Einleitung.  29

Der  Herolische  Anteil  dieser  Chronik  ist  somit  von  geringem
Umfang,  und  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  gehörte  sie  eigentlich
an  das  Ende  dieser  (ruppe.  Warum  sie  gleichwohl  ihre  Stelle  unmittelbar
  hinter  H'  erhalten  hat,  ergiebt  sich  aus  folgendem.  Sie
deckt  sich  in  ihrem  Widmanschen  Teile,  einschliesslich  der  dort  namhaft
  gemachten  poetischen  Einschlüsse,  so  gut  wie  vollständig  mit
einer  im  Besitz  der  Stadtbibliothek  zu  Hall  befindlichen  Handschrift,
der  „Städtischen  roten  Chronik“,  nur  dass  letztere  eben  den  Bauernkrieg
  nicht  hat.  Diese  städtische  rote  Chronik  aber  stammt  von  derselben
  Hand  wie  H',  und  als  drittes  von  dem  gleichen  Kunstschreiber
yefertigtes,  ebenso  wie  die  beiden  andern  mit  gemalten  Wappen  und
Prospekten  verziertes  Werk  tritt  ihnen  an  die  Seite  eine  Handschrift
der  Stuttgarter  öffentl.  Bibliothek  hist.  fol.  8,  welche  inhaltlich  sich
mit  der  städtischen  roten  völlig  deckt  und  auf  dem  Titelblatt  von
erster  Hand  die  Jahrzahl  1617  trägt.  Es  sind  somit  alle  diese  drei
Werke  und  mit  ihnen  wohl  auch  die  Münchner  Handschrift  ungefähr
in  diese  Zeit  zu  setzen.  Die  städtische  rote  Chronik  ihrerseits  ist  von
David  Wetzel,  Stättmeister  in  Hall  1618  (F  1642)  mit  einer  grossen
Reihe  von  Zusätzen,  die  bis  1637  reichen,  versehen  und  wohl  in  seinem
Auftrage  abgeschrieben  worden.

10.  H’.  Handschrift  der  Bibliothek  des  Histor.  Vereins  für
württemb.  Franken  F.  190,  Folio;  zwei  gesonderte  Folierungen,
zuerst  210  yezählte  Blätter  mit  Register,  die  Herolt-Widmansche
Chronik  umfassend,  dann  49  Blätter,  weitere,  der  allgemeinen  Weltchronik
  angehörende  Abschnitte  aus  Widman  enthaltend.  Im  ersten
Teile  sind  die  Widmanschen  und  Heroltischen  Stücke  durcheinandergemischt,
  doch  so,  dass  Widman  die  Grundlage  des  Gewebes  bildet.
Im  ganzen  sind  die  Herolischen  Partieen  auf  grössere  Strecken  in
ihrem  Zusammenhang  belassen  als  in  H!;  von  grösseren  Stücken
erscheinen  im  Zusammenhang:  Herolts  Bauernkrieg  130—162,  Widmans
  Murrhardter  Chronik  163—177  und  Komburger  Chronik
179  —200.  Die  Handschrift  war  von  1789  an  im  Besitz  einer  der
Gräterschen  Fanulien  in  Hall,  von  1824  an  gehörte  sie  dem  Amtsschreiber
  Bonhöfer  in  Hall,  wanderte  dann  nach  Lanyenburg  und
wurde  dorther  1892  vom  Histor.  Verein  erworben.

Handschrift  und  Orthographie,  welche  beide  vielfach  an  II!
erinnern,  sowie  die  T’hatsache,  dass  die  späteste  Notiz  in  dem  ersten
Teil  das  Jahr  1604  betrifft,  weisen  dieselbe  an  den  Anfang  des
17.  Jahrhunderts.  (Über  den  damit  identischen  Coder  Stechele
s.  unten  Nr.  13.)