Vorwort.  V

heilsam  zutage,  ob  bei  den  Mitgliedern  eines  Lehrerkollegiums  das  Bewußtsein
der  ‘Lebensgemeinschaft”?  vorhanden  ist,  zu  der  sich  ihrer  aller  Bemühungen
und  Leistungen  zusammenzuschließen  haben.

Dem  Bewußtsein  dieser  ‘Lebensgemeinschaft’  will  dies  Handbuch  dienen,
indem  es  nicht  22  Monographien  über  die  Einzelgebiete  des  höheren  Schulwesens
  äußerlich  aneinanderreibt,  sondern  die  geistige  Arbeit  der  höheren  Schule
als  Ganzes  zu  schildern  und  zu  erfassen  sucht.  Erreicht  werden  konnte  dieses
letztere  Ziel  allerdings  nur  dadurch,  daß  sich  zahlreiche  Mitarbeiter  zusammenfanden,
  von  denen  jeder  das  Gebiet  behandelte,  auf  dem  er  besonders  zu  Hause
ist.  Ein  einzelner,  auch  wenn  ihm  reiche  Erfahrung  und  vielseitige  Bemühung
zur  Seite  steht,  kann  schlechterdings  nicht  als  gleich  zuverlässiger  Führer  auf
allen  den  Gebieten  gelten,  die  das  höhere  Schulwesen  heutzutage  umfaßt;  stellt
doch  schon  das  Aufnehmen  der  Belehrung  über  so  viele  und  verwickelte  Fragen
eine  ziemlich  bedeutende  Arbeitsleistung  dar,  geschweige  denn,  daß  das  Erteilen
der  Belehrung  Sache  eines  einzelnen  sein  könnte.  Die  Mitarbeiter  an  diesem
Handbuch  haben  sich  bemüht,  soweit  es  irgend  möglich  war,  im  Sinne  des
Ganzen  tätig  zu  sein;  Gleichmacherei  nach  einer  äußeren  Schablone  ist  von
ihnen  weder  verlangt  worden,  noch  wäre  sie  für  die  Sache  von  Vorteil  gewesen;
auch  auf  die  Tätigkeit  eines  Gesamtherausgebers  glaubte  die  Verlagshandlung  —
ich  denke,  nicht  mit  Unrecht  —  von  vornherein  verzichten  zu  sollen;  im  besten
Falle  hätte  ein  solcher  Gesamtherausgeber  äußerlich  manches  abglätten  können  —
und  diesen  Gewinn  werden  die  Benutzer  des  Buches  vermutlich  ohne  vielen
Kummer  entbehren.

Nach  alledem,  was  wir  oben  über  die  Bestimmung  dieses  Handbuches  gesagt
  haben,  muß  verlangt  werden,  daß  die  Darstellungen  der  verschiedenen  Teilgebiete
  des  höheren  Schulwesens,  die  es  bietet,  mit  einer  gewissen  Unparteilichkeit
  geschrieben  sind.  Ob  wir  dieser  Forderung  genügt  haben?  Jedenfalls  war
das  Streben  nach  ruhiger  Würdigung  entgegengesetzter  Meinungen  bei  uns
allen  vorhanden,  und  mit  Bewußtsein  haben  wir,  soweit  ich  überhaupt  auch
von  meinen  Herrn  Arbeitsgenossen  sprechen  darf,  die  subjektive  Anschauung
nie  einseitig  in  den  Vordergrund  gedrängt;  hoffentlich  werden  u.  a.  die  Hinweise
  auf  die  Fachliteratur  in  den  einzelnen  Abschnitten  zeigen,  daß  uns  daran
gelegen  war,  das  Bild  der  herrschenden  schulpolitischen  und  methodologischen
Gegensätze  möglichst  vollständig  zu  geben.  Es  gibt  in  unserem  höheren  Schulwesen
  Fragen,  bei  denen  neben  der  Darstellung  des  bereits  Getanen  der  Ausblick
  auf  die  Zukunft  ganz  besonders  nötig  und  mit  ein  paar  kurzen  Worten
auch  nicht  abzumachen  ist;  gegenüber  solchen  Fragen,  von  denen  nur  die  nach
der  gesunden  Gestaltung  des  Religionsunterrichtes  hier  einzeln  erwähnt  sei,
muß  die  eigene  Zutat  des  Bearbeiters  seine  nur  registrierende  Arbeit  naturgemäß
überwiegen;  ganz  sine  ira  et  studio  läßt  sich  überhaupt  nicht  von  all  dem  regen
und  gerade  in  unseren  Tagen  durch  höchst  disparate  Einflüsse  bestimmten  Leben
handeln,  das  in  unserem  höheren  Schulwesen  herrscht;  aber  es  darf  wohl  gesagt
werden,  daß  kein  Abschnitt  dieses  Buches  seine  Leser,  besonders  die  jüngeren,
des  eigenen  Urteils  noch  weniger  mächtigen  unter  ihnen,  vorschnell  zu  Partei-