114  Johann  Herolt

Anno  domini  1524  haben  die  vonn  Hall  iren  priestern  gebotten,
das  sie  den  bodenschatz  von  dem  wein!)  wie  andre  burger  geben
ınüsten,  darneben  burger  ‘werden,  welche  guter  bey  inen  kaufften,
beth®  ?)  wie  anndere  burger  geben,  auch  denen,  so  unehelich®  sassen,
ire  concubin  verbotten  oder  dieselbigen  zu  ehelichen.  Dann  sie  seither
  kain  unehelichen  ®  beysitz®,  nit  allein  von  priestern,  sonndern
von  andern  burgern  mehr  gestattet  haben.

Inn  disem  jar  hat  ein  erbar  rath  Nicolaus  (Henckhelin®?)  die
statt  verbotten,  der  vor  etlichen  jarn  ir  pfarrherr  gewest,  vonn  wegen
dder  evangelischen  lehr.  Dan  er  dem  predigern,  herrn  Johann  Prentzen,
fast  sehr  von  seiner  lehr  ubel  geredt,  (deszwegen  in  der  meszner®))
darumb  gestrafft,  waren  sie  zwen  der  sach  uneins,  raufften  unnd
schlugen  einander  uff  dem  kirchhoffl.  Also  verbott  ime  ein  erbar
rath  die  statt.  Er  aber  luff  dem  kayserlichen  regiment  zu  unnd
cammergericht  nach,  erlangt  daselbst,  das  er  seine  pfründt  permutirn
möcht  —  welche  die  von  Hall  zu  leyhen  hetten  —  und  wider  in
die  statt  wandlen,  doch  mit  kainem  steten  wesen  darinen  zu  sein®.

Anno  domini  1525  hat  ein  rath  zu  Hall  an  sant  Mathias
abendt*)  herr  Georgen  Ulmer,  pfarhern  zu  Hasfelden®),  von  wegen
etlicher  lesterwort®  wider  Christum,  denn  er  ein  banckhart  genent,
dann  er  ein  mutter  unnd  kein  vatter  hett  —  doch  als  er  wie  ein
schalcknarr  nit  ernstlich  vermeint  —,  darbey  wider  den  Prentzen,
predicanten,  geredt”,  auch  sonst  anderer  ungeschickhter  red  volnpracht®,
  in  denn  feulthurn”  ®  genent  gelegt,  darinnen  er  vier  wochen

a)  die  gemeine  beth  7".  b)  so  unehrliche  sachen  mit  iren  concubinen  getriben  7;  so
heuszlich  saszen  JT!.  c)  unehrlichen  7".  d)  beyschlaff  I,  e)  aus  Hi;  Nicola
Hencken  7;  Winckhelin  st!.  f)  aus  Hi;  unnd  als  der  möszner  inn  darumb  straffte  7‘,
geredt  unnd  dermaszen  ino  darumb  gostrafft  st.  g)  nit  stettigs  darin  zu  sein  dörfft  und
mochte  T"  h)  guttloszer  wort  7“.  i)  Brentzium  geschmeht  7".  k)  reden  mehr  getricben
  7".  l)  veyhelthurn  7".

ı,  Bodenschatz,  die  von  jedem  lass  in  die  Stadt  gelrachten  Weins  erhoben:
  Steuer  (später  12  kr.),  VAHall  104;  nicht  zu  verwechseln  mit  dem  „Umg-ld*,
  das  von  dem  zum  Ausschank  kommenden  Wein  erhoben  wurde.

?)  Vermögenssteuer;  nach  den  Bethregistern  der  Stadt  (Gem.  Arch.)  in
J:nen  Jahren  1  fl.  von  100  fl.  auf  Grund  der  von  jedem  Bürger  heschworenen
Sellsteinschätzung  („geschworene  Beth“).

s)  N,  oben  8.  109:  „Von  den  Pfarrherın  zu  Hall.“  Nicol.  Henckin  oder
Hencki  (Henkelin  war  die  ühlichere  Form)  erscheint  von  1504—1522  in  den
Hallischen  Bethregistern  unter  den  Priestern  (Gem.  Arch.)

4)  23.  Februar,

5)  Hassfelden  OA.  Hall.

°)  Der  zum  Strafapparat  der  alten  Städte  (so  2.  B.  auch  in  Rothenburg
ob  der  Tauher)  gehörige  Gefängnisturm,  wo  die  Gefangenen  lebendig  verfaulen

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