Einleitung.  11

das  vorangehende  Stück  „Reformation  der  Kirchen  zu  Hall“,  das  bis
1540  fortgeführt  ist,  keineswegs  an;  dagegen  macht  er  sowohl  durch
die  allgemeinen  Einleitunysgedanken  als  durch  die  genaue  Formulierung
  der  Aufgabe  mehr  den  Eindruck  einer  Vorrede.  Dem  entsprechend
  findet  sich  am  Eile  der  Abschnitt:  „Beschluss  des  Bauernkriegs“,
  mit  der  scharf  abschneidenden  W’unschformel:  „Wöll  Gott,
dass  wir  seinem  Gefallen  nachleben,  darmit  wir  nuch  diesem  in  das
ewig  Leben  mögen  kommen.  Amen.“

2.  Der  Gesichtspunkt,  unter  welchem  Herolt  diese  Schilderung
entwirft,  ist  ein  andrer  als  der,  welchen  er  an  die  Spitze  seiner  Chronik
stellt.  Von  letzterer  sayt  er,  er  sei  verursacht,  seinen  „Kindern  und
guten  Freunden  diese  kurze  Chronik  und  Jahrbuch  zu  behendigen,
damit  sieauch  was  von  Hall,  ihrem  Ursprung  und  Geschichten,  Wissen
tragen“,  vom  Bauernkrieg  dagegen:  „Dieweil  alle  Historischreiber
bis  anher  den  Bauernkrieg  kurz  und  ganz  obenhin  beschrieben,  hab
ich  für  mich  itzo  denselben  nit  allein  was  zu  und  um  Hall  verofen,
  sondern  allenthalben  so  weit  Teutschland  begriffen,  zu  beschreiben
  fürgenommen.“  Dort  also  die  mehr  lokalpatriotische  Tendenz
und  die  Bestimmung  für  Kinder  und  Freunde,  hier  die  mehr  universalhistorische,
  die  seinem  eigenen  auf  Übersicht  und  Zusammenhang
gerichteten  Bedürfnisse  genügen  sollte.

3.  Die  ganze  Darstellung  ist  im  Bauernkriey  einheitlicher,  zugleich
  aber  auch  breiter  als  in  der  Chronik,  zumal  in  den  Partieen,
wo  Herolt  eigene  Erlebnisse  schildert.  Diese  Änderung  der  Proportion
lässt  sich  freilich  auch  auf  dem  Boden  der  gewöhnlichen  Vorstellung
einigermassen  rechtfertigen,  da  man  sagen  wird,  der  Schriftsteller
habe  eben  unwillkürlich  bei  diesem  bewegten  Abschnitt  seines  Lebens
der  Feder  freiern  Lauf  gelassen;  aber  natürlicher  und  beyreiflicher
wird  sie  doch  bei  einer  gesonderten  Abfassung.

4.  Es  ist  auch  wahrscheinlicher,  dass  Herolt  diese  Erlebnisse
zu  einer  Zeit,  wo  die  Erinnerungen  noch  frischer  waren,  aufyezeichnet
  hat,  sobald.  er  eben  durch  die  ersten  umfassenderen  Darstellungen
wie  Cochläus  Anregung  und  reichlicheren  Stoff  erhalten  hatte.

5.  In  der  Vorrede  zum  letzten  Abschnitt  „Straf  des  Bauernkriegs“
  sagt  Herolt  vom  Evangelium,  unser  Herr  Gott  habe  es  „neulich“
  wieder  leuchten  lassen.  Dies  klingt  doch  anfanys  der  dreissiger
Jahre  natürlicher  als  anfanys  der  vierziger.

6.  Die  Thatsache,  dass  gewisse  Handschriften  der  Widmanschen
  Chronik,  die  sonst  Heroltisches  Material  nur  in  sehr  zersplittertem
Zustande  enthalten  (H',  H?,  Codex  Stechele),  den  Buwernkrieg