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Gültbüchlein.  409

Warumb  in  den  weinbergen  nichts  verzehendt,  dan  den  wein,
hab  ich  also  von  den  alten  baurn,  alss  ich  uff  die  pfarr  kommen  bin,
ao.  dni.  1514  gehört.

Die  heckher')  haben  vermeint,  sie  wöllen  nit  den  wein,  sondern
den  zehenden  butten  voll  trauben  geben,  dargegen  der  pfarrherr  den
zehenden  aymer  zu  geben  begehrt,  darzu,  wass  in  den  weinbergen
wächsst,  den  zehenden  haben  wöllen.  Soll  mann  sie  also  zu  Würzburg
  vereiniget  haben,  die  häckher  sollen  den  zehenden  aymer  weins
vor  dem  bieth  geben  ?),  dargegen  soll  alles  das  obs,  dass  in  weinbergen
  wächsst,  auch  wass  mann  darinn  bauet,  wie  oben  erzehlt,
zebendtfrey  sein.

Ursach  der  longarben  ist  diese.  Es  ist  der  brauch  in  Reinsperger
  pfarr  gewesen,  das  mann  zu  nachts  den  schnittern  eim  ieden
ein  büschel  von  dem  schnitt  hat  geben  haim  zu  tragen,  die  man
lonbüschel  genannt  hat.  Nun  haben  die  baurn  die  lon  handvoll  gross
gemacht,  wie  klein  garben,  und  den  schnittern  dess  weniger  zu
schnitterlohn  geben.  Das  hat  der  pfarrherr  nit  leiden  mögen,  ist
mit  ihnen  gen  Würtzburg  kommen,  da  hat  manns  also  vertragen,
wie  oberzehlt,  dass  die  zehender  sollen  dem  baurn  von  1  morgen
winterigs  vier  garben  unverzehendt  ligen  lossen  und  von  eim  morgen
habern  drey  garben.  Und  soll  kein  bawer  keim  schnitter  zu  nacht
ein  lohn  oder  ihrn  büschel  geben  heimzutragen.

Item  in  dem  baumgartten  soll  man  alles  dass  obs,  es  sey
kirschen,  pflaumen,  nüss,  öpfel  und  pyren,  nichts  aussgenohmen,  den
zehenden  darvon  geben;  dargegen  geben  sie  kein  gras  oder  hay  auss
den  baumgartten.

Item  wan  die  aichel  gerathen  und  ein  geekher?)  wird,  so  last
man  dem  pfarrherrn  nit  mehr  den  zwo  sew  in  das  geeckher  gehn,
wie  eim  andern  einzelichen  lehen.  Ich  hab  mich  ao.  1523  unterstanden,
  vermeint  man  solt  mir  als  viel  sew  in  die  aicheln  lauffen
lassen,  alss  viel  ich  in  das  haus  schlagen  wolt,  wie  ichs  gehört  hett;
die  baurn  wolten  das  nit  leiden,  nahmen  mir  die  aine  saw,  vertrunckhens*)
  in  dem  wirthshaus;  nachdem  ich  sie  aber  zu  Hall  verı)

  Häcker  —  Winzer.

2)  Bi.ts.  oben  S.393  Anm.  2,  also  cin  Eimer  noch  ungckelterten,  im  Bottich
st:henden  Weines,  dessen  Quantität  natürlich  geringer  war  als  die  des  gekelterten.

3)  Geäcker,  Geäckerich,  Äckerich,  Kollektivum  für  die  Frucht  der  Buche
und  Eiche,  Waldnast,  Schin.

*)  Nach  fränkischem  Gemeindcordnunysrecht,  s.  Dossert  Johann  llerolt,
W.  Vjh.  1861,  290.