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Chronioa.  137

Das  grosz  bollwerckh  iennerhalb  Kochenns.
Anno  domini  1490  da  hat  man  das  gros  polwerckh'!)  iennerhalb  »
Kochens  angefangen  zu  bawen,  unnd  das  thor  bey  der  zollhüttin‘?)
allernechst  bey  disem  pollwerckh  zugemaurt,  dargegen  das  Riedamer
thor?)  gemacht.  Es  hat  auch  bas  dahinden  an  derselben  maur  ein
thor  gehapt  gegen  der  Haimbacher  klingen  '),  das  Haimbacher  thor
genant.  Das  hat  man  zugemaurt,  da®  Hans  Strauss’)  deren  vonn
Hall  feyndt  was®.  Denn  einer  hette  dem  stettmaister  angezeigt,
wie  er  denn  Straussen  in  derselben  klingen  gesehen.  Da  besorgt
ein  erbar  rath,  Straus  möcht  ein  burscht®  an  sich  nemen  unnd  etwa
zu  sollichem  thor  ein  schadenn  gemainer  statt  zufuegen.  Dieweil
man  dan  das  thor  nirgent  zu  praucht,  den  zu  den  gerten  uff  dem
grabenn  liegennt,  hat  man  es  zugemaurt.

New  chor.  Anno  domini  1495  hat  man  angefangen  denn
neuen  chor  an  sant  Michelskirchen  zu  bawen,  welcher  chor  anno
domini  1525  ausgemacht  durch  maister  Conraden®).  Dieweil  es  aber
ein  solcher  schwerer  ')  baw,  hat  ein  erbar  rath  iren  schulmaister®),
maister  Heinrich  Siedern  ®°),  gen  Rom  mit  einer  credentz  geschickht.
Der  hat  bei  dem  bapst  erlanngt,  das  man  inn  der  fasten  unnd  andern

s)  jenseits  T.  b—b)  fehlt  T.  c)  bürschlein  T.  d)  Seydern  T.

purgs  durch  die  „Vergönnung“  Karls  V.,  Regensb.  12.  Juli  1541  (Freiheitenbuch
  im  Gem.  Arch.  fol.  202),  ausdrücklich  entbunden.

)  Ein  Rest  dieses  grossen  Bollwerks  ist  u.a.  noch  der  sogen.  Pulverturm,
  jetzt  Museum  der  frünk.  Aliertümer.  Die  Inschrift  daran  mit  der  Jahrzahl
  1490  s.  bei  Hausser,  Schw.  Hall  105  f.

)  Stand  einst  am  Finde  der  jetzt  noch  sogenannten  Zollhüttenstrusse.

8)  Riedener  Thor,  auf  der  Strasse  nach  Rieden,  jetzt  nicht  mehr  vorhanden,
  in  der  Nähe  der  Ausmündung  des  roten  Stegs.

%)  Der  zum  Weiler  Heimbach  führende  Thaleinschniitt.

8)  Über  ihn  s.  unten:  „Straussenkrieg“.

)  Über  Meister  Conrad,  der  in  den  städtischen  Steuerrechnungen  des
Archivs  1510  als  Meister  C.,  Kirchenmeister,  erscheint,  ist  sonst  nichts  Näheres
su  ermitteln,  8.  Klemm,  Steinmetzzeichen,  WVjh.  1882,  161,  wo  auch  die  Chorinschrift
  reproduziert  ist,  auf  welcher  obiges  Datum  beruht;  ein  anderer  Baumeister
  des  Namens,  Conrad  von  Schmie  (1.  I.  127),  der  auch  am  Chor  nachgewiesen
  ist,  reicht  bloss  bis  1517.

?)  Kostspieliger.

®)  Lateinschulmeister.

®)  Sieder  kommt  in  den  städtischen  Steuerbüchern  (Bethregistern  und
Steuerrechnungen)  von  1481—1503  vor,  niemals  unter  den  P’faffen,  1501  unter
der  Rubrik  der  städtischen  Syndici  und  TProkuratoren.  Er  muss  1503  gestorben
  sein.