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sein  "goldenes  Zeitalter’  sah.  Wie  Spener  damals  die  jungen  Theologen  ermahnte,
  sich  auf  den  üblichen  Studienfahrten  bei  dem  ebenso  gelehrten  wie
uneigennützigen  Esdras  Edzard  (  1708)  aufzuhalten,  was  besonders  Francke
diesem  Manne  verdankte,  der  ihn  statt  der  bisherigen  unfruchtbaren  und  verwirrenden
  grammatischen  Vorstudien  vor  allem  energisch  zu  hebräischer  Lektüre
anhielt,  zunächst  der  ‘vier  Kapitel’  (Gen.  1—4),  das  schildert  Behrmann  eingehend
  (a.  a.  0.  S.42ff.).  Löscher,  Wolf,  Wähner,  die  beiden  Michaelis,  Onkel
und  Neffe,  und  Rambach  sind  aus  dieser  Zeit  noch  zu  erwähnen.  Die  Erweiterung
  des  Gesichtsfeldes,  wie  sie  der  Rationalismus  brachte,  scheint  für  den
Schulbetrieb  des  Hebräischen  zunächst  einen  gewissen  didaktischen  Materialismus
  gezeitigt  zu  haben.  Man  dehnte  die  Studien  aus,  trieb  vielfach  auf  der
Schule  auch  Syrisch  und  Arabisch!)  und  ließ  mitunter  aramäische  Schülerreden
halten.  Intensität  aber  wird  schwerlich  die  Stärke  eines  solchen  Unterrichtes
gewesen  sein.

Die  neuere  und  neueste  Zeit,  deren  wissenschaftliche  Erfolge  auf  grammatisch-lexikalischem
  Gebiet  an  die  Namen  Gesenius,  Ewald,  Olshausen,  Böttcher,
Stade,  König,  Luzzatto,  Kautzsch,  Strack,  Lagarde,  Nöldeke,  Barth,  Siegfried,
Buhl,  Brown,  Driver  u.  a.  sich  knüpfen,  hat  eine  große  Anzahl  von  Schulbüchern
  hervorgebracht,  die  der  gewonnenen  tieferen  Erkenntnis  Rechnung
tragen.  Von  ihnen  gehören  die  tüchtigen  Arbeiten  von  Nägelsbach  (1870  3.  Aufl.)
und  Thiersch  (1858  2.  Aufl.)  bereits  der  Geschichte  an.  Über  mehrere,  die  sich
jetzt  noch  im  Gebrauch  befinden,  wird  weiter  unten  berichtet.?)

Im  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  scheint  der  regste  Eifer  um  das  Hebräische
in  Württemberg  vorhanden  gewesen  zu  sein.  Nach  Oehler  trieb  man  es  hier
bis  1830  auch  in  den  niederen  Lateinschulen  vom  11.  Jahre  an,  soweit  die
Schüler  für  die  Theologie  bestimmt  waren.  Auf  den  sogenannten  niederen
Seminarien  ist  das  Hebräische  Pflichtfach  geblieben.  Die  neuesten  Lehrpläne
für  die  Gymnasien  und  Lyceen  Württembergs  verordnen,  den  zukünftigen  Theologen,
  “soweit  tunlich,  Gelegenheit  zur  Erlernung  der  hebräischen  Sprache’  zu
bieten.  In  Baden  waren  Ende  des  18.  Jahrhunderts  die  5  letzten  Schuljahre
für  das  Hebräische  bestimmt;  Aramäisch,  Syrisch  und  Arabisch  wurden  erst
seit  1849  von  der  Schule  ausgeschlossen.  Heute  erstreckt  sich  der  fakultative
Unterricht  im  Hebräischen  über  4  Jahre  mit  2  Wochenstunden.  Für  Sachsen
bestimmt  die  Lehrordnung  von  1893  als  Lehrziel:  “Einige  Sicherheit  im  Lesen
des  Hebräischen  wie  in  den  Elementen  der  Grammatik  und  die  Fähigkeit,
leichte  geschichtliche  Stellen  des  Alten  Testaments  bei  einiger  Nachhilfe

1!)  Johann  David  Michaelis  soll  1757  empfohlen  haben,  diese  Sprachen  auf  der  Schule
vor  dem  Hebräischen  zu  lehren;  für  dieses  selbst  werde  etwa  das  letzte  Vierteljahr  ausreichen.


*%)  Zur  Ergänzung  dieser  geschichtlichen  Skizze  können  noch  folgende  bisher  nicht  erwähnte
  Stellen  aus  der  ja  leider  registerlosen  Sammlung  evangelischer  Schulordnungen  von
Vormbaum  dienen:  I  204  (Breslau  1570),  I  699f.  (Johannes  Sturm  1566),  II  570  (Halle  1661),
Il  694  (Güstrow  1662),  II  631  (Bayreuth  1664),  II  768  (Herford  17.  Jahrhdt.),  III  77f.  (Halle
1702),  III  232f.  (Halle  1721).