IV  Vorwort.

schullehrer  wird  außer  dem  schon  genannten  wohl  auch  noch  ein  weiterer  Umstand
  Anlaß  dazu  geben,  daB  er  sich  mit  dem  Inhalte  dieses  Buches  bekannt
macht:  bildet  doch  die  Vorbereitung  der  Oberlehrer  für  ihren  Beruf  als  wissenschaftliche
  Lehrer  der  höheren  Schule  einen  Hauptteil  seiner  Tätigkeit,  und
würde  es  doch  mehr  als  mißlich  sein,  wenn  der  Hochschullehrer  nicht  eingehende
Kenntnis  hätte  auch  von  den  Forderungen,  die  das  höhere  Lehramt  später
an  seine  Zuhörer  stellen  wird.  Auch  ist  es  ein  altes  und  jedenfalls  sehr  wohlberechtigtes
  und  erfreuliches  Herkommen  in  verschiedenen  deutschen  Staaten,
das  die  Universitätsprofessoren  zur  Beurteilung  und  Förderung  des  höheren
Schulwesens  sowohl  in  außergewöhnlichen  Konferenzen  wie  auch  in  der  Gestalt
regelmäßig  wiederkehrender  Gutachten  über  die  Reifeprüfungsarbeiten  und  z.  T.
auch  über  die  Gestaltung  des  Unterrichtsverlaufes  selber  heranzieht.  Will  der
Hochschullehrer  in  solchen  Fällen  ein  ausreichend  begründetes  und  zweckdienliches
  Urteil  abgeben,  so  darf  er  nicht  bloß  der  Vertreter  seiner  Fachwissenschaft
  sein,  sondern  muß  auch  wissen,  wie  sich  diese  Fachwissenschaft  als
‘Schulwissenschaft’  gestaltet  und  auf  welchen  Wegen  sie  der  Schuljugend  am
besten  näher  gebracht  werden  kann.

Mehr  als  ein  Benutzerkreis  also  auch  außerhalb  des  Lehrerstandes,  und
doch  in  erster  Linie  ein  ‘Handbuch  für  Lehrer  höherer  Schulen’!  Wenn  unter
diesen  Lehrern  nun  ein  jeder  zunächst  nach  dem  Abschnitt  des  Buches  greifen
sollte,  der  die  von  ihm  vertretenen  Lehrfächer  behandelt,  so  dürfen  sich  die
Verfasser  das  gern  gefallen  lassen;  denn  sie  hoffen,  daß  diese  einzelnen  Abschnitte
  auch  für  den  Spezialisten  nicht  ohne  Anregung  und  Belehrung  sind.
Aber  wichtiger  ist  natürlich  das  andere,  wichtiger  ist  die  Belehrung,  die  das
Buch  als  Ganzes  auch  dem  Fachlehrer  bieten  will;  denn  so  hoch  man  sicher
den  Charakter  des  Oberlehrers  als  Vertreters  einer  Fachwissenschaft  in  Ehren
halten  muß,  und  so  gering  auf  der  anderen  Seite  oft  der  innere  Wert  jener
Häufung  der  Lehrbefähigungen  ist,  die  den  ‘Fakultäten’-Jäger  als  pädagogischen
Acht-Bändermann  in  allen  Sätteln  gerecht  sein  läßt:  das  Leben  der  höheren
Schule  kann  und  darf  es  nicht  vertragen,  daß  die  Lehrer  die  Augen  äußerlich
und  innerlich  nur  auf  ihre  Spezialfächer  richten  und  wie  isoliert  im  Rahmen
des  Ganzen  sich  bewegen.  Zum  Glück  tut  heute,  bei  verständiger  Leitung,  das
Seminarjahr  das  Seinige,  um  den  Ausblick  auf  das  Gesamtleben  der  höheren
Schule  gleich  beim  Eintritt  in  die  Oberlehrerlaufbahn  vor  den  jungen  Angehörigen
  des  Berufes  nach  Kräften  aufzutun;  aber  selbstverständlich:  auch  im
besten  Falle  kann  es  sich  im  Seminarjahr  nur  um  eine  erste  Einführung  handeln,
  und  sehr  viel,  bei  weitem  das  meiste  bleibt  der  Entwicklung  des  Lehrers
während  seiner  Amtstätigkeit  vorbehalten;  Lehrkunst  und  Lehrhandwerk  verlangen
  von  denen,  die  sie  im  engen  Nebeneinander  des  Lebens  einer  Anstalt
ausüben,  auf  Schritt  und  Tritt  die  äußere  Rücksicht  und  die  innere  Bezugnahme
  aufeinander;  und  je  weniger  es  der  äußere  Zwang  und  das  amtliche
Reglement  ist,  das  diese  Forderung  zur  Geltung  bringt,  desto  besser  für  das
Leben  der  Anstalt;  bei  der  Stellung  der  häuslichen  Aufgaben,  bei  der  Beurteilung
  der  Schüler  und  bei  zahllosen  anderen  Fragen  des  Schullebens  tritt  gar