108  Johann  lierolt

also  gefreyet,  das  man  sv  in  allen  stetten  zu  burgern  annimbt,  unangesehen,
  das  si  in  das  schulthaissenampt  keren®!),  welches  man
sonnst  keim  leibaignen  zugibt  oder  zu  burgern  annimpt,  sie  seven
dann  freveigen.  Disem  schultheissen  müssen  alle  besolten  zu  Hall  zulauffen,
  so  sie  ermant’,  ehe  dan  dem  stettmeister,  wie”  ir  bestallung
  ausweist  ®,  leib  unnd  leben  bey  ime  lassen.  Item  er  hat  macht,
so  er  einen  im  hader  oder  sonnst  in  einer  frischen  misztal®  findt,
das  er  [in®]  in  den  thurm  legt,  allermeniglich  ungeirrt?,  darff  weder
stettmaister  noch  rath  darumb  fragen;  welches  der  stettmaister  nit
macht  hat,  sonnder  er  musz  die  funfler?)  bey  ime  haben.  Er®?)
darff  aber  kein  selber  on.  des  raths  wissen  wider  aus  dem  thurm
thon,  er  mus"’  dem  armen”  das  gericht  verkünden  unnd  darbey
halten,  bis  er  gericht  würt”.

Vonn  den  pfarrherrn  zu  Hall.

Anno  domini  1504  starb  herr  Michel  Müller,  pfarherr  zu  Hall,
zu  sant  Müchel”  *),  Diser  hat  die  pfarr  einem  erbarn  rath  (im
todtbeth)  ”  resignirt?);  dan  vormals  die  pfarr  Hall  die  von  Comberg
zu  verleyhen  gehapt  unnd  ist  Hall  ein  filial  [von]  Steinbach  gewesen.
Nachdem  aber  obgenanter  herr  Michel  die  pfarr  resignirt,  haben  die
von  Comburg  unnd  Hall  ein  lannge  zeit  umb  die  collation  zu  Rom
litigiert.  Zu  letz,  als  die  vonn  Hall  das  urtteil  verloren,  sy  aber
betten  ein  procuratorem  zu  Augspurg,  doctor  Veyt  Meller®®)  genant,
der  schrib  denen  von  Hall  eillendt,  wie  das  urteil  wider  sie  gangen

s)  gehören  T,  db)  so  er  mahn  T,  so  er  sie  mahnet  H'!.  c—c)  datt  dessen:  vermög  der
besolder  bestallung  7”.  d)  miezhandlung  unnd  that  T.  ec)  inen  St!  f)  meniglich
ungewerth  7".  g)  er  schultheisz  7".  h)  er  musz  auch,  wan  uber  daz  blut  gerichtet  würd,
den  stab  halten,  sonst  ist  er  des  rhats  gefroyet,;,  er  musz  darneben  dem  armen  ..  ..T.
j)  armen  verurtbailten  71.  k)  bis  sic  juetificirt  werden  7°,  bis  das  urtheil  volstreckt
wurd  /!.  l)  Michel  7".  m)  aus  T  und  Il;  fehlt  Sstt,  n)  d.  Tirich  Meller  T.  Voyt
M.,  ron  Enslin  korrigiert:  Ulrich  M.  MH,

I)  =  gehören.

2)  Ratsausschuss  bestehend  aus  zwei  Steltmeistern  und  drei  weitern  Milgliedern
  des  innern  Rates  OAHall  163.

®)  Der  Schullheiss.

1)  „Michel  Müller,  (Molior),  der  fromme  Mann,  Alabäzisch  genannt,
denn  das  sein  gewöhnlicher  Schwur  g:wesen.  Er  war  eine  grosse,  dicke,  leibigye
Person,  und  ob  er  wohl  nichts  als  das  Opfer  gehabt,  so  hat  er  doch  freien
Hof  gehalten*,  Städtische  grünc  Chronik  z.  Jahr  1504.

6)  Über  diese  R:signation  s.  WFr.  NF.  IV,  S.  20.

6),  D.  Veit  Meller  war  für  die  Haller  auch  in  der  Angelegenheit  der
Klosterreform  thätig,  s.  Wr.  NE.  IV,  16  (wo  statt  Weller  Meller  zu  lesen  ist)
und  IS.

10