258  Johann  Herolt

Anno  domini  1540  haben  an  der  herren  fasznacht’)  die  von
Hall  den  pfeiffer  zu  Münckhen,  den  Philipsz  Senfft  denen  zu  Hall
zu  trutz  uff  seiner  undern  schenckh  zue  pfeiffen  bestelt,  geholt,  in
den  thurn  gelegt,  dann  unbillicher  weisz  vil®  oberkeytt  diser
Senfft  uff  seinen  guettern  sich  underfehet®.  Ein  erbar  rath  hat
seinem  vatter  Michel  Senfiten  dise  hoffstath,  darauff  sein  braeder
Melchior  den  sitz  erbawt  hat,  geschenkht,  ist  aigen  gewesen.  So
hat  diser  den  sitz  Hohenloe  (zu”)  leben  gemacht,  vermaindt  den
vonn  Hall  vil  mit  abbrechen,  hat  aber  weder  er  noch  Hohenloe
bisz  anher  nit  vil  darmit  gewonnen.  Gott  wöll,  das  sie  eines  bessern
sins  werden.

Inn“  disem  jare  ist  dunstag”?)  nach  quasimodogeniti  ein  gantze
finsternus  der  sunnen  gewesen,  mit  welcher  ein  grosse  dürre  eingangen,
  gewert  bis  in  den  wintter,  wenig  geregnet,  gar  kein  daub
gefellet  °),  ist  ein  gar  durrer  sommer  gewesen,  desgleichen  in  60  jaren
nie.  Man  hat  bey  unns  vor  sant  Ulrichs  tag*)  gar  abgeschnitten,
den  babern  vor  sant  Jacobs  tag°)  uffigehept.  Es  hat  wenig  garben
geben,  doch  redlich  uff  den  dennen  sich  ergeben®).  Es  ist  wenig
hbew  unnd  gar  kein  ohmat  worden.  Ein  fueder  hew  hatt  funff
gulden  goltten  unnd  mehr,  die  wisen  haben  umb  Jacobi  gesehen
wie  bracheckher.  Es  ist  guter  gelber  wein  geworden,  vast  starckb.
Ein  hundert  krauttheupter  hat  vier  guldin  goltten.

In  disem  jar  nach  ostern  haben  die  von  Hall  abermal  an
der  suln  gebawt,  und  hatt  maister  Thoman  ’’)  ir  werckhmeister  ein
wunderbarlich  schoff®)  angericht  mit  grossen  eimern,  welche  die
pferd  gezogen,  deren  vier  gewesen;  die  suln  tag  und  nacht  also
erschöpfit,  das  man  den  felszen,  aus  welchem  die  odern  springt,
unten  uff  gesehen  hatt.  Die  odern,  so  ausz  solchem  felszen  unden
uffsprengt,  ist  grösser  dann  eins  manns  bein  ob  denn  knien,  treibt

a)  viller  vermeintten  obrigkeit  ._  1b)  anmaszt  unnd  underfienge  T.  0)  aus  H5,  feAle  Sst!.
d)  die  beiden  nächsten  Abschnitte  bis  geholfien  fehlen  T.

1)  8.  Februar.  Siche  diese  Geschichte  schon  oben  S.  131.

»)  6.  April.

2)  Thau  gefallen.

4  Juli.

2)  25.  Juli.

6)  Reichlich  ausgegeben  beim  Dreschen.

?)  Derselbe,  der  1539—40  am  Thurm  der  Michaelskirche  baute,  s.  Klemm,
Württ.  Baumeister,  WVjh.  1882,  161:  sein  voller  Name  ist  Thoma  Stolta.

®)  Schöpfwerk.

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