Lehrgang  und  Schulbücher;  IV—U  III.  107

mit  einem  Überblick  über  das  alttestamentliche  Schrifttum  überhaupt  auf  die
Oberstufe;  hier  muß  irgendwie  Raum  dafür  gewonnen  werden;  das  ist  eine
Forderung,  bei  der  ich  weitreichender  Zustimmung  gewiß  bin.  Daß  die  Quartaner
bei  ihrer  alttestamentlichen  Lektüre  allerlei  von  den  Schauplätzen  der  Begebenheiten,
  von  Palästina‘),  Ägypten,  erfahren,  daß  sie  auch  von  der  in  letzter  Zeit
so  geförderten  Kenntnis  der  assyrisch-babylonischen  Kultur  etwas  profitieren
müssen,  ist  eigentlich  selbstverständlich.  Marx  macht  einen  schönen  Anfang
dazu.?)  Das  wäre  eigentlich  Stoff  genug  für  Quarta,  lebrplannıäßig  kommen
aber  außer  Repetitionen  das  3.  Hauptstück,  einige  neue  Lieder  und  Sprüche
hinzu.  In  Hessen  wird  gar  noch  die  christliche  Sittenlehre  “erklärt  und  eingeprägt’.
  Diese  ließe  sich,  "soweit  sie  den  Dekalog  übersteigt’,  jedenfalls  besser
als  mit  der  dort  ausschließlich  vorgesehenen  alttestamentlichen  Lektüre  mit  der
synoptischen  verbinden.  Der  Memorierstoff  sollte  sich  auch  auf  dieser  Stufe
eng  an  die  Lektüre  anschließen;  die  Propheten  bieten  Sprüche  genug;  passende
und  lernenswerte  Liederstrophen  lassen  sich  leicht  dazu  auswählen  —  es  ist  ja
doch  nicht  nötig,  daB  immer  gleich  ganze  Lieder  bewältigt  werden.  Ein  kurzes
Wort  über  den  Dichter  aber  dürfte  hier  nicht  fehlen;  das  Persönliche  steigert
erfahrungsgemäß  das  Interesse.?)

UlII.  Preußen  schreibt  vor:  ‘Das  Reich  Gottes  im  Alten  Testamente’
und  entsprechende  Lektüre,  auch  aus  den  Psalmen  und  Propheten.  Was  zudem
außer  einigen  Bibelstellen  und  Liederstrophen  verlangt  wird:  Kirchenjahr,
Gottesdienstordnung,  4.  und  5.  Hauptstück,  gehörte  eigentlich  in  den  von  der
Kirche  erteilten  Unterricht.  In  Württemberg  treibt  man  auf  dieser  Stufe  Bibelkunde
  des  Alten  Testaments  mit  Lektüre  genau  vorgeschriebener  Abschnitte?)
aus  den  poetischen  und  prophetischen  Büchern,  dann  Matthäus  und  Lukas  nach

ı)  Hier  sei  verwiesen  auf  den  besonders  für  die  Hand  des  Lehrers  geeigneten  ‘Leitfaden
  der  biblischen  Geographie’  von  Erwin  Preuschen  (Roth-Gießen  1904),  dazu  auf  die  von
demselben  nach  Originalentwürfen  seiner  Frau  im  gleichen  Verlag  herausgegebenen  ‘Palästinabilder,
  Anschauungsmittel  für  den  Unterricht  in  der  biblischen  Geschichte’.

2)  Der  Lehrer,  der  sich  hier  nicht  mit  bloßem  Hilfsbuchwissen  begnügen  mag,  wird
sich  gründlichere  Belehrung  als  aus  Delitzschs  bekannten  Vorträgen  aus  den  von  der  vorderasistischen
  Gesellschaft  bei  Hinrichs-Leipzig  herausgegebenen  gemeinverständlichen  Darstellungen
  ‘Der  alte  Orient’  holen.  —  Ganz  besonders  sei  noch  der  “Bilderatlas  zur  Bibelkunde’
  empfohlen,  “ein  Handbuch  für  den  Religionslehrer  und  Bibelfreund’,  bearbeitet  von
Frohnmeyer  und  J.  Benzinger  (601  Abbildungen  mit  erläuterndem  Text.  Theodor  Benzinger-Stuttgart
  1908).

°,  Einige  Daten  geben  ja  meist  auch  die  Schulgesangbücher.  Gegen  diese  sollte  man
schon  mit  Rücksicht  auf  die  geringere  körperliche  Belastung  der  Kinder  beim  Schulweg
nichts  einwenden.

“%  O.  Mayer  übt  im  ‘Neuen  Korrespondenzblatt  für  die  Gelehrten-  und  Realschulen
Württembergs’  X,  11  an  diesem  bindenden  Verzeichnis  treffende  Kritik.  Inzwischen  mühen
sich  andere  ab,  die  vorgeschriebenen  Bibelstellen,  an  sich  ohne  Zusammenhang,  80  zu  gruppieren,
  daß  sie  in  einem  zusammenhängenden  Unterricht  an  geeignetem  Ort  zur  Behandlung
kommen,  vgl.  Friedrich  Köstlin,  Schülerhefte  zum  Unterricht  in  der  Bibelkunde  Alten
und  Neuen  Testaments,  Mohr-Tübingen  1904.  Zur  Erklärung  dient  der  bekannte,  sehr
brauchbare  Leitfaden  von  Friedrich  Köstlin,  im  gleichen  Verlag  erschienen  (A.  T.  1904,
N.T.  1902).