Lehrgang  und  Schulbücher;  VI—V.  105

Testaments  besprochen;  so  ist  es  in  Preußen  Bestimmung.  Aus  dem  Katechismus
  sind  der  Dekalog,  die  Glaubensartikel  und  das  Vaterunser  auf  die  drei
unteren  Klassen  verschieden  verteilt,  meist  fällt  auf  VI  das  erste,  auf  V  das
zweite  Hauptstück.  Preußen  verlangt  für  beides  Luthers  Auslegung;  doch  wird
angemerkt:  ‘Wo  ein  anderer  Katechismus  in  den  kirchlichen  Gebrauch  aufgenommen
  ist,  wird  dieser  dem  Unterricht  in  allen  Klassen  zugrunde  gelegt,
oder  die  Behandlung  der  entsprechenden  Abschnitte  ist  unmittelbar  an  die  betreffenden
  Stellen  der  Heiligen  Schrift  anzuschließen”  Außerdem  sind  eine
‘mäßige  Zahl’  von  Katechismussprüchen  und  leichten  Schriftstellen  sowie  je
vier  Kirchenlieder  gefordert.  Die  bekannteren  neuen  “Hilfsbücher’  für  diese
Stufe  von  Halfmann-Köster!)  und  Marx?)  umfassen  zugleich  das  Pensum  der
Quarta  und  hgben  ihre  besondere  Bedeutung  speziell  für  diese  Klasse.  Doch
finden  sich  bei  beiden  unter  dem  Text  der  biblischen  Geschichten  außer  kurzen
Erklärungen  passende  Bibelstellen,  Katechismusstücke  und  Lieder  oder  Liederverse
  vermerkt.  Froh  zu  begrüßen  ist  auch  das  Streben,  sprachliche  Unebenheiten
  und  Schwierigkeiten  des  Lutherschen  Textes  zu  beseitigen.  Die  revidierte
Lutherbibel  kann  in  dieser  Beziehung  nicht  als  ausreichender  Fortschritt  gelten.
Unsere  Meinung  ist  schon  gesagt:  das  gesprochene  Wort  des  Lehrers  wird  sich
von  selbst  der  Fessel  einer  altertümlichen  Sprache  entledigen.  Aber  es  sei
doch  noch  die  zu  wenig  beachtete  Arbeit  Michaels?)  erwähnt;  hier  wird  Ernst
gemacht  mit  der  Befreiung  vom  Buchstaben,  und  zwar  in  durchaus  würdiger
Weise.  Dazu  klafft  auch  nicht  die  übliche  Lücke  zwischen  Esra-Nehemia  und
dem  Neuen  Testament;  Marx  schließt  die  alttestamentlichen  Erzählungen  schon
mit  Salomos  Tod  und  dem  Zerfall  des  Reiches  ab;  das  Weitere  bleibt  der  IV
vorbehalten.

In  IV  beginnt  lehrplanmäßig  die  Bibellektüre.  Der  Sieg  der  Schulbibel
darf  im  Prinzip  als  entschieden  angesehen  werden.)  Eine  bestimmte  einzelne

ı,  Hülfsbuch  für  den  evangelischen  Religionsunterricht  an  den  höheren  Lehranstalten.
I.  Teil.  Mit  6  Abbildungen  und  2  Karten.  2.  Aufl.  Reuther  u.  Reichard-Berlin  1901.

”)  Hilfebuch  für  den  evangelischen  Religionsunterricht  an  höheren  Lehranstalten.
I.  Teil.  Mit  10  Originalzeichnungen  von  Professor  Wilhelm  Steinhausen,  6  kulturgeschichtlichen
  Abbildungen  und  ö  Karten.  Kesselringsche  Hofbuchhandlung,  Leipzig-Frankfurt  1904.

°,  Biblische  Geschichten  für  die  Unterklassen  höherer  Schulen.  Annaberg  1901.  —
Abgesehen  von  den  bekanntesten  Schulbüchern  auf  diesem  Gebiet  sei  noch  erwähnt  die
weit  über  Hessens  Grenzen  verbreitete  ‘Biblische  Geschichte’  von  Th.  Klein  (Mainz).  Voelker
und  Strack  haben  als  Vorstufe  zu  ihrem  gleich  zu  erwähnenden  Biblischen  Lesebuch  “Biblische
  Geschichten  für  die  ersten  5  Schuljahre’  herausgegeben  (Ausgabe  B  für  höhere
Schulen,  3.  Aufl.  Hofmann-Leipzig  1908);  im  Anschluß  an  den  biblischen  Wortlaut  sind  60
alttest.  (Nr.  60:  Die  Juden  unter  den  Römern)  und  66  neutest.  (bis  zum  Pfingstfest)  Geschichten
  geboten  und  anhangsweise  Gebete,  Lieder,  Luthers  kleiner  Katechismus  mit  Angabe
  von  passenden  Sprüchen  und  Geschichten  nebst  2  Karten.  Genannt  sei  noch  das
“Religionsbuch  für  die  Hand  der  Schüler’  von  Walter  Haupt  (Mohr-Tübingen  1904),
dessen  erster  Teil  (‘Heilige  Bilder  aus  der  Geschichte  des  Reiches  Gottes’)  auch  für  Vorschulen
  höherer  Lehranstalten  in  Betracht  kommen  kann.

*)  Eine  Geschichte  der  Schulbibel  gab  Dix,  Wiesbaden  1892;  vgl.  dazu  auch  dessen
Bericht  in  den  MittIn.  1894  und  1897.