Korbemerkungen.

Zu  dem  grossen  Kontingent  von  Pfarrherrn,  welche  teils  durch
Überzeugung,  teils  durch  den  Drany  der  Verhältnisse  in  den  Strudel
der  Bauernbewegung  hineingezogen  wurden,  gehört  auch  Wolfyany
Kirschenesser,  in  den  zeitgenössischen  Berichten  —  so  auch  bei  llerolt
—  gewöhnlich  Kirschenbeisser  genannt.  Sein  Pfarrdorf  Frickenhofen
  und  die  Nachbardörfer,  in  denen  zuerst  das  Feuer  des  Aufstands
  aufloderte,  liegen  im  Gebiet  der  ehemaligen  Waibelhube  (O1.
Gaildorf  S.  115),  und  es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  dass  die  Üherlieferungen
  des  alten  freien  Bauernstandes,  die  auf  der  Frickenhofer
Höhe  noch  besonders  lebendig  sein  mussten,  zu  dem  schrofen  und
wilden  Auftreten  des  (Gaildorfer  Haufens  das  Ihrige  beigetragen
haben.

Kirschenesser!)  wurde,  nach  seinen  Angaben,  die  durchaus  den
Eindruck  der  Wahrheit  machen,  von  den  Bauern  zum  Anschluss  genötigt.
  Dass  er  sich  gegen  ihr  Andringen  auf  die  heilige  Zeit  und
auf  die  des  priesterlichen  Beistandes  harrenden  Weiber  und  Kinder
beruft,  lässt  auf  seine  gewissenhafte  Amtsführung  ein  günstiges  Licht
füllen.  Freilich  hatte  er  sonst  und  grundsätzlich  den  Bauern  ofenbar
  nichts  entgeyenzuhalten,  stand  also  im  allgemeinen  auf  dem  Boden
ihrer  Bestrebungen.  Von  seinen  näheren  und  entfernteren  Kollegen
waren  ebenfalls  beim  Haufen  der  Pfarrer  Held  von  Bühlerthann,
welcher  zum  Rat  des  Haufens  gehörte,  und  der  Pfarrherr  von  Westheim.
  Im  Pfarrhofe  von  Westheim  ist  Kirschenesser  nach  Hoffman
(oben  S.  343)  von  den  Hullern  ergriffen  worden.

Die  Handschrift,  aus  der  das  Stück  stammt,  ist  Band  1
der  im  Hallischen  gemeinschaftlichen  Archiv  aufbewahrten  zehn  Bände

I)  Die  Wittenberger  Matrikel  nennt  im  Sommer  1503  einen  Wolfgang
Kirschbain  von  Beresbach  —  wahrscheinlich  =  Beersbach  bei  Ellwangen  —
zugleich  mit  zwei  Ellwangern.  Bossert  hält  es,  Blätter  für  Württ.  Kirchengeschichte
  1892  S.  87,  für  unzweifelhaft,  dass  dies  unser  Kirschenesser  sei,
doch  dürfte  die  Grundlage  für  diese  Vermutung  nicht  sicher  genug  sein.