190  Johann  Herolt

tori,  wir  sollen  ein  ander  decan  welen  unnd  capittel  haltten.  Wir
wolten  aber  solches  one  wissen  eines  erbarn  raths  nit  thon,  dieweil
man  das  capittel  vormals  alwegen  in  sant  Michels  kirchen  gehalten;
aber  ein  rath  wolt  das  nit  gestatten,  wir  wolten  dan  unsere  kirchen
nach  der  Hallischen  reformiren,  den  predigern  und  pfarberrn  zu
Hall  superatendenten  nennen.  Das  wolten  die  Schennckhischen  ')
nit  tbun.  Also  hat  man  seither  weder  decan  noch  capittel,  ist  die
kurch  uff  dem  lannd  zerrutt,  lert  unnd  helt  ein  jeder  ceremonien
nach  seinem  gefallen.  Gott“  der  herr  wöll  gnad  verleyhen,  das
die  kürch  widerumb  reformirt  werde  naclı  seinem  heilligen  evangelio”’*).
Disz  ist  geschehen  hernach  im  1542.  jar.

Anno  domini  1540  hat  ein  rath  den  priestern  unnd  pfarrherrn
uff  dem  landt,  so  weit  ir  landtschafft  getb,  welche  bis  anher  noch
mesz  geleszen,  verboten,  das  sie  kein  mesz  mer  sollen  leszen,  sonnder
  sich  nach  der  Hällischen  kirchen  richten.  Der  decan  zu  Conberg
  hat  ein  mandat  vom  cammergericht  pracht,  darinen  man  den
vonn  Hall  gepotten”,  sie  sollen  seinen  pfarherrn  zu  Tungenthal
unnd  Gelbingen  die  kelch®  widergeben  —  den  man  hat  dieselben
uffgehept,  das  ir  kainer  darüber  kan®.  —  Aber  ein  erbar  rath  hat
das  nit  gethon®?).

a—a)  fehlt  HN.  b)  mandiert  J/!.  ce)  die  kelch,  welche  sie  von  Hall  aufgehalten  (€  we
rörkhehulten)  1.  dı  könth  IM.  e,  hat  nit  parirt  2%

)  Die  zum  Limpurgischen  Gebiet  gehörigen  Pfarrer,  Zunächst  also  die
ron  Unterlimpurg.  Schenk  Erasmus  war  noch  1541  katholisch  gerinnt  und
‚Furderte  beim  Verkauf  seiner  Burg  an  Hall,  dass  wie  einen  Papisten  auf  die
P’farre  unterm  Berg  (U.Limpurg)  setzten  oder  wrenigstens  hei  der  Ahmachung
dıs  Frankfurter  Tages  blieben.  Die  Haller  wussten  aber  die  Beseitigung  dieser
Bedingungen  aurchzusetzen.   Ierst  von  1545  trat  Erasmus,  dem  Beispiel
seiner  Brüder  folgend,  mehr  und  mehr  auf  die  Seite  der  Reformation,  Prescher
I,  30T.

?)  Das  urste  erangelische  Kapitel  wurde  1541  zu  Hall  gehalten,  das
weile  15425  0.  Haspel  Centuna  62.  Der  Abschnitt  bis:  evangelio  x!  also  ror
Ia41  verfasst,  der  folgende  Satz  später  hinzugefügt.

’)  Pfarrer  zu  Thüngenthal  war  Joh.  Jaher,  zu  krlach-@elbingen  der
Chronist  Geory  Widman,  Combergischer  Syndieus,  Haspel  Cent.  61.  Nuch
Orusius  (bei  Prexcher  I,  298)  kam  die  Ntadt  wegen  der  Sache  in  Acht,  wurde
aber  vom  Kaixer  bei  der  Belchnung  mit  den  zum  Schloss  Limpurg  gehörigen
Reichstehen  1541  wieder  ron  derselben  freigesprochen.

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