24  Einleitung.

geführten  Eirgentümlichkeiten  sind  zugleich  schlagende  Beweise,  dass
die  Handschrift  nicht  das  Autographen.  ist.

Dass  sie  demungeachtet  der  Urhandschrift  sehr  nahe  steht,
yeht  aus  folgenden  Erwägungen  hervor.  Sie  ist  völlig  frei  von  allen
und  jeden  Zusätzen,  die  über  Herolts  Zeit  hinausreichen;  sie  hat  in
Grammatik  und  Wortschatz  Altertümlichkeiten  bewahrt,  denen  die
meisten  andern  Handschriften  aus  dem  Wege  gehen;  sie  zeigt  den
Stil  des  Schriftstellers  vielfach  in  einer  gewissen  Eckiykeit  und  Rauhheit
  (z.  B.  durch  häufige  freie  kllipsen),  die  geyenüber  der  stilistischen
Grlättung  der  nächstfolgenden  Handschriften  durchaus  den  Eindruck
der  Ursprünglichkeit  macht;  die  Eigennumen,  sowohl  persönliche  als
geographische,  namentlich  die  des  Haller  (Gebiets,  liegen  meist  in  zuverlässiger
  Schreibung  vor;  schliesslich  ist  auch  das  fränkische  Kolorit
erhalten  geblieben  (Biüchlich,  Mützlich  u.  s.  w.,  auch  die  Worte  vorhalben
  st.  vorhanden,  volnstrecken  st.  vollstrecken  gehören  wohl  hieher).
  Die  Tenuis  statt  jetziger  Media  (gehapt,  gepoten,  getruckt,
Plut)  ist  noch  ziemlich  häufig,  die  Iururiöse  Gemination  und  die
Schreihung  ckh,  nnkh  tritt  stark  auf,  dagegen  sind  die  Diphthongen
vo  und  we  sehr  selten  (Fuess,  Fuoss  und  einige  andere).

Diese  letzteren  Momente  liessen  es  geraten  erscheinen,  die  Handschrift
  mehr  gegen  das  Ende  des  16.  Jahrhunderts  zu  rücken.  Heyd
a.  a.  O.  schliesst  aus  den  Schriftzügen,  dass  sie  „bald  nach  der
Mitte  des  16.  Jahrhunderts“  entstanden  sei.

Sie  ist  der  vorliegenden  Ausgabe  zu  Grunde  gelegt  worden.

2.  St?,  Ilandschrift  des  K.  Haus-  und  Stuatsarchirs  in  Stuttyart
  Nr.  160,  geschrieben  ca.  1590—  1600.  Gehörte  nach  dem  Eintrag
auf  der  ersten  Scite  am  29.  Juni  16017  dem  Johann  Martin  Buch,
Philolithanus‘),  später  dem  Nikolaus  Castler,  dann  dem  cand.  med.
Dürr,  von  dem  sie  1812  F.  D.  Gräter  kaufte.  Es  sind  nur  die
Boyen  mit  A.  B.C.  bezeichnet,  die  Blätter  nicht  numeriert.  Sprache
moderner  als  St!,  sonst  ganz  gleich.  St!  und  St?  haben  offenbar
dieselbe  Vorlage  gehabt?).

B)  Tübinger  Typus.

3.  T.  Handschrift  der  Tübinger  Unitersitätsbibliothek  M.h.  726,
Quart,  285  gezählte  Seiten  bis  anno  1587  von  erster  Hand,  dazu

1)  Wohl  aus  Liebenstein,  ungewiss  aber  aus  welchem.
2)  Diese  Angaben  über  St?  von  Herrn  Archivrat  Dr.  Baumann  in  Donaueschingen,
  von  dem  auch  die  Collation  stammt,