Einleitung.  19

Christi  1505.*  Das  Gegenstück  dazu  ist  Heinrich  Spiess,  „er  ist
darum  aus  Hall  gefahren,  dass  man  daselbst  die  payistische  Mess
yanz  abgethan,  welcher  er  ganz  heftig  angehangen.“

Im  Zusammenhang  mit  diesem  tief  religiösen  Zug  steht  auch  der
sittliche  Ernst,  mit  welchem  er  die  geschichtlichen  Ereignisse  betrachtet
und  sie  meist  unter  den  Gesichtspunkt  der  göttlichen  Vergeltung  stellt.
Dies  geschieht  nicht  bloss  im  Buuernkrieg,  sondern  auch  sonst,  z.  B.
nuch  der  zweiten  Zwietracht  mit  Bezug  auf  den  Übermut  der  alten
Geschlechter:  „also  erhebt  Gott  die  Demütiyen  und  stürzt  die  Hofführtigen.“
  Auch  die  ganze  Adelsgeschichte,  die  er  giebt,  ruht  auf
dem  (srundyedanken,  dass  die  Geschlechter  von  den  tüchtigen  Gesinnungen,
  denen  sie  ihre  Stellung  verdankten,  allmählich  herabgekommen
und  darum  mit  Recht  von  dem  aufstrebenden  Bürgerstand  bekämpft
und  weggedrängt  worden  seien.  Diesem  Büryerstand  gehört  daher
durchaus  seine  Teilnahme,  und  das  durch  Büryertugenden  emporyekommene
  Vaterland  auch  andern,  namentlich  seinen  Kindern  und
Freunden  bekannter  und  werter  zu  machen,  ist  der  patriotische  Zweck
seiner  Schrift.  Es  ist  darum  nicht  zufällig,  wenn  er  mehrmals  an
Cicero  und  Livius  anknüpft.

Aus  solchem  religiös-patriotischen  Sinne,  der  die  Dinge  nicht
bloss  mit  dem  Verstand,  sondern  mit  dem  Gemüt  und  Herzen  ergreift,
und  andrerseits  aus  der  durchweg  praktischen  Richtung,  die  überall
aus  der  Vergangenheit  den  Gewinn  für  die  Geyenwart  zieht,  erklären
sich  einige  hervorstechende  Züge  —  manchmal  Just  Manieren  —  von
Herolts  Schreibart,  vor  allem  sein  gemütvolles  Epilogieren,;  er  beschliesst
  seine  Erzählungen  gerne  in  pastoraler  Weise  mit  Doxo-Inogien,
  71:  Gott  Lob  und  Dank,  Hall  hat  seither  von  Tag  zu  Tay
zugenommen.  90:  Gott  hab  Lob,  dass  das  nit  geschehe.  94:  Gott
set  Lob  und  Ehr  geben,  der  sie  durch  sein  heilig  Evangelium  erhalten.
  120:  Gott  sei  Lob  in  kiwigkeit.

Noch  häufiger  sind  religiüse  Wunschformeln  am  Schlusse
der  Abschnitte;  35:  der  Herr  yeb  seine  Gnade,  dass  es  mit  Wachstum
Jortgehe,  wie  er  dann  verheissen.  36:  Gott  der  Allmächtig  geb  sein
Gedeihen.  75:  der  Allmächtig  wöll  uns  gnädig  und  barmherzig  sein
durch  Jesum  Ohristum,  Amen.  77:  Gott  wöll  uns  seine  Gnad  verleihen,
  dass  wir...  .  mit  Danksagung  geniessen.  Amen.  Ähnlich
3.78.  80  (bis)  92.  114.  116.  117.  125.  126.

Gerne  bringt  er  auch  moralische  Nutzantwendungen  und  theologische
  Betrachtungen.  55:  Also  nimmt  Hoffahrt  sein  End,  ebend«:
Es  widerfährt  keinem  weisen  Munn  keine  kleine  Thorheit.  &amp;1:  Der