166  Johann  Herolt

Einritt  kayser  Friderichsz  unnd  Maximiliani.
Anno  domini  14856  an  sant  Michels  tag?!)  ist  keyser  Friderich  mit
seinem  sun  Maximilian  zu  Hall  eingeritten,  und  im  wegfaren  ist
kayser  Friderich®’  in  einem  wagen  gesessen.  Als  sie  aber  bey
Kirnberg?)  on®  miett®®°)  den  berg  nit  hinauff®  könten  faren®,
hat  man  ochsen  furgespant,  hat  keyser  Friderich  löblicher  ‚gedechtnus
  gesagt:  Secht  durch  Gott,  die  kuew"  müssen  dag  Römisch  reich
füeren®);  also  darzu  gelacht,  dan  er  kant  nit  reitten  von  wegen
eines  bösen  schenckhels,

Anno  domini  1489  am  samstag  nach  judica*)  ist  Maximilian
Römischer  König  zu  Hall  eingeritten  und  am  palmtag®°)  dem  palma)

  wegen  oines  bösen  schenkels  J7'.  b—b)  fehlt  Hi,  ohne  wüth  T.  c)  auf!  Ulm  zuH,
d)  und  der  vortrab  schon  fort  war  H!.  e)  ocheen  mainende  II,  N)  ziehen  Hi,
g)  #tatt  des  folgenden  hat  Hi:  mit  der  procession  —  wie  man  vor  alter  gepflegt  den  palmesel,
Jdarauff  die  bildnusz  Christi  sasz,  vom  Langenfelder  thor  an  bisz  zu  sanct  Michels  pfarrkirchen
  durch  die  zwen  büttel  zu  führen  —  eigner  persohn  mitgangen,  und  als  er  gesehen,
solches  dem  herrn  von  'TThürn,  so  im  nachgieng,  gesagt:  Schawt  durch  Gott,  haben  die  von
Hall  sonst  niemandt,  dan  diso  schergen,  das  sie  den  frommen  mann  —  Christum  meinende
—  sollen  einführen,

franken  Bd.  14  (1858),  Gothein,  politische  und  religiöse  Volksbewegungen  vor
der  Reformation  1878,  S.  10  f.,  endlich  Vogt,  Vorgeschichte  des  Bauernkriegs,
in  den  Schriften  des  Vereins  für  Reformationsgeschichte  1887,  92  f.,  führen
zu  dem  Ergebnis,  dass  die  Wirkungen  der  Predigt  Johann  Capistranos,  welche
dem  Pauker  durch  Vermittlung  des  Predigermönches  zukamen,  zwar  die  erste
Anregung  bildeten,  dass  aber  die  Bewegung  doch  bald  durch  extreme  Forderungen,
  wie  Abschaffung  des  Papsitums  und  des  Kaisertums,  Aufhebung  aller
Steuern  und  aller  Standesunterschiede,  Einführung  des  Kommunismus  und
Aufrichtung  einer  Theokratie,  in  hussitische  Bahnen  trat  und  speziell  die  Gesichtspunkte
  des  radikalen  Taboriteniums  zum  Ausdruck  brachte.  Sie  bildet
in  dieser  Hinsicht  eine  höchst  merkwürdige  Vorstufe  und  zugleich  Vorbereitung
zum  Bauernaufstand  von  1525.  Der  Pauker,  von  seinen  Anhängern  „der  heilige
Jüngling“  genannt,  hiess  mit  s:inem  eigentlichen  Namen  Hans  Böheim.  Dass
auch  Angehörige  höherer  Stände  mitergriffen  wurden,  beweisen  2.  B.  die  beiden
Cunz  von  Thunfeld,  Vater  und  Sohn,  die  den  Bauern  als  Hauptleuie  dienten
und  nach  der  Niederschlagung  des  Aufstandes  zur  Strafe  verschiedene  ihrer
Güter  dem  Bischof  Rudolf  von  Würzburg  zu  Lehen  machen  mussten,  s.  Lor.
Fries,  a.  a.  O0.  855.

1)  29.  September.  Nach  Stälin,  W@.  3,  XVIII,  war  der  Kaiser  gegen
Iinde  September  in  Ettlingen  (Baden),  30.  September  bis  1.  Oktober  in  ksslingen,
  6.  Oktober  in  Hall,  10.—12.  Oktober  in  Dinkelsbühl;  darnach  wäre
Herolts  Datum  ungenau.

2)  Kirchenkirnberg,  zw.  Murrhard  und  Gaildorf,  OA.  Welzheim.  In
der  eben  aus  Stüälin  angegebenen  Reiseroute  Hall—  Dinkelsbühl  passt  dieses
Kirnberg  übel,  das  andere  bei  Rottenburg  freilich  noch  weniger.

8)  Ohne  gemietete  Tiere,  also  ohne  Vorspann.

4)  11.  April.  —  °)  12.  Aprül.

10