Einleitung.  5

ausser  durch  Druckschriften  noch  durch  Brenzens  Vermittlung  zugekommen
  sein  werden.  Mit  Brenz  war  er,  wie  schon  die  Wafengenossenschaft
  im  Syngramma  beweist,  enger  verbunden.  Weitere
Zeugnisse  dafür  bringt  das  folgende.

Im  Haller  Landgebiet  war  Herolt  der  erste,  der  sich  entschieden  :

der  Reformation  anschloss.  Darum  richteten  auch  die  aufständischen
Bauern,  als  sie  anfangs  April  1525  in  Braunsbach  die  Losung  zur
Empörung  gaben,  ihr  Augenmerk  bald  auf  ihn  und  hofften  an  ihm
einen  Dolmetscher  für  ihre  Ansprüche  und  Ziele  zw  finden.  Wie
sehr  sie  sich  hierin  getäuscht  sahen,  als  sie  in  nächtlicher  Weile  seinen
Pfarrhof'  umstellten  und  ihn  zu  freiwilligen  Mitziehen  bewegen  wollten,
wie  er  dann  als  Gefangener  mityeschleppt  wurde,  bis  das  tragikomische
Zusammentreffen  zwischen  Bauern  und  Städtern  bei  Gottwollshausen
ihm  die  Freiheit  zurückgab  —  das  alles  hat  er  selbst  mit  wirksanem
  Humor  im  „Bauernkrieg“  beschrieben.  Er  begab  sich  nun
zuerst  nach  Hall,  um  dem  Rat  über  seine  Schicksale  Bericht  zu  erstatten,
  dann  liess  er  seine  Habe  von  Reinsberg  kommen  und  blieb
bis  zum  Ende  des  Bawernkriegs  in  Hall.  Er  machte  von  da  aus
m  Auftrag  des  Rates  die  kxpedition  gegen  die  Bauern  in  Bühlerthann
  mit,  die  in  ähnlicher  Weise  wie  die  von  Gottwollshausen  zur
Posse  auslief,  und  hat  bei  dieser  Gelegenheit  auch  eigenhändig  ein
Falkonetlein  abbrennen  helfen.

Im  Jahr  1529  zoy  er  die  Konsequenzen  des  reformatorischen
Prinzips  durch  Gründung  des  Eshestandes').  Brenz  wur  es,  der  ihn
am  16.  November  in  Sebastian  Kraussens  Haus  zu  Hall  mit  der
Jungfrau  Lucia  Seubot,  Tochter  des  Iluns  Seubot  von  Gelbingen,
zusammenyab;  am  folgenden  Dienstag  wurde  dann  die  khe  durch
Pfarrer  Schmid  von  Braunsbach  nach  öffentlichem  Kirchgang  in
der  Kirche  zu  Reinsberg  „nach  christenlicher  Ordnuny“  einyesegnet.
(Bossert  a.  a.  O.)

In  demselben  Jahre  wurde  von  Würzburg  aus  der  Versuch  gemacht,
  die  seit  1524  unterbrochenen  Beziehungen  wieder  anzuknüpfen.
Früher  hatte  der  Offizial  des  Archidiakonus  zu  Würzburg  reyelmässig
  am  achten  Tag  nach  dem  Andreasfeiertay  (7.  Dezember)  in
Untermünkheim  den  „Send“  ?)  abgehalten,  zu  welchem  die  Pfurreien

')  Die  beiden  Hallischen  Pfarrer  Eisenmenger  und  Grüter  waren  ihm
nach  Bossert  Württ.  K.Gesch.  303  wahrscheinlich  anfangs  1529  vorangegangen,
während  Brenz  erst  1530  nachfolgte.

?)  Von  synodus,  Versammlung  von  Geistlichen,  geistliche  Gerichtsversammlung,
  nicht  zu  verwechseln  mit  dem  Ruralkapitel,  das  alle  Geistlichen

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