VORWORT.

Es  sind  gar  eigenartige  Verhältnisse,  unter  denen  das  erste  Jahrhundert
im  Bestehen  eines  deutschen  Oberlehrerstandes  und  damit  auch  einer  höheren
Schule  im  heutigen  Sinne  des  Wortes  zu  Ende  geht:  Kampf  an  allen  Ecken
und  Enden,  im  Hause  der  Schule  selbst  ein  Gegensatz  der  Meinungen,  so  schroff
und  unvermittelt,  daß  auch  den  ruhig  Denkenden  gelegentlich  fast  ein  Gefühl
des  Schwindels  anwandelt,  wenn  er  sieht,  wie  dem  einen  das  als  Unsinn  erscheint,
  was  dem  anderen  wertvolistes  Gut  ist,  und  dazu  ein  so  lautes  Stimmengewirr
  von  außen  her,  daß  wir  für  die  Schule  bereits  recht  weit  über  das  normale
  Maß  herausgekommen  sind,  in  dem  das  Wort  vom  dem,  der  an  der  Straße
baut  —  und  an  der  Straße  muß  auch  die  Schule  bauen  —  im  Leben  zur
Geltung  zu  kommen  pflegt.  Wir  stehen  vielleicht  zu  sehr  in  der  Entwicklung
mitten  drin,  um  zu  sagen,  was  an  ihr  erfreulich  und  wo  die  Grenze  des  Gesunden
  überschritten  ist,  aber  eines  ist  als  Ergebnis  jeder  ruhigen  Betrachtung
unserer  schulpolitischen  Zustände  sicher:  Die  Arbeit  der  höheren  Schule  in
ihrer  Gesamtheit  und  in  ihren  einzelnen  Abarten  wird  häufig  nur  darum  so
falsch  beurteilt  und  nur  darum  so  fruchtlos  zum  Gegenstande  des  Duells  und
des  Massenkampfes  gemacht,  weil  der  Boden,  auf  dem  sich  diese  Arbeit  vollzieht,
  den  Draußenstehenden  sehr  wenig  und  auch  den  Schulmännern  oft  nur
in  dem  Teile  bekannt  ist,  der  sie  unmittelbar  angeht.  Es  gibt  gegen  den  Schulkrieg
  kein  besseres  Mittel  als  Vermehrung  der  wirklich  Sachverständigen;  denn
in  der  Mehrzahl  der  Fälle  ist  es  der  Mangel  ausreichender  Sschkenntnis,  der
die  Gegensätze  der  Schularten  und  der  Richtungen  der  Unterrichtsmethodik
über  Gebühr  sich  steigern  und  der  die  Polemik  bitter  und  unfruchtbar  werden
  läßt.

Vom  Standpunkt  solcher  Erwägungen  aus  betrachtet,  wendet  sich  das  vorliegende
  Handbuch  an  einen  sehr  viel  weiteren  Leserkreis,  als  sein  Titel  vermuten
  läßt:  es  will  allen,  die  mit  der  höheren  Schule  zu  tun  haben,  ein  Bild
der  Arbeit  geben,  die  dort  geleistet  wird,  und  ein  Bild  der  Art  und  Weise,
wie  diese  Arbeitsleistung  zustande  kommt.  Die  Eltern,  die  nicht  fachmännisch
gebildeten  Mitglieder  der  Schulverwaltungen,  die  Hochschuldozenten  als  diejenigen,
  die  an  das  Werk  der  höheren  Schule  mit  ihrer  Arbeit  anknüpfen,  die
Vertreter  der  Berufskreise,  die  die  entlassenen  Zöglinge  der  höheren  Schule  in
ihre  Dienste  nehmen  —  sie  alle  kommen  zu  den  Lehrern  der  höheren  Schule
selbst  hinzu  als  die  Leser,  die  wir  diesem  Handbuch  wünschen  müssen.  Den
einen  geht  der,  den  andern  jener  Teil  des  Buches  unmittelbarer  an;  dem  Hoch-