Gültbüchlein.  387

der  pfarrer  reich  zu  werden.  Dan  obgedachte  graven  haben  inen
die  pfarr  Reinsperg  und  vill  andere  pfründt  zu  lehen  verlassen,  also
haben  sie  wie  die  raupennester,  wo  sie  ein  gutte  pfarr  zu  verleyhen
gehabt,  die  haben  sie  incorporirt,  der  grossen  zehenden  berawbt,
wie  die  raupen  die  grünen  erstlich  fressen,  das  nur  der  dürr  stamm
dableibt.  In  solcher  mass  und  gestalt  ist  die  herrlich  pfarr  Reinsperg
  auch  incorporirt,  das  man  die  grossen  zehenden  und  den  kern
davon  genommen  und  dem  pfarrherrn,  der  die  mühe  und  arbeit

‚  muss  baben,  die  hülsen  und  spreier  gelassen,  in  mass  und  gestalt

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wie  hernach  folgt.

Anno  domini  1237  hat  der  abt  und  convent  dess  closter  Comberg
  sechs  pfarr,  nemlich  Steinkyrchen,  Michelfeld,  Erlach  '),  Dingentbal
  ?)  und  Gebsettel?)  wöllen  incorporiren,  hat  der  bischoff  zu  Würtzburg
  nit  wöllen  darein  bewilligen,  sie  stellen  dan  die  drey  pfarr
dem  thumstifft  zu  Würtzburg  zu.  Also  haben  sie  Erlach,  Dingenthal
  und  Gebsettel  ihnen  zu  incorporiren  bevorbhalten.  Dargegen
Steinkirchen‘),  Reinsperg  und  Michelfeld  dem  stifft  zu  Würzburg
zu  incorporiren  und  zu  leihen  geben.  Also  ist  die  pfarr  Reinsperg
an  das  thumcapitel  zu  Würzburg  kommen.

Aber  nachdem  Johannes  von  Brun  anno  domini  1440  starb,
ward  Sigmundus,  ein  herzog  zu  Sachsen,  bischoff;  da  ward  das
capitel  mit  dem  bischoff  uneins,  wolten  sein  nit,  marggraff  Albrecht
zu  Brandenburg  stundt  dem  bischoff  bey,  kam  mit  gwalt  für  Ochssenfurt
  die  statt  des  capitels,  understund  sich  die  zu  stürmen,  schlug
laitern  an,  aber  er  verlur  den  starm  und  liess  das  fenlin  dahinden
und  must  abzihen’).  Dise  zween  bischoff  haben  das  bistumb  in
armuth  bracht,  das  sie  viel  ämbter,  zehend  und  ander  einkommen
versetzt  und  verkaufit  haben  und  in  zweifflung  stunden,  sie  möchten
sich  nimmermehr  erholen.

Zu  diser  zeit  haben  die  herren  des  capitels  die  obley  Steinkirchen
  denen  von  Stetten  umb  viertausent  gülden  versetzt,  also
das  sie  bis  uff  widerablösen  die  pfarr  der  oblay  zu  verleyhen  ghabt,
und  alle  zebenden,  rent  und  gült  in  die  oblay  gehörend  genossen
hat,  biss  uff  bischoff  Rudolphen  von  Scherenberg°®),  der  bracht  das

=  (men  und  (m  er  een

’)  Nördlich  von  Hall,  bei  Untermänkheim.

’)  Thüngenthal  bei  Hall.

°®)  Gebsaltel  bei  Rothenlury  0.  Tauber.

*%)  OA.  Künzelsau  im  Kocherthal.

5)  Über  diese  Vorgänge  ».  Lorenz  Jries  bei  Ludewiy,  Geschichtschreiber
von  dem  Bischoffthum  Wirtzburg  8.  7S1  f.

%)  Bischof  von  1466—1495  8.  Fries  a.  a.  O.  846.