16  Einleitung.

beschreibung  Witzels,  die  in  gleich  leidenschaftlicher  und  massloser
  Weise  gehalten  ist  wie  die  dogmatische  Kontroverse,

s.  Kawerau  a.  a.  O.  II.  Ein.  XXXVI  f.

d)  Die  Rothenburger  und  Würzburger  Ereignisse,  sowie  die  Erzählung
  der  in  Zabern  an  den  Bauern  verübten  Treulosigkeit
lassen  auch  auf  schriftliche  Grundlagen  schliessen.  Dieselben
waren  aber  bis  jetzt  nicht  aufzufinden.

Nach  Abzug  dieser  Abschnitte  bleiben  die  auf  Hall  und  Umyebung
  bezüglichen  Erzählungen  übrig,  von  welchen  kaum  nötig  ist
zu  sagen,  dass  Herolt  sie  aus  eigenen  Erfahrungen  und  Erinnerungen
oder  aus  den  Schilderungen  von  Freunden  und  Augenzeugen  gegeschöpft
  hat.  In  ihnen  giebt  er  sein  Bestes,  sie  haben  von  jeher
den  Hauptreiz  der  ganzen  Heroltischen  Chronik  gebildet  und  auch
schon  vielfach  in  anderweitigen  Bearbeitungen  des  Bauernuufruhrs
Verwertung  gefunden.  Sie  verdienen  diese  Wertschätzung  durchaus,
besonders  durch  die  drastische  Lebendigkeit  und  Anschaulichkeit  der
Schilderung.  Auch  für  den  Full,  dass  in  diesem  verhältnismässig
kleinen  Bruchteil  sich  alles  Interesse  konzentrierte,  das  die  heutige
Nissenschaft  noch  an  Herolt  nehmen  könnte,  wäre  doch  um  dieses
Bruchteis  willen  eine  Neudarstellung  des  Ganzen  wohl  gerechtfertigt.

2.  Chronika,  Zeit-  und  Jahrbuch  der  Stadt  Hall.  Die
frühesten  Nachrichten  über  Hall  sind  zu  suchen  in  den  Stammbüchern
der  Adelsgeschlechter.  Solche  Stammbiücher  oder  Geschlechterchroniken
enthielten  Aufzeichnungen  über  die  Vorfahren,  Beschreibungen  und
(Gemälde  von  Wappen,  Mitteilungen  über  wichtige  Familienereignisse,
tie  Geburten,  Heiraten,  Todesfülle,  Ehrenämter,  Fehden,  besonders
auch  wichtige  Veränderungen  in  den  Eiyentumsverhältnissen,  Kaufverträge,
  Gültbriefe  u.  s.  w.  Ein  ungefähres  Bild  eines  solchen
Stammbuchs  lässt  sich  noch  entwerfen  aus  der  Senftenchronik,  die
der  Churischen  (s.  unten  Hundschriften)  Heroltschronik  einverleibt
und  sichtlich  aus  verschiedenen  Schichten  zusammengewachsen  ist,
deren  älteste  „des  alten  Gabriel  Senften  Wappenbuch“  bildete.  (S.  im
Text  Bemerkungen  bei  den  Senften.)  Dieser  alte  (Gabriel  Senft  fällt
in  die  zweite  Hälfte  des  15.  und  den  Anfang  des  16.  Jahrhunderts.
kin  ähnliches  Werk  war  die  Chronik  und  Stammbuch  des  Berlerischen
  Geschlechts,  bei  Widman  als  Quelle  erwähnt,  ferner  wohl  auch:
Daniel  Treutweins  Chronik  und  Weiprecht  Schenk  von  Schenkensteins
Chronik;  die  beiden  letztern  Werke  verfolgten  allem  Anschein  nach
schon  eine  allgemeinere  Richtung,  während  in  jenen  Geschlechter-