20  Einleitung.

Satan,  der  Blutrergiessen  anrichtet.  99  und  107:  Gott  lässt  den
(rottlosen  vor  wohl  ausbuben,  che  er  mit  ihm  abrechnet.

Überhaupt  ist  seine  Sprache  gesättigte  mit  sprichwörtlichen
Wendungen,  schreitet  in  natwrwüchsiger  Kraft  einher  und  entwickelt
  plastische  Fülle  und  sinnliche  Derbheit.  14:  Verachtet  und
für  einen  Göckelmann  gehalten  werden.  41:  Die  Weil  ist  ihnen  nicht
sehr  kurz  geworden,  denn  die  Hällischen  Bauern  hätten  sie  unter  die
Gurren  geschossen.  46:  Die  Reuter  huben  den  Braten  geschmeckt.
43:  Graf  Albrecht  hat...  ein  gross  Geschrei  und  Kutzel  wollen.
83:  Sprichwort:  wenn  man  den  Bauren  bittet,  so  grast  ihme  der
Bauch.  90:  Bald  standen  sie  wieder  uf,  wie  die  Juden  am  Ölberg.
91:  Da  ward  Lueifer  mit  allen  seinen  Engeln  ledig.  107:  Sie
riühmten  sich  ihres  kistenfeyerischen  Evangeliums.  110:  Als  wenn
ein  Haufen  Wölf  unter  einen  Haufen  Gäns  oder  Schaf  fällt.  —
Dahin  gehören  auch  Ausdrücke  wie  qugelieren,  der  Herr  omnes  u.  a.

Dieses  warme,  populäre  Kolorit  seiner  Darstellung,  dieses  kräftige
  Anschlagen  der  gemütlichen  Saite,  dieser  entschieden  evangelische
Standpunkt  seiner  Geschichtsbetrachtung,  verbunden  mit  dem  leichten
und  voll  strömenden  Fluss  seiner  Rede,  zeichnen  seine  Erzählung  fast
überall’)  so  sehr  aus,  dass  auch  bei  Kompilationen  wie  H’,  H?,  der
Unterschied  zwischen  Heroltischem  und  anderm  Gut  sich  unschwer
herausfühlt.  Zugleich  aber  verleiht  das  grössere  Pathos,  womit  Herolt
seine  ‚Arbeit  anfasst,  die  lebhafte  innere  Beteiligung,  mit  der  er  die
Ereignisse  begleitet,  seiner  Darstellung  nicht  bloss  grössern  Reiz,
sondern  auch  höhern  Wert.  Durch  diese  Vorzüge,  die  ihn  besonders
auch  zu  einer  schärferen  und  charakteristischen  Auffassung  der  Personen
  und  Ereignisse  befähigen,  durch  diese  —  kurz  gesagt  —  kräftiyere
  Originalität  steht  Herolt  eben  auch  über  Widman.

Wie  aber  dem  Schriftsteller  das  Lob,  das  ihm  gebührt,  nicht
geschnwlert  wird,  so  dürfen  auch  seine  Mängel  und  Schwächen  nicht
verschwiegen  werden.  Für  die  schwierigeren  Aufgaben  des  Geschichtsschreibers,
  die  IJerscheinungen  möglichst  allseitig  und  unparteüsch  zu
betrachten,  ihre  wirklichen  Ursachen  aufzusuchen,  von  blossen  Überlieferungen
  womöglich  zur  urkundlichen  Wahrheit  durchzudringen
u...  %.,  fehlten  unserm  Schriftsteller  wohl  Anlage,  Trieb  und  Verständnis.
  Jedenfalls  standen  ihm  zur  Lösung  derselben,  wenn  er  ihre
Tragweite  erkannt  hätte,  mehr  Hilfsmittel  zu  Gebote,  als  er  benützt
hat.  kine  kurze  Kritik  seiner  beiden  historischen  Schriften  wird
dieses  allgemeine  Urteil  erläutern.

1)  Einzelne  mehr  exzerptartige  Partieen  ausgenommen.