Einleitung.  7

Vorgehen  des  Bischofs  uber  beweist,  dass  er  einerseits  zwar  über
Herolts  Stellung  zur  neuen  Bewegung  übel  unterrichtet  war,  dass  er
ihn  aber  andererseits  doch  als  die  bedeutendste  Persönlichkeit  im  Kreise
der  Haller  Ruralen  betrachtete.

Von  der  Teilnahme,  welche  Herolt  der  weitern  Entwicklung
der  Reformation  zuwendete,  sind  wir  genauer  unterrichtet,  als  von
den  Eindrücken,  welche  ihre  ersten  Ereignisse  auf  ihn  gemacht  haben.
Er  hat  die  wichtigsten  Vorgänge  von  1529  an  in  seiner  Chronik  verzeichnet
  und  seine  Berichte  häufig  entweder  mit  einem  scharfen  Urteil
  oder  mit  einem  Worte  gemütvollen  Humors  beyleitet.  Über
die  Haltung  der  Reichsstadt  auf  dem  Speirer  Reichstag  1529  urteilt
er  ganz  mit  Brenzischer  und  Lutherischer  Schärfe,  sie  habe  sich
mit  den  Päystlern  unterschrieben.  Den  Reichstag  zu  Augsburg  1530
beschreibt  er  besonders  eingehend,  hauptsächlich  wohl  deswegen,  weil
er  darüber  aus  Brenzene  Briefen  reichern  Stoff  hatte.  Die  Schicksule
  des  Herzogs  Ulrich  hat  er  mit  unverhohlener  Sympathie  verfolgt.
„Es  liess  sich  greulich  im  Anfang  ansehen,  diesen  Fürsten  aus  seinem
Land  zu  vertreiben,  dann  ein  jeder  Hahn  freidig  ist  auf  seinem
Mist.“  Zum  Jahr  1533  stellt  er  mit  Schärfe  einander  gegenüber  die
Versicherung  des  Kaisers,  er  wolle  der  Fürsprache  der  evangelischen
Fürsten  um  Wiedereinsetzung  Ulrichs  eingedenk  sein,  und  die  bald
darauf  vorgenommene  öffentliche  Belehnuny  Ferdinands  mit  dem  Herzogtum,
  und  zu  1534  giebt  er  seiner  Freude  über  den  Ausgang  der
Schlacht  bei  Laufen  offenen  Ausdruck.  Er  hut  sicher  auch  dieses
Ereignis,  obwohl  er  es  nicht  ausdrücklich  bezeuyt,  mehr  vom  reformatorischen
  als  vom  politischen  Standpunkt  aus  betrachtet.  Das  letzte,
was  die  Chronik  berichtet,  ist  der  Wormser  Reichstag  1545.  Wenn
hier  der  Chronist  schreibt,  die  evangelischen  Stände  hätten  die  vom
Kaiser  ihnen  angesonnene  Beschickung  des  Tridentiner  Konzils  zurückgewiesen
  mit  der  Begründung,  der  Papst  habe  früher  schon  das
Evangelium  kondemniert,  werde  also  auch  auf  dem  Konzil  zugleich
Ankläyer  und  Richter  sein,  so  war  dies  augenscheinlich  auch  Herolts
eigene  Überzeugung.

Die  nächsten  Jahre  brachten  die  Dranysale  des  „spanischen“
(schmalkaldischen)  Krieges  und  zugleich  häusliches  Leid.  Das  Schicksal,
  das  dem  ehrwürdigen  Brenz  in  Hall  zugedacht  war,  konnte  leicht
auch  dem  Reinsberger  Pfarrer  widerfahren,  und  wenn  er  thatsächlich
  unbehelligt  blieb,  so  war  es  doch  ein  Leben  in  steter  Sorge,  und
mit  Schmerzen  sah  er  den  durch  das  Interim  herheigeführten  Zustand
kirchlicher  Verwirrung.  —  Am  5.  Februar  1547  starb  seine  erste