Einleitung.  23

Werk  sich  zu  zeigen,  die  sich  nicht  allein  in  zahlreicheren  Abschriften,
sondern  auch  in  Ergänzungen  und  Fortsetzungen  bethätigte.  Besondern
Anreiz  hiezu  gab  Widmans  Chronik.  Indem  sie  sich  vielfach  mit
Herolt  berührte,  oft  aber  auch  eigene  Wege  ying,  lud  sie  fürmlich
zu  einer  Kombination  beider  Werke  ein,  die  denn  auch  in  verschiedenen
Gestalten  und  mit  verschiedenem  Glücke  versucht  wurde.

Die  yrosse  Wertschätzung  aber,  die  man  am  Anfang  des  17.  Jahrhunderts
  den  beiden  Werken  in  Hall  entyegenbrachte,  gieht  sich  in
der  sorgfältigen,  2.  T.  zierlichen  Herstellung  der  Abschriften,  in  der
Verwendung  verschiedener  Tinten,  in  der  Ausschmückung  mit  schön
gemalten  Wappen  und  Lundschaftsbildern  zu  erkennen.  Die  späteren
Handschriften,  namentlich  die  des  18.  Jahrhunderts,  zeigen  meist  ein
gyewöhnliches  und  nüchternes,  manche  sogar  ein  nachlässiges  AÄussere.

4)  Älteste  Handschriften‘).

1.  St!,  Ilundschrift  der  K.  öf.  Bibliothek  in  Stuttgart,  hist.
u.  110.  Zwei  Vorsetzblätter  aus  einem  pergamentenen  Missale;
Titel  und  Vorwort  je  1  Blutt,  Register  2  Blatt,  dann  der  Text  mit
116  Blatt.  Blatt  6  und  7  fehlen.  (Vryl.  v.  Ileyd,  Die  histor.  Handschriften
  der  K.  öf.  Biblioth.  Stuttgart.)  —  Das  in  zwei  Kolunnen
geschriebene  Reyister  weist  in  der  Stellung  der  einzelnen  Teile  eine
eigentümliche  Verschiebung  auf.  Die  Ursache  hievon  ist  leicht  zu
entdecken.  Die  Vorlage  hatte  dus  Register  ebenfalls  in  zwei  Kolumnen,
wollte  dieselben  aber  querherüber  gelesen  wissen;  statt  dessen  verfolgte
sie  der  Abschreiber  in  absteigender  Linie.  Ein  Versuch,  das  Register
auf  diese  Weise  zu  rekonstrweren,  zeiyt  durch  sein  soforliges  (ielingen
  die  Richtigkeit  der  Erklärung.  Schönhuth,  dem  der  wahre  Sachverhalt
  verborgen  blich,  hut  die  yanze  Verworrenheit  mit  in  den  Druck
herübergenommen.

Die  Handschrift  zeiyt  nur  eine  einzige  IHand  und  zirar,  wie
die  sichern,  kraftvollen  und  yleichmässigen  Züge,  besonders  aber  die
schwungvollen,  kühnen  Initialien  beweisen,  die  Iland  eines  Berufsschreibers.
  Auch  die  vielfach  am  Rand  auftretenden  Zusätze  stammen
von  derselben  Iland.  Sie  yeben  fast  sämtlich  leryänzungen  ron
Flüchtigkeitsauslossungen,  die  der  Schreiber  bei  einer  Vergleichung
seiner  Abschrift  mit  der  Vorlage  entdeckte.  Solcher  Fehler  sind
gleichwohl  noch  manche  stehen  geblieben.  —  Die  sämtlichen  eben  aufı)

  Sämtliche  Handschriften  sind  auf  Papier;  es  wird  dies  daher  bei
der  Einzelbeschreibung  nicht  besonders  bemerkt.