44  Juhann  Herolt

brucken  ')  bis  zu  dem  bolwerckh  bey  dem  diebsthurın  ?)  damit  gemacht.
  Als  man  aber  den  zwayen  heusser[n]  des  closter  unden  bey
dem  fundament  zu  nahen  hatt  graben,  hatt  es  anfahen  zu  reisen.
Also  ist  die  schul  widerumb  an  ir  alt  ort  verendert®,  dan  man  besorgt
  es  wurt  einfallen.

Von  sant  Katharina  kirchenn.

Von  sant.  Katharina  kirchen*)  genhalb  Kochens  sagt  man,  es
sey  erstlich  vonf  einer  gravinn  vonn  Gerspach')  zu  einem  frawencloster?)
  gestifit.  Nachdem  aber  ihe  lenger  ihe  mehr  es  umb  die
statt  ausgereuttet  unnd  man  etlich  heusser  ihenerhalb  des  Kochens
gepaut  und  doch  der  zeit  kein  maur  darumb  gangen,  ist  ernannte  kirch
zu  einer  pfarrkirchen  verordnet  worden.  Darinnen  ist  ein  bruderschafft  “)

a)  verwendet  7‘,

die  Spitalstrasse  gegen  den  Kocher  hinmündet.  Js  führte  zunächst  bloss  in
den  Zwinger,  von  da  gelangte  man  durch  ein  weiteres  Thor  neben  dem  Diebsturm
  ins  Freie.  Auch  letzteres  wird  FEychthor  genannt.

1)  Henkersbrücke,  Stadt  und  ‚jenhalb  Kochens“  verbindend.

?\  Der  jetzt  noch  stehende  Thurm  an  der  nordwestlichen  Ecke  des  Landgerichts.


&gt;)  Über  die  Katharinenkirche  überhaupt,  s.  OAHall  124  f.,  Merz,  W.
Fr.  1551,  817,  Hausser,  Schwäb.-  Hall  98—105.

*)  Die  Sage  schwankt  (s.  Hausser  1.  I.)  bei  diesem  Namen  zwischen
Gersbach  und  Gerstetten,  offenbar  unter  dem  kinfluss  des  am  Chor  der  Kirche
angebrachten  Grabsteins,  welcher  besagt,  dass  eine  Katharina  de  Gersteten  1378
gestorben  sei.  Über  diesen  Grabstein  Hausser  100,  Caspart  WFr.  X,  208,
am  genauesten  Klemm  WVjh.  1855,  197.  —  Diese  Gerstetten  hat  wohl  in  hervorragender
  Weise  den  Bau  des  Chors  gefördert.  —  Als  Stifter  aber  sind
wahrscheinlich  in  Anspruch  zu  nehmen  die  kudeln  von  Westheim,  da  nach  den
Chroniken  die  Vorstadt  jenseits  Kochers  anfänglich  nach  Westheim  eingepfarrt
war.  Westheim  selbst  stand  unter  Kloster  Murrhard,  als  dessen  Wohlthäler  die
Grafen  von  Westheim  auch  sonst  genannt  werden.  Daher  hatte  das  Kloster
das  Patronat  über  St.  Catharina  und  das  Visitationsrecht  im  anstossenden
Klösterlein.  15:6  erwarb  die  Stadt  Hall  das  Patronat.

5)  Das  Klösterlein  ist  (nach  Merz)  in  dem  Hause  nördlich  von  der  Kirche
noch  vorhanden.

°)  Die  Bruderschaft  erscheint  (OABeschr.  170)  schon  1347  und  zählt  da
13  Priester;  nach  einer  Urkunde  von  1438  scheint  sie  auch  männliche  und  weibliche
  Laien  und  eine  gemeinsame  Wohnung  gehabt  zu  haben.  Nach  städtischen
Urkundenregesten  aus  den  Jahren  1510-1533  war  sie  ausser  in  Hall  selbst
auch  in  Altdorf,  Thalen,  Obersontheim,  Unterfischach  mit  Gülten  und  Grundstücken
  begütert.  —  Die  Beschränkung  auf  nur  12  Priester  kann  (vrgl.  die

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