Einleitung.  9

der  Obley  Steinkirchen  wurde.  Auch  dieser  neue  Herr,  sowie  sein
Bruder  Eberhard  brachten  dem  betagten  Pfarrherrn  alle  Gunst  und
Wertschätzung  entgegen.

Johann  Herolt  starb  14.  November  1562  im  Alter  von  72  Jahren.
duf  seinem  Grab  zu  Reinsberg  war  die  ehrende  Inschrift  zu  lesen:

Clarus  in  hoc  templo  Johannes  pastor  Ileroldus
Erposuit  summi  doyma  fidemgue  Dei.

Illius  in  supera  vivit  feliciter  aula
Spiritus,  hoc  tegitur  corpus  inane  solo.

II.  Herolts  schriftstellerische  Thätigkeit.

Herolts  Werk  läuft  gemeiniylich  unter  dem  der  ältesten  Handschrift
  entnommenen  Titel:  „Chronika,  Zeit-  und  Jahrbuch  von  der
Stadt  Hall“.  Glaser,  Pfarrer  zu  Michelfeld,  Verfasser  einer  handschriftlichen
  Chronik  von  Hall  „bis  auf  Luthers  Kirchenverbesserung“'),
hat  in  seiner  1803  datierten  Vorrede  zu  diesem  Werk  die  kecke  Behauptung
  aufgestellt,  es  gebe  gar  keine  eigene  Heroltische  Chronik,
sie  sei  bloss  eine  Abschrift  der  Widmanschen.  „Wiedemanns  Werk
wurde  mehrmalen  abgeschrieben,  besser,  schlechter,  vollständiger,  unvollständiger,
  wie  es  die  Absicht  des  Kopisten  haben  wollte,  und  geriet
auf  diese  Weise  in  vielerlei  Hände.  Insonderheit  that  dies  Johann
Herold,  ein  Zeitgenosse  Wiedemanns,  der  hie  und  da  beim  Abschreiben
auch  von  dem  Seinen  etwas  hinzusetzte,  vorzüglich  von  kreignissen  der
Jüngsten  Zeiten,  und  indem  andere  wieder  von  seinem  Exemplar  eine
Abschrift  nahmen,  dadurch  Anlass  gab,  dass  man  sich  in  der  Folge
einbildete,  zweierlei  Chroniken,  eine  Wiedemannische  und  eine  Heroldische
  zu  haben.  ...  .  Man  las  also,  allein  man  verglich  nicht  Exemplarien
  gegen  einander;  jeder  beynügte  sich  an  einem,  und  so  blieb
der  Irrtum  immer,  dass  man  zwei  Chronikschreiber  habe,  so  leicht
es  auch  ist,  die  Fulschheit  dieser  Sage  durch  den  Augenschein  wahrzunehmen.“


Diese  resolut  hinyestellten  Sätze  wären  keiner  Beachtung  wert,
wenn  nicht  ihr  Urheber  in  seiner  eigenen  verdienstrollen  Chronik  sich
«als  ein  Mann  nicht  bloss  von  Geschnurck,  sondern  auch  von  scharfem
Urteil  und  eindringender  Kritik  gezeigt  hätte,  dessen  Name  sich  daher
unter  den  Kennern  der  Hallischen  Geschichte  und  Litteratur  eines

—.

')  Orig.  im  Staatsarchiv  Stuttgart,  Abschrift  in  der  Biblioth.  des  Histor.
Vereins  für  württ.  Franken.