  sein  Gnad  geben,  dass  sie  nit  wieder  lebendig  werd
und  ufferstehe“  Als  besonders  deutliche  Zeugnisse  für  die  Wahrheit
  der  neuen  Lehre,  die  jedem  unbefanyenen  Gemüt  einleuchten
missen,  nennt  er  die  Auysburgische  Konfession  und  die  Apologie,
dazu  Luthers  „Büchlein  über  das  Edikt“,  und  die  „Ermahnuny  zu.
dem  Adel“.  Mit  dieser  entschieden  evangelischen  Haltung  wusste
Herolt  gleichwohl  eine  milde  Beurteilung  und  pietätsvolle  Deutung
einzelner  Gebräuche  der  alten  Kirche  zu  verbinden.  Von  den  Jahrtagen
  und  Seelgeräten  sagt  er,  sie  seien  zu  Gottes  Ehr  und  Trost
der  Seelen  eingesetzt.  Die  Stifter  hätten  zwar  am  Gottesdienst  geirret,
  aber  ihr  Jutent  und  Meinung  sei  gewesen,  Gottes  Ehr  zu  fürdern
  und  dass  die  Seelen  nach  diesem  Leben  zur  Ruhe  und  ewigen
Seligkeit  mögen  befürdert  werden').

Um  so  schärfer  urteilte  er  dafür  über  diejenigen  Richtungen
innerhalb  der  evangelischen  Kirche,  welche  er  —  hierin  ganz  mit
Luther  und  Brenz  eins  oder  von  ihnen  abhängig  —  zu  den  Schwärmern
  rechnete.  Am  21.  Okt.  1525  unterzeichnete  er  zugleich  mit
13  andern  Theologen  unter  Führung  von  Brenz  und  Schnepf  zu
Hall  die  unter  dem  Namen  Syngramma  suericum  bekannte  Eıklärung,
  in  welcher  Ökolampads  zwinglische  Deutung  der  Einsetzungsworte
  ganz  in  Luthers  Sinn  abgewiesen  wurde”).  Die  Reformierten
gehören  ihm  geradehin  zu  den  Schwärmern.  (S.  die  Anmerkung
zu  Johannes  Walz,  im  Abschnitt:  Hällische  Bauern.)  Das  Gespräch
zu  Marburg  wird  berufen,  um  „den  Irrtum  des  Sakraments  zu  vereinigen“;
  aber:  „ist  nichts  ausgericht;  Zwinglin  ist  ursach  gewesen,
dass  sich  die  Sacramentirer  nit  haben  weissen  lassen“.  Auch  in  der
Beurteilung  Münzers  und  besonders  (Georg  Witzels  ist  er  durchaus
von  den  Anschauungen  der  Wittenberger  Kreise  abhängig,  die  ihm
0)  Gültbüchl.  Bl.  20,

?)  Hartmann  u.  Jäger,  Brenz  I.  141.