48  Johann  Herolt

Von  der  kirchen  Schupach  wie  sie  erstlich  erbawet.

Es  hat  sich  ein  uneinigkeyt  zwischen  einem  Unmussen  von
Alttenhaussen  ?)  unnd  einem  Eberwein  zu  Hall  gesessen,  die  baid  edel
waren,  begeben,  derhalb  der  Unmusz  von  Alttenhaussen  bey  nechtlicher
  weyll  bey  dem  ®  tholen  Schupach?),  der  dazumal  nit  genugsam
beschlossen  ®  gewest,  haimlich  in  die  statt  Hall  verfuegt,  den  Eberwein
  als  er  vom  schlafftrunckh  heim  bat  wollen  gehn,  verwart®°)  und
an  dem  ort,  da  sant  Georgen  alttar  in  Unnser  Frawen  capell  die
Schupach  gemant  stett,  zu  todt  geschlagen  und  sich  darvon  gemacht.
Derhalben  das  wasserhaus  Alttenhauszen  geplindert  unnd  verprent,
er  aber  ein  zeitlang  vertriben  und  in  Behaiım  sich  erbalten®.  Volgendt
  der  Todtschlag  getaidingt,  also  das  der  Unmusz  an  das  ortt
da  er  den  Eberwein  entleibt,  ein  capellen  gebauet  unnd  ein  pfründt
in  der  er  sant  Georgen  darein  gestifftet*).  Diese  capell  ist  naclhıa)

  durch  den  doblen  22°.  b)  verschlossen  T.  c)  verwarttet  7,  d)  enthalten  49.

I)  Altenhausen  1  Stunde  östlich  von  Hall.  —  Die  Unmussen  (ältere  Form
Unmass,  Unmoz)  von  Altenhausen  erscheinen  im  13.  und  14.  Jahrhundert  öfters,
1278,  1296,  1316,  1348,  1350,  1362  f.,  1369  —  in  Hallischen  Urkunden  als
Schultheissen,  Richter,  Vormünder  des  Barfüsserklosters  und  sonst,  8.  WFr.
NE‘  IV:  Regesten  zur  Geschichte  des  Franz.-Klosters  in  Schwäb.-Hal  und
Whr.  IX,  8,  80.  Der  erste  dieses  Namens,  Henricus  immodicus,  kommst
in  der  Urkunde  von  12238  WUB.  III,  S.  219  vor.

2)  In  der  Nähe  des  jetzigen  alten  Gymnasiums.

d)  =  aufgelauert.

4)  Die  zwei  auf  die  Stiftung,  Weihung  und  Dotierung  dieser  Kapelle
bezüglichen  Urkunden  von  1322  und  1338,  WFr.  VIII,  93,  besagen,  dass
Heinricus  dictus  Unmuss  miles  (wahrscheinlich  derselbe,  der  1316  in  den  Regesten
2.  Gesch.  d.  Franz.-Klosters  in  Hall  I.  }.  als  Heinrich  Unmos,  Ritter,  unter
den  Ratsherrn  und  zwar  unmittelbar  nach  dem  Stetmeister  aufgeführt  wird)
eine  Kapelle  in  curia  sua  in  Hallis  erbaut  habe.  Sie  enthalten  lediglich  nichts,
was  auf  einen  sühnenden  Charakter  dieses  guten  Werkes  sich  beziehen  liesse.
Die  Sage  vom  Totschlag  des  Eberwein  als  Ursache  der  Kapellenstiftung  —  von
Gräter,  Iduna  1812,  $.  199  mü  einiger  Phantasie  ausgesponnen  —  entbehrt
also  des  geschichtlichen  Bodens.  Bauer  vermutet,  WFr.  VIII,  323,  ein  später
geschehener  Mord  sei  von  der  Sage  mit  der  Kapelle  in  Verbindung  gebracht
worden.  Vielleicht  sind  auch  die  beiden  Namen  auf  die  Entstehung  der  Sage
nicht  ohne  Einfluss  gewesen.  Für  den  „Unmass“  bedarf  dies  keiner  weitern
Verdeutlichung.  Was  die  Eberweine  betrifft,  so  ist  in  diesem  Zusammenhange
höchst  merkwürdig,  dass  sich  in  diesem  auch  in  Rothenburg  a.  T.  ansässig
gewesenen  Geschlecht  eben  um  jene  Zeit  mehrere  Glieder  mit  dem  Beinamen
„der  Mörder“  finden;  so  1308  Ulrich  der  Mörder  und  Eberwein  sein  Bruder,
1329  Ulrich  Mörder  der  alt,  später  Ulrich  Mörder  der  jung;  1347  IJlrich
Mörder  der  Eberwein  genannt.  Duell.  Miscell.  II,  188  f.

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