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Chronica.  117

Anno  domini  1525  haben  die  vonn  Hall  angefangen  uff  dem
landt  kein  haylligen  rechnung  mer  zu  besitzen,  sonnder  alle  heylligen
rechnung  in  der  statt  halten  unnd  in  dem  baurnkrieg  alles  gelt,
kelch  und  klainat”  in  die  statt  gefurt,  furgewendt,  es”  möcht  sich
einn  hauff  hierein  thon,  möchten  solches  gelt  und  kleinat  alles  nemen®.
Aber®  nachvolgendt  geben  sie  gar  keines  mer  heraus,  es  sey  dann
das  man  etwas  baw,  das  notwendigt;  so  solliches  mit  der  obern
heilligen  pflegern  wissen  geschicht,  so  reicht  man  dasselbig  aus®  ').
Erstlich  aber  baben  die  von  Hall  impetrirt  bey  kaysserlicher  und
römischer  gewalt?),  das  sie  bey  sollichen  rechnungen  nit  mer  dan
(allein®)  möchten  sitzen®),  furgewendt”,  es  ligen  vil  kirchen  in
irem  gefraisch*),  welcher  gut  die  bawrn  (niessen®),  unnd  kirchen
mit  baw  ubel  versorget,  begerten  (deszhalben  allein®’)  darbey  zu  sitzen
unnd  darob  zu  halten,  das  solches  heylligen  gut  gebraucht  und  angelegt,
  darmit  die  kirchen  im  baw  gehaltenn”.  Es  heist  aber  itzo
wol  das  gefraisch,  den  es  frist  der  heiligen  gut  alles  gen  Hall  uff
das  rathhausz,  unnd  würdt  niemandt  uff  dem  landt  von  solchem  gelt
geholffen,  er  geb  dan  zins?.

Da  herr  Johann  Herolt°),  pfarherr  zu  Reinsperg,  dechant  des
capittels  zu  Hall  war,  nam  in  ein  rath  zu  Hall  fur,  die  priester

a)  alles  goldt  unnd  kleinodt  7.  b—b)  statt  dessen:  es  möchte  innen  darauszen  unversehens
genommen  werden  T.  c—c)  fehlt  T.  d)  uns  H!,  fehle  st!,;  rechnungen  sitzen  dörffen  7';
nicht  mehr  sitzen  möchten  3.  e)  in  betrachtung,  das...  .  ligon  thetten  T.  fJ  uns  Mt;
nutzen  St!.  E)  aus  T,  fehlt  Set.  h)  erhalten  wurden  T".  ji)  zins;  leit  doch  nit  vil
daran,  dan  die  pfaflen  haben  doch  solches  in  ihren  nutzen  verwendet  J/!.

Haufen  zu  vereinigen.  (Öchsle,  1.  I.  404).  In  einem  früheren  Schreiben  von
Georgi  (23.  April),  das  wohl  die  Haller  noch  mehr  cerbittert  hatte,  beschwerte
sich  der  helle  Haufen  über  den  „schentlichen  Mutwillen*,  den  die  Haller  „ihren
Brüdern“  (bei  Gottwollshausen)  erzeigt,  und  drohte,  mit  demsellen  Masse  zu
messen,  mit  dem  sie  ihnen  gemessen  hälten.

1)  Die  hier  erzählte  Zentralisierung  der  örtlichen  Heiligenpil’gen  berührte
scheinbar  nur  die  Verwaltung,  thatsüchlich  griff  sie  in  die  Autonomie  der
kinzelgemeinden  ein,  wie  sie  denn  auch  unverkennbar  Herolis  Unzufriedenheit
erregt  hat.  Eine  besondere  Spitze  hatte  sie  natürlich  gegen  katholische  Ortsherren
  und  Patrone.  Eine  getreue  Alspieglung  dieser  wichtigen  Veränderung
zeigt  sich  auch  in  den  städtischen  Kauf-  und  Gültbriefen  (KHR),  wo  s:it  1526
die  Oberheiligenpfleger  (als  erste  Schlez  und  Wetzel)  auftreten,  während  vorker
die  Heiligen  der  einzelnen  Orte  je  ihre  besonderen  Pfleger  hatten.

2)  Näheres  über  diese  erlangte  Vollmacht  ist  nicht  aufzuhnden.

’)  D.  h.  dass  sie  künftig  nicht  anders  als  allein,  von  Hall  aus...

4)  Kriminalgerichtsbarkeit,  dann  üherhaupt  hohe  Obrigkeit.

s)  Über  Johann  H.,  den  Vater  des  Chronisten,s.  Bossert,  WVjh.  1851.  359  f.