102  Vorımer:  Evangelische  Religionslehre.

Vertreter  im  Lehrerkollegium  erheblich  steigern.  Aber  nachträglicher  Eifer  kann
auch  große  Lücken  der  Vorkenntnisse  ausfüllen.  Solcher  Eifer  wird  freilich

Es.  fehlt  nicht  an  eigens  für  die  Vorbereitung  des  Religionslehrers  verfaßten  Werken.
Staudes  'Präparationen’  zu  den  biblischen  Geschichten  und  zum  Katechismusunterricht
sind  nach  Herbartschen  Grundsätzen  ausgearbeitet,  bieten  aber  bei  der  dadurch  bedingten
  Breite  doch  manche  Anregung  auch  dem,  der  sich  dem  Zwang  der  Formalstufen
  nicht  fügen  mag.  Der  gleichen  pädagogischen  Richtung  gehören  die  Arbeiten  von
Thraendorf  und  Meltzer,  Reukauf  und  Heyn  an,  die,  zunächst  für  die  Volksschule  bestimmt,
  ihr  Verdienst  haben  durch  energische  Forderung  eines  wissenschaftlich  fundierten
Religionsunterrichte.  Besonderer  Beliebtheit  erfreuen  sich  verdientermaßen  die  “Hilfsmittel
zum  evangelischen  Religionsunterricht’,  unter  Mitwirkung  einer  Anzahl  Fachgenossen  herausgegeben
  von  Evers  und  Fauth  (Reuther  und  Reichard-Berlin).  In  knapper  Form,  ohne
methodologische  Bevormundung,  hier  und  da  aber  vielleicht  etwas  zu  viel  von  zergliedernder
Disposition  sich  versprechend,  bieten  die  Herausgeber  reiches  Material  und  anregende  Winke
zu  fruchtbarer  Darbietung  und  Ausgestaltung.  Der  Plan  umfaßt  A.T.,  N.T.,  Kirchengeschichte,
  Glaubens-  und  Sittenlehre;  der  Standpunkt  ist  gemüßigt  liberal;  unter  den  bisherigen,
  soweit  sie  mir  bekannt  wurden,  trefflichen  Heften  ragt  das  erste,  die  Bergpredigt
von  Evers,  hervor.  Besonders  erwähnt  sei  noch  Heft  12/14  “Deutsche  Synopse  der  drei  ersten
Evangelien’  von  Koppelmann.  Recht  bequem  macht  es  R.  Heidrich  dem  Lehrer  mit  seinem
“Handbuch  für  den  Religionsunterricht  in  den  oberen  Klassen’  (J.  Guttenteg,  G.  m.  b.  H,,
Berlin);  das  Werk  kann  wie  manches  andere  schädlich  werden,  wenn  der  Lehrer  sich  trotz
des  Verfassers  Protest  bei  seiner  Vorbereitung  darauf  beschränkt  und  sich  die  streng  wirsenschaftliche
  Literatur  mehr  und  mehr  fremd  werden  läßt.  Im  allgemeinen  verdient  es
übrigens  das  hohe  Lob,  das  ihm  fast  durchweg  gezollt  wurde.  Der  I.  Teil  behandelt  die
Kirchengeschichte,  der  II.  die  “Heilige  Geschichte’,  der  III.  die  Glaubens-  und  Sittenlehre.
Im  ganzen  macht  sich  die  Absicht  der  Schonung  bisweilen  nachteilig  bemerkbar.  In  der
Kirchengeschichte  wurde  das  erwählte  Vorbild,  David  Müllers  Geschichte  des  deutschen
Volkes,  verhängnisvoll:  manches  Anekdotenhafte  würde  man  gerne  missen,  wenn  dafür
sachlich  Wichtiges,  wie  der  Gnostizismus,  eingehender  behandelt  wäre.  Im  II.  Teil  ist  man
nach  der  ruhigen,  klaren  Erörterung  der  sogenannten  Wellhausenschen  Theorie  —  der  Verfasser
  ist  offenbar  überzeugt  von  ihrer  Richtigkeit  —  überrascht  zu  lesen,  daß  es  für  die
Schule  nun  doch  bei  der  alten  Ordnung  bleiben  soll,  stimmt  dann  freilich  gern  wieder  zu,
wenn  die  Propheten  als  die  Hauptsache  hingestellt  werden.  Wenn  endlich  nach  den  prinzipiellen
  Erörterungen  des  III.  Teiles  mit  den  Schülern  der  oberen  Klassen  Katechismus  und
Augustana  getrieben  werden  soll,  da  auch  ihnen  Milch,  nicht  starke  Speise  gebühre,  so
wird  doch  in  der  Ausführung  erfreulicherweise  weit  mehr  geboten;  die  Augustana  liefert
gewissermaßen  nur  die  Überschriften.  —  Wer  als  angehender  Religionslehrer  gern  das
Gruseln  lernen  möchte,  lese,  was  Heidrich  als  Bücherschatz  für  den  Unterricht  in  der
Kirchengeschichte  auf  5  eng  bedruckten  Seiten  zusammenstellt,  wobei  die  “streng  wissenschaftliche
  Literatur’  noch  ausgeschlossen  bleibt.  Sehr  umsichtig  und  praktisch  orientiert
für  die  Zeit  von  1886—1895  Fr.  Seyring  in  seinem  “Führer  durch  die  Literatur  des  evangelischen
  Religionsunterrichts  an  höheren  Schulen’  (Reuther  u.  Reichard-Berlin).  —  Seit
1890  erscheint  in  demselben  Verlage,  herausgegeben  in  Verbindung  mit  vielen  anderen  von
Fauth  und  Köster,  die  “Zeitschrift  für  den  evangelischen  Religionsunterricht’;  sie  brachte
bei  einem  etwas  schillernden  Standpunkt  bisher  doch  manchen  anregenden  und  fördernden
Aufsatz  aus  der  Praxis  und  für  die  Praxis,  daneben  Versammlungsberichte  und  eine  gründliche
  Bücherschau,  vernachlässigte  dagegen  in  ganz  auffälliger  Weise  die  lehrreiche  Geschichte
  des  Religionsunterrichts.  Besondere  Aufmerksamkeit  widmet  unserem  Gegenstande
such  die  von  Baumgarten  in  Kiel  herausgegebene  “Monatsschrift  für  die  kirchliche  Praxis’
(der  ‘Zeitschrift  für  praktische  Theologie’  Neue  Folge),  die  seit  1901  bei  Mohr  in  Tübingen
erscheint;  der  Name  des  Herausgebers  charakterisiert  sie  genugsam.  Aus  der  Zahl  der