Ziel  und  Fehler  beim  Religionsunterrichte.  143

Glaubens-  und  Gewissensstürmen  soll  er  standhalten,  Gott  und  seiner  Kirche
treu  bleiben,  in  Staat  und  Gesellschaft  seine  Pflicht  erfüllen  und  in  allen  nach
den  Prinzipien  der  katholischen  Religion  leben.

Schwierigkeiten.

Dies  ist  ein  hohes  Ziel,  welches  des  Schweißes  der  Edlen  wert  ist.  Nicht
durch  Spielen  und  Tändelei,  nur  durch  energische  Arbeit  und  pädagogische
Konsequenz  läßt  es  sich  erreichen.  Mit  kindlichem  Vertrauen  empfängt  der
Schüler  der  unteren  Klassen  den  religiösen  Unterricht;  auf  den  mittleren  Klassen
wird  sein  Eifer  durch  verständige,  manchmal  altkluge  Grübelei  zugleich  geweckt
und  gehemmt.  Schon  manche  anderseitige  Einflüsse  stürmen  auf  ihn  ein,  aber
er  bleibt  der  Hauptsache  nach  doch  noch  Kind,  und  er  glaubt  und  vertraut.
Mit  mehr  verständnismäßiger  Tätigkeit  hat  der  Lehrer  auf  den  oberen  Klassen
zu  rechnen.  “Zu  eigenem  Finden  und  Urteilen,  zu  selbsttätigem  Vergleichen
und  Schätzen,  zu  selbständigem  Studium  auch  auf  religiösem  Gebiete  sollen  die
Schüler  gebracht  werden.  Allseitig  und  gründlich  muß  dieser  Unterricht  sein,
um  so  mehr,  als  gegenüber  dem  Humanismus  der  Schule  die  Ausbildung  in  der
christlichen  Gesinnung  und  Handlungsweise  gleichen  Schritt  halten  muß.’')  Die
hemmenden  Einflüsse,  die  von  manchen  Seiten  auf  den  Schüler  einwirkten,  sei
es  aus  dem  eigenen  Herzen  heraus,  sei  es  aus  der  nächsten  Umgebung  des
Schülers,  der  Schule  selbst  und  dem  Elternhause,  haben  dem  unerfahrenen
Jünglinge  so  manches  vorgebracht,  was  ihm  gegen  die  Unerschütterlichkeit
seines  Glaubens  zu  sein  scheint.  Die  Lektüre  der  Tagesblätter  und  Zeitschriften
mit  ihren  oberflächlichen  und  oft  genug  böswilligen  Ansichten  und  Einwänden
inscht  leicht  den  Jüngling  stutzig.  Und  gerade  im  Jünglingsalter  ist  der
Mensch  zur  Rechthaberei  angelegt;  er  hört  von  eigenen  Ansichten  und  will  selbst
solche  haben,  er  ist  voll  Oberflächlichkeit  und  Widerspruchsgeist,  er  will  alles
kennen  und  verstehen,  er  will  über  alles  richten  und  urteilen.  Das  Mancherlei
des  Unterrichtes  und  die  Vielseitigkeit  der  Bildungsfächer  haben  diese  natürliche
  Unart  begünstigt.  Mit  all  diesen  Faktoren  muß  der  Religionslehrer  rechnen
und  dies  um  so  mehr,  als  in  unserer  Zeit  das  Autoritätsgefühl  erkaltet  und  das
Ich  und  die  eigene  Ansicht  die  Menschen  zu  leiten  angefangen  hat.?)

Didaktische  Fehler.

Da  gilt  es  also  nach  der  theoretischen  wie  praktischen  Seite  zu  unterrichten;
  mit  der  fortschreitenden  Entwicklung  des  Schülers  muß  deshalb  der
Religionsunterricht  gleichen  Schritt  halten;  er  muß  auf  allen  Stufen  befriedigen.
  Die  Religionskenntnisse  müssen  erweitert,  die  Grundlagen  des  christlichen
Glaubens  wollen  vertieft  werden.  Wie  der  Schüler  reifer  wird,  soll  er  auch
immer  christlicher  werden.  Der  Unterricht  spricht  zu  dem  Verstande  des

ı)  Walter  8.19.  Vgl.  daselbst  S.  94  über  die  Schwierigkeiten  beim  Religionsunterricht.
  Vgl.  MB.  II.  9.  10:  ‘Der  Religionslehrer,  seine  Gegenerzieher  und  Miterzieher  unter
den  heutigen  Zeitverhältnissen.’

r,  Vgl.  Katholik  1828,  8.  14.