10

20

25

30

Bauernkricg.  279

da  die  schenken  oder  herren  zu  Liwmpurg  dieselben  versamblung  etwas
stillten,  schriben  sie  aim  erbarn  rate  zu  Halle  und  baten  für  die
von  Ottendorf.  Darauf  gab  man  kain  antwort,  darmit  man  darvon
und  darzu  komen  mochte  nach  begegneten  dingen.

Neben  solichem  warde  auch  der  prediger  zu  Hall,  maister
Johanns  Brenz,  was  darinn  zu  handeln  und  den  bauren  in  namen
deren  von  Ottendorf  zu  antworten  were,  rats  gefragt.  Der  stelt  ain
copey  ainer  schrift,  wie  nachvolgt,  die  aber  aus  allerhande  ursachen
den  bauren  zu  Öttendorf,  den  hauptleuten  zu  Ickingen  zu  behendigen,
  im  pesten  nit  zugestelt,  sonder  underlassen  warde,  und  lautet
dieselb  des  predigers  gestellte  schrift,  wie  nachsteet:

Von  uns,  den  hauptleuten  und  gemaynde  zu  Ottendorf  den  ersamen
  Jorgen  Betzen,  Jorgen  Raubern  und  hern  Wolfgangen  Kirschenessern,
  hauptleuten  der  versamblung  zu  Ickingen  etc.

Unsren  freuntlichen  grusz  und  bruderliche  liebe  zuvoran.  Lieben
freunde  und  bruder  in  Christo!  Wir  haben  ewer  schreyben  und  anmutung
  verlesen,  darinn  wir  ervordert,  zu  euch  zu  ziehen,  [7]  evangelische
  liebe  und  bruderschaft  zu  erobern.  Darzu  dann  wir  mit
leyb  und  gut  genaigt  weren,  wo  das  recht  mittel,  dieselbig  zu  erobern,
  furgewendt  wurde,  dann  nachdem  wir  aus  gotlicher,  hailiger
geschrift  erlernet,  das  man  dem  ubel  nit  widerstreben  soll,  den  mantel
zum  rocke  geben,  zu  dem  geschlagnen  backen  auch  den  andern  darpieten,
  item  das  man  der  oberkait  geborsam  sein  solle  und  sich  vor
uffrurn  hüten,  darzu  zu  gehorsam  der  oberkait  nit  allain  mit  gebot
Gottes,  sonder  auch  mit  ayde  verfaszt,  will  uns  in  kainen  wege  beduncken,
  das  ewer  furnemen  ain  recht  mittel  sey,  bruderliche  und
evangelische  liebin  zu  erobern.  Das  evangelium  leret  ie,  das  man
sich  selbst  nit  soll  rechen,  sonder  Got  den  rache  lassen.  Auch
lernen  wir  aus  dem  evangelio  das:  were  der  oberkait  widerstrebt,
der  widerstrebe  der  ordnung  Gottes.  Wie  kan  aber  dem  die
sach  glucken,  der  ainer  ordnung  Gottis  widerstrebt,  oder  wie  mage
Got,  unser  herre,  und  der  seligmacher  Christus  grossen  gunst  tragen
zu  dem  widerstreber,  zu  den  aufruren,  so  er  doch  geboten  hat,  man
solle  leyden  und  dasselbig  nit  mit  dem  schwert,  sonder  mit  gedult
ausfechten?  Darumb,  lieben  bruder,  wollen  wir  euch  cristenlich
widerumb  ermanen,  das  ir  die  sache  recht  erwegen  und  euch  selbs
nit  betriegen,  sonder  den  rechten  wege  und  mittel,  bruderliche  liebe
zu  erhalten,  fürnemen,  nemblich  gedult  in  der  betrangnus,  ernstlich
bitten  gegen  Got,  unserm  herren,  und  willigen  gehorsam,  dann,  wie