88  Johann  Herolt

solliche  geschlecht  ab,  oder  verderben,  dardurch  sollche  heuser
einfallen  und  vergehen.

Deren  eigentlich  vil  uml»  Hall  also  vergangen  sein.  Von  der
ursach  ich  itzo  nit,  sonnder  von  der  zerstehrung  schreiben  will.

Unnd  also  dieweil  sich  vil  des  adels  allein  römen,  das  sy
von  alten  wolherkommen  geschlechten  geporn  sein,  darumben
aber  wenig  gottsförchtig,  auch  nit  betrachten,  das  der  adel  wie
oben  angezeigt  vonn  tugent  und  wolthatten  gegen  dem  gemainen
nutz,  kirchen,  dienern  gottsdiensts®,  junckhfrawen  unnd  wittwen
und  waiszen  herkome,  und  die  thier,  so  sie  inn  iren  schiltten  wappen
furen,  ein  anzaigen  sein  der  manhait  gegen  den  feinden,  darmit
gemainen  nutz  zu  beschützen,  die  farb  aber  die  tugent  gegen  den
freunden®  —  dan  lewen,  greiffen,  bern,  wölff,  drachen  unnd  deren

gleichen®  sie  zu  könheit  in  iren  wappen  wider  die  feindt  reytzen

sollenn  und  die  feindt  forchtsam  machen,  wie  der  Lacedemonier
könig  Arrius!)  den  Juden  ein  brief  schrib  mit  einem  adler,  der
ein  drachen  in  seinen  klawen  hett,  versigelt,  wie  Joseph  im  12,
buch  der  altten  (geschicht  ®)?)  cap.  5  sagt,  unnd  die  Juden  damit
schreckhen  wolt.  Also  liesz  (ime  ?)  Antiochius°)  des  greiffen  namen®
  wolgefallen.

Aber  dieihenigen  haben  gemeins  nutz  vergessen  und  eigen
gesucht,  derhalben  inen  auch  wol  solche  tbier  wie  die  altten,  doch
anderer  meinung,  in  ire  schilt  geben  und  darmit  anzaigen®  die  art
und  eigenschafft  solcher.  Dan  man  findt  kein  schaff  oder  sitsam
thier  in  den  wappen,  sonder  eittel  zugreiffende  rachseelige  vogel
unnd  thier  in  fursten,  herrno  unnd  edein  wappen,  als  greiffen,  lewen,
drachen,  adler,  straussen,  wolff,  geyer,  bern  unnd  dergleichen,  und
ist  nit  gnug,  das  sie  an  ime  selbs  grausam  thier  sein,  eonnder
müessen  auch  uff  das  graussambst  gestelt  sein,  der  wolff  ein  schaff
im  maul  oder  mit  auszgeregtem  mundt‘)  die  zen  bleckhen;  und  so
etwa  ein  sitsam®  heimisch  thier  in  ein  wappen  geredt,  als  haanen,

a)  von  alten  geschlechten  hoerkhommen  unnd  geboren  7",  b)  kirchen,  schullen,  wahren
gottesdienst  7".  c)  den  freundten  fürbilden  72‘,  d)  dergleichen,  so  sie  in  iren  wappen
haben  7“.  e)  aus  7,  geachlecht  St.  fJ)  aus  11°,  jnen  St!.  eg)  Antiocbus  denn  graffen
wollgefallen  7‘,  den  greiffen  wohlgefallen  J7%.  h)  anderer  mainung  ...  .  gebüren,  damit
sie  die  art...  .  solcher  anzeigen  7"  ji)  ufgerpörtem  mund  7"  k)  zuüm  (=  zahm?)  7".

')  Areus  I,  Anf.  des  4.  Jhrh.  v.  Chr.;  gemeint  ist  der  auch  I.  Makk.
12,  20—23  eingerückte  Brief,  der  auf  die  angebliche  Verwandtschaft  zwischen
Spartanern  und  Juden  Bezug  nahm,  s.  Winer,  Bill,  Realw.?  Art.  Spartaner.

2)  Joseph.  antiqu.  12,  4,  10.

»)  Antiochus  VIII  Grypos  (Habichtsnase)  126—97  ve.  Chr.

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