Korbemerkungen.

Das  Reinsberger  Gült-  und  Zehentregister  kann  wohl  als  Herolts
Gültbüchlein  kurz  bezeichnet  werden,  denn  der  grössere  Teil,  unge-Fführ
  &gt;la,  stammt  von  ihm,  der  nicht  zum  Abdruck  gebrachte  weniger
bedeutende  Rest  von  seinen  Nuchfolyern.

Nachdem  durch  Braun  und  Bossert  in  WVjh.  1581,  8.05  f.,
das  Büchlein  erstmals  der  Aufmerksamkeit  empfohlen  und  durch  eine
Probe  illustriert  war,  hat  Bossert  es  in  seinem  Lebensbilde  Hlerolts,
ebenda  8.  289  f.,  in  geschickter  und  ausgiebiger  Weise  verwertet.

bs  gewährt  in  der  That,  so  sehr  es  zunächst  nach  geschäftlichen
  Gesichtspunkten  angelegt  ist,  yleichwohl  mannigfache  Ausbeute
und  giebt  namentlich  von  den  kleinen  Nöten  und  Plackereien,  welche
dem  Pfarramt  damals  anhafteten,  eine  lebendige  Anschauung.  Wars
musste  das  für  eine  Sisyphusarbeit  sein,  den  durch  die  Inkorporation
geschmälerten  Gehalt  der  Pfarrer  aus  den  Hunderten  ron  verschiedenen
  Bezugsquellen  zusammenzubringen,  den  richtigen  Eingang  genun
zu  kontrollieren  und  die  Widerstrebenden  durch  List  oder  Gewalt  —
„rusticus  nil  facit  nisi  coactus  aut  deceptus“  —  zur  Erfüllung  ihrer
Pflichten  oder  zu  einer  kleinen  Erweiterung  der  Pfurryerechtsame
zu  bringen!  Und  wenn  schon  in  den  Friedenszeiten  diese  Aufgaben
heikel  genug  waren,  wie  schwierig  mochten  sie  erst  in  den  Jahren  der
Gährung  und  Unzufriedenheit  werden!

Neben  diesem  Hauptteil  des  Bildes  aber,  wo  wir  den  Pfarrherrn
  als  scharfäugigen  Einsenmmiler  seines  yrossen  und  kleinen  Zehnten
und  als  bewanderten  Landwirt  erblicken,  lernen  wir  ihn  auch  kennen
als  gewissenhaften  Seelsorger,  der  in  vermehrten  Prediytyottesdiensten
und  in  der  „kinderfray“  den  Impulsen  der  Reformation  kräftig
Rechnung  träyt,  und  endlich  zeigen  sich  auch  im  Ilintergrund  yeschichtliche
  Perspektiven;  die  Munniyfaltigkeit  der  Bezugsquellen,  aus
denen  das  Einkommen  stammt,  die  verschiedenen  Wechsel  der  Besitzer,
  welche  die  Pfarrei  Reinsberg  von  den  Zeiten  des  alten  Komburger
  Klosters  an  durchgemacht  hat,  und  nicht  zuletzt  die  bewegten
Ereignisse  der  allgemeinen  Schaubühne  jener  Zeit  geben  dem  Schreiber