Einleitung.  15

nicht  gedruckt  vorlagen.  Sie  würden  auch  die  Abfertigung:  „kurz
und  ganz  obenhin“,  keineswegs  verdienen,  ebensowenig  als  die  1525
verfasste  Bauernkrieysgeschichte  von  Peter  Haarer.  Dass  Herolt
Handschriften  von  diesen  Werken  gehabt,  ist  zwar  möglich,  eine  auf
diese  Möglichkeit  hin  vorgenommene  Verygleichung  des  Inhalts  ergiebt
aber,  dass  von  keinem  derselben  irgendwelche  Spuren  bei  Herolt  zu
entdecken  sind.  Dagegen  hat  er  benützt:

a)  Cochläus,  Kurzer  Begriff  von  Aufruhren  und  Rotten  der  Bauern
in  hohem  Teutschland  1525’).  Er  hat  (Ausgabe  Schünhuth.
S.  107)  selbst  auf  diese  Quelle  gewiesen  und  von  ihr  sehr  ausgiebigen,
  meist  wörtlichen  Gebrauch  gemacht.  Den  reformationsfeindlichen
  Charakter  des  Verfassers  hat  er  natürlich  wohl  gekannt
und  daher  alle  die  Stellen  und  Wendungen,  wo  derselbe  hervortritt
  („auf  Iutherische  Weise  gepredigt,  lutherische  Pfaffen,
Iutherische  Gesellen,  Iutherische  Artikel  u.  a.“  )  ausgemerzt  oder
umgeändert,  z.  B.  für  lutherische  Prädikanten  öfters  eingesetzt:
aufrührische  Prediger.  Einzelne  Partien  hat  er  auch.  wohl
aus  diesem  Grunde  ganz  weggelassen.  Da  er  gleichwohl  nirgends
direkt  gegen  Cochläus  polemisiert,  so  macht  sein  Verfuhren  ganz
den  Eindruck,  als  habe  er  bei  seinem  Leserkreis  diese  katholische
  Darstellung  in  aller  Stille  durch  eine  in  evangelischem
Sinne  gehaltene  ersetzen  wollen.

b)  Für  Münzers  Geschichte  ist  benützt:  (Melanchthons)
„Historie  Thome  Müntzers,  des  Anfengers  der  Döringischen
  Ufrur.  Ermanung  des  Herrn  Philippsen  Landtgrave
zu  Hessen,  die  Bauern  trostlich  anzugreifen“,  Hayenau  1525.
Auch  diese  Schrift,  von  deren  Auffassung  Herolt  beyreiflicherweise
  völlig  abhängig  ist,  zeigt  sich  auf  grosse  Strecken  hin
wörtlich  herübergenommen.

c)  Für  den  Abschnitt  über  Georg  Witzel  ist  als  Quelle  verwendet:
Justus  Jonas,  „Wilch  die  rechte  Kirche  und  dagegen  wilch  die
falsche  Kirche  ist...  widder  das  pharisaisch  Wewesch  Georyii
Witzels“,  Wittenberg  1534.  Nach  Kawerau,  Justus  Jonus
Briefwechsel  I.  205  kiündiyt  Jonas  an  Ostern  1538  in  einem
Brief  das  demmächstige  (pro.cimis  nundinis)  Erscheinen  dieses
Buches  an.  Herolt  hat  von  dem  dogmatisch-polemischen  Hauptteil
  des  Buches  kaum  Gebrauch  gemacht,  um  so  reichlicheren
dagegen  und  meist  wörtlichen  von  der  angehängten  Lebens-Mm


')  Bei  Baumann,  Quellen  S.  781.