142  Carıtamez:  Katholischer  Religionsunterricht.

ihrem  kulturellen  Wirken  gibt,  wird  es  in  unserer  Zeit  freilich  nicht  leicht
möglich  sein,  daß  an  allen  oder  auch  nur  an  den  einzelnen  Anstalten  von  allen
Faktoren  gemeinsam  und  in  ganz  gleichem  Geiste  auf  die  vollständig  gleiche
religiöse  Ausbildung  hingearbeitet  wird,  aber  sicherlich  darf  dem  allgemeinen
christlichen  Gefühle  nirgendwo  ein  Hemmnis  entgegengesetzt  werden,  vielmehr
wird  von  höchster  Stelle  oft  genug  betont,  daß  der  Einfluß  der  religiösen
Tätigkeit  mit  allen  Kräften  unterstützt  werden  muß.  Das  katholische  Volk
bedauert  allgemein  die  Preisgabe  der  konfessionellen  höheren  Schule,  aber  der
Einzelne  gibt  sich,  den  Zeitverhältnissen  Rechnung  tragend,  zufrieden,  wenn  die
religiöse  Erziehung  der  Schüler  gesichert  und  das  religiöse  Moment  wirklich  in
das  Zentrum  der  Schultätigkeit  gerückt  ist.

Religion  als  Bildungsfaktor.

Die  christliche  Religion  ist  ein  wirklicher  Bildungsfaktor.  Den  mancherseits
  herrschenden  unchristlichen  und  verirrtten  pädagogischen  Bestrebungen
fehlt  es  an  Kraft  und  durchdringenden  Motiven.  Aber  gerade  unsere  Religion
weist  den  ganzen  Unterricht  auf  das  höhere  übernatürliche  Ziel  des  Guten  und
Wahren  hin.  Die  übernatürlichen  Motive  werden  gezeigt,  die  göttliche  Gnade
wird  betont,  der  Mensch  wird  auf  die  jenseitige  Verantwortung  hingelenkt,  und
so  erleichtert  der  Religionsunterricht  die  ganze  natürliche  Erziehungsaufgabe.
Wo  Religion  herrscht,  da  herrscht  Fleiß  und  Eifer,  Folgsamkeit  und  Zucht,
Ehrfurcht  gegen  Schule  und  Staat,  kurz  heilige  Pflichterfüllung.  Deshalb  schon
hat  die  Schule  Interesse  daran,  den  Religionsunterricht  als  Pflichtfach  aufzunehmen,
  ihn  an  die  erste  Stelle  zu  setzen  und  die  Tätigkeit  des  Religionslehrers
  zu  unterstützen.  Die  Jugend  ist  stürmisch,  die  Leidenschaft  verwirrt;
die  Religion  hemmt  und  dämmt  die  Leidenschaften.  Religiös  erzogene  Schüler
werden  gute  Staatsbürger.  Speziell  der  katholische  Religionsunterricht  leitet
zur  Gewissenhaftigkeit  und  Selbstprüfung,  und  die  besten  Mittel  hierzu  bleiben
Beichte  und  Kommunion.!)

Ziel  des  Religionsunterrichtes.

Das  Ziel  des  Religionsunterrichtes  bezieht  sich  auf  die  Zeit  während  und
nach  den  Schuljahren.  Die  Religion  ergreift  zunächst  die  Gegenwart.  Der
Schüler  muß  also  für  die  Dauer  seiner  Schulzeit  zur  freudigen  und  lebendigen
Auf-  und  Erfassung  seines  Glaubens  angeleitet  werden.  Tief  durchdrungen  von
Liebe  zu  seiner  Religion,  soll  er  nach  dem  Glauben  leben.  So  wird  der  Mensch
zur  Zucht  und  das  Herz  zur  bereitwilligen  Fügsamkeit  und  Pflichterfüllung  um
des  Gewissens  willen  gewöhnt.  Diese  treue  Erfüllung  der  religiösen  Pflichten
soll  vor  allem  über  die  Schulzeit  hinaus  und  auf  das  ganze  Leben  hinzielen.
Da  werden  die  Gefahren  mächtiger  auf  den  jungen  Mann  hinstürmen.  In  diesen

ı)  Vgl.  Katholik  1829  Heft  I:  Über  christliche  Erziehung  überhaupt  und  über  christlichen
  Religionsunterricht  an  höheren  Bürgerschulen  insbesondere.  Vgl.  auch  die  einleitenden
  Abschnitte  aus  Schrader,  Schiller,  Willmann  8.8.0.  Münch,  Geist  d.  L.  S.  444.  MB.  IL
4,  5,  6,  7:  Das  Referat  über  Lehmann,  Erziehung  und  Erzieher.