vi  Vorwort.

männern  zu  machen  droht;  um  so  mehr  wollen  alle  Abschnitte  darauf  hinwirken,
von  der  Bedeutung  der  schulpolitischen  und  didaktischen  Probleme  eine  möglichst
  klare  Vorstellung  zu  geben  und  ihre  Leser  so  zur  Mitarbeit  anzuregen
an  der  immer  zweckmäßigeren  und  fruchtbareren  Ausgestaltung  des  Unterrichts
an  der  höheren  Schule.

Das  Schulwesen  des  Deutschen  Reiches  ist  nicht  einheitlich  geregelt;  weder
die  Lehrpläne  noch  die  Lehrziele  der  verschiedenen  Einzelstaaten  stimmen  in
allen  Punkten  überein.  Es  war  daher  in  zahlreichen  Fällen  nötig,  die  Verhältnisse
  der  verschiedenen  deutschen  Staaten  vergleichend  nebeneinander  vorzuführen,
damit  die  einseitige  Beziehung  auf  das  Schulwesen  eines  einzigen  Landes  vermieden
  wurde;  nahm  die  Darstellung  dadurch  einen  breiteren  Umfang  an,  so
darf  man  sich  das  wohl  gefallen  lassen;  es  ist  gerade  aus  der  Vergleichung  der
Schulverhältnisse  der  Einzelstaaten  überaus  viel  zu  lernen,  und  es  bedeutet  gewiB
  keinen  Schaden,  wenn  bei  solcher  Vergleichung  gelegentlich  der  Gedanke
des  Reichsschulwesens  dem  Leser  zum  Bewußtsein  kommt.  Denn  wenn  wir
auch  alle  schablonenmäßige  Gleichmacherei  ablehnen  und  schon  in  diesem
Sinne  das  Schulwesen  als  Sache  der  Einzelstaaten  gern  anerkennen  müssen:  es
gibt  doch  noch  mancherlei  zu  tun,  damit  in  ruhig  sachlichem  Ausgleich  die
unnützen  Differenzen  in  den  Schulverhältnissen  der  verschiedenen  deutschen
Länder  beseitigt  werden,  der  Weg  aber  zu  diesem  Ziele  führt  wohl  mehr  durch
die  Schulmännerwelt  selbst  als  durch  die  staatlichen  Verwaltungsbehörden.
Vielleicht  kann  das  vorliegende  Buch  als  ein  Handbuch  für  Lehrer  höherer
Schulen  ganz  Deutschlands  auch  in  dieser  Beziehung  sich  nützlich  machen.

Der  Versammlung  deutscher  Philologen  und  Schulmänner  durfte  der  erste
Teil  dieses  Buches  im  vorigen  Herbst  von  der  Verlagshandlung  als  Gruß  dargebracht
  werden;  erfreulicherweise  hat  ja  diese  Versammlung  mit  einem  überaus
erwünschten  Hinweise  auf  die  engen  Beziehungen  geschlossen,  die  bei  gesunder
Gestaltung  der  Dinge  zwischen  der  Universität  und  der  höheren  Schule  bestehen
müssen;  hoffentlich  ist  der  Geist,  in  dem  die  Blätter  unseres  Handbuches  geschrieben
  sind,  von  der  Art,  daß  er  zur  Erhaltung  und  Förderung  solcher  Beziehungen
  beiträgt.  Wissenschaftlicher  Unterricht  ist  und  bleibt  die  Aufgabe
  der  höheren  Schule,  auf  wissenschaftlicher  Grundlage  ist  ihr  ganzer
Lehrplan  aufgebaut  —  zahllose  Verbindungsfäden  gehen  unter  diesen  beiden
Gesichtspunkten  von  der  höheren  Schule  zur  Universität  hinüber;  möchte  das
Vorhandensein  dieser  Fäden  in  dem  Texte  dieses  Buches  recht  deutlich  zu
spüren  sein!

Frankfurt  a.  Main.  Julius  Ziehen.