28  Einleitung.

Chronik  (in  Ducllius,  Miszell  II.)  und  eine  zusemmenhängende  Beschreibung
  des  Schmalkaldischen  Krieges  aus  bisher  unermittelter
Quelle  aufgenommen.

Der  Kompilator  hat  nun  zwar,  was  den  Zusammenhang  anbetrifft,
  mit  grosser  Freiheit  geschultet  und  die  Abschnitte,  welche  Herolt
nach  sachlichen  Gruppen  zusammengestellt  hatte,  vielfach  behufs  Herstellung
  einer  fortlaufenden  Chronik  chronologisch  eingereiht,  er  hut
auch  fast  durchgehends  die  Stellen,  wo  Herolt  in  erster  Person  spricht,
durch  Einsetzung  der  dritten  umgeändert,  ebenso  die  „jetzt“  und
ähnliche  Beziehungen  auf  die  Gegenwart  des  Verfassers  getilgt,  auch
die  religiösen  Wunschformeln  am  Schluss  der  Abschnitte  und  die
Citationsformeln,  wo  auf  „dieses  Jahrbuch“  verwiesen  wird,  wegygelassen.
  Abgesehen  aber  von  diesen  doch  nicht  tiefer  eindringenden
Veränderungen  ist  der  Text  gut,  ja  vielfach  entschieden  reiner  und
ursprünglicher  als  in  St!.  Besonders  tritt  die  grössere  Altertümlichkeit
  der  Schreibweise  hervor  in  den  noch  reichlich  vorhandenen
Diphthongen  uo  und  üe  (Buoch,  huob,  schuob,  Lantshuot,  Stuotgart,
quot,  füeyen,  Gemüet  u.  3.  w.),  neben  weichen  übrigens  auch  die  Formen
mit  einfachem  Vokal  zu  treffen  sind.

‚Us  Zeit  der  Abschrift  muss  aus  Gründen,  welche  nur  im  Zusammenhang
  der  Geschichte  der  Widmanschen  Handschriften  genauer
dargelegt  werden  können,  etwa  das  zweite  Jahrzehnt  des  17.  Jahrhunderts
  «angesetzt  werden.  Es  eryiebt  sich  hieraus,  dass  die  eben
erwähnte  altertümliche  Orthographie  rom  Schreiber  in  bewusster  Weise
und  im  Unterschied  von  seiner  eigenen,  anders  schreibenden,  Zeit  beibehalten
  worden.  ist.

9.  M.  Handschrift  der  K.  Hof-  und  Staatsbibliothek  München,
cod.  germ.  3981.  Folio,  414  Blätter,  woron  aber  von  330  an  etwu
70  unbeschrieben  sind,  am  Schlusse  ein  unvollendetes  Register.  Die
Handschrift  enthält  Bl.  1—-300  Widmans  Chronik  mit  einigen  anderweitigen
  poetischen  Einschaltungen  (Buuernkrieg  reimenweis;  Reim
auf  das  Schmalkaldische  Bündnis,  Paskill  von  1542),  302  f.  eine
kurze  Reimchronik  von  1374—1535,  304  die  Artikel  der  schwäbischen
Bawern,  von  305—327  von  anderer  Hand  Herolts  Bauernkrieg.  In
der  ganzen  mit  vielen  gewandt  gemalten  Wappen  und  Prospekten
geschmückten  Handschrift  treten  nicht  weniger  als  sechs  Hände  auf,
drei  im  Widmanschen  Text,  eine  im  Heroltischen,  zwei  in  den  Randbemerkunyen.
  Die  spütesten  Spuren  in  den  Widman-Heroltschen
Teilen  führen  auf  das  Jahr  1624  („anitzo  eben  dieses  Jahr  1624“
DI.  50a).