Hebräisch.  117

HEBRÄISCH.

Von  Lic.  Hans  VOLLMER.

In  seiner  ‘Oratio  de  studiüis  linguae  ebraicae’")  sagt  Melanchthon:  "Yult  Deus
in  ministerio  evangelico  donum  esse  interpretationis.  Fidelissimi  autem  interpretes
linguam  Ebraicam  etiam  senes  didicerunt,  quia  iudicabant  leclionem  Ebraicam
consulendam  esse  ut  Hieronymus,  Lyranus,  Burgensis?”):  et  nostro  tempore  Galatinus?),
  Complutensis*),  Wesselus,  Capito,  Rudolphus  Agricola  et  multi  alii.  Verum
alii  ignari  linguae,  ut  Hugo  et  similes  multi,  quales  sunt  interpretes?  lignum  findunt
  clave  et  seras  aperiunt  securibus,  ul  in  proverbio  dieitur’.  Die  große  Lücke,
die  zwischen  Hieronymus°®)  und  Nikolaus  von  Lyra  klafft,  können  auch  wir
nicht  mit  christlichen  Namen  ausfüllen.  Die  schwachen  Spuren  hebräischer
Gelehrsamkeit,  wie  wir  sie  hier  und  da  bei  karolingischen  Grammatikern  finden,®)
gehen  meist,  mittel-  oder  unmittelbar,  auf  Hieronymus  zurück.  Von  einer  wissenschaftlichen
  Erforschung  der  hebräischen  Sprache  kann  vollends  auf  christlicher
Seite  zu  einer  Zeit  nicht  die  Rede  sein,  wo  die  Juden,  denen  auch  Hieronymus
seine  Kenntnisse  entlehnt  hatte,  durch  Berührung  mit  den  Arabern  selbst  erst
eben  anfingen,  das  Hebräische  grammatisch  zu  betrachten.  Erst  im  10.  Jahrhundert
  finden  sich  eigentliche  Grammatiker  unter  den  Massorethen.  So  kam
Dünasch  b.  Labrät  (Aussprache  unsicher)  im  Anschluß  an  die  Araber  zur  Erkenntnis
  der  kranken  (schwachen)  Wurzeln,  und  Mose,  der  Bruder  des  berühmteren
  David  Kimchi  (um  1200),  vertauschte  das  den  Arsbern  entlehnte
Musterverbum.  &gt;98  mit  pP.”)

1)  "Quam  recitavit  Andreas  Wislingius  in  Regiomonte  Prussiae  anno  dom.  1546’  ;  Corp.
Reform.  XI,  708sqg.

»,  Paulus  von  Burgos,  }  1435,  bekannt  durch  seine  Additiones  zu  den  Postillen  des
Nikolaus  von  Lyra.

s\,  Petrus  Columna  Galatinus  (aus  Cajazzo)  nahm  in  seinem  übrigens  den  Raymundus
Martini  ausplündernden  ‘Opus  de  arcanis  catholicae  veritatis’  für  Reuchlin  Partei  (vgl.  Jöcher).

*)  Ximenes?  oder  Alfons  von  Zamora?

&amp;)  Über  die  Aussprache  des  Hebräischen  bei  Hieronymus  vgl.  Karl  Siegfried,  Zeitschr.
f.  d.  alttestam.  Wissensch.  1884,  84  ff.

6,  So  z.  B.  in  einem  Kommentar  zur  Ars  prims  des  Donat,  vgl.  Rhein.  Mus.  XX,  364;
vgl.  auch  Haupt,  Zeitschr.  f.  deutsch.  Altertum  XIV,  22.

r,  Ein  für  allemal  sei  hier  verwiesen  auf  Wellhausens  ‘Kurze  Übersicht  über  die  Geschichte
  der  alttestamentlichen  Wissenschaft’  in  der  5.  Auflage  von  Bleeks  Einleitung  in
das  Alte  Testament  (Reimer-Berlin  1886,  S  697ff.)  und  die  Artikel  von  Oehler-Nestle  in