Mittelalter  und  Reformationszeit.  a]s)

Auf  die  Vorbildung  der  Lehrer  hatten  diese  Umwälzungen  zunächst
keinen  Einfluß,  die  Lehrer  blieben  nach  wie  vor  Theologen,  in  der  Theologie
sahen  die  Reformatoren  und  namentlich  Luther  die  Krönung  des  ganzen  Studinms.
  Bis  in  das  19.  Jahrhundert  hinein  war  daher  das  Lehramt  häufig  nur
ein  Übergangsstadium  zu  dem  einträglicheren  und  weit  angeseheneren  Pfarramt.
Nur  wo  das  säkularisierte  Kirchengut  die  Mittel  dazu  bot,  wie  z.  B.  an  den
sächsischen  Fürstenschulen,  konnten  auch  die  Lehrer  auf  ein  ausreichendes  Einkommen
  rechnen.  Die  Stadtverwaltungen  empfanden  in  der  Regel  die  Unterhaltung
  der  Schulen  als  eine  ungewohnte  und  drückende  Last,  so  daß  die  Lehrer
oft  nur  auf  freie  Wohnung  und  das  kärgliche  Schulgeld  angewiesen  waren,  und  nur
von  wenigen  reichen  und  großen  Städten  wird  berichtet,  daß  sie  die  Lehrer
gut  besoldeten.  Die  Zeitgeschichte  eines  Trotzendorf,  Johannes  Sturm,
Michael  Neander,  Hieronymus  Wolf,  der  Männer,  denen  das  protestantische
Schulwesen  der  damaligen  Zeit  seine  hohe  Blüte  verdankt,  weiß  von  der  Opferfreudigkeit
  des  Staates  und  der  bürgerlichen  Gesellschaft  für  die  Schulen  und
ihre  Lehrer  nicht  viel  Rühmliches  zu  berichten.  Wenn  die  Lehrer  auch  nicht
überall,  wie  an  den  württembergischen  Klosterschulen,  zum  Zölibat  verpflichtet
waren,  so  war  ihnen  doch  vielfach  die  Gründung  eines  eigenen  Hausstandes
schon  aus  wirtschaftlichen  Gründen  unmöglich.  In  dem  protestantischen  Lübeck
wurde  ihnen  geradezu  geraten,  nicht  zu  heiraten,  falls  sie  nicht  einen  ordentlichen
  Nebenverdienst  hätten.  Das  „desudare  in  pulvere  scholastico“  fand  wenig
Anerkennung  und  nicht  die  entsprechende  Belohnung.  Selbst  Melanchthon
beklagt  sich  in  seiner  Stellung  als  Universitätslehrer  über  das  geringe  Ansehen
des  Lehrerberufs  und  die  Niedrigkeit  des  Schullebens,  und  Luther!)  erhebt
mit  guten  Gründen  die  bittersten  Anklagen  gegen  Staat  und  Gesellschaft:  „Nun
man  aber  rechte  Schulen  und  rechte  Kirchen  soll  stiften,  ja  nicht  stiften,  sondern
  nur  erhalten  im  Bau,  da  sind  alle  Beutel  mit  eisernen  Ketten  zugeschlossen“
  Der  Mangel  an  tatkräftiger  Unterstützung  des  Schulwesens
begünstigte  die  Erfolge  der  Gegenreformation,  die  nicht  zum  wenigsten  auf
die  eifrige  Unterrichtstätigkeit  der  Jesuiten  zurückzuführen  sind;  in
der  Erziehung  des  heranwachsenden  Geschlechts  fanden  sie  das  wırksamste
Mittel,  den  Siegeslauf  der  Reformation  zum  Stehen  zu  bringen,  und  da  ihre
Schulen  infolge  der  besseren  finanziellen  Unterstützung  freien  Unterricht  gewährten,
  so  gelang  es  ihnen  leicht,  in  schon  halb  oder  ganz  evangelischen
Ländern  die  Vorherrschaft  der  alten  Kirche  wieder  zurückzuerobern.

Selbstverständlich  brachte  die  Folgezeit  mit  ihren  großen  Kriegen  und  dem
dadurch  verursachten  wirtschaftlichen  Rückschritte  in  unserem  Vaterlande  keine
Besserung  der  Lage.  Bei  der  kärglichen  Besoldung  und  der  geringen  sozialen
Schätzung  des  Lehrerstandes  und  seiner  Tätigkeit  ist  es  nicht  zu  verwundern,
wenn  sich  schließlich  auch  nur  kümmerliche  Existenzen  diesem  Berufe  zuwandten.
  Daß  die  Zeit  der  großen  pädagogischen  Bewegungen  im  17.  und

1)  Eine  Predigt  Martin  Luthers,  daß  man  Kinder  zur  Schule  halten  solle.  Wittenberg
  1580.  A.a.  0.  S.  198—232.  —  Vgl.  F.  Paulsen,  Gesch.  d.  gel.  Unterr.  Bd.  I.  S.  202.