22  Einleitung.

widnet  hat,  gewährt  uns  rverhältnismässig  geringes  Juteresse;  und  dusjeniye,
  was  uns  zu  erfahren  besonders  wichtig  wäre,  die  Entwicklung
  der  reichsstädtischen  Verfassung  und  die  Darlegung  der  Machtund
  Gebietsverschiebungen  zuischen  Hall,  Limburg,  Comburg,  Hohenlohe,
  hat  er  nur  in  den  gröbsten  Umrissen  gezeichnet.  Was  er  von
der  Urzeit  Halls  vorbringt,  spiegelt  eben  die  damalige  landläufige
Überlieferung  ab,  nicht  mehr  und  nicht  weniger.  Aber  auch  schon
diese  Überlieferung  zu  kennen  ist  von  Wert.  Jedenfalls  war  sie  in
dem  damaligen  Stadium  noch  unbefangener  und  stand  dem  wahren
Sachverhalt  noch  näher  als  im  17.  und  18.  Jahrhundert,  wo  das
Bestreben  bis  zu  Buryundischen  Vorfahren  und  bis  zu  einer  römischen
Ansiedlung  emporzusteigen  seinen  Unfug  trieb.  Als  ein  nicht  geringes
Lob  darf  es  dem  Chronisten  angerechnet  werden,  dass  er  in  einer
Zeit,  wo  die  Hallische  Geschichtschreibung  sich  eben  erst  aus  den
Windeln  der  Geschlechterchroniken  herauszuarbeiten  im  Begriffe  war,
seinen  Gegenstand  sachlich  zu  yruppieren  unternahm  und  ihn  unter
Gesichtspunkte  brachte,  die  duch  vielfach  von  der  Gliederung  eines
geordneten  Stautswesens  hergenommen  sind.  Er  zeiyt  darin,  ähnlich
wie  Widman,  der  freilich  entsprechend  seinem  grössern  Plane  um-‚fassendere
  Gruppen  hat,  eine  gewisse  Beherrschung  des  Stoffes  und
hebt  sich  vorteilhaft  ab  von  vielen  Fortsetzern  und  Verarbeitern  der
beiden  Chroniken,  die  bald  ganz  in  das  bequeme  annalistische  Fahrwasser
  übergingen.

V.  Handschriften.

Herolts  Original  ist  nicht  mehr  erhalten.  (5.  auch  unter  St!.)
Es  ist  dies  namentlich  deswegen  zu  bedauern,  weil  die  Unsicherheit
über  etwaige  fremde,  besonders  Widinansche  Bestandteile,  die  eingedrungen
  sein  könnten,  nun  nicht  ganz  zu  beseitigen  ist.

Wenn  die  oben  vorgetragene  Annahme  der  frühern  Abfassung
des  Bawernkrieges  richtig  ist,  so  müssen  bald,  vielleicht  von  einem  der
Söhne,  die  beiden  Stücke  zusummengefügt  worden  sein.  Wie  dieses
Bestreben  an  sich  ein  sehr  natürliches  war,  so  ergab  sich  auch  ebenso
  natürlich  die  Stelle,  wo  der  Bauernkriey  sich  am  besten  anschloss,
nämlich  nach  dem  Abschnitt:  „Reformation  der  Kirchen  zu  Hall.“
Die  vorhandenen  vollständigen  Heroltcodices  zeigen  alle  diese  Vereiniygung
  schon  als  vollzogen.

V’on  den  erhaltenen  Handschriften  lassen  sich  nur  wenige  mit
Sicherheit  in  das  16.  Jahrhundert  zurückführen.  Mit  dem  ersten
Jahrzehnt  des  17.  beginnt  eine  lebhaftere  Teilnahme  für  Herolts