Wissenschaftliche  Fortbildung  und  pädagogische  Ausbildung.  63

In  ähnlicher  Weise  stellen  sich  auch  die  freien  Vereinigungen  und  Versammlungen
  die  Aufgabe  der  wissenschaftlichen  Fortbildung.  Die  älteste  Veranstaltung
  dieser  Art  ist  die  Versammlung  deutscher  Philologen  und
Schulmänner,  die  im  Jahre  1838  zuerst  in  Nürnberg  abgehalten  wurde,
später  haben  sich  auch  die  Neuphilologen,  die  Historiker  und  die  Vertreter
  des  mathematischen  und  naturwissenschaftlichen  Unterrichts
zu  besonderen  Vereinen  zusammengeschlossen.  Zahlreiche  allgemeinpädagogische
und  -wissenschaftliche  Fachzeitschriften  legen  außerdem  von  der  methodischdidaktischen
  Arbeit  in  allen  Unterrichtsfächern  ein  beredtes  Zeugnis  ab.  Eine
kritische  Übersichf  bieten  die  von  K.  Rethwisch  herausgegebenen  Jahresberichte
  über  das  höhere  Schulwesen  (Berlin,  Weidmannsche  Buchhandlung).

Neben  der  wissenschaftlichen  Ausbildung  und  Fortbildung  ist  aber  auch
die  Vorbereitung  der  Lehramtskandidaten  auf  die  eigentlich  erzieherische
Seite  ihres  künftigen  Berufes  in  den  letzten  Dezennien  immer  mehr  in  den
Vordergrund  getreten.  Schon  früh  hat  sich  das  Bedürfnis  geltend  gemacht,
die  Kandidaten  vor  ihrer  endgültigen  Anstellung  auf  ihre  praktische  Befähigung
zu  erproben,  und  zu  diesem  Zwecke  wurde  in  Preußen  im  Jahre  1826  die  Ableistung
  eines  Probejahres  zur  unerläßlichen  Bedingung  der  endgültigen  Anstellung
  gemacht.  Wir  haben  auch  bereits  der  schon  im  .18.  Jahrhundert
gegründeten  pädagogischen  Seminare  zu  Berlin  und  Halle  gedacht.
Pädagogische  Universitätsseminare,  die  zugleich  mit  den  Gymnasien  in
Beziehung  standen,  waren  auf  Herbarts  Nachwirkung  in  Göttingen  und  später
in  Gießen  entstanden,  ebenso  wurden  durch  die  Herbartianer  Ziller  und  Stoy
die  Universitätsseminare  in  Leipzig  und  Jena  gegründet  und  nach  diesen  Vorbildern
  die  Seminare  zu  Breslau,  Königsberg,  Danzig,  Magdeburg,  Posen,
Cassel,  Münster  und  Coblenz.  Namentlich  hat  sich  seit  der  Neubegründung
  des  Deutschen  Reiches  eine  lebhafte  Bewegung  für-  methodische  Verarbeitung
  des  Unterrichtsstoffes  und  seine  der  sich  entwickelnden  Fassungskraft
der  Schüler  angepaßte  Darbietung  kundgegeben.  Sie  trat  besonders  in  den
achtziger  Jahren  im  Anschluß  an  die  von  O.  Frick  und  G.  Richter  begründeten
  „Lehrproben  und  Lehrgänge“  (Halle,  Buchhandlung  des  Waisenhauses)
hervor  und  hat  das  Gute  gebracht,  daß  neben  der  einseitigen  Schätzung  des
Gelehrtentumes  auch  die  eigentliche  pädagogische  Tätigkeit  zur  verdienten
Anerkennung  gelangte  und  auch  von  seiten  der  Unterrichtsbehörden  gewürdigt
wurde.  Das  praktische  Ergebnis  war  die  Verfügung  des  Kultusministers
v.  Goßler  vom  15.  März  1890,  daß  dem  schon  von  Joh.  Schulze  vorgeschriebenen
  Probejahre  ein  Seminarjahr  vorangehen  soll,  in  dem  der  Kandidat
unter  sachverständiger  Leitung  in  die  Methodik  und  Didaktik  eines  Unterrichtsfaches
  eingeführt  wird.  Dies  geschieht  entweder  an  einem  der  vorhandenen
Seminare  oder  an  einer  den  Zwecken  des  Seminarjahres  entsprechend  eingerich-‚teten
  höheren  Lehranstalt,  wo  der  Kandidat  zugleich  durch  Darbietung  vorbildlichen
  Unterrichts  wie  auch  durch  Anleitung  zu  eigenen  Unterrichtsversuchen
für  seine  künftige  Lehrtätigkeit  vorbereitet  wird.  Das  darauffolgende  Probejahr
  dient  dann  vorzugsweise  der  praktischen  Erprobung  und  Bewährung  der